ATOM (1): Der Große Betrug

Fukushima the ruins

Atomreaktor-Ruine Daichi .. Strahlung für die Ewigkeit …

Der Jahrestag der Katastrophe von Fukushima ist da und rückt das Thema „Atom“ wieder einmal (für kurze Zeit) in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Doch das ganze Ausmaß des atomaren Wahnsinns (auch ohne „Unfälle“ und Erdbeben) scheint noch immer nicht in den Köpfen der Menschen präsent zu sein – kein Wunder, angesichts der massiven Zensur in den Medien und dem enormen Druck auf die Wissenschaft.

Klartext: (siehe dazu auch meine früheren Beiträge zum Thema Atom / Kernkraftwerke)

Atomkraft“ ist ein Genozid auf Raten, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (und die nächsten Generationen) und gegen die Natur, das nur durch eine gigantische, systematische Lügenkampagne ermöglicht wurde.

Nuclear Free PlanetIch habe mir vor einiger Zeit im Internet einige interessante Vorträge über die Folgen von Tschernobyl und Fukushima angesehen, die am 11. März 2013 im Rahmen der New York Academy of Medicine gehalten wurden. Organisiert wurde das Ganze von der Helen Caldicott Stiftung deren Gründerin (die mutige, australische Ärztin Dr. Helen Caldicott) seit Jahrzehnten gegen den Atomwahnsinn kämpft, indem sie der Öffentlichkeit wichtige Informationen zugänglich macht, die von der Atomlobby systematisch unterdrückt werden.

Aus diesem Symposium möchte ich einige Punkte hervorheben, die mir besonders wichtig erscheinen, weil sie dazu beitragen, das Lügengebäude rund um die „Kernenergie“ zum Einsturz zu bringen.

1  ZAHLENSPIELE

Nach „Unfällen“ in Atomkraftwerken (AKW) wird der Öffentlichkeit immer suggeriert, dass die Betreiber und die Behörden in der Lage seien, das gesundheitliche Risiko der Freisetzung von radioaktiven Spaltprodukten realistisch zu bewerten. Dies geschieht durch Bekanntgabe von „Dosen“, also Zahlen, mit denen die freigewordene Radioaktivität (scheinbar) gemessen und bewertet wird.

rad foodWir hören dann z.B. von „5.000 Bequerel“ (pro kg) in Nahrungsmitteln und von „20 Milli-Sievert“ die. als jährliche „Strahlenbelastung“ an einem bestimmten Ort gelten. Dann folgt meistens eine Information, dass diese Werte weit „unter den Grenzwerten“ liegen, bei denen mit Gesundheitsschäden zu rechnen ist und dass man (z.B.) schon täglich kiloweise Spinat essen müsste, um ein höheres Erkrankungsrisiko zu haben, usw.

Die meisten Menschen können mit Begriffen wie Bequerel, Sievert oder Curie nicht viel anfangen, das ganze klingt aber sehr wissenschaftlich und mathematisch, deshalb wird der Eindruck von Seriosität vermittelt.

Doch was bedeutet es, wenn der Spinat mit 5.000 oder der Fisch aus Fukushima mit 50.000 Bequerel belastet sind und woher stammen die statistischen Berechnungsmethoden und mathematischen Modelle, nach denen das gesundheitliche Risiko bewertet wird? (Unangenehme Antworten darauf gibt es weiter unten …)

2  ZUR BEWERTUNG DES RISIKOS

Einer der Wissenschaftler, die am Symposium in New York teilnahmen, war

STEVE WING (Gillings School of Public Health, University of North Carolina)

Thema seines Vortrags:

Epidemiologische Studien über die Strahlenfreisetzung aus Atomanlagen: Lektionen aus Vergangenheit und Gegenwart (Original-Unterlagen im pdf-Format gibt es hier)

WHO risk estimate FuAuf den Punkt gebracht: Die “Wissenschaft” rund um Atomgefahren ist alles andere als „unabhängig” und „gründlich“

Professor Dr.Wing weist auf einen Bericht der WHO hin, in dem das „vorläufige“ Gesundheitsrisiko nach Fukushima bewertet wird. Dieser beruht in erster Linie auf einer Schätzung der Strahlenbelastung für die Bevölkerung (nicht auf einer wissenschaftlich gesicherten Messung). Dazu merkt Wing an, dass die Werte, auf die sich die WHO stützt, selektiv und nicht vollständig sind. So wurden folgende Belastungen völlig außer Acht gelassen:

  • Dosen in einem Radius von 20 km
  • Radioaktive Gase (Fukushima bewirkte die größte Freisetzung radioaktiver Edelgase aller Zeiten)
  • Dosen, die Föten im Mutterleib erhalten (die extrem empfindlich auf R-Strahlung reagieren)

excess mortalityDie zentrale Grundlage für die Bewertung gesundheitlicher Risiken durch Strahlenbelastung aus Spaltprodukten ist noch immer die „Untersuchung“ (LSS) der überlebenden Opfer von Hiroshima und Nagasaki, die in den 1950er Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern (unter Kontrolle des Militärs) gemacht wurde.

Doch dazu muss man wissen, dass auch hier die Daten sehr selektiv „gesammelt“ wurden. Professor Wing stellt fest:

  • Die epidemiologische Studie begann erst 1950fünf Jahre nach der Explosion der Bomben in Hiroshima und Nagasaki – das bedeutet
  • eine Selektion zugunsten der „stärkeren“ (Immunsystem, etc.) Individuen, weil die empfindlicheren Menschen inzwischen schon gestorben waren
  • Die Krebshäufigkeit wurde erst ab 1958 (!) untersucht – das bedeutet
  • alle Krebsfälle innerhalb der ersten 13 Jahre wurden ignoriert (damit vor allem jene Krebsarten mit kurzer Latenzzeit wie Leukämie, Krebserkrankungen bei Kindern, die schon im Mutterleib belastet wurden, etc.)

Diese dubiose Datenauswahl als Basis für die Risikobewertung (Lebenszeit) wird aber bis heute totgeschwiegen, denn damit lässt sich demonstrieren, dass eine (gewollte) Unterschätzung der Krebshäufigkeit in solche „Studien“ eingebaut werden kann und damit die Gefährlichkeit radioaktiver Strahlen systematisch verharmlost wird.

Missing Doses A-bomb survivors WINGEin weiteres Problem der LSS-Studie besteht darin, dass die „Kontroll-Gruppe“ (deren Sterblichkeit bzw. Krebshäufigkeit mit denen von direkt strahlen-exponierten Personen verglichen wird) sich ebenfalls in Hiroshima oder Nagasaki aufgehalten hat. Sie waren allerdings zum Zeitpunkt der Bombenexplosion entweder nicht in der Stadt oder auf andere Weise nicht direkt von der Explosion betroffen. (Eine echte Kontrollgruppe wäre gar nicht radioaktiv exponiert gewesen).

Die direkt Betroffenen befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion im Freien und erhielten daher eine große Menge externer Gamma-Strahlung. Doch beide Gruppen (der Überlebenden) nahmen über Luft, Wasser und Nahrung radioaktive Elemente auf. Die LSS-Studie verliert aber kein Wort über diese interne Strahlenbelastung. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war also nur die externe Strahlung. Trotzdem ist diese Untersuchung bis heute die Grundlage für „Strahlenschutz“-Bestimmungen auf der ganzen Welt (zwischen interner und externer Belastung wird kein Unterschied gemacht).

2.1 Ein Blick in die politische Geschichte des „Strahlenschutzes“

Während die Nuklearindustrie zu expandieren begann, mussten „Sicherheitsstandards“ entwickelt werden. Doch wie sollte man das Gesundheitsrisiko von radioaktiven Spaltprodukten bewerten, die es nie vorher auf diesem Planeten gegeben hatte? Man erkannte bald – viele von ihnen sind Alpha- (α)Strahler – weshalb sie das größte Risiko bei innerer Strahlenbelastung darstellen.

Was heißt das? Sie haben nur eine sehr kurze Reichweite (mm), sind deshalb als äußere Gefahr zu vernachlässigen. Doch wenn sie z.B. durch Nahrung in den Körper gelangen, deponieren sie ihre ganze (hohe) Energie in einem mikroskopisch kleinen Radius. Man spricht von einer „hohen Ionisationsdichte“. Die dabei getroffenen (winzigen) Zellen werden davon schwer geschädigt und wenn sie dabei nicht absterben, mutieren sie, weil es zu nicht mehr reparablen genetischen Schäden kommt (wenn der Zellkern getroffen wird). Durch diese Chromosomenbrüche wird die Grundlage für Krebs und schwere Erkrankungen des Immunsystems gelegt.

Um die enorme Gesundheitsgefahr durch interne Strahlen-Emitter zu verschleiern, sorgten die amerikanischen Behörden dafür, dass nicht Ärzte und Biologen das Sagen hatten, sondern vor allem Physiker, die in einem eigenen „Komitee“ Krankheitsrisiken bewerten sollten.

Das Problem dabei ist, dass der Physiker zwar die Zerfallsenergie eines bestimmten Nuklids berechnen kann, aber keine Ahnung davon hat, was konkret passiert, wenn sie im Inneren des Körpers, einer Zelle – einem sehr komplexen, biologischen System – „verschossen“ wird. Welche Organe sind betroffen und warum? Was passiert wirklich mit der DNA, mit dem Immunsystem?

Dazu kommt noch, dass neben der radioaktiven Giftigkeit eine chemische Giftigkeit existiert (wie bei allen Schwermetallen), die besonders für Leber und Nieren gefährlich ist. Durch die ionisierende Strahlung bilden sich auch (durch Kontakt mit Wasser > Radiolyse) sogenannte „freie Radikale“, das sind aggressive Sauerstoff-Verbindungen (ROS), die als Zellgifte wirken, wenn die zellulären Schutzmechanismen überfordert sind, und die Molekülbindungen (z.B. der DNA) spalten können.

Für den Physiker wird nur Zerfallsenergie von „Masse“ (Körpergewicht, Organgewicht) aufgenommen, doch die Musik spielt auf genetischer Ebene und in dieser unvorstellbar winzigen Dimension ist das Konzept von „aufgenommener Energie pro kg“ ebenso absurd, wie die Annahme, dass sich die Energie im Körpergewebe gleichmäßig verteilt. Mehr dazu weiter unten)

Während das Komitee für externe Strahlung bald zu einem Bericht gelangte, stritt das Komitee für interne Strahlung monatelang und kein Ende der Kontroverse war in Sicht.

Da griff die amerikanische „Strahlenschutz-Behörde“(NCRP) kurzerhand ein (Druck der Atom-Lobby, vor allem des Militärs) und erklärte die Debatte für beendet. Man legte einfach fest, dass der Bericht über die Risiken durch externe Strahlung auch für die Gefahren durch interne Strahlung zu gelten hatte. So einfach war das.

Karl MorganDer Vorsitzende der “internen” Kommission, Karl Morgan, konnte diese wissenschaftliche Schande nie überwinden und wurde (vom enthusiastischen Atomenergie-Fan) zum lebenslangen Kritiker der „Strahlenschutz“-Behörden.

I feel like a father who is ashamed of his children.”

1953 wurde – dank amerikanischem Einfluss – diese Art von “Wissenschaft“ auch die Grundlage für den internationalen Strahlenschutz, in Gestalt der ICRP, die den o.a. Bericht der NCRP kritiklos übernahm.

2.2  RISIKOBEWERTUNG FÜR DUMMIES

Kommen wir zurück vom Vortrag von Steve Wing: Er erinnert auch an die Reaktor-Katastrophe von Three Mile Island (TMI) in den USA, wo die gleiche Verschleierungstaktik angewandt wurde. (Die ersten Studien über die Krebshäufigkeit wurden erst 12 Jahre später publiziert usw.)

TMI cancer incidenceEpidemiologische Auswertungen von Dr. Wing und anderen unabhängigen Wissenschaftlern aus dem Jahr 1997, stellten einen klaren Zusammenhang zwischen der Höhe der Strahlenbelastung (Exposition der Anwohner) und dem Auftreten von Lungenkrebs her.

In einem Interview sagte Dr. Wing damals:

Unsere Studie allein kann nicht als Beweis für die höheren Krebsraten dienen, aber gemeinsam mit anderen (wo auch die Effekte bei Pflanzen, Tieren sowie Chromosomenschäden untersucht wurden) ergibt sich ein eindeutiges Bild: alles deutet darauf hin, dass die freigewordene Strahlung viel höher war, als ursprünglich angegeben.“

Eine andere Erklärung wäre natürlich, dass schon bei „niedrigen“ Dosen das Krebsrisiko steigt …

Doch die offizielle Verharmlosungskampagne hämmerte den Leuten ein, es gäbe keinen Grund zur Beunruhigung. So wurde in einem „Bericht“ aus dem Jahr 1990 festgestellt, dass die erhöhten Krebsraten rund um TMI nicht von dem Unfall herrühren könnten, weil die Strahlendosis „zu niedrig war“, um solche Effekte auszulösen.

Kein Wunder, wenn man solche „Modelle“ nach der LSS (wie o.a.) verwendet. Professor Wing erklärt, dass nach diesem mathematischen Modell, hunderttausende Menschen lebenslang beobachtet werden müssten, damit eine Zunahme der Krebssterblichkeit statistisch erkennbar wird.

Andere Krankheitssymptome der Bevölkerung rund um TMI (Haarausfall, Übelkeit, Erbrechen, sterbende Haustiere) wurden psychologisiert und als „stress-induziert“ abgetan. (Besonders absurd im Fall der Haustiere …!)

2.3   KINDER-LEUKÄMIE IN DEUTSCHLAND – SO WHAT?

Europäische Daten zeigen eine (statistisch signifikante) Zunahme der Leukämie bei Kindern in den letzten [20] Jahren, ein Ergebnis, das von den Daten in Deutschland bestätigt wird …“

German nucplants childhood leukemiaAuch in Deutschland wird fleißig nach diesem „Modell“ vorgegangen, mit dem man jede unangenehme Erkenntnis als „unerklärlich“ diffamieren kann. So etwa im Fall der erschütternden Ergebnisse einer Untersuchung, wonach im Umkreis von 5km rund um deutsche Atomreaktoren Kinder ein doppelt so hohes Risiko haben, an Leukämie (im Kindesalter) zu erkranken:

Ich erinnere mich noch gut daran, wie in den Talkshows des deutschen (Verblödungs-) Fernsehens, der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel saß und schön brav (implizit) suggerierte, dass diese Studie fehlerhaft sein müsse, weil „die Werte viel zu niedrig“ seien, sie also nicht durch das gültige Risiko-Modell erklärbar sind. Gewünschte Schlussfolgerung:

Die freigesetzte Strahlung aus AKWs kann nicht Ursache für (eine Zunahme von) Kinder-Leukämie sein, weil nach diesen Zahlen / Dosen die Zahl der Krebsfälle nicht steigen wird.

