ATOM-POLITIK: Täuschen und Tarnen

simplicityLetzte Woche wurde das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über die Klage der Energiekonzerne bekanntgegeben: Die 13. Novelle des Atomgesetzes vom 31.Juli 2011 ist also nicht verfassungswidrig (vereinbar mit dem Grundgesetz) und die darin festgelegten Regelungen zur Beschleunigung des Atomausstiegs begründen auch keine Enteignung.

Unter „Leitsätze zum Urteil“ heißt es u.a.:

  • Die entschädigungslose Rücknahme der erfolgten Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke um durchschnittlich 12 Jahre…ist angesichts des mehrfach eingeschränkten Vertrauens in den Erhalt der Zusatzstrommengen verfassungsgemäß.“
  • Der Gesetzgeber durfte auch ohne neue Gefährdungserkenntnisse den Reaktorunfall in Fukushima als Anlass nehmen, zum Schutze der Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt den Ausstieg aus der Kernenergie zu beschleunigen.“
  • Allerdings werde „durch Einschränkungen der Nutzungs- und Verfügungsbefugnis am Eigentum“ [zeitliche Befristung der Laufzeit] die „Frage nach Ausgleichsregelungen aufgeworfen“.
  • [Besonders wenn Zweifel an der „Verhältnismäßigkeit“ der Maßnahme bestehen]

entschaedigungs-presse-chorDie (undifferenzierten) Papageien-Schlagzeilen der deutschen Medien „Konzernen steht angemessene Entschädigung zu“ sind sehr irreführend und zeigen nur, dass kein Journalist das ganze Urteil gelesen hat, sondern nur die Meldung der Presseagentur übernimmt.

Denn der Senat hat tatsächlich so geurteilt:

Die Rücknahme der längeren Laufzeiten bzw. die Festlegung konkreter Abschalttermine sei nur im Fall von RWE und Vattenfall „unzumutbar“, weil sie wegen der abrupten, verordneten Stillegung von acht Reaktoren (2011) nicht mehr in der Lage seien, die Reststrommengen aus dem „Atomkonsens“ von 2002 zu verbrauchen (auch nicht „im Wesentlichen“).

O-Ton:

Das Dreizehnte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes enthält angesichts der [2002] gesetzlich festgelegten Restlaufzeiten der Anlagen und wegen des in diesem Fall besonders verbürgten Vertrauensschutzes eine unzumutbare Bestimmung von Inhalt und Schranken des Eigentums, soweit es dazu führt, dass zwei der Beschwerdeführerinnen substantielle Teile ihrer Reststrommengen von 2002 nicht konzernintern nutzen können.“

DIE BITTERE IRONIE (die in der Presse ignoriert wird):  Die Verlängerung der Laufzeiten durch die CDU-geführte Regierung (2009) war ohnehin  verfassungswidrig, weil sie ohne Zustimmung des Bundesrates „durchgepeitscht“ wurde.

Was es mit diesen „Reststrommengen“ (als zentralem Streitpunkt) aber wirklich auf sich hat, wird weiter unten analysiert.

POLITISCHER HINTERGRUND  

Das Atomgesetz (AtG) von 1959 war bei näherer Betrachtung schon damals unverantwortlich, denn es bestimmte, dass die Erteilung der Betriebsgenehmigung unbefristet sein musste.

Zwar gab es die Möglichkeit, atomrechtliche Genehmigungen inhaltlich zu beschränken, mit nachträglichen Auflagen zu versehen,  oder unter bestimmten Umständen auch zu widerrufen. Doch für den Fall des Widerrufs einer Genehmigung oder einer nachträglichen Auflage bestand (zitiert lt. BVerfG)  „eine grundsätzliche Entschädigungspflicht in Geld (§18).

Da man in einem Rechtsstaat davon ausgehen darf, dass die Behörden diese Maßnahmen nicht ohne guten Grund (§ 18 Abs.2) ergreifen und diese Begründung den Anspruch zunichte macht, muss man sich fragen, wieso diese „Entschädigungspflicht“ dann überhaupt in ein Gesetz gegossen wurde.

DER „AUSSTIEG“ IM SCHNECKENTEMPO

cancer-coverups-and-contamination-the-real-cost-of-nuclear-energyNach den Bundestagswahlen 1998 erklärte die neue „rot-grüne“ Bundesregierung  (post-Tschernobyl) den „Ausstieg“ aus der Nutzung der Atomenergie zur Stromerzeugung zu einem Schwerpunkt ihres Regierungsprogramms. Danach nahm sie Verhandlungen mit den E-Konzernen auf, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen.

Am 11. Juni 2001  wurde dann die „Atomkonsensvereinbarung“ (von 2000) unterzeichnet, in der man sich darauf einigte, die Nutzung der vorhandenen Kernkraftwerke (KKW) zu befristen.  Diese wurde 2002 durch die Novellierung des Atomgesetzes abgesichert.

Allerdings wurden keine Termine fixiert. Vielmehr wurde für jede einzelne Anlage eine Strommenge festgelegt, die diese ab dem 1. Januar 2000 maximal produzieren dürfe, die „Reststrommenge“ (RSM).

Wie wurde diese berechnet?

Der Durchschnitt der fünf höchsten Jahresproduktionsmengen (je Kraftwerk) zwischen 1990 und 1999 („Jahresreferenzmenge“) zuzüglich einem Zuschlag von 5,5% multipliziert mit der verbleibenen Restlaufzeit. Auf Basis von 32 Jahren Regellaufzeit (die eine Amortisation ermöglichten) würde also z.B. ein KKW, dass zum 1. Jänner 2000 erst 25 Jahre in Betrieb war, noch 7 Jahre Restlaufzeit haben.

(Die zugeteilten Strommengen waren viel zu hoch)

Das Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität vom 22. April 2002 („Ausstiegsgesetz“) setzte die Ergebnisse der Atomkonsensvereinbarung um.   

In der Begründung dazu heißt es u.a:

Die Notwendigkeit, die Kernenergienutzung geordnet zu beenden, ergibt sich für die Bundesregierung aus der Neubewertung ihrer Risiken und der dazu seit Beginn der Nutzung der Kernkraft zur Elektrizitätserzeugung weltweit gewonnenen Erkenntnisse über den Betrieb von Kernkraftwerken, – die Entsorgung radioaktiver Abfälle, die Wiederaufarbeitung und den Missbrauch von Kernbrennstoffen. Zugleich dienen diese Regelungen zur Befriedung eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Konflikts.

Die Regelungen … stellen sicher, dass den Betreibern die Amortisation ihrer Investitionen ermöglicht wird und darüber hinaus ein angemessener Gewinn erzielt werden kann. Darüber hinaus wird für alle Energieversorgungsunternehmen die Belastung durch eine Beendigung der Nutzung der Anlagen nach 32 Jahren auch dadurch gemindert, dass sich einige der infolge von Alterungsprozessen nach dieser Betriebszeit tendenziell erhöhten Erhaltungs- und Nachrüstungsinvestitionen durch die vorgezogene Stilllegung erledigen. „

  • Die Profit-Interessen der Betreiber wurden also durchaus berücksichtigt.
  • Von diesem Zeitpunkt an werden keine neue Genehmigungen mehr für die Errichtung von KKW erteilt.
DIE  VERTRAUENSFRAGE
kruemmel-steuerstaebe-reaktorboden

Steuerstäbe im Reaktorboden

Schockierend dabei ist, dass erst jetzt (2000 bzw. 2002) durch § 19a drei Jahrzehnte nach Inbetriebnahme des ersten KKW und 14 Jahre nach Tschernobyl) eine Pflicht zur Sicherheits-überprüfung der Atomanlagen gesetzlich vorgeschrieben wurde. Doch auch diese kann nur als grotesk bewertet werden, denn sie ist nur alle 10 Jahre fällig, wird von den Betreibern (nach einem dubiosen „Leitfaden“) selbst durchgeführt, bewertet und dann den Aufsichtsbehörden vorgelegt (!)

merkel-cdu-atom-parteiNach der Bundestagswahl 2009 legte die CDU-geführte Bundesregierung ein neues Energiekonzept vor, das zwar am „Atom-Ausstieg“ festhielt, die Nutzung der Kernenergie aber als angeblich notwendige „Brückentechnologie“ verlängern wollte.

Die Gespräche mit den Betreibern mündeten 2010 in das Elfte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes (11. AtG-Novelle), das eine Erhöhung der in AKW erzeugten Elektrizitätsmengen vorsah. Im Schnitt wurde die Laufzeit um 12 Jahre verlängert. (Je nach Alter des KW 8 -14 Jahre) – und das nach Tschernobyl, dessen ungeuerliche Folgen natürlich vertuscht und verharmlost wurden (siehe dazu Links am Ende des Artikels).

DER SCHOCK: FUKUSHIMA

(Die „tickende Zeitbombe“ laut Arnie Gundersen; mehr dazu unter „Fukushima“ auf diesem Blog)

fukushima-daiichi-unit-3-after-explosion-march-20th-2011-1Die unbeherrschbare Katastrophe von Fukushima Daiichi (3-fache Kernschmelze, Zerstörung der Abklingbecken) im März 2011 bewirkte dann bei der CDU-geführten Bundesregierung ein „Aha-Erlebnis“ und so wurden mit der 13. AtG-Novelle die Verlängerung der Laufzeiten wieder zurückgenommen und darüber hinaus konkrete Abschalttermine für jedes einzelne KKW festgelegt.

Am 15. März 2011 wurden direkt nach dem Beginn der Fukushima-Unfälle die 8 ältesten AKWs vom Netz genommen. (Dieses Atommoratorium war nicht Gegenstand der Verfassungsbeschwerden)

liste-kkw-deutschlandAm 30. Juni 2011 beschloss der Bundestag diese endgültig abzuschalten und bis 2022 gänzlich aus der Atomenergie auszusteigen.  (Ende der Betriebszeiten siehe Tabelle)

Die (pflegeleichte) Reaktor-Sicherheitskommission hat auf Antrag des Bundestages eine Sicherheitsüberprüfung aller KKW durchgeführt und legte am  16. Mai 2011 einen Bericht vor. Darin wird die Stromversorgung deutscher KKW als „durchgehend robuster“ als in Fukushima eingestuft.

abklingbecken-kkw-2(Dass durch Fukushima ins Zentrum gerückte Risiko der großen Zahl „abgebrannter“ Brennstäbe, die ohne besondere Sicherheitsmaßnahmen seit 2000 vermehrt an den Kraftwerksstandorten „zwischengelagert“ werden, wurde allerdings kaum beachtet, vom nicht vorhandenen und unmöglichen „Endlager“ ganz zu schweigen)

Die von der Bundesregierung einberufene Ethik-Kommission empfahl in ihrem Bericht (Mai 2011) den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie innerhalb eines Jahrzehntes. Aus ethischen Gründen sollen die Atomkraftwerke nur so lange laufen, bis ihre Leistung durch eine risikoärmere Energieversorgung ersetzt werden kann.  Die Kommission betont, dass ohne klare zeitliche Zielsetzungen, keine konkreten Planungsentscheidungen getroffen werden können.

Klartext: die Atomkonzerne würden immer sonst versuchen, die Laufzeiten zu verlängern, weil die Gewinne bei „amortisierten“ (sehr alten) Kraftwerken am höchsten sind.

Zur „Notwendigkeit“ des Atomstroms wurde angemerkt:

 „Die heute bereits entbehrliche Leistung der Atomkraftwerke von 8,5 Gigawatt soll dauerhaft vom Netz genommen werden. Die einstweilige Stilllegung der sieben ältesten Atomkraftwerke und des Atomkraftwerkes Krümmel zeigt, dass ihre 8,5 Gigawatt-Leistung durch eine risikoärmere Energieversorgung ersetzt werden kann. „

In der Begründung des Gesetzentwurfs (unter Bezug auf den Konsens von 2001) wird darauf hingewiesen, dass durch die „zeitliche Befristung der Berechtigung zum Leistungsbetrieb“ die Amortisation der getätigten Investitionen sowie ein „angemessener Gewinn gewährleistet wird. Das Gesetz trat am 6. August 2011 in Kraft.

Etwa 14% der deutschen Netto-Stromerzeugung erfolgt in KKW. Laut Studien wäre ein Atomausstieg Deutschlands ohne massive Preissteigerungen für die Konsumenten schon  2015 realisierbar gewesen.(Global 2000)

DAS  URTEIL

Liest man die Urteilsbegründung, findet man zwar einerseits schlüssige und wohl durchdachte Argumente, hat aber andererseits den Eindruck, dass hier auch Widersprüche bestehen bzw. das „im Kreis“ argumentiert wird. Z.B.

Argumente, warum das Gesetz verfassungskonform sei, also der von den Klägern geltend gemachte „Eigentumsschaden“ (sprich: entgangene Profite) hinzunehmen sei: (Auszüge aus dem jeweiligen, nummerierten Absatz, Hervorhebungen von mir)

(269) „Die Eigentumsgarantie gebietet nicht, einmal ausgestaltete Rechtspositionen für alle Zukunft in ihrem Inhalt unangetastet zu lassenSelbst die völlige Beseitigung bisher bestehender, durch die Eigentumsgarantie geschützter Rechtspositionen kann unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein …“

…wenn es schwerwiegende Gründe dafür gibt. Und diese seien durchaus vorhanden gewesen:

(281) Die [13. AtG] Novelle verfolgt ein legitimes Ziel. Ihre Regelungen sind geeignet und erforderlich, dieses Ziel zu erreichen (bb). Die Verhältnismäßigkeit im engeren Sinne einschließlich der an sie unter Vertrauensschutz- und Gleichheitsgesichtspunkten zu stellenden Anforderungen ist hinsichtlich des Entzugs der 2010 zusätzlich zugeteilten Strommengen gewahrt.

(283) Das Ziel des Gesetzgebers, das … Restrisiko möglichst schnell und möglichst weitgehend zu beseitigen, ist – auch wenn es allein auf einer politischen Neubewertung der Bereitschaft zur Hinnahme dieses Restrisikos beruhen sollte – von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden. Die vom Gesetzgeber … angestrebte Beschleunigung des Atomausstiegs dient im Gegenteil dem Schutz von Leben und Gesundheit der Bevölkerung (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) und der in Art. 20a GG dem Staat auferlegten Aufgabe, die natürlichen Lebensgrundlagen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen zu schützen.

(305) Das in Qualität und Quantität erhebliche Gemeinwohlinteresse an der durchschnittlich zwölfjährigen Laufzeitverkürzung der Kernkraftwerke … überwiegt die damit für die Beschwerdeführerinnen verbundenen Eigentumsbelastungen …eindeutig.

bverfg-karlsruheDass die 2010 zusätzlich gewährten Strommengen dann doch nicht produziert werden durften, ist also nicht verfassungswidrig, weil das Schutzinteresse der Bevölkerung schwerer wiegt, als das Eigentums-(Profit)-Interesse der Betreiber.

Das lässt den Schluss zu, dass hier ethische Kriterien höher bewertet sind als wirtschaftliche – das soll durch CETA, TTIP u.a. endgültig abgeschafft werden…

  • Doch die Festlegung fixer Abschalttermine für jene Kraftwerke, die die schon 2002 zugeteilten [viel zu hohen] Reststrommengen dadurch nicht mehr („im Wesentlichen“) erzeugen können, sei nicht „zumutbar“.
  • Auch die durch die Novellierung „entwerteten (frustrierten) Investitionen“, die im Vertrauen auf die „Rechtssicherheit“ (aus 2002) getätigt wurden, seien „unzumutbar“, wenn es dafür keinen Ausgleich gäbe.

Und dass, obwohl es „einen besonders ausgeprägten sozialen Bezug“ gibt  und

„(aa) die Schutzwürdigkeit des Eigentums …bei Atomanlagen beschränkt [ist]. … Einerseits diente und dient die friedliche Nutzung der Kernenergie der Energieversorgung der Bevölkerung; andererseits handelt es sich um eine Hochrisikotechnologie, die unter anderem mit extremen Schadensfallrisiken aber auch mit bisher noch nicht geklärten Endlagerproblemen belastet istBeides prägt den intensiven sozialen Bezug des Eigentums an Kernkraftwerken und verschafft dem Gesetzgeber bei der Ausgestaltung des Atomrechts einen besonders weiten Gestaltungsspielraum.

Wieso soll er dann dafür „zahlen“, dass Konzerne weniger Strom (als 2002 vereinbart) erzeugen dürfen?

energieverbrauch-deutschlandMERKE:  Was hier überhaupt nicht in die Bewertung einbezogen wurde, ist eine Unterscheidung zwischen Strom-Bedarf und Strom-Produktion. Bereits seit einiger Zeit wird  in Deutschland  ZU VIEL Strom produziert, was sich in ständig fallenden Großhandels-Preisen (wir zahlen trotzdem nicht weniger) äußert, die z.T. sogar negativ sind (mehr dazu im nächsten Teil).

DAS PRIMAT DER POLITIK

wird (Gott sei Dank) hier noch hochgehalten (wird aber durch CETA, TTIP u.a. „agreements“ ausgehebelt)

(307) „Ob und unter welchen Bedingungen er eine Hochrisikotechnologie wie die friedliche Nutzung der Kernenergie zulässt, … zuerst eine politische Entscheidung, die der Gesetzgeber wesentlich auch von der Akzeptanz dieser Technologie in der Gesellschaft abhängig machen darf. Insofern ist er nicht grundsätzlich gehindert, eine ursprünglich zugunsten der Nutzung der Kernenergie getroffene Entscheidung für die Zukunft zu ändern, selbst wenn keine substantiell neuen Erkenntnisse über deren Gefährlichkeit und Beherrschbarkeit vorliegen. Dass er dabei – wie hier – auch auf Ereignisse wie die Reaktorkatastrophe in Japan reagieren und Konsequenzen aus gestiegenen Befürchtungen in der Bevölkerung oder einer geänderten Risikotoleranz ziehen kann, steht für Verfassungsorgane wie die Bundesregierung und den Gesetzgeber, die in demokratischer Verantwortung wesentlich nach politischen Gesichtspunkten entscheiden, außer Zweifel.“ 

Zur Frage des „Ausgleichs“ heißt es in der Urteilsbegründung:

(309)… Auch der Fall einer ausnahmsweise ausgleichspflichtigen Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums liegt angesichts der hier besonders geringen Schutzwürdigkeit der Zusatzstrommengen einerseits und der den Kernkraftwerksanlagen generell innewohnenden Gemeinwohllast andererseits nicht vor.

Auch bei dieser Annahme wäre mit Rücksicht auf das eindeutige Ergebnis der Gesamtabwägung eine Entschädigungspflicht zu verneinen, und der entschädigungslose Entzug der Zusatzstrommengen von 2010 wäre mit Art. 14 Abs. 1 GG vereinbar.

Wieso ist dann eine „neue Regelung“ erforderlich?

Wenn der Entzug (großzügig kalkulierter, zusätzlicher Strommengen ohne Rücksicht auf tatsächlichen Bedarf) im Jahr 2010 keinen Anspruch auf Entschädigung begründet, wieso dann die (aus den gleichen Beweggründen) nicht mehr mögliche Produktion von Strommengen aus der Vereinbarung von 2002?

Dazu das BverfG:

(311) „Die Inhalts- und Schrankenbestimmung des Eigentums durch die 13. AtG-Novelle ist allerdings unzumutbar, soweit sie dazu führt, dass Vattenfall und RWE angesichts der gesetzlich festgelegten Restlaufzeiten ihrer Anlagen substantielle Teile ihrer Reststrommengen von 2002nicht konzernintern ausnutzen können, wohingegen E.ON und EnBW über mehr Verstromungskapazität verfügen als sie zur Verwertung ihrer Reststrommengen von 2002 benötigen.“

kruemmel-und-muelheim-klaerlich-wiwoEs geht also im Wesentlichen darum, dass Vattenfall und RWE dadurch gegenüber ihren Konkurrenten benachteiligt werden, was mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz unvereinbar scheint. (Die Energieversorger bilden aber de facto ein Oligopol )

Ob dieser zusätzliche Strom überhaupt benötigt wird und tatsächlich Gewinne erzielt, ist kein Thema. Dass mit jeder nicht produzierten GWh Atomstrom natürlich auch „Gemeinwohlbelange“ befördert werden (weniger Risiko, weniger Giftmüll, wie oben im Urteil angeführt), spielt hier plötzlich keine entscheidende Rolle mehr.

KRÜMMEL & Co: DER GROSSE BESCHISS

Im Verfahren wurde festgestellt, dass alle KW, die nicht schon am 6. August 2011 (nach Fukushima) stillgelegt wurden, voraussichtlich die Reststrommengen aus 2002 noch produzieren können.

KKW die schon damals (hauptsächlich wegen ihres Alters und ihrer vielen „Störfälle“) ihre Betriebserlaubnis verloren haben sind in dieser Tabelle angeführt:

kkw-reststrommengen-2011Zwei KKW auf dieser Liste verdienen besondere Aufmerksamkeit: Mülheim-Kärlich und Krümmel

Es fällt auf, dass alleine die Elektrizitätsmengen dieser beiden Anlagen 81% der „verbliebenen Reststrommenge“ von ca. 230.000 GWh ausmachen. Würden sie wegfallen, sehe es mit der „Zumutbarkeit“ völlig anders aus. Deshalb die folgenden Hintergrund-Informationen:

1 Das kriminelle Krümmel-Monster

trafobrand-kruemmelDas BverfG räumt ein, dass Krümmel „zwischen dem 28. Juni 2007 und dem 19. Juni 2009 und (schon wieder) seit dem 4. Juli 2009 abgeschaltet war („nach einem Kurzschluss in einem Maschinentransformator“) der zu einem Brand führte (Bild). Der Betreiber Vattenfall behauptete gegenüber dem Gericht, in dieser Zeit seien „Ertüchtigungs- und Modernisierungsmaßnahmen“ durchgeführt worden, die nichts mit den Pannen zu tun gehabt hätten, um Ende 2011 wieder ans Netz zu gehen.

Die Kläger sprechen nur von der „Reststrommenge“ (RSM) von ca. 88 TWh, (Tera = 1 Billion) die angeblich per 6. August 2011 noch zur Verfügung stand und „einer Laufzeit von 9-10 Jahren entsprochen hätte“. Bis zu diesem Datum habe man nur 44% der RSM erzeugen können und außerdem sei die Regellaufzeit von 32 Jahren nicht erreicht worden (nur knapp 28).

Was allerdings bei Krümmel nur als „Segen“ betrachtet werden kann …(das Gericht aber nicht begreifen will).

Doch das Potential an „krimineller Energie“, dass sich aus dem Klüngel von Politik und Wirtschaft ergibt, ist bei Atomkraftwerken, (extrem langwierige Genehmigungsverfahren, enorme Baukosten, extrem lange Bauzeiten, höchste Sicherheitsstandards) besonders hoch, weil die Versuchung „es sich zu richten“ dementsprechend sehr groß ist.

Krümmel ist ein Paradebeispiel dafür, wie in diesem korrupten Umfeld (vor allem unter CDU-Regierungen) Sicherheitsbedenken auf dem Altar des Profits geopfert wurden.

Das KKW war jahrelang „Spitzenreiter“ in der Pannenstatistik und das ist auch kein Wunder.

Berichte dazu gibt es hier und hier.

robin-wood-kruemmel-ist-kriminellDie Umweltorganisation Robin Wood hat eine beeindruckende Liste über die schweren technischen Mängel und Versäumnisse beim Bau des Reaktors zusammengestellt (Daten, die ihr von Insidern zugespielt wurden).

Ihr Fazit:

  • Der Reaktordruckbehälter des AKW Krümmel ist mangelhaft erstellt worden. Der Betrieb des AKW ist daher extrem gefährlich.
  • Der Reaktordruckbehälter war nie genehmigungsfähig. Er ist nur durch Täuschung der Behörde und der Gerichte durch TÜV und Betreiber durch das Genehmigungsverfahren gebracht worden. Der Betrieb des AKW ist daher rechtswidrig.

das-kruemmel-monsterDazu als Kontrast das Bundesverfassungsgericht (unglaublich eindimensional) in seinem Urteil vom 6. 12. 2016:

 „Im Hinblick auf das Kernkraftwerk Krümmel gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass dessen Einordnung in die erste Abschaltgruppe und die damit verbundene Schlechterstellung von Vattenfall gegenüber E.ON und EnBW zum Erreichen des Beschleunigungsziels der 13. AtG-Novelle notwendig war …“

Gründe der Betriebssicherheit des Kernkraftwerks Krümmel, die insbesondere von der Bundesregierung erst im Laufe der Verfassungsbeschwerdeverfahren geltend gemacht wurden, vermögen die Einordnung in die erste Abschaltgruppe ebenfalls nicht zu erklären …“

(?)

2 MÜLHEIM-KÄRLICH (MK): Play it again, Helmut …

Der 1. Senat urteilt aktuell, dass für diese RSM „ein hoher Vertrauensschutz“ gelten müsse, weil die Strommenge von 107,25 TWh im Zuge eines gerichtlichen Vergleichs zugeteilt wurde. RWE hatte dafür 2003 eine Schadensersatzklage gegen das Land Rheinland-Pfalz und den Antrag auf Neu-Genehmigung des KKW zurückgezogen.

Die Vorgeschichte dieses Rechtsstreits liest sich jedoch ebenfalls wie ein Wirtschafts-Krimi und führt zu einer völlig anderen Bewertung:

MK wurde schon nach kurzer Betriebszeit wieder abgeschaltet. Warum? Weil das Bundesverwaltungsgericht 1988 die erste Teilgenehmigung (aus 1975) für den Bau aufgehoben hatte. Eine neuerliche Teilgenehmigung wurde wieder (in allen Instanzen) 1998 für rechtswidrig erklärt.

Dass es auch hier beim Genemigungsverfahren „nicht mit rechten Dingen zuging“, ist nicht mehr zu bestreiten. Dazu liest man bei Wikipedia:

Wegen der Unregelmäßigkeiten im Genehmigungsverfahren musste das Kernkraftwerk im September 1988 jedoch nach knapp zwei Jahren im Probe- und genau 100 Tagen im Regelbetrieb aufgrund eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes vom 9. September 1988 abgeschaltet werden. Die Mainzer Landesregierung hatte unter Ministerpräsident Helmut Kohl der RWE durch zu geringe Auflagen bzw. Verstöße gegen das Atomgesetz den Bau des Kraftwerks ermöglicht.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung erteilte 1990 zwar eine veränderte Baugenehmigung, die vom Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz 1995 jedoch aufgehoben wurde. Diese Entscheidung bestätigte das Bundesverwaltungsgericht in Berlin 1998 in letzter Instanz. Nach Meinung des Gerichts hätten die Erkenntnisse über die Erdbebengefährdung ein vollständig neues Genehmigungsverfahren erfordert.

Zur Übertragung des Reststroms heißt es bei Wikipedia weiter:

Die beiden Energiekonzerne RWE und Vattenfall versuchten eine Übertragung auf die zum Zeitpunkt der Anträge ältesten noch aktiven Kraftwerke Biblis A und Brunsbüttel zu erreichen, für die eine Abschaltung bevorstand. (Weil die alten „abgeschriebenen“ KKW  (mit mehr Risiko) am meisten Gewinn bringen, man muss nur mehr die Betriebskosten abziehen)

Rechnerisch ging es bei dieser Regelung um einen Gesamtzeitraum von etwa 10 Jahren.

Der Antrag von RWE wurde im Mai 2007 vom Bundesumweltministerium abgelehnt. Eine Klage der RWE gegen den Ablehnungsbescheid wurde Ende Februar 2008 vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof abgewiesen. Die Revision wurde am 26. März 2009 durch das Bundesverwaltungsgericht zurückgewiesen.

2007 versuchte Vattenfall wieder das gleiche Spiel (Übertragung auf Brunsbüttel, ebenfalls nicht mehr zulässiger Reaktor) und wurde ebenfalls in allen Instanzen abgewiesen.

die-atom-mafia-unter-kohlDer Spiegel hat 1989 in einem investigativen Artikel (damals gab es das noch) die „schmutzigen Tricks“ von Kohl und seinen CDU-Kumpanen  zum Wohle der Atomlobby aufgedeckt. Hier einige Kostproben daraus:

 „Obwohl nach den einschlägigen Verfahrensregeln das stärkste bekannte Erdbeben innerhalb einer geologischen Formation maßgeblich für die Sicherheitsauslegung von Atomanlagen ist, ignorierte der vom RWE beauftragte Gutachter … das Baseler Beben. Er orientierte sich an drei wesentlich schwächeren Erdstößen aus dem Mittelrheingebiet. Deshalb wurde der Reaktor nur gegen Beben der Stärke acht gesichert.

Die Kritik richtet sich auch gegen den amtierenden Bundeskanzler. Denn Helmut Kohl war damals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, und er ließ zu, daß die Landesregierung in Absprache mit RWE einen Standort und ein Kraftwerkskonzept genehmigte, das so gar nicht realisiert werden sollte. Es stellte sich heraus, dass

  • wichtige Gutachten, etwa über die Erdbebensicherheit oder den Baugrund, beim öffentlichen Erörterungstermin nicht vorlagen – ein eklatanter Verstoß gegen die Verfahrensregeln;
  • unter der Hand Sicherheitsauflagen zugunsten des RWE abgeschwächt wurden;
  • kritische Kommunalpolitiker von Mainzer Kabinettsmitgliedern in persönlichen Gesprächen unter Druck gesetzt und auf Atomkurs getrimmt wurden

„Immer wieder versicherte der seinerzeit zuständige Wirtschaftsminister Heinrich Holkenbrink (CDU) den RWE-Bossen seine Verbundenheit und versprach, er werde „alles tun, um die endgültige Entscheidung im Kabinett baldmöglichst herbeizuführen“.

Bereits vor der offiziellen Antragstellung erörterten RWE-Repräsentanten mit Beamten des Mainzer Wirtschaftsministeriums „Möglichkeiten zur Verfahrens-beschleunigung“.

„Obwohl Kohls Kabinett schon Anfang 1973 wußte, daß die SPD/FDP-Koalition in Bonn die Neugestaltung atomrechtlicher Genehmigungsverfahren plante, wonach etwa der öffentliche Erörterungstermin erst nach Vorlage aller wesentlichen Gutachten erfolgen solle, wurde das Verfahren rücksichtslos zu Lasten von Einwendern durchgepeitscht.

