Crying and Shooting – Wie Israel die Medien an der Nase herumführt

„I think the Israeli military went out to commit murder, if they had wanted to stop us they could have attacked our rudder and propeller, instead they preferred to send masked commando soldiers to attack us. It was Israel’s choice to do this.

HENNING MANKELL im Interview für den Guardian

The amazing thing in all this is that so many Western journalists – […] – are writing like Israeli journalists, while many Israeli journalists are writing about the killings with the courage that Western journalists should demonstrate.“

ROBERT FISK, The Independent

HASBARA – ODER WIE MAN DIE „FREIE PRESSE“ AN DER NASE HERUMFÜHRT

Wenn man im deutschen Sprachraum Reportagen und Kommentare über Gewaltaktionen (die eben nicht „Verbrechen“ genannt werden dürfen) der israelischen Regierung liest und sich vorher jahrelang mit dem historischen und politischen Kontext der „Nahostkrise“ beschäftigt hat, stellt sich das unangenehme Gefühl ein, man lebe in zwei Parallelwelten.

Spätestens seit „Operation Cast Lead“ und deren medialer Verarbeitung fühlt man sich wie eine Figur in einem Kafka Roman, die sich in einer Art „weird reality“ wiederfindet, in der der normale Alltag mit albtraumhaften Szenen verschmilzt. Unfassbare, beängstigende Vorgänge werden quasi normalisiert, und damit verharmlost, weil die Umgebung eben nicht so darauf reagiert, wie man es erwarten würde.

In der einen Welt treten Wissenschaftler, unbequeme Journalisten und andere politische Akteure auf, die in der anderen Medienwelt nicht existieren, weil sie nie erwähnt werden. Diese Dissidenten gefährden den allgemein akzeptierten Interpretationsrahmen für die „Spannungen“ im Nahen Osten, den auch österreichische und deutsche Journalisten praktisch unisono übernommen haben. Am Beispiel des Angriffs auf den Schiffskonvoi für Gaza lässt sich das verdeutlichen:

THE SAME PROCEDURE AS EVERY YEAR

Ben Segenreich „berichtete“ aus Tel Aviv über Vermutungen und Behauptungen, was den nun dabei „falsch gelaufen“ sei, wie die Einheit den Aktivisten „in die Falle gehen konnte“, etc. und übernahm damit gewissermaßen den Ball, den ihm die israelische PR zugeworfen hat (mehr dazu später) so etwa: … „man hätte die Soldaten nicht bloß mit Paintball-Gewehren bewaffnet auf dem Deck absetzen dürfen“ (Pressezitat aus Israel)

Diese Meldung wurde auch in den deutschen Medien kolportiert, doch wer hat sich die Mühe gemacht, sie zu überprüfen? Israel behauptete einerseits, das Kommando sei nur mit diesen harmlosen Waffen ausgestattet gewesen, also ein Beweis für die geplante „friedliche Erstürmung“ [Newspeak does not get any better!] (Quelle: ZDF ) andererseits wurde aber verbreitet, ein israelischer Soldat sei durch eine Waffe verwundet worden, die ein „gewaltbereiter“ Aktivist einem anderen Soldaten (Elitetruppe?) abgenommen hatte. ( Quelle wie vor)

A VISIT TO THE REAL WORLD

Die amerikanische Nachrichtensendung DEMOCRACY NOW! brachte am 2.Juni ein Interview mit Edward Peck, einem pensionierten US-Botschafter, der sich zwar nicht auf der Mavi Marmara befand, sondern auf einem anderen Boot, aber eindeutige Aussagen über die Bewaffnung der Soldaten machte (die sich mittlerweile mit anderen Zeugenaussagen decken) und die Darstellung Israels als „twisted reality“ kommentierte:

So the first thing we knew was the sound of footsteps, …, and there they were, heavily armed. And I notice the Israeli government keeps referring to the paint guns, but the paint guns were attached to the automatic weapons and the stun grenades and the pepper spray and the tasers and everything else that these guys carry. You know, paint guns are for fun.

