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Grass und die Denkpolizei (Teil 1)

1)      Der Zionismus war niemals an Friedensbedingungen interessiert, die die Palästinenser wirklich akzeptieren konnten.

2)      Die westlichen Regierungen werden NIEMALS Druck auf die zionistische Führung ausüben, sie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft ziehen, es sei denn, sie werden von informierten Bürgern dazu gedrängt, durch eine aktive Demokratie.

3)      Die Bürger sind falsch informiert, einer Gehirnwäsche unterzogen worden, Presse und Politik haben nicht den Mut, sich mit den Zionisten anzulegen [der Schuldkomplex aus dem Holocaust wird dazu missbraucht, ihr Schweigen sicherzustellen]

(Politische Realitäten lt. Historiker Ilan Pappe bei einem Vortrag über die Geschichte Israels)

 

Günter Grass befindet sich also im Visier der zionistischen Sprachpolizei, die seit Jahren die deutschen Medien beherrscht. „Thinkpol“, die Denkpolizei, so nannte es George Orwell in seinem Buch „1984“.

Diese Variante von Thinkpol arbeitet nicht mit sichtbarer Gewalt, wie man es aus autoritären Regimen kennt, sondern wesentlich effektiver, weil viele Akteure (vor allem in den Medien) gar nicht merken, dass ihre Wahrnehmung über die Absichten des Staates Israel erfolgreich manipuliert wurde. Andere nehmen zwar die Einschüchterung wahr, haben aber nicht den Mut, über den „electrical fence“ (Nick Davies) zu steigen.

Dank ThinkPol muss Günter Grass einem prominenten ARD-Journalisten wie Tom Buhrow erklären, welche Bedeutung das Weglassen des historischen Kontexts bzw. wichtiger Fakten hat, wenn Medien die „öffentliche Meinung“ über die Rolle Israels oder Irans in der Nahost-Region (zugunsten Israels) formen. (Buhrow hat es aber noch immer nicht begriffen oder er ist unglaublich naiv)

Dank ThinkPol muss sich ein Nobelpreisträger für Literatur von den selbstherrlichen Sumpfdotterblumen des Feuilletons verunglimpfen lassen, die ihm „Selbsthass“, „Verdrehung von Ursache und Wirkung“, „Feigheit“, „Selbstgerechtigkeit“ und „Kälte“ vorwerfen, nur weil er es gewagt hat, einige unliebsame Wahrheiten auszusprechen. (mehr dazu später)

Dank ThinkPol wird Grass zur persona non grata  in  Israel erklärt, weil er es gewagt hat, die Politik des Staates Israel [speziell sein Atomprogramm]als Gefahr für den Weltfrieden zu bezeichnen. Talk about Chuzpah. Riesige Empörung wird laut, denn damit werde suggeriert, Israel und Iran stünden moralisch auf der gleichen Stufe  (Bottom line: It’s not the nuclear weapons, stupid: it’s who has them …)

Versuchen wir doch einmal, der zionistischen Denk- und Sprachpolizei auf die Schliche zu kommen und die Debatte zu analysieren. Zunächst werden drei Fragen gestellt:

1.       Was hat Grass wirklich gemeint?

2.       Wieso die große Aufregung? Worauf zielt die massive Kritik an seinem „Gedicht“?

3.       Handelt es sich um eine „Scheindebatte“? Soll von den wirklich wichtigen Themen abgelenkt werden?

 „Und das Motto vom Gedicht:  Israel darf und andere nicht“. (aus: Spiegel Online Forum)

 1. WAS WOLLTE GRASS WIRKLICH SAGEN?

Im Interview mit Tom Buhrow sagt er zu den Reaktionen auf sein Gedicht:

„Was auffällt, ist das Sich-Nicht-Einlassen auf den Inhalt, auf die Fakten … die müssen ja dann widerlegt werden. Z.B. das tabuisierte Thema, dass außerhalb jeder Kontrolle der Staat Israel eine Atommacht ist und zwar seit längerer Zeit.“

Das Thema des Schweigens als Ausdruck einer Mittäterschaft ist Grass wichtig: er stellt einen wichtigen Kontext zur „deutschen Geschichte“ her: Der  pauschale Vorwurf an „die Deutschen“ lautet ja, sie hätten sich in die eigene Tasche gelogen, wenn es hieß „wir haben es ja nicht gewusst“. Das sei eine Schutzbehauptung, um sich vor der Mitverantwortung für die Nazi-Verbrechen zu drücken. (Diese Mitverantwortung oder „Schuld“ kann aber nicht auf die nachkommenden Generationen übertragen werden, das wäre „Sippenhaftung“. Doch genau das wollen die Zionisten: Deutsche sollen sich für immer und ewig schuldig fühlen und die „moralische Pflicht“ (Mund halten) gegenüber dem Staat Israel wahrnehmen. Ich komme später noch darauf zurück)

Deshalb gehöre es „zu den Pflichten eines Schriftstellers, eines Bürgers diese Dinge anzusprechen“. Ein Angriff auf den Iran hätte schwerwiegende Folgen für die ganze Region und auch für die Welt (man denke nur an die explodierenden Ölpreise).

Dass Buhrow und die meisten anderen ThinkPol Geschädigten, schon den Titel „Was gesagt werden musste“ –als Provokation bezeichnen, spricht für sich. Dass Grass dadurch Arroganz (Aufspielen zur moralischen Instanz) unterstellt wird, gehört zum normalen Repertoire der zionistischen character assassination: Grass hat in der Sache absolut Recht, aber seine Motive (das Schweigen über Israels Verbrechen und Lügen zu brechen) werden in den Dreck gezogen, um ihn zu diskreditieren. Die Presse-Meute überbietet sich anschließend darin, seine Person, seinen Charakter zu attackieren, der Inhalt der Kritik gerät so immer mehr in den Hintergrund.

Grass macht klar, dass er die Androhung eines israelischen Präventivschlages durch die gegenwärtige Regierung als sehr besorgniserregend einstuft, auch weil der Kontext (die militärischen Kräfteverhältnisse und die historischen Fakten zu Israel und Iran) weggelassen wird. Dass die Atommacht Israel (mit dem viertstärksten Militär der Welt) sich immer als armes, kleines Land präsentiert, das sich doch nur gegen die bösen, islamischen Horden wehren muss, wird von den Medien kritiklos übernommen.

Doch Buhrow und die anderen Medienschafe begreifen nicht, dass sie selbst die größten Versager sind, wenn es darum geht, bittere Wahrheiten (hier über Israel und die heuchlerische EU) unters Volk zu bringen.

Man ist empört, weil Grass von einem „Erstschlag“ spricht, der „das iranische Volk auslöschen könnte“. Grass erläutert, dass er nicht wisse, ob Israel Atomwaffen einsetzen würde, er aber eine Bombardierung atomarer Anlagen auch für eine Katastrophe halte, die durch radioaktive Verseuchung entstünde. (Der Einsatz von Uranmunition im Libanon und im Irak, sowie „novel weapons“ in Gaza sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, davon weiß Herr Buhrow natürlich nichts …Ignorance is Strength ) BILDER

Wie sehr Buhrow zum Vorteil Israels durch ThinkPol indoktriniert ist, zeigt sich in folgender Frage:

„Machen Sie da nicht den Staat, der aus dem Holocaust hervorgegangen ist, das Volk der Opfer zu einem potentiellen Täter in einem regelrechten Völkermord? … das ist eine starke Sprache“

Vielleicht kann man die Wortwahl von Grass als zu extrem kritisieren, einige unterstellen ihm sogar, „Auslöschen“ sei ein verräterischer Hinweis darauf, dass er seine eigene Vergangenheit durch „Schuldprojektion“ bewältigen wolle. Doch welche Schuld hat ein 17-jähriger, der vom NS-Regime eingezogen wird, auf sich geladen?

Doch die Reaktion Buhrows ist wirklich sehr aufschlussreich und zeigt seine Naivität bzw. pro-israelische Haltung:

das „Volk der Opfer“ bzw. seine politische Führung wurde bereits seit 1948 (durch ethnische Säuberungen und Terrorkampagnen) zum Täter, wie Ilan Pappe, Avi Shlaim, Noam Chomsky und viele andere seit Jahren analysieren bzw. dazu kommentieren.

Seit 1967 existiert der Horror einer brutalen Besatzung, die sich über jedes Völkerrecht bzw. über die Menschenrechte der Palästinenser hinwegsetzt. Doch da diese Besatzung in den Medien nie gezeigt, nie kritisiert wird, ist sie für Buhrow und seine Gesinnungsgenossen kein Thema. (siehe dazu meine früheren Blog-Beiträge zum Thema Israel)

Dass es in Israel eine Gruppe von Dissidenten (ehemaligen IDF-Soldaten) mit dem Titel „Breaking the Silence“ gibt, die über die Brutalitäten der Besatzung aufklären will, interessiert diese „Journalisten“ ebensowenig.

Der Staat Israel ist auch nicht „aus dem Holocaust hervorgegangen“, sondern war ein zionistisches Siedler-Kolonialprojekt, das schon Ende des 19. Jahrhunderts geplant wurde. Die brutalen Methoden, die die Zionisten (in den Lagern der Holocaust-Überlebenden und Flüchtlingen) anwendeten, um  „Freiwillige“ für Palästina zu rekrutieren, sind Herrn Buhrow wohl auch fremd. Er hat den ganzen Gründungsmythos der zionistischen ThinkPol geschluckt: hook, line and sinker.

Grass warnt davor, dass sich der Konflikt mit dem Iran ausweiten könnte (andere Länder werden mit hineingezogen), dass die Situation sehr gefährlich sei, in einer so instabilen Region. Damit ist er in bester Gesellschaft: US-Generäle warnen ebenfalls vor einem Präventivschlag auf Iran und selbst hochrangige, ehemalige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes teilen diese Einschätzung.

Schließlich kommt Grass auf die „Siedlungen“ und die Besatzung zu sprechen:

„ Die Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten ist illegal  … es gibt nur wenige Länder, die UN-Resolutionen so missachten, wie Israel Enteignungsprozesse, die dort stattfinden, sind das Ergebnis einer Besatzungspolitik und damit auch der Kritik würdig. Dieses Aussparen, dieses feige Sich- Weg-Ducken [muss aufhören)…“

Buhrow geht auf das Schlüsselthema (als Ursache des Nahost-Konfliktes) der illegalen, seit Jahrzehnten andauernden Besatzung nicht ein. Der Terror, dem die Palästinenser dort täglich ausgesetzt sind, (weil sie im Endeffekt entrechtet werden) interessiert ihn nicht. Die palästinensischen Gewaltausbrüche (Intifada) als Antwort auf diesen Besatzungsterror zu sehen, dafür hat er auch kein Interesse. Er konzidiert nur, dass Grass „legitime politische Anliegen“ vorbringe.

Dann die nächste ThinkPol Frage von Buhrow:

„Was haben denn die Palästinenser mit dem iranisch-israelischen Konflikt zu tun?“

Mein Gott. Solche Leute zählen sich heute zu den „Intellektuellen“ in Deutschland. Zu den „Top-Journalisten“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, für die deutsche Bürger Gebühren zahlen müssen.

Wie jeder halbwegs gebildete EU-Bürger weiß, zeigt das iranische Volk eine große Solidarität mit seinen muslimischen Brüdern in Gaza und der West Bank (auch in anderen Ländern, wie dem Irak oder Afghanistan, wo Muslime reihenweise von westlichen „Demokratien“ umgebracht werden;).

“The Imam said this regime occupying Jerusalem must vanish from the page of time".

Der Iran unterstützt (ebenso wie Syrien) den Freiheitskampf der Palästinenser und wird nicht müde, „das zionistische Regime in Jerusalem“ zu kritisieren, das „aus den Geschichtsbüchern verschwinden wird“, wie es der verstorbene Ayatollah Khomenei formulierte. Daraus wurde dann der unglaubliche Spin: „Israel müsse von der Landkarte verschwinden“, ein Satz, den Ahamdinejad so nie gesagt hat, den aber ARD, ZDF, und alle anderen Medienschafe seither ständig wiederholen … deshalb wird die Lüge auch nicht wahr… aber sie wirkt in den Köpfen, um Iran zu dämonisieren …)

Also: Iran und Syrien unterstützen Hamas bzw. Hisbollah. Beide Gruppen waren, trotz des enormen Ungleichgewichtes der Kräfte (zum hochgerüsteten Israel) relativ erfolgreich, besonders Hisbollah, die es schaffte, das sich Israel aus dem Südlibanon zurückzog. Beide sind eben nicht nur „Terroristen“, sondern politische Parteien, die – trotz mancher Kritik – hohes Ansehen in der arabischen Welt genießen. Weil sie nicht korrupt sind (im Gegensatz zur Fatah, Israels „partner for peace“(!) und weil sie für die Selbstbestimmung der Palästinenser und gegen die regionale Hegemonie Israels (und der USA) kämpfen.

Israel hat also ein starkes Interesse daran, diese beiden Länder zu dämonisieren, durch Sanktionen zu schwächen und schließlich durch Bomben zu zerstören. Alles natürlich nur als „Selbstverteidigung" des armen, kleinen, bedrohten Landes.

Buhrow und seinesgleichen sind entweder extrem dumm oder von ThinkPol schon  intellektuell „neutralisiert“ worden.

Video: Wie die Medien sich für die zionistische Propaganda einspannen lassen …

Fortsetzung folgt … (darin u.a.)

  • Iran: der historische Kontext – Wer ist hier Opfer, wer Täter?
  • NPT:  Wer darf Atomwaffen haben, wer nicht und warum?
  • Wer ist die größte Bedrohung für den Weltfrieden? (EU-Umfrage)

Einstein & das (andere) Schwarze Loch

„Wenn uns eine echte und endgültige Katastrophe  in Palästina ereilen sollte, wären an erster Stelle die Briten dafür verantwortlich und an zweiter Stelle jene  terroristischen Organisationen, die aus unseren eigenen Reihen aufgebaut wurden.

Ich will mit keinem Menschen, der mit diesen irregeführten und kriminellen Leuten assoziiert ist, etwas zu tun haben.“  

Antwortschreiben Albert Einsteins vom 10.April 1948 auf das Ersuchen, sich in den USA als Gallionsfigur / Fundraiser für   israelische „Freiheitskämpfer“ zu engagieren, die besser unter den Kürzeln „Irgun“  bzw. „Stern Gang“ bekannt sind; beide waren extremistische Ausblühungen der Haganah und verübten zahlreiche Terroranschläge in Palästina.

Hier der Originalbrief:

Vier Wochen später (am 14.Mai 1948) wurde der Staat Israel proklamiert und die erste große „Staatshandlung“ war die Vertreibung tausender Palästinenser aus ihren Dörfern durch eine lange vorher geplante (und bereits begonnene) Terrorkampagne.

Einstein schrieb den o.a. Brief einen Tag nach dem Massaker von Deir Yassin, das Teil dieses mörderischen Planes war und die ausländische Presse schockierte: 250 Dorfbewohner wurden aus dem Schlaf gerissen und auf ekelhafte Weise abgeschlachtet (darunter schwangere Frauen und Kinder), die anderen flohen in Panik; das Dorf wurde zerstört, sogar der Friedhof wurde dem Erdboden gleichgemacht; ähnliche Szenen ereigneten sich in vielen anderen arabischen Kommunen. (Historische Quellen und Details in Ilan Pappe: Die Ethnische Säuberung Palästinas sowie in meinen früheren Blogbeiträgen zum Thema Israel bzw. Palästina).

Um das ganze Ausmaß der zionistischen Skrupellosigkeit zu erfassen, muss folgendes noch erwähnt werden: Die Bewohner von Deir Yassin hatten einen Friedenspakt mit den Bewohnern des jüdischen Nachbarortes geschlossen und sich geweigert, als Militärstützpunkt für die arabische Befreiungsarmee zu dienen. Sie wollten nur in Frieden in ihrem Land leben.

Opfer von Deir Yassin

Doch alles nützte nichts: „die müssen weg“ lautete das Motto, Vertreibung, Mord, Terror, alle Mittel waren recht und wurden in den Köpfen der Zionisten als notwendiger „Transfer“ der Araber rationalisiert.

Man muss sich das klarmachen: nur drei Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz hat der neue Judenstaat kaltblütig geplante, ethnische Säuberungen durchgeführt, und so die Hälfte der einheimischen Bevölkerung vertrieben.

Hunderte Menschen wurden ermordet, hunderttausende flohen in Panik (viele starben auf der Flucht an Erschöpfung), ihre Dörfer wurden zerstört, die Zeichen ihrer Religion ausradiert, damit „das auserwählte Volk“ das Land in Besitz nehmen konnte (das ganze Land natürlich, UN-Teilungsplan hin oder her).

Doch damit nicht genug: um den Flüchtlingen jede Rückkehr unmöglich zu machen, wurden Gesetze eingeführt, die den Nürnberger Gesetzen im Punkto Rassismus und Unrecht kaum nachstehen: Juden aus aller Welt erhielten ein automatisches „Recht“ in Israel / Palästina zu bleiben (nur Juden dürfen Land besitzen), während die rechtmäßigen Eigentümer, Familien, die schon seit Jahrhunderten dort gelebt hatten, kein Rückkehrrecht hatten – eben weil sie keine Juden waren. Diese Regelung gilt noch heute. Und das geht als „einzige Demokratie im Nahen Osten“ durch? Unglaublich, wie konditioniert unsere Medien sind. Das Denken hat man ihnen jedenfalls abgewöhnt, wenn es um Israel geht.

Die Arroganz und Selbstgerechtigkeit des Zionismus ist auch daraus zu ersehen, dass die heiligste Gedenkstätte des Holocausts „Yad Vashem“ sich eigentlich auf gestohlenem Land befindet, und  zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zu Deir Yassin (heute ein „jüdischer“ Ort).

WAS HAT DAS MIT DER HEUTIGEN SITUATION ZU TUN?

Frage: Warum wird das Wort “Zionismus” in unseren Medien nie erwähnt, wenn es um Israel bzw. den endlosen “Nahostkonflikt” geht? Israel ist ein zionistischer Staat. In der Knesset sitzen nur Zionisten (und ein paar arabische Israelis zur Dekoration), der Zionismus ist aber nicht identisch mit dem Judaismus, wie diese Herren deutlich demonstrieren:

Man kann die endlose Saga vom „Nahostkonflikt“ nur analysieren, wenn man den historischen Hintergrund einbezieht.

Die falsche Darstellung der Vergangenheit ist die Grundlage für die andauernden Lügen der Gegenwart

sagte Ilan Pappe bei einem Vortrag über die Entstehung des israelischen Staates, eine Periode, die in den isarelischen Geschichtsbüchern (und vielen Medien) völlig verzerrt  und realitätsfremd dargestellt wird.

Ein anderes Wort, das nie im Kontext der Geschichte Israels erwähnt wird, ist „Kolonialismus“.  Das zionistische Projekt war ein koloniales Projekt, nicht die friedliche „Besiedelung“ und Urbarmachung eines brach liegenden, leeren Landstriches.

Die Kolonialherrschaft war dadurch gekennzeichnet, dass die Einheimischen von fremden Mächten politisch entrechtet wurden, und sich deren kapitalistischen Interessen unterordnen mussten. Als Rechtfertigung wurden häufig missionarisches Sendungsbewusstsein und kulturelle Höherwertigkeit angegeben, doch die rassistischen Untertöne blieben nicht verborgen.

Im Falle Palästinas war die Sache noch schlimmer, denn die Einheimischen sollten nicht einfach wirtschaftlich ausgebeutet werden, sondern man musste sie loswerden. Das schrieb schon Theodor Herzl in seine Tagebücher (lange vor Hitler), denn für den künstlichen „Judenstaat“ mussten die Nicht-Juden weggeschafft und durch importiertes „high quality human material“ (also europäische Juden) ersetzt werden.

Spätestens in den 1930er Jahren war klar, dass die Einwanderungsquoten viel zu niedrig waren, und sich die Araber viel schneller fortpflanzten als die Juden, also musste eine radikale Lösung gefunden werden: ethnische Säuberungen durch eine detailliert geplante Terrorkampagne, die aber mit dem offiziellen Opferstatus der europäischen Juden (besonders nach 1945) nicht in Einklang zu bringen ist.

Jene Palästinenser, die nicht geflohen sind, wurden zu Gefangenen im eigenen Land, die bestenfalls Menschen zweiter Klasse (innerhalb Israels) sind, aber in den besetzten Gebieten „wie die Hunde“ (Moshe Dayan) leben müssen: unter völliger Kontrolle einer Militärdiktatur, die mit ihnen machen kann, was sie will. (Für Palästinenser gilt Kriegsrecht, für Israelis Zivilrecht; mehr Info über die illegal besetzten Gebiete gibt es hier)

In der zionistischen Propagandawelt war Palästina „ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“. Doch in dem Land lebten hunderttausende Menschen, die ohnehin schon lange Jahre das Joch der türkischen Herrschaft ertragen hatten und auch davon träumten, endlich ihr politisches Schicksal selbst bestimmen zu können.

Der Staat Israel wurde eben nicht auf einem Territorium gegründet, dass die neue Nation schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten bewohnte, und wodurch sie eine organische Beziehung zum Land aufgebaut hatte, sondern im Herzen der arabisch-muslimischen Welt wie ein Fremdkörper implantiert.

Die absurde Rechtfertigung, man habe nach 2500 Jahren den starken Drang verspürt, ins Land der „Vorfahren“ zurückzukehren, weil man nur durch Berührung mit dem mystisch verklärten Boden des „Heiligen Landes“ eine jüdische, nationale Identität aufbauen könne,  trägt in sich bereits den Keim der eigenen Zerstörung.

Diese gigantische Selbsttäuschung war nur um den Preis zu realisieren, dass die damit verbundenen Grausamkeiten gegenüber den Palästinensern als „notwendig“ dargestellt wurden, um ein „höheres und heiliges“ Ziel zu erreichen.

Damit war allerdings die moralische Grundlage des zionistischen Projektes ruiniert und ein unauflöslicher Widerspruch geschaffen worden: die ewigen Opfer wurden selbst zu Tätern und mussten ihre eigenen Schandtaten vor ihrem Gewissen und den hohen moralischen Ansprüchen des Judaismus rechtfertigen.

Das Mittel dazu? Projektion der eigenen Verbrechen und Ruchlosigkeit auf den Gegner, (der für seine Freiheit kämpft) … das funktioniert auch im Falle der USA sehr gut … gegen den man sich permanent „verteidigen“ muss. So entsteht ein perpetuierter Zustand der „Notwehr“ eines militarisierten Staates, in dem alle Mittel recht sind.

 (Achtung, wir nähern uns langsam dem Schwarzen Loch …)

Fastforward ins Jahr 2012: die „kriminellen Leute“, von denen Einstein sprach, sitzen (nicht erst seit) heute in der israelischen Regierung, die „terroristischen Organisationen“ gingen im Militär (IDF) bzw. im Geheimdienstapparat auf.

Alleine im letzten Jahr wurden 242 Palästinenser durch die IDF ermordet, doch das regt hier niemand auf; schließlich handelt es sich immer um „Selbstverteidigung“ gegen fanatische „Terroristen“, die von „radikalen Islamisten“ beherrscht werden und – völlig grundlos – arme Israelis mit ihrem Hass verfolgen.

Dieses unglaubliche Märchen erzählt man uns schon so lange, dass die Realität kaum noch eine Chance hat. Worüber man nicht spricht, das gibt es auch nicht. Diese Zensur durch Schweigen, durch Nichterwähnung unwiderlegbarer Fakten, Unterdrückung anderer Perspektiven (als jener der israelischen Regierung) ist enorm erfolgreich. Ilan Pappe spricht von einer „Conspiracy of Silence“ … da kann man nur zustimmen.

Anfang der Woche kam die Meldung, dass wieder einmal 25 Menschen im Gazastreifen getötet wurden. Ein,  zwei Sätze dazu in den Nachrichten, end of story.  No big deal (im Gegensatz zu dem tragischen Busunglück, bei dem 25 Kinder aus Belgien ums Leben kamen, da wurde über “große Betroffenheit, große Anteilnahme, Schweigeminuten, psychologische Betreuung für die Eltern, etc.” gesprochen, also mit emotionalen Formulierungen an das Mitgefühl der Zuhörer appelliert.

Doch wer in Gaza stirbt, ist kein Thema für die Medien. Auch die 660 Kinder nicht, die bisher vom israelischen Militär ermordet wurden.

Die unglaubliche Brutalität der seit mehr als vier Jahrzehnten andauernden, illegalen israelischen Besatzung, die Verwandlung Gazas in ein belagertes Horror-Gefängnis (das jederzeit bombardiert werden kann) und jene des Westjordanlandes in eine ausgeklügelte Apartheid Zone, diese Verbrechen und Unmenschlichkeiten werden von unseren Medien mittlerweile als „normal“ akzeptiert, denn wie es dort wirklich zugeht, das zeigen sie uns ja nicht.

Selbst die unfassbaren Grausamkeiten derOperation Cast Lead“ haben zu keinem Umdenken geführt (1,5 Millionen Menschen, die in einem Gefängnis leben und nicht fliehen können, werden bombardiert:

Die „öffentliche Meinung“ ist fest im Griff der pro-israelischen Propaganda und selbst der seriöse Goldstone-Report wurde von der Zionisten-Lobby „unschädlich“ gemacht, mit den üblichen Mitteln: wenn Du keine echten Argumente hast, attackiere die Person und unterstelle ihr unlautere Motive. Der Autor und die ganze UN sind „voreingenommen“ und wollen Israel  mit dieser „einseitigen“ Perspektive doch nur schaden, dieses arme, kleine, bedrohte Land, „das noch nur in Frieden u. Sicherheit leben will“.

Dasselbe arme, kleine Land hat 9 türkische Free Gaza Aktivisten auf einem zivilen Schiff in internationalen Gewässern, kaltblütig ermordet (siehe meine ausführlichen Blogbeiträge zum Thema „Mavi Marmara“). Aber das macht auch gar nichts. Kein Grund zu Aufregung. Israel mordet immer nur für den guten Zweck …

Die 25 Toten in Gaza sind für die Medien Routine.  Nach dem Motto, das kennen wir ja schon. Diese Leute schießen doch immer wieder „Raketen“ auf unschuldige Bürger im Süden Israels und Israel muss sich dann wehren bzw. diesen „militanten“ Palästinensern eine Lektion erteilen.

