Der Unrechts-Staat

„Israel’s response to the Gaza flotilla is another unfortunate example of Israel clothing its conduct in the language of international law while flouting it in practice.

Ben Saul, expert on Int’l Law

Die vorherigen Beiträge haben gezeigt, dass die Aussagen der Passagiere weitgehend übereinstimmen und klar belegen, dass die brutale Gewalt von den israelischen,  paramilitärischen Truppen ausging (beabsichtigt war,)  und schon gar nicht als Selbstverteidigung durchgehen kann.

Wie wir gesehen (und gehört) haben, lassen die Berichte von Augenzeugen auf der Mavi Marmara und die gerichtsmedizinischen Befunde der Todesopfer keinen Zweifel daran, dass hier geplante Exekutionen stattgefunden haben.  Zwei türkische Aktivisten wurden tödlich getroffen, noch bevor einer der vermummten Soldaten das Deck betreten hatte.

Aussagen wie „sein Gehirn ist explodiert“ oder „der hintere Teil seines Kopfes war weggerissen“ deuten auch daraufhin, dass hier besondere Waffen eingesetzt wurden. Ann Wright sprach auch von einer „Kugel, die mit Flüssigkeit gefüllt war“, die eine Frau ins Gesicht traf, usw.  Man darf die berechtigte Vermutung aussprechen, dass das israelische Militär wieder einmal politische Gegner („Terroristen“) als Versuchskaninchen für neue, widerliche Waffen missbraucht hat. Diese Vermutung wird auch dadurch erhärtet, dass  den Sanitätern des Schiffes nicht gestattet wurde, die Verletzten zu begleiten.

Wir haben auch die erschreckenden Schilderungen von der Unmenschlichkeit und Rohheit der Exekutivorgane gehört, die die gekidnappten Aktivisten und Journalisten wie „Tiere im Zoo“ behandelten, sie gezielt demütigten und einschüchterten und sich darüber auch noch lustig machten.

Doch zwei grundlegende Fragen müssen noch geklärt werden, denn die ganze Argumentation der israelischen Regierung stützt sich darauf:

Ist die Blockade gegen den Gazastreifen legal? Und wenn ja, ist dann automatisch die Erstürmung der Schiffe auch legal (was impliziert, dass die Organisatoren der Gaza-Flotte von Anfang an rechtswidrig gehandelt hätten)?

Was schreiben denn die Medien darüber? Reuters berichtete folgendes:

„Die israelische Regierung sagte, sie werde die Seeblockade gegen Gaza weiterhin aufrechterhalten, trotz zunehmender, internationaler Kritik nach dem Überfall auf das türkische Fährschiff, bei dem neun Aktivisten getötet wurden.“

„Ja, Israel hat das Recht eine Seeblockade gegen Gaza zu verhängen, [laut Reuters] das wurde von der üblichen Praxis abgeleitet und in der so genannten „Londoner Erklärung“ festgeschrieben. Diese wurde 1994 in einem rechtlich anerkannten Dokument, dem „San Remo Handbuch über das Anwendbare Völkerrecht für Bewaffnete Konflikte auf See “ aktualisiert.“

„Die wichtigsten Regeln verlangen, dass die Blockade allen Kriegsteilnehmern und neutralen Staaten mitgeteilt werden muss, der Zugang zu neutralen Häfen nicht behindert werden darf und nur solche Gebiete blockiert werden dürfen, die in Feindeshand sind.“

„Auf der Basis, dass Hamas die herrschende Macht in Gaza ist, und Israel sich mitten in einem bewaffneten Kampf gegen diese befindet, ist die Blockade legal, sagte Philip Roche, Teilhaber des Anwaltsbüros Norton Rose.“

Unglaublich , aber wahr: Wenn man den Namen „Philip Roche“ googelt, kommt (u.a.) folgende Info: Das Leben von Philip Roche wird in dem Buch „Lives of the Most Remarkable Criminals“ dokumentiert und weiter: PHILIP ROCHE , hingerichtet am 5. August 1723, für viele Morde auf Hoher See und Piraterie …   Ironischer  Wink des Schicksals?

Weiter mit dem Reuters Artikel:

„Darf Israel gewaltsam ein Schiff entern, um die Einhaltung der Blockade  zu erzwingen?“

„Nach Völkerrecht ist das zulässig.“

„(Nur) wenn die angewendete Gewalt unangemessen ist, wäre das eine Verletzung der grundlegenden Vorschriften für deren Anwendung“ sagte James Kraska, Professor für Völkerrecht am U.S. Naval War College. [….] Rechtsexperten sagen, “angemessene Gewalt” heißt nicht, dass Schusswaffen nicht verwendet werden dürfen, wenn man (nur) mit Messern attackiert wurde. […]

Ähnliche Artikel erschienen in vielen Zeitungen.

Was steht nun wirklich in dem San Remo Handbuch? Und ist es überhaupt anwendbar?

Das ganze Werk  bezieht sich natürlich auf  Krieg  zwischen Staaten.

„Die Teilnehmer der Gespräche …  sehen das Handbuch … als modernes Äquivalent zum Handbuch von Oxford zu den die Beziehungen zwischen den kriegführenden Staaten regelnden Gesetzen des Seekriegs, das vom Institut für Völkerrecht 1913 angenommen wurde.“

Das bedeutet im Normalfall, dass die Militärapparate dieser Länder gegeneinander kämpfen, zu Lande, in der Luft und  auch zu Wasser. Die Änderung der alten Regeln war ja nach dem ersten Weltkrieg notwendig geworden, besonders durch den vorher unbekannten Einsatz von U-Booten und weil Fracht- und auch Passagierschiffe (Lusitania!) zum  versteckten Transport von Kriegsmaterial missbraucht wurden.

Man wollte deshalb Optionen schaffen, die es erlauben, nicht nur  ausgewiesene Kriegsschiffe anzugreifen, sondern auch Handelsschiffe aufzubringen,  wenn sie als „militärische Ziele“  definiert werden konnten.

Das San Remo Handbuch enthält zunächst seitenweise Regeln wie und unter welchen Umständen feindliche und (ob) neutrale Schiffe bzw. die verschiedenen Schiffskategorien (nach Zweck des Transportes) angegriffen werden dürfen. Bereits hier wird die Absurdität offensichtlich, denn die „kriegsführenden Parteien“ sind hier eben NICHT zwei Staaten.

Gaza hat ja keine Schiffe, keine Marine, die Hamas hat ja keinerlei Kontrolle über Grenzen, Seewege, Häfen, Küstengebiete, Luftraum, etc.  (… nur die „Tunnelmaut“ in Rafah …) Geschweige denn hat sie eine Militärmaschinerie, die sich mit der Israels auch nur annähernd messen könnte. Selbst  (rund 250  Polizisten, die in Gaza frisch ausgebildet wurden, wurden während Operation Cast Lead (am ersten Tag) bombardiert und getötet.

Getötete Polizisten in Gaza

Die Prämisse für die Anwendung des San Remo Manuals dass sich zwei „Kriegsteilnehmer“   quasi auf Augenhöhe  gegenüber stehen, wobei sich der eine durch eine Blockade gegen die „Angriffe“ (im Kontext eines Krieges) der anderen schützen muss, ist hier eben nicht zutreffend.

Das Ungleichgewicht der Kräfte ist so immens, weil die Opfer der Blockade ja auch selbst Kriegsopfer sind, gegen sie wird ja ein zwei-Fronten Krieg geführt: ein ökonomischer und ein militärischer, insgesamt ein Genozid auf Raten.

Israel hält die 1,5 Millionen Menschen effektiv GEFANGEN, das ist weit mehr als eine „See-Blockade“, wo bestimmte, genau definierte Waren nicht an Land gelangen dürfen, weil sie den „Feind“ unterstützen würden.  Das Problem ist nur, dass der „Feind“ hier die ganze, zivile Bevölkerung ist.

Israel kontrolliert den gesamten Waren- und Personenverkehr, die (mangelhafte) Energieversorgung, die (kaum vorhandene) Telekommunikation, die Wasser- und Abwasserversorgung (durch fehlende Ersatzteile können Kläranlagen oder Wasserpumpen nicht repariert werden, das einzige Elektrizitätswerk wurde zerstört, somit fehlt auch kontinuierlicher Strom), Kinder können nicht in die Schule gehen (sofern die noch stehen), weil man nicht einmal Bücher, Hefte, oder Schreibartikel nach Gaza bringen darf.

Die Liste der erlaubten Güter wird ständig geändert, wie es dem Militär gerade gefällt, einmal darf kein Toilettenpapier eingeführt werden, ein anderes Mal kein Shampoo, kein Spielzeug, keine Kekse, etc. Die Willkür und der Machtmissbrauch sind offensichtlich.

Wie immer bei rechtlichen Dokumenten, kommt es erst einmal auf die Definitionen an, auf die Einordnung in die richtige Kategorie, um dann die Anwendbarkeit bestimmter Regeln davon ableiten zu können.

Die „Rechtsberater“ des israelischen Militärs sind ja mit allen Wassern gewaschen, so wird z.B. auf den Vorwurf, Israel  halte sich als Unterzeichnerstaat der Genfer Konventionen nicht an die Vorschriften – durch die brutale Besatzung, die weitere Kolonisation der West Bank ( „Ausbau der Siedlungen“), die Misshandlungen von Zivilisten, die Hauszerstörungen,  die Kollektivbestrafung, das ganze Programm der Unmenschlichkeit eben –  folgendes geantwortet:

Man fühle sich sehr wohl dem humanitären Völkerrecht verpflichtet, doch das gelte eben für Gaza nicht und auch nicht für die kolonisierte West Bank: Warum? Weil das keine STAATEN seien, und dieses Abkommen eben bindend zwischen staatlichen Akteuren sei. Diese Spitzfindigkeiten sind im Grunde nicht von der Hand zu weisen und das ist ja auch – ein – Grund (von mehreren), warum Israel niemals einen eigenständigen Palästinenserstaat zulassen wird.

Nehmen wir also dieses Argument auf und wenden es für die „Operation Sea Breeze“ an:  Staaten unterzeichnen Verträge, Staaten erklären den Krieg.

Die Anwendung des San Remo Manuals gilt für sogenannten „IAC“ (International Armed Conflict), und auch die „Londoner Erklärung“ rechtfertigt eine Blockade nicht, denn sie gilt nur im „Kriegszustand“, was wiederum als bewaffneter Konflikt zwischen zwei Staaten definiert wurde.

Gaza ist aber kein Staat, sondern ein bombardiertes, wirtschaftlich stranguliertes, ehemaliges Flüchtlingslager, ein  Freiluft-Gefängnis mit 1,5 Millionen Menschen, deren Großeltern 1948 vor dem zionistischen Terror, bei dem rund 500 palästinensische Dörfer zerstört und ethnisch gesäubert wurden, dorthin fliehen mussten (die „Nakba“) und 1967 kam dann die nächste Terrorwelle: die endlose Besatzung.

Der  rechtliche Status von Gaza kann nicht nach Belieben Israels opportunistisch geändert werden.

Das großartige inszenierte Theater von der „Rückgabe“ Gazas 2005, war ein riesiger Etikettenschwindel: Denn zwar hat man die jüdischen Siedler weggebracht und die Soldaten innerhalb Gazas abgezogen, doch die effektive Kontrolle über das Gebiet hat nach wie vor der Staat Israel (wie oben beschrieben: Gaza ist Israel völlig ausgeliefert, ein „Labor“ für Unmenschlichkeit …) deshalb ist er nach dem Völkerrecht für das Wohlergehen der Menschen in Gaza – und auch für Recht und Ordnung –  verantwortlich. In gewisser Weise führt also Israel Krieg gegen sich selbst …

Die Hamas, die in einem zerbombten, völlig desolaten Miniterritorium (ca. 40 km lang und zwischen 5 und 12 km breit), mit zerstörten Feldern und Fabriken, extremer Arbeitslosigkeit, einer bewusst  von Israel ruinierten Wirtschaft „regiert“, und in den Medien allen Ernstes als „kontrolliert den Gazastreifen“ verkauft wird, soll also auf die gleiche Ebene gestellt werden, als „Kriegsteilnehmer“ im Sinne des Völkerrechts, des Kriegsrechtes, etc. das im San Remo Manual angewendet wird?

Das ist völlig absurd und unzulässig. In Wahrheit findet hier natürlich eine besonders widerliche Form der Kollektivbestrafung statt – weil die Palästinenser 2006 die falsche Partei gewählt hatten, wie Noam Chomsky nicht müde wird, zu betonen.

Während Israel die Öffentlichkeit einer Gehirnwäsche unterzieht, indem ständig von der Bedrohung durch die „Terroristen“ Hamas und ihren lächerlichen Raketen die Rede ist, und deshalb allen Ernstes 1,5 Millionen verzweifelter Menschen „wie Tiere in Käfigen“ gehalten werden müssen, wird von einer der mächtigsten Armeen der Welt argumentiert, man müsse auf hoher See, Zivilisten angreifen, die Hilfsgüter transportieren, um sich zu „verteidigen“? Wie verrückt ist das Ganze eigentlich?

Um sich vor den Raketen  zu schützen, und endlich „Sicherheit“ zu haben, braucht man nur die Rechte der Palästinenser respektieren, sonst nichts. Keine Blockade, keine Überfallkommandos. Doch das kommt eben nicht in Frage … (siehe dazu auch frühere Beiträge zu „Gaza“)

Man braucht sich ja nur die Bilanz des Schreckens anschauen: Wir stehen jetzt bei einem Verhältnis von etwa 1:100, es wurden also 100 mal mehr Palästinenser getötet, als Israelis.

Gaza (vor Cast Lead): 3000 Tote, davon 634 Kinder

Israel: 39 Tote, davon 4 Kinder  (in acht Jahren)

Gaza, nach Cast Lead: 4.390 Tote, davon mehr als 1000  Kinder

Israel: 0 Tote (Zivilisten)

(Von den Toten in der West Bank wird in einem späteren Beitrag noch die Rede sein)

Dass hier eine „See-Blockade“ durchgesetzt werden muss, um sich vor diesem Elendsghetto zu schützen, – wie Amira Hass richtig feststellte, sind die Raketen aus Gaza ja in erster Linie  symbolische Gegen-Gewalt und natürlich die Folge des israelischen Terrors – (Hamas hat erstmals Anschläge auf Zivilisten in Israel verübt, nachdem Baruch Goldstein in einer Moschee in Hebron ein Massaker angerichtet hat), ist einfach völlig verrückt, weil Ursache und Wirkung, wer hier wen in welchem Ausmaß terrorisiert und warum, völlig ausgeblendet wird.

Zurück zum San Remo Handbuch:

Im Abschnitt IV (Methoden und Mittel  der Seekriegführung) geht es u.a. auch um die Blockade: (Punkt 67a)

„(Neutrale) Handelsschiffe, bei denen gute Gründe für ein Blockadebrechen sprechen, dürfen aufgebracht werden. Handelsschiffe, die sich nach vorangegangener Warnung einer Aufbringung deutlich widersetzen, dürfen angegriffen werden“.