Update: Inzwischen wurde die brutale, nicht provozierte Gewalt der Truppen mehrfach durch Zeugenaussagen bestätigt:

Das Märchen von der Harmlosigkeit der Truppe, die sich „unerwartet“ einem „Lynchmob“ gegenüber sah, lässt sich somit leicht widerlegen. Dass angesichts der Brutalität des Vorgehens des Kommandos, einige Aktivisten (trotz geplantem Gewaltverzicht) ihr Recht auf Selbstverteidigung ausübten , kann wohl niemand verurteilen, der noch die Fähigkeit besitzt, selbständig zu denken.

Dass man das übliche Agenturmaterial veröffentlicht ( Sicherheitsrat verurteilt Angriff“ ) ist kein Grund für Kritik, aber unerträglich, weil in allen Zeitungen die gleichen Platitüden stehen: So z.B. dass die UN eine „sofortige, unparteiische, glaubwürdige, transparente Untersuchung fordert“ und das Vorgehen Israels scharf „verurteilt“.

Auf welch erbärmliches Niveau (der Handlungsfähigkeit) die UN von Washington reduziert wurde, hat der deutsche Nachrichtenmoderator Klaus Kleber mit unfreiwilliger Komik bzw. Direktheit zum Besten gegeben.

Die USA erlaubten der UN [diesmal] sogar, eine Erklärung abzugeben“ (!)

Wittgenstein verstand, dass die Bedeutung von Worten durch die Art ihrer Verwendung ensteht bzw. verändert werden kann. Das Wort „Verurteilung“ oder „Kritik“ ist in diesem Kontext zu einer leeren Hülse geworden, es löst nur mehr Zynismus aus. Was hat es noch für einen Sinn darüber zu berichten, was Diplomaten sagen, wenn – Worte und Taten immer mehr auseinander klaffen? Was hat Journalismus noch für einen Sinn, wenn er nur die „offizielle“ Version der Geschehnisse abbildet („we write what they say“) und nicht mehr zwischen PR, Desinformation und „Reporting“ unterschieden wird ?

HASBARA: MANAGING PERCEPTIONS

Aktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen Israel“ – Israel dementiert – Wem soll man glauben?

Formulierungen wie „Ankara beschuldigte Israel eines schweren Verbrechens“ oder „Der Sicherheitsrat ist kein Gericht“ suggerieren, dass es Ansichtssache sei, ob hier ein Verbrechen begangen wurde oder nicht. Doch das stimmt eben nicht: wie Mankell, die Parlamentarier aus Deutschland und Israel, etc. und der UN-Experte für internatonales Recht, Professor Richard Falk übereinstimmend feststellten, und jeder intelligente Mensch leicht nachvollziehen kann, handelt es sich hier um „einen Akt nackter Aggression“ bei dem folgende Verbrechen begangen wurden.

  • PIRATERIE: Ein ziviles Schiff wurde internationalen Gewässern gekapert
  • KIDNAPPING: die Passagiere wurden gewaltsam nach Israel gebracht
  • ENTEIGNUNG: Israel hat den Leuten alles abgenommen, sie durften nur ihre Pässe behalten
  • MORD: der 19-jährige Furkan Dogan starb durch vier Kopfschüsse und einen Schuss in die Brust – das ist keine Notwehr, das ist eine HINRICHTUNG und zeigt, dass die Aktion GEPLANT WAR
  • VERLETZUNG ZIVILER RECHTE: keine Information über Rechte
  • ungerechtfertigte Festnahme / 18 Stunden kein Zugang zu Rechtsanwalt / Isolation / Kommunikationsblackout / keine rechtliche Grundlage für Abschiebung /
  • EINSCHÜCHTERUNG / NÖTIGUNG (um schriftlich zu bestätigen, dass man „illegal eingereist“ und mit der Abschiebung einverstanden sei … )
  • BLOCKADE IST ILLEGAL (Kollektivbestrafung / Verletzung Art. 33 der Genfer Konvention) demnach ist auch ihr „enforcement“ auf hoher See ein VERBRECHEN (Navi Pillay, UNHC Human Rights)

Wie Falk weiter betont, muss die Berufung auf Selbstverteidigung natürlich den Passagieren zugestanden werden, nicht den Angreifern!