Obwohl die Landesregierung über die notwendige Änderung der Pläne (wegen Erdbebengefahr) schon vor der ersten Teilgenehmigung informiert war, tat das Wirtschaftsministerium, als sei es bei der ursprünglichen Konzeption geblieben. Damit wurden Standort und Konzept einer Anlage genehmigt, die gar nicht mehr errichtet werden sollte …“

FAZIT: Diese beiden KKW hätten mit dieser Korruptions- bzw. Mangel-Historie nie in Betrieb gehen dürfen und somit ist auch die Zuteilung von Strommengen für sie (2002) ein schlechter Witz, der allerdings (Jahre später) vom obersten Senat Deutschlands (aus diesem Kontext isoliert) und wegen des o.a. gerichtlichen Vergleichs „als besonders schutzwürdig“ eingestuft wird:

„Erst recht genießen die dem Kernkraftwerk MÜLHEIM-KÄRLICH zugeteilten Reststrommengen Bestands- und Vertrauensschutz. Auch sie wurden durch die Ausstiegsnovelle 2002 zugewiesen, obwohl das Kernkraftwerk bereits im Jahr 2001 endgültig stillgelegt worden war (!)“

(330) Die Eigentumsbelastung der Beschwerdeführerinnen Vattenfall und RWE durch die Nichtverwertbarkeit der wegen der festen Abschaltfristen konzernintern nicht mehr verstrombaren Reststrommengen aus dem Jahr 2002 wiegt schwer. Sie ist quantitativ erheblich und betrifft aufgrund der besonderen Umstände ihrer Entstehung eine gegen Änderungen in erhöhtem Maße geschützte Eigentumsposition. Zudem benachteiligt sie diese Beschwerdeführerinnen im Verhältnis zu konkurrierenden Unternehmen.

Wo ist hier der weiter oben betonte  „besonders große Handlungsspielraum“ des Gesetzgebers geblieben, wenn es um den Schutz des Lebens, etc. geht?? Wieso ist die „Eigentumsbelastung“ hier schwerwiegender als das „Gemeinwohl“ (wo jeder abgeschaltete Reaktor, jede nicht produzierte kWh Atomstrom die Gefahr reduziert)? Und was ist mit dem „Vertrauensschutz“ der Bevölkerung, die von ihren Politikern erwarten darf, dass sie sich an Gesetze und Vorschriften halten, die der Sicherheit dienen???

Hier kann man der Logik des Gerichtes nicht mehr folgen:

  • Der Sicherheitsaspekt trägt die Ungleichbehandlung jedoch in der Sache nicht. Konkrete und aktuelle Sicherheitsmängel des Kernkraftwerks Krümmel sind nicht benannt.“ (?!)
  • Auch das Alter des Kernkraftwerks als solches trägt nicht die Aufnahme in die erste Gruppe, denn das Kernkraftwerk Krümmel hat am 28. März 1984 und damit später als etwa das in § 7 Abs. 1a Satz 1 Nr. 2 AtG benannte Kernkraftwerk Grafenrheinfeld den Betrieb aufgenommen. (Nicht Betriebs-Anfang ist entscheidend, sondern Bauart! Bis die KKW endlich fertig sind, sind sie technisch schon wieder veraltet …)
  • (364) Die mit den festen Abschaltterminen wegen des zu erwartenden Verstrombarkeitsdefizits bei den Reststrommengen aus dem Jahr 2002 verbundenen Eigentumsbelastungen der Beschwerdeführerinnen Krümmel/Vattenfall und RWE erweisen sich in der Gesamtabwägung mit den für die beschleunigte Abschaltung der Kernkraftwerke streitenden Gemeinwohlbelangen als unzumutbar.

Die Argumentation dreht sich nunmehr im Kreis

Zur Erinnerung: (wie bereits oben zitiert) einerseits

(283) „Das Ziel des Gesetzgebers, das … Restrisiko möglichst schnell und möglichst weitgehend zu beseitigen, ist … von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden …“

Und andererseits (im direkten Bezug auf Absatz 364 oben):

„Dem stehen die im Ausgangspunkt hochwertigen Schutzgüter von Leben und Gesundheit der Bevölkerung (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) und der natürlichen Lebensgrundlagen (Art. 20a GG) gegenüber, denen die Beschleunigung des Atomausstiegs dient. Durch eine Regelung, die die Verstrombarkeitsdefizite vermiede, wären diese Gemeinwohlbelange – auch wenn eine Lösung über eine entsprechende Laufzeitverlängerung bei einzelnen Kernkraftwerken der betroffenen Beschwerdeführerinnen gesucht worden wäre – allerdings nur in relativ geringem Maße belastet.“

Zuerst wird gerade die Kürzung der Laufzeiten  als „notwendige und sinnvolle“ Maßnahme zu Erreichung des Ziels gewertet, (Schutz der Bevölkerung, Minderung des Risikos, weniger Abfall, etc.), dann aber zum Ausgleich der nicht mehr nutzbaren RSM eben wieder eine Verlängerung der Laufzeiten als akzeptabel gesehen.

Sorry, aber da komme ich nicht mehr mit … Aus der Perspektive eines normalen Bürgers (nicht Richters) ist zu sagen:

  • Entweder der Schutz des Lebens ist vorrangig vor dem Schutz wirtschaftlicher „Nutzungsrechte“ (sprich: Profit) oder nicht. Da gibt es kein Wenn und Aber.
  • Die beanstandete „Benachteiligung“ von Vattenfall und RWE existiert nur in einem moralischen Vakuum, in dem nur wirtschaftliche Aspekte beurteilt werden.
  • Die Reststrommengen für Krümmel und Mülheim-Klärlich hätten nie zugeteilt werden dürfen, weil beide KKW nur durch Korruption und Klüngel genehmigt wurden. Das wussten natürlich auch die Betreiber und trotzdem klagten sie Jahre später auf Schadensersatz (wegen der vorhersehbaren Folgen: Entzug der illegalen Genehmigungen).
  • Die RSM von 2002 waren viel zu hoch( 2.623.310 GWh, etwa 262 Jahre Atomstrom auf ein KW bezogen)

FAZIT: In einem echten „demokratischen Rechtsstaat“ hätte sich die Atomwirtschaft nie etablieren können … keine Technologie wirkte sich so anti-demokratisch aus (um durchsetzbar zu sein) wie die „Kernkraft“ …

Wenn man an die Groß-Demonstrationen denkt (Brokdorf, Kalkar, Wackersdorf, Gorleben, etc.), den massiven Polizeieinsatz, die jahrelang ignorierten und bagatellisierten Ängste der Bevölkerung (die sich mittlerweile in höheren Krebsraten, Leukämie bei Kleinkindern (!) usw. realisiert haben), wird einem klar, was für ein Monstrum hier von der Leine gelassen wurde.

Eines, das man nie wieder los wird … (Endlagerung?  Eine gewaltige Illusion … 30 Jahre Strom, aber Problem für 100 Generationen, das ist grenzenlose Dummheit …

(Fortsetzung folgt …)

 

 

 

ATOM (3): GEGEN DAS LEBEN

Cs 137 fallout

It has become appallingly obvious that our technology has exceeded our humanity.

Albert Einstein

TSCHERNOBYL – DIE FOLGEN

Heute, vor 29 Jahren begann die Atom-Katastrophe von Tschernobyl, durch die weite Teile Europas u.a. mit radioaktivem Cäsium verseucht wurden und wahrscheinlich rund 1 Million Menschen frühzeitig sterben werden. Das wahre Ausmaß des Supergaus wird bis heute verschwiegen bzw. die Risiken der erhöhten Radioaktivität für alle Lebewesen verharmlost (wozu das perfide „Strahlenschutzmodell“ der ICRP ja bestens geeignet ist, wie ich in Teil 1 und 2 der ATOM-Serie erläutert habe).

Da seitens der Atom-Lobby kein Interesse daran besteht, die tatsächlichen Folgen der Reaktorkatastrophe aufzudecken, muss man unabhängige Studien, die zur Aufklärung beitragen können, quasi „mit der Lupe suchen“.

Die beiden Wissenschaftler Tim Mousseau und Dr. Anders Pape Møller begannen im Jahr 2000 damit, die Auswirkungen von Tschernobyl auf die Natur zu untersuchen, vor allem auf Vögel, Insekten und Pflanzen.

Als Evolutionsbiologen waren sie natürlich besonders daran interessiert, welche Wirkung die radioaktive Belastung im Kontext höherer Mutationsraten zeigen würde: Gibt es sichtbare, genetische Effekte, Missbildungen, Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, etc.

No wildlife havenIn den Medien wurde ja häufig das Märchen verbreitet, die Wälder rund um Tschernobyl seien quasi nach einer Schockphase wieder zu neuem Leben* erwacht. Bilder von Wölfen oder Wildpferden sollten z.B. dokumentieren, dass hier keineswegs von einer Vergiftung der Natur die Rede sein konnte. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die diese Suggestion untermauern und die Studienvon Mousseau und Möller ergaben ein völlig anderes Bild (sie verglichen auch die Effekte von Tschernobyl und Fukushima).

(*Die Erklärung dafür könnte sein, dass die Strahlenbelastung innerhalb der „Sperrzone“ sehr unterschiedlich ist, wie die Graphik unten zeigt;)

exclusion zone different radiationWICHTIGSTE ERGEBNISSE VON MOUSSEAU & MØLLER

Direkt proportional zur gemessenen radioaktiven Belastung fanden die Biologen

  • Deutlich erhöhte Raten genetischer Schäden
  • Zunahme von Missbildungen und abnormalen Entwicklungen
  • Abnehmende Fruchtbarkeit >
  • Rückgang der Populationen (einer Art)
  • Signifikante Abnahme der Biodiversität (Artenschwund)

Am besten kann man die krankhaften Veränderungen natürlich mit Bildern dokumentieren, wie hier zunächst am Beispiel von Vögeln gezeigt werden soll:

1 DIE VÖGEL

measuring doseAn 300 Orten in der Ukraine und Weißrussland wurden in rund 900 Bestandsaufnahmen Vögel und Insekten untersucht und mit Kontrollgruppen in Spanien, Dänemark, Italien und unbelasteten Gebieten der Ukraine verglichen.

Wieviel (externe) Strahlung haben die Vögel abbekommen? Um diese Frage zu klären, wurden 2000 Vögel in Netzen gefangen, mit winzigen Dosimetern ausgestattet und nach einiger Zeit neuerlich gefangen, um die Werte abzulesen.

abnormalities developmental barn swallowsDie Häufigkeit von Missbildungen (abnormaler Entwicklung) z.B. bei Schwalben ist in den besonders belasteten Gebieten (wie Weißrussland) deutlich höher als in anderen europäischen Ländern:

Welche krankhaften Veränderungen wurden bei den Vögeln insgesamt beobachtet?

  • abnormale Färbung der Federn (weiße Flecken)
  • abnormale Form der Schwanzfedern

genetic damage birds 1

  • bösartige Tumore
  • genetic damage birds 4 large tumour
  • Deformierte Zehen und Schnäbel
  • Kleineres Gehirn
  • Katarakte an den Augen (führen zu Blindheit)

eye defects birdsDie „biotische Inventur“ in den durch Tschernobyl stark belasteten Zonen hat ergeben:

  • deutliche Abnahme der Anzahl von Tieren (Dichte) innerhalb einer Art, wie z.B. bei Spinnen, Heuschrecken, Bienen, Hummeln und Schmetterlingen
  • die Anzahl der Vögel ist um 66% gesunken
  • Abnahme der Biodiversität um mehr als 50%

abundance 2Ähnliche Ergebnisse fanden die Biologen auch rund um Fukushima, wo sie 1500 Bestandsaufnahmen an 400 Orten machten und die Veränderungen von Vögeln und Insekten zwischen 2011 und 2014 untersuchten. Die negativen Effekte bei den Vögeln waren 2014 noch deutlicher als in den Jahren davor (von der stillen Mega-Katastrophe im Pazifik ganz zu schweigen).

FAZIT

birds tumor ratesDie erhöhte Strahlung wirkt sich schädlich auf die Artenvielfalt (Biodiversität) und die Zahl der Tiere innerhalb einer Art aus (Populationsrückgang). Das verheerendste ist aber wohl die Tatsache, dass dadurch genetische Schäden verursacht werden, die zu krankhaften Mutationen / Krebs / Tumoren führen und zu Chromosomen-Brüchen, die alle folgenden Generationen schwächen und schwere Fehlentwicklungen auslösen.

mutant firebugsDie abnormen, genetischen Veränderungen sieht man z.B. hier an den fehlerhaften Mustern der Feuerwanze.

sperm abnormalities

Die Schädigung der Keimzellen  zeigte sich am Beispiel der Vögel auch daran, dass in 9 von 10 untersuchten Arten abnormales Sperma gefunden wurde und 40% der männlichen Vögel in den Sperrgebieten waren völlig steril.

2 DIE PFLANZEN

Auch die Pflanzenwelt hat unter dem Fallout von Tschernobyl gelitten, wie man unten auf dem Bild deutlich sehen kann: diese Bäume sind deformiert, ihr Wuchs ist abnormal.

deformed trees ChernobylAufgefallen ist den Forschern auch, dass abgestorbenes Pflanzenmaterial nicht abgebaut wird. So liegen „tote Bäume“ wie unheimliche Mahnmale herum, weil die dafür zuständigen Mikroorganismen anscheinend getötet wurden oder nicht mehr funktionsfähig sind. Daran wird erkennbar, dass durch die lebensfeindliche Strahlung auch in Ökosystemen dramatische Effekte ausgelöst werden.

tree rings radiation markAn den Jahresringen ist deutlich zu erkennen, wann Tschernobyl stattgefunden hat: die Farbe und Qualität des Holzes hat sich deutlich verändert. Die Bäume wachsen langsamer und wehe, wenn es zu Waldbränden kommt: dann wird die Radioaktivität im Abbrand wieder an die Luft abgegeben und weiter verteilt.

3 TERROR IN UTERO: DIE UNGEBORENEN KINDER

Zum Thema Verbrennen von bzw. Heizen / Kochen mit radioaktivem Holz, ist mir der Vortrag von Vladimir Wertelecki beim Helen Caldicott Symposium im März 2013 in trauriger Erinnerung geblieben:

CM PolissiaEr berichtet von der armen, ländlichen Bevölkerung in Polissia (Rivne Oblast, abgelegene Region im Nordwesten der Ukraine), wo praktisch die gesamte Nahrung selbst angebaut oder im Wald gesammelt wird. Dass diese nach Tschernobyl kontaminiert ist, kann man den Leuten zwar sagen, aber sie haben eigentlich keine Wahl, weil sie von der Regierung nicht mit unbelasteten Lebensmitteln versorgt werden (stattdessen wird verharmlost und vertuscht) und „Supermärkte“ gibt es dort nicht. Der Boden enthält wenig Ton, sodass die Pflanzen die radioaktiven Elemente besonders leicht aufnehmen. (Cäsium verhält sich dabei wie Kalium)

Sie essen also regelmäßig radioaktive Kartoffeln, nehmen die radioaktiv verseuchten Kartoffelstrünke bzw. verstrahltes Brennholz zum Kochen und Heizen und holen radioaktiv verseuchte Pilze und Beeren aus dem Wald. Die radioaktive Asche wird dann auf die Felder gestreut, als Dünger, wodurch die Radioaktivität weiter konzentriert wird. (Die Kartoffeln enthalten u.a. Strontium 90, das im Körper wie Calcium eingelagert wird…)

Eine Tragödie, deren Auswirkungen auf die Kinder das Unerträglichste ist, nämlich schwere genetische bzw. neurologische Defekte bei Neugeborenen (siehe Tabelle unten).

Congenital malformations RovineUnd auch hier wird – dank des verlogenen „Strahlenschutz-Modells“ – wieder alles verharmlost und unter den Teppich gekehrt, wie Prof. Wertelecki auch konstatiert: 

IAEA Big Lie

Die IAEA ist wahrlich eine spezielle Form des „organisierten Verbrechens“ …denn die bittere Realität sieht so aus:

congen malform up 250percent

Auf der Tabelle unten sieht man, dass schwere Fehlentwicklungen (durch die mutagene, radioaktive Strahlenbelastung) in den stark betroffenen Gebieten der Ukraine viel häufiger vorkommen, als im übrigen Europa*. Vor allem Neuralrohrdefekte (NTD) bzw. schwere Missbildungen des Gehirns (Anencephaly), aber auch Kinder, die ohne Augen geboren werden (Anophtalmia), bzw. Katarakte haben.

NTD comp Europe

Das genetische Horrorkabinett wird noch erweitert durch vermehrte Häufigkeit von Teratoma und „siamesischen“ Zwillingen.

Das Leiden der missgebildeten, von ihren Eltern verlassenen Kinder, die überleben, habe ich in ATOM (2) geschildert bzw. darin auf den Film Chernobyl Heart hingewiesen;

* Nord-England, Wales und Teile von Skandinavien haben nach Polissia die höchsten Raten für NTDs. Mehrere Studien zeigen auch, dass bei Kindern, die bereits im Mutterleib der Strahlenbelastung ausgesetzt waren, verminderte kognitive Fähigkeiten häufiger vorkommen (die Kinder haben also eine geringere „Intelligenz“, Lernschwierigkeiten, etc.) und dass die Häufigkeit von Leukämie bei Säuglingen (!) nach Tschernobyl (1987/88) deutlich angestiegen ist (Daten aus Wales, Schottland, Weißrussland und Griechenland)

Warum das mit Tschernobyl in Verbindung gebracht wird, zeigt diese Karte (Verbreitung des Fallouts von Tschernobyl)

Chernobyl path 1986Der berührende Foto-Essay von Paul FuscoChernobyl Legacy“ gehört ebenfalls zu den erschütterndsten Dokumenten über die schwer behinderten Kinder, deren genetische Mutationen durch den radioaktiven Fallout von Tschernobyl verursacht wurde.

Fusco 12 genetic damage creates a monsterAuf dem Foto links sehen wir die untere Körperhälfte von Sasha, damals 4 ½ Jahre alt, dazu der Ton von Paul Fusco:

Er ist ein Monster, das praktisch kein Lymphsystem hat … sein Körper vergiftet sich selbst … doch er ist geistig sehr aktiv, neugierig, aufmerksam…“

Was für ein grausames Schicksal diese Kinder ertragen müssen:

Die einen haben schwerste körperliche Missbildungen und doch normale, geistige Fähigkeiten … ein heller Verstand, eine empfindliche Seele, gefangen in einem monströsen Körper … die anderen sind körperlich normal entwickelt, haben aber schwere neurologische Störungen, wie der Junge unten, der gefesselt werden muss, weil er sonst ständig in die eigenen Hände beißt, bis sie bluten...

Fusco 13 restrained kid bites his own hands…und dann gibt es noch Kinder, die geistig und körperlich behindert sind, sie robben auf dem Boden herum und wimmern den ganzen Tag … können nicht sprechen ..

cm children moaning unable to walk or speakDie Apologeten der Atom-Mafia müsste man dazu zwingen, sich diese – von ihnen verursachten oder vertuschten – monströsen Fehlentwicklungen bei Menschen anzusehen. Wenn das kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (und die Evolution) ist, was dann?

Chernobyl Legacy zeigt auch das schwer kranke Mädchen Aleysa, damals (1997) 11 Jahre alt.

Aleysa leukemiaSie hat seit sechs Jahren Leukämie, wird bald sterben. Die Mutter ist außer sich vor Angst und Kummer …sie sagt unter Tränen .. Meine Tochter, meine Liebe, verlass mich nicht … erlaubt, dass sie von Paul Fusco fotografiert wird (Aleysa liegt im Koma), damit die Welt sieht, was diese Kinder erdulden müssen .. Aleysa lief als Kleinkind hinaus in den Garten, sie wollte die Regentropfen einfangen .. ihr Pech? Der Regen brachte den Fallout nach der Reaktorexplosion …Kinder in Weissrussland werden bereits geboren mit Schilddrüsenkrebs, mit Multipler Sklerose .. ein Albtraum ohne Ende …

Was ich damals geschrieben habe, gilt noch immer:

melancholy madonnaWie können wir es zulassen, dass für dieses unfassbare Leiden (und Sterben) niemand zur Rechenschaft gezogen wird, ohne dabei unsere Menschlichkeit zu verlieren?

Eine (nicht korrumpierte) Sammlung von Studien über die erhöhten Gesundheitsrisiken nach Tschernobyl gibt es hier:

***

4 FUKUSHIMA: SILENT SPRING

birds abundance 2014In ihrer jüngsten Untersuchung der Natur in der Präfektur Fukushima stellten die Forscher fest, dass die Vögel immer seltener werden. Die vorher überall vorkommenden Schwalben sind jetzt kaum noch zu sehen (aus hunderten wurden einige dutzend). Sowohl die Menge innerhalb einer Art als auch die Artenvielfalt nehmen dramatisch ab.

An manchen Orten (im Grünen) hört man keinen Vogel mehr singen …

In ihrer neuesten Studie kommen Mousseau & Kollegen zum Schluss, dass erhöhte Mutationsraten, Entwicklungsstörungen, Missbildungen und Abnahme der Populationsdichte und der Biodiversität direkte Folgen der Strahlenbelastung durch Fukushima sind. (Und die Vögel sind nur die biologischen Alarmsignale für die Menschen …)

Die von Mousseau gestellte Frage, warum es so wenig Forschung zu diesem Thema gibt (wo es doch relativ einfach für sie war, diese Effekte zu dokumentieren), beantwortet er selbst: Was nicht gesucht wird, wird auch nicht gefunden …oder noch eindeutiger:

DON’T LOOK – DON’T FIND

Was nicht gefunden werden soll, danach wird auch nicht gesucht und so können Politiker, Atomlobbyisten, das Militär und korrupte Wissenschaftler weiterhin behaupten „es gäbe keine wissenschaftlichen Beweise dafür“ (weil Studien, die die Beweise erbringen könnten, erst gar nicht finanziert werden und die wenigen, unabhängigen Forscher werden ausgegrenzt und diffamiert).

Mit Einstein habe ich begonnen, er soll auch das Schlusswort liefern:

In all countries power lies in the hands of ambitious power-hungry men. … Power relies not only on coercion, but on subtle persuasion and deception through the educational system and the media of public information. One can only hope there are enough people the world over who possess the integrity to resist these evil influences. What is important is that individuals have the honesty and courage to stand up for their convictions.‘

 

Warum Atomreaktoren (und unsere ganze Energiepolitik) ein Irrweg sind, lässt sich auch mit diesem Zitat verdeutlichen:

Thinking AE

 

 

 

 

 

 

 

ATOM (2): Die Vergiftung der Kinder

Fusco 11 toddlers dying from cancer Minsk

An Leukämie erkranktes Kleinkind, Minsk 1997 Foto: Paul Fusco (hier Bildausschnitt)

Ohne Ehrfurcht vor dem Leben hat die Menschheit keine Zukunft.      

Albert Schweitzer

Im letzten Beitrag habe ich wichtige Erkenntnisse zweier Wissenschaftler über die „verlogenen“ (wissenschaftlich unseriösen) Grundlagen der gängigen Risikobewertung radioaktiver Spaltprodukte vorgestellt. Einer von ihnen war Steven Starr, der sich besonders mit der Gesundheitsgefährdung durch Cäsium 137 befasst hat. Sein (rational begründeter) Standpunkt:

Es gibt keine „gleichmäßige“ Verteilung der freiwerdenden Energie (Radioaktivität) im „Gewebe“, wenn die Strahlenquelle sich im Inneren des Körpers befindet, vor allem bei Alpha- u. Beta-Strahlung.

Steven Starr: „Es gibt dafür keinerlei wissenschaftliche Grundlage, das ist eine willkürliche Risikoeinschätzung“.

DIE ATOM-MAFIA gegen die FREIHEIT DER WISSENSCHAFT

Es gibt aber immer mehr Erkenntnisse darüber, dass die regelmäßige Aufnahme „niedriger Dosen“ in den Körper sehr schädlich ist, besonders für Kinder. Sehr wichtige Studien darüber verdanken wir Professor Yury Bandazhevsky (Med. Spezialgebiet: Pathologie).

Yuri Bandazhovsky

Prof. Dr. Yuri Bandazhovsky (Mitte)

Professor Bandazhevsky (B.), ein mehrfach ausgezeichneter Wissenschaftler, war Leiter des Medizinischen Instituts in Gomel, einer 700.000 Einwohner-Stadt in Weißrussland, das ja besonders schwer vom Fallout nach der Tschernobyl-Katastrophe getroffen wurde. Er gründete 1989 ein Institut, das sich speziell mit den medizinischen Folgen des Reaktor-Unglücks befassen sollte und leistete in den folgenden Jahren wichtige Forschungsarbeit.

Mit welchen Mitteln die staatliche Atom-Mafia arbeitet, wenn es darum geht, das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen der „Atomkraft“ zu verschleiern, lässt sich an seinem Schicksal demonstrieren:

Am 13. Juli 1999 wurde er mitten in der Nacht von der Polizei festgenommen. Nach einer gründlichen Hausdurchsuchung wurden sein Computer, seine Bücher und sonstigen wissenschaftlichen Aufzeichnungen „beschlagnahmt“. Die rechtliche Grundlage für seine Verhaftung war (nach Angaben von Amnesty International) ein Dekret des Präsidenten mit dem Titel:

Dringende Maßnahmen zur Terrorismus-Bekämpfung und andere, besonders gefährliche Gewaltverbrechen

(Hier sehen wir auch sehr deutlich, wie die „Anti-Terror-Gesetzgebung“ vom Staat missbraucht werden kann, um Dissidenten und kritische Denker zum Schweigen zu bringen – und das gilt auch für unsere Pseudo-Demokratien. Das Schicksal von Prof. Dr. Siegwart Günther zeigt ja, wozu die Atom-Mafia (auch) in Deutschland fähig ist …)

B. wurde drei Wochen inhaftiert, ohne Angabe von Gründen und erst im August formell angeklagt. Was wurde ihm vorgeworfen? Er soll Bestechungsgelder von einem Studenten* angenommen haben, damit er in seinem Forschungsinstitut aufgenommen wird. Dafür gab es keine Beweise, sondern nur die Aussage eines Kollegen (der sie später wieder zurückzog).

(*angeblich 4.000 Dollar … Frage: Welcher Student in Weißrussland, wo relativ große Armut herrscht (Monatseinkommen um die 100 Euro ), könnte sich das leisten?

Starr chernobyl contam zone Belarus

Kontaminierte Zonen in Weißrussland und Ukraine

Der „Verdacht“, von Amnesty International, dass es sich hier um Polit-Justiz handelt, ist äußerst naheliegend, wenn man weiß, womit sich B. nach Tschernobyl beschäftigt hat. Zunächst machte er sich extrem „unbeliebt“ bei der Regierung, weil er eine vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene Schein-Studie (des Instituts für Strahlenmedizin) über die Folgen von Tschernobyl kritisierte und selbst eine Arbeit veröffentlichte, die zu besorgniserregenden Ergebnissen kam (mehr dazu weiter unten).

Aufgrund der Anklage drohte ihm eine Haftstrafte bis zu 15 Jahren und die Behörden taten alles, um das Verfahren zu verschleppen und ihn durch menschenunwürdige Behandlung weiter zu zermürben: Er durfte erst nach drei Wochen einen Rechtsbeistand kontaktieren und seine Familie sehen. Als der Anwalt die Erlaubnis bekam, seinen Mandanten zu besuchen, wurde B. in ein 100 km entferntes Gefängnis verlegt, ohne ihn zu informieren. Im Gefängnis von Mogilev wurde er in Isolationshaft gesteckt und später in ein Hochsicherheits-Gefängnis nach Minsk verlegt. Dort kam er in den angeschlossenen Krankenhaus-Trakt, weil er in der Einzelzelle in Mogilev zusammengebrochen war.

Sein Gesundheitszustand hatte sich seither dramatisch verschlechtert. Er wurde trotzdem wieder in Isolationshaft gesteckt.

Im Juni 2001 wurde er zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Der Anwalt von B. hatte geltend gemacht, dass es keinerlei objektive Beweise für die Bestechungsvorwürfe gab, sondern nur eine Zeugenaussage, die aber unter Druck gemacht wurde.

Bandazhevsky war ganz sicher ein „prisoner of conscience“, ein Mann, der wegen seiner persönlichen Integrität als „Bedrohung“ für die staatliche Atom-Mafia gilt, und deshalb eingeschüchtert und weggesperrt werden muss. Natürlich soll das auch ein „Warnschuss“, eine Abschreckung für andere Wissenschaftler sein, die auch das Prinzip der Wahrhaftigkeit nicht von der wissenschaftlichen Forschung trennen wollen.

Er wurde am 5. August 2005 auf „Bewährung“ entlassen (was wohl die Medienkampagne von Menschenrechtsorganisationen bewirkt hatte), erhielt jedoch ein Ausreiseverbot. Als er endlich das Land verlassen durfte, lud ihn der Bürgermeister von Clermont-Ferrand (in Frankreich) ein, an der örtlichen Universität weiter über die Folgen von Tschernobyl zu forschen. Das französische CRIIRAD (Information über Atomgefahren) unterstützt seine Arbeit. (Die Verbindung zu seiner Website ist nach meiner Erfahrung ständig blockiert)

1.1 DIE HÄRESIE (1. Gebot: „Du sollst dem ICRP-Modell nicht widersprechen“ …)

Bandazhevsky Cs 137 child heart diseaseSeine Forschungsarbeit (1991-1999) über die Gesundheitsschäden durch Cäsium 137 bei Kindern ist bahnbrechend, denn sie beweist anhand der Messungen, Autopsien und histologischen Befunde, dass sich die (radioaktive) Energie nicht gleichmäßig im Körper verteilt, sondern in bestimmten Organen unterschiedlich konzentriert.

Tabelle 1: Cäsium 137 – gemessene Werte (Bq/kg) in verschiedenen Organen von 6 verstorbenen Babys (!)