Germany childhood leukemiaWie Professor Wing dazu sarkastisch anmerkt, muss es sich also um einen „Fehler“ oder um ein Wunder handeln, doch wieder wird hier die fehlerhafte LSS aus Hiroshima & Nagasaki und die daraus abgeleiteten harmlosen „Dosen“ auf perfide Weise als ultimativer Wahrheits-Test herangezogen.

Tatsächlich wird aber demonstriert, wie man – basierend auf falschen (ungültigen) Prämissen – logisch erscheinende Schlüsse ziehen kann und wie weit die Autoritätshörigkeit in Deutschland geht.

Dass das Modell auf dem die Dosis-Risiko Bewertung beruht, schlicht und einfach unwissenschaftlich und verlogen (politisch motiviert) ist, darf nicht erwähnt (gedacht) werden. Das ist die „Denk-Polizei“ in Aktion, die in unseren Medien allen Ernstes als „Presse- und Redefreiheit“ verkauft wird. Was für eine unerträgliche Farce.

Wing beendet seinen Vortrag mit folgenden Worten:

Unsere Wissenschaft wird von unserem politischen System beeinflusst. Forschungsanordnungen können so gestaltet werden, dass kein Effekt gefunden wird, auch wenn er tatsächlich vorhanden ist. Das ist eine Tatsache, die die betroffene Bevölkerung verstehen muss. Wenn sie sich hilfesuchend an die Wissenschaft wendet, muss ihr klar sein, dass Wissenschaft nicht perfekt ist, nie unter perfekten Bedingungen stattfindet. Das Fehlen von kritischem Nachdenken, von selbst-kritischer Reflexion (der Wissenschaft), die Unfähigkeit, Autorität zu hinterfragen ist eines der großen Probleme auf diesem Gebiet (wie die mängelbehaftete LSS deutlich macht). Außerdem dürfen wir nicht eng-konstruierte Forschungs-Hypothesen mit systemischen Analysen verwechseln, die uns auch beschäftigen (sollten). Fragen wie – Ist Atomkraft eine gute Politik? […]“

3   DIE „GEFÄHRLICHE“ BANANE UND ANDERE MÄRCHEN

Ein weiterer Wissenschaftler, der in New York beim Caldicott-Symposium (über die medizinischen und ökologischen Folgen von Fukushima) referiert hat, ist

STEVEN STARR (MT, ASCP, University of Missouri)

Thema: Die Auswirkungen der massiven Kontamination Japans durch radioaktives Cäsium (Original-Unterlagen im pdf-Format gibt es hier (allerdings ohne Bilder); ein Transkript des Vortrages mit Folien gibt es hier)

3.1  FALSCHE ANALOGIEN

Starr weist darauf hin, dass ein weiterer Trick der Verharmlosung darin besteht, natürliche Radioaktivität mit künstlich erzeugter gleichzusetzen. (Wir kennen das ja durch die häufig benutzte Formulierung „Hintergrundstrahlung“). Doch die Spaltprodukte aus KKW sind (vor allem wenn sie in den Körper gelangen) viel gefährlicher, wie er am Beispiel von Cäsium 137 demonstrieren will. (Was nicht heißen soll, dass natürliche Quellen wie z.B. Radon harmlos ist)

Starr sagt, langlebige Radio-Nuklide wie Cäsium 137 (bleibt bis zu 300 Jahre im Ökosystem, ist wasserlöslich) seien für Menschen etwas „Neues“, denn während der ganzen Evolution (etwa 4 Milliarden Jahre) kamen sie nur in „unbedeutenden Mengen“ vor.

Fusco 9 Yulya, brain outside the headEin Bild sagt mehr als tausend Worte: wir sehen hier ein Baby (Yulya) in einem Pflegeheim in Minsk (Weissrussland, 1997), dessen DNA durch den Fallout von Tschnernobyl vergiftet wurde. Ergebnis: das Gehirn befindet sich in dem riesigen Sack außerhalb des Kopfes … (Foto Essay: Paul Fusco/ Magnum: Chernobl Legacy)

Damit werden die Worte von Steven Starr zur grausamen Realität:

Sie sind millionenfach schädlicher als alle Gifte, die wir kennen. Sie sind in der Lage Krebs, Leukämie, genetische Mutationen, Geburtsdefekte, Missbildungen und Fehlgeburten schon in unvorstellbar winzigen Mengen hervorzurufen. Sie sind tödlich auf molekularer und atomarer Ebene.“

Sie emittieren Strahlen (unsichtbare Formen von Masse und Energie), die wir mit Feuer vergleichen könnten, weil Strahlung das Gewebe verbrennt und zerstört. Aber im Gegensatz zum herkömmlichen Feuer kann dieses nukleare Feuer nicht gelöscht oder eingedämmt werden, denn es „brennt“ auf atomarer Ebene, es entsteht durch den Zerfall eines einzelnen Atoms.

Deshalb steht „Radioaktivität“ für die Anzahl der Atome, die in einem bestimmten Zeitraum zerfallen. Wir messen ihre Intensität anhand der Zerfallsrate und der Energie, die dabei frei wird.“

Starr bringt dann als Beispiel für den „hinkenden“ Vergleich die berühmte „Banane“. (In den USA wird den Leuten oft erzählt, dass sie mit jeder Banane und anderen Früchten auch radioaktive Elemente aufnehmen, was die Harmlosigkeit der Strahlung aus AKW demonstrieren soll)

3.2   WIE GIFTIG IST CÄSIUM 137?

Banana vs Cs 137Um die Gefährlichkeit (hohe Strahlenbelastung) von Cäsium zu verdeutlichen, zeigt Starr zwei Folien und erklärt dazu der Vergleich sei unzulässig, weil natürliche radioaktive Elemente viel weniger Strahlung abgeben, als künstliche. Im Falle der Banane geht es um Kalium 40, dessen „spezifische Aktivität“ mit 0,0000071 Curie pro Gramm angegeben wird.

Cäsium 137 hat eine „spezifische Aktivität“ von 88 Curie pro Gramm (1 Curie sind 37 Milliarden Bequerel.)

„Das ist so, als ob man eine Stange Dynamit mit einer Atombombe vergleicht“.

Hochradioaktive Spaltprodukte wie Cäsium 137 oder Strontium 90 senden 10- 20 Millionen Mal mehr Strahlung (pro Volumeneinheit) aus, als Kalium 40.

Man kann die extreme Giftigkeit von Cs 137 auch daran demonstrieren, wie wenig davon nötig ist, um ein Fläche zum Sperrgebiet zu machen.

Starr Contam zone chernobylIn Tschernobyl wurde ebenfalls die Belastung in Curie pro km² ermittelt. 1090 m² (hier: Quadratmeilen nicht Q-Meter), das sind 3.740 km²  rund um das Kraftwerk waren mit mehr als 104 Curie/Quadratmeile verstrahlt, dort darf niemand mehr leben.

CS 137Erinnern wir uns nochmal, dass ein Gramm Cäsium 137 eine Radioaktivität von 88 Curie aufweist. D.h. nur ein halbes Gramm davon – verteilt als Gas über eine Fläche von einem Quadratkilometer – würde dieses Gebiet unbewohnbar machen.

In einem Gramm Cäsium 137 sind 10 21 Atome enthalten (also eine Zahl mit 21 Nullen). 1,48 x10 12 davon (1480 Billionen) zerfallen jede Sekunde und setzen dabei nukleare Energie frei. Das bedeutet etwa 1,5 Millionen Zerfälle pro m² in der Sekunde. (Starr sagt, mit nur 2 Gramm Cäsium könnte man den Central Park in New York zum Sperrgebiet machen).

Starr Cs 137 central park(Anmerkung: die viel größere Gefahr ist aber die Aufnahme von Cäsium durch die Nahrung; mehr über die interne Strahlen-gefahr weiter unten)

Wenn ein Atomreaktor in die Luft fliegt, ist jedem klar, dass dadurch große Mengen radioaktiver Elemente freigesetzt werden. Doch die „stille“ Gefahr aus den „Abklingbecken“ (wo die „abgebrannten“ Brennelemente gelagert werden) wird nie erwähnt. Am Beispiel des amerikanischen Kraftwerks Indian Point (etwa 60 km von New York City entfernt) zeigt Starr, welce riesigen Mengen Cäsium 137  aus diesen radioaktiven „Swimming-Pools“ Mensch und Umwelt bedrohen:

Starr comparison chernobyl SFP USVon den 104 kommerziellen Reaktoren in den USA haben die meisten ein radioaktives „Inventar“ von mehr als 100 Millionen Curie in den (jeweiligen) Abklingbecken, ein Vielfaches dessen, was in Fukushima vorhanden ist.

3.3 JAPAN: DIE BELASTUNG MIT CÄSIUM 137 NACH FUKUSHIMA

Wenn man das Gesundheitsrisiko in Japan bewerten will, kann man das anhand der Verseuchung des Festlandes mit Cs 137 tun

Die Reaktoren 1-3 hatten eine „Kernschmelze“, was erst nach zwei Monaten von TEPCO zugegeben wurde.

Dabei wurden riesige Mengen radioaktiver Gase und Aerosole unmittelbar nach dem „Meltdown“ frei. Laut Angaben der Behörden sind 80% davon weg vom japanischen Festland in Richtung Pazifik „abgezogen“. (Doch sie kommen als biologischer Bumerang über Fische, Meeresfrüchte, etc. wieder zurück ….). Doch selbst die restlichen 20% stellen eine enorme Strahlenbelastung für die betroffenen Gebiete in Japan dar.

Starr Cs 137 cont JapanAm 11. März bot die amerikanische NNSC (Organisation für Nukleare Sicherheit) Japan an, mit ihrem Luft-Messsystem Prognosen zu erstellen und das Lawrence Livermore Lab stellte Computermodelle zur Verfügung, mit denen die atmosphärische Verteilung berechnet werden kann.

Am 14. März 2011 drehte der Wind von Osten nach Westen und blies die radioaktive „Wolke“ wieder über das japanische Festland. Man sieht auf der Graphik unten, dass die Abgasfahne zuerst südlich – über Tokio – zog, dann aber wieder nach Norden drehte. Alle Gebiete, über die die radioaktive Gaswolke zog, wurden dabei kontaminiert, doch die größte Strahlenbelastung entstand natürlich dort, wo es regnet und damit der „Fallout“ direkt unten ankam. (Das erklärt, warum auf dem Bild die Verteilung so „fleckig“ erscheint)

Acht Monate später veröffentlichte das japanische Wissenschaftsministerium eine Karte (siehe unten), auf der zu sehen ist, das 30.000 km² – das sind 13% der Fläche Japans – mit radioaktivem Cäsium verstrahlt ist.

3.4   DIE TOKIO-LÜGE

Um eine Massenpanik zu vermeiden, wurde so getan, als ob die Millionen-Stadt Tokio überhaupt nicht davon betroffen wäre, was natürlich nicht der Fall ist.

Gundersen Tokyo soil samples rad wasteMessungen von engagierten Personen (z.B. Wissenschaftler wie Professor Yukio Hayakawa oder Atomtechniker wie Arnie Gundersen) haben klar gemacht, dass natürlich auch in Tokio bedenkliche radioaktive Strahlung vorhanden ist.

Gundersen sagt dazu in einem Video:

Als ich in Tokio war, nahm ich einige Bodenproben, ganz willkürlich. Ich ging einfach mit fünf Plastiksäckchen herum und sammelte Erde ein. Eine Probe stammte aus einem Spalt eines Gehsteigs, eine andere von einem Kinderspielplatz (der vorher „dekontaminiert“ worden war!) Die dritte stammte vom Dach eines Bürogebäudes, in dem ich zu tun hatte, im Zentrum von Tokio, usw.

Ich brachte diese Proben in die USA, wo sie von einem Labor untersucht wurden und bei allen wurde Radioaktivität gemessen (Cäsium 137, Cäsium 134, Kobalt 60, Uran 235). Und das Ergebnis war, dass alle Proben hier in den USA als „radioaktiver Abfall“ gelten würden und „entsorgt“ werden müssten.

Wie würde es Dir gefallen, wenn Du beim Blumenpflücken in radioaktiver Erde knien würdest? Das ist was jetzt in Tokio passiert …“

Und Gundersen betont, dass die Kosten (geschweige denn Durchführbarkeit) einer Evakuierung von 100,000 Leuten (und mehr) in keine Kosten-Nutzen-Rechnung der Regulierungsbehörden einfließen, wenn sie den Bau eines AKW bewilligen.

Die Kosten, die der Gesellschaft durch Atomkraft entstehen (noch dazu wenn man ganze Generationen evakuieren müsste) werden auch nicht in den Strompreis eingerechnet, denn dieser würde dann wohl 5 Euro pro kW-Stunde kosten, womit die Lüge vom „billigen Atomstrom“ entlarvt wäre.

(Zurück zu Steven Starr):

4   ZAHLENSPIELE 2.0

Die Tatsache, dass TEPCO ganze zwei Monate lang geleugnet hat, dass überhaupt eine Kernschmelze stattgefunden hat, verdeutlicht ja die Verharmlosungs- und Vertuschungstaktik der Atomlobby gegenüber der Öffentlichkeit.

Eine Fläche von rund 20.000 km² hatte nach offiziellen Angaben so hohe „Strahlungswerte“, dass die bis dahin geltende Obergrenze von 1 Milli-Sievert (mSv) pro Jahr weit überschritten wurde. Doch anstatt dieses Gebiet zu evakuieren, wurde die „zulässige“ jährliche Strahlendosis einfach auf 20 mSv erhöht!

EU Kommission erhöht zulässige Rad in LMDas gleiche unverantwortliche Betrugsmanöver praktizierte ja auch die EU-Kommission, damit Produkte aus Japan weiterhin importiert werden können.

Etwa 1030 km² (300 Quadratmeilen) rund um die Reaktoranlage Daichi waren so verstrahlt, dass sie als unbewohnbar erklärt werden mussten und fast 160.000 Japaner mussten schnellstens evakuiert werden. Sie verloren ihr Zuhause, ihren Lebensunterhalt, ihre Äcker und Tiere, ihre nähere Heimat und erhielten dafür nur eine geringe Entschädigung, die gerade zur Deckung einfacher Bedürfnisse von „Flüchtlingen“ reicht.

4.1 DAS DOSIS-MÄRCHEN

Steven Starr betont, dass die Einheit „Millisievertkein gemessener Wert ist, wie Bequerel oder Curie, sondern ein kalkulierter Wert, (der in keiner Weise „wissenschaftlich fundiert“ ist).