Moment mal: Israel hatte zwei Menschen in die Luft gejagt: „gezielte Tötungen“ nennt man das in emotional sterilisierter Sprache und die Medien benutzen diesen Ausdruck gerne.

Das hilft enorm dabei, sich keine Gedanken darüber zu machen, dass es sich hier um staatlich angeordneten Mord handelt, also eine Form von Staatsterror.

(Die USA praktizieren das ja auch inzwischen routinemäßig seit „9/11“; sehr beliebt ist das Abschlachten von Menschen mittels „Drohnen“, da kann man sich der Illusion hingeben, eine remote-controlled Maschine habe  „die Tötung“ ausgeführt; keine menschliche Verantwortung mehr spürbar … )

Die Medien übernahmen natürlich die perverse Rechtfertigungslogik der israelischen Regierung und meldeten, die beiden Getöteten seien (natürlich) „Terroristen“ gewesen, die einen neuerlichen Anschlag geplant hätten, den es zu verhindern galt. Das soll suggerieren, es habe sich um eine Art vorauseilende Selbstverteidigung gehandelt, also präventives Morden, um Schaden zu verhindern und Menschen zu schützen. Das klingt doch edel, oder?  

Das gleiche Scheinargument wird natürlich auch verwendet, wenn der israelische Geheimdienst iranische Physiker in die Luft jagt (z.B. vor einem Kindergarten, in dem sich auch der kleine Sohn des Opfers befand …). Wenn die eine Atombombe bauen wollen, müssen wir uns doch wehren …. (wir haben doch selbst nur ein paar hundert davon, die es aber offiziell gar nicht gibt …)

Wir projizieren unsere seit Jahren praktizierte Aggression und Rechtlosigkeit einfach auf den „Feind“, dann können wir unsere Gewaltherrschaft immer moralisch legitimieren …. Deshalb gilt:

„We have the right to kill anybody we consider a „threat“ to our interests or our security, even if there is no proof of any criminal activities … you die for what (we think or pretend) you might have been planning to do ….”

Das ist natürlich das Ende des zivilisierten Rechtsstaates, wie wir ihn zu kennen glaubten, aber sehr praktisch für Israel und seinen Glaubens- u. Waffenbruder, die USA:

Wir bringen um, wen wir wollen, wann und wie wir wollen (auch Menschen, die zufällig in der Nähe des „Targets“ sind, auch dessen Kinder) und behaupten einfach, der Ermordete war ein Terrorist, der uns bedroht hat. Das war’s. Er kann ja nicht mehr widersprechen …

Wir sind Polizei, Staatsanwalt, Richter und Exekutor in einer Person und befinden einfach, dass die betreffenden Menschen keine Rechte mehr haben (auf Anhörung, Verteidigung, faires Verfahren, etc.). Das geht ganz einfach: sie sind eben keine „Menschen“ mehr, sondern gehören jetzt in eine Kategorie, die keinen Anspruch mehr auf Menschlichkeit oder Gerechtigkeit hat, wie eben „Terroristen“, „feindliche Kämpfer“, „radikale, militante, Islamistische … usw.“. Eigentlich können wir sie nennen, wie wir wollen … so lange die Öffentlichkeit schon bei der Nennung des Namens das Hirn ausschaltet und nur mehr emotional (mit Abscheu und Wut) reagiert, nach dem Motto: „die haben es ja verdient (weil sie eine angebliche Bedrohung für uns darstellen, können wir mit ihnen machen, was wir wollen … der Zweck rechtfertigt die Mittel …)

Das hatten wir doch schon mal …. Damals hieß diese Kategorie von Menschen „Juden“ ….

Warum ist der „Westen“ so erpicht darauf, den Arabern in Libyen und Syrien „zu Hilfe zu kommen“, doch  der Unmut in Ägypten soll mit einer faux democracy contained“ werden, während VOR ALLEM der jahrzehntelange Kampf der Palästinenser um politische Freiheit und Selbstbestimmung, weiter dämonisiert wird.

Den einen muss man beim Streben nach Demokratie rasch unter die Arme greifen (mit Propaganda, Waffen und NATO-Bomben im Rahmen einer von außen geschürten Destabilisierung des Landes, unter dem Deckmantel des „arabischen Frühlings“), die anderen lässt man seit vierzig Jahren im Elend versinken? Was ist das für eine verlogene Rhetorik, die uns hier serviert wird?

Dass mit zweierlei Maß gemessen wird (unglaubliche Heuchelei der USA, aber auch der EU), zeigt diese Orwell‘sche Sprechblase von Hilary Clinton im UN Sicherheitsrat:

“Wir glauben an die Souveränität […] aller Mitgliedsstaaten, jedoch nicht, dass diese das Stillschweigen des Sicherheitsrates erfordert, wenn Regierungen ihre eigenen Leute massakrieren, und dadurch Frieden und Sicherheit in der Region bedrohen.

Wir lehnen jede (moralische) Gleich-wertigkeit zwischen den geplanten Morden einer staatlichen Militärmaschinerie und den Aktionen von belagerten Zivilisten, die zur Selbstverteidigung genötigt werden, ab.“

Toll. Nach dieser Ansage müsste sofort eine UNSC Resolution gegen den Staat Israel erwirkt werden und ein Mandat  für die „R2P“-Mission, die den auf brutalste Weise „belagerten  Zivilisten“ in Gaza (und in gewisser Hinsicht auch der West Bank) zu Hilfe kommt. (Die Palästinenser sind insofern „eigene Leute“, weil Israel als alles beherrschende Besatzungsmacht für ihr Wohlergehen verantwortlich ist)

Doch die Sache hat einen Haken: die moral outrage Performance von Mrs. Clinton ist natürlich nicht für Israel gedacht (böse Zungen behaupten ja, der US Kongress werde von den Zionisten und der Wall Street beherrscht) und schon gar nicht für die Palästinenser.

Sie haben dem Imperium nichts zu bieten: kein Öl, keine Zentralbank mit Milliarden an Goldreserven, die man sich greifen kann (Libyen); keinen „Markt“, den Konzerne erobern wollen;  keine Gesellschaft, die die unerträgliche Charade des „Friedensprozesses“ noch länger mitspielen will, während Israel weiterhin illegale Siedlungen baut und die Palästinenser in der Westbank terrorisiert. Niemand dort glaubt auch nur einen Moment daran, dass Clinton und ihresgleichen auch nur einen Funken Interesse an Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten haben.

Das ganze verlogene Geschwafel von Demokratie und Freiheit, die man angeblich fördern will, kann dort niemand mehr hören.  (Wir auch nicht)

Klartext: wer selber kaltblütig geplante Morde (mit oder ohne offiziellen Krieg) in anderen Ländern ausführt, macht sich mit gespielter moralischer Empörung über die Gewalt anderer Regierungen nur zu einer makabren Witzfigur. Die „Verbündeten“ der USA in der Region, Saudi Arabien, Bahrein, Qatar, etc. sind alle Diktaturen, denen die Menschenrechte so viel bedeuten, wie eine Rolle Klopapier. (Bahrain hat Ärzte und Pfleger zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie verletzte Aufständische medizinisch versorgt haben – wo bleibt denn hier die Empörung des Westens? Wie bitte? Bahrein ist eine wichtige US-Militärbasis, das ist natürlich etwas anderes …)

Das Morden an sich stört die USA ja nicht, es kommt eben nur darauf an, WEN man mit high-tech Bomben und DIME-Waffen in Stücke reißt: ist es jemand, der nicht (mehr) mit den Machtinteressen der USA (oder Israel) kompatibel ist, dann sind jegliche moralische Skrupel fehl am Platz, diese Leute müssen weg (Saddam, Gaddafi, Assad, Ahmadinejad, etc.) „regime change“ dressed up as „R2P“, das ist die neue Show, die abgezogen wird.

Man unterstützt die Diktatoren so lange es geht (siehe Mubarak), wenn die Stimmung im Volk endgültig kippt, stellt man sich scheinbar auf dessen Seite, drischt einige leere Phrasen über Demokratie und arbeitet im Hintergrund dafür, dass die alten Machtstrukturen nicht geändert werden. Nur einige Gesichter werden ausgetauscht.

Die „Halluzination der Demokratie“ nannte das der Altmeister der PR-Täuschung, Edward Bernays, der überzeugt davon war, das Volk sei zu dumm, um irgendetwas bestimmen zu können (er sorgte dafür, dass es dumm blieb …) deshalb müssten die „Eliten“ das Kommando übernehmen und unsere Wahrnehmung kontrollieren …

Im Falle Ägyptens wäre es für Israel verheerend, wenn das Volk wirklich das Sagen hätte, denn die Umfragen sind eindeutig: 90% der Bevölkerung halten Israel und die USA für die größte Bedrohung des Weltfriedens und des Friedens in der Region.

Die Unterstützung für die seit Jahrzehnten gequälten und entrechteten Palästinenser in Ägypten ist sehr hoch. (Sichtbar z.B. in der Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo, wo ein Mann .. Stockwerke hinaufkletterte, um die israelische Flagge durch die ägyptische zu ersetzen …. (die israelische wurde verbrannt, der Botschafter musste fliehen …)

Syrien genießt – trotz autoritärer Regierung – hohes Ansehen bei der arabischen Bevölkerung im Nahen Osten, weil es das einzige arabischeLand in der Region ist, dass immer für die Rechte der Palästinenser eingetreten ist und darauf besteht, dass es keinen Frieden mit Israel geben kann, so lange es sich nicht an internationales Recht hält (Grenzen von 1967, Rückgabe der besetzten Golanhöhen, die zu Syrien gehören und wichtige Wasservorkommen beherbergen, u.a.)

Assad hätte niemals einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen, deshalb muss er weg und natürlich auch, weil die Achse „Syrien-Iran“ gebrochen werden soll. „Der Weg nach Teheran führt über Damaskus“, hört man ja schon seit einiger Zeit, doch ganz so einfach, wie es sich die „armchair-warriors“ der Neokonservativen in Washington vorstellen, ist es wohl nicht …

Nochmals zurück zu Albert Einstein:

Einstein war auch einer der prominenten Unterzeichner eines offenen Briefes an die New York Times, anlässlich des damals angekündigten Besuches von Menachem Begin …

Hier einige Passagen daraus (die nichts an Aktualität verloren haben – nur die Namen haben sich geändert):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das riesige, schwarze Loch der israelischen Desinformation (information dominance) verschluckt seit Jahrzehnten alle historischen Fakten und alternativen Perspektiven, die das Lügengebäude des Zionismus zum Einsturz bringen könnten.

Es wird täglich größer. Seine ungeheure Masse an unterdrückter Wahrheit ist aber unsichtbar für den ungeschulten Betrachter.

Was man nicht sehen kann, das existiert auch nicht. Worüber nicht gesprochen wird, das löst sich in Luft auf.

Die „freie Presse“ lässt sich vom „elektrischen Zaun“ der Israel-Lobby in Schach halten, wie eine Herde Kühe, die immer nur in einem bestimmten Areal grasen darf und regelmäßig mit „Kraftfutter“ („feeds“ aus den Agenturen und PR-Firmen ) versorgt wird.

Und umgeben von hunderten „Holocaust-Gedenkstätten“ wandern wir in den moralischen Ruinen einer Menschlichkeit, die tatenlos zuschaut, wie Menschen in Gaza entrechtet, eingesperrt, belagert, gequält, bombardiert, mit neuen Waffensystemen verstümmelt und vergiftet werden …

Während in der Westbank die tägliche Demütigung und Qual der „checkpoints“ und „roadblocks“ vor sich geht, die Zerstörung von Olivenbäumen, die Vergiftung von Wasserquellen,  das Bulldozern von Häusern, die Vertreibung der Beduinen, die perfide Gewalt der Siedler, die sadistische Willkür von Soldaten, die sich langweilen; das Sterben von Neugeborenen, die zu spät ins Krankenhaus kamen (weil man die Eltern an einem Checkpoint lange nicht durchgelassen hat); das ganze Kaleidoskop einer brutalen, illegalen Besatzung .. die es aber HIER nicht gibt. Sie wird unsichtbar gemacht. Seit vielen Jahren. Unfassbar.

Die Medien und Politiker schweigen. Und wenn sie etwas von sich geben, dann die abgedroschenen Parolen der israelischen PR. Wer sich traut, Israel zu kritisieren, ist ein Anti-Semit. Natürlich, was sonst.

Wenn es eine Lehre aus dem Rassen- u. Größenwahn der NS-Zeit gibt, dann ist es die, dass man entrechteten und verfolgten Menschen beistehen muss, weil jedes Wegschauen, jedes Schweigen eine Mittäterschaft bedeutet.

Doch wie können wir – in unserer  modernen „Informationsgesellschaft“ es noch wagen, unsere Großeltern zu kritisieren, den Deutschen und Österreichern ewige Verantwortung und Schuld anzuhängen, wenn wir alle so tun, als gäbe es die Verbrechen Israels nicht?

Wie können Journalisten dieses schäbige Spiel mitmachen? Haben sie keine Ehre, kein Ethos?  Haben Sie vergessen, dass das oberste Prinzip die Wahrheit ist?

Laut IFJ  (Declaration of Principles on the Conduct …) ist der wichtigste Imperativ für das Verhalten eines Journalisten:

“Respect for truth and for the right of the public to truth is the first duty of the journalist”

Gandhis oberstes Prinzip war nicht „Gewaltlosigkeit“, wie irrtümlich immer wieder gesagt wird, sondern „Wahrheit als moralische Kraft“ (Satyagraha). Den Briten den Spiegel vorzuhalten, ihnen nicht mehr zu ermöglichen, die Unterdrückung des indischen Volkes vor sich und der Welt zu rechtfertigen, das hat Indien die Unabhängigkeit gebracht. Seine Worte über die zionistische Kolonisation Palästinas sind immer noch relevant, hier einige Auszüge:

[...] my sympathy [for the jews] does not blind me to the requirements of justice. The cry for the national home for the Jews does not make much appeal to me. … Why should they not, like other peoples of the earth, make that country their home where they are born and where they earn their livelihood?

Palestine belongs to the Arabs in the same sense that England belongs to the English or France to the French. It is wrong and inhuman to impose the Jews on the Arabs. What is going on in Palestine today cannot be justified by any moral code of conduct. The mandates have no sanction but that of the last war. Surely it would be a crime against humanity to reduce the proud Arabs so that Palestine can be restored to the Jews partly or wholly as their national home.

The nobler course would be to insist on a just treatment of the Jews wherever they are born and bred.

[...] I am not defending the Arab excesses. I wish they had chosen the way of non-violence in resisting what they rightly regarded as an unwarrantable encroachment upon their country. But according to the accepted canons of right and wrong, nothing can be said against the Arab resistance in the face of overwhelming odds.

Wie lange kann dieser Unrechtsstaat noch ungestraft so weitermachen? (Sanktionen, Boykotte, Einreiseverbote usw. sind dringend notwendig (stattdessen wird Iran dämonisiert, ein Land das seit Jahrhunderten keinen Angriffskrieg geführt hat  … )

…………………………….!

Übrigens, Albert Einstein wurde gefragt, ob er nicht der erste Präsident Israels werden wolle, die Antwort können wir uns denken …

Shalit und die 1000 “Terroristen”

Aus Terroristen wurden Premierminister (in Israel)

 „Der größte Erfolg der Zionisten ist, dass nach 41 Jahren die israelischen Lügen* immer noch in den Medien wiederholt und von den politischen Eliten akzeptiert werden

Prof. Ilan Pappe, israelischer Historiker (emigrierte nach England, nachdem seine Familie bedroht wurde)

(*Fast alle brutalen Maßnahmen, die uns als „notwendige“ Reaktion auf die palästinensische Gewalt verkauft werden, wurden schon 1967 beschlossen, einige Formen der Repression gehen sogar auf „Sondergesetze“ der britischen Mandatszeit zurück, die damals als Antwort auf jüdisch-zionistische Terroranschläge erlassen wurden – siehe das Bild oben, der eingekreiste “Terrorist” ist Menachem Begin …)

Die Meldung, dass „Präsident“ Abbas bei der UN einen Antrag auf Anerkennung eines palästinensischen Staates eingereicht hat, diente bei den meisten Kommentatoren eher der Belustigung, denn jeder weiß, dass er damit nicht durchkommen wird. Die USA werden das natürlich verhindern, ganz zu schweigen davon, dass kaum noch Land für einen Palästinenserstaat übrig ist (der „Siedlungsbau“, sprich die Enteignung der einheimischen Palästinenser in der West Bank und in Ost-Jerusalem geht ja munter weiter).

Was im „Heiligen Land“ seit Jahrzehnten vor sich geht, davon haben wir so gut wie keine Ahnung und das, was man uns als sachliche „Information“ in den Nachrichten vorsetzt, hätte selbst George Orwell beeindruckt.

Nehmen wir die aktuellen Meldungen über den Gefangenenaustausch zwischen Hamas und Israel: Die Medienaufmerksamkeit konzentriert sich auf die Freilassung von Corporal Gilat Shalit, der nach fünf Jahren Gefangenschaft endlich wieder nach Hause zu seiner Familie kommt. Er sei von Hamas „verschleppt“ oder „entführt“ worden, hieß es, als ob hier eine Zivilperson gekidnappt worden wäre. Shalit ist Soldat der israelischen Armee (IDF), die seit Jahren brutal und rechtswidrig gegen die Palästinenser vorgeht (auch bei friedlichen Protesten). Es gehört also zu seinem Berufsrisiko, dass er verletzt, getötet oder in Gefangenschaft geraten kann, wobei dieses Risiko für die Zivilisten der Gegenseite um ein Vielfaches höher ist. Das ergibt sich aus der enormen militärischen Übermacht der IDF und des staatlich abgesegneten Terrorregimes, das die militärische Besatzung ja darstellt.

Die „Entführung“ Shalits im Juni 2006 wurde in den Medien ohne Kontext dargestellt, stattdessen the- same- procedure- as- every year –framing:  Scheinbar wieder einmal ein „Beweis“ für die „Bösartigkeit“ der radikalen Hamas – doch seine Gefangennahme war eine Reaktion auf die Entführung zweier Palästinenser (aus ihrer Wohnung) durch Israel am Tag davor , von denen man seither nichts mehr gehört hat und für die sich auch hier niemand interessiert. Niemand beherrscht die Kunst der Medienmanipulation so gut wie die israelische („radikal-zionistische“) Regierung.

(Siehe dazu  frühere Beiträge mit dem tag “Gaza” und “Israel”)

Wie „neutral“ unsere – von uns zwangsweise finanzierten – Medien im Hinblick auf Israel sind, zeigt auch ein Interview der Tagesschau mit Torsten Teichmann, dem „Korrespondenten“ aus Israel:

tagesschau.de: Wird die Hamas in Israel nach diesem Abkommen nun als möglicher Gesprächspartner gesehen – oder überwiegt die Abscheu über das Vorgehen, eine Geisel zu benutzen, um Häftlinge freizupressen?

Teichmann: Bei aller Freude über die Freilassung von Schalit – die Abscheu überwiegt in Israel eindeutig darüber, jemanden zu verschleppen um Gefangene freizupressen. Ich glaube auch nicht, dass dies der Auftakt zu Verhandlungen ist..[…]

Wie wir hier sehen, ist Israels effektivste Waffe in der Schlacht um die Manipulation der öffentlichen Meinung  die clever eingesetzte  „moralische Empörung“  (über die palästinensischen „Terroristen“ natürlich) im Kontext des armen, kleinen Landes, das doch nur in Frieden leben will und von fanatischen Islamisten  ( präsentiert als Anti-Semiten) daran gehindert wird. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine “moralische Überlegenheit” der israelischen Regierung (das soll man jedenfalls glauben).

Auf die Frage, warum man nicht schon 2006 auf den von Hamas angebotenen Gefangenenaustausch einging,  antwortete die israelische Regierung:

 „There  is no moral equivalence between a convicted terrorist murderer and an Israeli hostage.” (Und natürlich das Standard-Argument: man verhandelt nicht mit “Terroristen” …)

Die zentrale PR-Message: Israel „wehrt“ sich doch nur gegen die bösen Widersacher und – egal wie grauenhaft und verlogen das Vorgehen – man handelt doch immer nach moralischen Prinzipien …. Man ist doch immer das Opfer der unmoralischen Aktionen der bösen „Araber“ (das Wort Palästinenser wird in Israel offiziell eher nicht verwendet). Die „Raketen“ aus Gaza seien doch ohne jede Provokation Israels abgefeuert worden, immer die gleiche Leier.

Doch wenn unsere Journalisten ihren Job machen würden (oberstes Gebot: der Wahrheit die Ehre geben), müssten sie zugeben, dass die moralische Empörung („Abscheu“ im ARD-Interview oben) hier als XXL-Bumerang wieder nach Israel zurückfliegt, denn was hat die israelische Regierung in der Folge gemacht, um  – angeblich – Shalits Freilassung zu erzwingen?

Das Militär (IDF) bzw. der Geheimdienst drang in die „unter palästinensischer Kontrolle“ stehenden Gebiete ein, terrorisierte die Bevölkerung mit Bomben   und kidnappte Dutzende der gewählten Parlamentarier sowie einige Minister.

Die Familie von Bildungsminister Nasser Al-Dien Al-Sha’er, der ohne rechtliche Grundlage"festgenommen" wurde

Die Hamas hatte ja (die einzig demokratische und faire) Wahl im Nahen Osten kurz vorher gewonnen. Doch die „Demokratie-Promotion“, die der Westen in den arabischen Ländern angeblich betreibt, wurde von den Palästinensern falsch verstanden: wählen dürft ihr schon, aber bitte nur die richtige Partei …

Die mutige israelische Zeitung Haaretz veröffentlichte dazu am 2. Juli 2006 einen Kommentar von Gideon Levy. Darin heißt es u.a.:

Ein Staat, der solche Schritte [kollektive Bestrafung durch Bombenterror, Verhaftung von palästinensischen Parlamentariern ohne rechtliche Befugnis, etc.] unternimmt, ist nicht länger von einer Terrororganisation zu unterscheiden. Je brutaler die Maßnahmen, desto dummer und monströser werden sie, desto schlimmer wird der Verlust der moralischen Legitimation […]

Es muss alles getan werden, um die Freilassung Gilad Shalits zu erwirken. Was wir jetzt in Gaza machen, hat aber nichts mit der Erreichung dieses Ziels zu tun. Es ist ein weitreichender Racheakt jener Sorte, die der IDF und Shin Bet schon seit einiger Zeit ins Auge gefasst haben, um der Frustration der Armeeführer über ihre Impotenz gegenüber den Qassams und den wagemutigen Guerilla-Attacken der Palästinenser ein Ventil zu geben ..[…]

Levy schreibt weiter, dass die Operation „Summer Rain“ keinerlei Legitimation hätte, weil Ursache und Wirkung vertauscht wurden und die Provokation (zu einer „Vergeltung“) durch Israel stattfand, nicht durch Hamas :

Es ist kein Zufall, dass niemand davon spricht, dass vor dem Angriff auf den Grenzposten Kerem Shalom, die IDF zwei Zivilisten aus Gaza entführt hat, (ein Arzt und sein Bruder wurden in der Nacht aus ihren Wohnungen in Gaza gezerrt und sind seither verschwunden)

Der Unterschied zwischen ihnen und uns? Wir haben Zivilisten entführt und sie haben einen Soldaten gefangengenommen, wir sind ein Staat und sie sind eine „Terrororganisation“. Wie lächerlich pathetisch Amos Gilad  klingt, wenn er sagt, die Gefangennahme Shalits sei „illegitim und illegal“, doch wenn die IDF  Zivilisten aus ihren Häusern  verschleppt, ist keine Rede davon.[…]

Manchmal werden sie auch vor ihrer Haustür getötet, obwohl es keinen Grund dafür gibt und manchmal werden sie geschnappt um als Druckmittel für Verhandlungen benutzt zu werden, wie im Libanon und jetzt, mit den palästinensischen Regierungsmitgliedern. Was für einen Aufschrei würde es geben, wenn die Palästinenser die Hälfte der israelischen Regierung gekidnappt hätten. Wie würden wir sie dann nennen?”

Vielleicht sollte die ARD (u.a.) mal die Fakten prüfen, bevor sie israelische Propaganda verbreiten (die Abscheu vor der „amoralischen“ Hamas schüren, also konditionierte Emotionen statt kritisches Denken fördern)?

Gideon Levy endet seine Anklage mit einem Aufschrei der Empörung über die  Verbrechen seiner Regierung, die unsere „Journaille“ achselzuckend ignoriert oder schön redet: (selbst nach Cast Lead)

“We are bombing and shelling, darkening and destroying, imposing a siege and kidnapping like the worst of terrorists and nobody breaks the silence to ask, what the hell for, and according to what right?

Professor Noam Chomsky fasst die mediale Desinformation und Vertuschungskampagne so zusammen:

„Die Präsentation der Vorfälle in der richtigen Reihenfolge, ihr kausaler Zusammenhang ist von ungeheurer Bedeutung: sie enthüllen, dass die Show der Empörung über die „Entführung“ von Shalit und die Unterstützung für die grausamen israelischen Vergeltungsschläge  ein zynischer Betrug waren.“

Eine aktuelle Stellungnahme von Prof. Chomsky zum Gefangenenaustausch:

“The Palestinians are (among others) “Un-People” …. so their suffering and death is of no interest, the crimes USrael commits of no consequence ...)

Während unsere Medien von einem „Triumph für Hamas“ sprechen, weil für nur einen israelischen Gefangenen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge freigelassen wurden, wird eine andere (zionistisch-rassistische) Sichtweise völlig ausgeblendet:

Ein einziger jüdischer Soldat ist mehr wert als 1000 Araber ….