Chronic incorp Cs 137 childrens organsBeispiel aus der Tabelle: Kind „Nr.2“: Frühgeburt mit Missbildungen, hatte folgende Strahlenbelastung in seinen Organen (Auswahl):

  • Herz                              4250
  • Lunge                             2666
  • Leber                                250
  • Nieren                            1687
  • Gehirn                           1363
  • Schilddrüse                  6250
  • Dickdarm                       3125
  • Bauchspeicheldrüse 12500 

Die Konzentration in der Bauchspeicheldrüse war also (z.B.) 50 x höher als in der Leber, 9 x höher als im Gehirn, 7, 4 x höher als in den Nieren und doppelt so hoch wie in der Schilddrüse. Von einer „gleichmäßigen Verteilung“ der Energie kann also keine Rede sein.

Tabelle 2: Durchschnittswerte der gemessenen (Cs 137) Radioaktivität in den Organen von 52 Kindern (bis zu 10 Jahre alt) in der Region Gomel 1997.

Cs 137 accum children BandazhesvkyAm meisten belastet waren die Hormondrüsen: Schilddrüse, Nebennieren, Bauchspeichel- und Thymusdrüse (930-2054 Bequerel/kg)

Wie Steven Starr richtig hervorhebt, sind diese Befunde völlig unvereinbar mit den Methoden der ICRP, also der Kalkulation der „effektiven Äquivalenz-Dosis“ (gemessen in Milli-Sievert, mSv), von der in den Medien immer die Rede ist, weil diese Risikoberechnungen eben davon ausgehen, dass sich die beim radioaktiven Zerfall (hier von Cäsium 137) freiwerdende Energie gleichmäßig im menschlichen Gewebe verteilt, die „Ionisationsdichte“ homogen ist. Auch das Märchen, dass die Schilddrüse „nur“ durch radioaktives Jod gefährdet sei, wird damit widerlegt, weil sich auch Cäsium dort anreichert …

Professor Bandazhevsky hatte seine wichtigsten Forschungsergebnisse (u.a. „Radioaktives Cäsium und das Herz“) vor seiner Verhaftung vor dem Parlament in Minsk vorgetragen und auch den Präsidenten darüber informiert (ein großer Fehler, wie er bald feststellen musste).

Es wurde natürlich dafür gesorgt, dass diese unangenehmen Erkenntnisse „in der Versenkung“ verschwanden, also totgeschwiegen wurden. Seine elektronischen Aufzeichnungen wurden zwar zerstört, doch er hatte viele seiner Daten bereits in vier Büchern veröffentlicht:

  • Clinical and experimental aspects of the effects of incorporated radionuclides in the body, 1995
  • Pathophysiology of Incorporated Radioactivity, 1997
  • Structural and functional effects of radionuclides incorporated into the body,
  • Pathology of Incorporated Radioactivity, Minsk, 1999,

 

Nach Tschernobyl erging es hunderten Wissenschaftlern in der Sowjetunion ähnlich: es wurde ihnen verboten, Krankheiten zu diagnostizieren, die mit der radioaktiven Strahlung begründet wurden. Auf diese Weise wurden zehntausende Strahlenopfer aus der Statistik eliminiert. Bandazhevsky hatte auch dagegen protestiert, auf (mit Cäsium) kontaminiertem Land wieder Menschen anzusiedeln, damit das wahre Ausmaß der Katstrophe vertuscht wird.

Erst 12 Jahre später organisierten amerikanische Wissenschaftler eine Übersetzung seiner Arbeit in die englische Sprache und damit konnte ein „peer-review“ aus dem Westen erfolgen.

2 DAS „TSCHERNOBYL-HERZ“

Bandazhevsky hat durch seine Untersuchungen auch eine Korrelation zwischen der Cäsium-Belastung in lebenden Kindern und ihrer Herzfunktion festgestellt. Ich habe oben die Wörter „incorporated“ rot markiert, weil daraus ersichtlich ist, dass er sich jahrelang mit „interner Strahlenbelastung“ befasste, also wenn die Strahlenquelle im Körper ist (weil vor allem die Lebensmittel mit Radio-Nukliden „verseucht“ sind).

In Zusammenarbeit mit dem Belrad Institut wurden mit Ganzkörperzählern mehr als 100.000 Dosen (nur Gammastrahlung) bei Kindern aus Weißrussland ermittelt. Dazu sagt Steven Starr:

„Es gab so viele kontaminierte Kinder in Weißrussland, dass es schwer war, welche zu finden, die 0 Bequerel (pro kg) – also keine Strahlenbelastung hatten (!).

Cs 137 deposit childrens bodiesDoch nur die, die weniger als 10 Bq/kg aufwiesen, hatten (alle) ein normales Elektrokardiogramm. Je höher die gemessene Belastung war, desto häufiger traten Störungen der Herzfunktion bei den Kindern auf:

  • 11-37 Bq:  nur 35% der Kinder normales EKG
  • 37-74 Bq nur 20% der Kinder normales EKG
  • 74-100 Bq nur 11% der Kinder normales EKG (jeweils Durchschnittswerte)

Natürlich belasten radioaktive Spaltprodukte wie Cäsium auch die Herz- und Organfunktionen von Erwachsenen, wie man auf dem Balkendiagramm unten (rot-Erwachsene, blau-Kinder, die 1997 gestorben sind) sehen kann, doch die Kinder sind viel stärker betroffen:

Cs 137 accum in childrens organsHerz: 4x höhere Belastung, Gehirn und Leber: etwa doppelt so hohe Belastung, Schilddrüse: 3x höher, usw.

Steven Starr betont noch einmal ausdrücklich, dass die derzeit gültige, „anerkannte“ Grundlage für den „Strahlenschutz“ weltweit, die angenommene „gleichmäßige Verteilung“ der radioaktiven Zerfallsenergie im Körpergewebe ist. Er zeigt dazu einen Auszug von der EPA, der amerikanischen Umweltschutzbehörde.

DIE UNTERSUCHUNGEN VON YURI BANDAZHEVSKY BELEGEN EINDEUTIG, DASS DIESE „MODELL“ FALSCH IST.

chernobyl heart surgery on infants

Kleinkind nach Herz-Op in Minsk 2002

Er kommt zum Schluss, dass ab 10 Bq/kg eine Schädigung des Herzens (abnormaler Herzrhythmus) eintritt und ab 50 Bq/kg eine irreversible Schädigung (Herz und anderer Organe) unvermeidlich ist. Die Zellen des Herzmuskels werden durch die chronische Aufnahme von Cs 137 (schleichend) vergiftet und auch andere Organe, die die Herztätigkeit regulieren, werden dadurch geschädigt. Neben den direkten Zellveränderungen wird das Herz auch durch eine permanente Störung von Transport, Bindung und Abbau von Stoffwechselprodukten krank, die durch die Vergiftung mit Cäsium entsteht.

Bandazhevsky Cs 137 neuro-endocrin disturbancesAuch bei sehr „niedrigen“ Dosen (10-20 Bq/kg) tritt ein Schaden ein, weil die Fähigkeit der Herzmuskelzellen, sich an Stresssituationen anzupassen, erheblich reduziert wird. Das bedeutet im Alltag: diese Kinder dürfen nicht laufen, keinen Sport treiben, halten Temperaturschwankungen nicht aus, haben wenig Widerstandskraft bei physischem oder seelischen Stress und gegen Infektionskrankheiten.

3  DER HORROR IN BILDERN

orphaned chern victim 2004Kann man den Horror, den diese Kinder erleben müssen, besser ausdrücken, als mit diesem Bild? (Screenshot aus „Tschernobyl Heart“)

2004 kam eine berührende und schockierende Dokumentation über die kranken Kinder in Weißrussland heraus, die von der Irin Adi Roche organisiert wurde. Sie ist auch die Gründerin von Chernobyl Children International, einer Organisation, die seit 1991 tausenden kranken und verwaisten Kindern geholfen hat, ihr grausames Schicksal besser zu ertragen.

Der Film zeigt geistig und körperlich schwer behinderte Kinder, die in Pflegeheimen aufwachsen und in fast allen Fällen von ihren Eltern verlassen wurden (meistens kurz nach der Geburt).

chernobyl heart film poster(Klicken Sie auf das Bild links, um den Film zu sehen (Englisch)

Es tut weh, diese Bilder anzuschauen, dieses Leid mitzufühlen, das Schreien der Kinder zu hören, die (nach unseren Maßstäben für ein glückliches Leben) „keine Zukunft“ haben, weil vor einigen Jahrzehnten jemand entschieden hat, in Tschernobyl ein Atomkraftwerk zu bauen.

Es ist eine Sache über „genetische Schäden“ zu schreiben, mit Statistiken zu argumentieren, aber eine andere, das Ergebnis der vergifteten Erbanlagen zu sehen. Aber diese Verbrechen der Atomlobby müssen gezeigt werden, um die Menschen gegen diese monströse „Technik“ zu mobilisieren, auch wenn einem mangelnde „Pietät“ vorgeworfen wird.

Wenn ich höre, dass nur mehr 15% der Neugeborenen in Weißrussland gesund auf die Welt kommen, also mehr als vier Fünftel der Babys schon im Mutterleib krank wurden (durch die genetischen Schäden aufgrund der Strahlenbelastung), wird klar, mit welchem Wahnsinn wir es hier zu tun haben.

  • Schwere Missbildungen bei Neugeborenen: + 250% seit Tschernobyl
  • Säuglingssterblichkeit: 3x so hoch wie im restlichen Europa

yulya brain outside the head 4 yrsAuf dem Bild sehen wir Yulya, die ja schon 1997 von Paul Fusco in Minsk fotografiert wurde (das Bild habe ich im letzten Beitrag – ATOM 1 -gezeigt). Sie ist inzwischen mehr als vier Jahre alt (sieht aber nicht so aus) und muss mit einem Gehirn außerhalb des Kopfes leben.

Yevgeni huge inoperable kidney tumourAuch dieser Junge wurde schon 1997 von Fusco im Rahmen der „Chernobyl Legacy“ fotografiert. Er heißt Yevgeni und hat einen riesigen Nierentumor, den man nicht operieren kann.

Wie kann man Kindern so etwas antun? Und dann ihr Leiden und Sterben einfach ignorieren? (Alleine dafür verachte ich unsere Journaille zutiefst …dass sie dabei mitmacht …)

Im letzten Drittel des Films geht es um das „Tschernobyl-Herz“. Hier wird gezeigt, dass die Sache viel schlimmer ist, als man sich das vorstellt. Tausende Kinder werden mit schweren „Herzfehlern“ geboren. Viele davon haben mehrere Löcher im Herz und sterben, wenn man sie nicht operiert. Dazu fehlt aber das Geld und so hat sich ein Chirurgenteam aus Amerika bereit erklärt, einigen dieser Kinder das Leben zu retten.

Wir sehen wie ein 13-jähriges Mädchen, Viktoria, am offenen Herzen operiert wird. Sie hat zwei Löcher im Herzmuskel. Der Chirurg, Dr.Novick, erzählt, dass ein Gore-Tex „patch“, mit dem das Loch „geflickt“ wird, 300 Dollar kostet und das Monatseinkommen eines Arztes in Weißrussland etwa 100 Dollar beträgt.

mother of Tanya with 2 holes in heart 2002Als der Arzt aus dem OP kommt, küsst ihm Viktorias Mutter (Bild rechts) die Hände und bedankt sich mit Tränen in der Stimme. Dr. Novick ist peinlich berührt („dieses Ausmaß an Dankbarkeit zu akzeptieren“, fällt ihm schwer, wie er sagt. Für ihn war das Routine, für die Eltern eine unerwartete Gnade Gottes. Man hatte ihnen in einem anderen Krankenhaus gesagt, der Herzfehler ihrer Tochter sei inoperabel. Tausende Kinder werden sterben, weil sie nicht operiert werden (wegen Geldmangel und Überforderung des Systems).

3 BREAKDOWN: MIT DEN NERVEN AM ENDE

Fusco 14 terrorized by brain damageBild von Paul Fusco,  aufgenommen in einem Heim für (durch Tschernobyl) verwaiste, behinderte Kinder,Minsk 1997

Sein Kommentar dazu ..“dieser Junge scheint in einem ständigen Zustand des Terrors zu leben... der in seinem Kopf existiert…“

Zurück zu Professor Bandazhevsky:

Auch die Regulation des Nervensystems wird durch die Strahlenbelastung gestört, es kommt zu einer gesteigerten Aktivität des Sympathikus, die umso größer wird, je höher die Cäsiumbelastung im Körper ist (was sich wieder durch die hohe Konzentration in den Hormondrüsen, wie der Nebenniere erklären lässt; es besteht eine enge Wechselwirkung zwischen dem Hormon- und dem Nervensystem und das Immunsystem ist auch Teil dieser Vernetzung).

Dies wurde auch durch Blutuntersuchungen festgestellt (erhöhte Cortisol- (Stresshormon) und erniedrigte Thyroxin-Werte). Bei den Kindern äußerste sich das in Dystonie und Erkrankungen der Gallenblase. Mehr als 93% der Kinder mit mehr als 20 Bq/kg wiesen solche Symptome auf.

FAZIT: zehntausende Kinder und Jugendliche in Weißrussland (und der Ukraine) wurden und werden durch den Fallout von Tschernobyl krank, wie auch diese Statistik zeigt:

 

scarred for life Belarus disease

  • Fast die Hälfte aller männlichen Schulabgänger hatte gesundheitliche Probleme, die bei so jungen Menschen eigentlich gar nicht vorkommen dürften: chronische Erkrankungen des Verdauungssystems, Herzschwäche, Katarakte.
  • Bei 40% wurden „Erkrankungen des Blutes“ und Funktionsstörungen der Schilddrüse festgestellt

4 MENSCHENOPFER FÜR DIE ATOMWIRTSCHAFT

In ganz Europa sind mehr als 100 Millionen Menschen betroffen ...

In ganz Europa sind mehr als 100 Millionen Menschen betroffen …

Sieben Millionen Menschen (davon 2 Mio. in Weißrussland) leben auf offiziell „verstrahltem“ Land (alleine durch die Cäsium 137-Belastung, würde man alle Zerfallsprodukte berücksichtigen, wäre es noch viel schlimmer …) und noch viel mehr (auch wir) essen täglich radioaktiv belastete Nahrungsmittel.

Wie wir gesehen haben, reichert sich Cäsium in unseren Organen an. Aber das interessiert hier niemand … von Uran und Plutonium ganz zu schweigen . Uran hat noch dazu eine besondere „Affinität“ für die DNA …

LASSET DIE KINDLEIN ZU MIR KOMMEN ….

  •  Jedes Jahr kommen in Weißrussland 6000 Babys mit (genetisch bedingten) Herz-Defekten auf die Welt. Mehr als die Hälfte davon wird sterben, weil die notwendige medizinische Betreuung nicht geleistet werden kann.
  •  Nach Angaben von UNICEF stieg die Zahl der bösartigen Tumore bei Kindern um 40%, der Blutkreislauf-Erkrankungen um 45% und die Erkrankungen von Knochen, Muskeln und Bindegewebe um 63%.
  •  Für jedes behinderte Kind in den weißrussischen Pflege- und Kinderheimen steht nur ein Dollar pro Tag zur Verfügung

fukushima childrenStarr befürchtet, dass es den Kindern im Norden Japans wegen des – andauernden – Desasters von Fukushima und der enormen Vertuschung und Verharmlosung ähnlich ergehen wird, wie den Kindern in Weißrussland und der Ukraine.

 

Wir brauchen uns nichts vorzumachen: auch die Kinder (und in geringerem Ausmaß die Erwachsenen) im übrigen Europa werden davon betroffen sein. Wie hoch muss der Preis für eine „Technik“ eigentlich noch sein, damit sie als unakzeptabel gilt?

Der Grundsatz, nachdem hier vorgegangen wird lautet nicht „Der Schutz des Lebens hat Vorrang“, sondern „der Nutzen muss großer sein als der Schaden“. Aber auch das ist bei „Atomkraft“ ein schlechter Witz … 30 Jahre Strom für ganze Generationen mit immer mehr missgebildeten, kranken Kindern?

 

A VERY BAD IDEA

Starr beendet seinen Vortrag damit, dass die massenhafte Produktion radioaktiver Gifte zur (kurzfristigen) Stromerzeugung ein unverantwortlicher Wahnsinn sei und wer könnte ihm da noch widersprechen?

Mad Nuclear EnergyZu den gefährlichsten, langlebigen radioaktiven Elementen (die der Mensch produziert hat) gehören: das unvorstellbar giftige Plutonium (Pu 239), Americium (Am 241), Cäsium 137 und Strontium (Sr 90). Sie wurden durch die Atombombentests in den 1950er bis Anfang der 1960er Jahre, durch Katastrophen wie TMI, Tschernobyl und Fukushima weltweit verbreitet. Seit mehr als vier Jahrzehnten sind also Menschen und die Natur dieser wachsenden Strahlenbelastung ausgesetzt und die Frage ist, wie groß sind die Schäden dadurch wirklich?

In Weißrussland zeichnen sich (wie oben ausgeführt) seit Tschernobyl äußerst dramatische Folgen ab (auch Fukushima wird die Kinder krank machen …):

Man kann sagen, dass 85% der Kinder und Jugendlichen krank sind. Wenn Herz-/Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die häufigsten Todesursachen von Kindern und Teenagern sind, dann wird klar, dass der Atomwahnsinn gestoppt werden muss.

Doch es gibt sehr wenige Untersuchungen über die Auswirkungen der internen Strahlenbelastung, weil das Dogma des ICRP-Modells nicht angetastet werden soll. Würde das wahre Ausmaß der Gesundheitsschäden, des enormen Leidens der Betroffenen, die schleichende Vergiftung der Lebensmittel ans Licht kommen, wären die Schadenersatzforderungen an die Atomindustrie so gigantisch, die politischen Konsequenzen so dramatisch, dass man alles tut, um diesen Moment der Wahrheit zu verhindern.

5 GEGEN DEN STROM (der Lügen)

Nur wenige mutige Wissenschaftler wie Dr. Bandazhevsky, wagen es, sich der Atomlobby in den Weg zu stellen.

BusbyEiner davon ist der Biochemiker & Biophysiker Dr. Chris Busby, der schon seit Jahren dafür arbeitet, dass das verlogene Strahlenschutzmodell geändert wird. Nach seinen (und anderen) Forschungsergebnissen führt das derzeit gültige Berechnungsmodell zu einer 1000-fachen Unterschätzung des Risikos. Ja, Sie haben richtig gelesen – eintausend. D.h., dass die derzeit akzeptierten, also tolerierten Werte („biologischer Effekt“ / Strahlenbelastung in Sievert) durch 1000 dividiert werden müssten, um das echte Risiko darzustellen. Anders gesagt: die „Grenzwerte“ sind um das Tausendfache zu hoch angesetzt.

Und siehe da – die vorher „unerklärbaren, zu niedrigen“ Werte rund um deutsche KKW und die hohe Kinder-Leukämierate ergeben plötzlich Sinn …

Im übrigen kann man sagen, dass es überhaupt keine „unschädliche“ (ionisierende) Strahlenbelastung gibt.

Zum Nachlesen: ECCR Report- Tschernobyl: 20 Jahre Später   und Dr. Busbys Folgenabschätzung für Fukushima

Was die Änderung des Risiko-Modells – am Beispiel Fukushima – bedeutet, sehen wir hier: Aus den knapp 3.000 zusätzlichen Krebsfällen (prognostiziert für die nächsten 50 Jahre) der ICRP werden über 190.000 nach dem ECCR-Modell, das Dr. Busby angewendet hat. (In einem 100km Radius um Fukushima Daiichi)

Busby risk Fukushima

 

*Tondel ist ein schwedischer Wissenschaftler, der in seinem Modell zu einer 11%igen Zunahme der Krebsfälle (aufgetreten innerhalb von 10 Jahren) kam, für jeweils 100 kBq Cs 137 zusätzlicher Strahlenbelastung pro m2.

In einem Gespräch (von Dr. Busby) mit dem damaligen ICRP-Direktor Jack Valentin wurde sogar zugegeben, dass deren Modell für die Opfer einer Nuklearkatastrophe nicht anwendbar ist („great uncertainties“) und dass durch radioaktive Strahlung genetische Schäden entstehen. Doch Valentin kommentierte das mit folgenden Worten:

Der einzelne Mensch (von Krebs, anderen Krankheiten oder missgebildeten Kindern betroffen) hätte quasi Pech gehabt, „doch die Bevölkerung insgesamt könnte sogar von einer höheren Mutationsrate profitieren“.

Da fehlen einem die Worte … der Geist von Thomas Malthus und der „Selektion“ der Nazis geht in der Atomlobby um … zynischer geht es nicht mehr: Auslese der „Starken“ durch systemische Vergiftung mit Radionukliden der „Schwachen“ … und die Kinder stehen dabei an erster Stelle …

FORTSETZUNG FOLGT:

Fukushima: Die „Schuldfrage“ (der Tsunami war nicht das Hauptproblem) … Warum Fukushima noch gefährlicher ist als Tschernobyl … Die Vergiftung der Natur (nach Tschernobyl )… über die niemand spricht

twinheaded snake post chernobyl

ATOM (1): Der Große Betrug

Fukushima the ruins

Atomreaktor-Ruine Daichi .. Strahlung für die Ewigkeit …

Der Jahrestag der Katastrophe von Fukushima ist da und rückt das Thema „Atom“ wieder einmal (für kurze Zeit) in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch das ganze Ausmaß des atomaren Wahnsinns (auch ohne „Unfälle“ und Erdbeben) scheint noch immer nicht in den Köpfen der Menschen präsent zu sein – kein Wunder, angesichts der massiven Zensur in den Medien und dem enormen Druck auf die Wissenschaft.

Klartext: (siehe dazu auch meine früheren Beiträge zum Thema Atom / Kernkraftwerke)

Atomkraft“ ist ein Genozid auf Raten, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (und die nächsten Generationen) und gegen die Natur, das nur durch eine gigantische, systematische Lügenkampagne ermöglicht wurde.

Nuclear Free PlanetIch habe mir vor einiger Zeit im Internet einige interessante Vorträge über die Folgen von Tschernobyl und Fukushima angesehen, die am 11. März 2013 im Rahmen der New York Academy of Medicine gehalten wurden. Organisiert wurde das Ganze von der Helen Caldicott Stiftung deren Gründerin (die mutige, australische Ärztin Dr. Helen Caldicott) seit Jahrzehnten gegen den Atomwahnsinn kämpft, indem sie der Öffentlichkeit wichtige Informationen zugänglich macht, die von der Atomlobby systematisch unterdrückt werden.

Aus diesem Symposium möchte ich einige Punkte hervorheben, die mir besonders wichtig erscheinen, weil sie dazu beitragen, das Lügengebäude rund um die „Kernenergie“ zum Einsturz zu bringen.

1  ZAHLENSPIELE

Nach „Unfällen“ in Atomkraftwerken (AKW) wird der Öffentlichkeit immer suggeriert, dass die Betreiber und die Behörden in der Lage seien, das gesundheitliche Risiko der Freisetzung von radioaktiven Spaltprodukten realistisch zu bewerten. Dies geschieht durch Bekanntgabe von „Dosen“, also Zahlen, mit denen die freigewordene Radioaktivität (scheinbar) gemessen und bewertet wird.

rad foodWir hören dann z.B. von „5.000 Bequerel“ (pro kg) in Nahrungsmitteln und von „20 Milli-Sievert“ die. als jährliche „Strahlenbelastung“ an einem bestimmten Ort gelten. Dann folgt meistens eine Information, dass diese Werte weit „unter den Grenzwerten“ liegen, bei denen mit Gesundheitsschäden zu rechnen ist und dass man (z.B.) schon täglich kiloweise Spinat essen müsste, um ein höheres Erkrankungsrisiko zu haben, usw.

Die meisten Menschen können mit Begriffen wie Bequerel, Sievert oder Curie nicht viel anfangen, das ganze klingt aber sehr wissenschaftlich und mathematisch, deshalb wird der Eindruck von Seriosität vermittelt.

Doch was bedeutet es, wenn der Spinat mit 5.000 oder der Fisch aus Fukushima mit 50.000 Bequerel belastet sind und woher stammen die statistischen Berechnungsmethoden und mathematischen Modelle, nach denen das gesundheitliche Risiko bewertet wird? (Unangenehme Antworten darauf gibt es weiter unten …)

2  ZUR BEWERTUNG DES RISIKOS

Einer der Wissenschaftler, die am Symposium in New York teilnahmen, war

STEVE WING (Gillings School of Public Health, University of North Carolina)

Thema seines Vortrags:

Epidemiologische Studien über die Strahlenfreisetzung aus Atomanlagen: Lektionen aus Vergangenheit und Gegenwart (Original-Unterlagen im pdf-Format gibt es hier)

WHO risk estimate FuAuf den Punkt gebracht: Die “Wissenschaft” rund um Atomgefahren ist alles andere als „unabhängig” und „gründlich“

Professor Dr.Wing weist auf einen Bericht der WHO hin, in dem das „vorläufige“ Gesundheitsrisiko nach Fukushima bewertet wird. Dieser beruht in erster Linie auf einer Schätzung der Strahlenbelastung für die Bevölkerung (nicht auf einer wissenschaftlich gesicherten Messung). Dazu merkt Wing an, dass die Werte, auf die sich die WHO stützt, selektiv und nicht vollständig sind. So wurden folgende Belastungen völlig außer Acht gelassen:

  • Dosen in einem Radius von 20 km
  • Radioaktive Gase (Fukushima bewirkte die größte Freisetzung radioaktiver Edelgase aller Zeiten)
  • Dosen, die Föten im Mutterleib erhalten (die extrem empfindlich auf R-Strahlung reagieren)

excess mortalityDie zentrale Grundlage für die Bewertung gesundheitlicher Risiken durch Strahlenbelastung aus Spaltprodukten ist noch immer die „Untersuchung“ (LSS) der überlebenden Opfer von Hiroshima und Nagasaki, die in den 1950er Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern (unter Kontrolle des Militärs) gemacht wurde.

Doch dazu muss man wissen, dass auch hier die Daten sehr selektiv „gesammelt“ wurden. Professor Wing stellt fest:

  • Die epidemiologische Studie begann erst 1950fünf Jahre nach der Explosion der Bomben in Hiroshima und Nagasaki – das bedeutet
  • eine Selektion zugunsten der „stärkeren“ (Immunsystem, etc.) Individuen, weil die empfindlicheren Menschen inzwischen schon gestorben waren
  • Die Krebshäufigkeit wurde erst ab 1958 (!) untersucht – das bedeutet
  • alle Krebsfälle innerhalb der ersten 13 Jahre wurden ignoriert (damit vor allem jene Krebsarten mit kurzer Latenzzeit wie Leukämie, Krebserkrankungen bei Kindern, die schon im Mutterleib belastet wurden, etc.)

Diese dubiose Datenauswahl als Basis für die Risikobewertung (Lebenszeit) wird aber bis heute totgeschwiegen, denn damit lässt sich demonstrieren, dass eine (gewollte) Unterschätzung der Krebshäufigkeit in solche „Studien“ eingebaut werden kann und damit die Gefährlichkeit radioaktiver Strahlen systematisch verharmlost wird.

Missing Doses A-bomb survivors WINGEin weiteres Problem der LSS-Studie besteht darin, dass die „Kontroll-Gruppe“ (deren Sterblichkeit bzw. Krebshäufigkeit mit denen von direkt strahlen-exponierten Personen verglichen wird) sich ebenfalls in Hiroshima oder Nagasaki aufgehalten hat. Sie waren allerdings zum Zeitpunkt der Bombenexplosion entweder nicht in der Stadt oder auf andere Weise nicht direkt von der Explosion betroffen. (Eine echte Kontrollgruppe wäre gar nicht radioaktiv exponiert gewesen).

Die direkt Betroffenen befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion im Freien und erhielten daher eine große Menge externer Gamma-Strahlung. Doch beide Gruppen (der Überlebenden) nahmen über Luft, Wasser und Nahrung radioaktive Elemente auf. Die LSS-Studie verliert aber kein Wort über diese interne Strahlenbelastung. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war also nur die externe Strahlung. Trotzdem ist diese Untersuchung bis heute die Grundlage für „Strahlenschutz“-Bestimmungen auf der ganzen Welt (zwischen interner und externer Belastung wird kein Unterschied gemacht).

2.1 Ein Blick in die politische Geschichte des „Strahlenschutzes“

Während die Nuklearindustrie zu expandieren begann, mussten „Sicherheitsstandards“ entwickelt werden. Doch wie sollte man das Gesundheitsrisiko von radioaktiven Spaltprodukten bewerten, die es nie vorher auf diesem Planeten gegeben hatte? Man erkannte bald – viele von ihnen sind Alpha- (α)Strahler – weshalb sie das größte Risiko bei innerer Strahlenbelastung darstellen.

Was heißt das? Sie haben nur eine sehr kurze Reichweite (mm), sind deshalb als äußere Gefahr zu vernachlässigen. Doch wenn sie z.B. durch Nahrung in den Körper gelangen, deponieren sie ihre ganze (hohe) Energie in einem mikroskopisch kleinen Radius. Man spricht von einer „hohen Ionisationsdichte“. Die dabei getroffenen (winzigen) Zellen werden davon schwer geschädigt und wenn sie dabei nicht absterben, mutieren sie, weil es zu nicht mehr reparablen genetischen Schäden kommt (wenn der Zellkern getroffen wird). Durch diese Chromosomenbrüche wird die Grundlage für Krebs und schwere Erkrankungen des Immunsystems gelegt.

Um die enorme Gesundheitsgefahr durch interne Strahlen-Emitter zu verschleiern, sorgten die amerikanischen Behörden dafür, dass nicht Ärzte und Biologen das Sagen hatten, sondern vor allem Physiker, die in einem eigenen „Komitee“ Krankheitsrisiken bewerten sollten.

Das Problem dabei ist, dass der Physiker zwar die Zerfallsenergie eines bestimmten Nuklids berechnen kann, aber keine Ahnung davon hat, was konkret passiert, wenn sie im Inneren des Körpers, einer Zelle – einem sehr komplexen, biologischen System – „verschossen“ wird. Welche Organe sind betroffen und warum? Was passiert wirklich mit der DNA, mit dem Immunsystem?