Das klingt doch – aus israelischer Sicht – schon sehr gut. Damit haben wir doch schon den Beweis für die Rechtmäßigkeit der brutalen Aktion, oder? Doch es  geht noch weiter, denn auch die Legalität der Blockade an sich wird in dem Dokument geregelt:

102. Die Erklärung oder Einrichtung einer Blockade ist verboten, wenn

(a) sie den alleinigen Zweck hat, die Zivilbevölkerung auszuhungern oder ihr andere Güter zu verweigern, die sie zum Überleben braucht oder

(b) der Schaden für die Zivilbevölkerung im Verhältnis zu dem von der Blockade erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil übermäßig groß ist oder dies angenommen werden darf.

Angesichts der zahlreichen Berichte der Menschenrechtsorganisation und der UN über die verheerende Lage in Gaza (und der Betroffenheit der Menschen, die selbst das Elend gesehen haben), kann kein Zweifel mehr daran bestehen, wer hier Krieg gegen wen führt. Es ist natürlich auch ein ökonomischer Krieg den Israel gegen Gaza führt und der den „Friedensprozess in Formaldehyd legt“, wie Dov Weissglas so treffend formulierte.

Punkt (b) trifft eindeutig zu, somit ist die Blockade illegal (auch als Kollektivbestrafung) und auch deren mit Gewalt erzwungene Einhaltung auf hoher See.

Selbst wenn man – hypothetisch – einen Kriegszustand annimmt, auf den das San Remo Manual anwendbar wäre, (also zwischen staatlichen Akteuren) dann wäre die gewaltsame Erstürmung der Schiffe, die Verletzung von über 50 Menschen (und Tötung von neun)  immer noch ein Verbrechen, denn

Neutrale Handelsschiffe unterliegen [zwar] der Aufbringung außerhalb neutraler Gewässer wenn sie … eine Blockade brechen oder zu brechen versuchen,

Doch Folgende Schiffe sind generell von der Aufbringung ausgenommen:

[…] Schiffe, die für humanitäre Aufgaben eingesetzt sind, einschließlich Schiffen, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unentbehrliche Versorgungsgüter transportieren, und Schiffe, die Hilfsmaßnahmen und Rettungseinsätze durchführen; […]

Der Zweck der Fahrt war ganz eindeutig humanitäre Hilfe; die Schiffe fuhren unter „neutraler Flagge“ (keines der Flaggenländer befindet sich mit Israel im Krieg), es gab also selbst unter Zugrundelegung des San Remo Handbuches keine rechtliche Grundlage für die Kaperung und schon gar nicht für die Ermordung von neun Menschen.

Auch die Verschleppung nach Ashdod war ein krimineller Akt:

Die Aktivisten und Journalisten wurden gekidnappt,  in Haft genommen – ohne rechtliche  Grundlage – deshalb hat man sie genötigt, zu „bestätigen“, dass sie „illegal eingereist seien“, was dann gleichzeitig die Legitimation für die Abschiebung sein sollte.

Israels Dilemma lässt sich auch so erklären:

Wenn die Regeln des IAC gelten sollen, dann müssen Hamas-Kämpfer den  Status  regulärer  Soldaten erhalten, das wäre für Israel aber ein Riesenproblem.

Gehen wir also davon aus, dass die LoIAC nicht gelten,  dann kann man sich aber eben auch nicht auf  Regeln berufen, die im IAC Anwendung finden, wie das San Remo Manual.

Die Unverhältnismäßigkeit der Blockade liegt – wie oben ausgeführt – klar auf der Hand, denn die Folgen für die Zivilbevölkerung sind verheeerend und unmenschlich. Die Blockade ist also ILLEGAL und der GOLDSTONE-Report bezeichnet sie sogar als  Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Prof. Ben Saul

Zum Abschluss soll hier noch ein australischer Experte für Völkerrecht (und Terrorismus) zu Wort kommen, dem man sich nur 100%ig anschließen kann:

  1. Die gewaltsame Erstürmung friedlicher  Schiffe in internationalen Gewässern war  ungesetzlich.
  2. Diese Aktion kommt einem  illegalen Eingriff in die rechtliche Zuständigkeit der „Flaggenstaaten“  (wo die Schiffe registriert waren) gleich, wie etwa der Türkei.
  3. Sie verletzte das grundlegende Prinzip der Navigationsfreiheit aus Hoher See, die in der UN-Konvention über Seerecht von 1982 festgelegt wurde.
  4. Das Festhalten (die Verbringung nach Israel) und  die Inhaftierung der Passagiere war ein Verbrechen, denn sie verletzen den Artikel 9 des internationalen Abkommens über Zivile und Politische Rechte, weil es keine rechtliche Grundlage für die Festnahme gab.
  5. Die Tötung von (9) Menschen, ist nicht „nur“ eine schwere Menschenrechtsverletzung  sondern in diesem Fall unter Umständen sogar ein schweres, internationales Verbrechen:
  6. Nachh Artikel 3 des Übereinkommens zur Bekämpfung widerrechtlicher Handlungen gegen die Sicherheit der Seeschifffahrt“ (SUA-Konvention), ist es ein internationales Verbrechen für jedermann,ein Schiff mit Gewalt einzunehmen und und weiteres, schweres Verbrechen, wenn dabei Menschen verletzt oder getötet werden. ( Die Ironie ist, dass dieser Vertrag nach der Entführung der Achille Lauro 1985 durch palästinensische Terroristen abgeschlossen wurde, wobei ein jüdischer Passagier, der behinderte Leon Klinghoffer ums Leben kam)
  7. In solchen Fällen, ist jeder Anspruch auf  Notwehr irrelevant. Der Vertrag enthält notwendigerweise  sehr strenge Sichtweisen: Man kann nicht ein Schiff angreifen und sich dann  auf Selbstverteidigung berufen, wenn die Menschen an Bord sich gegen illegale Gewaltanwendung zur Wehr setzen.
  8. Aus rechtlicher Hinsicht sind militärische Kräfte, die sich auf ein Schiff abseilen, auch wenn sie im Auftrag von Regierungen handeln, nicht anders zu behandeln, als andere Kriminelle. Das Recht auf Notwehr in solchen Situationen haben natürlich die Passagiere auf diesem Schiff. Jede Person istt gesetzlich berechtigt, sich der eigenen gesetzeswidrigen Gefangennahme, Entführung und Inhaftierung zu widersetzen.

„Diese traurige und schockierende Episode hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie unbekümmert der Staat  Israel mit dem Leben anderer Menschen umgeht,  wie völlig gleichgültig ihm das Urteil der globalen Öffentlichkeit   ist, und seine Grobheit als Geächteter der internationalen Gemeinschaft verdeutlicht.

Dieser [auch moralische] Absolutismus, diese maßlose Gewalt, und keine Aussichten auf Frieden in der Region werden solange weitergehen, wie die internationale Gemeinschaft Israel mit Samthandschuhen anfasst.“

Israel ist sein eigener, schlimmster Feind geworden. Es kümmert sich nur um seine eigenen Interessen, während jede Fähigkeit zur Empathie abhanden gekommen ist. Diese unmenschliche Härte ist auch daran erkennbar, dass das (durch Israel) verursachte Leiden anderer  einfach ignoriert  wird und nur das Wohlergehen der Israelis von Bedeutung ist.

Dieser  gedankliche und politische  Absolutismus hat furchtbare Folgen für die Palästinenser … aber auch für die Sicherheit der Israelis selbst …“

Stellungnahme von Richard Falk, UN-Experte für Völkerrecht

Erörterung des Goldstone-Reports mit Norman Finkelstein (deutsche Übersetzung)

P.S. Warum Dirk Niebel nicht nach Gaza einreisen durfte, liegt dann wohl auf der Hand …

(Der Professor hat leider vergessen, die Rolle der USA  zu erwähnen …)

Mörder Ohne Grenzen (3): Tot-Schweigen

"Peaceprocess"

Eine Worthülse, die unerträglich geworden, aber in den Medien ständig präsent ist: der „Friedensprozess“, der seit mehr als 30 Jahren von Israel sabotiert wird …(mehr dazu im nächsten Beitrag…)

Letzter Teil der  Aussagen einiger Passagiere der  Gaza-Hilfsflotte, diesmal die „Challenger 1“

Paul McGeough, Auslandskorrespondent für den “Sydney Morning Herald“

Wir waren auf der Challenger 1, einem 25m langen Schiff. Es waren 17 Leute an Bord, davon zwei professionelle Journalisten: Ich selbst und Kate Geraghty, die Fotojournalistin ist.

… kurz nach vier Uhr sahen wir die Zodiacs  auf uns zukommen. Vorher konnten wir, in größerer Entfernung israelische Kriegsschiffe erkennen … Etwa um 4:15  versuchten sie, die Mavi Marmara zu entern. Doch der erste Versuch misslang, die Passagiere wehrten sich: sie warfen Sachen über Bord, Müll, usw. Es wurde laut gerufen und geschrieen. Wir befanden uns etwa 150 m entfernt, auf der Backbordseite, als die Israelis  auf dem hinteren Deck Sound-Granaten [ein extrem hoher, schriller, furchtbarer Ton] und Tränengas-Kanister abwarfen, wo eine Menschenmenge stand. Wir sahen sie in ihren Schwimmwesten, wir sahen die Lichtblitze der Brandstoffe, wir hörten, wie sie explodierten,  und dann Panik und Entsetzen ….

Der Kapitän versuchte ihnen zu entkommen, wir fuhren mit voller Geschwindigkeit, etwa 18 Knoten, vier bis fünf Zodiacs verfolgten uns. Der Kapitän gab schließlich auf, denn er war früher schon auf einem Boot für Gaza, das sie gerammt hatten, das wollte er nicht noch einmal erleben.

Kate Geraghty

Sie kamen also an Bord und Kate wurde sofort von einem Elektroschock-Gerät getroffen, der Schlag warf sie zu Boden. Wir konnten es noch gar nicht fassen, da kamen immer mehr Soldaten in Tarnuniformen, maskiert,  zu uns auf die Außensteuerstelle  (wo wir uns befanden). Sie nahmen uns sofort die Filmausrüstung ab, das Satellitentelefon, das ich in der Hand hielt, weil ich gerade einen Bericht für unsere Zeitung abgab. Sie sprachen mit australischem Akzent, äußerst bemerkenswert, nicht? – als wir sagten, wir seien professionelle Journalisten für den Sydneyda drehte sich einer um uns sagte ganz cool: Wir wissen, dass ihr für den Herald arbeitet!

Alle wurden dann nach unten gedrängt, auf die unteren Decks. Eine der Frauen, die noch am Oberdeck war, hatte eine Pistole direkt auf ihren Kopf gerichtet, man drohte sie zu töten, wenn sie nicht sofort eine Luke freimachte, auf der sie saß (um die Soldaten – nur mit ihrem Körper – zu behindern)

Die Aktivisten übten also passiven Widerstand aus (nur mit ihren Körpern), gewaltfreie Techniken, um es den Soldaten schwer zu machen, alle an Bord zu kontrollieren (zusammen zu treiben). Zwei Frauen wurden (quasi „als Strafe“)  mit Säcken über ihren Köpfen über das Deck geschleift,

(eine davon war Huwaida Arraf – siehe weiter unten)

Kate Geraghty: Ja. Ich habe fotografiert, ich stand direkt neben Paul und beobachte, wie das Überfallkommando auf uns zukam. Ich machte also Bilder und sie versetzten mir einen elektrischen Schlag in den Arm, [mit einer so genannten „stun-gun“] über dem Ellenbogen, der so stark war, dass ich ungefähr 1,5 Meter weit geworfen wurde. Dann musste ich mich übergeben. Einer der Soldaten nahm mir die Kamera ab. Und sie hatten richtige Waffen auf uns gerichtet, wir betonten, wie Paul schon sagte, dass wir Journalisten seien, keine Aktivisten … aber das machte nicht den geringsten Unterschied… Wir machten nur unseren Job. Und es wurde nicht respektiert.“

„Aber das Entscheidende ist, – und das haben uns auch die Leute von den anderen Booten bestätigt  – dieses systematische Abwürgen der wahren Geschichte; das erste was die Soldaten taten, war alles zu konfiszieren, was die Wahrheit ans Licht bringen könnte, Kameras, Satellitenverbindung, Videokameras an Bord, usw.

„Sie waren versessen darauf, die Story in den Medien völlig zu kontrollieren …“

Nach Angaben von “Reporter Ohne Grenzen” waren mehr als 60 Journalisten an Bord. Wo sind die alle geblieben? Man hört nur von wenigen, was sie mitmachen mussten …

Das International Press Institute (IPI) mahnte Israel, die Pressefreiheit zu respektieren, denn andernfalls wäre das  „eine klare Botschaft, dass die Regierung etwas zu verbergen hat“.

Die Journalisten hatten natürlich state-of-the-art Equipment dabei: teure Kameras, Satellitentelefone, Computer, etc. alles wurde ihnen abgenommen – Klartext: GESTOHLEN. Alleine die Ausrüstung der beiden australischen Journalisten wird auf etwa 70.o00 Dollar geschätzt. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass der Staat Israel Aufnahmetechnik und IT  im Wert von rund einer Million Dollar gestohlen hat.

Weitere Aussagen von Journalisten: (Al Jazeera Reporter – siehe „Mörder ohne Grenzen (2)

Yücel Velioglu, eine türkische Journalistin (Presseagentur)

„Es gab drei Türen in dem Raum, in dem die Journalisten saßen. Zwei davon waren versperrt. Wir hatten ihnen gesagt, welche offen war, doch sie haben absichtlich eine versperrte Türe gestürmt …“wir hatten die Kameras um den Hals hängen und die Presseausweise in unseren Händen, aber sie haben weiterhin ihre Ziellaser auf unsere Augen gerichtet, um uns einzuschüchtern. Das ganze dauerte etwa 45 Minuten…”

Ayse Sarioglu, Journalistin für die Zeitung Taraf

“Ich war völlig in Panik geraten, als ich Kiliclar auf dem Boden liegen sah [nach Kopfschuss aus dem Helikopter] .. ich fing an zu weinen …  Sie haben alles durchwühlt … In Ashdod haben sie uns verhört … Ich wurde von einem Polizisten so gedemütigt (eine weibliche Polizistin war sehr höflich [good cop – bad cop]). . .als er mich verhörte, spuckte er mich an und nannte mich eine Idiotin .. er hat sogar meine Zunge herausgezogen .. ich dachte, das kann doch nicht wahr sein, es war so unmenschlich!