Damit sollen wiederum die biologischen Effekte ionisierender Strahlung berücksichtigt werden, die das simple (physikalische) Konzept der „Dosis“ aber weit überfordern, weil mikro-biologische Systeme viel zu komplex sind und man mit „Energie“, die von „Masse“ aufgenommen wird, nicht weit kommt, wenn es sich um genetische Effekte in winzigen Zellkernen handelt.

Energiedosis und RBW1 Gray (früher: rad) bedeutet, dass eine Energie von 1 Joule pro kg „Gewebe“ aufgenommen wird.

Um das unterschiedliche biologische Risiko (durch die verschiedenen Strahlenarten) zu verdeutlichen, hat man einen willkürlichen Multiplikations-faktor eingeführt: den „RBW“ für

Strahlenarten Gew Faktoren„Relative Biologische Wirksamkeit“

Wie komme ich also von „Gray“ zu Sievert? Indem ich den Gray-Wert mit dem jeweiligen RBW multipliziere. Bei Alphateilchen käme so bei 5 Gray (Energiedosis) ein Wert von 100 Sievert (Äquivalenzdosis) heraus.

Bei interner Strahlung (durch Einatmen oder Nahrungsaufnahme) macht dieses Dosis-Modell überhaupt keinen Sinn, weil dabei sehr kleine Gewebsareale – immer wieder – eine hohe Strahlendosis abbekommen, es handelt sich also um einen lokalen Effekt.

Doch das gängige „Risiko-Modell“(der ICRP „Strahlenschutz“-Kommission) berechnet die „effektive“ Strahlendosis so, als ob sie sich gleichmäßig über den ganzen Körper (oder ein Organ) verteilen würde. Damit erhält man immer eine „niedrige“ (Durchschnitts-)Dosis, die dann stets dafür verwendet wird, dass sie „unmöglich solche Schäden“ anrichten könne (wie bei der Kinder-Leukämie rund um Kernkraftwerke in Deutschland)

Versuch, das auf einfache Weise verständlich zu machen:

Wenn wir uns „den Finger verbrennen“, tut das ziemlich weh (je nachdem wie groß die Hitze war und wie lange sie auf die Haut einwirkte). Warum? Weil hier so viel „Energie“ (Wärmestrahlung) auf das Gewebe einwirkte (eine kleine Stelle der Haut), dass ein biologischer Schaden entstand: eine Verbrennung der Hautzellen. Dort wurde also eine gefährliche „Dosis“ aufgenommen, die eine sichtbare Verletzung auslöste. (Was man bei inneren Schäden natürlich nicht merkt …)

Würde man die gleiche Energiemenge auf den ganzen Körper aufteilen (also durch das Körpergewicht dividieren), käme so eine kleine „Dosis“ (Wärme / Energie als Durchschnittswert) heraus, dass von einem „Risiko“ nicht zu reden wäre.

So funktioniert „Strahlenschutz“ im Atomzeitalter …

4.2 WIE HOCH IST DAS RISIKO IN JAPAN?

 Starr 20 mSv higher cancer riskSteven Starr untersucht, wie hoch das Gesundheitsrisiko für Japaner ist, nachdem die erlaubte „Jahresdosis“ auf 20 mSv erhöht wurde. Nach Berechnungen der Akademie der Wissenschaften  ergibt sich dabei (u.a.) folgendes Bild: (pro 100,000 Kinder in einer Altersgruppe):

  • 1000 zusätzliche Krebsfälle bei weiblichen Kleinkindern
  • 500 zusätzliche Krebsfälle bei männlichen Kleinkindern und
  • 100 mehr Krebsfälle bei erwachsenen Männern +(Altersgruppe: 30 Jahre)

Es ist bekannt, dass Frauen und vor allem junge Mädchen ein wesentlich höheres Krebsrisiko haben, weil sie empfindlicher auf radioaktive Strahlung reagieren (deshalb kein Mammographie-Screening!). Daher erklärt Starr:

Ein Kleinkind hat ein siebenfach höheres Risiko, durch ionisierende Strahlung Krebs zu bekommen, als ein 30 Jahre alter Mann.

Doch Starr hat begriffen, dass diese offiziellen „Berechnungen“ (die schon besorgniserregend genug sind), das wahre – viel größere Risiko – verschleiern und er betont deshalb ausdrücklich, dass die „Milli-Sievert“ Show unbedingt in Zweifel zu ziehen ist:

Es gibt eine große Kontroverse darüber, ob diese Berechnungsmethoden mit denen man zu den Milli-Sievert Werten kommt, richtig sind. Dies gilt besonders für die Festlegung der biologischen Effekte bei externer gegenüber interner Belastung ionisierender Strahlung.

  • Extern: die Strahlenquelle ist außerhalb des Körpers (z.B. Röntgengerät)
  • Intern: die Strahlenquelle befindet sich im Körper (wurde eingeatmet oder durch Nahrung aufgenommen; radioaktive Nanopartikel können aber auch durch die Haut eindringen, z.B. bei Uran-Munition, wie sie die USA / NATO-Mörderbande seit 1995 tonnenweise verschossen hat)

Die interne „Exposition“ ist natürlich enorm gefährlich, weil hier die betroffenen Zellen einer hohen, chronischen Strahlenbelastung durch die zerfallenden Atome bzw. Uran-Partikel (in unmittelbarer Nähe) ausgesetzt sind.

extensive lung damage around hot particle

Zellschäden in der Lunge durch Plutonium-Teilchen („Hot Particle“

Starr weist darauf hin, dass das größte Risiko für die Menschen in der Fallout-Zone um Tschernobyl bzw. um Fukushima, die Aufnahme radioaktiver Nahrung ist.

Auch hier spielt die Belastung mit Cäsium 137 wieder eine zentrale Rolle, weil es wegen seiner Langlebigkeit in der Nahrungskette „akkumuliert“ (sich also anreichert). Warum? Es wird ständig mehr Cäsium aufgenommen, als ausgeschieden werden kann, daher kommt es zu einer höheren Konzentration (wobei der Mensch ja bekanntlich am Ende der Nahrungskette steht und deshalb an der Spitze der „ Bio-Magnifikation“).

Da Cäsium sich (als eine Art chemisches Alias) wie Kalium „verhält“, wird es auch bevorzugt von Pflanzen aufgenommen, die von Natur aus reich an Kalium sind: z.B. Pilze und Beeren. Aber natürlich auch Milchprodukte und Fleischerzeugnisse enthalten viel Cäsium, wie schon gesagt – wegen der Nahrungskette.

DIE  CHRONISCHE  BELASTUNG

Die ICRP erkennt wenigstens an, dass sich Cs 137 auch in Menschen anreichert. Auf der Graphik unten sieht man drei Kurven: eine steht für die einmalige Aufnahme von 1000 Bequerel Cs 137, die beiden anderen  für eine tägliche Aufnahme von 1 Bq bzw. 10 Bq.

Starr ICRP chronic vs one time rad

Bei der einmaligen Aufnahme, ist nach 110 Tagen die Hälfte des Cs 137 ausgeschieden.

Doch bei der täglichen Aufnahme (einer „niedrigen“ Dosis von 10 Bq) steigt die radioaktive Belastung ständig weiter an und nach 500 Tagen erreichen wir über 1.400 Bequerel.

Das kann man direkt an den betroffenen Personen messen, weil beim Zerfall von Cs 137 Gammastrahlung frei wird – die durch den Körper durchgeht – und von einem Dosimeter erfasst wird.

5  DER DOSIS-BULLSHIT (AGAIN)

Um die Absurdität des geltenden „Risiko-Modells“ noch mal zu verdeutlichen, erklärt Steven Starr folgendes:

Bei einem Körpergewicht von 70 kg, würde eine Radioaktivität von 1400 Bequerel einer „effektiven Dosis“ von 20 Bq pro Kilogramm entsprechen. Bei einem 20 kg schweren Kind wären es dann 70 Bq/kg.

Die ICRP Dokumente enthalten gar keine Angaben zum (durchschnittlichen) Alter oder Gewicht der untersuchten Personen. Doch die „Sicherheitsstandards“, die von der Atomindustrie vorgegeben wurden, sehen in dieser chronischen Belastung mit „niedrigen“ Strahlendosen keine Gesundheitsgefahr, mit der man sich näher beschäftigen müsste.

FORTSETZUNG FOLGT ..

Themen: Die fatale Wirkung von Cäsium 137 auf die Kindersterblichkeit … Warum Cäsium Herzkrankheiten auslöst … wie die Kinder in Weißrussland durch Tschnernobyl immer kränker wurden … der Skandal um den Schilddrüsen-Krebs …

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A Whiter Shade of Pale: Plutonium für Alle

Fukushima? Schnee von gestern? Schön wär’s … doch ein Problem geht nicht weg, nur weil man es bagatellisiert.

Noch immer hören wir Phrasen wie „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Atomanlage unter Kontrolle bringt …“ Doch das ist 100% Bullshit. Die „Kontrolle“  über dieses nukleare Trümmerfeld kann nie wieder hergestellt werden und das Ausmaß der Katastrophe wird noch immer heruntergespielt:

  • Kernschmelze in Reaktor 1
  • Grundwasser verseucht (Anlagen 1-3 haben „Lecks“; Anlage 4 „neigt sich“)
  • Massive Explosion im Reaktor 3 (Abklingbecken samt Brennstäben in die Luft geflogen)
  • Folgen: Land, Lebensmittel und Wasser mit Uran und Plutonium verseucht (weltweit messbar)

Die Explosion im Reaktor 3 wurde mit der Kamera festgehalten: Die gewaltige Sprengkraft war sichtbar, denn Material aus dem Reaktor wurde so hoch in die Luft geschossen, dass man es gerade noch im Videoframe sehen konnte. Auf dem Video sieht man auch einen „rot-gelben Blitz“, also eine Explosionsflamme, die nur bei diesem Reaktor gebildet wurde:

Obwohl es noch Debatten darüber gibt, ob das Reaktordruckgebäude noch intakt ist, besteht kein Zweifel daran, dass vom Abklingbecken Nr. 3 nicht mehr viel übrig ist: (Klicken sie auf das Bild – wo „SFP“ in grün steht, war mal das Abklingbecken …)

Dieser Pool enthielt mehrere hundert Tonnen ausgelagerten MOX Brennstoff. Das Material (Uran und Plutonium)  wurde durch die enorme Explosion (zumindest teilweise) pulverisiert und als giftiger „Feinstaub“ (Nanopartikel, die so winzig sind, dass sie alle Barrieren des Immunsystems durchdringen)  rund um Fukushima großflächig verteilt, und zwar in einem wesentlich größeren Radius als im Falle von Tschernobyl. Das ergibt sich aus den Strahlungswerten, die noch in einer Entfernung von 60 km gemessen wurden. Die Dosisraten waren höher als 20 micro Sievert pro Stunde und trotzdem wurde niemand evakuiert. Warum nicht?

Damit keine „Panik“ ausbricht – nicht in der Bevölkerung, die wird sowieso in Japan seit Jahren für dumm verkauft, sondern bei den „Investoren“, den „Börsianern“, der Finanzoligarchie, den Währungsspekulanten. Wenn die das „Vertrauen“ in die japanische Wirtschaft verlieren, weil die wahren, astronomischen Kosten dieser nuklearen Katastrophe ans Tageslicht kommen – das wäre ein Super-GAU der finanziellen Art, der um jeden Preis verhindert werden muss. Da kann man Kindern doch ruhig die 20- oder 50-fache Strahlungsdosis zumuten ohne mit der Wimper zu zucken, oder?

Dr. Chris Busby, ein engagierter Wissenschaftler, der sich seit Jahren für eine Aufklärung der Bevölkerung bzw. ein Ende der Vertuschung der enormen Gefahren der Atomkraft (auch im „Normalbetrieb“!) engagiert, sieht die Erklärung für die enorme Wucht der Explosion in einer „spontanen“ Kernspaltung, Nuklearexperten sprechen von „instant criticality“: d.h. es kommt auch nach „Abschaltung“ zu einer Kettenreaktion …

Wie das im Reaktor 3 passieren konnte, erklärt Dr. Busby so:

Die Schmelz- bzw. Siedepunkte  von Plutonium und Uran sind nicht gleich. Der Schmelzpunkt von Plutoniumoxid (im MOX Brennstoff) ist 2701 Grad Celsius, aber der von Uranoxid 3120 Grad. Wenn also eine Mischung dieser beiden zu sieden  beginnt, kommt es zu einer fraktionierten Destillation des Plutoniumoxids, also zu einer chemischen Abscheidung (Wasser <> Dampf), so wie bei der Destillation von Alkohol.

Das Plutonium wird daher im Dampf bzw. dort örtlich konzentriert, wo sich der Dampf als Kondensat niederschlägt (wo es also am kühlsten ist). Dies führt unweigerlich zu einer nuklearen Explosion, wenn die Konzentration des Plutoniums den kritischen Punkt für eine Kettenreaktion erreicht hat.

Dabei ist auch zu bedenken, dass Plutonium nicht nur in Reaktoren  vorhanden ist, die mit MOX-Brennstoff betrieben werden, sondern in jedem AKW  durch den Neutronenbeschuss des Uranbrennstoffs entsteht.

Auch in Tschernobyl wurde von einer „Wasserstoffexplosion“ gesprochen, doch neuere Forschungsergebnisse liefern starke Indizien dafür, dass diese Version nicht der Wahrheit entspricht: Jeder „Vorfall“ in einem AKW, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird, hinterlässt eine eigene „Isotopen-Signatur“. Kernphysiker können also in der Zusammensetzung des radioaktiven Giftcocktails (und Kenntnis der „Historie“ des Reaktors) Informationen erkennen, die auf die Ursache der Freisetzung schließen lassen.

So haben zwei russische Forschungsteams das Spektrum der Gammastrahlen untersucht, die das herausgeschleuderte Material aus dem Reaktorkern Nr. 4 freigesetzt hat. Eine Gruppe hat sich auf die Isotopen Xenon 133 und 133 m konzentriert, die eine Halbwertszeit von 5,24 bzw. 2,19 Tagen haben. Das Vorkommen bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser beiden Spaltprodukte (22,4) ist ein klarer Hinweis darauf, dass eine nukleare Explosion stattgefunden  hat.

Die radioaktive Milch wird "entsorgt" ...

Der Grund, warum sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima der Eindruck erweckt wurde, es handle sich (nur) um eine Wasserstoffexplosion, liegt auf der Hand:

Wenn den Leuten klar wird, dass Atomreaktoren,  bei denen die Kühlung versagt, auch nach der „Abschaltung“ wieder einen kritischen Status erreichen können (es also wieder zu einer Kernspaltung bzw. Kettenreaktion kommen kann), dann ist das Märchen von der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ endgültig erledigt.