Dazu kommt noch, dass neben der radioaktiven Giftigkeit eine chemische Giftigkeit existiert (wie bei allen Schwermetallen), die besonders für Leber und Nieren gefährlich ist. Durch die ionisierende Strahlung bilden sich auch (durch Kontakt mit Wasser > Radiolyse) sogenannte „freie Radikale“, das sind aggressive Sauerstoff-Verbindungen (ROS), die als Zellgifte wirken, wenn die zellulären Schutzmechanismen überfordert sind, und die Molekülbindungen (z.B. der DNA) spalten können.

Für den Physiker wird nur Zerfallsenergie von „Masse“ (Körpergewicht, Organgewicht) aufgenommen, doch die Musik spielt auf genetischer Ebene und in dieser unvorstellbar winzigen Dimension ist das Konzept von „aufgenommener Energie pro kg“ ebenso absurd, wie die Annahme, dass sich die Energie im Körpergewebe gleichmäßig verteilt. Mehr dazu weiter unten)

Während das Komitee für externe Strahlung bald zu einem Bericht gelangte, stritt das Komitee für interne Strahlung monatelang und kein Ende der Kontroverse war in Sicht.

Da griff die amerikanische „Strahlenschutz-Behörde“(NCRP) kurzerhand ein (Druck der Atom-Lobby, vor allem des Militärs) und erklärte die Debatte für beendet. Man legte einfach fest, dass der Bericht über die Risiken durch externe Strahlung auch für die Gefahren durch interne Strahlung zu gelten hatte. So einfach war das.

Karl MorganDer Vorsitzende der “internen” Kommission, Karl Morgan, konnte diese wissenschaftliche Schande nie überwinden und wurde (vom enthusiastischen Atomenergie-Fan) zum lebenslangen Kritiker der „Strahlenschutz“-Behörden.

I feel like a father who is ashamed of his children.”

1953 wurde – dank amerikanischem Einfluss – diese Art von “Wissenschaft“ auch die Grundlage für den internationalen Strahlenschutz, in Gestalt der ICRP, die den o.a. Bericht der NCRP kritiklos übernahm.

2.2  RISIKOBEWERTUNG FÜR DUMMIES

Kommen wir zurück vom Vortrag von Steve Wing: Er erinnert auch an die Reaktor-Katastrophe von Three Mile Island (TMI) in den USA, wo die gleiche Verschleierungstaktik angewandt wurde. (Die ersten Studien über die Krebshäufigkeit wurden erst 12 Jahre später publiziert usw.)

TMI cancer incidenceEpidemiologische Auswertungen von Dr. Wing und anderen unabhängigen Wissenschaftlern aus dem Jahr 1997, stellten einen klaren Zusammenhang zwischen der Höhe der Strahlenbelastung (Exposition der Anwohner) und dem Auftreten von Lungenkrebs her.

In einem Interview sagte Dr. Wing damals:

Unsere Studie allein kann nicht als Beweis für die höheren Krebsraten dienen, aber gemeinsam mit anderen (wo auch die Effekte bei Pflanzen, Tieren sowie Chromosomenschäden untersucht wurden) ergibt sich ein eindeutiges Bild: alles deutet darauf hin, dass die freigewordene Strahlung viel höher war, als ursprünglich angegeben.“

Eine andere Erklärung wäre natürlich, dass schon bei „niedrigen“ Dosen das Krebsrisiko steigt …

Doch die offizielle Verharmlosungskampagne hämmerte den Leuten ein, es gäbe keinen Grund zur Beunruhigung. So wurde in einem „Bericht“ aus dem Jahr 1990 festgestellt, dass die erhöhten Krebsraten rund um TMI nicht von dem Unfall herrühren könnten, weil die Strahlendosis „zu niedrig war“, um solche Effekte auszulösen.

Kein Wunder, wenn man solche „Modelle“ nach der LSS (wie o.a.) verwendet. Professor Wing erklärt, dass nach diesem mathematischen Modell, hunderttausende Menschen lebenslang beobachtet werden müssten, damit eine Zunahme der Krebssterblichkeit statistisch erkennbar wird.

Andere Krankheitssymptome der Bevölkerung rund um TMI (Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, sterbende Haustiere) wurden psychologisiert und als „stress-induziert“ abgetan. (Besonders absurd im Fall der Haustiere …!)

2.3   KINDER-LEUKÄMIE IN DEUTSCHLAND – SO WHAT?

Europäische Daten zeigen eine (statistisch signifikante) Zunahme der Leukämie bei Kindern in den letzten [20] Jahren, ein Ergebnis, das von den Daten in Deutschland bestätigt wird …“

German nucplants childhood leukemiaAuch in Deutschland wird fleißig nach diesem „Modell“ vorgegangen, mit dem man jede unangenehme Erkenntnis als „unerklärlich“ diffamieren kann. So etwa im Fall der erschütternden Ergebnisse einer Untersuchung, wonach im Umkreis von 5km rund um deutsche Atomreaktoren Kinder ein doppelt so hohes Risiko haben, an Leukämie (im Kindesalter) zu erkranken:

Ich erinnere mich noch gut daran, wie in den Talkshows des deutschen (Verblödungs-) Fernsehens, der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel saß und schön brav (implizit) suggerierte, dass diese Studie fehlerhaft sein müsse, weil „die Werte viel zu niedrig“ seien, sie also nicht durch das gültige Risiko-Modell erklärbar sind. Gewünschte Schlussfolgerung:

Die freigesetzte Strahlung aus AKWs kann nicht Ursache für (eine Zunahme von) Kinder-Leukämie sein, weil nach diesen Zahlen / Dosen die Zahl der Krebsfälle nicht steigen wird.

Germany childhood leukemiaWie Professor Wing dazu sarkastisch anmerkt, muss es sich also um einen „Fehler“ oder um ein Wunder handeln, doch wieder wird hier die fehlerhafte LSS aus Hiroshima & Nagasaki und die daraus abgeleiteten harmlosen „Dosen“ auf perfide Weise als ultimativer Wahrheits-Test herangezogen.

Tatsächlich wird aber demonstriert, wie man – basierend auf falschen (ungültigen) Prämissen – logisch erscheinende Schlüsse ziehen kann und wie weit die Autoritätshörigkeit in Deutschland geht.

Dass das Modell auf dem die Dosis-Risiko Bewertung beruht, schlicht und einfach unwissenschaftlich und verlogen (politisch motiviert) ist, darf nicht erwähnt (gedacht) werden. Das ist die „Denk-Polizei“ in Aktion, die in unseren Medien allen Ernstes als „Presse- und Redefreiheit“ verkauft wird. Was für eine unerträgliche Farce.

Wing beendet seinen Vortrag mit folgenden Worten:

Unsere Wissenschaft wird von unserem politischen System beeinflusst. Forschungsanordnungen können so gestaltet werden, dass kein Effekt gefunden wird, auch wenn er tatsächlich vorhanden ist. Das ist eine Tatsache, die die betroffene Bevölkerung verstehen muss. Wenn sie sich hilfesuchend an die Wissenschaft wendet, muss ihr klar sein, dass Wissenschaft nicht perfekt ist, nie unter perfekten Bedingungen stattfindet. Das Fehlen von kritischem Nachdenken, von selbst-kritischer Reflexion (der Wissenschaft), die Unfähigkeit, Autorität zu hinterfragen ist eines der großen Probleme auf diesem Gebiet (wie die mängelbehaftete LSS deutlich macht). Außerdem dürfen wir nicht eng-konstruierte Forschungs-Hypothesen mit systemischen Analysen verwechseln, die uns auch beschäftigen (sollten). Fragen wie – Ist Atomkraft eine gute Politik? […]“

3   DIE „GEFÄHRLICHE“ BANANE UND ANDERE MÄRCHEN

Ein weiterer Wissenschaftler, der in New York beim Caldicott-Symposium (über die medizinischen und ökologischen Folgen von Fukushima) referiert hat, ist

STEVEN STARR (MT, ASCP, University of Missouri)

Thema: Die Auswirkungen der massiven Kontamination Japans durch radioaktives Cäsium (Original-Unterlagen im pdf-Format gibt es hier (allerdings ohne Bilder); ein Transkript des Vortrages mit Folien gibt es hier)

3.1  FALSCHE ANALOGIEN

Starr weist darauf hin, dass ein weiterer Trick der Verharmlosung darin besteht, natürliche Radioaktivität mit künstlich erzeugter gleichzusetzen. (Wir kennen das ja durch die häufig benutzte Formulierung „Hintergrundstrahlung“). Doch die Spaltprodukte aus KKW sind (vor allem wenn sie in den Körper gelangen) viel gefährlicher, wie er am Beispiel von Cäsium 137 demonstrieren will. (Was nicht heißen soll, dass natürliche Quellen wie z.B. Radon harmlos ist)

Starr sagt, langlebige Radio-Nuklide wie Cäsium 137 (bleibt bis zu 300 Jahre im Ökosystem, ist wasserlöslich) seien für Menschen etwas „Neues“, denn während der ganzen Evolution (etwa 4 Milliarden Jahre) kamen sie nur in „unbedeutenden Mengen“ vor.

Fusco 9 Yulya, brain outside the headEin Bild sagt mehr als tausend Worte: wir sehen hier ein Baby (Yulya) in einem Pflegeheim in Minsk (Weissrussland, 1997), dessen DNA durch den Fallout von Tschnernobyl vergiftet wurde. Ergebnis: das Gehirn befindet sich in dem riesigen Sack außerhalb des Kopfes … (Foto Essay: Paul Fusco/ Magnum: Chernobl Legacy)

Damit werden die Worte von Steven Starr zur grausamen Realität:

Sie sind millionenfach schädlicher als alle Gifte, die wir kennen. Sie sind in der Lage Krebs, Leukämie, genetische Mutationen, Geburtsdefekte, Missbildungen und Fehlgeburten schon in unvorstellbar winzigen Mengen hervorzurufen. Sie sind tödlich auf molekularer und atomarer Ebene.“

Sie emittieren Strahlen (unsichtbare Formen von Masse und Energie), die wir mit Feuer vergleichen könnten, weil Strahlung das Gewebe verbrennt und zerstört. Aber im Gegensatz zum herkömmlichen Feuer kann dieses nukleare Feuer nicht gelöscht oder eingedämmt werden, denn es „brennt“ auf atomarer Ebene, es entsteht durch den Zerfall eines einzelnen Atoms.

Deshalb steht „Radioaktivität“ für die Anzahl der Atome, die in einem bestimmten Zeitraum zerfallen. Wir messen ihre Intensität anhand der Zerfallsrate und der Energie, die dabei frei wird.“

Starr bringt dann als Beispiel für den „hinkenden“ Vergleich die berühmte „Banane“. (In den USA wird den Leuten oft erzählt, dass sie mit jeder Banane und anderen Früchten auch radioaktive Elemente aufnehmen, was die Harmlosigkeit der Strahlung aus AKW demonstrieren soll)

3.2   WIE GIFTIG IST CÄSIUM 137?

Banana vs Cs 137Um die Gefährlichkeit (hohe Strahlenbelastung) von Cäsium zu verdeutlichen, zeigt Starr zwei Folien und erklärt dazu der Vergleich sei unzulässig, weil natürliche radioaktive Elemente viel weniger Strahlung abgeben, als künstliche. Im Falle der Banane geht es um Kalium 40, dessen „spezifische Aktivität“ mit 0,0000071 Curie pro Gramm angegeben wird.

Cäsium 137 hat eine „spezifische Aktivität“ von 88 Curie pro Gramm (1 Curie sind 37 Milliarden Bequerel.)

„Das ist so, als ob man eine Stange Dynamit mit einer Atombombe vergleicht“.

Hochradioaktive Spaltprodukte wie Cäsium 137 oder Strontium 90 senden 10- 20 Millionen Mal mehr Strahlung (pro Volumeneinheit) aus, als Kalium 40.

Man kann die extreme Giftigkeit von Cs 137 auch daran demonstrieren, wie wenig davon nötig ist, um ein Fläche zum Sperrgebiet zu machen.

Starr Contam zone chernobylIn Tschernobyl wurde ebenfalls die Belastung in Curie pro km² ermittelt. 1090 m² (hier: Quadratmeilen nicht Q-Meter), das sind 3.740 km²  rund um das Kraftwerk waren mit mehr als 104 Curie/Quadratmeile verstrahlt, dort darf niemand mehr leben.

CS 137Erinnern wir uns nochmal, dass ein Gramm Cäsium 137 eine Radioaktivität von 88 Curie aufweist. D.h. nur ein halbes Gramm davon – verteilt als Gas über eine Fläche von einem Quadratkilometer – würde dieses Gebiet unbewohnbar machen.

In einem Gramm Cäsium 137 sind 10 21 Atome enthalten (also eine Zahl mit 21 Nullen). 1,48 x10 12 davon (1480 Billionen) zerfallen jede Sekunde und setzen dabei nukleare Energie frei. Das bedeutet etwa 1,5 Millionen Zerfälle pro m² in der Sekunde. (Starr sagt, mit nur 2 Gramm Cäsium könnte man den Central Park in New York zum Sperrgebiet machen).

Starr Cs 137 central park(Anmerkung: die viel größere Gefahr ist aber die Aufnahme von Cäsium durch die Nahrung; mehr über die interne Strahlen-gefahr weiter unten)

Wenn ein Atomreaktor in die Luft fliegt, ist jedem klar, dass dadurch große Mengen radioaktiver Elemente freigesetzt werden. Doch die „stille“ Gefahr aus den „Abklingbecken“ (wo die „abgebrannten“ Brennelemente gelagert werden) wird nie erwähnt. Am Beispiel des amerikanischen Kraftwerks Indian Point (etwa 60 km von New York City entfernt) zeigt Starr, welce riesigen Mengen Cäsium 137  aus diesen radioaktiven „Swimming-Pools“ Mensch und Umwelt bedrohen:

Starr comparison chernobyl SFP USVon den 104 kommerziellen Reaktoren in den USA haben die meisten ein radioaktives „Inventar“ von mehr als 100 Millionen Curie in den (jeweiligen) Abklingbecken, ein Vielfaches dessen, was in Fukushima vorhanden ist.

3.3 JAPAN: DIE BELASTUNG MIT CÄSIUM 137 NACH FUKUSHIMA

Wenn man das Gesundheitsrisiko in Japan bewerten will, kann man das anhand der Verseuchung des Festlandes mit Cs 137 tun

Die Reaktoren 1-3 hatten eine „Kernschmelze“, was erst nach zwei Monaten von TEPCO zugegeben wurde.

Dabei wurden riesige Mengen radioaktiver Gase und Aerosole unmittelbar nach dem „Meltdown“ frei. Laut Angaben der Behörden sind 80% davon weg vom japanischen Festland in Richtung Pazifik „abgezogen“. (Doch sie kommen als biologischer Bumerang über Fische, Meeresfrüchte, etc. wieder zurück ….). Doch selbst die restlichen 20% stellen eine enorme Strahlenbelastung für die betroffenen Gebiete in Japan dar.

Starr Cs 137 cont JapanAm 11. März bot die amerikanische NNSC (Organisation für Nukleare Sicherheit) Japan an, mit ihrem Luft-Messsystem Prognosen zu erstellen und das Lawrence Livermore Lab stellte Computermodelle zur Verfügung, mit denen die atmosphärische Verteilung berechnet werden kann.

Am 14. März 2011 drehte der Wind von Osten nach Westen und blies die radioaktive „Wolke“ wieder über das japanische Festland. Man sieht auf der Graphik unten, dass die Abgasfahne zuerst südlich – über Tokio – zog, dann aber wieder nach Norden drehte. Alle Gebiete, über die die radioaktive Gaswolke zog, wurden dabei kontaminiert, doch die größte Strahlenbelastung entstand natürlich dort, wo es regnet und damit der „Fallout“ direkt unten ankam. (Das erklärt, warum auf dem Bild die Verteilung so „fleckig“ erscheint)

Acht Monate später veröffentlichte das japanische Wissenschaftsministerium eine Karte (siehe unten), auf der zu sehen ist, das 30.000 km² – das sind 13% der Fläche Japans – mit radioaktivem Cäsium verstrahlt ist.

3.4   DIE TOKIO-LÜGE

Um eine Massenpanik zu vermeiden, wurde so getan, als ob die Millionen-Stadt Tokio überhaupt nicht davon betroffen wäre, was natürlich nicht der Fall ist.

Gundersen Tokyo soil samples rad wasteMessungen von engagierten Personen (z.B. Wissenschaftler wie Professor Yukio Hayakawa oder Atomtechniker wie Arnie Gundersen) haben klar gemacht, dass natürlich auch in Tokio bedenkliche radioaktive Strahlung vorhanden ist.

Gundersen sagt dazu in einem Video:

Als ich in Tokio war, nahm ich einige Bodenproben, ganz willkürlich. Ich ging einfach mit fünf Plastiksäckchen herum und sammelte Erde ein. Eine Probe stammte aus einem Spalt eines Gehsteigs, eine andere von einem Kinderspielplatz (der vorher „dekontaminiert“ worden war!) Die dritte stammte vom Dach eines Bürogebäudes, in dem ich zu tun hatte, im Zentrum von Tokio, usw.

Ich brachte diese Proben in die USA, wo sie von einem Labor untersucht wurden und bei allen wurde Radioaktivität gemessen (Cäsium 137, Cäsium 134, Kobalt 60, Uran 235). Und das Ergebnis war, dass alle Proben hier in den USA als „radioaktiver Abfall“ gelten würden und „entsorgt“ werden müssten.

Wie würde es Dir gefallen, wenn Du beim Blumenpflücken in radioaktiver Erde knien würdest? Das ist was jetzt in Tokio passiert …“

Und Gundersen betont, dass die Kosten (geschweige denn Durchführbarkeit) einer Evakuierung von 100,000 Leuten (und mehr) in keine Kosten-Nutzen-Rechnung der Regulierungsbehörden einfließen, wenn sie den Bau eines AKW bewilligen.

Die Kosten, die der Gesellschaft durch Atomkraft entstehen (noch dazu wenn man ganze Generationen evakuieren müsste) werden auch nicht in den Strompreis eingerechnet, denn dieser würde dann wohl 5 Euro pro kW-Stunde kosten, womit die Lüge vom „billigen Atomstrom“ entlarvt wäre.

(Zurück zu Steven Starr):

4   ZAHLENSPIELE 2.0

Die Tatsache, dass TEPCO ganze zwei Monate lang geleugnet hat, dass überhaupt eine Kernschmelze stattgefunden hat, verdeutlicht ja die Verharmlosungs- und Vertuschungstaktik der Atomlobby gegenüber der Öffentlichkeit.

Eine Fläche von rund 20.000 km² hatte nach offiziellen Angaben so hohe „Strahlungswerte“, dass die bis dahin geltende Obergrenze von 1 Milli-Sievert (mSv) pro Jahr weit überschritten wurde. Doch anstatt dieses Gebiet zu evakuieren, wurde die „zulässige“ jährliche Strahlendosis einfach auf 20 mSv erhöht!

EU Kommission erhöht zulässige Rad in LMDas gleiche unverantwortliche Betrugsmanöver praktizierte ja auch die EU-Kommission, damit Produkte aus Japan weiterhin importiert werden können.

Etwa 1030 km² (300 Quadratmeilen) rund um die Reaktoranlage Daichi waren so verstrahlt, dass sie als unbewohnbar erklärt werden mussten und fast 160.000 Japaner mussten schnellstens evakuiert werden. Sie verloren ihr Zuhause, ihren Lebensunterhalt, ihre Äcker und Tiere, ihre nähere Heimat und erhielten dafür nur eine geringe Entschädigung, die gerade zur Deckung einfacher Bedürfnisse von „Flüchtlingen“ reicht.

4.1 DAS DOSIS-MÄRCHEN

Steven Starr betont, dass die Einheit „Millisievertkein gemessener Wert ist, wie Bequerel oder Curie, sondern ein kalkulierter Wert, (der in keiner Weise „wissenschaftlich fundiert“ ist).

Damit sollen wiederum die biologischen Effekte ionisierender Strahlung berücksichtigt werden, die das simple (physikalische) Konzept der „Dosis“ aber weit überfordern, weil mikro-biologische Systeme viel zu komplex sind und man mit „Energie“, die von „Masse“ aufgenommen wird, nicht weit kommt, wenn es sich um genetische Effekte in winzigen Zellkernen handelt.

Energiedosis und RBW1 Gray (früher: rad) bedeutet, dass eine Energie von 1 Joule pro kg „Gewebe“ aufgenommen wird.

Um das unterschiedliche biologische Risiko (durch die verschiedenen Strahlenarten) zu verdeutlichen, hat man einen willkürlichen Multiplikations-faktor eingeführt: den „RBW“ für

Strahlenarten Gew Faktoren„Relative Biologische Wirksamkeit“

Wie komme ich also von „Gray“ zu Sievert? Indem ich den Gray-Wert mit dem jeweiligen RBW multipliziere. Bei Alphateilchen käme so bei 5 Gray (Energiedosis) ein Wert von 100 Sievert (Äquivalenzdosis) heraus.

Bei interner Strahlung (durch Einatmen oder Nahrungsaufnahme) macht dieses Dosis-Modell überhaupt keinen Sinn, weil dabei sehr kleine Gewebsareale – immer wieder – eine hohe Strahlendosis abbekommen, es handelt sich also um einen lokalen Effekt.

Doch das gängige „Risiko-Modell“(der ICRP „Strahlenschutz“-Kommission) berechnet die „effektive“ Strahlendosis so, als ob sie sich gleichmäßig über den ganzen Körper (oder ein Organ) verteilen würde. Damit erhält man immer eine „niedrige“ (Durchschnitts-)Dosis, die dann stets dafür verwendet wird, dass sie „unmöglich solche Schäden“ anrichten könne (wie bei der Kinder-Leukämie rund um Kernkraftwerke in Deutschland)

Versuch, das auf einfache Weise verständlich zu machen:

Wenn wir uns „den Finger verbrennen“, tut das ziemlich weh (je nachdem wie groß die Hitze war und wie lange sie auf die Haut einwirkte). Warum? Weil hier so viel „Energie“ (Wärmestrahlung) auf das Gewebe einwirkte (eine kleine Stelle der Haut), dass ein biologischer Schaden entstand: eine Verbrennung der Hautzellen. Dort wurde also eine gefährliche „Dosis“ aufgenommen, die eine sichtbare Verletzung auslöste. (Was man bei inneren Schäden natürlich nicht merkt …)

Würde man die gleiche Energiemenge auf den ganzen Körper aufteilen (also durch das Körpergewicht dividieren), käme so eine kleine „Dosis“ (Wärme / Energie als Durchschnittswert) heraus, dass von einem „Risiko“ nicht zu reden wäre.

So funktioniert „Strahlenschutz“ im Atomzeitalter …

4.2 WIE HOCH IST DAS RISIKO IN JAPAN?

 Starr 20 mSv higher cancer riskSteven Starr untersucht, wie hoch das Gesundheitsrisiko für Japaner ist, nachdem die erlaubte „Jahresdosis“ auf 20 mSv erhöht wurde. Nach Berechnungen der Akademie der Wissenschaften  ergibt sich dabei (u.a.) folgendes Bild: (pro 100,000 Kinder in einer Altersgruppe):

  • 1000 zusätzliche Krebsfälle bei weiblichen Kleinkindern
  • 500 zusätzliche Krebsfälle bei männlichen Kleinkindern und
  • 100 mehr Krebsfälle bei erwachsenen Männern +(Altersgruppe: 30 Jahre)

Es ist bekannt, dass Frauen und vor allem junge Mädchen ein wesentlich höheres Krebsrisiko haben, weil sie empfindlicher auf radioaktive Strahlung reagieren (deshalb kein Mammographie-Screening!). Daher erklärt Starr:

Ein Kleinkind hat ein siebenfach höheres Risiko, durch ionisierende Strahlung Krebs zu bekommen, als ein 30 Jahre alter Mann.

Doch Starr hat begriffen, dass diese offiziellen „Berechnungen“ (die schon besorgniserregend genug sind), das wahre – viel größere Risiko – verschleiern und er betont deshalb ausdrücklich, dass die „Milli-Sievert“ Show unbedingt in Zweifel zu ziehen ist:

Es gibt eine große Kontroverse darüber, ob diese Berechnungsmethoden mit denen man zu den Milli-Sievert Werten kommt, richtig sind. Dies gilt besonders für die Festlegung der biologischen Effekte bei externer gegenüber interner Belastung ionisierender Strahlung.

  • Extern: die Strahlenquelle ist außerhalb des Körpers (z.B. Röntgengerät)
  • Intern: die Strahlenquelle befindet sich im Körper (wurde eingeatmet oder durch Nahrung aufgenommen; radioaktive Nanopartikel können aber auch durch die Haut eindringen, z.B. bei Uran-Munition, wie sie die USA / NATO-Mörderbande seit 1995 tonnenweise verschossen hat)

Die interne „Exposition“ ist natürlich enorm gefährlich, weil hier die betroffenen Zellen einer hohen, chronischen Strahlenbelastung durch die zerfallenden Atome bzw. Uran-Partikel (in unmittelbarer Nähe) ausgesetzt sind.

extensive lung damage around hot particle

Zellschäden in der Lunge durch Plutonium-Teilchen („Hot Particle“

Starr weist darauf hin, dass das größte Risiko für die Menschen in der Fallout-Zone um Tschernobyl bzw. um Fukushima, die Aufnahme radioaktiver Nahrung ist.

Auch hier spielt die Belastung mit Cäsium 137 wieder eine zentrale Rolle, weil es wegen seiner Langlebigkeit in der Nahrungskette „akkumuliert“ (sich also anreichert). Warum? Es wird ständig mehr Cäsium aufgenommen, als ausgeschieden werden kann, daher kommt es zu einer höheren Konzentration (wobei der Mensch ja bekanntlich am Ende der Nahrungskette steht und deshalb an der Spitze der „ Bio-Magnifikation“).

Da Cäsium sich (als eine Art chemisches Alias) wie Kalium „verhält“, wird es auch bevorzugt von Pflanzen aufgenommen, die von Natur aus reich an Kalium sind: z.B. Pilze und Beeren. Aber natürlich auch Milchprodukte und Fleischerzeugnisse enthalten viel Cäsium, wie schon gesagt – wegen der Nahrungskette.

DIE  CHRONISCHE  BELASTUNG

Die ICRP erkennt wenigstens an, dass sich Cs 137 auch in Menschen anreichert. Auf der Graphik unten sieht man drei Kurven: eine steht für die einmalige Aufnahme von 1000 Bequerel Cs 137, die beiden anderen  für eine tägliche Aufnahme von 1 Bq bzw. 10 Bq.

Starr ICRP chronic vs one time rad

Bei der einmaligen Aufnahme, ist nach 110 Tagen die Hälfte des Cs 137 ausgeschieden.

Doch bei der täglichen Aufnahme (einer „niedrigen“ Dosis von 10 Bq) steigt die radioaktive Belastung ständig weiter an und nach 500 Tagen erreichen wir über 1.400 Bequerel.

Das kann man direkt an den betroffenen Personen messen, weil beim Zerfall von Cs 137 Gammastrahlung frei wird – die durch den Körper durchgeht – und von einem Dosimeter erfasst wird.

5  DER DOSIS-BULLSHIT (AGAIN)

Um die Absurdität des geltenden „Risiko-Modells“ noch mal zu verdeutlichen, erklärt Steven Starr folgendes:

Bei einem Körpergewicht von 70 kg, würde eine Radioaktivität von 1400 Bequerel einer „effektiven Dosis“ von 20 Bq pro Kilogramm entsprechen. Bei einem 20 kg schweren Kind wären es dann 70 Bq/kg.

Die ICRP Dokumente enthalten gar keine Angaben zum (durchschnittlichen) Alter oder Gewicht der untersuchten Personen. Doch die „Sicherheitsstandards“, die von der Atomindustrie vorgegeben wurden, sehen in dieser chronischen Belastung mit „niedrigen“ Strahlendosen keine Gesundheitsgefahr, mit der man sich näher beschäftigen müsste.

FORTSETZUNG FOLGT ..

Themen: Die fatale Wirkung von Cäsium 137 auf die Kindersterblichkeit … Warum Cäsium Herzkrankheiten auslöst … wie die Kinder in Weißrussland durch Tschnernobyl immer kränker wurden … der Skandal um den Schilddrüsen-Krebs …

Wenn „Tatort“ zur Propaganda wird …

Tatort kidonGestern lief in der ARD wieder eine Folge aus der Serie „Tatort“, die (laut Wikipedia) von fast 8,5 Millionen Menschen gesehen wurde. So what? Es läuft praktisch jeden Tag irgendwo ein „Tatort“ (alte Folgen werden bis zum Erbrechen wiederholt) und schließlich gilt diese Krimiserie als besonders hochkarätig, weil in den Drehbüchern auch brisante, gesellschaftspolitische Themen behandelt werden, die „Story“ sich also nicht nur auf die Lösung eines Mordfalles beschränkt.

Die gestern ausgestrahlte Folge (produziert vom österreichischen Rundfunk – ORF) trägt den Titel „Deckname Kidon und schon der Vorspann deutete an, dass es sich hier um etwas „besonderes“ handelt, denn die Namen der Schauspieler erschienen auf dem Bildschirm zuerst in persisch-arabischen Schriftzeichen, die dann in lateinische Buchstaben umgewandelt wurden. Das ganze wird begleitet von „orientalischer“ Musik …

Die Handlung wird von der ARD so zusammengefasst:

Aus dem obersten Stock eines Wiener Nobelhotels stürzt ein Mann in die Tiefe. Der iranische Diplomat und Atomphysiker Dr. Bansari verübte allem Anschein nach Selbstmord. Warum aber kaufte er für denselben Abend noch teure Opernkarten? Moritz Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner wollen der Frage nachgehen, doch sofort mischen sich die iranische Botschaft und das österreichische Außenministerium ein.

Der Fall unterliegt strengster Geheimhaltung – Laptop und Handy des Toten werden beschlagnahmt. Die beiden Ermittler sind angefressen, geben aber nicht auf. Das Überwachungsvideo des Hotels führt sie auf die Spur des zwielichtigen Lobbyisten Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé. Dieser hat mit Dr. Bansari einen geheimen Deal eingefädelt.

