UNTER WÖLFEN: GLADIO, CIA, IS und die TÜRKEI

grey wolves propagandaGestern wurde in den Nachrichten von RT eine äußerst wichtige Information veröffentlicht:

Nach dem Abschuss des russischen Kampfflugzeugs über Syrien tauchte ein Video auf, in dem angeblich „turkmenische“ Guerilla-Kämpfer in Nord-Syrien sich damit brüsten, einen der beiden russischen Piloten – während er sich mit dem Fallschirm retten wollte – getötet zu haben.

Der in den Medien dazu suggerierte Kontext ist, dass diese Männer Teil dersyrischen, gemäßigten Rebellen“ sind, die gegen den bösen Assad kämpfen und jetzt von den bösen Russen mit Bomben bedroht werden. In diesem Sinne kann man doch verstehen, wenn diese auf russische Kampf-Piloten nicht gut zu sprechen sind (es wird quasi Selbstverteidigung unterstellt).

Doch das Lügengebäude der „syrischen Rebellen“ bricht nun endgültig zusammen. Warum?

Celik now in SyriaWeil der Anführer der „turkmenischen Kämpfer in Syrien“ in Wahrheit aus der Türkei kommt und Alparsian CELIK heisst. Er wird von türkischen Medien als Sohn eines ehemaligen, „rechten“ Bürgermeisters identifiziert, der schon 2014 im Irak kämpfte.

Der Mann ist also kein Syrer und hat somit mit der  legitimen „syrischen Opposition“ rein gar nichts zu tun, war aber „zufällig“ zur Stelle, als die russischen Piloten nach dem Angriff der Türkei den Schleudersitz betätigten.

Celik Grey WolvesDas ist aber noch nicht alles. Der „Hammer“ ist, dass dieser Celik Mitglied der „Grauen Wölfe“ ist, einer para-militärischen – auch terroristisch einsetzbaren – Kampftruppe, die vom türkischen „deep state“ (der eng mit der CIA liiert ist) in den 1960er Jahren geschaffen wurde.  (Auf dem Bild oben mit dem „Wolfsgruß“)

BBC doc 1992Diese wiederum ist Teil des türkischen, geheimen „Gladio“-Netzwerkes, das die CIA/NATO schon nach 1945 in Europa aufgebaut hat. Also paramilitärische, neo-faschistische Strukturen die eng mit dem „Sicherheitsapparat“ des jeweiligen Landes verbunden sind.

Daniele GANSER, der ja „Gladio-Experte ist, schrieb dazu 2005 (Originaltext Englisch) u.a.:

„… Schon mehrere Jahre vor dem NATO-Beitritt (1952) wurde eine „Geheimarmee“ mit dem Codenamen „counter-guerilla“ in der Türkei gegründet, die während des ganzen kalten Krieges aktiv war und die geheimsten Missionen des türkischen Militärs ausführte. Nach den Enthüllungen über „Gladio“ in Italien, bestätigte General Kemal Yilmaz, Kommandeur der militärischen „Spezialeinheiten“ am 3. Dezember 1990 offiziell seine Existenz. Ihre Aufgabe sei, den „Widerstand zu organisieren, für den Fall einer kommunistischen Besatzung“.

Der ehemalige türkische Premierminister Ecevit sagte in einem Interview, er habe erst 1974 von diesen Strukturen erfahren und der Oberkommandeur der türkischen Armee habe ihm mitgeteilt, dass die USA diese Einheiten schon unmittelbar nach Kriegsende (1945) finanziert hatten. „Es handelt sich dabei um freiwillige Patrioten, deren Namen geheim gehalten werden und die sich lebenslang (!) in dieser Spezialabteilung engagieren“ so Ecevit wörtlich. Er fügte hinzu: „Sie haben Waffenverstecke in verschiedenen Teilen des Landes.“

Als er andeutete, dass diese „Abwehreinheiten“ auch in Terroranschläge auf türkischem Boden verwickelt sein könnten, reagierte der Verteidigungsminister Giray (wütend) darauf mit den Worten:

Ecevit sollte besser seinen Mund halten …!“

(Ganser:  Terrorism in Western Europe – An Approach to NATO’s Secret Stay behind armies)

Taksim massacreDoch dieser ließ sich nicht einschüchtern und verkündete, dass er den begründeten Verdacht habe, die CG-Einheiten seien in das Massaker am Taksim Platz in Istanbul (1977) verwickelt gewesen. Während dieser massiven Protestkundgebung der Gewerkschaften am 1. Mai wurden 36 Menschen getötet (zum Teil absichtlich mit gepanzerten Fahrzeugen überrollt) und hunderte verletzt. Das Massaker dauerte 20 Minuten, doch obwohl hunderte Polizisten vor Ort waren, haben sie nichts unternommen (so Ecevit).

(Erinnert das nicht an das Massaker im Gewerkschaftshaus in  Odessa?...(siehe Ukraine-Beiträge)

Als Ecevit den damaligen Präsident der Türkei am Telefon erreichte und ihm seinen Verdacht über die Täter mitteilte, gab dieser die Botschaft an den neuen Premierminister Süleyman Demirel weiter. Doch dieser vermochte gegen die Militär-Mafia anscheinend nichts auszurichten … (warum nicht, wird weiter unten klar ….)

Talat Turhan, ehemaliger General im türkischen Militär sagte, diese „Abwehr-Einheit“ habe auch Folter praktiziert. (so Ganser) Woher er das wusste? Er selbst wurde von diesen Leuten gefoltert, aber sie ließen ihn am Leben. Nach den „Gladio“-Enthüllungen in Italien (1990) wurde er von Journalisten kontaktiert, um über seine Erfahrungen zu berichten.

Turhan beklagt bis heute, dass diese geheimen – mörderischen – Strukturen nie in einem offiziellen Verfahren untersucht wurden, weder in der Türkei, noch im Rahmen der EU.

ÜLKÜCÜLER: WÖLFE AN DER LEINE

„Ein Idealist ist in der Regel kein Mann des Denkens, sondern immer ein Mann der Tat […] Alle Denkweisen, Handlungen und Meinungen, die von Handlungs- und Denkweise der Idealisten abweichen, sind ungültig

(Beschreibung der „idealistischen“ Wölfe …)

Grey wolves logoDie “Grauen Wölfe” werden von RT als „nationalistische Organisation“ bezeichnet, doch das ist eine sprachliche Verharmlosung. Die „Wölfe“ (gegründet von Alparslan Türkes in den 1960er Jahren) waren ursprünglich ein Ableger der „extrem-rechten“ MHP (die „nationalistische Bewegung“), der speziell Jugendliche anlockte und sie (nach dem Vorbild des Dritten Reiches indoktrinierte und) zu neo-faschistischen, paramilitärischen Werkzeugen (sprich: Mördern auf Abruf) machte. Ähnliche Strukturen wurden ja auch in anderen NATO-Ländern nach 1945 aufgebaut.

Sie spielten eine zentrale und perfide Rolle während der Gewaltausbrüche in der Türkei zwischen 1976 und 1980. Nach Angaben der Behörden sind für die Ermordung von hunderten Menschen verantwortlich, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu „linken“ Gruppierungen bzw. ihrer oppositionellen, pro-demokratischen Aktivitäten getötet wurden. Zu ihren Opfern gehörten natürlich auch zahlreiche Kurden und andere Minderheiten.

Zu den schlimmsten Anschlägen gehören das bereits erwähnte Massaker auf dem Taksim-Platz (1977) und das Maras Massaker, bei dem ein Pogrom gegen die Alawiten zum Tod von über hundert Menschen führte. (1978).

pope john paul II with patsyWeniger bekannt ist die Verwicklung der „Wölfe“ in das Attentat auf Papst Johannes-Paul II (1981) durch Mehmet Ali Ağca. (der natürlich nur ein „patsy“ war…, was der „Heilige Vater“ auch wusste und ihm deshalb „vergab“ …)

Während die „Wölfe“ bis in die 1980er Jahre als perfides „Werkzeug“ (der Subversion und des Terrors) gegen linke Parteien, NATO-Gegner und andere anti-kapitalistische Gruppen eingesetzt wurde, setzte Anfang der 1990er Jahre ein bedeutsamer „shift“ der verdeckten Strategie ein, wie Sibel Edmonds ja treffend (als „Gladio B“) skizziert hat.

DER NEUE „GLADIATOR“ LIEST IM KORAN UND TRÄGT SCHWARZ

Die alten (von den USA beschützten) Nazis und die neuen, die sie „ausbildeten“ waren nach effektiver Indoktrination und „patriotischer“ Gehirnwäsche wunderbar geeignet, alles „Linke“ als Feindbild anzusehen und sogar mit Mord und Terroranschlägen dagegen vorzugehen. Damit verhinderte die CIA 45 Jahre lang einen politischen „Linksruck“ in Ländern wie Italien, Frankreich, Belgien, Griechenland, der Türkei, usw. und Deutschlands politische Landschaft wurde natürlich auch kräftig manipuliert (RAF, Ermordung von Herrhausen, Studentenrevolten, Proteste gegen NATO, etc.)

management of savagery

Doch mit dem Ende der Sowjetunion war das grotesk aufgeblasene Feindbild des Kommunismus abhandengekommen und man braucht ein neues , eine „Spezialkonstruktion“ …

  • Erstens, um die wahnsinnigen Rüstungsausgaben in den USA zu rechtfertigen (und noch zu erhöhen), damit der „militärisch-industrielle-Geheimdienst-Wall-Street-Komplex“ seine Profite und seine Macht nicht schrumpfen sieht, sondern ausdehnt.
  • Zweitens, weil die von Washington und Tel Aviv geplante, brutale „Neuordnung des Nahen Ostens“ (eng verbunden mit der Kontrolle von Erdöl und Erdgas und dem Zionismus) Länder betraf, in denen man mit Neo-Nazis nicht viel ausrichten konnte: arabische bzw. muslimische Länder.
  • Also mussten mobile „islamistische“ Schocktruppen generiert werden, die in diesen Ländern einsetzbar waren (wozu natürlich auch die ehemaligen Sowjet-Republiken zählten wie Azerbaidschan, Usbekistan, Georgien, Tschetschenien, usw.) und auch die schon von Mackinder (und später Brzezinsky) identifizierten, strategisch wichtigen Gebiete „Eurasiens“ wie Afghanistan, Pakistan, Iran, Türkei und natürlich „the big prize“: Russland

al-qaeda1Die Erschaffung der „Gotteskrieger“ (damals „Mudjahedin“, heute „Al Kaida“ bzw. IS) in Afghanistan – schon unter Carter – (als Kampf-Werkzeug gegen die pro-sowjetische Regierung in Kabul und letztlich die Sowjetunion selbst) durch die CIA ist ja mittlerweile ausreichend dokumentiert (maßgeblich unterstützt von den Geheimdiensten Saudi Arabiens und Pakistans).

Weniger bekannt ist, dass auch das kriminelle Operationsgebiet der „Wölfe“ in den frühen 1990er Jahren weit über die Türkei hinausging. Die Invasion und Teilung von Zypern war auch das Werk der CIA und dem von ihr kreierten “deep state” in der Türkei. Hier wurde die MHP Kampftruppen zum ersten Mal im Ausland getestet.

Tausende von ihnen kämpften in Aserbaidschan und in den beiden tschetschenischen Kriegen. (Auch damals wurde die von außen geschürte Gewalt als „,als demokratischer Aufstand“ präsentiert, wie später in Syrien )

Putin hat natürlich begriffen, was hier gespielt wird und diesen subversiven und synthetischen Terror mit aller Härte niedergeschlagen, wofür er ja noch heute von unserer Autisten-Presse beschimpft wird.

Die „Wölfe“ wurden mittlerweile in einigen Ländern Zentralasiens als „Terroristische Organisation“ eingestuft.

In der Türkei wurden sie natürlich hauptsächlich gegen die Widerstandsbewegung der Kurden eingesetzt (ihre Terroranschläge wurden der PKK in die Schuhe geschoben).

Die Neo-faschistischen-“Wölfe” haben Netzwerke in mehreren europäischen Ländern aufgebaut, in denen türkische Minderheiten leben: Belgien, die Niederlande und natürlich in Deutschland. Die deutsch-türkischen Mitglieder werden auf mindestens 10.000 geschätzt und wegen ihrer extremistischen Gesinnung von den Geheimdiensten „kontrolliert“ (das kann man ja verschieden interpretieren …)

WIE DIE TÜRKEI (VON DER CIA) NACH „RECHTS“ GERÜCKT WURDE

turkeys killing machine STK

 Serdar Celik beschrieb in einem Artikel, der 1994 erschien, etwas genauer, wie diese Strukturen in der Türkei aufgebaut wurden (die natürlich auf „Erfahrungen“ in Korea und Vietnam beruhen, wo ja auch „Guerillas“ nach „Bedarf“ angefertigt wurden).

„Gladio“ hieß in der Türkei „SEFERBERLIK  TAKTIK  KURULU“ (STK) oder die „taktische Mobilisierungsgruppe“, deren Aktivitäten natürlich von der CIA gesteuert wurden. Diese operierte unter dem Deckmantel einer „Amerikanischen Hilfsorganisation“, JUSMATT in Ankara. 1959 wurde in einem militärischen Abkommen zwischen der USA und der Türkei (vorgeblich im Kampf gegen die Sowjetunion) der Einsatz von geheimen, paramilitärischen Banden beschlossen und zwar auch „im Fall einer internen Rebellion gegen die Regierung“. 1965 wurde die STK in OHD umbenannt (Abteilung für spezielle Kriegsführung) und direkt dem Generalstabschef unterstellt.

Als durch die „Gladio“-Affäre in Italien bekannt wurde, dass solche subversiven, kriminellen Strukturen (in Symbiose mit den Geheimdiensten und den „Sicherheitsbehörden“ bis zum Innenminister) auch in anderen Ländern existierten, stritt die Türkei zunächst ab, dass es solche Terror-Strukturen auch dort gab.

Es war ausgerechnet CIA-Direktor Bill Colby, der später enthüllte, dass „so eine Organisation“ auch in der Türkei vorhanden ist und im Dezember 1990, bestätigten zwei ranghohe Offiziere dies gegenüber der Presse. OZEL HARP DAIRESI (OHD) sei ihr Name und sie sei 1974 in Zypern und 1980 gegen die PKK eingesetzt worden. (Das ganze Ausmaß des organisierten Verbrechens wurde natürlich nicht offenbart ….)

Die Frage „Wozu wurden diese “speziellen Einheiten” geschaffen? wurde ja offiziell immer damit beantwortet, dass man damit eine „kommunistische Übernahme oder Besatzung“ verhindern bzw. sabotieren wollte. Das sollte eine gewaltsame Invasion oder heimtückische Subversion suggerieren, doch in Wahrheit sollte jede – von großen Teilen der Bevölkerung unterstützte – „linke“ Bewegung an einer Regierungsbeteiligung gehindert werden, damit die von Washington verlangte Eingliederung der europäischen Länder in ein amerikanisch-dominiertes Wirtschafts- und Finanzsystem nicht be- oder gar verhindert wurde.

Wir führten Krieg gegen die Armen, die Arbeiter, die Bauern …(so nannte es der Ex-CIA case officer John Stockwell, als er erkannte, was der „Kalte Krieg“ wirklich war)

(Die Griechen und Italiener können ja auch ein Lied davon singen, wie ihre Länder von der CIA in Serie-vergewaltigt wurden… Frankreich entging dieser Tortur dank de Gaulle …der über 40 Mord-Komplotte überlebte und dann die NATO rauswarf …)

Worin wurden die „Geheimarmeen“ denn nun wirklich unterrichtet? (ich finde diesen Begriff, den Ganser verwendet, sehr verharmlosend und irreführend):

Mordanschläge, Bombenattentate, bewaffneter Raubüberfall, Folter, Entführung, Drohung, Provokation, Geiselnahme, Brandstiftung, Sabotage, Propaganda, Desinformation, Erpressung …

(kurz gesagt: amerikanische „Werte“ ….)

Und wer konnte als Lehrer (und Praktiker) solcher „Fertigkeiten“ dank langjähriger Erfahrung auftreten?

statliberty-with-gunNatürlich das US-Militär mit seinen „special forces“ (gebildet nach dem Vorbild der Waffen-SS) und die CIA, deren militärische „Handbücher“ dafür verwendet wurden, Folterknechte und eiskalte Mörder zu „trainieren“ (von Südostasien bis nach Europa, von Europa nach Lateinamerika, usw.) z.B. US Army Field Manual 31/16; 31/20; 31/21 (Terror in Städten) und FM 31/21 A (geheime Operationen).

Seit Mitte der 1980er Jahre wurden diese Methoden noch verfeinert und speziell gegen die Kurden (PKK) gerichtet. Offiziell heißen diese kriminellen Machenschaften „Counter-Terorism“.

Laut Celik gibt es für diese Terror-Ausbildung mehrere Schulen in der Türkei und seit 1974 auch auf Zypern. In einer davon hätten die „green berets“ (die Delta Force – „Männer fürs Grobe“) ihr Training für Vietnam erhalten.

NATO and Turkey

 Jetzt verstehen wir auch, warum die Türkei so ein „wichtiger Partner“ der USA/ NATO ist ….

Diesen STK / OHD-Banden wurden laut Celik neben nationalistischen Parolen „ein fanatischer Hass* auf die „Bedrohung durch den Kommunismus“ in die Köpfe gepflanzt, der dann gegen jeden aktiviert wurde, der sich dem (pro-amerikanischen) Regime entgegenstellte.

 (*NB: der ab 1990 für den neuen „Gladio“ „islamistisch“ gefärbt war: der verordnete Hass auf alle, die nicht dem verlogenen Wahabismus folgen oder Staat und Religion völlig trennen, wie Saddam und Präsident Assad)

MERKE:

Dass es in den 1960er und 70er Jahren zahlreiche „Militärputsche“ auf der Welt gab, ist kein Zufall. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf meine Minie-Serie“ über die CIA, die zeigt, wie die „militärischen Assistenzprogramme“ (MAP) der USA für subversive Zwecke missbraucht werden – seit 60 Jahren (Es werden auch Polizisten „trainiert“ nicht nur Soldaten)

Auch die wahren Ziele der “Ausbildung” ausländischer Offiziere in amerikanischen Militärakademien sind leicht zu erkennen:

Das Ziel der militärischen „Kooperation“ (military aid), ist (zitiert von Celik):

„Soldaten aus Entwicklungsländern [zu denen damals auch Griechenland und die Türkei zählten] in Übereinstimmung mit der US Ideologie zu trainieren und sie dann in der Führungsebene ihrer Heimatländer zu installieren.“

Celik betont, dass aber in den Augen dieser (faschistischen) „Gladio“-Kader nicht nur die Kommunisten, sondern jede demokratische Bewegung (die die Machtverhältnisse ändern will) als Bedrohung angesehen wird. Die amerikanische Militärdoktrin (maßgeblich beeinflusst von der CIA, wie Fletcher Prouty gezeigt hat), lässt deshalb keinen Zweifel daran, dass militärische Gewalt auch im Inland eingesetzt werden darf (und muss):

„..our security is threatened not only by open attacks, but also by other types of threats which are even more dangerous than open attacks but which do not look like open attacks. THESE DANGERS CONSIST OF THE ATTAMPTS TO BRING ABOUT TRANSFORMATIONS AND CHANGES FROM THE INSIDE.“

grey wolves 1Dafür lernen die „Rekruten“ auch wie man jemand „ geräuschlos umbringt“, (erdrosselt oder erdolcht), wie man mit Sprengstoff Terroranschläge begeht und andere Fähigkeiten, die „God’s own country“ seine Rolle als „Führer der freien Welt“ ermöglichen …

VON NÜTZLICHEN NAZIS ÜBER GLADIO ZU IS

Es muss uns klar sein, dass „Al Kaida & Co.“ und seit 2014 der „IS“ nur die neuesten Varianten dieser teuflischen Machenschaften sind, die die CIA (gemeinsam mit „Gleichgesinnten“ aus anderen Ländern) seit Jahrzehnten praktiziert. Hier werden „Extremisten“ als einsetzbare Waffen produziert, die man dann (bei Bedarf) als Vorwand für einen Krieg nehmen kann …

Dazu Celik:

Der MIT (mächtigster Geheimdienst in der Türkei) ist ein Ableger der CIA und kollaboriert mit dem israelischen Mossad, dem deutschen BND und (bis 1975) auch mit dem gefürchteten SAVAK (iranischer Geheimdienst unter Shah Reza Pahlewi).“

Die Geheimdienste bedienen sich aber nicht nur dieser indoktrinierten, jungen Männer (die zu gefährlichen, steuerbaren Verbrechern ausgebildet werden), sondern benutzen natürlich auch die Medien, die Universitäten und andere Teile der Zivilgesellschaft, um die Masse zu manipulieren. So erstaunt es nicht, wenn die Abteilung für psychologische Kriegsführung (im Rahmen von „Gladio“) in der Türkei „Ministerium für Soziale Beziehungen“ heißt.

Auch viele „Institute“, die scheinbar wissenschaftlicher Forschung nachgehen, sind nur Tarnung für diese perfide Unterwanderung einer angeblich „freien“ Gesellschaft (z.B. „Turkish World Research Institute“). In der Türkei wurden diese Strukturen hauptsächlich zur Diffamierung und Dämonisierung der PKK benutzt.

Aber die Gladio-Abteilung „Special Warfare“ hat natürlich auch die politischen (Mitte-Rechts) Parteien unter „Aufsicht“ und sorgt dafür, dass sie nicht aus der Reihe tanzen. Der amerikanische Einfluss in der Türkei ist beachtlich:

Selbst der türkische Präsident wird nicht ohne Zustimmung der CIA „gewählt“.

So erhielt Präsident Suleyman Demirel nach dem Krieg (1945) ein amerikanisches „Stipendium“ der Eisenhower –Stiftung, die – what else – ebenfalls von der CIA kontrolliert wird. Nach seinem „Besuch“ in Washington 1963 ging er zur AP und wurde 1965 Premierminister, ein Amt, das er insgesamt sieben Mal bekleidete. Von 1992-2000 war er Präsident der Türkei.

ÜBER DIE MHP

A TürkesDer Gründer der MHP (Milliyetçi Hareket Partisi,) und der „Grauen Wölfe“ war der faschistische Offizier Alparslan TÜRKEŞ. Sein ältester Sohn ist seit Anfang dieses Jahres stellvertretender Premierminister der Türkei.

  • Vater Türkes war der Anführer von 37 türkischen Offizieren, die am 27. Mai 1960 durch einen Militärputsch die demokratisch gewählte Regierung (der Demokratischen Partei) stürzten. Er war einer von 16 „auserwählten“, die schon 1948 in den USA für solche Eventualitäten „trainiert“ und Teil der europäischen „Gladio“-Strukturen wurden.
  • Der Premierminister, der Außenminister und der Finanzminister wurden 1961 „zum Tode verurteilt“ (als ermordet). Der Innenminister beging „Selbstmord“.
  • In den 1970er Jahren wurde die „Strategie der Spannung“ (absichtliche Gewalteskalation durch den „deep state“) praktiziert: also politische Subversion, Infiltration von oppositionellen Gruppen und Terroranschläge, die man den „Linken“ in die Schuhe schiebt
  • Allein im Jahr 1978 gab es über 3.000 Anschläge, in denen 831 Menschen getötet und 3.120 verwundet wurden.

·       Hohe Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen wurden (neben den Intrigen der CIA) zum Nährboden für extremistische Gruppen auf beiden Seiten. Am 12. März 1971 fand ein „stiller“ Coup statt: Der Generalstab übergab dem Premierminister ein schriftliches „Memorandum“, das effektiv ein Ultimatum darstellte. Tu, was wir Dir sagen, oder sonst …. Der Premierminister trat drei Stunden später zurück. Noch am gleichen Tag wurde ein Verfahren gegen die Arbeiterpartei eingeleitet. Das „Kapital“ hatte wieder die Oberhand ….

·       Der dritte Militärputsch fand am 12. September 1980 statt (danach gab es plötzlich keine Anschläge mehr …), womit die Illusion gefestigt wurde, das Militär sei nötig, um für „Ordnung und Sicherheit“ zu sorgen. Dazu wurden dutzende Menschen ermordet, 500.000 verhaftet und hunderte starben (unter Folter) im Gefängnis.

·       Drei Jahre lang regierte auf diese Weise der diktatorische „Nationale Sicherheitsrat“ der faschistischen Offiziere: Kriegsrecht, Abschaffung des Parlaments und der Regierung, „Aussetzung“ der Verfassung, Verbot aller politischen Parteien und Gewerkschaften (das war die Chance für Fetullah Güllen … siehe das Video unten)

·       Wirtschaftlich ging es bergauf, nachdem man die Politik und die Kredite des IWF, (und somit der USA) übernommen hatte …

Dass Mitglieder der “Aufzieh-Armee” der MHP jetzt also in Syrien aktiv ist, kann nicht wirklich überraschen, denn die Gladio-Strukturen wurden nicht „aufgelöst“, sondern nur an die neuen Verhältnisse angepasst: die mobile Eingreif- und Terrorgruppe mordet jetzt mit (künstlichem) religiösem Pathos bzw. man lässt die Muslime sich gegenseitig umbringen ….

Als man die Parteizentrale der MHP 1980 durchsuchte, wurden dort eindeutige Dokumente über den Einsatz der Terror-Gruppen und der Organisation in „Zellen“ gefunden. Der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson (ohne den „Gladio“ nicht aufgedeckt worden wäre) bestätigte später, dass diese Strukturen genau mit denen von „Gladio“ übereinstimmten.

Die „Wölfe“ und andere MHP-Mörderbanden wurden natürlich nicht zum Schutz des Staates, sondern gegen jeden eingesetzt, den man als politischen „Störfaktor“ loswerden wollte. So wurden tausende Studenten, Lehrer, Akademiker, Journalisten, Gewerkschafts- und Arbeiterführer ermordet und natürlich machte man auch vor Politikern und nicht einmal dem Papst halt. (Siehe dazu das Buch von Richard Cottrell)

Die MHP hat auch in anderen europäischen Ländern ein Netzwerk aufgebaut, vor allem in Deutschland, wo ihr „enge Verbindungen“ zum BND nachgesagt werden (wie auch zum Drogenhandel ….)

Der „Susurluk“ –Skandal (November 1996) ließ für kurze Zeit den ganzen, stinkenden politischen Sumpf der Türkei an die Oberfläche kommen: die engen Verbindungen zwischen Regierung, Militär, Geheimdiensten und dem organisierten Verbrechen (eine Kategorie, nicht drei …).

  • Wenn ein Polizeichef, ein Parlamentsmitglied und ein gesuchter Auftragskiller in einem Auto fahren, muss auch der Dümmste merken, dass es hier kein „schwarz“ und „weiß“ mehr gibt, sondern nur mehr grau …
  • Wenn jene Politiker, die eine politische Lösung des Kurdenproblems befürworten, plötzlich „sterben“ und dann neuer „Terror“ aufflammt …
  • Wenn aufgedeckt wird, dass Teile von Militär, Geheimdienst, Polizei und die Regierung vom Drogenhandel profitieren und ihn deshalb nach Kräften fördern … (wie auch die CIA seit Jahrzehnten)

wird die Präsentation der Türkei in den Medien als „demokratischer Staat“ zu einer schwarzen Real-Satire.

Fazit: die Rolle Erdogans als „Pate“ für den IS, Al Nusra etc. fügt sich angesichts dieser Geschichte nahtlos in das Muster ein ….

P.S.

 („ …wer viel Geld macht, ist Allah wohlgefällig ..“ das hört man gern bei der CIA und ihren Sponsoren aus der Wirtschaft… )

 

 

 

CIA (3): KILLING DEMOCRACY

Roosevelt on fascism

(Question: Who „owns“ the CIA?)

POTUS: THE PATSY IN CHIEF? (Ist der US-Präsident wirklich gut informiert?)

Pilger warWie ich ja schon im letzten Beitrag (aufgrund der Schilderungen von Fletcher Prouty) skizziert habe, ist anscheinend weder der Kongress noch der amerikanische Präsident wirklich „im Bilde“ darüber, was auf der Welt passiert (und warum), sondern diese Entscheidungsträger werden regelrecht mit Informationen „gefüttert“, die ihre Zustimmung zu den kriminellen Aktionen der CIA bewirken soll. Sie erhalten also streng kontrollierte, gefilterte „Nachrichten”, die mit der politischen Realität oft nichts mehr zu tun haben und die wahre Rolle der CIA verschleiern.

Dazu schreibt Prouty in eindringlichen Worten, dass die Abgeordneten und sogar der Präsident selbst durch dieses System intellektuell „versklavt“ bzw. indoktriniert und durch die (wieder von der CIA) verordnete Geheimhaltung dazu gebracht werden, erfundene Geschichten zu verbreiten (als Tarnung, also „cover-story“) und schließlich auch selbst zu glauben:

THE DAILY DOSAGE OF MIND-CONTROL

Even as Congress debates whether or not it should be given more intelligence information by the CIA it can be seen that those august men are again being misled by the turn of events. Should Congress rule that the CIA must brief it on current intelligence matters, it will find itself more and more enslaved by the system, just as the President has been by the current intelligence briefings which are his frequent diet.

Not only will the CIA take over the daily indoctrination of key members of Congress, but it will also place them under the “magic” of its security wraps. Every day it briefs the Congress … it will warn that what they are hearing is Super Red-Hot, Top Secret and that now they have heard it, they must not mention it to anyone. Then … the CIA will provide them with a suitable cover-story.