Dieser Vorgang der „spontanen Fission“ wird von Fachleuten als „prompt criticality“ bezeichnet und Dr. Chris Busby ist nicht der einzige, der dieses Szenario in Fukushima als sehr wahrscheinlich ansieht.

Auch der amerikanische Nuklearingenieur Arnold Gundersen, der jahrzehntelang in der Atomindustrie tätig war und auch im Untersuchungsverfahren nach dem „Unfall“ von Three Mile Island als Experte aussagte, ist überzeugt, dass hier eine „moderate“ atomare Explosion stattgefunden hat:

Gundersen erklärt hier auch den Unterschied zwischen einer „Detonation“ (Schockwelle  ist schneller als der Schall) und „Deflagration“ (Schockwelle breitet sich mit Schallgeschwindigkeit aus). Das Video zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Detonation gehandelt hat und auch der Umstand, dass Teile der Brennstäbe noch in zwei Meilen Entfernung vom Reaktor gefunden wurden …)

Ein wissenschaftlicher Beweis für die Hypothese der nuklearen Explosion wäre leicht zu erbringen, man muss nur das Gammaspektrum untersuchen bzw. die radioaktive „Signatur“ der  Freisetzungswolke nach der Explosion im Reaktor 3. Vermutlich hat man das auch gemacht, doch die Ergebnisse werden natürlich geheim gehalten, sonst wäre nicht nur TEPCO erledigt, sondern auch der Mutterkonzern Toshiba, die Atomlobby in Japan (und wohl auch weltweit) , von der japanischen Regierung – die das Volk seit Jahrzehnten belügt, ganz zu schweigen.

Man liest, dass die Reaktoren  pro Tag 100.000.000.000.000 Becquerel freisetzen. ( 1 Becquerel ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde). Das ist schon schlimm genug, sagt den Leuten jedoch wenig. Was das für die „Gesundheit“ der Chromosomen bedeuten kann, sehen sie hier (am Beispiel eines Hundes, der auch ein Opfer von Tschernobyl wurde:

Wir hören aber immer nur von Cäsium und radioaktivem Jod 131, dessen Halbwertszeit nur wenige Tage beträgt. Man kann also „Informationen“ herausgeben und gleichzeitig beruhigen, da die kurze Zeitspanne keine Panik in der Bevölkerung auslöst.

Doch von den anderen „verräterischen“ Nukliden hört man nichts – eben weil ihre Veröffentlichung die „Isotopen-Signatur“ der Katastrophe offen legen würde, also eine Art radioaktiver „Fingerabdruck“ wäre, der die Vorgänge in Fukushima transparenter machen könnte.

Und das geht nicht nur Japan etwas an.

In den USA (zB Americium, ein Zerfallsprodukt von Plutonium,  in New England) und auch in Europa sind Isotope aus Fukushima bereits gemessen worden  – tausende Kilometer weit weg und mögen die Werte auch „niedrig“ sein, unbedenklich sind sie garantiert nicht, denn wir wissen, dass diese geladenen Teilchen sich mit organischem Material verbinden und in der Nahrungskette konzentrieren.

Nicht zufällig hat die EU die Grenzwerte in Lebensmitteln dramatisch erhöht– doch die Medien interessieren sich mehr für den „Euro-Schutzschirm“, schließlich sind sie konditioniert worden, ihre Aufmerksamkeit auf finanzielle Dinge zu konzentrieren, nicht auf die Erhaltung bzw. Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch eine pathologische und fanatische Wirtschaftsideologie, die mehr Zerstörung und Elend auf der Erde anrichtet, als jeder angebliche „Terrorist“.

Dr. Busby fragt weiter: Was ist mit Strontium 90, Barium 140 und Uran, die sich in der Milch konzentrieren? Dringend benötigt werden Informationen über  folgende Radionuklide:

  • Tritium; Carbon-14; Plutonium 239, 238 u. 241
  • Uran 238 u. 235; Americium 241
  • Strontium 89 /90; Yttrium 90
  • Barium 140; Cobalt 60
  • Zirconium 95;  Niobium 95
  • Zink 65; Ruthenium 106
  • Silber 110m; Cerium 144
  • Mangan 54; Schwefel 35
  • Xenon 133 / 133 m / 135
  • Argon 41; Krypton 85

Erst wenn Informationen über die Häufigkeit bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser Isotope veröffentlicht werden, wird sich die Vernebelungstaktik der japanischen Regierung und der weltweiten Atomlobby bekämpfen lassen.

Doch kein Journalist drängt darauf und fragt danach, denn sie haben keine Ahnung von der Materie (… auf dem gleichen, bestürzend niedrigen Niveau werden auch Interviews über Gentechnik oder Nanotechnologie abgewickelt …). Es reicht doch, einen „Experten“ zu fragen – von wem der bezahlt wird, im Kontext von „Science for Sale“  (Privatisierung und Dominanz der staatlichen Forschung durch potente „Partner“ aus der Wirtschaft) hat auch nicht weiter zu interessieren.

Unsere Medienschafe sind darauf trainiert, die Presseaussendungen und Desinformation wiederzukäuen, die ihnen die Agenturen liefern und blöken harmonisch im Chor … „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Anlage wieder  unter Kontrolle hat“ …  Schauen wir uns doch die Bilder noch mal an, was gibt es da noch zu „kontrollieren“?

Ja, die mediale Blödheit kennt wirklich keine Grenzen, denn man meldet auch solchen Schwachsinn:

Tepco hat angekündigt, ein Gerät zu entwickeln,

um die Radioaktivität aus dem Meerwasser zu entfernen“ (!)

(Österreichischer Rundfunk, vor einer Woche)

Einziger Lichtblick im „öffentlich-rechtlichen“ Rundfunk: Die „Monitor“-Redaktion  … Doch leider ist die Sendezeit sehr kurz und garantiert nicht in der „Prime-Time“ (damit die Einschaltquoten ja nicht zu hoch werden …).

Volker Pispers sagte neulich, die „Nachrichten“ seien doch nur mehr „organisierte Verblödung“ der Zuschauer.

Der Mann hat ja so Recht …. (das gilt nicht nur für Atomkraft, sondern auch für den moralischen Mega-Scam der Bombardierung anderer Länder zur Durchsetzung neoliberaler Programme, präsentiert als „humanitäre Intervention“, die absurde Darstellung des IWF als „Hilfsorganisation für in Finanznot geratene Länder“ (Tagesschau, Sonntag 15.5.) (Fakt: der IWF ist ein US/europäisches Bankenkartell unter Führung des US-Finanzministeriums, das erheblich an der Entstehung der  „Finanzkrisen“ mitgearbeitet hat ) usw.

Die Journalisten sind doch nur mehr für die mächtigen „Player“ dieser Welt nützliche Idioten, die als „Multiplikatoren“ bewusst lancierter Falschmeldungen und vorgegebener Deutungsrahmen („framing“)  ihren Zweck erfüllen und sich auch noch etwas darauf einbilden …

Die vierte Säule der Demokratie?  Ein guter Witz …

Warum die Atomindustrie eine terroristische Vereinigung ist (die das Leben auf der Erde für hunderte Generationen bedroht und bleibenden – weil genetischen – Schaden hinterlässt), zeigen diese erschütternden Videos:

 

 Nuclear Controversies

Das letzte Wort geht an Albert Einstein, an dessen … Geburtstag der Reaktor 3 explodierte:

„It is not enough for a handful of experts
to attempt the solution of a problem,
to solve it and then to apply it.

The restriction of knowledge to an elite group
destroys the spirit of society
and leads to its intellectual impoverishment.“

Albert Einstein

P.S. Was ein erfahrener Atomphysiker von den „Wasserspielen“ „feed and bleed“) in Fukushima hält, sehen und hören wir hier:

Dr. Michio Kaku kommentiert die Kühlungsversuche von  TEPCO damit, dass sie ebenso effektiv seien, wie der Versuch einen Waldbrand mit Wasserspritzpistolen zu löschen … Das ganze Theater soll nur vortäuschen, dass man noch Optionen oder irgend einen Plan hat, die Lage „unter Kontrolle“ zu bringen.

Die Realität  beschreibt Dr. Kaku in einem Interview mit ABC News am 31/3 so:

„Das ist eine ganz große Sache. Zum ersten Mal hat man das Word „Breach“ verwendet, das bedeutet unkontrollierbare Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt … und denken Sie daran, dass der Reaktor 3, wo das Leck vermutet wird, mit MOX Brennstoff arbeitet, also Plutonium enthält, das giftigste, chemische Element, dass die Wissenschaft kennt.

Ein Millionstel Gramm kann Krebs auszulösen, wenn es in den Körper gelangt (durch Einatmen oder durch Nahrungsmittel). Man muss sich das sehr genau ansehen.

[Auf die Frage des Journalisten, ob Stufe 4 bzw. ein Vergleich mit dem Unfall von Three Mile Island (TMI) zulässig sei  (zum Zeitpunkt des Interviews war es ja noch nicht Stufe 7):]

„In wissenschaftlichen Zirkeln ist das ganze Theater Anlass für große Erheiterung – es ist doch offensichtlich, dass die Lage in Fukushima viel schlimmer ist, als TMI.  Dort hatten wir nur einen Reaktor, der zwar 90% Kernschaden hatte, aber eben nur eine kleine Menge Radioaktivität ins Freie gelangte. Es gab auch kein „Leck“ im Containment.

Hier haben wir drei wütende Kernschmelzen (noch im Gange), ein freiliegendes Abklingbecken [ohne schützenden Wassermantel schaukeln sich Hitze und Oxidation auf] … Wasserstoffexplosionen –jedes dieser Ereignisse für sich genommen, ist  schon schlimmer ist als TMI;

….Wenn Sie erst einmal die Anlage evakuieren müssen, weil die Radioaktivität tödliche Werte erreicht hat, dann haben wir keine Chance mehr, und drei Kernschmelzen werden parallel stattfinden, eine Tragödie, die weit über jene von Tschernobyl hinausgeht …und eine dauerhafte Todeszone in Japan schaffen wird.“

Reaktordaten:

http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/outline_f1/index-e.html   Plant Overview

Wunschloses Unglück: Was aus den „Tschernobyl-Babys“ geworden ist …

Wunschloses Unglück

Ich habe zufällig diese Bilder bzw. den Bilder-Essay im Internet gefunden ….

Der „Krieg gegen die DNA“ (wie ich die Atomenergie schon öfter genannt habe)  ist REAL…. so sehen seine Opfer aus ….

Mein Gott …… ist alles was ich noch sagen kann .. .. ich habe keine Worte mehr, um mein Entsetzen, mein Mitgefühl und meine Trauer auszudrücken.. angesichts dessen, was man diesen Kindern angetan hat…  doch eine Frage schreit  zum Himmel:

Wie können wir zulassen, dass dafür niemand zur Rechenschaft gezogen wird, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren?

Nur noch eines:  Unsere gewählten Regierungen  lügen und lügen und lügen … (oder haben keine Ahnung wie die Journalisten, die sich mit absurden „Meldungen“ aus Japan füttern lassen und sie brav wiederkäuen; bis heute haben sie die Dimension dieser Katastrophe nicht erkannt …

Vier Jahre alt und multiple Sklerose …

Fukushima ist 10 x schlimmer als Tschernobyl: 1760 t Uranbrennstoff  gegenüber  180 t …. (+ Plutonium ….)..

Hier ist der ganze Foto-Essay .….(narrated in English)

( …holen Sie sich vorher Taschentücher …ich konnte die Tränen nicht zurückhalten …

Hier noch einmal der Link über die Geschichte  des „Strahlenschutzmodels“ (das die schützt, die die Strahlen produzieren, aber nicht uns!)

P.S. Geld (food business)  schützen oder unser Leben? Da hat die EU klare Prioritäten

SPIN oder „The Nuclear Thought Police …“

Der Info-War (man könnte auch gewaltige Verarschung der Öffentlichkeit sagen, aber das klingt weniger gut) aus Japan geht unvermindert weiter und nimmt immer absurdere Dimensionen an:

IGNORANCE IS STRENGTH

Gestern erreichte die semantische, bitterböse Farce bereits  Orwell’schen Level, als Premierminister Kan die Menschen, die innerhalb eines Radius von 20-30 km um den Reaktorkomplex wohnen, zu einer „freiwilligen Evakuierung“ aufforderte und gleichzeitig versicherte, man werde ihnen dabei „assistieren“. (Im Umkreis bis 20 km war das Gebiet ja bereits  seit 15. März evakuiert worden). Schon eine Woche vorher hatte aber der Vorsitzende der NRC (US-amerikanische Atomaufsichtsbehörde) vor einem Kongressausschuss erklärt, die Zone  sei viel zu klein und müsse auf 80 km (50 Meilen) ausgeweitet werden.

Das Wort „Evakuierung“  bedeutet die zwangsweise Räumung eines Gebietes wegen drohender Gefahr für Leib und Leben. Die „freiwillige“ Evakuierung ist also  ein Widerspruch in sich, aber auch ein rhetorischer Trick  zur Manipulation des Publikums, weil dadurch suggeriert wird, es handle sich nur um eine „Vorsichtsmaßnahme“. Die Gefahr der Strahlenbelastung wird dadurch verharmlost, weil die Leute ja „freiwillig“ weggehen.

Der unglaubliche Spin um die „Strahlenwerte“ die immer höher werden, aber trotz allem stets „keine Gefahr für die Gesundheit“ bedeuten, geht auch in die nächste Runde.  Da alle Redaktionen den gleichen „agency-feed“ (also den jeweiligen Text der „Top-News“ der Nachrichten-Agenturen) herunterleiern, kommt man sich vor, wie einem echo-chamber:

ZDF heute (online-magazin) 27.03.2011:

„Nachdem sie eine um zehn Millionen mal erhöhte Strahlenbelastung des Wassers gemessen hatten, verließen Techniker am Sonntag fluchtartig das Gebäude ([Turbinenraum von Reaktor 2]. Stunden später erklärte Kraftwerksbetreiber Tepco, man habe sich vermessen….. Das Wasser im Reaktor sei zwar radioaktiv verseucht, der zuvor gemessene Extremwert von millionenfach erhöhter Strahlung sei aber ein Fehler gewesen, erklärte Tepco am Sonntagabend.“

Das ZDF arbeitet hart daran, doch diese Meldung aus England gewinnt – nach meiner Ansicht – den ersten Preis im Wettbewerb, „wer bringt die dämlichste Meldung“ über Fukushima (die Presse unterstützt den Spin, indem sie ihr Hirn ausschaltet …)

Tokyo Electric Power (Tepco) said initial reports of levels 10m times higher than normal in parts of the No 2 reactor were inaccurate, although it was unable to say by how much.”