Doch in der Orwellschen Welt der Hasbara ist das Denken selbst manipuliert sonst hätten die Journalisten folgende Fragen gestellt:

  • Wenn Israel nichts zu verbergen hat und die Wahrheit sagt, wieso hat man dann sämtliche Aufzeichnungen der Aktivisten konfisziert (verschwinden lassen) und über die Festgenommenen stundenlang eine totale Informationssperre verhängt?
  • Wieso hat man klassische „information dominance“ in den Medien praktiziert und die Betroffenen so lange geknebelt, bis die Bilder und „Stigma“-Phrasen („Hamas“, Kontakte zu Terroristen“, und „Waffen gefunden*“ der übliche PR-Bullshit eben) über die Agenturen und den Echo-Effekt etabliert waren? (*genau betrachtet: Küchenmesser und ein zentral platzierter Krummdolch auf grüner Hamasfahne – ein filmreifes Set-up, zu gut,um wahr zu sein!
  • Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass diese Messer als Waffen benutzt wurden?
  • (Mankell sagte aus, man habe auf seinem Schiff stolz einen Einwegrasierer und ein Tapetenmesser als „“Waffenfunde“ deklariert – hat man nicht die Unterhose vergessen?!)
  • Wieso waren die „braven“ Soldaten eigentlich vermummt, wenn sie nichts zu verbergen haben?
  • Wieso ist der „Verletzte“ Soldat nur von hinten gefilmt worden? Wieso steht am Fußende des Bettes ein „Aufpasser“ (Militäruniform erkennbar)?

  • Wieso ist das Geschehen auf dem Deck so gut erkennbar, wenn es draußen noch dunkel war? (Nightvision Filme sehen anders aus; ich persönlich glaube, der ganze Film ist ein „Fake“, produziert zur „Fütterung“ der Medien, die die Propaganda dann „multiplizieren“)
  • Man sieht nicht, auf wen oder was sie „schlagen“, denn die Kamera befindet sich außerhalb des Schiffes und die Schiffswand blockiert die Sicht ? Was für ein „Beweis“ soll das sein?
  • Man sieht auf dem Video einen der angeblichen schlagenden (vermummten) „Aktivisten“ mit einer Gasmaske, wie erklärt man das?
  • Wieso hat man die Namen der Toten und Verletzten (so lange) nicht veröffentlicht?
  • Wieso wurden den Sanitätern des Schiffes verweigert, die Verletzten zu begleiten?
  • Wieso hat man erst so spät medizinische Hilfe geleistet? (Sarah Colborne)
  • Wieso hat die  Presse „vergessen“ to erwähnen, dass alle Passagiere und die Crew von den türkischen Behörden auf Waffen gescannt wurden, BEVOR das Schiff ablegen durfte?
  • Wieso hat hier niemand erwähnt, dass die Organisatoren (Israel gegenüber) angeboten hatten, das Schiff noch einmal auf See von einer neutralen Organisation überprüfen zu lassen (UN / IRC)?

Während sich Journalisten mit dem „PR-Desaster“ für Israel oder „Kritik an Israel an unzureichendem Einsatz“ befassen, gerät die bittere Realität und das eigentliche Thema immer mehr ins Abseits. Sich um das „Ansehen“ der Täter zu kümmern, sich zu wundern, warum solche „Pannen“ passieren, all das ist noch nur gezielte Ablenkung (Hasbara für die „israelische“ Zielgrupp, die unsere Medien übernehmen) von dem „großen Elefanten im Raum“, über den niemand hier sprechen will:

Israel praktiziert seit seiner Gründung Staatsterror und ist – dank Holocaust und US-“Rechtsschutzversicherung“, aber auch durch unglaublichen Gleichklang / Einfalt / Kontrolle der Medien – de facto rechtlich unantastbar.

Jeder der die umfangreiche „Dissidentenliteratur“ kennt (Norman Finkelstein, Noam Chomsky, Ilan Pappe, Avi Shlaim, Neve Gordon, Robert Fisk, John Pilger, Amira Hass, etc. aber auch Berichte von HRW, der OCHA, , ICAH,D B’tSelem, etc. der Goldstone Report, und israelische Soldaten selbst) die ein ganz eindeutiges Bild des wahren Israels zeigt (als Staat), ist keinesfalls überrascht über das, was Henning Mankell und die anderen Zeugen (aus allen Bereichen der Gesellschaft) aussagen und es gibt deshalb keinen Grund, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen.