Day after Day they will hear about happenings around the world, as the ST wants them to hear about them, and day after day they will have less time to hear about them from any other source. Thus their own ideas and knowledge of the outside world will decrease from day to day … to finish … consider what the day by day pabulum of cover story after cover story can do to otherwise intelligent … men.” (Chapter 18, p.414)

CONTAINMENT GOES  GLOBAL

Während der ursprüngliche Zweck der militärisch-geheimdienstlichen Programme das „Containment“ der Sowjetunion war, wurde die (künstlich erzeugte) Angst vor dem Kommunismus (heute ist es die Angst vor dem fabrizierten „Terror“) dazu benutzt, die regelmäßige und massive Einmischung Washingtons in die Politik anderer Länder zu legitimieren.

freeing_to death BlumDiese anmaßenden Interventionen wurden natürlich als „Assistenz“, also „Hilfe“ im Kampf gegen den bösen Feind getarnt. Die CIA (als „Koordinator der geheimdienstlichen Informationen“) produzierte fleißig Berichte über „Probleme“ in demokratischen Ländern, die so dargestellt wurden, dass ein „Eingreifen“ der USA unerlässlich schien. Wurde in einem Land die Gewerkschaftsbewegung immer stärker, gewannen die „linken“ Parteien mehr Einfluss, gab es zunehmend Proteste gegen NATO-Basen in Europa, gegen die Ausbeutung amerikanischer Konzerne in Lateinamerika, etc. immer waren das Anzeichen „kommunistischer Infiltration“, als ob sich ein pathogener Virus ausgebreitet hätte, den man ausrotten muss.

Dazu schreibt Colonel Prouty:

What had begun as a plan to contain Russia and Communism with a strong military force, became not a barrier against Russia itself, but a creeping encroachment upon the sovereignty and territory of our friends. Whether they wanted them or not, we have kept military forces on the soil of our friends for more than thirty years and there is no end in sight.

But even more important, we have developed in more than forty countries strong clandestine and paramilitary forces far more dangerous to the internal welfare of those countries than encroachment of Communism, which is supposed to be the reason of such action. And these covert forces exist. The “Communism” there are there to guard against is for the most part no more than an interpretation of intent. (411)

… If the whole concept of sovereignty were to be abandoned, we would of necessity have to fill the void. We would then face the fact tht we are dealing with raw power, and what is important in the nature of power is the end it seeks to serve and the way it serves that end. […] we must realize that these rights … imply certain duties, such as the duty of non-intervention in the affairs of other nations, and the duty to respect the rules and customs of international law. […].

As this nation turned to a broad … covert campaign of anti-Communism, it pressed its military forces, economic forces, and its intelligence arm upon this group of more than forty countries (Philippines, Indonesia, Thailand, Pakistan, India, Iran, etc.)

[The US] abandoned it position of real leadership in favour of creating a vast intelligence organisation and the mightiest peacetime armed force of all time …and we became totally dependent upon the inputs of intelligence (from any and all sources) .. to activate this great force in what …had come to be called “counterinsurgency”.

By this time, the entire might of the US military had become a reservoir and magazine operating in support of the operational machinations of the Secret Team and its paramount force, the CIA.”

econ tyrannyDie geheimen Operationen der CIA (und in deren Schlepptau das US-Militär) hatten sich also 10 Jahre nach ihrer Gründung weg von der Sowjetunion bewegt und sich auf die drohenden „subversiven Aufstände“ in anderen Ländern konzentriert, wo es galt, amerikanische Investitionen zu schützen bzw. die kapitalistische Penetration des Landes zu gewährleisten. Die Vorstellung, dass die einheimische Bevölkerung dabei ein Mitspracherecht, ja ein Vetorecht habe, ist natürlich für das „ST“ und die Business-Interessen dahinter, völlig absurd.

Prouty betont, dass je tiefer diese Länder infiltriert und (mit brutaler Gewalt und perfiden Intrigen) destabilisiert wurden, desto größer die Geheimhaltung der CIA wurde und zwar nicht nur nach außen, sondern auch gegenüber dem US-Kongress und der amerikanischen Öffentlichkeit:

„.. the agency went out of its way to keep this information from Congress and from the people of the United States” (p. 413)

Wie Prouty richtig feststellt, haben diese kriminellen Aktivitäten unter dem Deckmantel der „Aufstandsbekämpfung“ nie aufgehört, weil die Sowjetunion immer nur ein Vorwand dafür war und später durch einen neuen omnipräsenten „Feind“ ersetzt wurde: der islamistische „Terrorismus“. (Wir kommen später darauf zurück.)

MIND CONTROL & …

Wer aus dem Blickwinkel der Weltherrschaft längerfristig plant, begnügt sich natürlich nicht damit, politische „Brandherde“ zu ersticken (die man meistens selbst gelegt hat), sondern baut Programme auf, die eine Infiltration der Zivilgesellschaft ebenso ins Auge fassen, wie eine Indoktrination des Militärs. Da man sich ja gleichzeitig als “Förderer von Demokratie“ verkaufen will, müssen solche Absichten natürlich getarnt werden und das geht ja auch wunderbar, wenn es einen imaginären, monströsen Feind gibt, gegen den sich die Welt „verteidigen“ muss. Man arrangiert also „Ausbildungsprogramme“, die die gemeinsame „Sicherheit“ erhöhen sollen, auf diesem Prinzip beruht ja auch die Kontrolle der europäischen Militär- und Außenpolitik durch die NATO (also Washington).

THE MUTUAL SECURITY SCAM („Gemeinsame” Sicherheit?)

[They were] working quietly on a vast education and reorientation program of civic action, nation building, and such other ideas, which were in reality a cover for the extension of the covert activities of the ST into the countries served by the Mutal Security Program (and similar programs). Military assistance program countries were the primary targets. The military cover personnel and their civilian disciples worked on this project with the zeal and energy of dedicated missionaries in support of a new and vital religion.”

Luce the real USProuty erklärt, wie die CIA die Lehrpläne in den militärischen Ausbildungsstätten manipuliert hat, um die neue „Sicherheits“-Doktrin in die Köpfe der auszubildenden Soldaten einzupflanzen, wobei man gleichzeitig eine Generation von Offizieren geschaffen hat, die sich damit identifizierte.

Der Lehrstoff für “Zivile Angelegenheiten“ (als Teil der militärischen Ausbildung der Armee) wurde nun nicht mehr vor Ort erstellt, sondern im Pentagon. Dort erarbeitete ein spezielles Team von (CIA-erprobten) Offizieren ein Schulungsprogramm für die neue Militärakademie in Fort Bragg (North Carolina), mit dem die „special forces“ der US Armee, aber auch ausländische Teilnehmer, ab sofort indoktriniert und „motiviert“ wurden, politische und soziale Veränderungen herbeizuführen, falls das Volk das Gerede von Demokratie zu ernst nahm.

Bereits 1959 wurde ein spezielles Komitee gegründet, um das „Trainingsprogramm für gemeinsame Sicherheit“ (MAP) in Bezug auf Doktrin und Konzepte zu evaluieren, mit dem die neue Rolle des Militärs „als Instrument im Frieden und im Krieg“ festgelegt wurde.

Im Bericht des Komitees wurde betont, dass „die Ausbildungsziele zu eng gefasst seien und zu wenig das volle Ausmaß unserer nationalen Interessen … berücksichtigen würden.

Was damit gemeint war, ist eine Empfehlung an die US-Regierung, die „gemeinsame Sicherheit“ (Mutual Security Program) durch spezielle Formen „militärischen“ Trainings zu ergänzen, inklusive der Ausbildung paramilitärischer Einheiten in den betroffenen Ländern.

Dazu schreibt Prouty:

The only way this could be carried out would be to mount clandestine operations in every country where this was to apply. By this period the CIA knew that it was ready, equipped, and in a position to do this in any „counterinsurgency-list“ country, as it had been digging its way firmly into the MAP since the earliest days of the Greek and Turkish aid programs.

CREATING US-INSTRUMENTS OF LATENT POWER

CIA NSNun ist es eine Sache, gemeinsame „Trainingsprogramme“ abzuwickeln, bei dem die ausländischen Teilnehmer mit vollem Wissen und mit ausdrücklicher Zustimmung ihrer gewählten Regierung von amerikanischen Offizieren geschult werden. Doch was den amerikanischen Sponsoren der neuen Doktrin wirklich vorschwebte, war einerseits die subversive Indoktrination und Infiltration der ausländischen Sicherheitsapparate (Militär, Geheimdienste und Polizei) und andererseits die Ausbildung „paramilitärischer“ Kader, die alle für terroristische Zwecke einsetzbar waren, wenn es „die Situation im Land erforderte“.

Diese Form des “MAP” war also nur durch verdeckte Operationen in den „Zielländern“ zu erreichen und die CIA hatte dafür schon entsprechende Strukturen geschaffen, wofür Nazi-Elemente und die organisierte Kriminalität ohne Skrupel eingespannt wurden.

Prouty merkt an, dass die Verfasser des MAP-Berichtes für die CIA arbeiteten, aber offiziell nicht als solche erkannt wurden. Die Tarnung („cover“) in diesem Fall war besonders bemerkenswert, denn sie operierten unter dem Deckmantel des Weißen Hauses:

They were under cover within the White House itself! Both primary authors of this report*, although recognized throughout this period only as an Army general and an Air Force general, had served for many years with the CIA and then for many more years in service assignments directly supporting the CIA. After they wrote these formative and most influential documents, both of these generals saw considerable service in Southeast Asia, all in conjunction with the CIA. By 1959 and 1960 the CIA was so well entrenched in the Government – and for that matter in the governments of the some forty recipient nations – that it could pull the strings even as far up as in Presidential committees.”

(*General Edward Lansdale (USAF) und General Richard G. Stilwell)

Am 23. Oktober 1974 schrieb die New York Times:

Die Rolle der CIA bei der subversiven Entmachtung ausländischer Regierungen (die als „feindselig“ gegenüber amerikanischen Interessen eingestuft werden) ist ja schon seit längerer Zeit bekannt: das Kaufen von Wählerstimmen, die Bewaffnung von Verschwörern, die Infiltration von Gewerkschaften und all die anderen „schwarzen“ Künste der Geheimdienste“.

TEIL 2

Iron StormAls Beispiel für die Penetration eines „souveränen“ Staates in Europa durch die USA und ihre (vor allem militärischen) „Hilfsprogramme“ möchte ich (aus aktuellem Anlass) Griechenland anführen:

KILLING DEMOCRACY IN GREECE

Die ersten Ziele der „militärischen Assistenz“ in Europa nach dem Krieg waren Griechenland und die Türkei (und die Subversion der Wahlen in Italien durch konspirative „Manipulation des politischen Klimas“, weil die kommunistische Partei Italiens sehr beliebt war und eine Regierungsbeteiligung unbedingt verhindert werden musste; dafür wurde ja auch später Aldo Moro ermordet (siehe dazu die Beiträge zu Gladio).

DAE-10381660 - © - DEA PICTURE LIBRARYDie griechischen Kommunisten / Sozialisten (ELAS) hatten unter großen Opfern gegen die Nazi-Besatzung gekämpft und deshalb auch viel Unterstützung der Bevölkerung. Doch nachdem Churchill in seinem perfiden „Prozent-Abkommen“ mit Stalin dafür gesorgt hatte, dass Griechenland nach 1945 zu „90% in die britische Einflusssphäre“ fiel (wodurch Roosevelts „Deklaration für ein freies Europa“ in Jalta völlig unterminiert wurde), hatten die Griechen keine reale Chance ihre Regierung selbst zu bestimmen. Dieses Schicksal – Verweigerung des Rechts auf politische Selbstbestimmung – wurde ja dann auch durch die „Truman Doktrin“ besiegelt (nachdem man Roosevelts „Abgang“ beschleunigt hatte).

Athens december1944Während einer großen Demonstration von EAM / ELAS (den „Linken“) in der griechischen Hauptstadt (Dezember 1944), schoss die Polizei in die Menge, wobei 25 Menschen getötet und 150 verletzt wurden. Die darauffolgende „Schlacht von Athen“ ging bis zum 15. Jänner 1945, womit eine Phase des Bürgerkrieges endete.

1946 flammte in diesem Spannungsfeld (dubioser Wahlsieg der Rechten und Rückkehr des Königs) der Bürgerkrieg neuerlich (noch brutaler) auf und dauerte drei Jahre.

Dieses als „Aufstandsbekämpfung böser Kommunisten“ dargestellte Massaker an mehr als 100.000 Menschen   (die in Wahrheit griechische Freiheitskämpfer waren, denen man ihr Recht auf politische Selbstbestimmung einfach absprach), wurde mit amerikanischer Unterstützung durchgeführt, nachdem die Briten sich als (finanziell) überfordert erklärt hatten.

Damit die Einmischung Washingtons nicht als (demokratiefeindliche) Arroganz der Macht erkennbar wurde, befahl man dem griechischen Botschafter ein formelles Ansuchen um „amerikanische Hilfe“ einzureichen, dessen Text vom US-Außenministerium ebenso formuliert wurde, wie jener der offiziellen „Vereinbarung“, die daraus entstand. Damit übernahm Washington effektiv die Kontrolle über den griechischen Staat unter dem Deckmantel des „Wiederaufbaus“ (eine organisatorische Rolle, die eigentlich der UN zukam …):

US Aid request Greece

William BlumDazu zitiert William Blum in seinem Buch „Killing Hope“ aus einem Brief des damaligen US-Außenministers George Marshall an den Leiter der amerikanischen „Hilfsmission“ (AMAG):

Blum 2A

Die Wirksamkeit der „Mission“ könne also durch eine „Reorganisation der griechischen Regierung erhöht werden und es sei wichtig, „diese in einer Art und Weise zu erreichen, dass sogar die griechischen Politiker glauben, diese Re-Organisation hätten sie selbst herbeigeführt (und sei nicht durch Druck von außen entstanden).“

Griechische Beamte, die sich als unwillig erweisen, die dafür „notwendige Erweiterung der Kooperation“ zuzulassen, müssten natürlich entfernt werden.“

Die massive Vettern-, Misswirtschaft und Korruption in Griechenland – über die ja heute wieder laut geschimpft wird – hat ihre Wurzeln in dieser Zeit und auch die systemische „Steuervermeidung“ der oberen Zehntausend in Griechenland wurde durch die Militärdiktaturen (als Beschützer der Kapitalbesitzer) bzw. die amerikanische Manipulation der Politik jahrzehntelang gefördert.

Im Oktober 1949 endete der Bürgerkrieg mit einem Sieg der USA in Gestalt des „griechischen“ Militärs, das dank der Millionen aus Washington massiv aufgerüstet wurde: materiell und ideologisch … inklusive paramilitärischer Terror-Einheiten, die hauptsächlich aus ehemaligen Nazi-Kollaborateuren bestanden und wohl den Kern der griechischen „Gladio“-Strukturen bildeten (Zitat unten: Blum, Killing Hope)

US weapons for Greece

Das Ergebnis war die Installation eines brutalen Regimes, für das die CIA eine eigene „Sicherheitsagentur“ kreierte, die KYP (sprich: Gestapo). Politischer Terror gegenüber „Linken“, Straflager und Folter waren an der Tagesordnung.

Die häufigen Wechsel der Premierminister in den folgenden Jahren lässt sich durch den Status Griechenlands als „client state“ der USA erklären: jedes Mal, wenn die Regierung eigene Entscheidungen treffen wollte (die Washington nicht genehm waren), wurde damit gedroht die finanzielle und militärische „Hilfe“ einzustellen, wenn nicht ein US-kompatibler Kandidat an die Spitze der Regierung käme. Der Einfluss Washingtons auf die griechische Wirtschaftspolitik in den 1950er Jahren kam einer ökonomischen Diktatur gleich (siehe dazu das Originalzitat bei Blum unten).

Blum 4a econ control

Dank der EU und den dominanten, anglo-amerikanischen Finanzstrukturen wiederholt sich 60 Jahre später ein ähnliches Drama …

APOFASIZOMEN KAI THIATASSOMEN (Αποφασίζομεν και διατάσσομεν)

fascist-us-flag(Die Geister von IG FARBEN & GESTAPO in Griechenland …unterstützt durch die CIA)

Das war also die „Sicherheit“, die die neue Militärdoktrin versprach: Sicherheit des Kapitals vor der gelebten „zu linken“ Demokratie, die als Bedrohung der imperialen Interessen angesehen wird.

Als 1964 eine Regierung gewählt wurde, die die Frechheit besaß, Griechenland als souveränen Staat zu betrachten, der nach eigenem Gutdünken handelt, sorgten die USA – dank der Erfolge des MAP- 1967 für eine Machtübernahme durch faschistische Offiziere wie Georg Papadopoulos, nachdem der demokratisch gewählte George Papandreou und seine Regierung am 15. Juli 1965 durch König Konstantin zum Rücktritt gebracht wurden, was heftige Proteste der „linken“ Wähler zur Folge hatte. Dank der Intrigen des Palastes und finanzieller „Motivation“ durch die amerikanische Botschaft, gelang es, die Zentrumspartei zu spalten und eine Minderheitsregierung des rechten Flügels unter Stephanopoulos zu etablieren.

Georgiu Papandreou

Georgios Papandreou

Trotz häufiger Demonstrationen und Streiks der Linken, wurde eine politische Krise zunächst verhindert, weil es wirtschaftlich (dank ausländischem Kapital) bergauf ging. Im Dezember 1966 vereinbarten Georgios Papandreou und der Parteichef von ERE, Kanellopoulos, am 28. Mai 1967 Neuwahlen abzuhalten. Gerüchte, dass GP bereit sei, zu viele Konzessionen zu machen (die unbeliebte Monarchie nicht zum Thema im Wahlkampf zu machen und das Militär unangetastet zu lassen) verunsicherten die „linken“ Wähler der Zentristen.

OPERATION PROMETHEUS („Gladio“ im Einsatz)

21april1967Am 21.April 1967 wurde per Dekret das Kriegsrecht ausgerufen und jene Teile der griechischen Verfassung, die die Menschenrechte garantieren sollten, außer Kraft gesetzt. Es folgte die Einrichtung spezieller Gerichte, politische Parteien wurden verboten und das Streikrecht abgeschafft. (Das kommt uns ja irgendwie bekannt vor ….)

Tausende Griechen, deren „linke Gesinnung“ nach CIA-Manier dokumentiert worden war, wurden verhaftet und in Internierungslager auf griechischen Inseln verschleppt. Der Oberstaatsanwalt Konstantin Kollias wurde zum neuen „Regierungschef“ ernannt und verkündete, von nun an gäbe es nur mehr eine legitime politische Gruppe: „Griechen, die an Griechenland glauben“. (Εθνικόφρων)

Doch Kollias war nur eine zivile Fassade für die wahren Machthaber, einem Triumvirat aus drei jungen Offizieren: George Papadopoulos (Premierminister), Nicholas Makarezos (Wirtschaft) – beide mit Geheimdienstausbildung à la CIA- und Stylianos Pattakos, der Innenminister wurde.

Greek military juntaDass die von der CIA erdachte neue Militär-Doktrin (neo-faschistische Offiziere übernehmen dauerhaft die politische Kontrolle) hier auf fruchtbaren Boden fiel, zeigt sich auch daran, dass Papadopoulos (nach einem gescheiterten Gegen-Putsch königstreuer Offiziere) noch mehr politische Ämter an sich riss: Außenminister, Verteidigungsminister, Bildungsminister und ab 1972 auch noch Regent. Damals war die absolute Herrschaft des Militärs erreicht und die Vision der CIA über die (von außen gesteuerte) Formung der Zivilgesellschaft realisiert.

Lehrer, Professoren und Beamte mussten ihren Gehorsam gegenüber dem Regime unter Beweis stellen, andernfalls wurden sie ebenso entfernt, wie Rechtsanwälte und Richter, die zu „unabhängig“ waren. Die Bildungsreformen Papandreous wurden wieder rückgängig gemacht, Schulbücher neu geschrieben und der Zutritt zu den Universitäten von „politischen Tests“ abhängig gemacht. Natürlich wurde die Presse einer völligen Zensur unterzogen und eine endlose Propaganda-Flut ergoss sich über die griechische Öffentlichkeit.

Dabei wurde betont, wie wichtig es sei, den „griechischen Charakter“ zu disziplinieren und Griechenland wurde ständig als Patient dargestellt, den man „ans Bett fesseln müsse, damit die nötigen Operationen stattfinden können (ähnliche Töne hören wir ja heute wieder aus Berlin und Brüssel ..)

Die griechischen Reeder waren von der unternehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik der Militär-Junta so angetan, dass sie Papadopoulous auf Lebenszeit zum Vorsitzenden ihres Verbandes machten (sie zahlten keine Steuern). Auch ausländische Konzerne erhielten sehr lukrative Verträge, doch trotz steigendem Wohlstand, stieg die Kluft zwischen arm und reich ständig an (wie heute, wo diese Wirtschaftsdoktrin durch Schuldensklaverei durchgesetzt wird).

DIE „ANARCHO-KOMMUNISTEN“ (Αναρχοκομμουνιστές)

To_pistevo_mas PapadopoulosDer Putsch wurde natürlich damit begründet, dass eine kommunistische Machtübernahme bevorstand, die unter allen Umständen verhindert werden musste, (der gängige Vorwand für die subversiven Machenschaften der USA in anderen Ländern.) Das war völlig absurd, denn die Sowjetunion hatte ja Griechenland dem Westen überlassen (Absprache mit Churchill) und sich bei der brutalen Repression der Sozialisten / Anti-Faschisten nach dem Krieg (durch England und später die USA) völlig neutral verhalten.

Doch der wahre Grund für den Militär-Coup war viel eher, dass nach einem Wahlsieg der Zentristen, eine Säuberung der Streitkräfte von faschistischen Elementen zu befürchten war. Papadopoulos, der damals eine hohe Position in der KYP (eine Art griechische CIA) einnahm, und viele seiner Mitverschwörer wären Kandidaten für eine solch erzwungene „Pensionierung“ gewesen.

xounta1Als die Panzer am 21. April 1967 durch Athen rollten, wurde gleichzeitig eine massive Verhaftungswelle politisch Andersdenkender eingeleitet, die sich auf eine vorbereitete Liste von „Verdächtigen“ stützte und hier kam natürlich die CIA groß ins Spiel und ihr spezielles „Training“ von Polizei und Militär. (Ein ähnliches Szenario fand ja auch in Indonesien u. a. Ländern statt)

In der offiziellen Geschichtsschreibung der USA (Foreign Relations: Greece, Cyprus and Turkey 1964-68) findet man (Jahre später) trotz „Entschärfung“ des Textes noch deutliche Hinweise für die subversiven Aktivitäten der CIA in Griechenland. Hier nur einige Beispiele:

#204: Telegramm der US-Botschaft in Athen an das US-Außenministerium vom 5. September 1965:

Papandreous politisches Comeback sollte verhindert werden, wenn dies ohne eine direkte Konfrontation möglich ist“.

#264: Telegramm (Sender – Empfänger wie oben) vom 24. März 1967 (1315Z):

„ … Jeder Versuch des Palastes und der Rechten, den Wahltermin hinauszuzögern, könnte sich positiv für Papandreou auswirken. Es sei denn, das Ganze wird sorgfältig arrangiert, um das direkte Eingreifen des Königs unsichtbar zu machen …

A Papandreou US threatsDie Wahlen waren für den 28. Mai 1967 festgesetzt und es war mit einem Sieg von Andreas Papandreou zu rechnen. Dieser erzählte später, wie er und seine Partei von der US-Botschaft ziemlich unverhohlen bedroht wurden:

Wenn wir uns nicht bereit erklärten, zu „verlieren“ würde man uns eine diktatorische Lösung des Problems präsentieren. Die geplanten Wahlen fanden nie statt. Eine Gruppe junger Armee-Offiziere, die eng mit den amerikanischen und griechischen Geheimdiensten verbunden waren, stürzten das Land in die Dunkelheit einer Militärdiktatur.“

PRESSEBERICHTE

Am 1. Juli 1973 veröffentlichte die britische Zeitung THE OBSERVER einen Artikel, der dann auch von der New York Times zitiert wurde:

Darin hieß es gäbe Beweise dafür, „dass die CIA den Militärcoup von 1967 arrangiert hat und geheime Informationen über Premierminister Papadopoulos benutzt, die aus der Zeit seiner Kollaboration mit den Nazis stammen, um das Regime unter Kontrolle zu halten“.

In diesem Artikel wird auch die „MAAG“ in Athen zitiert (Military Aid Assistance Group – siehe weiter unten), und damit die Warnung von Colonel Prouty bestätigt: Man sei quasi stolz darauf, dass Herr Papadopoulos „der erste CIA-Agent ist, der Premierminister eines europäischen Landes wurde“.

Die NYT schreibt dazu „Herr Papadopoulos, ein ehemaliger Oberst, war einer von hunderten Geheimdienstagenten, die für Trainingszwecke in die USA geschickt wurden …“. Um der „Motivation“ nachzuhelfen, erhielt er aber auch jahrelang Geld von der CIA (wie auch die obersten CIA-Assets von Gladio in Italien und anderen europäischen Ländern)

FUCK  THE  DEMOCRACY  OF  “FLEAS”

LBJIn diesem Zusammenhang ist ein „Gespräch“ von Präsident Lyndon B. Johnson mit dem griechischen Botschafter Matsas am 11. Juni 1964 (von Matsas selbst) überliefert, das den Menschen in Griechenland zeigt, wo’s lang geht und die Verachtung der amerikanischen Machtelite für echte Demokratie deutlich macht: (Die Spaltung Zyperns war auch das Werk der US-CIA)

“… Wir scheißen auf euer Parlament und eure Verfassung … America ist ein Elefant. Zypern ist ein Floh. Wenn diese beiden Flöhe den Elefant weiter jucken, könnte es sein, dass sie bald zerquetscht werden. … Wenn Ihr Premierminister mir weiterhin die Ohren voll singt über Demokratie, Parlament und Verfassung, wird es sein Parlament, seine Verfassung und ihn bald nicht mehr geben…Sagen Sie ihm das!

fuck democracy in Greece LBJ

TEIL 3

ruins of democracyGIVING AID(S) TO DEMOCRACY ON A GLOBAL SCALE

Das MAP-Schulungsprogramm wurde ständig erweitert und intensiviert. Tausende Männer aus [damals] vierzig Ländern wurden in die USA gebracht, um sie zu indoktrinieren und „ihre Ansichten“ zu modellieren. Der neue Ausbildungsplan der Armee entsprach weitgehend dem Lehrstoff in Fort Bragg, wo sozio-ökonomische und politische Fragen immer mehr Platz einnahmen. Diese Erweiterung der militärischen Ausbildung wurde unter dem Titel „Nation-Building“ legitimiert.

Prouty betont auch, dass diese neuen Lehrpläne nicht nur die „Studenten“ aus dem Ausland indoktrinierten, sondern auch die Lehrbeauftragten des US-Militärs, die sie umsetzen sollten:

To them, this non-military, political, social and economic theme was the true doctrine of the U.S. Army. A whole generation of the U.S. Army has grown up with this and now believes, to one degree or another, that the natural world of an army lies in this political field. . . . They believe the army is the chosen instrument in nation building, whether the subject be political-social-economic or military. In many cases, due to the great emphasis the CIA placed on training the police forces of certain foreign countries, a large number of American servicemen who were used for such training became active in what was really police work and not the scope of regular military work.

To me, it is so fundamental, this idea of what we saw so much of in the sixties and seventies where we sensed as a nation (some of us at least) that these police agencies in other countries that were being so repressive were somehow operating under our tutelage, and with our support and blessings.”

Im kalten Krieg wurde also eine ganze Generation von Offizieren herangezüchtet, die es als „natürlich“ ansahen, dass sich das Militär auch (in Friedenszeiten) politisch engagiert und das Instrument der Wahl ist, wenn „nation building“ (Wiederaufbau ziviler Strukturen nach einem Krieg) auf der Agenda steht. Die subversive Rolle des US-Militärs beim Aufbau staatlicher Machtstrukturen in anderen Ländern (wie z.B. das Training von Polizeikräften) wird also als quasi selbstverständlich angesehen und nicht als Verletzung der Souveränität und des Selbstbestimmungsrechts anderer Nationen.

KILLING DEMOCRACY IN IRAN

Kinzer ShahAls Beispiel für diese folgenschwere Einmischung nennt Colonel Prouty den Iran, den die CIA schon 1949 infiltriert hatte und die laut Prouty „überall im Iran die Finger im Spiel hatte“:

Die Agency hat die iranische Fluggesellschaft gegründet und viele andere Organisationen dieser Art. […] Das führte zu Programmen, in denen tausende junge Iraner, die in den USA ausgebildet wurden, wieder in den Iran „importiert“ wurden, weil sei als zukünftige Führungspersönlichkeiten vorgesehen waren.

Die CIA hatte auch ein umfangreiches Dossier über tausende Leute im Iran, die nach einem Umsturz nützlich sein konnten. Dazu gehörten die unterschiedlichsten Berufe wie Techniker, Ärzte, Journalisten, Lehrer, etc. Aus Proutys Sicht war der Iran der erste Testfall für die Planung und Kontrolle einer Zivilgesellschaft durch die CIA. Das Ergebnis dieser systematischen Subversion war (nach Operation Ajax) die Schreckensherrschaft durch Shah Reza Pahlevi, für den ja auch in Deutschland der rote Teppich ausgerollt wurde, wenn er zu Besuch kam.

KILLING DEMOCRACY IN CHILE (und Operation Condor)

pino_cover250Ein weiteres Beispiel für die subversive Indoktrination bzw. Infiltration des Militärs und der Zivilgesellschaft in einem anderen Land, ist natürlich Chile. Der demokratisch gewählte, sozialistische Präsident Salvador Allende wurde durch einen Putsch der Armee gestürzt und durch den brutalen Militärdiktator Pinochet ersetzt. Jener General Pinochet, der in den USA für solche Zwecke „ausgebildet“ worden war. Dazu Prouty:

Pinochet is the man we trained. Allende, we said was a Communist, a Socialist, and so on. So, we reap what we sow when we get that sort of thing. That’s really what I’m trying to say in the book — that this is the way things were going within the world of the Secret Team. Pinochet

This also reveals that, when the Kennedy administration began to realize some of the activities that were going on — how they had been going on — they began to make major changes. They began to stop some of these activities. It’s that kind of pressure — that universal pressure not any given point, but that universal pressure against the system that was heavily implanted — that led to Kennedy’s death.