Davon abgesehen: etliche Gefangene werden eben nicht „freigelassen“, sondern nach Syrien, Jordanien, in die Türkei und andere Länder deportiert (sie dürfen also nicht selbst bestimmen, wo sie leben wollen). Und die anderen werden nach Gaza gebracht, das größte Open-Air Gefängnis der Welt, eine Hölle auf Erden nach unseren Maßstäben. Während man verständlicherweise Mitgefühl mit Shalit hat, werden die Schicksale der palästinensischen Gefangenen nicht hinterfragt:

Wie viele der 1000 Gefangenen (insgesamt sind es über 5000) waren (sind) rechtskräftig und nach rechtsstaatlichen  Prinzipien verurteilt? Gewalt gegen eine illegale und brutale Besatzung ist ja grundsätzlich legitim, solange dabei nicht Zivilpersonen zu Schaden kommen. Doch angesichts des Terrors, der durch den Ausbau der illegalen Siedlungen, das Apartheid-System und die gewalttätigen, extremistischen „Siedler“ seit Jahren auf die Palästinenser einregnet, bräuchte man eine übermenschliche Selbstbeherrschung, um Gegengewalt zu verhindern, die man durchaus als Form der Selbstverteidigung  bewerten kann.

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass in Israel zwei parallele Rechtssysteme existieren: das Zivilrecht für israelische Staatsbürger und das Militärrecht für die Palästinenser in den besetzten Gebieten, wobei das Militär eigene Befugnisse hat, um Festnahmen und „Verurteilungen“ durch Sondergerichte durchzuführen, die einer rechtstaatlichen, zivilrechtlichen Prüfung nicht standhalten würden.

B‘tSelem erstellt regelmäßig Berichte über die Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten und untersucht auch die Haftbedingungen der politischen Gefangenen (die alle als „Terroristen“ gelten). Erniedrigende Misshandlungen sind an der Tagesordnung, die Grenze zur Folter ist fließend.  Besonders furchtbar sind die Zustände und Verhörmethoden der ISA, des israelischen Geheimdienstes, wie in diesem Bericht dokumentiert wurde. Das traurige Fazit:

The measures depicted in the report constitute cruel, inhuman, and degrading treatment, at times amounting to torture.  All are prohibited, absolutely and without exception.  International law unequivocally stipulates that no state of emergency may be invoked to justify such acts.”

 

Wir sehen nicht, wie sehr die Palästinenser täglich leiden, was es heißt, in einem Mega-Gefängnis zu leben, von der Gnade der israelischen Soldaten abhängig zu sein. Die Brutalität der 40-jährigen Besatzung wird in den Medien völlig ausgeblendet.

Wir hören aber immer und immer wieder die israelische Propaganda, die unsere Journalisten kritiklos übernehmen und die unsere Sichtweise des Konflikts massiv beeinflusst. Wer seine Informationen über die „Nahostkrise“ nur aus den Nachrichten bzw. aus den Mainstream-Zeitungen bezieht, hat keine Chance zu erkennen, welche unglaublichen Lügen uns hier seit Jahrzehnten aufgetischt werden, wie sehr die Verzerrung der Wirklichkeit unsere Wahrnehmung beeinflusst.

Es sind keine „Extremisten“, gegen die Israel sich wehren muss, der Feind ist seine eigene Doppelmoral, seine Unfähigkeit, Verantwortung für Unrecht einzugestehen. Mit dem Hinweis auf den Holocaust hat man sich für immer und ewig die ultimative Opferrolle gepachtet.

Damit der große Selbstbetrug weiter funktioniert, muss die Schuld (Verantwortung für den Konflikt) auf den Gegner projiziert und schließlich seine Menschlichkeit (Gleichwertigkeit) aberkannt werden, damit man die systematische Grausamkeit vor sich und der Welt legitimieren und rationalisieren kann.

Das Wort “Zionismus” wird in unseren Medien nie erwähnt, geschweige denn seine Bedeutung für den Nahostkonflikt erklärt. Stattdessen wird das sorgsam gepflegte Image des isarelischen Staates als sekular, vernünftig, modern, westlich, aufgeklärt etc. präsentiert, doch auch hier waren und sind “radikale” und “fanatische” pseudo-religiöse Kräfte am Werk, wie dieser Film zeigt:

 

 

Is God A Jewish Terrorist?

Ein Skandal: schon wieder haben “radikal-islamistische” Terroristen unschuldige Israelis ermordet. In der Nähe von Hebron wurden vier Menschen getötet, darunter angeblich eine schwangere Frau. Quelle horreur.

Und wer ist für diese brutale Unmenschlichkeit verantwortlich?  Natürlich die üblichen Verdächtigen: die böse, finstere Hamas hat wieder einmal zugeschlagen und versucht angeblich mit diesem abscheulichen Anschlag, die gerade wieder exhumierten  “Friedensgespräche”  zwischen Israel und der palästinensischen Führung zu torpedieren.

Doch Netanyahu hat bereits vor laufenden Kameras Rache geschworen, , man werde also nichts unversucht lassen, die Schuldigen zu finden und zu bestrafen:

“We will not let the blood of Israeli citizens go unpunished. We will find the murderers. We will punish their dispatchers. We will not let terror decide where Israelis live or the configuration of our final borders.

Auch Hillary Clinton beeilte sich, ihre Empörung über diesen Akt der Barbarei (hier verfügt die US-Führung ja wirklich über umfangreiche Expertise) zu betonen:

This kind of savage brutality has no place in any country under any circumstances. Forces of terror and destruction cannot be allowed to continue. It is one of the reasons why the Prime Minister is here today, to engage in direct negotiations with those Palestinians who themselves have rejected a path of violence in favor of a path of peace.

Business as Usual im Nahen Osten. Israel will doch nur “Sicherheit” für seine jüdischen Bürger, die durch das Trauma des Hol0caust für immer und ewig als “Opfer” zu betrachten sind, die sich doch nur selbst verteidigen und endlich in Frieden leben wollen. Doch diese primitiven Araber, diese rückständigen, fanatischen Muslime lassen das einfach nicht zu. Sie verstehen eben nur die Sprache der Gewalt … Auch die Lichtgestalt Obama hat es da schwer …

Soweit die Märchenstunde aus Tel Aviv.

Wenn wir jedoch diese unerträgliche Kindergartenversion der israelischen Misere hinterfragen, die unsere Medien servieren, tun sich große Abgründe auf.

Der “unabhängige” Journalist präsentiert in Wahrheit die Perspektive der israelischen Regierung, und nicht eine ehrliche Analyse der Ursachen und Hintergründe für die Gewaltspirale. Der bereits etablierte PR-Frame (also der vorgefertigte Deutungsrahmen, in dem Ereignisse im Nahen Osten medial interpretiert werden) sorgt dafür, dass die Wahrnehmung der Menschen ziemlich gut kontrolliert wird.

Eine Armada von PR-Spezialisten und strategisch platzierten “Freunden Israels” (z.B. in den Presseagenturen), aber auch einfach naive, bequeme oder eingeschüchterte Journalisten betätigen sich als Megaphon für pro-israelische Propaganda und gezielte Desinformation. Ein britischer Journalist hat den enormen Druck, den die israelische Lobby auf seine Kollegen ausübt, als den schlimmsten  “elektrischen Zaun” bezeichnet, mit dem er je in seiner Arbeit konfrontiert wurde.

Die offizielle Verschwörungstheorie über “9/11″, dass also eine Gruppe fanatischer Muslime – “die unsere Freiheit hassen”, die drei Türme des WTC zum Einsturz gebracht haben und unsere “Wertegemeinschaft” insgesamt bedrohen, war natürlich ein enormer Auftrieb für die israelische Propaganda, da man jetzt Araber bzw. Muslime pauschal als gefährliche Bösewichte präsentieren konnte, die sich von finsteren Gestalten bzw. ihrer vorsintflutlichen Religion (“Hasspredigern”) als Selbstmordattentäter missbrauchen ließen.  Religiöser Extremismus und das “Fehlen demokratischer Grundwerte” stehen seither im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und Kritik des Westens, die politischen und historischen Motive für die Gewalt sollen völlig ausgeblendet werden. Nebenbei kann man noch die Bürgerrechte aufweichen und der “Security Industry” ein milliardenschweres Budget zukommen lassen, um das Volk im Namen der “Sicherheit” zu überwachen …(werden bald Unterhosen in Flughäfen verboten?)

Über die Geschichte des Nahen Ostens ist schon viel geschrieben worden (ich bin darauf ja auch schon in meinen früheren Beiträgen über Israel / Palästina eingegangen, Buchtipps siehe ebendort) – hier beschäftigen wir uns deshalb mit der jüngeren Geschichte, den Vorfällen in der West Bank, Schwerpunkt Hebron und was die Besatzung bzw. die “Siedlungen” für die Palästinenser eigentlich bedeuten.

HINTERGRUND: Was machen die “Siedler” im Westjordanland?

Wir entnehmen den Medien, dass die vier getöteten Menschen aus der Siedlung Kiryat Arba, in der Nähe der Stadt Hebron stammten. Falsch – sie wohnten dort, waren aber eigentlich Einwanderer, wie die meisten anderen  “Siedler”, die durch hohe finanzielle Unterstützung der israelischen Regierung und oft auch durch religiöse Indoktrination dazu gebracht werden, sich nicht innerhalb des israelischen Staatsgebiets, sondern bewusst auf palästinensischem Land anzusiedeln. Das Westjordanland inklusive Ost-Jerusalem wird von Israel seit 1967 besetzt und trotz zahlreicher UN-Resolutionen haben alle israelischen Regierungen systematisch das Völkerrecht gebrochen und die illegale Besiedelung ständig gefördert und ausgebaut.

Erst kürzlich wurde auch eine Meldung gebracht, dass israelische Künstler (Schauspieler, Regisseure bzw. Autoren) sich weigerten, in den besetzten Gebieten aufzutreten bzw. ein Stück zu inszenieren. Doch die moralische Begründung wurde nur selten klar hervorgehoben: Dass damit natürlich die illegale und brutale Besatzung bzw. die Siedlungspolitik legitimiert würde, wenn man in einem “Kulturzentrum”, das auf gestohlenem Land errichtet wurde, ein Theaterstück aufführt, und tut, als wäre das ganz normal.

Gideon Levy, der mutige Kommentator der israelischen Zeitung Haaretz schrieb dazu:

” Ja, natürlich gibt es einen moralischen Unterschied … auf einer Bühne zu spielen, die auf gestohlenem Land erbaut wurde … in einem Stück, dass den (illegalen) Siedlern einen angenehmen Zeitvertreib bietet, während sie von Menschen umgeben sind, denen man alle Rechte aberkannt  hat …”

Doch was sollten die Leser dieser Meldung dabei denken,  wenn “Besatzung” bzw. “Siedlung” immer in einem Vakuum präsentiert werden, ohne Kontext, ohne den Leuten zu erklären, was diese “Siedlungen” für die Palästinenser bedeuten? Mitgefühl für die Palästinenser und moralische Empörung (gegenüber Israel) sollen möglichst nicht aufkommen, das ist die höchste Priorität der “Berichterstattung”, die Israels politische Führung vorgibt und die weitgehend übernommen wird. Nein, Israel muss immer als Opfer dargestellt werden …

Um ermessen zu können, wie  diese “Siedler” den Menschen in Palästina das Leben zur Hölle machen, greifen wir auf eine seriöse Quelle zurück, die sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema befasst und die Verbrechen der Besatzung bzw. den Terror der  ”Siedlungen” akribisch dokumentiert und angeprangert hat: die israelische Menschenrechtsorganisation B’t Selem.

Doch zunächst ein bisschen Background über die Siedlung Kiryat Arba, die hier verdeutlichen soll, was diese Politik den Palästinensern antut:

DIE  KUNST  DES  LANDDIEBSTAHLS  IM  “AUFTRAG  GOTTES”

Der Landdiebstahl für neue Siedlungen geht meistens schleichend vor sich. Sehr beliebt ist der Vorwand, man brauche das Land “für militärische Zwecke”, aber selbstverständlich nur “vorübergehend”. Aber – wer hätte das gedacht – seltsamerweise werden diese Landflächen niemals zurückgegeben, auch wenn die Genehmigung nur temporär war.

Auch Kiryat Arba wurde ursprünglich auf Land gebaut, das vorübergehend requiriert wurde und noch heute – 40 Jahre später – werden diese Siedlungen weiter vergrößert, in dem man das umgebende Land plötzlich als “spezielle Sicherheitszone (SSA)” deklariert, selbstverständlich auch nur “zeitlich beschränkt” …

Was heißt das für die palästinensischen Farmer? Sie dürfen ihr eigenes Land von heute auf morgen nicht mehr betreten! Können z.B. ihre Oliven- oder Obsternte nicht einbringen, ihre Schafe nicht mehr weiden, ihre Wasserquellen nicht mehr erreichen, usw. Aber auch nur ein Spaziergang über eine Wiese, ein Picknick, Kinder, die spielen wollen oder andere, harmlose Erholung in der freien Natur wird damit unmöglich gemacht.

Diese “Schließungen” (closures) müssen durch schriftliche Order eines militärischen Kommandoführers genehmigt werden und ohne diese, darf Palästinensern der Zutritt nicht verweigert werden, urteilte der Oberste Gerichtshof.

Doch selbst dieses schäbige Stück “Rechtssprechung” wird nicht selten ignoriert: So auch für ein Stück Land in der Nähe von Kiryat Arba: die Requirierungsorder für diese Fläche war 2003 erteilt, aber nach ihrem Ablauf  nicht verlängert worden.  Trotzdem wurde dem Eigentümer und seiner Familie weiterhin die Nutzung verweigert. Als man das vor Gericht entsprechend rügte, hieß es nur: Die Order ist zwar nicht mehr wirksam, aber man (die Regierung) hat uns gesagt, es bestehe die Absicht, sie zu verlängern …” (HCJ 8614/07, Rivka Tor et al. v. OC Central Command et al., Judgment, 30 January 2008)

Vorauseilender Gehorsam der Judikative … um es der Regierung “Recht zu machen” , was kann man da noch sagen?

Opfer der Siedlergewalt (B'TSelem)

Landbesitzer werden auch regelmäßig mit absichtlicher Verschleppung (also in die Länge ziehen von Bescheiden und Genehmigungen, die dringend erforderlich sind) der  zivilen Behörden  konfrontiert.

Na’im Zalum besitzt Ackerland rund um Kiryat Arba, das ebenfalls als “SSA” klassifiziert wurde. Er sagte zu B’Tselem:

“Wir brauchen zehn bis vierzehn Tage um ein Arrangement über den Zutritt zu unserem eigenen Land zu erhalten. Die zivilen Verwaltungen (der Siedlungen) lassen uns meistens erst dann rein, wenn die Ernte- saison schon vorbei ist und die Früchte bereits verdorben sind.”

Das ganze ist natürlich eine unerträgliche Schikane und bodenlose Ungerechtigkeit, sich von eingewanderten, jüdischen Siedlern – die nichts, aber auch gar nichts mit Palästina zu tun hatten, und ihre “Verbindung zum heiligen Land” aus den Horrorstories des  Alten Testaments konstruieren – eine “Genehmigung” erteilen lassen zu müssen, damit man sein eigenes Land, das seit Generationen im Besitz der Familie ist, betreten darf ….  (p.56)

Andere Bauern berichten über den Vandalismus der Siedler, die freien Zugang zu Land haben, das ihnen (den Palästinensern) gehört, aber für sie gesperrt wurde.

“Ich habe schon mehrmals Siedler aus Kiryat Arba gesehen, die meine Ernte stehlen. Vor meinen Augen, während die Soldaten tatenlos zuschauen. Das ist ihnen völlig egal, weil sie nie zur Rechenschaft gezogen werden.  Sie haben außerdem einige Bäume zerstört und den Brunnen auf unserem Land.

B’Tselem hat die regelmäßigen Übergriffe der Siedler  von  Kiryat Arba  extensiv dokumentiert, so z.B. betreffend einen Vorfall vom 5. Februar 2008:

Zerstörte Olivenbäume (B'Tselem)

Ein Siedler fuhr von Givat Haharsinah, im nördlichen Teil von Kiryat Arba zum Ackerland von Khalifah D’ana, auf dessen Land die Armee einen Zaun errichtet und es als “SSA”, also spezielle Schutzzone deklariert hat. Der Siedler stieg aus dem Auto und begann seelenruhig die Obstbäume zu fällen, die dem Bauern gehören. Nachdem er fertig war, schaffte er das Holz in seinen Wagen und fuhr unbehelligt zur Siedlung..

Damit nicht genug, hat Israel die Ausweitung der Siedlungen auf diese SSA-Gebiete geduldet bzw. das Gebiet auf dem die Siedlung errichtet worden war, später selbst als SSA deklariert. Das bedeutet also, nicht nur können die Siedler das Land der Palästinenser betreten (obwohl es ja eigentlich eine geschlossene Zone ist), in manchen Fällen bleiben sie einfach dort und benutzen es, als gehörte es ihnen.

Man stelle sich das in Deutschland vor:  sagen wir mal, die Türken hätten ein altes Dokument gefunden, das als “heilig” angesehen wird, wonach ihre Vorfahren vor fünftausend Jahren bereits in Bayern gewesen wären und deshalb heute das Recht hätten, sich dieses Land anzueignen …  Auf den Einwand, das sei doch einfach lächerlich, so etwas als Anspruch zu definieren, wird dann mit dem “auserwählten Volk”  reagiert ..

Kein Land der Welt würde sich so etwas gefallen lassen, kein einheimische Bevölkerung sich nicht dagegen wehren …. Wer könnte das vier Jahrzehnte aushalten, ohne verrückt oder aggressiv  zu werden?

Dass tausende Palästinenser seit Jahren gewaltfrei gegen dieses massive Unrecht protestieren, wird hier auch nie erwähnt nur wenn die Demütigung und der Besatzungs -und Siedlerterror unerträglich werden und es wieder zu Anschlägen kommt, dann sind alle Medien wieder live dabei: ja, ja der Terror im Nahen Osten, diese Extremisten …..

MORDEN  FÜR  DEN  GUTEN  ZWECK

1994 ereignete sich in der Stadt Hebron ein Massaker: der jüdische Arzt Baruch Goldstein drang mit einer Maschinenpistole in eine Moschee ein und schoss wahllos auf die Betenden. Er erschoss fast 30 Menschen und verletzte mehr als hundert. Schließlich wurde er von der wütenden Menge überwältigt und selbst getötet. Dieses Blutbad hätte dazu dienen können und müssen, die Rolle der fanatischen Rabbis bzw. die Rolle des Judentums (als Religion) an sich,  in der Entstehung und Entwicklung des Konflikts zu hinterfragen.

Doch außer einigen offiziellen Beteuerungen und Beileidsbezeugungen geschah nichts, im Gegenteil: Die Gesinnungsgenossen Goldsteins, die Anhänger von Meir Kahane, machten aus ihm einen Märtyrer und errichteten einen Schrein, wo der “Held” und Gotteskämpfer  jedes Jahr (mit Tanz und Gesang) gefeiert wurde.

GEDENKSTÄTTE FÜR EINEN GESTIGEN  ZIEHVATER DES TERRORS? Ja bitte.

Goldsteins Fanatismus war so weit gegangen, dass er sich als Arzt weigerte, Nicht-Juden, also Araber medizinisch zu versorgen, selbst jene, die in der israelischen Armee dienten.

Die Kach-Partei, die Meir Kahane gegründet hatte, wurde von den USA und Israel  als Terrororganisation eingestuft. Doch das hinderte die “Siedler” in Kiryat Arba nicht daran, einen Park nach ihm zu benennen und ihn bis heute als quasi Heiligen zu verehren. Wer sich  in Kiryat Arba niederlässt, gehört zu den gefährlichsten Hardlinern unter den “Siedlern” und ist alles andere als  ”unschuldig” (was aber nicht heißen soll, dass sie verdient hätten, umgebracht zu werden!)

So schreibt etwa der amerikanische Journalist Max Blumental in einem kürzlich erschienenen Artikel:

Dov Lior ist der Leiter der Shavei-Hevron Yeshiva [einer Art jüdischem Pendant zu fundamentalistischen Koranschulen, aus denen die Taliban hervorgingen}  in Kiryat Arba, einer Siedlung radikaler Juden und einer Keimzelle für jüdischen Terror. Als ehemaliger oberster Militärrabbi der IDF machte Lior Schlagzeilen, weil er den Soldaten erklärte:

"Tausend nicht-jüdische Leben sind nicht einmal einen jüdischen Fingernagel wert!

Und im Kriegszustand (in dem sich Israel ja meistens befindet) gäbe es einfach so etwas wie "Zivilisten" nicht! Man könne also ruhig die eingepferchten Menschen in Gaza umbringen, auch Kinder - no problem …. Auch für gefangene, militante Palästinenser hatte er eine Lösung vorgeschlagen: man könne sie doch als Versuchskaninchen für medizinische Experimente benutzen …"

Lior, der eigentlich Dov Moshe Leibland heißt und aus der Ukraine stammt,  segnet auch das Vergiften von Tieren und Wasserquellen der Palästinenser ab, die in der Nähe Hebrons leben.  Die Siedler sind seinen Lehren gefolgt und haben die Wasserquelle eines Farmers in der Nähe von Yatta vergiftet, worauf die Schafe alle qualvoll gestorben sind.

Der Oberrabbi von Kiryat Arba and Hebron, und Vorsitzender des Rabbinerkommittees in den besetzten Gebieten, wird von manchen sogar als der "wahre Premierminister"  Israels bezeichnet. …)

Wie sich die Palästinenser mit solchen "Nachbarn" fühlen müssen, die ihnen noch dazu ihr Land stehlen und sie täglich terrorisieren, können wir nur erahnen. Schauen wir uns deshalb noch mal die Berichte von B't Selem an: (Ich empfehle sie alle zu lesen - Links dazu weiter unten)

BTSELEM: SETTLEMENT REPORT 2010 (kurze Auszüge)

"Es gibt drei Siedlungslinien, die die West Bank durchziehen. [Wir konzentrieren uns auf den mittleren], den Gebirgsstreifen (Mountain Strip), der die Westbank der Länge nach teilt und die angrenzenden Gebiete einschließt. Entlang dieses Streifens liegen die sechs größten (dichtest besiedelten) Städte des Westjordanlandes: Jenin, Nablus, Ramallah, East Jerusalem, Bethlehem, and Hebron.

Eine Siedlungskette des Streifens liegt entlang der Route 60, die die Hauptverkehrsader der West Bank in Nord-Südrichtung ist. Diese wurden gebaut um die israelische Kontrolle über den Verkehr sicherzustellen und um palästinensische Bautätigkeit zu verhindern, die der Kantonisierung der bestehenden Ortschaften entgegengewirkt hätte (auf beiden Seiten der Straße wären miteinander verbundene Siedlungsräume entstanden).

Fast die ganze Straße gehört zum Areal C, das unter alleiniger Kontrolle Israels ist (deshalb ist es seltsam, dass der Anschlag auf dieser Straße gelingen konnte)

BEHINDERUNG DER URBANEN ENTWICKLUNG

Die Lage der “Siedlungen” in unmittelbarer Nähe palästinensischer Gemeinden, besonders der größeren Städte (s.o.) blockiert deren urbane Entwicklung, zumindest in einer Richtung. So wurde z.B. die Stadt Ariel genau dort errichtet, wo sich die natürliche Ausbreitungszone der vorhandenen palästinensischen Gemeinden befindet: Salfit, Haris, Kifl Haris, Qira, Marda, and Iskaka

BEHINDERUNG DES  ZUGANGS ZU WASSER

Israels fast völlige Kontrolle der gemeinsamen Wasserquellen in der West Bank  erzeugt eine strukturelle und dauerhafte Diskriminierung, da die Menge, die den Palästinensern zugebilligt wird, viel zu gering ist im Vergleich zu den Bevölkerungsanteilen:

Palästinenser haben täglich 73 Liter Wasser zur Verfügung (pro Person).

Israelis konsumieren 242 Liter in Städten und 211 Liter in ländlichen Gebieten.

Die WHO spricht von mindestens 100 Liter täglich, um den Bedarf  zu decken.

Diese systematische Ungleichbehandlung führt zu einer chronischen Wasserknappheit für die Palästinenser, besonders im nordöstlichen und südlichen Teil der West Bank, während gleichzeitig die “Siedler” eine regelmäßige und unbegrenzte Wassermenge erhalten. Da das Wasser natürlich auch für die Landwirtschaft nötig ist, reduziert diese Politik Israels das Einkommen und den Lebensstandard der palästinensischen Familien.

So wird z.B. die Nutzung der extensiven Wasservorkommen im Jordantal von Israel kontrolliert: bei 32 von insgesamt 48 Brunnen, die die israelische Wasserbehörde gebohrt hat, haben die Palästinenser keinen Zugriff. Die fast 32 Millionen Kubikmeter, die jedes Jahr heraufgepumpt werden, sind exklusiv für die 8.000  jüdischen Siedler bestimmt, denen damit gestattet wird, eine sehr bewässerungsintensive Landwirtschaft zu betreiben, in einer relativ  heißen und trockenen Gegend (also ein ökologischer Irrsinn).

Nach Angaben der Weltbank, liegen mehr als 10% des Ackerlandes der West Bank westlich der Trennmauer (wurden also illegal annektiert), wodurch den Palästinensern pro Jahr rund 40 Millionen Dollar an landwirtschaftlichem Einkommen  verloren gehen. Darüber hinaus führt die Kantonisierung und Diskriminierung nach Schätzungen der Weltbank dazu, dass insgesamt der Wirtschaft in Palästina 480 Millionen Dollar entgehen und etwa 110.000 Arbeitsplätze  jährlich verloren werden.

Dazu kommt noch, dass die palästinensischen Bewohner absichtlich aus diesen Gebieten vertrieben werden (Areal C), besonders jene in den Hügeln südlich von Hebron und im Jordantal. Bevorzugte Methode:

Hausdemolierungen

Mehr dazu im nächsten Beitrag  (Teil 2/2)

Zum Nachlesen:

B’t Selem Berichte

Der Unrechts-Staat

“Israel’s response to the Gaza flotilla is another unfortunate example of Israel clothing its conduct in the language of international law while flouting it in practice.

