MONSTER AN DER LEINE

is wolves on the leashSeit Monaten gelingt es einer Truppe angeblich fanatischer „islamistischer Terroristen“ gegen das „beste“ Militär der Welt, also jenes der Supermacht USA, an der Spitze einer „Koalition von 60 Ländern“ (so Außenminister Kerry) siegreich zu sein. Trotz andauernden „Luftschlägen“, Satellitenüberwachung, Drohnen, etc. und anhaltenden Beteuerungen über die Entschlossenheit der US-Regierung, die „Terror-Miliz“ unschädlich zu machen, ist sie weiter auf dem Vormarsch in Syrien und im Irak. Wie ist das möglich?

Diese furchterregenden, bärtigen, head-chopping Rambos schaffen es also, gegen Soldaten aus Syrien, dem Irak, der Hisbollah-Miliz und das US-CENTCOM zu bestehen und ein „salafistisches Fürstentum“ zu errichten, in der unter dem Vorwand der Religion, eine brutale Tyrannei ausgeübt werden soll (wie schon seit langem in Saudi Arabien).

Wie viele es wirklich sind, ist schwer zu überprüfen, aber man darf davon ausgehen, dass es sich um mehrere zehntausend Kämpfer handelt (nach manchen Angaben sind es sogar über 100.000). Daher stellt sich die wichtige Frage:

Woher kommt die Versorgung für so viele Männer? Woher kommt das Geld dafür?

In den Medien heißt es ständig, IS finanziere sich aus dem illegalen Ölgeschäft (Verkauf auf dem Schwarzmarkt), aus Entführungen bzw. Lösegeldeinnahmen und neuerdings auch aus dem „Sklavenhandel“ (mit Frauen).

Woher diese primitiven „Gotteskrieger“ (in erster Linie aufgesammelte Hinterwäldler aus dem Kaukasus und anderen „backwater“-Regionen, wo mit saudischem Geld pseudo-religiöse Indoktrination arbeitsloser junger Männer stattfindet; aber auch brutale Kriminelle und Söldner, kontrolliert von Geheimdiensten) das Know-How haben, sich erfolgreich im Ölgeschäft zu betätigen, wird uns allerdings nicht erklärt.

MANAGING TERROR-FINANCE

Die neuesten „Enthüllungen“ des SPIEGEL („Keine Angst vor der Wahrheit“ (!)… aber auch garantiert nicht vor der Lüge) wollen uns jetzt weismachen, sunnitische Ex-Offiziere der irakischen Armee (leider nicht mehr aussagefähig, weil von „special forces“ der USA ermordet) unter Saddam seien die „Manager“ dieser effizienten Finanzoperationen (mehr dazu später).

IS gelingt es also – anscheinend – nicht nur, die eroberten Gebiete zu halten und sogar zu erweitern, sondern auch eine außerordentlich effektive Logistik auf die Beine zu stellen, die auch die „Verwaltung“ der unterjochten Bevölkerung miteinschließen soll.

ISIS_ConvoysWenn wir uns an die amerikanische Invasion (2003) des Irak erinnern, gab es damals Bilder von hunderten Lkws, die die Truppen ständig mit Proviant versorgten. Es muss also auch Lkw-Konvois geben, die der IS das notwendigem Material bringen und man muss sich fragen, warum gelingt es nicht, diese Nachschublinien abzuschneiden?

Man muss kein Militärstratege sein, um darauf eine logische Antwort zu finden:

TERRORIST-FRIENDS IN HIGH PLACES

Weil diese „Logistik“ aus Zonen gespeist und beschützt werden, die für die syrischen Luftstreitkräfte unerreichbar sind: das sind die angrenzenden Länder Türkei, Jordanien und Saudi Arabien.

IDF cooperates with phony armed oppositionAuch ISRAEL gewährt den IS-Terroristen (nicht nur) medizinische Versorgung und ein Aufenthaltsrecht auf den syrischen Golanhöhen, die es 1967 besetzt und schließlich völkerrechtswidrig annektiert hat. (Wo bleiben die „Sanktionen“!?) In Berichten von UNDOF wurde 2014 die seit Monaten anhaltende Fraternisierung zwischen der IDF (israelisches Militär) und der bewaffneten „syrischen Opposition“ (also den eingeschleusten Terrorgruppen, hier „Al Nusra“, die ja auch von Erdogan beschützt wird – siehe weiter unten) klar erkennbar:

UNDOF beobachtete [in mehreren Vorfällen] bewaffnete Mitglieder der Opposition dabei, wie sie 89 verwundete Personen von der Bravo Seite über die Waffenstillstandslinie zur IDF brachten, und die IDF von der Alpha-Seite 19 medizinisch-versorgte und zwei verstorbene Personen an die bewaffnete Opposition übergaben“.

Dass UNDOF inzwischen als unliebsamer Beobachter aus diesem Gebiet vertrieben wurde, dürfte in Tel Aviv große Heiterkeit und Zufriedenheit ausgelöst haben. Jetzt kann man in Ruhe mit den nützlichen Terror-Idioten kooperieren.

Israel hatte auch das größte Interesse daran, den “islamistischen Terror“ (der mit politisch-motiviertem Widerstand von Hamas, Hisbollah, etc. gleichgesetzt wird) als globales Schreckgespenst zu installieren, was ja dank „911“ auch passiert ist.

Die synthetischen Terroristen (Al Nusra, AQAP, ISIS oder wie immer sie gerade heißen) werden offensichtlich dazu benutzt, den alten Yinon-Plan umzusetzen. Das sollte klar machen, welche entscheidende Rolle das zionistische Israel hier spielt. Wer profitiert am meisten von der Zerstörung Libyens, des Irak und Syriens? Alle drei Regierungen unterstützten den Freiheitskampf der Palästinenser. Syrien ist (neben Iran, der ja auch auf der Abschussliste steht) der größte Unterstützer der Hisbollah, die seit Jahren erfolgreich gegen die israelische Aggression im Libanon kämpft.

Wesley ClarkDer pensionierte US-General Wesley Clark sagte im Februar 2015 in einem CNN-Interview, ISIS sei „von unseren Freunden und Verbündeten“ [im Nahen Osten] geschaffen worden, um Hisbollah zu besiegen (auszuschalten).

Look, ISIS got started from our friends and allies because as people will tell you in the region, if you want somebody to fight until the death against Hisbollah, you don’t put up a recruiting poster saying sign up, we’re gonna build a better world – you go after zealots ..these religious fundamentalists, that’s who fights Hisbollah .. its like a Frankenstein …”

– und für diesen Zweck – so habe man ihm gesagt – „sucht man nicht Leute, die für eine bessere Welt kämpfen wollen, sondern Fanatiker, religiöse Extremisten …. die kämpfen dann (bis zum Tod) gegen Hisbollah …[sie sind] eine Art Frankenstein-Monster …“

(Damit bestätigt auch Clark indirekt, dass die „gemäßigte Opposition “in Syrien ein Phantom ist, das nur erfunden wurde, um die Bewaffnung der „Frankenstein-Truppe“ einige Zeit zu kaschieren. Dass Washington die „Guten“, doch gleichzeitig seine Verbündeten in der Region die „Bösen“ bewaffnet haben, wobei letztere unglücklicherweise die Oberhand gewinnen, wer soll das glauben?)

davoud_kazemi-iran_(2)Und wer hat daran wohl das größte Interesse? Natürlich die Größenwahnsinnigen („Auserwählten“) in Tel Aviv. Dass man die Araber/Muslime gegeneinander aufhetzt, damit die Gegner Israels beseitigt und ihre Staaten durch ein blutiges Chaos zerstört werden, ist ein teuflisch-genialer Plan, weil dabei kein jüdisches Blut vergossen wird. Den Yinon-Plan für ein „Groß-Israel“ habe ich ja schon weiter oben erwähnt und die IDF hat ja auch mehrfach „Ziele“ in Syrien bombardiert (natürlich ohne dass irgendwer nach „Sanktionen“ schreit, weil hier Völkerrecht gebrochen wird, Israel darf alles …).

Alle sind enge Verbündete Washingtons und drei davon machen keinen Hehl daraus, dass sie Assad entmachten wollen – auch um den Preis eines Massakers an der Zivilbevölkerung, das Völkermord-Dimensionen annimmt. Hier geht es aber nicht nur um regime change, sondern den Zerfall (die „Balkanisierung“) des syrischen Staates.

effat_amjadipour-iran_(1)Dass SAUDI ARABIEN seit Jahren eine zentrale Rolle in der „Produktion“ nützlicher Jihad-Idioten einnimmt (Finanzierung von hunderten Koranschulen & Indoktrination zur Züchtung synthetischer „Gotteskrieger; Verteufelung säkularer, arabischer Regierungen als „Feinde des Glaubens“, etc.) sollte sich ja mittlerweile herumgesprochen haben.

(Die „Mujahedin“ in Afghanistan waren in den 1970er Jahren der erste große Erfolg der Inszenierung, aus der schließlich die berühmte Terror-Marke „Al Kaida“ hervorgegangen ist).

Der fanatische Wahabismus selbst (die „Staatsreligion“ der Saudis mit angeschlossener „Religionspolizei“) – also Missbrauch der Religion als politische Waffe – ist ja ein geopolitisches Instrument, das vom Britischen Empire schon im 19. Jahrhundert erfolgreich eingesetzt wurde, und „IS“ verkörpert somit nur dessen neueste Version.

Selbst der CFR schrieb schon 2002 in seinem “Terrorism Task Force Report“:

Seit Jahren sind Personen und Organisationen in Saudi Arabien die wichtigste Finanzierungsquelle für Al Qaeda.“

SPONSORS OF TERROR PLAY HIDE AND SEEK

Doch warum es der US-Regierung partout „nicht gelingt“, diese Quellen der Terrorfinanzierung auszutrocknen, fragt der CFR aus gutem Grund nicht, denn die Saudis betreiben natürlich die Fabrikation von nützlichen, „islamistischen“ Idioten nicht im Alleingang, sondern werden seit Jahren dabei von den USA und Geheimdiensten aus Pakistan, Jordanien, Israel und kleineren Golf-Despotien unterstützt . Auch unsere europäischen Geheimdienste leisten einen „Beitrag“, davon können wir ausgehen.

BidenDer Vortrag von US-Vizepräsident Joe Biden („Remarks on Foreign Policy“ am 2.Oktober 2014 enthielt dazu u.a. folgendes, aufsehenerregendes Statement: (Originalzitat und Kontext siehe weiter unten)

Biden stellte die Sache so dar, als ob „unsere Freunde“ in der Region, Erdogan in der Türkei, die Saudis, die Emiratis, etc. – auf eigene Rechnung

„- hunderte Millionen Dollar und tausende Tonnen Waffen an jeden geliefert haben, der bereit war, gegen Assad zu kämpfen, … doch die Leute, die man damit versorgt hat, waren AL NUSRA und AL QAIDA und die extremistischen Elemente der Jihadis, die aus anderen Teilen der Welt kamen“.

(Video nach ca. 54 Minuten)

Damit haben wir die offizielle Bestätigung eines Mitglieds der US-Regierung:

  • dass die islamistischen Terrorgruppen in Syrien aus dem Ausland finanziert werden
  • dass diese Ausländer sind (also keine Syrer und somit keine syrische „Opposition“)
  • das praktisch jeder Mistkerl bewaffnet und benutzt wurde, der „bereit war gegen Assad zu kämpfen“
  • dass bewusst ein Stellvertreterkrieg zwischen Sunnis und Schiiten angezettelt wurde (s.u.)

Biden tut aber so, als ob die USA bei diesen Vorgängen nur unbeteiligter Zuschauer gewesen wäre, der sich besorgt über diese Zustände äußert, aber leider nichts dagegen tun konnte, was natürlich ein absurder Witz ist.

Wichtig ist auch zu erwähnen, dass Biden die o.a. Sätze als Antwort auf eine Frage aus dem Publikum von sich gab, die folgende Punkte beinhaltete:

My question is, in retrospect, do you believe the US should have acted earlier in Syria, and if not, why is now the right moment?

(Hätten die USA nicht schon früher in Syrien eingreifen sollen …. und falls nicht, wieso ist jetzt der richtige Moment?)

Antwort von Biden: Nein …aus zwei Gründen:

The idea of identifying a moderate middle has been a chase America has been engaged in for a long time. […] The fact of the matter is, the ability to identify a moderate middle was … ah …there was no … ah … moderate middle because … were made up of shopkeepers, NOT SOLDIERS; made up of people who have ordinary elements of the middle class of that country and what happened was …

Biden sagt also, Amerika habe schon lange nach dieser „gemäßigten Mitte“ in Syrien gesucht, aber nichts Verwertbares gefunden und dann wörtlich:

Es gab keine moderate Mitte, weil die… bestand aus Kaufleuten (Ladenbesitzern), nicht aus Soldaten“… bestand aus Leuten … aus “gewöhnlichen Elementen der Mittelklasse” (dann bricht er ab und wechselt zu den Problemen mit den Verbündeten vor Ort – siehe weiter unten)

Diese Sätze sind enorm wichtig, weil Biden damit zum Ausdruck bringt, was kritischen Beobachtern schon lange klar war:

Es gab und gibt keine echte „gemäßigte Opposition“ in Syrien, die bereit wäre, unter US-Kommando gegen die syrische Regierung zu kämpfen und das eigene Land dabei zu zerstören – von dem blutrünstigen Bruderkrieg ganz zu schweigen.

Dass Biden beklagt, man habe in Syrien keine Soldaten (für den künstlich erzeugten „Aufstand“) verwerten können, sondern nur „Ladenbesitzer“ vorgefunden und „gewöhnliche“ Leute aus dem Volk, klingt ziemlich seltsam. Wurde uns nicht eingehämmert, es sei das gewöhnliche Volk, das sich gegen den bösen Assad erhoben hat?

Man begreift, wenn man den verborgenen Kontext zu Bidens Aussage kennt:

saeid_sadeghi-iran_(1)Wie ich in meiner 3-teiligen CIA-Serie erklärt habe, haben die USA seit Jahrzehnten mit ihren MAP (militärischen „Assistenzprogrammen“) in vielen Ländern dieser Welt die Sicherheitskräfte (Armee, Polizei, Geheimdienste, etc.) infiltriert und subversive Strukturen geschaffen, die bei Bedarf „aktiviert“ werden.

Diese selektierten zukünftigen „Führungskräfte“, lassen sich nach entsprechender Indoktrination dazu bringen, Gewalt gegen die eigene Regierung und die eigene Bevölkerung einzusetzen, wenn Washington dies für notwendig hält. Sie begehen also Hochverrat, weil man ihnen eingehämmert hat, das Militär sei besser dafür geeignet, Politik zu machen, als die „Zivilisten“ und weil ihnen natürlich eine entsprechende Machtposition in Aussicht gestellt wird.

Dieses Modell war sehr erfolgreich in vielen Ländern, wo auf diese Weise ein Putsch gegen eine gewählte Regierung stattfand und ein faschistisches Regime errichtet wurde, das Kapitalinteressen diente, nicht der eigenen Bevölkerung (z.B. in Chile oder in Griechenland).

In Syrien ging das aber nicht (auch nicht im Irak), weil in diesen Ländern eine Infiltration bzw. Penetration der Sicherheitsapparate so nicht möglich war. Und die “gewöhnlichen” Leute konnten wegen staatlicher Kontrolle der Medien und Fehlen einer „open society“ a la Orwell-Soros, auch nicht zur geopolitischen Manövriermasse verkommen, wie etwa in der Ukraine oder in Georgien.

USEFUL MONSTERS FROM ABROAD

Also muss der „Aufstand“ importiert bzw. inszeniert werden, damit die Scharade vom „arabischen Frühling“, der brutal vom „Diktator“ niedergeknüppelt wird, neu aufgeführt werden kann und „westliche Werte“ (wie Full Spectrum Dominance) durchgesetzt werden.

abolfazl_rahimi-iranEs war also niemand aus der echten, politischen Opposition in Syrien vorhanden, den man als proxy-Kämpfer benutzen konnte, deshalb musste man die „Dschihadis“ aus dem Ausland importieren – vor allem aus dem Kaukasus (weil ja Russland das ultimative Ziel der Kampagne zur Destabilisierung und Zerschlagung funktionierender Staaten ist, das perfekte (nicht konstruktive!) „Chaos“ nach Leo Strauss)

KHALIMOV: TALES OF THE (UN)EXPECTED

the phony  CT-defector

At a Blackwater facility in North Carolina, Col. Gulmurod Khalimov received “counter-terrorism training between 2003-2014*, Colonel Khalimov participated in five counterterrorism training courses in the United States and in Tajikistan, through the Department of State’s Diplomatic Security/Anti-Terrorism Assistance program,” said US State Department spokeswoman Pooja Jhunjhunwala.”
[*Khalimov selbst spricht aber nur von 2003-2008 – aber diese Diskrepanz wird nicht hinterfragt …]

ISIS-Oberst wurde von Blackwater und dem US-Außenministerium 11-Jahre lang trainiert“

Diese CNN-Schlagzeile bestätigt ebenfalls meine These, dass das subversive „MAP“ (die militärischen „Assistenzprogramme“ vor denen Colonel Fletcher Prouty in den 1970er Jahren warnte,), noch immer eine wichtige Rolle spielt, um ausgewählte, ausländische Offiziere und später ganze Banden in staatlichen Terrormethoden (gegen eine fremde Zivilbevölkerung bzw. unerwünschte Regierung eines Landes) auszubilden und dann als „Waffen“ einzusetzen.

Das macht die USA ja schon seit vielen Jahrzehnten unter dem offiziellen Titel „counter-insurgency oder counter-terrorism“ und dies wurde sogar – leider nur im Fall Nicaraguas am 27.Juni 1986 – durch ein Urteil des Internationalen  Gerichtshofes festgestellt:

Nicaragua ICJ  US guilty verdictHier ein Auszug daraus:

(3) The court, by twelve votes to three,

Decides that the United States of America, by training, arming, equipping, financing and supplying the contra forces or otherwise encouraging, supporting and aiding military and paramilitary activities in and against Nicaragua, has acted, against the Republic of Nicaragua, in breach of its obligation under customary international law not to intervene in the affairs of another State;

Die „Contras“ waren in den 1980er Jahren ähnlich (brutal) „erfolgreich“, wie heute AQ oder IS, nur ohne Religion. Aber die CIA hat ja langjährige Erfahrung im Heranzüchten von Folterknechten, Schlächtern und Ersatz-Soldaten, da findet man immer die richtige Methode der Gehirnwäsche ….

KhalimovDer „Held” oder Schurke dieser Story, Gulmurod Khalimov war Kommandeur der OMON, (einer „Spezialabteilung“ der Polizei) in Tadschikistan, wie sie im Zuge des „War on Terror“ nach 911 in vielen Ländern etabliert wurde. Dass diese „Spezialkräfte“, die in den USA ausgebildet wurden und werden, letztlich für ganz andere Zwecke bestimmt sind als offiziell angegeben, hat sich anscheinend noch immer nicht herumgesprochen.

Hat man aus der Geschichte („Gladio“ in Europa, Contras in Nicaragua, „Salvador Option“ im Irak, etc.) nichts gelernt?

Im April war Khalimov plötzlich “verschwunden” und tauchte Ende Mai per Video wieder auf. Darin schwört er, den „Dschihad“ nach Russland zu bringen , was aber von CNN nicht erwähnt wird. Stattdessen soll er gedroht haben, Amerikaner umzubringen: „die Schweine“, die Soldaten ausbilden, um Muslime zu töten.

In der Darstellung von CNN soll Khalimov also den Amerikanern Angst und Schrecken einjagen (und natürlich ein offizielles „militärisches Eingreifen“ der USA in Irak und in Syrien („ohne geographische Einschränkung“ laut US-Kongress) legitimieren, ja als „notwendig“ erscheinen lassen.

IS ist also das neue, flexibel einsetzbare Feindbild (Ersatz für die „kommunistische Bedrohung“ im kalten Krieg) mit dem der US-Hegemon seine gewaltsame und hinterhältige Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten rechtfertigt.

Die BBC erwähnt aber in ihrem Beitrag auch, dass der IS-Kommandeur gelobt hat, in seiner Heimat ein „Gemetzel“ zu verursachen, also in Tadschikistan der Regierung zeigen will, wo der Hammer hängt (als Bestrafung dafür, dass Islamisten als subversive Staatsfeinde verfolgt werden). Er beklagt auch die große Armut und Arbeitslosigkeit in seinem Land, wodurch hunderttausende Tadschiken gezwungen seien, in Russland Arbeit zu suchen (wo sie als billige Kräfte ausgenutzt werden).

 Das Land ist so arm, (mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat weniger als 2 Dollar am Tag zur Verfügung) dass die Gelder, die diese Arbeitsmigranten nach Hause schicken, einen erheblichen Wirtschafts- bzw. Einkommensfaktor darstellen. Durch die (von den USA arrangierte) dramatische Abwertung des Rubels und die völlig illegitimen Wirtschaftssanktionen verschärft sich natürlich die Lage der Tadschiken weiter. Alleine im Jahr 2014 verloren 200.000 ihre Arbeit in Russland.

Oxfam poverty tajikistanDie systemische Armut und jetzt auch noch die Klimaveränderung lässt kaum noch Hoffnung auf ein besseres Leben aufkommen (siehe Oxfam-Bericht rechts)

Es ist also nicht hauptsächlich religiöser Fanatismus, der diese Männer dazu bringt, sich IS anzuschließen, sondern die Hoffnungslosigkeit und das Elend in ihren Heimatländern. Sie haben jedes Vertrauen in die politische Führung verloren und der Gemeinschaftsgeist, der in IS beschworen wird sowie das religiöse Pathos bringen viele dazu, sich diesen Kämpfern anzuschließen. Sie haben wohl nichts mehr zu verlieren … außer ihr Leben, wobei ein gewaltsamer Tod in dieser verzerrten Realität wohl als „heldenhaft“ wahrgenommen wird. Ein Leben ohne Würde endet dann wenigstens mit einem „ehrenvollen“ Tod.

(Dass diese Menschen als machtpolitische „Werkzeuge“ radikalisiert und auf perfide Weise instrumentalisiert werden, finde ich so widerlich, dass mir übel wird, wenn ich daran denke …)

Dieser dramatische, soziale u. wirtschaftspolitische Kontext wird von CNN (und unseren Medien) völlig unterschlagen.

Stattdessen muss Wolf Blitzer noch am Ende unbedingt erwähnen, dass Khalimov auch von russischen Anti-Terroreinheiten ausgebildet worden sein soll (wenn er das so sagte, wieso zeigt man es dann nicht im Video?). Putin weiß natürlich seit Tschetschenien, wie Washington Islamisten fördert und bewaffnet und sie dann gegen den vermeintlichen „Feind“ loslässt, um unliebsame Regierungen zu destabilisieren, Bürgerkriege auszulösen und „Empörung“ des Westens über die Niederschlagung der gesteuerten Rebellion auszulösen – ohne dass sich die USA selbst die Finger schmutzig (blutig) machen muss.

Das „doppelte Spiel“ der USA nach „911“ zur Konfliktbeschleunigung in diesen Ländern:

  • Einerseits immer mehr Repressalien gegen „Islamisten“ erwirken (Panikmache,  Überwachung, Anti-Terror-Training, brutales Durchgreifen der Sicherheitskräfte in anderen Ländern forcieren)
  • Andererseits genau diese „Islamisten“ erschaffen und fördern (mithilfe der saudischen, pakistanischen, israelischen u.a. Geheimdienste und effektiver PR), was aufgrund der großen Armut und Perspektivlosigkeit in diesen Ländern nicht schwer ist;

Die Sprecherin des US-Außenministeriums versicherte CNN, dass alle Teilnehmer der Spezial-Ausbildung vorher einer „gründlichen Sicherheitsüberprüfung“ unterzogen worden seien. You bet. Man suchte natürlich Leute aus, die für die perfiden Pläne der CIA bestens geeignet waren. Ich denke, Khalimov ist nicht wirklich „übergelaufen“, er war von Anfang an dafür vorgesehen, die Rolle des nützlichen „Terroristen“ zu spielen – für die USA und ihre Verbündeten.

Hat er es gemerkt und sich jetzt gegen „Dr. Frankenstein“ gewendet? Wir werden sehen …

BACK TO BIDEN

truthinadvertising-Biden lamentiert dann über die Probleme mit „seinen Freunden“ in der Region, die die Terrorgruppen finanziert und bewaffnet hätten, weil sie Assad um jeden Preis loswerden wollen:

„… what my constant cry was that our biggest problem is our allies in the region. Our allies in the region were our largest problem in Syria. The Turks were great friends… [and] the Saudis, the Emirates, they were so determined to take down Assad and essentially have a proxy Sunni-Shia war – what did they do?“

(O-Ton des weiter oben erwähnten Zitates in deutscher Übersetzung):

„They poured hundreds of millions of dollars and tens, thousands of tons of weapons into anyone who would fight gainst Assad — except that the people who were being supplied, were Al-Nusra, and al-Qaeda, and the extremist elements of jihadis who were coming from other parts of the world.“

Die TÜRKEI nimmt in diesem teuflischen Spiel auch eine besondere Stellung ein, was aber in den von uns finanzierten Verblödungsmedien kein Thema ist: die sind ja damit beschäftigt, Putin und Assad zu kriminalisieren bzw. die Texte ihrer langjährigen Souffleuse (US State Department) nachzusprechen.

DW supply lines TurkeyAber es gibt auch Ausnahmen. So z.B. die Deutsche Welle, die schon im November 2014 in einem Video dokumentierte, dass täglich hunderte türkische Lkws über die Grenze nach Syrien fahren, obwohl das (vorher gute) legale Exportgeschäft mit Syrien seit den Sanktionen zusammengebrochen ist.

Es gibt keine offiziellen Angaben darüber, wer die „Endverbraucher“ der Waren sind, man liefert an Mittelsmänner. Doch die Spediteure sind überzeugt, es sei IS.

Im Video sieht man Säcke, auf denen „Ahmed, Rakka“ als Empfänger angegeben ist. Rakka ist das Zentrum der von IS kontrollierten Zone, wohin ein Grossteil der Lieferungen auch geht.

Die Kurden versuchen, durch eigene Patroullien, die Lieferung von Waffen an IS zu verhindern, während die türkische Regierung sich dumm stellt bzw. von „Hilfsgütern“ spricht – ganz im Sinne Orwells. Auch IS-Kämpfer (also „Terroristen“) werden über die Türkei eingeschleust.

Fazit der DW:Es scheint, IS braucht sich über seinen Nachschub keine Sorgen zu machen“

Versuche der syrischen Luftwaffe, diese Transporte zu stoppen, wurden mit Angriffen der türkischen „Luftabwehr“ beantwortet, wobei natürlich von „syrischer Aggression“ gesprochen wird, um die Wahrheit zu verschleiern. Die Einführung von Pufferzonen (vorgeblich für geflüchtete Zivilisten) macht die Sache noch leichter.

Der Bericht der Deutschen Welle erhärtet nur, was sich schon früher abzeichnete und von vielen Analysten erkannt wurde: IS ist so erfolgreich, weil es von potenten, ausländischen Sponsoren „gefüttert“ und gehegt wird.

ERDOGAN: DER PATE DES „TÜRROR“ IN SYRIEN

Turkishsupport ISDer jüngste Eklat in der türkischen Presselandschaft lässt nun keinen Zweifel mehr daran, welches perfide Spiel Erdogan hier betreibt:

Die Türkei bewirtet nicht nur den SNC (künstlichen „Syrischen Nationalrat“) und die „Nationale Koalition für Revolutionäre und Oppositionskräfte“, sondern versorgt auch die nützlichen Idioten der „Terrormiliz“ mit dem Notwendigen, wozu auch die „Koordination“ durch den türkischen Geheimdienst gehört. Der MIT sorgt dafür, dass die Kämpfer (aus Zentralasien) in gebrauchsfähigem Zustand nach Syrien gelangen, ist also eine Art orientalischer „Terror-TÜV“ für imperiale Patsies.

Cumhurriyet reportDie türkische Zeitung Cumhuriyet deckte auf, dass illegale Waffentransporte nach Syrien gehen, die unter dem Deckmantel von „Hilfsgütern“ stattfinden. Versteckt unter Paketen mit Medikamenten, fanden türkische Ermittler (schon im Jänner) 1000 Mörser-Granaten, 50.000 Patronen, 30.000 MG-Patronen und hunderte Granatwerfer.

Wie reagierte Erdogan?

Er leugnet alles, spricht von einem perfiden Komplott und behandelt die involvierten Aufdecker wie Staatsfeinde:

Mehr als 30 Sicherheitskräfte, die an der Durchsuchung der Lkws teilnahmen wurden verhaftet und wegen „Spionage“ und geplantem „Sturz der Regierung“ angeklagt. Selbst vier Staatsanwälte wurden festgenommen und sitzen seither in U-Haft

life sentence cumhuriyetCan Dündar, der Chefredakteur der Zeitung, gilt jetzt als Staatsfeind Nr.1 und soll unter Berufung auf die „Anti-Terrorgesetze“ mit extremer Härte bestraft werden (mehrfach lebenslang, etc.)

Die Behauptungen der Regierung werden immer unglaubwürdiger, weil sie nicht konsistent sind:

  • Anfangs war von „Hilfsgütern“ die Rede, die an die Turkmanen in Syrien gehen sollte.
  • Dann gab Davutoglu im Juni zu, dass es sich um Waffen handelte, aber für die Turkman-Brüder in Syrien …
  • Doch die „Gendarmerie“ sagte aus, dass die Lieferung für ein Gebiet bestimmt war, wo es keine Turkmanen gibt … wo das türkische Militär aber nach Angaben der Fahrer häufig „Aufklärungsmissionen“ durchführte
  • In diesem Gebiet halten sich AQ und ISIL –Kämpfer auf, so die Gendarmen …
  • Die Turkmanen aber wissen nichts von Hilfslieferungen aus der Türkei:
  • Der Vorsitzende ihres Vereins, Hussein al-Abdullah, sagte im Jänner 2014, dass solche Lieferungen nie angekommen seien …
  • Yasin Aktay, der außenpolitische Sprecher der AK Partei, gab schließlich u, dass tatsächlich Waffen geliefert wurden, aber – doch nur – an die FSA*, nicht IS …
  • İbrahim Kalın, Pressesprecher von Erdoğan, sagte hingegen, die Türkei habe nie Waffen nach Syrien geliefert ..

(* die „Freie Syrische Armee“ hat es aber als authentischen Widerstand nie gegeben, es ist eine PR-Marke, die die (kriminelle) ausländische Unterstützung der (nicht-)syrischen „Rebellen“ legitimieren soll: Geld, Waffen, Training, Logistik, Proviant für die „moderate Opposition“ lässt sich in den Medien besser verkaufen, als die Erkenntnis, dass damit islamistische Fanatiker ausgerüstet werden, die man als außenpolitische Werkzeuge benutzt … )

Cumhurriyet wurden auch Abschriften von abgehörten Gesprächen zugespielt, die gemeinsam mit dem brisanten Videomaterial die Rolle der türkischen Regierung (bzw. des Geheimdienstes MIT) bei der Unterstützung von Terrorgruppen in Syrien dokumentieren sollen.

Diese bestätigen die Aussagen von Syrern, wonach türkische Spezialeinheiten auch direkt in Kämpfe involviert sind, um die Al Nusra Front und andere gewalttätige Islamisten gegen die syrische Regierung zu unterstützen.

Turkish forces support Al NusraDas würde auch erklären, wie diese Terrorgruppen (die sich jetzt als „IS“ konsolidieren) in der Lage waren, dieses Gebiet 2014 zu erobern und es in diesem Jahr neuerlich zu besetzen. Augenzeugen in Kessab haben die Berichte syrischer Soldaten erhärtet, wonach die Terrorbanden im Kampf gegen die syrische Armee von türkischen Hubschraubern und schwerer Artillerie begleitet wurden (und werden).

Diese Meldung („Türkei entfernt Al Nusra von der Liste terroristischer Organisationen“) kann daher nicht überraschen …

Der US-Botschafter in Ankara, Francis Riccardione, spielt natürlich auch eine zentrale Rolle in dieser mörderischen Scharade.

Und was sagte Biden über die Rolle der Türkei und seines „guten Freundes“ Erdogan?

Devil's GameWie bereits oben erwähnt, tut der Vizepräsident zunächst so, als ob die mächtige USA nicht in der Lage war, die massive Bewaffnung der Terrorbanden durch ihre Verbündeten zu verhindern und dann

Now … all of a sudden everybody is waking up because this outfit called ISIL (which was Al Qaeda in Iraq) . which – when they were essentially thrown out of Iraq – found open space in territory in … Eastern Syria, work with Al Nusra, who we declared a terrorist group earlier on, and we could not convince our colleagues to stop supplying them. So what happened? All of a sudden, … they have seen the Lord … (Video 54:27)

ISIL (vorher AQI) wurde also laut Biden aus dem Irak vertrieben, fand dann in Ost-Syrien einen Zufluchtsort und begann mit Al Nusra zu kooperieren … erst jetzt hätten die „Freunde“ erkannt, welches Monster sie da an ihrem Busen genährt hatten und –

Now we have … the President has been able to put together a coalition of our Sunni neighbours … because Americans can’t once again go in … to a Muslim nation and be the aggressor, it has to be led by Sunnis to go and attack a Sunni organisation .. so what do we have for the first time ? … Saudi Arabia has stopped the funding …allowing training on their soil, Qataris have cut off support for most extreme elements ..

CIA ships weapons to Syrian Rebels– Präsident Obama sei es jetzt gelungen, eine Koalition der sunnitischen „Nachbarn“ zu bilden; weil Amerika nicht schon wieder ein muslimisches Land angreifen und als Aggressor dastehen könne, müsse also die Attacke von Sunnis – gegen Sunnis -geführt werden, um den Schein zu wahren (dass die USA nur passiv, notgedrungen eingreift).

Erdogan: you are right, we let too many people through … now trying to seal their border ….they did what Erdogan said, he would do … they voted in the Turkish parliament to send ground forces … Turkish airspace to be able to be used by NATO and by other allies …Turkish airspace be able to accommodate our drones …

Erdogan – so Biden – habe eingesehen, dass man „zu viele Leute [Terroristen] durchgelassen habe“ und versuche nun, die Grenze zu versiegeln. [Wochen später rollen die Waffen weiterhin massenhaft über die türkische Grenze, wie die DW ja im November 2014 dokumentiert hat] Außerdem sei beschlossen worden, türkische Bodentruppen nach Syrien zu entsenden und NATO gestattet, türkischen Luftraum zu benutzen, inklusive Drohnen.

Angesichts dessen, was wir oben u.a. aus der türkischen Presse gehört haben und der Tatsache, dass IS immer noch ihr Unwesen treiben (auch wieder im Irak), muss man sich fragen, wen Biden hier verarschen will, die Studenten in Harvard?

(Auf die geopolitisch wichtige Erdgas-/Erdölkomponente – wer liefert Erdgas nach Europa? – gehe ich hier nicht ein, das kann man z.B. bei William Engdahl nachlesen).

seyed_ali_miraee-iran_(1)Es muss dem Dümmsten inzwischen klar geworden sein, dass IS ein perfides Werkzeug der Auslands-Geheimdienste (CIA & Co., in der Region vor allem Israels) ist, und kein schief gelaufenes Söldner-Abenteuer der Saudis. Sie sind die Schocktruppen für die „Drecksarbeit“, deren extreme, medial inszenierte Brutalität dann als Vorwand für ein „härteres Eingreifen“ des Westens benutzt wird.

Doch die amerikanischen Bomben fallen nicht auf IS, sondern auf syrische Infrastruktur und irakische Truppen – was ja auch nicht mehr überraschend ist.

Unsere Journaille macht aber weiter wie bisher, plappert die bescheuerten „Meldungen“ des selbstgerechten US-Hegemons nach und leistet somit aktive Beihilfe zur Legitimation von Völkermord und Krieg (der 1. und „4.“Generation).

Wann werden diese „Unterstützer einer terroristischen Vereinigung“ endlich zur Rechenschaft gezogen?

 

(P.S. Die IS Cartoons stammen aus einem Karikaturen-Wettbewerb in Tehran, den man im Internet finden kann)

D-Logo

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CIA (3): KILLING DEMOCRACY

Roosevelt on fascism

(Question: Who „owns“ the CIA?)

POTUS: THE PATSY IN CHIEF? (Ist der US-Präsident wirklich gut informiert?)

Pilger warWie ich ja schon im letzten Beitrag (aufgrund der Schilderungen von Fletcher Prouty) skizziert habe, ist anscheinend weder der Kongress noch der amerikanische Präsident wirklich „im Bilde“ darüber, was auf der Welt passiert (und warum), sondern diese Entscheidungsträger werden regelrecht mit Informationen „gefüttert“, die ihre Zustimmung zu den kriminellen Aktionen der CIA bewirken soll. Sie erhalten also streng kontrollierte, gefilterte „Nachrichten”, die mit der politischen Realität oft nichts mehr zu tun haben und die wahre Rolle der CIA verschleiern.

Dazu schreibt Prouty in eindringlichen Worten, dass die Abgeordneten und sogar der Präsident selbst durch dieses System intellektuell „versklavt“ bzw. indoktriniert und durch die (wieder von der CIA) verordnete Geheimhaltung dazu gebracht werden, erfundene Geschichten zu verbreiten (als Tarnung, also „cover-story“) und schließlich auch selbst zu glauben:

THE DAILY DOSAGE OF MIND-CONTROL

Even as Congress debates whether or not it should be given more intelligence information by the CIA it can be seen that those august men are again being misled by the turn of events. Should Congress rule that the CIA must brief it on current intelligence matters, it will find itself more and more enslaved by the system, just as the President has been by the current intelligence briefings which are his frequent diet.