Marcello Faraggi, italienischer Journalist, der eine Produktionsfirma in Brüssel hat

“ .. sie nahmen mir sofort die Kamera aus der Hand und alle Kassetten, die ich dabei hatte. „Wir geben sie zurück, wenn wir an Land sind“, sagten sie. Ich zeigte ihnen meine Presse-Akkreditierung. Es machte keinen Unterschied. …wir mussten zu den anderen (gefesselten) Passagieren an Deck gehen, … wir brauchten fast 10 Stunden nach Ashdod .. und in der Zwischenzeit fühlten wir uns wie Tiere .. so haben sie uns behandelt …

Als wir ankamen, gegen 15:30, waren dort Menschenansammlungen. Viele Soldaten filmten uns, als wir von Bord gebracht wurden wir fühlten uns wie Tiere im Zoo

Dann haben sie uns zu einem Ort gebracht, wo es viele Zelte gab …  ich musste mich ausziehen …sie haben mir noch weiteres Material abgenommen, ..  wir waren fünf oder sechs, die sich gleichzeitig ausziehen mussten … es war so erniedrigend .. . Ich verweigerte  eine medizinische Untersuchung … dann sollte ich ein englisches  Dokument unterschreiben .. ich fragte nach einer italienischen Übersetzung … sie lachten mir nur ins Gesicht …

Dann brachten sie uns in einen Wagen (aus Metall), der für Gefangenentransporte benutzt wird .. wir warteten mehr als eine Stunde, zusammengepfercht, in der Sonne, ohne Klimaanlage … erst bei Einbruch der Dunkelheit haben sie uns nach Beersheva gebracht, dort wurden wir nochmals durchsucht … wir bekamen rohes Gemüse und Wasser … Seife .. aber wir durften weder unsere Botschaften noch einen Rechtsanwalt kontaktieren ..

Am Mittwoch in der Früh wurden wir zum Flughafen gebracht … im Bus wollte ein tschechischer Journalist auf die Toilette gehen .. keine Chance, sie haben ihn ausgelacht .. im Flugzeug haben sie uns genötigt, zu unterschreiben, dass wir Israel „illegal betreten“ hätten, erst dann wurde mir mein Pass wiedergegeben … ich sah, dass einige Leute nur KOPIEN ihrer Pässe bekommen hatten

Bei unserer Ankunft in Istanbul sagten sie uns, unser Gepäck sei schon angekommen .. ich sah, dass meine Reisetasche versiegelt war und bat einen Flughafenangestellten zu bezeugen, was ich darin finden würde: Die Tasche war voll mit alten Kleidern und Müll .. meine Kamera war nicht da …. Ich ging zur Polizei in Brüssel und meldete, dass ich Opfer eines bewaffneten Überfalls geworden sei, eines Raubüberfallsich habe Ausrüstung im Wert von mehr als 20.000 Euro „verloren“ … das war ein Akt der Piraterie …

Huwaida Arraf,  Mitgründerin des International Solidarity Movements und Vorsitzende von Free  Gaza

… nach etwa 10 bis 15 Minuten haben sie uns mit ihren Booten umzingelt und versuchten das Schiff zu entern  … Wir versuchten, sie mit unseren Körpern aufzuhalten .. wir wiederholten, dass wir unter US-Flagge fahren, wir sind unbewaffnete Zivilisten, kommen Sie nicht an Bord. Sie hatten Masken und Waffen und enterten das Schiff …. Sie warfen Aufschlaggranaten auf das Boot (die Panik auslösen).. sie setzten Elektroschock-Waffen ein und schlugen auf alle ein, die sich ihnen in den Weg stellten … Wir versuchten, sie daran zu hindern, ins Innere des Bootes zu  gelangen … die brachen die Glastüren, um auf die Brücke zu kommen … ein junger, belgischer Teilnehmer wurde blutig geschlagen … um zu verdeutlichen, wie sie uns behandelt haben …

Sie haben mich an den Haaren gezogen, meinen Kopf gegen das Deck geschlagen und sind dann darauf gestiegen, während sie meine Hände hinter dem Rücken gefesselt haben, dann haben sie mir einen Sack über den Kopf gezogen ..” das ist die Gewalt, die sie uns angetan haben .. und dann behaupten sie, sie hätten sich ja nur verteidigen müssen …“

Das ganze Interview gibt es HIER

Ann Wright, pensionierter Colonel der US-Army und ehemalige Diplomatin im State Department; sie legte ihr Amt aus Protest gegen den Irak-Krieg nieder ….

Ich war auch an Bord der Challenger 1, mit Huwaida und ich möchte ihnen ein großes Kompliment machen, für das was sie (Free Gaza)  mit dieser Flotte zustande gebracht haben.

Lassen Sie mich sagen, wie aufregend es war, alle diese Schiffe zu erleben, diese Zivilisten, die jene Regierungen dieser Welt anprangern, die sagen, die Blockade gegen Gaza sei notwendig, und damit die wirtschaftliche Strangulation von 1,5 Millionen Menschen gutheißen …

Ich sah den Angriff auf die Mavi Marmara, die Soldaten, die sich von den Helikoptern abseilten, die Zodiacs von beiden Seiten, die das Schiff umzingelten; der Kapitän  sagte, wir sollten versuchen, zu entkommen, denn wir hatten das schnellste Boot, doch sie holten uns ein … dann haben sie auch unser Schiff geentert …

Die Leute wurden zu Boden geworfen, Fensterglas durch Explosionen zersplittert … Blendgranaten wurden eingesetzt Kate (Geraghty siehe oben) wurde von einem elektrischen Schlag getroffen (ich glaube nicht, dass ein „Taser“ war), eine andere Frau wurde ins Gesicht getroffen, in die Nase, von einer mit einer mit Flüssigkeit gefüllten Kugel; sie waren außerordentlich brutal und gewalttätig, — und übrigens, von wegen sie wollten uns nur stoppen, wir hatten das Schiff bereits gestoppt und trotzdem haben sie all diese Gewalt ausgeübt …

[Auch das Gerede von der angeblichen Gefahr durch versteckte Waffen, gegen die man vorgehen musste,  ist Unsinn] „.. die Schiffe waren ja offen für Inspektionen vor der Abfahrt und ich bin mir sicher, der Mossad (Geheimdienst) hatte seine Spione überall verstreut … diese Leute sind Mitglieder humanitäre Organisationen und bringen dringend notwendige Dinge nach Gaza .. sie wurden ausreichend überprüft ..

Und übrigens, wenn wir von Gewalt sprechen:  (immer geht es nur um die „Raketen der Hamas“) … doch der dreiwöchige Angriff auf Gaza (Ende 2008 -20.Jänner 2009) bei dem 1.400 Menschen getötet wurden, 5.000 verletzt wurden, 50.000 obdachlos wurden .. . ist das kein Thema mehr? Und jetzt, 16 Monate später wird noch immer kein Baumaterial reingelassen ….

Und davon abgesehen, wenn sie trotz allem einen Hilfskonvoi stoppen wollen, eine Schiffsflotte, dann gibt es immer Möglichkeiten, dass so zu machen, dass niemand getötet wird. Man kann große Schiffe zum Abdrehen zwingen, usw. ganz zu schweigen von so kleinen Booten wie unser 10m Boot.

Man braucht doch kein Überfallkommando, das bei Nacht und Nebel, mit exzessiver Gewalt, die Leute terrorisiert

Es gibt doch auch andere Wege, wenn man sich noch Werte wie Menschlichkeit, Anstand und die Einhaltung internationaler Rechtsvorschriften erhalten will …

.. und noch dazu in internationalen Gewässern, also wirklich, sie sind Piraten .. sie entführen Menschen, stehlen ihre Sachen. Sie haben wahrscheinlich Ausrüstung im Wert von mehr als einer Million Dollar gestohlen …

Ich bin derzeit in Istanbul … ja, Gepäckstücke sind angekommen, aber es nichts von unseren Sachen darin …. Sie haben alles an sich genommen. Sie haben es gestohlen. Man sollte auf dem Schwarzmarkt in Israel nachsehen, irgendwer verdient sich eine goldene Nase mit dieser Nummer …

...als wir zum Flughafen gebracht wurden,

„..ich habe noch nie in meinem Leben, angeblich professionelle Vollzugsorgane gesehen, die andere Menschen so herabwürdigend behandelt haben … sie haben gelacht, sich lustig gemacht, geschmacklose Kommentare über die Verletzten und Getöteten .. es war erbärmlich, eine widerliche Vorstellung dieser Truppe ….“

Und ich denke, was wir, als Ausländer dort gesehen haben, ist nur die Spitze des Eisberges dessen, was die Palästinenser jeden Tag erdulden müssen …

„Sie waren darauf  eingestellt und vorbereitet,  unschuldige Zivilisten zu töten.“

Mehr Info: Institute for Middle East Understanding

Zum Abschluss noch mal Huwaida Arraf:

„Es gab keinen Grund uns anzugreifen, sie wussten genau, dass wir keine Bedrohung für sie darstellten.

… Wir waren unbewaffnete Zivilisten. Sie wussten, dass das Schiff und die Ladung vor der Abfahrt gründlich untersucht worden waren (inklusive Bodyscanner für die Personen, die an Bord gingen)

…Wir sagten ihnen, dass wir bereit seien, zusätzliche Inspektionen zuzulassen, etwa von der UN oder vom Internationalen Roten Kreuz. Wir haben nichts verschwiegen und nichts versteckt.

Deshalb gab es absolut keine Rechtfertigung für diese brutale Gewaltanwendung gegen uns.  Man muss sich dass einmal klarmachen, bewaffnete Überfallkommandos mitten in der Nacht auf zivile Schiffe loszulassen, die nur Hilfsgüter für Gaza liefern wollen …

Und jetzt tun sie so großmütig, sie hätten doch die Ladung selbst verteilt, wenn wir  uns gebeugt und in Ashdod angelegt hätten, damit sie die Ladung inspizieren konnten … Aber das ist doch absurd! Denn genau diese Dinge haben sie seit drei Jahren EBEN NICHT nach Gaza hinein gelassen! Dinge wie Wasserfilter, Bücher und Hefte für Schulen, Baumaterial, Fertigteile für Häuser, usw.

Sie lassen gerade nur soviel hinein, dass die Menschen nicht verhungern, nicht völlig zugrunde gehen, aber ihr Dasein ist so furchtbar, so hoffnungslos, das ist doch kein Leben mehr! 80% der Menschen sind auf Almosen angewiesen, auf Lebensmittelspenden von der UN! Die Wirtschaft liegt am Boden, die Felder sind weitgehend zerstört [bei Operation Cast Lead wurden auch mehr als 100.ooo Hühner getötet, Fleisch ist absoluter Luxus …]

Wir wollen diesen Teufelskreis nicht perpetuieren … Diese unmenschliche Politik muss aufhören! Es genügt nicht, „Hilfsgüter“ zu bringen, die Menschen brauchen Freiheit, Selbstbestimmung, Zugang zur Außenwelt, damit sie importieren und exportieren können, eine Wirtschaft aufbauen können.

Damit sie ein Leben in Würde führen können und nicht mehr zu  Almosenempfängern degradiert werden

WICHTIGER BACKGROUND UND KONTEXT:

(Bitte klicken Sie auf die Bilder)

Noam Chomsky über die „wahre Gefahr“ der Gaza Flotte …

Berichte von Human Rights Watch über die Situation in Gaza:

http://hrw.org/en/news/2009/01/12/deprived-and-endangered-humanitarian-crisis-gaza-strip

Berichte der UN (OCHA):

http://www.ochaopt.org/gazacrisis/index.php?section=3

Was die Besatzung und die „Siedlungen“ in der West Bank bedeuten : Terror – jeden Tag …

http://www.ochaopt.org/documents

<<< B’TSELEM  Berichte


Was ehemalige israelische Soldaten über die „moralischste Armee der Welt“ sagen  (die Ermunterung zur Brutalität und Unmenschlichkeit kommt von „ganz oben“, … die Aberkennung der Menschenwürde der „Arabushim“   erinnert uns an die dunkelsten Tage in Nazi-Deutschland  ..) :

„Das Brennende Gewissen“ ….


Was die Besatzung wirklich bedeutet (DAUERTERROR – hier ist das Wort wirklich angebracht) , was man den Palästinensern seit Jahrzehnten angetan hat, aber hier nie erwähnt wird, die völlige Isolierung aus dem historischen Kontext, Gewalt existiert im Vakuum, „Terror, Terror, Terror = Hamas, Hisbollah, Iran- die Bösen, gegen die wir uns doch wehren müssen … die uns alle  vernichten wollen…

Dieser Idioten- und Papageienjournalismus wird uns täglich präsentiert ….

… aber noch haben wir die Fähigkeit, selbständig zu denken (und die historischen Fakten zu überprüfen) nicht verloren …. oder?




Mörder Ohne Grenzen (2): Psychoterror

Israel: National Identity?

Sie haben überall Gewalt angewendet, nicht nur auf der Mavi Marmara. Zu behaupten, die Todesfälle auf der  Mavi Marmara und die massive Gewalt gegen die Passagiere, sei das Resultat des Empfangs, den man ihnen dort bereitet hat, ist eine absolute Lüge.“

Alex Harrisson, britische Staatsbürgerin, Aktivistin für „Free Gaza“

war nicht an Bord der Mavi Marmara, sondern auf einem der kleinen Schiffe, (Samoud) sagte aus, dass sie Witwe des ermordeten Çetin Topçuoglu ….  ohne jedes Mitgefühl behandelt wurde, ohne Rücksicht auf ihre Trauer; sie wurde von ihrem Mann getrennt, gefesselt, in eine Zelle gebracht, wie alle anderen. Am zweiten Tag zeigte man ihr ein Bild ihres getöteten Mannes, sie sollte ihn identifizieren.

Sein Gesicht war völlig entstellt, “Ich erkannte ihn nur an seinem Mund“

„Einige der Frauen weigerten sich, das Dokument („illegale Einreise“) zu unterschreiben und protestierten auch gegen die (wirklich illegale) Deportation, weil man ihnen all ihren Besitz  abgenommen  hatte.  Ich wollte auch nicht völlig mittellos in ein anders Land reisen, nur mit meinen Kleidern am Leib und wollte versuchen zu bleiben, um ein Gerichtsverfahren in Israel einzuleiten (die Abschiebung war auch nach israelischem Recht illegal)

Der britische Konsularbeamte sagte, auf die Feststellung, dass Israel sich einen Dreck um internationales Recht scherte, lapidar „ …Ja, ich weiß, aber sie machen es eben so“

„Die Rohheit und Unmenschlichkeit, die sie an den Tag legten, geht mir nicht aus dem Kopf“.

Die 15 Frauen wurden zuerst für sechs Stunden in einen Gefängniswagen (Metallgehäuse, damit es schön heiß wurde) gesperrt, ohne Wasser und Toiletten. Dann brachte man sie  in eine Art eingezäunten „Laufstall“, wo sie von Soldaten weiter gedemütigt wurden (sie machten gegen ihren Willen Fotos, sexistische Zurufe, hämisches Gelächter, Pfiffe, etc.). Zweimal kamen Soldaten herein und begannen die Frauen zu schlagen (ohne Provokation).