Im Gegenteil, deren Schilderungen bzw. die absurden Behauptungen Israels passen genau zu diesem Verhaltensmuster, das als

BOKHIM YE YORIM“(Jammern und Schießen)

bekannt ist. Professor Avi Shlaim wies auf dieses „Crying and Shooting“ -Syndrom bereits während des Massakers von „Operation Cast Lead“ hin:

„The resort to brute military force is accompanied, as always, by the shrill rhetoric of victimhood and a farrago of self-pity overlaid with self-righteousness,“

Den Begriff gibt es nur in der hebräischen Sprache und er bedeutet, dass man es schafft, seine Macht durch brutale Gewalt zu demonstrieren und sich gleichzeitig selbst als Opfer darzustellen, das durch unglückliche Umstände dazu genötigt wird. Das ganze Theater wird dann noch durch eine Garnitur aus Selbstmitleid und Selbstgerechtigkeit abgerundet, die ihresgleichen sucht.

Sowohl Ex-Botschafter Peck als auch Henning Mankell sagten aus, dass sie wissen wollten, was man Ihnen als Rechtsbruch vorwerfe, wodurch also Festnahme und Abschiebung gerechtfertigt wären.

Antwort: Sie hätten Israel ILLEGAL betreten. Über diese Chutzpah ist man ebenso baff wie die Betroffenen, denn sie wurden ja GEWALTSAM nach Israel gebracht und GAZA ist eben KEIN TEIL VON ISRAEL!

Während sich Sharon für seine scheinbar noble Geste feiern ließ, weil er den „Rückzug“ von Gaza durchsetzte und man uns tagelang die ergreifenden Szenen der deportierten Israelis vorspielte, hat Israel de facto nie die Kontrolle über Gaza aufgegeben, wofür es aber keine rechtliche Grundlage gibt. ISRAEL HAT KEIN RECHT, Gaza ist ein Gefängnis zu verwandeln und der Hinweis auf die Bedrohung durch (lächerlichen) „Raketen“, hat Noam Chomsky (siehe unten) auf den Punkt gebracht: „Stop committing crimes, then the rockets will stop.“ Aber Ursache und Wirkung sind eben in unserer Medienwelt auf den Kopf gestellt.

Man ließ die Leute also unterschreiben, sie hätten Israel illegal betreten und seien mit der Abschiebung einverstanden! Das ist also die einzige „Demokratie“ im Nahen Osten – Carl Schmitt lässt grüßen ….

Wie es im „ausgewogenen“ Journalismus üblich ist, berichtet man, was die einen (Aktivisten) und die anderen sagen (Israelische Regierung bzw. IDF) und der Leser kann sich dann entscheiden, wem er glauben will. Doch ist das wirklich der Sinn von Journalismus? Gibt es keine Verpflichtung mehr, die Wahrheit herauszufinden, anstatt die etablierten „Frames“ und Interpretationsmuster zu bedienen?

(siehe dazu Nick Davies: FLAT EARTH NEWS , der auch die publizistischen „rules of production“ an den Pranger stellt)

TO SEE WHAT’S IN FRONT OF YOU NEEDS A CONSTANT STRUGGLE (George Orwell)

Der unbequeme Veteran unter den „Dissidenten“ und scharfen Kritikern der imperialen US-Politik und ihrer „client states“ im Nahen Osten, Noam Chomsky, findet klare, berechtigte wenn auch zynische Worte, für die ewig in Anspruch genommene „Selbstverteidigung“ Israels im Zusammenhang mit dem Angriff auf ein anderes Schiff, die „Dignity“ (2009) die auch heute zutreffen: „Israel issued the routine lies“.

Der größte Witz ist natürlich, dass das Wort „Self-defense“ durch ständige Wiederholung in den Medien sich schon lange verselbständigt hat und ein „buzz-word“ geworden ist, ebenso wie der hoch inflationäre verdummende Gebrauch des Wortes „Terror“. Dank der effektiven israelischen „information dominance“ in den Medien, werden diese Begriffe, vor allem ihr Missbrauch, nicht mehr rational hinterfragt, sondern lösen emotionale Reaktionen aus, was ja auch erwünscht ist . Die Presse übernimmt kritiklos viele eingefahrene Formulierungen, obwohl sie schon lange sinnlos geworden sind: so z.B.