Eisner und Fellner finden heraus, dass es um Ventile und Pumpen geht, die für Kernreaktoren benötigt werden. Eine Zugladung der hochwertigen Bauteile soll über Drittländer in den Iran verschickt werden. Für die beiden Ermittler beginnt ein Wettlauf mit der Zeit – und dem israelischen Geheimdienst Mossad.

WARUM  IST  DIESER „TATORT“  EINDEUTIG  POLITISCHE PROPAGANDA?

„Tatort“ ist eine Unterhaltungssendung und somit sind Handlung und Personen in der Regel fiktiv, doch der politische u. gesellschaftliche Rahmen in den die Ereignisse eingebettet sind, soll ja realistisch wirken, deshalb werden hier Fakten und Fiktion mehr oder weniger unvermeidlich vermischt.

Man baut reale Personen oder reale Umstände und Hintergründe in das Drehbuch ein und für den durchschnittlichen Zuschauer ist es schwer möglich, eine klare Trennlinie zwischen Wahrheit und Erfindung auszumachen. Personen, die als reale Vorbilder für bestimmte Rollen dienen, werden natürlich mit einem anderen Namen versehen, um dem Vorwurf der Verleumdung- und Rufschädigung auszuweichen.

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: MENSDORFF-POUILLYSo weiß z.B. jeder Österreicher, dass die fiktive der Figur des „Grafen Trachtenfels-Lissé“ in diesem Tatort angelehnt ist an den realen, österreichischen Lobbyisten (vor allem der britischen Rüstungsindustrie u.a. Unternehmen) Graf Mensdorff-Pouilly, der zwar wegen „Geldwäsche“ angeklagt, aber von diesem Vorwurf freigesprochen wurde. Dass praktisch alle Rüstungsgeschäfte mit Bestechung (Zahlung von „Schmiergeldern“) verbunden sind, ist eine hässliche Realität, aber die Leute, die solche Geschäfte vermitteln, sind natürlich nicht das Hauptproblem, sondern nur Symptom einer Krankheit, die 1967 von Martin Luther King so treffend beschrieben wurde und in zwei Sätzen auf den Punkt gebracht werden kann:

mlk beyoond vietnam--spiritual death

 

Ein Staat, der  Jahr für Jahr mehr Geld für Rüstung ausgibt, als für die Verbesserung der sozialen Bedingungen, ist dem spirituellen Tod nahe …“

 

Mein Land ist der größte Exporteur von Gewalt in der Welt von heute“   (daran hat sich nichts geändert …)

O-Ton: […] I knew that I could never again raise my voice against the violence of the oppressed in the ghettos without having first spoken clearly to the greatest purveyor of violence in the world today: my own government. For the sake of those boys, for the sake of this government, for the sake of the hundreds of thousands trembling under our violence, I cannot be silent.”

DER BÖSE, BEDROHLICHE IRAN – FAKT ODER FIKTION?

Die zentrale politische Aussage (und Handlungs-Prämisse) dieses „Krimis“ ist, dass der iranische Staat nach Atomwaffen trachtet und sich über die Sanktionen des Westens hinwegsetzt, um über dunkle Kanäle an Material heranzukommen, das zur Herstellung von Nuklearwaffen notwendig ist.

porterFür diese Behauptung (die von Washington und Tel Aviv lanciert wurde, um den Iran politisch zu isolieren und als russlandfreundliche Regionalmacht zu zerstören ) gibt es aber bis heute keinerlei Beweise.

(Fakt ist, dass der Iran als Unterzeichner des NPT das Recht hat, Atomreaktoren zu betreiben, die der Energiegewinnung dienen. Die Beschaffung von „Ventilen“, die auch für AKWs verwendet werden könnten, stellt daher in keiner Weise eine kriminelle Handlung oder den Bruch von Verträgen dar. Die Suggestion, dass die verhängten “Sanktionen” mit dem Völkerrecht konform sind, ist ebenfalls ein Trugschluss.)

 

Sie wurde einfach jahrelang so oft in den Medien wiederholt, bis die meisten „Zuschauer“ (in der „Zuschauerdemokratie“) dieses Hetz- und Dämonisierungskampagne zum Opfer gefallen sind. Das gleiche perfide Schauspiel gab es ja auch gegen Saddam Hussein, den libyschen Staatschef Gaddafi und den syrischen Präsident Assad, doch im Moment ist eindeutig Vladimir Putin auf dem medialen Weg zum „neuen Hitler“, der die Welt mit seiner „Aggression“ bedroht.

Dass die speichelleckende, korrupte Journaille in Deutschland und Österreich sich seit Jahren für dieses unwürdige Theater hergibt (Zerstörung der Glaubwürdigkeit von Staaten bzw. deren Behandlung als Aussätzige, die ökonomisch u. schließlich auch militärisch angegriffen werden, weil sie es gewagt haben, sich nicht zum Vasall der USA degradieren zu lassen) kann ja spätestens nach der Veröffentlichung des Buches „Gekaufte Journalisten“ auch als gesicherte Tatsache angesehen werden.

Ich habe zu diesem Thema ja schon mehrere Artikel geschrieben, in denen ich die „Kanaille“ der Medien (Journaille kann man das nicht mehr nennen) häufig als „Journ-autisten“ bezeichne, weil ihre Darstellung der politischen Realität so absurd ist. Sie machen Propaganda, geben sich als „Multiplikatoren“ für bewusst verbreitete Desinformation und Lügen her, die eine gewünschte Stimmung in der Bevölkerung erzeugen soll und lassen sich dafür auch noch fürstlich entlohnen. Dieses Gesindel fühlt sich dann (dank genossener Privilegien) auch noch als Teil der intellektuellen „Elite“.

Herr Ulfkotte spricht von „Alpha-Journalisten“, ich denke „Alpha-Arschlöcher“ wäre mehr angebracht:

Goebbels PressSie haben nicht nur die journalistische Ethik verraten und verkauft, sondern ermöglichen durch ihre willfährige Unterstützung auch die moralische „Rechtfertigung“ von Verbrechen (Subversion, Umstürze, angezettelte Bürgerkriege, Massenmord, synthetische Terroristen, etc.) der einzigen „Supermacht“ samt ihren Vasallen in der EU und anderswo.

Damit stehen sie nach meiner Ansicht moralisch auf der gleichen Stufe wie die Presse im Dritten Reich … Nein, eigentlich sind sie noch schäbiger, denn unter Hitler musste man damit rechnen von der Gestapo abgeholt zu werden. Unsere Papageien-Presse muss nur um die Karriere fürchten … (siehe dazu Ulfkotte).

Anders formuliert: wir werden von morgens bis abends von den Medien verarscht und (im Fall von ORF, ARD und ZDF) auch noch gezwungen, für diese systemische Verblödung „Gebühren“ zu bezahlen.

Dass die „Nachrichten“ und Talk-Shows massiv von politischen Netzwerken beeinflusst werden, die im Hintergrund die Fäden ziehen und als eine Art „Denkpolizei“ erfolgreich die öffentliche Meinung steuern (auch bei den Journalisten selbst), dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben (dank mutigen Leuten wie Ken Jebsen, Jürgen Elsässer oder Christoph Hörstel).

Was wir hier, in diesem „Tatort“ erleben, ist die Unterwanderung von Unterhaltungssendungen mit politischer Propaganda, die das künstlich produzierte „Feindbild Iran“ weiter verstärken soll. Die nächste Frage muss also lauten: Cui Bono?

statue of tortureWer hat etwas davon, den Iran zu dämonisieren und als Erzschurkenstaat zu präsentieren? Die Antwort darauf ist schnell gefunden: Washington und Tel Aviv. Diese beiden politischen Kräfte (radikale Gruppen in diesen Ländern, innerhalb und außerhalb der Regierung) lassen ja seit Jahren nichts unversucht, den Iran als Bedrohung für den Weltfrieden darzustellen, gegen den der Westen mit seinen „Werten“ entschlossen vorgehen muss. Was für eine unerträgliche Farce das alles ist.

Der jüngste „Folterbericht“ des US-Senates stellt klar, welche „Werte“ hier tatsächlich vertreten werden …

DIE ROLLE DES MOSSAD ALS „SCHWERT DER GERECHTIGKEIT“

Iran stopped Nuclear ProgramIn diesem „Tatort“ wird aber nicht nur das „Atomprogramm“ des Iran als illegal und gefährlich hingestellt, sondern gleichzeitig die Rolle Israels (in Form des Geheimdienstes Mossad) geradezu verherrlicht, wobei man sich fragen muss, wer solche Drehbücher verfasst (Max Gruber, eine undurchsichtige Figur) und welche Zwecke damit verfolgt werden.

Das Buch ist nicht besonders intelligent: Wenn ein Geheimdienst jemand umbringt und einen Selbstmord oder Unfall vortäuschen will, stellt er sich sicher nicht so dumm an, wie im Film anfangs suggeriert wird.

Das ist doch Selbstmord, was machen wir denn da überhaupt?“, motzt Eisner über den Einsatz am Sonntagmorgen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Schluckt jemand Kopfschmerz-Tabletten zum Frühstück, hängt sein Handy an die Ladestation, bestellt noch teure Opernkarten und bringt sich dann um? Eisner und Fellner kommen Zweifel. Diese wachsen noch, als ein iranischer Botschaftssekretär in das Hotelzimmer platzt, einfach wichtige Beweisstücke einsammelt und sich höflich verabschiedet – mit Verweis auf seine Immunität.“

(Quelle: Stern bzw. dpa / C. Bock)

Dass es kein Selbstmord war liegt also von Anfang an ganz klar auf der Hand, nicht nur wegen der oben geschilderten Aktivitäten (wer geht als „iranischer Diplomat“ in ein Nobelhotel und springt von dort aus dem Fenster auf ein parkendes Auto, mitten in Wien, wodurch massive Aufmerksamkeit garantiert ist? Und wo ist das Motiv?) Warum sollte sich überhaupt ein „Atomwissenschaftler“ nach Wien begeben, um einen Deal für Ventile abzuwickeln? Das ist doch lächerlich …)

Der barsche Polizei-Major Eisner ist stinksauer. Doch sein aalglatter Vorgesetzter Ernst Rauter (Hubert Kramar) wäscht ihm den Kopf. Der Tote sei führender Kopf des iranischen Atomprogramms gewesen und habe an der nuklearen Aufrüstung seines Landes gearbeitet. Rund um die Welt soll Bansari am Handelsembargo vorbei Material besorgt haben. Schon ein halbes Dutzend solcher iranischer Experten seien mehr oder weniger mysteriös ums Leben gekommen, sagt der Chef. „Einige wurden gezielt eliminiert oder sind „verunfallt“.“ Möglicherweise stecke dahinter eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes.“

Herr Bock von der dpa suggeriert also, dass die „nukleare Aufrüstung“ des Iran real sei,  traut sich aber nicht einmal den Namen „Mossad“ zu erwähnen und ist offensichtlich bemüht, die Ermordung iranischer Physiker (und anderer Iraner, die wirklich stattfindet) im Auftrag israelischer Geheimdienste als reine Spekulation abzutun. Wo ist hier also die Grenze zwischen Realität und Fiktion?

BÖSER IRAN – GUTES (GERECHTES) ISRAEL

sword-of-justiceDie Öffentlichkeit soll die – suggerierten – finsteren Absichten des Irans als Tatsache akzeptieren, während die Rolle des Mossad (und der ominösen „Spezialeinheit“ Kidon) als Organisator „gezielter Tötungen“ (staatlich organisierte Morde) zunächst angezweifelt wird, aber am Ende des Filmes als grandioses Finale, nämlich als Sieg der Gerechtigkeit inszeniert wird.

Dem zwielichtigen, selbstherrlichen Grafen (der als Vermittler des „illegalen Geschäftes“ mit Ventilen tätig war) kann das BKA laut Drehbuch nichts anhaben, weil er offenbar von einflussreichen österreichischen Politikern geschützt wird.

Das „Böse“ siegt also über die Gerechtigkeit und dem adeligen Mittelsmann für dunkle Geschäfte legt der Drehbuchautor auch noch am Ende folgende Worte in den Mund:

Herr Eisner, Sie können nicht gewinnen. Wir haben das Geld, wir haben die Beziehungen und wir scheißen uns nichts. Und Sie? Sie haben kein Geld, keine Beziehungen und müssen sich an die Regeln halten.“

Während also Eisner hier die eigene Impotenz gegenüber solchen Netzwerken der Macht demonstriert wird, taucht plötzlich ein Motorrad mit zwei Personen auf, diese erschießen nicht nur den „bösen“ Grafen (der im Auto sitzt) am helllichten Tag in Wien, (Kamera zeigt die blutigen Schusswunden am Kopf als Nahaufnahme) sondern lüften dann auch noch das Visier des Helmes, damit Eisner sieht, wer die Mörder sind.

Es sind jene zwei Mossad-Agenten (eine Frau und ein Mann), die schon vorher Eisner’s Mobiltelefon mit einem Trojaner ausspioniert hatten und deshalb Einblick in die Ermittlungen hatten. (In der politischen Mord-Realität wird natürlich in solchen Fällen nicht geschossen, sondern mit Sprengsätzen gearbeitet)

Der „Hammer“ kommt aber ganz am Ende der Tatort-Folge, denn die letzte Szene zeigt Eisner, wie er vor seinem Vorgesetzten aus dem Innenministerium aussagt, es sei alles so schnell gegangen, man habe nichts tun können um die Täter zu fassen. Dabei lassen sein Gesichtsausdruck und sein Ton darauf schließen, dass er dieses Verbrechen eigentlich nicht bedauert, im Gegenteil …

Den Zuschauern wird also suggeriert, dass ein Beamter des österreichischen Bundeskriminalamtes die Ermordung eines österreichischen Staatsbürgers durch einen ausländischen Geheimdienst gutheißt, weil das Opfer dieses Anschlags es „verdient hatte“ bestraft zu werden, auch zu sterben.

Da er wegen seiner Kontakte zu hohen Politikern das normale Rechtssystem umgehen konnte und illegale Deals einfädelte, die (so die Suggestion) den Bau von iranische Atomwaffen möglich machen würde, sei das quasi eine Art „höhere“ Gerechtigkeit.

just-warDie unheimliche Macht des Staates Israel, dessen psychopatische Version von „Gerechtigkeit“ zig-tausenden Menschen Elend und Tod gebracht hat, wird also dargestellt als Schwert der Vergeltung, fast wie der Vollstrecker eines göttlichen Urteils … die „Feinde“ Israels werden diesem Urteil nicht entkommen …wer schreibt so ein Drehbuch für den Tatort? Anstatt die Mörder (oder Auftraggeber aus Israel) zu fassen, werden sie als Helden der Gerechtigkeit dargestellt?

Wer sich „an die Regeln hält“, wird also verlieren? Soll heißen Gesetze (im moralischen und rechtlichen Sinn) dürfen und sollen, ja müssen gebrochen werden, damit „Gerechtigkeit“ (aus israelischer Sicht) hergestellt wird?

In einem älteren Blog habe ich über diese fanatische Selbstgerechtigkeit Israels (moralischer Absolutismus) u.a. geschrieben:

„Aus dieser Perspektive sind die Ausführungen von Herrn Augstein ein Affront, weil sie die verlogene Selbstdarstellung der israelischen Regierung (und des Zionismus als emanzipatorisches, moralisches  Unternehmen) gewaltig ins Wanken bringt.  Das „Opfervolk“ als gefährliche und unheimliche Atommacht zu präsentieren, für die die gleichen Spielregeln gelten müssen, wie für den Iran – also Kontrollen durch die IAEA, von der Unterfertigung des NPT (Iran hat unterzeichnet und nichts verbrochen, wird aber trotzdem sanktioniert) ganz zu schweigen – das geht nun aber wirklich nicht.“

Dieser „Tatort“ ist ein Skandal und die Verantwortlichen bei ORF, ARD, aber vor allem der Drehbuchautor müssten öffentlich Rede und Antwort stehen, was sie eigentlich mit diesem „Krimi“ wirklich bezwecken wollten. (Das „framing“ in den „Nachrichten“ durch „embedded spin“ im Unterhaltungssektor zu verstärken?)

Wenn diese Art der „psychologischen Operation“ (PSYOP) zum Vorteil der israelischen Regierung als „Unterhaltung“ durchgeht, dann steht uns noch Schlimmes bevor …

Können wir es uns leisten, dieses System weiterhin mit unseren Gebühren zu unterstützen? Die Hetze gegen den Iran, gegen Syrien und jetzt vor allem gegen Russland (Putin) als „Routine“ abtun, die in allen „Informationssendungen“ zur Normalität gehört?

Und jetzt werden auch noch die Unterhaltungsfilme dazu missbraucht, Stimmungen zu schüren und Verbrechen Israels zu verharmlosen?

Bacevich targeted killings

Prof. Andrew Bacevich (der seinen Sohn im zweiten Irak-Krieg verloren hat) schrieb in diesem Kontext („Gezielte Tötungen“) allerdings bezogen auf die USA, nicht Israel (aber die beiden sind ohnehin, moralisch betrachtet, siamesische Zwillinge) vor einiger Zeit:

Der Präsident darf jetzt [im Kampf gegen den „Terror“]  jeden umbringen […] Die Rolle, die man dem amerikanischen Volk dabei zugedacht hat,  besteht darin, zu applaudieren … falls, es über eine erfolgreiche „Aktion“ (Ermordung) dieser Art informiert wurde.“

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Drehbuchautor dieses „Tatorts“ (und seine Auftraggeber) ähnliche Reaktionen beim Publikum auslösen wollten.

Was muss noch passieren, damit wir uns gegen diese Manipulation der Wahrnehmung wehren, die uns für den nächsten Krieg einstimmen soll?

ANHANG

Hintergründe und geopolitischer Kontext zur Dämonisierung des Iran und der Rolle der USA & Israels:

https://medienschafe.wordpress.com/2012/04/20/grass-thinkpol-4-the-dark-stars/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/04/15/grass-und-die-thinkpol-3-iran-vs-israel/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/10/15/es-ist-angerichtet-churnalism-2012/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/07/22/superman-is-jack-the-ripper/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/06/09/monster-morder-moralapostel-3-terrorr-us/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/06/07/monster-morder-moralapostel-2/

https://medienschafe.wordpress.com/tag/iran/

Link zum Tatort (nur in Deutschland):

http://mediathek.daserste.de/Tatort/Deckname-Kidon-H%C3%B6rfassung-Video-tgl-/Das-Erste/Video?documentId=25668026&topRessort=tv&bcastId=602916

 

 

 

   

 

 

 

 

JFK(2): Pax Americana

JFK coverDer Autor des Buches heißt James Douglass. Als junger Mann wolle er (ausgerechnet) Atomphysiker werden und damit seinem Land helfen, Bomben gegen das „evil empire“ zu bauen. Doch schon bald stellte sich heraus, dass er dafür nicht geeignet war. Er begann stattdessen Theologie zu studieren und wurde später Professor für Religionswissenschaft an der Universität in Hawai. Ein Leben lang hat er sich als Mitglied der „Katholischen Arbeiterschaft“ für Frieden, gegen Armut, soziale Ungerechtigkeit und gegen Atomwaffen engagiert. Zu dem Zeitpunkt, als Kennedy ermordet wurde, war er noch relativ jung und hat wie Millionen seiner Landsleute der Darstellung  seiner Regierung Glauben geschenkt.

Zwei Personen haben ihn dazu gebracht, das Attentat und die offizielle Darstellung zu hinterfragen: Dorothy Day (die Gründerin der katholischen Arbeiterbewegung) und Thomas Merton, ein Trappistenmönch, der während des kalten Krieges mit vielen Persönlichkeiten korrespondierte und die großen Themen der Zeit ansprach. Die Ermordung von Martin Luther King war ebenfalls ein Katalysator dafür,  Bücher über die Serie politischer Morde in den USA zu schreiben (JFK  erschien 2009 als erstes)

Das Buch ist sehr gut zu lesen, gut gegliedert und in einer klaren Sprache geschrieben.  Es ist akribisch recherchiert (hunderte Fußnoten und Quellenangaben) und verarbeitet die Ergebnisse vieler anderer Kennedy-Forscher. Douglass hat 12 Jahre daran gearbeitet –  und das merkt man auch. Ein wunderbares Buch für alle, die – wie er –auf der Suche nach der Wahrheit sind (er spricht von einem „experiment in truth“, Wahrheit als moralische Kraft im Sinne Ghandis, über den er auch ein Buch geschrieben hat):

Wer verstehen will, warum Kennedy ermordet wurde (und damit auch von wem), dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Dass der Autor und sein Buch in unseren (Schafs-)Medien ignoriert wird, kann heutzutage nur mehr als Ritterschlag aufgefasst werden: Es zeigt, wie wichtig das Buch ist und wie gefährlich, also  bestens dazu geeignet, den Unsinn der hierzulande in den letzten Wochen über Kennedy verbreitet wurde, als solchen zu entlarven.

Auf den Punkt gebracht wurde Kennedy ermordet,

  • weil er den Kalten Krieg beenden wollte (vollständige Abrüstung) und sich damit gegen den mächtigen Apparat aus Militär und Geheimdiensten wandte, die wild entschlossen waren, einen Nuklearkrieg mit der Sowjetunion anzufangen (von dem sie dachten, er sei wegen der militärischen Übermacht zu gewinnen) und mit allen Mitteln Fidel Castro zu entmachten …
  • weil er sich weigerte, Kuba (während der Raketenkrise ) zu bombardieren und stattdessen mit den Sowjets eine Verhandlungslösung erreichte; er wollte die Beziehungen zu Castro und Kuba normalisieren
  • weil er heimlich mit Nikita Kruschov korrespondierte und seinen militärischen „Beratern“ nicht mehr traute ..
  • weil er erreichte, dass der US-Senat den Vertrag zur Beendigung der überirdischen Atomwaffentests (Test ban treaty) mit der Sowjetuntion ratifizierte
  • weil er die Macht der CIA erheblich einschränken wollte (er feuerte den mächtigen CIA-Direktor Allen Dulles und seine Stellvertreter – mehr dazu weiter unten)
  • weil er den Vietnamkrieg beenden wollte (erster Abzug 1000 Truppen bis Ende 1963, vollständiger Abzug Ende 1965 …)

Seit dem zweiten Weltkrieg wuchs in Amerika eine gewaltige Militärmaschinerie heran, die nicht nur wegen der Machtzunahme des Militärs sondern auch wegen der riesigen Profite, die damit gemacht wurden, zur Bedrohung für eine demokratische Gesellschaftsordnung wurde. Die berühmten Worte von Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede, seine Warnung vor dem  „militärisch-industriellen Komplex“, der alle Teile der amerikanischen Gesellschaft infiltriert und wirtschaftlich, politisch, ja auch spirituell immer mehr Einfluss gewann, sind von enormer Wichtigkeit, wenn es um den Kontext der Ermordung von JFK geht.

Vincent Salandria (den ich im ersten Teil vorgestellt habe) hat auch dafür eindringliche Worte gefunden:

We now understand the deep significance of President Kennedy’s killing. Our cities blight while we build B-2 bombers and an unattainable but military-industrial-profit-generating anti-ballistic missile system. Our poor suffer miserable existences as we continue to fatten the military-industrial complex for protection against imagined or impotent enemies. Our public schools in the urban areas decay while we maintain military bases throughout the globe. We desperately search for terrorists and weak nation states which we can designate as “rogue states” and therefore make them necessary targets for our Pentagon to show off its newest weapons systems.“

Während also Milliarden für „Rüstung“ (grauenvolle Killer-Maschinen und  Werkzeuge massenhafter Zerstörung) gegen „eingebildete und hilflose Feinde“ ausgegeben werden, gab (und gibt) es in den USA immer noch sehr viel Armut, soziales Elend, heruntergekommene Infrastruktur, Drogenabhängigkeit, Kriminalität, usw.

Wir suchen verzweifelt nach Terroristen und schwachen Nationalstaaten, die wir dann als „Schurkenstaaten“ klassifizieren können und sie damit zu notwendigen Zielen für das Pentagon machen, damit es dann mit seinen neuesten Waffensysteme angeben kann ..“

Diese Worte haben nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Im Gegenteil, es ist noch schlimmer geworden.

Salandria weiter:

Wir können uns nicht länger dahinter verstecken, dass das Attentat etwas Unerklärliches hat … es gibt kein Mysterium über das Wie, Wer und WARUM der President ermordet wurde … Nur wenn wir den Mantel der Verdrängung (der Wahrheit) abstreifen, werden wir in der Lage sein, eine unfaire und brutale Gesellschaft zu verändern ..

We cannot consider ourselves a free and democratic people until we understand and address the evil nature of the warfare-state power which murdered President John F. Kennedy. Until then we cannot begin the vital work of ridding the world of the terror produced by our mighty war machine that crushes hopes for true substantive democracy here and elsewhere.“   .[..Truer words were never spoken ..]

Aber kommen wir zurück zu James Douglass und seinem wunderbaren Buch über JFK:

THE UNSPEAKBLE – eine Kostprobe

DouglassJames Douglass wird natürlich auch in den Mainstream-Medien der USA ignoriert (Zensur durch Schweigen) doch in den Alternativ-Medien findet man Interviews und Vorträge.  Einen davon möchte ich hier wiedergeben (in deutscher Übersetzung, da er natürlich Englisch spricht):

Der Text von Douglass ist nicht vollständig, ich habe mich auf die- nach meiner Ansicht – wichtigsten Passagen des Vortrags konzentriert. Zum besseren Verständnis füge ich grundlegende Informationen über die Ereginisse hinzu.

(Anmerkung: die Skizzierung der welt- und innenpolitischen Situation, die Douglass in diesem Vortrag vornimmt,  ist  natürlich stark vereinfacht und sehr plakativ. Im Buch wird wesentlich genauer auf die Hintergründe eingegangen; )

Bevor es los geht, noch eine kurze Übersicht der Ereignisse, die das Schicksal von John F.Kennedy besiegelt haben:

1961

  • Friedensverhandlungen mit Laos  (das Militär ist entsetzt …)
  • Gescheiterte „Bay of Pigs“ Invasion (April) und JFKs Reaktion darauf:(geplante „Zerschlagung der CIA in tausend Stücke“)

1962

  • Konflikt mit der US-Stahlindustrie (April) und
  • Kuba-Raketenkrise mit der UDSSR (Okt)

1963

  • NSAM 239  Politik für ein Ende der Atomwaffentests und generelle Abrüstung  (Mai)
  • Sommer:   Nuclear Test Ban Treaty (Stop der atmosphärischen Atomwaffentests);
  • Rede zur Abschlussfeier an der American University (10. Juni)
  • Herbst       Beginn eines  geheimen Dialogs mit Fidel Castro;
  • Kennedy entscheidet, Weizen an die  Sowjetunion zu liefern
  •  NSAM 263 Abzug der Truppen aus Vietnam bis Ende 1965  (Oktober)
  • 1961-63: Kennedy-Hammarskjöld-UN Plan verhindert eine Teilung des bis dahin unabhängigen Kongos

 Douglass hebt drei Ereignisse im Vortrag hervor:

1 DIE INVASION DER SCHWEINE-BUCHT

JFK 1jpgNachdem man ihn lange bedrängt  hatte, willigte Kennedy im April 1961 schließlich ein, grünes Licht für  eine von der CIA organisierte (und mit dem Pentagon koordinierte) Invasion Kubas zum Sturz Fidel Castros zu geben. Die dafür verwendeten „Einsatzkräfte“ waren in erster Linie Exilkubaner (einige hundert), die schon jahrelang dafür trainiert und mit Waffen ausgestattet wurden. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Landung der Boote war, dass vorher die kubanische Luftabwehr* zerstört wurde, da ein offizielles Eingreifen der US Air Force ausgeschlossen war (plausible deniability). Dies misslang aber (die genaueren Details erkläre ich in einem späteren Beitrag), sodass die Exilkubaner samt ihren Versorgungschiffen im Morgengrauen von kubanischen Piloten angegriffen wurden.  Die Invasion scheiterte also und Kennedy sowie die gesamte US-Regierung war in einer sehr peinlichen Situation, da es offiziell keine militärischen Aktionen gegen Kuba gab.

(*das waren nur etwa 10 Flugzeuge)

Douglass über die politische Bedeutung der gescheiterten „Schweinebucht-Invasion“ im Kontext seiner späteren Ermordung:

Die CIA hat Kennedy über die politischen und geographischen Bedingungen in Kuba angelogen … er hatte also seine Zustimmung auf der Basis falscher Angaben gemacht … danach erkannte er, dass man ihn in eine Falle gelockt hatte: Er musste entweder offiziell das US-Militär einschalten (wodurch ein Krieg mit der UDSSR wahrscheinlich geworden wäre) oder eine schwere und peinliche Niederlage einstecken. Nachdem die geheimen CIA-Dokumente über die Aktion später freigegeben wurden, sagte Daniel Short (National Public Radio): Der Präsident war Ziel einer geheimen CIA-Operation, die scheiterte, als die Invasion scheiterte …. 

(ich glaube das nicht – die CIA-Operation ist eben nicht gescheitert – es kommt nur darauf an, was man als deren wahres Ziel ansieht .. Kennedy als Verräter hinzustellen, und somit als Hassobjekt für Geheimdienst- u. Militäroffiziere zu etablieren… )

Douglass:

Präsident Kennedy hat die Niederlage in Kauf genommen (zunächst wurde in der UN jede Beteiligung geleugnet, aber JFK hat dann die volle Verantwortung übernommen und eine Untersuchungskommission eingesetzt) . Als Reaktion auf die Falle sagte er:

Ich möchte die CIA in tausend Stücke zerhauen und sie in alle Winde verteilen

Durch die Schweinebucht-Invasion erkannte JFK die getarnten Machtansprüche von CIA und Pentagon (ein unzertrennliches, wenn auch nicht selten streitendes Duo) als Angriff auf seine Privilegien als Präsident … er begann aus dem Zirkel seiner Militär- und Geheimdienstberater auszubrechendafür werden Gefangene erschossen .. seine Entscheidung, den Direktor der CIA, Allen Dulles zu entlassen, (und seine engsten Vertrauten)  – als Folge des Vertrauensbruches im Zuge der Kuba-Invasion – war sein erster Schritt zur Freiheit (und damit auch zu seinem Tod) … der Sturz des mächtigen Dulles (der als wahrer Chef der Warren-Kommission wieder an die Macht kam) demonstrierte die Handlungsmacht des Präsidenten .. der sich verhielt, als ob er wirklich das politische Kommando hätte – nicht seine militärischen und Geheimdienst-Offiziere.