Wir konnten sehen wie kleine Gruppen von Männern hereingeführt wurden, von denen mindestens drei völlig verprügelt wurden (einer davon war Kevin O’Keefe – siehe Teil 1) Einer wurde so schwer verletzt, dass er nicht fliegen konnte.

Aber das traurigste und unmenschlichste was ich dort sah, waren die verletzten Türken, die zum Flugzeug gehen wollten.

Sie hatten immer noch die blutverschmierten Sachen an, die sie auf der Mavi Marmara getragen hatten.  Die Israelis haben ihnen nicht erlaubt zu duschen, oder ihnen frische Kleidung gegeben.

Ich sah, dass viele von Ihnen bandagierte Füße hatten und fragte warum. Sie antworteten, man habe vom Helikopter aus auf ihre Füße gezielt, deshalb hatten sie alle Schmerzen beim Gehen, konnten nicht auftreten. Doch man gab ihnen keinerlei Gehhilfe, Krücken oder Rollstühle, nichts. Und als andere versuchten, ihnen zu helfen, sie zu stützen, ihnen den Arm anboten, wurden sie weggezogen, angeschrieen und geschlagen.

Man ließ die Türken mit ihren Fußverletzungen auf einem Bein zum Flugzeug hüpfen … das war pure Demütigung.

Aber was wir erlebten, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was den Palästinensern jeden Tag angetan wird … wird dürfen nicht aufhören, Druck auf unsere Regierungen zu machen ….wir müssen laut und ständig für Sanktionen gegen Israel lobbyieren .. sie müssen die diplomatischen Beziehungen zu Israel auf Eis legen, die Blockade stoppen, mit Gaza Handel treiben

Hier geht es nicht um „Hilfsgüter“. Gaza ist keine Naturkatastrophe. Hier geht es um Menschenrechte. Freiheit. Würde.


Das Märchen, dass die Gewaltexzesse auf der Mavi Marmara von den Aktivisten ausgingen ist an sich schon durch die vielen übereinstimmenden Zeugenaussagen widerlegt. Doch auch die Berichte von den anderen Booten bestätigen, dass die israelische Darstellung eine unverschämte Lüge ist:

Griechische Aktivisten sagten nach ihrer Ankunft in Athen, die israelischen Soldaten hätten jeden brutal geschlagen, der versucht hatte, Widerstand zu leisten. „Sie hatten Gummigeschosse, Tränengas, Elektroschock-Waffen um die Passagiere einzuschüchtern und kleinzukriegen.“

Die vier Griechen gaben an, dass alle, die sich weigerten, das vorgelegte Dokument zu unterschreiben (illegale Einreise und Deportation), geschlagen wurden. (deckt sich mit der Aussage von Alex) Als sie zu zittern begannen, erhielten sie Injektionen. Dann wurden sie wieder geschlagen … Dann haben sie uns in Zellen gebracht, ohne Fenster, ohne Licht für 24 Stunden … totale Isolation ..

Ahmed Brahimi,  koordinierte die Flotten- Teilnehmer aus Algerien;

„Sie haben uns gedemütigt. Wir waren unbewaffnet, wir wollten nicht  kämpfen.”

„Wir haben gerade unsere Morgengebete gesprochen, als die Israelis den ersten Versuch machten, das Schiff zu entern. Wir holten uns Holzstecken und was wir sonst noch an Bord finden konnten, um uns zu verteidigen…. Sie haben uns die  Mobiltelefone abgenommen, haben uns nicht erlaubt, die Toilette zu benutzen, unsere Hände waren gefesselt und einige mussten auf dem Bauch liegen.

Sie sagten uns, wir müssten ein Dokument unterschreiben, das wir nicht verstanden, doch wir haben uns geweigert, weil wir Hebräisch nicht verstehen und weil wir Israel nicht anerkennen!

Paveen Yaqub, 39, eine pakistanisch-englische Aktivistin aus Yorkshire

„Sie waren brutal und emotionslos, während wir zusammen getrieben und gefesselt wurden und haben die ganze Zeit Maschinengewehre auf uns gerichtet, mit dem Finger am Abzug. Als ich versuchte, ihnen klar zu machen, dass wir Hilfe für die Verletzten brauchen, haben sie nur gelacht.“

„Bei der Ankunft in Ashdod jubelten die dort versammelten Leute, als ob es einen Grund zum Feiern gäbe.  Sie haben uns vorbei getrieben, wie eine Herde. Es war so bizarr, wir fühlten uns wie Tiere im Zoo.“

(N.B: Die Genfer Konvention verbietet das „Vorführen“ von Gefangenen als erniedrigende Prozedur)

Als sie sich weigerte, ein Dokument zu unterschreiben, das sie nicht verstand, wurde sie sechs  Stunden lang in einem Gefängniswagen eingesperrt, ohne Wasser und Nahrung, ohne Toilette.  (bestätigt Aussagen von Alex Harrisson)

Wenn ich gehen musste, „haben Sie  gegen meine Beine getreten, damit ich hinfalle und sich über mich lustig gemacht. Manche wollten Fotos von dieser Demütigung machen, eine Art „Trophäe“ für die Polizisten. Sie haben mich auch durchsucht (body search), aber darüber möchte ich nicht sprechen. Sie hatten Spaß daran, uns zu demütigen.“

„Es war ein Albtraum. Sie haben uns (psychisch) terrorisiert, während wir festgehalten wurden. Ich habe seit Tagen nicht geschlafen. Ich musste einen Hungerstreik anfangen, damit ich telefonieren durfte.“

„Mir wurde klar – wenn selbst internationale Hilfsorganisationen so erniedrigend behandelt werden, was müssen dann erst die Palästinenser erleiden, die ständig solchen Repressalien ausgesetzt sind?“

Paveen sagt, sie will trotz der schockierenden Erlebnisse wieder an einem Konvoi teilnehmen. … „Das große Problem ist, nur wenig Leute wissen, was dort wirklich los ist.“

Sarah Colborne, leitende Direktorin der Palestine Solidarity Campaign

„Der Angriff war ein Akt der Piraterie und ein Massaker. Ich sah, wie ein Mann von einem Soldaten erschossen wurde (durch Kopfschuss) .“

Als ich auf das oberste Deck kam, sah ich die Dinghies der Israelis, voll gestopft mit Waffen. Ich konnte nicht einmal zählen, wie viele Boote es waren.  Schiffe, Helikopter, Schüsse … es war einfach ein Horror.

Sie haben unser gesamtes Equipment konfisziert, unsere Handies, die Kameras, alles, damit die Welt nicht erfährt, was wirklich passiert ist.“

Hier ist das ganze Interview

Jamal El Shayyal, britischer Staatsbürger und Al Jazeera Reporter

Die Pressefreiheit wurde, ganz zu schweigen von der Verletzung anderer zivilen Rechte, bei dem Überfall auf die Schiffe ebenfalls mit Füßen getreten. „

„Jeder, der die barbarischen Methoden und die kriminelle Politik Israels kritisiert oder dagegen Widerstand leistet, wird mit totaler Verachtung  behandelt.“

Shamal sagte aus, dass ihm die Organisatoren der IHH uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen des Schiffes ermöglicht hatten ( „I was able to inspect every cm of the ship“) und dass er alles gefilmt hat. Es gab keine Waffen. Er hatte vorher noch darüber Witze gemacht, dass die „gefährlichsten“ Dinge an Bord, Obst und Gemüse seien (Dinge, die man werfen kann, z.B. Kohlköpfe, etc.)

„Der Kapitän hatte vorher sogar angeordnet, den Kurs zu ändern – weiter weg von der Küste, in internationalen Gewässern, um jede Konfrontation in der Nacht zu vermeiden. … Dann sahen wir die großen Schlauchboote („Zodiacs“) an beiden Seiten des Schiffes … zwei Helikopter tauchten über uns auf (ohne Licht) … einer davon versuchte die Satellitenschüssel zu zerstören …(was auch gelang)

Dann kam der Schuss vom Helikopter –  .. ein türkischer Aktivist, [Cevdet Kiliçlar ] der filmte, wurde von oben am Kopf getroffen … das passierte noch bevor ein einziger Soldat an Bord gekommen war ein anderer Türke zog sein weißes T-Shirt aus und hielt es als Weiße Flagge hoch, ein klares Zeichen der Kapitulation .. aber sie feuerten weiter Schüsse auf unsere Leute … dann hielten wir ein Schild hoch, auf dem in Hebräisch stand, dass wir uns ergeben … wieder kein Effekt …

Es waren surreale Szenen —  Schock, Horror, überall Blut, Angst und Chaos … Die Ärzte hatten alle Hände voll zu tun (waren auf solche schweren Wunden nicht eingestellt);

Hanin Zouabi, die arabische Abgeordnete der Knesset, versuchte, Hilfe zu bekommen: Sie sagte zu ihnen  in drei Sprachen (Hebräisch / Arabisch / Englisch) Bitte Helfen Sie uns!, Wir haben Schwerverletzte und brauchen medizinische Hilfe!

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…  das ist die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ …

HANIN ZOUABI erhielt MORDDROHUNGEN I in Israel und wurde im Parlament, der  KNESSET beschimpft („terroristin!“) und eingeschüchtert;  ihre Privilegien  als Parlamentarier teilweise aberkannt

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(Fortsetzung der Zeugenaussagen):

Keine Reaktion.  Dann nahm sie ein Stück Karton und schrieb darauf: BITTE HELFEN SIE UNS! …dann sahen wir den roten Laser-punkt auf ihrer Stirn [Zielmarkierer der Waffen, die das Überfallkommando benutzte, auf dem Video im vorhergehenden Beitrag zu erkennen] ..

Inzwischen starb einer der Verletzten. Hanan versuchte weiter, medizinische Hilfe zu bekommen … aber sie waren taub für unsere Verzweiflung … die Türken starben innerhalb von drei Stunden … sie sind verblutet wir hatten ja keine Ausrüstung für Transfusionen…. Man hat sie  quasi zweimal umgebracht: zuerst durch die Schussverletzung und dann durch unterlassene Hilfeleistung …

Schließlich haben sie erlaubt, die Verletzten zu evakuieren,  (etwa 40) doch ca. 15 waren so schwer verletzt, dass sie nicht gehen konnten, sie konnten nur liegend transportiert werden und auch dass nur mit größter Vorsicht…aber sie weigerten sich, uns Tragen zu geben … man hat ihnen die Infusionsschläuche herausgerissen und sie wie Kartoffelsäcke behandelt … einige haben geschrieen … es war furchtbar“

Nachdem die Verletzten weggebracht wurden, durften wir an Deck gehen; sie haben (Hände hinter dem Rücken) gefesselt; wir mussten stundenlang auf dem Boden kniendurften nicht miteinander sprechen, nicht auf die Toilette gehen … währenddessen haben sie unten alles durchwühlt, Hunde eingesetzt, es war eine einzige Verwüstung …

Ein Palästinenser war an Bord, um zu seiner Familie zurückzukehren: er hatte Gaza verlassen, um medizinische Behandlung für seine krebskranke Frau zu organisieren, durfte dann aber nicht mehr zurückkehren …er hatte Diabetes und musste zur Toilette, doch sie verboten es und lachten … er musste (wie viele andere)  in die Hose machen ….

Ein Aktivist aus Malaysia flehte sie an, seine Handfesseln etwas zu lockern, einmal, zweimal, dreimal .. ein Soldat ging zu ihm und zog sie noch fester an, den Schrei werde ich nie vergessen …..

In Ashdod erwartete uns ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to Israel“ … welche Ironie … wir waren immer noch gefesselt .. man sagte uns, wir müssten unterschreiben, dass wir illegal nach Israel eingereist seien und deswegen deportiert werden ….  Ich weigerte mich, denn … um das ganz klar zu machen:

Wir wurden GEKIDNAPPED – nicht „festgenommen“, nicht „verhaftet“, das ganze war illegal

man nahm uns die Pässe ab … ich wurde von den anderen Journalisten abgesondert … Ich durfte keinen Kontakt mit dem Konsulat aufnehmen, kein Telefonat führen, gar nichts  [eine klare Verletzung  ziviler Rechte} ich habe 24 Stunden lang nichts zu essen gehabt, als es dann eine Mahlzeit gab, war die Menge so gering bemessen, dass einige leer ausgingen … ich wurde in eine winzige Zelle gebracht .. Am Dienstag kam eine Gruppe palästinensischer Rechtsanwälte …

Die türkische Regierung machte großen Druck und so sollten die türkischen Teilnehmer als erstes freigelassen werden, doch die IHH Organisatoren weigerten sich, sie wollten erst gehen, wenn ALLE Aktivisten wieder frei waren ….

Am Ben-Gurion Flughafen drückten sie mir einen fremden Pass in die Hand und sagten: „Gratulation! Das ist Dein neuer Pass!“ (DUBAI!) Das ganze war natürlich auch ein Schlag in Gesicht für Großbritannien – sie zeigten ihre völlige Verachtung für internationales Recht und alle, die sich gegen ihre Verbrechen zur Wehr setzen …

Osama Qashoo, Exil- Palästinenser, Filmemacher (seine Familie lebt in der West Bank)

Auch er bestätigt, dass vom Helikopter geschossen wurde, bevor das Boot geentert wurde, (also massive Gewaltanwendung des Überfallkommandos, zwei Schwerverletzte, bzw. Tote,  bevor die Aktivisten sich wehrten – keine Rede von Selbstverteidigung).

„Ich sah unseren türkischen Webmaster, Cevdet Kiliçlar (38) der filmte, als er plötzlich zusammensackte. Ich wollte ihn wegbringen, zur medizinischen Ambulanz, .. plötzlich spürte ich etwas warmes in meiner Hand … es war sein Gehirn … alles war voller Blut, Chaos, Entsetzen, ein Wahnsinn …“

Die Kugeln kamen von überall (anfangs dachte man, es seien nur „Gummigeschoße“ (Metallkern mit Gummimantel), doch es war scharfe Munition …Kurze Zeit später gab es einen zweiten Türken, der angeschossen wurde und bald starb , Ali Haydar Bengi (39) …

Später baten wir um Tragen für die Schwerverletzten, doch sie weigerten sich, uns welche zu geben …einer schrie vor Schmerzen, als sie ihn wegbrachten ….