  • der französische Präsident kündigte eine Initiative mit den USA an, um die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen

Es gibt KEINEN Friedensprozess – das ganze ist eine unerträgliche Farce, eine PR-Inszenierung für die Medien, wie unzählige Analysen von Chomsky, Finkelstein, und anderen „revisionistischen“ und aufmüpfigen Historikern und politischen Analysten, die sich nicht das Denken verbieten lassen, klar beweisen.

Die historischen Fakten sind klar: Israel hatte mehrmals Gelegenheit, Frieden zu schließen, doch es entschied sich stattdessen für kontinuierliche Expansion (siehe o.a. Berichte) (der „Rückzug“ von Gaza war kein Akt von Good-Will, sondern beinhartes, perfides Kalkül – siehe Dov Weissglas von Chomsky zitiert) und brutale Besatzung, die Ursachen des „Terrors“ (der gewaltlosen Widerstand, z.B. Demos in der West Bank, wird hier völlig verschwiegen)

Die ganze künstliche „nationale Identität“ Israels wird nur durch das Heraufbeschwören einer ewigen „Bedrohung“ zusammengehalten, gegen die sich dann Regierung und Militär (eine Kategorie, nicht zwei) als Beschützer des auserwählten Volkes (in Gottes Auftrag auch als „Rückerstatter“ des Heiligen Landes) in Stellung bringen können. (Eine exzellente Analyse der Psycho- und Soziopathologie des Zionismus und des israelischen Staates bietet Joel Kovel in OVERCOMING ZIONISM)

Doch offenbar sind die „Korrespondenten in Washington“ die letzten, die das immer noch nicht begriffen haben, und eben noch nicht „in der Realität angelangt“ sind.

Dürfen US-Korrespondenten Chomsky lesen oder gar darüber schreiben? Wie naiv oder indoktriniert sind diese Leute?

Es ist unfassbar, dass man nach der Ermordung von mindestens 10 Menschen (es werden offenbar immer noch Menschen vermisst!) immer öfter Sätze wie „das hat Israel schweren Schaden gefügt“ lesen muss. Schon wieder die Sorge um das „Ansehen“ eines Staates, der schon lange keines mehr hat, weil die Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit unerträglich und nach „Cast Lead“ klar ist, das man vor nichts zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen (den Palästinensern wurde bereits jede Menschlichkeit aberkannt, siehe die Aussagen von „Breaking the Silence“ , aber die darf der Korrespondent wohl auch nicht lesen?)

Ein weiteres semantisches „prefabricated henhouse“ (Aldous Huxley) ist auch der häufige, aber hirnlose Gebrauch des Ausdrucks „ das Existenzrecht Israels“, der natürlich vorzugsweise im Kontext der dämonischen Hamas zu verwenden ist. Erstens hat kein Staat ein solches, schon gar nicht einer, der mehr als 60 Jahre nach seiner Gründung noch immer keine Verfassung und keine festgelegten Grenzen hat und zweitens, gemeint ist natürlich die ANERKENNUNG eines Staates, die normalerweise dann erfolgt, wenn er grundlegende ethische Normen, Menschenrechte und entsprechende Gesetze respektiert. Das alles ist jedoch im Falle Israels (schon alleine als ethnozentrischer Staat) nur sehr begrenzt der Fall, trotzdem wird das Land so behandelt, als wäre es eine „Demokratie“, die den Namen verdient.