Ben Saul, expert on Int’l Law

Die vorherigen Beiträge haben gezeigt, dass die Aussagen der Passagiere weitgehend übereinstimmen und klar belegen, dass die brutale Gewalt von den israelischen,  paramilitärischen Truppen ausging (beabsichtigt war,)  und schon gar nicht als Selbstverteidigung durchgehen kann.

Wie wir gesehen (und gehört) haben, lassen die Berichte von Augenzeugen auf der Mavi Marmara und die gerichtsmedizinischen Befunde der Todesopfer keinen Zweifel daran, dass hier geplante Exekutionen stattgefunden haben.  Zwei türkische Aktivisten wurden tödlich getroffen, noch bevor einer der vermummten Soldaten das Deck betreten hatte.

Aussagen wie „sein Gehirn ist explodiert“ oder „der hintere Teil seines Kopfes war weggerissen“ deuten auch daraufhin, dass hier besondere Waffen eingesetzt wurden. Ann Wright sprach auch von einer „Kugel, die mit Flüssigkeit gefüllt war“, die eine Frau ins Gesicht traf, usw.  Man darf die berechtigte Vermutung aussprechen, dass das israelische Militär wieder einmal politische Gegner („Terroristen“) als Versuchskaninchen für neue, widerliche Waffen missbraucht hat. Diese Vermutung wird auch dadurch erhärtet, dass  den Sanitätern des Schiffes nicht gestattet wurde, die Verletzten zu begleiten.

Wir haben auch die erschreckenden Schilderungen von der Unmenschlichkeit und Rohheit der Exekutivorgane gehört, die die gekidnappten Aktivisten und Journalisten wie „Tiere im Zoo“ behandelten, sie gezielt demütigten und einschüchterten und sich darüber auch noch lustig machten.

Doch zwei grundlegende Fragen müssen noch geklärt werden, denn die ganze Argumentation der israelischen Regierung stützt sich darauf:

Ist die Blockade gegen den Gazastreifen legal? Und wenn ja, ist dann automatisch die Erstürmung der Schiffe auch legal (was impliziert, dass die Organisatoren der Gaza-Flotte von Anfang an rechtswidrig gehandelt hätten)?

Was schreiben denn die Medien darüber? Reuters berichtete folgendes:

„Die israelische Regierung sagte, sie werde die Seeblockade gegen Gaza weiterhin aufrechterhalten, trotz zunehmender, internationaler Kritik nach dem Überfall auf das türkische Fährschiff, bei dem neun Aktivisten getötet wurden.“

„Ja, Israel hat das Recht eine Seeblockade gegen Gaza zu verhängen, [laut Reuters] das wurde von der üblichen Praxis abgeleitet und in der so genannten „Londoner Erklärung“ festgeschrieben. Diese wurde 1994 in einem rechtlich anerkannten Dokument, dem „San Remo Handbuch über das Anwendbare Völkerrecht für Bewaffnete Konflikte auf See “ aktualisiert.“

„Die wichtigsten Regeln verlangen, dass die Blockade allen Kriegsteilnehmern und neutralen Staaten mitgeteilt werden muss, der Zugang zu neutralen Häfen nicht behindert werden darf und nur solche Gebiete blockiert werden dürfen, die in Feindeshand sind.“

„Auf der Basis, dass Hamas die herrschende Macht in Gaza ist, und Israel sich mitten in einem bewaffneten Kampf gegen diese befindet, ist die Blockade legal, sagte Philip Roche, Teilhaber des Anwaltsbüros Norton Rose.“

Unglaublich , aber wahr: Wenn man den Namen „Philip Roche“ googelt, kommt (u.a.) folgende Info: Das Leben von Philip Roche wird in dem Buch „Lives of the Most Remarkable Criminals“ dokumentiert und weiter: PHILIP ROCHE , hingerichtet am 5. August 1723, für viele Morde auf Hoher See und Piraterie …   Ironischer  Wink des Schicksals?

Weiter mit dem Reuters Artikel:

„Darf Israel gewaltsam ein Schiff entern, um die Einhaltung der Blockade  zu erzwingen?“

„Nach Völkerrecht ist das zulässig.“

“(Nur) wenn die angewendete Gewalt unangemessen ist, wäre das eine Verletzung der grundlegenden Vorschriften für deren Anwendung“ sagte James Kraska, Professor für Völkerrecht am U.S. Naval War College. [….] Rechtsexperten sagen, “angemessene Gewalt” heißt nicht, dass Schusswaffen nicht verwendet werden dürfen, wenn man (nur) mit Messern attackiert wurde. [...]

Ähnliche Artikel erschienen in vielen Zeitungen.

Was steht nun wirklich in dem San Remo Handbuch? Und ist es überhaupt anwendbar?

Das ganze Werk  bezieht sich natürlich auf  Krieg  zwischen Staaten.

“Die Teilnehmer der Gespräche …  sehen das Handbuch … als modernes Äquivalent zum Handbuch von Oxford zu den die Beziehungen zwischen den kriegführenden Staaten regelnden Gesetzen des Seekriegs, das vom Institut für Völkerrecht 1913 angenommen wurde.”

Das bedeutet im Normalfall, dass die Militärapparate dieser Länder gegeneinander kämpfen, zu Lande, in der Luft und  auch zu Wasser. Die Änderung der alten Regeln war ja nach dem ersten Weltkrieg notwendig geworden, besonders durch den vorher unbekannten Einsatz von U-Booten und weil Fracht- und auch Passagierschiffe (Lusitania!) zum  versteckten Transport von Kriegsmaterial missbraucht wurden.

Man wollte deshalb Optionen schaffen, die es erlauben, nicht nur  ausgewiesene Kriegsschiffe anzugreifen, sondern auch Handelsschiffe aufzubringen,  wenn sie als „militärische Ziele“  definiert werden konnten.

Das San Remo Handbuch enthält zunächst seitenweise Regeln wie und unter welchen Umständen feindliche und (ob) neutrale Schiffe bzw. die verschiedenen Schiffskategorien (nach Zweck des Transportes) angegriffen werden dürfen. Bereits hier wird die Absurdität offensichtlich, denn die “kriegsführenden Parteien” sind hier eben NICHT zwei Staaten.

Gaza hat ja keine Schiffe, keine Marine, die Hamas hat ja keinerlei Kontrolle über Grenzen, Seewege, Häfen, Küstengebiete, Luftraum, etc.  (… nur die „Tunnelmaut“ in Rafah …) Geschweige denn hat sie eine Militärmaschinerie, die sich mit der Israels auch nur annähernd messen könnte. Selbst  (rund 250  Polizisten, die in Gaza frisch ausgebildet wurden, wurden während Operation Cast Lead (am ersten Tag) bombardiert und getötet.

Getötete Polizisten in Gaza

Die Prämisse für die Anwendung des San Remo Manuals dass sich zwei „Kriegsteilnehmer”   quasi auf Augenhöhe  gegenüber stehen, wobei sich der eine durch eine Blockade gegen die „Angriffe“ (im Kontext eines Krieges) der anderen schützen muss, ist hier eben nicht zutreffend.

Das Ungleichgewicht der Kräfte ist so immens, weil die Opfer der Blockade ja auch selbst Kriegsopfer sind, gegen sie wird ja ein zwei-Fronten Krieg geführt: ein ökonomischer und ein militärischer, insgesamt ein Genozid auf Raten.

Israel hält die 1,5 Millionen Menschen effektiv GEFANGEN, das ist weit mehr als eine „See-Blockade“, wo bestimmte, genau definierte Waren nicht an Land gelangen dürfen, weil sie den „Feind“ unterstützen würden.  Das Problem ist nur, dass der „Feind“ hier die ganze, zivile Bevölkerung ist.

Israel kontrolliert den gesamten Waren- und Personenverkehr, die (mangelhafte) Energieversorgung, die (kaum vorhandene) Telekommunikation, die Wasser- und Abwasserversorgung (durch fehlende Ersatzteile können Kläranlagen oder Wasserpumpen nicht repariert werden, das einzige Elektrizitätswerk wurde zerstört, somit fehlt auch kontinuierlicher Strom), Kinder können nicht in die Schule gehen (sofern die noch stehen), weil man nicht einmal Bücher, Hefte, oder Schreibartikel nach Gaza bringen darf.

Die Liste der erlaubten Güter wird ständig geändert, wie es dem Militär gerade gefällt, einmal darf kein Toilettenpapier eingeführt werden, ein anderes Mal kein Shampoo, kein Spielzeug, keine Kekse, etc. Die Willkür und der Machtmissbrauch sind offensichtlich.

Wie immer bei rechtlichen Dokumenten, kommt es erst einmal auf die Definitionen an, auf die Einordnung in die richtige Kategorie, um dann die Anwendbarkeit bestimmter Regeln davon ableiten zu können.

Die „Rechtsberater“ des israelischen Militärs sind ja mit allen Wassern gewaschen, so wird z.B. auf den Vorwurf, Israel  halte sich als Unterzeichnerstaat der Genfer Konventionen nicht an die Vorschriften – durch die brutale Besatzung, die weitere Kolonisation der West Bank ( „Ausbau der Siedlungen“), die Misshandlungen von Zivilisten, die Hauszerstörungen,  die Kollektivbestrafung, das ganze Programm der Unmenschlichkeit eben -  folgendes geantwortet:

Man fühle sich sehr wohl dem humanitären Völkerrecht verpflichtet, doch das gelte eben für Gaza nicht und auch nicht für die kolonisierte West Bank: Warum? Weil das keine STAATEN seien, und dieses Abkommen eben bindend zwischen staatlichen Akteuren sei. Diese Spitzfindigkeiten sind im Grunde nicht von der Hand zu weisen und das ist ja auch – ein – Grund (von mehreren), warum Israel niemals einen eigenständigen Palästinenserstaat zulassen wird.

Nehmen wir also dieses Argument auf und wenden es für die „Operation Sea Breeze“ an:  Staaten unterzeichnen Verträge, Staaten erklären den Krieg.

Die Anwendung des San Remo Manuals gilt für sogenannten “IAC” (International Armed Conflict), und auch die “Londoner Erklärung” rechtfertigt eine Blockade nicht, denn sie gilt nur im “Kriegszustand”, was wiederum als bewaffneter Konflikt zwischen zwei Staaten definiert wurde.

Gaza ist aber kein Staat, sondern ein bombardiertes, wirtschaftlich stranguliertes, ehemaliges Flüchtlingslager, ein  Freiluft-Gefängnis mit 1,5 Millionen Menschen, deren Großeltern 1948 vor dem zionistischen Terror, bei dem rund 500 palästinensische Dörfer zerstört und ethnisch gesäubert wurden, dorthin fliehen mussten (die „Nakba“) und 1967 kam dann die nächste Terrorwelle: die endlose Besatzung.

Der  rechtliche Status von Gaza kann nicht nach Belieben Israels opportunistisch geändert werden.

Das großartige inszenierte Theater von der „Rückgabe“ Gazas 2005, war ein riesiger Etikettenschwindel: Denn zwar hat man die jüdischen Siedler weggebracht und die Soldaten innerhalb Gazas abgezogen, doch die effektive Kontrolle über das Gebiet hat nach wie vor der Staat Israel (wie oben beschrieben: Gaza ist Israel völlig ausgeliefert, ein „Labor“ für Unmenschlichkeit …) deshalb ist er nach dem Völkerrecht für das Wohlergehen der Menschen in Gaza – und auch für Recht und Ordnung -  verantwortlich. In gewisser Weise führt also Israel Krieg gegen sich selbst …

Die Hamas, die in einem zerbombten, völlig desolaten Miniterritorium (ca. 40 km lang und zwischen 5 und 12 km breit), mit zerstörten Feldern und Fabriken, extremer Arbeitslosigkeit, einer bewusst  von Israel ruinierten Wirtschaft „regiert“, und in den Medien allen Ernstes als „kontrolliert den Gazastreifen“ verkauft wird, soll also auf die gleiche Ebene gestellt werden, als „Kriegsteilnehmer“ im Sinne des Völkerrechts, des Kriegsrechtes, etc. das im San Remo Manual angewendet wird?

Das ist völlig absurd und unzulässig. In Wahrheit findet hier natürlich eine besonders widerliche Form der Kollektivbestrafung statt – weil die Palästinenser 2006 die falsche Partei gewählt hatten, wie Noam Chomsky nicht müde wird, zu betonen.

Während Israel die Öffentlichkeit einer Gehirnwäsche unterzieht, indem ständig von der Bedrohung durch die „Terroristen“ Hamas und ihren lächerlichen Raketen die Rede ist, und deshalb allen Ernstes 1,5 Millionen verzweifelter Menschen „wie Tiere in Käfigen“ gehalten werden müssen, wird von einer der mächtigsten Armeen der Welt argumentiert, man müsse auf hoher See, Zivilisten angreifen, die Hilfsgüter transportieren, um sich zu „verteidigen“? Wie verrückt ist das Ganze eigentlich?

Um sich vor den Raketen  zu schützen, und endlich „Sicherheit“ zu haben, braucht man nur die Rechte der Palästinenser respektieren, sonst nichts. Keine Blockade, keine Überfallkommandos. Doch das kommt eben nicht in Frage … (siehe dazu auch frühere Beiträge zu “Gaza”)

Man braucht sich ja nur die Bilanz des Schreckens anschauen: Wir stehen jetzt bei einem Verhältnis von etwa 1:100, es wurden also 100 mal mehr Palästinenser getötet, als Israelis.

Gaza (vor Cast Lead): 3000 Tote, davon 634 Kinder

Israel: 39 Tote, davon 4 Kinder  (in acht Jahren)

Gaza, nach Cast Lead: 4.390 Tote, davon mehr als 1000  Kinder

Israel: 0 Tote (Zivilisten)

(Von den Toten in der West Bank wird in einem späteren Beitrag noch die Rede sein)

Dass hier eine „See-Blockade“ durchgesetzt werden muss, um sich vor diesem Elendsghetto zu schützen, – wie Amira Hass richtig feststellte, sind die Raketen aus Gaza ja in erster Linie  symbolische Gegen-Gewalt und natürlich die Folge des israelischen Terrors – (Hamas hat erstmals Anschläge auf Zivilisten in Israel verübt, nachdem Baruch Goldstein in einer Moschee in Hebron ein Massaker angerichtet hat), ist einfach völlig verrückt, weil Ursache und Wirkung, wer hier wen in welchem Ausmaß terrorisiert und warum, völlig ausgeblendet wird.

Zurück zum San Remo Handbuch:

Im Abschnitt IV (Methoden und Mittel  der Seekriegführung) geht es u.a. auch um die Blockade: (Punkt 67a)

„(Neutrale) Handelsschiffe, bei denen gute Gründe für ein Blockadebrechen sprechen, dürfen aufgebracht werden. Handelsschiffe, die sich nach vorangegangener Warnung einer Aufbringung deutlich widersetzen, dürfen angegriffen werden“.

Das klingt doch – aus israelischer Sicht – schon sehr gut. Damit haben wir doch schon den Beweis für die Rechtmäßigkeit der brutalen Aktion, oder? Doch es  geht noch weiter, denn auch die Legalität der Blockade an sich wird in dem Dokument geregelt:

102. Die Erklärung oder Einrichtung einer Blockade ist verboten, wenn

(a) sie den alleinigen Zweck hat, die Zivilbevölkerung auszuhungern oder ihr andere Güter zu verweigern, die sie zum Überleben braucht oder

(b) der Schaden für die Zivilbevölkerung im Verhältnis zu dem von der Blockade erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil übermäßig groß ist oder dies angenommen werden darf.

Angesichts der zahlreichen Berichte der Menschenrechtsorganisation und der UN über die verheerende Lage in Gaza (und der Betroffenheit der Menschen, die selbst das Elend gesehen haben), kann kein Zweifel mehr daran bestehen, wer hier Krieg gegen wen führt. Es ist natürlich auch ein ökonomischer Krieg den Israel gegen Gaza führt und der den „Friedensprozess in Formaldehyd legt“, wie Dov Weissglas so treffend formulierte.

Punkt (b) trifft eindeutig zu, somit ist die Blockade illegal (auch als Kollektivbestrafung) und auch deren mit Gewalt erzwungene Einhaltung auf hoher See.

Selbst wenn man – hypothetisch – einen Kriegszustand annimmt, auf den das San Remo Manual anwendbar wäre, (also zwischen staatlichen Akteuren) dann wäre die gewaltsame Erstürmung der Schiffe, die Verletzung von über 50 Menschen (und Tötung von neun)  immer noch ein Verbrechen, denn

Neutrale Handelsschiffe unterliegen [zwar] der Aufbringung außerhalb neutraler Gewässer wenn sie … eine Blockade brechen oder zu brechen versuchen,

Doch Folgende Schiffe sind generell von der Aufbringung ausgenommen:

[…] Schiffe, die für humanitäre Aufgaben eingesetzt sind, einschließlich Schiffen, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unentbehrliche Versorgungsgüter transportieren, und Schiffe, die Hilfsmaßnahmen und Rettungseinsätze durchführen; […]

Der Zweck der Fahrt war ganz eindeutig humanitäre Hilfe; die Schiffe fuhren unter “neutraler Flagge” (keines der Flaggenländer befindet sich mit Israel im Krieg), es gab also selbst unter Zugrundelegung des San Remo Handbuches keine rechtliche Grundlage für die Kaperung und schon gar nicht für die Ermordung von neun Menschen.

Auch die Verschleppung nach Ashdod war ein krimineller Akt:

Die Aktivisten und Journalisten wurden gekidnappt,  in Haft genommen – ohne rechtliche  Grundlage – deshalb hat man sie genötigt, zu „bestätigen“, dass sie „illegal eingereist seien“, was dann gleichzeitig die Legitimation für die Abschiebung sein sollte.

Israels Dilemma lässt sich auch so erklären:

Wenn die Regeln des IAC gelten sollen, dann müssen Hamas-Kämpfer den  Status  regulärer  Soldaten erhalten, das wäre für Israel aber ein Riesenproblem.

Gehen wir also davon aus, dass die LoIAC nicht gelten,  dann kann man sich aber eben auch nicht auf  Regeln berufen, die im IAC Anwendung finden, wie das San Remo Manual.

Die Unverhältnismäßigkeit der Blockade liegt – wie oben ausgeführt – klar auf der Hand, denn die Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheeerend und unmenschlich. Die Blockade ist also ILLEGAL und der GOLDSTONE-Report bezeichnet sie sogar als  Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Prof. Ben Saul

Zum Abschluss soll hier noch ein australischer Experte für Völkerrecht (und Terrorismus) zu Wort kommen, dem man sich nur 100%ig anschließen kann:

  1. Die gewaltsame Erstürmung friedlicher  Schiffe in internationalen Gewässern war  ungesetzlich.
  2. Diese Aktion kommt einem  illegalen Eingriff in die rechtliche Zuständigkeit der “Flaggenstaaten”  (wo die Schiffe registriert waren) gleich, wie etwa der Türkei.
  3. Sie verletzte das grundlegende Prinzip der Navigationsfreiheit aus Hoher See, die in der UN-Konvention über Seerecht von 1982 festgelegt wurde.
  4. Das Festhalten (die Verbringung nach Israel) und  die Inhaftierung der Passagiere war ein Verbrechen, denn sie verletzen den Artikel 9 des internationalen Abkommens über Zivile und Politische Rechte, weil es keine rechtliche Grundlage für die Festnahme gab.
  5. Die Tötung von (9) Menschen, ist nicht “nur” eine schwere Menschenrechtsverletzung  sondern in diesem Fall unter Umständen sogar ein schweres, internationales Verbrechen:
  6. Nachh Artikel 3 des Übereinkommens zur Bekämpfung widerrechtlicher Handlungen gegen die Sicherheit der Seeschifffahrt” (SUA-Konvention), ist es ein internationales Verbrechen für jedermann,ein Schiff mit Gewalt einzunehmen und und weiteres, schweres Verbrechen, wenn dabei Menschen verletzt oder getötet werden. ( Die Ironie ist, dass dieser Vertrag nach der Entführung der Achille Lauro 1985 durch palästinensische Terroristen abgeschlossen wurde, wobei ein jüdischer Passagier, der behinderte Leon Klinghoffer ums Leben kam)
  7. In solchen Fällen, ist jeder Anspruch auf  Notwehr irrelevant. Der Vertrag enthält notwendigerweise  sehr strenge Sichtweisen: Man kann nicht ein Schiff angreifen und sich dann  auf Selbstverteidigung berufen, wenn die Menschen an Bord sich gegen illegale Gewaltanwendung zur Wehr setzen.
  8. Aus rechtlicher Hinsicht sind militärische Kräfte, die sich auf ein Schiff abseilen, auch wenn sie im Auftrag von Regierungen handeln, nicht anders zu behandeln, als andere Kriminelle. Das Recht auf Notwehr in solchen Situationen haben natürlich die Passagiere auf diesem Schiff. Jede Person istt gesetzlich berechtigt, sich der eigenen gesetzeswidrigen Gefangennahme, Entführung und Inhaftierung zu widersetzen.

“Diese traurige und schockierende Episode hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie unbekümmert der Staat  Israel mit dem Leben anderer Menschen umgeht,  wie völlig gleichgültig ihm das Urteil der globalen Öffentlichkeit   ist, und seine Grobheit als Geächteter der internationalen Gemeinschaft verdeutlicht.

Dieser [auch moralische] Absolutismus, diese maßlose Gewalt, und keine Aussichten auf Frieden in der Region werden solange weitergehen, wie die internationale Gemeinschaft Israel mit Samthandschuhen anfasst.”

Israel ist sein eigener, schlimmster Feind geworden. Es kümmert sich nur um seine eigenen Interessen, während jede Fähigkeit zur Empathie abhanden gekommen ist. Diese unmenschliche Härte ist auch daran erkennbar, dass das (durch Israel) verursachte Leiden anderer  einfach ignoriert  wird und nur das Wohlergehen der Israelis von Bedeutung ist.

Dieser  gedankliche und politische  Absolutismus hat furchtbare Folgen für die Palästinenser … aber auch für die Sicherheit der Israelis selbst …”

Stellungnahme von Richard Falk, UN-Experte für Völkerrecht

Erörterung des Goldstone-Reports mit Norman Finkelstein (deutsche Übersetzung)

P.S. Warum Dirk Niebel nicht nach Gaza einreisen durfte, liegt dann wohl auf der Hand …

(Der Professor hat leider vergessen, die Rolle der USA  zu erwähnen …)

Mörder Ohne Grenzen (3): Tot-Schweigen

"Peaceprocess"

Eine Worthülse, die unerträglich geworden, aber in den Medien ständig präsent ist: der “Friedensprozess”, der seit mehr als 30 Jahren von Israel sabotiert wird …(mehr dazu im nächsten Beitrag…)

Letzter Teil der  Aussagen einiger Passagiere der  Gaza-Hilfsflotte, diesmal die “Challenger 1″

Paul McGeough, Auslandskorrespondent für den “Sydney Morning Herald“

Wir waren auf der Challenger 1, einem 25m langen Schiff. Es waren 17 Leute an Bord, davon zwei professionelle Journalisten: Ich selbst und Kate Geraghty, die Fotojournalistin ist.

… kurz nach vier Uhr sahen wir die Zodiacs  auf uns zukommen. Vorher konnten wir, in größerer Entfernung israelische Kriegsschiffe erkennen … Etwa um 4:15  versuchten sie, die Mavi Marmara zu entern. Doch der erste Versuch misslang, die Passagiere wehrten sich: sie warfen Sachen über Bord, Müll, usw. Es wurde laut gerufen und geschrieen. Wir befanden uns etwa 150 m entfernt, auf der Backbordseite, als die Israelis  auf dem hinteren Deck Sound-Granaten [ein extrem hoher, schriller, furchtbarer Ton] und Tränengas-Kanister abwarfen, wo eine Menschenmenge stand. Wir sahen sie in ihren Schwimmwesten, wir sahen die Lichtblitze der Brandstoffe, wir hörten, wie sie explodierten,  und dann Panik und Entsetzen ….

Der Kapitän versuchte ihnen zu entkommen, wir fuhren mit voller Geschwindigkeit, etwa 18 Knoten, vier bis fünf Zodiacs verfolgten uns. Der Kapitän gab schließlich auf, denn er war früher schon auf einem Boot für Gaza, das sie gerammt hatten, das wollte er nicht noch einmal erleben.

Kate Geraghty

Sie kamen also an Bord und Kate wurde sofort von einem Elektroschock-Gerät getroffen, der Schlag warf sie zu Boden. Wir konnten es noch gar nicht fassen, da kamen immer mehr Soldaten in Tarnuniformen, maskiert,  zu uns auf die Außensteuerstelle  (wo wir uns befanden). Sie nahmen uns sofort die Filmausrüstung ab, das Satellitentelefon, das ich in der Hand hielt, weil ich gerade einen Bericht für unsere Zeitung abgab. Sie sprachen mit australischem Akzent, äußerst bemerkenswert, nicht? – als wir sagten, wir seien professionelle Journalisten für den Sydneyda drehte sich einer um uns sagte ganz cool: Wir wissen, dass ihr für den Herald arbeitet!

Alle wurden dann nach unten gedrängt, auf die unteren Decks. Eine der Frauen, die noch am Oberdeck war, hatte eine Pistole direkt auf ihren Kopf gerichtet, man drohte sie zu töten, wenn sie nicht sofort eine Luke freimachte, auf der sie saß (um die Soldaten – nur mit ihrem Körper – zu behindern)

Die Aktivisten übten also passiven Widerstand aus (nur mit ihren Körpern), gewaltfreie Techniken, um es den Soldaten schwer zu machen, alle an Bord zu kontrollieren (zusammen zu treiben). Zwei Frauen wurden (quasi „als Strafe“)  mit Säcken über ihren Köpfen über das Deck geschleift,

(eine davon war Huwaida Arraf – siehe weiter unten)

Kate Geraghty: Ja. Ich habe fotografiert, ich stand direkt neben Paul und beobachte, wie das Überfallkommando auf uns zukam. Ich machte also Bilder und sie versetzten mir einen elektrischen Schlag in den Arm, [mit einer so genannten „stun-gun“] über dem Ellenbogen, der so stark war, dass ich ungefähr 1,5 Meter weit geworfen wurde. Dann musste ich mich übergeben. Einer der Soldaten nahm mir die Kamera ab. Und sie hatten richtige Waffen auf uns gerichtet, wir betonten, wie Paul schon sagte, dass wir Journalisten seien, keine Aktivisten … aber das machte nicht den geringsten Unterschied… Wir machten nur unseren Job. Und es wurde nicht respektiert.“

„Aber das Entscheidende ist, – und das haben uns auch die Leute von den anderen Booten bestätigt  – dieses systematische Abwürgen der wahren Geschichte; das erste was die Soldaten taten, war alles zu konfiszieren, was die Wahrheit ans Licht bringen könnte, Kameras, Satellitenverbindung, Videokameras an Bord, usw.