… Sie haben alles gefilmt … (unsere Kameras, Handies, etc. wurden uns abgenommen)

(Später, nachdem die Verletzten evakuiert waren) „… ein 84-jähriger Mann musste auf die Toilette, er bettelte … sie sagten ihm, er sollte sich doch anpinkeln, der alte Mann saß dann in seinem eigenen Urin,  … ich konnte diese Demütigung nicht ertragen und rastete aus … schrie sie an

.. dann haben sie zwei meiner Finger miteinander verhakt (einen von jeder Hand) und dann die Hände gefesselt, ich habe so etwas noch nie gesehen (vier meiner Finger sind seitdem gefühllos) … dann musste ich mich hinknien …vorher haben sie zwei Metallrohre unter meine Beine gelegt .. ich war eine Art lebender „Trolley“, dann setzen sich zwei Soldaten auf mich .. andere kamen, traten mich, spuckten auf mich, schütteten Wasser über meinen Kopf..“

Einer der türkischen Crew  hatte seine Frau und seinen einjährigen Sohn mitgenommen … sie schlugen ihn vor dem Kind, dass dann immer laut zu schreien anfing ….

In Ashdod wurden wir von Typen betreut, die sich „social services“ nannten (!) … auf Fragen, antworteten sie, wie Roboter: „..wir haben das Recht, uns zu verteidigen …“

(Originalaussagen in Englisch: siehe HIER)

Um die Pathologie des Zionismus zu erfassen, und den wahnsinnigen Staat, („lunatic state“, Norman Finkelstein) den er hervorgebracht hat, hilft ein Zitat von Golda Meir :

“ I will never forgive the Arabs for forcing us to kill them“

In diesem Fall würde sie, das Wort „Araber“ durch „Türken“ oder „Aktivisten“ ersetzen …

Wer begreifen will, wie gefährlich der Zionismus ist, und wie künstlich  die “ nationale Identität“ Israels ist, dem sei dieses Buch empfohlen:

(Klicken Sie auf das Bild, um den Autor zu hören)

Wie lange schaut die Welt noch tatenlos zu, wie dieser Schurkenstaat systematischVerbrechen begeht und sich für immer und ewig hinter dem Schutzschild des Holocaust versteckt?  Haben nicht gerade die Europäer, besonders die Deutschen eine moralische Verpflichtung, den Entrechteten und Gedemütigten zu helfen,  nicht die Unterdrücker und Mörder durch Stillschweigen zu decken?

Was für eine erbärmliche Rolle spielen unsere Journalisten in dieser Farce?

Die Türkei darf nicht in die EU wegen „Demokratiedefiziten“ – aber  Israel ist ein bevorzugter Handelspartner, soll das ein Witz sein?

Fortsetzung folgt ….

Mörder Ohne Grenzen

Was passierte auf der MAVI MARMARA?

Die PR-Maschinerie Israels läuft auf Hochtouren und soll verhindern, dass die „Zuschauer“ noch selbständig denken können. Aus Angreifern und Mördern werden Opfer, die sich – wie immer – nur gegen böse „Terroristen“ verteidigen müssen. Eigentlich wäre es eine lächerliche Farce, wenn es nicht neun Tote und -zig Verletzte gäbe und ein Mantel des Schweigens von den Medien über die systematischen Lügen Israels gelegt würde.

Ein Vergleich der – in weiten Teilen übereinstimmenden – Zeugenaussagen zeigt, dass sie die Wahrheit sagen und das ungeschnittene Video (siehe ganz unten)  bringt den endgültigen Beweis dafür. Ganz zu schweigen davon, dass die israelische Regierung bzw. die IDF (israelisches Militär)  NULL Glaubwürdigkeit hat, wenn man die historischen Fakten kennt.

Hier ist der erste Teil der relevanten Zeugenaussagen:

Das war absolut KEIN Akt der Selbstverteidigung. Es war ein Angriff in internationalen Gewässern, auf eine friedliche Mission und ein klarer  Akt der Piraterie“. Wir wollten zeigen, dass wir friedlich sind, hatten keine Waffen … und außerdem wussten wir ja, das wir gegen solche Einheiten keine Chance hätten.“

Norman Paech, Die Linke

„Wir fühlten uns wie in einem Krieg, wie bei einem Kidnapping.“ Wir wollten Hilfsgüter bringen und niemand hatte eine Waffe“.

Inge Hoeger und Annette Groth, MDB für Die Linke

Mattias Gardell , Professor für vergleichende Religionswissenschaften an der Universität Uppsala in Schweden

“Wir waren Zeugen vorsätzlich geplanter  Morde”

Die Soldaten kamen mit scharfen Waffen an Bord, die  mit Laser-Zielmarkern ausgestattet waren und es wurden mindestens vier Menschen durch gezielte Exekutionen getötet.

Das war ein militärischer Angriff auf eine humanitäre Hilfsaktion weit draußen in internationalen Gewässern. Es war eine sehr überraschende und aggressive Überreaktion Israels. …Wenn sie von einem Überfallkommando attackiert werden, haben Sie natürlich das Recht, sich zu verteidigen. Es ist doch nicht so, dass Israel eine Art Superpolizist ist, gegen den sich kein menschliches Wesen verteidigen darf … Viele Leute auf diesem Schiff  hatten sehr große Angst,  befürchteten,  sie könnten uns alle umbringen … Sollten wir nur da sitzen quasi  nach dem Motto: schießen Sie nur ….

Kevin Ovenden,  UK, für Viva Palestina (Auszüge aus Interviews)

„Zuerst warfen sie Handgranaten mit Aufschlagzündern (explodieren beim Aufprall), die schwere Verletzungen hervorrufen, wenn Menschen in der Nähe sind. Mitten in der Nacht auf einem Boot mit über 500 Leuten durch diese Granaten Panik zu provozieren, ist an sich schon skandalös. Dann kamen die „Zodiacs“, militärische Schlauchboote an unsere Seite, mit  schwer bewaffneten Spezialkommandos [staatlich trainierte Mörder in Uniform], so wie sie oft in den amerikanischen Filmen verherrlicht werden

Ein Helikopter bezog Stellung über dem Schiff und Soldaten wurden abgeseilt. Inzwischen gab es natürlich große Aufruhr auf dem Schiff. Viele versuchten, mit ihrem Körper die Enterung des Schiffes zu verhindern, sie wegzuschieben, den Weg zu blockieren, etc.

Zwei Soldaten wurden so bedrängt, dass sie vom Oberdeck auf das darunter liegende fielen. Es hatte bereits Schüsse gegeben und wir dachten, es seien mit Gummi ummantelte Stahlkugeln, die allerdings auch tödlich sein können. Unmittelbar darauf hörten wir aber das eindeutige Geräusch von scharfer Munition, aber nicht wild drauflos, sondern gezielt von beiden Seiten (der Zodiacs, die das Schiff umgaben).

Nicci Enchmarch (Fotografin, für Viva Palästina) stand direkt neben einem türkischen Journalisten, als er mit einem gezielten Schuss in die Stirn getötet wurde. Die Schlagkraft war so groß, dass ein Drittel des Hinterkopfes samt Gehirnmasse herausgerissen wurde …

Nachdem sie das Schiff unter ihre Kontrolle gebracht hatten und die Leute brutal zusammen getrieben wurden, haben sie alles auf den Kopf gestellt, um nach “Waffen” zu suchen. Dann wurde das Ergebnis präsentiert: sie haben alle Küchenmesser geholt, andere Objekte, die Teil der normalen Schiffsausrüstung sind, usw. Die wurden aber garantiert nicht als Waffen benutzt. Der Beweis dafür sind ja die beiden israelischen Soldaten, die entwaffnet wurden. Sie wurden zwar dabei leicht verletzt, (sie konnten noch gehen) aber medizinisch versorgt und dann an ihre Einheit übergeben. Man hat sie sogar „bewacht“, damit niemand, seine Empörung und Wut über den Angriff an ihnen auslassen konnte.

Die Gewaltbilanz ist ganz eindeutig, egal auf welchen Hochtouren die israelische Lügenmaschine läuft: neun getötete Aktivisten (30 Schüsse!), und zwei, drei israelische Soldaten, die eins auf die Nase gekriegt haben, um sie zu entwaffnen. (siehe dazu die Aussagen von Ex-Marine Kevin O’Keefe weiter unten)

Unsere Leute wurden an verschiedenen Stellen an Deck getötet. Der Angriff dauerte etwa eine halbe Stunde. Dann wurde über Lautsprecher verkündet, dass wir in der Gewalt der Soldaten sind. Der Captain sagte, wir sollten keinen Widerstand leisten. Viele dachten, sie könnten einfach durch ihre körperliche Präsenz die Übernahme hinauszögern bzw. das Leben der anderen Passagiere schützen. Was würde passieren, wenn sie ins Innere des Schiffes vordrängen? Wir gingen also dann zu den Schlafräumen und die Israelis verteilten sich auf den Gängen und besetzten die Brücke, den Maschinenraum, etc.

Über den Lautsprecher baten wir die Soldaten um Hilfe für die vielen Verletzten und Hanin Souabi, arabische Knesset-Abgeordnete, die fließend Hebräisch spricht, zeigte Ihnen ein Schild mit der Bitte um medizinische Hilfe, weil unsere Ambulanz für solche schweren Wunden und so viele Verwundete nicht ausgerüstet war. Außerdem waren immer noch einige Opfer auf Deck, wir konnten sie in all dem Chaos nicht bergen, wir wussten damals auch noch nicht, wie viele es wirklich waren.

Die Antwort kam prompt: Geh zurück oder wir schießen! Das galt für jeden, der versuchte, mit den Israelis Kontakt aufzunehmen.

Währenddessen verbluteten die Schwerverletzten, die mehrere Schusswunden hatten

Erst nach mehr als einer Stunde wurde uns gestattet, die Verletzten (bzw. Toten) zu evakuieren. Danach wurden wird mit einer Mischung aus Verachtung, Demütigung und bewusster  Erniedrigung behandelt. Selbst vor den Verwundeten zeigten die Israelis keinen Funken Menschlichkeit: wir übergaben sie auf Tragen, mit Bauchschüssen und schweren Beinverletzungen. Doch die Soldaten haben sie wie einen Sack Kartoffeln behandelt und nach oben befördert. Wir schickten erfahrene Sanitäter mit, doch sie wurden gefilzt, gefesselt und daran gehindert, die Verletzten zu begleiten.

Wir durften nicht nach oben gehen, wo die meisten der Verletzten waren. Daher dauerte es einige Zeit, bis wir wussten, was los war. Es sind immer noch zwei Verletzte in kritischem Zustand (in Israel) und sechs in einem Krankenhaus in Ankara. Es kann daher durchaus sein, dass es noch mehr Tote geben wird.

Nachdem das Schiff gestoppt war und die Verwundeten weggebracht worden waren, wurden wir einer nach dem anderen an Deck gebracht, gründlich durchsucht und  dann wurde uns so gut wie alles abgenommen (einige mussten ihre Pässe abgeben). Dann wurden wir mit Plastikbändern, die Hände auf dem Rücken, gefesselt. (nur Journalisten und MPs waren von den Handfesseln ausgenommen) und auf den Decks verteilt. Viele mussten in Stresspositionen sitzen und wir durften nicht sprechen. Wer etwas fragte, wurde niedergedrückt. [wer auf die Toilette wollte, musste darum betteln und auch das nur mit gefesselten Händen] Jeder, der versuchte aufzustehen, wurde mit dem Gewehr vor der Nase zu Boden geworfen, es waren all diese demütigenden, „counter-insurgency“ Taktiken, die man aus dem Irakkrieg oder aus Afghanistan kennt – wo „anti-terror“ Einheiten die Bevölkerung einschüchtern, damit sie keinen Widerstand mehr leisten ….

Ich sah einen Engländer, der auf den Knien sitzen musste, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, der dreimal ins Gesicht geschlagen wurde. Drei palästinensische Männer wurden die Augen verbunden, dann wurden sie so getreten, dass sie, gefesselt zu Boden fielen.

Sheikh Raed Salam—der Führer der islamischen Bewegung, aus Jerusalem wurde massiv eingeschüchtert, hat aber immer die Haltung bewahrt.

Die ganze Atmosphäre war so bedrohlich, dass man berechtigte Angst haben musste, jemand könnte erschossen werden, obwohl er gefesselt war. In Ashdod wurden wir verhört und dabei wurden Methoden der Demütigung, Erniedrigung und Einschüchterung praktiziert. Doch man sagte uns, wir würden eben nur deportiert werden und nach der behördlichen „Erfassung“ würde man unsere beschlagnahmten Sachen wieder zurückgeben. Danach wurden wir aber in Gefängnisfahrzeuge geführt, nicht „gleich zum Flughafen gebracht“, wie man uns versprochen hatte.

Das war alles ein Spiel mit unseren Nerven, um uns Angst zu machen. Schließlich wurden wir in eine, eigens für diesen Zweck eingerichtete Gefängnisanlage in der Negev Wüste gebracht. Ich kam in der Nacht von Sonntag auf Montag dort an und wurde am Mittwoch, den 2.Juni wieder freigelassen.

Die Behandlung war völlig inakzeptabel. Wir wurden völlig isoliert (kein Anruf, kein Kontakt zum Konsulat, keine Kommunikation für 48 Stunden) Es gab kaum etwas zu essen, erst am Dienstag Nachmittag gab es  eine Mahlzeit, als die Diplomaten uns besuchen durften. Die Beamten des Konsulates wurden auch entwürdigend behandelt: ich geben ein Beispiel: der Vertreter der Britischen Botschaft wollte ein privates Gespräch durch eine Gefängnistür führen – wir durften uns nicht Angesicht zu Angesicht treffen – mit zwei britischen Staatsbürgern. Der Aufseher weigerte sich, der Aufforderung nachzukommen.

Als man ihm mit Nachdruck sagte, er solle hinausgehen, holte er zwei andere Aufseher. Als ihm der Diplomat erklärte, dass nach allen internationalen Verträgen und anzuwendenden Gesetzen, ein privates Gespräch mit dem Festgehaltenen ermöglicht werden müsse, antwortete der israelische Aufseher:

Go to your international tribunals, go to your law, we don’t care.“

In gewisse Weise hatte der Mann ja recht: seit Jahrzehnten wissen israelische Regierungsvertreter, dass auf die großen Worte der Diplomaten eben keine Taten folgen: Israel kann machen, was es will ….

Erst durch diesen Kontakt erfuhr ich, was eigentlich passiert war und dass viele Regierungen den Angriff verurteilten und eine Untersuchung fordern. Als wir – im rollenden Gefängnis – zum Flughafen gebracht wurden, sahen wir durch die Fenster die Gesichter der Israelischen Polizei, des Militärs und der Zivilbevölkerung. Ich hatte mich auf Spott und gehässige Bemerkungen eingestellt, aber was ich sah, waren hasserfüllte Blicke und aggressive Gesten. Die Erklärung dafür suchte ich darin, dass das Ansehen Israels trotz „erfolgreicher Operation“ sehr gelitten hatte.