SURROUNDED BY A TAPESTRY OF LIES (Harold Pinter, Nobel Speech 2005)

Der Kommentar von Hans Rauscher (Der Standard) ist ein Paradebeispiel für die Effektivität der Mythen und der PR, die Israel seit seiner Gründung verbreitet hat. Schon der Titel „Schwere Zeiten für die Freunde Israels“ ist ein schwaches Echo von „crying and shooting“ und der erste Absatz führt uns wieder in die Welt der Hasbara, denn Rauscher beklagt allen Ernstes, dass die „

  • Effizienz, Disziplin und Präzision, für die die israelische Armee berühmt war, [neuerlich, nach Libanoneinsatz] stark in Zweifel gezogen werden muss“ und dass
  • Berichte über unangemessene Gewaltanwendung gegen Zivilisten, ungerechtfertigte Tötungen und sogar über Plünderungen die moralische Autorität des Vorgehens gegen die Terroristen von Hizbollah und Hamas untergraben“

Die historische Evidenz für die systematische Brutalität und Ermunterung zu Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrrechen in der IDF ist so überwältigend (von den Tagen der Haganah bis heute – siehe Tagebücher Ben Gurion, u.a. Politiker, etc. bis Breaking the Silence, B’tselem, u.a.), dass man sich fragen muss, wie ein intelligenter Journalist diesen Propaganda-Märchen auf den Leim gehen kann. „Moralische Autorität“ ist inkompatibel mit „israelische Regierung / IDF“ (egal wer an der Macht ist) und die primitive Dämonisierung von Hamas und Hisbollah wäre lächerlich, wenn damit nicht eine Dehumaniserung verbunden wäre, die durchaus an Nazi-Zeiten erinnert („Staatsfeinde“ haben keine Rechte).

Dass sowohl Hamas als auch Hizbollah „Kreaturen Israels“ sind, also das Resultat der schweren Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzung und Unterdrückung des legitimen Widestandes, (bzw. der jahrelangen Grenzverletzungen und wiederholten Massaker im Libanon) braucht man hier ja nicht erwähnen, das wäre ja Kontext – um Gottes Willen. Dass anfangs Hamas sogar von Israel gefört wurde, als Gegenspieler zur PLO / Fatah, tut auch nichts zur Sache:

Ironically, it was senior officers of the „old“ Israeli army who first encouraged the „terrorist“ Hamas to build mosques in Gaza – as a counterbalance to the „terrorist“ Yasser Arafat up in Beirut – and I was a witness to one of their meetings“

Robert Fisk, The Independent

Dass Hamas eine demokratisch gewählte Partei, und auch eine soziale Organisation ist (weshalb sie ja so populär wurde), die nach dem Wahlsieg mehrfach Angebote für ein „unity government“ und Waffenstillstand machte, was dann von US / Israel durch Schüren eines Bruderkrieges bzw. clandestine Übergriffe, Verschleppungen und Morde in Gaza vereitelt wurde, braucht auch keiner zu wissen.

Und wie definiert Herr Rauscher dann die komplementäre Kategorie der „gerechtfertigten Tötungen“ (von Zivilisten) und warum setzt er das Wort „SOGAR“ (nur) vor „Plünderungen“? Kennt Herr Rauscher nicht John Pilger’s „Palestine is still the Issue? Oder die Dokumentation „The Iron Wall“?

Dieses Verhalten der Soldaten ist keinesfalls eine Ausfallserscheinung, sie ist seit Jahren bekannt und wird von „ganz oben“ gutgeheißen (siehe auch Haaretz Berichte über Militärrabbis, die vor dem Gazamassaker betonen, man müsse kein schlechtes Gewissen haben, schließlich seien die Araber, als Nicht-Juden keine (wirklichen) Menschen … und „Burning Conscience“ (IDF- Soldaten))

Leider geht Herr Rauscher, wie fast alle seiner Kollegen, dem Hasbara-Spin voll auf den Leim: die Tötung der Aktivisten (wie viele es tatsächlich waren ist unklar, es werden noch Menschen vermisst) war keinesfalls das Resultat einer „Panne“, oder Fehlreaktion. Vier Schüsse in den Kopf und eine in die Brust – das ist kein „unkontrolliertes Drauflosknallen“, das ist eine Exekution. Dass alle getöteten Muslime und keine EU-Bürger (sondern Türken,) waren, ist natürlich auch kein Zufall – eine Message an Erdogan, die Mafianiveau hatte. Außerdem ist auch bekannt, dass Israel solche Einsätze gerne als Test für „counterinsurgency“-Taktiken oder neue Waffen benutzt (wie Taser, Mikrowellen, neuartige Gase zur Crowd-Control, etc.)