Not only will the CIA take over the daily indoctrination of key members of Congress, but it will also place them under the “magic” of its security wraps. Every day it briefs the Congress … it will warn that what they are hearing is Super Red-Hot, Top Secret and that now they have heard it, they must not mention it to anyone. Then … the CIA will provide them with a suitable cover-story.

Day after Day they will hear about happenings around the world, as the ST wants them to hear about them, and day after day they will have less time to hear about them from any other source. Thus their own ideas and knowledge of the outside world will decrease from day to day … to finish … consider what the day by day pabulum of cover story after cover story can do to otherwise intelligent … men.” (Chapter 18, p.414)

CONTAINMENT GOES  GLOBAL

Während der ursprüngliche Zweck der militärisch-geheimdienstlichen Programme das „Containment“ der Sowjetunion war, wurde die (künstlich erzeugte) Angst vor dem Kommunismus (heute ist es die Angst vor dem fabrizierten „Terror“) dazu benutzt, die regelmäßige und massive Einmischung Washingtons in die Politik anderer Länder zu legitimieren.

freeing_to death BlumDiese anmaßenden Interventionen wurden natürlich als „Assistenz“, also „Hilfe“ im Kampf gegen den bösen Feind getarnt. Die CIA (als „Koordinator der geheimdienstlichen Informationen“) produzierte fleißig Berichte über „Probleme“ in demokratischen Ländern, die so dargestellt wurden, dass ein „Eingreifen“ der USA unerlässlich schien. Wurde in einem Land die Gewerkschaftsbewegung immer stärker, gewannen die „linken“ Parteien mehr Einfluss, gab es zunehmend Proteste gegen NATO-Basen in Europa, gegen die Ausbeutung amerikanischer Konzerne in Lateinamerika, etc. immer waren das Anzeichen „kommunistischer Infiltration“, als ob sich ein pathogener Virus ausgebreitet hätte, den man ausrotten muss.

Dazu schreibt Colonel Prouty:

What had begun as a plan to contain Russia and Communism with a strong military force, became not a barrier against Russia itself, but a creeping encroachment upon the sovereignty and territory of our friends. Whether they wanted them or not, we have kept military forces on the soil of our friends for more than thirty years and there is no end in sight.

But even more important, we have developed in more than forty countries strong clandestine and paramilitary forces far more dangerous to the internal welfare of those countries than encroachment of Communism, which is supposed to be the reason of such action. And these covert forces exist. The “Communism” there are there to guard against is for the most part no more than an interpretation of intent. (411)

… If the whole concept of sovereignty were to be abandoned, we would of necessity have to fill the void. We would then face the fact tht we are dealing with raw power, and what is important in the nature of power is the end it seeks to serve and the way it serves that end. […] we must realize that these rights … imply certain duties, such as the duty of non-intervention in the affairs of other nations, and the duty to respect the rules and customs of international law. […].

As this nation turned to a broad … covert campaign of anti-Communism, it pressed its military forces, economic forces, and its intelligence arm upon this group of more than forty countries (Philippines, Indonesia, Thailand, Pakistan, India, Iran, etc.)

[The US] abandoned it position of real leadership in favour of creating a vast intelligence organisation and the mightiest peacetime armed force of all time …and we became totally dependent upon the inputs of intelligence (from any and all sources) .. to activate this great force in what …had come to be called “counterinsurgency”.

By this time, the entire might of the US military had become a reservoir and magazine operating in support of the operational machinations of the Secret Team and its paramount force, the CIA.”

econ tyrannyDie geheimen Operationen der CIA (und in deren Schlepptau das US-Militär) hatten sich also 10 Jahre nach ihrer Gründung weg von der Sowjetunion bewegt und sich auf die drohenden „subversiven Aufstände“ in anderen Ländern konzentriert, wo es galt, amerikanische Investitionen zu schützen bzw. die kapitalistische Penetration des Landes zu gewährleisten. Die Vorstellung, dass die einheimische Bevölkerung dabei ein Mitspracherecht, ja ein Vetorecht habe, ist natürlich für das „ST“ und die Business-Interessen dahinter, völlig absurd.

Prouty betont, dass je tiefer diese Länder infiltriert und (mit brutaler Gewalt und perfiden Intrigen) destabilisiert wurden, desto größer die Geheimhaltung der CIA wurde und zwar nicht nur nach außen, sondern auch gegenüber dem US-Kongress und der amerikanischen Öffentlichkeit:

„.. the agency went out of its way to keep this information from Congress and from the people of the United States” (p. 413)

Wie Prouty richtig feststellt, haben diese kriminellen Aktivitäten unter dem Deckmantel der „Aufstandsbekämpfung“ nie aufgehört, weil die Sowjetunion immer nur ein Vorwand dafür war und später durch einen neuen omnipräsenten „Feind“ ersetzt wurde: der islamistische „Terrorismus“. (Wir kommen später darauf zurück.)

MIND CONTROL & …

Wer aus dem Blickwinkel der Weltherrschaft längerfristig plant, begnügt sich natürlich nicht damit, politische „Brandherde“ zu ersticken (die man meistens selbst gelegt hat), sondern baut Programme auf, die eine Infiltration der Zivilgesellschaft ebenso ins Auge fassen, wie eine Indoktrination des Militärs. Da man sich ja gleichzeitig als “Förderer von Demokratie“ verkaufen will, müssen solche Absichten natürlich getarnt werden und das geht ja auch wunderbar, wenn es einen imaginären, monströsen Feind gibt, gegen den sich die Welt „verteidigen“ muss. Man arrangiert also „Ausbildungsprogramme“, die die gemeinsame „Sicherheit“ erhöhen sollen, auf diesem Prinzip beruht ja auch die Kontrolle der europäischen Militär- und Außenpolitik durch die NATO (also Washington).

THE MUTUAL SECURITY SCAM („Gemeinsame” Sicherheit?)

[They were] working quietly on a vast education and reorientation program of civic action, nation building, and such other ideas, which were in reality a cover for the extension of the covert activities of the ST into the countries served by the Mutal Security Program (and similar programs). Military assistance program countries were the primary targets. The military cover personnel and their civilian disciples worked on this project with the zeal and energy of dedicated missionaries in support of a new and vital religion.”

Luce the real USProuty erklärt, wie die CIA die Lehrpläne in den militärischen Ausbildungsstätten manipuliert hat, um die neue „Sicherheits“-Doktrin in die Köpfe der auszubildenden Soldaten einzupflanzen, wobei man gleichzeitig eine Generation von Offizieren geschaffen hat, die sich damit identifizierte.

Der Lehrstoff für “Zivile Angelegenheiten“ (als Teil der militärischen Ausbildung der Armee) wurde nun nicht mehr vor Ort erstellt, sondern im Pentagon. Dort erarbeitete ein spezielles Team von (CIA-erprobten) Offizieren ein Schulungsprogramm für die neue Militärakademie in Fort Bragg (North Carolina), mit dem die „special forces“ der US Armee, aber auch ausländische Teilnehmer, ab sofort indoktriniert und „motiviert“ wurden, politische und soziale Veränderungen herbeizuführen, falls das Volk das Gerede von Demokratie zu ernst nahm.

Bereits 1959 wurde ein spezielles Komitee gegründet, um das „Trainingsprogramm für gemeinsame Sicherheit“ (MAP) in Bezug auf Doktrin und Konzepte zu evaluieren, mit dem die neue Rolle des Militärs „als Instrument im Frieden und im Krieg“ festgelegt wurde.

Im Bericht des Komitees wurde betont, dass „die Ausbildungsziele zu eng gefasst seien und zu wenig das volle Ausmaß unserer nationalen Interessen … berücksichtigen würden.

Was damit gemeint war, ist eine Empfehlung an die US-Regierung, die „gemeinsame Sicherheit“ (Mutual Security Program) durch spezielle Formen „militärischen“ Trainings zu ergänzen, inklusive der Ausbildung paramilitärischer Einheiten in den betroffenen Ländern.

Dazu schreibt Prouty:

The only way this could be carried out would be to mount clandestine operations in every country where this was to apply. By this period the CIA knew that it was ready, equipped, and in a position to do this in any „counterinsurgency-list“ country, as it had been digging its way firmly into the MAP since the earliest days of the Greek and Turkish aid programs.

CREATING US-INSTRUMENTS OF LATENT POWER

CIA NSNun ist es eine Sache, gemeinsame „Trainingsprogramme“ abzuwickeln, bei dem die ausländischen Teilnehmer mit vollem Wissen und mit ausdrücklicher Zustimmung ihrer gewählten Regierung von amerikanischen Offizieren geschult werden. Doch was den amerikanischen Sponsoren der neuen Doktrin wirklich vorschwebte, war einerseits die subversive Indoktrination und Infiltration der ausländischen Sicherheitsapparate (Militär, Geheimdienste und Polizei) und andererseits die Ausbildung „paramilitärischer“ Kader, die alle für terroristische Zwecke einsetzbar waren, wenn es „die Situation im Land erforderte“.

Diese Form des “MAP” war also nur durch verdeckte Operationen in den „Zielländern“ zu erreichen und die CIA hatte dafür schon entsprechende Strukturen geschaffen, wofür Nazi-Elemente und die organisierte Kriminalität ohne Skrupel eingespannt wurden.

Prouty merkt an, dass die Verfasser des MAP-Berichtes für die CIA arbeiteten, aber offiziell nicht als solche erkannt wurden. Die Tarnung („cover“) in diesem Fall war besonders bemerkenswert, denn sie operierten unter dem Deckmantel des Weißen Hauses:

They were under cover within the White House itself! Both primary authors of this report*, although recognized throughout this period only as an Army general and an Air Force general, had served for many years with the CIA and then for many more years in service assignments directly supporting the CIA. After they wrote these formative and most influential documents, both of these generals saw considerable service in Southeast Asia, all in conjunction with the CIA. By 1959 and 1960 the CIA was so well entrenched in the Government – and for that matter in the governments of the some forty recipient nations – that it could pull the strings even as far up as in Presidential committees.”

(*General Edward Lansdale (USAF) und General Richard G. Stilwell)

Am 23. Oktober 1974 schrieb die New York Times:

Die Rolle der CIA bei der subversiven Entmachtung ausländischer Regierungen (die als „feindselig“ gegenüber amerikanischen Interessen eingestuft werden) ist ja schon seit längerer Zeit bekannt: das Kaufen von Wählerstimmen, die Bewaffnung von Verschwörern, die Infiltration von Gewerkschaften und all die anderen „schwarzen“ Künste der Geheimdienste“.

TEIL 2

Iron StormAls Beispiel für die Penetration eines „souveränen“ Staates in Europa durch die USA und ihre (vor allem militärischen) „Hilfsprogramme“ möchte ich (aus aktuellem Anlass) Griechenland anführen:

KILLING DEMOCRACY IN GREECE

Die ersten Ziele der „militärischen Assistenz“ in Europa nach dem Krieg waren Griechenland und die Türkei (und die Subversion der Wahlen in Italien durch konspirative „Manipulation des politischen Klimas“, weil die kommunistische Partei Italiens sehr beliebt war und eine Regierungsbeteiligung unbedingt verhindert werden musste; dafür wurde ja auch später Aldo Moro ermordet (siehe dazu die Beiträge zu Gladio).

DAE-10381660 - © - DEA PICTURE LIBRARYDie griechischen Kommunisten / Sozialisten (ELAS) hatten unter großen Opfern gegen die Nazi-Besatzung gekämpft und deshalb auch viel Unterstützung der Bevölkerung. Doch nachdem Churchill in seinem perfiden „Prozent-Abkommen“ mit Stalin dafür gesorgt hatte, dass Griechenland nach 1945 zu „90% in die britische Einflusssphäre“ fiel (wodurch Roosevelts „Deklaration für ein freies Europa“ in Jalta völlig unterminiert wurde), hatten die Griechen keine reale Chance ihre Regierung selbst zu bestimmen. Dieses Schicksal – Verweigerung des Rechts auf politische Selbstbestimmung – wurde ja dann auch durch die „Truman Doktrin“ besiegelt (nachdem man Roosevelts „Abgang“ beschleunigt hatte).

Athens december1944Während einer großen Demonstration von EAM / ELAS (den „Linken“) in der griechischen Hauptstadt (Dezember 1944), schoss die Polizei in die Menge, wobei 25 Menschen getötet und 150 verletzt wurden. Die darauffolgende „Schlacht von Athen“ ging bis zum 15. Jänner 1945, womit eine Phase des Bürgerkrieges endete.

1946 flammte in diesem Spannungsfeld (dubioser Wahlsieg der Rechten und Rückkehr des Königs) der Bürgerkrieg neuerlich (noch brutaler) auf und dauerte drei Jahre.

Dieses als „Aufstandsbekämpfung böser Kommunisten“ dargestellte Massaker an mehr als 100.000 Menschen   (die in Wahrheit griechische Freiheitskämpfer waren, denen man ihr Recht auf politische Selbstbestimmung einfach absprach), wurde mit amerikanischer Unterstützung durchgeführt, nachdem die Briten sich als (finanziell) überfordert erklärt hatten.

Damit die Einmischung Washingtons nicht als (demokratiefeindliche) Arroganz der Macht erkennbar wurde, befahl man dem griechischen Botschafter ein formelles Ansuchen um „amerikanische Hilfe“ einzureichen, dessen Text vom US-Außenministerium ebenso formuliert wurde, wie jener der offiziellen „Vereinbarung“, die daraus entstand. Damit übernahm Washington effektiv die Kontrolle über den griechischen Staat unter dem Deckmantel des „Wiederaufbaus“ (eine organisatorische Rolle, die eigentlich der UN zukam …):

US Aid request Greece

William BlumDazu zitiert William Blum in seinem Buch „Killing Hope“ aus einem Brief des damaligen US-Außenministers George Marshall an den Leiter der amerikanischen „Hilfsmission“ (AMAG):

Blum 2A

Die Wirksamkeit der „Mission“ könne also durch eine „Reorganisation der griechischen Regierung erhöht werden und es sei wichtig, „diese in einer Art und Weise zu erreichen, dass sogar die griechischen Politiker glauben, diese Re-Organisation hätten sie selbst herbeigeführt (und sei nicht durch Druck von außen entstanden).“

Griechische Beamte, die sich als unwillig erweisen, die dafür „notwendige Erweiterung der Kooperation“ zuzulassen, müssten natürlich entfernt werden.“

Die massive Vettern-, Misswirtschaft und Korruption in Griechenland – über die ja heute wieder laut geschimpft wird – hat ihre Wurzeln in dieser Zeit und auch die systemische „Steuervermeidung“ der oberen Zehntausend in Griechenland wurde durch die Militärdiktaturen (als Beschützer der Kapitalbesitzer) bzw. die amerikanische Manipulation der Politik jahrzehntelang gefördert.

Im Oktober 1949 endete der Bürgerkrieg mit einem Sieg der USA in Gestalt des „griechischen“ Militärs, das dank der Millionen aus Washington massiv aufgerüstet wurde: materiell und ideologisch … inklusive paramilitärischer Terror-Einheiten, die hauptsächlich aus ehemaligen Nazi-Kollaborateuren bestanden und wohl den Kern der griechischen „Gladio“-Strukturen bildeten (Zitat unten: Blum, Killing Hope)

US weapons for Greece

Das Ergebnis war die Installation eines brutalen Regimes, für das die CIA eine eigene „Sicherheitsagentur“ kreierte, die KYP (sprich: Gestapo). Politischer Terror gegenüber „Linken“, Straflager und Folter waren an der Tagesordnung.

Die häufigen Wechsel der Premierminister in den folgenden Jahren lässt sich durch den Status Griechenlands als „client state“ der USA erklären: jedes Mal, wenn die Regierung eigene Entscheidungen treffen wollte (die Washington nicht genehm waren), wurde damit gedroht die finanzielle und militärische „Hilfe“ einzustellen, wenn nicht ein US-kompatibler Kandidat an die Spitze der Regierung käme. Der Einfluss Washingtons auf die griechische Wirtschaftspolitik in den 1950er Jahren kam einer ökonomischen Diktatur gleich (siehe dazu das Originalzitat bei Blum unten).

Blum 4a econ control

Dank der EU und den dominanten, anglo-amerikanischen Finanzstrukturen wiederholt sich 60 Jahre später ein ähnliches Drama …

APOFASIZOMEN KAI THIATASSOMEN (Αποφασίζομεν και διατάσσομεν)

fascist-us-flag(Die Geister von IG FARBEN & GESTAPO in Griechenland …unterstützt durch die CIA)

Das war also die „Sicherheit“, die die neue Militärdoktrin versprach: Sicherheit des Kapitals vor der gelebten „zu linken“ Demokratie, die als Bedrohung der imperialen Interessen angesehen wird.

Als 1964 eine Regierung gewählt wurde, die die Frechheit besaß, Griechenland als souveränen Staat zu betrachten, der nach eigenem Gutdünken handelt, sorgten die USA – dank der Erfolge des MAP- 1967 für eine Machtübernahme durch faschistische Offiziere wie Georg Papadopoulos, nachdem der demokratisch gewählte George Papandreou und seine Regierung am 15. Juli 1965 durch König Konstantin zum Rücktritt gebracht wurden, was heftige Proteste der „linken“ Wähler zur Folge hatte. Dank der Intrigen des Palastes und finanzieller „Motivation“ durch die amerikanische Botschaft, gelang es, die Zentrumspartei zu spalten und eine Minderheitsregierung des rechten Flügels unter Stephanopoulos zu etablieren.

Georgiu Papandreou

Georgios Papandreou

Trotz häufiger Demonstrationen und Streiks der Linken, wurde eine politische Krise zunächst verhindert, weil es wirtschaftlich (dank ausländischem Kapital) bergauf ging. Im Dezember 1966 vereinbarten Georgios Papandreou und der Parteichef von ERE, Kanellopoulos, am 28. Mai 1967 Neuwahlen abzuhalten. Gerüchte, dass GP bereit sei, zu viele Konzessionen zu machen (die unbeliebte Monarchie nicht zum Thema im Wahlkampf zu machen und das Militär unangetastet zu lassen) verunsicherten die „linken“ Wähler der Zentristen.

OPERATION PROMETHEUS („Gladio“ im Einsatz)

21april1967Am 21.April 1967 wurde per Dekret das Kriegsrecht ausgerufen und jene Teile der griechischen Verfassung, die die Menschenrechte garantieren sollten, außer Kraft gesetzt. Es folgte die Einrichtung spezieller Gerichte, politische Parteien wurden verboten und das Streikrecht abgeschafft. (Das kommt uns ja irgendwie bekannt vor ….)

Tausende Griechen, deren „linke Gesinnung“ nach CIA-Manier dokumentiert worden war, wurden verhaftet und in Internierungslager auf griechischen Inseln verschleppt. Der Oberstaatsanwalt Konstantin Kollias wurde zum neuen „Regierungschef“ ernannt und verkündete, von nun an gäbe es nur mehr eine legitime politische Gruppe: „Griechen, die an Griechenland glauben“. (Εθνικόφρων)

Doch Kollias war nur eine zivile Fassade für die wahren Machthaber, einem Triumvirat aus drei jungen Offizieren: George Papadopoulos (Premierminister), Nicholas Makarezos (Wirtschaft) – beide mit Geheimdienstausbildung à la CIA- und Stylianos Pattakos, der Innenminister wurde.

Greek military juntaDass die von der CIA erdachte neue Militär-Doktrin (neo-faschistische Offiziere übernehmen dauerhaft die politische Kontrolle) hier auf fruchtbaren Boden fiel, zeigt sich auch daran, dass Papadopoulos (nach einem gescheiterten Gegen-Putsch königstreuer Offiziere) noch mehr politische Ämter an sich riss: Außenminister, Verteidigungsminister, Bildungsminister und ab 1972 auch noch Regent. Damals war die absolute Herrschaft des Militärs erreicht und die Vision der CIA über die (von außen gesteuerte) Formung der Zivilgesellschaft realisiert.

Lehrer, Professoren und Beamte mussten ihren Gehorsam gegenüber dem Regime unter Beweis stellen, andernfalls wurden sie ebenso entfernt, wie Rechtsanwälte und Richter, die zu „unabhängig“ waren. Die Bildungsreformen Papandreous wurden wieder rückgängig gemacht, Schulbücher neu geschrieben und der Zutritt zu den Universitäten von „politischen Tests“ abhängig gemacht. Natürlich wurde die Presse einer völligen Zensur unterzogen und eine endlose Propaganda-Flut ergoss sich über die griechische Öffentlichkeit.

Dabei wurde betont, wie wichtig es sei, den „griechischen Charakter“ zu disziplinieren und Griechenland wurde ständig als Patient dargestellt, den man „ans Bett fesseln müsse, damit die nötigen Operationen stattfinden können (ähnliche Töne hören wir ja heute wieder aus Berlin und Brüssel ..)

Die griechischen Reeder waren von der unternehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik der Militär-Junta so angetan, dass sie Papadopoulous auf Lebenszeit zum Vorsitzenden ihres Verbandes machten (sie zahlten keine Steuern). Auch ausländische Konzerne erhielten sehr lukrative Verträge, doch trotz steigendem Wohlstand, stieg die Kluft zwischen arm und reich ständig an (wie heute, wo diese Wirtschaftsdoktrin durch Schuldensklaverei durchgesetzt wird).

DIE „ANARCHO-KOMMUNISTEN“ (Αναρχοκομμουνιστές)

To_pistevo_mas PapadopoulosDer Putsch wurde natürlich damit begründet, dass eine kommunistische Machtübernahme bevorstand, die unter allen Umständen verhindert werden musste, (der gängige Vorwand für die subversiven Machenschaften der USA in anderen Ländern.) Das war völlig absurd, denn die Sowjetunion hatte ja Griechenland dem Westen überlassen (Absprache mit Churchill) und sich bei der brutalen Repression der Sozialisten / Anti-Faschisten nach dem Krieg (durch England und später die USA) völlig neutral verhalten.

Doch der wahre Grund für den Militär-Coup war viel eher, dass nach einem Wahlsieg der Zentristen, eine Säuberung der Streitkräfte von faschistischen Elementen zu befürchten war. Papadopoulos, der damals eine hohe Position in der KYP (eine Art griechische CIA) einnahm, und viele seiner Mitverschwörer wären Kandidaten für eine solch erzwungene „Pensionierung“ gewesen.

xounta1Als die Panzer am 21. April 1967 durch Athen rollten, wurde gleichzeitig eine massive Verhaftungswelle politisch Andersdenkender eingeleitet, die sich auf eine vorbereitete Liste von „Verdächtigen“ stützte und hier kam natürlich die CIA groß ins Spiel und ihr spezielles „Training“ von Polizei und Militär. (Ein ähnliches Szenario fand ja auch in Indonesien u. a. Ländern statt)

In der offiziellen Geschichtsschreibung der USA (Foreign Relations: Greece, Cyprus and Turkey 1964-68) findet man (Jahre später) trotz „Entschärfung“ des Textes noch deutliche Hinweise für die subversiven Aktivitäten der CIA in Griechenland. Hier nur einige Beispiele:

#204: Telegramm der US-Botschaft in Athen an das US-Außenministerium vom 5. September 1965:

Papandreous politisches Comeback sollte verhindert werden, wenn dies ohne eine direkte Konfrontation möglich ist“.

#264: Telegramm (Sender – Empfänger wie oben) vom 24. März 1967 (1315Z):

„ … Jeder Versuch des Palastes und der Rechten, den Wahltermin hinauszuzögern, könnte sich positiv für Papandreou auswirken. Es sei denn, das Ganze wird sorgfältig arrangiert, um das direkte Eingreifen des Königs unsichtbar zu machen …

A Papandreou US threatsDie Wahlen waren für den 28. Mai 1967 festgesetzt und es war mit einem Sieg von Andreas Papandreou zu rechnen. Dieser erzählte später, wie er und seine Partei von der US-Botschaft ziemlich unverhohlen bedroht wurden:

Wenn wir uns nicht bereit erklärten, zu „verlieren“ würde man uns eine diktatorische Lösung des Problems präsentieren. Die geplanten Wahlen fanden nie statt. Eine Gruppe junger Armee-Offiziere, die eng mit den amerikanischen und griechischen Geheimdiensten verbunden waren, stürzten das Land in die Dunkelheit einer Militärdiktatur.“

PRESSEBERICHTE

Am 1. Juli 1973 veröffentlichte die britische Zeitung THE OBSERVER einen Artikel, der dann auch von der New York Times zitiert wurde:

Darin hieß es gäbe Beweise dafür, „dass die CIA den Militärcoup von 1967 arrangiert hat und geheime Informationen über Premierminister Papadopoulos benutzt, die aus der Zeit seiner Kollaboration mit den Nazis stammen, um das Regime unter Kontrolle zu halten“.

In diesem Artikel wird auch die „MAAG“ in Athen zitiert (Military Aid Assistance Group – siehe weiter unten), und damit die Warnung von Colonel Prouty bestätigt: Man sei quasi stolz darauf, dass Herr Papadopoulos „der erste CIA-Agent ist, der Premierminister eines europäischen Landes wurde“.

Die NYT schreibt dazu „Herr Papadopoulos, ein ehemaliger Oberst, war einer von hunderten Geheimdienstagenten, die für Trainingszwecke in die USA geschickt wurden …“. Um der „Motivation“ nachzuhelfen, erhielt er aber auch jahrelang Geld von der CIA (wie auch die obersten CIA-Assets von Gladio in Italien und anderen europäischen Ländern)

FUCK  THE  DEMOCRACY  OF  “FLEAS”

LBJIn diesem Zusammenhang ist ein „Gespräch“ von Präsident Lyndon B. Johnson mit dem griechischen Botschafter Matsas am 11. Juni 1964 (von Matsas selbst) überliefert, das den Menschen in Griechenland zeigt, wo’s lang geht und die Verachtung der amerikanischen Machtelite für echte Demokratie deutlich macht: (Die Spaltung Zyperns war auch das Werk der US-CIA)

“… Wir scheißen auf euer Parlament und eure Verfassung … America ist ein Elefant. Zypern ist ein Floh. Wenn diese beiden Flöhe den Elefant weiter jucken, könnte es sein, dass sie bald zerquetscht werden. … Wenn Ihr Premierminister mir weiterhin die Ohren voll singt über Demokratie, Parlament und Verfassung, wird es sein Parlament, seine Verfassung und ihn bald nicht mehr geben…Sagen Sie ihm das!

fuck democracy in Greece LBJ

TEIL 3

ruins of democracyGIVING AID(S) TO DEMOCRACY ON A GLOBAL SCALE

Das MAP-Schulungsprogramm wurde ständig erweitert und intensiviert. Tausende Männer aus [damals] vierzig Ländern wurden in die USA gebracht, um sie zu indoktrinieren und „ihre Ansichten“ zu modellieren. Der neue Ausbildungsplan der Armee entsprach weitgehend dem Lehrstoff in Fort Bragg, wo sozio-ökonomische und politische Fragen immer mehr Platz einnahmen. Diese Erweiterung der militärischen Ausbildung wurde unter dem Titel „Nation-Building“ legitimiert.

Prouty betont auch, dass diese neuen Lehrpläne nicht nur die „Studenten“ aus dem Ausland indoktrinierten, sondern auch die Lehrbeauftragten des US-Militärs, die sie umsetzen sollten:

To them, this non-military, political, social and economic theme was the true doctrine of the U.S. Army. A whole generation of the U.S. Army has grown up with this and now believes, to one degree or another, that the natural world of an army lies in this political field. . . . They believe the army is the chosen instrument in nation building, whether the subject be political-social-economic or military. In many cases, due to the great emphasis the CIA placed on training the police forces of certain foreign countries, a large number of American servicemen who were used for such training became active in what was really police work and not the scope of regular military work.

To me, it is so fundamental, this idea of what we saw so much of in the sixties and seventies where we sensed as a nation (some of us at least) that these police agencies in other countries that were being so repressive were somehow operating under our tutelage, and with our support and blessings.”

Im kalten Krieg wurde also eine ganze Generation von Offizieren herangezüchtet, die es als „natürlich“ ansahen, dass sich das Militär auch (in Friedenszeiten) politisch engagiert und das Instrument der Wahl ist, wenn „nation building“ (Wiederaufbau ziviler Strukturen nach einem Krieg) auf der Agenda steht. Die subversive Rolle des US-Militärs beim Aufbau staatlicher Machtstrukturen in anderen Ländern (wie z.B. das Training von Polizeikräften) wird also als quasi selbstverständlich angesehen und nicht als Verletzung der Souveränität und des Selbstbestimmungsrechts anderer Nationen.

KILLING DEMOCRACY IN IRAN

Kinzer ShahAls Beispiel für diese folgenschwere Einmischung nennt Colonel Prouty den Iran, den die CIA schon 1949 infiltriert hatte und die laut Prouty „überall im Iran die Finger im Spiel hatte“:

Die Agency hat die iranische Fluggesellschaft gegründet und viele andere Organisationen dieser Art. […] Das führte zu Programmen, in denen tausende junge Iraner, die in den USA ausgebildet wurden, wieder in den Iran „importiert“ wurden, weil sei als zukünftige Führungspersönlichkeiten vorgesehen waren.

Die CIA hatte auch ein umfangreiches Dossier über tausende Leute im Iran, die nach einem Umsturz nützlich sein konnten. Dazu gehörten die unterschiedlichsten Berufe wie Techniker, Ärzte, Journalisten, Lehrer, etc. Aus Proutys Sicht war der Iran der erste Testfall für die Planung und Kontrolle einer Zivilgesellschaft durch die CIA. Das Ergebnis dieser systematischen Subversion war (nach Operation Ajax) die Schreckensherrschaft durch Shah Reza Pahlevi, für den ja auch in Deutschland der rote Teppich ausgerollt wurde, wenn er zu Besuch kam.

KILLING DEMOCRACY IN CHILE (und Operation Condor)

pino_cover250Ein weiteres Beispiel für die subversive Indoktrination bzw. Infiltration des Militärs und der Zivilgesellschaft in einem anderen Land, ist natürlich Chile. Der demokratisch gewählte, sozialistische Präsident Salvador Allende wurde durch einen Putsch der Armee gestürzt und durch den brutalen Militärdiktator Pinochet ersetzt. Jener General Pinochet, der in den USA für solche Zwecke „ausgebildet“ worden war. Dazu Prouty:

Pinochet is the man we trained. Allende, we said was a Communist, a Socialist, and so on. So, we reap what we sow when we get that sort of thing. That’s really what I’m trying to say in the book — that this is the way things were going within the world of the Secret Team. Pinochet

This also reveals that, when the Kennedy administration began to realize some of the activities that were going on — how they had been going on — they began to make major changes. They began to stop some of these activities. It’s that kind of pressure — that universal pressure not any given point, but that universal pressure against the system that was heavily implanted — that led to Kennedy’s death.

MILITARY ASSISTANCE (MILITÄR-HILFE ALS TROJANISCHES PFERD)

Das Programm wird in jedem Land kontrolliert von der “Military Assistance Advisory Group” (MAAG). Die CIA hat sowohl militärisches als auch ziviles Personal in diese Organisation eingeschleust und in manchen dieser Gruppen findet man mehr CIA-Leute als Offiziere. Wie Prouty betont, würde die CIA die Existenz dieser „Maulwürfe“ natürlich bestreiten, sollte man sie darauf offiziell ansprechen und darauf hinweisen, dass diese ja als „militärisches Personal“ deklariert seien, womit sie formal auch zum Militär gehörten und nicht zur CIA. Dass diese „Funktionen“ nur Tarnung sind, ist aber kein Thema.

US Flag Around the EarthDas „Military Assistance Program“ (MAP) ermöglichte eine neue Definition der Rolle und Verantwortlichkeiten der amerikanischen Streitkräfte, erklärt Prouty. Dies sei am Anfang durchaus plausibel gewesen, doch im Laufe der Jahre wurde diese (subversive) Doktrin Teil der „militärischen Denke“ beider involvierten Länder, der USA und des jeweiligen „Gastlandes“ und führte dazu, dass die Rolle des US-Militärs immer penetranter wurde:

This led to a very sophisticated form of direct intervention in the internal affairs of the forty host countries, and in some cases, it resulted directly in the separation of that nation’s armed forces from its political control through practices that will be explained. In this sense the elaborate statements of mission of the mutual security programs are a refined cover story.

ENGINEERING CIVIL WARS „ON DEMAND”

Das MAP wurde also ein (getarntes) Instrument des “Secret Team” (ST), um seine Präsenz im Militärapparat und in politischen und zivilen Organisationen des Gastlandes „bei Bedarf“ so zu verstärken, dass es zum Ausbruch offener Feindseligkeiten kommt. So wird die „Feuerwehr“ (die offiziell für mehr „Sicherheit“ vor Bränden sorgen soll) in Wahrheit zum politischen Brandstifter …

(Als aktuelles Beispiel gibt es ja die Ukraine, wo natürlich auch moderne Methoden angewendet wurden – wie die von Gene Sharp, Details dazu siehe den Blog „Fata Maidana“ – um eine unerwünschte Regierung zu entfernen, aber auch auf alte Nazi-Netzwerke zurückgegriffen wurde …)

US military and CIA interventions since WW2Eine Quelle diese Doktrin war die Civil Affairs School in Fort Gordon (Georgia). In dieser Militärakademie wurde im zweiten Weltkrieg ein Programm mit dem Titel „Zivile Angelegenheiten und die Militärregierung“ (CAMG) unterrichtet. Die dort ausgebildeten Offiziere sollten nach dem Krieg in Europa (in Ländern, die davor vom Dritten Reich besetzt waren) beim Aufbau einer neuen Verwaltung „behilflich sein“. Diese Männer waren also mehr für politische Aufgaben ausgebildet worden, als für militärische.

DIE NEUE SA: PARAMILITÄRISCHES TRAINING FÜR „INTERNAL SECURITY“

Prouty schreibt, dass amerikanische Soldaten in den 1950er Jahren keinerlei Erfahrung mit sogenannten „paramilitärischen Einheiten“ hatten und dass ein entsprechendes Trainingsprogramm entscheidend zur Indoktrination einer ganzen Generation von Militärs und ihren zivilen Pendants beigetragen hat. Gleichermaßen wurden auch zehntausende ausländische Absolventen dieser Akademien (wie in Fort Bragg) dadurch massiv beeinflusst und manipuliert.

Die offizielle Definition der US Armee für paramilitärische Gruppen in den 1950er Jahren lautete:

We Americans are not very well acquainted with this type of organization because we have not experienced it in our own country. It resembles nothing so much as a private army. The members accept at least some measure of discipline, and have military organization, and may carry light weapons. In Germany in the 1920’s and early 30’s the parties of the right … had such organizations with membership in the hundreds of thousands. It is readily apparent what a force this can be in the political life of a country, particularly if the paramilitary forces are armed, when the supremacy of the Army itself may be threatened.“

Am Anfang wurde den Kursteilnehmern beigebracht, wie man militärische Einheiten trainiert, damit sie mit den einheimischen Kräften arbeiten können. In vielen Ländern war die Rolle der US Armee (über die CIA Strukturen) getarnt. Diese trainierte aber nicht die legitimen Streitkräfte des Gastlandes, sondern die paramilitärischen Einheiten, die Teil einer Struktur wurden, mit der die Armee (notfalls) auch ausgeschaltet werden konnte.

MockingbirdIn anderen Fällen arbeitete die CIA mit der Polizei, doch das Ergebnis war das gleiche und basierte auf der offiziellen Doktrin der US Armee: mit amerikanischer „Hilfe“ können die so trainierten Streitkräfte „eine entscheidende Rolle beim Aufbau starker, freier Nationen leisten, deren Regierungen wahre Repräsentanten ihres Volkes sind.“

Das war also die Version, die eine noble Mission vorgaukeln sollte. Doch wie Prouty sarkastisch anmerkt, wäre es extrem schwer, auch nur einen einzigen Fall anzuführen, wo dies auch tatsächlich eingetreten ist.

Tatsächlich passierte genau das Gegenteil: diese Militärs waren das imperialistische Werkzeug zum Sturz von Regierungen, die noch am ehesten den Willen des Volkes repräsentierten und stattdessen faschistische Diktaturen etablierten und mit brutaler Repression an der Macht hielten. (z.B. in Uruguay, Chile, Argentinien, Bolivien, Peru, etc.)

Dort, wo in Krisengebieten die “Rebellen” vertrieben worden waren, wurde dem Militär die Doktrin der „Pacification“ eingehämmert, in der es offiziell nur um die Wiederherstellung von „effective government and security“ ging. Doch in Wahrheit wurde die „Ordnung“ durch brutale Repression und Terrormethoden der „Spezialkräfte“ wieder hergestellt.

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr die Methoden der zivilen Subversion in diese Programme integriert, ganz im Sinne der CIA.

Im Handbuch für die Armee wurde im Kapitel „Pazifizierung“ darauf hingewiesen, dass man nicht nur das alte Regime durch neue Beamte ersetzen müsse, sondern auch die alten Sitten und Bräuche gleich mit „entsorgt“ werden:

The army turned itself into a social revolutionary force in the same way that the Chinese Red Army had done during the struggle with Chiang Kai-shek. Every army command started a far-reaching scheme for full civilian employment.“ In other words the local army was the new order, and the U.S. Army was being indoctrinated and trained by CIA instructors to do the same thing.”