Kennedy war schockiert darüber, wie ihn die CIA hinters Licht geführt hatte ..und die CIA war schockiert, weil er Dulles gefeuert hatte – Wer glaubte dieser junge Schnösel denn, wer er sei

(Dulles: “ this little Kennedy..he thinks he is a God ..)

2 KAMPF  MIT  BIG  STEEL

Die Stahlkrise, von der wir heute so gut wie nichts mehr aus Historikerkreisen hören … war die „zweite Schweinebucht“ für JFK …. Auf seinem Weg in die Freiheit (und damit in den Tod).

Am 10. April 1962 informierte der Vorsitzende von US-Steel, Roger Blough den Präsidenten in Form einer Presseaussendung,  dass sein Unternehmen die Stahlpreise um 3,5% erhöhen würde. Na und, könnte man jetzt denken. Doch Kennedy hatte sich vorher wochenlang sehr engagiert, um die Inflation in Schach zu halten (Stahl ist natürlich ein wesentlicher Kostenfaktor in einem Haushalt, der enorme Summen für den Krieg ausgibt): sein Team verhandelte sowohl mit der Stahlindustrie als auch mit der betreffenden Gewerkschaft. Beide gaben schließlich zu verstehen, dass sie von von Preis- bzw. (Real-)Lohnerhöhungen Abstand nehmen werden.

Doch während sich die Gewerkschaft an das gentlemen’s agreement hielt (sehr bescheidene Lohnerhöhungen)  fielen die Manager des Kartells, angeführt von US-Steel, dem Präsidenten in den Rücken. Er war allem Anschein nach absichtlich blamiert und provoziert worden …

James Douglass:

anticrime-bills„JFK war sehr wütend, weil man ihn betrogen hatte .. er und sein Bruder Robert, der Justizminister,  begannen daraufhin eine Kampagne gegen die Stahlbarone: die Büros der Firmen wurden durchsucht und ihre Unterlagen beschlagnahmt … doch am schlimmsten war die Anordnung des Präsidenten an das Pentagon, die Angebote für dessen lukrative Aufträge auch im Ausland auszuschreiben, wodurch der US Stahlindustrie gewaltige Profite entgangen wären. Die Kennedys meinten es also Ernst … es war eine Kampfansage und der Gegner waren ihre Geschäfte [die der Stahlindustrie] .. das zwang die Stahlmagnaten in die Knie: sie nahmen die Preiserhöhungen wieder zurück. [es hatten sich nicht alle Stahlfirmen an den Preiserhöhungen beteiligt, nur die großen]

Ende gut, alles gut? Keineswegs, denn das ganze Manöver hatte noch einen dunkleren Hintergrund, eine finstere Absicht: In einem Editorial des Magazins FORTUNE wurde geschildert, dass die Entscheidung für eine Preiserhöhung (vom Aufsichtsrat, in dem die Finanzelite des Landes saß) darauf abzielte, Präsident Kennedy ein Dilemma zu verschaffen: entweder musste er die Preiserhöhungen akzeptieren, und damit Glaubwürdigkeit verlieren oder sich dagegen wehren, wodurch er automatisch die Feindschaft der Business-Elite auf sich zog … was dann ja auch passierte.

Kennedys Reaktion auf den Affront wird mit folgenden Worten zitiert:

My father always told me they were sons of bitches, but I never really believed him till now.

Henry Luce„Der Herausgeber von FORTUNE (und anderen Magazinen), Henry Luce war damals einer der mächtigsten Männer in Amerika. Er hatte den Leitartikel verfasst und sich dabei auf Shakespeare’s Figur des Wahrsagers in „Julius Cäsar“ gestützt:  Hüte Dich vor den Iden des März, eine Warnung an einen mächtigen Politiker vor drohendem Unheil.

Der Titel seines Artikels war: „Stahl – Die Iden des April“ … eine unmissverständliche Warnung an den Präsidenten, welches Schicksal ihm drohen würde, falls er sich weiterhin gegen die imperiale Macht (Industrie / Militär / Geheimdienste) stellen würde. Die geheimen Kräfte musssten als mehr als nur „ein bißchen“ wütend auf Präsident Kennedy sein, um eine solche Drohung auszusprechen.

Eine amerikanische Parabel war dabei, sich zu formen, als Präsident Kennedy sich nach der Kuba-Krise umdrehte und, wie ein Ketzer,  einen anderen Weg einschlug, den Weg des Friedens und der Versöhnung [an dem die Militärindustrie nichts verdienen kann und das Militär selbst seine Macht einbüßt …]

Henry Luce 1Die Parabel vom Präsidenten und den geheimen Kräften würde weitergehen bis sie ein Jahr später, auf einer sonnigen Straße in Dallas ihren Höhepunkt fand … Danach lag es an uns … …“

Douglass erzählt dann von Dorothy Day und ihrer Begegnung mit einem sehr jungen JFK  in einem Obdachlosenheim in New York, das ihre Katholische Arbeiterbewegung führte. Ein Mann der dabei war, sagte später: „Ich erinnere mich noch genau daran, wie betroffen John war, als er die Armut und das Elend dieses Ortes sah ..“ (Bild unten: der junge JFK mit seinen Brüdern Robert und Ted)

John, Ted and BobbyJohn und sein älterer Bruder Joe gingen dann mit Dorothy und anderen Personen essen. Sie redeten die ganze Nacht über Krieg und Frieden, Staat und Bürger, Armut, usw.  Jahre später marschierte Dorothy mit ihren Kollegen gegen die Außenpolitik des Präsidenten (der am Anfang wie alle „kalten Krieger“, eine beinharte, aggressive Position gegenüber Kuba und der Sowjetunion einnahm). Nach seinem gewaltsamen Tod sagte sie zu Douglass:

Schau Dir diesen Mann genauer an, lerne etwas über sein Leben. Dorothy glaubte an das Gute in den Menschen .. trotz seiner anfänglich harten Haltung erkannte sie in ihm etwas (vor seiner Wandlung), dass ihren Glauben an das Gute, das Wesen des Menschlichen berührte.

3 DIE RAKETEN-KRISE IN KUBA (Oktober 1962)

lemay„Während der Raktenkrise musste Präsident Kennedy dem Abgrund ins Auge sehen, in Gestalt des totalen Atomkrieges .. auf dem Höhepunkt dieses furchterregenden Konflikts, die seine eigene Anti-Castro Politik mitverursacht hatte .. hatte er das Gefühl, die ganze Sache sei außer Kontrolle geraten .. besonders wegen der Provokationen und des ständigen Drucks des Pentagons, angeführt von General Curtis LeMay

Zur Person: Le May legte im zweiten Weltkrieg japanischen Städte in Schutt und Asche, so wie es die Allierten-Bomber Dresden, Hamburg, etc. angetan hatten: er warf mehr als 100.000 Tonnen Brandbomben und tötete fast 300.000 Menscen .. die Japaner nannten ihn den „Dämon LeMay“. Er war eindeutig ein Kriegsverbrecher und ein indoktrinierter Psychopath, was sich auch in seinen Zitaten ausdrückt:

Es gibt keine unschuldigen Zivilisten … es ist ihre Regierung .. Du kämpfst gegen ein Volk … es macht mir nichts aus, sogenannte „Unbeteiligte“ zu töten“  (das könnte auch ein „Al Kaida“ Terrorist-in Chief  gesagt haben, oder? … die Parallele ist kein Zufall …)

Quelle: Interview mit  Michael Sherry (September 10, 1989). The Rise of American Air Power , p. 287

Zu Vietnam sagte er, „sie sollen ihre Aggression beenden oder wir bombardieren sie zurück in die Steinzeit ..“ (die Aggression war natürlich in der Realität die der USA …)

Lemnitzer ganz rechts

Lemnitzer ganz rechts

Mit solchen Leuten (weitere Beispiele für größenwahnsinnige, rechtsradikale Psychopathen unter den Generälen waren Lyman Lemnitzer (als Planer) und Edward Lansdale, als Ausführender) musste Kennedy über Krieg und Frieden streiten, sie als „Berater“ akzeptieren … 

Um öffentliche Zustimmung (und scheinbare Legitimierung) für einen offenen Angriff auf Kuba zu bekommen, schreckten Lemnitzer & Co. auch nicht davor zurück, selbst fabrizierte Terroranschläge in den USA zu arrangieren  und sie dann Castro in die Schuhe zu schieben – siehe Operation Northwoods.. Kennedy war schockiert, lehnte diese Pläne natürlich ab und tarnte seine Entlassung Lemnitzers (als Oberster Stabschef des Militärs) damit, dass er ihn als Oberkommandeur der NATO nach Europa schickte

Unser Pech: von dort aus steuerte er den synthetischen Terror, ausgeübt durch alte und neue Nazis, (Operation Gladio) der zwischen den 1960er  und 1980er Jahren hunderte unschuldige Europäer und einige Politiker das Leben kostete .. und wir dachten, es waren Bader-Meinhof, die Roten Brigaden, usw.)

GladioZurück zu Douglass:

„Als Kommandant der Air Force schickte LeMay amerikanische Spionage-flugzeuge (U2) in die Sowjetunion (natürlich eine illegale Aktion, eine Verletzung des Völkerrechts) um eine Reaktion zu provozieren (die man dann als „Aggression“ der Welt präsentierte.

Die USA hatte wesentlich mehr Atomsprengköpfe als die Sowjetunion, sehr viele mehr … und die Generäle setzten darauf, dass sie (nach gelungener Provokation) bei einem Erstschlag den Krieg gewinnen konnten. Le May ordnete also an, das Raketentests (ICBM) stattfanden – mitten im kalten Krieg – wurden vom Stützpunkt Vandenberg in Kalifornien Raketen auf den Pazifik abgefeuert und die Russen wussten nicht, ob es sich um „scharfe“ Raketen handelte oder um harmlose .. „

Während die Welt vor der Ungeheuerlichkeit eines Atomkrieges zitterte, spielten diese Generäle mit dem Feuer. Ein kolportiertes Zitat eines ranghohen Offiziers zeigt, wie wahnsinnig diese Leute waren (und sind): Zur Logik eines  siegreichen „Erstschlags“:

Sie kriegen 40 Millionen von uns, aber wir kriegen 150 Millionen von ihnen!“ (Soll heißen: es sterben dadurch 40 Millionen Amerikaner aber 150 Millionen Russen – was für ein grandioser Sieg! So etwas musste sich Kennedy anhören …

Am 24. Oktober erreichte die Spannung ihren vorläufigen  Höhepunkt, als ein russisches U-Boot,  das als Begleitschutz zweier russischer Versorgungschiffe (die USA hatten eine Seeblockade gegen Kuba verhängt) unterwegs war, von einem amerikanischen Kampfhubschrauber angegriffen werden sollte (mit Wasserbomben).

Kennedy stand unter enormen Druck, er glaubte, das sei das Ende – dieser Angriff würde einen totalen Krieg mit den Sowjets auslösen und die Welt in eine atomare Giftwolke einhüllen .

James Douglass weiter:

„Robert sah seinen Bruder an, er hob seine Hand und bedeckte seinen Mund, … sein Gesicht war eingefallen … seine Augen waren müde .. wir starrten uns gegenseitig an .. für einen Moment lang schien es, als wäre außer uns niemand anwesend  und er wäre nicht länger der Präsident ..

Und dann geschah das „Wunder“: Nikita Chruschow (NC) befahl den Rückzug der Schiffe, die „Qarantäne“ wurde nicht durchbrochen. In diesem Moment rettete er John Kennedy und alle anderen. Was hat ihn dazu bewogen? Der Vorfall wird in seinen Memoiren nicht erwähnt. Aber andere Ereignisse können eine Erklärung dafür geben:

Nikita_S._ChruschtschowKennedy und NC tauschten heimlich Briefe aus .. Am 29. September 1961 schrieb NC  zum ersten Mal an Kennedy von seinem Urlaubsort am Schwarzen Meer. Der Brief ist sechs Seiten lang. Er wurde in einer Zeitung versteckt, dem Pressesprecher Pierre Salinger übergeben. NC betonte seine Gemeinsamkeiten mit Kennedy durch eine Analogie aus der Bibel .. er verglich ihre Lage mit jener der Arche Noah: es waren alle möglichen Arten an Bord, die „Reinen“ und die „Unreinen“, doch sie hatten alle ein Interesse, dafür zu sorgen, dass das Schiff seetüchtig blieb .. wir haben keine Alternative: entweder leben wir auf der Basis einer friedlichen Kooperation .. oder das Boot geht unter …

Ein Textauszug aus dem Brief:

Nur in vertraulicher Korrespondenz kann man sagen, was man wirklich denkt …

„… wie soviele Sowjetbürger habe ich an der Front gedient und den Horror des Krieges erlebt … Ich bin gegen den Krieg. Die Sowjetregierung ist gegen den Krieg. Die Völker der SU sind gegen den Krieg. Ich sage Ihnen das, weil ich glaube, dass Sie – der ebenfalls ein aktiver Kriegsteilnehmer war – die gleiche Haltung einnehmen

Natürlich war die politisch angespannte Lage kaum dazu geeignet, optimistisch zu sein, das war beiden klar und sie waren auch nicht naiv:  NC weiter:

„Wenn man sich einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen unseren Ländern anpassen wollte, wäre Ihre Rede vor der UN-Vollversammlung gut geeignet,  eine  unversöhnliche Haltung im Geist des kalten Krieges zu demonstrieren … diese Rede enthielt nicht gerade wenige Punkte, die gegen die Normalisierung der internationalen Lage Stimmung machen und jenen Unterstützung gewährt, die danach trachten eine militärische Psychose auszulösen, indem sie alle möglichen Märchen über die Absichten der Sowjetregierung verbreiten und ihr Dinge nachsagen, die es gar nicht gibt …“

Doch Chruschow spürte, dass er und JFK trotz gewaltiger Probleme mehr gemeinsam hatten, als man je für möglich gehalten hätte:

Wenn Sie, Herr Präsdient auf dieses edle Ziel hinarbeiten [vollständige Abrüstung] – und ich glaube, das tun Sie – wenn das Abkommen mit den Vereinigten Staaten über die Grundsätze der Abrüstung nicht nur ein diplomatisches oder taktisches Manöver sind, dann werden Sie völliges Einverständnis auf unserer Seite finden und wir werden nichts unversucht lassen, um eine gemeinsame Sprache und das notwendige Einvernehmen mit Ihnen zu erreichen.

Kennedy antwortete ebenfalls von seinem Rückzugsort in Hyannis Port:

Mir gefällt Ihre Analogie mit der Arche …  was für Differenzen wir auch haben, unsere Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens ist ebenso dringend, wenn nicht noch dringender als während des letzten Weltkrieges …

Cuba blockadeDouglass: So kam es, dass sogar als sich die beiden politischen Führer am Abgrund eines Atomkrieges gegenüberstanden, sie aufgrund ihrer geheimen Korrespondenz in der Lage waren, den „anderen“ als menschliche Wesen wahrzunehmen,  als eine Person, der man mit Respekt (und auch Mitgefühl)begegnet.

Das ist genau das, was das Militär um jeden Preis verhindern muss, wenn es Soldaten dazu bringen will, andere Menschen umzubringen …

Die Welt war eine Arche Noah, die „Reinen und Unreinen“ mussten zusammenarbeiten um ein Sinken des Bootes zu verhindern .. also stoppte Chruschow seine Boote um  die Arche nicht zu versenken  ..

Doch die Krise war deshalb noch nicht vorbei:  die Arbeiten am russischen Raketenstützpunkt gingen zügig weiter … dann wurde ein U2-Spionageflugzeug  über Kuba abgeschossen, der Pilot kam dabei um …  die Stabschefs und der Nationale Sicherheitsrat drängten natürlich auf sofortige Vergeltung .. Großangriff bereits am nächsten Morgen .. und dann attackieren wir die Sowjetunion ..

U2 Lockheed(Es wurde natürlich bestritten, dass das Flugzeug spioniert hatte .. ebenso wurden tausende Sabotage- und Terroraktionen gegen die kubanische Bevölkerung sowie zahllose Anschläge auf Castros Leben  als „notwendig“ zur Verteidigung der  vorgeschobenen Freiheitsideale angesehen .. die Fähigkeit, dieser Leute sich selbst zu indoktrinieren, und ungeheure Verbrechen zu rectfertigen ist grenzenlos ….)

Robert Kennedy: „ Wir hatten das Gefühl, das die Schlinge um unseren Hals sich langsam zuzog .. für uns als Amerikaner, aber auch für die ganze Menschheit und das die Fluchtwege einzustürzen begannen … „

Doch John machte den kriegsgeilen Generälen wieder einen Strich durch die Rechnung:

„Er gab keine Erlaubnis für einen Vergeltungsschlag und suchte weiterhin nach einer friedlichen Lösung.  Im Oval Office traf er seinen Bruder Robert. Dieser schrieb später über dieses Treffen:

 „The thought that disturbed him the most, and that made the prospect of war much more fearful … , was the specter of the death of the children of this country and all the world … the young, who had no role, no say, who knew nothing even of the confronation, but whose lives would be snuffed out like everyone elses, never make a decision, to vote in an election,..to determine their own destinies ..it was this that troubled him most, that gave him such pain.“

„Was JFK also am meisten zu schaffen machte, war Folge seines Mitgefühls, seines Mit-Leidens .. die Vorstellung, dass weltweit tausende, ja Millionen Kinder bei einem Atomkrieg sterben würden, … die Jungen, die nicht mitreden konnten, die nichts von diesen Konflikten wussten, deren Leben aber ausgelöscht werden würde … die  nie eine Entscheidung treffen würden, niemals ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen konnten, das tat ihm am meisten weh .. „

Diese Gedanken und die Fähigkeit, seine Feinde als menschliche Wesen wahrzunehmen und mit Respekt zu behandeln, nicht als die Karikaturen der Inkarnation des „Bösen“, bewirkten eine Verwandlung des ehemaligen kalten Kriegers, der „Spezialkräfte“ (Sondereinheiten des Militärs, Terroristen, die verdeckt Krieg führten) nach Vietnam entsandt hatte und den Kubanern das Recht auf  politische Selbstbestimmung absprach, eine Metanoia (griech: Um-Denken, geistige Wende)

Douglass: Was Thomas Merton so beschrieben hatte:

Vielleicht wird JFK eines Tages diesen Zustand des selbst-Vergessens und des Mitgefühls erreichen … aber solche Leute werden über kurz oder lang  Ziele für ein Attentat ..

In diesem Augenblick traf  JFK die folgenschwerste Entscheidung seiner Präsidentschaft und seines Lebens:

Anatoly DobryninEr entschied, dass Robert heimlich den russischen Botschafter Anatoly Dobrinin treffen und persönlich seine große Besorgnis über die Lage zum Ausdruck bringen sollte .. in einem Moment, als die Welt sich verdunkelte, als die Generäle und Berater ihn ständig drängen, endlich anzugreifen und einen Atomkrieg auszulösen .. tat er, was sein Militär und die CIA als unverzeihlich ansahen: er wies nicht nur ihr Drängen zu einem militärischen Angriff  zurück, es war noch viel schlimmer, er wandte sich an seine Feinde und bat um ihre Hilfe, das konnte als Verrat ausgelegt werden … NK sah es als Ausdruck der Hoffnung.

Als RK Dobrinin in Washington traf, warnte er davor, dass der Präsident die Kontrolle an die Generäle verlor und die Unterstützung der Sowjetunion brauchte. Als Chruschtschow diese Nachricht in Moskau errreichte, wandte er sich an seinen Außenminister und sagte:

Wir müssen Präsident Kennedy wissen lassen, dass wir ihm helfen wollen.  NK zögerte … jetzt, wo der Feind am Ende seiner Weisheit angelangt schien, sollte er ihm wirklich helfen? Wollte er das wirklich. Ja, entschied er – Hilfe. Wir haben jetzt ein gemeinsames Ziel, die Welt vor denen zu retten, die uns in einen Krieg drängen wollen.

Wie können wir diesen Moment verstehen?

Die zwei bis an die Zähne bewaffneten politischen Führer … auf der Schwelle zu einem Nuklearkrieg .. verbünden sich gegen jene – auf beiden Seiten – die sie zum Angriff drängen.

Chruschow befahl den Rückzug der Raketen auf Kuba, nachdem ihm Kennedy versichert hatte, dass er Kuba nie mehr angreifen werde und ihm garantierte, dass er auch die Raketen in der Türkei, die natürlich auf Moskau gerichtet waren, abbauen würde, was er später auch tat ).

Die beiden Erzfeinde des kalten Krieges hatten eine Wandlung durchgemacht, als sie erkannten, dass sie mehr verband als jeder von ihnen mit seinen Generälen gemeinsam hatte. Keiner von beiden war ein Heiliger. Beide hatten massiv dazu beigetragen, dass die Welt an diesen Punkt gelangt war und die Gefahr eines Atomkrieges imminent war. Doch als sie in den Abgrund sahen, gingen sie aufeinander zu, um sich gegenseitig zu helfen.

Damit gaben sie der Welt die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden zurück. Kennedy beschritt diesen Weg weiter und seine Rede auf dem Campus der American University am 10. Juni 1963 verdeutlicht dies besonders stark.

American Univ address  June 10

Wer diese Worte  – inmitten der aggressiven Mentalität des kalten Krieges – hört und versteht, begreift was Kennedy damit riskierte. Es ist, als ob  er damit sein eigenes Todesurteil unterschrieben hätte…

We must reconsider our own attitudes … usw.

Kann man sich vorstellen, das Nixon, Ford, Bush, Clinton oder Obama je solche Worte von sich geben würden?  No Way. Kein Präsident  hat sich danach je wieder gegen den Militär-NS-Mafia-Gestapo-Terror-Staat gewendet .. the land of the free“ …. wurde zum globalen Terror-Mastermind …(europäische Geheimdienste machen natürlich auch mit …)

Fortsetzung folgt …

 

„Anti-Semiten“ 2013: The Show Must Go On

1 Maulkorb ASNachdem man Günter Grass wegen seiner Israel-Kritik mit einer Barrage aus ad hominem Attacken gründlich desavouiert hat, kam jetzt Jakob Augstein  dran. Warum? Weil er die Haltung von Grass (die viele teilen) verteidigt hat. Hier die Passagen, die nach meiner Ansicht bei den Apologeten Israels die größte Empörung ausgelöst haben dürften (Hervorhebungen von mir):

Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden. Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen. Ein überfälliges Gespräch hat begonnen.

 „[…] Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs: „Netanjahus Israel hat die globale Agenda auf eine Weise bestimmt wie kein kleiner Staat je zuvor“, schreibt die israelische Zeitung Haaretz. […] Niemand behauptet, dass Iran eine Atombombe besitzt. Niemand weiß, ob Iran an einer solchen Bombe arbeitet. Im Gegenteil: Die Amerikaner gehen davon aus, Teheran habe sein Atomwaffenprogramm im Jahr 2003 eingestellt. Das interessiert die Israelis nicht. […]“

„[…] Es ist an der Zeit, wie Grass schreibt, darauf zu bestehen, „dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird“.

An diesem Kommentar gibt es nichts, wofür sich Augstein bei irgendjemand entschuldigen müsste und jeder halbwegs informierte Leser begreift, dass der organisierte Outrage (ausgelöst durch das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, das Augstein unter die „Top 10“ der schlimmsten Anti-Semiten weltweit eingereiht hat, auf  Platz  9) ein  rein taktisches Manöver ist, um die letzten Enklaven freien Denkens (in Bezug auf Israel und den Nahost-Konflikt) in der deutschen Journaille zu diffamieren. Was wäre besser dazu geeignet, als das Stigma-Wort des Jahrhunderts, die semantische Clusterbombe der zionistischen Denkpolizei: „Anti-Semit“?

Schopenhauer wusste schon, dass die Einordnung des Gegners in eine verhasste Kategorie ein rhetorischer Kunstgriff, also ein sehr effektives Instrument ist, um die Debatte in eine andere Richtung zu lenken und sich gegen Kritik zu immunisieren.

Im Internet finden sich in der Folge  zahlreiche Einträge mit der Überschrift „Ist Augstein ein Anti-Semit?“ Anscheinend traut sich niemand in der deutschen Öffentlichkeit  klipp und klar die Vorwürfe des SWC als absurd  und unhaltbar zu beschreiben (einzige Ausnahme, die ich gefunden habe, ist die FAZ bzw. ein Kommentar in der Zeit).

„The poisioning of public discourse on human rights by apologists for Israel is not confined to the United States. The most appalling and shameful example is Gemany”.

                                                    Dr. Norman Finkelstein, Beyond Chutzpah

Die „Vergiftung des öffentlichen Diskurses“  durch  die Apologeten der israelischen Politik, sieht Finkelstein also (außerhalb der USA) wo als besonders eklatant und beschämend?  In Deutschland.

Das kann uns nicht wundern, denn die „political correctness“ gegenüber Israel in den deutschen Medien hat mittlerweile ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Wenn die Zustimmung (zur Position Israels bzw. der USA – oft auch nur durch Schweigen) zur Pflicht wird, ist es mit der Meinungsfreiheit vorbei und die bittere Ironie dabei ist, dass die wahrgenommene Uniformität des Denkens anti-semitische Stereotypen („die Juden kontrollieren die Medien“) befördern kann.

1 Finkelstein beyond chutzpahFinkelstein schreibt in der Einleitung zur Taschenbuch Ausgabe, das Buch versuche ein Paradoxon zu erklären: Wieso gibt es so große Kontroversen  über den „Nahostkonflikt“  in der öffentlichen Debatte, wenn die historischen Fakten, die dokumentierte Menschenrechtssituation in den besetzten Gebieten und die rechtlich-diplomatische Lage so eindeutig sind?

Die Antwort, die er anbietet lautet: Die Dominanz der Kontroverse [in der medialen Darstellung des Konfllikts] sei ein Trick, um von den Fakten abzulenken und Verwirrung zu erzeugen. Zu den konstruierten Kontroversen der Israel-Apologeten zählt er in erster Linie drei Bereiche: Mystifikation des Konflikts („alles so kompliziert, dass man ein Experte sein muss, um die Lage beurteilen zu können“), ein „neuer Anti-Semitismus“  und die Verbreitung gefälschter „wissenschaftlicher“ Studien zur Entlastung Israels, also ein Form des akademischen Betruges, wie das Buch „The Case for Israel“ von Alan Dershowitz (Finkelstein entlarvt den Betrug im zweiten Teil des o.a. Buches)

Ich teile diese Ansicht Finkelsteins und möchte  versuchen, anhand der Attacken gegen Augstein die Instrumentalisierung des Wortes „Anti-Semit“ näher zu untersuchen.

Was bedeutet Anti-Semitismus?

Ich würde das so definieren: Die pauschale, kollektive Verurteilung von Personen jüdischen Glaubens, das Unterstellen negativer Charaktereigenschaften wie  Hinterlist, Gier, etc. die von den Nazis als „typisch für die jüdische Rasse“ (die es nicht gibt) dargestellt wurden und dazu führten, dass „die Juden“ schließlich als Sündenbock für eskalierende Probleme (nicht nur unter Hitler) herhalten mussten. Gesellschaftliche Diskriminierung, Enteignung,  systematische Demütigung, Aberkennung der Menschlichkeit, Freiheitsberaubung, Deportation ins KZ und schließlich Massenmord waren die grauenhaften Folgen während des Dritten Reiches.

Die Tatsache, dass das Wort an sich nicht geeignet ist, eine judenfeindliche Einstellung zu beschreiben, weil „Semiten“ nicht nur Juden, sondern auch Araber sind, lassen wir hier außer Acht. Die Bedeutung des Begriffes wurde durch den Gebrauch in der Sprache verändert und so akzeptiert.

Der klassische Anti-Semitismus ist dadurch gekennzeichnet, dass er eine Art Phobie darstellt:  also eine Form der  irrationalen Angst vor einer „Bedrohung“, die auf eine verzerrte Wahrnehmung, Vorurteile  bzw. Indoktrination zurückzuführen ist. Juden (in anderen Fällen sind es andere Minderheiten wie Schwarze, Ausländer, Homosexuelle, etc. seit „9/11“ auch Muslime) werden nicht mehr als konkrete Personen wahrgenommen, als menschliche Individuen mit unterschiedlichen Schwächen und Stärken, sondern als Kollektiv dämonisiert und unter Generalverdacht gestellt.

Woher kommt der Anti-Semitismus?

Diese Frage – in ihrer historischen Dimension – können wohl auch nur Historiker umfassend beantworten.

antisemitic 1Nach meiner Kenntnis gibt es eine religiöse Komponente (man beschuldigte „die Juden“ für den Tod von Jesus verantwortlich zu sein bzw. sah man die religiösen Gebräuche des Judaismus als unheimlich an, woraus dann auch Gräuelpropaganda entstand), eine wirtschaftliche (die Karikatur des hinterlistigen Geldverleihers, der Wucherzinsen verlangt), die durch das jahrhundertelange, christliche Zinsverbot befördert wurde und aus der dann „die jüdischen Financiers“ wurden, die mit ihren Manipulationen Deutschland in die „Zinsknechtschaft“ brachten.

In der Weimarer Republik und in der NS-Zeit spielte natürlich auch die politische Komponente eine große Rolle: die „Judeo-Bolschewiken“ wurden als Treiber der kommunistischen Revolution zum Feindbild der Reaktion und Hitlers, und die ersten, die von der Gestapo abgeholt wurden, waren ja Menschen, die sich für die neue Ordnung der Gesellschaft (in Richtung Sozialdemokratie) engagiert haben.

antisemitic 2Das Paradoxon, dass man es auf diese Weise fertigbrachte,  „das  Judenthum“ sowohl für die Auswüchse des „rechten“ Kapitalismus als auch für den „linken“ Kommunismus (und seine Bedrohung der alten Macht- und Klassenbeziehungen)  verantwortlich zu machen, hat es Hitler wohl noch leichter gemacht, dem Volk einen Sündenbock zu präsentieren.