Wie schon das ZDF, die ARD und viele andere, berichtet also der Guardian, „dass die ursprünglichen Berichte vom „10-Millionen-fachen Strahlenwert laut TEPCO falsch waren“…,  fügt dann aber noch hinzu:  …“ TEPCO aber nicht in der Lage sei, zu sagen, um welche Größenordnung es sich dabei handle“ ….

Was für ein absoluter Schwachsinn ist das denn? Wie kann sich ein Dosimeter  denn „vermessen“? Und woher weiß man, dass der Wert „falsch“ ist, wenn man den richtigen Messwert noch gar nicht kennt? Der wichtigste Punkt aber ist: der angeblich falsche Messwert (in Becquerel oder Sievert) wurde gar nicht erwähnt ….

Doch heute Abend kam dann die Meldung, dass man sich um den Faktor 1000 „geirrt“ habe:

ARD Tagesschau 20 Uhr:

„…am Abend hieß es dann, die Strahlung sei 100.000 höher als normal“

ZDF heute: …

Mehrere Stunden später lieferte Tepco die Werte nach: Danach ist die Strahlung im Wasser des Reaktors 100.000 Mal höher als normal“

Doch was heißt denn das „höher als normal“?  Der Vergleich wird nicht mit der Hintergrundstrahlung gemacht, der wir alle ausgesetzt sind (also 1-2 mS (milli Sievert) pro Jahr, die normal, weil harmlos ist, sondern mit der eher wenig „normalen“ Radioaktivität des Kühlwassers –wobei wieder der gemessene Wert selbst GAR NICHT ERWÄHNT WIRD. Und von welchem Radio-Isotop reden wir überhaupt? Natürlich Jod-131, was sonst? Alle anderen – langlebigen -Isotope werden gar nicht erwähnt, auch das ist eine effektive Steuerung der Medien. Denn selbst bei hohen Jodwerten kann man sofort damit beruhigen, dass ja aufgrund der sehr kurzen Halbwertszeit von 8 Stunden überhaupt keine Gefahr bestünde …

Doch es gibt noch mehr radioaktive Jod-Istope, z.B.  Jod 129 mit einer Halbwertszeit von 15,7 MILLIONEN Jahren.

Radioaktives Jod verschwindet aber nicht so schnell, wie man uns weismachen will. Durch Niederschläge gelangt es in den Wasserkreislauf und in den Boden, wo es sich mit großer „Begeisterung“ (chemische Affinität) mit organischem Material verbindet, also „organisch fixiert“ oder von Erdmineralien absorbiert wird. Radioaktives Jod ist leicht wasserlöslich – das klingt gut, wenn man ständig hört, es „wird dadurch verdünnt“ – doch auch unser Körper enthält große Mengen Wasser und Wasser hat eine Schlüsselfunktion in vielen Stoffwechselprozessen. Obwohl radioaktives Jod normalerweise als Gas emittiert wird, kann es auch Flüssigkeiten und feste Stoffe kontaminieren. Es kann also in grünem Gemüse ebenso angereichert werden, wie in Fischen und landet es sozusagen „auf der Wiese“ endet es natürlich im Magen der Kuh oder des Schafes  und dann bei uns …

Haben wir das radioaktive Jod  im Körper, ist sein „Zielorgan“ die Schilddrüse, weil diese Jod braucht, um das Hormon Thyroxin zu produzieren. Die biologische Halbwertszeit ist etwa 100 Tage (für den ganzen Körper)

Aus Japan kamen auch erschreckende Meldungen über die Werte von radioaktivem Jod im Meerwasser:

Eine Wasserprobe, die am vergangenen Freitag untersucht wurde, ergab demnach einen Messwert für Jod 131  von:

„50 Becquerel pro cm³ – das 1.250-fache des legalen Grenzwerts (Die Frage, die nie gestellt wird – werden soll) Wieso darf radioaktives Jod überhaupt im Meerwasser sein?) (Quelle: NYT)

Die Zahl 50 ist nicht besonders beeindruckend, und außerdem wird sofort danach wieder – hier auf äußerst absurde Weise -beschwichtigt:

Wenn man einen halben Liter Wasser trinken würde, entspräche das einer Dosis von 1 mS, das sei ungefähr jener Wert, den eine Person pro Jahr aus natürlichen Quellen erhalte.

Kennen Sie irgendjemand der Meerwasser trinkt? Ich nicht. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass man schon wieder mit der “natürlichen Strahlung” vergleicht, was hier nicht zulässig ist, weil externe Strahlung (von außen, aus der Umgebung) mit interner Strahlung (die Radionuklide sind in meinem Körper, zB durch Trinkwasser oder Nahrung) verglichen wird.

Außerdem: Berechnet man die radioaktive Belastung des Meerwassers PRO LITER, sieht das Ergebnis schon ganz anders aus: Wir kommen auf 50.000 Becquerel, das sind 50.000 Atomkerne die (im Mittel) pro Sekunde zerfallen und durch die Isotope ihre Energie abgeben. Gelangen diese Emittenten in unseren Körper, kann man sich vorstellen, dass dies schwerwiegende Folgen hat …. Doch die Medienschafe blöken weiter brav im Chor:

Tagesschau vom 27.3.2011, 20 Uhr:

“[1850-fache Überschreitung der Grenzwerte in 20 km Entfernung von der Küste]Experten gehen aber nicht davon aus, dass eine größere Gefahr für die Umwelt besteht. Die Strömung würde die strahlenden Partikel schnell verdünnen…

Bei Tschernobyl betrug das radioaktive „Inventar“ des Reaktorkerns ca. 180 t bei Fukushima liegen alleine in den Abklingbecken 1-4  schon 354 Tonnen fuel“, für alle sechs sogar 647 Tonnen, das sind fast 300.000 Brennstäbe (oder 4546 assemblies lt. NYT) ….(dazu kommen noch die Brennstäbe im jeweiligen Reaktorkern (1-3, 5 und 6 – 4 war ausgeräumt wegen Wartungsarbeiten) Insgesamt sind es 1.760 Tonnen Uran … In den Reaktoren 1-3 ist bereits die Kernschmelze im Gange…

1 kg Uran hat eine thermische Energie von 7,2 x 1013 Joule … anders gesagt, 1 kg Uran hat soviel Heizenergie wie ca. 15.000 Tonnen Öl oder 22.000 Tonnen Steinkohle … oder noch mal anders formuliert: 1 kg radioaktives Uran erzeugt  etwa die dreimillionenfache Hitze von 1 kg Kohle, die verbrannt wird … Deshalb ist es einfach lächerlich, zu suggerieren, man könnte mit Feuerwehrschläuchen die enorme Hitze der freiliegenden Brennstäbe unter Kontrolle bringen (besonders, wenn sie schon brennen ….)

Übrigens, um noch einmal auf den „100.000-fach erhöhten Wert“ (in der Wasserpfütze)  zurückzukommen: Das ZDF heute.de magazin schreibt (weiter unten auf der Seite / homepage):

„Die Agentur Jiji berichtete von einer Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde im Wasser von Block 2. […]“

Vergleichen wir diesen Wert aber mit dem wirklich relevanten, der normalen Hintergrundstrahlung (in beiden Fällen ist die Strahlung extern), sieht die Sache schon wieder ganz anders aus:

2 mS pro Jahr – das Jahr hat 8760 Stunden, wir dividieren also und rechnen in Mikrosievert um:

2000 µS: 8760 = 0,2283 µ /h

1000 mS / h  = 1.000.000 µS / h

1.000.000 : 0,22 = 4.380.201,40

Die Strahlung in den Wasserpfützen des Blocks 2 beträgt also mehr als das VIER-MILLIONEN-FACHE der „normalen“ Hintergrundstrahlung …Die „10-Millionen“ Meldung war also gar nicht so falsch, wie behauptet wurde …

Fortsetzung folgt …(Kommentar zum Spiegel Titel Fukushima und der ongoing Volksverblödung über die „Grenzwerte“ und „Dosen“ …PARADOX: warum Atomreaktoren aus globaler public health Sicht viel gefährlicher sind Atombomben…)

Strahlende Zukunft: AKW als Massenvernichtungswaffen?

Ein Kindergarten in Tschernobyl ...

„Die Zahl der Kinder und Enkel mit Krebs in ihren Knochen, mit Leukämie in ihrem Blut oder mit Gift in ihren Lungen, scheint für manche statistisch unbedeutend zu sein, im Vergleich mit natürlichen Gesundheitsgefahren.

Aber das ist kein natürliches Risiko und es ist keine statistische Angelegenheit.

Der Verlust nur eines einzigen Lebens, die Missbildungen auch nur eines einzigen Babys, die vielleicht lange nach uns geboren werden, sollten uns alle betroffen machen Unsere Kinder und Enkel sind nicht nur „Statistiken“, die uns egal sein können …“

Präsident John F.Kennedy, 1962

Spätestens nach Tschernobyl gab es ein dringendes Bedürfnis aller Menschen, zu verstehen, wie gefährlich der radioaktive Fallout eines schweren „Reaktorunfalls“ eigentlich für unsere Gesundheit ist. Doch obwohl sich die mediale Aufmerksamkeit natürlich auf diesen Aspekt richtete, und es in der Folge zahllose Diskussionen und „Expertengespräche“ gab, tappen viele Menschen immer noch im Dunkeln und verstehen nicht, was hier eigentlich passiert.

Die dramatischen Ereignisse in Fukushima haben die ganze Problematik wieder hoch aktuell gemacht. So hat z.B. das ZDF in einer Sondersendung („ZDF-Spezial“ am 15.3). die Frage gestellt  „Ab wann ist Strahlung gefährlich?“

Dann hörten wir, dass „Sievert“ die biologische Wirksamkeit bezeichnet, mit der Strahlung auf den Menschen einwirkt“, dass die „natürliche Hintergrundstrahlung (in unterschiedlicher Intensität) weltweit besteht“, und dass auf dem Gelände der Atomanlage in Fukushima schon 400 mS pro Stunde gemessen wurden, etc.

Welche Erkenntnisse haben wir daraus gewonnen?  Verstehen wir jetzt, warum radioaktive Strahlung so gefährlich ist? Ich denke nicht.

Bevor man über „Strahlendosen“ und verwirrende Maßeinheiten spricht (es gibt Gray, Sievert, Bequerel, oft findet man auch noch Curie, Rad und Rem) muss man erst einmal folgende Fragen beantworten:

  • Was ist radioaktive Strahlung (RS)? (physikalische Grundlagen verstehen)
  • Was bewirkt die Strahlung in unserem Körper? (bei niedrigen Dosen sehr schwer zu erkennen)
  • Welche Dosen sind gefährlich? Wie entstand das „Strahlenschutzmodell“ und ist es wirklich streng wissenschaftlich fundiert (kann man sich auf die Werte verlassen, oder dienen sie eher der Verharmlosung, damit die Atomindustrie nicht unter Druck gerät?

Eines kann man jedenfalls bereits vorwegnehmen: es gibt keine wirklich harmlose Strahlendosis, also keinen Schwellenwert, unterhalb dessen „nichts“ passiert. Jeder, der uns das erzählt, hat entweder keine Ahnung oder steht im Dienst der Atomlobby.

Der Versuch, über dieses komplexe Thema zu schreiben, damit die Leser besser verstehen, was hier passiert, ist natürlich von Selbstkritik begleitet:

Kann man komplexe Zusammenhänge und Erkenntnisse der Strahlenbiologie (und damit verbundene Kontroversen) so darstellen, dass die Zusammenhänge verständlich werden und Leser sich selbst ein Urteil über die Gefährlichkeit bilden können?  (Ist das „Dumbing Down of Science“ erlaubt?)

Muss man selbst ein Experte sein, um dieses brisante Thema überhaupt diskutieren zu können? Ich glaube nicht, aber man muss natürlich Informationen verwenden, die von Fachleuten stammen und dabei wird – was unvermeidlich ist – selektiert. Entscheidend dabei ist, Material aus unabhängigen Quellen zu finden – kein leichtes Vorhaben.

Ich hoffe trotzdem, dass ich ein bisschen dazu beitragen kann, die „Atomdebatte“ in die richtigen Bahnen zu lenken, weg von der Propagandaschiene und gegen das Motto: „Wer nichts versteht, muss alles glauben“ … (was leider auch auf manche Journalisten anzuwenden ist).

WAS IST STRAHLUNG bzw. RADIOAKTIVE STAHLUNG (RS)?

Jeder von uns kennt Röntgenstrahlung. Wir wissen, dass hier ein Apparat steht, der uns „durchleuchtet“, wie man früher sagte. Er sendet also geladene Teilchen aus, die in unseren Körper eindringen, damit die Ärzte mit Hilfe der Röntgenbilder bessere Diagnosen stellen können. Die Strahlungsquelle ist hier leicht zu identifizieren, weil sie ja im Röntgenlabor sichtbar ist, und auch die Intensität der Strahlung kann eingestellt und überwacht werden.

Schon wesentlich schwieriger wird es, wenn die Strahlungsquelle (sie „ist“ nicht selbst radioaktiv, sondern sendet Strahlung aus) unvorstellbar winzig ist, und sich in unserem Körper befindet, weil wir diese Teilchen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen haben. Um diese Vorgänge besser zu verstehen, ein kleiner Ausflug in die Physik:

 

Beispiel Helium Atom

Wie ein Atom aufgebaut ist, kann man ja bei Wikipedia oder vielen anderen Quellen nachlesen. Im Atomkern befinden sich die positiv geladenen  Protonen und die ungeladenen Neutronen,während die negativ geladenen Elektronen um ihn kreisen. Die Balance der elektrischen Ladungen (zwischen Protonen und Elektronen) hält das Atom zusammen. (Bild: Helium Atom)

Wichtig für das Verstehen der Radioaktivität, ist, dass die Zahl der Neutronen im Kern (bei gleich vielen Protonen) unterschiedlich sein kann, dadurch werden Isotope (des gleichen Elements) definiert. Chemisch verhalten sich diese Isotope gleich (denn hier sind die Elektronen entscheidend), doch in physikalischer Hinsicht gibt es wichtige Unterschiede.

Im Gegensatz zu den meisten natürlichen Isotopen sind die (künstlich produzierten) radioaktiven Isotope sehr instabil – das bewirkt den „Zerfall“ zu Isotopen anderer Elemente, (bis ein stabiler Zustand entsteht, das kann Sekunden, aber auch tausende Jahre dauern) wobei RS freigesetzt wird.

Bei diesem radioaktiven Zerfall geht Masse verloren,  (Masse wird in Energie umgewandelt – siehe Einstein), die in Form von Alpha-, Betateilchen oder Gammastrahlen abgegeben wird.

Was ist Ionisation?