Wir sehen also, dass das Militär auf diese Weise Aufgaben übernimmt, die weit über eine militärische Dimension hinausgehen: die Armee wird zum Instrument einer sozialen Revolution gemacht, die jener der Roten Armee in China sehr ähnlich ist. (Wie Prouty öfter betont, waren einige US-Generäle sehr vom „Kleinen Roten Buch“ Mao-Tse-Tungs beindruckt und benutzten es als Vorlage für ihre Schulungen …)

ST coverSchließlich findet man in den Gründen für die Bewilligung von „military aid“ durch die USA an ausländische Regierungen folgende entscheidenden Sätze:

  • Erstens, die Fähigkeit des Empfängerlandes, entscheidend zum Widerstand gegen „aktive Aggression“ (aus dem Ausland) beizutragen, wird durch den Aufbau entsprechender Streitkräfte [damit sind auch paramilitärische und Polizeikräfte gemeint, ergänzt Prouty] und Waffenarsenale maximiert.
  • Zweitens, die Fähigkeit des Empfängerlandes, die innere Ordnung aufrechtzuerhalten und Subversion unter Kontrolle zu haben, wird betont. …Hilfe für asiatische Länder soll dazu dienen, interne Subversion zu unterdrücken und, in geringerem Ausmaß, offene Aggression zu bekämpfen.“

Doch das zentrale Thema der (damals neuen) Militärdoktrin (subversive Übernahme ziviler Sicherheitsbereiche und damit letztlich Entmachtung einer gewählten Regierung) wird hier am deutlichsten zum Ausdruck gebracht:

It is not enough, however, to restrict leadership inputs to United States norms. Except in specifically defined circumstances, our Armed Forces have no operative responsibilities within national frontiers; conforming generally to the precepts of Western democracies, they are not an integral part of the mechanism for maintenance of law and order.

The prevailing concept is expeditionary – an instrument of latent power, unentangled domestically, ready for projection abroad should the exigency arise. Not so for the great bulk of the forces of the new nations. Their role has additional dimensions and their missions are actual as opposed to contingent. They are a key element in the maintenance of internal security and are largely determinant of whether stability or instability characterizes the routine of government. The Officer Corps is perforce deeply involved in domestic affairs…”

Zum Nachlesen: Kapitel 19 aus The Secret Team

Die beste Doku im Internet über die wahren Motive der US-Außenpolitik ist THE POWER PRINCIPLE – (in englischer Sprache)

 

http://www.informationclearinghouse.info/article31417.htm

… und der aktuelle Bezug zum Thema wozu  „Training“ durch das US-Militär?

(Dual Use: Einsatz als imperialistische Werkzeuge der Außenpolitik, bei Bedarf auch Vorwand für  „militärische Intervention“ …)

training rebels in Syria

 

 

 

 

 

 

 

Wenn „Tatort“ zur Propaganda wird …

Tatort kidonGestern lief in der ARD wieder eine Folge aus der Serie „Tatort“, die (laut Wikipedia) von fast 8,5 Millionen Menschen gesehen wurde. So what? Es läuft praktisch jeden Tag irgendwo ein „Tatort“ (alte Folgen werden bis zum Erbrechen wiederholt) und schließlich gilt diese Krimiserie als besonders hochkarätig, weil in den Drehbüchern auch brisante, gesellschaftspolitische Themen behandelt werden, die „Story“ sich also nicht nur auf die Lösung eines Mordfalles beschränkt.

Die gestern ausgestrahlte Folge (produziert vom österreichischen Rundfunk – ORF) trägt den Titel „Deckname Kidon und schon der Vorspann deutete an, dass es sich hier um etwas „besonderes“ handelt, denn die Namen der Schauspieler erschienen auf dem Bildschirm zuerst in persisch-arabischen Schriftzeichen, die dann in lateinische Buchstaben umgewandelt wurden. Das ganze wird begleitet von „orientalischer“ Musik …

Die Handlung wird von der ARD so zusammengefasst:

Aus dem obersten Stock eines Wiener Nobelhotels stürzt ein Mann in die Tiefe. Der iranische Diplomat und Atomphysiker Dr. Bansari verübte allem Anschein nach Selbstmord. Warum aber kaufte er für denselben Abend noch teure Opernkarten? Moritz Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner wollen der Frage nachgehen, doch sofort mischen sich die iranische Botschaft und das österreichische Außenministerium ein.

Der Fall unterliegt strengster Geheimhaltung – Laptop und Handy des Toten werden beschlagnahmt. Die beiden Ermittler sind angefressen, geben aber nicht auf. Das Überwachungsvideo des Hotels führt sie auf die Spur des zwielichtigen Lobbyisten Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé. Dieser hat mit Dr. Bansari einen geheimen Deal eingefädelt.

Eisner und Fellner finden heraus, dass es um Ventile und Pumpen geht, die für Kernreaktoren benötigt werden. Eine Zugladung der hochwertigen Bauteile soll über Drittländer in den Iran verschickt werden. Für die beiden Ermittler beginnt ein Wettlauf mit der Zeit – und dem israelischen Geheimdienst Mossad.

WARUM  IST  DIESER „TATORT“  EINDEUTIG  POLITISCHE PROPAGANDA?

„Tatort“ ist eine Unterhaltungssendung und somit sind Handlung und Personen in der Regel fiktiv, doch der politische u. gesellschaftliche Rahmen in den die Ereignisse eingebettet sind, soll ja realistisch wirken, deshalb werden hier Fakten und Fiktion mehr oder weniger unvermeidlich vermischt.

Man baut reale Personen oder reale Umstände und Hintergründe in das Drehbuch ein und für den durchschnittlichen Zuschauer ist es schwer möglich, eine klare Trennlinie zwischen Wahrheit und Erfindung auszumachen. Personen, die als reale Vorbilder für bestimmte Rollen dienen, werden natürlich mit einem anderen Namen versehen, um dem Vorwurf der Verleumdung- und Rufschädigung auszuweichen.

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: MENSDORFF-POUILLYSo weiß z.B. jeder Österreicher, dass die fiktive der Figur des „Grafen Trachtenfels-Lissé“ in diesem Tatort angelehnt ist an den realen, österreichischen Lobbyisten (vor allem der britischen Rüstungsindustrie u.a. Unternehmen) Graf Mensdorff-Pouilly, der zwar wegen „Geldwäsche“ angeklagt, aber von diesem Vorwurf freigesprochen wurde. Dass praktisch alle Rüstungsgeschäfte mit Bestechung (Zahlung von „Schmiergeldern“) verbunden sind, ist eine hässliche Realität, aber die Leute, die solche Geschäfte vermitteln, sind natürlich nicht das Hauptproblem, sondern nur Symptom einer Krankheit, die 1967 von Martin Luther King so treffend beschrieben wurde und in zwei Sätzen auf den Punkt gebracht werden kann:

mlk beyoond vietnam--spiritual death

 

Ein Staat, der  Jahr für Jahr mehr Geld für Rüstung ausgibt, als für die Verbesserung der sozialen Bedingungen, ist dem spirituellen Tod nahe …“

 

Mein Land ist der größte Exporteur von Gewalt in der Welt von heute“   (daran hat sich nichts geändert …)

O-Ton: […] I knew that I could never again raise my voice against the violence of the oppressed in the ghettos without having first spoken clearly to the greatest purveyor of violence in the world today: my own government. For the sake of those boys, for the sake of this government, for the sake of the hundreds of thousands trembling under our violence, I cannot be silent.”

DER BÖSE, BEDROHLICHE IRAN – FAKT ODER FIKTION?

Die zentrale politische Aussage (und Handlungs-Prämisse) dieses „Krimis“ ist, dass der iranische Staat nach Atomwaffen trachtet und sich über die Sanktionen des Westens hinwegsetzt, um über dunkle Kanäle an Material heranzukommen, das zur Herstellung von Nuklearwaffen notwendig ist.

porterFür diese Behauptung (die von Washington und Tel Aviv lanciert wurde, um den Iran politisch zu isolieren und als russlandfreundliche Regionalmacht zu zerstören ) gibt es aber bis heute keinerlei Beweise.

(Fakt ist, dass der Iran als Unterzeichner des NPT das Recht hat, Atomreaktoren zu betreiben, die der Energiegewinnung dienen. Die Beschaffung von „Ventilen“, die auch für AKWs verwendet werden könnten, stellt daher in keiner Weise eine kriminelle Handlung oder den Bruch von Verträgen dar. Die Suggestion, dass die verhängten “Sanktionen” mit dem Völkerrecht konform sind, ist ebenfalls ein Trugschluss.)

 

Sie wurde einfach jahrelang so oft in den Medien wiederholt, bis die meisten „Zuschauer“ (in der „Zuschauerdemokratie“) dieses Hetz- und Dämonisierungskampagne zum Opfer gefallen sind. Das gleiche perfide Schauspiel gab es ja auch gegen Saddam Hussein, den libyschen Staatschef Gaddafi und den syrischen Präsident Assad, doch im Moment ist eindeutig Vladimir Putin auf dem medialen Weg zum „neuen Hitler“, der die Welt mit seiner „Aggression“ bedroht.

Dass die speichelleckende, korrupte Journaille in Deutschland und Österreich sich seit Jahren für dieses unwürdige Theater hergibt (Zerstörung der Glaubwürdigkeit von Staaten bzw. deren Behandlung als Aussätzige, die ökonomisch u. schließlich auch militärisch angegriffen werden, weil sie es gewagt haben, sich nicht zum Vasall der USA degradieren zu lassen) kann ja spätestens nach der Veröffentlichung des Buches „Gekaufte Journalisten“ auch als gesicherte Tatsache angesehen werden.

Ich habe zu diesem Thema ja schon mehrere Artikel geschrieben, in denen ich die „Kanaille“ der Medien (Journaille kann man das nicht mehr nennen) häufig als „Journ-autisten“ bezeichne, weil ihre Darstellung der politischen Realität so absurd ist. Sie machen Propaganda, geben sich als „Multiplikatoren“ für bewusst verbreitete Desinformation und Lügen her, die eine gewünschte Stimmung in der Bevölkerung erzeugen soll und lassen sich dafür auch noch fürstlich entlohnen. Dieses Gesindel fühlt sich dann (dank genossener Privilegien) auch noch als Teil der intellektuellen „Elite“.

Herr Ulfkotte spricht von „Alpha-Journalisten“, ich denke „Alpha-Arschlöcher“ wäre mehr angebracht:

Goebbels PressSie haben nicht nur die journalistische Ethik verraten und verkauft, sondern ermöglichen durch ihre willfährige Unterstützung auch die moralische „Rechtfertigung“ von Verbrechen (Subversion, Umstürze, angezettelte Bürgerkriege, Massenmord, synthetische Terroristen, etc.) der einzigen „Supermacht“ samt ihren Vasallen in der EU und anderswo.

Damit stehen sie nach meiner Ansicht moralisch auf der gleichen Stufe wie die Presse im Dritten Reich … Nein, eigentlich sind sie noch schäbiger, denn unter Hitler musste man damit rechnen von der Gestapo abgeholt zu werden. Unsere Papageien-Presse muss nur um die Karriere fürchten … (siehe dazu Ulfkotte).

Anders formuliert: wir werden von morgens bis abends von den Medien verarscht und (im Fall von ORF, ARD und ZDF) auch noch gezwungen, für diese systemische Verblödung „Gebühren“ zu bezahlen.

Dass die „Nachrichten“ und Talk-Shows massiv von politischen Netzwerken beeinflusst werden, die im Hintergrund die Fäden ziehen und als eine Art „Denkpolizei“ erfolgreich die öffentliche Meinung steuern (auch bei den Journalisten selbst), dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben (dank mutigen Leuten wie Ken Jebsen, Jürgen Elsässer oder Christoph Hörstel).

Was wir hier, in diesem „Tatort“ erleben, ist die Unterwanderung von Unterhaltungssendungen mit politischer Propaganda, die das künstlich produzierte „Feindbild Iran“ weiter verstärken soll. Die nächste Frage muss also lauten: Cui Bono?

statue of tortureWer hat etwas davon, den Iran zu dämonisieren und als Erzschurkenstaat zu präsentieren? Die Antwort darauf ist schnell gefunden: Washington und Tel Aviv. Diese beiden politischen Kräfte (radikale Gruppen in diesen Ländern, innerhalb und außerhalb der Regierung) lassen ja seit Jahren nichts unversucht, den Iran als Bedrohung für den Weltfrieden darzustellen, gegen den der Westen mit seinen „Werten“ entschlossen vorgehen muss. Was für eine unerträgliche Farce das alles ist.

Der jüngste „Folterbericht“ des US-Senates stellt klar, welche „Werte“ hier tatsächlich vertreten werden …

DIE ROLLE DES MOSSAD ALS „SCHWERT DER GERECHTIGKEIT“

Iran stopped Nuclear ProgramIn diesem „Tatort“ wird aber nicht nur das „Atomprogramm“ des Iran als illegal und gefährlich hingestellt, sondern gleichzeitig die Rolle Israels (in Form des Geheimdienstes Mossad) geradezu verherrlicht, wobei man sich fragen muss, wer solche Drehbücher verfasst (Max Gruber, eine undurchsichtige Figur) und welche Zwecke damit verfolgt werden.

Das Buch ist nicht besonders intelligent: Wenn ein Geheimdienst jemand umbringt und einen Selbstmord oder Unfall vortäuschen will, stellt er sich sicher nicht so dumm an, wie im Film anfangs suggeriert wird.

Das ist doch Selbstmord, was machen wir denn da überhaupt?“, motzt Eisner über den Einsatz am Sonntagmorgen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Schluckt jemand Kopfschmerz-Tabletten zum Frühstück, hängt sein Handy an die Ladestation, bestellt noch teure Opernkarten und bringt sich dann um? Eisner und Fellner kommen Zweifel. Diese wachsen noch, als ein iranischer Botschaftssekretär in das Hotelzimmer platzt, einfach wichtige Beweisstücke einsammelt und sich höflich verabschiedet – mit Verweis auf seine Immunität.“

(Quelle: Stern bzw. dpa / C. Bock)

Dass es kein Selbstmord war liegt also von Anfang an ganz klar auf der Hand, nicht nur wegen der oben geschilderten Aktivitäten (wer geht als „iranischer Diplomat“ in ein Nobelhotel und springt von dort aus dem Fenster auf ein parkendes Auto, mitten in Wien, wodurch massive Aufmerksamkeit garantiert ist? Und wo ist das Motiv?) Warum sollte sich überhaupt ein „Atomwissenschaftler“ nach Wien begeben, um einen Deal für Ventile abzuwickeln? Das ist doch lächerlich …)

Der barsche Polizei-Major Eisner ist stinksauer. Doch sein aalglatter Vorgesetzter Ernst Rauter (Hubert Kramar) wäscht ihm den Kopf. Der Tote sei führender Kopf des iranischen Atomprogramms gewesen und habe an der nuklearen Aufrüstung seines Landes gearbeitet. Rund um die Welt soll Bansari am Handelsembargo vorbei Material besorgt haben. Schon ein halbes Dutzend solcher iranischer Experten seien mehr oder weniger mysteriös ums Leben gekommen, sagt der Chef. „Einige wurden gezielt eliminiert oder sind „verunfallt“.“ Möglicherweise stecke dahinter eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes.“

Herr Bock von der dpa suggeriert also, dass die „nukleare Aufrüstung“ des Iran real sei,  traut sich aber nicht einmal den Namen „Mossad“ zu erwähnen und ist offensichtlich bemüht, die Ermordung iranischer Physiker (und anderer Iraner, die wirklich stattfindet) im Auftrag israelischer Geheimdienste als reine Spekulation abzutun. Wo ist hier also die Grenze zwischen Realität und Fiktion?

BÖSER IRAN – GUTES (GERECHTES) ISRAEL

sword-of-justiceDie Öffentlichkeit soll die – suggerierten – finsteren Absichten des Irans als Tatsache akzeptieren, während die Rolle des Mossad (und der ominösen „Spezialeinheit“ Kidon) als Organisator „gezielter Tötungen“ (staatlich organisierte Morde) zunächst angezweifelt wird, aber am Ende des Filmes als grandioses Finale, nämlich als Sieg der Gerechtigkeit inszeniert wird.

Dem zwielichtigen, selbstherrlichen Grafen (der als Vermittler des „illegalen Geschäftes“ mit Ventilen tätig war) kann das BKA laut Drehbuch nichts anhaben, weil er offenbar von einflussreichen österreichischen Politikern geschützt wird.

Das „Böse“ siegt also über die Gerechtigkeit und dem adeligen Mittelsmann für dunkle Geschäfte legt der Drehbuchautor auch noch am Ende folgende Worte in den Mund:

Herr Eisner, Sie können nicht gewinnen. Wir haben das Geld, wir haben die Beziehungen und wir scheißen uns nichts. Und Sie? Sie haben kein Geld, keine Beziehungen und müssen sich an die Regeln halten.“

Während also Eisner hier die eigene Impotenz gegenüber solchen Netzwerken der Macht demonstriert wird, taucht plötzlich ein Motorrad mit zwei Personen auf, diese erschießen nicht nur den „bösen“ Grafen (der im Auto sitzt) am helllichten Tag in Wien, (Kamera zeigt die blutigen Schusswunden am Kopf als Nahaufnahme) sondern lüften dann auch noch das Visier des Helmes, damit Eisner sieht, wer die Mörder sind.

Es sind jene zwei Mossad-Agenten (eine Frau und ein Mann), die schon vorher Eisner’s Mobiltelefon mit einem Trojaner ausspioniert hatten und deshalb Einblick in die Ermittlungen hatten. (In der politischen Mord-Realität wird natürlich in solchen Fällen nicht geschossen, sondern mit Sprengsätzen gearbeitet)

Der „Hammer“ kommt aber ganz am Ende der Tatort-Folge, denn die letzte Szene zeigt Eisner, wie er vor seinem Vorgesetzten aus dem Innenministerium aussagt, es sei alles so schnell gegangen, man habe nichts tun können um die Täter zu fassen. Dabei lassen sein Gesichtsausdruck und sein Ton darauf schließen, dass er dieses Verbrechen eigentlich nicht bedauert, im Gegenteil …

Den Zuschauern wird also suggeriert, dass ein Beamter des österreichischen Bundeskriminalamtes die Ermordung eines österreichischen Staatsbürgers durch einen ausländischen Geheimdienst gutheißt, weil das Opfer dieses Anschlags es „verdient hatte“ bestraft zu werden, auch zu sterben.

Da er wegen seiner Kontakte zu hohen Politikern das normale Rechtssystem umgehen konnte und illegale Deals einfädelte, die (so die Suggestion) den Bau von iranische Atomwaffen möglich machen würde, sei das quasi eine Art „höhere“ Gerechtigkeit.

just-warDie unheimliche Macht des Staates Israel, dessen psychopatische Version von „Gerechtigkeit“ zig-tausenden Menschen Elend und Tod gebracht hat, wird also dargestellt als Schwert der Vergeltung, fast wie der Vollstrecker eines göttlichen Urteils … die „Feinde“ Israels werden diesem Urteil nicht entkommen …wer schreibt so ein Drehbuch für den Tatort? Anstatt die Mörder (oder Auftraggeber aus Israel) zu fassen, werden sie als Helden der Gerechtigkeit dargestellt?

Wer sich „an die Regeln hält“, wird also verlieren? Soll heißen Gesetze (im moralischen und rechtlichen Sinn) dürfen und sollen, ja müssen gebrochen werden, damit „Gerechtigkeit“ (aus israelischer Sicht) hergestellt wird?

In einem älteren Blog habe ich über diese fanatische Selbstgerechtigkeit Israels (moralischer Absolutismus) u.a. geschrieben:

„Aus dieser Perspektive sind die Ausführungen von Herrn Augstein ein Affront, weil sie die verlogene Selbstdarstellung der israelischen Regierung (und des Zionismus als emanzipatorisches, moralisches  Unternehmen) gewaltig ins Wanken bringt.  Das „Opfervolk“ als gefährliche und unheimliche Atommacht zu präsentieren, für die die gleichen Spielregeln gelten müssen, wie für den Iran – also Kontrollen durch die IAEA, von der Unterfertigung des NPT (Iran hat unterzeichnet und nichts verbrochen, wird aber trotzdem sanktioniert) ganz zu schweigen – das geht nun aber wirklich nicht.“

Dieser „Tatort“ ist ein Skandal und die Verantwortlichen bei ORF, ARD, aber vor allem der Drehbuchautor müssten öffentlich Rede und Antwort stehen, was sie eigentlich mit diesem „Krimi“ wirklich bezwecken wollten. (Das „framing“ in den „Nachrichten“ durch „embedded spin“ im Unterhaltungssektor zu verstärken?)

Wenn diese Art der „psychologischen Operation“ (PSYOP) zum Vorteil der israelischen Regierung als „Unterhaltung“ durchgeht, dann steht uns noch Schlimmes bevor …

Können wir es uns leisten, dieses System weiterhin mit unseren Gebühren zu unterstützen? Die Hetze gegen den Iran, gegen Syrien und jetzt vor allem gegen Russland (Putin) als „Routine“ abtun, die in allen „Informationssendungen“ zur Normalität gehört?

Und jetzt werden auch noch die Unterhaltungsfilme dazu missbraucht, Stimmungen zu schüren und Verbrechen Israels zu verharmlosen?

Bacevich targeted killings

Prof. Andrew Bacevich (der seinen Sohn im zweiten Irak-Krieg verloren hat) schrieb in diesem Kontext („Gezielte Tötungen“) allerdings bezogen auf die USA, nicht Israel (aber die beiden sind ohnehin, moralisch betrachtet, siamesische Zwillinge) vor einiger Zeit:

Der Präsident darf jetzt [im Kampf gegen den „Terror“]  jeden umbringen […] Die Rolle, die man dem amerikanischen Volk dabei zugedacht hat,  besteht darin, zu applaudieren … falls, es über eine erfolgreiche „Aktion“ (Ermordung) dieser Art informiert wurde.“

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Drehbuchautor dieses „Tatorts“ (und seine Auftraggeber) ähnliche Reaktionen beim Publikum auslösen wollten.

Was muss noch passieren, damit wir uns gegen diese Manipulation der Wahrnehmung wehren, die uns für den nächsten Krieg einstimmen soll?

ANHANG

Hintergründe und geopolitischer Kontext zur Dämonisierung des Iran und der Rolle der USA & Israels:

https://medienschafe.wordpress.com/2012/04/20/grass-thinkpol-4-the-dark-stars/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/04/15/grass-und-die-thinkpol-3-iran-vs-israel/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/10/15/es-ist-angerichtet-churnalism-2012/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/07/22/superman-is-jack-the-ripper/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/06/09/monster-morder-moralapostel-3-terrorr-us/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/06/07/monster-morder-moralapostel-2/

https://medienschafe.wordpress.com/tag/iran/

Link zum Tatort (nur in Deutschland):

http://mediathek.daserste.de/Tatort/Deckname-Kidon-H%C3%B6rfassung-Video-tgl-/Das-Erste/Video?documentId=25668026&topRessort=tv&bcastId=602916

 

 

 

   

 

 

 

 

Obama und die vierzig Räuber (1)

Devil's GameISIS führt einen Krieg gegen die breitere internationale Gemeinschaft und der Präsident ist entschlossen, eine internationale Koalition aufzubauen und zu führen, die den Kampf zu ihnen trägt. Es ist also so, dass in der gleichen Weise wie die USA sich [seit 9/11] im Krieg mit Al Kaida und ihren weltweiten Ablegern befindet, sie auch (jetzt) gegen Isis Krieg führt.“

Joshua Earnest, Pressesprecher des Weißen Hauses am 12. September 2014 auf die Frage: Ist Amerika im Krieg?

Ja, liebe Kinder, die Märchen aus 1001 Nacht sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Schöne Geschichten aus dem Orient über gerechte Kalifen, mutige Männer aus dem einfachen Volk, fliegende Teppiche und clevere Sklavinnen, die Bauchtänze aufführen.

Stattdessen sind die zentralen Figuren der neuen Märchenstunden (die heute „tagesschau“, „heute-journal“ oder „Reportagen“ in den Printmedien heißen) meistens sehr unsympathische und furchterregende Gestalten, die als „Terroristen bzw. „radikale Islamisten“ in 30 Sekunden Videos über den Bildschirm flimmern.

Da die alte Schurkenbande namens „Al Kaida“ das Publikum nicht mehr in den Bann zog (man hatte sich schon daran gewöhnt und der abgedroschene „Terrorpate“ und CIA-Angestellte Bin Laden hatte die Bühne auch schon verlassen), entschieden die Märchenverfasser, eine neue „Marke“ für den Terror zu kreieren: ISIS, ISIL oder IS für „Islamischer Staat“.

black synthetic terroristsKostümiert in schwarzen Trainingsanzügen samt Nike-Turn-schuhen und ausgerüstet mit brandneuen Toyotas (von den Waffen und der professionellen PR ganz zu schweigen) sind sie die aktuellen Hauptdarsteller in der Neuauflage des „Krieges gegen den Terror“, der ja nach „9/11“ vom damaligen Märchenonkel „Dubya“ Bush (GWB) der Welt aufs Auge gedrückt wurde.

Das Gestammel von GWB wurde inzwischen durch die beeindruckende Rhetorik von Barack Obama ersetzt, doch die fiktive storyline hat sich (seit 1945) nicht geändert:

DER  NACKTE  IMPERATOR  GEGEN  DARTH  VADER

Cartoon Obama & terroristsDer amerikanische Präsident tritt (wie eh und je) als entschlossener Gegenspieler dieser Bösewichte auf, die (diesmal) nach Darstellung der Verfasser) mit ihrem (religiösen) Fanatismus den Weltfrieden gefährden (vorher waren es ja die „bösen“ Kommunisten). Der edle Ritter auf dem weißen Pferd im Kampf gegen „das Böse“ in Schwarz, das sind ja uralte manichäische Vorstellungen, die von den Eliten in den USA stets hochgehalten wurden. Schließlich braucht man für sich und die Welt eine Rechtfertigung für die ständige Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder und die damit verbundene, systematische Verletzung des Völkerrechts.

Freedom“ bedeutet in der Geopolitik ja „ihr seid frei, das zu tun, was Amerika will“ und wer nicht versteht, das „amerikanische Interessen“ auf dem ganzen Globus Vorrang haben, der hat schon verloren…

Märchenonkel Obama sprach jüngst vor der UN-Vollversammlung von „einem Netzwerk des Todes“, das die USA nun zerschlagen werde, da es für die Grausamkeit von ISIS „keinerlei Rechtfertigung“ gäbe. Er sagte u.a. wörtlich:

Diese Gruppe hat alle terrorisiert, die ihr über den Weg gelaufen sind (im Irak und in Syrien): Von der Vergewaltigung von Müttern, Schwestern und Töchtern als Kriegswaffe, dem Niedermähen von unschuldigen Kindern, den Leichen in Massengräbern bis zum gezielten Aushungern religiöser Minderheiten. In den schlimmsten Verbrechen, die man sich überhaupt vorstellen kann wurden Menschen enthauptet und diese dann auch noch als Videos verbreitet um das Gewissen der Welt zu schockieren“.

Was die Grausamkeit dieser „Gotteskrieger“-Karikaturen betrifft, sagte der US-Präsident die Wahrheit. Doch diese Kreaturen haben schon seit drei Jahren in Syrien (und auch schon vorher im Irak bzw. in Libyen) unvorstellbare Verbrechen begangen, die aber weder Obama noch seinen Vorgängern und maßgeblichen Beratern im Nationalen Sicherheitsrat schlaflose Nächte bereiteten. Warum? Weil man in jenen Kreisen, die die amerikanische Außenpolitik steuern, noch nie ein Problem damit hatte, Menschen umzubringen (oder zu foltern), solange es „die richtigen Leute“ sind.

Die „Richtigen“ sind einzelne Personen, Gruppen oder Regierungen, die die Unverschämtheit besitzen, das theoretische Recht auf politische u. wirtschaftliche Selbstbestimmung ernst zu nehmen und offenbar nicht begriffen haben, dass die Integration in ein von Washington u. London dominiertes Wirtschafts- u. Finanzsystem keine Option sondern eine Verpflichtung ist (wenn man nicht wie Saddam oder Gaddafi (u. andere davor) enden will – Putin bekommt das ja gerade auch zu spüren.

Das Gleiche gilt natürlich für Staaten, die sich weigern, Israel gegenüber ein gehorsamer Diener zu sein: Die „Außenpolitik“ Israels gegenüber arabischen Nachbarländern, die nicht vor den Zionisten zu Kreuze kriechen (wie Irak, Syrien und Iran, aber auch des weiter entfernt liegenden Libyen) lässt sich einfach auf den Punkt bringen:

Wer sich nicht mit uns einigt (unsere kriminelle Expansionspolitik akzeptiert und dafür häufig Geld von den Amerikanern erhält), wird als souveräner Staat zerstört. Die Zionisten sind so selbstgerecht, dass sie diese Pläne auch in schriftlicher Form ankündigen und sich gleichzeitig darauf verlassen können, dass unsere Medien davon keine Notiz nehmen.

ISIS  ALS  VORWAND  SYRIEN  ZU  BOMBARDIEREN

statliberty-with-gunDas „märchenhafte“ an Obamas Darstellung des Terrorproblems im Irak ist, dem Publikum einzureden, Amerika müsse neues Geld für „counter-terrrorism“ ausgeben, um die Isis-Schurken zu besiegen (die man selbst geschaffen hat). Indem man die „gemäßigte Opposition“ (die es nicht gibt) in Syrien unterstützt (mit noch mehr Geld, Waffen und neuerdings auch Bombenangriffen), soll den Neandertalern von Isis vermeintlich der Garaus gemacht werden. Jeder Staat, der dabei nicht mitmacht, sei quasi ein verantwortungsloser Drückeberger und so müsse die USA – wieder einmal – alleine die Führungsrolle im Kampf gegen das Böse übernehmen.

Dieser Quatsch wird uns seit „9/11“ als seriöse Berichterstattung über die „Terrorgefahr“ präsentiert, obwohl es sich (außerhalb der „Märchenstunde“) nicht mehr leugnen lässt, dass diese Karikaturen von „gewalttätigen Islamisten“ (wie schon in Afghanistan in den 1980er Jahren) in Wahrheit nur Werkzeuge der US-Außenpolitik sind. Natürlich braucht man dafür Verbündete in der Region, die man (zu deren Vorteil) destabilisieren will und die sind ja auch bestens bekannt:

truthinadvertising-Israel, Saudi Arabien, die kleinen Golfstaaten (UAE, Bahrein, Katar), die allesamt Petrodollar-Diktaturen sind; Jordanien, seit seiner Entstehung der Vasallenstaat des anglo-amerikanischen Imperialismus par excellence und natürlich das trojanische Pferd am Bosporus, der Militär-Mafia-Staat Türkei, der eine Art Logistikzentrum zur Einschleusung europäischer „Jihadis“ darstellt. Ägypten steht natürlich auch unter der Fuchtel des amerikanisch-zionistischen Imperiums, man zahlt ja nicht umsonst jährlich etwa 2 Milliarden Dollar an „Militärhilfe“ an den Staat, der schon 1978 mit Israel einen Friedensvertrag geschlossen hat. Das Militär in Ägypten steht immer bereit, wenn es gilt, das Ergebnis einer „falschen“ Wahl zu korrigieren, wie man am Beispiel Morsis und der Muslim-Bruderschaft (Kleenex-Kolonialpolitik: „nach Gebrauch wegwerfen“) gesehen hat.

MANUFACTURING CONSENT (FOR WAR)

Die Unwilligkeit der amerikanischen Bevölkerung sich wieder in einen Krieg im Irak und in Syrien einzulassen, konnte natürlich nicht so einfach hingenommen werden. Deshalb wurden die altbewährten Rezepte der Propaganda wieder angewendet, die Harold Lasswell so auf den Punkt gebracht hat:

Der Widerstand gegen Krieg ist in modernen Nationen so groß, dass jeder Krieg als Verteidigung gegen einen bösartigen, mörderischen Aggressor erscheinen muss. Es darf keinerlei Zweifel daran geben, wen die Öffentlichkeit hassen muss.“

(für ihn war Propaganda ein legitimes Werkzeug, mit dem eine „demokratische“ Regierung die Zustimmung der Bürger – für alles – erlangen konnte. Das „Volk“ war für ihn ohnehin nicht in der Lage, selbst über sein Schicksal zu bestimmen und musste entsprechend bevormundet und getäuscht werden, damit das „Richtige“ getan wird, auf dieser Grundlage werden wir „demokratisch“ regiert )

Damit die auf Kindergartenniveau reduzierten Zuschauer sich in der Märchenstunde also richtig fürchten, genügt es nicht, vermummte Männer mit Gewehren zu zeigen, die auf Toyota-Pickups durch die Wüste fahren und „Allah-u-akbar“ rufen. Auch die Ermordung tausender Syrer (Muslime u. Christen) „zog“ nicht, weil man diese Bilder in den Medien nicht zeigte (da wäre doch das Märchen von der „gemäßigten“ Opposition ins Wanken geraten).

Was also tun? Zuerst „Meldungen“ verbreiten, dass die Zahl der Isis-Kämpfer auf mehr als 30.000 angeschwollen und diese unheimliche Brigade quasi nicht mehr aufzuhalten sei (angeblich hatte das irakische Militär alles stehen und liegen gelassen und die Flucht ergriffen als die „Jihadis“ vor der Tür standen)

Foley staged exeDann Videos produzieren, die „Enthauptungen“ von weißen (amerikanischen, später auch europäischen) Männern zeigen – damit löst man so starke Emotionen aus, dass ein „Eingreifen“ des Westens (natürlich wieder unter Führung der USA) unabdingbar ist. Empört über diese unfassbare „Barbarei“ muss doch der „leader of the free world“ (der nom de guerre des US-Präsidenten) das Kommando übernehmen und unsere „Werte“ mit Bomben verteidigen ….

Das Dumme ist nur, dass informierte Kreise die Echtheit dieser Schock-Videos anzweifeln. Ich tue das auch: Warum?

  • die Aufnahmen sehen nach blue-screen aus (die Personen sind nicht in der Wüste, sondern in einem Filmstudio, vor einem blauen (oder grünen) Hintergrund; die Wüstenszenerie wurde extra eingefügt, was man an den Konturen erkennen kann …)
  • die kurz vor der Exekution stehenden Gefangenen zeigen keinerlei Angst
  • das zur Schau gestellte Messer könnte keine „Enthauptung“ bewerkstelligen (höchstens Halsschlagader durchtrennen)
  • Leute, die das (ganze) Video analysiert haben, sagen es fließt kein Blut nachdem das Messer am Hals entlang geführt wird …

Diese „Enthauptungen“ erfüllen also den gleichen Zweck wie die Inszenierung der in Tränen aufgelösten „Krankenschwester“ aus Kuwait, die vor dem US-Kongress von den Neugeborenen erzählte, die die brutale irakische Armee angeblich aus ihren Brutkästen gerissen und auf den „kalten Boden“ geworfen hatte. Später stellte sich heraus, dass alles eine PR-Aktion war, eine „psy-op“ um die Zustimmung zur Bombardierung des Irak zu erreichen.

Der unerträgliche Zynismus besteht meiner Meinung nach darin, dass hier mit dem Mitgefühl von Menschen gespielt wird, um geopolitische Verbrechen zu legitimieren. Das ist zwar nichts Neues, doch im Fall der USA kommt noch dazu, dass sie sich – trotz einer extrem brutalen Außenpolitik – der Welt gegenüber seit Jahrzehnten als moralische Instanz aufspielen.

JIHAD ON DEMAND

Die Aufgabe dieser künstlich gezüchteten, scheinbaren „Islamisten“, von denen viele einfach nur gewöhnliche Verbrecher (hunderte von Ihnen wurden – im Angesicht der Todesstrafe – aus saudischen Gefängnissen entlassen, wenn sie sich verpflichteten, beim „Mc Jihad“ mitzumachen …) bzw. Söldner oder „special forces“ sind, besteht darin, durch „Murder & Mayhem“ Regierungen zu stürzen und den Zerfall ganzer Staaten einzuleiten, die dem Imperium (und seinen Vasallen wie Saudi Arabien) in die Quere gekommen sind.

Entweder weil sie ihr Land nicht für die Plünderung durch ausländisches Kapital „öffnen“, also eine eigenständige Wirtschafts- u. Energiepolitik betreiben (vor allem ihr Öl oder Gas in Kooperation mit Ländern fördern bzw. transportieren, die ebenfalls auf der Abschussliste des Imperiums stehen oder regionale Machtkonkurrenten sind wie z.B. Iran) und / oder die Verbrechen Israels gegenüber den Palästinensern, dem Libanon etc. im Zuge der Expansionspolitik nicht einfach hinnehmen wollen.

Mit den „Enthauptungen“ hat man den zögerlichen Obama doch noch dazu gebracht, mit Bomben und „Hellfire“-Missiles in Syrien einzugreifen. Doch diese „Militärschläge“ sind natürlich ein schwerer Bruch des Völkerrechts, auch wenn sie unter dem Vorwand der „Terrorbekämpfung“ ausgeführt werden (weil ohne UN-Mandat). Außerdem glaube ich nicht, dass Isis wirklich das Ziel der Bombardierungen ist (man schlägt anscheinend erst zu, nachdem die Truppe bereits abgezogen ist ….)

Isis erfüllt dabei die gleiche Rolle wie die Taliban in Afghanistan: sie dienen als Vorwand für grenzübergreifende Bombenangriffe in Pakistan (hier in Syrien – vor allem in der Nähe der Erdölfelder).

SOME ARE MORE EQUAL THAN OTHERS

Dass die US-Regierung sich über die „Einmischung“ Russlands in der Ukraine künstlich aufregt und von „Verletzung des Völkerrechts“ faselt (wozu der von Washington organisierte Sturz der gewählten Regierung und die Anzettelung eines Bürgerkrieges mithilfe von Neo-Nazi-Truppen anscheinend nicht zählt), während fast gleichzeitig ein Sprecher des Weißen Hauses ankündigt, im Falle Syriens „werden wir uns von Grenzen nicht aufhalten lassen – was sie ja jetzt auch verwirklichen – zeigt in erschreckender Weise, wie in unseren Medien wirklich alles, was die US-Regierung tut, als legitim akzeptiert bzw. dargestellt wird.

we dont do tortureDamit nicht genug, findet sich auch kein Journalist in den Mainstream-Medien, der darauf hinweist, dass die USA alles, was sie dem gerade aktuellen enemy du jour unterstellen (jetzt also Putin bzw. Russland und nach wie vor Assad), selbst seit Jahrzehnten ungestraft verbrochen haben. 