Eines ist sicher. Das war ein gezielter Versuch, Angst zu erzeugen, also um ein politisches Ziel zu erreichen. Das ist die Definition von Terrorismus schlechthin. Wie aus dem Wörterbuch: echter Terrorismus, Staatsterrorismus durch Israel.“

Die vollständigen Interviews gibt es HIER (Englisch) und HIER

KEVIN NEISH, Kanada für  Coalition Against Israeli Apartheid

Bestätigt die Aussagen von Kevin Ogenden:

„Ich hatte gerade ein wenig geschlafen, als ich den Lärm von Granaten und Tränengas hörte, die auf unser Schiff nieder regneten und die Leute in Aufruhr versetzen. Ich war noch im Inneren des Schiffs. Durch das Fenster sah ich das ganze Chaos. … Ich ging dann ganz nach oben, um zu sehen, was dort los war. Ich sah, wie sie (Aktivisten) zwei israelische Soldaten überwältigten, ihnen die Waffen abnahmen und sie dann die Treppe runter stießen … und dann die Verwundeten  und die Toten … die Treppe war voller Blut auf einer Seite, Blut spritzte auf meine Kleidung…

Ich war auf dem hinteren Deck No.2 als der Kapitän über Lautsprecher durchsagte, dass wir das Schiff verloren hatten …sie hatten die Brücke übernommen.. das ganze dauerte etwa eine halbe Stunde, wurde mir später gesagt …

Wir sind alle auf unsere üblichen Plätze gegangen, wo wir ansonsten saßen oder schliefen und warteten, was die Israelis jetzt tun würden.  Sie waren alle noch draußen, auf dem Achterdeck und beobachteten uns durch die Fenster. Sobald jemand nur versuchte, aufzustehen, tauchten die roten Laserpunkte der Zielmarkierer auf und sie schrien uns an, wir sollten gefälligst sitzen bleiben.

Nachem sie das Schiff unter Kontrolle hatten, wurde ich mit Plastikbändern gefesselt – für 25 Stunden und durfte 15 Stunden lang nicht auf die Toilette gehen. Man musste betteln, vor den Typen zu Kreuze kriechen, damit man  aufs Klo gehen durfte. Ich pinkelte daher – irgendwie – auf den Boden,  Denn wenn man versuchte, ausfzustehen, wurde man bedroht mit Hunden, mit Schlägen oder mit einer Waffe an den Kopf …

Dann haben sie die Toten und die Verletzen weggebracht. Hanin war sehr tapfer. Sie setzte sich dafür ein, dass die verwundeten Türken und Araber, und alle die großen Durst hatten, aus der viel zu kleinen Ambulanz herauskamen. Eigentlich gab es dort nur Platz für zwei Leute, doch jetzt war der Raum völlig überfüllt.  Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, denn ich habe seit vier Tagen nicht geschlafen. Als ich im Gefängnis war, ließen sie mich nicht schlafen.

Ken O’Keefe kam in Ankara mit blutverschmiertem Gesicht und Hämatomen am Kopf an;  

„Die Israelis haben mich am Flughafen verprügelt und letzte Nacht im Detentioncenter in Tel Aviv nochmals. Aber das ist nichts, verglichen mit dem, was andere durchgemacht haben. Die Palästinenser kriegen das jeden Tag ab. Das ist alles, was ich habe. Diese blutigen Kleider, das ist alles, was ich habe.

Der US-Journalist Max Blumenthal schreibt dazu:

“Eine der bizarrsten Anschuldigungen die die IDF gegen den früheren US-Amerikaner erheben, ist, er habe geplant, eine Kommandoeinheit in Gaza zu trainieren. Das ist der gleiche Ken O’Keefe, der eine Schiffverbindung mit Hilfslieferungen für Gaza organisierte Aloha Palestine, gemeinsam mit der Schwägerin Tony Blairs, Lauren Booth.“

Warum sollte die Hamas einen Typen engagieren, der gar keine Erfahrung im Guerillakrieg hat, um ihre Elitetruppen auszubilden?

Das macht doch keinen Sinn. Das ganze ist wohl ein Versuch, einen aufrechten Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit so durch den Dreck zu ziehen, dass von seinem Charakter nichts mehr übrig bleibt.  Wodurch sich Kevin O’Keefe den Zorn der IDF zugezogen hat?  Ihm war es gelungen, die beiden Soldaten auf der Mavi Marmara zu entwaffnen und sein Statement zum Verhalten der „Elite-Einheit“ ist auch eindeutig:

„Alles, was ich sah, waren Feiglinge mit Waffen in der Hand.“

Hier sind Auszüge aus seiner Erklärung dazu:

Als man mich fragte, ob ich im Falle eines Angriffs das Schiff verteidigen würde, sagte ich begeistert, ja. Ich bin ein großer Befürworter der Gewaltfreiheit, sie muss immer die erste Option sein. Trotzdem beteiligte ich mich an der Verteidigung der Mavi Marmara, weil uns ja gar nichts anderes übrigblieb. Ich sagte das direkt zwei israelischen Agenten, wahrscheinlich Mossad oder Shin Bet und ich sage es jetzt wieder.

Am Morgen des Angriffs war ich direkt involviert bei der Entwaffnung zweier Soldaten. Das war eine gewaltsame, nicht diskutierbare Aktion, denn die beiden hatten bereits zwei Brüder ermordet. Einer davon starb durch eine Kugel mitten in die Stirn, eine offensichtliche Exekution. Ich wusste, die Kommandos waren darauf aus, zu töten, als ich ihnen eine 9mm Pistole abnahm.

Ich hatte die Waffe in meiner Hand und als Ex-Marine, der im Umgang mit Waffen ausgebildet wurde, hatte ich es in meiner Macht, diese Mordwaffe auch auf den Soldaten zu richten, der an diesem Verbrechen beteiligt war. Aber wir taten es eben nicht. Ich nahm ihm die Waffe ab, entfernte die Kugeln und versteckte die Waffe. Ich hoffte, wir könnten die Waffe später als Beweis in einem Strafverfahren vorlegen, in dem die Israelischen Behörden wegen vielfachem Mord angeklagt würden.

Ich war auch daran beteiligt, einem anderen Soldaten sein  Sturmgewehr abzunehmen, das dann  jemand ins Meer geworfen hat. Ich und viele andere kennen die Wahrheit, die das angeblich „mutige und moralische israelische Militär“  zum Gespött macht. Wir hatten drei komplett entwaffnete Soldaten in unserer Gewalt. Sie waren unserer Gnade ausgeliefert, im Inneren des Schiffs, umzingelt von mehr als 100 Männern. Sie hatten die Hosen gestrichen voll und glaubten wohl nicht, dass sie den Tag überleben würden.

Doch sie sahen sich eben nicht einem Feind gegenüber, der ebenso skrupellos ist, wie sie selbst. Stattdessen wurden sie verarztet und schließlich freigelassen. Zwar mit Schrammen und blauen Flecken, aber am Leben. Sie konnten noch die Sonne spüren und die Umarmung ihrer Liebsten. Nicht wie jene, die sie ermordet hatten.  Obwohl wir um unsere Brüder trauerten und voller Wut über ihren Tod waren, ließen wir sie gehen.

Die israelischen Propagandahuren können ihren widerlichen Dreck ausspeien so viel sie wollen, die Soldaten sind die Mörder, wir sind die Verteidiger und wir kämpften nicht nur für unsere Mission, nicht nur für die Menschen in Palästina, wir kämpften im Namen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Wir taten das richtige.

Währen ich von den Israelis  [auf dem Schiff] festgehalten wurde, wurde ich auch gedemütigt und beschimpft. Sogar die Frauen und die Alten haben sie physisch und psychisch angegriffen. Man hat uns den Gang zur Toilette ebenso verweigert, wie das Trinken von Wasser, um den Durst zu löschen (Hitze in der Sonne). Hunde wurden nicht nur auf uns gehetzt, wir wurden selbst wie Hunde behandelt.

Wir wurden in Stresspositionen in die volle Sonne gesetzt, mit gefesselten Händen, die so stark einschnürten, dass fast die Durchblutung abgewürgt wurde. Man hat uns ständig angelogen. Wirklich, ich bin sehr beeindruckt von der Routine und Leichtigkeit, mit der sie lügen. Wir wurden auf verschiedenste Weise gedemütigt und ich wurde geschlagen und gewürgt, bis ich fast ohnmächtig wurde. Dann wurde ich, in meiner Zelle wieder geschlagen.”

O’Keefe hat auf seiner Website Zitate, die ihm sehr viel bedeuten, darunter das folgende von Mahatma Ghandi:

I do believe that, where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence…. I would rather have India resort to arms in order to defend her honour than that she should, in a cowardly manner, become or remain a helpless witness to her own dishonour.”

Kevin O’Keefe  war sicher ein Katalysator für den Widerstand der Aktivisten gegen den brutalen Überfall mitten in der Nacht. Das wussten die Israelis genau. Hier wurde gezielt „shock and awe“ ausgeübt, um Gegengewalt zu provozieren und damit die eigene, kriminelle Gewalt  scheinbar zu legitimieren.

Bestätigt werden viele diese Aussagen durch ein Video, dass die New Yorker Filmemacherin und politische Aktivistin  Iara Lee herausschmuggeln konnte Sie ist Leiterin des „Cultures of Resistance“ Netzwerks und war mit drei anderen US-Bürgern an Bord der Mavi Marmara.

Mehr dazu im zweiten Teil der Zeugenaussagen:

We are civilians. Don’t use violence. And we have extremely injured people. We need medical help,“ because we were not prepared medically to take care of, like, dead people. But we were ignored, and a lot of people who were injured actually ended up bleeding to death and died.

Die Türkei im Fadenkreuz


In meinem ersten Beitrag (über den Angriff auf den Schiffskonvoi für Gaza)  habe ich geschrieben, es sei kein Zufall gewesen, dass alle ermordeten Aktivisten Türken (einer mit US-Pass) waren, denn damit habe die israelische Regierung eine klare „Botschaft“ an Ministerpräsident Erdogan gesendet, die an Mafiamethoden erinnern.

Dazu sollte man vielleicht noch etwas mehr Kontext liefern:

Die Türkei wird zwar immer als „Partner“ der USA (NATO) und Israels bezeichnet, doch anscheinend hat Erdogan (bis zum Angriff auf die Mavi Marmara) nicht verstanden, was es heißt, zu diesen siamesischen Terrorzwillingen „gute Beziehungen“ zu haben. Henry Kissinger bemerkte einmal, es sei in gewisser Hinsicht wesentlich gefährlicher ein „Freund“ der USA zu sein, als deren Feind. Precisely.

Erdogan jedoch glaubte offenbar, er könne auch als Verbündeter der „auserwählten“ Pharisäer  gelegentlich auch nach seinen eigenen Prinzipien und Plänen handeln oder gar den Willen des türkischen Volkes respektieren. Im Prinzip geht das ja auch, aber natürlich nur, wenn diese Aktionen mit den „ Interessen“ dieser beiden  Schurkenstaaten kompatibel sind.

Was hat die Türkei also angestellt, dass sie mittels Mafiamethoden (durch neun Leichen)  zur „Vernunft“ gebracht werden muss, also unmissverständlich erfährt, was diese „Partnerschaft“ (mit den USA  und Israel) im Klartext bedeutet:

You are free to do what we want.

Hier eine kleine Auswahl der türkischen „Ungehörigkeiten“:

IRAK-KRIEG

Die türkische Regierung respektiert den Willen der eigenen Bevölkerung und verweigert den US-Truppen, das Land als Basis für Angriffe gegen den Irak zu benutzen. (auf Druck wurde später nur eine Überfluggenehmigung erteilt)

The Bush administration was stunned by the Turkish Parliament’s March 1 decision to deny the United States the use of its territory in the Iraq conflict. The assistance of Turkey, a long-time U.S. ally and NATO member, had been assumed–perhaps too much so, experts say …

Council on Foreign Relations

EKLAT  IN DAVOS (siehe Foto oben)

Im Jänner 2009, also unmittelbar nach dem Ende der „Operation Cast Lead“ die mehr als 1400 Menschen das Leben kostete, darunter hunderte Kinder, kam es beim World Economic Forum zu einem Affront gegen Erdogan:

Bei einer Podiumsdiskussion mit Shimon Peres verließ der türkische Ministerpräsident wütend den Saal, weil man ihm praktisch das Wort nach wenigen Minuten abgeschnitten hatte, nachdem Peres beinah eine halbe Stunde seinen PR-Doublespeak vortragen durfte. Erdogan wurde zensuriert, weil er emotional, aber aufrichtig mit seiner Replik den ansonsten üblichen Rahmen sprengte (vorfabrizierte manipulative Rhetorik, die von PR-Firmen verfasst wurde und nur einen Zweck hat:  das selbständige Denken zu unterbinden, stattdessen nur Einordnen in vorbereitete Denkmuster)

Die Darstellung des SPIEGEL (siehe Link oben) ist übrigens ein Paradebeispiel für meine Kritik im vorhergehenden Beitrag, denn  sie dient wieder nur als Verstärker der israelischen PR, weil der historische und damals aktuelle Kontext (dass ISRAEL, nicht die Hamas den Waffenstillstand brach)  fehlt und weil Erdogan absolut Recht hatte, als er versuchte, zu erklären, wie Israel jedesmal, wenn es echte Friedensbemühungen gab (Türkei vermittelt als ehrlicher Broker zwischen Syrien und Israel, etc.) diese nachweislich durch List und Gewalt sabotiert hat. Doch die Zensur durch Nichterwähnen unerwünschter Fakten funktioniert wunderbar. (mehr Details dazu – siehe  meine früheren Beiträge  zum Thema „Israel“ bzw. „Gaza“).

Erdogans  berechtigte  Kritik wurde vom SPIEGEL als emotionale Entgleisung und peinlicher Auftritt präsentiert, ohne Hintergrundinformationen über die wahren Vorfälle in Gaza. Ein klassisches Beispiel aus dem Israel-Proejct PR-Handbuch (stelle den Charakter des Kritikers in Zweifel, unterstelle ihm verachtenswerte Motive und lenke  damit vom (wahren) Inhalt der Kritik ab. Die Person erhält dadurch in den Medien einen negativen Rahmen, der dann immer weiter verstärkt wird (Kritik und absolut angebrachte Empörung heißen dann nur mehr: „Hetzreden gegen Israel“ ( nben den Klassikern, den semantischen Breitspektrum-Immunisierungswaffen: „antisemitisch“, „anti-israelisch und „anti-amerikanisch“ siehe auch den so geschaffenen„neuen Hitler“ Ahmadinejad)

Erdogan versuchte Zitate aus einem Kommentar von Avi Shlaim vorzulesen, den der britische Guardian kurz vorher veröffentlicht hatte, als man ihm das Wort abschnitt. Shlaim, Professor für Internationale Beziehungen in Oxford, sagte dazu in einem Interview für eine türkische Zeitung:

„[…] Moreover, Turkey is an honest broker. Turkey has very good relations with Israel and with the Arabs. Turkey has a strategic alliance with Israel. It can be an honest broker — unlike America, which has been a dishonest broker. Since 1967 there have been many opportunities to resolve the Arab-Israeli conflict on the basis of UN Resolution 242 and on the principle of land for peace. And yet all peace plans based on 242 were defeated by an axis of Israel and America. America has always been partial and partisan on behalf of Israel.