“Sie waren versessen darauf, die Story in den Medien völlig zu kontrollieren …“

Nach Angaben von “Reporter Ohne Grenzen” waren mehr als 60 Journalisten an Bord. Wo sind die alle geblieben? Man hört nur von wenigen, was sie mitmachen mussten …

Das International Press Institute (IPI) mahnte Israel, die Pressefreiheit zu respektieren, denn andernfalls wäre das  „eine klare Botschaft, dass die Regierung etwas zu verbergen hat“.

Die Journalisten hatten natürlich state-of-the-art Equipment dabei: teure Kameras, Satellitentelefone, Computer, etc. alles wurde ihnen abgenommen – Klartext: GESTOHLEN. Alleine die Ausrüstung der beiden australischen Journalisten wird auf etwa 70.o00 Dollar geschätzt. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass der Staat Israel Aufnahmetechnik und IT  im Wert von rund einer Million Dollar gestohlen hat.

Weitere Aussagen von Journalisten: (Al Jazeera Reporter – siehe „Mörder ohne Grenzen (2)

Yücel Velioglu, eine türkische Journalistin (Presseagentur)

„Es gab drei Türen in dem Raum, in dem die Journalisten saßen. Zwei davon waren versperrt. Wir hatten ihnen gesagt, welche offen war, doch sie haben absichtlich eine versperrte Türe gestürmt …“wir hatten die Kameras um den Hals hängen und die Presseausweise in unseren Händen, aber sie haben weiterhin ihre Ziellaser auf unsere Augen gerichtet, um uns einzuschüchtern. Das ganze dauerte etwa 45 Minuten…”

Ayse Sarioglu, Journalistin für die Zeitung Taraf

“Ich war völlig in Panik geraten, als ich Kiliclar auf dem Boden liegen sah [nach Kopfschuss aus dem Helikopter] .. ich fing an zu weinen …  Sie haben alles durchwühlt … In Ashdod haben sie uns verhört … Ich wurde von einem Polizisten so gedemütigt (eine weibliche Polizistin war sehr höflich [good cop – bad cop]). . .als er mich verhörte, spuckte er mich an und nannte mich eine Idiotin .. er hat sogar meine Zunge herausgezogen .. ich dachte, das kann doch nicht wahr sein, es war so unmenschlich!

Marcello Faraggi, italienischer Journalist, der eine Produktionsfirma in Brüssel hat

“ .. sie nahmen mir sofort die Kamera aus der Hand und alle Kassetten, die ich dabei hatte. „Wir geben sie zurück, wenn wir an Land sind“, sagten sie. Ich zeigte ihnen meine Presse-Akkreditierung. Es machte keinen Unterschied. …wir mussten zu den anderen (gefesselten) Passagieren an Deck gehen, … wir brauchten fast 10 Stunden nach Ashdod .. und in der Zwischenzeit fühlten wir uns wie Tiere .. so haben sie uns behandelt …

Als wir ankamen, gegen 15:30, waren dort Menschenansammlungen. Viele Soldaten filmten uns, als wir von Bord gebracht wurden wir fühlten uns wie Tiere im Zoo

Dann haben sie uns zu einem Ort gebracht, wo es viele Zelte gab …  ich musste mich ausziehen …sie haben mir noch weiteres Material abgenommen, ..  wir waren fünf oder sechs, die sich gleichzeitig ausziehen mussten … es war so erniedrigend .. . Ich verweigerte  eine medizinische Untersuchung … dann sollte ich ein englisches  Dokument unterschreiben .. ich fragte nach einer italienischen Übersetzung … sie lachten mir nur ins Gesicht …

Dann brachten sie uns in einen Wagen (aus Metall), der für Gefangenentransporte benutzt wird .. wir warteten mehr als eine Stunde, zusammengepfercht, in der Sonne, ohne Klimaanlage … erst bei Einbruch der Dunkelheit haben sie uns nach Beersheva gebracht, dort wurden wir nochmals durchsucht … wir bekamen rohes Gemüse und Wasser … Seife .. aber wir durften weder unsere Botschaften noch einen Rechtsanwalt kontaktieren ..

Am Mittwoch in der Früh wurden wir zum Flughafen gebracht … im Bus wollte ein tschechischer Journalist auf die Toilette gehen .. keine Chance, sie haben ihn ausgelacht .. im Flugzeug haben sie uns genötigt, zu unterschreiben, dass wir Israel „illegal betreten“ hätten, erst dann wurde mir mein Pass wiedergegeben … ich sah, dass einige Leute nur KOPIEN ihrer Pässe bekommen hatten

Bei unserer Ankunft in Istanbul sagten sie uns, unser Gepäck sei schon angekommen .. ich sah, dass meine Reisetasche versiegelt war und bat einen Flughafenangestellten zu bezeugen, was ich darin finden würde: Die Tasche war voll mit alten Kleidern und Müll .. meine Kamera war nicht da …. Ich ging zur Polizei in Brüssel und meldete, dass ich Opfer eines bewaffneten Überfalls geworden sei, eines Raubüberfallsich habe Ausrüstung im Wert von mehr als 20.000 Euro „verloren“ … das war ein Akt der Piraterie …

Huwaida Arraf,  Mitgründerin des International Solidarity Movements und Vorsitzende von Free  Gaza

… nach etwa 10 bis 15 Minuten haben sie uns mit ihren Booten umzingelt und versuchten das Schiff zu entern  … Wir versuchten, sie mit unseren Körpern aufzuhalten .. wir wiederholten, dass wir unter US-Flagge fahren, wir sind unbewaffnete Zivilisten, kommen Sie nicht an Bord. Sie hatten Masken und Waffen und enterten das Schiff …. Sie warfen Aufschlaggranaten auf das Boot (die Panik auslösen).. sie setzten Elektroschock-Waffen ein und schlugen auf alle ein, die sich ihnen in den Weg stellten … Wir versuchten, sie daran zu hindern, ins Innere des Bootes zu  gelangen … die brachen die Glastüren, um auf die Brücke zu kommen … ein junger, belgischer Teilnehmer wurde blutig geschlagen … um zu verdeutlichen, wie sie uns behandelt haben …

Sie haben mich an den Haaren gezogen, meinen Kopf gegen das Deck geschlagen und sind dann darauf gestiegen, während sie meine Hände hinter dem Rücken gefesselt haben, dann haben sie mir einen Sack über den Kopf gezogen ..” das ist die Gewalt, die sie uns angetan haben .. und dann behaupten sie, sie hätten sich ja nur verteidigen müssen …“

Das ganze Interview gibt es HIER

Ann Wright, pensionierter Colonel der US-Army und ehemalige Diplomatin im State Department; sie legte ihr Amt aus Protest gegen den Irak-Krieg nieder ….

Ich war auch an Bord der Challenger 1, mit Huwaida und ich möchte ihnen ein großes Kompliment machen, für das was sie (Free Gaza)  mit dieser Flotte zustande gebracht haben.

Lassen Sie mich sagen, wie aufregend es war, alle diese Schiffe zu erleben, diese Zivilisten, die jene Regierungen dieser Welt anprangern, die sagen, die Blockade gegen Gaza sei notwendig, und damit die wirtschaftliche Strangulation von 1,5 Millionen Menschen gutheißen …

Ich sah den Angriff auf die Mavi Marmara, die Soldaten, die sich von den Helikoptern abseilten, die Zodiacs von beiden Seiten, die das Schiff umzingelten; der Kapitän  sagte, wir sollten versuchen, zu entkommen, denn wir hatten das schnellste Boot, doch sie holten uns ein … dann haben sie auch unser Schiff geentert …

Die Leute wurden zu Boden geworfen, Fensterglas durch Explosionen zersplittert … Blendgranaten wurden eingesetzt Kate (Geraghty siehe oben) wurde von einem elektrischen Schlag getroffen (ich glaube nicht, dass ein „Taser“ war), eine andere Frau wurde ins Gesicht getroffen, in die Nase, von einer mit einer mit Flüssigkeit gefüllten Kugel; sie waren außerordentlich brutal und gewalttätig, – und übrigens, von wegen sie wollten uns nur stoppen, wir hatten das Schiff bereits gestoppt und trotzdem haben sie all diese Gewalt ausgeübt …

[Auch das Gerede von der angeblichen Gefahr durch versteckte Waffen, gegen die man vorgehen musste,  ist Unsinn] „.. die Schiffe waren ja offen für Inspektionen vor der Abfahrt und ich bin mir sicher, der Mossad (Geheimdienst) hatte seine Spione überall verstreut … diese Leute sind Mitglieder humanitäre Organisationen und bringen dringend notwendige Dinge nach Gaza .. sie wurden ausreichend überprüft ..

Und übrigens, wenn wir von Gewalt sprechen:  (immer geht es nur um die „Raketen der Hamas“) … doch der dreiwöchige Angriff auf Gaza (Ende 2008 -20.Jänner 2009) bei dem 1.400 Menschen getötet wurden, 5.000 verletzt wurden, 50.000 obdachlos wurden .. . ist das kein Thema mehr? Und jetzt, 16 Monate später wird noch immer kein Baumaterial reingelassen ….

Und davon abgesehen, wenn sie trotz allem einen Hilfskonvoi stoppen wollen, eine Schiffsflotte, dann gibt es immer Möglichkeiten, dass so zu machen, dass niemand getötet wird. Man kann große Schiffe zum Abdrehen zwingen, usw. ganz zu schweigen von so kleinen Booten wie unser 10m Boot.

Man braucht doch kein Überfallkommando, das bei Nacht und Nebel, mit exzessiver Gewalt, die Leute terrorisiert

Es gibt doch auch andere Wege, wenn man sich noch Werte wie Menschlichkeit, Anstand und die Einhaltung internationaler Rechtsvorschriften erhalten will …

.. und noch dazu in internationalen Gewässern, also wirklich, sie sind Piraten .. sie entführen Menschen, stehlen ihre Sachen. Sie haben wahrscheinlich Ausrüstung im Wert von mehr als einer Million Dollar gestohlen …

Ich bin derzeit in Istanbul … ja, Gepäckstücke sind angekommen, aber es nichts von unseren Sachen darin …. Sie haben alles an sich genommen. Sie haben es gestohlen. Man sollte auf dem Schwarzmarkt in Israel nachsehen, irgendwer verdient sich eine goldene Nase mit dieser Nummer …

...als wir zum Flughafen gebracht wurden,

“..ich habe noch nie in meinem Leben, angeblich professionelle Vollzugsorgane gesehen, die andere Menschen so herabwürdigend behandelt haben … sie haben gelacht, sich lustig gemacht, geschmacklose Kommentare über die Verletzten und Getöteten .. es war erbärmlich, eine widerliche Vorstellung dieser Truppe ….”

Und ich denke, was wir, als Ausländer dort gesehen haben, ist nur die Spitze des Eisberges dessen, was die Palästinenser jeden Tag erdulden müssen …

„Sie waren darauf  eingestellt und vorbereitet,  unschuldige Zivilisten zu töten.“

Mehr Info: Institute for Middle East Understanding

Zum Abschluss noch mal Huwaida Arraf:

„Es gab keinen Grund uns anzugreifen, sie wussten genau, dass wir keine Bedrohung für sie darstellten.

… Wir waren unbewaffnete Zivilisten. Sie wussten, dass das Schiff und die Ladung vor der Abfahrt gründlich untersucht worden waren (inklusive Bodyscanner für die Personen, die an Bord gingen)

…Wir sagten ihnen, dass wir bereit seien, zusätzliche Inspektionen zuzulassen, etwa von der UN oder vom Internationalen Roten Kreuz. Wir haben nichts verschwiegen und nichts versteckt.

Deshalb gab es absolut keine Rechtfertigung für diese brutale Gewaltanwendung gegen uns.  Man muss sich dass einmal klarmachen, bewaffnete Überfallkommandos mitten in der Nacht auf zivile Schiffe loszulassen, die nur Hilfsgüter für Gaza liefern wollen …

Und jetzt tun sie so großmütig, sie hätten doch die Ladung selbst verteilt, wenn wir  uns gebeugt und in Ashdod angelegt hätten, damit sie die Ladung inspizieren konnten … Aber das ist doch absurd! Denn genau diese Dinge haben sie seit drei Jahren EBEN NICHT nach Gaza hinein gelassen! Dinge wie Wasserfilter, Bücher und Hefte für Schulen, Baumaterial, Fertigteile für Häuser, usw.

Sie lassen gerade nur soviel hinein, dass die Menschen nicht verhungern, nicht völlig zugrunde gehen, aber ihr Dasein ist so furchtbar, so hoffnungslos, das ist doch kein Leben mehr! 80% der Menschen sind auf Almosen angewiesen, auf Lebensmittelspenden von der UN! Die Wirtschaft liegt am Boden, die Felder sind weitgehend zerstört [bei Operation Cast Lead wurden auch mehr als 100.ooo Hühner getötet, Fleisch ist absoluter Luxus …]

Wir wollen diesen Teufelskreis nicht perpetuieren … Diese unmenschliche Politik muss aufhören! Es genügt nicht, „Hilfsgüter“ zu bringen, die Menschen brauchen Freiheit, Selbstbestimmung, Zugang zur Außenwelt, damit sie importieren und exportieren können, eine Wirtschaft aufbauen können.

Damit sie ein Leben in Würde führen können und nicht mehr zu  Almosenempfängern degradiert werden

WICHTIGER BACKGROUND UND KONTEXT:

(Bitte klicken Sie auf die Bilder)

Noam Chomsky über die “wahre Gefahr” der Gaza Flotte …

Berichte von Human Rights Watch über die Situation in Gaza:

http://hrw.org/en/news/2009/01/12/deprived-and-endangered-humanitarian-crisis-gaza-strip

Berichte der UN (OCHA):

http://www.ochaopt.org/gazacrisis/index.php?section=3

Was die Besatzung und die „Siedlungen“ in der West Bank bedeuten : Terror – jeden Tag …

http://www.ochaopt.org/documents

<<< B’TSELEM  Berichte


Was ehemalige israelische Soldaten über die “moralischste Armee der Welt” sagen  (die Ermunterung zur Brutalität und Unmenschlichkeit kommt von “ganz oben”, … die Aberkennung der Menschenwürde der “Arabushim”   erinnert uns an die dunkelsten Tage in Nazi-Deutschland  ..) :

“Das Brennende Gewissen” ….


Was die Besatzung wirklich bedeutet (DAUERTERROR – hier ist das Wort wirklich angebracht) , was man den Palästinensern seit Jahrzehnten angetan hat, aber hier nie erwähnt wird, die völlige Isolierung aus dem historischen Kontext, Gewalt existiert im Vakuum, “Terror, Terror, Terror = Hamas, Hisbollah, Iran- die Bösen, gegen die wir uns doch wehren müssen … die uns alle  vernichten wollen…

Dieser Idioten- und Papageienjournalismus wird uns täglich präsentiert ….

… aber noch haben wir die Fähigkeit, selbständig zu denken (und die historischen Fakten zu überprüfen) nicht verloren …. oder?




Mörder Ohne Grenzen (2): Psychoterror

Israel: National Identity?

Sie haben überall Gewalt angewendet, nicht nur auf der Mavi Marmara. Zu behaupten, die Todesfälle auf der  Mavi Marmara und die massive Gewalt gegen die Passagiere, sei das Resultat des Empfangs, den man ihnen dort bereitet hat, ist eine absolute Lüge.“

Alex Harrisson, britische Staatsbürgerin, Aktivistin für „Free Gaza“

war nicht an Bord der Mavi Marmara, sondern auf einem der kleinen Schiffe, (Samoud) sagte aus, dass sie Witwe des ermordeten Çetin Topçuoglu ….  ohne jedes Mitgefühl behandelt wurde, ohne Rücksicht auf ihre Trauer; sie wurde von ihrem Mann getrennt, gefesselt, in eine Zelle gebracht, wie alle anderen. Am zweiten Tag zeigte man ihr ein Bild ihres getöteten Mannes, sie sollte ihn identifizieren.

Sein Gesicht war völlig entstellt, “Ich erkannte ihn nur an seinem Mund“

„Einige der Frauen weigerten sich, das Dokument („illegale Einreise“) zu unterschreiben und protestierten auch gegen die (wirklich illegale) Deportation, weil man ihnen all ihren Besitz  abgenommen  hatte.  Ich wollte auch nicht völlig mittellos in ein anders Land reisen, nur mit meinen Kleidern am Leib und wollte versuchen zu bleiben, um ein Gerichtsverfahren in Israel einzuleiten (die Abschiebung war auch nach israelischem Recht illegal)

Der britische Konsularbeamte sagte, auf die Feststellung, dass Israel sich einen Dreck um internationales Recht scherte, lapidar „ …Ja, ich weiß, aber sie machen es eben so“

„Die Rohheit und Unmenschlichkeit, die sie an den Tag legten, geht mir nicht aus dem Kopf“.

Die 15 Frauen wurden zuerst für sechs Stunden in einen Gefängniswagen (Metallgehäuse, damit es schön heiß wurde) gesperrt, ohne Wasser und Toiletten. Dann brachte man sie  in eine Art eingezäunten „Laufstall“, wo sie von Soldaten weiter gedemütigt wurden (sie machten gegen ihren Willen Fotos, sexistische Zurufe, hämisches Gelächter, Pfiffe, etc.). Zweimal kamen Soldaten herein und begannen die Frauen zu schlagen (ohne Provokation).

Wir konnten sehen wie kleine Gruppen von Männern hereingeführt wurden, von denen mindestens drei völlig verprügelt wurden (einer davon war Kevin O’Keefe – siehe Teil 1) Einer wurde so schwer verletzt, dass er nicht fliegen konnte.

Aber das traurigste und unmenschlichste was ich dort sah, waren die verletzten Türken, die zum Flugzeug gehen wollten.

Sie hatten immer noch die blutverschmierten Sachen an, die sie auf der Mavi Marmara getragen hatten.  Die Israelis haben ihnen nicht erlaubt zu duschen, oder ihnen frische Kleidung gegeben.

Ich sah, dass viele von Ihnen bandagierte Füße hatten und fragte warum. Sie antworteten, man habe vom Helikopter aus auf ihre Füße gezielt, deshalb hatten sie alle Schmerzen beim Gehen, konnten nicht auftreten. Doch man gab ihnen keinerlei Gehhilfe, Krücken oder Rollstühle, nichts. Und als andere versuchten, ihnen zu helfen, sie zu stützen, ihnen den Arm anboten, wurden sie weggezogen, angeschrieen und geschlagen.

Man ließ die Türken mit ihren Fußverletzungen auf einem Bein zum Flugzeug hüpfen … das war pure Demütigung.

Aber was wir erlebten, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was den Palästinensern jeden Tag angetan wird … wird dürfen nicht aufhören, Druck auf unsere Regierungen zu machen ….wir müssen laut und ständig für Sanktionen gegen Israel lobbyieren .. sie müssen die diplomatischen Beziehungen zu Israel auf Eis legen, die Blockade stoppen, mit Gaza Handel treiben

Hier geht es nicht um „Hilfsgüter“. Gaza ist keine Naturkatastrophe. Hier geht es um Menschenrechte. Freiheit. Würde.


Das Märchen, dass die Gewaltexzesse auf der Mavi Marmara von den Aktivisten ausgingen ist an sich schon durch die vielen übereinstimmenden Zeugenaussagen widerlegt. Doch auch die Berichte von den anderen Booten bestätigen, dass die israelische Darstellung eine unverschämte Lüge ist:

Griechische Aktivisten sagten nach ihrer Ankunft in Athen, die israelischen Soldaten hätten jeden brutal geschlagen, der versucht hatte, Widerstand zu leisten. „Sie hatten Gummigeschosse, Tränengas, Elektroschock-Waffen um die Passagiere einzuschüchtern und kleinzukriegen.”

Die vier Griechen gaben an, dass alle, die sich weigerten, das vorgelegte Dokument zu unterschreiben (illegale Einreise und Deportation), geschlagen wurden. (deckt sich mit der Aussage von Alex) Als sie zu zittern begannen, erhielten sie Injektionen. Dann wurden sie wieder geschlagen … Dann haben sie uns in Zellen gebracht, ohne Fenster, ohne Licht für 24 Stunden … totale Isolation ..

Ahmed Brahimi,  koordinierte die Flotten- Teilnehmer aus Algerien;

„Sie haben uns gedemütigt. Wir waren unbewaffnet, wir wollten nicht  kämpfen.”

„Wir haben gerade unsere Morgengebete gesprochen, als die Israelis den ersten Versuch machten, das Schiff zu entern. Wir holten uns Holzstecken und was wir sonst noch an Bord finden konnten, um uns zu verteidigen…. Sie haben uns die  Mobiltelefone abgenommen, haben uns nicht erlaubt, die Toilette zu benutzen, unsere Hände waren gefesselt und einige mussten auf dem Bauch liegen.

Sie sagten uns, wir müssten ein Dokument unterschreiben, das wir nicht verstanden, doch wir haben uns geweigert, weil wir Hebräisch nicht verstehen und weil wir Israel nicht anerkennen!

Paveen Yaqub, 39, eine pakistanisch-englische Aktivistin aus Yorkshire

„Sie waren brutal und emotionslos, während wir zusammen getrieben und gefesselt wurden und haben die ganze Zeit Maschinengewehre auf uns gerichtet, mit dem Finger am Abzug. Als ich versuchte, ihnen klar zu machen, dass wir Hilfe für die Verletzten brauchen, haben sie nur gelacht.“

„Bei der Ankunft in Ashdod jubelten die dort versammelten Leute, als ob es einen Grund zum Feiern gäbe.  Sie haben uns vorbei getrieben, wie eine Herde. Es war so bizarr, wir fühlten uns wie Tiere im Zoo.“

(N.B: Die Genfer Konvention verbietet das „Vorführen“ von Gefangenen als erniedrigende Prozedur)

Als sie sich weigerte, ein Dokument zu unterschreiben, das sie nicht verstand, wurde sie sechs  Stunden lang in einem Gefängniswagen eingesperrt, ohne Wasser und Nahrung, ohne Toilette.  (bestätigt Aussagen von Alex Harrisson)

Wenn ich gehen musste, „haben Sie  gegen meine Beine getreten, damit ich hinfalle und sich über mich lustig gemacht. Manche wollten Fotos von dieser Demütigung machen, eine Art „Trophäe“ für die Polizisten. Sie haben mich auch durchsucht (body search), aber darüber möchte ich nicht sprechen. Sie hatten Spaß daran, uns zu demütigen.“

„Es war ein Albtraum. Sie haben uns (psychisch) terrorisiert, während wir festgehalten wurden. Ich habe seit Tagen nicht geschlafen. Ich musste einen Hungerstreik anfangen, damit ich telefonieren durfte.“

„Mir wurde klar – wenn selbst internationale Hilfsorganisationen so erniedrigend behandelt werden, was müssen dann erst die Palästinenser erleiden, die ständig solchen Repressalien ausgesetzt sind?“

Paveen sagt, sie will trotz der schockierenden Erlebnisse wieder an einem Konvoi teilnehmen. … „Das große Problem ist, nur wenig Leute wissen, was dort wirklich los ist.“

Sarah Colborne, leitende Direktorin der Palestine Solidarity Campaign

„Der Angriff war ein Akt der Piraterie und ein Massaker. Ich sah, wie ein Mann von einem Soldaten erschossen wurde (durch Kopfschuss) .“

Als ich auf das oberste Deck kam, sah ich die Dinghies der Israelis, voll gestopft mit Waffen. Ich konnte nicht einmal zählen, wie viele Boote es waren.  Schiffe, Helikopter, Schüsse … es war einfach ein Horror.

Sie haben unser gesamtes Equipment konfisziert, unsere Handies, die Kameras, alles, damit die Welt nicht erfährt, was wirklich passiert ist.“

Hier ist das ganze Interview

Jamal El Shayyal, britischer Staatsbürger und Al Jazeera Reporter

Die Pressefreiheit wurde, ganz zu schweigen von der Verletzung anderer zivilen Rechte, bei dem Überfall auf die Schiffe ebenfalls mit Füßen getreten. „

“Jeder, der die barbarischen Methoden und die kriminelle Politik Israels kritisiert oder dagegen Widerstand leistet, wird mit totaler Verachtung  behandelt.“

Shamal sagte aus, dass ihm die Organisatoren der IHH uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen des Schiffes ermöglicht hatten ( „I was able to inspect every cm of the ship“) und dass er alles gefilmt hat. Es gab keine Waffen. Er hatte vorher noch darüber Witze gemacht, dass die „gefährlichsten“ Dinge an Bord, Obst und Gemüse seien (Dinge, die man werfen kann, z.B. Kohlköpfe, etc.)

„Der Kapitän hatte vorher sogar angeordnet, den Kurs zu ändern – weiter weg von der Küste, in internationalen Gewässern, um jede Konfrontation in der Nacht zu vermeiden. … Dann sahen wir die großen Schlauchboote („Zodiacs“) an beiden Seiten des Schiffes … zwei Helikopter tauchten über uns auf (ohne Licht) … einer davon versuchte die Satellitenschüssel zu zerstören …(was auch gelang)

Dann kam der Schuss vom Helikopter –  .. ein türkischer Aktivist, [Cevdet Kiliçlar ] der filmte, wurde von oben am Kopf getroffen … das passierte noch bevor ein einziger Soldat an Bord gekommen war ein anderer Türke zog sein weißes T-Shirt aus und hielt es als Weiße Flagge hoch, ein klares Zeichen der Kapitulation .. aber sie feuerten weiter Schüsse auf unsere Leute … dann hielten wir ein Schild hoch, auf dem in Hebräisch stand, dass wir uns ergeben … wieder kein Effekt …

Es waren surreale Szenen —  Schock, Horror, überall Blut, Angst und Chaos … Die Ärzte hatten alle Hände voll zu tun (waren auf solche schweren Wunden nicht eingestellt);

Hanin Zouabi, die arabische Abgeordnete der Knesset, versuchte, Hilfe zu bekommen: Sie sagte zu ihnen  in drei Sprachen (Hebräisch / Arabisch / Englisch) Bitte Helfen Sie uns!, Wir haben Schwerverletzte und brauchen medizinische Hilfe!