Und wie schon so oft, muss man wieder auf die grandiose Nobelpreisrede von Harold Pinter (zweite Hälfte) hinweisen, der dieses Thema aufgegriffen hat wie kein zweiter …

Hier die Passage aus der Direktive des Nationalen Sicherheitsrates (NSC 5412) der USA,  mit der alle diese Verbrechen des amerkanischen Staates legitimiert werden sollen:

“… all activities conducted pursuant to this directive which are so planned and executed that any U.S. Government responsibility for them is not evident to unauthorized persons and that if uncovered the U.S. Government can plausibly disclaim any responsibility for them.

Specifically, such operations shall include any covert activities related to: propaganda, political action; economic warfare; preventive direct action, including sabotage, anti-sabotage, demolition; escape and evasion and evacuation measures; subversion against hostile states or groups including assistance to underground resistance movements, guerrillas and refugee liberation groups; support of indigenous and anti-communist elements in threatened countries of the free world; deceptive plans and operations; and all activities compatible with this directive necessary to accomplish the foregoing..“

Es ist also praktisch alles erlaubt, wenn es darum geht amerikanische Wirtschaftsinteressen (getarnt als „nationale Sicherheit“) durchzusetzen:

  • Propaganda (also politische und psychologische Kriegsführung, heutzutage: „strategic information“)
  • ökonomische Kriegsführung (wie „Sanktionen“, also immer schärfere Handelsbeschränkungen gegen Länder, die nicht den Anordnungen Washingtons folgen, wie derzeit Iran und Russland
  • „präventive“ Aktionen wie Sabotage, Zerstörung, Flucht- u. Evakuierungsmaßnahmen
  • Subversion gegen Gruppen oder Staaten (inkl. Unterstützung von Untergrundbewegungen, Guerillakämpfern, anti-kommunistischen Elementen in „bedrohten Ländern der freien Welt“ (wie Neo-Nazis in der Ukraine, oder Islamisten im Nahen Osten u. im Kaukasus; diese werden aber nicht nur „unterstützt“, sie werden geschaffen, um Regierungen zu stürzen und Staaten zu zerstören …
  • trügerische Pläne und Operationen … und letztlich
  • alle Aktivitäten, die notwendig sind um das oben erwähnte im Sinne dieser Direktive zu erreichen

solange eines gewährleistet ist: die Verantwortung der US-Regierung für diese Verbrechen muss unter allen Umständen verschleiert werden und falls sie doch aufgedeckt werden, die Regierung in der Lage ist, glaubhaft zu versichern, dass sie nichts damit zu tun hatte (dank unserer Papageienpresse geht das immer noch ….)

Amerikanische Außenpolitik: ANYTHING GOES

statue-of-deathDie Kurzfassung dieser wahren Grundregeln der amerikanischen Außenpolitik stammt von Henry Luce:

[Wir haben das Recht]unseren Einfluss auf die Welt uneingeschränkt auszuüben, für alle Ziele und mit allen Mitteln, die wir für angemessen halten.“

Völkerrecht, UN-Charta, Menschenrechte, etc. das alles wird nur ins Spiel gebracht, um andere Staaten unter Druck zu setzen, doch die USA selbst lassen sich von keiner Rechtsnorm (die ja auf moralischen u. ethischen Grundsätzen beruhen) in ihrer Handlungsfreiheit beschränken.

Das erkennt man ja auch daran, dass sie den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen (kein Wunder, denn dann müssten hunderte amerikanische Politiker u. Militärs dort angeklagt werden). Es geht sogar so weit, dass man sich das Recht herausnimmt, mit militärischer Gewalt gegen den ICC vorzugehen, sollte es jemand wagen, einen amerikanischen Staatsbürger (Angehöriger des US-Militärs) dort vor Gericht zu stellen.

Die USA sind nicht das einzige Land, das sich der Jurisdiktion des ICC entzieht, aber der einzige Staat, der sich dann auch noch ständig als moralische Autorität aufspielt, die ihre „Führungsrolle“ wahrnehmen muss, damit die Bösewichte aus der Märchenstunde besiegt werden können.

Europäische Politiker, die bei diesen neokolonialen Kriegen nicht mitmachen wollen, werden als verantwortungslose Feiglinge hingestellt und unter Druck gesetzt, doch die „transatlantischen“ Kriegstreiber und Amerikaanbeter scheinen vergessen zu haben, dass Europa zwei Weltkriege durchgemacht hat, während Amerika selbst nie eine solche Verwüstung erlebt hat.

Sie greifen offiziell immer nur „ein“, nachdem sie (die anglo-amerikanische Finanzoligarchie im Hintergrund) in den meisten Fällen selbst massiv dazu beigetragen haben, die Kriegsparteien gegeneinander aufzuhetzen: das gilt sowohl für den ersten als auch für den zweiten Weltkrieg, für Vietnam, die Massenmorde in Latein Amerika, Indonesien, usw. und natürlich für alle Kriege nach „9/11“.

911: IN SEARCH OF ENEMIES

Es wird somit wieder einmal klar, wie entscheidend das „Mega-Märchen“ vom 11. September ist, denn Obama hat auf die Kritik (innerhalb der USA), er habe auch als US-Präsident keine rechtliche Legitimation für die Bombenangriffe in Syrien geantwortet, die Ermächtigungsgesetze die als Folge von „9/11“ von der Bush-Regierung durchgepeitscht wurden, seien immer noch in Kraft. Der globale „Kampf“ gegen Al Kaida werde jetzt eben nur (auch) gegen Isis geführt.

What’s in a name? ISIS – AL NUSRA – FSA – AL KAIDA – DAESH (DAASH)

al BaghdadiWer sich noch bemüht, diese Gruppen auseinander zu halten, kann sich die Mühe sparen. Es sind im Prinzip die gleichen Leute, sie krochen alle aus dem gleichen Nest: dem Terroristen/ Islamisten-Training der amerikanischen, saudischen, britischen und türkischen Geheimdienste (nicht zu vergessen der israelische Mossad).

Als aktueller Führer von ISIS wird ein „Al Baghdadi“ angegeben. Er steht ganz oben auf einer Liste gesuchter Terroristen des US-Außenministeriums doch was steckt wirklich dahinter? (Mehr dazu im nächsten Beitrag)

DIE HINTERGRÜNDE FÜR DIE ISIS-KAMPAGNE

pipelines IraqEine geplante Funktion von ISIS war die syrischen Ölfelder bei Deir-Ez-Zor bis August 2013 unter die Kontrolle ihrer (wahren) Auftraggeber zu bringen, während der kurdische Energieminister dafür sorgen sollte, dass das Öl über die Kirkuk-Ceyhan Pipeline nach Europa gelangt.

Doch diese Kontrolle verlief nicht nach Plan, weil zwei Faktoren nicht mit einkalkuliert wurden:

  1. das britische Parlament lehnte eine Bombardierung Syriens ab und
  2. der irakische Premierminister Maliki spielte nicht so mit, wie sich das die Drahtzieher dieser Politik vorgestellt hatten

Als irakisches Militär die Nachschublinien für ISIS aus Saudi Arabien blockierte und Maliki öffentlich über eine saudische Subversion im Irak klagte (im Herbst 2012), lief das Projekt aus dem Ruder. Der Transport von Kämpfern, Waffen und Munition musste über Jordanien umgeleitet werden, was den wackeligen Thron von König Abdullah noch mehr ins Wanken bringen konnte.

Maliki befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem echten Dilemma:

Als Schiit waren seine natürlichen Verbündeten in der Region natürlich Syrien und Iran, die ihn wohl auch zur verstärkten Militärpräsenz in der Provinz Anbar gedrängt hatten, damit die Terror / Waffen-Schmuggelroute der Saudis gegen Präsident Assad gestoppt wurde.

Auf der anderen Seite geriet er unter großen Druck von Seiten der USA, den Saudis und Jordaniens, die ihm alle das Leben(und Regieren) sehr schwer machten. Natürlich ist es in der Politik generell ratsam, sich auf die Seite des Stärkeren (Gewinners) zu schlagen, doch hier stand einfach zu viel auf dem Spiel:

Iran-Iraq-Syria pipeline ParsEin zentraler Grund der USA, den selbstbestimmten syrischen Staat zu zerstören, war die Unterzeichnung eines Vertrages zum Bau einer Erdgas-Pipeline zwischen Iran, Irak und Syrien (vom PARS Erdölfeld bis zur Mittelmeerküste in Syrien). Hätte Maliki dem Druck der USA und Saudi Arabiens nachgegeben, hätte er sich also quasi selbst ökonomisch und politisch „ins Knie geschossen“: wenn Syrien zerstört ist, kommt Iran dran und dann ist kein Staat mehr in der Region der sich dem Imperium entgegenstellt. Irak wäre dann also auch „erledigt“.

(Das Erdgas könnte nach Schätzungen von Experten für die nächsten 70-100 Jahre Europas Bedarf decken, doch die EU als gehorsamer Vasall der USA macht beim willkürlichen Embargo gegen den Iran schön brav mit und legt sich dann auch noch mit Putin an … how stupid can you get?)

Saudi smuggling-routes to IS puppets in IraqAuch die Tatsache, dass Saudi Arabien die gleiche Schmuggelroute schon seit Jahren benutzt hatte, um die von den USA ausgelöste Gewaltorgie im Irak mit Waffen, Drogen und indoktrinierten Kämpfern anzuheizen, ließ Maliki wohl kaum eine Wahl. Dass die korrupten und diktatorischen Saudis (die jährlich dutzenden Menschen den Kopf abhacken und den Giftgasanschlag in Syrien ermöglicht haben) sich hier der Welt als Unterstützer von „Rebellen“ präsentieren, die angeblich in Syrien für Freiheit und Demokratie kämpfen, ist der größte Witz in dieser tragikomischen Farce (im Sinne von „manchmal muss man lachen, damit man nicht weinen muss ….)

Durch die Weigerung Malikis, (immer) nach Washingtons Pfeife zu tanzen, gelang es der syrischen Armee ISIS & Konsorten aus Deir Ez-Zor zu vertreiben (im Sommer 2013).

(Es sollte eigentlich auffallen, dass ISIS immer dort „Gebiete erobert“, in denen Ölfelder vorkommen)

Der Norden Syriens wird (wie der Norden des Irak) hauptsächlich von Kurden bewohnt. Die Strategie Washingtons (samt Vasallen) war und ist, die Kurden in beiden Staaten zu einer Abspaltung zu bewegen und durch massiven Terror Rufen nach einem verstärkten „Eingreifen“ des Westens Gehör zu verschaffen. Die Kurden sollen das Gefühl bekommen, dass ihre Sicherheit von Damaskus (und jetzt auch im Irak) nicht mehr garantiert werden kann und sie so die wahren Paten des Terrors als „Befreier“ und Förderer nationalistischer Bestrebungen ansehen. Ein perfides Spiel, das hier von den USA, Israel, Saudi Arabien und der Türkei mit diesen Menschen gespielt wird (England u. Frankreich sind auch dabei).

Im November 2013 waren schon Gespräche über die Verteilung des (erbeuteten syrischen) Erdöls geplant gewesen, doch dank Maliki waren die Pläne vorerst gescheitert. Washington lässt sich so etwas natürlich nicht gefallen und deshalb musste Maliki entfernt werden (er hatte den Spruch von „Iraqi Freedom“ wohl etwas zu wörtlich genommen …).

MalikiMaliki und der kurdische Präsident Barzani wurden also im November 2013 nach Washington eingeladen …

Nach Angaben eines Insiders wurde auch Präsident Obama selbst von den wahren Machthabern in Amerika (wie Mitgliedern des „Atlantic Council“ u. Leuten wie dem Kagan Familienclan, zu dem auch Viktoria (Nuland)-Kagan gehört) enorm unter Druck gesetzt, Maliki quasi die Pistole an die Brust zu setzen,damit er „zurücktritt“, denn auch die Verteilung des Erdöls aus dem Kurdengebiet im Irak selbst stand auf dem Spiel:

Barzani verlor immer mehr seinen Rückhalt im Norden und die Wahlen im September waren auch ein Rückschlag. Die Pläne, das irakische Öl – unter Umgehung der Regierung in Bagdad – über die Türkei zu exportieren, hätten im November 2013 schon umgesetzt werden sollen.

bless themBeim Energie-Gipfel des Atlantic Council im November 2013 in der Türkei wurde dann beschlossen, den ISIS-Terror dafür einzusetzen, dass der Krieg in Syrien grenzüberschreitend ausgeweitet und damit auch die geplante Zerschlagung des Irak in drei geschwächte Ministaaten beschleunigt wird. Die Kommandozentrale dafür sei – so der Insider – die amerikanische Botschaft in Ankara.

US Botschafter Riccardione zieht also nach diesen Informationen gemeinsam mit dem saudischen Prinz Abdul Rachman al-Faisal (in der Region) die Strippen von ISIS, doch die Puppenspieler sitzen natürlich auch in Washington, London und – vor allem – in Tel Aviv (aber das ist eine eigene Geschichte …)

ISIS a creature of USaudIsraelAußerhalb der uns täglich vorgesetzten Märchenstunde (die „Nachrichten“ heißt), finden wir Aussagen von Personen, die wissen, wovon sie reden und sich nicht einschüchtern lassen. So spricht etwa Steven D. Kelley, der früher einmal von der CIA angeheuert wurde, über die angebliche Notwendigkeit des „militärischen Eingreifens“ gegen ISIS (oder „wie immer sie gerade heißen“) in Syrien. Hier die wichtigsten Aussagen (Hervorhebungen sind von mir):

Wenn sie zur Wurzel des Problems kommen und diese Organisation zerstören wollen, müssen sie als erstes die Finanzierung stoppen und sich um jene kümmern, die für die Erschaffung dieser Gruppe verantwortlich sind

Damit würde sich die Anstrengung zu uns hier nach Hause (die USA) verlagern, denn das ist ja wohl eine totale Farce, ein komplett konstruierter Feind … die Mittel dafür kommen von den USA und ihren Verbündeten

Und den Leuten einzureden, dieser Feind muss in Syrien oder im Irak attackiert werden ist eine Farce, weil das etwas ist, was wir geschaffen haben und kontrollieren …. Nur gerade jetzt ist es opportun für uns, diese Gruppe als „Feind“ anzugreifen …

Wenn sie sagen, sie brauchen keine Legitimation für die Angriffe auf Syrien, dann können wir uns ausrechnen, dass über kurz oder lang auch Bomben auf das Haus von Assad abgeworfen werden … das alles ist eine komplette Farce ..

Ich würde gerne glauben, dass die Amerikaner nicht völlig danebenstehen (ignorant sind) aber es ist ganz klar, dass diese Taktik (Videos von angeblichen Exekutionen) große Angst auslösen soll … eine Art Reflex hier bei uns … um mehr Ausgaben, mehr Blutvergießen und mehr Krieg rechtfertigen zu können

Das ist fast wie bei Ebola (worüber sich auch viele aufregen) … patentiert von der US-Regierung [das gentechnisch veränderte Virus] … nur ein weiteres Terror-Werkzeug … und ich glaube, diese ISIS würde schon von der syrischen Armee besiegt werden, wenn man aufhörte, sie [mit Geld und Waffen] zu unterstützen ..“

Fortsetzung folgt (wir schauen uns die „Anführer“ von ISIS näher an u. siehe da, auch amerikanische Senatoren plaudern mit gesuchten „Terroristen“ …

Die Botschaft zum Schluss lautet:

The fact that the United States has a long and torrid history of backing terrorist groups will surprise only those who watch the news and ignore history.”

 

 

 

 

„Anti-Semiten“ 2013: The Show Must Go On

1 Maulkorb ASNachdem man Günter Grass wegen seiner Israel-Kritik mit einer Barrage aus ad hominem Attacken gründlich desavouiert hat, kam jetzt Jakob Augstein  dran. Warum? Weil er die Haltung von Grass (die viele teilen) verteidigt hat. Hier die Passagen, die nach meiner Ansicht bei den Apologeten Israels die größte Empörung ausgelöst haben dürften (Hervorhebungen von mir):

Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden. Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen. Ein überfälliges Gespräch hat begonnen.

 „[…] Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs: „Netanjahus Israel hat die globale Agenda auf eine Weise bestimmt wie kein kleiner Staat je zuvor“, schreibt die israelische Zeitung Haaretz. […] Niemand behauptet, dass Iran eine Atombombe besitzt. Niemand weiß, ob Iran an einer solchen Bombe arbeitet. Im Gegenteil: Die Amerikaner gehen davon aus, Teheran habe sein Atomwaffenprogramm im Jahr 2003 eingestellt. Das interessiert die Israelis nicht. […]“

„[…] Es ist an der Zeit, wie Grass schreibt, darauf zu bestehen, „dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird“.

An diesem Kommentar gibt es nichts, wofür sich Augstein bei irgendjemand entschuldigen müsste und jeder halbwegs informierte Leser begreift, dass der organisierte Outrage (ausgelöst durch das Simon Wiesenthal Center in Los Angeles, das Augstein unter die „Top 10“ der schlimmsten Anti-Semiten weltweit eingereiht hat, auf  Platz  9) ein  rein taktisches Manöver ist, um die letzten Enklaven freien Denkens (in Bezug auf Israel und den Nahost-Konflikt) in der deutschen Journaille zu diffamieren. Was wäre besser dazu geeignet, als das Stigma-Wort des Jahrhunderts, die semantische Clusterbombe der zionistischen Denkpolizei: „Anti-Semit“?

Schopenhauer wusste schon, dass die Einordnung des Gegners in eine verhasste Kategorie ein rhetorischer Kunstgriff, also ein sehr effektives Instrument ist, um die Debatte in eine andere Richtung zu lenken und sich gegen Kritik zu immunisieren.

Im Internet finden sich in der Folge  zahlreiche Einträge mit der Überschrift „Ist Augstein ein Anti-Semit?“ Anscheinend traut sich niemand in der deutschen Öffentlichkeit  klipp und klar die Vorwürfe des SWC als absurd  und unhaltbar zu beschreiben (einzige Ausnahme, die ich gefunden habe, ist die FAZ bzw. ein Kommentar in der Zeit).

„The poisioning of public discourse on human rights by apologists for Israel is not confined to the United States. The most appalling and shameful example is Gemany”.

                                                    Dr. Norman Finkelstein, Beyond Chutzpah

Die „Vergiftung des öffentlichen Diskurses“  durch  die Apologeten der israelischen Politik, sieht Finkelstein also (außerhalb der USA) wo als besonders eklatant und beschämend?  In Deutschland.

Das kann uns nicht wundern, denn die „political correctness“ gegenüber Israel in den deutschen Medien hat mittlerweile ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Wenn die Zustimmung (zur Position Israels bzw. der USA – oft auch nur durch Schweigen) zur Pflicht wird, ist es mit der Meinungsfreiheit vorbei und die bittere Ironie dabei ist, dass die wahrgenommene Uniformität des Denkens anti-semitische Stereotypen („die Juden kontrollieren die Medien“) befördern kann.

1 Finkelstein beyond chutzpahFinkelstein schreibt in der Einleitung zur Taschenbuch Ausgabe, das Buch versuche ein Paradoxon zu erklären: Wieso gibt es so große Kontroversen  über den „Nahostkonflikt“  in der öffentlichen Debatte, wenn die historischen Fakten, die dokumentierte Menschenrechtssituation in den besetzten Gebieten und die rechtlich-diplomatische Lage so eindeutig sind?

Die Antwort, die er anbietet lautet: Die Dominanz der Kontroverse [in der medialen Darstellung des Konfllikts] sei ein Trick, um von den Fakten abzulenken und Verwirrung zu erzeugen. Zu den konstruierten Kontroversen der Israel-Apologeten zählt er in erster Linie drei Bereiche: Mystifikation des Konflikts („alles so kompliziert, dass man ein Experte sein muss, um die Lage beurteilen zu können“), ein „neuer Anti-Semitismus“  und die Verbreitung gefälschter „wissenschaftlicher“ Studien zur Entlastung Israels, also ein Form des akademischen Betruges, wie das Buch „The Case for Israel“ von Alan Dershowitz (Finkelstein entlarvt den Betrug im zweiten Teil des o.a. Buches)

Ich teile diese Ansicht Finkelsteins und möchte  versuchen, anhand der Attacken gegen Augstein die Instrumentalisierung des Wortes „Anti-Semit“ näher zu untersuchen.

Was bedeutet Anti-Semitismus?

Ich würde das so definieren: Die pauschale, kollektive Verurteilung von Personen jüdischen Glaubens, das Unterstellen negativer Charaktereigenschaften wie  Hinterlist, Gier, etc. die von den Nazis als „typisch für die jüdische Rasse“ (die es nicht gibt) dargestellt wurden und dazu führten, dass „die Juden“ schließlich als Sündenbock für eskalierende Probleme (nicht nur unter Hitler) herhalten mussten. Gesellschaftliche Diskriminierung, Enteignung,  systematische Demütigung, Aberkennung der Menschlichkeit, Freiheitsberaubung, Deportation ins KZ und schließlich Massenmord waren die grauenhaften Folgen während des Dritten Reiches.

Die Tatsache, dass das Wort an sich nicht geeignet ist, eine judenfeindliche Einstellung zu beschreiben, weil „Semiten“ nicht nur Juden, sondern auch Araber sind, lassen wir hier außer Acht. Die Bedeutung des Begriffes wurde durch den Gebrauch in der Sprache verändert und so akzeptiert.

Der klassische Anti-Semitismus ist dadurch gekennzeichnet, dass er eine Art Phobie darstellt:  also eine Form der  irrationalen Angst vor einer „Bedrohung“, die auf eine verzerrte Wahrnehmung, Vorurteile  bzw. Indoktrination zurückzuführen ist. Juden (in anderen Fällen sind es andere Minderheiten wie Schwarze, Ausländer, Homosexuelle, etc. seit „9/11“ auch Muslime) werden nicht mehr als konkrete Personen wahrgenommen, als menschliche Individuen mit unterschiedlichen Schwächen und Stärken, sondern als Kollektiv dämonisiert und unter Generalverdacht gestellt.

Woher kommt der Anti-Semitismus?

Diese Frage – in ihrer historischen Dimension – können wohl auch nur Historiker umfassend beantworten.

antisemitic 1Nach meiner Kenntnis gibt es eine religiöse Komponente (man beschuldigte „die Juden“ für den Tod von Jesus verantwortlich zu sein bzw. sah man die religiösen Gebräuche des Judaismus als unheimlich an, woraus dann auch Gräuelpropaganda entstand), eine wirtschaftliche (die Karikatur des hinterlistigen Geldverleihers, der Wucherzinsen verlangt), die durch das jahrhundertelange, christliche Zinsverbot befördert wurde und aus der dann „die jüdischen Financiers“ wurden, die mit ihren Manipulationen Deutschland in die „Zinsknechtschaft“ brachten.

In der Weimarer Republik und in der NS-Zeit spielte natürlich auch die politische Komponente eine große Rolle: die „Judeo-Bolschewiken“ wurden als Treiber der kommunistischen Revolution zum Feindbild der Reaktion und Hitlers, und die ersten, die von der Gestapo abgeholt wurden, waren ja Menschen, die sich für die neue Ordnung der Gesellschaft (in Richtung Sozialdemokratie) engagiert haben.

antisemitic 2Das Paradoxon, dass man es auf diese Weise fertigbrachte,  „das  Judenthum“ sowohl für die Auswüchse des „rechten“ Kapitalismus als auch für den „linken“ Kommunismus (und seine Bedrohung der alten Macht- und Klassenbeziehungen)  verantwortlich zu machen, hat es Hitler wohl noch leichter gemacht, dem Volk einen Sündenbock zu präsentieren.

Die Wandlung des Anti-Semitismus im 19.Jahrhunderts und besonders im Dritten Reich,  bestand allem Anschein nach darin, dass nicht mehr die religiöse Komponente (also der Judaismus als Glaube)  im Vordergrund stand, sondern eine neue Angriffsfläche konstruiert wurde: die „Rasse“. Auf diesem Nährboden konnte man natürlich noch besser eine pauschale „Bedrohung“ suggerieren: die eigene „höherwertige arische Rasse“ sei von der „minderwertigen, jüdischen Rasse“ bedroht, die ihre Tentakel in alle Bereiche der Gesellschaft auswirft und einerseits eine „Herrschaft“ von oben (Finanz, Wirtschaft, etc.) ausübt, andererseits als „Parasiten“ (von „unten“) dem „Volkskörper“ Schaden zufügt. Dass es auf diese Weise letztlich gelang, durch Einordnung in diese verhasste Kategorie,  den Betroffenen  die  Menschlichkeit an sich – und somit ihre Menschenrechte – abzusprechen, ist eines der finstersten Kapitel der deutschen Geschichte und der westlichen Zivilisation.

(Nach „9/11“ wurden die Schleusen für diese Denkart wieder geöffnet, diesmal ist es nicht das Etikett „Jude“, sondern das Etikett „Terrorist“, oder „Islamist“ das zur Unmenschlichkeit und Entrechtung ermächtigen soll. Carl Schmitt lässt grüßen?)

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“

Ich beschränke mich hier darauf, zu untersuchen, warum das Etikett „Anti-Semit“ immer öfter als politische Waffe eingesetzt wird.

Dass es in der rechtsradikalen Szene Europas Anti-Semiten gibt, wird niemand bestreiten. Dass man diesen ideologischen Sumpf austrocken muss, auch nicht.

Doch warum wird ein linker Intellektueller wie Augstein als Anti-Semit beschimpft? Was bezweckt man damit?

Wie Finkelstein richtig feststellt, ist das ganze Theater ein Ablenkungsmanöver, eine Taktik, um die öffentliche Debatte zu steuern:

Nicht der sachliche und wahre Inhalt der Kritik bleibt im Fokus der Medien, sondern die Integrität der Person, die sie ausgesprochen hat. Ob Grass oder Augstein, ob Chomsky oder Finkelstein, immer ist die Reaktion der THINKPOL die gleiche:  sie bringen keine Fakten, die die Argumente der Israel-Kritiker widerlegen, sondern krallen sich daran fest, dass deren Motive verabscheuungswürdig sind:

framingNicht das schändliche Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern, die jahrzehntelange Missachtung der UNSC-Resolutionen also des Völkerrechts und anderer fundamentaler Rechtsnormen, die Arroganz und Selbstgerechtigkeit der israelischen politischen Führung, die brutale Besatzung und schleichende Annexion der Westbank und Ost-Jerusalems, die bittere, historische Wahrheit über den Terror in der britischen Mandatszeit und unmittelbar nach der israelischen Staatsgründung (arabisch: „Nakba“), die israelische Historiker aufgedeckt haben, das „Crying & Shooting , etc. das alles hat nichts mit der Kritik zu tun, die hier vorgebracht wird.

Wer also darauf pocht, dass das Verhalten der zionistischen Führung Israels der Grund für verbale Angriffe gegen den Staat Israel ist, hat schon wieder verloren, denn auch das wird als Symptom für eine anti-semitische Haltung präsentiert und zwar wieder mit dem gleichen Trick: Man geht nicht auf die einzelnen Punkte ein (dann würde man die Debatte verlieren, weil sie auf dokumentierten Fakten beruhen) sondern reduziert die Argumentation des Gegners auf unzulässige Weise so: Das Verhalten der israelischen Regierung und ihrer jüdischen Unterstützer als Ursache der berechtigten Kritik hinzustellen, bedeute in der Kurzfassung:

„Die Juden sind doch selber schuld“. Und schon haben wir wieder einen „Beweis“ für Anti-Semitismus.

Sie kritisieren Israel, weil sie „latente“ Anti-Semiten sind, die Kritik ist also „irrational“ (eine Art Persönlichkeitsstörung) und deshalb abzulehnen. Doch Vorsicht, die Behauptung, Israel wolle seine Kritiker knebeln und übe deshalb (durch verschiedene Methoden) Druck auf Redaktionen und Personen aus, wird natürlich wieder (wie bei Grass) als Beweis für anti-semitische Gesinnung gewertet.

1 haaretz AS studyObwohl es seriöse Umfragen gibt, die belegen, dass genau dieses bevormundende und rechthaberische Verhalten der „Freunde Israels“ – und Israels eigenes Verhalten – den größten Beitrag zur Förderung anti-semitischer Tendenzen leistet, schlägt die israelische Lobby weiter um sich und bedient sich dabei Menschen wie Herrn Broder, den man nur als peinlich bezeichnen kann und sich wünscht, sie kämen einmal in den Genuss der Verbalinjurien, die sie selbst verüben.

Doch das traut sich in Deutschland niemand: Herrn Broder mal ins Gesicht sagen, dass er ein arrogantes Arschloch ist. (Sorry, aber diese Entgleisung musste mal sein). Nicht nur, weil er seine Gegner beschimpft und diffamiert, sondern weil er den Menschen in Israel und Juden auf der ganzen Welt damit schadet.

So argumentierte auch Herr Buhrow gegenüber Grass, Israel verbiete doch niemand, seine Politik zu kritisieren. Das stimmt, doch man immunisiert sich gegen die Kritik, indem man die Motive des Kritikers in den Dreck zieht, ihn in die verhasste Kategorie des „Anti-Semiten“ einreiht. Diese Form der „character-assassination“ ist besonders effektiv, wenn sie von Institutionen unterstützt wird, die als moralische Autoritäten gelten,  wie das Simon Wiesenthal Center, die ADL (Anti-Defamation League) usw.  Dass diese Organisationen auch als politische Waffen eingesetzt werden und selbst massiv diffamieren, um Israel vor Kritik zu schützen, traut sich auch kein deutscher Journalist laut auszusprechen.

Jeder anständige Mensch sieht ein, dass die Diskriminierung, die pauschale Verurteilung einer Minderheit durch bloße Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe in der Gesellschaft, ungerecht, unmenschlich und deshalb unakzeptabel ist. Das gilt nicht nur für Juden, aber wegen der ungeheuren Verbrechen des Dritten Reiches stehen sie quasi unter besonderem Schutz.

Israeli-ImpunityDoch wie es scheint, sollen wir das andere Extrem akzeptieren: Ist Israel (der „Judenstaat“, in dem auch Araber leben) sakrosankt? Ist als Wiedergutmachung für das große Unrecht gegenüber den Juden quasi  ihre Heiligsprechung notwendig? Müssen wir es uns gefallen lassen, dass man uns unterstellt, Kritik an Israel sei in Wahrheit immer versteckte  Kritik an „den Juden“? (Impliziert – wenn Israel kein jüdischer Staat wäre, gäbe es auch keine Kritik)

Dazu Finkelstein:

“If Israeli policies evoke hostility toward Jews, it means that Israel and its Jewish supporters themselves might be causing Anti-Semitism.. … because  Israel and its Jewish supporters are in the wrong. Holocaust industry dogma a priori rejects this hypothesis: animus towards Jews can never spring from wrongs committed by Jews.”

„Wenn israelische Politik Feindseligkeiten gegenüber Juden auslöst, bedeutet das, dass Israel und seine jüdischen Unterstützer selbst Verursacher von Antisemitismus sein könnenweil Israel und seine jüdischen Befürworter im Unrecht sind.

Das Dogma der Holocaust-Industrie lehnt diese Hypothese a priori ab: Feindseligkeit gegenüber Juden kann niemals von Unrecht herrühren, dass Juden begangen haben.“

Wie Dr. Joel Kovel in seinem Buch „Overcoming Zionism“ ausführt, wird im Judaismus (und vor allem in der Vereinnahmung durch den Zionismus) den Gläubigen eingeredet, sie seien ein von Gott „auserwähltes Volk“, hätten einen besonders hohen moralischen Standard, der sie dazu ermächtigt, mit gewisser Verachtung auf  Nicht-Juden („Goyim“) herunterzuschauen und in letzter Konsequenz dazu führt, dass man sich eben Rechte zubilligt, die anderen nicht zustehen bzw. für das eigene Handeln (das im Fall der Kolonialisierung Palästinas ein schlechtes Gewissen auslöst, eben wegen des hohen  moralischen Anspruchs des Judentums) andere moralische Maßstäbe anlegt, als für das der „Anderen“.

Ist es akzeptabel, dass für den Staat Israel Rechtsnormen und moralische Normen, die für andere Staaten gelten, grundsätzlich keine Anwendung finden können, wegen des Holocaust Traumas? Natürlich wäre es falsch zu behaupten, dass sich alle anderen Staaten immer an diese Normen halten (das wäre der Gipfel der Heuchelei), aber nur Israel und die USA spielen sich auch noch als moralische Instanz auf, während sie das Völkerrecht und die Menschenrechte (von „Nicht-Amerikanern bzw. „Nicht-Juden“) mit Füßen treten.

   cartoon HC_blackmailDer Holocaust ist nach dieser Sichtweise so einzigartig, dass das daraus resultierende Leiden mit keiner anderen Tragödie (bei der Massenmord begangen wurde) verglichen werden kann. Daraus abgeleitet wird eine Sonderstellung Israels, des „Heiligen Landes“, für das andere Regeln gelten müssen, da es sich hier um ein „Opfervolk“ handle, das nur sein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis befriedigen wolle und müsse.

Aus dieser Perspektive sind die Ausführungen von Herrn Augstein ein Affront, weil sie die verlogene Selbstdarstellung der israelischen Regierung (und des Zionismus als emanzipatorisches, moralisches  Unternehmen) gewaltig ins Wanken bringt.  Das „Opfervolk“ als gefährliche und unheimliche Atommacht zu präsentieren, für die die gleichen Spielregeln gelten müssen, wie für den Iran – also Kontrollen durch die IAEA, von der Unterfertigung des NPT (Iran hat unterzeichnet und nichts verbrochen, wird aber trotzdem sanktioniert) ganz zu schweigen – das geht nun aber wirklich nicht.

Deshalb wird sofort die nächste taktische Karte gespielt: die „Deutschen“ projizieren demnach ihre eigene „Schuld“ auf Israel, man spricht von „Schuldverschiebung“ und „Selbstentlastung“;  John Mc Murtry würde sagen: reverse projection indeed, denn welche „Schuld“ hätten Herr Augstein oder alle Deutschen unter 90 auf sich geladen?  Der Krieg und die NS-Herrschaft sind seit fast 70 Jahren vorbei, doch der Landdiebstahl in Palästina, die systematischen Menschenrechtsverletzungen gehen (1948 bzw. seit 1967) munter weiter.

apartheidVon einem veritablen „Apartheid System“ sprechen nicht nur die Menschenrechtsexperten von  BtSelem, sondern auch bekannte „Anti-Semiten“ wie Erzbischof Desmond Tutu oder Ex-Präsident Jimmy  Carter, sowie etliche Kommentatoren in der israelischen Zeitung Haaretz.

(Sie ahnen es ja schon: auch die Benutzung des Wortes „Apartheid“ im Zusammenhang mit Israel ist natürlich auch ein „Beweis“ für Anti-Semitismus ….wir sind bereits bei George Orwell angekommen, denn Israel und seine Apologeten dürfen zwar alle Jahre einen neuen „Hitler“ ausrufen, politisch aktive Muslime unter General-Terror-Verdacht stellen, aber die Gegner müssen sich für beinahe jede moralische Klassifizierung oder Analogie entschuldigen … some are more equal than others …)

Was die israelische Regierung und ihre Vasallen so erbost, ist die bloße Vorstellung, man könne Israel und Iran – in diesem Kontext – moralisch auf eine Stufe stellen. So schreibt etwa DIE ZEIT ONLINE:

„Sogar Israels Nuklearrüstung soll plötzlich über Kritik erhaben sein. In aller Welt kritisieren Atomwaffengegner Atomwaffen. Wer aber Bedenken gegen israelische Atomwaffen vorträgt, die einzigen in der Region, der muss Antisemit sein!“

Israel-Iran Nuclear-arsenalWenn pro-israelische Stimmen argumentieren, die Atomwaffen seien doch nur eine Art Lebensversicherung, dienten nur der Abschreckung, dann klingt das durchaus rational. Doch warum dann die Geheimnistuerei? Warum gibt Israel nicht einmal zu, dass es Atomwaffen hat, wenn es nur eine defensive Maßnahme ist? (Dass diese Haltung ein atomares Wettrüsten provoziert in einer unruhigen Region und deshalb eine Gefahr für den Weltfrieden ist, wie Grass  und Augstein richtig erkannt haben, kann das auch unter „Israels Sicherheitsbedürfnis“ abgehakt werden?)

Warum darf Iran nicht das gleiche Argument benutzen? (Siehe dazu frühere Beiträge zu „Iran“) Weil Israel zu den „Guten“ und Iran zu den „Bösen“ gehört? Weil Juden moralisch höherwertig sind als Araber bzw. Schiiten? Weil Ahmadinejad ein „irrer Antisemit“ ist? How stupid can you get?

Wie man es dreht und wendet, alle Argumente Israels beginnen und enden mit derselben Prämisse bzw. (impliziten) Conclusio:

  • Wir sind einzigartig. Als Volk und als Staat.
  • Unsere Motive sind moralisch höherwertiger als die unserer arabischen Nachbarn und unserer Kritiker.
  • Durch den Holocaust haben wir immerwährende rechtliche Immunität und moralische Absolution verdient.