Die Wandlung des Anti-Semitismus im 19.Jahrhunderts und besonders im Dritten Reich,  bestand allem Anschein nach darin, dass nicht mehr die religiöse Komponente (also der Judaismus als Glaube)  im Vordergrund stand, sondern eine neue Angriffsfläche konstruiert wurde: die „Rasse“. Auf diesem Nährboden konnte man natürlich noch besser eine pauschale „Bedrohung“ suggerieren: die eigene „höherwertige arische Rasse“ sei von der „minderwertigen, jüdischen Rasse“ bedroht, die ihre Tentakel in alle Bereiche der Gesellschaft auswirft und einerseits eine „Herrschaft“ von oben (Finanz, Wirtschaft, etc.) ausübt, andererseits als „Parasiten“ (von „unten“) dem „Volkskörper“ Schaden zufügt. Dass es auf diese Weise letztlich gelang, durch Einordnung in diese verhasste Kategorie,  den Betroffenen  die  Menschlichkeit an sich – und somit ihre Menschenrechte – abzusprechen, ist eines der finstersten Kapitel der deutschen Geschichte und der westlichen Zivilisation.

(Nach „9/11“ wurden die Schleusen für diese Denkart wieder geöffnet, diesmal ist es nicht das Etikett „Jude“, sondern das Etikett „Terrorist“, oder „Islamist“ das zur Unmenschlichkeit und Entrechtung ermächtigen soll. Carl Schmitt lässt grüßen?)

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“

Ich beschränke mich hier darauf, zu untersuchen, warum das Etikett „Anti-Semit“ immer öfter als politische Waffe eingesetzt wird.

Dass es in der rechtsradikalen Szene Europas Anti-Semiten gibt, wird niemand bestreiten. Dass man diesen ideologischen Sumpf austrocken muss, auch nicht.

Doch warum wird ein linker Intellektueller wie Augstein als Anti-Semit beschimpft? Was bezweckt man damit?

Wie Finkelstein richtig feststellt, ist das ganze Theater ein Ablenkungsmanöver, eine Taktik, um die öffentliche Debatte zu steuern:

Nicht der sachliche und wahre Inhalt der Kritik bleibt im Fokus der Medien, sondern die Integrität der Person, die sie ausgesprochen hat. Ob Grass oder Augstein, ob Chomsky oder Finkelstein, immer ist die Reaktion der THINKPOL die gleiche:  sie bringen keine Fakten, die die Argumente der Israel-Kritiker widerlegen, sondern krallen sich daran fest, dass deren Motive verabscheuungswürdig sind:

framingNicht das schändliche Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern, die jahrzehntelange Missachtung der UNSC-Resolutionen also des Völkerrechts und anderer fundamentaler Rechtsnormen, die Arroganz und Selbstgerechtigkeit der israelischen politischen Führung, die brutale Besatzung und schleichende Annexion der Westbank und Ost-Jerusalems, die bittere, historische Wahrheit über den Terror in der britischen Mandatszeit und unmittelbar nach der israelischen Staatsgründung (arabisch: „Nakba“), die israelische Historiker aufgedeckt haben, das „Crying & Shooting , etc. das alles hat nichts mit der Kritik zu tun, die hier vorgebracht wird.

Wer also darauf pocht, dass das Verhalten der zionistischen Führung Israels der Grund für verbale Angriffe gegen den Staat Israel ist, hat schon wieder verloren, denn auch das wird als Symptom für eine anti-semitische Haltung präsentiert und zwar wieder mit dem gleichen Trick: Man geht nicht auf die einzelnen Punkte ein (dann würde man die Debatte verlieren, weil sie auf dokumentierten Fakten beruhen) sondern reduziert die Argumentation des Gegners auf unzulässige Weise so: Das Verhalten der israelischen Regierung und ihrer jüdischen Unterstützer als Ursache der berechtigten Kritik hinzustellen, bedeute in der Kurzfassung:

„Die Juden sind doch selber schuld“. Und schon haben wir wieder einen „Beweis“ für Anti-Semitismus.

Sie kritisieren Israel, weil sie „latente“ Anti-Semiten sind, die Kritik ist also „irrational“ (eine Art Persönlichkeitsstörung) und deshalb abzulehnen. Doch Vorsicht, die Behauptung, Israel wolle seine Kritiker knebeln und übe deshalb (durch verschiedene Methoden) Druck auf Redaktionen und Personen aus, wird natürlich wieder (wie bei Grass) als Beweis für anti-semitische Gesinnung gewertet.

1 haaretz AS studyObwohl es seriöse Umfragen gibt, die belegen, dass genau dieses bevormundende und rechthaberische Verhalten der „Freunde Israels“ – und Israels eigenes Verhalten – den größten Beitrag zur Förderung anti-semitischer Tendenzen leistet, schlägt die israelische Lobby weiter um sich und bedient sich dabei Menschen wie Herrn Broder, den man nur als peinlich bezeichnen kann und sich wünscht, sie kämen einmal in den Genuss der Verbalinjurien, die sie selbst verüben.

Doch das traut sich in Deutschland niemand: Herrn Broder mal ins Gesicht sagen, dass er ein arrogantes Arschloch ist. (Sorry, aber diese Entgleisung musste mal sein). Nicht nur, weil er seine Gegner beschimpft und diffamiert, sondern weil er den Menschen in Israel und Juden auf der ganzen Welt damit schadet.

So argumentierte auch Herr Buhrow gegenüber Grass, Israel verbiete doch niemand, seine Politik zu kritisieren. Das stimmt, doch man immunisiert sich gegen die Kritik, indem man die Motive des Kritikers in den Dreck zieht, ihn in die verhasste Kategorie des „Anti-Semiten“ einreiht. Diese Form der „character-assassination“ ist besonders effektiv, wenn sie von Institutionen unterstützt wird, die als moralische Autoritäten gelten,  wie das Simon Wiesenthal Center, die ADL (Anti-Defamation League) usw.  Dass diese Organisationen auch als politische Waffen eingesetzt werden und selbst massiv diffamieren, um Israel vor Kritik zu schützen, traut sich auch kein deutscher Journalist laut auszusprechen.

Jeder anständige Mensch sieht ein, dass die Diskriminierung, die pauschale Verurteilung einer Minderheit durch bloße Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe in der Gesellschaft, ungerecht, unmenschlich und deshalb unakzeptabel ist. Das gilt nicht nur für Juden, aber wegen der ungeheuren Verbrechen des Dritten Reiches stehen sie quasi unter besonderem Schutz.

Israeli-ImpunityDoch wie es scheint, sollen wir das andere Extrem akzeptieren: Ist Israel (der „Judenstaat“, in dem auch Araber leben) sakrosankt? Ist als Wiedergutmachung für das große Unrecht gegenüber den Juden quasi  ihre Heiligsprechung notwendig? Müssen wir es uns gefallen lassen, dass man uns unterstellt, Kritik an Israel sei in Wahrheit immer versteckte  Kritik an „den Juden“? (Impliziert – wenn Israel kein jüdischer Staat wäre, gäbe es auch keine Kritik)

Dazu Finkelstein:

“If Israeli policies evoke hostility toward Jews, it means that Israel and its Jewish supporters themselves might be causing Anti-Semitism.. … because  Israel and its Jewish supporters are in the wrong. Holocaust industry dogma a priori rejects this hypothesis: animus towards Jews can never spring from wrongs committed by Jews.”

„Wenn israelische Politik Feindseligkeiten gegenüber Juden auslöst, bedeutet das, dass Israel und seine jüdischen Unterstützer selbst Verursacher von Antisemitismus sein könnenweil Israel und seine jüdischen Befürworter im Unrecht sind.

Das Dogma der Holocaust-Industrie lehnt diese Hypothese a priori ab: Feindseligkeit gegenüber Juden kann niemals von Unrecht herrühren, dass Juden begangen haben.“

Wie Dr. Joel Kovel in seinem Buch „Overcoming Zionism“ ausführt, wird im Judaismus (und vor allem in der Vereinnahmung durch den Zionismus) den Gläubigen eingeredet, sie seien ein von Gott „auserwähltes Volk“, hätten einen besonders hohen moralischen Standard, der sie dazu ermächtigt, mit gewisser Verachtung auf  Nicht-Juden („Goyim“) herunterzuschauen und in letzter Konsequenz dazu führt, dass man sich eben Rechte zubilligt, die anderen nicht zustehen bzw. für das eigene Handeln (das im Fall der Kolonialisierung Palästinas ein schlechtes Gewissen auslöst, eben wegen des hohen  moralischen Anspruchs des Judentums) andere moralische Maßstäbe anlegt, als für das der „Anderen“.

Ist es akzeptabel, dass für den Staat Israel Rechtsnormen und moralische Normen, die für andere Staaten gelten, grundsätzlich keine Anwendung finden können, wegen des Holocaust Traumas? Natürlich wäre es falsch zu behaupten, dass sich alle anderen Staaten immer an diese Normen halten (das wäre der Gipfel der Heuchelei), aber nur Israel und die USA spielen sich auch noch als moralische Instanz auf, während sie das Völkerrecht und die Menschenrechte (von „Nicht-Amerikanern bzw. „Nicht-Juden“) mit Füßen treten.

   cartoon HC_blackmailDer Holocaust ist nach dieser Sichtweise so einzigartig, dass das daraus resultierende Leiden mit keiner anderen Tragödie (bei der Massenmord begangen wurde) verglichen werden kann. Daraus abgeleitet wird eine Sonderstellung Israels, des „Heiligen Landes“, für das andere Regeln gelten müssen, da es sich hier um ein „Opfervolk“ handle, das nur sein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis befriedigen wolle und müsse.

Aus dieser Perspektive sind die Ausführungen von Herrn Augstein ein Affront, weil sie die verlogene Selbstdarstellung der israelischen Regierung (und des Zionismus als emanzipatorisches, moralisches  Unternehmen) gewaltig ins Wanken bringt.  Das „Opfervolk“ als gefährliche und unheimliche Atommacht zu präsentieren, für die die gleichen Spielregeln gelten müssen, wie für den Iran – also Kontrollen durch die IAEA, von der Unterfertigung des NPT (Iran hat unterzeichnet und nichts verbrochen, wird aber trotzdem sanktioniert) ganz zu schweigen – das geht nun aber wirklich nicht.

Deshalb wird sofort die nächste taktische Karte gespielt: die „Deutschen“ projizieren demnach ihre eigene „Schuld“ auf Israel, man spricht von „Schuldverschiebung“ und „Selbstentlastung“;  John Mc Murtry würde sagen: reverse projection indeed, denn welche „Schuld“ hätten Herr Augstein oder alle Deutschen unter 90 auf sich geladen?  Der Krieg und die NS-Herrschaft sind seit fast 70 Jahren vorbei, doch der Landdiebstahl in Palästina, die systematischen Menschenrechtsverletzungen gehen (1948 bzw. seit 1967) munter weiter.

apartheidVon einem veritablen „Apartheid System“ sprechen nicht nur die Menschenrechtsexperten von  BtSelem, sondern auch bekannte „Anti-Semiten“ wie Erzbischof Desmond Tutu oder Ex-Präsident Jimmy  Carter, sowie etliche Kommentatoren in der israelischen Zeitung Haaretz.

(Sie ahnen es ja schon: auch die Benutzung des Wortes „Apartheid“ im Zusammenhang mit Israel ist natürlich auch ein „Beweis“ für Anti-Semitismus ….wir sind bereits bei George Orwell angekommen, denn Israel und seine Apologeten dürfen zwar alle Jahre einen neuen „Hitler“ ausrufen, politisch aktive Muslime unter General-Terror-Verdacht stellen, aber die Gegner müssen sich für beinahe jede moralische Klassifizierung oder Analogie entschuldigen … some are more equal than others …)

Was die israelische Regierung und ihre Vasallen so erbost, ist die bloße Vorstellung, man könne Israel und Iran – in diesem Kontext – moralisch auf eine Stufe stellen. So schreibt etwa DIE ZEIT ONLINE:

„Sogar Israels Nuklearrüstung soll plötzlich über Kritik erhaben sein. In aller Welt kritisieren Atomwaffengegner Atomwaffen. Wer aber Bedenken gegen israelische Atomwaffen vorträgt, die einzigen in der Region, der muss Antisemit sein!“

Israel-Iran Nuclear-arsenalWenn pro-israelische Stimmen argumentieren, die Atomwaffen seien doch nur eine Art Lebensversicherung, dienten nur der Abschreckung, dann klingt das durchaus rational. Doch warum dann die Geheimnistuerei? Warum gibt Israel nicht einmal zu, dass es Atomwaffen hat, wenn es nur eine defensive Maßnahme ist? (Dass diese Haltung ein atomares Wettrüsten provoziert in einer unruhigen Region und deshalb eine Gefahr für den Weltfrieden ist, wie Grass  und Augstein richtig erkannt haben, kann das auch unter „Israels Sicherheitsbedürfnis“ abgehakt werden?)

Warum darf Iran nicht das gleiche Argument benutzen? (Siehe dazu frühere Beiträge zu „Iran“) Weil Israel zu den „Guten“ und Iran zu den „Bösen“ gehört? Weil Juden moralisch höherwertig sind als Araber bzw. Schiiten? Weil Ahmadinejad ein „irrer Antisemit“ ist? How stupid can you get?

Wie man es dreht und wendet, alle Argumente Israels beginnen und enden mit derselben Prämisse bzw. (impliziten) Conclusio:

  • Wir sind einzigartig. Als Volk und als Staat.
  • Unsere Motive sind moralisch höherwertiger als die unserer arabischen Nachbarn und unserer Kritiker.
  • Durch den Holocaust haben wir immerwährende rechtliche Immunität und moralische Absolution verdient.

Wir haben uns diesen Dispens selbst gewährt, aber das sagen wir natürlich nicht, solange die Deutschen, die EU schön brav den Mund halten und wegschauen, wenn Menschenrechtsorganisationen, die UN, engagierte Gruppen innerhalb Israels (BtSelem, Peace Now, ICAHD) und internationale Beobachter und NGOs unsere Verbrechen  dokumentieren und anprangern. (Die USA ist ja moralisch mit uns „auf einer Linie“ und auch eine „auserwählte Nation“).

Die Europäer, allen voran die Deutschen, haben wegen ihrer „Vergangenheit“ (Kollektivschuld) nicht nur kein Recht, uns zu kritisieren, sondern sind auch  verpflichtet, uns bedingungslos zu unterstützen (was Merkel ja auch tut). Selbst kritische Berichte (über Kriegsverbrechen in Gaza) von überzeugten Zionisten (wie dem Juristen Richard Goldstone) werden durch unsere PR-Maschinerie effektiv „neutralisiert“ (der Autor muss sich auch noch dafür entschuldigen …)

Bottom Line: Jede Kritik an Israel ist Ausdruck von Antisemitismus, Voreingenommenheit oder unfairen Fokus auf Israel …

georgeorwell383559_mJedes Mal wenn Israel ein PR-Debakel droht, wird eine neue Kampagne über „zunehmenden Antisemitismus“ orchestriert (zu diesem Ergebnis kommt Finkelstein).

Dass fast 7o Jahre nach dem Holocaust die  mediale „Maulkorb-Front“ in Deutschland zu bröckeln anfängt, kann dem Hasbara-Team  gar nicht recht sein. Wehret den Anfängen (der Befreiung aus dem pro-israelischen Denkgefängnis) bekommt hier eine neue Bedeutung …

Durch die Verbalattacken mit dem ultimativen Stigma-Wort geraten die Kritiker in die Defensive (ebenso alle, die ihnen zu Hilfe kommen), was aber noch viel wichtiger ist: Israels „Unterstützer“ steuern so die Debatte:

  • Statt über die einzelnen Kritikpunkte zu reden und sich an konkrete Fakten zu halten (hier nur als Stichwörter: brutale Besatzung – Menschenrechtsverletzungen – Brüskierung der UN und Unterminierung des Völkerrechts – Humanitäre Katastrophe in Gaza – Kriegsverbrechen – Geschichtsfälschung  und Leugnung zionistischer Gräueltaten – usw.) ….
  • Statt über das 40jährige Martyrium der Palästinenser zu reden, die spätestens seit 1967 das neue „Opfervolk“ sind  -wenn man diesen Ausdruck ins Spiel bringen will.  (Siehe dazu auch den exzellenten Kommentar von Tony Judt  zum „58.Geburtstag Israels“ in Haaretz vom 5. Mai 2006: „The country that would not grow up“) …

werden die Rollen vertauscht: durch den Fokus auf Antisemitismus soll die abgenutzte Opferrolle Israels  wieder neuen Glanz erhalten. Nicht die Palästinenser sollen bedauert werden, sondern „die Juden“ (verkörpert durch Israel), die ewig Verfolgten – wobei in diesem Fall die Pauschalierung erwünscht ist, weil das emotional an die „Schuld“ aus der NS-Zeit anknüpft.

MDZ Augstein am PrangerSo beschäftigen sich Dutzende Redaktionen mit der Frage „Ist Augstein ein Anti-Semit“? anstatt damit: Wie lange lassen wir uns noch von Israel an der Nase herumführen? Wie lange können wir es noch verantworten, durch Stillschweigen über Verbrechen des israelischen Staates als Mittäter angesehen zu werden? (Wenn die Argumente für die Nazi-Herrschaft gültig sind: Wegschauen und Schweigen bedeutet Mitverantwortung für  staatliche Verbrechen. Deutsche Journalisten sitzen zwar nicht in Tel Aviv, doch wenn „Deutschland“ etwas aus dem Nazi-Terror gelernt hat, dann dass man den Entrechteten zu Hilfe kommen muss, und sich nicht mit den Tätern „arrangiert“, egal ob diese Juden, Christen, Muslime, Buddhisten oder sonst was sind). Dass die Entrechteten selbst gewalttätig werden (jedenfalls ein Teil davon) ist kein Grund, sie zu dämonisieren. Aus Sicht der deutschen Besatzer in Frankreich war auch die resistance eine „Terrororganisation“.

Dass die Folgsamkeit der deutschen Medien gegenüber Israel manchmal sogar komische Aspekte hat (obwohl das Thema bitter ernst ist), zeigt die ARD bzw. die Tagesschau Redaktion: (hier einige Auszüge)

1)       „Bei Augstein handele es sich um einen wichtigen Spieler im deutschen Journalismus, der niemandem Rechenschaft ablegen müsse, erklärt Rabbi Cooper – und vielleicht sei das ja das Problem. Augstein müsse seine Texte niemandem vorlegen, bevor sie gedruckt werden. […]“

Wenn das keine Aufforderung zur Zensur ist, was dann? Bitte liebe Journalisten, legt eure Texte über Israel immer zuerst Rabbi Cooper oder Herrn Broder zur Prüfung vor, dann seid ihr auf der sicheren Seite.

2) „Das Simon Wiesenthal Zentrum in Los Angeles kämpft weltweit gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord und setzt sich für die Förderung von Toleranz ein.

Doublethink in action. Eine Organisation die sich für die „Förderung von Toleranz“ einsetzt, gibt eine „Watchlist“ heraus, in der Menschen an den anti-semitischen Pranger gestellt werden. Das SWC richtet also als moralische Instanz über die finsteren Absichten und Motive dieser Leute und brandmarkt sie entsprechend als „Feinde Israels“. Dass selbst im Fall der Muslim-Brotherhood oder Ahmadinejads das Verhalten der israelischen Regierung seit der Staatsgründung bis heute (wie oben bereits erwähnt) eine wesentliche Rolle für anti-semitische Polemik und Feindseligkeit gegenüber Israel spielte, darf natürlich auch nicht gesagt werden.

Welches Grauen muss die Juden  im Iran täglich erschüttern, wenn der angebliche Judenhasser  Ahmadinejad das Kommando hat?

1 Iran Jews Haaretz

Man höre und staune:  die jüdische Community im Iran wird nicht verfolgt und ist bis heute nicht ausgewandert trotz finanzieller „Incentives“ Israels. Sie haben bereits eine nationale Identität …

Dass Israels Verhalten das Leben der Juden (die sich ja mit Israel „identifizieren“ sollen) in anderen Ländern erschwert, liegt auf der Hand …)

3) „Während in Deutschland die Nennung von Jakob Augstein als Antisemit zum Teil als überzogen gesehen wird und hohe Wogen schlägt, bleibt Rabbi Cooper hart: „Wenn jemand in dieser Position ein Bild zeichnet, wonach zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel, die ja auch eine religiöse Bevölkerung ist, von den Deutschen genauso gesehen werden sollten wie islamische Extremisten und Terroristen, dann ist das nicht nur komplett unrichtig und falsch, sondern dann überschreitet er die Grenze, was Dämonisierung angeht.“

Dass die rabiaten „Siedler“ (die sich auf „göttlichen Auftrag“ berufen, um ihren Anspruch auf die Westbank geltend zu machen) brutale Übergriffe auf die Palästinenser begehen, ist von BtSelem, der UN und anderen Menschenrechtsorganisationen ausreichend dokumentiert (siehe dazu auch frühere Beiträge zu „Israel“) worden. Dass diese jüdischen Extremisten also die Palästinenser täglich terrorisieren, wobei die IDF tatenlos zuschaut bzw. den „Siedlern“ zu Hilfe kommt, nicht den Palästinensern, für deren Wohlergehen sie als Besatzungsmacht verantwortlich sind, steht außer Zweifel.

Doch die ARD lässt diesen Kontext – wie immer – einfach verschwinden. Zensur durch Verschweigen des Kontexts ist sehr effektiv.

1 MEM settler violenceHerr Augstein hat völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass diese Leute fanatisch und gefährlich sind, wie islamische oder andere (religiöse) Extremisten. Doch auch in diesem Fall (wie oben beim Atomprogramm) hat er ein Tabu gebrochen, weil das offizielle Bild Israels – armes, kleines, bedrohtes Land, in dem zivilisierte, rationale Israelis, die nur „in Frieden leben wollen“ einer Horde primitiver,religiös-fanatischer Araber gegenüber steht in Frage stellt.Diese „Siedler“ gehören bestenfalls in psychiatrische Behandlung und schlimmstenfalls ins Gefängnis.

Dass der Terror der „Siedler“ gegenüber den  Palästinensern und dessen Duldung und Ermutigung durch die israelische Regierung auch gerade dazu führt, dass mehr „islamische Terroristen“ rekrutiert werden können, versteht der Rabbi natürlich nicht. Wie Finkelstein sagt: Dass  jüdisches  Unrecht Feindseligkeit und Hass provoziert und nicht automatisch dem irrationalen Anti-Semitismus zugeschrieben werden kann, das darf man einfach nicht aussprechen. Das gibt es nicht.

only peaceStatt über Recht und Unrecht redet man lieber von „Sicherheitsbedürfnis“ und „Selbstverteidigung“, auf dieser Ebene hat man ja schon seit Jahren die Deutungshoheit (re-framing der Debatte). Das „Sicherheitsbedürfnis“ der Menschen in Gaza oder das „Existenzrecht“ der Palästinenser in der Westbank oder Ost-Jerusalem sind  kein Thema und im Übrigen ist die Argumentation „die sind doch selber schuld“, (weil sie Raketen nach Israel schießen) in diesem Fall zur Legitimation von Feindseligkeit und Gewalt sehr wohl zulässig … Wir sehen also, auf welcher Seite Doppelmoral und Dämonisierung zu den bevorzugten Methoden gehören …

4) „Rabbi Cooper zitiert dazu den israelischen Politiker und Menschenrechtsaktivisten Natan Sharansky: Antisemit ist jemand, der die Grenze der drei Ds überschreitet: Doppelter Standard, Dämonisierung, und Delegitimierung.

Die Grenze zwischen legitimer Kritik und Diffamierung sei entscheidend: Wenn jemand sage, sorge dich nicht um eine iranische Atombombe, das ist keine Bedrohung, aber schau dir den jüdischen Staat an, da sind die Typen, die gefährlich sind – dann sei das zwar kein neuer Gedanke. Günter Grass habe das gleiche, nur eleganter, in seinen Gedichten gesagt, so Cooper. Aber so etwas als Deckmäntelchen zu nutzen, um die israelische Außenpolitik zu kritisieren, sei einfach Unsinn.“

Anscheinend leidet Rabbi Cooper an Legasthenie, denn Herr Augstein hat nie gesagt „die iranische Atombombe sei keine Bedrohung“. Das geht gar nicht, denn es gibt ja gar keine Bombe (wie die NS-Agenturen in den USA seit Jahren übereinstimmend feststellten, auf die sich Augstein ja auch beruft). Er hat, ebenso wie Grass, darauf hingewiesen, dass das militärische Atomprogramm Israels  ebenso von der IAEA kontrolliert werden müsse, wie das (bisher nicht militärische) Atomprogramm des Iran. (Hier kommt natürlich wieder die moralische „Sonderstellung“ Israels ins Spiel, die ich oben skizziert habe und die es nicht zulässt, dass für Israel die gleichen Spielregeln gelten, wie für andere Länder, schon gar nicht den „bösen“ Iran …“

Wie bereits oben (unter 3) erwähnt, sind die israelischen „Siedler“ (jene, die religiöse Extremisten sind) tatsächlich „gefährliche Typen“, die Palästinenser  terrorisieren um sie zu vertreiben. Daran gibt es nichts  zu rütteln. Nur sagen darf man das nicht, weil dann das schöne Bild Israels als “Opfervolk“ kompromittiert wird. (Auch die physisch nicht gewalttätigen „Siedler“ üben natürlich durch ihre bloße Anwesenheit auf gestohlenem Land indirekt Gewalt aus, und sie verbrauchen große Mengen Wasser, während die Palästinenser mit sehr wenig Wasser zu überhöhten Preisen auskommen müssen)

Dass Israel ein aggressiver, militanter Staat ist und kein unschuldiges Opfer wird jedem klar, der die Bücher von Ilan Pappe, Tom Segev, Avi Shlaim, Noam Chomsky, Norman Finkelstein, usw. (alles natürlich anti-semitische Juden, was sonst) gelesen hat. Israel war niemals von einer militärischen Übermacht der „bösen“ Nachbarstaaten bedroht, im Gegenteil Israel hat die  kurzen Kriege selbst provoziert.

Dementsprechend gibt es genug Gründe, die  aggressive Außenpolitik Israels zu kritisieren. Der Zusammenhang zur Innenpolitik besteht darin, dass ein Staat, der selbst religiösen Extremismus für politische Zwecke instrumentalisiert und mit staatlich abgesegnetem Terror, die Palästinenser aus den letzten 20% ihres von der UN zugesprochenen Territoriums zu vertreiben sucht,  kein Recht mehr hat, sich als moralische Autorität gegenüber „fanatischen Islamisten“ aufzuspielen, die Israel – „völlig grundlos“ – hassen und „vernichten wollen“ (was so nicht richtig ist).

Außerdem: Ahmadinejad gewinnt an Popularität – ebenso wie die Moslembrüder – jedes Mal, wenn Israels Menschenrechtsverletzungen wieder Schlagzeilen machen und das Leid der bzw. Unrecht gegenüber den Palästinensern ans Licht kommt, weil er sich mit ihnen solidarisiert, auch wenn sie keine Schiiten sind.

Und last not least, die erwähnten Kriterien wonach man Anti-Semiten erkennt:

Doppelmoral (engl: double standard wurde schlecht übersetzt), Dämonisierung und Delegitimierung, die drei „Ds“ also: Augsteins Kritik erfüllt keine der drei Kriterien (die Wahrheit über gewalttätige israelische Siedler zu schreiben, oder die Drohungen Israels (als Atommacht) gegenüber Iran als Bedrohung des Weltfriedens zu kritisieren, ist keine Dämonisierung höchstens eine Kränkung des idealisierten Selbstbildes der Zionisten ).

Die „Delegitimierung“  soll heißen, man leugnet das „Existenzrecht“ Israels – auch das hat Herr Augstein ja in keiner Weise getan. Doch auch das ständige Wiederholen des Wortes „Existenzrecht“ ist ein rhetorischer Trick, denn Israel hat bis heute keine festen Staatsgrenzen (weil man ja immer noch Land annektieren will) – das Existenzrecht welchen  Staates soll man denn nun anerkennen? Legitim ist nur der von 1948. Und wann erkennt Israel das Existenzrecht des palästinensischen Staates an (dessen Territorium es laufend stiehlt, oder durch den Siedlungs- und Straßenbau (inklusive Straßensperren)  zu „Schweizer Käse“ zerstückelt hat?

westbank

Sich heimlich Atomwaffen zuzulegen und einen Israeli (Vanunu) zu kidnappen und 20 Jahre in Einzelhaft zu halten, weil er das Atomprogramm (seine bloße Existenz) öffentlich gemacht hat; nicht einmal das israelische Parlament weiß über die Atomanlagen Bescheid (siehe dazu BBC Doku) gehört das auch zum „Existenzrecht“?

  • Menschen durch staatliche Auftragsmorde zu beseitigen, auch im Ausland und mithilfe Identitäts-Diebstahls (echte Pässe stehlen, wie für den Mord an einem Hamas-Führer in Dubai);
  • die Menschenrechte für die Palästinenser aussetzen;
  • das Völkerrecht nicht respektieren;
  • die Gaza-Hilfsflotte in internationalen Gewässern bei Nacht und Nebel mit einem Spezialkommando überfallen  und 9 türkische Aktivisten umbringen; andere Schiffe wurden gerammt, gekapert, usw.
  • ALBTRAUM GAZA: 1,6 Millionen Menschen, die  unter Besatzung leben mit einem Embargo belegen und nach Belieben bombardieren (einmalig in der Geschichte der Neuzeit), wobei überwiegend Zivilisten und viele Kinder getötet und verstümmelt werden (ebenfalls ausreichend dokumentiert); die Liste geht noch weiter …

All das und mehr ist OK, kein Problem, wenn man sich einredet, es dient der „Sicherheit“ Israels und ist deshalb „notwendig“.  Salopp und vulgär formuliert: wenn man sich wie ein Mega-Arschloch benimmt, braucht man sich nicht wundern, dass man sich viele Feinde macht …

capital-of-israeldoch dank des „unbreakable bond“ zwischen der USA und Israel kann man nach dem Motto oderint dum metuant handeln .. das Problem ist nur, wenn man sich gleichzeitig als „Opfervolk“ präsentiert, das ständig bedroht ist (weil die arabischen Nachbarn nach dieser Lesart Arschlöcher sind) … diesen Spagat zwischen Jekyll and Hide steht man auf Dauer nicht durch, wie Tony Judt in einem formidablen Artikel in Haaretz (zum 58. Geburtstag des israelischen Staates) auch feststellte.