MILITARY ASSISTANCE (MILITÄR-HILFE ALS TROJANISCHES PFERD)

Das Programm wird in jedem Land kontrolliert von der “Military Assistance Advisory Group” (MAAG). Die CIA hat sowohl militärisches als auch ziviles Personal in diese Organisation eingeschleust und in manchen dieser Gruppen findet man mehr CIA-Leute als Offiziere. Wie Prouty betont, würde die CIA die Existenz dieser „Maulwürfe“ natürlich bestreiten, sollte man sie darauf offiziell ansprechen und darauf hinweisen, dass diese ja als „militärisches Personal“ deklariert seien, womit sie formal auch zum Militär gehörten und nicht zur CIA. Dass diese „Funktionen“ nur Tarnung sind, ist aber kein Thema.

US Flag Around the EarthDas „Military Assistance Program“ (MAP) ermöglichte eine neue Definition der Rolle und Verantwortlichkeiten der amerikanischen Streitkräfte, erklärt Prouty. Dies sei am Anfang durchaus plausibel gewesen, doch im Laufe der Jahre wurde diese (subversive) Doktrin Teil der „militärischen Denke“ beider involvierten Länder, der USA und des jeweiligen „Gastlandes“ und führte dazu, dass die Rolle des US-Militärs immer penetranter wurde:

This led to a very sophisticated form of direct intervention in the internal affairs of the forty host countries, and in some cases, it resulted directly in the separation of that nation’s armed forces from its political control through practices that will be explained. In this sense the elaborate statements of mission of the mutual security programs are a refined cover story.

ENGINEERING CIVIL WARS „ON DEMAND”

Das MAP wurde also ein (getarntes) Instrument des “Secret Team” (ST), um seine Präsenz im Militärapparat und in politischen und zivilen Organisationen des Gastlandes „bei Bedarf“ so zu verstärken, dass es zum Ausbruch offener Feindseligkeiten kommt. So wird die „Feuerwehr“ (die offiziell für mehr „Sicherheit“ vor Bränden sorgen soll) in Wahrheit zum politischen Brandstifter …

(Als aktuelles Beispiel gibt es ja die Ukraine, wo natürlich auch moderne Methoden angewendet wurden – wie die von Gene Sharp, Details dazu siehe den Blog „Fata Maidana“ – um eine unerwünschte Regierung zu entfernen, aber auch auf alte Nazi-Netzwerke zurückgegriffen wurde …)

US military and CIA interventions since WW2Eine Quelle diese Doktrin war die Civil Affairs School in Fort Gordon (Georgia). In dieser Militärakademie wurde im zweiten Weltkrieg ein Programm mit dem Titel „Zivile Angelegenheiten und die Militärregierung“ (CAMG) unterrichtet. Die dort ausgebildeten Offiziere sollten nach dem Krieg in Europa (in Ländern, die davor vom Dritten Reich besetzt waren) beim Aufbau einer neuen Verwaltung „behilflich sein“. Diese Männer waren also mehr für politische Aufgaben ausgebildet worden, als für militärische.

DIE NEUE SA: PARAMILITÄRISCHES TRAINING FÜR „INTERNAL SECURITY“

Prouty schreibt, dass amerikanische Soldaten in den 1950er Jahren keinerlei Erfahrung mit sogenannten „paramilitärischen Einheiten“ hatten und dass ein entsprechendes Trainingsprogramm entscheidend zur Indoktrination einer ganzen Generation von Militärs und ihren zivilen Pendants beigetragen hat. Gleichermaßen wurden auch zehntausende ausländische Absolventen dieser Akademien (wie in Fort Bragg) dadurch massiv beeinflusst und manipuliert.

Die offizielle Definition der US Armee für paramilitärische Gruppen in den 1950er Jahren lautete:

We Americans are not very well acquainted with this type of organization because we have not experienced it in our own country. It resembles nothing so much as a private army. The members accept at least some measure of discipline, and have military organization, and may carry light weapons. In Germany in the 1920’s and early 30’s the parties of the right … had such organizations with membership in the hundreds of thousands. It is readily apparent what a force this can be in the political life of a country, particularly if the paramilitary forces are armed, when the supremacy of the Army itself may be threatened.“

Am Anfang wurde den Kursteilnehmern beigebracht, wie man militärische Einheiten trainiert, damit sie mit den einheimischen Kräften arbeiten können. In vielen Ländern war die Rolle der US Armee (über die CIA Strukturen) getarnt. Diese trainierte aber nicht die legitimen Streitkräfte des Gastlandes, sondern die paramilitärischen Einheiten, die Teil einer Struktur wurden, mit der die Armee (notfalls) auch ausgeschaltet werden konnte.

MockingbirdIn anderen Fällen arbeitete die CIA mit der Polizei, doch das Ergebnis war das gleiche und basierte auf der offiziellen Doktrin der US Armee: mit amerikanischer „Hilfe“ können die so trainierten Streitkräfte „eine entscheidende Rolle beim Aufbau starker, freier Nationen leisten, deren Regierungen wahre Repräsentanten ihres Volkes sind.“

Das war also die Version, die eine noble Mission vorgaukeln sollte. Doch wie Prouty sarkastisch anmerkt, wäre es extrem schwer, auch nur einen einzigen Fall anzuführen, wo dies auch tatsächlich eingetreten ist.

Tatsächlich passierte genau das Gegenteil: diese Militärs waren das imperialistische Werkzeug zum Sturz von Regierungen, die noch am ehesten den Willen des Volkes repräsentierten und stattdessen faschistische Diktaturen etablierten und mit brutaler Repression an der Macht hielten. (z.B. in Uruguay, Chile, Argentinien, Bolivien, Peru, etc.)

Dort, wo in Krisengebieten die “Rebellen” vertrieben worden waren, wurde dem Militär die Doktrin der „Pacification“ eingehämmert, in der es offiziell nur um die Wiederherstellung von „effective government and security“ ging. Doch in Wahrheit wurde die „Ordnung“ durch brutale Repression und Terrormethoden der „Spezialkräfte“ wieder hergestellt.

Im Laufe der Zeit wurden immer mehr die Methoden der zivilen Subversion in diese Programme integriert, ganz im Sinne der CIA.

Im Handbuch für die Armee wurde im Kapitel „Pazifizierung“ darauf hingewiesen, dass man nicht nur das alte Regime durch neue Beamte ersetzen müsse, sondern auch die alten Sitten und Bräuche gleich mit „entsorgt“ werden:

The army turned itself into a social revolutionary force in the same way that the Chinese Red Army had done during the struggle with Chiang Kai-shek. Every army command started a far-reaching scheme for full civilian employment.“ In other words the local army was the new order, and the U.S. Army was being indoctrinated and trained by CIA instructors to do the same thing.”

Wir sehen also, dass das Militär auf diese Weise Aufgaben übernimmt, die weit über eine militärische Dimension hinausgehen: die Armee wird zum Instrument einer sozialen Revolution gemacht, die jener der Roten Armee in China sehr ähnlich ist. (Wie Prouty öfter betont, waren einige US-Generäle sehr vom „Kleinen Roten Buch“ Mao-Tse-Tungs beindruckt und benutzten es als Vorlage für ihre Schulungen …)

ST coverSchließlich findet man in den Gründen für die Bewilligung von „military aid“ durch die USA an ausländische Regierungen folgende entscheidenden Sätze:

  • Erstens, die Fähigkeit des Empfängerlandes, entscheidend zum Widerstand gegen „aktive Aggression“ (aus dem Ausland) beizutragen, wird durch den Aufbau entsprechender Streitkräfte [damit sind auch paramilitärische und Polizeikräfte gemeint, ergänzt Prouty] und Waffenarsenale maximiert.
  • Zweitens, die Fähigkeit des Empfängerlandes, die innere Ordnung aufrechtzuerhalten und Subversion unter Kontrolle zu haben, wird betont. …Hilfe für asiatische Länder soll dazu dienen, interne Subversion zu unterdrücken und, in geringerem Ausmaß, offene Aggression zu bekämpfen.“

Doch das zentrale Thema der (damals neuen) Militärdoktrin (subversive Übernahme ziviler Sicherheitsbereiche und damit letztlich Entmachtung einer gewählten Regierung) wird hier am deutlichsten zum Ausdruck gebracht:

It is not enough, however, to restrict leadership inputs to United States norms. Except in specifically defined circumstances, our Armed Forces have no operative responsibilities within national frontiers; conforming generally to the precepts of Western democracies, they are not an integral part of the mechanism for maintenance of law and order.

The prevailing concept is expeditionary – an instrument of latent power, unentangled domestically, ready for projection abroad should the exigency arise. Not so for the great bulk of the forces of the new nations. Their role has additional dimensions and their missions are actual as opposed to contingent. They are a key element in the maintenance of internal security and are largely determinant of whether stability or instability characterizes the routine of government. The Officer Corps is perforce deeply involved in domestic affairs…”

Zum Nachlesen: Kapitel 19 aus The Secret Team

Die beste Doku im Internet über die wahren Motive der US-Außenpolitik ist THE POWER PRINCIPLE – (in englischer Sprache)

 

http://www.informationclearinghouse.info/article31417.htm

… und der aktuelle Bezug zum Thema wozu  „Training“ durch das US-Militär?

(Dual Use: Einsatz als imperialistische Werkzeuge der Außenpolitik, bei Bedarf auch Vorwand für  „militärische Intervention“ …)

training rebels in Syria

 

 

 

 

 

 

 

CIA (2): INVISIBLE GOVERNMENT

Prouty secret team„What really matters is its relative power in the U.S. Government. Control of a good share of what the Pentagon is doing is more important to the CIA than control over the government of Jordan or Syria.… It is much more factual to say that, „What the CIA does is to find ways to initiate major foreign policy moves without having the President find out — or at least without discovery until it is too late.“  

Colonel Fletcher Prouty , 1993

CIA- DIE  TROJANER  IN  DER  REGIERUNG

HaigAls Beispiel für dieses CIA-System der Infiltration führt Oberst Prouty Alexander Haig an, dessen Aufstieg in der Machthierarchie rasant war. Er arbeitete zunächst als Stellvertreter für den Focal Point Officer in der US Army, Joe Califano. Dieser war damals als Rechtsberater für die Armee tätig und als diese Position später „weiter nach oben“, nämlich direkt ins Büro des Verteidigungsministers verlegt wurde (damals McNamara), nahm er Lt. Colonel Alexander Haig mit.

Als Johnson Präsident wurde, kamen beide ins Weiße Haus und während der Nixon Administration arbeitete er (im Rahmen dieses geheimen Systems) mit Außenminister Kissinger zusammen. Er war wegen seiner Verbindung zum „Secret Team“ in der Lage, Dinge zu organisieren, die nur wenige verstanden.

Haig wurde später Außenminister bzw. NATO SACEUR (Oberbefehlshaber), machte also eine steile Karriere bis in die obersten Etagen der Macht. Er war auch Mitglied des scheinheiligen Malteser Ritterordens (wie James Angleton, William Colby und William F. Buckley – alle CIA) und P2-Logengroßmeister (Freimaurer) Licio Gelli -siehe dazu Gladio in Italien.

Viele dieser Leute kamen bis ins Weiße Haus und auch dort unterstützten sie die geheimen Operationen der CIA (auch gegen den Präsidenten, wenn notwendig), während ihr offizieller Job nur Tarnung war. Die Geheimhaltung, die für verdeckte Operationen (nach außen) notwendig erscheint, wurde also auch nach innen ausgeübt, wie Prouty ausdrücklich betont:

We must understand what happens when things happen clandestingly – and by this we mean clandestingly within the Government of the United States.”

An dieser Stelle ist eine Nachdenkpause angesagt: Warum sollte uns das interessieren? Was haben diese Enthüllungen aus den 1950er und 1960er Jahren mit der heutigen Zeit zu tun?

freeing_to death BlumSehr viel, denn die Strukturen, die Colonel Prouty erwähnt, existieren noch heute und ohne sie wären weder die Ermordung von Präsident Kennedy (seinem Bruder Robert, Martin Luther Kings, etc.), der Bombenterror von „Gladio“ in Europa und schon gar nicht „911“ möglich gewesen. (Was dieser Artikel mit der Bombe des Oktoberfestes von 1980 zu tun hat, steht weiter unten …)

Ein scheinbares Argument gegen die These, dass „911“ ein Inside-Job war, ist, dass es unmöglich sei, so etwas geheimzuhalten, weil dazu komplexe Organisationsstrukturen mit sehr vielen Leuten notwendig wären. Wie Prouty in seinem Buch und seinen Interviews immer wieder betont, wurden genau dafür diese geheimen Strukturen aufgebaut, wo jedes Rädchen nur so viel wusste, wie notwendig war, um die zugeteilte Rolle zu erfüllen.

1960 gab es 605 dieser „Abteilungen“ im US-Militär mit über 5.000 Leuten, die von der CIA kontrolliert und finanziert wurden.

Knight_of_MaltaAber das Netzwerk erstreckt sich natürlich nicht nur in die Bereiche von Geheimdiensten u. Militär, sondern auch quer durch die Zivilgesellschaft: Business, Medien, Universitäten, Think Tanks, harmlos scheinende NGOs, etc. Die Tentakel der „unsichtbaren Regierung“ sind weitreichend und schließen auch religiöse Gruppen mit ein bzw. okkulte Vereine, die hinter dem Deckmantel „religiöser Werke“ politische Intrigen schmieden und durchführen. Sehr prominent sind z.B. der „Malteser Ritterorden“ (der diplomatische Immunität genießt und wie ein Staat behandelt wird) und der Johanniterorden, wo sich reaktionäre, katholische Aristokraten mit Krypto-Faschisten vermischen. (Das ist Stoff für einen anderen „Da Vinci Code“ …)

Wieso ließen andere Regierungsorganisationen zu, dass die CIA dort „under cover“ operierte? Diese Frage wurde auch Prouty gestellt. Das sei eigentlich ganz einfach, antwortete er. Die meisten Leute, die für die Regierung arbeiten, sehen es als selbstverständlich an, mit anderen Abteilungen zu kooperieren. Schließlich fällt das alles doch unter “serving one’s country” (seinem Land dienen) oder?

Nehmen wir z.B. die FAA (die amerikanische Flugaufsichtsbehörde). Man geht zum Leiter der Behörde und sagt ungefähr folgendes:

Zur Durchführung einer geheimen Operation ist es ist von Zeit zu Zeit notwendig, ein Flugzeug zu benutzen, ohne dass wir von den offiziellen FAA-Vorschriften behindert werden. Das kann z.B. bedeuten, dass wir zwei Flugzeuge brauchen, die gleichzeitig unter derselben Nummer registriert sind, damit das eine als Cover für den Einsatz des anderen dienen kann. Wenn also so ein Flug bei euren Fluglotsen auftaucht (z.B. Maschine Nr. 2345 landet heute Morgen, ein zweites Flugzeug mit derselben Nummer landet am Abend, wundert euch nicht und unternehmt nichts.“

Was diese Infiltration der Flugaufsichtsbehörde im Kontext von 911 bedeutet, lässt sich erahnen.

Und dann würde Allen Dulles noch hinzufügen: „Ich würde gerne noch einen Focal Point Officer (FPO = Kontaktmann, „Doppelagent“ für CIA) bei euch etablieren. Wenn dann so etwas in der Art bei euch vorkommt, soll jeder in der FAA diesen Mann kontaktieren bzw. wird er dann rechtzeitig darauf hinweisen.“ Das hat immer gut funktioniert (besonders in der aufgeheizten Atmosphäre des kalten Krieges und seit den späten 1990er Jahren im „War on Terror“) und wenn es viel zu tun gab, hat die CIA auch zwei oder drei solche FPOs in einer Abteilung eingesetzt. Ging die geheime Operation über mehrere Monate, konnten es auch 10 Leute sein, wobei gelegentlich nur fünf wieder entfernt, die anderen aber dort gelassen wurden.

Auf diese Art und Weise wurde das Netzwerk immer größer. Prouty erzählt, dass er nach kurzer Zeit mehrere tausend Leute in diesem System hatte, und zwar weltweit.

SEID UMSCHLUNGEN, MILLIONEN

Ein Netzwerk aus Informanten und „Doppelagenten“ im Regierungsapparat und Zugriff auf die riesige Militärmaschinerie der USA ist schon schlimm genug, doch damit dieses geheime System nicht auffliegt, müssen natürlich auch die Finanzströme getarnt werden. Waffen, Flugzeuge, Logistik, spezielles Personal, all das nahm die CIA für ihre geheime Kriegsführung in Anspruch, doch nur selten hinterließen diese Gewaltaktionen auch eindeutige Spuren in der Bürokratie.

Als Empfänger von Waffen schien eben nicht die CIA auf, sondern ein „Unit“ der Army, Navy, Air Force, etc. den es eigentlich gar nicht gab. Er wurde nur geschaffen, damit es “auf dem Papier“ so aussah, als ob das Material nur innerhalb des Militärs ausgegeben bzw. benutzt wurde.

Beispiele für dieses Tarnsystem:

Helio courier 2Die Helio-Courier Flugzeuge wurden Ende der 1950er Jahre offiziell von der Luftwaffe gekauft (USAF), aber bezahlt und benutzt von der CIA. Da sie zum Starten / Landen nur sehr kurze Strecken benötigten, aber wesentlich mehr Ladekapazität und Treibstoff als ein Hubschrauber hatten, waren sie perfekt für den „verdeckten“ Einsatz in Laos, Kambodscha und Vietnam. Zig Millionen Dollar wurden dafür ausgegeben und doch erfolgte diese „Beschaffung“ unter völliger Umgehung der ansonsten in der Air Force üblichen Vorschriften. Der „FPO“, der in der Beschaffungsstelle arbeitete, sorgte dafür, dass entsprechende „dummy papers“ in der Verwaltung auftauchten.

Auch die berühmte „U2“ (Spionageflugzeug im Auftrag der CIA) begann auf diese Weise und nur wenige wussten, wer wirklich dahinter steckte.

Auf NSC 10/ 2 (was das ist – siehe den ersten Beitrag über die CIA) hatte Eisenhower 1955 nach Aussagen von Prouty, handschriftlich vermerkt, dass die Unterstützung der CIA mit Waffen, Personal u.a. Material durch das Militär immer nur für eine konkrete Operation zu gelten hätte. Er wollte nicht, dass die CIA eine ständige Versorgung mit Kriegsmaterial bekam, doch genau das passierte später.

Sie wurde immer mächtiger und es gab keine rechtsstaatlichen Strukturen mehr, die sie noch aufhalten konnten.

Schon 1949 sicherte das Pentagon zu, die geheimen Operationen der CIA voll zu unterstützen, wenn dem Militär dadurch keine Extra-Kosten entstehen. Das heißt, wenn die Agency z. B. ein Flugzeug der Air Force benützt, muss sie die „Einsatzkosten“ bezahlen, also den Aufwand des Militärs (z.B. einen Stundenlohn für den Piloten, Treibstoff, etc.) ersetzen.

Dieses Arrangement ist bei geheimen Operationen sehr wichtig, weil damit das Auftauchen von Rechnungen in der offiziellen Buchführung verhindert wird, die unangenehme Fragen hervorrufen könnten. Deshalb wurde ein internes Abrechnungssystem geschaffen, aus dem nicht erkennbar war, wofür das US-Militär (wirklich) Kosten verursacht hatte, wenn es der CIA Material und / oder Personal zur Verfügung stellte.

Der DCI konnte diesen ständig wachsenden Kostenersatz an das Militär (Flugzeuge, U-Boote, ja sogar Flugzeugträger) auch noch vor dem Kongress dazu benutzen, mehr Steuergelder einzufordern, sodass das Budget der CIA immer grösser wurde.

BLACK OPERATIONS  &  BLACK BUDGET

Prouty schreibt in seinem Buch über die finanziellen Tricks der CIA u.a.:

Noch wichtiger als die Gelder, die die Agency bekommt, ist die Tatsache, dass man damit alles Mögliche beschaffen kann (Forschung, Entwicklung, Immobiliengeschäfte, Warenlager, einfach alles, was man für Geld bekommt), auch ein Heer von zehntausend Leuten, die nirgends als „Personalkosten“ auftauchen.“

Das bedeutet, man zahlt „Löhne“ aus, die aber nicht als solche in der

Buchhaltung zu finden sind. Der DCI zeichnet die Summe als „Ausgabe“ ab, und kein Aussenstehender sieht, dass damit die „Gehälter“ für hunderte Leute bezahlt wurden. Das ist wichtig, weil innerhalb der Regierungsorganisationen ein detailliertes, jährliches Budget für Personalkosten erstellt wird, und Abweichungen davon natürlich auffallen würden. Wofür man denn dieses Extra-Personal brauche, wäre dann die nächste Frage, die unbedingt vermieden werden muss.

So konnte die CIA z.B. in einem Monat zweihunderttausend Dollar für „Dienstleistungen“ ausgeben, deren Empfänger unsichtbar waren. Millionen für Ausrüstung, Flugzeuge, etc. die „unsichtbar“ waren. Der Kongress hatte keine Ahnung, was hier wirklich los war, aber er bewilligte die Gelder.

There’s no end to the things you can do with government money that way.

Indeed ... z.B. Finanzierung von synthetischen Terroristen bzw. „Rebellen“, je nach Bedarf …

Air America Laos 1964Natürlich hatte die CIA auch spezielle Bankkonten für ihre undurchsichtigen Operationen, z.B. für die Gewinne aus dem Air America Geschäft (Private, kommerzielle Fluglinie der CIA, die aber auch für geheime Operationen Drogen und Waffen transportierte und Ersatzteile in großem Stil kopierte …).

Die Förderung des Drogenhandels durch die CIA – bis heute – ist ja ausreichend dokumentiert, z.B. in den Büchern von Alfred W. McCoy und Peter Dale Scott.

Die-CIA-und-das-HeroinHeute, mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende des kalten Krieges, stehen die Amerikaner vor einer klaren Wahl. Sie können entweder dem Geheimdienst die Erlaubnis entziehen, verdeckte Operationen durchzuführen, oder müssen akzeptieren, dass eben diese Missionen die CIA in kriminelle Bündnisse verstricken. Diese Wahl hat natürlich eine moralische Dimension.

Aber Nationen im Frieden haben nach amerikanischen und auch nach internationalen Gesetzen kein Recht, ihre Außenpolitik mit verdeckten Operationen durchzusetzen, zu denen Lügenpropaganda, Bestechung, Verbrechen, Mord und unerklärte Kriege gehören.  (Alfred W. McCoy)

CIA  ALS  EIGENER  KRIEGSAPPARAT

Die CIA begann im Rahmen dieses Systems auch damit, weltweit (für ihre eigenen Zwecke) Lager für militärische Ausrüstung anzulegen. Dies wurde möglich, weil die Hysterie des kalten Krieges es dem Geheimdienst gestattete, eine immer größere Rolle bei der strategischen Planung (des an die Wand gemalten „heißen“ Krieges) einzunehmen, wobei auch Nuklearwaffen eingesetzt werden sollten.

Prouty im Originalton über die Verselbständigung der CIA Militärlogistik:

As a result of the war planning role of the CIA, it was easy for the CIA planners to enter in the plans of all armed forces, requirements for wartime equipment, vehicles, aircraft, and facilities that had to be earmarked and stockpiled for use by the Agency in the event of war. Once such requirements were listed in the war plans they could be requisitioned along with all other war-plan material.

This meant that the cost of this equipment would be worked into the military budget, and then in due time each item would be purchased and delivered to the advance base site where war plan material was stockpiled. Warehouse after warehouse of „military equipment“ is stored in the Far East, in Europe, and throughout the United States for the eventual use of the CIA. The cost of this material and of its storage, care, and conditioning is inestimable. . . . As the years passed and as the Agency’s „military“ role became more a matter of custom and generally accepted, Agency military cover units became so deeply covered that their neighbouring military units did not know, or forgot, that the unit near them was not a regular military unit. By that time, requisitions from these CIA units were as readily acceptable as any others and the units became easily self-supporting without any Agency funding input.

170. Oktoberfest MahnmalDie (von Daniele Ganser zitierte) Frage im letzten Beitrag (Wie große Bestände an militärischem Material, Waffen, Sprengstoff, etc. unbemerkt abgezweigt werden konnten – im Kontext des Bombenterrors in München 1980, aber auch der anderen Terroranschläge in Europa (Gladio)- kann jetzt beantwortet werden:

Durch dieses geheime, gut getarnte Logistiksystem der CIA.

Wer geheime Kriege führt, Aufstände und Revolutionen anzettelt, Bombenterror usw. arrangiert, braucht Zugriff auf dieses Netzwerk, in dem nur mehr Eingeweihte unterscheiden können, ob „eine militärische Abteilung“ echt ist oder nicht und für welche Zwecke Kriegsmaterial wirklich eingesetzt wird.

Dazu Prouty:

„Wir erschufen z.B. die Einheit … Provisional Support Group in Deutschland, deren „militärisches“ Personal – natürlich CIA-Leute in Uniform – begannen damit, die Lagerhäuser zu füllen. Sie hatten Lkws, Jeeps, Waffen, Funkgeräte und alles andere, was das echte Militär auch hatte. Die Agency erkannte schnell, dass umso wichtiger sie ihre post-strike [nach einem Nuklear-Angriff] Rolle darstellte, desto mehr Ausrüstung würden sie bekommen. Dann trugen natürlich auch die jährlichen NATO- Übungen dazu bei, dass die Lagerhäuser immer gut gefüllt waren.

Sie [CIA] waren sehr gut darin, diese Ausrüstung dann für „Übungen“ zu verwenden, die in Wahrheit geheime Operationen waren.“

Prouty betont, dass dieses logistische Netzwerk es der CIA erlaubt, für fast alle geheimen Operationen die notwendige Ausrüstung zu erhalten. Als Beispiel führt er den Einsatz eines speziellen Flugzeugtyps (C-123, „Chase“) an, das in Nicaragua bzw. El Salvador von der CIA im Rahmen ihrer verdeckten Operationen (Support von Terrorgruppen) benutzt wurde.

Ein weiteres Beispiel zeigt die gewaltige Dimension, die dieses Logistik & Cover-Up-System erreicht hat:

INDONESIEN oder  WIE MAN EIN LAND  MIT HILFE  DER CIA AUSPLÜNDERT

Cold WarriorJoseph Burkholder Smith, ex-CIA Agent, hat in seinem Buch Portrait of a Cold Warrior bestätigt, was Colonel Prouty (siehe CIA – Teil 1) beschrieben hat: Die CIA hat nicht Anweisungen des Präsidenten oder des NSC ausgeführt, sondern selbst Außenpolitik gemacht.

Dafür „fütterte“ man die 5412-Gruppe (Untereinheit des Nationalen Sicherheitsrates NSC) so lange mit „alarmierenden Nachrichten“ (die die CIA selbst fabriziert hatte), bis die (von der CIA schon längst beschlossenen und oft schon laufenden Aktionen) „genehmigt“ wurden.

SukarnoAm Beispiel des geheimen Krieges gegen Sukarno („Destabilisation“ einer Regierung genannt) schreibt Smith darin:

Before any direct action against Sukarno’s position could be taken, we would have to have the approval of the Special Group-the small group of top National Security Council officials who approved covert action plans. So we began to feed the State Department and Defense departments intelligenceWhen they had read enough alarming reports, we planned to spring the suggestion we should support the colonels‘ plan to reduce Sukarno’s power. This was a method of operation which became the basis of many of the political action adventures of the 1960s and 1970s.

In other words, the statement is false that CIA undertook to intervene in the affairs of countries like Chile only after being ordered to do soIn many instances, we made the action programs up ourselves after we had collected enough intelligence to make them appear required by the circumstance. Our activity in Indonesia in 1957-1958 was one such instance.

Während des „Aufstandes“ in Indonesien (1958) stellte die CIA für zehntausende (von der CIA manipulierte) „Rebellen“ Flugzeuge, Schiffe, U-Boote, und jede Menge Waffen zur Verfügung, um die sozialistische Regierung Sukarno zu stürzen.

Eines Tages (so erzählt Prouty) sollten 42.000 Gewehre besorgt werden, doch die US-Militärbasis in Okinawa (Japan) hatte nur 30.000. Daraufhin wurde die Marine kontaktiert und diese konnte die fehlenden 12.000 liefern.

Dann wurde eine C 54 (gesteuert von einem Air America Pilot, unter militärischer Tarnung) nach Okinawa geschickt, dieser holte die 42.000 Gewehre und warf sie über Indonesien ab (mit Zwischenlandung auf den Philippinen).

Doch nur sehr wenige Leute wussten, wohin die 12.000 Gewehre wirklich gegangen waren.

Sie wurden später ersetzt, waren also nur „geliehen“ und der Anruf für die Beschaffung war doch aus dem Pentagon gekommen. Ein unauffälliger Waffentransfer von der Marine zur Armee (auf dem Papier) war also tatsächlich eine kriminelle Aktion, Teil einer größeren Operation zum gewaltsamen Umsturz einer gewählten Regierung in einem anderen Land. (Für die CIA „Routine“). Ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht, der von der diplomatischen Lügen-Rhetorik einer „Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ begleitet war.

Auch den als „Gegenputsch“ inszenierten Coup von 1965 hat die CIA natürlich organisiert und den Massenmord an mehreren hunderttausend Kommunisten (Sichtbar als politische Rahmenhandlung des Spielfilms „The Year of Living Dangerously“) durch „Todeslisten“ ermöglicht.

Indonesia was going to fall into the Western lap like a rotten apple.“ Western intelligence agencies, would organize a „premature communist coup … [which would be] foredoomed to fail, providing a legitimate and welcome opportunity to the army to crush the communists and make Sukarno a prisoner of the army’s goodwill.“, (Diplomatischer Bericht, December 1964)

Letztlich starben rund eine Million Menschen dafür, dass amerikanische Geschäftsinteressen in Indonesien „beschützt“ wurden, siehe dazu auch die erschütternde Doku von John Pilger, die auch die aktuellen Bezüge zur „Globalisierung“ aufzeigt).