Wer heute noch (spätestens nach dem Goldstone-Report) Israel „legitime Selbsverteidigung“ abnimmt“ und vom „internationalen Ansehen“ spricht (Welches Ansehen?), müsste eigentlich wegen Verdacht auf politischen Autismus und chronischer Naivität untersucht werden.

Herr Rauscher beklagt weiters, dass besonders bei den „jüngeren, gebildeten Menschen“, Israel seinen

moralischen Bonus“ verloren habe, ja sogar „als Aggressor und rücksichtlose Besatzungsmacht …. empfunden werde… und zwar „nicht nur von Anti-Semiten“.

Das "Wahrheitsministerium" informiert

Woher kam denn dieser angeblichemoralische Bonus“, Herr Rauscher? Durch die Instrumentalisierung des Holocaust? Ist ein erlittenes, ungeheures Unrecht ein Blankoscheck für ein selbst ausgeübtes gegenüber anderen „Untermenschen“ („Arabushim“? Und das Word „empfunden“ ist zu verharmlosend, weil es eine persönliche Einschätzung impliziert. Doch die Besatzung und Aggression sind dokumentierte Tatsachen, eine Form von Staatsterror und kein subjektives Gefühl.

Die Doppelmoral des Zionismus, die Terroranschläge während der britischen Mandantszeit, die Aufzeichnungen Ben-Gurions und die dokumentierte ethnischen Säuberungen der Nakba lassen keinen Zweifel daran, dass dieser „Bonus“ eine gewaltiger Betrug ist, die nur durch bewußt geförderte Ignoranz der historischen Tatsachen aufrecht erhalten werden kann.

Der Autor hat völlig Recht, wenn er konstatiert, besonders die „Freunde Israels“ müssten sich ein realistisches Bild von der Israelischen Politik machen. Doch was tragen die Medien dazu bei und wie definiert sich denn „ein Freund“ Israels? Einer, der die zahlreichen Verbrechen nie erwähnt und völlig verzerrte Selbstwahrnehmung des Zionismus einfach übersieht?

Denken wir an Kissinger : „states don’t have friends, they have interests“

Sind Menschen, die Respekt vor den Rechten der Palästinenser fordern, „Feinde“ Israels? Die sich für ein Ende der unmenschlichen Gaza-Blockade einsetzen, dessen „Gegner“?

Herr Rauscher stellt auch richtig fest, dass die „jetzige Regierung an echtem Friedensprozess nicht wirklich interessiert“ sei. Eine kleine Korrektur ist nötig: die anderen Regierungen waren es auch nicht, sie haben alle den Siedlungsbau vorangetrieben und das Leben unter der brutalen, scheinbar endlosen Besatzung zur Hölle gemacht (siehe dazu die Berichte von B’tselem, UNHRC, u.a.)

Warum machen sich Kommentatoren so viele Gedanken über Israel’s Befindlichkeit und so wenig darüber, wie die Palästinenser seit mehr als 40 Jahren leben müssen? Warum wird die NAKBA einfach totgeschwiegen? Warum wird nie gezeigt, was es heißt, in der West Bank oder in Gaza zu leben „wie Hunde“ (Moshe Dayan) oder wie benommene Küchenschaben, die wie verrückt in einer Flasche herumkrabbeln“ (Rafael Eitan)?

DIE BITTERE REALITÄT, also DIE URSACHEN FÜR DEN „Terror“, den Israel vor sich her trägt, wie ein Schutzschild gegen Kritik und eine Ermächtigung für systematische Verbrechen, die man dann als „Selbstverteidigung“ verkauft, lässt sich wunderbar an einem Vortag zweier Israelis demonstrieren, die 2007 im MIT zum Thema „“Human Rights and Politics in Palestinereferiert haben: Jeff Halper, Anthropologe für IAHD, und die Philosophie-Professorin und B’tselem Aktivistin Anat Biletzki.

Während Biletzki verdeutlich, was die Besatzung wirklich bedeutet („life as we all know it, does not exist in Palestine“) geht Halper auf das – für die Medien – zentrale Thema ein: REFRAME THE DEBATE: „Israel hat es geschafft, sich selbst als diese kleine, ständig bedrohte Land hinzustellen , das sich nur gegen „Terror“ schützen will …wir wollen ja Frieden, aber diese verrückten Araber lassen das einfach nicht zu.“

DAS IST NAÜRLICH ALLES BULLSHIT, was sich leicht anhand der historischen Fakten beweisen lässt, aber warum traut sich hier kein Journalist, das hier auszusprechen?