Wir haben uns diesen Dispens selbst gewährt, aber das sagen wir natürlich nicht, solange die Deutschen, die EU schön brav den Mund halten und wegschauen, wenn Menschenrechtsorganisationen, die UN, engagierte Gruppen innerhalb Israels (BtSelem, Peace Now, ICAHD) und internationale Beobachter und NGOs unsere Verbrechen  dokumentieren und anprangern. (Die USA ist ja moralisch mit uns „auf einer Linie“ und auch eine „auserwählte Nation“).

Die Europäer, allen voran die Deutschen, haben wegen ihrer „Vergangenheit“ (Kollektivschuld) nicht nur kein Recht, uns zu kritisieren, sondern sind auch  verpflichtet, uns bedingungslos zu unterstützen (was Merkel ja auch tut). Selbst kritische Berichte (über Kriegsverbrechen in Gaza) von überzeugten Zionisten (wie dem Juristen Richard Goldstone) werden durch unsere PR-Maschinerie effektiv „neutralisiert“ (der Autor muss sich auch noch dafür entschuldigen …)

Bottom Line: Jede Kritik an Israel ist Ausdruck von Antisemitismus, Voreingenommenheit oder unfairen Fokus auf Israel …

georgeorwell383559_mJedes Mal wenn Israel ein PR-Debakel droht, wird eine neue Kampagne über „zunehmenden Antisemitismus“ orchestriert (zu diesem Ergebnis kommt Finkelstein).

Dass fast 7o Jahre nach dem Holocaust die  mediale „Maulkorb-Front“ in Deutschland zu bröckeln anfängt, kann dem Hasbara-Team  gar nicht recht sein. Wehret den Anfängen (der Befreiung aus dem pro-israelischen Denkgefängnis) bekommt hier eine neue Bedeutung …

Durch die Verbalattacken mit dem ultimativen Stigma-Wort geraten die Kritiker in die Defensive (ebenso alle, die ihnen zu Hilfe kommen), was aber noch viel wichtiger ist: Israels „Unterstützer“ steuern so die Debatte:

  • Statt über die einzelnen Kritikpunkte zu reden und sich an konkrete Fakten zu halten (hier nur als Stichwörter: brutale Besatzung – Menschenrechtsverletzungen – Brüskierung der UN und Unterminierung des Völkerrechts – Humanitäre Katastrophe in Gaza – Kriegsverbrechen – Geschichtsfälschung  und Leugnung zionistischer Gräueltaten – usw.) ….
  • Statt über das 40jährige Martyrium der Palästinenser zu reden, die spätestens seit 1967 das neue „Opfervolk“ sind  -wenn man diesen Ausdruck ins Spiel bringen will.  (Siehe dazu auch den exzellenten Kommentar von Tony Judt  zum „58.Geburtstag Israels“ in Haaretz vom 5. Mai 2006: „The country that would not grow up“) …

werden die Rollen vertauscht: durch den Fokus auf Antisemitismus soll die abgenutzte Opferrolle Israels  wieder neuen Glanz erhalten. Nicht die Palästinenser sollen bedauert werden, sondern „die Juden“ (verkörpert durch Israel), die ewig Verfolgten – wobei in diesem Fall die Pauschalierung erwünscht ist, weil das emotional an die „Schuld“ aus der NS-Zeit anknüpft.

MDZ Augstein am PrangerSo beschäftigen sich Dutzende Redaktionen mit der Frage „Ist Augstein ein Anti-Semit“? anstatt damit: Wie lange lassen wir uns noch von Israel an der Nase herumführen? Wie lange können wir es noch verantworten, durch Stillschweigen über Verbrechen des israelischen Staates als Mittäter angesehen zu werden? (Wenn die Argumente für die Nazi-Herrschaft gültig sind: Wegschauen und Schweigen bedeutet Mitverantwortung für  staatliche Verbrechen. Deutsche Journalisten sitzen zwar nicht in Tel Aviv, doch wenn „Deutschland“ etwas aus dem Nazi-Terror gelernt hat, dann dass man den Entrechteten zu Hilfe kommen muss, und sich nicht mit den Tätern „arrangiert“, egal ob diese Juden, Christen, Muslime, Buddhisten oder sonst was sind). Dass die Entrechteten selbst gewalttätig werden (jedenfalls ein Teil davon) ist kein Grund, sie zu dämonisieren. Aus Sicht der deutschen Besatzer in Frankreich war auch die resistance eine „Terrororganisation“.

Dass die Folgsamkeit der deutschen Medien gegenüber Israel manchmal sogar komische Aspekte hat (obwohl das Thema bitter ernst ist), zeigt die ARD bzw. die Tagesschau Redaktion: (hier einige Auszüge)

1)       „Bei Augstein handele es sich um einen wichtigen Spieler im deutschen Journalismus, der niemandem Rechenschaft ablegen müsse, erklärt Rabbi Cooper – und vielleicht sei das ja das Problem. Augstein müsse seine Texte niemandem vorlegen, bevor sie gedruckt werden. […]“

Wenn das keine Aufforderung zur Zensur ist, was dann? Bitte liebe Journalisten, legt eure Texte über Israel immer zuerst Rabbi Cooper oder Herrn Broder zur Prüfung vor, dann seid ihr auf der sicheren Seite.

2) „Das Simon Wiesenthal Zentrum in Los Angeles kämpft weltweit gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord und setzt sich für die Förderung von Toleranz ein.

Doublethink in action. Eine Organisation die sich für die „Förderung von Toleranz“ einsetzt, gibt eine „Watchlist“ heraus, in der Menschen an den anti-semitischen Pranger gestellt werden. Das SWC richtet also als moralische Instanz über die finsteren Absichten und Motive dieser Leute und brandmarkt sie entsprechend als „Feinde Israels“. Dass selbst im Fall der Muslim-Brotherhood oder Ahmadinejads das Verhalten der israelischen Regierung seit der Staatsgründung bis heute (wie oben bereits erwähnt) eine wesentliche Rolle für anti-semitische Polemik und Feindseligkeit gegenüber Israel spielte, darf natürlich auch nicht gesagt werden.

Welches Grauen muss die Juden  im Iran täglich erschüttern, wenn der angebliche Judenhasser  Ahmadinejad das Kommando hat?

1 Iran Jews Haaretz

Man höre und staune:  die jüdische Community im Iran wird nicht verfolgt und ist bis heute nicht ausgewandert trotz finanzieller „Incentives“ Israels. Sie haben bereits eine nationale Identität …

Dass Israels Verhalten das Leben der Juden (die sich ja mit Israel „identifizieren“ sollen) in anderen Ländern erschwert, liegt auf der Hand …)

3) „Während in Deutschland die Nennung von Jakob Augstein als Antisemit zum Teil als überzogen gesehen wird und hohe Wogen schlägt, bleibt Rabbi Cooper hart: „Wenn jemand in dieser Position ein Bild zeichnet, wonach zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel, die ja auch eine religiöse Bevölkerung ist, von den Deutschen genauso gesehen werden sollten wie islamische Extremisten und Terroristen, dann ist das nicht nur komplett unrichtig und falsch, sondern dann überschreitet er die Grenze, was Dämonisierung angeht.“

Dass die rabiaten „Siedler“ (die sich auf „göttlichen Auftrag“ berufen, um ihren Anspruch auf die Westbank geltend zu machen) brutale Übergriffe auf die Palästinenser begehen, ist von BtSelem, der UN und anderen Menschenrechtsorganisationen ausreichend dokumentiert (siehe dazu auch frühere Beiträge zu „Israel“) worden. Dass diese jüdischen Extremisten also die Palästinenser täglich terrorisieren, wobei die IDF tatenlos zuschaut bzw. den „Siedlern“ zu Hilfe kommt, nicht den Palästinensern, für deren Wohlergehen sie als Besatzungsmacht verantwortlich sind, steht außer Zweifel.

Doch die ARD lässt diesen Kontext – wie immer – einfach verschwinden. Zensur durch Verschweigen des Kontexts ist sehr effektiv.

1 MEM settler violenceHerr Augstein hat völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass diese Leute fanatisch und gefährlich sind, wie islamische oder andere (religiöse) Extremisten. Doch auch in diesem Fall (wie oben beim Atomprogramm) hat er ein Tabu gebrochen, weil das offizielle Bild Israels – armes, kleines, bedrohtes Land, in dem zivilisierte, rationale Israelis, die nur „in Frieden leben wollen“ einer Horde primitiver,religiös-fanatischer Araber gegenüber steht in Frage stellt.Diese „Siedler“ gehören bestenfalls in psychiatrische Behandlung und schlimmstenfalls ins Gefängnis.

Dass der Terror der „Siedler“ gegenüber den  Palästinensern und dessen Duldung und Ermutigung durch die israelische Regierung auch gerade dazu führt, dass mehr „islamische Terroristen“ rekrutiert werden können, versteht der Rabbi natürlich nicht. Wie Finkelstein sagt: Dass  jüdisches  Unrecht Feindseligkeit und Hass provoziert und nicht automatisch dem irrationalen Anti-Semitismus zugeschrieben werden kann, das darf man einfach nicht aussprechen. Das gibt es nicht.

only peaceStatt über Recht und Unrecht redet man lieber von „Sicherheitsbedürfnis“ und „Selbstverteidigung“, auf dieser Ebene hat man ja schon seit Jahren die Deutungshoheit (re-framing der Debatte). Das „Sicherheitsbedürfnis“ der Menschen in Gaza oder das „Existenzrecht“ der Palästinenser in der Westbank oder Ost-Jerusalem sind  kein Thema und im Übrigen ist die Argumentation „die sind doch selber schuld“, (weil sie Raketen nach Israel schießen) in diesem Fall zur Legitimation von Feindseligkeit und Gewalt sehr wohl zulässig … Wir sehen also, auf welcher Seite Doppelmoral und Dämonisierung zu den bevorzugten Methoden gehören …

4) „Rabbi Cooper zitiert dazu den israelischen Politiker und Menschenrechtsaktivisten Natan Sharansky: Antisemit ist jemand, der die Grenze der drei Ds überschreitet: Doppelter Standard, Dämonisierung, und Delegitimierung.

Die Grenze zwischen legitimer Kritik und Diffamierung sei entscheidend: Wenn jemand sage, sorge dich nicht um eine iranische Atombombe, das ist keine Bedrohung, aber schau dir den jüdischen Staat an, da sind die Typen, die gefährlich sind – dann sei das zwar kein neuer Gedanke. Günter Grass habe das gleiche, nur eleganter, in seinen Gedichten gesagt, so Cooper. Aber so etwas als Deckmäntelchen zu nutzen, um die israelische Außenpolitik zu kritisieren, sei einfach Unsinn.“

Anscheinend leidet Rabbi Cooper an Legasthenie, denn Herr Augstein hat nie gesagt „die iranische Atombombe sei keine Bedrohung“. Das geht gar nicht, denn es gibt ja gar keine Bombe (wie die NS-Agenturen in den USA seit Jahren übereinstimmend feststellten, auf die sich Augstein ja auch beruft). Er hat, ebenso wie Grass, darauf hingewiesen, dass das militärische Atomprogramm Israels  ebenso von der IAEA kontrolliert werden müsse, wie das (bisher nicht militärische) Atomprogramm des Iran. (Hier kommt natürlich wieder die moralische „Sonderstellung“ Israels ins Spiel, die ich oben skizziert habe und die es nicht zulässt, dass für Israel die gleichen Spielregeln gelten, wie für andere Länder, schon gar nicht den „bösen“ Iran …“

Wie bereits oben (unter 3) erwähnt, sind die israelischen „Siedler“ (jene, die religiöse Extremisten sind) tatsächlich „gefährliche Typen“, die Palästinenser  terrorisieren um sie zu vertreiben. Daran gibt es nichts  zu rütteln. Nur sagen darf man das nicht, weil dann das schöne Bild Israels als “Opfervolk“ kompromittiert wird. (Auch die physisch nicht gewalttätigen „Siedler“ üben natürlich durch ihre bloße Anwesenheit auf gestohlenem Land indirekt Gewalt aus, und sie verbrauchen große Mengen Wasser, während die Palästinenser mit sehr wenig Wasser zu überhöhten Preisen auskommen müssen)

Dass Israel ein aggressiver, militanter Staat ist und kein unschuldiges Opfer wird jedem klar, der die Bücher von Ilan Pappe, Tom Segev, Avi Shlaim, Noam Chomsky, Norman Finkelstein, usw. (alles natürlich anti-semitische Juden, was sonst) gelesen hat. Israel war niemals von einer militärischen Übermacht der „bösen“ Nachbarstaaten bedroht, im Gegenteil Israel hat die  kurzen Kriege selbst provoziert.

Dementsprechend gibt es genug Gründe, die  aggressive Außenpolitik Israels zu kritisieren. Der Zusammenhang zur Innenpolitik besteht darin, dass ein Staat, der selbst religiösen Extremismus für politische Zwecke instrumentalisiert und mit staatlich abgesegnetem Terror, die Palästinenser aus den letzten 20% ihres von der UN zugesprochenen Territoriums zu vertreiben sucht,  kein Recht mehr hat, sich als moralische Autorität gegenüber „fanatischen Islamisten“ aufzuspielen, die Israel – „völlig grundlos“ – hassen und „vernichten wollen“ (was so nicht richtig ist).

Außerdem: Ahmadinejad gewinnt an Popularität – ebenso wie die Moslembrüder – jedes Mal, wenn Israels Menschenrechtsverletzungen wieder Schlagzeilen machen und das Leid der bzw. Unrecht gegenüber den Palästinensern ans Licht kommt, weil er sich mit ihnen solidarisiert, auch wenn sie keine Schiiten sind.

Und last not least, die erwähnten Kriterien wonach man Anti-Semiten erkennt:

Doppelmoral (engl: double standard wurde schlecht übersetzt), Dämonisierung und Delegitimierung, die drei „Ds“ also: Augsteins Kritik erfüllt keine der drei Kriterien (die Wahrheit über gewalttätige israelische Siedler zu schreiben, oder die Drohungen Israels (als Atommacht) gegenüber Iran als Bedrohung des Weltfriedens zu kritisieren, ist keine Dämonisierung höchstens eine Kränkung des idealisierten Selbstbildes der Zionisten ).

Die „Delegitimierung“  soll heißen, man leugnet das „Existenzrecht“ Israels – auch das hat Herr Augstein ja in keiner Weise getan. Doch auch das ständige Wiederholen des Wortes „Existenzrecht“ ist ein rhetorischer Trick, denn Israel hat bis heute keine festen Staatsgrenzen (weil man ja immer noch Land annektieren will) – das Existenzrecht welchen  Staates soll man denn nun anerkennen? Legitim ist nur der von 1948. Und wann erkennt Israel das Existenzrecht des palästinensischen Staates an (dessen Territorium es laufend stiehlt, oder durch den Siedlungs- und Straßenbau (inklusive Straßensperren)  zu „Schweizer Käse“ zerstückelt hat?

westbank

Sich heimlich Atomwaffen zuzulegen und einen Israeli (Vanunu) zu kidnappen und 20 Jahre in Einzelhaft zu halten, weil er das Atomprogramm (seine bloße Existenz) öffentlich gemacht hat; nicht einmal das israelische Parlament weiß über die Atomanlagen Bescheid (siehe dazu BBC Doku) gehört das auch zum „Existenzrecht“?

  • Menschen durch staatliche Auftragsmorde zu beseitigen, auch im Ausland und mithilfe Identitäts-Diebstahls (echte Pässe stehlen, wie für den Mord an einem Hamas-Führer in Dubai);
  • die Menschenrechte für die Palästinenser aussetzen;
  • das Völkerrecht nicht respektieren;
  • die Gaza-Hilfsflotte in internationalen Gewässern bei Nacht und Nebel mit einem Spezialkommando überfallen  und 9 türkische Aktivisten umbringen; andere Schiffe wurden gerammt, gekapert, usw.
  • ALBTRAUM GAZA: 1,6 Millionen Menschen, die  unter Besatzung leben mit einem Embargo belegen und nach Belieben bombardieren (einmalig in der Geschichte der Neuzeit), wobei überwiegend Zivilisten und viele Kinder getötet und verstümmelt werden (ebenfalls ausreichend dokumentiert); die Liste geht noch weiter …

All das und mehr ist OK, kein Problem, wenn man sich einredet, es dient der „Sicherheit“ Israels und ist deshalb „notwendig“.  Salopp und vulgär formuliert: wenn man sich wie ein Mega-Arschloch benimmt, braucht man sich nicht wundern, dass man sich viele Feinde macht …

capital-of-israeldoch dank des „unbreakable bond“ zwischen der USA und Israel kann man nach dem Motto oderint dum metuant handeln .. das Problem ist nur, wenn man sich gleichzeitig als „Opfervolk“ präsentiert, das ständig bedroht ist (weil die arabischen Nachbarn nach dieser Lesart Arschlöcher sind) … diesen Spagat zwischen Jekyll and Hide steht man auf Dauer nicht durch, wie Tony Judt in einem formidablen Artikel in Haaretz (zum 58. Geburtstag des israelischen Staates) auch feststellte.

Zur Ehrenrettung  des deutschen Zentralrats der Juden muss hervorgehoben werden, dass sich Herr Korn von den Attacken des SWC gegen Herrn Augstein distanziert hat.

Es gibt nur eine Lösung für den Konflikt: die Besatzung muss aufhören, Israel muss eingestehen, dass der zionistische Traum von Eretz Israel zu einem Albtraum geworden ist.  Auf Unrecht kann man kein Recht aufbauen und erlittenes Unrecht (der Vorfahren) ist kein Freibrief, anderen Unrecht anzutun, weil sie den eigenen Plänen im Weg stehen.

Die tiefere Wurzel des Problems ist der Zionismus, über den man dringend eine öffentliche Debatte führen sollte. „Juden“ und „Zionisten“ als Synonym zu gebrauchen, ist irreführend und ebenfalls eine Art des „framings“  (Ahmadinejad benutzt nie den Ausdruck „Juden“, sondern immer Zionisten, was eine völlig andere Bedeutung  im politischen Kontext hat).

Ohne Wahrheit gibt es keine Gerechtigkeit und ohne Gerechtigkeit keinen Frieden …

INFO: (Der im letzten Blog angekündigte Beitrag über die Deutsche Bank wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben)

Der Journalist als Autist (2): Saudi Arabien

Im zweiten Teil der „churnalism“ Serie  geht es  im Kontext von  „public awareness“ darum, wie die Medien unsere Aufmerksamkeit steuern:  Worüber wird gesprochen und geschrieben, welche Bilder werden gezeigt, wer bestimmt die Themen?  Die Journalisten lassen sich mit „newsfeeds“ aus den Presseagenturen füttern, als ob diese ein Garant für Wahrheit und Objektivität wären, doch dieses System führt zur „Massenproduktion von Ignoranz“, wie Nick Davies richtig feststellt.

Worüber wir uns Gedanken machen, was uns persönlich betroffen macht (weil es gegen unser Wertesystem  verstößt), welche politischen Themen uns wichtig sind, was uns wütend macht, all das und mehr kann durch die Medien stark beeinflusst werden. Dieses „agenda setting“ wird besonders in den „Nachrichten“ deutlich, wo über bestimmte Themen und Länder immer wieder aus einem bestimmten Blickwinkel gesprochen wird, über andere nur sehr selten oder gar nicht. Andere Formate greifen dann die Themen der „Nachrichten“ auf und verstärken sie damit.

Seit vielen Monaten sind zwei Länder fast ständig in den Medien in einem negativen Kontext präsent: Iran und Syrien. (Vorher waren es Irak und Libyen). Beide Länder werden uns in einem medialen Dauerfeuer als  Inkarnation des Bösen vorgeführt, obwohl bei genauerem Hinsehen, die Bedrohung des Friedens im Nahen Osten und der (Demokratie in der) Welt aus ganz anderen Ländern kommt.

Die USA und Israel (welches in perfider Weise  immer nur als „Opfer“ der Aggression anderer dargestellt wird) fallen einem dazu spontan ein, doch es gibt noch andere staatliche Akteure, die zur Liga der big assholes zählen, aber nie längere Zeit im Kreuzfeuer der Kritik stehen (von Sanktionen ganz zu schweigen). Einen davon möchte ich heute zum Gegenstand einer näheren Untersuchung machen:

 

SAUDI ARABIEN

Was fällt uns zu diesem Land ein? Die meisten Menschen würden wahrscheinlich mit „Öl“ antworten, einige vielleicht noch mit “Unterdrückung der Frauen“, aber dann wird es bereits dünn, denn wir wissen sehr wenig über diesen Wüstenstaat. Ich will und kann hier keinen Geschichtsunterricht geben und verweise natürlich auf die Fachliteratur, die es über Saudi Arabien und die Geschichte des Nahen Ostens gibt.

Was findet man in den zwei großen „öffentlich-rechtlichen“ TV-Sendern, ARD und ZDF, wenn man „Saudi Arabien“ als Suchbegriff eingibt?

Sehr wenig (und das ist kein Zufall). Bei der ARD gibt es noch letzte Enklaven des wahrhaftigen, investigativen Journalismus, wie MONITOR oder FAKT. Monitor hat das brisante Thema deutscher Rüstungsexporte nach Saudi Arabien behandelt (es geht um die Lieferung hunderter Leopard Panzer an das repressivste arabische Regime) und Fakt beleuchtete die Tatsache, dass deutsche Bundespolizisten – „bezahlt von einem Rüstungskonzern (EADS)“ bei den Saudis „Sicherheitskräfte in Techniken ausbilden, die zur Unterdrückung der Opposition“ nützlich (sprich: geplant)  sind. Unter den „Auszubildenden“ seien Geheimdienstoffiziere ebenso wie Mitglieder der brutalen „Religionspolizei“, gegen die es keinerlei rechtliche Handhabe gibt.

Beide Redaktionen heben sich äußerst positiv von vielen anderen ab, doch man muss mit Bedauern feststellen, dass diese Beiträge in der Regel etwa 5 Minuten lang sind und daher keine Zeit für politischen Kontext und Hintergrund bleibt  – auch das ist kein Zufall: die Sendezeit dieser wichtigen Magazine wurde in den letzten Jahren gekürzt und immer weiter nach hinten geschoben, anstatt sie in die „prime time“ zu setzen, wo sie hingehören (wenn man den staatlichen „Bildungs- und Informationsauftrag“ ernst nimmt).

„Wenn wir, […] davor zurückschrecken, selbst in einen Konflikt einzugreifen, dann reicht es in der Regel nicht, an andere Länder und Organisationen Worte der Ermutigung zu richten. Wir müssen die Staaten, die bereit sind, sich zu engagieren, auch dazu befähigen. Ich sage ausdrücklich: Das schließt auch den Export von Waffen mit ein – dies selbstverständlich nur nach klaren und weithin anerkannten Prinzipien.

Wir sollten aber versuchen, einen Schritt weiterzugehen: Wenn wir uns im Atlantischen Bündnis einig sind, dass die NATO nicht alle Konflikte lösen kann und dass den aufstrebenden Schwellenländern und Regionalorganisationen mehr Verantwortung zukommt, dann sollten wir im Bündnis bei den Rüstungsexporten auch schrittweise zu einer gemeinsamen Politik kommen. Eine solche gemeinsame Politik muss und wird immer restriktiv sein. Sie muss und wird immer und in jedem Fall mit einer Außenpolitik in Einklang zu bringen sein, die auf die Achtung der Menschenrechte ausgerichtet ist. Denn sonst wird eine wertegeleitete Politik unmöglich

Angela Merkel, 9.September 2011, Berlin

Dass Merkel – wie ihre “transatlantischen“ psychopathischen  Busenfreunde eine zynische PR-Show abzieht, wenn sie von „Achtung der Menschenrechte“ im Kontext von Waffenlieferungen spricht, wird klar, wenn man sich die Zustände in Saudi Arabien etwas näher ansieht. Hier nur einige Kostproben:

  • Öffentliche Veranstaltungen, die nicht religiös legitimiert sind –  sind verboten (keine Kinos, Konzerte, Events, Orte, wo sich beide Geschlechter treffen, etc.).
  • Frauen und Männer, die nicht verheiratet sind, müssen streng voneinander getrennt bleiben, jeder gemeinsame Auftritt in der Öffentlichkeit wird von der Religionspolizei („Behörde zur Förderung der Tugend und Verhinderung der Sünde“) mit Schlägen geahndet.
  • Jede Form „westlicher Dekadenz“ ist verboten, dazu gehört z.B. auch die westlichen Rituale des Valentinstags zu übernehmen. Es klingt absurd, ist aber wahr: Im Monat Februar wurde den Händlern verboten, bestimmte  Geschenkartikel zu verkaufen. Ihre Läden werden von der Religionspolizei nach folgenden Dingen durchsucht: rote Rosen, rote Kleider, herzförmige Artikel, Süßigkeiten, Grußkarten, etc. Wer seiner Frau an diesem Tag Blumen schenkt, oder Konfekt muss damit rechnen, durch Verprügeln (oder Schlimmeres) bestraft zu werden. Begründung: Feiern eines „heidnischen Festtages“
  • Frauen werden völlig von den Männern dominiert (das hat nichts mit dem Islam zu tun, sondern ist Ausdruck einer kranken, atavistischen  Männergesellschaft): sie dürfen nicht ohne Begleitung eines männlichen Angehörigen das Haus verlassen, dürfen nicht Auto fahren, müssen schwarz vermummt durchs Leben gehen und dürfen sich in der Öffentlichkeit nicht frei bewegen (es gibt z.B.in den Einkaufszentren eigene Zonen für Frauen und Männer …).
  • Eine junge Frau, die von sieben Männern vergewaltigt worden war, wurde nach „Anhörung“ zu 90 Peitschenhieben verurteilt, weil sie sich alleine mit einem Mann in einem Auto befand, bevor sie entführt wurde.  Das gilt quasi als Einladung zu sexuellen Übergriffen und muss demnach bestraft werden. (Frauen werden zu Objekten degradiert: das hat eher mit de Sade als mit Religion zu tun). Als die Frau das nicht akzeptieren wollte und an die Öffentlichkeit ging, wurde die Strafe auf 200 Hiebe und sechs Monate Gefängnis erhöht.

Im Jänner 2010 erzählte die Journalistin Nadin Al-Badir im ägyptischen Fernsehen eine Horrorstory nach der anderen über die finsteren Machenschaften der Religionspolizei:

So seien bei einem Brand im Schulgebäude 15 Schülerinnen ums Leben gekommen, weil die Feuerwehr daran gehindert wurde, den Brand zu löschen. Der Grund für diese „Strafe“ war, dass die Mädchen nicht den vorgeschriebenen hijab trugen (die schwarze Kopfbedeckung, bei der nur die Augen zu sehen sind). Nach ihren Angaben sind die meisten dieser „Polizisten“ ehemalige Sträflinge, die entweder selbst Drogen genommen oder damit gedealt hatten – als Moralpolizei?

Die saudische „Moralpolizei“ in Dienstuniform

Alleine in Mekka wurden in einem Jahr  mehr als 100.000 Verhaftungen  durch  die  Religionspolizei vorgenommen, ebenso in Riyadh.

Der wahabitische Islam ist eine extreme Form des Missbrauchs von Religion in einer Männergesellschaft und umso schlimmer, weil diese extreme Form der Unterdrückung natürlich der Islamphobie große Dienste erweist und rassistische und kulturelle Vorurteile bedient.

Dass Menschen unter dem Deckmantel religiöser Gebote erniedrigt, bevormundet und gequält werden, ist uns ja nicht fremd: die Geschichte der katholischen Kirche hat in dieser Hinsicht einiges (z.B. Hexenverbrennung, Inquisition) zu bieten. Ein System, das mit Schuldgefühlen und unmenschlichen Strafen Menschen gefügig macht, ist schon furchtbar genug, doch wenn die Moral derjenigen, die die Bestrafung anordnen selbst am tiefsten Punkt angelangt ist, wird es unerträglich.

Die saudische Herrscherkaste gehört zu den korruptesten Regierungen der Welt.

Ihr eigener Lebensstil (vor allem wenn sie sich im Ausland aufhalten) verhöhnt die strengen Gebote, die sie ihrer Bevölkerung auferlegt: Sex, Alkohol, Drogen, wilde Partys, Spielcasinos, kriminelle Geschäfte, das volle Programm.

Realsatire … in new dimensions

Die Skandale um den Rüstungsdeal mit BAE (Kampfjets u. anderes Kriegsmaterial im Gesamtwert von 43 Milliarden Pfund wurde an die Saudis verkauft, nachdem mehr als 1 Milliarde an Schmiergeldern über eine US-Bank an das saudische Verteidigungsministerium bzw. Prinz Bandar geflossen war) sind uns ja noch in Erinnerung.

Als das britische “SFO (serious fraud office – Behörde zur Verfolgung Schweren Betrugs) 2006 eine Untersuchung begann, griff  Tony Blair ein und würgte das Verfahren ab.  Seine Begründung: die saudische Königsfamilie hätte damit gedroht, wichtige Informationen über geplante Terroranschläge in London zurückzuhalten, wenn diese investigation nicht beendet werde. Der „edle“ Blair musste also  handeln, um das Leben von Engländern zu schützen. Diesen Bullshit hatte man jedenfalls verbreitet.

Doch eine britische Kampagne gegen Korruption fand sich damit nicht ab und stellte einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens, da sich die britische Regierung allem Anschein nach erpressen ließ. Inzwischen gibt es neue Vorwürfe der Korruption, diesmal unter Premierminister Cameron. Die Waffendeals gehen natürlich weiter.

Merkel, Blair, Cameron – sie alle kümmert es einen Dreck, ob die Menschenrechte eingehalten werden in Ländern, die als unsere „Verbündeten“ gelten – also der unheimlichen Verflechtung aus wirtschaftlicher und politischer Macht dienlich sind, die man uns als „Demokratie“ verkauft. Alle Rüstungsgeschäfte laufen über korrupte Kanäle, das ist doch nichts Neues.

Was mich anwidert ist,

  • dass die „Journaille“ (vor allem der „Nachrichten“) die dämlichen Sprüche der Kanzlerin und anderer Heuchler über „Menschenrechte“ bei Waffendeals (und auch anderen Exporten) so präsentiert, als wären sie ernst gemeint
  • dass ihre „Argumente“ nicht eindeutig bloßgestellt werden
  • dass (seit der Zerstörung Jugoslawiens) die Missachtung staatlicher Souveränität kein Thema ist – ein Tabubruch ohne Folgen
  • dass Deutschland wieder Krieg als notwendige „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ ansieht

Das „humanitäre“ Bombardieren anderer Länder, das Töten von tausenden Zivilisten, die Zerstörung ziviler Infrastruktur, der von außen gesteuerte „regime change“ – all das hat Merkel akzeptiert und mitgetragen. Sie ist damit ein echter Vasall der USA und der neoliberalen „Befreiungsfront“.

Dafür hat sie wohl einen Orden („Presidential Medal of Freedom“) von Obama bekommen. {nebenbei bemerkt: Grauenvolles Englisch der Kanzlerin…}

Doch welche Rolle spielen die Saudis in diesem Spiel um Waffengewalt, Macht, Einfluss und Kontrolle der Massen?

Natürlich ist es richtig, dass sich die Medien mit der Repression in Saudi Arabien befassen (also mit der saudischen Innenpolitik). Aber wer kümmert sich um die Außenpolitik der Saudis? Ihre Rolle in der Eskalation religiös-verbrämter Gewalt in vielen anderen Ländern?

Tony Blair hatte behauptet, die Einstellung des Untersuchungs-verfahrens gegen BAE sei notwendig gewesen – aus Gründen der „nationalen Sicherheit“: um die guten Beziehungen zu Saudi Arabien nicht zu gefährden, die er als „entscheidend für den Kampf gegen Terrorismus und den Frieden im Nahen Osten“ bezeichnete. Ähnliche Sprüche gibt Merkel von sich, wenn es um die Legitimation der Waffenexporte geht.

Nothing could be further from the truth.

Kein anderes Land hat mehr zur Verbreitung des religiösen Extremismus beigetragen als Saudi Arabien. Kein anders Land hat die Religiosität in einem solchen Ausmaß missbraucht, um demokratische Selbstbestimmung zu verhindern.

Doch darüber wird in unseren Medien nie gesprochen (einzige Ausnahmen: Scholl-Latour  bzw. Michael Lüders, die aber immer als exotische „Außenseiter“ in einer Talkshow-Runde präsentiert werden)

Wie es dazu kam, versuche ich im Folgenden zu skizzieren:

Im Mai 1962 wurde in Mekka eine neue Organisation geschaffen, die sich länderübergreifend  um die Anliegen und Probleme der Muslime kümmern sollte, die WML (world muslim league). Die zentrale Botschaft der Schlusserklärung einer Konferenz  lautete:

„Jene, die den Islam verleugnen und ihn unter dem Deckmantel des Nationalismus verunstalten sind in Wahrheit die bittersten Feinde der Araber, deren Ehre untrennbar mit der Ehre des Islam verbunden ist.“

Die WML Konferenz war aber nicht vom saudischen Kronprinz Faysal organisiert worden, um „die Ehre des Islam“ zu retten, sondern um den wachsenden Nationalismus und Sozialismus in den Ländern der „Dritten Welt“ einzudämmen, insbesondere natürlich „vor der eigenen Haustür“, also im Nahen Osten.

Das „Arab Awakening“, das in der Zwischenkriegszeit (1918-1939) erstmals in Erscheinung trat, und sich als sekulare Form des Nationalismus herauskristallisierte, war für die Herrscherdynastie in Saudi Arabien very bad news indeed.

Die Bedrohung der alten Ordnung lag in  gemeinsamen, universellen Werten: dem Recht auf politische Freiheit und nationale Selbstbestimmung. Diese Form einer  nationalen arabischen  Identität, die (seit Nasser) stark sozialistisch geprägt war und soziale Gerechtigkeit, demokratische Mitbestimmung, und die Abschaffung der alten Hierarchien forderte, bedeutete eine ernsthafte Bedrohung für die Tyrannei der saudischen Herrscherfamilie.

Die Religion musste ja im Laufe der Geschichte schon oft dazu herhalten, den Menschen absoluten Gehorsam gegenüber Institutionen der Macht einzuhämmern, eine Methode die einst die katholische Kirche perfektionierte, die aber inzwischen vom saudischen Modell weit übertroffen wurde.

Die saudischen Herrscher wollten eine Bevölkerung, die sich nicht gegen die extrem ungerechten Machtverhältnisse wehrt, sondern die herrschende „Ordnung“ akzeptiert. Der Koran wird als Werkzeug benutzt, um den Gläubigen einzuhämmern, dass Auflehnung gegen den Herrscher eine „Verschwörung gegen Gott“ gleichkomme und der wirkliche „Feind“ woanders zu orten sei.

Prügelstrafe der „Religionspolizei“

Die strikte Befolgung absurder Regeln (die oft nur in das „heilige Buch“ hinein interpretiert wurden)  und die Verteidigung des  „einzig wahren“ Islam  sind demnach der einzige Weg  ins  „Paradies“. Der Gefahr mangelnder Akzeptanz bei den Untertanen begegnet man effektiv durch eine „Religionspolizei“, die als Exekutivorgan für eine Regierungsinstanz mit dem schaurig-schönen Titel „Komitee für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung der Sünde“ fungiert.

Dass sich ausgerechnet sie Saudis heute als Gallionsfigur der Arabischen Liga im Kampf für „Demokratie in Syrien“ präsentieren, ist angesichts der historischen Fakten wirklich zum Totlachen. Doch auch die größte Absurdität wird von unseren Fließbandjournalisten mühelos so lange wiederholt, bis sie als „Normalität“ wahrgenommen wird.

1969 wurde die WML (eine Nichtregierungsorganisation) durch ein Pendant auf Regierungsebene ergänzt, die OIC (Organisation der Islamischen Konferenz). Diese gründete islamische Kulturzentren und eine internationale Presseagentur und hielt regelmäßig  Konferenzen ab, um der Kampagne gegen Kommunismus und Nationalismus mehr Nachdruck zu verleihen.

Im eigenen Land wurde natürlich hart durchgegriffen: Nasser und  seine „Freien Offiziere“ waren auch in Saudi Arabien populär, was sich in Streiks und Anschlagsversuchen gegen die Herrscher äußerte. Prinz Faysal war ein echter Fundamentalist: er besetzte das Justizministerium mit Klerikern und sorgte dafür, dass jeder Keim einer Zivilgesellschaft sofort erstickt wurde.

Stattdessen wurde großzügig in Koranschulen und andere religiöse Institutionen investiert, die alle den strikten Gehorsam gegenüber Autoritäten predigten, und die Verteidigung der Menschenrechte durch die „Verteidigung des Islam gegen Ungläubige“ ersetzte.

Doch Repression alleine war nicht ausreichend, um den starken ideologischen Appeal der neuen Gesellschaftsordnung auszumerzen.  Die vorhandene Frustration musste in die richtigen Bahnen gelenkt werden: statt Bekämpfung der alten Ordnung und Machtstrukturen sollten archaische Instinkte und „alte Werte“ wiederbelebt werden: religiöser Puritanismus, Tribalismus bzw. Ethnozentrismus.

Die Gleichheit, die der Sozialismus versprach,  ersetzten die Saudis durch himmlische Gerechtigkeit, solange die Bevölkerung die bestehende Hierarchie nicht in Frage stellte.  Gegen den gesellschaftlichen Aufbruch der Dritten Welt brachten die herrschenden Klassen althergebrachte  kulturelle  Konzepte in Stellung, um das Volk zu disziplinieren: eine Art Gegenreformation in der arabischen Welt (nicht nur dort, aber wir beschränken uns darauf).

Diese reaktionären sozialen Kräfte schürten atavistische Ideen (wie etwa Stammes- und Religionszugehörigkeit als Zeichen für Höher- bzw. Minderwertigkeit) um die große Gefahr – Solidarität zwischen gleichberechtigten Menschen, die für die gleichen Ziele kämpfen – zu eliminieren.