 

INVISIBLE GOVERNMENT (IG FARBEN /GESTAPO / SSconsolidation of power the American Way)

Das „Secret Team“, von dem Prouty spricht, besteht nicht nur aus der CIA, aber sie ist ein zentraler Bestandteil davon. Eine Art internationaler Mafia-Arm der Business-Oligarchie, für deren Interessen ja Allen Dulles (u.a. CIA-Direktoren) tatsächlich arbeitete. Zum Zeitpunkt der „Schweinebucht-Invasion“ war diese Organisation bereits so groß und einflussreich, dass sie beinahe jede geheime Operation durchführen konnte, die sie wollte.

The CIA is a great, monstrous machine with tremendous and terrible power. It can be set in motion from the outside like a programmer setting a computer in operation, and then it covers up what it is doing … in a majority of cases, the power behind it all is big business, big banks, big law firms and big money. The agency exists to be used by them.“

Colonel Fletcher Prouty

An der Schweinebucht-Operation nahmen Offiziere aus der philippinischen Armee teil, die die CIA in den 1950er Jahren rekrutiert hatte, einige von ihnen wurden auch in Guatemala eingesetzt (Putsch gegen die Regierung Arbenz). Man sieht daran, dass hier weltweit Material, Personal, Waffen, Flugzeuge, Schiffe, etc. eingesetzt wurden, ja sogar Leute aus anderen Regierungen gehörten dazu.

Prouty erzählt auch, dass die erste „Anforderung“ der CIA (im Zuge des geheimen Krieges gegen Fidel Castro in Kuba) an das Pentagon ungewöhnlich war: Wir brauchen zwei Ärzte.

image_aidsHier zeigt sich die „Spitze des Eisbergs“, eines der finstersten Kapitel der CIA: medizinisch-biologische Forschung als geheime Waffe; wir wissen ja bereits, dass in diesen Kreisen danach geforscht wurde, ein Virus zu konstruieren, der (sehr schnell) Krebs auslösen konnte (um z.B. Castro zu töten, was Zeit- u. Augenzeugen bestätigen, z.B. Judith Baker) und dabei das AIDS-Virus (HIV) erschaffen wurde.

Schon in den 1960er Jahren war die Agency also in der Lage, Großoperationen, – richtige Kriege – zu führen, ohne von irgendjemand wirklich  „Genehmigungen“ einholen zu müssen.

Eisenhower hat niemals eine „Invasion“ Kubas genehmigt, ihm wurde ein Plan vorgelegt, in dem der „Widerstand“ gegen Castro von außen unterstützt werden sollte. Doch in Wahrheit war ja die überwältigende Mehrheit der kubanischen Bevölkerung ja für Castro und die sozialistische Revolution.

CIA: DIE  UNFEHLBAREN  MISSIONARE

The_CIA_and_the_Cult_of_IntelligenceProuty erklärt in seinem Buch auch, dass die CIA mehr wie eine religiöse Bruderschaft, ein Kult funktioniert, als eine rationale Regierungsorganisation, also die Fähigkeit, sich selbst zu hinterfragen, nicht mehr vorhanden ist und der „group-think“ Kritik von außen nicht akzeptiert. Selbst die unmenschlichsten Verbrechen werden als Notwendigkeit zur Erfüllung einer edlen Mission betrachtet, die als „nationale Sicherheit“ unantastbar ist.

Dass man neu rekrutierten CIA-Leuten suggeriert, sie gehörten jetzt zur geistigen und politischen (auserwählten) „Elite“ des Landes und den „special forces“, sie seien die mutigsten Kerle der Welt, die für edle Ziele kämpfen, ist ja auch nichts Neues. Das funktionierte ja auch schon im Dritten Reich, wo ja ebenfalls der Begriff „Sicherheit“ allgegenwärtig war, um totalitäre Strukturen zu rechtfertigen.

Wenn die gleiche Organisation (CIA) die Autorität erhält,

  • außenpolitisch relevante „Informationen“ zu kontrollieren, (basierend auf „geheimen Nachrichten“, die die CIA oft selbst fabriziert hat)
  • diese dann (gefiltert) – täglich – dem Präsidenten vorzulegen (wodurch er enorm beeinflusst wird)
  • die Macht hat, in Friedenszeiten umfangreiche „verdeckte Operationen“ im Ausland durchzuführen (die wiederum aus den „geheimen Nachrichten“ generiert werden)

dann hat die „Agency“ effektiv die (kriminellen) Auslandsoperationen der Regierung übernommen, die nur mehr auf das „reagiert“, was ihr einflussreiche Kreise einflüstern); von „leadership“ kann keine Rede mehr sein …

 Aber es ist eben meistens nicht die offizielle Regierung, die das Kommando hat, sondern das „invisible government“, das die CIA als exekutives Mafia-Organ für „regime change“ und andere machtpolitische Ziele einsetzt. Für diese Leute, ist die Welt „nur ein großes Schachbrett“ sagt Prouty und das kennen wir ja schon von der grauen Eminenz der US-Außenpolitik, „Zbig“ Brzesinsky, der auch Obama stark beeinflusst hat.

CIA:  „RECHTS“  HAT  IMMER  VORRANG  VOR  DEM  RECHT

IG Farben finances HitlerIst es Zufall, dass so viele der mächtigsten CIA-Direktoren Wirtschaftsanwälte waren? Wohl kaum, denn wie wir aus dem IG Farben System gesehen haben, werden hier staatliche Machtstrukturen für private Profite und Ausschaltung der Konkurrenz benutzt (also genau das Gegenteil eines „Marktes“), ganz zu schweigen von der völligen Zerstörung demokratischer Strukturen in den Ländern, wo es noch was „zu holen“ gibt (wie seit Jahren in der Ukraine).

 Auch brutale Gewalt, Subversion, Anstacheln von Bürgerkriegen und Revolutionen (um eine unerwünschte Regierung zu stürzen) bzw. Einsatz von grauenvollen Terrormethoden um echte Revolutionen zu unterdrücken (um die gewünschte, faschistische Regierung zu erhalten), das Abschlachten von zigtausenden Menschen, der Einsatz von Chemiewaffen (wie Agent Orange und Sarin in Vietnam; Giftgas im Irak und in Syrien), radioaktiven Waffen (wie die DU-Munition in Jugoslawien, im Irak, in Afghanistan, usw.) – all das wird als „notwendig“ und legitim angesehen, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchzusetzen und eine neue „Ordnung“ zu erschaffen.

Für sie war Hitler auch nur ein Werkzeug, um diese apokalyptische Politik durchzusetzen und (bevor es zur endgültigen Schlacht von Armageddon kommt) noch kräftig daran zu verdienen.

Die künstlich erzeugte Hysterie gegenüber den teuflischen „Kommunisten“ bzw. der Sowjetunion war notwendig, um die geheimen Kriege der CIA (die in einigen Fällen zu offenen Kriegen führten) zu rechtfertigen – auch vor dem eigenen Gewissen.

Ideal IllusionsEine faszinierende Analyse dieser Selbst-Indoktrination (und gigantischer Projektion) der Strategen des „Kalten Krieges“ lieferte James Peck in seinem Buch „IDEAL ILLUSIONS“.

 Prouty schreibt dazu:

 „Wie das ganze Land, die ganze Welt dazu gebracht wurde, aus einem Verbündeten im zweiten Weltkrieg [der Sowjetunion, die Hitler’s Divisionen unter großen Opfern besiegt hat, nicht die westlichen Alliierten] einen „manichäischen Teufel“ zu machen, ist beeindruckend. Diesen Widerpart quasi aus der Asche des zweiten Weltkriegs zu erschaffen – und aus irrationalen Gründen – wie kann man das rechtfertigen? Sie waren unsere Partner im Krieg und plötzlich waren sie unsere Feinde.

 Everything that we didn’t like was communist right away — anything the Soviets did was against the West

 Als letzten – und vielleicht wichtigsten – Punkt aus dem Buch von Prouty muss die “militärische Assistenz” (MAP) hinterfragt werden, die die US-Regierung dutzenden Ländern gewährt und natürlich die wahren Motive dafür verschleiert.

_schattenkrieg_AfrikaEine beachtliche Reportage von ARTE hat dazu vor kurzem wichtige Informationen geliefert, die den „Kampf gegen den Terror“ (hier speziell) in Afrika als schäbige Tarnung imperialer und subversiver Absichten entlarvt:

Nachdem Europa jahrelang China freie Hand auf dem afrikanischen Kontinent gelassen hatte, tritt nun eine weitere Macht in Erscheinung: die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Namen der Terrorismusbekämpfung beschlossen die USA, ihren Antiterrorkrieg mit all ihrer militärischen Macht in der Sahara fortzusetzen.

Aber verdeckt der Kampf gegen den Terror nicht eine ganz andere Schlacht?..“

(Darauf kannst du wetten …)

 

Mehr dazu im nächsten Beitrag …

DER BLINDE FLECK geht nicht weg: Bombenterror ohne Kontext

Film PosterGestern zeigte die ARD den Spielfilm „Der Blinde Fleck“, in dem das Bombenattentat vom 26. September 1980, während des Oktoberfests in München, im Mittelpunkt steht. Der Protagonist des Films ist der investigative Reporter Ulrich Chaussy, der jahrelang die Umstände des Anschlags untersucht hat und dabei auf jede Menge Ungereimtheiten gestoßen ist. Dabei stellte sich heraus, dass die polizeilichen Ermittlungen „von ganz oben“ beeinflusst wurden, damit die offizielle Theorie vom verwirrten Einzeltäter nicht ins Wanken gerät. Besonders die Hinweise auf Verbindungen zu „rechts-radikalen“ Gruppen wurden systematisch unterdrückt.

2015_Ulrich_ChaussyUlrich Chaussy ist eine reale Person, die seit vielen Jahren für den Bayerischen Rundfunkt arbeitet, ein renommierter Sachbuch-Autor und er trägt bis heute unermüdlich zur Aufklärung des Bombenanschlags bei. Für seine intensiven Recherchen und den politischen Druck, den er als Folge dieser Hartnäckigkeit jahrelang aushalten musste, gebührt ihm großer Respekt (er erhielt dafür auch kürzlich einen bayerischen Verdienstorden) und dieser Blog verfolgt keinesfalls die Absicht, seine journalistische Integrität in Frage zu stellen.

Doch der Spielfilm (in der Mediathek noch abends abrufbar) und die im Anschluss daran gezeigte, kurze „Doku“ über die Wiederaufnahme des Untersuchungsverfahrens – die hauptsächlich Chaussy zu verdanken ist – hatten gravierende Mängel.

Dem Zuschauer wird zwar vermittelt, dass die höchsten Beamten im „Sicherheitsapparat“ (also im Innenministerium, im Verfassungsschutz, usw.) die Aufklärung des Verbrechens massiv behindert haben, aber warum das so gewesen ist, wird nicht erklärt. Der größere, politische Kontext wird ignoriert. Die Frage ist – warum?

Vielleicht können die folgenden Ausführungen darauf eine Antwort geben.

DIE  ERMITTLUNGEN

Laut dem „historischen Lexikon Bayern“ (Überschrift: Kritik an behördlichen Ermittlungen) wurde nie bewiesen, dass Köhler die Bombe gebaut hatte oder auch nur dazu in der Lage gewesen wäre und es gab nur einen einzigen „Belastungszeugen“, der das Gehäuse der Bombe im Haus Köhlers gesehen haben will (dessen Identität aber verschwiegen wird).

Selbst der von den Ermittlern angeführte Hauptzeuge berichtete nur von einer leeren Bombenhülle in Köhlers Werkstatt. Jedoch sind bei der dortigen Durchsuchung weder Gerätschaften zum kontrollierten Erhitzen und Vergießen von Sprengstoff noch Mikrospuren von TNT oder sonstigem militärischem Sprengstoff entdeckt worden.“

Die Ermittlungen führten die Polizei rasch zur “Wehrsportgruppe Hoffmann“, die paramilitärische Übungen mit faschistischer Indoktrination kombinierte. Der 21-jährige Gundolf Köhler, der offiziell als Bombenleger gilt, soll Mitglied dieser Gruppe gewesen sein, was aber keiner der Befragten aus ihren Reihen bestätigte (sie hatten ihn nie gesehen).

Hoffmann patsiesDie Mitglieder von WSGH sagten bei Vernehmungen aus, sie hätten Waffen und Sprengstoff von einem gewissen Heinz Lembke erhalten:

Herr Lembke zeigte uns verschiedene Arten von Sprengmaterial, Zündern, Plastiksprengstoff und militärischen Sprengstoff. Er sagte, er habe viele geheime Verstecke, in denen solches Material im Wald vergraben sei und er könne uns viel davon geben. Er sagte auch, dass er Unterricht über die Handhabung solcher Sprengsätze gibt.“

(Aussage von Raymund Hörnle, zitiert in Gladio: Die geheime Terrororganisation der Nato, 1997, p. 82.)

Diese Spur wurde aber nicht weiter verfolgt… (weil sie sonst zu „Gladio“ bzw. NATO und BND geführt hätte …), sondern an der „Einzeltäter-Theorie“ festgehalten.

Waffenfunde Gladio BRDEnde Oktober 1981 stießen Wanderer in der Nähe von Uelzen (in der Lüneburger Heide, unweit des größten NATO-Übungsplatzes) auf eines dieser geheimen Waffenverstecke, wo auch andere Ausrüstungsgegenstände vorhanden waren. (Dies wird im Film nur ganz kurz erwähnt, man sieht einen Clip aus der damaligen Tagesschau)

Daraufhin wurde der Förster Heinz Lembke festgenommen und dieser führte die Polizei kurz darauf zu einem riesigen Waffenarsenal (33 Einzelverstecke), das die „Einzeltäter-Theorie“ ad absurdum führt. Daniele Ganser zitiert dazu einen Artikel des österreichischen Militärs aus dem Jahr 1991, in dem es heißt:

Die Waffenverstecke wurden sofort dem rechtsextremen Lembke zugeordnet. Doch diese Erklärung hatte einen Haken: Neben automatischen Waffen, chemischen Stoffen (Arsen und Zyankali) und etwa 14.000 Schuss Munition, fand man auch 50 Panzerabwehrkanonen, 156 kg Sprengstoff, 230 Zündvorrichtungen und 258 Handgranaten.

Es ist bemerkenswert, dass ein Staat mit weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen gegen Terroristen*, den Diebstahl oder die Abzweigung einer solch großen Menge an Kriegsmaterial nicht bemerkt hat.“

(Quelle: Österreichische Militärische Zeitschrift, Heft 2 1991, S. 123)

Die ermittelnde Behörde (geleitet vom Generalbundesanwalt) wusste schon lange, dass der Sprengstoff für das Oktoberfest militärischer Herkunft war und diese Bombe nicht von einem 21-jährigen Laien „selbst-gebastelt“ wurde. Die Experten waren auch in der Lage, festzustellen, ob das Material aus NATO-Beständen kam oder nicht.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es einen größeren, politischen Kontext gibt, der unweigerlich zu militärischen, sicherheitspolitischen (und somit geheimdienstlichen) Kreisen führt.

*Für das Verstehen der Zuschauer wäre es notwendig gewesen, das Auftauchen des „linken“ Terrors in Deutschland (in den 1970er Jahren) zu analysieren und natürlich den Kontext zu „Gladio“ herzustellen.

Also die Tatsache, dass unter dem Deckmantel der NATO geheime, paramilitärische Strukturen (in ganz Westeuropa) aufgebaut wurden, die mit Hilfe faschistischer Elemente in den Sicherheitsapparaten (also Polizei, Militär, Geheimdienste, Innenministerium) Terroranschläge verübten. Diese wurden dann den „Linksextremen“ in die Schuhe geschoben, um (vor allem in Italien) einen politischen Linksruck zu verhindern und die kommunistischen Parteien zu dämonisieren. Gruppen, wie die RAF oder Brigade Rosse in Italien waren von den Geheimdiensten infiltriert und wurden regelrecht zu Gewalt- und Terrorakten angestachelt. (Siehe dazu den Beitrag über Gladio).

Die aktuelle Variante des synthetischen Terrors in Europa (Paris, Charlie Hebdo) greift nicht auf Neo-Nazis zurück, sondern auf indoktrinierte „Islamisten“ und ahnungslose Muslime (als „patsies“) die ebenfalls als geopolitische Werkzeuge eingesetzt werden.

Doch – big surprise – die Polizei kam zu dem Schluss, dass Lembke (wieder einmal) ein „Einzeltäter“ war, die Verbindung zu „Gladio“ wurde nicht untersucht. Lembke deutete in einer Vernehmung an, dass er demnächst enthüllen werde, für wen diese Waffen gedacht waren und wer dahinter steckt. Doch am nächsten Tag, am 1. November 1981, fand man ihn erhängt in seiner Zelle.

BIG (BROWN) BROTHER (und das “Neue Deutschland“)

Um den geopolitischen Hintergrund zu verstehen, muss man den Leuten natürlich erklären, dass die USA als Besatzungsmacht federführend am Aufbau der deutschen Geheimdienste und Sicherheitsapparate waren und wenig Interesse daran hatten, die Nazis in den bürokratischen Strukturen zu entfernen – ganz im Gegenteil.

Reinhard GehlenReinhard Gehlen, Spionagechef Hitlers im Osten machte nach dem Krieg eine beachtliche Metamorphose durch: vom General des Dritten Reiches zum amerikanischen General – in no time. Er wurde von den Amerikanern damit beauftragt, einen neuen Geheimdienst aufzubauen, der ja auch anfänglich als „Gehlen Organisation“ bekannt war. Dass damit ein Auffanglager für dutzende Nazi-Verbrecher geschaffen wurde, hat die Regierung in Washington nicht weiter gestört. Sie haben ja (unter Federführung von Allen Dulles) auch tausende Nazis (vor Strafverfolgung geschützt und) in die USA gebracht, weil sie als Wissenschaftler oder als militärische „Berater“ nützlich waren.

Keiner tat mehr als Gehlen, um die Ängste der Amerikaner vor der „roten Gefahr“ zu schüren“ (Video 18:30)

(Kein Wunder, denn das bedeutete mehr Geld und mehr Macht für seine Organisation)

Hitlers shadow StudyDie von amerikanischen Kreisen bewusst erzeugte Hysterie des „Kalten Krieges“ diente dazu, die Förderung von Faschisten (und Milliardenausgaben) zu legitimieren. Nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ musste man für den Kampf gegen den bösen Kommunismus auch Nazis einsetzen, weil moralische Skrupel doch nur dem teuflischen Feind in die Hände gespielt hätten …

Die Wurzeln des BND sind also eindeutig „braun“ und die Antwort von Edward Snowden (auf die Frage, wie er das Verhältnis zwischen BND und NSA [bzw. CIA] beschreiben würde) „They are in bed with each other“ kommt deshalb auch nicht überraschend.

Doch während bekannt ist, dass der BND 1956 gegründet wurde, wird die Existenz der geheimen Gladio-Strukturen bis heute mit wenigen Ausnahmen totgeschwiegen.

GLADIO IN DEUTSCHLAND: Alte Nazis trainieren neue Rekruten unter US-Aufsicht

In den 1950er Jahren gewannen die kommunistischen Parteien in Frankreich und Italien immer mehr Stimmen. Die anti-kommunistische Hysterie in den USA sollte der CIA zu immer größerer Macht verhelfen und ihre „geheimen Operationen“ (wie Gladio) im Ausland ausweiten und legitimieren. Diese kriminelle Einmischung in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten – die noch dazu als „Verbündete der USA“ oder „befreundete Staaten“ galten – wurde ab 1947 durch den NSA quasi legalisiert.

(Mehr Details dazu im letzten Beitrag über die CIA, ein weiterer wird folgen)

In den 1960er Jahren wurde also die (eigene) Bevölkerung in Europa zum „Feind“ erklärt, wenn sie gegen Dinge protestierte, die für die Durchsetzung von „amerikanischen Interessen“ notwendig waren, z.B. die Errichtung von US-Militärbasen oder die Stationierung von Trägerraketen mit Nuklearwaffen. Es reichte aber auch, wenn man „linke Ideen“ hatte, die die herrschenden Besitzverhältnisse bedrohten.

Die Manipulation der Bevölkerung durch Angst und Terror (besonders vor anstehenden Wahlen) wurde deshalb als legitimes Mittel der amerikanischen „Außenpolitik“ betrachtet und auch von faschistischen Kreisen in Europa begrüßt.

Wie Daniel Ganser feststellte, gibt es auch ein Papier, in dem der Einsatz der Gladio-Strukturen notfalls GEGEN DIE EIGENE BEVÖLKERUNG dokumentiert ist: Datiert mit 1.Juni 1959 heißt es dort (Originaltext italienisch), dass die Gladio-Strukturen für folgende Zwecke einzusetzen sind:

Sollte der Ernstfall eintreten, in dem Gebiete von NATO-Ländern teilweise oder ganz von inneren Unruhen (und Umstürzen) oder militärischer Invasion betroffen sind“ [mit „Umstürzen“ meinte man einen faschistischen Putsch, bei dem die „gladiatori“ natürlich zum Schutz der Putschisten eingesetzt werden und dafür sorgen, dass „linke“ Gruppen ausgeschaltet werden, wie Prinz Borghese in Italien es vorhatte …]

 

WaPo CIA Nazi NetworksCIA Dokumente, die im Juni 2006 freigegeben wurden zeigen ebenfalls, dass die CIA zwischen 1949 und 1955 geheime „Gladio“-Strukturen in Deutschland aufgebaut und dabei SS-Offiziere eingesetzt hat. Dies bestätigt ja auch u.a. der CIA-Mann in der exzellenten BBC-Doku von Allan Frankovitch, über die ich in diesem Blog ja geschrieben habe (Gladio).

Eine dieser Gruppen war der „Technische Dienst (TD) innerhalb des Bundes Deutscher Jugend (BDJ). Der BDJ wurde 1950 von Erhard Peters und Paul Lüth gegründet. Die Existenz von TD-BDJ war den deutschen Behörden (spätestens) seit 1952 bekannt.   (Siehe dazu Ganser)

Ein erfolgreicher „Anwerber“ für Jugendliche, die zum BDJ gelockt wurden, war der SS-Kriegsverbrecher Klaus Altmann (besser bekannt als Klaus Barbie oder in Frankreich als der „Schlächter von Lyon“). Er tat dies Anfang der 1950er Jahre im Auftrag des CIC, des militärischen Spionagedienstes der USA im zweiten Weltkrieg, der später von der DIA abgelöst wurde.

Am 9. September 1952 betrat ein Mann eine Polizeistation in Frankfurt und erzählte den Polizeibeamten eine erstaunliche Geschichte: er sei Teil einer paramilitärischen Einheit, die über Waffen und Sprengstoff verfüge und von Amerikanern finanziert werde. Den Mitgliedern wird beigebracht wie man Leute umbringt, ohne Spuren zu hinterlassen, wie man sich im Wald versteckt, usw.

Der Mann hieß Hans Otto und war ein ehemaliger Offizier der Waffen-SS, deshalb erschien ihm auch der angebliche Zweck dieser geheimen Übungen anfangs nicht verdächtig: Für den Fall, dass die Sowjetunion Deutschland überfallen und besetzen sollte, würden diese speziell ausgebildeten Einheiten (ähnlich wie die Resistance in Frankreich) den Besatzern das Leben mit „Terroranschlägen“ und Sabotage schwer machen.

Doch als ihm eine Liste von deutschen Politikern (und anderen, insgesamt 40 Personen) vorgelegt wurde, die – nicht nur in diesem Fall, sondern auch bei einem drohenden, innenpolitischen Machtwechsel nach links – zu liquidieren seien (darunter auch viele Sozialdemokraten), wurde Otto die Sache zu unheimlich und er „packte aus“.

Zinn G ADie daraufhin eingeleiteten Untersuchungen führten schon damals zu Waffenverstecken und einem Trainingslager im Odenwald in Hessen. Die Sache wäre wohl damals vertuscht worden, wenn nicht ein mutiger Politiker die Sache öffentlich gemacht hätte: Georg August Zinn, damals Ministerpräsident von Hessen und überzeugter Anti-Faschist. Trotz enormen Drucks von Adenauer und den US-Behörden ließ er sich nicht zum Schweigen bringen und hielt eine flammende Rede vor dem hessischen Landtag, wofür er großen Beifall erntete. Dabei warnte er davor, dass diese geheimen Strukturen, die ja die Grundlage für kriminelle, subversive Tätigkeiten waren, die dann unter Hitler zur Diktatur führten, jetzt wieder aktiv seien.

Am 30. Oktober 1952 ordnete der BGH die Freilassung aller inhaftierten BDJ-Mitglieder an, ohne auch nur mit den Polizeibeamten in Frankfurt gesprochen zu haben oder deren Ermittlungsergebnisse zu kennen (Ganser, 2005).

Der schockierte und empörte Zinn war fassungslos und konnte sich dieses Verhalten nur dadurch erklären, dass die Richter in Karlsruhe „ auf Anordnung der Amerikaner gehandelt haben“.

Dazu gibt es im Internet diese interessanten Informationen:

Bei einer Razzia örtlicher Polizeieinheiten in den Räumen des BDJ stellte sich 1952 heraus, dass die USA die Organisation mit einer monatlichen Summe von 50.000 DM finanzierten sowie mit Waffen, Munition und Sprengstoff beliefert hatten. Im Odenwald bei Frankfurt am Main fand man ein Waffenlager mit Maschinengewehren, Granaten, leichten Artilleriegeschützen und Sprengstoff. Die Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen förderte zudem eine Attentatsliste mit 40 deutschen Führungspersönlichkeiten – hauptsächlich Politiker der SPD – zutage, die man als nicht zuverlässig antikommunistisch eingestuft hatte. Unter ihnen befanden sich Herbert Wehner, der damalige SPD-Parteichef Erich Ollenhauer, der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann und die Oberbürgermeister von Hamburg und Bremen. Um im Ernstfall eine möglichst effiziente Ausführung der Attentate zu ermöglichen, hatte der BDJ bereits Mitglieder in die SPD geschleust.

Counterintelligence_corps_badgeDer CIC (Militärgeheimdienst der US-Army im zweiten Weltkrieg) übernahm die von der deutschen Polizei inhaftierten BDJ-Mitglieder und verweigerte im Folgenden den Zugriff der deutschen Behörden, die beabsichtigten, Anklagen aufgrund unerlaubten Waffenbesitzes und geplanten Mordes zu erheben. CIC-Agenten beschlagnahmten weiterhin alle noch verfügbaren Unterlagen und verweigerten die Übergabe an die deutschen Behörden.“

(CIC“ (dessen Agenten später in der CIA aufgingen) ermöglichte auch das Entkommen hunderter Nazi-Kriegsverbrecher über die „Rattenlinie“ nach Lateinamerika – mit Unterstützung des Vatikans …)

Während amerikanische Diplomaten also Zinn versicherten, es gäbe keine Pläne zur „Manipulation des politischen Klimas“, in Deutschland, beeilte sich die CIA später, die Sache durch die Cover-Story zu verharmlosen, dass diese „Einheiten“ sich quasi in fanatischem Eifer „verselbständigt“ und eigenmächtig „Todeslisten“ erstellt hätten – ohne Wissen und Zustimmung der Geheimdienste. Wer das glaubt, gewinnt den ersten Preis für politische Naivität.

Doch auch in diesem Fall wurden die Verbindungen zu „Gladio“ völlig unter den Teppich gekehrt.

Interessant ist auch die Aussage des ehemaligen CIA-Chefs für Deutschland Peter Sichel (siehe Video-Link):

Adenauer war verärgert darüber, dass man ihn nicht informiert hatte [er wusste Bescheid] nicht weil er etwas gegen diese Operationen gehabt hätte, sondern in dem Sinn – man hätte die Leute dafür sorgfältiger auswählen sollen …“ (Video 21:45)

Adenauer bestritt die Existenz der „Todes-Liste“ und der BDJ wurde im Jänner 1953 verboten. (Man machte aber natürlich unter anderem Namen weiter).

GOD BLESS OUR OLD NAZIS

1955 wurde die BRD Mitglied der NATO und Adenauer unterzeichnete einen geheimen Vertrags-Annex, in dem sich Deutschland verpflichtet, den Mitgliedern des geheimen Netzwerks rechtliche Immunität zu gewähren. Also kein Strafverfahren für alte und neue Nazis im Dienste Amerikas – no way. (Textzitat unten, Ganser 2005)

Ganser legal immunity Gladio Germany

Das dürfte Hans Globke (ehemaliger Ministerialrat im Innenministerium des Dritten Reiches) sehr gefallen haben, der als „Ministerialdirigent“ ab 1949 ein Büro im Kanzleramt hatte und ebenso General Erich von Manstein (geb. von Lewinsky), verurteilter Kriegsverbrecher, der in gewissen Kreisen „Heldenstatus“ hat, und Adenauers Schützling und Berater beim Aufbau der Bundeswehr war.

Aus dem Klappentext des u.a. Buches von Jürgen Bevers:

Globke graue Eminenz hinter AdenauerEr war die Graue Eminenz in Adenauers Kabinett, heute ist er fast vergessen: Hans Maria Globke. Als Staatssekretär im Kanzleramt zog er im Hintergrund die Fäden, baute das Palais Schaumburg zur Machtzentrale aus und bestimmte die Personalpolitik. Globke kontrollierte die Geheimdienste und holte Hitlers Generäle in die Führungsspitze der Bundeswehr. Als heimlicher „Generalsekretär“ der CDU warb er um verdeckte Parteispenden und verteilte sie. Derselbe Hans Globke hatte als hoher Ministerialbeamter den Nazis gedient, einen juristischen Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen verfasst und gleichzeitig als gläubiger Katholik die Kirche mit wichtigen Informationen versorgt. Allen späteren Anfeindungen zum Trotz hat Adenauer seinen engsten politischen Vertrauten beschützt und auch vor einem Auftritt als Zeuge im Jerusalemer Prozess gegen Adolf Eichmann, den Organisator des Holocaust, bewahrt.

Die Re-Militarisierung Deutschlands (durch Krypto-Faschisten) als Vasall der USA hatte begonnen und das dadurch entstehende seelische Unbehagen (trotz steigendem Wohlstand) mündete schließlich in die Proteste, die 1968 Schlagzeilen machten.