Zur Ehrenrettung  des deutschen Zentralrats der Juden muss hervorgehoben werden, dass sich Herr Korn von den Attacken des SWC gegen Herrn Augstein distanziert hat.

Es gibt nur eine Lösung für den Konflikt: die Besatzung muss aufhören, Israel muss eingestehen, dass der zionistische Traum von Eretz Israel zu einem Albtraum geworden ist.  Auf Unrecht kann man kein Recht aufbauen und erlittenes Unrecht (der Vorfahren) ist kein Freibrief, anderen Unrecht anzutun, weil sie den eigenen Plänen im Weg stehen.

Die tiefere Wurzel des Problems ist der Zionismus, über den man dringend eine öffentliche Debatte führen sollte. „Juden“ und „Zionisten“ als Synonym zu gebrauchen, ist irreführend und ebenfalls eine Art des „framings“  (Ahmadinejad benutzt nie den Ausdruck „Juden“, sondern immer Zionisten, was eine völlig andere Bedeutung  im politischen Kontext hat).

Ohne Wahrheit gibt es keine Gerechtigkeit und ohne Gerechtigkeit keinen Frieden …

INFO: (Der im letzten Blog angekündigte Beitrag über die Deutsche Bank wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben)

A Whiter Shade of Pale: Plutonium für Alle

Fukushima? Schnee von gestern? Schön wär’s … doch ein Problem geht nicht weg, nur weil man es bagatellisiert.

Noch immer hören wir Phrasen wie „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Atomanlage unter Kontrolle bringt …“ Doch das ist 100% Bullshit. Die „Kontrolle“  über dieses nukleare Trümmerfeld kann nie wieder hergestellt werden und das Ausmaß der Katastrophe wird noch immer heruntergespielt:

  • Kernschmelze in Reaktor 1
  • Grundwasser verseucht (Anlagen 1-3 haben „Lecks“; Anlage 4 „neigt sich“)
  • Massive Explosion im Reaktor 3 (Abklingbecken samt Brennstäben in die Luft geflogen)
  • Folgen: Land, Lebensmittel und Wasser mit Uran und Plutonium verseucht (weltweit messbar)

Die Explosion im Reaktor 3 wurde mit der Kamera festgehalten: Die gewaltige Sprengkraft war sichtbar, denn Material aus dem Reaktor wurde so hoch in die Luft geschossen, dass man es gerade noch im Videoframe sehen konnte. Auf dem Video sieht man auch einen „rot-gelben Blitz“, also eine Explosionsflamme, die nur bei diesem Reaktor gebildet wurde:

Obwohl es noch Debatten darüber gibt, ob das Reaktordruckgebäude noch intakt ist, besteht kein Zweifel daran, dass vom Abklingbecken Nr. 3 nicht mehr viel übrig ist: (Klicken sie auf das Bild – wo „SFP“ in grün steht, war mal das Abklingbecken …)

Dieser Pool enthielt mehrere hundert Tonnen ausgelagerten MOX Brennstoff. Das Material (Uran und Plutonium)  wurde durch die enorme Explosion (zumindest teilweise) pulverisiert und als giftiger „Feinstaub“ (Nanopartikel, die so winzig sind, dass sie alle Barrieren des Immunsystems durchdringen)  rund um Fukushima großflächig verteilt, und zwar in einem wesentlich größeren Radius als im Falle von Tschernobyl. Das ergibt sich aus den Strahlungswerten, die noch in einer Entfernung von 60 km gemessen wurden. Die Dosisraten waren höher als 20 micro Sievert pro Stunde und trotzdem wurde niemand evakuiert. Warum nicht?

Damit keine „Panik“ ausbricht – nicht in der Bevölkerung, die wird sowieso in Japan seit Jahren für dumm verkauft, sondern bei den „Investoren“, den „Börsianern“, der Finanzoligarchie, den Währungsspekulanten. Wenn die das „Vertrauen“ in die japanische Wirtschaft verlieren, weil die wahren, astronomischen Kosten dieser nuklearen Katastrophe ans Tageslicht kommen – das wäre ein Super-GAU der finanziellen Art, der um jeden Preis verhindert werden muss. Da kann man Kindern doch ruhig die 20- oder 50-fache Strahlungsdosis zumuten ohne mit der Wimper zu zucken, oder?

Dr. Chris Busby, ein engagierter Wissenschaftler, der sich seit Jahren für eine Aufklärung der Bevölkerung bzw. ein Ende der Vertuschung der enormen Gefahren der Atomkraft (auch im „Normalbetrieb“!) engagiert, sieht die Erklärung für die enorme Wucht der Explosion in einer „spontanen“ Kernspaltung, Nuklearexperten sprechen von „instant criticality“: d.h. es kommt auch nach „Abschaltung“ zu einer Kettenreaktion …

Wie das im Reaktor 3 passieren konnte, erklärt Dr. Busby so:

Die Schmelz- bzw. Siedepunkte  von Plutonium und Uran sind nicht gleich. Der Schmelzpunkt von Plutoniumoxid (im MOX Brennstoff) ist 2701 Grad Celsius, aber der von Uranoxid 3120 Grad. Wenn also eine Mischung dieser beiden zu sieden  beginnt, kommt es zu einer fraktionierten Destillation des Plutoniumoxids, also zu einer chemischen Abscheidung (Wasser <> Dampf), so wie bei der Destillation von Alkohol.

Das Plutonium wird daher im Dampf bzw. dort örtlich konzentriert, wo sich der Dampf als Kondensat niederschlägt (wo es also am kühlsten ist). Dies führt unweigerlich zu einer nuklearen Explosion, wenn die Konzentration des Plutoniums den kritischen Punkt für eine Kettenreaktion erreicht hat.

Dabei ist auch zu bedenken, dass Plutonium nicht nur in Reaktoren  vorhanden ist, die mit MOX-Brennstoff betrieben werden, sondern in jedem AKW  durch den Neutronenbeschuss des Uranbrennstoffs entsteht.

Auch in Tschernobyl wurde von einer „Wasserstoffexplosion“ gesprochen, doch neuere Forschungsergebnisse liefern starke Indizien dafür, dass diese Version nicht der Wahrheit entspricht: Jeder „Vorfall“ in einem AKW, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird, hinterlässt eine eigene „Isotopen-Signatur“. Kernphysiker können also in der Zusammensetzung des radioaktiven Giftcocktails (und Kenntnis der „Historie“ des Reaktors) Informationen erkennen, die auf die Ursache der Freisetzung schließen lassen.

So haben zwei russische Forschungsteams das Spektrum der Gammastrahlen untersucht, die das herausgeschleuderte Material aus dem Reaktorkern Nr. 4 freigesetzt hat. Eine Gruppe hat sich auf die Isotopen Xenon 133 und 133 m konzentriert, die eine Halbwertszeit von 5,24 bzw. 2,19 Tagen haben. Das Vorkommen bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser beiden Spaltprodukte (22,4) ist ein klarer Hinweis darauf, dass eine nukleare Explosion stattgefunden  hat.

Die radioaktive Milch wird "entsorgt" ...

Der Grund, warum sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima der Eindruck erweckt wurde, es handle sich (nur) um eine Wasserstoffexplosion, liegt auf der Hand:

Wenn den Leuten klar wird, dass Atomreaktoren,  bei denen die Kühlung versagt, auch nach der „Abschaltung“ wieder einen kritischen Status erreichen können (es also wieder zu einer Kernspaltung bzw. Kettenreaktion kommen kann), dann ist das Märchen von der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ endgültig erledigt.

Dieser Vorgang der „spontanen Fission“ wird von Fachleuten als „prompt criticality“ bezeichnet und Dr. Chris Busby ist nicht der einzige, der dieses Szenario in Fukushima als sehr wahrscheinlich ansieht.

Auch der amerikanische Nuklearingenieur Arnold Gundersen, der jahrzehntelang in der Atomindustrie tätig war und auch im Untersuchungsverfahren nach dem „Unfall“ von Three Mile Island als Experte aussagte, ist überzeugt, dass hier eine „moderate“ atomare Explosion stattgefunden hat:

Gundersen erklärt hier auch den Unterschied zwischen einer „Detonation“ (Schockwelle  ist schneller als der Schall) und „Deflagration“ (Schockwelle breitet sich mit Schallgeschwindigkeit aus). Das Video zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Detonation gehandelt hat und auch der Umstand, dass Teile der Brennstäbe noch in zwei Meilen Entfernung vom Reaktor gefunden wurden …)

Ein wissenschaftlicher Beweis für die Hypothese der nuklearen Explosion wäre leicht zu erbringen, man muss nur das Gammaspektrum untersuchen bzw. die radioaktive „Signatur“ der  Freisetzungswolke nach der Explosion im Reaktor 3. Vermutlich hat man das auch gemacht, doch die Ergebnisse werden natürlich geheim gehalten, sonst wäre nicht nur TEPCO erledigt, sondern auch der Mutterkonzern Toshiba, die Atomlobby in Japan (und wohl auch weltweit) , von der japanischen Regierung – die das Volk seit Jahrzehnten belügt, ganz zu schweigen.

Man liest, dass die Reaktoren  pro Tag 100.000.000.000.000 Becquerel freisetzen. ( 1 Becquerel ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde). Das ist schon schlimm genug, sagt den Leuten jedoch wenig. Was das für die „Gesundheit“ der Chromosomen bedeuten kann, sehen sie hier (am Beispiel eines Hundes, der auch ein Opfer von Tschernobyl wurde:

Wir hören aber immer nur von Cäsium und radioaktivem Jod 131, dessen Halbwertszeit nur wenige Tage beträgt. Man kann also „Informationen“ herausgeben und gleichzeitig beruhigen, da die kurze Zeitspanne keine Panik in der Bevölkerung auslöst.

Doch von den anderen „verräterischen“ Nukliden hört man nichts – eben weil ihre Veröffentlichung die „Isotopen-Signatur“ der Katastrophe offen legen würde, also eine Art radioaktiver „Fingerabdruck“ wäre, der die Vorgänge in Fukushima transparenter machen könnte.

Und das geht nicht nur Japan etwas an.

In den USA (zB Americium, ein Zerfallsprodukt von Plutonium,  in New England) und auch in Europa sind Isotope aus Fukushima bereits gemessen worden  – tausende Kilometer weit weg und mögen die Werte auch „niedrig“ sein, unbedenklich sind sie garantiert nicht, denn wir wissen, dass diese geladenen Teilchen sich mit organischem Material verbinden und in der Nahrungskette konzentrieren.

Nicht zufällig hat die EU die Grenzwerte in Lebensmitteln dramatisch erhöht– doch die Medien interessieren sich mehr für den „Euro-Schutzschirm“, schließlich sind sie konditioniert worden, ihre Aufmerksamkeit auf finanzielle Dinge zu konzentrieren, nicht auf die Erhaltung bzw. Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch eine pathologische und fanatische Wirtschaftsideologie, die mehr Zerstörung und Elend auf der Erde anrichtet, als jeder angebliche „Terrorist“.

Dr. Busby fragt weiter: Was ist mit Strontium 90, Barium 140 und Uran, die sich in der Milch konzentrieren? Dringend benötigt werden Informationen über  folgende Radionuklide:

  • Tritium; Carbon-14; Plutonium 239, 238 u. 241
  • Uran 238 u. 235; Americium 241
  • Strontium 89 /90; Yttrium 90
  • Barium 140; Cobalt 60
  • Zirconium 95;  Niobium 95
  • Zink 65; Ruthenium 106
  • Silber 110m; Cerium 144
  • Mangan 54; Schwefel 35
  • Xenon 133 / 133 m / 135
  • Argon 41; Krypton 85

Erst wenn Informationen über die Häufigkeit bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser Isotope veröffentlicht werden, wird sich die Vernebelungstaktik der japanischen Regierung und der weltweiten Atomlobby bekämpfen lassen.

Doch kein Journalist drängt darauf und fragt danach, denn sie haben keine Ahnung von der Materie (… auf dem gleichen, bestürzend niedrigen Niveau werden auch Interviews über Gentechnik oder Nanotechnologie abgewickelt …). Es reicht doch, einen „Experten“ zu fragen – von wem der bezahlt wird, im Kontext von „Science for Sale“  (Privatisierung und Dominanz der staatlichen Forschung durch potente „Partner“ aus der Wirtschaft) hat auch nicht weiter zu interessieren.

Unsere Medienschafe sind darauf trainiert, die Presseaussendungen und Desinformation wiederzukäuen, die ihnen die Agenturen liefern und blöken harmonisch im Chor … „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Anlage wieder  unter Kontrolle hat“ …  Schauen wir uns doch die Bilder noch mal an, was gibt es da noch zu „kontrollieren“?

Ja, die mediale Blödheit kennt wirklich keine Grenzen, denn man meldet auch solchen Schwachsinn:

Tepco hat angekündigt, ein Gerät zu entwickeln,

um die Radioaktivität aus dem Meerwasser zu entfernen“ (!)

(Österreichischer Rundfunk, vor einer Woche)

Einziger Lichtblick im „öffentlich-rechtlichen“ Rundfunk: Die „Monitor“-Redaktion  … Doch leider ist die Sendezeit sehr kurz und garantiert nicht in der „Prime-Time“ (damit die Einschaltquoten ja nicht zu hoch werden …).

Volker Pispers sagte neulich, die „Nachrichten“ seien doch nur mehr „organisierte Verblödung“ der Zuschauer.

Der Mann hat ja so Recht …. (das gilt nicht nur für Atomkraft, sondern auch für den moralischen Mega-Scam der Bombardierung anderer Länder zur Durchsetzung neoliberaler Programme, präsentiert als „humanitäre Intervention“, die absurde Darstellung des IWF als „Hilfsorganisation für in Finanznot geratene Länder“ (Tagesschau, Sonntag 15.5.) (Fakt: der IWF ist ein US/europäisches Bankenkartell unter Führung des US-Finanzministeriums, das erheblich an der Entstehung der  „Finanzkrisen“ mitgearbeitet hat ) usw.

Die Journalisten sind doch nur mehr für die mächtigen „Player“ dieser Welt nützliche Idioten, die als „Multiplikatoren“ bewusst lancierter Falschmeldungen und vorgegebener Deutungsrahmen („framing“)  ihren Zweck erfüllen und sich auch noch etwas darauf einbilden …

Die vierte Säule der Demokratie?  Ein guter Witz …

Warum die Atomindustrie eine terroristische Vereinigung ist (die das Leben auf der Erde für hunderte Generationen bedroht und bleibenden – weil genetischen – Schaden hinterlässt), zeigen diese erschütternden Videos:

 

 Nuclear Controversies

Das letzte Wort geht an Albert Einstein, an dessen … Geburtstag der Reaktor 3 explodierte:

„It is not enough for a handful of experts
to attempt the solution of a problem,
to solve it and then to apply it.

The restriction of knowledge to an elite group
destroys the spirit of society
and leads to its intellectual impoverishment.“

Albert Einstein

P.S. Was ein erfahrener Atomphysiker von den „Wasserspielen“ „feed and bleed“) in Fukushima hält, sehen und hören wir hier:

Dr. Michio Kaku kommentiert die Kühlungsversuche von  TEPCO damit, dass sie ebenso effektiv seien, wie der Versuch einen Waldbrand mit Wasserspritzpistolen zu löschen … Das ganze Theater soll nur vortäuschen, dass man noch Optionen oder irgend einen Plan hat, die Lage „unter Kontrolle“ zu bringen.

Die Realität  beschreibt Dr. Kaku in einem Interview mit ABC News am 31/3 so:

„Das ist eine ganz große Sache. Zum ersten Mal hat man das Word „Breach“ verwendet, das bedeutet unkontrollierbare Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt … und denken Sie daran, dass der Reaktor 3, wo das Leck vermutet wird, mit MOX Brennstoff arbeitet, also Plutonium enthält, das giftigste, chemische Element, dass die Wissenschaft kennt.

Ein Millionstel Gramm kann Krebs auszulösen, wenn es in den Körper gelangt (durch Einatmen oder durch Nahrungsmittel). Man muss sich das sehr genau ansehen.

[Auf die Frage des Journalisten, ob Stufe 4 bzw. ein Vergleich mit dem Unfall von Three Mile Island (TMI) zulässig sei  (zum Zeitpunkt des Interviews war es ja noch nicht Stufe 7):]

„In wissenschaftlichen Zirkeln ist das ganze Theater Anlass für große Erheiterung – es ist doch offensichtlich, dass die Lage in Fukushima viel schlimmer ist, als TMI.  Dort hatten wir nur einen Reaktor, der zwar 90% Kernschaden hatte, aber eben nur eine kleine Menge Radioaktivität ins Freie gelangte. Es gab auch kein „Leck“ im Containment.

Hier haben wir drei wütende Kernschmelzen (noch im Gange), ein freiliegendes Abklingbecken [ohne schützenden Wassermantel schaukeln sich Hitze und Oxidation auf] … Wasserstoffexplosionen –jedes dieser Ereignisse für sich genommen, ist  schon schlimmer ist als TMI;

….Wenn Sie erst einmal die Anlage evakuieren müssen, weil die Radioaktivität tödliche Werte erreicht hat, dann haben wir keine Chance mehr, und drei Kernschmelzen werden parallel stattfinden, eine Tragödie, die weit über jene von Tschernobyl hinausgeht …und eine dauerhafte Todeszone in Japan schaffen wird.“

Reaktordaten:

http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/outline_f1/index-e.html   Plant Overview

Wunschloses Unglück: Was aus den „Tschernobyl-Babys“ geworden ist …

Wunschloses Unglück

Ich habe zufällig diese Bilder bzw. den Bilder-Essay im Internet gefunden ….

Der „Krieg gegen die DNA“ (wie ich die Atomenergie schon öfter genannt habe)  ist REAL…. so sehen seine Opfer aus ….

Mein Gott …… ist alles was ich noch sagen kann .. .. ich habe keine Worte mehr, um mein Entsetzen, mein Mitgefühl und meine Trauer auszudrücken.. angesichts dessen, was man diesen Kindern angetan hat…  doch eine Frage schreit  zum Himmel:

Wie können wir zulassen, dass dafür niemand zur Rechenschaft gezogen wird, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren?

Nur noch eines:  Unsere gewählten Regierungen  lügen und lügen und lügen … (oder haben keine Ahnung wie die Journalisten, die sich mit absurden „Meldungen“ aus Japan füttern lassen und sie brav wiederkäuen; bis heute haben sie die Dimension dieser Katastrophe nicht erkannt …

Vier Jahre alt und multiple Sklerose …

Fukushima ist 10 x schlimmer als Tschernobyl: 1760 t Uranbrennstoff  gegenüber  180 t …. (+ Plutonium ….)..

Hier ist der ganze Foto-Essay .….(narrated in English)

( …holen Sie sich vorher Taschentücher …ich konnte die Tränen nicht zurückhalten …

Hier noch einmal der Link über die Geschichte  des „Strahlenschutzmodels“ (das die schützt, die die Strahlen produzieren, aber nicht uns!)

P.S. Geld (food business)  schützen oder unser Leben? Da hat die EU klare Prioritäten

SPIN oder „The Nuclear Thought Police …“

Der Info-War (man könnte auch gewaltige Verarschung der Öffentlichkeit sagen, aber das klingt weniger gut) aus Japan geht unvermindert weiter und nimmt immer absurdere Dimensionen an:

IGNORANCE IS STRENGTH

Gestern erreichte die semantische, bitterböse Farce bereits  Orwell’schen Level, als Premierminister Kan die Menschen, die innerhalb eines Radius von 20-30 km um den Reaktorkomplex wohnen, zu einer „freiwilligen Evakuierung“ aufforderte und gleichzeitig versicherte, man werde ihnen dabei „assistieren“. (Im Umkreis bis 20 km war das Gebiet ja bereits  seit 15. März evakuiert worden). Schon eine Woche vorher hatte aber der Vorsitzende der NRC (US-amerikanische Atomaufsichtsbehörde) vor einem Kongressausschuss erklärt, die Zone  sei viel zu klein und müsse auf 80 km (50 Meilen) ausgeweitet werden.

Das Wort „Evakuierung“  bedeutet die zwangsweise Räumung eines Gebietes wegen drohender Gefahr für Leib und Leben. Die „freiwillige“ Evakuierung ist also  ein Widerspruch in sich, aber auch ein rhetorischer Trick  zur Manipulation des Publikums, weil dadurch suggeriert wird, es handle sich nur um eine „Vorsichtsmaßnahme“. Die Gefahr der Strahlenbelastung wird dadurch verharmlost, weil die Leute ja „freiwillig“ weggehen.

Der unglaubliche Spin um die „Strahlenwerte“ die immer höher werden, aber trotz allem stets „keine Gefahr für die Gesundheit“ bedeuten, geht auch in die nächste Runde.  Da alle Redaktionen den gleichen „agency-feed“ (also den jeweiligen Text der „Top-News“ der Nachrichten-Agenturen) herunterleiern, kommt man sich vor, wie einem echo-chamber:

ZDF heute (online-magazin) 27.03.2011:

„Nachdem sie eine um zehn Millionen mal erhöhte Strahlenbelastung des Wassers gemessen hatten, verließen Techniker am Sonntag fluchtartig das Gebäude ([Turbinenraum von Reaktor 2]. Stunden später erklärte Kraftwerksbetreiber Tepco, man habe sich vermessen….. Das Wasser im Reaktor sei zwar radioaktiv verseucht, der zuvor gemessene Extremwert von millionenfach erhöhter Strahlung sei aber ein Fehler gewesen, erklärte Tepco am Sonntagabend.“

Das ZDF arbeitet hart daran, doch diese Meldung aus England gewinnt – nach meiner Ansicht – den ersten Preis im Wettbewerb, „wer bringt die dämlichste Meldung“ über Fukushima (die Presse unterstützt den Spin, indem sie ihr Hirn ausschaltet …)

Tokyo Electric Power (Tepco) said initial reports of levels 10m times higher than normal in parts of the No 2 reactor were inaccurate, although it was unable to say by how much.”

Wie schon das ZDF, die ARD und viele andere, berichtet also der Guardian, „dass die ursprünglichen Berichte vom „10-Millionen-fachen Strahlenwert laut TEPCO falsch waren“…,  fügt dann aber noch hinzu:  …“ TEPCO aber nicht in der Lage sei, zu sagen, um welche Größenordnung es sich dabei handle“ ….

Was für ein absoluter Schwachsinn ist das denn? Wie kann sich ein Dosimeter  denn „vermessen“? Und woher weiß man, dass der Wert „falsch“ ist, wenn man den richtigen Messwert noch gar nicht kennt? Der wichtigste Punkt aber ist: der angeblich falsche Messwert (in Becquerel oder Sievert) wurde gar nicht erwähnt ….

Doch heute Abend kam dann die Meldung, dass man sich um den Faktor 1000 „geirrt“ habe:

ARD Tagesschau 20 Uhr:

„…am Abend hieß es dann, die Strahlung sei 100.000 höher als normal“

ZDF heute: …

Mehrere Stunden später lieferte Tepco die Werte nach: Danach ist die Strahlung im Wasser des Reaktors 100.000 Mal höher als normal“

Doch was heißt denn das „höher als normal“?  Der Vergleich wird nicht mit der Hintergrundstrahlung gemacht, der wir alle ausgesetzt sind (also 1-2 mS (milli Sievert) pro Jahr, die normal, weil harmlos ist, sondern mit der eher wenig „normalen“ Radioaktivität des Kühlwassers –wobei wieder der gemessene Wert selbst GAR NICHT ERWÄHNT WIRD. Und von welchem Radio-Isotop reden wir überhaupt? Natürlich Jod-131, was sonst? Alle anderen – langlebigen -Isotope werden gar nicht erwähnt, auch das ist eine effektive Steuerung der Medien. Denn selbst bei hohen Jodwerten kann man sofort damit beruhigen, dass ja aufgrund der sehr kurzen Halbwertszeit von 8 Stunden überhaupt keine Gefahr bestünde …

Doch es gibt noch mehr radioaktive Jod-Istope, z.B.  Jod 129 mit einer Halbwertszeit von 15,7 MILLIONEN Jahren.

Radioaktives Jod verschwindet aber nicht so schnell, wie man uns weismachen will. Durch Niederschläge gelangt es in den Wasserkreislauf und in den Boden, wo es sich mit großer „Begeisterung“ (chemische Affinität) mit organischem Material verbindet, also „organisch fixiert“ oder von Erdmineralien absorbiert wird. Radioaktives Jod ist leicht wasserlöslich – das klingt gut, wenn man ständig hört, es „wird dadurch verdünnt“ – doch auch unser Körper enthält große Mengen Wasser und Wasser hat eine Schlüsselfunktion in vielen Stoffwechselprozessen. Obwohl radioaktives Jod normalerweise als Gas emittiert wird, kann es auch Flüssigkeiten und feste Stoffe kontaminieren. Es kann also in grünem Gemüse ebenso angereichert werden, wie in Fischen und landet es sozusagen „auf der Wiese“ endet es natürlich im Magen der Kuh oder des Schafes  und dann bei uns …

Haben wir das radioaktive Jod  im Körper, ist sein „Zielorgan“ die Schilddrüse, weil diese Jod braucht, um das Hormon Thyroxin zu produzieren. Die biologische Halbwertszeit ist etwa 100 Tage (für den ganzen Körper)

Aus Japan kamen auch erschreckende Meldungen über die Werte von radioaktivem Jod im Meerwasser:

Eine Wasserprobe, die am vergangenen Freitag untersucht wurde, ergab demnach einen Messwert für Jod 131  von:

„50 Becquerel pro cm³ – das 1.250-fache des legalen Grenzwerts (Die Frage, die nie gestellt wird – werden soll) Wieso darf radioaktives Jod überhaupt im Meerwasser sein?) (Quelle: NYT)

Die Zahl 50 ist nicht besonders beeindruckend, und außerdem wird sofort danach wieder – hier auf äußerst absurde Weise -beschwichtigt:

Wenn man einen halben Liter Wasser trinken würde, entspräche das einer Dosis von 1 mS, das sei ungefähr jener Wert, den eine Person pro Jahr aus natürlichen Quellen erhalte.

Kennen Sie irgendjemand der Meerwasser trinkt? Ich nicht. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass man schon wieder mit der “natürlichen Strahlung” vergleicht, was hier nicht zulässig ist, weil externe Strahlung (von außen, aus der Umgebung) mit interner Strahlung (die Radionuklide sind in meinem Körper, zB durch Trinkwasser oder Nahrung) verglichen wird.

Außerdem: Berechnet man die radioaktive Belastung des Meerwassers PRO LITER, sieht das Ergebnis schon ganz anders aus: Wir kommen auf 50.000 Becquerel, das sind 50.000 Atomkerne die (im Mittel) pro Sekunde zerfallen und durch die Isotope ihre Energie abgeben. Gelangen diese Emittenten in unseren Körper, kann man sich vorstellen, dass dies schwerwiegende Folgen hat …. Doch die Medienschafe blöken weiter brav im Chor:

Tagesschau vom 27.3.2011, 20 Uhr:

“[1850-fache Überschreitung der Grenzwerte in 20 km Entfernung von der Küste]Experten gehen aber nicht davon aus, dass eine größere Gefahr für die Umwelt besteht. Die Strömung würde die strahlenden Partikel schnell verdünnen…

Bei Tschernobyl betrug das radioaktive „Inventar“ des Reaktorkerns ca. 180 t bei Fukushima liegen alleine in den Abklingbecken 1-4  schon 354 Tonnen fuel“, für alle sechs sogar 647 Tonnen, das sind fast 300.000 Brennstäbe (oder 4546 assemblies lt. NYT) ….(dazu kommen noch die Brennstäbe im jeweiligen Reaktorkern (1-3, 5 und 6 – 4 war ausgeräumt wegen Wartungsarbeiten) Insgesamt sind es 1.760 Tonnen Uran … In den Reaktoren 1-3 ist bereits die Kernschmelze im Gange…

1 kg Uran hat eine thermische Energie von 7,2 x 1013 Joule … anders gesagt, 1 kg Uran hat soviel Heizenergie wie ca. 15.000 Tonnen Öl oder 22.000 Tonnen Steinkohle … oder noch mal anders formuliert: 1 kg radioaktives Uran erzeugt  etwa die dreimillionenfache Hitze von 1 kg Kohle, die verbrannt wird … Deshalb ist es einfach lächerlich, zu suggerieren, man könnte mit Feuerwehrschläuchen die enorme Hitze der freiliegenden Brennstäbe unter Kontrolle bringen (besonders, wenn sie schon brennen ….)

Übrigens, um noch einmal auf den „100.000-fach erhöhten Wert“ (in der Wasserpfütze)  zurückzukommen: Das ZDF heute.de magazin schreibt (weiter unten auf der Seite / homepage):

„Die Agentur Jiji berichtete von einer Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde im Wasser von Block 2. […]“

Vergleichen wir diesen Wert aber mit dem wirklich relevanten, der normalen Hintergrundstrahlung (in beiden Fällen ist die Strahlung extern), sieht die Sache schon wieder ganz anders aus:

2 mS pro Jahr – das Jahr hat 8760 Stunden, wir dividieren also und rechnen in Mikrosievert um:

2000 µS: 8760 = 0,2283 µ /h

1000 mS / h  = 1.000.000 µS / h

1.000.000 : 0,22 = 4.380.201,40

Die Strahlung in den Wasserpfützen des Blocks 2 beträgt also mehr als das VIER-MILLIONEN-FACHE der „normalen“ Hintergrundstrahlung …Die „10-Millionen“ Meldung war also gar nicht so falsch, wie behauptet wurde …

Fortsetzung folgt …(Kommentar zum Spiegel Titel Fukushima und der ongoing Volksverblödung über die „Grenzwerte“ und „Dosen“ …PARADOX: warum Atomreaktoren aus globaler public health Sicht viel gefährlicher sind Atombomben…)