Durch welche Methoden die israelische PR-Maschinerie die Öffentlichkeit für dumm verkauft, hat dieser Film analysiert:

Peace, Propaganda and the Promised Land: (Link zum Google-Video wird öfter gestört!

  1. DIE BRUTALE BESATZUNG WIRD „UNSICHTBAR“ GEMACHT (man darf keine Empathie für die Opfer zulassen ebensowenig die Einsicht, dass es die Palästinenser sind, die sich verteidigen, nicht Israel)
  2. DIE WEITERGEHENDE KOLONISATION EBENSO (desinfizierte Sprache „Siedlungen ausgebaut“)
  3. GEWALT IM VAKUUM (Widerstand gegen Besatzung aus dem historisch-politischen Kontext isoliert)
  4. WIRKUNG ALS URSACHE PRÄSENTIERT ( ,,,Terror“ ist da, wir müssen uns davor schützen …)
  5. MEDIEN ALS WILLIGE HELFER (Themenauswahl, Blickwinkel, vom israelischen Framing definiert)
  6. MYTHOS DER USA als GUTMEINENDER „VERMITTLER“
  7. MYTHOS VOM GROSSZÜGIGEN ANGEBOT: Camp David und die Oslo-Lüge
  8. AN DEN RAND GEDRÄNGTE STIMMEN („control of content“ : Akteure, die das offizielle Bild in Frage stellen würden, komen nie vor (CENSORSHIP BY OMMISSION)

Aldous Huxley schrieb in seinen Gedanken über Propaganda, dass Hitler es geschafft habe, die Deutschen am „unabhängigen, selbständigen Denken zu hindern“, unter Ausnutzung von damals neuartigen Massenmedien wie Radio und Film.

Angesichts dessen, was man heute in unserer „Demokratie“ in den Zeitungen liest – bzw. was man VERMISST, NÄMLICH DIE DEMASKIERUNG EINER UNGLAUBLICHEN PR-MASCHINERIE, die das ETABLIERTE PUBLIZISTISCHE SYSTEM AUSNUTZT, UM IHRE LÜGEN ZU VERBREITEN ( vor allem durch die PRESSEAGENTUREN) kann man nur zu dem traurigen Schluss kommen, dass die „Pressefreiheit“ auch nur mehr ein sinnentleerter Begriff ist.

Aldous Huxley, George Orwell, Harold Pinter u.a. erkannten, wie die Sprache als politische Waffe eingesetzt wird und unsere Denkfähigkeit einschränkt.

Wenn Journalisten (bei uns) dem nichts mehr entgegenzusetzen haben, ist die Demokratie erledigt. Man braucht keine Gestapo mehr, keine Stasi, keine Schlägertruppen, die Presse selbst wird zum Instrument der Mächtigen, die „Zensur“ erfolgt freiwillig durch die „Produktionsmethoden“, die die Sprache selbst zu einer PR-Waffe verkommen lässt.

„The great crimes against most of humanity are justified by a corrosive debasement of language and thought… [that] have fabricated a linguistic world of terror, of demons and saviours, of axes of good and evil, of euphemisms“ designed to disguise a state terror that is „a gross perversion“ of democracy, liberation, reform, justice.

James Petras

„New Hasbara effort to blame victims for their murder. IDF claims activists attempted to wrestle IDF arms away from soldiers. I urge every journalist who reports this story to remember the history of lies for which the IDF is known in such embarrassing situations. This report is NOT verified or authenticated and should not be treated as such.“

Tikun Olam (Jewish-American Blog)

Fortsetzung folgt ….

Some content on this page was disabled on 02/25/2016 as a result of a DMCA takedown notice from Ben Heine. You can learn more about the DMCA here:

https://en.support.wordpress.com/copyright-and-the-dmca/

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Ein Kommentar zu „Crying and Shooting – Wie Israel die Medien an der Nase herumführt

  1. These are actually enormous ideas in regarding
    blogging. You have touched some nice things here. Any way
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