Die Oktoberfest-Bombe von 1980 brachte das geheime Netzwerk der Subversion wieder ins Spiel, doch die Vertuschung gelang auch dieses Mal.

 

 

POLITISCHER KONTEXT – DEUTSCHLAND 1980

Die Oktoberfest-Bombe explodierte zu einem „günstigen“ Zeitpunkt: Helmut Schmidt wurde schon länger von den rechts-konservativen (wie der CSU) Politikern als „zu schwach“ gegenüber den „linksextremen“ Terroristen (RAF, Schleyer-Entführung, etc.) dargestellt. Auch der wachsende Protest der “linken” Jugend gegen die atomare Rüstung und die zunehmende Militarisierung durch die NATO war den Drahtziehern von Gladio (als Ausdruck einer „anti-amerikanischen“ Gesinnung) ein Dorn im Auge.

Die Gladio-Eliten in den Geheimdiensten (und ihre Sponsoren in Washington bzw. Brüssel (NATO-Hauptquartier) hatten also großes Interesse daran, dass nicht Schmidt, sondern Franz-Josef-Strauß die nächste Wahl gewinnt. Und er natürlich auch .. seine Verstrickung in das Gladio-Netzwerk, bzw. dessen Steuerung über die Tarnorganisation AgInter Press, wird in diesem ZDF-Beitrag skizziert;  Mehr dazu gibt es hier  (Englischer Text)

Bundestagswahl am 5. Oktober 1980

Doch das Attentat in München hatte insofern einen Bumerangeffekt, weil man den Terror nicht den „linken Extremisten“ in die Schuhe schieben und die Verbindungen zu rechts-extremen Kreisen nicht völlig vertuscht werden konnte.

Bundestagswahlen 1980 tagesschauDie Deutschen ließen sich nicht so leicht hinters Licht führen und so hatte die „rechte“ Koalition aus CDU/CSU zwar die Stimmenmehrheit (44,5%, ein Verlust von 4%), doch die SPD lag mit 42,9% nur knapp dahinter, während FDP und erstmals die Grünen Stimmen (dazu) gewannen. Die neue Regierung war wieder „die alte“: eine Koalition zwischen SPD und FPD.

Jedenfalls hatten die „Gladio“-Drahtzieher einen Linksruck verhindert und dafür gesorgt, dass die SPD unter Schmidt sich in Richtung „Mitte“ bewegt hat und schließlich dort endete, wo auch Tony Blair’s „New Labour“ sich befand: als verkommener Rest einer „Sozialdemokratie“, die den Namen nicht mehr verdient hat und sich dem neoliberalen Totalitarismus („Finanz-Faschismus“) unterordnet.

taz Andreas Kramer OFB 1980Andreas Kramer behauptete 2013, dass sein Vater (Offizier der Bundeswehr und Oberst im BND) den Bombenanschlag in München organisiert hatte und selbst beim Bau des Sprengsatzes mitgeholfen hatte. Hier Auszüge aus einem Interview mit ihm, dass die taz im Mai 2013 führte: (Klick auf das Bild führt zum Link)

taz: Herr Kramer, Sie haben beim „Bombenleger“-Prozess in Luxemburg unter Eid ausgesagt, Ihr Vater habe den Sprengstoff für den Anschlag auf das Oktoberfest 1980 geliefert. Und das im Auftrag der geheimen „Gladio/Stay behind“-Truppe der Nato. Wie kommen Sie zu dieser Aussage?

Andreas Kramer: Mein Vater war „Gladio/Stay behind“-Offizier mit dem Codenamen „Cello“ und Mitarbeiter des BND, von dem er 1965 angeworben wurde. Er hat offiziell im Rang eines Hauptmanns als Logistiker in der Abteilung G4 des Streitkräfteamts der Bundeswehr, das zum Bundesverteidigungsministerium in Bonn gehörte, gedient.

Mein Vater leitete mehr als 50 Materiallager der Nato-Geheimarmee in Deutschland. Eines davon war das Lager Uelzen, das 1981 entdeckt wurde. Mein Vater wollte mich als Operationsleiter für „Gladio/Stay behind“-Einsätze aufbauen und hat mit mir die Fernsehbeiträge, welche die Anschläge in Deutschland, also München, und Italien, also der in Bologna am 2. August 1980, betrafen, besprochen und analysiert. Ich habe ihm damals kritische Fragen gestellt, um Informationen über den Zweck dieser Anschläge zu gewinnen.

Was wollte der BND konkret von Ihrem Vater?

Man suchte Offiziere, die in der Lage waren, bestimmte Logistikaufgaben für „Gladio/Stay behind“ zu erfüllen – da war er die ideale Besetzung. Mein Vater war unter anderem der direkte Vorgesetzte von Heinz Lembke

ein deutscher Neonazi mit Verbindungen zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“, der einen Tag vor seiner Vernehmung wegen möglicher Verwicklung in das Münchner Attentat erhängt in seiner Zelle aufgefunden wurde.

Genau, den hat mein Vater angeworben und als Führungsoffizier angeleitet.

Haben Sie dazu schriftliche Aufzeichnungen? Oder beruhen Ihre Behauptungen nur auf mündlichen Aussagen Ihres Vaters Ihnen gegenüber?

Ich weiß, dass der BND solche Aufzeichnungen besitzt. Mein Vater hat davon gesprochen.

Wann ist Ihr Vater bei der Bundeswehr ausgeschieden?

  1. Er hat aber für den BND weitergearbeitet.

Was spielte Ihr Vater Ihrer Meinung nach für eine Rolle beim Münchner Attentat?

Er hat zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“ und zu Gundolf Köhler, dem späteren Attentäter, Kontakt aufgenommen, schon bevor diese 1980 vom damaligen Innenminister Gerhart Baum verboten wurde. Die Vorbereitungen für das Attentat begannen 1979.

Und als was hat er sich dort präsentiert?

Als alter Kamerad, als einer mit Verbindungen, der bereit wäre den Jungs zu helfen, wenn sie mal was richtig Großes durchziehen wollten. Der BND gab dem Anschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980 intern den Codenamen „Operation Werwolf“, benannt nach dem SS-Sonderkommando „Werwolf“, das im Zweiten Weltkrieg hinter den feindlichen Linien Attentate und Sabotageakte verübte.

Was soll die strategische Absicht der Bombe gewesen sein?

Der Einsatz der Bombe sollte dazu beitragen, dass in der westdeutschen Bevölkerung eine Stimmung erzeugt wurde, die eine politische Abwahl der Regierung von Kanzler Helmut Schmidt herbeiführte. Franz Josef Strauß stand schon als Kanzlerkandidat der CSU bereit. In Westdeutschland wurde die klassische „Strategie der Spannung“, wie etwa auch in Italien, angewendet.

Woher soll der Sprengstoff für die Bombe gekommen sein?

Aus verschiedenen Nato-Depots. Die Bombe durfte ja nicht professionell gebaut wirken.

Warum gehen Sie erst jetzt an die Öffentlichkeit?

Weil die Opfer des Münchner Attentats bis heute nicht die Unterstützung vonseiten des Staates bekommen haben, die sie verdienen.

 

FAZIT:

Liebe Schüler und Fernsehzuschauer, Amerika (die Eliten der Macht) hat nicht “den Faschismus“ in Europa besiegt, (das waren die Russen!) sondern dafür gesorgt, dass aus dem „Dritten Reich“ das „Vierte Reich“ (transnational) entstanden ist: es hat faschistische Strukturen in den nationalen Sicherheitsapparaten gepflegt und für subversive Tätigkeiten benutzt, die garantiert nichts mit „Freiheit und Demokratie“ zu tun haben, aber viel mit kapitalistischer Plünderung und perfider Weltherrschaft (Full Spectrum Dominance)

Wie sagte Henry Kissinger einst so schön sarkastisch:

Das Kriminelle erledigen wir gleich, das Verfassungwidrige dauert ein bisschen länger.“

Die „Pseudo-Aufklärung“ durch die ARD hat dem offenbar nichts entgegenzusetzen – so viel zum Thema Gedanken- und Pressefreiheit in Deutschland ..

GLADIO: Holy War in Europe

Wenn Sie eine Gruppe infiltrieren, die dann Terroranschläge verübt aber nicht merkt, dass sie nur benutzt wird, das ist eine der raffiniertesten strategischen Operationen, die man sich vorstellen kann.

(Daniele Ganser)

„Operation Gladio“ – Was ist das?

Gladiator RCroweGladius = lateinisch für Schwert; wir kennen ja die „Gladiatoren“ aus den Hollywood-Filme über das antike Rom, zuletzt beeindruckend verkörpert durch Russel Crowe.

„Gladio“ im 20. Jahrhundert war (in Italien) die Bezeichnung für paramilitärischen Einheiten, die von westlichen Geheimdiensten während des kalten Krieges heimlich als Terroristen ausgebildet wurden und (als internationales Netzwerk) Teil von totalitären Machtstrukturen waren bzw. sind, die man heute als „deep state“ bezeichnet (die oft benutzte Bezeichnung „Geheimarmeen“ halte ich für irreführend und lehne sie deshalb ab).

Der Name ist an sich schon sehr verräterisch, wenn man sich fragt, welchen politischen Zweck diese „gladiatori“ erfüllt haben, denn das blutige „Theater“ im antiken Rom waren ja von den Machthabern inszeniert. Die Männer, die zum Kämpfen und Töten ausgebildet wurden, hatten ja keinen echten Grund, den anderen umzubringen. Sie waren in den meisten Fällen Sklaven des römischen Imperiums und wurden daher für politische Zwecke – vordergründig als primitive „Unterhaltung“ des Publikums, aber auch zur Demonstration der absoluten Macht (über Leben und Tod) benutzt.

Der Unterschied zu Gladio im 20. Jahrhundert ist, dass die Zuschauer nicht sehen, wer die Gewalt inszeniert und nicht verstehen, warum …

Als das geheime Netzwerk in den 1990er Jahren (teilweise) enthüllt wurde, beeilten sich die Politiker zu betonen, es handle sich doch nur um eine defensive Einrichtung, die im Fall einer sowjetischen Invasion in Westeuropa eingesetzt werden sollte. Doch wie Daniele Ganser in seinem bahnbrechenden Buch beweist, wurde bereits 1956 beschlossen, Gladio als Instrument für interne politisch-terroristische Subversion einzusetzen, wenn es die innenpolitische „Stabilität“ erforderte.

Das bedeutet, es musste verhindert werden, dass „linke“ Gruppen oder Parteien (die zu Recht oder zu Unrecht als „Kommunisten“ und somit automatisch als Werkzeuge der Sowjets klassifiziert wurden) so viel Zuspruch erhalten, dass sie in die Lage versetzt werden, das bestehende System zu verändern (vor allem durch mehr soziale Gerechtigkeit). Dieses „System” steht für die Durchsetzung amerikanischer Hegemonial- und europäischer Kapital-Interessen, die demokratische Grundsätze sofort über Bord werfen, wenn sie der Machterhaltung im Wege stehen.

Vatican CoverDabei schreckt man auch vor Mord und Massenmord nicht zurück, weshalb es nicht erstaunt, dass zu diesem Netzwerk viele alte und neue Faschisten gehörten (sowohl Organisatoren als auch ausführende „Werkzeuge“), Freimaurer, die Mafia und andere kriminelle Banden. Überraschend für viele dürfte aber die Tatsache sein, dass auch biedere Katholiken, Adelige und Teile des Vatikans darin involviert waren (und sind).

Die psychologische Wirkung des Terrors auf die Bevölkerung steht dabei im Vordergrund, weil dadurch eine effektive, kollektive Verhaltenssteuerung möglich wird. Dass Amerika damit jedoch die Souveränität anderer Staaten seit Jahrzehnten systematisch untergraben hat, vom Recht der Völker auf Selbstbestimmung ganz zu schweigen, ist angesichts der moralisierenden Rhetorik gegenüber Russland ein unerträglicher Gedanke.

„Gladio“ wird mittlerweile als Sammelbegriff für das gesamte, europäische Netzwerk der gesteuerten Terroristen benutzt, das von den westlichen Geheimdiensten und Militärs aufgebaut wurde, obwohl diese Strukturen in jedem Land einen eigenen Namen hatten. (Hier wird zunächst nur auf die Terroranschläge in Italien eingegangen, eine Liste der anderen Verbrechen in Europa, wie z.B. die Oktoberfest-Bombe in München, folgt später.)

1 WIE WURDE „GLADIO“ AUFGEDECKT?

Felice Casson1984 begann der italienische Untersuchungsrichter Felice Casson damit, einen ungelösten Kriminalfall wieder aufzurollen: bei einem Bombenanschlag im Mai 1972 waren drei Polizisten in Peteano (Norditalien) getötet worden. Man hatte versucht, die Urheber der Tat im Milieu von kriminellen Banden zu finden, doch dieser (unbegründete) Verdacht konnte nicht erhärtet werden. Ein politisches Motiv käme nicht in Betracht, verlautbarte damals der Chef der Carabinieri.

Doch als Casson die Akten studierte, fielen ihm einige „Ungereimtheiten“ auf: die Ermittlungen, die ein politisches Motiv für die Tat zu Tage fördern drohten, wurden systematisch von staatlichen Behörden behindert. Beweise „verschwanden“, unliebsame Zeugen und Spuren wurden ignoriert, etc.

1972 wurde in der Nähe von Triest ein geheimes Waffenlager entdeckt (vergraben vor einer Kirche), in dem u.a. der gleiche, militärische Sprengstoff zu finden war, mit dem der Anschlag in Peteano ausgeführt wurde. Doch die Behörden hatten sich beeilt, der Öffentlichkeit einzureden, diese Waffen gehörten kriminellen Banden, seien „von den Deutschen übriggeblieben“, usw.

Es wurde also alles unternommen, um von der Spur zu Geheimdiensten, Militär und dem italienischen Staat selbst, abzulenken (wie heute bei „Charlie Hebdo“ und dem „islamistischen Terror“-Scare …)

Ordine Nuovo

Ordine Nuovo

Die Nachforschungen ergaben schließlich, dass eine neo-faschistische Organisation mit dem Namen Ordine Nuovo („Neue Ordnung“) für das Verbrechen verantwortlich war und der „Bombenleger“ selbst wurde ebenfalls ermittelt: Vincenzo Vinciguerra (seine Aussagen haben maßgeblich zur Aufklärung beigetragen).

Die Untersuchungen brachten aber eine strafrechtliche Lawine ins Rollen, denn Casson fand heraus, dass Peteano zu einer ganzen Serie von politischen Terroranschlägen gehörte, die ihren Anfang im Jahr 1969 nahmen: auf der Piazza Fontana in Mailand explodierte in der Banqua di Agricultura eine Bombe, durch die 16 Menschen getötet und 80 verletzt wurden. Weitere Anschläge folgten.

Bologna massacreDer Bombenterror in Italien erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 1980, als am 2. August in einem Warteraum des Bahnhofes von Bologna eine gewaltige Explosion stattfand. 85 Menschen wurden dabei in Stücke gerissen und 200 verletzt. Die Schockwellen gingen durch ganz Europa.

2  ANALYSEN  UND  ERKLÄRUNGEN  ZU  GLADIO

Vielleicht die beste (auf den Punkt gebrachte) Erklärung, welchen Zweck die Terroranschläge verfolgten, kommt von Vincenzo Vinciguerra:

Wenn du bei den „Rechten“ warst, würdest du doch nicht staatliche Einrichtungen oder Leute angreifen, die die Staatsgewalt repräsentieren. Sie erwarteten von dir, dass du unschuldige Leute umbringst. Frauen, Kinder, Menschen, die nichts mit Politik zu tun hatten, aus dem einfachen Grund, weil dass die Massen dazu bringt, sich in die Arme des Staates zu flüchten um mehr „Sicherheit“ zu bekommen.

Das war genau die Rolle der Rechten in Italien. Sie ließ sich vom Staat dazu benutzen, die „Strategie der Spannung“ umzusetzen. Die Leute sollten so weit gebracht werden, dass sie die Ausrufung des Notstands (Kriegsrecht] … akzeptieren und damit bereitwillig einen Großteil ihre zivilen Rechte und Freiheiten für mehr „Sicherheit“ aufgeben würden; damit sie sich wieder ohne Angst auf der Straße, dem Bahnhof, usw. aufhalten konnten …das ist die politische Logik hinter den Bombenattentaten. Sie bleiben ungesühnt, weil sich der Staat ja nicht selbst bestrafen kann …“

Ganser GladioDie politischen Hintergründe des Skandals wurden (wissenschaftlich) erstmals von Dr. Daniele Ganser untersucht und publiziert. Ganser hat als Historiker und Politikwissenschaftler seine akribischen Recherchen natürlich mit hunderten Quellenangaben untermauert und das Buch hätte eigentlich eine riesige Welle der Empörung auslösen müssen – ganz zu schweigen von massiven politischen Konsequenzen.

Doch dank unserer Schafsmedien wurde das weitgehend verhindert, weil das Buch einfach „totgeschwiegen“ wurde.

Nur wenige Journalisten hatten den Mut es zu rezensieren oder seine Veröffentlichung auch nur zu erwähnen. Soweit ich weiß, wurden deshalb auch nur etwa zehntausend Exemplare im deutschsprachigen Raum verkauft (das Buch hätte natürlich ein Millionen-Bestseller sein müssen, angesichts seines brisanten Inhalts).

BBC doc 1992Die BBC produzierte 1992 eine dreiteilige Dokumentation über „Gladio“, die wahrscheinlich am besten dazu geeignet ist, in nur drei Stunden den Zuschauern nahezubringen, worum es hier wirklich geht. Dank Regisseur Allan Frankovich wird klar, dass es dabei um ein militärisch-geheimdienstlich organisiertes, auf „Knopfdruck“ aktivierbares Terrornetzwerk geht und nicht um „Geheimarmeen“ (ein verharmlosender Ausdruck).

2.1 THE RINGMASTERS (Die Direktoren der Arena)

Aus der “Intro” zum ersten Teil (The Ringmasters) im Originalton:

For 40 years secret terrorist organisations, many trained by western intelligence agencies, have manipulated the political control of European sovereign states by a campaign of terror and murder.” Originally part of a secret network these groups changed from defenders of state security into attackers of the established political order.” (Video 03:06)

Die politische Kontrolle „souveräner“ europäischer Staaten wurde also vierzig Jahre lang durch eine mörderische Terrorkampagne untergraben (manipuliert), wobei die ausführenden Untergrund-Organisationen von westlichen Geheimdiensten für diese Zwecke ausgebildet wurden.

Die Brisanz bzw. Aktualität dieser Feststellung nach dem „Charlie Hebdo“ Theater liegt auf der Hand

Die Aussage des zweiten Satzes des englischen Originaltons muss man insofern hinterfragen, als die Bedeutung des Begriffes „Staatssicherheit“ vorher definiert werden müsste, weil dieser natürlich von den Urhebern der „Gladio“-Strukturen für ihre kriminellen Zwecke missbraucht wurde. Hier wurde nicht „Sicherheit“ verteidigt, sondern Machterhalt bzw. die „etablierte politische Ordnung“ („oben“ regiert „unten“ und „rechts“ unterdrückt „links“…), was im Politjargon „Stabilität“ genannt wird.

Die BBC-Doku ist auch deshalb einzigartig, weil sie sich hauptsächlich auf Aussagen von Personen stützt, die selbst in das geheime Netzwerk involviert waren. Dazu gehören Angehörige der Polizei, der militärischen und zivilen Geheimdienste, Beamte und Minister sowie Staatsanwälte und andere ermittelnde Behörden ebenso wie die (häufig naiven) menschlichen „Werkzeuge“ der Drahtzieher von Gladio.

Aber auch einer der „Terroristen“ selbst kommt darin zu Wort: Vincenzo Vinciguerra, verurteilt für das Bombenattentat in Peteano, gab nach seiner Inhaftierung britischen Journalisten mehrere Interviews. Er beschreibt Gladio so:

Es sind Parallelstrukturen, eine unsichtbare Kampftruppe, die nicht für den Krieg gegen einen hypothetischen, äußeren Feind vorbereitet wird, sondern für den Einsatz im „Inneren“ gegen die – wie das Militär immer sagte – „Fünfte Kolonne der Sowjetunion“, die kommunistische Partei und die extreme Linke.“

Wie wir noch sehen werden, war aber nicht nur die „extreme“ Linke im Visier des „geheimen, unsichtbaren Staates“, sondern alle, die eine Änderung der Machtverhältnisse von „oben rechts“ nach „unten links“ ermöglichen konnten und wollten.

2.2 DIE PUPPENSPIELER

So heißt der zweite Teil der BBC-Doku (The Puppeteers) über das geheime Terror-Netzwerk Gladio. Davon die „Intro“ im Originalton:

Six years later (1986) an official report revealed the existence of an invisible government in Italy run by the state secret services and groups of political terrorists; it also identified a secret military and civilian organisation under which neo-fascists were allowed to commit atrocities against civilians for political motives.”

Sechs Jahre später enthüllte ein offizieller Untersuchungsbericht die Existenz einer unsichtbaren Macht (einer Art Parallelregierung) in Italien, die von Geheimdiensten und politischen Terroristen ausgeübt wurde; durch die Untersuchungen wurde ebenfalls eine geheime militärische und zivile Organisation aufgedeckt, in deren Auftrag Neo-Faschisten Gräueltaten gegen Zivilisten begehen durften, zur Erreichung politischer Ziele.“

vinciguerra_vincenzoUnd wieder hat Vincenzo Vinciguerra eine wichtige Aussage gemacht, die erkennen lässt, welche Motive hinter dem Attentat von Peteano steckten, das er selbst geplant und ausgeführt hat:

Peteano war eine Kriegserklärung [gegen den staatlichen Machtapparat] mit einem sehr einfachen Motiv:

Die politischen Kräfte, die sich der Geheimdienste, der Polizei, etc. bedienen, haben die faschistischen Gruppierungen in Italien seit langem manipuliert, schon seit 1945. Peteano war eine symbolische Auflehnung gegen diese Manipulation, eine Vergeltungsaktion gegen den Staat.“

Der größte „Knall“ während des Gerichtsverfahrens zur Aufklärung des Peteano-Anschlages war aber die Aussage Vinciguerras, diese geheimen Machtstrukturen in Italien seien verbunden mit ausländischen westlichen Geheimdiensten, vor allem der CIA. (53:42 Casson Interview)

Dies bestätige auch General Gianadelio Maletti, ehemaliger Geheimdienst-Chef in Italien von 1971-1975, während des Strafprozesses über den Bombenanschlag auf der Piazza Fontana (1969). Er sagte, die CIA wollte einen Nationalismus erschaffen, „der den Linksruck in Italien aufhalten sollte und für diesen Zweck, habe man auch rechts-extremen Terror eingesetzt. Das sei wohl auch in anderen Ländern so gewesen.“

Vinciguerras Beschreibung der Gladio-Strukturen im Prozess war so detailliert, dass die Hintermänner im italienischen Geheimdienst in Panik gerieten, weil sie gedacht hatten, die Organisation in einzelne „Zellen“ (wo jede nur so viel erfährt, wie sie zur Ausführung ihrer Aufgaben braucht – „need to know“) hätte diese Einsichten verhindert.

RECHTER TERROR – AUF LINKS GEBÜGELT

Die Bombenattentate (der als Werkzeuge benutzten „kleinen“ Faschisten) sollten aber nicht nur „Terror“ (also große Angst und Abscheu) auslösen, sondern vor allem den „Linken“ in die Schuhe geschoben werden. In Italien hatten die Kommunisten und Sozialisten nach dem Krieg großen Zulauf (kein Wunder, bei der großen Armut in weiten Teilen der Bevölkerung und einer quasi feudalen Herrschaft der Oberschicht, die von Adel, Kirche und Mafia unterstützt wurde).

Nach Umfragen war 1948 mit einem Stimmenanteil von 30% zu rechnen, während die Christdemokraten nur mit etwa 25% rechnen konnten. Die „rote Gefahr“ wäre also als stimmenstärkste Partei in der Lage gewesen, eine Koalition zu bilden und damit wären „Kommunisten“ in die Regierung gekommen – für die Fanatiker des kalten Krieges eine Horrorvorstellung. Das musste um jeden Preis verhindert werden – was dann auch geschah.

In der ersten Phase verübten die Neo-Nazis (als Werkzeug der geheimen Strukturen) Bombenattentate, um die „Linke“ zu diskreditieren und politisch zu schwächen: jeder Versuch von Sozialdemokraten, mit den Kommunisten eine Partei der nationalen Einheit zu bilden, sollte dadurch unterbunden werden.

In der zweiten Phase wurden (nachdem die Studenten 1968 radikalisiert wurden) dann linke „militante“ Gruppen infiltriert, manipuliert und radikalisiert. Diese subversive Form der „Organisation“ wird im dritten Teil der BBC-Doku von mehreren Insidern bestätigt. Darunter Oswald le Winter, ehemaliger CIA Agent:

Baader-Meinhof, die Roten Brigaden, Action direct, etc. sie wurden alle von den Geheimdiensten penetriert und missbraucht…

(Hermann Scheer zu den Gladio Enthüllungen in Italien)

2.3 THE FOOTSOLDIERS (die benutzten, menschlichen „Werkzeuge“)

aldo-moro-sequestratoBRNeben dem Bombenterror in Belgien (Brabant Massaker) und der Aufdeckung faschistischer Trainingslager für Jugendliche in den Ardennen, steht die Entführung und Ermordung des italienischen Premierministers Aldo Moro im Mittelpunkt des letzten Teils der BBC-Doku. Auch sie wurde ja zunächst den Roten Brigaden zur Last gelegt, diese Tat konnte aber nicht ohne Mitwirkung des italienischen Sicherheitsapparates stattfinden, wie im Film auch gezeigt wird. Laut Vinciguerra

waren alle Mitglieder der Roten Brigaden der Polizei und den Geheimdiensten bestens bekannt“

und einer der Gründer der Gruppe (die beide während der Entführung Moros in Haft waren) sagt aus, dass der Geheimdienstagent, der die militante Organisation infiltriert hatte, [Mario Moretti] sich so viel Vertrauen erschlichen hatte, dass man ihn zum Leiter der militärischen Ausbildung machen wollte.

Diese Erkenntnisse sollten uns auch in der Gegenwart dazu verhelfen, die Märchen über derzeit aktuelle „Terrorgruppen“ zu durchschauen …

CIA-SCHATTENTHEATER: BRIGATE ROSSE  (DIE MARIONETTEN)

Mario MorettiDie Roten Brigaden hatten enge Beziehungen zu einer Sprachschule in Paris mit dem Namen „Hyperion“. Deren Gründer waren Corrado Simioni, Duccio Berio und Mario Moretti.

Simoni hatte für die CIA in ihrem Propagandasender Radio Free Europe gearbeitet Duccio Berio war Informant für den italienischen Geheimdienst, Moretti beschaffte Waffen und war ebenfalls ein „asset“ der CIA. (Er war der Organisator der Moro Entführung und hat ihn auch persönlich erschossen. In einem Polizeibericht war zu lesen: „Hyperion sei [zu dieser Zeit] das wichtigste CIA-Büro in Europa“.

Nur wenige Wochen vor der Moro Entführung im März 1978, hatte Hyperion eine Zweigstelle in Italien eröffnet, die kurze Zeit später wieder geschlossen wurde. Aldo Moro war eine „Gefahr“ für die faschistischen Verschwörer, weil er mit den Kommunisten eine Einheitsregierung bilden wollte, um damit die zermürbende, politische Instabilität zu beenden. Nach einem Besuch in Washington hatte er seiner Frau erzählt, dass ihn Henry Kissinger davor gewarnt habe, diesen Weg weiterzuverfolgen. Er werde dafür „teuer bezahlen“ und solle den Anweisungen der US-Regierung folgen, wenn seine Frau nicht „Jackie Kennedy Gesellschaft leisten“ solle.

The Sphinx MorettiMoretti wurde erst Jahre später [nach Moros Tod] festgenommen, obwohl lange bekannt war, dass er die Entführung organisiert hatte. Seine „mehrfach lebenslängliche“ Haft wurde nie umgesetzt, er wurde vom Präsidenten persönlich begnadigt und 1998 freigelassen. 1984 kam der venezianische Untersuchungsrichter Carlo Mastelloni zu dem Schluss, dass die Roten Brigaden Waffen über die PLO erhalten hatte. Diese wiederum fungierte nur als „conduit“ für die CIA, wie andere Untersuchungen ergaben.

Ich schließe daraus, dass auch die PLO letztlich ein manipuliertes Gewaltinstrument westlicher Politik war, wie es später eben „Al Kaida“, AQAP, Boko Haram, ISIS, usw. sind. Aus legitimen Widerstandsgruppen (gegen ausländische Aggression, Besatzung) wurden brutale „Extremisten“ gezüchtet, die man zu Terroranschlägen (und heute sogar Bürgerkriegen und ethnischen Säuberungen) anstachelt, um damit bestimmte politische Ziele zu erreichen. Man erschafft ein „Monster“, das man als politische Waffe einsetzen kann, und damit wird dann die eigene Gewalt und Skrupellosigkeit legitimiert … 

Nach Moros Ermordung veröffentlichte der Journalist „Mino“ Pecorelli (1978) mehrere Artikel, in dem von einer „strahlenden Supermacht“ im Hintergrund die Rede ist, die die Roten Brigaden gesteuert habe. Ein Jahr später war auch Pecorelli tot. Man fand ihn erschossen in Rom auf.