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…  das ist die “einzige Demokratie im Nahen Osten” …

HANIN ZOUABI erhielt MORDDROHUNGEN I in Israel und wurde im Parlament, der  KNESSET beschimpft (“terroristin!”) und eingeschüchtert;  ihre Privilegien  als Parlamentarier teilweise aberkannt

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(Fortsetzung der Zeugenaussagen):

Keine Reaktion.  Dann nahm sie ein Stück Karton und schrieb darauf: BITTE HELFEN SIE UNS! …dann sahen wir den roten Laser-punkt auf ihrer Stirn [Zielmarkierer der Waffen, die das Überfallkommando benutzte, auf dem Video im vorhergehenden Beitrag zu erkennen] ..

Inzwischen starb einer der Verletzten. Hanan versuchte weiter, medizinische Hilfe zu bekommen … aber sie waren taub für unsere Verzweiflung … die Türken starben innerhalb von drei Stunden … sie sind verblutet wir hatten ja keine Ausrüstung für Transfusionen…. Man hat sie  quasi zweimal umgebracht: zuerst durch die Schussverletzung und dann durch unterlassene Hilfeleistung …

Schließlich haben sie erlaubt, die Verletzten zu evakuieren,  (etwa 40) doch ca. 15 waren so schwer verletzt, dass sie nicht gehen konnten, sie konnten nur liegend transportiert werden und auch dass nur mit größter Vorsicht…aber sie weigerten sich, uns Tragen zu geben … man hat ihnen die Infusionsschläuche herausgerissen und sie wie Kartoffelsäcke behandelt … einige haben geschrieen … es war furchtbar“

Nachdem die Verletzten weggebracht wurden, durften wir an Deck gehen; sie haben (Hände hinter dem Rücken) gefesselt; wir mussten stundenlang auf dem Boden kniendurften nicht miteinander sprechen, nicht auf die Toilette gehen … währenddessen haben sie unten alles durchwühlt, Hunde eingesetzt, es war eine einzige Verwüstung …

Ein Palästinenser war an Bord, um zu seiner Familie zurückzukehren: er hatte Gaza verlassen, um medizinische Behandlung für seine krebskranke Frau zu organisieren, durfte dann aber nicht mehr zurückkehren …er hatte Diabetes und musste zur Toilette, doch sie verboten es und lachten … er musste (wie viele andere)  in die Hose machen ….

Ein Aktivist aus Malaysia flehte sie an, seine Handfesseln etwas zu lockern, einmal, zweimal, dreimal .. ein Soldat ging zu ihm und zog sie noch fester an, den Schrei werde ich nie vergessen …..

In Ashdod erwartete uns ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to Israel“ … welche Ironie … wir waren immer noch gefesselt .. man sagte uns, wir müssten unterschreiben, dass wir illegal nach Israel eingereist seien und deswegen deportiert werden ….  Ich weigerte mich, denn … um das ganz klar zu machen:

Wir wurden GEKIDNAPPED – nicht „festgenommen“, nicht „verhaftet“, das ganze war illegal

man nahm uns die Pässe ab … ich wurde von den anderen Journalisten abgesondert … Ich durfte keinen Kontakt mit dem Konsulat aufnehmen, kein Telefonat führen, gar nichts  [eine klare Verletzung  ziviler Rechte} ich habe 24 Stunden lang nichts zu essen gehabt, als es dann eine Mahlzeit gab, war die Menge so gering bemessen, dass einige leer ausgingen … ich wurde in eine winzige Zelle gebracht .. Am Dienstag kam eine Gruppe palästinensischer Rechtsanwälte …

Die türkische Regierung machte großen Druck und so sollten die türkischen Teilnehmer als erstes freigelassen werden, doch die IHH Organisatoren weigerten sich, sie wollten erst gehen, wenn ALLE Aktivisten wieder frei waren ….

Am Ben-Gurion Flughafen drückten sie mir einen fremden Pass in die Hand und sagten: „Gratulation! Das ist Dein neuer Pass!“ (DUBAI!) Das ganze war natürlich auch ein Schlag in Gesicht für Großbritannien – sie zeigten ihre völlige Verachtung für internationales Recht und alle, die sich gegen ihre Verbrechen zur Wehr setzen …

Osama Qashoo, Exil- Palästinenser, Filmemacher (seine Familie lebt in der West Bank)

Auch er bestätigt, dass vom Helikopter geschossen wurde, bevor das Boot geentert wurde, (also massive Gewaltanwendung des Überfallkommandos, zwei Schwerverletzte, bzw. Tote,  bevor die Aktivisten sich wehrten – keine Rede von Selbstverteidigung).

„Ich sah unseren türkischen Webmaster, Cevdet Kiliçlar (38) der filmte, als er plötzlich zusammensackte. Ich wollte ihn wegbringen, zur medizinischen Ambulanz, .. plötzlich spürte ich etwas warmes in meiner Hand … es war sein Gehirn … alles war voller Blut, Chaos, Entsetzen, ein Wahnsinn …“

Die Kugeln kamen von überall (anfangs dachte man, es seien nur „Gummigeschoße“ (Metallkern mit Gummimantel), doch es war scharfe Munition …Kurze Zeit später gab es einen zweiten Türken, der angeschossen wurde und bald starb , Ali Haydar Bengi (39) …

Später baten wir um Tragen für die Schwerverletzten, doch sie weigerten sich, uns welche zu geben …einer schrie vor Schmerzen, als sie ihn wegbrachten ….

… Sie haben alles gefilmt … (unsere Kameras, Handies, etc. wurden uns abgenommen)

(Später, nachdem die Verletzten evakuiert waren) „… ein 84-jähriger Mann musste auf die Toilette, er bettelte … sie sagten ihm, er sollte sich doch anpinkeln, der alte Mann saß dann in seinem eigenen Urin,  … ich konnte diese Demütigung nicht ertragen und rastete aus … schrie sie an

.. dann haben sie zwei meiner Finger miteinander verhakt (einen von jeder Hand) und dann die Hände gefesselt, ich habe so etwas noch nie gesehen (vier meiner Finger sind seitdem gefühllos) … dann musste ich mich hinknien …vorher haben sie zwei Metallrohre unter meine Beine gelegt .. ich war eine Art lebender „Trolley“, dann setzen sich zwei Soldaten auf mich .. andere kamen, traten mich, spuckten auf mich, schütteten Wasser über meinen Kopf..“

Einer der türkischen Crew  hatte seine Frau und seinen einjährigen Sohn mitgenommen … sie schlugen ihn vor dem Kind, dass dann immer laut zu schreien anfing ….

In Ashdod wurden wir von Typen betreut, die sich „social services“ nannten (!) … auf Fragen, antworteten sie, wie Roboter: „..wir haben das Recht, uns zu verteidigen …“

(Originalaussagen in Englisch: siehe HIER)

Um die Pathologie des Zionismus zu erfassen, und den wahnsinnigen Staat, (“lunatic state”, Norman Finkelstein) den er hervorgebracht hat, hilft ein Zitat von Golda Meir :

” I will never forgive the Arabs for forcing us to kill them”

In diesem Fall würde sie, das Wort “Araber” durch “Türken” oder “Aktivisten” ersetzen …

Wer begreifen will, wie gefährlich der Zionismus ist, und wie künstlich  die ” nationale Identität” Israels ist, dem sei dieses Buch empfohlen:

(Klicken Sie auf das Bild, um den Autor zu hören)

Wie lange schaut die Welt noch tatenlos zu, wie dieser Schurkenstaat systematischVerbrechen begeht und sich für immer und ewig hinter dem Schutzschild des Holocaust versteckt?  Haben nicht gerade die Europäer, besonders die Deutschen eine moralische Verpflichtung, den Entrechteten und Gedemütigten zu helfen,  nicht die Unterdrücker und Mörder durch Stillschweigen zu decken?

Was für eine erbärmliche Rolle spielen unsere Journalisten in dieser Farce?

Die Türkei darf nicht in die EU wegen “Demokratiedefiziten” – aber  Israel ist ein bevorzugter Handelspartner, soll das ein Witz sein?

Fortsetzung folgt ….

Mörder Ohne Grenzen

Was passierte auf der MAVI MARMARA?

Die PR-Maschinerie Israels läuft auf Hochtouren und soll verhindern, dass die “Zuschauer” noch selbständig denken können. Aus Angreifern und Mördern werden Opfer, die sich – wie immer – nur gegen böse “Terroristen” verteidigen müssen. Eigentlich wäre es eine lächerliche Farce, wenn es nicht neun Tote und -zig Verletzte gäbe und ein Mantel des Schweigens von den Medien über die systematischen Lügen Israels gelegt würde.

Ein Vergleich der – in weiten Teilen übereinstimmenden – Zeugenaussagen zeigt, dass sie die Wahrheit sagen und das ungeschnittene Video (siehe ganz unten)  bringt den endgültigen Beweis dafür. Ganz zu schweigen davon, dass die israelische Regierung bzw. die IDF (israelisches Militär)  NULL Glaubwürdigkeit hat, wenn man die historischen Fakten kennt.

Hier ist der erste Teil der relevanten Zeugenaussagen:

Das war absolut KEIN Akt der Selbstverteidigung. Es war ein Angriff in internationalen Gewässern, auf eine friedliche Mission und ein klarer  Akt der Piraterie“. Wir wollten zeigen, dass wir friedlich sind, hatten keine Waffen … und außerdem wussten wir ja, das wir gegen solche Einheiten keine Chance hätten.“

Norman Paech, Die Linke

„Wir fühlten uns wie in einem Krieg, wie bei einem Kidnapping.“ Wir wollten Hilfsgüter bringen und niemand hatte eine Waffe“.

Inge Hoeger und Annette Groth, MDB für Die Linke

Mattias Gardell , Professor für vergleichende Religionswissenschaften an der Universität Uppsala in Schweden

“Wir waren Zeugen vorsätzlich geplanter  Morde”

Die Soldaten kamen mit scharfen Waffen an Bord, die  mit Laser-Zielmarkern ausgestattet waren und es wurden mindestens vier Menschen durch gezielte Exekutionen getötet.

Das war ein militärischer Angriff auf eine humanitäre Hilfsaktion weit draußen in internationalen Gewässern. Es war eine sehr überraschende und aggressive Überreaktion Israels. …Wenn sie von einem Überfallkommando attackiert werden, haben Sie natürlich das Recht, sich zu verteidigen. Es ist doch nicht so, dass Israel eine Art Superpolizist ist, gegen den sich kein menschliches Wesen verteidigen darf … Viele Leute auf diesem Schiff  hatten sehr große Angst,  befürchteten,  sie könnten uns alle umbringen … Sollten wir nur da sitzen quasi  nach dem Motto: schießen Sie nur ….

Kevin Ovenden,  UK, für Viva Palestina (Auszüge aus Interviews)

„Zuerst warfen sie Handgranaten mit Aufschlagzündern (explodieren beim Aufprall), die schwere Verletzungen hervorrufen, wenn Menschen in der Nähe sind. Mitten in der Nacht auf einem Boot mit über 500 Leuten durch diese Granaten Panik zu provozieren, ist an sich schon skandalös. Dann kamen die „Zodiacs“, militärische Schlauchboote an unsere Seite, mit  schwer bewaffneten Spezialkommandos [staatlich trainierte Mörder in Uniform], so wie sie oft in den amerikanischen Filmen verherrlicht werden

Ein Helikopter bezog Stellung über dem Schiff und Soldaten wurden abgeseilt. Inzwischen gab es natürlich große Aufruhr auf dem Schiff. Viele versuchten, mit ihrem Körper die Enterung des Schiffes zu verhindern, sie wegzuschieben, den Weg zu blockieren, etc.

Zwei Soldaten wurden so bedrängt, dass sie vom Oberdeck auf das darunter liegende fielen. Es hatte bereits Schüsse gegeben und wir dachten, es seien mit Gummi ummantelte Stahlkugeln, die allerdings auch tödlich sein können. Unmittelbar darauf hörten wir aber das eindeutige Geräusch von scharfer Munition, aber nicht wild drauflos, sondern gezielt von beiden Seiten (der Zodiacs, die das Schiff umgaben).

Nicci Enchmarch (Fotografin, für Viva Palästina) stand direkt neben einem türkischen Journalisten, als er mit einem gezielten Schuss in die Stirn getötet wurde. Die Schlagkraft war so groß, dass ein Drittel des Hinterkopfes samt Gehirnmasse herausgerissen wurde …

Nachdem sie das Schiff unter ihre Kontrolle gebracht hatten und die Leute brutal zusammen getrieben wurden, haben sie alles auf den Kopf gestellt, um nach “Waffen” zu suchen. Dann wurde das Ergebnis präsentiert: sie haben alle Küchenmesser geholt, andere Objekte, die Teil der normalen Schiffsausrüstung sind, usw. Die wurden aber garantiert nicht als Waffen benutzt. Der Beweis dafür sind ja die beiden israelischen Soldaten, die entwaffnet wurden. Sie wurden zwar dabei leicht verletzt, (sie konnten noch gehen) aber medizinisch versorgt und dann an ihre Einheit übergeben. Man hat sie sogar „bewacht“, damit niemand, seine Empörung und Wut über den Angriff an ihnen auslassen konnte.

Die Gewaltbilanz ist ganz eindeutig, egal auf welchen Hochtouren die israelische Lügenmaschine läuft: neun getötete Aktivisten (30 Schüsse!), und zwei, drei israelische Soldaten, die eins auf die Nase gekriegt haben, um sie zu entwaffnen. (siehe dazu die Aussagen von Ex-Marine Kevin O’Keefe weiter unten)

Unsere Leute wurden an verschiedenen Stellen an Deck getötet. Der Angriff dauerte etwa eine halbe Stunde. Dann wurde über Lautsprecher verkündet, dass wir in der Gewalt der Soldaten sind. Der Captain sagte, wir sollten keinen Widerstand leisten. Viele dachten, sie könnten einfach durch ihre körperliche Präsenz die Übernahme hinauszögern bzw. das Leben der anderen Passagiere schützen. Was würde passieren, wenn sie ins Innere des Schiffes vordrängen? Wir gingen also dann zu den Schlafräumen und die Israelis verteilten sich auf den Gängen und besetzten die Brücke, den Maschinenraum, etc.

Über den Lautsprecher baten wir die Soldaten um Hilfe für die vielen Verletzten und Hanin Souabi, arabische Knesset-Abgeordnete, die fließend Hebräisch spricht, zeigte Ihnen ein Schild mit der Bitte um medizinische Hilfe, weil unsere Ambulanz für solche schweren Wunden und so viele Verwundete nicht ausgerüstet war. Außerdem waren immer noch einige Opfer auf Deck, wir konnten sie in all dem Chaos nicht bergen, wir wussten damals auch noch nicht, wie viele es wirklich waren.

Die Antwort kam prompt: Geh zurück oder wir schießen! Das galt für jeden, der versuchte, mit den Israelis Kontakt aufzunehmen.

Währenddessen verbluteten die Schwerverletzten, die mehrere Schusswunden hatten

Erst nach mehr als einer Stunde wurde uns gestattet, die Verletzten (bzw. Toten) zu evakuieren. Danach wurden wird mit einer Mischung aus Verachtung, Demütigung und bewusster  Erniedrigung behandelt. Selbst vor den Verwundeten zeigten die Israelis keinen Funken Menschlichkeit: wir übergaben sie auf Tragen, mit Bauchschüssen und schweren Beinverletzungen. Doch die Soldaten haben sie wie einen Sack Kartoffeln behandelt und nach oben befördert. Wir schickten erfahrene Sanitäter mit, doch sie wurden gefilzt, gefesselt und daran gehindert, die Verletzten zu begleiten.

Wir durften nicht nach oben gehen, wo die meisten der Verletzten waren. Daher dauerte es einige Zeit, bis wir wussten, was los war. Es sind immer noch zwei Verletzte in kritischem Zustand (in Israel) und sechs in einem Krankenhaus in Ankara. Es kann daher durchaus sein, dass es noch mehr Tote geben wird.

Nachdem das Schiff gestoppt war und die Verwundeten weggebracht worden waren, wurden wir einer nach dem anderen an Deck gebracht, gründlich durchsucht und  dann wurde uns so gut wie alles abgenommen (einige mussten ihre Pässe abgeben). Dann wurden wir mit Plastikbändern, die Hände auf dem Rücken, gefesselt. (nur Journalisten und MPs waren von den Handfesseln ausgenommen) und auf den Decks verteilt. Viele mussten in Stresspositionen sitzen und wir durften nicht sprechen. Wer etwas fragte, wurde niedergedrückt. [wer auf die Toilette wollte, musste darum betteln und auch das nur mit gefesselten Händen] Jeder, der versuchte aufzustehen, wurde mit dem Gewehr vor der Nase zu Boden geworfen, es waren all diese demütigenden, „counter-insurgency“ Taktiken, die man aus dem Irakkrieg oder aus Afghanistan kennt – wo „anti-terror“ Einheiten die Bevölkerung einschüchtern, damit sie keinen Widerstand mehr leisten ….

Ich sah einen Engländer, der auf den Knien sitzen musste, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, der dreimal ins Gesicht geschlagen wurde. Drei palästinensische Männer wurden die Augen verbunden, dann wurden sie so getreten, dass sie, gefesselt zu Boden fielen.

Sheikh Raed Salam—der Führer der islamischen Bewegung, aus Jerusalem wurde massiv eingeschüchtert, hat aber immer die Haltung bewahrt.

Die ganze Atmosphäre war so bedrohlich, dass man berechtigte Angst haben musste, jemand könnte erschossen werden, obwohl er gefesselt war. In Ashdod wurden wir verhört und dabei wurden Methoden der Demütigung, Erniedrigung und Einschüchterung praktiziert. Doch man sagte uns, wir würden eben nur deportiert werden und nach der behördlichen „Erfassung“ würde man unsere beschlagnahmten Sachen wieder zurückgeben. Danach wurden wir aber in Gefängnisfahrzeuge geführt, nicht „gleich zum Flughafen gebracht“, wie man uns versprochen hatte.

Das war alles ein Spiel mit unseren Nerven, um uns Angst zu machen. Schließlich wurden wir in eine, eigens für diesen Zweck eingerichtete Gefängnisanlage in der Negev Wüste gebracht. Ich kam in der Nacht von Sonntag auf Montag dort an und wurde am Mittwoch, den 2.Juni wieder freigelassen.

Die Behandlung war völlig inakzeptabel. Wir wurden völlig isoliert (kein Anruf, kein Kontakt zum Konsulat, keine Kommunikation für 48 Stunden) Es gab kaum etwas zu essen, erst am Dienstag Nachmittag gab es  eine Mahlzeit, als die Diplomaten uns besuchen durften. Die Beamten des Konsulates wurden auch entwürdigend behandelt: ich geben ein Beispiel: der Vertreter der Britischen Botschaft wollte ein privates Gespräch durch eine Gefängnistür führen – wir durften uns nicht Angesicht zu Angesicht treffen – mit zwei britischen Staatsbürgern. Der Aufseher weigerte sich, der Aufforderung nachzukommen.

Als man ihm mit Nachdruck sagte, er solle hinausgehen, holte er zwei andere Aufseher. Als ihm der Diplomat erklärte, dass nach allen internationalen Verträgen und anzuwendenden Gesetzen, ein privates Gespräch mit dem Festgehaltenen ermöglicht werden müsse, antwortete der israelische Aufseher:

Go to your international tribunals, go to your law, we don’t care.”

In gewisse Weise hatte der Mann ja recht: seit Jahrzehnten wissen israelische Regierungsvertreter, dass auf die großen Worte der Diplomaten eben keine Taten folgen: Israel kann machen, was es will ….

Erst durch diesen Kontakt erfuhr ich, was eigentlich passiert war und dass viele Regierungen den Angriff verurteilten und eine Untersuchung fordern. Als wir – im rollenden Gefängnis – zum Flughafen gebracht wurden, sahen wir durch die Fenster die Gesichter der Israelischen Polizei, des Militärs und der Zivilbevölkerung. Ich hatte mich auf Spott und gehässige Bemerkungen eingestellt, aber was ich sah, waren hasserfüllte Blicke und aggressive Gesten. Die Erklärung dafür suchte ich darin, dass das Ansehen Israels trotz „erfolgreicher Operation“ sehr gelitten hatte.

Eines ist sicher. Das war ein gezielter Versuch, Angst zu erzeugen, also um ein politisches Ziel zu erreichen. Das ist die Definition von Terrorismus schlechthin. Wie aus dem Wörterbuch: echter Terrorismus, Staatsterrorismus durch Israel.“

Die vollständigen Interviews gibt es HIER (Englisch) und HIER

KEVIN NEISH, Kanada für  Coalition Against Israeli Apartheid

Bestätigt die Aussagen von Kevin Ogenden:

„Ich hatte gerade ein wenig geschlafen, als ich den Lärm von Granaten und Tränengas hörte, die auf unser Schiff nieder regneten und die Leute in Aufruhr versetzen. Ich war noch im Inneren des Schiffs. Durch das Fenster sah ich das ganze Chaos. … Ich ging dann ganz nach oben, um zu sehen, was dort los war. Ich sah, wie sie (Aktivisten) zwei israelische Soldaten überwältigten, ihnen die Waffen abnahmen und sie dann die Treppe runter stießen … und dann die Verwundeten  und die Toten … die Treppe war voller Blut auf einer Seite, Blut spritzte auf meine Kleidung…

Ich war auf dem hinteren Deck No.2 als der Kapitän über Lautsprecher durchsagte, dass wir das Schiff verloren hatten …sie hatten die Brücke übernommen.. das ganze dauerte etwa eine halbe Stunde, wurde mir später gesagt …

Wir sind alle auf unsere üblichen Plätze gegangen, wo wir ansonsten saßen oder schliefen und warteten, was die Israelis jetzt tun würden.  Sie waren alle noch draußen, auf dem Achterdeck und beobachteten uns durch die Fenster. Sobald jemand nur versuchte, aufzustehen, tauchten die roten Laserpunkte der Zielmarkierer auf und sie schrien uns an, wir sollten gefälligst sitzen bleiben.

Nachem sie das Schiff unter Kontrolle hatten, wurde ich mit Plastikbändern gefesselt – für 25 Stunden und durfte 15 Stunden lang nicht auf die Toilette gehen. Man musste betteln, vor den Typen zu Kreuze kriechen, damit man  aufs Klo gehen durfte. Ich pinkelte daher – irgendwie – auf den Boden,  Denn wenn man versuchte, ausfzustehen, wurde man bedroht mit Hunden, mit Schlägen oder mit einer Waffe an den Kopf …

Dann haben sie die Toten und die Verletzen weggebracht. Hanin war sehr tapfer. Sie setzte sich dafür ein, dass die verwundeten Türken und Araber, und alle die großen Durst hatten, aus der viel zu kleinen Ambulanz herauskamen. Eigentlich gab es dort nur Platz für zwei Leute, doch jetzt war der Raum völlig überfüllt.  Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, denn ich habe seit vier Tagen nicht geschlafen. Als ich im Gefängnis war, ließen sie mich nicht schlafen.

Ken O’Keefe kam in Ankara mit blutverschmiertem Gesicht und Hämatomen am Kopf an;  

„Die Israelis haben mich am Flughafen verprügelt und letzte Nacht im Detentioncenter in Tel Aviv nochmals. Aber das ist nichts, verglichen mit dem, was andere durchgemacht haben. Die Palästinenser kriegen das jeden Tag ab. Das ist alles, was ich habe. Diese blutigen Kleider, das ist alles, was ich habe.

Der US-Journalist Max Blumenthal schreibt dazu:

“Eine der bizarrsten Anschuldigungen die die IDF gegen den früheren US-Amerikaner erheben, ist, er habe geplant, eine Kommandoeinheit in Gaza zu trainieren. Das ist der gleiche Ken O’Keefe, der eine Schiffverbindung mit Hilfslieferungen für Gaza organisierte Aloha Palestine, gemeinsam mit der Schwägerin Tony Blairs, Lauren Booth.“

Warum sollte die Hamas einen Typen engagieren, der gar keine Erfahrung im Guerillakrieg hat, um ihre Elitetruppen auszubilden?

Das macht doch keinen Sinn. Das ganze ist wohl ein Versuch, einen aufrechten Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit so durch den Dreck zu ziehen, dass von seinem Charakter nichts mehr übrig bleibt.  Wodurch sich Kevin O’Keefe den Zorn der IDF zugezogen hat?  Ihm war es gelungen, die beiden Soldaten auf der Mavi Marmara zu entwaffnen und sein Statement zum Verhalten der „Elite-Einheit“ ist auch eindeutig:

„Alles, was ich sah, waren Feiglinge mit Waffen in der Hand.“

Hier sind Auszüge aus seiner Erklärung dazu:

Als man mich fragte, ob ich im Falle eines Angriffs das Schiff verteidigen würde, sagte ich begeistert, ja. Ich bin ein großer Befürworter der Gewaltfreiheit, sie muss immer die erste Option sein. Trotzdem beteiligte ich mich an der Verteidigung der Mavi Marmara, weil uns ja gar nichts anderes übrigblieb. Ich sagte das direkt zwei israelischen Agenten, wahrscheinlich Mossad oder Shin Bet und ich sage es jetzt wieder.

Am Morgen des Angriffs war ich direkt involviert bei der Entwaffnung zweier Soldaten. Das war eine gewaltsame, nicht diskutierbare Aktion, denn die beiden hatten bereits zwei Brüder ermordet. Einer davon starb durch eine Kugel mitten in die Stirn, eine offensichtliche Exekution. Ich wusste, die Kommandos waren darauf aus, zu töten, als ich ihnen eine 9mm Pistole abnahm.