Die erfolgreichen Putsche in Ägypten, Irak und Libyen legten nahe, dass es eines Tages auch in Saudi Arabien zu einem Umsturz kommen könnte. Die Saudis bereiteten den Boden für einen „Kulturkampf“ der besonderen Art, als Gegenentwurf für den aufkeimenden Nationalismus in der Dritten Welt.

„ARAB OIL FOR ARAB PEOPLE“  (Nasser 1956 zu Arbeitern eines Ölfeldes in Saudi Arabien)

In den 1930er Jahren wurden die großen Ölvorkommen in Saudi Arabien entdeckt und Ibn Saud zögerte nicht, amerikanisch-britischen Ölkonzernen sofort  Konzessionen zu erteilen. Der Deal: Wir verkaufen unser Öl nur in US-Dollar (die  in Form von Waffenkäufen in den USA und in Geschäften mit der Wall Street  wieder „recycelt“ werden) und die neue Supermacht sorgt dafür, dass niemand es wagt, unser  anti-demokratisches, retrogrades Regime anzutasten oder unser Land anzugreifen.

Das alte Motto Caligulas hat hier wohl Pate gestanden: oderint dum metuant (Sollen sie uns nur hassen, solange sie uns fürchten – That’s fine with us …. nicht nur für die Saudis, sondern auch für die „Außenpolitik“ der USA, wie das Demissionsschreiben eines US-Diplomaten zeigt: (Letter of resignation: John Brady Kiesling to Colin Powell) – als Folge der “Bush-Doktrin”)

Im Jänner des Jahres 1958 gründeten Ägypten, Syrien und Yemen die Vereinigte Arabische Republik und im Juli stürzten die freien Offiziere die Hashemiten-Monarchie im Irak (eine  Kreatur des Britischen Empire).  Die Saudis hassten Nasser nun so sehr, dass sie 1959 versuchten ihn in Damaskus umzubringen, was aber misslang.

Der Kommunismus war in Saudi Arabien kein großes Thema, doch 1962 kam es zu einer nationalen Revolution im Yemen, das danach zum Exportland für revolutionäre Ideen in die Region mutierte. So unterstützte man die kommunistische „Befreiungsfront für Oman und den Arabischen Golf“. Die Saudis finanzierten die bestehende Machtelite im Yemen und die reaktionäre Regierung des Oman und gingen mit großer Brutalität gegen alle linken Demokratiebewegungen vor (wodurch sie den Machteliten der USA sehr ans Herz wuchsen …).

Das „Nasser-Virus“ kam immer näher und drang schließlich in den Königspalast in Riyad ein. Unter der Führung von Prinz Talal bin Abdulaziz, der die Tochter des Premierministers im Libanon geheiratet hatte, wurde  ein Umsturz versucht, der jedoch scheiterte, weil die „Freien Prinzen“ keinen Rückhalt in der Bevölkerung hatten. Ihr Versuch, eine Verfassung, ein oberstes Gericht und eine Nationalversammlung durchzusetzen  misslang ebenso,  wie das Bestreben, nicht-religiöse soziale Einrichtungen zu schaffen und die Arbeitslosigkeit durch öffentliche Investitionen zu senken.

Faysal hatte den Erhalt der alten Ordnung durchgesetzt, nicht zuletzt mit Unterstützung seines „Partners“ Aramco (die Ölgesellschaft), hinter der die amerikanische Regierung stand.

Die WML wurde von Washington freudig begrüßt, als willkommenes Instrument zur Bekämpfung der „radikalen Idee“, dass die arabische Bevölkerung selbst über die Verwendung der Öleinkünfte bestimmen darf.

1965 sagte Thomas Barger, ehemaliger ARAMCO-Chef in einem Ausschuss des State-Departments:

„Es war angemessen, dass unsere Regierung darauf abzielte, die Verwendung des Erdöls als politische Waffe durch radikale Araber zu verhindern.

Der beste Weg das zu erreichen, war die Verhinderung der arabischen Einheit.“

1957 erblickte die Eisenhower-Doktrin das Licht der Welt: der Tenor war – what else – die generelle Eindämmung des Kommunismus (als ob es sich um eine Seuche handelte), doch speziell für den Nahen Osten bestand der Plan darin, die korrupten Monarchien der Kolonialmächte wie Jordanien, Irak aber auch den Shah in Persien/ Iran) an der Macht  zu halten.

Saudi-Arabien war von Anfang an ein wichtiger „Partner“ der USA bei der Verhinderung demokratischer Selbstbestimmung im Nahen Osten.

Ein wichtiger Teil der „Counterrevolution“ war die Förderung des religiösen Fanatismus und Fundamentalismus und damals wie heute, war die CIA bei diesen „Aktivitäten“ mit von der Partie.

Der Grundstein für ein „extensives Programm“ zur Förderung „religiöser Zellen“ wurde damals gelegt, „geerntet“ wurde dann später: Leute wie Osama bin Laden und sein „Beratungs- und Reformationskomitee“ und – der ganze Stolz der US und saudischen Geheimdienste –  „Al Qaeda“:

Das phantomhafte „Terrornetzwerk“ von dem unsere „churnalists“ und Medienschafe immer plappern, ist in Wahrheit eher das ideologische Netzwerk der WML und anderer Organisationen, das die Saudis seit mehr als 50 Jahren betreiben und aus dem – mit tatkräftiger Unterstützung der CIA – „bei Bedarf“ dann echte (bewaffnete) Terroristen geformt werden.

Diese können dann in „Krisengebiete“ exportiert werden, wo sie als eine Art islamistische SS  für den „humanitären“ Imperialismus  (wie jetzt in Syrien, vorher in Libyen, im Irak, im Sudan, in Jugoslawien, in Afghanistan …) grauenhafte Verbrechen begehen –natürlich immer nur für den „guten“ Zweck: den Sturz eines nationalen Regimes, dass nicht nach der Pfeife Washingtons tanzen will und eine soziale Infrastruktur hat (keine „Marktherrschaft“).

Die Tentakel des Netzwerkes sollten das Bewusstsein der Muslime so dominieren, dass jede andere Ideologie (der Veränderung) – außer dem Islam– als tabu, weil „anti-arabisch“ betrachtet wird. Und damit kommen wir zu jener Vereinigung von Heuchlern, die sich die „Muslim-Bruderschaft“ nennt und ein Geschöpf dieses Systems ist.

Die aktuelle ägyptische „Solidaritätsbekundung“ (Mursi gehört auch zur den „Brüdern“)  im belagerten Elendsghetto Gaza, der aber keine Taten folgen, zeigt dass die „Brüder“ auch nur Instrumente der USraelischen Hegemonie sind ….

Die WML wurde so zum Motor für den Export der saudischen Religionsdoktrin:

Nationalismus und Kommunismus wurden zu „Feinden des Islam“.

Statt einer nationalen Gemeinschaft der Gleichberechtigten (die der Sozialismus anstrebte)  wurde eine transnationale Glaubensgemeinschaft als oberstes Ziel vorangetrieben. Die „islamische Nation“ sei wichtiger als konkrete Nationen, statt Selbstbestimmung zu fordern sollte man sich der „göttlichen Ordnung“ fügen.

Fortsetzung folgt …

Es ist angerichtet: Churnalism 2012

Die Pressemeldungen über die Kämpfe in Syrien, die man uns seit Monaten auftischt, sind extrem einseitig und voreingenommen. Jeden Tag hören wir, dass Menschen getötet werden und immer ist es die syrische Armee bzw. das „Assad-Regime“, das als „brutaler Unterdrücker“ einer „legitimen Opposition“ dafür  verantwortlich gemacht wird, während die „Rebellen“ immer nur auf syrische Soldaten schießen. Ihre Gewalt wird also als defensiv und moralisch legitimiert dargestellt.

Dass diese „Meldungen“ immer von den „Rebellen“ selbst stammen bzw. von edel klingenden PR-Frontgroups (wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“, die aus einem Mann besteht, der in England residiert), stört unsere „Churnalists“ nicht. Auch die laufend wiederholte Lüge, dass eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes unmöglich sei, weil ausländische Journalisten nicht ins Land dürfen, findet man nicht anstößig.

RELOAD: „AB HEUTE WIRD ZURÜCKGESCHOSSEN“ (Hitler 1939)

Die jüngste PR-Meldung über die Entscheidung des türkischen Parlaments (man hat sich selbst das Recht verliehen, militärische Gewalt gegen Syrien anzuwenden, weil 5 türkische Zivilisten in der Grenzregion getötet wurden, was natürlich sofort wieder der syrischen Armee angelastet wurde) ist ein weiteres Indiz für diese Voreingenommenheit und letztlich auch Komplizenschaft der Medien in einer massiven Desinformationskampagne, mit der ein offener Krieg gegen Syrien legitimiert werden soll (der verdeckte Destabilisierungskrieg ist ja bereits seit Monaten im Gang, was die Presse aber weitgehend ignoriert).

Die gespielte moralische Empörung Erdogans (und seiner  NATO-Waffenbrüder) wird als unerträgliche Doppelmoral entlarvt, sobald erwähnt wird, dass die bewaffneten Terrorbanden („FSA“: fanatisch-islamistische Takfiris und Söldner aus dem Ausland) von Anfang an über die türkische Grenze (sowie über Jordanien und Libanon) nach Syrien eingeschleust wurden, die Türkei als Basis und Nachschub für diese  gezüchteten “Rebellen“ dient und auch westliche Geheimdienste, die in Syrien für „Murder & Mayhem“ sorgen,  dort herzlich willkommen sind (vor allem die CIA).

Die kurz darauf in den Medien kolportierte „Entschuldigung Syriens“ für den Zwischenfall ist ebenfalls eine Erfindung der  „strategic communications“, denn tatsächlich hat Syrien nur Bedauern über den Tod der Türken ausgedrückt, während das ZDF sogar berichtete, die Rebellen hätten die Verantwortung dafür übernommen.

Jeder, der noch denken kann, versteht, dass seit Monaten eine Hetzkampagne gegen Syrien in den Medien läuft, die sich wöchentlich steigert und als großes Crescendo einen Vorwand für einen offiziellen Krieg liefern soll. Selbst organisierte „Grenzzwischenfälle“ als Vorspiel für eine militärische Aggression, die dann als notwendige „Verteidigung der eigenen Sicherheit“ präsentiert wird, das ist ja nicht neu.

DIE FLIESSBANDJOURNALISTEN

Im Mai dieses Jahres wurde ein renommierter österreichischer Journalist von einem Radiohörer gefragt, ob er die starke Filterung der Meldungen durch die Presseagenturen nicht als Gefahr  für  einen freien Journalismus (also eine Art versteckte Zensur) ansehe. Seine Antwort (sinngemäß):

Ja, es stimmt, dass die wenigen Presseagenturen eine Art Monopolstellung haben – insbesondere bei den Auslandsmeldungen – weil Auslandskorrespondenten sehr teuer sind, die Medien auch immer mehr unter Kostendruck geraten und deshalb lieber auf den Service von AP, Reuters, etc. zurückgreifen.

Doch das sei eigentlich kein Problem, denn es gäbe ja noch das Internet: dort gäbe es „sehr gut informierte Blogger“, deren Beiträge eben nicht aus den gleichen Quellen gespeist werden, wie jene der „Mainstream“ Presse.  [Das garantiere quasi eine Vielfalt an  Perspektiven und Themen, die einer Mediendemokratie angemessen seien …]

Das ist eine ungeheuerliche Aussage, denn sie impliziert, dass ein hochdekorierter „Qualitätsjournalist“  eine Präselektion und Homogenisierung der Auslandsmeldungen durch Presseagenturen als akzeptabel und „normal“ erachtet. Wer ein vollständigeres Bild der Welt haben möchte, der kann ja ins Internet gehen.

Dass dieser Journalist „in Österreich als Instanz im Kampf um journalistische Unabhängigkeit“ gilt, macht die Sache noch schlimmer.  Seine „inquisitorischen Interviews“ mit Politikern liefern angeblich „gesellschaftlichen Mehrwert, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ legitimiert. Dass er mit einer solchen Einstellung an der Uni Wien als Dozent für Journalismus agiert,  lässt noch Schlimmeres befürchten und warum die Zuschauer (nicht nur in Österreich) für diese Form von „Nachrichten“ auch noch Gebühren bezahlen müssen, lässt sich auch schwer legitimieren.

Was nützt es, wenn man im direkten Interview einem Politiker auf den Zahn fühlt, aber die Themen selbst (und wie sie präsentiert werden) von anderen, intransparenten Institutionen bestimmt werden? Die Journalisten werden heute ja geradezu mit Informationen „gefüttert“ – die Agenturmeldungen heißen nicht umsonst „newsfeeds“. Auch die Auswahl der Interviewpartner stellt eine Selektion dar (z.B. bei Wirtschaftsthemen („Eurokrise“) kommen immer die gleichen Leute aus den gleichen etablierten Zirkeln der Macht: Wirtschafts-/Finanzminister, Präsident der Nationalbank, „Experten“ aus den (neoliberal indoktrinierten) WIFOs, „Stiftungen“, etc.)

Doch wer sind die Leute in den Presseagenturen? Wer nimmt Einfluss auf die Auswahl der Themen und natürlich auch auf die Gestaltung der Texte, die dann von den Empfängern der „Feeds“  (also der Presse und den elektronischen Medien) multipliziert werden (sie  heißen deshalb auch im Medienjargon „Multiplikatoren“). Kann ein „Top-Journalist“ sich mit dieser Rolle abfinden?

CHURNALISM“  STATT  JOURNALISMUS

Im Jahr 2008 erschien ein Buch zum Thema, das in der Medienwelt großes Aufsehen erregte:

 „Die-Erde-ist-eine-Scheibe – Nachrichten“ (Originaltitel: „Flat Earth News“ von Nick Davies) – dieser Titel sagt ja schon, worum es geht:

Die massenhafte Produktion von Ignoranz und das im Zeitalter der „Informationsgesellschaft“, der „Bildungsinitiativen“ und des „Wissensmanagements“.  Während wir ständig hören, wie wichtig „Bildung“ sei und Messlatten wie die „Pisa-Studie“ hochgehalten werden, ist eine ganze Armee hochbezahlter Experten damit beschäftigt, uns systematisch zu verblöden, unsere Denkfähigkeit einzuschränken, uns abzulenken, uns zu folgsamen „Verbrauchern“ zu degradieren.

Diese Experten arbeiten natürlich hinter den Kulissen: für Geheimdienste, Ministerien, „Think-Tanks“ und „Stiftungen“ (selbst ein hoch-manipulativer Begriff, der suggeriert, hier werde „wertfrei“ wissenschaftlich gearbeitet, während die mehr oder weniger heimlichen Sponsoren dieser „Institute“  nur einen Wertmaßstab anerkennen: Erhalt und Ausweitung der eigenen wirtschaftlichen (und somit auch politischen) Macht.

Dass die Medien unentbehrlich sind für die Infizierung der Gesellschaft mit diesen ideologischen „Viren“ liegt wohl auf der Hand. Die Entscheidung, Journalist zu werden, sollte man sich deshalb besonders gut überlegen. Der Beruf genießt hohes Ansehen, man fühlt sich als zugehörig zur „intellektuellen Elite“, doch die Verantwortung ist enorm und wie viele „unabhängige“ Journalisten gibt es noch?

The conscious and intelligent manipulationof the opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country.

Dieses enorm wichtige Statement von Edward Bernays, dem Altmeister der  Propagandatechnik, kann gar nicht oft genug betont werden:

„Die bewusste und intelligente Manipulation der öffentlichen Meinung ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Jene, die diesen unsichtbaren Mechanismus kontrollieren, stellen eine unsichtbare Regierung dar, die die wirklich herrschende Macht im Lande ist.“

Dass das Mediensystem insgesamt zu einem Propagandainstrument geformt wurde, haben ja Noam Chomsky und Edward S. Herman ja schon vor Jahren in „Manufacturing Consent“ diagnostiziert. Ein zentraler Punkt dabei ist:

Wer ist in der Lage, zu bestimmen (darauf Einfluss zu nehmen), wie eine Gesellschaft funktioniert (Rahmenbedingungen für Produktion, Finanzierung & Investment, Handelsarchitektur, Verteilung, Steuersystem, Sozialsystem, Bildung, etc.)?  Hier finden wir ein Netzwerk aus transnationalen Konzernen, einer Finanzoligarchie und politischen Planern (die oft als „trojanische Pferde“ in „Instituten“ agieren). Die Medien befinden sich entweder bereits im Eigentum dieser „unsichtbaren Regierung“ oder sie werden von ihr gelenkt, ohne dass es offenkundig wird.

Die Dominanz dieser Leute in der Wirtschaft ist beinahe total und auch die Politik kann sich dem ideologischen Würgegriff offenbar nicht entziehen (siehe  aktuelles Verhalten in der  Finanz- bzw. „Eurokrise“).

Auf die Frage, wessen Zustimmung denn hier geformt wird, antwortete Noam Chomsky:

„Es gibt zwei verschiedene Gruppen, also zwei Propagandaziele: das eine ist die politische Klasse, vielleicht 20% der Bevölkerung, die einen hohen Bildungsgrad hat, sich artikulieren kann, am politischen Leben teilnimmt, sich mit wirtschaftlichen und kulturellen Fragen befasst. Deren Zustimmung ist entscheidend, daher muss diese Gruppe sehr stark indoktriniert werden. [das erledigt z.B. die „Bertelsmann-Stiftung“ und andere „Institute“ für Politik, Wirtschaft, etc.]

Der Rest der Bevölkerung (die große Mehrheit) hat die Funktion Anordnungen zu folgen [wobei man ihnen die Illusion der „Meinungsfreiheit“ lässt und sie mit Banalitäten wie Sport als Unterhaltung, ablenkt ] und nicht selbständig zu denken, sie sind diejenigen, die den Preis für die Entscheidungen der ersten Gruppe zahlen …“

Das kann man durchaus wörtlich nehmen, wer bezahlt für die Euromanie, die Narrenfreiheit der kriminellen Finanzindustrie, die Schuldenexplosion (als Folge einer dysfunktionalen, irrationalen Wirtschaftsideologie)?  Wir natürlich, die Demontage der Sozialsysteme, der parlamentarischen Kontrolle über Haushalte, der Entmachtung der nationalen Regierungen hat ja erst begonnen …

Die Rolle der Medien bei der Produktion von Ignoranz (und somit Akzeptanz einer „Zuschauerdemokratie“) hat Nick Davies in seinem Buch anhand seiner eigenen Erfahrungen als britischer Journalist kritisch analysiert. Hier einige wichtige Punkte der Kritik:

Nachrichtenfabriken“: Recycling vorgefertigter Stories

80% der Meldungen und Geschichten sind „Second-Hand“ Material aus  Presseagenturen /  PR-Firmen, man schreibt worüber alle anderen auch schreiben (Echo-Effekt).

[Dass dabei die eigene Denkfähigkeit weitgehend ausgeschaltet wird, zeigt z.B. die jüngste Gratis-Werbung für Red Bull, durch Meldung eines völlig unsinnigen „Rekordversuches“ in den Nachrichten, das Triviale, Unwichtige wird scheinbar aufgewertet, Aufmerksamkeit für etwas generiert, das völlig unwichtig ist (wie auch alle Sportmeldungen in den Nachrichten sowie der unerträgliche Hype über die völlig kommerzialisierten „Olympischen Spiele“ die in jeder Stadt einen Schuldenberg hinterlassen).

Zitate statt Hintergrundinformation, Kontext und Analyse

Es gehört zur Routine ein “Originalzitat” zu bringen: Merkel zum Euro, Obama zu Syrien, „Experten“ der jeweiligen Fachrichtung, usw. Ist diese Aussage wahr oder falsch, nur Teil einer PR-Strategie, deren Ziele man enthüllen müsste?  Who cares? Die Reporter der Presseagenturen sind nicht verpflichtet, die Gültigkeit dieser Statements zu überprüfen … Wer sagt die Wahrheit, wer nicht? Das ist nicht unser Job und die „Multiplikatoren“ suchen auch keine zweite „unabhängige Quelle“, es kommt aus der „Agentur“, das genügt als Qualitätsbeweis. Wenn Merkel das sagt, müssen wir das doch bringen, oder nicht?

„Die Presseagenturen sind kein verlässliches Instrument um wirklich wichtige Ereignisse auszugraben, ganz zu schweigen davon, dass diese in einem größeren Kontext präsentiert werden, damit ihre wahre Bedeutung nicht verschleiert wird.“

Stenographenjournalismus

Sie schreiben, was man ihnen gibt“. Jede Geschichte wird immer aus seiner bestimmten Perspektive erzählt, zum Vorteil einer bestimmten Gruppe, doch das zu hinterfragen, also die Kontrollfunktion der Medien ernst zu nehmen, davon ist nichts zu merken. Es reicht, dass der Aussender der Meldung einen gesellschaftlichen Stellenwert hat … man beruft sich auf „Autoritäten“, das ist genug.

Die Presseagenturen sind heute die Fließbänder für die „Nachrichten“. Weil das so ist, werden immer mehr PR-Stories dort platziert …(auch die Geheimdienste  sind sehr aktiv, wie die „Meldungen“ über die Vorfälle in Syrien klarmachen), doch alle tun so, als wären die PA immer „seriöse Quellen“ (Wahrheitsministerium Reuters & Co.?)

„Meinungen“ und „Einschätzungen“ einholen – zu welchen Fragen? Wer bestimmt die Agenda?

Welches Thema behandelt wird, welche Fragen zu stellen sind und an wen, das sind wichtige Punkte, die eine Bewertung notwendig machen, ein moralisches Urteil ist also nicht zu umgehen (wer ist glaubwürdig, wer nicht und warum?)

Ist es akzeptabel, dass immer die gleichen Leute in den Talkshows auftauchen, zu aktuellen Themen interviewt werden und deshalb deren Perspektiven dominieren, während andere gar nicht vorkommen? (z.B. jene aufmüpfigen Ökonomen, die die neoliberale Wirtschaftsreligion und den daraus resultierenden Eurowahn scharf kritisieren)

Das Ergebnis: eine „pasteurisierte“ Version der Welt …

Der große Mythos: Objektivität und Ausgewogenheit

Was uns alle Journalisten demonstrieren wollen (und was sie auch selber glauben) ist ihre „Objektivität“, das hat man ihnen schließlich auf der Journalistenschule beigebracht: keinesfalls Partei ergreifen, das ist das Wichtigste.

Doch wie Nick Davies richtig feststellt, kann es keine wirkliche Objektivität geben, das liegt in der Natur der Sache – nämlich unserer menschlichen Sprache und unserer Wahrnehmung. Jede Formulierung eines Satzes, jede Wortwahl, jede Darstellung eines „Sachverhaltes“ in narrativer Form ist bereits ein „Kommentar“.

Texte von anderen zu übernehmen (jedenfalls den Tenor) – besonders wenn es um Formen von Gewalt und deren Ursachen geht – ist noch problematischer, denn damit übernehme ich bereits einen Standpunkt (wenn auch unbewusst) und werde so zum „Verteiler“ einer bestimmten Sichtweise. Das extremste Beispiel ist hier die völlig korrumpierte „Berichterstattung“ über den „Nahost-Konflikt“, wo die pro-zionistische Sichtweise (also jene der israelischen Regierung) dominiert. Nur das bloße Erwähnen dieser „Zensur durch Schweigen“ führt zu massiven ad hominem Attacken, wie Günter Grass ja vor nicht allzu langer Zeit am eigenen Leib erfahren musste.

Die falsch verstandene „Neutralität“ der Journalisten verlangt, dass sich widersprechende Behauptungen so „stehen gelassen“, also vom Journalisten als gleichwertig wiedergegeben werden. So werden etwa reine und dümmliche PR-Statements (Lügen) über die „Harmlosigkeit“ transgener Pflanzen („Alles wurde ja gründlich geprüft“; die Amerikaner essen das schon lange und leben immer noch“; der „Mindestabstand verhindert die Auskreuzung“ etc.) – die man alle als UNWAHR widerlegen kann, wenn man sich mit der Materie befasst hat – trotzdem immer wieder als ebenso wichtige und gleichwertige Informationen dargestellt, wie die Warnungen unabhängiger Wissenschaftler und Umweltschutzgruppen, über die Unbeherrschbarkeit dieser Technologie.

Das ist möglich, weil die wahren Motive für die Promotion der Gentechnik nicht hinterfragt und bloßgestellt werden (man könnte ja sonst als „innovationsfeindlich“ hingestellt werden) und die Tatsache, dass die Firmen SICH SELBST die Unbedenklichkeit ihrer transgenen Pflanzen bescheinigen, selten erwähnt wird. (Lobenswerte Ausnahme: Monique Robins Doku – MIT GIFT UND GENEN)

Doch in den „Nachrichten“ wird dieser Kontext (dass sich die Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen seit Jahren häufen, von den agroökologischen Folgen ganz zu schweigen) einfach weggelassen. Man berichtete zwar kürzlich über eine französische Studie, die ein erhöhtes Krebsrisiko feststellte, doch wenige Tage später hieß es, die EFSA habe die Methodologie der Studie in Frage gestellt. End of Story.

Dass die EFSA mit Wissenschaftlern besetzt wurde, die der Biotech-Industrie nahestehen, wird nicht erwähnt.Dass die eigenen Studien der Hersteller NIE wegen ihre Methodologie und Versuchsanordnung kritisiert werden, NIE  peer-reviewed  bzw. veröffentlicht werden („Geschäftsgeheimnis“)wird ebenfalls nicht erwähnt.  Dass der Skandal darin besteht, dass bereits zugelassene transgene Pflanzen erst jetzt auf langsfristige, negative Folgen untersucht werden, wurde auch nicht weiter diskutiert.

Das Ergebnis dieser Art von „Journalismus“ ist, wie Davies richtig erkennt die konsequente Vermeidung der Wahrheit, denn sonst könnte es unangenehm werden (der „bequeme“, nicht konfrontative Journalismus wird vorgezogen).  Diese Taktik ist nicht immer sofort erkennbar, denn man schlägt den klassischen, „neutralen Ton“ an:

Die „Meldungen“ über ein „Massaker“ an der Zivilbevölkerung eines Landes werden – wenn dieses Land mit unsbefreundet“ ist mit dem offiziellen Dementi der Regierung „balanciert“. Man präsentiert etwas als Anschuldigung und gleichzeitig die Behauptung der Gegenseite, dass diese Anschuldigung nicht zutreffe „dies wurde von  [….]  zurückgewiesen“. Das war’s. Welche Version wahr ist und welche falsch, das kann ja der Leser / Zuschauer dann selbst herausfinden, damit sind wir wieder im Internet.

Damit werden Journalisten zu passiven Verarbeitern von „Nachrichtenmaterial“ degradiert, das ihnen andere „mundgerecht“ servieren. Sie können zwar die „Speisekarte“ lesen, doch welche Gerichte darauf stehen, bestimmen sie nicht und woher die Zutaten stammen, wissen sie auch nicht. Das „Agenda-Setting“  und „Framing“ bestimmen andere und deren Motive werden weder hinterfragt noch deren illegitimer Einfluss auf die PA und andere Medien jemals erwähnt.

Nick Davies betont, dass dieses „Balancieren“ dann akzeptabel ist, wenn es nicht anders geht, wenn alle Mittel, die Wahrheit herauszufinden, gescheitert sind. Diesen Ansatz jedoch als „Goldene Regel“ zu etablieren,  um einen möglichst reibungslosen Ablauf des „Fließbandsystems“ sicherzustellen, hat verheerende Folgen. Die große Gefahr besteht darin, dass die absichtliche Veröffentlichung von Lügen als Schlagzeile und im Hauptteil eines Artikels erscheint und das (wahre) Dementi der anderen Seite im letzten Absatz eingefügt wird. Was hängen bleibt, ist natürlich die Schlagzeile. Man kann natürlich auch den Spieß umdrehen und die Wahrheit zwar erwähnen, dann aber durch wiederholtes Infrage stellen durch akzeptierte „Autoritäten“ die Glaubwürdigkeit des ehrlichen Akteurs unterminieren.

Dass diese Methode sehr effektiv ist, zeigte ja die Lawine an Falschmeldungen über die „WMD“, also die nicht existierenden Massenvernichtungswaffen des Irak. Dieser „PR-engineered view“ sorgt dafür, dass diese Methode immer nur bei Sachverhalten angewandt wird, die der „akzeptierten Meinung“ widersprechen. So wurden die ehrlichen Beteuerungen des UN-Waffeninspektors Scott Ritter (es gibt keine WMD im Irak) immer mit gegenteiligen Behauptungen aus Washington „balanciert“. Damit wurde die Glaubwürdigkeit Ritters unterminiert und ein brutaler Angriffskrieg durch „framing“ und „strategic communication“ legitimiert. Ohne die feige Mittäterschaft der Medien wäre das nicht möglich gewesen (wozu gibt es bei uns „Presseförderung“ und Rundfunkgebühren – für diesen Mist müssen wir zahlen?)

Das – wahre – Dissidenten-Statement  wird so „neutralisiert“, während die – verlogenen – Behauptungen der Machteliten einfach wiederholt werden, bis sie in den Köpfen eingebrannt sind (so auch  z.B. die ständig wiederholte Meldung, ohne den Euro wäre „Europa“ verloren … Ängste werden geschürt, anstatt eine ehrliche Debatte  zu führen (der bescheuerte, ständig in den Medien präsente „Euro-Rettungsschirm“ ESM – lässt sich etwa so auf den Punkt bringen:

Gigantische, unbezahlbare Schulden (ein Symptom eines unhaltbaren Systems) werden mit noch mehr Schulden therapiert:  der ESM ist eine intransparente, supra-legale Zweckgesellschaft, die „Beiträge“ von hochverschuldeten und bankrotten Staaten verlangt (wieder auf Pump) und gegen strenge Auflagen („Reformen“) neuerlich Kredite vergibt; die „Reformen“ würgen die Wirtschaft ab, Rezession statt Wachstum.

Und jetzt kommt’s: ohne Wachstum keine Kredite (und Abwertung durch die Ratingagenturen) und ohne Kredite kein Wachstum … genial, oder? Na wenigstens können sich die Banken beim ESM und der EZB bedienen …

Aber zurück zu unseren Journalisten und dem Mediensystem, in dem sie arbeiten:

Die Produktionsregeln der Nachrichten-Maschinerie

  • Wer bestimmt, worüber berichtet wird (und worüber nicht)? Die Antwort kennen wir ja bereits, die „feeds“ der Agenturen dominieren, die Grenze zur PR wird immer unschärfer, politische Akteure zeigen immer häufiger nicht ihre wahre Identität, sondern tarnen sich (benutzen „neutrale“ oder positiv besetzte „frontgroups“), damit ihre Glaubwürdigkeit erhöht wird. Das funktioniert sehr gut (siehe Irak, Libyen, Syrien, islamistischer „Terror“ usw.)
  • Die Realität wird durch systemisches Weglassen unerwünschter Fakten verzerrt, stattdessen werden etablierte Denkmuster und Deutungsrahmen laufend wiederholt und damit verstärkt (Nahostkrise, Rolle der USA, EU, NATO, Wirtschaft, etc.)
  • Um Kriege zu legitimieren, werden selbst begangene bzw. in Auftrag gegebene Verbrechen dem Gegner in die Schuhe geschoben, die Medien fungieren als folgsamer „Multiplikator“ – sie sind somit mitschuldig am Leiden und Sterben  der Opfer
  • Die „Meldungen“ sind geprägt vom herrschenden politischen Konsens, der die Interessen der mächtigsten Gruppen in der Gesellschaft befördert
  • Moralische Bewertungen sind nur erlaubt, wenn sie die populäre Meinung (die „geformte“ Meinung) wiederspiegeln
  • „Elektrische Zäune“ werden nicht überwunden (der stärkste ist die Zensur der Israelischen Regierung)
  • Die historischen Fakten sind vorhanden, but der „elektrische Zaun“ wird jedem Reporter wehtun, der sie akkurat wiedergibt …
  • Leichtfertiges Wiederholen nicht verifizierter Behauptungen, Kontext wird ignoriert (zB Pussy Riot, Breivik)
  • Es werden „Pseudo-Events“ generiert, damit sie in den Nachrichten erwähnt werden  (Pussy Riot, Türkische „Reaktion“, etc.))

Die Weigerung, ein Urteil zu fällen (Aussagen und deren Motive zu bewerten) bedeutet nicht, dass man objektiv ist. Im Gegenteil, denn die Kräfteverhältnisse in der Kommunikation (die Fähigkeit und Mittel verschiedener Akteure, die Medien zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen) sind ebenso ungleich verteilt, wie Einkommen und Vermögen. Hinter den „Think-Tanks“ und „Stiftungen“ stehen Millionen Dollar von mächtigen Sponsoren, die ihre eigene Suppe kochen, aber deren Einfluss nie erwähnt wird. Stattdessen werden uns „Experten“ präsentiert, die nur der Wissenschaft (und somit der Wahrheit) verpflichtet seien. Schön wär’s.

Noch einmal Nick Davies:

„In demokratischen Gesellschaften verstecken sich die Lügen bequem und unerkannt in sprachlichen Klischees, in akzeptieren „Werten“ und „Fakten“ … die Ideologie liegt verborgen unterhalb der Oberfläche … ökonomische Zensur ersetzt totalitäre Zensur …

Der globale Kollaps des Sammelns von  Informationen und der Wahrhaftigkeit im Journalismus schafft ein neues Chaos … Ignoranz wird als Wissen akzeptiert und Falschheit als Wahrheit … eine Struktur die sehr anfällig für die Infiltrierung durch PR-Stories ist …“

Welche furchtbaren Folgen diese Art von „Churnalism“ hat? In Syrien starben bisher rund 30.000 Menschen, im Irak waren es mehr als hunderttausend, jede Woche werden Menschen in muslimischen Ländern durch Drohnen oder Bombenanschläge getötet … doch der geopolitische, pathologische Kontext wird nie erwähnt …

…. It never happened, even while it was happening …

Frage an alle Journalisten:

Wollen Sie nicht, können Sie nicht oder dürfen Sie nicht? Oder ist Ihnen das alles egal?

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NACHTRAG:

Was sich in den Straßen syrischer Städte abspielt, macht deutlich, mit wem wir es hier zu tun haben.  Für die westliche Presse werden Schilder mit „We want Freedom“ hochgehalten, doch was diese Gruppen tatsächlich wollen, hat mit Freiheit gar nichts zu tun, im Gegenteil:

Sie verbreiten Parolen, die die sunnitische Mehrheit in Syrien zum Hass gegen die Schiiten (wozu auch die Alawiten gehören) aufstacheln soll. Der „spirituelle Führer“ dieser „Rebellen“ ist  der radikal-islamistischeSheik Adnan Al-Arour.

Dieser Mann übt quasi das heilige officium für den sunnitischen Islam aus (eine Rolle, die er sich selbst erteilt hat), ähnlich wie es der Vatikan tat, um den „einzig wahren Glauben“ mit Gewalt als solchen zu etablieren.

Dieses Video zeigt, welche unheiligen Allianzen die Urheber der Gewalt in Syrien eingehen, um ihre irrsinnigen Pläne zu realisieren.

Ich verspreche euch, wenn wir den Sieg errungen haben, werden wir die Alawiten (die sich nicht herausgehalten haben), in Stücke hauen und an die Hunde verfüttern“

Das ist der O-Ton von Sheik Al-Arour, der die Parolen für die „Rebellen“ in Syrien ausgibt.

Die „Demonstrationen“ und „Proteste“  in Syrien  (die nie gewaltfrei waren) werden von westlichen Regierungen im Namen der Menschenrechte unterstützt, doch in ihren eigenen Ländern wären sie genau deswegen verboten, da sie die Religionsfreiheit massiv bedrohen.

Es folgen Szenen aus verschiedenen Städten Syriens, in denen eine Menschenmenge zu Hassparolen gegen die Shiiten (darunter auch Alawiten) aufgestachelt wird:

„Nein zu den Shiiten, Nein zu Hisbollah, Nein zum Iran ..“

Frage: Wer hat ein Interesse daran, den Hass auf die Shiiten und den Iran zu schüren?

Antwort: Israel und – dank dem gewaltsamen  amerikanischen „regime change“ im Irak auch die barbarische Herrscherfamilie der Saudis, die eine Zunahme schiitischer Macht in der Region nicht „dulden“ wollen … (im Irak regierte ja vorher die Minderheit der Sunniten über die Mehrheit der Schiiten, durch den illegalen Angriffskrieg der USA haben sich die Machtverhältnisse umgekehrt und der Einfluss des Iran in der Region wurde gestärkt – dafür kann aber der Iran nichts, das war eben die Folge amerikanisch-israelischer „Strategie“ …)

Zurück zum Video: Die „friedliche“ Revolution zeigt ihr wahres Gesicht:  „Lasst uns die Alawiten ausrotten!“

Sprechchöre wiederholen was der Einpeitscher vorgibt

„Lasst es uns sagen: wir wollen die Alawiten nicht mehr!! „Das Volk will Adnan Al-Arour“

Sei froh, Adnan Al-Arour, deine Revolution hat begonnen!

„Sei froh, Adnan Al-Arour, die Männer von Daraa werden rebellieren!“

„Arour, mach dir keine Sorgen, die Männer, die dir folgen, drinken Blut!“

Aber auch die Christen bleiben nicht verschont:

Die Religion Mohammeds ist ehrenvoll, die von Jesus ist für Huren!“

Diese radikalisierten Gruppen sind repräsentativ für die Anhänger der FSA aber nicht für die syrische Gesellschaft.