Atome verbinden sich über die äußeren Elektronen zu Molekülen, sie werden also durch diese „Bindungsenergie“ zusammengehalten. Jede Strahlung, die energiereich genug ist, eines dieser Elektronen zu „vertreiben“, und damit die Molekülbindung zu brechen, wirkt „ionisierend“.

Weil ein Atom oder Molekül elektrisch neutral ist, wird es durch den Verlust des Elektrons elektrisch (+ oder -)  geladen, das nennt man Ionisation.

Bei biologischen Molekülen (also in Lebewesen) führt diese Ionisation zu biochemischen Veränderungen, die große Probleme auslösen und tödlich sein können – anfangs nur auf zellulärer Ebene. (Stellen Sie sich vor, die Zelle wird immer wieder von einem kleinen Blitz getroffen und kann irgendwann den Schaden nicht mehr reparieren)

Die Antwort auf die Frage „Was ist Strahlung? lautet also:

Die elektromagnetische (rasante) Übertragung von Energie im Raum in Form einer Welle (wobei manche Strahlen auch problemlos Materie durchdringen können)

Wellenlänge und Frequenz (Schwingungen pro Sekunde) bestimmen die Art der Strahlung

Gamma-, Röntgenstrahlen (kurzwellig / hohe Frequenz) – sehr hohe Energie

Dazwischen: UV-Licht, Licht, Infrarot

Mikrowelle, Radiowelle (sehr langwellig, niedrige Frequenz)

Leider ist es in erster Linie der unsichtbare Teil des Elektromagnetischen Spektrums, der genug Energie hat, eine Ionisation auszulösen. Das können aber auch Teilchen, die mit hoher Geschwindigkeit direkt mit Atomen kollidieren, wobei die Elektronen und Atome quasi in alle Richtungen fliegen.

Durch die Energieübertragung entsteht Wärme, deshalb müssen auch die Brennstäbe immer gekühlt werden, weil durch die Kettenreaktion ja die Hitze immer größer wird.

Wichtig ist, zu verstehen, dass die Strahlendosis-Werte grundsätzlich auf diesem Prinzip beruhen – also wie viel Energie wird übertragen (eine rein physikalische Betrachtungsweise, kein Wunder, waren es doch die Physiker die die Atomenergie forciert haben). Diese aufgenommene Energie  wird in Gray gemessen, das heißt:

1 Gray ist  absorbierte Energie von einem Joule pro kg Masse (bei Menschen ist das die Gewebsmasse eines Organs, bzw. es wird die „Ganzkörperdosis“ errechnet, (mehr dazu im zweiten Teil).

Seit der ersten Atomspaltung vor 70 Jahren, wurden hunderte dieser künstlichen Isotopen hergestellt und freigesetzt: in Labors, durch AKW oder Atombomben. Einige dieser Radioisotope haben natürliche „Geschwister“, die in der Natur vorkommen und manche befinden sich aus gutem Grund in unserem Körper (viele dieser Isotope haben quasi ein „Zielorgan“): z.B. Kalium (Herz), Calcium (Knochen) oder Jod (Schilddrüse).

Der Körper kann zwischen den ungefährlichen und radioaktiven Isotopen nicht unterscheiden und lagert z.B. radioaktives Jod genauso in die Schilddrüse ein, wie normales Jod (die Jodtabletten helfen aber nur bedingt und sollten keinesfalls „vorbeugend“ eingenommen werden)

Am Beispiel von Strontium 90 kann man die massive gesundheitliche Gefahr illustrieren: (wir kommen im nächsten Artikel noch einmal darauf zurück, um die Effekte genauer zu untersuchen.

Es wird vom Körper wie Calcium behandelt deshalb kann es sich ungehindert in den Knochen (und Zähnen) einlagern und ansammeln – das ist besonders für Kinder sehr gefährlich (weil ihre Knochen ja noch wachsen müssen und deswegen häufiger Zellteilungen stattfinden; während der Teilungsphase ist die Zelle besonders anfällig für radioaktive Strahlung:

Strontium (in der Natur) ist ein Gemisch aus vier stabilen Isotopen: Sr-84 (0,6%), Sr-86 (9,9%), Sr-87 (7,0%) und Sr-88 (82,6%). [In der radioaktiven Form] hat Sr-90 mit einer Halbwertszeit von 28,8 Jahren die längste Zerfallsrate. Sr-90 ist ein ß-Strahler, der während der oberirdischen Kernwaffenversuche in 50er und 60er Jahre in größeren Mengen freigesetzt wurde. Durch Inhalation verseuchter Luft oder die Aufnahme kontaminierter Nahrungsmittel, gelangt das gefährliche Radionuklid in den menschlichen Körper. Dort kann es Calcium bei der Knochenbildung ersetzen. Dies gefährdet in besonderem Maße Kinder. Ist Strontium-90 erst einmal in den Knochen eingebaut, ist es dort eine gefährliche Strahlenquelle, die Krebs erzeugen kann. Inzwischen kommt im menschlichen Knochengerüst durchschnittlich auf 4000 Calciumatome ein Strontiumatom!“

Erschreckend waren auch Studien aus den 1960er Jahren, wo untersucht werden sollte, wie sich nach den zahlreichen Atombombentests (USA und UDSSR), die Freisetzung von großen Mengen Strontium 90 auf die Kleinkinder ausgewirkt hatte. Dazu wurden mehr als 300.00o Milchzähne untersucht (die ja auch viel Calcium bzw. Strontium aufnehmen)

Ergebnis: Kinder, die nach 1963 geboren wurden, hatten 50 mal mehr Strontium in den Zähnen als jene, die vor den Atomtests geboren wurden (und damit auch große Mengen in den Knochen). Diese schockierenden Zahlen führten u.a. dazu, dass Präsident John F. Kennedy am 25. Juli 1963 das Abkommen zur Einstellung atmosphärischer Atombombentest unterzeichnete.

Seine mahnenden Worte über die Atomwaffen sind auch heute noch von großer Relevanz … (vier Monate später wurde er ermordet)

“ […] I speak of peace because of the new face of war. Total war […] makes no sense in an age when a single nuclear weapon contains almost ten times the explosive force delivered by all of the allied air forces in the Second World War. It makes no sense in an age when the deadly poisons produced by a nuclear exchange would be carried by the wind and water and soil and seed to the far corners of the globe and to generations unborn.[…]

And is not peace, in the last analysis, basically a matter of human rights – – the right to live out our lives without fear of devastation – – the right to breathe air as nature provided it – – the right of future generations to a healthy existence?

While we proceed to safeguard our national interests, let us also safeguard human interests. And the elimination of war and arms is clearly in the interest of both.”

(Commencement address, June 10, 1963, den vollständigen Text der Ansprache gibt es hier )

ES GIBT KEINE FRIEDLICHE NUTZUNG DER ATOMENERGIE

Leider hat sich kein Kennedy nichts gebessert – im Gegenteil: (die Atombombentests wurden zwar beendet, aber alleine Tschernobyl hat die Erde hundertmal mehr radioaktiv verseucht, als die Bomben von Hiroshima und Nagasaki.

Die Atomwirtschaft hat uns bis heute mehr als 1000 (Arten) dieser gefährlichen Radioisotope zugemutet. Ihre Zahl steigt ständig an – auch durch den „Normalbetrieb“ eines Reaktors und wenn es, wie in Tschernobyl zu einer Katastrophe kommt, werden natürlich riesige Mengen dieser krankmachenden und todbringenden, unsichtbaren Teilchen freigesetzt, die sich auf der ganzen Erde verteilen. Wie sich diese Verteilung gestaltet, hängt natürlich von den Wetterbedingungen ab, der Windrichtung, der Niederschlagmuster, etc. Aus den neuesten Studien über Tschernobyl wissen wir, dass Europa (global gesehen) den Großsteil des Fallouts abgekriegt hat: fast 60%. Was heißt das für die Gesundheit?

Die internationale Organisation Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) hat in ihrer Broschüre zum 25. Jahrestag von Tschernobyl folgende Daten (aus der aktuellen Tschernobyl Studie, die sie auf ihrer Website als pdf-Download zur Verfügung stellen) veröffentlicht:

Welche Krankheiten haben auffällig zugenommen?

  • Neurologische Erkrankungen
  • Chromosomenschäden (werden immer schlimmer für jede weitere Generation)
  • Krebs (+100.000) – besonders Schilddrüsenkrebs, Brustkrebs, und Gehirntumore bei Kindern (!)
  • Schwere Missbildungen bei  Neugeborenen (+ 10.000 in Europa)
  • Hohe Perinatalsterblichkeit (Totgeburten und Tod bei Säuglingen: + 5000)
  • Schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten (Herz-Infarkte bei 25-jährigen, Gehirnblutungen, etc.)
  • Vaskuläre, vegetative Dystonie („Tschernobyl-Syndrom“)
  • Schwere Störungen des Immunsystems
  • Vorzeitige biologische Alterung (auch sichtbar: die Leute sehen 1o Jahre älter aus)
  • Katarakte („Strahlenstar“ – Augenerkrankung)

Man kann sich dem vernichtenden Urteil der IPPNW nur anschließen:

„Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Tschernobyl-GAU werden die Folgen dieser Katastrophe verdrängt, vertuscht, verharmlost und bagatellisiert .“

(Mehr über die seit Jahren andauernde Vertuschung im nächsten Beitrag)

Bilder – 20 Jahre nach Tschernobyl – sagen mehr als tausend Worte (darunter ein 6-jähriges Mädchen, dass seit drei Jahren nicht mehr gewachsen ist ….)

 

 

RISIKOWAHRNEHMUNG AUF DEN KOPF GESTELLT

Bei anderen Katastrophen (Erdbeben, Brände, Überschwemmungen) muss man zwar auch unmittelbare Opfer beklagen, aber für die Überlebenden gibt es begründete Hoffnung. Häuser kann man wieder aufbauen, Straßen wieder passierbar machen, Maschinen reparieren, Bäume pflanzen und wieder neu anfangen. Doch der schöne Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“ gilt eben für die Atomenergie nicht.

Im Gegenteil, es ist möglich, dass es nach vielen Jahren (wo der Mensch sich daran klammert, es sei irgendwie alles wieder „normal“) noch schlimmer wird.

So kann es sein, dass nach 10, 15 oder mehr Jahren nach dem „Unglück“ ein neues Isotop entsteht, das noch gefährlicher ist, als das ursprüngliche:

Americium 241 als Zerfallsprodukt von Plutonium 241 entsteht nach 14 Jahren. Es emittiert  Alphateilchen mit fünf verschiedenen Energieladungen und Gammastrahlung und hat eine Halbwertszeit von 432 Jahren. Wenn es in unseren Körper gelangt, wird es mit einer biologischen Halbwertszeit von 20 Jahren in der Leber, bzw. 50 Jahren in den Knochen eingelagert. Aber in den Keimzellen – also im Hoden beim Mann bzw. in den Eierstöcken der Frau – bleibt es für immer … (was das für die DNA in den Chromosomen bedeutet, kann man sich vorstellen)

Wer also  eine Partei gewählt hat, die die Atomwirtschaft seit Jahren unterstützt und die Laufzeiten der AKW verlängert, hat indirekt auch zu diesem Wahnsinn (eine Art Massenmord auf Raten) beigetragen und muss das mit seinem Gewissen ausmachen … (wie erklärt man das seinen Kindern?)

Fortsetzung folgt … (dabei geht es  um folgende Fragen):

  • Welche Strahlenarten gibt es?
  • Wirken alle Strahlenarten gleich auf den Körper? (Nein, deshalb ist die Angabe von „Milli-Sievert“als Dosis, (wie man sie in den Medien öfter hört)  an sich wenig aussagekräftig…)
  • Was ist die „natürliche“ Hintergrundstrahlung? Ist deren Wirkung wirklich gleichzusetzen mit der Strahlung aus AKW?
  • Wie entstand das „Strahlenschutzmodell“? Wer setzt die „Grenzwerte“ fest?  …usw…

NOCHMAL: die „friedliche Nutzung der Atomenergie“ hat es nie gegeben …wer diesen Orwell’schen „Doublespeak“ benutzt, entlarvt sich als Diener der Atomlobby … (oder plappert nur PR-Slogans nach)

Die Auswirkungen von Uranwaffen im Irak (DU-Waffen – die  aus dem „Abfall“ von AKW erzeugt werden) EIN VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT werden in diesem Video gezeigt:

sehr erschütternd … das „uranium oxide“ von dem hier die Rede ist, wird auch durch die Katastrophe von Fukushima freigesetzt .. Uran hat eine große Affinität (Neigung sich an DNA zu binden) gegenüber der DNA in unseren Zellen …)

Den ganzen Film können Sie hier sehen.

Wir müssen verstehen, dass die Spaltprodukte aus den AKW  auch eine Art von Waffe darstellen; …  die Atomwirtschaft führt  – ohne Übertreibung – einen Krieg gegen das Leben selbst … (Uran 238  hat eine Halbwertszeit von 4,5  Milliarden Jahren – das ist für die Ewigkeit ….)

FROM HELL ( Video) – Warum die SFP so gefährlich sind

„You don’t need to have a meltdown to release the radioactivity …long before that the radioactivity would have been driven out by the heat ….“

Professor Frank von Hippel, Princeton University (Zitat aus dem Video)

In diesem Video erleben wir ein Niveau von TV-Journalismus, das wir hier LEIDER nicht haben:

Uns mutet man „Kindergartenjournalismus“ zu:

die Journalisten haben sich selbst so wenig mit dem kontroversen Thema beschäftigt,

so wenig die Mühe gemacht ZU VERSTEHEN, was hier wirklich vor sich geht, sich eben nicht über Monate und Jahre Hintergrundinformationen besorgt,

sich nicht ein notwendiges  Basiswissen angeeignet,

sich nicht im Sinne von „Sapere Aude kritisch mit den Aussagen von „Experten“ und der politischen Agenda dahinter auseinandergesetzt (Atomenergie, Gentechnik, Dioxine, etc.)

sodass die öffentliche Debatte immer in den gleichen Bahnen stattfindet, die Zuschauer ja geradezu daran gehindert werden sollen, einmal in eine „andere Richtung“ zu denken, andere Fragen zu stellen um andere Antworten zu bekommen .“Framing the debate“ wie das die PR Leute nennen.