Ich hatte die Waffe in meiner Hand und als Ex-Marine, der im Umgang mit Waffen ausgebildet wurde, hatte ich es in meiner Macht, diese Mordwaffe auch auf den Soldaten zu richten, der an diesem Verbrechen beteiligt war. Aber wir taten es eben nicht. Ich nahm ihm die Waffe ab, entfernte die Kugeln und versteckte die Waffe. Ich hoffte, wir könnten die Waffe später als Beweis in einem Strafverfahren vorlegen, in dem die Israelischen Behörden wegen vielfachem Mord angeklagt würden.

Ich war auch daran beteiligt, einem anderen Soldaten sein  Sturmgewehr abzunehmen, das dann  jemand ins Meer geworfen hat. Ich und viele andere kennen die Wahrheit, die das angeblich „mutige und moralische israelische Militär“  zum Gespött macht. Wir hatten drei komplett entwaffnete Soldaten in unserer Gewalt. Sie waren unserer Gnade ausgeliefert, im Inneren des Schiffs, umzingelt von mehr als 100 Männern. Sie hatten die Hosen gestrichen voll und glaubten wohl nicht, dass sie den Tag überleben würden.

Doch sie sahen sich eben nicht einem Feind gegenüber, der ebenso skrupellos ist, wie sie selbst. Stattdessen wurden sie verarztet und schließlich freigelassen. Zwar mit Schrammen und blauen Flecken, aber am Leben. Sie konnten noch die Sonne spüren und die Umarmung ihrer Liebsten. Nicht wie jene, die sie ermordet hatten.  Obwohl wir um unsere Brüder trauerten und voller Wut über ihren Tod waren, ließen wir sie gehen.

Die israelischen Propagandahuren können ihren widerlichen Dreck ausspeien so viel sie wollen, die Soldaten sind die Mörder, wir sind die Verteidiger und wir kämpften nicht nur für unsere Mission, nicht nur für die Menschen in Palästina, wir kämpften im Namen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Wir taten das richtige.

Währen ich von den Israelis  [auf dem Schiff] festgehalten wurde, wurde ich auch gedemütigt und beschimpft. Sogar die Frauen und die Alten haben sie physisch und psychisch angegriffen. Man hat uns den Gang zur Toilette ebenso verweigert, wie das Trinken von Wasser, um den Durst zu löschen (Hitze in der Sonne). Hunde wurden nicht nur auf uns gehetzt, wir wurden selbst wie Hunde behandelt.

Wir wurden in Stresspositionen in die volle Sonne gesetzt, mit gefesselten Händen, die so stark einschnürten, dass fast die Durchblutung abgewürgt wurde. Man hat uns ständig angelogen. Wirklich, ich bin sehr beeindruckt von der Routine und Leichtigkeit, mit der sie lügen. Wir wurden auf verschiedenste Weise gedemütigt und ich wurde geschlagen und gewürgt, bis ich fast ohnmächtig wurde. Dann wurde ich, in meiner Zelle wieder geschlagen.”

O’Keefe hat auf seiner Website Zitate, die ihm sehr viel bedeuten, darunter das folgende von Mahatma Ghandi:

I do believe that, where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence…. I would rather have India resort to arms in order to defend her honour than that she should, in a cowardly manner, become or remain a helpless witness to her own dishonour.”

Kevin O’Keefe  war sicher ein Katalysator für den Widerstand der Aktivisten gegen den brutalen Überfall mitten in der Nacht. Das wussten die Israelis genau. Hier wurde gezielt „shock and awe“ ausgeübt, um Gegengewalt zu provozieren und damit die eigene, kriminelle Gewalt  scheinbar zu legitimieren.

Bestätigt werden viele diese Aussagen durch ein Video, dass die New Yorker Filmemacherin und politische Aktivistin  Iara Lee herausschmuggeln konnte Sie ist Leiterin des „Cultures of Resistance“ Netzwerks und war mit drei anderen US-Bürgern an Bord der Mavi Marmara.

Mehr dazu im zweiten Teil der Zeugenaussagen:

We are civilians. Don’t use violence. And we have extremely injured people. We need medical help,” because we were not prepared medically to take care of, like, dead people. But we were ignored, and a lot of people who were injured actually ended up bleeding to death and died.

Crying and Shooting – Wie Israel die Medien an der Nase herumführt

“I think the Israeli military went out to commit murder, if they had wanted to stop us they could have attacked our rudder and propeller, instead they preferred to send masked commando soldiers to attack us. It was Israel’s choice to do this.

HENNING MANKELL im Interview für den Guardian

The amazing thing in all this is that so many Western journalists – [...] – are writing like Israeli journalists, while many Israeli journalists are writing about the killings with the courage that Western journalists should demonstrate.“

ROBERT FISK, The Independent

HASBARA – ODER WIE MAN DIE „FREIE PRESSE“ AN DER NASE HERUMFÜHRT

Wenn man im deutschen Sprachraum Reportagen und Kommentare über Gewaltaktionen (die eben nicht „Verbrechen“ genannt werden dürfen) der israelischen Regierung liest und sich vorher jahrelang mit dem historischen und politischen Kontext der „Nahostkrise“ beschäftigt hat, stellt sich das unangenehme Gefühl ein, man lebe in zwei Parallelwelten.

Spätestens seit „Operation Cast Lead“ und deren medialer Verarbeitung fühlt man sich wie eine Figur in einem Kafka Roman, die sich in einer Art „weird reality“ wiederfindet, in der der normale Alltag mit albtraumhaften Szenen verschmilzt. Unfassbare, beängstigende Vorgänge werden quasi normalisiert, und damit verharmlost, weil die Umgebung eben nicht so darauf reagiert, wie man es erwarten würde.

In der einen Welt treten Wissenschaftler, unbequeme Journalisten und andere politische Akteure auf, die in der anderen Medienwelt nicht existieren, weil sie nie erwähnt werden. Diese Dissidenten gefährden den allgemein akzeptierten Interpretationsrahmen für die „Spannungen“ im Nahen Osten, den auch österreichische und deutsche Journalisten praktisch unisono übernommen haben. Am Beispiel des Angriffs auf den Schiffskonvoi für Gaza lässt sich das verdeutlichen:

THE SAME PROCEDURE AS EVERY YEAR

Ben Segenreich „berichtete“ aus Tel Aviv über Vermutungen und Behauptungen, was den nun dabei „falsch gelaufen“ sei, wie die Einheit den Aktivisten „in die Falle gehen konnte“, etc. und übernahm damit gewissermaßen den Ball, den ihm die israelische PR zugeworfen hat (mehr dazu später) so etwa: … „man hätte die Soldaten nicht bloß mit Paintball-Gewehren bewaffnet auf dem Deck absetzen dürfen“ (Pressezitat aus Israel)

Diese Meldung wurde auch in den deutschen Medien kolportiert, doch wer hat sich die Mühe gemacht, sie zu überprüfen? Israel behauptete einerseits, das Kommando sei nur mit diesen harmlosen Waffen ausgestattet gewesen, also ein Beweis für die geplante „friedliche Erstürmung“ [Newspeak does not get any better!] (Quelle: ZDF ) andererseits wurde aber verbreitet, ein israelischer Soldat sei durch eine Waffe verwundet worden, die ein „gewaltbereiter“ Aktivist einem anderen Soldaten (Elitetruppe?) abgenommen hatte. ( Quelle wie vor)

A VISIT TO THE REAL WORLD

Die amerikanische Nachrichtensendung DEMOCRACY NOW! brachte am 2.Juni ein Interview mit Edward Peck, einem pensionierten US-Botschafter, der sich zwar nicht auf der Mavi Marmara befand, sondern auf einem anderen Boot, aber eindeutige Aussagen über die Bewaffnung der Soldaten machte (die sich mittlerweile mit anderen Zeugenaussagen decken) und die Darstellung Israels als „twisted reality“ kommentierte:

So the first thing we knew was the sound of footsteps, …, and there they were, heavily armed. And I notice the Israeli government keeps referring to the paint guns, but the paint guns were attached to the automatic weapons and the stun grenades and the pepper spray and the tasers and everything else that these guys carry. You know, paint guns are for fun.

Update: Inzwischen wurde die brutale, nicht provozierte Gewalt der Truppen mehrfach durch Zeugenaussagen bestätigt:

Das Märchen von der Harmlosigkeit der Truppe, die sich „unerwartet“ einem „Lynchmob“ gegenüber sah, lässt sich somit leicht widerlegen. Dass angesichts der Brutalität des Vorgehens des Kommandos, einige Aktivisten (trotz geplantem Gewaltverzicht) ihr Recht auf Selbstverteidigung ausübten , kann wohl niemand verurteilen, der noch die Fähigkeit besitzt, selbständig zu denken.

Dass man das übliche Agenturmaterial veröffentlicht ( Sicherheitsrat verurteilt Angriff“ ) ist kein Grund für Kritik, aber unerträglich, weil in allen Zeitungen die gleichen Platitüden stehen: So z.B. dass die UN eine „sofortige, unparteiische, glaubwürdige, transparente Untersuchung fordert“ und das Vorgehen Israels scharf „verurteilt“.

Auf welch erbärmliches Niveau (der Handlungsfähigkeit) die UN von Washington reduziert wurde, hat der deutsche Nachrichtenmoderator Klaus Kleber mit unfreiwilliger Komik bzw. Direktheit zum Besten gegeben.

Die USA erlaubten der UN [diesmal] sogar, eine Erklärung abzugeben“ (!)

Wittgenstein verstand, dass die Bedeutung von Worten durch die Art ihrer Verwendung ensteht bzw. verändert werden kann. Das Wort „Verurteilung“ oder „Kritik“ ist in diesem Kontext zu einer leeren Hülse geworden, es löst nur mehr Zynismus aus. Was hat es noch für einen Sinn darüber zu berichten, was Diplomaten sagen, wenn – Worte und Taten immer mehr auseinander klaffen? Was hat Journalismus noch für einen Sinn, wenn er nur die „offizielle“ Version der Geschehnisse abbildet („we write what they say“) und nicht mehr zwischen PR, Desinformation und „Reporting“ unterschieden wird ?

HASBARA: MANAGING PERCEPTIONS

Aktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen Israel“ – Israel dementiert – Wem soll man glauben?

Formulierungen wie „Ankara beschuldigte Israel eines schweren Verbrechens“ oder „Der Sicherheitsrat ist kein Gericht“ suggerieren, dass es Ansichtssache sei, ob hier ein Verbrechen begangen wurde oder nicht. Doch das stimmt eben nicht: wie Mankell, die Parlamentarier aus Deutschland und Israel, etc. und der UN-Experte für internatonales Recht, Professor Richard Falk übereinstimmend feststellten, und jeder intelligente Mensch leicht nachvollziehen kann, handelt es sich hier um „einen Akt nackter Aggression“ bei dem folgende Verbrechen begangen wurden.

  • PIRATERIE: Ein ziviles Schiff wurde internationalen Gewässern gekapert
  • KIDNAPPING: die Passagiere wurden gewaltsam nach Israel gebracht
  • ENTEIGNUNG: Israel hat den Leuten alles abgenommen, sie durften nur ihre Pässe behalten
  • MORD: der 19-jährige Furkan Dogan starb durch vier Kopfschüsse und einen Schuss in die Brust – das ist keine Notwehr, das ist eine HINRICHTUNG und zeigt, dass die Aktion GEPLANT WAR
  • VERLETZUNG ZIVILER RECHTE: keine Information über Rechte
  • ungerechtfertigte Festnahme / 18 Stunden kein Zugang zu Rechtsanwalt / Isolation / Kommunikationsblackout / keine rechtliche Grundlage für Abschiebung /
  • EINSCHÜCHTERUNG / NÖTIGUNG (um schriftlich zu bestätigen, dass man „illegal eingereist“ und mit der Abschiebung einverstanden sei … )
  • BLOCKADE IST ILLEGAL (Kollektivbestrafung / Verletzung Art. 33 der Genfer Konvention) demnach ist auch ihr „enforcement“ auf hoher See ein VERBRECHEN (Navi Pillay, UNHC Human Rights)

Wie Falk weiter betont, muss die Berufung auf Selbstverteidigung natürlich den Passagieren zugestanden werden, nicht den Angreifern!

Doch in der Orwellschen Welt der Hasbara ist das Denken selbst manipuliert sonst hätten die Journalisten folgende Fragen gestellt:

  • Wenn Israel nichts zu verbergen hat und die Wahrheit sagt, wieso hat man dann sämtliche Aufzeichnungen der Aktivisten konfisziert (verschwinden lassen) und über die Festgenommenen stundenlang eine totale Informationssperre verhängt?
  • Wieso hat man klassische „information dominance“ in den Medien praktiziert und die Betroffenen so lange geknebelt, bis die Bilder und „Stigma“-Phrasen („Hamas“, Kontakte zu Terroristen“, und „Waffen gefunden*“ der übliche PR-Bullshit eben) über die Agenturen und den Echo-Effekt etabliert waren? (*genau betrachtet: Küchenmesser und ein zentral platzierter Krummdolch auf grüner Hamasfahne – ein filmreifes Set-up, zu gut,um wahr zu sein!
  • Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass diese Messer als Waffen benutzt wurden?
  • (Mankell sagte aus, man habe auf seinem Schiff stolz einen Einwegrasierer und ein Tapetenmesser als „“Waffenfunde“ deklariert – hat man nicht die Unterhose vergessen?!)
  • Wieso waren die „braven“ Soldaten eigentlich vermummt, wenn sie nichts zu verbergen haben?
  • Wieso ist der „Verletzte“ Soldat nur von hinten gefilmt worden? Wieso steht am Fußende des Bettes ein „Aufpasser“ (Militäruniform erkennbar)?

  • Wieso ist das Geschehen auf dem Deck so gut erkennbar, wenn es draußen noch dunkel war? (Night-vision Filme sehen anders aus; ich persönlich glaube, der ganze Film ist ein „Fake“, produziert zur „Fütterung“ der Medien, die die Propaganda dann „multiplizieren“)
  • Man sieht nicht, auf wen oder was sie „schlagen“, denn die Kamera befindet sich außerhalb des Schiffes und die Schiffswand blockiert die Sicht ? Was für ein „Beweis“ soll das sein?
  • Man sieht auf dem Video einen der angeblichen schlagenden (vermummten) „Aktivisten“ mit einer Gasmaske, wie erklärt man das?
  • Wieso hat man die Namen der Toten und Verletzten (so lange) nicht veröffentlicht?
  • Wieso wurden den Sanitätern des Schiffes verweigert, die Verletzten zu begleiten?
  • Wieso hat man erst so spät medizinische Hilfe geleistet? (Sarah Colborne)
  • Wieso hat die  Presse “vergessen” to erwähnen, dass alle Passagiere und die Crew von den türkischen Behörden auf Waffen gescannt wurden, BEVOR das Schiff ablegen durfte?
  • Wieso hat hier niemand erwähnt, dass die Organisatoren (Israel gegenüber) angeboten hatten, das Schiff noch einmal auf See von einer neutralen Organisation überprüfen zu lassen (UN / IRC)?

Während sich Journalisten mit dem „PR-Desaster“ für Israel oder „Kritik an Israel an unzureichendem Einsatz“ befassen, gerät die bittere Realität und das eigentliche Thema immer mehr ins Abseits. Sich um das „Ansehen“ der Täter zu kümmern, sich zu wundern, warum solche „Pannen“ passieren, all das ist noch nur gezielte Ablenkung (Hasbara für die „israelische“ Zielgrupp, die unsere Medien übernehmen) von dem „großen Elefanten im Raum“, über den niemand hier sprechen will:

Israel praktiziert seit seiner Gründung Staatsterror und ist – dank Holocaust und US-“Rechtsschutzversicherung“, aber auch durch unglaublichen Gleichklang / Einfalt / Kontrolle der Medien – de facto rechtlich unantastbar.

Jeder der die umfangreiche „Dissidentenliteratur“ kennt (Norman Finkelstein, Noam Chomsky, Ilan Pappe, Avi Shlaim, Neve Gordon, Robert Fisk, John Pilger, Amira Hass, etc. aber auch Berichte von HRW, der OCHA, , ICAH,D B’tSelem, etc. der Goldstone Report, und israelische Soldaten selbst) die ein ganz eindeutiges Bild des wahren Israels zeigt (als Staat), ist keinesfalls überrascht über das, was Henning Mankell und die anderen Zeugen (aus allen Bereichen der Gesellschaft) aussagen und es gibt deshalb keinen Grund, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen.

Im Gegenteil, deren Schilderungen bzw. die absurden Behauptungen Israels passen genau zu diesem Verhaltensmuster, das als

BOKHIM YE YORIM“(Jammern und Schießen)

bekannt ist. Professor Avi Shlaim wies auf dieses „Crying and Shooting“ -Syndrom bereits während des Massakers von „Operation Cast Lead“ hin:

“The resort to brute military force is accompanied, as always, by the shrill rhetoric of victimhood and a farrago of self-pity overlaid with self-righteousness,”

Den Begriff gibt es nur in der hebräischen Sprache und er bedeutet, dass man es schafft, seine Macht durch brutale Gewalt zu demonstrieren und sich gleichzeitig selbst als Opfer darzustellen, das durch unglückliche Umstände dazu genötigt wird. Das ganze Theater wird dann noch durch eine Garnitur aus Selbstmitleid und Selbstgerechtigkeit abgerundet, die ihresgleichen sucht.

Sowohl Ex-Botschafter Peck als auch Henning Mankell sagten aus, dass sie wissen wollten, was man Ihnen als Rechtsbruch vorwerfe, wodurch also Festnahme und Abschiebung gerechtfertigt wären.

Antwort: Sie hätten Israel ILLEGAL betreten. Über diese Chutzpah ist man ebenso baff wie die Betroffenen, denn sie wurden ja GEWALTSAM nach Israel gebracht und GAZA ist eben KEIN TEIL VON ISRAEL!

Während sich Sharon für seine scheinbar noble Geste feiern ließ, weil er den „Rückzug“ von Gaza durchsetzte und man uns tagelang die ergreifenden Szenen der deportierten Israelis vorspielte, hat Israel de facto nie die Kontrolle über Gaza aufgegeben, wofür es aber keine rechtliche Grundlage gibt. ISRAEL HAT KEIN RECHT, Gaza ist ein Gefängnis zu verwandeln und der Hinweis auf die Bedrohung durch (lächerlichen) „Raketen“, hat Noam Chomsky (siehe unten) auf den Punkt gebracht: „Stop committing crimes, then the rockets will stop.“ Aber Ursache und Wirkung sind eben in unserer Medienwelt auf den Kopf gestellt.

Man ließ die Leute also unterschreiben, sie hätten Israel illegal betreten und seien mit der Abschiebung einverstanden! Das ist also die einzige „Demokratie“ im Nahen Osten – Carl Schmitt lässt grüßen ….

Wie es im „ausgewogenen“ Journalismus üblich ist, berichtet man, was die einen (Aktivisten) und die anderen sagen (Israelische Regierung bzw. IDF) und der Leser kann sich dann entscheiden, wem er glauben will. Doch ist das wirklich der Sinn von Journalismus? Gibt es keine Verpflichtung mehr, die Wahrheit herauszufinden, anstatt die etablierten „Frames“ und Interpretationsmuster zu bedienen?

(siehe dazu Nick Davies: FLAT EARTH NEWS , der auch die publizistischen “rules of production” an den Pranger stellt)

TO SEE WHAT’S IN FRONT OF YOU NEEDS A CONSTANT STRUGGLE (George Orwell)

Der unbequeme Veteran unter den „Dissidenten“ und scharfen Kritikern der imperialen US-Politik und ihrer „client states“ im Nahen Osten, Noam Chomsky, findet klare, berechtigte wenn auch zynische Worte, für die ewig in Anspruch genommene „Selbstverteidigung“ Israels im Zusammenhang mit dem Angriff auf ein anderes Schiff, die „Dignity“ (2009) die auch heute zutreffen: „Israel issued the routine lies“.

Der größte Witz ist natürlich, dass das Wort „Self-defense“ durch ständige Wiederholung in den Medien sich schon lange verselbständigt hat und ein „buzz-word“ geworden ist, ebenso wie der hoch inflationäre verdummende Gebrauch des Wortes „Terror“. Dank der effektiven israelischen „information dominance“ in den Medien, werden diese Begriffe, vor allem ihr Missbrauch, nicht mehr rational hinterfragt, sondern lösen emotionale Reaktionen aus, was ja auch erwünscht ist . Die Presse übernimmt kritiklos viele eingefahrene Formulierungen, obwohl sie schon lange sinnlos geworden sind: so z.B.

  • der französische Präsident kündigte eine Initiative mit den USA an, um die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen

Es gibt KEINEN Friedensprozess – das ganze ist eine unerträgliche Farce, eine PR-Inszenierung für die Medien, wie unzählige Analysen von Chomsky, Finkelstein, und anderen „revisionistischen“ und aufmüpfigen Historikern und politischen Analysten, die sich nicht das Denken verbieten lassen, klar beweisen.

Die historischen Fakten sind klar: Israel hatte mehrmals Gelegenheit, Frieden zu schließen, doch es entschied sich stattdessen für kontinuierliche Expansion (siehe o.a. Berichte) (der „Rückzug“ von Gaza war kein Akt von Good-Will, sondern beinhartes, perfides Kalkül – siehe Dov Weissglas von Chomsky zitiert) und brutale Besatzung, die Ursachen des „Terrors“ (der gewaltlosen Widerstand, z.B. Demos in der West Bank, wird hier völlig verschwiegen)

Die ganze künstliche „nationale Identität“ Israels wird nur durch das Heraufbeschwören einer ewigen „Bedrohung“ zusammengehalten, gegen die sich dann Regierung und Militär (eine Kategorie, nicht zwei) als Beschützer des auserwählten Volkes (in Gottes Auftrag auch als „Rückerstatter“ des Heiligen Landes) in Stellung bringen können. (Eine exzellente Analyse der Psycho- und Soziopathologie des Zionismus und des israelischen Staates bietet Joel Kovel in OVERCOMING ZIONISM)

Doch offenbar sind die „Korrespondenten in Washington“ die letzten, die das immer noch nicht begriffen haben, und eben noch nicht „in der Realität angelangt“ sind.

Dürfen US-Korrespondenten Chomsky lesen oder gar darüber schreiben? Wie naiv oder indoktriniert sind diese Leute?

Es ist unfassbar, dass man nach der Ermordung von mindestens 10 Menschen (es werden offenbar immer noch Menschen vermisst!) immer öfter Sätze wie „das hat Israel schweren Schaden gefügt“ lesen muss. Schon wieder die Sorge um das „Ansehen“ eines Staates, der schon lange keines mehr hat, weil die Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit unerträglich und nach „Cast Lead“ klar ist, das man vor nichts zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen (den Palästinensern wurde bereits jede Menschlichkeit aberkannt, siehe die Aussagen von „Breaking the Silence“ , aber die darf der Korrespondent wohl auch nicht lesen?)

Ein weiteres semantisches „prefabricated henhouse“ (Aldous Huxley) ist auch der häufige, aber hirnlose Gebrauch des Ausdrucks „ das Existenzrecht Israels“, der natürlich vorzugsweise im Kontext der dämonischen Hamas zu verwenden ist. Erstens hat kein Staat ein solches, schon gar nicht einer, der mehr als 60 Jahre nach seiner Gründung noch immer keine Verfassung und keine festgelegten Grenzen hat und zweitens, gemeint ist natürlich die ANERKENNUNG eines Staates, die normalerweise dann erfolgt, wenn er grundlegende ethische Normen, Menschenrechte und entsprechende Gesetze respektiert. Das alles ist jedoch im Falle Israels (schon alleine als ethnozentrischer Staat) nur sehr begrenzt der Fall, trotzdem wird das Land so behandelt, als wäre es eine „Demokratie“, die den Namen verdient.

SURROUNDED BY A TAPESTRY OF LIES (Harold Pinter, Nobel Speech 2005)

Der Kommentar von Hans Rauscher (Der Standard) ist ein Paradebeispiel für die Effektivität der Mythen und der PR, die Israel seit seiner Gründung verbreitet hat. Schon der Titel „Schwere Zeiten für die Freunde Israels“ ist ein schwaches Echo von „crying and shooting“ und der erste Absatz führt uns wieder in die Welt der Hasbara, denn Rauscher beklagt allen Ernstes, dass die „

  • Effizienz, Disziplin und Präzision, für die die israelische Armee berühmt war, [neuerlich, nach Libanoneinsatz] stark in Zweifel gezogen werden muss“ und dass
  • Berichte über unangemessene Gewaltanwendung gegen Zivilisten, ungerechtfertigte Tötungen und sogar über Plünderungen die moralische Autorität des Vorgehens gegen die Terroristen von Hizbollah und Hamas untergraben“

Die historische Evidenz für die systematische Brutalität und Ermunterung zu Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrrechen in der IDF ist so überwältigend (von den Tagen der Haganah bis heute – siehe Tagebücher Ben Gurion, u.a. Politiker, etc. bis Breaking the Silence, B’tselem, u.a.), dass man sich fragen muss, wie ein intelligenter Journalist diesen Propaganda-Märchen auf den Leim gehen kann. „Moralische Autorität“ ist inkompatibel mit „israelische Regierung / IDF“ (egal wer an der Macht ist) und die primitive Dämonisierung von Hamas und Hisbollah wäre lächerlich, wenn damit nicht eine Dehumaniserung verbunden wäre, die durchaus an Nazi-Zeiten erinnert („Staatsfeinde“ haben keine Rechte).