Übersetzung im telegramm-stil: Die Türkei ist – im Gegensatz zu den USA – ein ehrlicher Vermittler und Israel hatte seit 1967 viele Gelegenheiten, den Konflikt zu beenden. Doch alle Friedensbemühungen auf Basis der UNSC-Resolution 242 wurden von Israel und den USA sabotiert.

(Wie das im Detail ablief, schildert Robert Fisk aus erster Hand,  in seinem großartigen Buch THE GREAT WAR FOR CIVILISATION, das unverzichtbar ist, um die Geschichte des Nahen Ostens zu verstehen .

Erstaunlich: ich konnte keine deutsche Übersetzung finden! Sollen die Deutschen (die nicht so gut Englisch können) davon nichts wissen?

Doch zurück zu Avi Shlaim und seinem Kommentar zu Gaza:

[…] It is high time for Western governments to engage with Hamas. Hamas is described as a terrorist organization, but it is much more than that. It is a political party and a broadly based social movement. It has a military wing which does practice terror, and I denounce terror which uses violence against civilians for political purposes. I denounce every form of terror, whether committed by Hamas or by the state of Israel. Killing civilians is wrong. Period. That applies to everyone. But the important point is that Hamas, despite all its faults, has been democratically elected….“

Es ist also höchste Zeit für westliche Regierungen, Gespräche mit der Hamas zu führen, die immer nur als „Terrororganisation“ gehandelt wird, aber eben auch eine politische Partei [die die freien Wahlen 2006 gewonnen hat] und eine soziale Bewegung ist. Die Ermordung von Zivilisten ist immer ein furchtbares Verbrechen, egal wer der Täter ist (auch wenn es Staaten wie Israel sind).

Genau diesen Kontext hat der SPIEGEL weggelassen. Erdogan hatte Recht, doch seine etwas kryptische Sprache „Kinder, die am Strand  getötet wurden“ ist nur verständlich, wenn man weiß, welche Vorfälle er damit ansprach. (siehe dazu meine Blogbeiträge  zu GAZA).

AFGHANISTAN-KRIEG

Im Dezember 2009 weigerte sich Erdogan, den Wunsch der US-Regierung nach einer Aufstockung der Truppen für Afghanistan, Folge zu leisten.

DIPLOMATISCHES „BLOWBACK“

Bei einem Treffen mit dem türkischen Botschafter im Jänner 2010, wurde sichtbar, wie die israelische Regierung mit Kritikern umgeht:  Ahmet Oguz Celikkol wurde so platziert, dass er deutlich niedriger saß, als der stellvertretende israelische Außenminister Ayalon und zwei weitere Beamte, die auf Stühlen Platz nahmen, während er auf einem kurzbeinigen Sofa sitzen musste.

Am Beginn der Gespräche durften die Pressefotografen Bilder machen und Ayalon rief ihnen auf hebräisch zu, sie sollten auf das bewusst arrangierte Tableau achten: Der türkische Botschafter  sichtbar „erniedrigt“, kein türkische Flagge im Bild und kein Lächeln für die Kameras. Das ganze Setup erfolgte auf Anordnung von Avigdor Lieberman, eine der fiesesten Gestalten, die jemals ein politisches Amt erhalten hat.

Mitarbeiter von Celikkol sagten der Presse später, dass das Treffen in Israel die peinlichste Veranstaltung war, die sie je (in 35 Jahren als Diplomaten) erlebt hatten.

Als Grund für die Einberufung des türkischen Botschafters wurde die Ausstrahlung eines türkischen Fernsehfilms genannt, in der Mitarbeiter des Mossad als brutale Mörder dargestellt wurden (was ist daran unwahr?  Erinnern wir uns noch an Dubai?

Mit dieser inszenierten Demütigung des türkischen Außenministeriums (das der Botschafter im Ausland  ja repräsentiert), wollte Lieberman, (den selbst niemand wirklich als Gast haben will), wohl verdeutlichen, was er mit seiner „aggressive response“ Strategie  meint: Wir lassen uns nichts, aber auch gar nichts gefallen. Jeder, der es wagt, Wahrheiten über den israelischen Schurkenstaat auszusprechen, oder auch nur anzudeuten, wird schon sehen, was er davon hat.  (Kurzfassung / Slang: Fuck Turkey for being disobedient!)

DIENUKLEARE BEDROHUNGDURCH DEN IRAN: SCHURKENIMAGE DARF NICHT ANGEKRATZT WERDEN

(Zu den israelischen Atomwaffen, die es wirklich gibt, aber von Israel einfach totgeschwiegen werden, komme ich in einem späteren Beitrag; zur geschürten Hysterie über das unterstellte, „geheime nukleare Waffenprogramm“ des Iran,  siehe  frühere Blogbeiträge unter tag „Iran“)

Auch hier hat sich die Türkei, gemeinsam mit Brasiliens Staatschef Lula für eine friedliche Lösung engagiert und einen  akzeptablen Kompromiss erzielt.

Doch Israel ist das ganz und gar nicht recht, denn die Dämonisierung des Iran steht in ihrem „public diplomacy“-Programm ganz oben auf der Liste. Nachdem der ölreiche  Irak durch zwei Kriege zu einem „Client-State“ der USA degradiert wurde, (was Saudi-Arabien und Ägypten schon lange sind), bleiben nur mehr zwei ernstzunehmende Länder, die sich nicht der  USraelischen Hegemonie unterordnen wollen: Syrien und Iran.  Pech ist nur, dass zwar Saddam (als Israel’s ehemaliger Erzfeind) weggeräumt, aber dadurch die Schiiten von der Leine gelassen wurden, was natürlich die Rolle von Teheran als regionale, politische Macht noch kritischer macht.

Israel braucht immer Feinde und heraufbeschworene Bedrohungen, um die Dominanz des  Militärs (dass sich „einen Staat leistet“, nicht umgekehrt) und die Aufrechterhaltung von „Sondergesetzen“ (Einschränkung ziviler Rechte) teilweise noch aus der britischen Mandatszeit, teilweise als „post 9/11 Anti-Terror“-Maßnahmen legitimiert)  weiter als notwendig für die „Sicherheit“ des Landes verkaufen zu können. Zur massenpsychologischen Dimension dieses „ewigen“ Kriegszustands, siehe „WAR IS THE HEALTH OF THE STATEvon Randolph Bourne.

Die amerikanische Rüstungsindustrie würde dramatische Verluste buchen, wenn es tatsächlich Frieden im Nahen Osten gäbe, deshalb gehört Israel (und seine Nachbarn) zu ihren besten Kunden. Da jährlich 3 Milliarden Dollar „military aid“ vom amerikanischen Steuerzahler ankommen, die dann als unfreiwillige Subvention für die „merchants of death“ wieder in die US-Rüstungsindustrie zurückfließen, kauft Israel auch noch zu „Schnäppchenpreisen“. Darüber hinaus hat die IDF seit Jahren die besetzten palästinensischen Gebiete als Testlabor für neuen Waffen benutzt, was wiederum die Waffenproduzenten sehr zu schätze wissen.

Die grausame Wahrheit ...

Wo sonst kann man ungestraft „am lebenden Objekt“ grausame Experimente machen und das als „Notwehr“ bezeichnen? (siehe Berichte der Ärzte aus Gaza im Jänner 2009)

Der Iran ist keine Bedrohung für die Welt und ohne den von England (gemeinsam mit dem Vorläufer der heutigen „BP“, der Anglo-Iranian Oil Company)  und der CIA (Kermit Roosevelt) arrangierten Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mossadegh im Jahr 1953, „Operation Ajax“ – der das brutale Regime des Schah Reza Pahlevi einleitete, gäbe es heute auch keine Ayatollahs an der Macht.

In einem Ranking aller Länder, das bewertet, wie oft jeder Staat einen Krieg begonnen hat, würde der Iran ganz unten stehen, seine beiden Widersacher aber, die USA und Israel, ganz oben.

Im Krieg zwischen Iran und Irak  starben mehr als 100.000 Iraner (allein) durch den Einsatz chemischer Waffen (zum Teil aus Deutschland!), die „Hardware“ wie z.B. Kampfhubschrauber und Helikopter, die das Gas versprühten, und finanzielle „Hilfe“  kamen aus den USA. Damals war Saddam ja noch ein „CIA-asset“, er handelte also im Interesse der USA bzw. Israels, als er Iran angriff. Doch diese Toten interessieren unsere Medienschafe nicht, sie passen einfach nicht ins etablierte Bild  und müssen deshalb „verschwunden werden“:

Iran muss immer als potentielle Bedrohung, als fanatischer Täter präsentiert werden, gegen den sich die „Weltgemeinschaft“ (Newspeak Alarm!) dann verbünden muss, um  USraelische Interessen zu bedienen.  Die werden natürlich hinter noblen, rhetorischen Feigenblättern versteckt, so z.B. man müsse ein „Wettrüsten“ in der sensiblen Region verhindern,  und das, obwohl es ja gerade die zwei Schurkenstaaten Israel und die USA sind, die den Wunsch nach Atomwaffen, im Sinne einer „Lebensversicherung“ geradezu unvermeidlich machen, besonders wenn man auf Millionen Tonnen von Öl sitzt oder andere strategisch wichtige Rohstoffe sein eigen nennt.

Erdogan hat mit seinen Vermittlungen zur Beilegung des „Atomstreits“ oder für Gespräche mit Syrien einen wichtigen Beitrag zur Deeskalation geleistet, doch genau das ist ja das Problem. Denn das sorgfältig gepflegte Schurkenimage des Iran, ganz zu schweigen vom künstlich erschaffenen „neuen Hitler“ Ahmadinejad, darf eben nicht angetastet werden!

Mal abgesehen davon, dass nicht Ahmadinejad über die Atompolitik entscheidet, sondern der (religiöse Führer) „Supreme Leader“ und der Einsatz von Atomwaffen absolut inkompatibel mit dem Islam wäre, hat die Türkei mit diesen Gesprächen das mühsam aufgebaute PR-Monsterimage des Iran ins Wanken gebracht. Leute, die konsensbereit sind und verhandeln (wenn man sie als Menschen respektiert und nicht würdelos behandelt), lassen sich schwer als die „Irren“ von Teheran verkaufen, die mit Schaum vorm Mund alle Juden vernichten wollen …  (über das PR-Märchen von „der Landkarte, von der Israel verschwinden müsse“ habe ich ja bereits geschrieben …)

Die politisch-militärische Führung der USA und Israels ist meines Erachtens ein Fall für den Psychiater:  unglaublicher Narzissmus, Größenwahn, Selbstgerechtigkeit, krankhafte Machtansprüche, gekoppelt mit (vordergründig) religiös unterfüttertem Sendungsbewusstsein und sagenhafter Scheinheiligkeit und Doppelmoral, der Wahnsinn wird verdeutlicht in dem strategischen Ziel der USA: FULL SPECTRUM DOMINANCE (im Falle Israels: „Eretz Israel“ (also das biblische, mythische Fantasieland) und „mad dog“ policy (sollen doch alle glauben, dass wir (die Armee)  „tollwütige Hunde“ sind oder vornehm ausgedrückt:  „Oderint dum metuant“ (sollen sie uns doch hassen so lange sie uns fürchten)

SOME ARE MORE EQUAL THAN OTHERS

Unbestritten ist, dass die iranischen Machthaber regelmäßig Menschenrechtsverletzungen gegenüber der eigenen Bevölkerung begehen, um den politischen Widerstand in Schach zu halten.  Das wäre ein Grund für Sanktionen, wenn da nicht das kleine Problem wäre, dass andere Länder die gleichen (und schlimmere) Verbrechen begehen, (wie die USA und Israel selbst). Jene, die den ihnen zugewiesenen Platz in der globalen Ordnung akzeptiert haben und der  Wirtschafts- und Militärhegemonie hegemonie der USA nicht in die Quere kommen, können Menschenrechte verletzen, so viel sie wollen, who cares? (siehe z.B. Saudi Arabien oder Ägypten)

Doch die iranische Regierung hat die Chuzpah, darauf zu bestehen, ihre nationalen Interessen zu verfolgen (auch wenn sie nicht mit amerikanischen und israelischen kompatibel sind) und auf wirtschaftliche Selbstbestimmung und Unabhängigkeit Wert zu legen . Das darf natürlich nicht sein. Da muss das klassische Programm gegen aufmüpfige Regierungen angewendet werden (siehe John Perkins: Confessions of an Economic Hitman“) und da Korruption und ein Mordkommando à la Mossad eher nicht in Frage kommt, bleibt nur mehr die dritte Option (wie bei Saddam): mediale Dämonisierung, Sanktionen, Hysterie vor einer (erfundenen)globalen Bedrohung schüren und dann, letztendlich die Bomben abwerfen … (dass dieses Theater auch nach dem Irakkrieg noch funktioniert, zeigt wie verblödet die Massen bereits sind, aber nach 9/11 geht scheinbar alles ….)

Die Türkei  hat durch ihre  durchaus positive Vorgehensweise ziemlich viel Sand ins Propagandagetriebe USraels gebracht und damit gegen die Interessen der beiden  (angeblich von Gott)  „auserwählten“ Staaten gehandelt, ein schwerer Fehler. Denn wie Noam Chomsky so treffend formulierte, haben „internationale Beziehungen“ (die US-Außenpolitik)  mehr mit Mafiamethoden zu tun, als mit Diplomatie:

[…] successive administrations have been guided by a „godfather principle, straight out of the mafia: that defiance cannot be tolerated. It’s a major feature of state policy.“

Großzügige Übersetzung: Wer sich dem großen Boss, dem „Paten“ in Washington (mit Zweigstelle in Tel Aviv)  nicht unterordnet, kann sich schon „einen Sarg bestellen“. Denn wenn man diese Unartigkeit tolerieren würde, bestünde die Gefahr, dass sich der „Virus“  auf andere Länder ausbreitet und wo kämen wir denn dann hin?