….. das hat Herr Yogishwar wohl gemeint bei Anne Will)

(Mehr über die schäbige Rolle der Medien in einem späteren Beitrag)

Rachel Maddow erklärt  und zeigt anschaulich, warum so viel Hitze aus den Brennstäben kommt (auch wenn sie nicht mehr im Reaktor sind), warum die „Abklingbecken“ nach Ausfall der Kühlung viel gefährlicher sind, als der Reaktorkern (weil darin eben die Brennstäbe von mehreren „Reaktorfüllungen“ lagern)

(Das Video ist in englischer Sprache, deutsche Erklärungen siehe meine vorhergehenden Artikel  „FROM HELL…“

Hier sieht man, dass (bei Reaktor 1) nur mehr das Stahlgerüst des Raumes steht, in dem der  SFP (spent fuel pool oder Abklingbecken) sich befindet – ohne die Gebäudehülle …

Wegen der großen Hitze der Brennstäbe verdampft das Wasser ohne Kühlung schnell und dann beginnen sie zu brennen … was im SFP der Reaktor Einheit Vier bereits eingetreten ist (der Versuch Wasser von Hubschraubern auf die Anlage zu versprühen kann nicht gelingen: erstens ist die Wassermenge viel zu klein und zweitens ist die Strahlenverseuchung so groß, dass die Piloten sich nur „kurz“ (eigentlich gar nicht) dort aufhalten dürften …

Die Reaktoren 4,5 und 6 waren schon vor dem Erdbeben wegen Inspektionsarbeiten „abgeschaltet“, dass bedeutet aber, dass umso mehr „frische“ (also besonders heiße und gefährliche) Brennstäbe in den Kühlbecken liegen, (weil die gesamte Reaktorladung an Brennstäben ausgelagert wurde) deshalb fangen diese jetzt an zu „kochen“ und dann zu brennen …. Die äußere Hüllen der Brennstäbe (aus Zirkonium) wirkt dabei wie ein enormer Brandbeschleuniger) …

DAZU kommt dann noch die bereits eingetretene partielle Kernschmelze der Reaktoren 1 bis 3 …

HÖCHSTE  PRIORITÄT: alle schwangeren Frauen und Kinder so schnell wie möglich raus aus Japan …

Zu all dem Wahnsinn  kommt noch der Stoff aus der Hölle („from hell“): Plutonium, der im Reaktor drei (wo ebenfalls  eine Wasserstoffexplosion stattgefunden hat und das „Obergeschoß“ (wie im Bild oben) dadurch zerstört  wurde) seit September – als „MOX“ Brennstoff verwendet wird (also eine Mischung aus Uran 238 und Pu 239 die um ein Vielfaches giftiger ist als Uran) …

„Pluto (griechisch Πλούτων Pluton) ist der römische Name des griechisch-römischen Gottes der Totenwelt in der Erdtiefe ….“

Wichtige Informationen über atomare Risiken (AKW in Deutschland, Folgen von Tschernobyl und wie man sich dagegen engagieren kann) gibt es hier: (bitte auf Bild klicken)

FROM HELL (2): Nuklearer Holocaust in Japan

Auf den ersten Blick würde wohl jeder sagen, die Ursache dieser Katastrophe war das gewaltige Erdbeben (gefolgt von einem Tsunami und mehreren Nachbeben). Doch das ist natürlich falsch, denn die japanische Regierung wusste – wie niemand sonst – dass sie quasi auf einem Vulkan (hunderte Beben pro Jahr) 50 Atomkraftwerke baut, also eine Hochrisikotechnologie in großem Stil verbreitet, die für Jahrtausende eine  lebensbedrohliche Gefahr für die gesamte Biosphäre darstellt und im dicht besiedelten Japan – im Falle einer radioaktiven Verseuchung – zum dauerhaften Albtraum wird.

An diesem Punkt stehen wir jetzt …. Während die Medien (jedenfalls ARD und ZDF) noch immer auf die sichtbare , also totale Kernschmelze fokussiert sind und – nach meiner Wahrnehmung – so gut wie keine Ahnung haben, was hier wirklich abläuft – ist das noch schlimmere Ereignis bereits eingetreten – der Brand in den Kühlbecken (SFP-Fire) die ein Vielfaches an Radioaktivität abgeben als bei einer Kernschmelze freigesetzt wird (siehe dazu den vorhergehenden Beitrag – … manchmal ist es furchtbar, Recht zu haben…)

Führende englische  und amerikanische Printmedien (New York Times und Washington Post) sind da schon wesentlich weiter, kein Wunder, denn die US Marine war selbst der gefährlichen Strahlung ausgesetzt: eine amerikanische Helikoptercrew, die  60 km von Fukushima entfernt war, musste dekontaminiert werden und selbst auf dem Flugzeugträger USS Ronald Reagan wurden erhöhte Strahlungswerte gemessen – in 10o km Entfernung. Die US Navy hat deshalb ihre siebte Flotte schleunigst aus diesem Gebiet entfernt und Jodtabletten verteilt-

Der Abzug der AKW-Belegschaft – bzw. die Reduzierung des Personals  von 800 auf 50 lässt trotz aller Verharmlosung und Vertuschung keinen anderen Schluss zu, als the game is over.

Die fehlende Wasserkühlung (wegen des kompletten, seit Tagen andauernden Stromausfalls), der weitgehende Ausfall  der Mess- und Kontrollsysteme  durch Beben & Tsunami mit anschließenden Wasserstoffexplosionen und „Pool-Bränden“ haben die Anlage völlig unkontrollierbar gemacht.

Man kann eben in eine solche Wahnsinnsanlage nicht einfach hineingehen und nachsehen, was los ist, und notwendige Reparaturen durchführen.

6- 1o AKW (wenn nicht mehr) … die außer Kontrolle geraten …das ist der atomare Holocaust … ein wirkliches „Brandopfer“ für eine Wirtschaftsreligion, die uns – in the long run – alle umbringen wird

Wie ich bereits im ersten Beitrag erwähnt habe, wusste die Atomindustrie schon seit langem, wie gefährlich dieser Reaktortyp ist und welche furchtbaren Folgen ein SFP-Brand haben würde.

Dazu noch mehr Hintergrundinformationen:

Mehrere Studien haben die Auswirkungen eines solchen Brandes,  den „Worst Case“  – am Beispiel der USA – untersucht, das Ergebnis ist ein Albtraum:

  • Geschätzte unmittelbare Todesfälle: etwa 800 – 1000 …
  • Geschätzte langfristige Todesfälle: mehr als  100.000 …
  • Geschätzte Kosten: 500 Milliarden Dollar …

Diese Werte gelten für EINEN Reaktor– wir haben hier SECHS oder sogar ZEHN … rechnen Sie mal …

Der Reaktortyp in Fukushima ist 40 Jahre alt und wurde von General Electric gebaut, er gehört zum Typ „GE Mark 1“ aus den 1970er Jahren. Doch schon vor Jahren hat man vor der Designschwäche und dem darauf folgenden, hohen Risiko im Fall einer Kernschmelze gewarnt, denn die Schutzhülle ist viel kleiner und schwächer, als vergleichbare Modelle anderer Firmen.

Die Times weiß auch folgendes zu berichten:

„Ein Sprecher der TEPCO sagte (schon am Montag) dass die Kühlung der Becken (SFP) – in beiden Blöcken Fukushima Daiichi and Daini schon kurz nach dem Beben ausgefallen sei (ich habe ja auch die Pressemeldung des Betreibers in meinem ersten Beitrag hervorgehoben – doch fast alle unserer „Journalisten“ kriegen das anscheinend nicht mit, sie beten brav die Agenturmeldungen herunter …

Die Bedrohung wurde als so hoch eingeschätzt, dass man unmittelbar nach dem Beben am Freitag, sofort die größte Aufmerksamkeit den SFP gewidmet hat und auch die noch funktionierenden Pumpen für die Kühlung des beschädigten Beckens  beim Reaktor Unit 2  (Daiichi) einsetzte“ (der Reaktor selbst war ja, wegen Wartungsarbeiten „abgeschaltet“ – gut für das Risiko einer Kernschmelze, aber extrem schlecht für das Risiko eines SF-Poolbrandes – weil noch mehr „heiße“, Brennelemente im Pool lagen als sonst)

„Das „Herunterfahren“ der aktiven Reaktoren lief auch nicht nach Plan und die Probleme begannen zu eskalieren. Ein Sprecher von Tokyo Electric sagte, dass zusätzlich zum Ausfall von Stromversorgung und Wasserkühlung auch noch Wasser (hochradioaktiv) aus den Becken austrat. Diese Becken sind meistens würfelförmig (etwa   12 m lang und breit und ca 14 m tief). Die ausgelagerten Brennelemente liegen unten (bis ca 4,5 m hoch) und das Wasser liegt doppelt so hoch darüber (also etwa 9 m – zumindest sollte es so sein ….)“.

 

Abklingbecken (re) im AKW Krümmel

WO ABER BEFINDEN SICH DIESE BECKEN?

Die Becken sitzen direkt über dem Reaktorgebäude (unten in der Grafik als blaues Rechteck über dem orangen Reaktorbehälter zu sehen, anklicken zum Vergrößern) gemeinsam mit dem „refuelling deck“)

Das klingt zwar auf den ersten Blick logisch, weil ja die Brennelemente von einem Kran aus dem Reaktorkern in die Kühlbecken gehievt werden müssen, (und für Re-fueling wieder frische Brennelemente in den Kern eingeseetzt werden) und es daher Sinn macht, die Becken möglichst nahe beim Reaktor zu lagern.

GE Mark 1 BWR Reaktor

Doch wenn sich bei einem Ausfall der Kühlung  ein Druck im Reaktorgebäude aufbaut oder – wie ja bereits passiert – eine chemische Wasserstoffexplosion eintritt – ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Becken intakt bleiben, gleich null.

 

DaiIchi 1: Was passierte mit dem Becken (SFP)?

Um den ganzen Wahnsinn zu verstehen, müssen wir uns den Aufbau dieses Reaktortyps (Siedewasserreaktor – siehe auch Graphik oben) ein bisschen näher ansehen 

WIR BASTELN UNS EINEN RADIOAKTIVEN KELOMAT

(bitte um Nachsicht für den Galgenhumor, aber ohne  Satire  kann man das Thema psychologisch nicht mehr verarbeiten ….)

Das System, das einen Überdruck im Reaktorraum verhindern soll, befindet sich quasi „im Untergeschoß“ ebenfalls im Reaktorgebäude.

Es besteht aus einer Druckkammer („Drywell) und dem „Torus“(auf der Graphik links das runde Gebilde unten, das wie ein großer Doughnut aussieht). Der Drywell, in dem sich der Reaktorbehälter befindet,  hat die Form einer Birne,  ist etwa 3 Meter hoch und hat eine Wandstärke von etwa 6 cm.

Im Fall einer beginnenden Kernschmelze, die mit hoher Temperatur und hohem Druck einhergeht, soll der hochradioaktive Dampf (der unter Druck steht) zuerst in den Drywell und dann durch große Rohrleitungen in den Torus  geleitet werden (der einen Durchmesser von etwa fünf Meter hat und wie ein großer Rettungsring den Drywell umgibt. Der Torus enthält an die 4 Millionen Liter Wasser und soll in diesem Fall den radioaktiven Dampf aufnehmen, wobei der Druck (durch Kondensation) auf einen ungefährlichen  Level   reduziert  werden soll.

Doch schon im Jahr 1972, also nicht lange nachdem dieser Typ des Siedewasserreaktors von GE auf den Markt gebracht wurde, warnten Experten (auch Mitarbeiter von GE) vor den Designschwächen und den verheerenden Folgen bei einem Unfall. Deshalb dürfe dieser Reaktortyp nicht mehr die erforderlichen Genehmigungen erhalten.

Doch in der Atomwirtschaft herrscht weder Vernunft noch Verantwortung, sondern „Unternehmergeist“ und Fortschrittsgläubigkeit gekoppelt mit Allmachtsphantasien und der perversen Idee, dass Atomenergie in der Marktwirtschaft eben auch nur eine Ware sei, von der man möglichst viel verkaufen will, um damit Profite und Marktmacht zu generieren. (Die militärische „Nutzung“ ist ein anderes, noch dunkleres Kapitel)

Die NRC kam 1986 zu dem Schluss, dass die Schutzhülle des Mark 1 Rektortyps schon wenige Stunden nach Beginn der Kernschmelze mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% nicht mehr halten würde – eben weil das Gebäude zu klein dimensioniert sei und der „design pressure“ (der maximale Druck, auf den die Infrastruktur ausgelegt wurde) zu niedrig bemessen wurde (weil man eben dachte, durch den Torus (als Teil eines automatischen Druckentlastungssystems) würde der Druck nie so stark ansteigen).

Doch anstatt das Design grundlegend zu ändern – was natürlich die Kosten erhöht hätte, befand man, dass im Fall eines kritischen Druckaufbaus einfach der hoch radioaktive Dampf ins Freie zu lassen sei .. (was ja in Fukushima ja auch – mehrfach – gemacht wurde). Das heißt, die Reaktorcrew soll im Endeffekt eine „notwendige“ radioaktive Verseuchung der Umgebung einleiten, um das „Containment“ zu erhalten …

Hier wird die Sache endgültig zur absurden Farce … eine Performance mit Elementen aus „Warten auf Godot“ und der unheimlichen, bedrohlichen  „Normalität“ Franz Kafkas …

Wie wir aufgrund der Bilder wissen, sind in der Daiichi Anlage mindestens zwei dieser Becken, mit hoch radioaktivem Inhalt – durch die Wasserstoff-Explosion „im Freien“ und höchstwahrscheinlich beschädigt . Sie haben eben – im Gegensatz zum Rektor – keine Schutzhülle und durch den  Ausfall der Kühlung (das Wasser im Becken muss zirkulieren, damit es nicht  zu heiß wird) erhitzt sich das Wasser bis zum Siedepunkt, wobei hoch radioaktive Dampfwolken freiwerden – die jetzt natürlich die Umgebung verseuchen

Die Medien meldeten „weißer Rauch aus dem Reaktorblock steigt auf“  – was niemand versteht -, in Wahrheit sind es die radioaktiven Dampfwolken der „Abklingbecken“ (SFP – spent fuel pools), die ungehindert die Umgebung  verseuchen (wir sprechen hier von tödlichen Dosen) …

Ist das Wasser ganz weg, wird die Hitze so groß, dass die Brennstäbe sich in einem autokatalytischen Prozess selbst entzünden, wobei noch mehr Radioaktivität frei wird. (Mehr  Details siehe mein erster Artikel über Fukushima)

Es ist wichtig, folgendes zu verstehen (deshalb der Totenkopf am Anfang für die tödliche „Umarmung“ von Regierung und Atomindustrie):

Die Regulierungsbehörden schreiben NICHT VOR, dass Atomkraftwerke  gegen alle möglichen Unfälle GESICHERT sein müssen, auch nicht gegen den „non-design event“ einer  totalen Kernschmelze. (Das Containment kann daher nicht unter allen Umständen halten).