Dass sowohl Hamas als auch Hizbollah „Kreaturen Israels“ sind, also das Resultat der schweren Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzung und Unterdrückung des legitimen Widestandes, (bzw. der jahrelangen Grenzverletzungen und wiederholten Massaker im Libanon) braucht man hier ja nicht erwähnen, das wäre ja Kontext – um Gottes Willen. Dass anfangs Hamas sogar von Israel gefört wurde, als Gegenspieler zur PLO / Fatah, tut auch nichts zur Sache:

Ironically, it was senior officers of the “old” Israeli army who first encouraged the “terrorist” Hamas to build mosques in Gaza – as a counterbalance to the “terrorist” Yasser Arafat up in Beirut – and I was a witness to one of their meetings“

Robert Fisk, The Independent

Dass Hamas eine demokratisch gewählte Partei, und auch eine soziale Organisation ist (weshalb sie ja so populär wurde), die nach dem Wahlsieg mehrfach Angebote für ein „unity government“ und Waffenstillstand machte, was dann von US / Israel durch Schüren eines Bruderkrieges bzw. clandestine Übergriffe, Verschleppungen und Morde in Gaza vereitelt wurde, braucht auch keiner zu wissen.

Und wie definiert Herr Rauscher dann die komplementäre Kategorie der „gerechtfertigten Tötungen“ (von Zivilisten) und warum setzt er das Wort „SOGAR“ (nur) vor „Plünderungen“? Kennt Herr Rauscher nicht John Pilger’s „Palestine is still the Issue? Oder die Dokumentation „The Iron Wall“?

Dieses Verhalten der Soldaten ist keinesfalls eine Ausfallserscheinung, sie ist seit Jahren bekannt und wird von „ganz oben“ gutgeheißen (siehe auch Haaretz Berichte über Militärrabbis, die vor dem Gazamassaker betonen, man müsse kein schlechtes Gewissen haben, schließlich seien die Araber, als Nicht-Juden keine (wirklichen) Menschen … und „Burning Conscience“ (IDF- Soldaten))

Leider geht Herr Rauscher, wie fast alle seiner Kollegen, dem Hasbara-Spin voll auf den Leim: die Tötung der Aktivisten (wie viele es tatsächlich waren ist unklar, es werden noch Menschen vermisst) war keinesfalls das Resultat einer „Panne“, oder Fehlreaktion. Vier Schüsse in den Kopf und eine in die Brust – das ist kein „unkontrolliertes Drauflosknallen“, das ist eine Exekution. Dass alle getöteten Muslime und keine EU-Bürger (sondern Türken,) waren, ist natürlich auch kein Zufall – eine Message an Erdogan, die Mafianiveau hatte. Außerdem ist auch bekannt, dass Israel solche Einsätze gerne als Test für „counterinsurgency“-Taktiken oder neue Waffen benutzt (wie Taser, Mikrowellen, neuartige Gase zur Crowd-Control, etc.)

Wer heute noch (spätestens nach dem Goldstone-Report) Israel „legitime Selbsverteidigung“ abnimmt“ und vom „internationalen Ansehen“ spricht (Welches Ansehen?), müsste eigentlich wegen Verdacht auf politischen Autismus und chronischer Naivität untersucht werden.

Herr Rauscher beklagt weiters, dass besonders bei den „jüngeren, gebildeten Menschen“, Israel seinen

moralischen Bonus“ verloren habe, ja sogar „als Aggressor und rücksichtlose Besatzungsmacht …. empfunden werde… und zwar „nicht nur von Anti-Semiten“.

Das "Wahrheitsministerium" informiert

Woher kam denn dieser angeblichemoralische Bonus“, Herr Rauscher? Durch die Instrumentalisierung des Holocaust? Ist ein erlittenes, ungeheures Unrecht ein Blankoscheck für ein selbst ausgeübtes gegenüber anderen „Untermenschen“ („Arabushim“? Und das Word „empfunden“ ist zu verharmlosend, weil es eine persönliche Einschätzung impliziert. Doch die Besatzung und Aggression sind dokumentierte Tatsachen, eine Form von Staatsterror und kein subjektives Gefühl.

Die Doppelmoral des Zionismus, die Terroranschläge während der britischen Mandantszeit, die Aufzeichnungen Ben-Gurions und die dokumentierte ethnischen Säuberungen der Nakba lassen keinen Zweifel daran, dass dieser „Bonus“ eine gewaltiger Betrug ist, die nur durch bewußt geförderte Ignoranz der historischen Tatsachen aufrecht erhalten werden kann.

Der Autor hat völlig Recht, wenn er konstatiert, besonders die „Freunde Israels“ müssten sich ein realistisches Bild von der Israelischen Politik machen. Doch was tragen die Medien dazu bei und wie definiert sich denn „ein Freund“ Israels? Einer, der die zahlreichen Verbrechen nie erwähnt und völlig verzerrte Selbstwahrnehmung des Zionismus einfach übersieht?

Denken wir an Kissinger : „states don’t have friends, they have interests“

Sind Menschen, die Respekt vor den Rechten der Palästinenser fordern, „Feinde“ Israels? Die sich für ein Ende der unmenschlichen Gaza-Blockade einsetzen, dessen „Gegner“?

Herr Rauscher stellt auch richtig fest, dass die „jetzige Regierung an echtem Friedensprozess nicht wirklich interessiert“ sei. Eine kleine Korrektur ist nötig: die anderen Regierungen waren es auch nicht, sie haben alle den Siedlungsbau vorangetrieben und das Leben unter der brutalen, scheinbar endlosen Besatzung zur Hölle gemacht (siehe dazu die Berichte von B’tselem, UNHRC, u.a.)

Warum machen sich Kommentatoren so viele Gedanken über Israel’s Befindlichkeit und so wenig darüber, wie die Palästinenser seit mehr als 40 Jahren leben müssen? Warum wird die NAKBA einfach totgeschwiegen? Warum wird nie gezeigt, was es heißt, in der West Bank oder in Gaza zu leben „wie Hunde“ (Moshe Dayan) oder wie benommene Küchenschaben, die wie verrückt in einer Flasche herumkrabbeln“ (Rafael Eitan)?

DIE BITTERE REALITÄT, also DIE URSACHEN FÜR DEN „Terror“, den Israel vor sich her trägt, wie ein Schutzschild gegen Kritik und eine Ermächtigung für systematische Verbrechen, die man dann als „Selbstverteidigung“ verkauft, lässt sich wunderbar an einem Vortag zweier Israelis demonstrieren, die 2007 im MIT zum Thema „“Human Rights and Politics in Palestinereferiert haben: Jeff Halper, Anthropologe für IAHD, und die Philosophie-Professorin und B’tselem Aktivistin Anat Biletzki.

Während Biletzki verdeutlich, was die Besatzung wirklich bedeutet („life as we all know it, does not exist in Palestine“) geht Halper auf das – für die Medien – zentrale Thema ein: REFRAME THE DEBATE: „Israel hat es geschafft, sich selbst als diese kleine, ständig bedrohte Land hinzustellen , das sich nur gegen „Terror“ schützen will …wir wollen ja Frieden, aber diese verrückten Araber lassen das einfach nicht zu.“

DAS IST NAÜRLICH ALLES BULLSHIT, was sich leicht anhand der historischen Fakten beweisen lässt, aber warum traut sich hier kein Journalist, das hier auszusprechen?

Durch welche Methoden die israelische PR-Maschinerie die Öffentlichkeit für dumm verkauft, hat dieser Film analysiert:

Peace, Propaganda and the Promised Land: (Link zum Google-Video wird öfter gestört!

  1. DIE BRUTALE BESATZUNG WIRD „UNSICHTBAR“ GEMACHT (man darf keine Empathie für die Opfer zulassen ebensowenig die Einsicht, dass es die Palästinenser sind, die sich verteidigen, nicht Israel)
  2. DIE WEITERGEHENDE KOLONISATION EBENSO (desinfizierte Sprache „Siedlungen ausgebaut“)
  3. GEWALT IM VAKUUM (Widerstand gegen Besatzung aus dem historisch-politischen Kontext isoliert)
  4. WIRKUNG ALS URSACHE PRÄSENTIERT ( ,,,Terror“ ist da, wir müssen uns davor schützen …)
  5. MEDIEN ALS WILLIGE HELFER (Themenauswahl, Blickwinkel, vom israelischen Framing definiert)
  6. MYTHOS DER USA als GUTMEINENDER „VERMITTLER“
  7. MYTHOS VOM GROSSZÜGIGEN ANGEBOT: Camp David und die Oslo-Lüge
  8. AN DEN RAND GEDRÄNGTE STIMMEN („control of content“ : Akteure, die das offizielle Bild in Frage stellen würden, komen nie vor (CENSORSHIP BY OMMISSION)

Aldous Huxley schrieb in seinen Gedanken über Propaganda, dass Hitler es geschafft habe, die Deutschen am „unabhängigen, selbständigen Denken zu hindern“, unter Ausnutzung von damals neuartigen Massenmedien wie Radio und Film.

Angesichts dessen, was man heute in unserer „Demokratie“ in den Zeitungen liest – bzw. was man VERMISST, NÄMLICH DIE DEMASKIERUNG EINER UNGLAUBLICHEN PR-MASCHINERIE, die das ETABLIERTE PUBLIZISTISCHE SYSTEM AUSNUTZT, UM IHRE LÜGEN ZU VERBREITEN ( vor allem durch die PRESSEAGENTUREN) kann man nur zu dem traurigen Schluss kommen, dass die „Pressefreiheit“ auch nur mehr ein sinnentleerter Begriff ist.

Aldous Huxley, George Orwell, Harold Pinter u.a. erkannten, wie die Sprache als politische Waffe eingesetzt wird und unsere Denkfähigkeit einschränkt.

Wenn Journalisten (bei uns) dem nichts mehr entgegenzusetzen haben, ist die Demokratie erledigt. Man braucht keine Gestapo mehr, keine Stasi, keine Schlägertruppen, die Presse selbst wird zum Instrument der Mächtigen, die „Zensur“ erfolgt freiwillig durch die „Produktionsmethoden“, die die Sprache selbst zu einer PR-Waffe verkommen lässt.

“The great crimes against most of humanity are justified by a corrosive debasement of language and thought… [that] have fabricated a linguistic world of terror, of demons and saviours, of axes of good and evil, of euphemisms” designed to disguise a state terror that is “a gross perversion” of democracy, liberation, reform, justice.

James Petras

„New Hasbara effort to blame victims for their murder. IDF claims activists attempted to wrestle IDF arms away from soldiers. I urge every journalist who reports this story to remember the history of lies for which the IDF is known in such embarrassing situations. This report is NOT verified or authenticated and should not be treated as such.“

Tikun Olam (Jewish-American Blog)

Fortsetzung folgt ….

Shameful Journalism oder Rassismus im Schafspelz

Wie aus Tätern Opfer werden und umgekehrt….

Dieser Journalismus – wie er jetzt wieder anlässlich der Anti-Rassismus-konferenz praktiziert wird,  ist einfach nur mehr zum Kotzen.

Warum wird Kritik an Deutschland, Frankreich, Italien, etc. nicht als „deutschland-feindlich, Frankreich-feindlich” oder „Italien-feindlich” diffamiert?

Nur die USA und Israel benutzen diese Immunisierung gegen berechtigte Kritik: Rufmord am Kritiker um die berechtigte Kritik auszuschalten und die Aufmerksamkeit auf die (vorher mit Dreck beworfene) Person statt auf den Inhalt der Kritik zu lenken.

Zum Vergleich:

Israelische und britische Journalisten über Rassismus und Verbrechen der israelischen Armee (in Gaza): Links zu den Berichten

IDF Soldiers Ordered to Shoot at Gaza Rescuers, Note Says (Ha’aretz)

Guardian Investigation Uncovers Evidence of Alleged Israeli War Crimes in Gaza (The Guardian)

Pots of Urine, Feces in the Refrigerator – How IDF Troops Vandalized Gaza Homes (Ha’aretz)

IDF in Gaza: Killing civilians, vandalism, and lax rules of engagement (Ha’aretz)

Zitat: “During Operation Cast Lead, Israeli forces killed Palestinian civilians under permissive rules of engagement and intentionally destroyed their property, say soldiers who fought in the offensive.”

IDF Soldiers Admit ‘Shoot to Kill’ Orders Against Gaza Civilians

(Jewish Blog zu Ha’aretz Report, der darauf hinweist, dass die schlimmsten Stellen in der englischen Version eliminiert wurden….)

‘Shooting and crying’ (Ha’aretz)

ausführliche Zeugenaussagen der beteiligten Soldaten)

Jewish Peace News bietet eine Übersicht der kritischen Meldungen

ÜBER DEN MISSBRAUCH DER RELIGION ALS LEGITIMATION FÜR VERBRECHEN: (der ja anderen Konferenzteilnehmern vorgeworfen wird, (was aber keine Rechtfertigung für ein Boykott der Konferenz ist), aber gerade auf Israel, die „einzige Demokratie im Nahen Osten” besonders zutrifft)

IDF rabbinate publication during Gaza war: We will show no mercy on the cruel (Ha’aretz)

Auszug: “Ha’aretz hat einige der Publikationen durch  Breaking the Silence, eine Gruppe ehemaliger israelischer Soldaten erhalten, die Beweise für inakzeptables Verhalten der Armee (IDF) gegenüber den Palästinensern sammeln. Weiteres Material stammt von Offizieren und Soldaten, die an der Operation „Gegossenes Blei” in Gaza teilnahmen. . Hier einige Auszüge aus diesen Statements:

Auszug einer Publikation mit dem Titel: “Tägliche Tora-Studien für den Soldaten und Kommandeur der Operation Gegossenes Blei” herausgegeben vom IDF Rabbinat. (der israelischen Armee)

Es gibt ein biblisches Verbot, auch nur einen Millimeter von Groß-Israel den Nichtjuden zu überlassen, durch alle möglichen Formen von Verzerrungen und Dummheiten über Autonomie, Enklaven oder nationale Schwächen. Wir werden nichts davon in die Hände anderer Nationen geben, nicht einen Finger, nicht einen Nagel davon.”

(Anm: Das Land wird offenbar als „Körper” betrachtet…)

Dieser religiös untermauerte Fanatismus und die daraus abgeleitete Selbstgerechtigkeit (völlige Missachtung der Rechte anderer) sind ein Skandal und natürlich Grund für massive Kritik und Verurteilung der israelischen Kolonialisierungspolitik, aber unsere Medienschafe sprechen von „israel-feindlichen” Äußerungen…..(über die Inhalte der Kritik wird nicht gesprochen)

Es geht den Palästinensern ja im Grunde nicht um einen eigenen Staat, sondern um die Achtung ihrer humanitären, zivilen, politischen und wirtschaftlichen Rechte. In einem „Judenstaat” sind sie aber Menschen zweiter Klasse und der Zionismus degradiert sie zu einer Art „Untermenschen”. Der „Judenstaat” hat auch von Anfang an seine Ansprüche auf das ganze „Heilige Land” geltend gemacht und einen Plan für systematische ethnische Säuberungen entwickelt. Der legitime Widerstand gegen die brutale Besatzung wurde (versehen mit dem Pauschallabel „Terror”) dazu benutzt, ihnen auch den letzten Rest von Menschlichkeit abzusprechen.

Sie sind keine Menschen mehr, nur mehr „Terroristen”. Der historische Kontext wird völlig eliminiert. Die systematischen Verbrechen Israels werden ignoriert. Zensur durch Weglassen ist sehr effektiv.

Stattdessen werden immer wieder die gleichen PR-Slogans in den Medien wiederholt wie „Das Existenzrecht Israels anerkennen”, „Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung”, „Die Palästinenser müssen auf Gewalt verzichten” (sonst haben sie kein Recht mehr, angehört zu werden” obwohl ihre Gewalt nur die Folge der brutalen Besatzungsgewalt Israels ist)

DER RENNER IN ALLEN REDAKTIONEN-

Israel muss von der Weltkarte entfernt (vernichtet) werden

- auch heute wieder im Kontext des feigen und heuchlerischen Boykotts der Anti-Rassismus Konferenz; alleine die Präsenz des iranischen Präsidenten dient als Vorwand, die Veranstaltung zu diskreditieren und zu boykottieren und unsere Journalisten machen brav mit…..

Diesen Satz hat Ahmadinejad aber nie gesagt:

WÖRTER IN DEN MUND GELEGT UM DEN FEIND NR.1 ZU KREIEREN

Kontext: In seiner Rede bei einer Anti-Zionismus Konferenz 2005 hat er quasi eine Prophezeihung gewagt, aber keine Drohung ausgesprochen. Er zitierte den Imam Khomeini, der 1980 zum Thema Gerechtigkeit in Palästina gesprochen hat (in einer Zeit, in der Israel Waffen an den Iran verkauft hat)

Auszüge aus dem Counterpunch Artikel, von mir übersetzt:

Ahmadinejad hatte gerade sein Publikum daran erinnert, dass sowohl das Regime des Schahs, der Sowjetunion und das von Saddam Hussein als sehr mächtig und unbesiegbar erschienen und dennoch die beiden ersten verschwanden und Saddam gerade im Gefängnis saß.  So würde es auch einmal dem “Besatzungsregime” in Jerusalem ergehen.

Sinngemäß meinte er also: Ein Unrechtsregime könne sich auf Dauer nicht halten und Frieden im Nahen Osten könne es nur geben, wenn der Zionismus als politisches Leitbild ein Ende habe.

Die falsche und irreführende Übersetzung seiner Rede sowie die Isolierung aus dem Kontext wurden benutzt, um aus dem Mann (und dem Land) einen Superschurken zu machen, der die Welt bedroht. Das ist ein Witz.

Der Iran hat nie ein anderes Land überfallen oder Großmachtsphantasien gehabt. (Der Krieg gegen den Irak war ein Defensivkrieg). Die wirkliche Macht im Bereich Außenpolitik hat außerdem der  “supreme leader” Khamenei und nicht der Präsident.

Übrigens, die Juden im Iran werden weder verfolgt noch diskriminiert, sie sitzen sogar im Parlament. Man hat ihnen angeboten, nach Israel zu gehen, aber sie bleiben lieber im Iran….

Die stolzen Juden im Iran (BBC Bericht)

Zurück zur religiösen Indoktrination der Soldaten als Rechtfertigung für Verbrechen in Gaza:

——- „The IDF rabbinate, also quoting Rabbi Aviner, describes the appropriate code of conduct in the field: “When you show mercy to a cruel enemy, you are being cruel to pure and honest soldiers. This is terribly immoral. These are not games at the amusement park where sportsmanship teaches one to make concessions. This is a war on murderers. ‘A la guerre comme a la guerre.”

[......] In addition to the official publications, extreme right-wing groups managed to bring pamphlets with racist messages into IDF bases. One such flyer is attributed to “the pupils of Rabbi Yitzhak Ginsburg” – the former rabbi at Joseph’s Tomb and author of the article “Baruch the Man,” which praises Baruch Goldstein, who massacred unarmed Palestinians in Hebron. It calls on “soldiers of Israel to spare your lives and the lives of your friends and not to show concern for a population that surrounds us and harms us. ” ———

Die mehr als 1300 toten palästinensischen Kinder waren also Mörder, ebenso wie alle anderen getöteten Zivilisten in Gaza und der Westbank    (Statistikenohne Operation Cast Lead):

Das Unrecht, dass man diesen Menschen seit 60 Jahren angetan hat, ist beispiellos, aber die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen, das Apartheid-System im Westjordanland, das Open-Air Gefängnis in Gaza, die tausenden Toten, die tägliche Demütigung an den Checkpoints, all das ist nicht genug.

Man macht aus den Opfern Täter, denn Israel hat das Monopol für die ewige Opferrolle gepachtet. Um die eigenen Verbrechen zu rechtfertigen, muss die Wahrheit auf den Kopf gestellt werden.

Man muss die Shoa wie ein riesiges Schutzschild vor sich her tragen, um eine dauerhafte Immunisierung gegen Kritik sicherzustellen. Der unglaubliche Spin des „War on Terror” hat dies noch erleichtert, da der legitime Widerstand der Palästinenser jetzt mit dem Begriff „Terrorismus” völlig überlagert werden kann. Das Wort löst sofort Emotionen aus und Nachdenken wird ausgeschaltet. Die Ursachen der Eskalation der Gewalt werden systematisch in den Medien ignoriert. Stattdessen wird einfach religiöser Fanatismus  als Begründung für Selbstmordanschläge und Qassamraketen aus Gaza vorgeschoben. Journalisten wie Amira Hass bestätigen aber, dass nicht die Religion, sondern die bodenlose Ungerechtigkeit, die Verzweiflung und Rachegefühle die größten Motivatoren für palästinensische Gewalt sind. Dass die Palästinenser aufgrund der „Facts on the ground” mehr Anspruch auf das Label „Selbstverteidigung” haben, als Israel, geht natürlich völlig unter.

Die seit 9/11 bewusst geschürte Islamphobie war ein großer Erfolg für die US-israelische PR-Maschinerie. Unsere Medien lassen sich widerstandslos instrumentalisieren. Mittlerweile ist es so schlimm geworden, dass nur die Erwähnung von propagandistischen Schlagwörtern wie „anti-israelisch” ausreicht, um jede Kritik im Keim zu ersticken bzw. Personen, die in diese Kategorie einsortiert werden, automatisch jede Legitimation als Kritiker  abgesprochen wird.

Die ständige Wiederholung der Schlagwörter in den Nachrichten hat einen Brainwashing-Effekt (wenn der Kontext völlig weggelassen wird):

Formulierungen wie „einseitige Verurteilung Israels”; „anti-semitische Ausfälle werden befürchtet”; „es wird befürchtet, dass die Konferenz als Plattform für andere Interessen missbraucht wird”; „Umtriebe arabischer Staaten für israelfeindliche Propaganda”;  „Ahmadinejad nimmt teil,” … also kann man sich dort nicht mehr blicken lassen.

Die unfassbare Ironie ist, dass die BEFÜRCHTETE UND ANGEPRANGERTE GROSSE EINSEITIGKEIT genau von denen betrieben wird, die sie den Israelkritikern vorwerfen!

Israels PR-Apparat (gespeist natürlich aus den USA) ist der effektivste der Welt. Die Steuerung und Gleichschaltung der Medien durch pro-israelische Lobbygruppen  ist beispiellos und hätte selbst Goebbels beeindruckt.

Diese Art der Berichterstattung ist aber mit demokratischen Grundsätzen und Pressefreiheit unvereinbar. Die Immunisierung gegen berechtigte und dringend notwendige Kritik an Israels Verbrechen ist eine Form der Zensur, die ihresgleichen sucht.

Man hat es geschafft, die öffentliche Meinung in einem Ausmaß zu formen, dass sonst nur in totalitären Regimen üblich ist.

Gerade die deutschen Journalisten sind hier anzuprangern: Die Erinnerung an den Holocaust darf nicht dazu führen, Israel einen Persilschein für Rechtsbrüche auszustellen, indem man einfach über diese schrecklichen Verbrechen nicht berichtet. Der Gehorsam in den Redaktionen ist ein Skandal und eine Schande für die Pressefreiheit.

Wie Harold Pinter (Nobelpreisverleihung)so schön formulierte: (er meinte damit die Verbrechen der USA, pardon, die „Außenpolitik” in Lateinamerika (Nicaragua, El Salvador, Panama, Chile, etc.)

„It never happened. Even while it was happening, it did not happen.”

Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Staatsterror, schwere Völkerrechtsverstöße, Menschenrechtsverletzungen, etc. – man berichtet nicht darüber, also gibt es sie auch nicht - in den Köpfen der Leser und Zuschauer sind sie nicht präsent.

Stattdessen werden die Kritiker diffamiert, indem ihre Motive in den Dreck gezogen werden und ihr Charakter dämonisiert wird.

Die bloße Erwähnung von „Hamas”, „Hisbollah” und „Ahmadinejad” reicht ja mittlerweile, um jedes Nachdenken über politischen Kontext auszuschalten und nur mehr negative Emotionen zu schüren. (Einordnen in eine verhasste Kategorie wie Vergleiche mit Hitler, etc. sollen jede weitere Auseinandersetzung mit den Argumenten der dämonisierten Personen unterbinden – was ja auch gelingt.

Israel das ewige Opfer. Israel, das seine Bürger schützen muss. Israel, das von bösen arabischen Nachbarstaaten bedroht wird. Israel, das doch nur in Frieden leben will.  All das hält einer kritischen Überprüfung nicht stand.

Bemerkenswert ist, dass gerade viele der schärfsten Kritiker, Juden bzw. Israelis sind wie z.B. Norman Finkelstein, Avi Shlaim, Neve Gordon, Ilan Pape, die israelische Zeitung Ha’aretz, Noam Chomsky, Joel Kovel, jüdische Gruppen in den USA und in Israel (z.B. Gush Shalom, Breaking the Silence, etc. während DEUTSCHE JOURNALISTEN UND POLITIKER den Schwanz einziehen und sich als Instrumente der israelischen Lobbies zur Verfügung stellen.

Die oben erwähnte kritischen Juden aus den US oder Israel dürfen deshalb bei uns nicht zu Wort kommen.

Joel Kovel hat die bittere Wahrheit auf den Punkt gebracht:

Der Zionismus hat Israel in einen Apparat für Menschrechtsverletzungen verwandelt”, der von Terroristen geleitet wird, die sich als Demokraten ausgeben.”

Ich empfehle dazu das Buch „Die ethnische Säuberung Palästinas“ von Ilan Pape sowie die Videos von Joel Kovel (Google – wenn sie nicht blockiert werden -)

Siehe dazu auch meine vorhergehenden Kommentare auf diesem Blog.

Deutsche Medien als Erfüllungsgehilfen eines verbrecherischen, rassistischen Regimes, das nur demokratisch ist, wenn es um Juden geht. Für die „Araber“ reicht nicht einmal das Kriegsrecht und Menschenrechte zählen auch nicht…

Im dritten Reich herrschte ein Terrorregime, deshalb war es nicht leicht und sehr gefährlich, dagegen zu kämpfen, wozu nicht viele den Mut hatten.

Aber welche Ausrede haben unsere Journalisten heute dafür, dass sie seit Jahren zusehen wie Menschen in Palästina entrechtet und getötet werden und sie Partei zugunsten des Staatsterrors nehmen?

Sie müssten alle nach Gaza geschafft werden oder ins Westjordanland und dort wie die Palästinenser leben. Erst wenn ihre eigenen Kinder getötet würden, ihre eigenen Häuser zerstört, ihre Bewegungsfreiheit und Rechte völlig untergraben, würden sie aufhören, sich wie erbärmliche Feiglinge zu benehmen und die Pressefreiheit ad absurdum zu führen….