(Bilder einer Hinrichtung, ein nackter Mann, der nur eine (besudelte) Windel trägt, wird von einer erregten Menge aufgehängt …)

Im Gegenteil: Wie Thierry Meysan feststellt, ist  Syrien seit Jahrhunderten ein Vorbild für religiöse Toleranz und Kooperation in der Region: Ein Modell der Einheit, das die Allianz gegen Syrien nach dem Motto „Teile und Herrsche“ zerstören will.

Die Kultur der Toleranz ist bedroht, doch die „fanatischen Islamisten“, vor denen man uns seit „9/11“ ständig warnt, werden von den Psychopathen in Washington gefördert, von den Saudis aufgehetzt und finanziert, von den Israelis als „Werkzeug“ gegen Syrien und Iran eingesetzt ….

Nach den US-Präsidentenwahlen im November wird es dann richtig losgehen …

Dann gnade uns Gott … dass daraus nicht ein dritter Weltkrieg wird …

 

 

 

 

 

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Sykes-Picot 2.0 meets Syrian Contras

Im September 2003 enthüllte die britische Zeitung THE GUARDIAN, dass es schon 1957 eine Verschwörung gegen die syrische Regierung gab: Damals planten die amerikanischen und britischen Geheimdienste (CIA und MI6) eine ganze Reihe von „false flag“ Anschlägen, die einen Vorwand für eine militärischen Angriff liefern sollten.

(*Was ist Sykes-Picot?)

Im Nachlass des damaligen britischen Verteidigungsministers Duncan Sandys, wurden Dokumente gefunden, in denen auch die Ermordung dreier politischer Führer Syriens als „notwendig“ erachtet wird, damit die Dominanz des Westens im Nahen Osten erhalten bleibt.

Die “anti-westlichen” Tendenzen und die Sympathien der neuen syrischen Führung für  ein sozialistisches System  hatten sowohl in Washington als auch in London große Verärgerung ausgelöst. Seit dem Sturz des Militärregimes von Colonel Adib Shishakli 1954 regierte eine Allianz der Baath Partei mit den Kommunisten, die von der syrischen Armee unterstützt wurde.

Die Kolonialmächte Frankreich und England hatten (mithilfe Israels) vergeblich versucht, die Verstaatlichung des Suez-Kanals durch Ägypten rückgängig zu machen, doch Eisenhower machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Kermit Roosevelt (der 1953 als regionaler CIA-Chef den Sturz des demokratisch gewählten Premierministers Mossadegh im Iran organisierte), war auch an den Intrigen gegen Syrien wieder beteiligt. Die offizielle Begründung für die kriminellen, subversiven Aktivitäten der USA und Großbritanniens war natürlich das „kommunistische Virus“ an seiner Verbreitung zu hindern, sich für „Freiheit und Demokratie“ einzusetzen usw. Doch in Wahrheit ging es um die „Freiheit“ andere Länder wirtschaftlich zu plündern: Kontrolle von Ölpipelines (vom Irak in die Türkei), Schifffahrtswegen, und natürlich die „Lektion“, die man einem Land erteilen musste, das sich gegen imperialistische Interessen stellte und sein Schicksal in die eigene Hand nehmen wollte.

Der Bericht über ein geheimes Treffen in Washington 1957 empfiehlt gezielte, subversive Aktionen, um das Land zu destabilisieren und Unruhen auszulösen. Sobald das “notwendige“ Ausmaß an Angst in der Bevölkerung erreicht sei, müsse man „Grenzzwischenfälle“ und Scharmützel inszenieren um einen Vorwand für militärisches Eingreifen durch Irak und Jordanien zu generieren.

Ein wichtiger Punkt sei die Zerstörung der Glaubwürdigkeit des Regimes und dessen Dämonisierung:

Syrien müsse deshalb als „Sponsor von Anschlägen, Sabotageakten und Gewalt gegen benachbarte Regierungen“ hingestellt werden“. Die CIA und SIS sollten sowohl ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet psychologischer Kriegsführung ebenso nutzen, wie ihre militärischen Kräfte, um eskalierende Unruhen im Land auszulösen. Dazu gehörten selbst geplante Sabotageakte, nationale Verschwörungen und andere Gewaltaktivitäten, die man dann Damaskus in die Schuhe schieben würde.

Der Plan sah auch vor, ein „Free Syria Committee“ zu erschaffen und politische Kräfte innerhalb Syriens mit paramilitärischen Fähigkeiten und Waffen auszustatten. CIA und MI6 würden dafür sorgen, dass es Aufstände in Syrien gibt, z.B. von den Drusen im Süden (um politische Gefangene zu befreien) und gleichzeitig die Muslimbruderschaft in Damaskus in Aufruhr versetzen.

Dass die beiden westlichen Regierungen der “Demokratie” keinen Dienst erweisen wollten, geht auch daraus hervor, dass man die unerwünschte, sozialistische Regierung durch eine „pro-westliche“ und „anti-kommunistische“ ersetzen wollte – gegen den Willen der Bevölkerung. Dafür seien „repressive Maßnahmen notwendig und die „willkürliche Ausübung der Macht“, doch der Zweck heiligt anscheinend die Mittel.

Dass der Plan nicht umgesetzt wurde, lag nicht an irgendwelchen moralischen Skrupeln (diese Leute sind amoralisch und bezeichnen ihre unmenschlichen, kriminellen Aktivitäten als „rational“ = notwendig zur Machterhaltung und Ausplünderung anderer Völker), sondern daran, dass die arabischen Nachbarländer nicht mitmachen wollten und nur mit der Türkei als „Partner“ schien die Sache zu riskant zu sein. Im Jahr darauf brach die Koalition mit den Kommunisten auseinander und die Baath-Partei bildete eine Föderation mit General Abdel Nasser, die bis 1963 anhielt.

2012: THE SAME PROCEDURE ….mit neuen Variationen

Seit Monaten will uns die Vereinigung der Fließband- und Papageienjournalisten (nom de guerre „Freie Presse“) weismachen, dass hier zwei klare Fronten aufeinandertreffen: Die Guten (syrische „Rebellen“, „Aktivisten“ und ihre Sponsoren) gegen die Bösen (Assad, sein „ brutales Regime“ und die syrische Armee).

Eine Welle von ergreifendem Bildmaterial überflutete die Medien, dass uns klarmachen sollte, wie ein „Monster“ gegen „unschuldige, friedliche Bürger“ mit brutaler Gewalt vorgeht, nur weil sie politische Reformen wollen.

Diese Bilder wurden übernommen und so interpretiert, wie es geplant war, obwohl die Quellen nicht überprüft wurden bzw. sie immer nur aus einer Quelle kamen: die von den USA seit Jahren organisierte, bezahlte und geschulte  syrische „Opposition“, die mit dem Großteil des syrischen Volkes nichts zu tun hat, weil sie aus Exilsyrern rekrutiert wurde, die seit Jahren nicht mehr in dem Land gelebt haben* und weil nach einer Umfrage, die Mehrheit der Syrer Basher Al-Assad nicht stürzen will, aber politische Reformen fordert.

*z.B. Abdel Basset Sayda, der neue Sprecher des Syrian National Council (SNC), gehört zur kurdischen Minderheit in Syrien und hat seit mehr als 20 Jahren im schwedischen Exil gelebt. Er hat praktisch keine politische Erfahrung und wurde wohl deshalb ausgewählt, um die Dominanz der Muslimbruderschaft im SNC zu kaschieren.

Welches machiavellische Netzwerk aus amerikanischen Ideologieschmieden, genannt „Think-Tanks“ oder von Milliardären finanzierten „Stiftungen“, fake NGOs und größenwahnsinnigen politischen Akteuren hinter den Kulissen hier am Werk ist, hat der britische Journalist Charlie Skelton untersucht. Die „syrische Opposition“, wie sie in den Medien präsentiert wird,  ist eine Theaterinszenierung par excellence, die „Talking points“ sind wunderbar einstudiert, die Reaktion der Medienschafe und der „sheeple“ verläuft genau nach Plan. Die Drahtzieher bleiben im Hintergrund …

Diese Leute sind als politische Kraft eine Art „graue Eminenz“, die geopolitische Entscheidungen von ungeheurer Tragweite trifft. Was die Parlamente machen, was das Volk will, was die Verfassung verbietet, interessiert diese Politikmafia gar nicht. Sie regieren in Wahrheit unsere Gesellschaft, während die „verwirrte Herde“ (Walter Lippman) sich der „Halluzination der Demokratie“  (Edward Bernays) hingibt. Dass man die Vergewaltigung souveräner Staaten auch  noch im „Namen der Demokratie“ begeht, muss diesen Leuten eine besondere Genugtuung sein.

Dass es für Assad völlig kontraproduktiv, ja idiotisch wäre, ein „Massaker“ nach dem anderen an der Zivilbevölkerung zu begehen, noch dazu jedes Mal kurz vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates, bzw. vor dem Besuch eines UN oder HR-Beobachters, wird völlig ausgeblendet – logisches Denken ist nicht erwünscht. Man soll die frisierten „Nachrichten“ aufnehmen, nicht hinterfragen.

Dass die “Rebellen” von Anfang an bewaffnet und gewalttätig waren, Anschläge auf Polizisten und Zivilisten verübten (wofür es auch Augenzeugenberichte gibt), wird ebenfalls ignoriert.

Dass es auch Massendemonstrationen für Assad gab, braucht auch nicht weiter erwähnt zu werden und die Reform der Verfassung und die abgehaltenen Wahlen (57% gingen wählen, trotz der Unruhen im Land) sind im Theaterdonner der choreographierten „Aktivisten u. Rebellen“-Performance untergegangen.

Das gleiche Gesindel operierte ja auch in Libyen (viele davon Analphabeten, die bloß schießen und kämpfen können, aber nur exekutieren, was ihnen andere anschaffen). „Al Qaeda“ ist ja eine Kreatur der Saudis, der CIA und des pakistanischen Geheimdienstes, die man zunächst erfolgreich in Afghanistan einsetzte, später aber auch international als „Terrorists for Hire“ in Bosnien, Serbien, Kosovo, im Irak, in Libyen und jetzt in Syrien.

Sogar die systemtreue New York Times hat jetzt in einem Artikel bestätigt, dass die organisierten „insurgents“ von CIA Akteuren mit Waffen ausgestattet werden und man ist dabei nicht kleinlich: automatische Gewehre, RPGs, Panzerabwehrraketen, ein beeindruckendes Arsenal. Bezahlt wird angeblich von Saudi Arabien, der Türkei und dem Emir von Katar. Fragt sich nur, was am Ende  herauskommt, wenn man einem Haufen Halb-Idioten, die religiös und politisch indoktriniert wurden, solche Waffen aushändigt.

Das Thema Energiekontrolle spielt natürlich auch wieder eine Rolle: Seitdem eine  Übereinkunft zwischen Iran, Irak und Syrien für den Bau einer Gaspipeline unterzeichnet wurde, die vom Süd-Pars Feld bis in die Türkei führen soll und auch für Europas Gasversorgung eine große Rolle spielt (man will von Russland weniger abhängig sein, wobei auch das Nabucco Projekt von Bedeutung ist), muss die Destabilisierung und Zerstörung dieser Staaten noch mehr vorangetrieben werden – so sieht es jedenfalls die „Graue Eminenz“ in Washington.

Dass dieses Abkommen von lebenswichtiger Bedeutung für den Iran ist, liegt auf der Hand, spätestens seitdem die amerikanischen „Schoßhündchen“ der EU das von den USA verordnete Öl-Embargo brav übernommen haben.

US/SAUDI/GCC & NATO SPRING CLEANING NOT ARAB SPRING

Der  von westlichen und saudischen Geheimdiensten  organisierte „Aufstand“ in Syrien wurde uns natürlich als Teil desArabischen Frühlings“ verkauft, weil in diesem Kontext unsere Sympathie dem rebellierenden Volk gelten muss und niemand auf die Idee kommt, dass das ganze Theater nur dazu dient, ein politisches Verbrechen erster Ordnung zu vertuschen.

Wenn dann die Regierung gegen die eingeschleusten Terrorbanden und Aufrührer mit Gewalt vorgeht, kann man lautstark gegen diese „Unterdrückung“ protestieren und selbstgerecht den lange geplanten „regime change“ (Putsch) als notwendige Intervention im Namen der Menschenrechte verlangen.

Doch dort, wo sich echter politischer Widerstand regt, wo die Menschen wirklich glauben, es könnte sich etwas zu ihren Gunsten verändern, wenn sie friedlich protestieren, wird entweder nur das Gesicht der Macht ausgewechselt (wie in Ägypten) oder die Opposition brutal niedergeknüppelt (wie in Bahrein).

Bei den „Verbündeten“ der USA wird authentischer politischer Widerstand im Land als „Terror“ präsentiert, bei den Gegnern des US-Imperialismus (wie Syrien und Iran) wird von außen geplanter Terror als legitimer politischer Widerstand verkauft, Realität und Fiktion verschwimmen immer mehr, die oben erwähnte „graue Eminenz“ (man denke an den Kriegsverbrecher und „Friedensnobelpreisträger“ Henry Kissinger) entscheidet, was passieren darf und was nicht. Die Medien sind perfekte Erfüllungsgehilfen für diese Herrscherkaste, die auf ihnen spielt, wie auf einem Klavier.

Warum das Prinzip der  „humanitären Intervention“ für die Palästinenser nicht gilt, diese Frage darf man auch nicht stellen…

Zur Gewalt in Syrien – fassen wir nochmal zusammen:

WARUM?

Den geostrategischen Kontext für die von außen gesteuerte “Revolte” in Syrien lieferte Seymour Hersh schon 2007 mit seinem  genialen Artikel The Redirection. Weitere Gründe für eine Kontrolle Syriens durch die US of Arrogance und ihre Satrapen in der Region:

  • Assad unterstützt den Freiheitskampf der Palästinenser und die Hisbollah im Libanon (somit als „Feind“ Israels eingestuft)
  • Syrien ist das letzte arabische Land in der Region, das nicht von US / NATO / ISRAEL dominiert wird
  • Syrien und Iran wollen eigene Wege gehen, das kann von den „Herren der Welt“ nicht geduldet werden
  • In Syrien befindet sich der einzige Marinestützpunkt Russlands in dieser Region (außerhalb der ehemaligen Sowjetunion)
  • Die syrische Hafenstadt Latakia hat logistisch und geostrategisch große Bedeutung erlangt, weil die amerikanischen Öl-Giganten Exxon Mobil und Chevron die Erschließung der kurdischen Ölfelder in Kirkuk (Irak) durchführen werden und die beste Transportroute über Latakia führt (beschlossen wurde das nicht von der irakischen Regierung in Bagdad, sondern vom Massoud Barzani, dem Anführer der Kurden im Irak, der auch schon im Weißen Haus zu Gast war)
  • (2008 hat die irakische Regierung einen Vertrag mit  Stroytransgaz, einer Tochtergesellschaft der russischen Gazprom zur  Reaktivierung der Öl-Pipeline zwischen Kirkuk und Banias abgeschlossen, doch das ist mittlerweile Geschichte…)
  • Türkische Firmen werden wohl den Zuschlag für die Konstruktion einer Gaspipeline aus Kurdistan erhalten (als Dank für die logistische Unterstützung der Türkei  zur Ausrüstung und Einschleusung der Terroristen nach Syrien).

WIE?

Welche Rolle die „special forces“ (die „moderne“ Version der SS) beim subversiven Krieg gegen ein Land spielen, wird in diesem  Handbuch des US Militärs (in Grundzügen) erklärt. Es ist quasi eine Anleitung zur Steuerung eines Aufstandes im Ausland, bei der die Menschen (vor allem ihre Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit) nur als Werkzeug benutzt werden und alle Mittel recht sind, um ans Ziel zu gelangen: eine Regierung zu installieren, die mit den kriminellen Machtansprüchen der US/NATO kompatibel ist.

Darin wird u.a. festgestellt, dass es immer  einen Teil der Bevölkerung gäbe, der sich politisch nicht engagiere. Um dieses Segment zu aktivieren, müsse man „durch Propaganda, politische und psychologische Maßnahmen die Regierung verunglimpfen und damit eine Atmosphäre größerer Unzufriedenheit schaffen“. Mit zunehmender Eskalation des Konfliktes müsse dann auch die Propaganda intensiviert werden, „die Bevölkerung müsse psychologisch auf die Rebellion vorbereitet werden“.

  • Zuerst, müsse es lokale und nationale Agitation geben: die Organisation von Demonstrationen, Streiks, und anderen Methoden, um die Unzufriedenheit des Volkes zu demonstrieren und zu schüren.
  • Die nächste Phase sei dann, die „Infiltrierung von ausländischen Beratern und Organisatoren, ausländischer Propaganda, Material, Geld, Waffen und sonstige Ausrüstung“.
  • Dann werden „nationale Scheinorganisationen (SNC)  und Freiheitsbewegungen (FSA) gegründet, wodurchgewährleistet sei, dass größere Teile der Bevölkerung „zunehmende politische Gewalt und Sabotage akzeptieren“, und somit das „Coaching von Individuen oder Gruppen, zur Durchführung von Sabotageakten in Städten, erleichtert werde“.

Dass die Gewaltaktionen eher Abscheu bei der Bevölkerung hervorrufen, wird aufgrund folgender Taktik als unwahrscheinlich angesehen: „

Wenn die Regierung auf die Gewalt mit Gegengewalt reagiert,  kann „die Widerstandsbewegung die negativen Folgen ausschlachten, um noch mehr Sympathie zu erhalten, indem sie das Leiden hervorhebt, das die Opposition im Namen „des Volkes“ erduldet. Wenn die Regierung sich  zurückhält, kann das als Beweis für die Effektivität des Kampfes  gewertet werden, usw.

WER STEUERT?

Das Netzwerk der größenwahnsinnigen Ideologen („Think-Tanks“), „Politikberater“ und Kriegstreiber, die die „Neuordnung des Nahen Ostens“ eiskalt planen und vorantreiben, wird hier skizziert. Charlie Skelton resumiert:

Sie verkaufen die Idee des „Regimewechsels“ an die Medien, die sie bereitwillig übernehmen. Viele der „Aktivisten“ und Sprecher, die als Repräsentanten der syrischen Opposition in den Medien auftauchen sind eng mit  den Machtzentren in Washington und London vernetzt, also genau mit jenen Leuten, die dann die Intervention durchführen würden. Das bedeutet, Informationen und Zahlen von diesen Quellen sind keine „Nachrichten“, sondern eine PR-Kampagne, eine Verkaufsstrategie.

Eine interessante Background-Story über die Hintermänner erzählt dieses Video:

WER SIND DIE REBELLEN?

Die Eskalation der Gewalt in Syrien ist also keineswegs der Regierung Assad anzulasten, sondern jenen, die diese Terrorbanden in das Land eingeschleust haben, mit dem Ziel Syrien in einen gescheiterten Staat zu verwandeln (wie Irak und Libyen), in dem sich die Muslime (Sunnis gegen Schiiten) gegenseitig die Schädel einschlagen und das Land im Chaos versinkt – bis westliche Intervention „Stabilität“ bringt. (Was mit den Christen in Syrien passieren wird, zeichnet sich bereits ab)

Dafür hat man schließlich „Al Qaeda“ und ihre Ableger konstruiert: bewaffnete, fanatische „Jihadis“ bzw. Takfiristen (eine Art islamistische Inquisition, die gegen vermeintliche Ketzer innerhalb der eigenen Religion vorgeht, weil sie vom „einzig wahren“ Glauben abgekommen sind ) die Leuten den Kopf abhacken, weil sie nicht nach dem Islam des 7. Jahrhunderts leben wollen oder weil sie Shiiten sind.

Der stellvertretende Innenminister des Irak Adnan al-Assadi sagte der Presseagentur AFP, die FSA habe vor den Augen einer irakischen  Grenzwache (berichtet von Brigadegeneral Qassim al-Dulaimi),  22 syrische Soldaten exekutiert, nachdem sie die Kontrolle über den Grenzposten erlangt hatten.

Der Bab al-Hawa Grenzübergang zwischen Syrien und der Türkei wurde von 150 bewaffneten Islamisten überfallen und eingenommen, die aus Algerien, Ägypten, Saudi Arabien, Tunesien, Tschetschenien u. anderen Ländern stammen, und ihre Loyalität gegenüber der AQIM (Al Qaeda im islamischen Maghreb)  bekundeten. Dabei wurden nach Angaben von Reuters 135 Menschen getötet (davon 86 Zivilisten und 49 Angehörige der syrischen Armee). Die Terroristen (in den Medien als „Rebellen“ bezeichnet) filmten ihre „glorreiche“ Gewalttat, hissten die Flagge der Al Qaeda und erklärten die Grenzregion zu einem „islamischen Staat“.

(Meldungen, wonach die „Rebellen“ alle Grenzübergänge in ihre Gewalt gebracht hätten, sind falsch und dienen nur dazu, die Anhänger Assads und alle Syrer, die nichts mit den Terroristen zu tun haben wollen, mutlos zu machen)

Dass es sich in Syrien nicht um einen Volksaufstand handelt, sondern um eine subversive Zerstörung durch eingeschleuste Terrorbanden (manipuliert von  westlichen Geheimdiensten), wird auch durch folgende Aussagen erhärtet:

Die Mehrheit der FSA Kommandeure sind nicht Syrer, sondern irakische Sunnis. Die Eroberung des Grenzübergangs Abu Kamal erlangte die FSA nicht durch militärische oder taktische Kompetenz, sondern weil das Grenzgebiet von sunnitischen Stämmen kontrolliert wird, die natürlich die schiitische Regierung in Baghdad hassen wie die Pest. Deshalb gilt es mittlerweile als sicher, dass ein ungehinderter Nachschub an  „Gotteskriegern“ und Waffen von Irak nach Syrien stattfindet.

Die BBC berichtete, dass irakische Schiiten von der FSA aus Damaskus vertrieben (und auch ermordet) werden – eben weil sie Schiiten sind.

Die FSA hat unser Leben ruiniert“ erzählt ein vertriebener Familienvater, der mit Frau und Kindern aus dem Viertel Sayyida Zainab, im südlichen Teil von Damaskus fliehen musste. Seine Frau fügte hinzu:

Sie sind keine Armee, nur bewaffnete Banden. Es gibt nur eine Armee, die Syrische Armee und sie haben das Recht, die Menschen und das Land zu beschützen. Sie haben Damaskus unter Kontrolle.”

Auf die Frage des Reporters, ob das Gerücht stimme, dass Anhänger des (shiitischen) geistlichen Führers Moqtada al-Sadr in Syrien kämpften, lautete die Antwort unisono – Nein. Doch als die versammelte Menschenmenge dem Reporter klarzumachen versuchte, dass sunnitische Banden nach Syrien gebracht werden, wollte er das kaum glauben und präsentiert es daher als „Gegen-Gerücht“:

Ja,  es gibt Iraker, die in Syrien kämpfen“  sagte er und registrierte mit Genugtuung die Überraschung in meinem Gesicht. „Die Kommandeure der FSA sind alle Iraker“ – sunnitische Iraker war natürlich die implizierte Erklärung.“ Der BBC Reporter kommentiert diese Information so:

Den Anderen das Schlimmste zuzutrauen, mit oder ohne Beweise, aber alles Schlechte über die eigene Religionsgruppe zurückzuweisen zeigt wohl, wie schwerwiegend die religiöse Spaltung bereits ist.“

Der Reporter ist sich dessen wohl nicht bewusst, dass dieser Vorwurf aber in erster Linie auf die westlichen Medien (die als Verteiler für die Gräuelpropaganda gegen Assad funktionieren) zutrifft, weniger auf die Menschen im Irak. „Den anderen das Schlimmste zuzutrauen (jede Gewalttat in Syrien wird  in den Medien jedenfalls implizit dem Assad-Regime angelastet), während sich die Beweise für die echten Gräueltaten der Terrorbanden („Freie Syrische Armee FSA“ – Orwell meets Goebbels) häufen, aber ignoriert werden, weil sie eben nicht in den etablierten „Frame“ passen: die „Guten“ entpuppen sich als die „Bösen“ – die vom Westen unterstützt werden, dass darf einfach nicht sein …

Auch die Wortwahl des Artikels ist verräterisch: bewaffnete Banden aus dem Ausland, die Menschen in Syrien wegen ihres Glaubens umbringen, werden als „armed opposition groups“ bezeichnet.

Man stelle sich vor, es handle sich nicht um Schiiten, sondern um Juden, die wegen ihrer Religion getötet oder vertrieben werden.  Welcher europäische Journalist würde es wagen, in diesem Zusammenhang von „bewaffneten Oppositionsgruppen“ zu sprechen? Das wäre ein ungeheuerlicher Affront, Israel würde sofort die Verharmlosung der Verbrechen kritisieren und Vergeltungsmaßnahmen ankündigen. Selbstverständlich würde man rund um die Uhr das  Wort „Terroristen“ in den Medien lesen und hören und von Brüssel bis Washington würde die politische Elite sofort ihre Empörung über diese Schandtaten kundtun und Konsequenzen verlangen, etc.

In unseren Medien hieß es nur „tausende Syrer seien über die Grenze in die Nachbarländer geflüchtet“, der politische Kontext (geschürter Religionskrieg, Vertreibungen und Morde durch eingeschleuste „Rebellen“,  ) wurde einfach weggelassen. Dieser Artikel ist 99% Propaganda, eine Schande für den Journalismus.

Assad ist (weniger als sein Vater) ein autokratischer Herrscher, das stimmt, aber verglichen mit den wahhabitischen Saudis (wo eine Religionspolizei existiert) oder der Inzucht-Sippe in Bahrein ist Syrien fast ein Paradies der Freiheit: Frauen dürfen wählen, müssen nicht verschleiert herumlaufen, werden nicht behandelt wie Sklaven, das Fundament des Staates ist nicht religiös, es gibt keine religiöse Diskriminierung im Land, usw. Der Mann ist ja eigentlich wider Willen zum Präsident geworden: nur weil sein Bruder in einem Autounfall starb, wurde der als Augenarzt ausgebildete Bashar zum Präsidenten von Syrien gemacht. Ihn in den Medien als „machtbesessen“ hinzustellen, ist deshalb absurd.

Forsetzung folgt – Teil 2: Civil Society Programming – die humanitäre Front …

 

 

Superman is Jack the Ripper

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht.

Es spielt(e) keine Rolle. Es interessiert(e) niemand. Die Verbrechen der Vereinigten Staaten sind systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen.“

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs unterstützten die Vereinigten Staaten jede rechtsgerichtete Militärdiktatur auf der Welt, und in vielen Fällen brachten sie sie erst hervor. Ich verweise auf Indonesien, Griechenland, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Haiti, die Türkei, die Philippinen, Guatemala, El Salvador und natürlich Chile. Die Schrecken, die Amerika Chile 1973 zufügte, können nie gesühnt und nie verziehen werden.

In diesen Ländern hat es Hunderttausende von Toten gegeben. Hat es sie wirklich gegeben? Und sind sie wirklich alle der US-Außenpolitik zuzuschreiben? Die Antwort lautet ja, es hat sie gegeben, und sie sind der amerikanischen Außenpolitik zuzuschreiben. Aber davon weiß man natürlich nichts.

Das muss man Amerika lassen. Es hat weltweit eine ziemlich kühl operierende Machtmanipulation betrieben, und sich dabei als Streiter für das universelle Gute gebärdet. Ein glänzender, sogar geistreicher, äußerst erfolgreicher Hypnoseakt.“

Jeder weiß, was in der Sowjetunion und in ganz Osteuropa während der Nachkriegszeit passierte: die systematische Brutalität, die weit verbreiteten Gräueltaten, die rücksichtslose Unterdrückung eigenständigen Denkens. All dies ist ausführlich dokumentiert und belegt worden.

Aber ich behaupte hier, dass die Verbrechen der USA im selben Zeitraum nur oberflächlich protokolliert, geschweige denn dokumentiert, geschweige denn eingestanden, geschweige denn überhaupt als Verbrechen wahrgenommen worden sind.

Ich glaube, dass dies benannt werden muss, und dass die Wahrheit beträchtlichen Einfluss darauf hat, wo die Welt jetzt steht. […]

Die direkte Invasion eines souveränen Staates war eigentlich nie die bevorzugte Methode der Vereinigten Staaten. Vorwiegend haben sie den von ihnen sogenannten „Low Intensity Conflict“ favorisiert. „Low Intensity Conflict“ bedeutet, dass tausende von Menschen sterben aber langsamer als würde man sie auf einen Schlag mit einer Bombe auslöschen. Es bedeutet, dass man das Herz des Landes infiziert, dass man eine bösartige Wucherung in Gang setzt und zuschaut wie der Faulbrand erblüht.

[…] sitzen die eigenen Freunde, das Militär und die großen Kapitalgesellschaften, bequem am Schalthebel, tritt man vor die Kamera und sagt, die Demokratie habe sich behauptet.“

Das sind nicht meine Worte, sondern jene des britischen Dramatikers Harold Pinter. Sie stammen aus seiner Rede zur Verleihung des Nobelpreises für Literatur im Jahr 2005.

Der Titel der Rede  war „Kunst, Wahrheit und Politik“. Im ersten Teil geht es um das Theater, im zweiten (Absatz beginnt mit „Politische Sprache …) um Wahrheit und Politik und besonders um die „Außenpolitik“ der USA, die eine solch ungeheure Ansammlung systematischer Gewaltverbrechen darstellt, dass man nach Worten ringen muss, um seine Gefühle auszudrücken.

Die massive Kritik von Pinter hat nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil, angesichts der Vorfälle in Syrien (siehe dazu frühere Blogbeiträge) wird klar, dass sich nur die Namen der Länder geändert  haben und die Terrormethoden noch skrupelloser wurden. Der größte Terrorist auf diesem Planeten war und ist das „Land der Freiheit“ bzw. dessen regierende Eliten (nicht das „einfache“ Volk, das seit 1945 einer massiven Propagandamaschinerie ausgesetzt wurde)

Dazu gibt es im Internet eine sehr eindrucksvolle Video-Dokumentation mit dem Titel: The Power Principle – in drei Teilen (Englisch)

Ein hochrangiger ehemaliger CIA-Agent (John Stockwell),  sagt in dem Film (Teil 2: Propaganda:

„Mir wurde klar, dass das Ziel unserer Angriffe nicht die Sowjetunion war, sondern die Menschen in der Dritten Welt, wir führten den drittblutigsten Krieg in der Geschichte … geschätzte 6 Millionen Tote als Folge der „Operationen“ in Lateinamerika, Afrika, Indonesien, usw. (mit der Zerstörung Jugoslawiens, dem Irakkrieg, Afghanistan, Libyen, und jetzt Syrien sind es mehr als 7 Millionen )

.. Sie (der „Sicherheitsapparat“ der USA) nahmen sich das Recht heraus, über den Gesetzen der Vereinigten Staaten und des Völkerrechts zu stehendas Recht, mit Drogen zu handeln, das Recht zu morden, anderen Menschen furchtbare Sachen anzutun, und sich über jedes Prinzip hinwegzusetzen, nachdem Nationen für eine bessere und friedliche Welt zusammenarbeiten können … und sie trachten auch noch danach, das Rechtssystem in den USA so zu verändern, dass sie auch noch die Kontrolle über unsere Gesellschaft erlangen ..

Wir brauchen über diese Dinge nicht zu spekulieren, [das sind keine „Verschwörungstheorien“] es gibt eine umfassende Dokumentation über die „Geheimen Kriege der CIA„. Es gab die Untersuchungen des Church-Kommittees (1975) … daraus wurde ersichtlich, dass es in den 14 Jahren davor 900 „große“ und 3000 „kleine“ Operationen gegeben hatte.

Jede einzelne von ihnen illegal, .. sie bedeuteten Chaos, Horror, Todesangst, ja Zerstörung ganzer Gesellschaften in anderen Ländern .. viele davon so blutig und grausam, dass es unsere Vorstellungskraft sprengt …

Wir haben funktionierende Demokratien manipuliert und ihren Umsturz organisiert .. wir haben geheime Armeen (paramilitärische Truppen) organisiert, wir haben Todesschwadronen trainiert und finanziert und tun das noch immer … (in El Salvador alleine wurden mehr als 100.000 Menschen brutal abgeschlachtet) … wir haben ethnische Minderheiten zu Aufständen angestachelt …

Dieser Krieg gegen die Dritte Welt, den die CIA, das Militär und der National Security Complex der USA führen, hat [zum damaligen Zeitpunkt – Ende der 1980er Jahre] 6 Millionen Menschen das Leben gekostet .. in Ländern wie Kongo, Vietnam, Thailand, Kambodscha, Indonesien, Nicaragua, etc.  Alle diese Länder stellten keine (militärische) Bedrohung für uns dar, sie waren alle hilflos gegen unseren Militärapparat .. wir haben gegen Menschen gekämpft, die sich nicht verteidigen konnten …“ (Zitat Ende).

Henry Kissinger wird mit den Worten zitiert: „I hope they kill each other„. Er sagte das, als der Krieg zwischen Irak und Iran begonnen hatte (damals standen die USA auf der Seite Saddam Huseins, er war „our son of a bitch„, er kämpfte gegen ein Land, das es gewagt hatte, sein Schicksal (vor allem das Öl) selbst in die Hand zu nehmen …der Iran.

Die gleiche Strategie wird jetzt in Syrien verfolgt, mit anderen Mitteln (kein offener Krieg, sondern indoktrinierte und bezahlte Terrorbanden im Land, die als „Opposition“ oder „Aktivisten“ für Demokratie verkauft werden .. . Und  unsere Medien lassen sich anstandslos für diese „psyops“ und Kriegsverbrechen einspannen …it makes you sick!.

Wie man „den Faulbrand in Gang setzt“ (Pinter) und das ganze noch moralisch „sterilisiert“ – in dem man es als rationale, militärische Operation darstellt – kann man hier nachlesen …

Die wahre „Verfassung“ der USA …

Fortsetzung folgt …

 

 

Monster, Mörder & Moralapostel (3): Terror’r Us

Seymour Hersh, ein hoch dekorierter,  investigativer Journalist in New York, dem hier niemand das Wasser reichen kann, hat 2007 einen enorm wichtigen Artikel verfasst. Warum? Weil er nicht nur wichtige Hintergrundinformationen über die außenpolitischen und geostrategischen Pläne der USA liefert, sondern zeigt, dass unsere „Nachrichten“, Talkshows und andere Medienberichte weit entfernt von der politischen Realität sind. Wir bekommen hier mehr oder weniger eine Kindergartenversion dessen vorgesetzt, was Außenpolitik wirklich ist, besonders, wenn es um den Nahen Osten geht und die USA und / oder Israel involviert ist.

Wir sehen Diplomaten, Regierungschefs und Außenminister, die sich die Hände schütteln, lächelnd in die Kamera blicken und dann einige PR-statements von sich geben, die mit der Wirklichkeit relativ wenig zu tun haben. Die Diplomatensprache ist eigentlich nichts anderes, als eine schön verpackte Form der Heuchelei. Wenn aber niemand sagen kann, was er wirklich denkt und worum es wirklich geht (schon gar nicht in der Öffentlichkeit), dann gibt es keine echte Kommunikation, sondern nur leere Phrasen, hinterhältige Absichtserklärungen und Scheindebatten.  Die großen Entscheidungen fallen hinter verschlossenen Türen, ohne Transparenz und demokratische Kontrolle. Die Parlamente (und auch die Journalisten) werden mit Informationen „gefüttert“, die den tatsächlichen Absichten oft diametral entgegenstehen.

Umso wichtiger ist es für eine demokratische Gesellschaft, dass es Journalisten wie Hersh gibt. Schauen wir uns deshalb an, was wir aus seinen Ausführungen lernen können: (warum dieser Text für die aktuelle Eskalation in Syrien relevant ist, wird im Laufe dieses Blogs klar)

Zuvor noch einige Bemerkungen  über den politischen Kontext im Jahr 2007:

Die Situation im besetzten Irak ist katastrophal: fast täglich Bombenanschläge, die Gewalt sunnitischer und schiitischer Milizen eskaliert zusehends, auch „Al Qaeda“ treibt ihr Unwesen. Offiziell heißt es, man wolle so schnell wie möglich die Kontrolle über das Land an die Iraker abgeben, was die prekäre Sicherheitslage aber nicht  zulasse. Zigtausende, private „Security“-Firmen müssen. Berichte von Massakern an Zivilisten tauchen auf, von Soldaten, die in Häuser eindringen und ganze Familien umbringen, dann Waffen deponieren, damit es aussieht, als ob es sich um „Aufständische“ handle. Die US-Regierung gerät zuhause unter Druck,  nicht wenige Soldaten (daheim auf Urlaub) desertieren oder nehmen sich das Leben, weil sie nicht mehr in den Irak  zurückwollen.

Wikileaks veröffentlicht ein Video des US-Militärs, in dem man sieht, wie unbewaffnete Zivilisten (darunter auch ein  Journalist von Reuters, der eine Kameratasche umgehängt hat) kaltblütig durch einen Kampfhubschrauber ermordet werden. Der Gipfel der Barbarei ist die Szene, in der Passanten, die Verletzten zu Hilfe kommen wollen, auch noch getötet werden:

Dazu die Analyse von Hersh: (Auszüge daraus und meine Kommentare – Hervorhebungen sind von mir)

Während  die Situation im Irak in den letzten Monaten immer schlimmer wurde, hat die Bush Regierung ihre Strategie für den Nahen Osten neu ausgerichtet. Diese „redirection“ führt dazu, dass die USA immer stärker auf einen Konfrontationskurs mit Iran steuert und immer mehr in den Strudel eines konfessionellen Konfliktes zwischen Sunni und Shia Muslimen verwickelt wird. [Die USA und andere schüren diesen Konflikt absichtlich, wie bald deutlich wird – das Prinzip „teile und herrsche“ im dritten Jahrtausend]

Um den schiitischen Iran zu unterminieren, hat die Bush Administration entschieden, neue Prioritäten im Nahen Osten zu setzen.  Im Libanon hat man bei geheimen Operationen mit der saudischen Regierung kooperiert (Sunni), um Hisbollah zu schwächen, und damit indirekt auch die Achse Hisbollah-Teheran.