In allen AKWs können daher „Pannen“ und „Störfälle“ auftreten, die im „Design Basis Accident“ (DBA) nicht enthalten sind  (das Konstruktions- und Sicherheitskonzept innerhalb willkürlich bestimmter Parameter – zB keine  sicherheitsrelevanten Schäden  bis Erdbebenstärke  7,5 … Was machen wir , wenn das Erdbeben stärker ist, bei 9,0  (wie in Japan) ?  Was, wenn eine Flutwelle nachkommt? Beten und so tun, als könnten wir die Katastrophe noch verhindern ….

Der „DBA“ ist also nicht das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, sondern eine bestimmte, genau definierte Gefahrensituation, mit der die Sicherheitssysteme -angeblich -fertig werden. Alles was darüber  hinaus geht, wird als „Restrisiko“ in Kauf genommen … Schließlich kostet jede zusätzliche Sicherheitsmaßnahme viel Geld und man will „kostenattraktive“ Lösungen (für die Aktionäre und Investoren …)

1979 konnte eine totale Kernschmelze im AKW Three Mile Island gerade noch verhindert werden  – doch hat man etwas daraus gelernt?

 

 

 

Brüchiger Stahl aus AKW

Der dritte Wahnsinn ist die Bagatellisierung der Materialermüdung bei älteren AKW (weswegen ja die Laufzeiten begrenzt wurden):

Ich habe ja bereits darüber geschrieben, wie gefährlich ältere AKWs sind, weil das Material durch den enormen Umgebungsstress brüchig wird bzw. sich durch die beeinträchtigte Mikro- bzw. Nanostruktur die Materialeigenschaften verändern und somit unberechenbar werden … Werden diese Komponenten nicht ständig überprüft (was ja im AKW nicht so einfach und sehr teuer ist) und rechtzeitig – unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards -ausgetauscht, steigt das Risiko einer Katastrophe mit zunehmendem Alter massiv an (auch ohne Erdbeben)

WIE GEFÄHRLICH SIND DIESE BRENNSTÄBE AUS DEM „ABKLINGBECKEN“ (SFP) Wie hoch ist die Radioaktivität, die sie abgeben?

Nach meinen Recherchen beträgt die Oberflächenstrahlung für eine typische  Brennelement-Anordnung – noch  Jahre nach der Entfernung aus dem Reaktorkern mehr als 10.000 REM (100 Sievert) pro Stunde …das ist die zwanzigfache tödliche (akute = die ganze Strahlung auf einmal abbekommen) Dosis für Erwachsene …

Gelangen diese radioaktiven Spaltprodukte (vor allem Cäsium 137 und Strontium 90) in die Nahrungskette  (über Boden, Grundwasser, Oberflächenwasser) … dann gute Nacht …

Die Wahrscheinlichkeit, durch „niedrige“, aber chronische Strahlenexposition an Krebs  zu erkranken, steigt dramatisch an …weil besonders die DNA sehr empfindlich auf ionisierende Strahlung reagiert …

Nach den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat Tschernobyl bis heute rund 1.000.000 Todesopfer (zunehmende Krebs-häufigkeit, vor allem bei Kindern) gefordert …

(Davon sollen wir aber nichts wissen …. )

Wenn in Japan die 10, 20, 50 oder sogar 100-fache Menge an Radioaktivität freigesetzt wird (was durchaus wahrscheinlich ist) … dann kann man wirklich von einem atomaren Holocaust sprechen

Mehr über die Strahlenbelastung und ihre biologischen Effekte, Entstehung des  „Strahlenschutzmodells“ und den Blödsinn, den ARD und ZDF (zB gestern im ZDF Spezial) darüber erzählen im nächsten Beitrag …

 

 

 

 

 

FROM HELL: Atomterror & Medienalbtraum ….

Die Ereignisse in Japan, unmittelbar vor dem  25-jährigen Jahrestag nach Tschernobyl, müssten nun wirklich der ultimative Beweis dafür sein, dass diese Technologie ein organisierter Wahnsinn ist und nur durch ein systematisches Netz aus Lügen, Verharmlosen und Vertuschen überhaupt eine „Atomwirtschaft“ entstehen konnte (siehe dazu auch meine vorhergehenden Artikel zum Thema „Atompolitik“)

Der atomare Horror (Krebsepidemien, Tschernobyl, Uranwaffen und jetzt Japan) wird aber noch verschärft durch den medialen Albtraum, den wir seit Jahren erleben, denn – mit sehr wenigen Ausnahmen – hat sich die „Journaille“ als williger Helfer der Atomindustrie zur Verfügung gestellt. Das konnten wir ja gestern wieder bei „Anne Will“ mit Schaudern erleben – nur Ranga Yogeshwar  hat während der Sendung dagegen protestiert – „wir führen immer die gleichen Debatten“ (mehr dazu im nächsten Beitrag  zum Thema).

Doch bevor die Rolle der Medien bei der Ausbreitung der Atomwirtschaft untersucht werden soll, möchte ich einen wichtigen Punkt zu der aktuellen Gefahr in Japan hervorheben:

Während die ganze Medienlandschaft (verständlicherweise aber eben) nur darauf schaut, ob eine Kernschmelze eintritt und das Containment hält, gibt es eine Gefahr, die hier im deutschen Sprachraum völlig ignoriert wird, obwohl sie eigentlich viel größer ist, als die Kernschmelze: die Wasserbecken, in denen die „abgebrannten“ (sehr irreführend!) Brennstäbe gelagert werden, die so genannten „spent fuel pools“ (SFP):

DER TOD KOMMT AUS DEM WASSER …

…nicht „nur“, weil die Betreiber laufend hoch radioaktiven Dampf aus dem Reaktorgebäude ablassen (“ ventilieren“) müssen, um eine Explosion zu verhindern …

(Kontext: Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung des AKW-Komplexes  in Fukushima lahm gelegt. Für diesen Fall soll ein Dieselgenerator einspringen.  Doch der Tsunami sorgte für eine Überschwemmung des Raumes (und der Infrastruktur), in dem sich der Generator befand, sodass auch ein herbeigeschaffter Ersatzgenerator nicht einsetzbar war. Bei Ausfall des Generators gibt es noch eine dritte Redundanz, nämlich ein Batteriesystem, das jedoch nur wenige Stunden laufen kann und auch das nicht mit der vollen Leistung, sodass die Pumpen für das Kühlwassersystem nicht voll einsatzfähig waren. Nach  relativ kurzer Zeit gab es also keine Stromversorgung mehr und die Pumpen fielen vollständig aus.

Was bedeutet das nun für die SFP (die Wasserbecken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe gelagert werden)?

Etwa alle 4-6 Jahre müssen die Brennstäbe eines AKW ausgetauscht werden, nicht weil sie wirklich „abgebrannt“ sind, sondern weil sie als Wärmeerzeuger „unwirtschaftlich“ geworden sind. Ungefähr ein Drittel der Brennstäbe wird alle 18-24 Monate ausgetauscht, manchmal aber auch alle. Wichtig ist auch festzuhalten, dass – wenn es heißt, der Reaktor sei „abgeschaltet“, die Brennstäbe ständig gekühlt werden müssen. (Selbst wenn die Reaktoren also nicht mehr Strom erzeugen, sind sie weiterhin für Jahre gefährlich …)

Die Brennstäbe sind hoch radioaktiv und produzieren auch außerhalb des Reaktors große Hitze, die durch den radioaktiven Zerfall entsteht. Damit diese  in Schach gehalten wird, werden die Brennelemente in einem Wasserbecken gelagert, das ein aktives Kühlsystem hat (Wasserpumpen und Wärmetauscher)

Das Wasser schützt auch die Arbeiter vor der ernormen Strahlung der Brennstäbe (siehe Foto)

Kann der Wasserspiegel nicht konstant gehalten werden (zB  durch  Stromausfall), verringert sich die Kühlwirkung immer mehr und fällt schließlich ganz aus.

Sobald der Wasserspiegel auf etwa 1,50 m über den Brennelementen abgesunken ist, ist diese Schutzwirkung nicht mehr gegeben und die Werte werden lebensbedrohlich (Wer will / kann dann noch hier etwas „reparieren“)?

Die Temperatur beginnt also zu steigen, wodurch das Wasser verdampft und damit beginnt ein Teufelskreis:

Die steigende Temperatur beschleunigt die Oxidation der Brennstoffumhüllung (die aus einer Zirkoniumlegierung besteht, die hoch- und selbstentzündlich ist, wenn sie mit Sauerstoff oder Dampf in Berührung kommt) wobei wieder große Mengen Hitze generiert werden:

·   Reaktion mit Luft:                        12 Millionen Joule / Kilogramm

·   Reaktion mit Wasserdampf:    5,8 Millionen Joule / Kilogramm

wodurch wieder die Oxidation beschleunigt wird usw. Diese autokatalytische Reaktion (die sich sozusagen selbst befeuert) findet bei hohen Temperaturen statt und wenn genug Sauerstoff vorhanden ist. Das Resultat ist verheerend: die Hülle aus Zirkonium gerät in Brand , man spricht von einem „zirconium cladding fire“. Die Hitze, die dabei freigesetzt wird, kann größer sein, als die Zerfallswärme, die von frisch ausgelagerten Brennstäben ausgeht.

Während sich also die Brennstäbe weiter aufheizen, steigt der Gasdruck innerhalb der Brennstäbe so lange, bis sich die Hülle aufbläht und schließlich platzt. Bei mehr als  1800 Grad Celsius reagiert das Zirkonium mit dem Brennstoff (Uranoxid) und so verschmelzen beide in einem komplexen Prozess zu  Zirkonium-Uranoxid.

Nach dem Platzen der Hülle werden gasförmige, radioaktive Spaltprodukte freigesetzt und auch Teile des radioaktiven Brennmaterials in Form von Aerosolen. Wenn die Hitze, die vom Brand eines Kernelements ausgeht, nicht abgeleitet werden kann, breitet sich das Feuer auf alle Brennelemente aus.

 

Blick in den Reaktorkern

WARUM SIND DIESE BECKEN BEI STROMAUSFALL GEFÄHRLICHER ALS DER MELTDOWN?

Weil die Brennelemente, die darin gelagert werden, 5-10 mal mehr  Radioaktivität freisetzen, als der Reaktorkern (die Becken enthalten mehrere hundert metrische Tonnen an Brennelementen, was im Schnitt etwa dem Inhalt von  7 Reaktorkernen  entspricht; die Hitze in diesen Becken beträgt mehrere MegaWatt; die („verstrahlte“) Wassermenge in einem Becken ist ca. 1,5 Millionen Liter… das aber ständig mit  Frischwasser versorgt werden muss ..)

Besonders beunruhigend sind die riesigen Mengen von Cäsium 137, die sich in diesen Becken befinden: wir sprechen hier von 20 bis 50 MILLIONEN CURIE ( 1 curie = 37 Milliarden Bequerel / 1 Bequerel bedeutet (im Mittel) ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde …)

Zum Vergleich: bei der Katastrophe in Tschernobyl wurden etwa 2,5 Millionen Curie freigesetzt, das sind ca. 40% der Radioaktivität des Reaktorkerns. Bei einem Brand in den SFP können 100% der Radioaktivität freigesetzt werden …

Ende der 1990 Jahre veröffentlichte die NRC (amerikanische Atomenergie-Regulierungsbehörde) eine Studie über die Auswirkungen eines solchen „pool fires“ (bei einem Reaktor):

  • Ein Gebiet von fast 500 km² wäre unbewohnbar ….
  • Zusätzliche Krebserkrankungen (lokal): 30.000
  • Geschätzter finanzieller Schaden: 60 Milliarden Dollar

Geschätzter ökologischer Schaden: unermesslich …

WAS MELDET DIE BETREIBERFIRMA TEPCO ÜBER DIESE BECKEN (Presseaussendung vom 13.März) unter „Others“ auf Seite 2

We are currently coordinating with the relevant authorities and departments as to
how to cool down the water in the spent nuclear fuel pool.

Klartext: Sie haben keine Ahnung wie sie  – ohne Strom – verhindern sollen, dass die Wassertemperatur in den Becken weiter steigt und schließlich das ganze Wasser verdampft

Es gibt auch nach menschlichem Ermessen keine Möglichkeit mehr, dies zu verhindern … Ohne Strom, ohne ständige Zirkulation des Kühlwassers ist es nur eine Frage von Tagen, bis das Wasser völlig verdampft ist und dann dauert es nur Stunden, bis sich die Brennelemente selbst entzünden (die ja – im Gegensatz zum Reaktor  keine „Schutzhülle“ haben)

Dann hätten wir Tschernobyl hoch 10 …. Ein veritables  Höllenfeuer ..

Das ist also der Offenbarungseid einer Technologie, die uns seit Jahrzehnten terrorisiert …

Die verheerenden Folgen eines  „Loss of coolant“ Ereignisses für die Becken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe lagern, sind den Atomaufsichtsbehörden (soferne diese noch existieren – man setzt ja immer mehr auf „Eigenverantwortung“ und „Selbstkontrolle“ – ganz nach dem neoliberalen Mantra) seit langem bekannt.

Im Internet finden sich sogar ein Wissenstest zum Thema „Sicherheitsrisiken von Kühlbecken (in denen die ausgelagerten Brennstäbe liegen), und zwar von einer Firma, die Monitoring bzw. Visualisierungssysteme dazu anbietet:


Quiz on Spent Fuel Pool Safety/Security

Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass dieses „event“ zu dem oben beschriebenen, verheerenden Brand führen würde, wenn die Brennelemente nicht mehr gekühlt werden können.

Doch die Kontrollbehörde – ganz im Dienste der Atomwirtschaft – kam zu dem Schluss, dass zwar die Konsequenzen dieses „Ereignisses“ furchtbar wären, aber die Wahrscheinlichkeit dass es eintritt, so gering sei, dass man keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen müsse. ..

WAS KANN MAN DEN JAPANERN NUR RATEN?

So schnell wie möglich, das Land zu verlassen – besonders schwangere Frauen und Kinder sollten umgehend den nächsten Flughafen aufsuchen …

WAS SOLLTE MAN MIT LEUTEN WIE RÖTTGEN MACHEN (die aus dem Umweltministerium eine Farce  machen  und allen Ernstes argumentieren – siehe Anne Will – man müsse erst „Erfahrungen“  (Angst, Horror, Meltdown in „high-tech“ Land wie Japan, Kontrollverlust, etc. Folge: Zunahme von Krebserkrankungen, etc.) durchmachen“, um die Risiken (vor denen Umweltschützer und unabhängige Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen!) „neu zu bewerten“)?

Antwort: (nicht druckreif!) – aber zumindest verbal kann man Dampf ablassen: F&CK YO&, Mr. Röttgen! ..und alle anderen, die die „Kernenergie“ schön geredet und verharmlost haben,  sich in den Dienst der Atomlobby stellen, die eigentlich mit Zwangsjacken ausgestattet werden müsste …

(Fortsetzung folgt  …)