DallaChiesaEbenso erging es dem Chef der Carabinieri, General Carlo Alberto Dalla Chiesa, der allem Anschein nach Pecorelli einige Briefe von Moro zugespielt hatte, die die Existenz der Gladio-Strukturen offenbarten. Er wurde nach Sizilien versetzt und dort von der Mafia 1982 ermordet. Thomas Buscetta, ein Informant aus Mafiakreisen, sagte 1979 unter Zeugenschutz aus, Andreotti habe beide Morde angeordnet, um sich selbst zu schützen.  In der BBC-Doku sind die Worte von Francesco Cossiga (Innenminister zum Zeitpunkt von Moros Tod) äußerst verräterisch: „…als ich die Entscheidung traf, die mir über Nacht weiße Haare bescherte, Moro zu opfern, um die Republik zu retten … 

Das internationale Netzwerk der Freimaurer, speziell die Loge „P2“ in Italien, hatte eine wichtige Rolle in diesem deep state. „Oswald le Winter“, der CIA Agent, beschreibt P2 in der BBC-Doku so:

“… a wholly owned subsidiary of the company (CIA)… for the furtherance of American aims and politics in Western Europe”

Vinciguerra (einer der intelligentesten „Terroristen“, von denen ich je gehört habe) beschreibt die Ziele der politischen Hintermänner so:

Destabilisierung (das Code-Wort für Subversion, Terror und Mord) um zu „stabilisieren“: Spannung in einem Land zu erzeugen um konservative, reaktionäre soziale und politische Tendenzen zu stärken.“

Extreme Gewalt, die man der Linken in die Schuhe schiebt um die eigenen Maßnahmen zu rechtfertigen …

Der eskalierende Bombenterror („Strategie der Spannung“) in Zahlen (nur für Italien):

1968: 147 Anschläge … 1969: 398 Anschläge …. 1978: 2.500 Anschläge

DIE BEWEISE VERDICHTEN SICH

1990 erhielt der venezianische Untersuchungsrichter Casson von Premierminister (Andreotti) die Erlaubnis, die Archive des italienischen Militär-Geheimdienstes (SISMI) zu untersuchen. Dort fand er ausreichende Beweise für die Existenz des Gladio-Netzwerkes und für die Verbindungen zur NATO und der amerikanischen Regierung (die von der CIA dominiert wird).

Im August musste Andreotti schließlich vor dem Parlament zugeben, dass Gladio existiert, behauptete aber die geheimen Strukturen wären 1972 aufgelöst worden (diese Lüge wurde aber schon bald von der italienischen Presse entlarvt). Daraufhin räumte der italienische Premier schließlich auch ein, dass Gladio mit der NATO verknüpft war.

Dazu schreibt Daniele Ganser: (Wie Andreotti enthüllte, war Gladio gut bewaffnet):

Die Ausrüstung (von der CIA zur Verfügung gestellt) war in 139 Verstecken im ganzen Land verstreut: in Wäldern, Wiesen und sogar unter Kirchen und Friedhöfen vergraben. Nach Angaben von Andreotti gehörten dazu „tragbare Waffen, Maschinengewehre, Munition, Sprengstoff, Phosphorbomben, Handgranaten, Messer und Dolche, 60 mm Mörser, 57 mm rückstoßfreie Gewehre, Scharfschützen-Gewehre, Funkgeräte, usw.“

In der BBC-Doku ist zu sehen, wie ein italienischer Priester, Pater Giuciano, davon erzählt, wie neben seiner Kirche ein solches Waffenlager ausgehoben wurde, als Folge der Aussagen von Andreotti. Dieser leugnete jedoch, dass die Gladio-Strukturen etwas mit den Terroranschlägen in Italien zu tun hätten (kein Wunder: die „Christ-Demokraten“ waren ja selbst Teil dieser Machenschaften (siehe dazu auch die Entführung und Ermordung von Aldo Moro) und deren größte Profiteure …)

Doch eine parlamentarische Untersuchungskommission in Italien räumte im Jahr 2000 alle Zweifel an der Beteiligung von “Gladio” an den Terroranschlägen endgültig aus:

Diese Massaker, diese Bombenanschläge, diese militärischen Aktionen wurden organisiert, gefördert und unterstützt von Männern aus den staatlichen Institutionen Italiens und – wie erst kürzlich entdeckt wurde – von Männern, die zu den geheimdienstlichen Strukturen der Vereinigten Staaten gehören.“ (Ganser, Seite 14)

Ein größerer Skandal wurde wieder einmal mithilfe der Medienschafe verhindert, weil deren Aufmerksamkeit schon bald von Italien weg in den Nahen Osten gelenkt wurde.

Fast zeitgleich mit den Enthüllungen Andreottis begann Saddam Hussein seine Invasion von Kuwait (nachdem ihm die USA dafür scheinbar „grünes Licht“ gegeben hatte. Mit diesem konstruierten „Sarajewo“ des dritten Jahrtausends wurde ja dann der Golfkrieg eingeleitet und (durch weitere Lügen) legitimiert.

GLADIO IST INTERNATIONAL

Doch in anderen Ländern ging der Skandal weiter: in Griechenland gab Ministerpräsident Papandreou zu, dass auch in seinem Land solche geheimen Strukturen existierten. In Deutschland wurden Schockwellen ausgelöst, als bekannt wurde, dass ehemalige SS-Offiziere in die deutsche Version von Gladio involviert waren. Andere Länder folgten (wie Portugal und Spanien, wo der ehemalige Verteidigungsminister das sarkastische Bonmot fallen ließ:

„Es ist doch kindisch zu fragen, ob unter dem Diktator Franco eine geheime, faschistische Armee im Land existiert hat, weil „bei uns „Gladio“ die Regierung (selbst) war.

aber nur in Belgien, der Schweiz und Italien wurden Untersuchungskommis-sionen eingesetzt.

Das belgische Parlament entdeckte, dass diese geheimen, paramilitärischen Netzwerke noch immer aktiv waren. Sie fanden Unterlagen, die bestätigten, dass noch am 23. und 24. Oktober 1990 ein geheimes Treffen in Brüssel stattgefunden hatte und zwar unter dem Vorsitz von General Raymond Van Calster, dem Chef des belgischen Militärgeheimdienstes SGR.

Francois Mitterand (nicht umsonst in Frankreich als „Sphinx“ bezeichnet) behauptete, in Frankreich sei dieses Netzwerk längst aufgelöst worden,

de_gaulle(doch dessen Beteiligung – mit dem erz-katholischen, fanatischen Offizier Yves Guerin-Serac als Terror-Paten – an den dutzenden, gescheiterten Attentaten auf Präsident Charles de Gaulle hat er vergessen zu erwähnen; Präsident de Gaulle wollte die Kolonie Algerien in die Unabhängigkeit entlassen, was die französischen Offizierseliten als neuerliche Schmach, nach dem Verlust von “Indochine“ (Vietnam) ansahen und ihn dafür hassten. Diese Gefühle wurden von den USA instrumentalisiert, denn de Gaulle war auch für Washington ein Dorn im Auge.

Er erkannte, dass durch die NATO Westeuropa zum politisch-militärischen Vasall Amerikas degradiert wurde und er begriff auch, welche amerikanische Schlange er hier ins französische Haus gelassen hatte. In der Folge warf de Gaulle die NATO-Kanaille deshalb aus Frankreich hinaus, worauf sie bekanntlich nach Brüssel zog und heute die Militarisierung Europas gegenüber Russland u.a. vorantreibt.)

wurde aber von den Aussagen Andreottis Lügen gestraft: Er sagte, die Franzosen (von Gladio) hätten an dem jüngsten Treffen in Brüssel auch teilgenommen.

ENGLAND: PERFIDE ALBION

In totales Schweigen hüllten sich britische Regierungsmitglieder – kein Wunder, war der britische Geheimdienst MI6 doch die „andere Hälfte“ der Gladio-Geburtshelfer in Europa:

Wie ein ehemaliger CIA-Agent in der BBC-Doku erzählt,

war von Anfang an Gladio in zwei Einflussbereiche unterteilt: einen britischen und einen amerikanischen, das wurde bei dem Abkommen zwischen Allan Dulles (Chef der OSS, später CIA) und Sir Stuart Menzies (damals Chef von MI6, dem britischen Auslandsgeheimdienst) ausgehandelt …“.

Ganser Gladio mapDie USA waren also „pro-aktiv“ (subversiv) zuständig für: Deutschland, Frankreich, die nordischen Staaten, Griechenland, Türkei und Italien; aber auch in den neutralen Ländern (Schweiz, Österreich, Finnland) wurden subversive, anti-demokratische Strukturen etabliert.

Die britische Regierung „kümmerte sich“ im speziellen Sinn um die Niederlande, Belgien, Dänemark, Portugal und Spanien.

Das große Schweigen aus London wurde aber nicht zuletzt durch eine Ausstellung im Imperial War Museum in London entlarvt, in der die Existenz dieser geheimen Strukturen („Secret Wars“) bestätigt wurde. Kurze Zeit später bestätigten zwei ehemalige Mitglieder der Marine, dass sie in der Nähe von Portsmouth (in Fort Monckton) gesehen hätten, wie MI6 und SAS ausländische „Gladiatoren“ trainiert hatten. Dies wurde auch durch investigative Reportagen der britischen Presse untermauert.

S.A.S emblem

SAS Emblem

Die Rolle der „Eliteeinheit“ SAS (elitär im Sinne von jemand, das sich als „auserwählt“ betrachtet, für den Staat Verbrechen zu begehen, also eine Art britische SS) im Training von Terror-Gladiatoren war erheblich und wird auch in der BBC-Doku erwähnt. Sie spielte auch eine zentrale Rolle bei der Anlage der Waffenverstecke in West-Deutschland. Diese Informationen kamen im Zuge der schweizerischen Untersuchungskommission zu Gladio ans Licht (dort hieß die Einheit P26). Die Ironie dabei war, dass die britische Regierung (jedenfalls ihre Geheimdienste) offenbar mehr über die geheime P 26 Truppe wusste, als die Regierung in Bern (was natürlich auch eine Schutzbehauptung sein könnte).

Gladio logo

Gladio Emblem

Nach Angaben eines ehemaligen Mitgliedes von P 26, Alois Hurlimann, wurden im Zuge der militärischen „Übungen“ auch echte Einsätze durchgeführt: Er habe im Mai 1984 an einem solchen, geheimen Training in England teilgenommen, bei dem ein echter Angriff auf ein Waffenlager der IRA durchgeführt wurde. Dabei sei mindestens ein IRA-Mitglied getötet worden. (Ganser, Seite 45)

Zur Frage, wieviel die Regierungsmitglieder dieser Länder davon wussten, sagt der ex-CIA Mann (Oswald de Winter):

Nur Leute, die amerikanischen politischen Zielen freundlich gesinnt waren, wurden informiert. Die anderen wussten gar nichts.“

Na, das ist ja nicht wirklich eine Überraschung. Man muss sich heute nur fragen, zu welcher Kategorie gehört wohl Merkel?

(Deutschlands Rolle im Gladio-Netzwerk ist eine eigene Geschichte …)

DIE REAKTION DER EU

Insgesamt waren (mindestens) 12 EU-Länder betroffen und am 22. November 1990 wurde der Skandal im europäischen Parlament debattiert und dann eine Liste von Forderungen beschlossen, die zu einer Aufklärung und Strafverfolgung führen sollten.

Doch wie Daniele Ganser in seinem Buch so treffend feststellt: Der Hund bellte laut, er biss aber nicht.

Bis heute wurde keine der acht Forderungen wirklich erfüllt und von einer Rechenschaft oder Strafverfolgung der verantwortlichen Politiker, Militärs, Geheimdienste, etc. kann keine Rede sein.

DIE REAKTION DER NATO (North Atlantic Terror Organisation?)

Gladio CottrellDie Reaktionen von NATO, CIA und MI6 sind ebenfalls nur als schändlich zu bezeichnen. Zuerst bestritt der NATO Pressesprecher alle Vorwürfe (eigentlich Tatsachen), doch später gab er indirekt die Involvierung zu.

NATO-Generalsekretär Manfred Wörner hat am 7. November 1990 in einer geheimen Sitzung mit 16 NATO-Botschaftern bestätigt, dass seit 1952 SHAPE (Vorgänger von NATO) die Aktivitäten von Gladio koordiniert habe. Dieser spezielle Planungsstab wurde von amerikanischen Militärs geleitet, unterstützt von britischen und französischen Kollegen und natürlich war auch CIA immer dabei.

Diese Informationen stammten von General John Galvin, damals SACEUR, der ranghöchste NATO-Offizier in Europa und wurden an die spanische Presse weitergegeben. Man gab zu, dass SHAPE die Zentrale für Gladio war, aber mehr nicht. Ansonsten hieß es immer „kein Kommentar zu Geheimsachen“.

Laut Ganser ergaben weitere Recherchen, dass Gladio über das CPC (Clandestine Planning Committee) bzw. das untergeordnete ACC (Allied Clandestine Committee) gesteuert wurde. Der italienische General Paolo Inzerilli (Kommandeur von Gladio zwischen 1974 und 1986) sagte vor Gericht aus, dass „die allgegenwärtige USA“ das CPC stets dominiert habe, das vom SACEUR ins Leben gerufen wurde.

Laut General Gerardo Serravalle (Gladio-Kommandeur von 1971-1974 und ebenfalls in der BBC-Doku zu sehen) waren die Mitglieder des CPC (Offiziere) für die geheimen Strukturen in den jeweiligen Ländern verantwortlich.

Die Schnittstelle zwischen SHAPE und den zivilen Geheimdiensten wurde von „ITAC“ ausgefüllt, das nominell zum US-Militär gehörte, aber in Wahrheit immer von CIA-Leuten besetzt war (siehe dazu BBC-Doku, Teil 2). Die Besprechungen dieser höchsten Exekutivorgane fanden ein- bis zweimal jährlich in Brüssel statt.

Die CIA hat auf Anfragen immer die gleiche Antwort parat: „Wir können diese Angaben weder bestätigen noch widerlegen…“

fascist-us-flagSchließlich tauchten geheime SHAPE-Dokumente auf, aus denen hervorging, dass „extrem-rechte“ Gruppen (sprich: Nazis) vor Strafverfolgung geschützt werden müssen, weil sie im Kampf gegen den Kommunismus sehr nützlich seien. Demnach existiert ein geheimer Appendix zu den NATO-Beitrittsverträgen, wonach sich die Unterzeichnerstaaten verpflichten, politische Verbrechen dieser Dual-Use-Faschisten strafrechtlich NICHT zu verfolgen. (Was so manche seltsamen Vorgänge in Deutschland erklären könnte …)

Obwohl es mittlerweile also eindeutige Aussagen von Beteiligten des Netzwerkes gibt, wird weiterhin so getan, als ob diese Verbrechen nie stattgefunden hätten, was ja im Fall der USA „normal“ ist … (Pinter, again …)

Als Schlusswort dieses Artikels soll ein aufschlussreiches Statement aus dem Untersuchungsbericht des italienischen Parlaments (1995) dienen:

Puppetmasters coverMan kommt ohne jeden Zweifel zum Ergebnis, dass Elemente der CIA in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre eine massive Operation begonnen haben, in der unter Einsatz aller Mittel, die Ausbreitung von linken Bewegungen europaweit verhindert werden sollte.“

Diese Operation hat nie aufgehört ….(und schon viel früher angefangen ..)

Mehr interessante Bücher über Gladio (speziell über Italien)

  • GLADIO: THE SECRET U.S. WAR TO SUBVERT ITALIAN DEMOCRACY – ARTHUR E. ROWSE
  • THE BLACK PRINCE AND THE SEA DEVILS – JACK GREENE AND ALESSANDRO MASSIGNANI
  • PUPPETMASTERS: THE POLITICAL USE OF TERRORISM IN ITALYPHILIP P. WILLAN

 

 

 

 

Terror-Charade in Paris: Bête et méchant?

And all knowledge, when separated from justice and virtue, is seen to be cunning and not wisdom; Plato

the great charade

Dollar u akbar!

Am helllichten Tag (7. Jänner, gegen 11:30 Uhr) wird mitten in Paris ein Terroranschlag verübt. Zwei bewaffnete, total vermummte Männer steigen aus einem schwarzen Citroen, stürmen ein Gebäude in der Rue Nicolas Appert Nr. 10, geben mehrere Schüsse ab und verschwinden dann wieder mit dem (mitten auf der Straße geparkten) Auto.

In den 22 Uhr-Nachrichten von „France 24“ erfährt man, dass bei dem Anschlag 12 Menschen getötet wurden. Das Ziel der „Terroristen“ waren die Redaktionsräume des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“. Dort erschossen sie acht Mitarbeiter, darunter drei der „besten Cartoonisten Frankreichs“, und den Herausgeber Stéphane Charbonnier während eines Redaktionsmeetings.

Der Polizist, der nach Morddrohungen und einem Brandanschlag (2011) zum Schutz von „Charb“ vor Ort war, wurde ebenfalls getötet. Sein Name ist (Brigadier) Franck Brinsolaro (49).

Ahmed Merabet killed 701 CHDas zweite Mordopfer aus den Reihen der Pariser Polizei war Ahmed Merabet (42) der im 11. Bezirk eingesetzt war. Seine brutale Ermordung auf offener Straße wurde in einem Videoclip festgehalten, in dem zu sehen ist, wie er – verletzt am Boden liegend, vor Schmerzen stöhnend – von einem der Profikiller aus nächster Nähe mit einem Kopfschuss exekutiert wird.

Weitere Opfer waren der Handwerker und Vater von zwei Kindern, Frederic Boisseau (42) und Bernard Maris (68), non-konformer Ökonom am Institut für Europäische Studien der Universität von Paris und Mitglied des Aufsichtsrates der Banque de Paris. Er schrieb unter dem Namen „Onkel Bernard“ Artikel für Charlie Hebdo. Die scheinbar „zufällige“ Ermordung von Maris müsste dringend separat untersucht werden, doch sein Name wird in den Medien kaum erwähnt.

Bernhard MarisMarin hat die Tyrannei der orthodoxen Ökonomie entlarvt: „die Wirtschaft“ ist kein mathematisch-logisches Universum, dessen Regeln sich die Menschen – wie bei Naturgesetzen – unterordnen müssen, sondern ein soziales Konstrukt, bei dem es in Wahrheit um Macht, Klassenherrschaft und politische Intrigen geht. Auch psychologische Phänomene werden von ihm durchleuchtet (Herdenverhalten, Freud´sche Interpretation, etc.). Die Dogmen von gnadenlosem “Wettbewerb” und endlosem “Wachstum” führen unausweichlich in die Katastrophe, weil sie mit dem „Mensch-Sein“ unvereinbar sind (wie auch Erich Fromm richtig erkannte) und die Lebensgrundlagen zerstören: So schreibt Marin z.B.

Die Menschheit lebt länger … aber auf Kosten der Verarmung des Lebens: die Homogenisierung der Gesellschaft, die Standardisierung des Planeten, die „Slum-ifizierung“ der Welt und das Verschwinden der Schönheit der Natur“.

open letter to eCONs who take us for foolsMarin entwarf auch alternative Szenarien für ein Wirtschaftssystem, das auf Solidarität und Kooperation beruht. In einem unbeachteten Interview erklärte er, dass Banken „Geld aus dem nichts“ erschaffen (was dann „Kredit“ heißt und wofür ein x-faches an Zinsen und Zinseszinsen kassiert wird und letztlich ganze Staaten (also wir) als Schuldsklaven enden … der größte Betrug aller Zeiten).

Die Ermordung der 12 Menschen in Paris ist eine Tragödie, aber sein Tod ist nach meiner Ansicht der größte Verlust für unsere Gesellschaft und ich frage mich, wer davon profitiert.

Stattdessen werden die getöteten Journalisten posthum zu Quasi-Heiligen stilisiert, die als eine Art Jean(ne) d’Arc der Rede- u. Pressefreiheit den Status von Nationalhelden erhalten. (Aus diesem Grund werden ihre Namen hier nicht erwähnt, sie erhalten ja bereits mehr als genug Aufmerksamkeit in den Massenmedien).

RÜHRSELIGKEIT STATT KRITISCHE HINTEFRAGUNG

Je suis Charlie CH websiteFrankreich ist erschüttert und in ganz Europa gibt es (wie auf Knopfdruck) spontane Solidaritätskundgebungen („Je suis Charlie“ im Kerzenlicht) mit den ermordeten Journalisten (die mich auf unheimliche Art an „swarming“ erinnern). Die Rede- und Pressefreiheit muss verteidigt werden, so der Tenor, weil als Grund für den Anschlag „Islam-kritische“ Karikaturen vermutet werden. Das Pariser Magazin hatte in den letzten 10 Jahren immer öfter provozierende / diffamierende Zeichnungen und Texte abgedruckt, in denen Muslime (generell) bzw. der Prophet Mohammed als Witzfiguren dargestellt werden.

PROVOKATION  ALS  MISSION?

Charlie 8 Feb 2006Am 9. Februar 2006 erschien das Satire-Magazin z.B. mit der Schlagzeile „Mohammed von Fundamentalisten überwältigt“. Darunter war eine Karikatur des weinenden Propheten mit einer Sprechblase zu sehen: C’est dur d’être aimé par des cons

Es ist schwer, wenn man von Idioten verehrt wird“ („con“ kann auch Arschloch bedeuten)

2011 wurde eine Sonderausgabe herausgebracht, die als „Sharia-Hebdo“ bezeichnet wurde.  Auf dem Titelblatt war eine Karikatur eines Muslims mit dem Text „100 Peitschenhiebe, wenn du dich nicht totlachst“. (siehe unten) Im Blattinneren wurden die Vorteile einer „verwässerten“ Sharia illustriert, wozu auch die „weniger offensichtliche Polygamie“ gezählt wurde (mehrere, total verschleierte Frauen, die eine sogenannte „Burka“ tragen). Die Herausgeber schreckten auch nicht davor zurück, im Ressort “Style“ Karikaturen von Frauen zu zeigen, deren abgehackte Hände manikürt wurden.

In dieser Spezialedition wurde nicht der islamische Extremismus satirisch kritisiert, sondern Texte aus dem Koran durch Karikaturen ins Lächerliche gezogen, die das Leben des Propheten Mohammed beschreiben.

Charlie Hebdo hatte auch die umstrittenen Karikaturen der dänischen (sehr „rechten“) Zeitung Jyllands-Posten abgedruckt, ganz nach dem Motto „jetzt erst recht“. Auch hier wurde natürlich die Pressefreiheit als „Recht“ verteidigt. Welchen politischen Zwecken aber diese Provokationen gedient haben (oder welche Stimmung damit geschürt wurde), wurde kaum diskutiert, ganz zu schweigen vom geopolitischen Kontext und der Rolle Frankreichs bei der Bewaffnung der synthetischen Terroristen im Nahen Osten.

(Angesichts der Tatsache, dass 90% der Journaille in Europa nur mehr als Fließband für Propaganda, Desinformation und „Perception Management“ funktioniert, kann die plötzliche Hochhaltung der Pressefreiheit – ausgerechnet durch die Politik – nur mehr als zynische Realsatire betrachtet werden.)

CRIME  DOES  PAY (in A SINISTER WAY)

Charlie Hebdo 100 lashesDiese Ausgabe war sehr erfolgreich (die Auflage verdoppelte sich) und Kritiker werfen dem Magazin vor, es habe (opportunistisch) die Islamophobie geschürt, weil sich damit einfach mehr Geld verdienen ließe. Die Zeitung soll sich in finanziellen Schwierigkeiten befunden haben, die nach dem Massaker ein dramatisches Ende gefunden haben: großzügige Spenden sind eingelangt (darunter alleine 250.000 Euro von Google) und die nächste Auflage soll über eine Million Exemplare bringen, die in 16 Sprachen erhältlich sein wird.

LA  GRANDE  MASQUERADE  TERRORISTE

Nate Beeler Cartoon CHWozu sich die Täter völlig vermummt haben, wenn sie nach der Tat „Allah u akbar!“ rufen und dann auch noch „das ist die Vergeltung für die Beleidigung des Propheten“ bleibt ein Rätsel. Diese „islamistische“ Visitenkarte engt den Kreis der Verdächtigen gewaltig ein, doch diese Vorstellung hätten sich die Täter sparen können, denn nach 13 Jahren Konditionierung in den Medien nimmt ohnehin (fast) jeder Zuschauer automatisch an, dass solche Terroranschläge von „radikalen Islamisten“ verübt werden.

Die beeindruckende Metamorphose der Extremisten vom primitiven „Selbstmordattentäter“ mit gebastelter Bombe zu perfekt organisierten „Killerkommandos“ (à la OAS), die ein solches Massaker mit eiskalter Präzision und großer „Gelassenheit“ abwickeln, hat uns auch noch niemand plausibel erklärt.

McClatchy Headline Calm KillersDer „Dschihadist“, wie er uns in den letzten Jahren vorgeführt wurde, will ja als Märtyrer und Held in die Geschichte eingehen, deshalb will und braucht er sich ja auch nicht verkleiden. Er zündet eine Bombe und bringt sich dabei auch selbst um. Doch die Gelassenheit und „Professionalität“ dieser beiden vermummten Killer (am helllichten Tag mitten in Paris Polizisten umzubringen und ein Massaker zu begehen, als ob sie garantiert ungestraft davonkommen) steht im krassen Widerspruch zu den theatralischen Ausrufen, die das Publikum davon überzeugen sollen, dass es sich hier um „Islamisten“ handelt.

al-qaeda1Das Schauspiel ist offensichtlich absurdes Polit-Theater: Vor Verlassen des Tatorts muss natürlich mindestens einmal erwähnt werden, dass man für „Al Kaida“ tätig sei;

 

OPERATION MOCKINGBIRD 2.0

Corcy SFP searching for the terror suspectsDass unsere demente Journaille sich dabei mit jeder, noch so dämlichen Story „füttern“ lässt, konnte man am Freitag im „Brennpunkt„ der ARD erleben, wo uns allen Ernstes mitgeteilt wird, einer der gesuchten „Täter“ habe den Nerv gehabt, seelenruhig mit einem französischen Fernsehsender zu telefonieren (in der Druckerei, wo sie sich – angeblich mit einer Geisel – verschanzt hatten, während draußen hunderte, schwer bewaffnete Polizisten, Scharfschützen, Helikopter, etc. lauerten, mit dem Ziel, die beiden Männer zu töten (das ist immer in solchen „PSY-OPS“ unvermeidlich, weil die „patsies“ natürlich nichts mehr sagen (können) dürfen, damit die offizielle Story nicht ins Wanken gerät (siehe Sydney, Ottawa, aber auch schon Lee Harvey Oswald …).

Merke: Die Polizei erschießt zwei „mutmaßliche Täter“ (nach einer Orgie von „framing“ im Rahmen einer bewusst geschürten „nützlichen Welle der Empörung und Angst“ (General Lemnitzer läßt grüßen), und man behauptet einfach, dass sie die Tat begangen haben. Diese publikumswirksame Anti-Terror-Show wird „untermauert“ mit ausführlichen Details über deren Entwicklung zum „Extremisten“ die man in der Zwischenzeit der Papageien-Presse zugespielt hat.

Ellis Röder „berichtet“, Cherif sei ans Telefon gegangen (die Journalisten hätten einfach dort angerufen) um der Welt mitzuteilen, dass er von Al Kaida im Jemen finanziert werde. Seine Aussage, er habe keine Zivilisten getötet, passt nicht ins Konzept, wird aber nicht weiter hinterfragt. Auch der zweite „Terrorist“ (im koscheren Supermarkt) hat sich – während einer Geiselnahme – für ein Telefoninterview zur Verfügung gestellt und dann auch noch „das Telefon nicht richtig aufgehängt“ sodass die Polizei mithören konnte (!)

Man habe sich „abgestimmt“ … und er habe bewusst einen „jüdischen Supermarkt“ ausgewählt, um „unterdrückte Muslime in Palästina zu verteidigen“.

Was diese unterdrückten Palästinenser denn von so einer Idiotenaktion hätten, darf man sich allerdings nicht fragen. Aber wir erkennen ein bekannte Muster: jedes Mal, wenn die Palästinenser durch eine friedliche Aktion international weiterkommen, muss ein Gewaltakt inszeniert werden, um das Zerrbild vom gewalttätigen, arabischen Monster in Erinnerung zu rufen:

CRYING  &  SHOOTING  IN  ACTION

Talk about Chuzpah. Die „Informationsabteilung” (MISO) der israelischen Geheimdienste leistet wieder einmal ganze Arbeit: seit 911 werden Muslime (praktisch weltweit, aber beschränken wir uns hier auf Europa) dank einer gigantischen Propaganda-Maschinerie mit großem Misstrauen betrachtet, diffamiert, schikaniert, unter Generalverdacht gestellt und hunderte von ihnen wurden auch grundlos verhaftet, verschleppt („rendition flights“), auf ekelhafte Weise psychisch und physisch gefoltert, und zu „Geständnissen“ genötigt und dann verurteilt (oder nach Guantanamo und andere „Lager“ gebracht, wo sie gequält und gedemütigt werden, obwohl sie nichts verbrochen haben).

Doch nicht sie sind die zu bedauernden Opfer dieser geopolitischen Charade (der „War on Terror“ ist die größte massenpsychologische Operation, die es je gab – selbst Goebbels wäre vor Neid erblasst …), Nein, sondern (wieder einmal) die Juden.

Iraq death USquads

Horror im Irak nach der „Befreiung“ durch die USA

Was sind hunderttausende tote Muslime, Millionen von Flüchtlingen, zerstörte Gesellschaften (Afghanistan, Libyen, Irak, Syrien ist noch „in Arbeit“), sieben Jahrzehnte schwere Menschenrechtsverletzungen in Palästina gegen ein Häufchen jüdischer Franzosen, die in einem kosheren Supermarkt „als Geiseln“ genommen werden? (Was nicht verharmlost, aber relativiert werden soll). Offenbar nichts. Wenn Juden bedroht sind, große Schlagzeilen, wenn Araber/Muslime bedroht sind, so what?

Wie es ein einziger „Terrorist“ schaffen konnte, einen ganzen Supermarkt in Schach zu halten, noch dazu während einer Generalmobilmachung der Sicherheitsbehörden, konnte mir noch niemand glaubhaft erklären und das plötzliche Auftauchen einer Komplizin, die verschwunden ist, ist noch absurder.

Diese hare-brained story aber mit dem Freiheitskampf der Palästinenser in Verbindung zu bringen, zeigt eindeutig, dass in dieser Propaganda-Show Israel eine wichtige Rolle spielt.