Als erwünschte „Nebenwirkung“ dieser subversiven Aktivitäten wurden sunnitische Extremistengruppen gestärkt, die eine militante Form des Islam praktizieren, mit Al Qaeda sympathisieren und Amerika eigentlich sehr feindselig gegenüberstehen. [Es sind also genau jene fanatischen Krieger, die in den Nachrichten „radikal-islamische Terrorgruppen“ genannt werden und die offenbar nicht wissen, WER ihr „Master“ ist, da die Saudis als Geldgeber auftreten).

Ein sehr kontroverser Aspekt dieser Strategie ist die Tatsache, dass praktisch alle Terroranschläge auf das US-Militär im Irak eben von solchen radikalisierten sunnitischen Gruppen verübt wurden und NICHT von Shiiten.  [Warum also besteht Washington darauf, den Iran zur „Achse des Bösen“ zu  zählen? Wir kommen darauf noch zurück]

Aus Sicht der Bush Administration ist eine Konsequenz des Irakkrieges wohl gar nicht erwünscht gewesen: durch die Beseitigung Saddam Husseins (der die schiitische Mehrheit im Irak unterdrückte) wurden die Shiiten politisch gestärkt und damit auch Iran. […]

Nach der iranischen Revolution brach die USA ihre Beziehungen zum Iran ab und wandte sich den sunnitischen arabischen Staaten zu wie Jordanien, Ägypten und Saudi Arabien. Nach den Anschlägen vom 11.September wurden diese Beziehungen stark belastet, besonders zu den Saudis (fast alle der „Entführer“ kamen ja angeblich aus Saudi Arabien – deshalb hat man dann Afghanistan bombardiert?!). Al Qaeda ist eine sunnitische Gruppierung und vieler ihrer Mitgliederkamen aus den religiös-extremen Zirkeln in Saudi Arabien. [Salafismus]

Vor der Irak-Invasion im Jahr 2003 nahm die von den neokonservativen Ideologen stark beeinflusste Bush-Regierung an, dass ein schiitisch regierter Irak einen pro-amerikanischen Ausgleich zu den sunnitischen Extremisten in der Region darstellen könnte. Sie ignorierten Warnungen der Geheimdienste, über die engen Bindungen zwischen irakischen Schiitenführern und Iran, wo viele seit Jahren im Exil gelebt hatten. Jetzt hat Iran, zur großen Verärgerung des Weißen Hauses, eine enge Beziehung mit der Regierung von Premierminister Nuri-Al-Maliki aufgebaut.

Vor dem zuständigen US- Kongressausschuss sagte Außenministerin Condoleeza Rice nur, es gäbe eine neue strategische Ausrichtung im Nahen Osten, die „Reformer“ von „Extremisten“ trennen will. Sie stellte die sunnitischen Staaten als Zentren der Mäßigung [!] dar, während Iran, Syrien und Hisbollah „auf der anderen Seite“ der Kluft stünden. Iran und Syrien „hätten ihre Wahl getroffen“ und diese sei „zu destabiliseren“. *

[*Ein sehr weiser Philosophieprofessor aus Kanada schrieb vor einiger Zeit, man könne die wahren Absichten der USA am leichtesten daran erkennen, dass sie ihre eigenen, unmoralischen Absichten, ihren „Gegnern“  unterstellten. Psychologen nennen dasProjektion“. Probieren Sie es aus, es funktioniert …]

Einige der zentralen Taktiken der „redirection“ werden allerdings nicht der Öffentlichkeit preisgegeben. Die geheimen Operationen wurden noch geheimer, weil man ihre Ausführung oder Finanzierung in manchen Fällen den Saudis überlassen oder andere Wege gefunden hat, die Aufsicht des Kongresses zu umgehen.

Ein langjähriges Mitglied des Kongressausschusses sagte Hersh, er habe zwar von dieser Strategie gehört, hätte aber das Gefühl, man habe ihnen einiges verschwiegen. Auf Fragen gäbe es nur ausweichende Antworten, es sei wirklich frustrierend. [Dass der Kongress bei geheimen Aktionen im Ausland für dumm verkauft wird, ist ja nichts neues ..]

DIE REGISSEURE DES  ACTION-FILMS FÜR DIE MASSEN

Prinz Bandar

Die Schlüsselfiguren der „redirection“ sind Vizepräsident Dick Cheney, der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Elliot Abrams, der scheidende Botschafter im Irak Zalmay Khalilzad und Prinz Bandar bin Sultan, der Berater für nationale Sicherheit in Saudi Arabien. […]

Die Neuausrichtung der Nahost-Politik hat zwei „seltsame Bettgenossen“ zusammengeführt: Israel und Saudi Arabien. Nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ sehen beiden Länder im Iran einen Erzfeind, eine „existenzielle Bedrohung“.

Die neue Strategie sei eine „Kehrtwende der amerikanischen Politik“ meinte ein Berater der US-Regierung zu Hersh, der enge Beziehungen zu Israel hat. Die Sunni-Staaten hätten „panische Angst vor einem schiitischen Wiedererstarken gehabt, und mit steigendem Unmut, „unser Spiel mit den moderaten Schiiten im Irak“ beobachtet. Man könne den Machtzuwachs der Schiiten im Irak nicht ungeschehen machen, aber man könne ihn eindämmen.

Es gab eine Debatte innerhalb der Regierung darüber, was die größere Gefahr sei – Iran oder die radikalen Sunnis [inlusive Al Qaeda] sagte Vali Nasr,  ein Mitglied des CFR zu Hersh, der sich seit Jahren mit den Schiiten befasst und viele Analysen über Iran und Irak publiziert hat. Die Saudis hätten schließlich „gewonnen“ und den Iran als schlimmsten Feind hingestellt.

Martin Indyk, ein ranghohes Mitglied des Außenministeriums unter Clinton, der auch als Botschafter in Israel tätig war und heute Direktor des Middle East Saban Centers der Brookings Institution ist, meinte dazu:

„Der Nahe Osten driftet in Richtung eines gefährlichen kalten Krieges zwischen Sunnis und Schiiten. Das Weiße Haus verdoppelt nicht nur den Wetteinsatz im Irak, sondern auch jene in der ganzen Region. Das könnte sehr kompliziert werden. Alles wird auf den Kopf gestellt.“

Indyk befürchtete, dass man sich in Washington wohl nicht über die strategischen Auswirkungen dieser neuen Politik im Klaren sei.

Dass diese “redirection” die Situation im Irak noch schwieriger machte,  liegt nahe. Wenn die Schiiten merken, dass Washington in Wahrheit die Sunniten als ihre (neuen) Verbündeten sieht – noch dazu mit starkem Einfluss der Saudis, die die Schiiten hassen und verachten – könnte das Befürchtungen stärken, die Schiiten würden wieder den Kürzeren ziehen, man hätte sie nur benutzt, um Saddam loszuwerden, aber jetzt würden sie „auf der falschen Seite“ (Iran) stehe.

 Schließlich könnte ein Bürgerkrieg ausbrechen, in dem sich beide Fraktionen gegenseitig „den Schädel einschlagen“ (schöner formuliert „divide et impera“). Man muss dazu wissen, dass die Schiiten unter Saddam zwar politisch machtlos waren, es aber keine Segregation der beiden Religionsgruppen gab: weder Ghettobildung noch Gewalt auf den Straßen (wie z.B.in Nordirland); Sunni und Schiiten heirateten auch untereinander und das Zusammenleben war im Großen und Ganzen friedlich. Die wichtigste Frage ist aber:

Wer profitiert davon, dass heute eine extreme „Lagermentalität“ herrscht,  Bagdad in Ghettos aufgeteilt ist und beide Religionsgruppen sich spinnefeind sind? Ein friedliches Zusammenleben scheint unmöglich geworden zu sein.

Ein weiterer Grund, warum die Schiiten in Washington schlechte Karten haben, ist die Tatsache, dass ihre religiösen Führer zwar “radikal”  und für uns schwer akzeptabel sein mögen, aber eines sind sie sicher nicht: dumm, korrupt und unterwürfig. So erwies sich z.B.  Moqtada al-Sadr’ als formidabler Gegner (im intellektuellen Sinn) und seine “Mahdi“ Kämpfer machten den US-Truppen auch schwer zu schaffen.

Flynt Leverett, ehenmaliges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates unter Busch stellt dazu fest:

„Die Bush-Regierung argumentiert, dass Iran gefährlicher ist und im Irak mehr Gewalt provoziert als die aufständischen Sunnis, obwohl – wenn man die tatsächlichen Opferzahlen betrachtet – die Anschläge auf US-Truppen fast ausschließlich von sunnitischen Gruppen verübt wurden“ .

Das sei  alles Teil einer Kampagne von Provokationen, die  den Druck auf Iran Schritt für Schritt erhöhen sollen. Die Idee dahinter sei, dass die Iraner früher oder später reagieren werden und dann hätte man einen Vorwand für einen Militärschlag gegen Teheran.

„Diese zwei Regime – Iran und Syrien – erlauben Terroristen und Aufständischen von ihrem Staatsgebiet in den Irak einzudringen. Iran liefert materielle Unterstützung für Angriffe auf amerikanische Truppen. Wir werden diese stoppen. Wir werden den Nachschub aus Iran und Syrien unterbinden. Und wir werden die Netzwerke ausforschen und zerstören, die unseren Feinden im Irak modernste Waffen  und Training zur Verfügung stellen.

Präsident George W. Bush im Jänner 2007 [schon wieder Projektion]

In den folgenden Monaten regnete es ständig neue Vorwürfe aus Washington, wonach Iran in den Irakkrieg verwickelt sei. Im Februar zeigt man Reportern technisch hochentwickelte Bomben, die angeblich iranischer Herkunft waren. Der Zweck der Übung war klar: die chaotischen Verhältnisse im Irak, die Bush immer mehr unter Druck setzten, sollte nicht den  militärischen Planern im Pentagon und den dahinter stehenden, größenwahnsinnigen „Neocons“  angelastet werden. Stattdessen wurde die Verantwortung für dieses Desaster [nach unseren moralischen Begriffen] dem Iran in die Schuhe geschoben. Hunderte iranische Staatsbürger wurden im Irak festgenommen und brutalen Verhörmethoden unterzogen, darunter viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die aber letztlich wieder freigelassen wurden.

Ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter sagte Hersh in einem Interview, die klare Botschaft an das Militär laute seit August 2006  „so viele Iraner wie möglich zu schnappen“. Das Weiße Haus wolle unbedingt den Eindruck verstärken, dass die Iraner die Rebellion im Irak anfachen und das Töten von Amerikanern von Anfang an unterstützt haben.

Verteidigungsminister Robert Gates verkündete zwar im Februar 2007, dass man keinen Krieg mit dem Iran plane, doch die Atmosphäre der Feindseligkeit und ein aggressiver Konfrontationskurs aus Washington waren nicht zu übersehen. Geheime Operationen fanden nicht nur im Libanon statt, sondern bereits innerhalb des iranischen Staatsgebietes. Amerikanische „Spezialkräfte“ haben ihre verdeckten Aktivitäten ausgeweitet, um das Land noch besser ausspionieren und destabilisieren zu können. (Siehe dazu auch diesen Beitrag)

Eine zweite gezielte Angriffslinie gegen den Iran, ist natürlich das angebliche Atomwaffenprogramm, (das hier nicht weiter behandelt wird, siehe dazu frühere Beiträge mit dem tag „Iran“). Die Glaubwürdigkeit Teherans soll durch bewusste Verbreitung von Falschmeldungen so weit zerstört werden, dass man der Regierung schließlich alles zutraut. Auch wenn es gar keine Beweise für ein Waffenprogramm gibt, wird das Land weiter dämonisiert, mit harten Wirtschaftssanktionen belegt und international isoliert. Übrigens die „Informationen“ über geheime Atomwaffeneinrichtungen kommen zu 99% von israelischen Geheimdiensten.

Das ganze widerliche Schmierentheater gab es ja auch bei Saddam Hussein: die „unmittelbare Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen aus dem Irak“ hat natürlich (2003) nicht existiert, und davor war Saddam ja ein wichtiger Verbündeter der USA, die ihm Geld und Waffen geliefert haben. Doch die Medien haben anscheinend nichts daraus gelernt …

Die USA wollen den iranischen Staat  zerstören, das steht völlig außer Zweifel. Sie wollen eine politische Fragmentierung aller arabischen Länder), die sich ihrer hegemonialen Ordnung widersetzen: Libyen, Irak, Syrien, Iran sind die wichtigsten Ziele dieser größenwahnsinnigen Politik.

Hersh schreibt, dass bereits seit 2006 konkrete Pläne für einen Bombenangriff auf Iran im Pentagon vorliegen. Eine spezielle Planungsgruppe wurde dafür eingesetzt, die sicherstellen soll, dass „bei Bedarf“, also nach Anordnung des Präsidenten innerhalb von 24 Stunden diese Bomben an ihr Ziel gebracht werden.

Auch zwei Flugzeugträger wurden in der Region stationiert, was natürlich auch eine militärische Provokation darstellt. Die freie Passage der Straße von Hormuz ist unverzichtbar für den Öltransport und man befürchtet, Iran werde sie blockieren, wenn das Land angegriffen wird (die Ölpreise würden natürlich explodieren, was unsere Wirtschaft noch weiter in die Depression treiben würde).

DER  FIESE  PRINZ  AUS  1001  NACHT

Die Bemühungen der Bush-Regierung, die Position Irans im Nahen Osten zu schwächen, stützen sich zu großen Teilen auf Initiativen aus Saudi Arabien, besonders den korrupten, skrupellosen Prinz Bandar, den saudischen nationalen Sicherheitsberater. Dazu Hersh:

Bandar war bis 2005 saudischer Botschafter in den USA und ist [immer noch] mit Bush und Cheney eng befreundet [deranged minds think alike ..]. Im November 2006 flog Cheney überraschend nach Saudi Arabien um sich mit König Abdullah und Bandar zu treffen. Die Saudis machten klar, dass sie die Sunni-Gruppen im Irak unterstützen werden, wenn die US-Truppen abziehen. Die Saudis wollen um jeden Preis verhindern, dass die Schiiten in der Region mehr Macht erhalten. Im Osten ihres eigenen Landes gibt es auch eine schiitische Minderheit, noch dazu in einem Gebiet wichtiger Ölfelder.

Irans größter und stärkster  Widersacher in der Region, Irak unter Saddam, wurde ja zerstört und der Gedanke, Teheran könnte sich tatsächlich Atomwaffen beschaffen bereitet den Saudis angeblich schlaflose Nächte. [Dass ihre eigenen, finsteren Machenschaften (von den USA ganz zu schweigen) ja gerade die Motivation für Iran liefern, nach Nuklearwaffen zu trachten, als „Lebensversicherung“,das sehen die Saudis in ihrer Blindheit nicht …]

Saudi Arabien verfügt über sehr viel Geld, hat enge Beziehungen zur Muslimbruderschaft und fördert die Salafisten, eine extreme Sunnifraktion, aus der auch „Al Qaeda“ – mit saudischer Hilfe – rekrutiert wurde. Hunderte junger Saudis, die in Koranschulen extrem indoktriniert wurden, schickte man Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre nach Afghanistan um gegen die Russen zu kämpfen. Sie nahmen teil an einem Stellvertreter Krieg der CIA, die hunderte Millionen Dollar für Waffen und Terrortraining (in liason mit dem pakistanischen Geheimdienst) lieferte. Unter diesen Rekruten befand sich auch Osama bin Laden.

Diese fanatischen, indoktrinierten Kämpfer schrecken auch vor Massakern nicht zurück und genau das macht sie für diese intriganten „Strategen“ der „redirection“ so interessant und nützlich. Die Saudis glauben, solange sie die Salafisten (auch Koranschulen] finanziell fördern, werden sie selbst nicht zu deren Angriffsziel (sie lassen eine „Religionspolizei“ auf die Bevölkerung los, leben aber selbst exzessiv, wie lange kann das gutgehen?)

Prinz Bandar hat dem Weißen Haus versichert, man werde “diesen religiösen Fundamentalisten streng über die Schulter schauen“ Sie hätten diese Bewegung erschaffen und könnten sie auch kontrollieren. Was aber meint Bandar damit wirklich?

„ Es ist ja nicht so, dass wir nicht wollen, dass die Salafis Bomben hochgehen lassen. Es geht doch nur darum, wen sie damit umbringen sollen: Hisbollah, Al-Sadr, Iraner – und Syrer – wenn sie weiterhin mit Hisbollah und dem Iran zusammenarbeiten.“

Die guten Beziehungen zwischen den USA und Saudi Arabien sorgen ohnehin schon bei vielen Arabern für Kritik, deshalb ziehen es Bandar und seine korrupten Kollegen vor, dass Israel den Iran angreift, nicht die USA andernfalls fürchten sie, man werde ihnen die Schuld am Krieg geben.

Die vier Grundelemente der neuen „Strategie“ sind:

  1. Israels Sicherheit ist vorrangig und Saudi Arabien teilt die Befürchtungen über die „iranische Gefahr“
  2. Die Saudis würden auf Hamas einwirken, sich mit der gemäßigten Fatah zu einigen
  3. Die USA arbeitet direkt mit sunnitischen Staaten zusammen, um die Schiiten unter Kontrolle zu halten
  4. Die saudische Regierung übernimmt die Finanzierung und logistische Maßnahmen zur Schwächung Assads

Syrien spielt eine wichtige Rolle für Waffenlieferungen an Hisbollah und die Hamas hat in Damaskus ihre Zentrale. Die Saudis glauben auch, dass Syrien im Jahr 2005 die Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri in Auftrag gegeben hat, der enge Beziehungen zu den Saudis und Prinz Bandar hatte. Dafür gibt es aber bis heute keine eindeutigen Beweise.

Andere sprechen davon, dass Israel hinter dem Mordanschlag steckt – welcher Journalist versucht, die Wahrheit herauszufinden?

 

LIBANON 2007

Neben dem Iran steht Libanon im Zentrum der neuen Strategie. Die Saudis und Bush unterstützen die wackelige Regierung von Premierminister Siniora, während Hisbollah immer mehr Anhänger gewinnt. Hisbollah gilt in den USA seit 1997 als „Terror-Organisation“, weil ihr mehrere Anschläge auf amerikanische Einrichtungen und andere Verbrechen vorgeworfen werden. Ihr Anführer Sheik Nasrallah bestreitet diese Vorwürfe, macht aber keinen Hehl daraus, dass nach seiner Ansicht, der heutige Staat Israel  kein „Existenzrecht“ hat.

Die USA finanzieren aber auch geheime Operationen und dubiose Akteure im Libanon, die für ihre Zwecke nützlich erscheinen. „Man könne eben nicht kontrollieren, wohin das Geld schließlich fließe“, sagte ein Berater der US-Regierung zu Hersh. „Wir finanzieren auf diese Weise auch  kriminelles Gesindel, was zu unerwünschten Konsequenzen führen kann. Wir riskieren viel dabei.“

TERROR ‚R US: DIE  USA &  SAUDI   ARABIEN  ALS  GRÖSSTE SPONSOREN FANATISCHER  MILITANTER  MUSLIME :

Dieses politische “Trio Infernal” unterstützt und fördert also genau jene “fanatischen und radikalen Islamisten”, die uns in den Medien immer als gefährliche “Terroristen”, als Bedrohung für die Welt präsentiert werden.

Alastair Crooke, ein Mann, der fast 30 Jahre im britischen Auslandsgeheimdienst MI6 verbrachte, und heute für einen ThinkTank in Beirut arbeitet sagte Hersh dazu folgendes:

„Die libanesische Regierung lässt diese Banden ins Land [bzw. lässt ihnen weitgehend freie Hand], das könnte sehr gefährlich werden. Mitglieder einer sunnitischen Extremistengruppe mit dem Namen Fatah al-Islam, eine ganz neue Splittergruppe von Fatah al-Intifada, erzählten ihm:

Innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Abspaltung bot man ihnen bereits Waffen und Geld an. Das waren Leute, die sich als Vertreter der libanesischen Regierung vorstellten. Ihre Absicht war wohl, dass damit gegen die Hisbollah gekämpft wird.“

2005 berichtete die  ICG (International Crisis Group), dass der Sohn des ermordeten Rafik Hariri,  Saad, der Anführer der sunnitischen Mehrheitsfraktion im libanesischen Parlament, 48.000 US-Dollar Kaution für vier Mitglieder eine militanten Islamistengruppe aus Dinniyeh bezahlt hat (er erbte vier Milliarden Dollar von seinem Vater). Die Männer waren verhaftet worden, weil sie versuchten, einen islamistischen Mini-Staat im Norden Libanons zu errichten.

Saad Hariri nutzte später auch seine Mehrheit im Parlament dazu, für 22 dieser Islamisten und sieben weitere Rebellen, denen u.a. ein geplanter Bombenanschlag auf die italienische Botschaft in Beirut zur Last gelegt wurde,  eine Amnestie zu erwirken. Samir Geagea, ein Führer der Maronitisch-christlichen Miliz, der wegen vier politischer Morde – darunter auch die Ermordung eines früheren Premierministers) verurteilt worden war, wurde auf Betreiben Hariris die Strafe erlassen. Er bezeichnete diese Eingriffe in das Justizsystem als „humanitär“.

Ein ranghoher Beamter der Siniora-Regierung gab in einem Interview zu, dass Jihadisten im Libanon ungestraft operieren dürfen (so lange sie die „richtigen Leute“ umbringen). „Wir haben eine liberale Einstellung, die es gestattet, dass Al Qaeda-Typen hier eine Präsenz haben …“ Die Begründung dafür sah man in Befürchtungen, dass Iran oder Syrien den Libanon „in einen Konflikt hineinziehen“ könnten.

Die Bush-Regierung hat ihre Unterstützung für Siniora als Beispiel für Demokratieförderung hingestellt und für sein Bemühen “die Einmischung anderer Länder zu verhindern”. Als es in Beirut zu Demonstrationen kam, die von Hisbollah angeführt wurden, sagte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton, das sei Teil eines „von Iran und Syrien angefeuerten Staatsstreiches“ (Projektion)

Der korrupte und intrigante Prince Bandar ist auch damit beauftragt, Spannungen zwischen Iran und Syrien zu produzieren. So versuchte er, über die Palästinenserfrage einen Keil zwischen die beiden Regierungen zu treiben, was aber misslang. Ein Ex-Diplomat aus der Region erzählte Hersh: „Sie sind loyal zueinander, einer wird den anderen nicht verraten. Seine Mission hat geringe Erfolgschancen“.

Auch der politische Anführer der Drusen im Libanon, Walid Jumblatt,  der die Hisbollah und Assad hasst, spielte beim Komplott gegen Syrien eine Rolle: Er sagte Hersh in einem Interview, er habe Vizepräsident Cheney im Herbst 2006 getroffen. Dabei sei es unter anderem auch darum gegangen, wie man Assad unterminieren könne. Er riet Cheney damals, für diese Zweck am besten die Muslimbruderschaft in Syrien als Ansprechpartner zu suchen.

Die SMB ist ein Ableger einer radikalen sunnitischen Bewegung, die 1928 in Ägypten gegründet wurde und seit mehr als einem Jahrzehnt gewaltsamen Widerstand gegen das Regime von Hafez Assad (dem Vater des jetzigen Präsidenten)leistete. 1982 gelang es ihr, die Stadt Hama unter Kontrolle zu bringen. Assad senior bombardierte die Stadt eine Woche lang, wodurch tausende Menschen starben. Die Mitgliedschaft in dieser Gruppe wird in Syrien mit dem Tod bestraft. Die MB (zu deren Ablegern auch Hamas zählt) gilt auch als Todfeind der USA und Israels.

Trotzdem sagte Jumblatt:

„Wir sagten Cheney, dass Syrien ein elementares Band zwischen Iran und Libanon ist, und um Iran zu schwächen, müssen Sie eine effektive Opposition in Syrien schaffen.“

Es gibt bereits starke Hinweise darauf, dass die „redirection“ große Vorteile für die Muslimbruderschaft gebracht hat. Die Syrische Nationale Salvation Front (SNSF) ist eine Koalition von Oppositionsgruppen, deren Führer Abdul Halim Khaddam, ein ehemaliger syrischer Vizepräsident ist. Ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter erzählte Hersh dazu:

„Amerika hat sie politisch und finanziell unterstützt. Die Saudis sind führend bei der Finanzierung, aber die US ist auch involviert. Khaddam, der (2007) in Paris lebte, bekam Geld von den Saudis und Washington wusste davon. Nach Presseberichten  traf sich eine Delegation der SNSF schon 2005 mit Beamten des Nationalen Sicherheitsrates in Washington. Die Saudis hatten ihnen die  notwendigen Pässe und Visa für die Reise besorgt.“

Dazu noch einmal Jumblat: „Manche in der arabischen Welt, vor allem die Ägypter, deren moderate Sunni-Führung die Muslimbruderschaft seit Jahrzehnten bekämpft hat, werden gar nicht erfreut sein, wenn die USA jetzt ihre Erzfeinde unterstützt. Doch wir sagten zu Cheney – wenn ihr Syrien nicht angreift, werden wir in einem langen Kampf mit Hisbollah stehen, und zwar einen, den wir verlieren könnten.“

[Jetzt wird klar, warum Mubarak plötzlich entmachtet werden musste…der „arabische Frühling“ ist nur ein schönes Theaterstück für die Medienschafe und ihr Publikum …]

DIE CHARADE VON GUT GEGEN BÖSE:  Sheik Hassan NASRALLAH

Im Dezember 2006 flog Seymour Hersh nach Beirut für ein Interview (unter enormen Sicherheitsvorkehrungen), mit Sheik Nasrallah, den Führer der Hisbollah (ein eher seltenes Ereignis und aus Sicht der Schiiten eine Art „Auszeichnung“ für westliche Journalisten, denn es bedeutet, dass sie als vertrauenswürdig erachtet werden)

Nasrallahs Aufenthaltsort ist geheim, weil sein Leben massiv bedroht ist, nicht nur von israelischen Geheimdiensten, sondern auch von arabischen Akteuren: Seine Mitarbeiter erzählten Hersh, jordanische Agenten und auch sunnitische Jihadisten wären hinter ihm her, letztere seien mit Al Qaeda verbündet.

Diese Version  bestätigte auch ein pensionierter US-General und ein Regierungsbeamter gegenüber Hersh: der jordanische Geheimdienst habe mit israelischer und amerikanischer Unterstützung versucht, schiitische Gruppen zu infiltrieren und Hisbollah zu unterminieren. König Abdullah von Jordanien hätte davor gewarnt, dass eine schiitische Regierung im Irak, die Iran nahesteht, das Aufkommen einer gefährlichen schiitischen Machtkonfiguration bedeuten würde.

Darin liegt eine bemerkenswerte Ironie: der tapfere und siegreiche Kampf der Hisbollah im Südlibanon gegen die gewaltige israelische Militär-Übermacht ließ Nasrallahs Ansehen in der muslimischen Welt stark ansteigen, egal ob Sunni oder Shia. Diese Wahrnehmung wurde aber in den letzten Monaten dank „redirection“ umgedreht und er wird jetzt von vielen Sunnis nicht mehr als Symbol für arabische Einheit, sondern als Akteur in einem Religionskrieg wahrgenommen.

Nasrallah musste seit Juli 2006 ständig seinen Aufenthaltsort wechseln: Auslöser dafür war die Gefangennahme zweier israelischer Soldaten im Grenzgebiet. Die Hisbollah wollte sie nur für einen Gefangenenaustausch benutzen, was eigentlich keine große Sache ist, doch die Reaktion Israels war völlig überzogen: ein Bombenkrieg, der 33 Tage dauerte und hunderte Tote forderte, auch die UN wurde bombardiert.]

Nasrallah sagte zu Hersh, er habe die Reaktion Israels falsch eingeschätzt und es sei nicht seine Absicht gewesen, die Region in einen Krieg zu verwickeln.

Nasrallah beschuldigt die Busch-Regierung, gemeinsam mit Israel, absichtlich eine Rebellion und Fragmentierung innerhalb der arabischen (und persischen) Muslime herbeizuführen: FITNA heißt dieser Begriff in der arabischen Sprache.

„Nach meiner Ansicht ist eine gewaltige Medienkampagne im Gange, damit wir uns gegenseitig an die Gurgel gehen [meine Formulierung] und all das wird von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten koordiniert.“

Nasrallah versteht, dass der Krieg im Irak religiöse Spannungen vergrößert hat, aber Hisbollah habe versucht, deren Ausbreitung in den Libanon zu verhindern. (In den Wochen nach dem Interview nahmen die Konfrontationen zu)

Der Hisbollah-Führer sagte weiter zu Hersh, er sei überzeugt, dass Bush “eine neue Landkarte” der Region erschaffen wolle:

„Sie wollen eine Teilung des Irak – dort ist bereits ein Bürgerkrieg im Gange. Es gibt ethnische Säuberungen. Die täglichen Anschläge und Vertreibungen sollen dazu führen, dass das Land in drei religiös und ethnisch getrennte  Enklaven zerfällt, der Auftakt für den Zerfall des Staates. Innerhalb der nächsten Jahre wird es eine totale Trennung zwischen Sunni, Schia und Kurden geben. Sogar in Baghdad fürchtet man, dass es eine geteilte Stadt geben wird.

Ich kann sagen, dass Präsident Bush lügt, wenn er sagt, er will keine Teilung des Irak. Die faktische Situation veranlasst mich aber zu sagen, ich schwöre dir, er reißt das Land in Stücke. Und eines Tages wird er [heuchlerisch] behaupten „Ich kann nichts dagegen tun, die Iraker wollen diese Teilung und ich respektiere ihre Wünsche“.

Nasrallah glaubt auch, dass Amerika die Teilung von Libanon und Syrien herbeiführen will.  Syrien würde dadurch im Chaos und im Bürgerkrieg versinken, ähnlich wie im Irak. Im Libanon wird es je einen Ministaat für die Sunnis, , die Alawiten, die Drusen, usw. geben. Das Schicksal der Schiiten sei aber ungewiss. Die Bombardierung durch Israel 2006 sei der erste Schritt gewesen, die Vertreibung von Schiiten (zuerst im Libanon, dann auch aus Syrien) anzufachen. Sie sollten in den Süden des Irak fliehen, wo ohnehin schon viele Schiiten leben.

[Der Profiteur dieses von außen geplanten Zerfalls ganzer Staaten und Gesellschaften sei in erster Linie Israel. Das Ergebnis dieser „Teile und Herrsche“ Strategie:]

Israel wäre dann von kleinen, schwachen Staaten umgeben, die keinen Widerstand mehr gegen eine regionale Hegemonie Israels leisten können. Nasrallah ist auch überzeugt davon, dass Saudi Arabien ebenso wenig  von der Teilung verschont bleiben würde, wie die nordafrikanischen Staaten.

[Er hatte Recht: das Schicksal von Libyen, Somalia, Sudan, etc. beweist das]

Die Frage, die man sich stellen muss: Ist diese Konsequenz die bedauerliche Folge einer „neuen Strategie“ oder steckt eine Absicht dahinter, wie Nasrallah glaubt?  Die Antwort ist nicht schwer …

Nasrallah betonte, die Hisbollah würde nur innerhalb der libanesischen Grenzen aktiv sein (außer sie werde angegriffen und müsse sich wehren) und würde sich zurückziehen, sobald eine libanesische Armee die Verteidigung des Landes übernehmen könne. Er wolle keinen Krieg mit Israel, rechne aber mit weiteren Angriffen. Die Siniora-Regierung habe keinen Rückhalt bei der Bevölkerung und werde nur durch ausländische Unterstützung an der Macht gehalten [auch damit hatte er Recht].

Die Bush-Regierung war sich nicht einig darüber, wie man mit Hisbollah verfahren solle.

Robert Baer, ein früherer, langjähriger Agent der CIA im Libanon, und einst scharfer Kritiker der Hisbollah, sagte Hersh dazu:

„Wir haben jetzt sunnitische Araber, die sich auf eine katastrophenartige Umwälzung vorbereiten und wir werden jemand brauchen, der die Christen im Libanon beschützt. Früher waren das die Franzosen, heute ist es Nasrallah und die Schiiten. Nasrallah entwickelte sich vom Rebellen zu einer Führungspersönlichkeit, vom Terrorist zum Staatsmann. Er hätte während des Krieges mit Israel Terrorattacken im Ausland in Auftrag geben können, … aber er tat es nicht.“

DEMOKRATIE IM BLINDENVERBAND

Die Vorliebe der Bush-Regierung [die Obama fortführt] für geheime Operationen, (mit Unterstützung fragwürdiger Verbündeter), die vor dem Kongress geheim gehalten werden, erinnern so manchen politischen Veteranen in Washington an frühere Zeiten: Als unter Reagan die (ebenfalls von außen geschürte) Aufruhr in Nicaragua mit illegalen Waffenverkäufen an den Iran [über Israel und mit Einbindung der Saudis] finanziert wurde. Der berüchtigte „Iran-Contra-Skandal“ war die Folge und mindestens zwei Schlüsselfiguren aus diesem Mega-Verbrechen sind auch in die „redirection“ Strategie, also die Neuordnung des Nahen Ostens verwickelt:

Elliot Abrams    und Prinz Bandar [zwei fiesere Charaktere wird man schwer finden und solche Leute sind dann die Bannerträger der „notwendigen Verteidigung gegen die  Bedrohung durch den „bösen“ Iran”]

Abrams, [ein besonders schwerer Fall von krankhafter Selbsttäuschung und Projektion], sprach vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung über Lektionen aus dieser Affäre  (ein Verbrechen, für das er strafrechtlich verurteilt, aber von Bush begnadigt und wieder in Amt und Würden eingesetzt wurde). Dazu Hersh:

Er sei zu dem Schluss gekommen, dass obwohl das „Programm“ letztlich aufgedeckt wurde, man doch in der Lage gewesen sei, es durchzuführen, ohne dass der Kongress etwas davon mitbekommen hätte.

Was sie (die Teilnehmer der Veranstaltung) aus dieser Erfahrung für zukünftige verdeckte Operationen gelernt hätten?

  • man kann seinen Freunden nicht trauen.
  • man muss es ohne die CIA machen
  • man kann dem uniformierten Militär nicht trauen
  • es muss vom Büro des Vizepräsidenten [Cheney] gelenkt werden

[FAZIT: Tja, man kann eigentlich nur mehr jenen „trauen“, die genau solche skrupellosen  A……cher sind, wie man selber …, birds of a feather ...]

Der amerikanische Präsident muss eigentlich für solche geheimen Operationen einen schriftlichen “Befund” erstellen und den Kongress darüber informieren. Nicht zuletzt deshalb, weil – nach der Verfassung – der Kongress auch die Gelder dafür genehmigen muss. Doch man hat schon lange Wege gefunden, diese lästige „Kontrolle“ zu umgehen:

Es gibt deshalb geheime Konten und Geldquellen [die CIA ist selbst in den internationalen Drogenhandel verwickelt], verteilt in der ganzen Welt, über die die CIA und andere „Spezialeinheiten“ verfügen können. Doch durch den Irakkrieg und das „Budgetchaos“ tat sich eine neue, riesige Geldquelle auf:

Von den Dollar-Milliarden an „Aufbauhilfe“, die an den Irak gingen, verschwand ein Großteil auf Nimmerwiedersehen. Es wurden ganze Pakete von Banknoten geliefert, über den Verbleib niemand Auskunft geben konnte.

[Paul Bremer, der zuständige „Konsul“ im Irak, der zu dieser Zeit die Verantwortung trug, erhielt später die „Medal of Freedom“ von Bush. Wahrscheinlich war die „Freiheit“ gemeint, sich hemmungslos an Steuergeldern bedienen zu können, und den Irak auszuplündern … ]

Die Kontakte von Hersh (ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und ein Ex-Vier-Sterne-General] bestätigten, dass dieses Chaos eine perfekte Möglichkeit für Geldwäsche war, die man zur Finanzierung solcher geheimen Aktionen im Ausland verwenden konnte.

Das wäre seit „Iran-Kontra“ eine übliche Vorgangsweise …und selbst die CIA wisse nicht über alles Bescheid …Sie fragt selbst „Was ist hier eigentlich los?

ZUSAMMENFASSUNG

Hersh zeigt auf brilliante Weise, dass seit 2005 eine massive, geheime Operation im Nahen Osten im Gange ist, um eine ständig eskalierende Konfrontation auszulösen, die Sunnis und Schiiten spalten soll und zu einer gewaltsamen Neuordnung der Machtverhältnisse führt – ohne dass die Öffentlichkeit irgendetwas davon mitbekommt … Es soll so aussehen, als wäre man gezwungen einzugreifen, um Schlimmeres zu verhindern, doch in Wahrheit will man genau das erreichen: den politischen Zerfall jener arabischen Staaten, die sich der Hegemonie Israels und der USA (auch des globalen korporativen „Marktes“) nicht unterordnen wollen ..

Die „Massaker“, die steigende Anzahl der Toten und andere Greueltaten sind nicht bedauerliche Exzesse der betreffenden Regierung, sondern lange geplanter „Terror“ der vom „Trio Infernal“  organisiert wurde:

Wir müssen uns von der naiven Vorstellung trennen, dass die US-Machteliten und ihre saudischen und israelischen Kumpane, [aber auch europäische Akteure, mit neokolonialen Ambitionen] auch nur im Geringsten daran interessiert sind, dass diese arabischen Länder in Frieden und Freiheit existieren können. Das Recht auf Selbstbestimmung hat man ihnen schon lange abgesprochen und seit „9/11“ geht es ihnen an den Kragen …