Mehr Info (… was nicht in unseren Zeitungen steht ):

http://www.zmag.de/themen/Naher-Osten

P.S. Die mediale Rufmord-Kampagne gegen die Türkei geht schon los:

Die Verantwortung für die Ermordung türkischer Staatsbürger auf der Mavi Marmara wird jetzt auch noch Erdogan angelastet (zumindest eine Mitschuld):

“ …die westlichen Regierungen sollten sich ebenso viel Sorgen um die Regierung von   Recep Tayyip Erdogan machen, der seit Montag eine Sympathie für islamische Kämpfer und eine Vorliebe für groteske Demagogie gegenüber Israel gezeigt hat, die völlig unakzeptabel für ein NATO-Mitglied ist.“

“ O-Ton Washington Post:

…  In the days since an incident that the IHH admits it provoked, the Turkish prime minister has done his best to compete with Iran’s Mahmoud Ahmadinejad and Hezbollah’s Hasan Nasrallah in attacking the Jewish state.“

Schon wieder das alte Strickmuster, das schon Schopenhauer in seinen rhetorischen Kunstgriffen erwähnte: durch Assoziation mit einer als  Inbegriff des „Bösen“ etablierten, verhassten Kategorie  („der neue Hitler“),  das  von den Medien kritiklos übernommene „Trio Infernal“: Hisbollah / Hamas /  Iran bzw. Ahmadinejad,  usw.“] wird der Gegner (er braucht bloß mit denen zu reden, das reicht schon)  so stigmatisiert, dass sich niemand mehr darum kümmert, ob er in der Sache Recht hat oder nicht: das Ansehen ist ruiniert, die Motive in den Dreck gezogen , wir sehen die „Achse des Bösen“ schon erweitert um die Türkei …

Für seine Vermittlungsversuche zu Syrien und Iran werden Erdogan niedere Motive (Machthunger, Eitelkeit, Selbstüberschätzung, und natürlich Oh Schreck, oh Graus “ Kontakte zur Hamas“  unterstellt:

„Das zeigt sich an der neuen Politik der Türkei gegenüber Israel nun besonders deutlich. Mag der Wutausbruch Erdogans auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor knapp zwei Jahren, als er bei einer Diskussion mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres kurzerhand das Podium verließ, noch echten Emotionen entsprochen haben, so ist die Dauerkritik an Israel seitdem kühl kalkuliert. (Sagt wer? Das Wahrheitsministerium aus Israel?)

Darüberhinaus unterhält die Türkei als einziger Natostaat direkte Verbindungen zur Hamas, und auch wenn der Hilfskonvoi nach Gaza eine zivilgesellschaftliche Aktion war, genoss er doch die volle Sympathie der türkischen Regierung. Die Verschlechterung der Beziehungen zu Israel ist der Preis für den Aufstieg als Regionalmacht.“

Was für ein kompletter PR-Bullshit.

Die alten Methoden der „character assassination“ um vom INHALT DER KRITIK Erdogans (die natürlich völlig berechtigt war, speziell im Hinblick auf die Verbrechen in und wegen Gaza) abzulenken … „Shaping Opinions“ läuft auf Hochtouren …

Liebe Türken, zieht euch „warm an“, der Zorn der „Pharisäer“kommt über euch ….

.

MÖRDER AHOI: Killerkommando auf hoher See

Die „neun Toten“, die Israel auf dem Gewissen hat,  haben natürlich auch Namen (siehe die Liste weiter unten). Doch es ist  schwer, Bilder von ihnen im Internet zu finden.

Das ist wohl kein Zufall, denn der Tod eines Menschen berührt viel mehr, wenn man sein Gesicht sieht und etwas über sein Leben erfährt. Doch die Empathie für die Opfer muss natürlich verhindert werden (wie sonst immer, wenn ein Palästinenser getötet wird).

UPDATE: BILDER UND INFOS siehe weiter unten

Schliesslich sagt die Märchenstunde aus Tel Aviv, sie alle hätten „Kontakte“ zu Terroristen gehabt (was aber später revidiert wurde). Mit diesem negativen „Frame“ sollen die Opfer zu Tätern stigmatisiert werden, die es „verdient“ haben, getötet zu werden.

Nach Angaben der forensischen Mediziner wurden die Opfer aus geringer Entfernung erschossen, zwischen 40 und 20 cm. Die verwendete Munition war – mit einer Ausnahme – ein 9mm Kaliber. Keines der Opfer wurde durch einen Querschläger getroffen, alle Schüsse ware direkte „Treffer“.

Die Autopsie ergab weiters, dass nur auf Cegdet Kiliclar aus größerer Entfernung geschossen worden war und zwar mitten in die Stirn.

Das jüngste Opfer, Furkan Dogan war 19 Jahre alt

Er wurde regelrecht massakriert: ein Schuss in die Nase, einer in den Rücken, einer in den Hinterkopf und zwei Schüsse ins linke Bein (einer in den Knöchel)

Diese Wunden sind absolut unvereinbar mit der Behauptung, man habe nur in Notwehr geschossen. Aber wer der israelischen Armee noch irgendetwas glaubt, hat sich von der massiven PR bereits entmündigen lassen.

Furkan hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft, aber auch das ist- wie wir ja spätestens seit dem Tod von Rachel Corrie wissen, keine Lebensversicherung mehr, wenn man sich mit Israel anlegt).

RÜCKBLICK: Rachel Corrie wurde durch einen israelischen Bulldozer getötet, währen sie an einem Protest gegen willkürliche Hausdemolierungen in der West Bank teilnahm. Ihre Eltern prozessieren seit sieben Jahren, um die israelische Regierung zur Verantwortung zu ziehen. Erst kürzlich wurde ein Verfahren in Israel eröffnet.

Cetin Topcuotlu wurde durch drei Schüsse getötet: in den Hinterkopf, in die Hüfte und in den Bauch. Seine Frau war ebenfalls an Bord. Bei seinem Begräbnis sagte sie, sie werde auch in Zukunft an Hilfskovois für Gaza teilnehmen, mit ihrem Sohn.

Das älteste Opfer war der 61-jährige Ibrahim Bilgen, ein türkischer Politiker, Ingenieur und Aktivist. Er hinterlässt eine Frau und sechs Kinder. Auch er wurde durch mehrere Schüsse ermordet: in die rechte Schläfe, in die rechte Brust, in den Rücken und in die Hüfte.

Meine (im vorhergehenden Blog) geäußerte Vermutung, Israel habe den brutalen Angriff auch dazu benutzt, neue Waffen zu testen (eigentlich schon grausame „Routine“ für die IDF), wird durch Aussagen der Forensiker erhärtet:

Als wir den Schädel geöffnet hatten, sahen wir das seltsame Objekt im Gehirn zum ersten Mal. Ich arbeite in der forensischen Medizin seit 20 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie gesehen.

Diese „Kugel“ hinterließ eine Wunde, die so aussah wie bei Benutzung einer Jagdflinte, sagte Dr.Ince. Die Eintrittswunde in seiner rechten Schläfe hatte einen Durchmesser zwischen 2 und 2,5 cm.“

Das erinnert uns an die grauenvollen Beschreibungen des norwegischen Arztes Dr.Mads Gilbert während des Massakers in Gaza (Operation Cast Lead), der auch sagte, so etwas habe er noch nie gesehen (siehe meinen damaligen Beitrag über die DIME Waffen)

Neben den Ermordeten neun Türken werden noch 24 weitere Verletzte in Ankara behandelt. Sieben davon sollen sich nach Angaben der behandelten Ärzte in einem kritischen Zustand befinden.

Die Art und Anzahl der Schusswunden lassen keinen Zweifel mehr daran, dass hier ein Massaker veranstaltet wurde, das geplant war (vor allem die Kopfschüsse).

Die Todesopfer dieses kaltblütigen Verbrechens sind (Quelle: The Guardian)

Update 15-Juni (Fotos und Background)

Mordopfer Furkan Dogan

Furkan Dogan, 19 Jahre alt

war in der Abschlussklasse der  Kayseri High School, erwartete die Resultate der Aufnahmeprüfung für die Universität ;  er wollte Medizin studieren; liebte es, Schach zu spielen; er ist der Sohn von  Dr. Ahmet Dogan, Professor an der Erciyes Universität; er hatte duale Staatsbürgerschaft (amerikanisch / türkisch), weil er in den USA geboren wurde; Furkan hat zwei Geschwister.

Terroropfer Cengiz Akyüz

Cengiz Akyüz, 41 Jahre alt

Vier Schusswunden: Hinterkopf, rechte Gesichtshälfte, Rücken, linkes Bein

aus Iskenderun, verheiratet mit Nimet, drei Kinder: Furkan (14), Beyza (12) and Erva Kardelen


Mordopfer Ibrahim Bilgen

Ibrahim Bilgen, 61 Jahre alt

Vier Schusswunden: rechte Brust, Rücken, rechte Hüfte, rechte Schläfe

Elektroingenieur, aus Siirt; Mitglied der Türkischen Ingenieurskammer; Kandidat der „Ran as a Saadet“ Partei bei der Parlamentsw und bei der Bürgermeisterwahl  in Siirt 2009;  verheiratet, 6 Kinder


Mordopfer: Cevdet Kılıçlar

Cevdet Kiliclar, 38 Jahre alt

Eine Schusswunde mitten in der Stirn

aus Kayseri; Absolvent der Marmara Universität, Fakultät für Kommunikationswissenschaft; früher Print-Journalist für die “ National Gazette“ und „Anatolia Times„. Seit einem Jahr war er Reporter und Webmaster für die türkische Hilfsorganisation IHH); verheiratet mit Derya; zwei Kinder:  Tochter Gülhan, Sohn, Erdem.


Mordopfer Fahri Yaldiz

Fahri Yaldiz, 43 Jahre alt

Vier Einschüsse: linke Brust, linker Fuss, zweimal ins rechte Bein

Feuerwehrmann aus Adiyaman; verheiratet,  vier Söhne.



Mordopfer: Ali Haydar Bengi

Aliheyder Bengi, 39 Jahre alt

Sechs Schusswunden: linke Brust, Bauch, rechter Arm, rechtes Bein, zweimal linke Hand

Absolvent der Al-Azhar Universität in Kairo;  (Arabische Literatur) verheiratet mit Saniye Bengi; vier Kinder: Mehunur (15), Semanur (10) und die Zwillinge Mohammed and Senanur


Mordopfer: Cetin Topcuoglu

Cetin Topcuoglu, 54 Jahre alt

Drei Schusswunden: Hinterkopf, linke Hüfte, Bauch

aus Adana, ehemaliger Taek-Won-Do Champion, der das türkische Nationalteam trainierte;  verheiratet, ein Sohn: Aytek.


Terroropfer Cengiz Songür

Cengiz Songür, 47 Jahre alt

Eine Schusswunde: mitten in den Hals

aus  Izmir, verheiratet mit  Nurcan; sieben Kinder

Necdet Yildirim, 32 Jahre alt

  • Zwei Schusswunden: rechte Schulter, links in den Rücken

aus  Malatya, arbeitete für IHH, verheiratet mit Refika; eine Tochter, Melek, drei Jahre alt


Unser Mitgefühl für die Familien dieser Opfer können wir nur auf diesemWeg ausdrücken und man kann nur hoffen, dass ihr gewaltsamer Tod nicht vergebens war.

Doch unsere Medien sind schon so daran gewöhnt, Israel in den Arsch zu kriechen oder einfach die (noch so absurden) „Meldungen“ vom Fließband der Presseagenturen („Friedensprozess“ (!?!)) abzuschöpfen, dass einem schlecht wird.

Dass Israel offenbar auch die letzten Reste von Menschlichkeit und Moral verloren hat, zeigt sich aber nicht „nur“ in der Ermordung dieser Menschen, sondern auch in der Art der Propaganda und perfiden PR-Orgie, die hier losgelassen wurde.

Der Guardian berichtet, dass das Pressebüro der israelischen Regierung ein satirisches  Video verbreitet hat, in dem NACH DEM GRAUENVOLLEN TOD der neun türkischen Männer, die ganze Hilfsaktion ins Lächerliche gezogen wird, wobei natürlich auch rassistische Untertöne nicht zu kurz kommen.

In dem Video treten Israelis auf (teilweise als Araber verkleidet), die sich über das Elend in Gaza lustig machen, es überhaupt leugnen und als gezielten Betrug  („Con“) der Aktivisten darstellen. Die zur Karikatur degradierten Figuren singen, bewaffnet,  zur Melodie des Welthits „We are the World“, das 1985 im Zuge einer Charity-Aktion zur Bekämpfung des Hungers in Afrika entstanden ist, folgenden Text;

„We con the world, we con the people. We’ll make them all believe the IDF (das israelische Militär) is Jack the Ripper.“

Dann geht es weiter:

„There’s no people dying, so the best that we can do is create the biggest bluff of all.“

Wenige Stunden nachdem das Video an ausländische Medien verteilt worden war, ging jedoch per e-mail eine Entschuldigung ein. Der oberste Pressesprecher  Danny Seaman sagte, das Video würde nicht die offizielle Meinung des Staates Israel widergeben. Er selbst jedoch, finde es „fantastisch“.

Regierungssprecher (Newspeak-Meister)  Mark Regev ließ wissen, das Video zeige, wie die Israelis über den Vorfall denken.  „Ich habe meine Kinder gerufen, sie sollten sich das anschauen, weil ich dachte, das ist wirklich witzig … aber die Regierung hat nichts damit zu tun.“

Der Video-Clip zeigt die stellvertretende Chefredakteurin der Jerusalem Post, Caroline Glick, die die typisch arabische Kopfbedeckung trägt und sich beim “ Flotilla Chor“ betätigt. Zwischen dieser entwürdigenden Parodie der Aktivisten sieht man Szenen von der Enterung des Schiffes Mavi Marmara., die Israel bereits verbreitet hatte.

Diese ungeheuerliche Geschmacklosigkeit wurde von einer sehr beliebten israelischen Tageszeitung auch noch gelobt, „weil sie Israel besser verteidige, alls alle Experten“.

Ein links-liberaler Blogger aus Israel bezeichnete jedoch den Clip als widerlich, weil er auch zeige was für ein völlig verzerrtes  Bild Israels zur Beeinflssung der öffentlichen Meinung etabliert wurde, während der Rest der Welt entsetzt ist, wird in Israels schicki-micki-Kreisen auch noch darüber gelacht … Wie tief kann man noch sinken?

Ähnliche Propaganda wurde schon vor zwei Wochen an ausländische Journalisten versendet, um zu demonstrieren, wie gut es den Leuten in Gaza gehe: Man verteilte die Speisekarte eines „Luxusrestaurants“ und zeigte einen Riesenswimmingpool.

Journalisten, die sich über die Geschmacklosigkeit beschwerten, erhielten als Antwort, sie hätten keinen Sinn für Humor …

Neun Menschen umzubringen, ein Schiff  und seine Besatzung zu entführen, und sich dann auch noch darüber lustig zu machen, was man den Palästinensern in Gaza seit Jahren angetan hat (dokumentiert von der UN und anderen Organisationen, aber auch angeprangert von Königin Rania von Jordanien), das ist der Gipfel der Infamie und Arroganz.

Das ganze Projekt war organisiert von Europäern, also auch eine Machtdemonstration gegenüber der EU. Angesichts der Heuchelei aus Brüssel kann einem nur mehr schlecht werden …

Israel geniesst einen bevorzugten Status als EU-Handelspartner und wurde jetzt auch noch in die OECD aufgenommen.

Auf der israelischen Flagge fehlt noch ein Zusatz: „Kriminelle Ohne Grenzen“

P.S. Verdächtig ist auch, dass man von den zahlreichen Verletzten gar nichts hört …. Hat man wieder einmal neuartige Waffen an ihnen getestet? Das muss genauer untersucht werden ….