Pal ICC approvedKein Wunder, nachdem die UN dem Antrag der Palästinenser zur staatlichen „Zulassung“ beim Internationalen Strafgerichtshof zugestimmt hat, muss sofort ein „event“ inszeniert werden, in dem die Juden als Opfer präsentiert werden begleitet von der „schrillen Rhetorik“, wie Avi Shlaim es ausdrückte, die für dieses Syndrom der pathologischen Selbstgerechtigkeit typisch ist:

It is is indeed a conflict between David and Goliath but the Biblical image has been inverted – a small and defenceless Palestinian David faces a heavily armed, merciless and overbearing Israeli Goliath. The resort to brute military force is accompanied, as always, by the shrill rhetoric of victimhood and a farrago of self-pity overlaid with self-righteousness. In Hebrew this is known as the syndrome of bokhim ve-yorim, „crying and shooting“.

Hier am Beispiel von Netanyahu:

Er nennt die Tötung der „Mörder“ (deren Schuld nie bewiesen, sondern nur behauptet wurde) „sie zur Rechenschaft ziehen“ und hämmert uns ein, dass es sich um einen „globalen Kampf“ handelt, wobei er (Israel und der Westen) die „Guten“ und die Islamisten die „Bösen“ sind, was sonst?

Alle werden über einen Kamm geschoren: Terroranschläge in Paris, in Bali, Enthauptung von Ausländern in Syrien, Kidnapping von Schulmädchen in Nigeria; Sprengung von Kirchen im Irak, Raketen aus Gaza und – natürlich – das israelische Märchen vom Atomwaffenprogramm des Iran.

Die sechs erst genannten Anschläge/ Verbrechen sind aber „synthetischer Terror“ (von westlichen Geheimdiensten produziert, inklusive Israel und Saudi Arabien), während die Raketen aus Gaza natürlich eine Reaktion auf die systemischen Verbrechen Israels gegen das palästinensische Volk sind. Dass Israel selbst über hunderte Atomsprengköpfe verfügt, und sein Atomprogramm so geheim ist, dass nicht einmal das eigene Parlament darüber Bescheid weiß, dass Israel bei Umfragen immer (gemeinsam mit den USA) als größte Bedrohung für den Weltfrieden gesehen wird, darf hier als Kontext natürlich nicht erwähnt werden.

Stattdessen betreibt Netanyahu Volksverhetzung, wenn er legitimen Widerstand gegen brutale Repression (eines Schurkenstaates wie Israel) mit selbst-gezüchteten „proxy“-Terroristen in einen Topf wird und sie als „Feinde unsere gemeinsamen Zivilisation“ bezeichnet, die man besiegen müsse.

ISIS, Boko Haram, Hamas, Al-Shabab, Al Kaida, Hezbollah – alle werden in einen Topf geworfen als „blutrünstige Fanatiker, die unsere Freiheit zerstören und eine gewalttätige, mittelalterliche Tyrannei errichten wollen.

truthinadvertising-Die „mittelalterliche Tyrannei“ gibt es ja bereits. Sie heißt Saudi Arabien und ihr Geheimdienst arbeitet wunderbar seit Jahrzehnten mit dem israelischen, den amerikanischen, den pakistanischen Kollegen, etc. zusammen, wenn es darum geht, junge Muslime zu indoktrinieren und sie dann zu „blutrünstigen Fanatikern“ auszubilden. (Siehe dazu Seymour Hersh: THE REDIRECTION – auch auf diesem Blog).

Dazu noch einmal Avi Shlaim (Israel als „einzige Demokratie“ schaut mit Verachtung auf die arabischen Despoten herab) zur politischen Realität:

Israel likes to portray itself as an island of democracy in a sea of authoritarianism. Yet Israel has never in its entire history done anything to promote democracy on the Arab side and has done a great deal to undermine it. Israel has a long history of secret collaboration with reactionary Arab regimes to suppress Palestinian nationalism. Despite all the handicaps, the Palestinian people succeeded in building the only genuine democracy in the Arab world with the possible exception of Lebanon. In January 2006, free and fair elections for the Legislative Council of the Palestinian Authority brought to power a Hamas-led government. Israel, however, refused to recognise the democratically elected government, claiming that Hamas is purely and simply a terrorist organisation

Wiliam Blum:  America's Deadliest Export

Wiliam Blum: America’s Deadliest Export

Herr Netanyahu und seine Freunde im Westen haben ja gar nichts gegen Mörder und Terrorbanden, sie müssen nur die „Richtigen“ umbringen. Sie sind ja bloß ein Werkzeug der Außen- und Geopolitik, mit dem man z.B. die Strategie des Yinon-Plans umsetzen könnte (also eine Art muslimischer „Gladio“ 2.0) um Israel als dominante Regionalmacht zu etablieren (wofür hunderttausende Muslime sterben oder aus ihrer Heimat fliehen müssen). Dass man diese alte „divide et impera“ Regel zur „divide and ruin“ Doktrin erweitert hat, macht nichts, denn schließlich ist es mit diesen „Werkzeugen“ gelungen, Kriege und ethnische Säuberungen durchzuführen, ohne sich dabei die Hände selber blutig machen zu müssen.

Die geniale Strategie (der „fitna“) lässt die „auserwählten“ Zionisten das Schauspiel genießen, wie sich die Araber gegenseitig umbringen, ihre Staaten zerfallen, um die machtpolitischen Ziele Israels (und anderer Staaten) in die Tat umzusetzen.

Zurück nach Paris …

DAS  WUNDER  DER POST-TRAUMATISCHEN  FAHNDUNG

Charlie Hebdo suspects„France 24“ kann dem erstaunten Zuschauer schon (wenige Stunden nach der Tat) am Abend des 7. Januars 2015 berichten, dass die Tatverdächtigen „zwei Brüder im Alter von 34 und 32 Jahren sind“ und der dritte gesuchte Mann ein 18jähriger Teenager ist. Das kann nur bedeuten: die Sicherheitsbehörden kennen bereits die Identität der mutmaßlichen Mörder, geben aber die Namen noch nicht preis. Wie war es möglich, sie so schnell zu eruieren?

Ein übelriechender Hauch von „911“ (nicht „4711“) liegt in der Luft: die Tatsache, dass diese furchtbare Tat durchgeführt werden konnte, lässt den logischen Schluss zu, dass die Behörden die Täter nicht als „Terrorverdächtige“ im Visier hatten, denn sonst wären sie ja angesichts des totalitären Überwachungssystems (enthüllt von Snowden) unserer Zeit wohl kaum dazu in der Lage gewesen.

Doch siehe da, wie bei „911“ wird die gigantische „Inkompetenz“ der Behörden (das Versagen, den Anschlag durch geheimdienstliche Informationsnetze und Aufklärungsarbeit zu verhindern) durch atemberaubende Schnelligkeit nach dem Attentat kompensiert:

Bereits am nächsten Tag werden in aller Frühe (in den USA noch vor Mitternacht am 7. Jänner) die Namen der Tatverdächtigen veröffentlicht: Zwei französische Staatsbürger algerischer Herkunft, Said (der ältere Bruder) und Cherif Kouachi (der jüngere) sowie der 18-jährige Hamid Mourad, dessen Nationalität „unbekannt“ sei.

Diese Informationen wurden der Presseagentur AP von der Polizei zugespielt, allerdings anonym, weil die Weitergabe dieser Informationen offiziell nicht autorisiert gewesen sei. Handelt es sich hier um ein absichtliches „leak“ an die Presse? Davon darf man ausgehen.

Erstaunlich ist, dass diese Männer einen solchen Anschlag planen und durchführen konnten, obwohl sie – wie jetzt klar wird – in den einschlägigen Kreisen der Sicherheitsbehörden („Terrorbekämpfung“) sehr wohl bestens bekannt waren, denn laut Presseberichten saß Cherif bereits im Gefängnis nachdem er im wegen terroristischer Aktivitäten verurteilt worden war.

Moment mal – wenn die Behörden über die Aufenthaltsorte der beiden Brüder Bescheid wussten, ihre „Radikalisierung“ bekannt war, ebenso ihr kämpferisches „Engagement“ im Nahen Osten, wieso konnte dann der Anschlag nicht verhindert werden? Oder wollte man das gar nicht?

Beide Brüder waren nach Presseberichten den französischen Geheimdiensten bestens bekannt. Cherif Kouachi wurde 2008 zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er sich an einem Netzwerk beteiligt haben soll, dass freiwillige Kämpfer in den Irak schickte (was automatisch mit Unterstützung für „Al Kaida“ gleichgesetzt wurde). Er wurde aber nach 18 Monaten wieder aus der Haft entlassen (lt. Reuters und deren „Quellen“ ohne Namen).

Während dieser Export von „radikalisierten Muslimen“ in Kampfzonen des Nahen Ostens bei uns automatisch als Indiz für religiösen Fanatismus gedeutet wird, sagte Cherif während seines Prozesses aus, die Bilder der Gräueltaten in Abu Ghraib (Folterungen und Demütigungen begangen von amerikanischen Soldaten) hätten ihn dazu gebracht, den bewaffnete Wiederstand gegen die amerikanischen Eroberer unterstützen zu wollen. AP wurde schon einen Tag nach dem Anschlag (von amerikanischen Behörden) mit der Information „gefüttert“, dass beide Brüder seit Jahren auf amerikanischen „Terrorlisten“ (TIDE) und der „No-Fly-List“ zu finden waren.

PSYOP, LIHOP oder MIHOP?

Diese Umstände legen den Verdacht nahe, dass dieser Terror-Anschlag gar nicht verhindert werden sollte (wie bei 911), weil man daraus politisches Kapital schlagen will.

Das Massaker selbst wurde allem Anschein nach von Profi-Killern durchgeführt („special forces“) und einfach den beiden Brüdern als „patsies“ in die Schuhe geschoben (erinnern wir uns noch an die „Boston Terror Show? Die Parallelen sind nicht zu übersehen). Nach ihrer Ermordung (ja, das war ein staatlich angeordneter Mord, weil die Getöteten ja keine Chance zur Verteidigung, im rechtlichen Sinn, hatten) konnten sie ja nichts mehr sagen und so wird die offizielle Darstellung einfach als „wahr“ akzeptiert.

Dass der ganze „Krieg gegen den Terror“ eine riesige Fata Morgana ist, die mit „911“ gezündet wurde, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Die Wurzeln dieser Strategien gehen aber viel weiter zurück:

Nato-are-nazisVon „Gladio“ bis Al Kaida & Isis, von „Nachtigall“ über Todesschwadronen in Lateinamerika bis zu den Neo-Nazis in der Ukraine und den baltischen Staaten, NATO und die „westlichen Werte“ die dahinter stehen, haben eine lange Geschichte der Kultivierung radikaler Elemente, die man als nützliche Idioten oder nützliche Tyrannen für politische Verbrechen im Inneren oder im Ausland einsetzen kann. Sollten sich diese verselbständigen, kann man ja immer noch einen Kriegsvorwand daraus konstruieren, und der Kriegswirtschaft schöne Profite bescheren.

Mehr zu „Gladio“, der „Strategie der Spannung“ und den Parallelen zur Gegenwart im nächsten Teil ..

 

Wenn Sie eine Gruppe infiltrieren, die dann Terroranschläge verübt aber nicht merkt, dass sie nur benutzt wird, das ist eine der raffiniertesten strategischen Operationen, die man sich vorstellen kann.“.

Daniele Ganser)

 

 

 

 

 

 

 

 

Ukraine (4): Goebbels in Galizien

WOHER KOMMEN DIE NAZIS IN DER UKRAINE? WER HAT SIE STARK GEMACHT UND ZU WELCHEM ZWECK?

Nazis Made in USADiese Frage sollte in der Presse an erster Stelle stehen, doch davon ist nicht viel zu sehen. Stattdessen wird weiterhin die Angst vor dem „bösen“ Putin und der „Aggression“ Russlands geschürt und von den geo-politischen Hintergründen im Kontext des US-Imperialismus abgelenkt.

Wir gehen daher selbst auf Spurensuche und dabei hilft uns der schwedische Historiker Dr. Per Anders Rudling. Mit seiner prägnanten Analyse versucht er Antworten auf folgende, wichtige Fragen zu finden:

  • Warum wurde der Nationalismus in der Ukraine (vor allem in Galizien) nach 2004 so extrem und von wem wurde er gefördert?
  • Welches politische Klima hat Svoboda an die Macht gebracht? Welche Ideologie treibt die Partei an?

Rudling profilEr zeigt auf, wie (der selektierte Präsident und „orange-braune“ Freund des Westens) Juschtschenko, seit 2004 das „Management“ der historischen Erinnerung zur Rehabilitation der Ultra-Nationalisten aus den 1930er Jahren benutzt hat. Hier einige Beispiele dafür, wie die Manipulationskampagne – die man nur als systematische Volksverhetzung bezeichnen kann – die nationalistische Stimmung in der Ukraine (vor allem im Westen) so aufheizte, dass die Neo-Nazis immer mehr Zulauf bekamen:

MINISTRY OF TRUTH: Juschtschenko erfindet die Geschichte neu

Kaum im Amt, lancierte der neo-liberale Zentralbanker und „Freund“ der USA, Juschtschenko eine historische Propagandaoffensive, die Goebbels neidisch gemacht hätte. Man könnte aber auch staatlich angeordnete „Geschichtsfälschung“ dazu sagen:

„Er gründete das „Institut für Nationale Erinnerung“, wies den Leuten, die die Archive des ehemaligen KGB verwalten, Propagandaaufgaben zu und unterstützte die Schaffung eines „Museums der Sowjetischen Besatzung“ in Kiew. Volodymyr Viatrovych (VV) wurde zum Verwaltungsdirektor der KGB-Archive ernannt (nun zum Geheimdienst der Ukraine, SBU gehörend). VV kombinierte seine Position als staatlich-ernannter „Erinnerungs-Manager“ mit ultra-nationalen Aktivitäten („ultranational“ ist ein Code-Wort für Neo-Nazis).

"Bandera-Jugend" die Nazis der Zukunft ..

„Bandera-Jugend“ die Nazis der Zukunft ..

Er war Direktor einer OUN-B freundlichen Tarnorganisation (front group), dem „Zentrum für das Studium der Befreiungsbewegung“: staatliche Institutionen verbreiteten nun eine „sterilisierte“ Version der dunkelsten Kapitel der ukrainischen Geschichte, in der die Kollaboration der „ukrainischen Patrioten“ mit den Nazi-Massenmördern schlichtweg totgeschwiegen oder als Akt der Befreiung präsentiert wurde. Stattdessen wurden ihre Anführer als Nationalhelden und Märtyrer mit Heiligenschein dargestellt, die für ihre patriotische Gesinnung viel Unrecht erlitten hatten.

Diese [Lügen-] Konstruktion eines nationalen Mythos unter Juschtschenko hatte zwei tragende Säulen:

  1. Die einseitige Dämonisierung der Sowjetunion (Die Hungersnot 1932-1933 mit 2-3 Millionen Toten, wurde als geplanter Genozid Stalins dargestellt)
  2. Der Heroische Kult Der OUN-B / UPA und ihrer Anführer (was das ist – siehe letzten Beitrag)

Die „Erinnerungsmanager“ stellten der „mörderischen“ Herrschaft der UdSSR das „selbstlose Heldentum“ der OUN-UPA gegenüber und erzeugten so in den Köpfen der indoktrinierten Jugendlichen einen Mythos, der dann auch noch mit göttlicher Gerechtigkeit assoziiert wurde: Das Leiden während der Hungersnot, der tapfere „Widerstand der patriotischen Nationalhelden“ (wie die Nazi-Kollaboration geschönt wurde) und schließlich die „Erlösung“ durch die ausgerufene Unabhängigkeit 1991.

Alles was die finstere Vergangenheit der ukrainischen „Nationalhelden“ in ein schönes, moralisches Licht stellte, wurde somit als „wahre“ Geschichte des Landes präsentiert, während widersprechende Darstellungen anderer Historiker als „sowjetische Märchen“ denunziert wurden. Der SBU-Direktor unter Juschtschenko, Valentyn Nalyvaitschenko, begründete diese Vorgangsweise so: „ … um die ukrainische Geschichte von Lügen und Fälschungen zu befreien“.

Der fanatische Judenhass der OUN und ihre Beteiligung am Holocaust wurden ebenso ignoriert, wie ihre faschistische Ideologie. Die Mitglieder der OUN wurden als demokratische, pluralistische, ja sogar rechtschaffene Erretter der Juden dargestellt …“

Ivan Franko National University_LvivBuchläden in der Ukraine führten häufig „anti-semitische“ Literatur, die den Holocaust leugnet, aber auch in akademischen Kreisen wurde die Grenze zwischen historischer Analyse und Neo-Nazi Propaganda zunehmend unscharf. Die ideologische Infiltration der Universitäten wurde mit „völkischem“ Eifer vorangetrieben. Die Nationale Ivan Franko Universität in Lviv ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Erfolg des akademischen Umerziehungsprogrammes. Sie beschreibt ihre zentrale Aufgabe so:

Die Formung eines ukrainischen, nationalen Selbstbewusstseins und nationaler Würde, die Liebe für die Heimaterde und ukrainische Traditionen, die Ausbildung einer national-bewussten, intellektuellen Elite und die Bewahrung des intellektuellen Gen-Pools der Nation …die Erneuerung der historischen Erinnerung . die Kultivierung der besten Charaktereigenschaften der ukrainischen Mentalität … sowie körperliche und geistige „Abhärtung“ [Kontseptsiia national’noho vykhovannia]

war criminal Bandera our hero

Bandera Bild in einer Parade

Der Höhepunkt von Juschtschenkos „Geschichtspolitik“ war die offizielle Ernennung Stepan Banderas zum „Nationalhelden“. Von Seiten der „liberalen“ Intellektuellen gab es kaum Proteste, einige bestritten die Nazi-Kollaboration der OUN-B und betonten stattdessen die „nationale Solidarität und das idealistische Engagement für gemeinsame Werte und Ziele“.

2010 erklärt das Simon Wiesenthal Center in einer Presseaussendung seine „tiefste Abscheu“ vor der Entscheidung des ukrainischen Präsidenten (Wunschkandidat der USA), den Kriegsverbrecher Bandera posthum zum „Helden der Nation“ zu erklären. Auch das europäische Parlament verurteilt die Ehrung dieses Massenmörders als inkompatibel mit „europäischen Werten“.

N.B. Juschtschenko ist der Mann, der in unseren Schafs-Medien als personifizierte Demokratie im Rahmen der „Orange Revolution“ hochgehalten wurde (bzw. wird), als „Opfer“ russischer Intrigen (PR-Märchen von der Dioxinvergiftung- vom Wiener Krankenhausarzt widerlegt) präsentiert wurde, der 2004 nach angeblich „gefälschten“ vorhergehenden Wahlen (was auch eine PR-Lüge war) zum Präsidenten gewählt wurde und für die „Werte des Westens“ stand.

Dieser Mann hat einen faschistischen Ideologen zum Nationalhelden erhoben und dafür gesorgt, dass die „Orange“ bald sehr braun wurde … Es war jedoch Janukowitsch, (der heute in unseren Medien als autoritärer Mistkerl hingestellt wird und vor den Horden des „Maidan“ flüchten musste), der Bandera den Ehrentitel wieder aberkannte .. Wer ist hier also der Schurke?

Dass unsere „Journ-autisten“ sich routinemäßig als Instrumente der Desinformation und Volksverdummung hergeben, ist ein Skandal, der gar nicht laut genug angeprangert werden kann … „Pressefreiheit“ für Idioten …!

FUN & GAMES: NATIONALISTISCHE „UNTERHALTUNG“ (im Westen der Ukraine)

Wie Hitler im ersten Weltkrieg von der britischen Regierung gelernt hat bzw. richtig erkannte, muss Propaganda immer an das „Zielpublikum“ angepasst werden. Also spezielle Informationsprogramme und „Institute“ für die Intellektuellen und eher die panem et circenses Variante für die (verdummten) Massen. Diesem bewährten Rezept folgten auch die ausländischen PR-Strategen in der Ukraine:

Bandera footballAm 30. Juni 2011, dem 70. Jahrestag der deutschen Invasion, wurde das historische Ereignis in Form eines „Festivals“ nachgestellt: Eltern mit kleinen Kindern begrüßten strahlend und mit Fähnchen in der Hand Männer in SS-Uniformen und bei Fußballspielen in Lviv werden 2010 riesige Transparente mit Banderas Konterfei hochgehalten. „Unser Held“ hat auch posthum erreicht, dass diese Anhänger Lviv (früher: Lemberg) in „Banderstadt“ umbenannt haben.

Nationalistische Rituale und die Instrumentalisierung der historischen „Erinnerung“ erfüllen mittlerweile auch kommerzielle Zwecke, denn die PR-Berater der Neo-Nazis (bzw. ihrer Sponsoren) haben sich mit Unternehmern zusammengetan, um ihre „Geschichte“ auf populäre Art zu verbreiten.

Es gibt seit 2007 ein „Themen-Restaurant“ in Lviv, das Kryivka (Schlupfwinkel – einem Partisanenbunker nachempfunden), das „Deko-Motiv“ ist natürlich die OUN-UPA – patriotisch verklärt. An den Wänden hängen überlebensgroße Bilder von Bandera, auf der Toilette wird der Gast mit Texten von russischen und jüdischen „Anekdoten“ unterhalten. Klopft man an die Tür, wird man von einem Typen mit einem Gewehr aus dem zweiten Weltkrieg empfangen und muss das richtige „Codewort“ (Slava Ukraini!) wissen, um reinzukommen. Unter der Rubrik “Unsere Mission” heißt es auf der Homepage:

To create a unique scope of emotions and impressions, to make itself [sic], the city and the country better.” (!)

„Einzigartige Gefühle“ (der Übelkeit) empfindet man auch, wenn man folgende Informationen erhält:

Der Besitzer betreibt auch ein weiteres „emotionales“ Restaurant, diesmal mit einem „jüdischen“ Thema: dort können sich Gäste als chassidische Juden „verkleiden“ (mit dem schwarzen Hut und den Kringellocken). Auf der Karte gibt es keine Preisangaben, stattdessen muss man bei der Bezahlung „nach jüdischer Manier“ feilschen (um die extrem teuren Speisen).

Damit nicht genug, befindet sich das Lokal unmittelbar neben dem Platz, wo einst die zentrale Synagoge („Goldene Rose“) der Stadt stand … (angesichts der Tatsache, dass in der Ukraine zahlreiche Pogrome und grauenvolle Massaker an Juden stattfanden, auch in Lviv, eine Geschmacklosigkeit der besonderen Art)

Wer besitzt die Schamlosigkeit für solche „Geschäftsideen“? Iurii Nazaruk, ein Absolvent der Ivan Franko Universität. Er sagt, seine Gaststätten erfüllen einen wichtigen Zweck – sie „bestätigen die nationalen Mythen, die Leute brauchen das“ und Andriy Khudo, dem heute eine ganze Restaurantkette („Fest!“) dieser Art gehört.

Das Simon Wiesenthal Center beschrieb diese Restaurants als „nur die Spitze des rassistischen, anti-semitischen Eisberges in Lviv“, die man boykottieren müsse. Obwohl Lviv das Zentrum der Neo-Nazi Aktivitäten ist, breitet sich diese spezielle Form der „völkischen Unterhaltung“ immer weiter aus.

Im Dezember 2011 erklärte VV einen populären Nachtclub in Kiew zum „Territoriia Bandershtadtu“ in dem ein ultra-nationalistischer „event“ stattfinden würde, quasi eine Party „im Geist der Widerstandskämpfer“. Fotos der Kriegsverbrecher an den Wänden, Originaluniformen und Waffen wurden zur Schau gestellt, „patriotische“ Lieder gesungen und das Buch „UPA – Die Armee der Unbesiegten“ an die jungen Leute verteilt.

Von wem das verlegt wird? Vom „Zentrum für das Studium der Befreiungsbewegung“ … Orwell lässt grüßen …

HELDENVEREHRUNG OHNE HIRN

Die Präsentation der OUN als „Widerstandskämpfer“ gegen Nazi-Deutschland und die gleichzeitige, tiefe Verehrung der Waffen-SS Division Galizien wird anscheinend nicht als Widerspruch gesehen (kein Wunder, bei Leuten, denen man das Denken schon abgewöhnt hat …)

Bandera Monument Lviv

Bandera Denkmal in Lviv

Straßen in Lviv wurden nach Nazi-Kollaborateuren (um-)benannt, im Stadtrat von Lviv arbeitete Svoboda in den letzten Jahren daran, den Flughafen der Stadt, das Fußballstadium, ja die ganze Stadt nach den „Volkshelden“ zu nennen. So gibt es heute den „Bandera Boulevard“ wo eine riesige Statue des Kriegsverbrechers zu bewundern ist und aus der „Straße des Friedens“ machte Svoboda die „Nachtigall-Straße“, nach der Nachtigall Brigade, die im ukrainischen Holocaust eine besonders widerliche Rolle gespielt hat. Auf die Frage, warum „Frieden” den anstößig sei, antwortet die Partei der „Freiheit“: das seien „Reste sowjetischer Stereotypen“, die man beseitigen müsse.

Als der deutsche Historiker Gregor Rossolinski-Liebe im Frühjahr 2012 Vorträge über den echten Stepan Bandera halten wollte, erfuhr er am eigenen Leib, dass das Motto von Svobodas Chefideologen ernst gemeint ist: „Wir halten Toleranz für ein Verbrechen“.

Der Wissenschaftler wurde im Vorfeld schon mehrfach bedroht und als er in der West-Ukraine ankam, folgten ihm dutzende Svoboda-Anhänger, egal wo er hinging. Diese nationalistische Form von Stalking ist aber noch die harmloseste Art, wie Svoboda gegen „anti-ukrainische“ Tendenzen vorgeht (mehr dazu siehe weiter unten).

SVOBODA MACHT „FREI“

Nach 1991 hatte die OUN große Schwierigkeiten, sich wieder in der unabhängigen Ukraine zu etablieren. Sie zerfiel in die KUN (Kongress Ukrainischer Nationalisten) und die im Exil befindliche OUN-B, die von der Nachfolgegeneration geleitet wurde (auch aus Deutschland!). Heute beanspruchen sogar vier Gruppierungen, die Nachfolge von Bandera angetreten zu haben: KUN, OUN-B (Exil), die im Untergrund tätige „tryzub imeni Bandery“ (der Dreizack) und die VO Svoboda, die 1991 von Mitgliedern anti-kommunistischer Vereinigungen als „sozial-nationalistische Partei der Ukraine“ gegründet wurde. Sie wurde zum Sammelbecken für Neo-Nazi Gruppen und Studenten-Bruderschaften.

SNPU wolfsangelAls Parteiabzeichen wurde das Spiegelbild der Wolfsangel gewählt, die einige SS-Divisionen benutzten und nach dem Krieg von Neo-Nazi Gruppen übernommen wurde. Die SNU rekrutierte Skinheads und Fußball-Hooligans für ihre „heilige“ Mission, die natürlich auch einen „bewaffneten Arm“ brauchte, eine paramilitärische Truppe mit dem schönen Namen „Ukrainische Patrioten“ (UP), die nach wie vor die Wolfsangel als Abzeichen verwendet, allerdings in veränderter Form.

Es ist äußerst wahrscheinlich, dass Verbindungen zum „Gladio“-Netzwerk bestehen, das die NATO in Europa nach dem zweiten Weltkrieg aufbaute. Die UP wurde 2004 offiziell aufgelöst, aber 2005 in neuer Form wiederbelebt.

Doch die Begeisterung der ukrainischen Wähler hielt sich in Grenzen. 2004 hatte Svoboda 5.000 Mitglieder, 2010 hatte sich die Anhängerschaft verdreifacht. Hier eine kleine Übersicht über die „Wahlerfolge“ der Partei:

• Parlamentswahlen 2006: 0,3% (allerdings zwischen 2 und 5% in Ost-Galizien)
• Vorgezogene P-Wahlen 2007: 0,7% (3,3% in Ost-Galizien)
• Präsidentenwahl 2010: 1,4% (für Tyanhybok) (4,7% in Ost-Galizien)
• Kommunalwahlen 2010 (der Durchbruch) 25% in Ost-Galizien

Die Parteiideologie ist gekennzeichnet durch Ethnozentrismus , die ukrainische „Nation“ wird als natürliche Volksgemeinschaft definiert, wobei der „Blut & Boden“ Ethos der NSDAP nicht zu verleugnen ist. Das „Völkische“ wiegt natürlich schwerer als irgendwelche Menschenrechte, deshalb scheut man auch nicht davor zurück, mehr oder weniger offen rassistische Hetzparolen zu verbreiten. Das Symbol der Partei, die Buchstaben I und N (Idee einer Nation) sehen genauso aus wie die „Wolffsangel“ (oder „Wolfsanker“), die von vielen Neo-Nazigruppen in Europa verwendet wird und in Deutschland verboten ist. Die Wolfsangel wird auch mit der germanischen ‚Eiwaz“ (die Eibe) Rune in Verbindung gebracht.

oleh-tyahnybok-1Die Neo-Nazis dümpelten also bis 2003 nur so dahin, aber dann kam Oleh Tiahnybok und die Partei wurde einer Image-Kampagne, einem „Re-Branding“ unterzogen, das von erfahrenen PR-Strategen durchgeführt wurde:

Für die bevorstehenden Wahlen 2004 mussten das extremistische, Neo-Nazi Image durch ein pseudo-demokratisches ersetzt werden, damit die Partei als „liberale Partei, rechts vom Zentrum“ wahrgenommen wurde. Also wurden geändert:

  • Der Parteinamen (von SNPU zu Svoboda)
  • svoboda logo
  • Das Parteilogo: die SS-Wolfsangel verschwand und das neue Symbol der Partei wurde eine Hand mit drei ausgestreckten Fingern, die einen Dreizack symbolisieren soll. Dieser „tryzub“ war eine beliebte, in der Öffentlichkeit verwendete Geste während der ersten Unabhängigkeits-Demonstrationen Ende der 1980er Jahre, aber er symbolisiert auch die faschistische OUN-M der 1930er Jahre
  • Der Anführer: Tiahnybok: war vorher als „unabhängiger“ Kandidat aufgetreten und verbreitete die Aura politischer Legitimität

Nach außen hin wurde also signalisiert, man wolle sich von den in der Wolle durchgefärbten Nazis absondern und eine „gemäßigte“ Parteilinie einschlagen. Diese kosmetische Imagekampagne wurde zweifellos mithilfe amerikanischer front groups und PR-Firmen durchgeführt, und war Teil der Vorbereitungen für die „Orange Revolution“.

the uebermenschenDoch schon wenige Monaten später hielt Tyahnybok eine volksverhetzende Rede, in der er die OUN-UPA als Inkarnation patriotischen Heldentums hochleben ließ, die „gegen die Deutschen, die „Moskali“, die Juden und anderen Abschaum kämpfte, der uns unseren Staat wegnehmen wollte!“ Nach dieser Rede kam Juschtschenko politisch so unter Druck, dass er Tyahnybok aus der Fraktion Nasha Ukraina ausschloss. Svobodas Strategie, sich auch um soziale Themen zu kümmern und damit eine breitere Basis aufzubauen, ähnelt dem Vorgehen der NPD in Deutschland.

Obwohl Svoboda bei den Parlamentswahlen im Oktober 2012 nur 10% der Stimmen erhielt (ungefähr 40% im Westen des Landes, also in Galizien), wurde Tyahnybok die (zweifelhafte) Ehre eines Besuch von US-Senator John McCain* zuteil, der ihn wie einen Revolutionshelden behandelte während die „Fuck-the-EU-Diplomatin des US Außenministeriums, Victoria Nuland (die Frau von Krypto-Zionist „neo-con“ und „Straussianer“ Robert Kagan) Kekse an die „digital-gesteuerten“ Horden auf dem Maidan verteilte.

*Was hat ein US-Senator überhaupt in der Ukraine zu suchen?? Stellen wir uns vor, ein russischer Politiker würde in die USA reisen und dort frustrierten Demonstranten Unterstützung zum Aufstand gegen die gewählte Regierung in Washington anbieten … das wäre doch ein ungeheuerlicher Skandal! Aber unsere Journaille ist ja das Schoßhündchen des State Departments und bellt immer nur den Baum an, an den sie von Washington geführt werdenit makes you sick!

Für Tiahnybok ist Svoboda eine „Partei der Ordnung, die die wahre Elite des Landes begründet“. Die offiziellen Dokumente sind natürlich „pasteurisiert“, soll heißen enthalten keine rassistischen, eindeutig faschistischen Formulierungen, doch Taten sprechen mehr als Worte und alleine die Forderung, dass in Zukunft die Pässe die „Nationalität“ dokumentieren müssen, zeigt ja die rassistischen Untertöne bzw. die Nähe zu den „weißen Herrenmenschen“, die das Internet bevölkern – ganz zu schweigen von der kaum verdeckten Aggression gegenüber Juden.

Im September 2011 verhaftete die Polizei mehr als 50 Svoboda-Aktivisten, nachdem sie Kundgebungen gegen jüdische Pilger organisiert hatten und mit Tränengaskanistern, Rauchbomben und Katapulten ihre „freiheitliche“ Gesinnung demonstrierten. Als die Polizei eingriff, attackierten Svoboda-Mitglieder auch diese und warfen der Polizei dann auch noch vor, sie habe dabei versagt, „die Aggression der chassidischen Juden gegenüber Ukrainern zu stoppen“. Auch jüdische Friedhöfe wurden von den Neo-Nazis geschändet.

Die Partei der „Freiheit“ verachtet und droht aber nicht nur Juden und Russen, sondern natürlich auch Polen. Aufgrund der leidvollen Geschichte ist es verständlich, dass der Staat Polen von Ukrainern mit Misstrauen betrachtet wird, doch die „Polen“ als ethnische Kategorie tragen dafür keine Kollektivschuld und hätten ihrerseits genug Gründe, die „Ukrainer“ zu hassen – wenn sie sich mit dem Gedankengut der „Sippenhaftung“ anfreunden. Svoboda verlangt eine Entschuldigung Polens für „fünfhundert Jahre gewaltsame Polnisierung“ und Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht. Schön und gut, doch wie sieht es mit dem Unrecht auf der anderen Seite aus?

3 massacre kiev 1944Von den grauenvollen Kriegsverbrechen der UPA / OUN-B bzw. der SS-Division Galizien (auch gegenüber Polen) im Dienste der Nazis – siehe Ukraine (3) will Svoboda nichts wissen.

In Huta Pieniacka stellte sie ein zweisprachiges Plakat auf, das die Beteiligung ukrainischer „Patrioten“ am Massaker der Dorfbewohner (1944) kategorisch bestreitet. (Die UPA hat ca. 100.000 Polen, darunter auch Partisanen massakriert – siehe dazu auch die BBC-Doku im letzten Beitrag)

Huta Pieniacka revised history• Frage: Warum lässt die polnische Regierung das zu?
• Antwort: Die heutige Gefahr die von Polen ausgeht, ist die Nähe zu den USA und ihren imperialen „Werten“, die mit Moral inkompatibel sind …

Svoboda hat natürlich auch Kontakte zu anderen „nationalistischen“ Parteien in Polen, Ungarn, Schweden, Großbritannien, Belgien, usw. und ist Mitglied der „Allianz europäischer Nationalbewegungen“, die sich (teilweise zu Recht) gegen die Finanzmafia Globalisierung wehren wollen (was aber keine Legitimation für Rassismus ist).

Die „Freiheitspartei“ hat seit 2009 auch ein Büro in Kanada (Toronto), wo Tiahnybok im Mai 2010 das „Goldene Kreuz für seine Verdienste um die Ukraine“ erhielt. Von wem denn bloß? Von einer Veteranenvereinigung der „ Ersten Division der Ukrainischen Nationalarmee“. Wer ist das denn? Unsere alten Bekannten, die 14.Waffen-SS-Division „Galizien“ im neuen, sprachlichen Gewand … so funktioniert „Erinnerungs-Management“ also, wenn man alte Nazis braucht, um neue zu generieren.

Dass diese Neo-Nazis zu Vortragsreisen in die USA und Kanada eingeladen werden (auch nach Harvard) ist ein klares Indiz dafür, dass die „braune Brut“ auch mit amerikanischer Nestwärme ausgebrütet wurde… (Victoria Nuland sagte ja, die US-Regierung habe bisher 5 MILLIARDEN Dollar in die Ukraine investiert, wofür könnte diese gewaltige Summe denn ausgegeben worden sein…? Für „Demokratieförderung“ ganz sicher nicht …)

Dass amerikanische Kongressabgeordnete wie John McCain nach Kiew reisen und der „Maidan-Revolution“ gegen einen demokratisch-gewählten Präsidenten ihre Unterstützung zusagen, spricht ebenfalls Bände … (zur Gene Sharp / Robert Helvey / CIA-Connection siehe Die große Fata Maidana)

Im gleichen Jahr reiste Tiahnybok nach Deutschland um seine Solidarität mit John Demjanjuk zu demonstrieren, der wegen Beteiligung am Massenmord im Todeslager Sobibór (28.000 Tote) zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Dort traf er sich mit dem Anwalt des Kriegsverbrechers und betonte, dass der Täter für ihn ein Held sei, ein Opfer politischer Verfolgung, der „für die Wahrheit kämpft“.

yuriy-mykhalchyshynNeben Tiahnybok spielt Yurii Mykalchyshyn (YM) – ganze 31 Jahre alt – eine wichtige Rolle als „Berater der Partei in ideologischen Fragen“. Sein großes Vorbild ist Joseph Goebbels und er macht keinen Hehl daraus, dass er Faschist ist – im Gegenteil. Sein liebster Slogan:

„Wir halten Toleranz für ein Verbrechen“

und Aussprüche wie „Wir schätzen die Echtheit des Geistes und des Blutes höher als Erfolg und Reichtum“ lassen keine Zweifel daran, wohin die Reise gehen wird. Er bewundert die Härte und dem kompromisslosen Radikalismus seiner Idole aus den 1930er Jahren und ist stolz darauf, als Extremist zu gelten. (Nietzsche und Leo Strauß lassen grüßen …!!) So fühlt er sich seinem Helden Bandera noch näher, der „eine Untergrund-Terror-Revolutionsarmee gegründet hat, deren langer Schatten noch heute furchtbare Angst in den Herzen unserer Feinde auslöst“

neo Nazis gladio styleYM dient als Bindeglied zwischen Svoboda und den sogenannten „autonomen Nationalisten“ (die sich übrigens genauso kleiden, organisiert und „gewaltbereit“ sind wie unsere angeblich „linken Autonomen“, die immer vermummt sind … und wohl die gleichen Sponsoren im Hintergrund haben). Er fusionierte die Attribute der einen (Springerstiefel, Skinhead-Frisur, etc.) mit den Ritualen der anderen (nächtliche Fackelzüge mit schwarzen Flaggen und SS-Symbolen) und sorgte dafür, dass Gewalt auf den Straßen gegen Minderheiten glorifiziert wurde

Kruty torchlight march 2011Am 29. Jänner 2011 organisierte YM einen Fackelzug zum Gedenken an die Schlacht von Kruty – siehe das Gänsehaut erzeugende Video oben – (1918 zwischen der Roten Armee und ukrainischen Soldaten (davon etwa 500 Studenten) die wegen des großen Ungleichgewichts der Kräfte nur einige Stunden dauerte) gedacht. Auch für diese volksverhetzerische Aktion legte Juschtschenko während seiner Amtszeit den Grundstein und beschrieb den schnellen Sieg der Roten Armee so:

„Junge Menschen starben wie Spartaner im Interesse ihrer Heimat, in einem Kampf gegen die ausländischen Aggressoren, und ihr Opfer ist ein Beispiel für die selbstlose Liebe zu ihrem Heimatland. Jeder Jahrestag der Helden von Kruty ist nicht nur ein Tag, um die Menschen zu ehren, die ihr Vaterland mehr als ihr Leben geliebt haben. Dies ist auch eine Erinnerung an unsere heutigen Politiker in Bezug auf ihre Verantwortung für das Schicksal ihres Landes und Volkes.“

(Dieses Zitat wird in anderen Quellen auch Julia Timoschenko zugeschrieben, was darauf hindeutet, dass diese korrupten Politiker schön brav Texte aufsagen, die ihnen ihre PR-Berater vorlegen …)

Was man vielleicht noch dazu sagen sollte, ist die Tatsache, dass es 1918 in der Ukraine auch pro-sowjetische Sympathisanten gab, unter den Soldaten, aber vor allem in den Industriegebieten im Osten, wo russische Arbeiter dominierten , viele von ihnen wurden Teil der „Roten Garde“ (pro-sowjetisches Freiwilligenheer). Erst durch das Eingreifen österreichisch-deutscher Truppen wendete sich das Blatt und die Sowjetarmee trat den Rückzug an (siehe dazu den letzten Beitrag …)

INDOKTRINIERTER GEIST IN GESTÄHLTEM KÖRPER

neonazis Ukraine1Sportliche Aktivitäten, besonders Kampfsportarten locken Jugendliche an, die im Rahmen einer Kampagne „gegen Degeneration“ geführt wird. Junge Nationalisten müssen natürlich auch einen gestählten Körper haben; sie sollen Genussgifte meiden, ihren Körper trainieren (wie in Sparta) und sich auf den Hass gegen ihre „Feinde“ konzentrieren … (kommt uns das irgendwie bekannt vor?) Die „Sozial-Nationalisten“ sehen sich also in einem spirituellen Krieg, in dem die Ukrainer sich „wehren“ müssen.

Der „Chef-Ideologe“ der „Freiheitspartei“ trägt vor:

„Die gegenwärtige Situation bewirkt bei den „Entarteten“ einen ständigen Kampf gegen alle normalen Leute, der durch die Auflösung von Nationen, Klassen und Rassen gekennzeichnet ist. In anderen Worten: ein totaler und permanenter nationaler, Klassen- und Rassenkrieg wurde den Ukrainern erklärt. Sie versuchen uns als Gemeinschaft des Blutes und des Geistes zu liquidieren, …Die Sozial-Nationalistische Weltanschauung basiert ausschließlich auf positiven Werten:

Freiheit. Totalität. Gewalt. Hingabe. Gerechtigkeit. Hierarchie. Ordnung. Autorität. Disziplin. Brüderschaft. Glaube. Opfer. Stolz, Missionierung. Gleichheit, Nicht-Anpassung. Hass. Leidenschaft. Das Streben nach etwas Größerem als Du-selbst. Das Unmögliche.

Gleichzeitig ist unsere Weltanschauung durch Widerspruch gegen negative, menschenfeindliche und anti-nationale Phänomene unserer Zeit gekennzeichnet … Anti-bürgerlich, anti-kapitalistisch, anti-globalistisch, anti-demokratisch, anti-liberal, anti-bürokratisch und anti-dogmatisch … „

DIE (PR-) MÜTTER DER NATION

puzata mamaYM propagiert auch eine idealisierte Version der Weiblichkeit, die auf sexueller „Reinheit“ beruht und betont, dass die erste Bürgerplicht der Frau darin besteht, neue „Nationalisten“ zu gebären. Er stützt sich dabei auf die Worte von Luri Lypa (1900-1944) und schreibt in Vatra:

Frauen sind Träger der gesellschaftlichen und rassischen Moral, mehr als der Mann, formen sie die Rasse. Die Ehe ist die Pflicht der Frau gegenüber ihrem eigenen Geschlecht. Die Pflicht des Staates besteht darin, ihr dabei zu helfen … die 300 Eisprünge jeder ukrainischen Frau sowie die 1.500 Ejakulationen jedes ukrainischen Mannes sind ebenso nationale Schätze wie, sagen wir Energiereserven, oder Vorkommen von Eisenerz, Kohle oder Öl“. (!)

Wie diese „Gebärpflicht“ den ukrainischen Frauen mit modernen PR-Methoden schmackhaft gemacht wird, zeigt dieses Beispiel (Video):

„Puzata Mama 2013 „: „Mama“-Wettbewerbe sollen vermitteln, wie „attraktiv und „in“ eine Schwangerschaft doch ist. Die „beste Schwangere“ kann ihre Mutterkapazitäten demonstrieren, sich wie eine „Miss“ fühlen und dabei gleichzeitig für ukrainischen Nachwuchs sorgen. Und das alles generiert auch noch Partystimmung – toll, oder? (Wie es den Kindern in Zukunft ergehen wird, angesichts der düsteren, politisch-wirtschaftlichen Situation ist eine andere Frage …)

FASCISM IS BEAUTIFUL

Im Gegensatz zu den Geschichtsfälschern Juschtschenkos und den „ewig gestrigen“ OUN-Nachfolgern im Exil leugnet Yurii Mykal‘chyshyn nicht, dass Bandera ein Faschist war. Ganz im Gegenteil, der Faschismus ist die Basis für seine Bewunderung, die er auch anderen „braunen Helden“ zollt, wie etwa Carl Schmitt.

M. schrieb seine Dissertation zum Thema „ Die Transformation einer politischen Bewegung in eine Massenpartei neuer Art – Am Beispiel der NSDAP und der PNF (Vergleichsanalyse). Sie erraten sicher, wo er sich seinen „Doktortitel“ geholt hat? Richtig, an der Ivan Franko Universität ..

Auch in den Journalen dieser Universität hat M. publiziert und zwar 2007 u. 2008 zur Frage der „Strategie faschistischer „anti-System“ Bewegungen“. Er propagiert die faschistische Transformation der Gesellschaft in einschlägigen Web-Foren und gründete 2005 das Politische Forschungszentrum* „Joseph-Goebbels“, das aber später – aus verständlichen Gründen umbenannt wurde.

(*Die Webseite des Zentrums lautete: http://nachtigall88.livejournalcom (!) – sie wurde 2011 entfernt und wahrscheinlich unter neuem Namen weitergeführt; die Zahl 8 steht für den achten Buchstaben im Alphabet, also H, und „88“ steht demgemäß für die Initialen Hitlers. „Nachtigall“ war der Name eines gefürchteten ukrainischen SS-Bataillons im zweiten Weltkrieg)

Ukrainian SS com 2011Angeführt von Mykal’chyshyn (ganz links im Bild) feiert man am 28. April den Gründungstag der Waffen-SS Galizien in Lviv mit der Parade der „Größe des Geistes“ (Marsh Velychi Dukhu), die aus dem Dritten Reich stammen könnte:

Kameradschaft, Ehre und die heilige Pflicht, Befehlen zu gehorchen“ das sind die „Werte“, die klapprige 80-jährige Veteranen (als Helden der Freiheit vorgeführt) den Jugendlichen einhämmern und hunderte marschieren vom Bandera Denkmal über den „Bandera Boulevard“ mit den Rufen: Ein Volk, eine Nation, ein Vaterland! / Galizien, Division der Helden! An den Straßen hängen riesige Plakate, die die Einheit zum „Stolz der Nation“ erklären …

GEHORSAM IST „EUROPÄISCH“

SS GaliciaDie Veteranen der Galizia SS-Division präsentieren sich als die „Vorreiter der Europäischen Einheit“, deren Kameraden für Deutschland und Europa gefallen seien. Sie hätten für ein vereintes Europa gekämpft, das „in unseren Divisionen während des defensiven Kampfes gegen den Ansturm aus dem Osten schon als Vision existierte.“ (spätestens jetzt hätte der Groschen bei den anwesenden Ukrainern fallen müssen ….)

Tatsache ist, dass die einzige Parteien in der Ukraine, die gegen diesen Wahnsinn auftraten, jene von Janukowitsch (die Partei der Regionen) und natürlich die „Linken“ waren, also Sozialisten und Kommunisten, während die „liberalen“ Intellektuellen schwiegen. Dieses Gegengewicht zu den Neo-Nazis und fanatischen Nationalisten ist jetzt – dank Washington, Brüssel und Berlin und ihren unterwürfigen „Presstituierten“ – eliminiert worden … die Mitglieder dieser Parteien werden bedroht, schikaniert und müssen um ihr Leben fürchten. (Mehr dazu im nächsten Beitrag)

yuschenkoJuschtschenko und seine schönfärbenden „Historiker“ haben die rechtsextremen Fanatiker – sprich Neo-Nazis – mobilisiert und Kriegsverbrecher zu Pop-Idolen gemacht, um die „ethnische Karte“ zu spielen. Der aufgeblasene Heldenkult und die zur Gehirnwäsche ausgeartete, nationalistische Indoktrination lenkt in Wahrheit die Menschen nur davon ab, sich mit jenen Themen zu befassen, die in der Gegenwart wirklich wichtig sind: ökonomische Selbstbestimmung und ein menschliches, sozial-gerechtes Wirtschaftssystem.

Stattdessen bekommen sie „Sparprogramme“, Lohn- u. Pensionskürzungen und gleichzeitige Preiserhöhungen, soziale Verelendung, brutalen „Wettbewerb“, Gentechnik auf den Feldern, Plünderung ihrer Ressourcen durch ausländische Konzerne und Banken und werden als Schuldsklaven des Bankenkartells IMF ihren Tribut abführen müssen, egal wie schlecht es ihnen geht … aber das alles gibt es im „freien Markt“ … !

Die penible Aufarbeitung der eigenen Geschichte (ihrer finstersten Kapitel und Verbrechen) muss anscheinend nur Deutschland für alle Ewigkeit durchführen, während andere Länder, wie die USA und Großbritannien (die Nazis – bis heute – gefördert, für subversive u. kriminelle Zwecke benutzt und vor Strafverfolgung geschützt haben ) sich immer noch als moralische Instanzen (gerade jetzt gegenüber Russland!) aufspielen können. (Schon wieder Pinters Nobelpreisrede!

(Sehr empfehlenswert ist das Buch „Conjuring Hitler“ von Guido Preparata; sperriger, deutscher Titel: Wer Hitler mächtig machte)

IN MACHIAVELLI WE TRUST

mlk beyoond vietnam--spiritual deathWährend also die psychopathischen, globalisierten Machteliten in Washington, (und ihre Vasallen in Brüssel, Berlin, London, Paris, Tel Aviv, etc.) … irre Neo-Nazis (oder irre Islamisten) als politische Werkzeuge für „regime change“ einsetzen und damit seit Jahren durchkommen, wird von denselben verbrecherischen Heuchlern Russland bzw. Putin (oder Assad bzw. der Schurke, der gerade en vogue ist) als Gefahr für „Frieden und Sicherheit“ präsentiert und mit Sanktionen und anderen Formen der Gewalt für das „bestraft“, was diese Heuchler selbst verbrochen haben …

.. War is Peace. Ignorance is Strength … und wie sagte Edward Bernays so treffend … das ganze Theater, damit die verwirrte Herde (Lippman) sich der „Halluzination der Demokratie“ hingeben kann …

JFK(2): Pax Americana

JFK coverDer Autor des Buches heißt James Douglass. Als junger Mann wolle er (ausgerechnet) Atomphysiker werden und damit seinem Land helfen, Bomben gegen das „evil empire“ zu bauen. Doch schon bald stellte sich heraus, dass er dafür nicht geeignet war. Er begann stattdessen Theologie zu studieren und wurde später Professor für Religionswissenschaft an der Universität in Hawai. Ein Leben lang hat er sich als Mitglied der „Katholischen Arbeiterschaft“ für Frieden, gegen Armut, soziale Ungerechtigkeit und gegen Atomwaffen engagiert. Zu dem Zeitpunkt, als Kennedy ermordet wurde, war er noch relativ jung und hat wie Millionen seiner Landsleute der Darstellung  seiner Regierung Glauben geschenkt.

Zwei Personen haben ihn dazu gebracht, das Attentat und die offizielle Darstellung zu hinterfragen: Dorothy Day (die Gründerin der katholischen Arbeiterbewegung) und Thomas Merton, ein Trappistenmönch, der während des kalten Krieges mit vielen Persönlichkeiten korrespondierte und die großen Themen der Zeit ansprach. Die Ermordung von Martin Luther King war ebenfalls ein Katalysator dafür,  Bücher über die Serie politischer Morde in den USA zu schreiben (JFK  erschien 2009 als erstes)

Das Buch ist sehr gut zu lesen, gut gegliedert und in einer klaren Sprache geschrieben.  Es ist akribisch recherchiert (hunderte Fußnoten und Quellenangaben) und verarbeitet die Ergebnisse vieler anderer Kennedy-Forscher. Douglass hat 12 Jahre daran gearbeitet –  und das merkt man auch. Ein wunderbares Buch für alle, die – wie er –auf der Suche nach der Wahrheit sind (er spricht von einem „experiment in truth“, Wahrheit als moralische Kraft im Sinne Ghandis, über den er auch ein Buch geschrieben hat):

Wer verstehen will, warum Kennedy ermordet wurde (und damit auch von wem), dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Dass der Autor und sein Buch in unseren (Schafs-)Medien ignoriert wird, kann heutzutage nur mehr als Ritterschlag aufgefasst werden: Es zeigt, wie wichtig das Buch ist und wie gefährlich, also  bestens dazu geeignet, den Unsinn der hierzulande in den letzten Wochen über Kennedy verbreitet wurde, als solchen zu entlarven.

Auf den Punkt gebracht wurde Kennedy ermordet,

  • weil er den Kalten Krieg beenden wollte (vollständige Abrüstung) und sich damit gegen den mächtigen Apparat aus Militär und Geheimdiensten wandte, die wild entschlossen waren, einen Nuklearkrieg mit der Sowjetunion anzufangen (von dem sie dachten, er sei wegen der militärischen Übermacht zu gewinnen) und mit allen Mitteln Fidel Castro zu entmachten …
  • weil er sich weigerte, Kuba (während der Raketenkrise ) zu bombardieren und stattdessen mit den Sowjets eine Verhandlungslösung erreichte; er wollte die Beziehungen zu Castro und Kuba normalisieren
  • weil er heimlich mit Nikita Kruschov korrespondierte und seinen militärischen „Beratern“ nicht mehr traute ..
  • weil er erreichte, dass der US-Senat den Vertrag zur Beendigung der überirdischen Atomwaffentests (Test ban treaty) mit der Sowjetuntion ratifizierte
  • weil er die Macht der CIA erheblich einschränken wollte (er feuerte den mächtigen CIA-Direktor Allen Dulles und seine Stellvertreter – mehr dazu weiter unten)
  • weil er den Vietnamkrieg beenden wollte (erster Abzug 1000 Truppen bis Ende 1963, vollständiger Abzug Ende 1965 …)

Seit dem zweiten Weltkrieg wuchs in Amerika eine gewaltige Militärmaschinerie heran, die nicht nur wegen der Machtzunahme des Militärs sondern auch wegen der riesigen Profite, die damit gemacht wurden, zur Bedrohung für eine demokratische Gesellschaftsordnung wurde. Die berühmten Worte von Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede, seine Warnung vor dem  „militärisch-industriellen Komplex“, der alle Teile der amerikanischen Gesellschaft infiltriert und wirtschaftlich, politisch, ja auch spirituell immer mehr Einfluss gewann, sind von enormer Wichtigkeit, wenn es um den Kontext der Ermordung von JFK geht.

Vincent Salandria (den ich im ersten Teil vorgestellt habe) hat auch dafür eindringliche Worte gefunden:

We now understand the deep significance of President Kennedy’s killing. Our cities blight while we build B-2 bombers and an unattainable but military-industrial-profit-generating anti-ballistic missile system. Our poor suffer miserable existences as we continue to fatten the military-industrial complex for protection against imagined or impotent enemies. Our public schools in the urban areas decay while we maintain military bases throughout the globe. We desperately search for terrorists and weak nation states which we can designate as “rogue states” and therefore make them necessary targets for our Pentagon to show off its newest weapons systems.“

Während also Milliarden für „Rüstung“ (grauenvolle Killer-Maschinen und  Werkzeuge massenhafter Zerstörung) gegen „eingebildete und hilflose Feinde“ ausgegeben werden, gab (und gibt) es in den USA immer noch sehr viel Armut, soziales Elend, heruntergekommene Infrastruktur, Drogenabhängigkeit, Kriminalität, usw.

Wir suchen verzweifelt nach Terroristen und schwachen Nationalstaaten, die wir dann als „Schurkenstaaten“ klassifizieren können und sie damit zu notwendigen Zielen für das Pentagon machen, damit es dann mit seinen neuesten Waffensysteme angeben kann ..“

Diese Worte haben nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Im Gegenteil, es ist noch schlimmer geworden.

Salandria weiter:

Wir können uns nicht länger dahinter verstecken, dass das Attentat etwas Unerklärliches hat … es gibt kein Mysterium über das Wie, Wer und WARUM der President ermordet wurde … Nur wenn wir den Mantel der Verdrängung (der Wahrheit) abstreifen, werden wir in der Lage sein, eine unfaire und brutale Gesellschaft zu verändern ..

We cannot consider ourselves a free and democratic people until we understand and address the evil nature of the warfare-state power which murdered President John F. Kennedy. Until then we cannot begin the vital work of ridding the world of the terror produced by our mighty war machine that crushes hopes for true substantive democracy here and elsewhere.“   .[..Truer words were never spoken ..]

Aber kommen wir zurück zu James Douglass und seinem wunderbaren Buch über JFK:

THE UNSPEAKBLE – eine Kostprobe

DouglassJames Douglass wird natürlich auch in den Mainstream-Medien der USA ignoriert (Zensur durch Schweigen) doch in den Alternativ-Medien findet man Interviews und Vorträge.  Einen davon möchte ich hier wiedergeben (in deutscher Übersetzung, da er natürlich Englisch spricht):

Der Text von Douglass ist nicht vollständig, ich habe mich auf die- nach meiner Ansicht – wichtigsten Passagen des Vortrags konzentriert. Zum besseren Verständnis füge ich grundlegende Informationen über die Ereginisse hinzu.

(Anmerkung: die Skizzierung der welt- und innenpolitischen Situation, die Douglass in diesem Vortrag vornimmt,  ist  natürlich stark vereinfacht und sehr plakativ. Im Buch wird wesentlich genauer auf die Hintergründe eingegangen; )

Bevor es los geht, noch eine kurze Übersicht der Ereignisse, die das Schicksal von John F.Kennedy besiegelt haben:

1961

  • Friedensverhandlungen mit Laos  (das Militär ist entsetzt …)
  • Gescheiterte „Bay of Pigs“ Invasion (April) und JFKs Reaktion darauf:(geplante „Zerschlagung der CIA in tausend Stücke“)

1962

  • Konflikt mit der US-Stahlindustrie (April) und
  • Kuba-Raketenkrise mit der UDSSR (Okt)

1963

  • NSAM 239  Politik für ein Ende der Atomwaffentests und generelle Abrüstung  (Mai)
  • Sommer:   Nuclear Test Ban Treaty (Stop der atmosphärischen Atomwaffentests);
  • Rede zur Abschlussfeier an der American University (10. Juni)
  • Herbst       Beginn eines  geheimen Dialogs mit Fidel Castro;
  • Kennedy entscheidet, Weizen an die  Sowjetunion zu liefern
  •  NSAM 263 Abzug der Truppen aus Vietnam bis Ende 1965  (Oktober)
  • 1961-63: Kennedy-Hammarskjöld-UN Plan verhindert eine Teilung des bis dahin unabhängigen Kongos

 Douglass hebt drei Ereignisse im Vortrag hervor:

1 DIE INVASION DER SCHWEINE-BUCHT

JFK 1jpgNachdem man ihn lange bedrängt  hatte, willigte Kennedy im April 1961 schließlich ein, grünes Licht für  eine von der CIA organisierte (und mit dem Pentagon koordinierte) Invasion Kubas zum Sturz Fidel Castros zu geben. Die dafür verwendeten „Einsatzkräfte“ waren in erster Linie Exilkubaner (einige hundert), die schon jahrelang dafür trainiert und mit Waffen ausgestattet wurden. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Landung der Boote war, dass vorher die kubanische Luftabwehr* zerstört wurde, da ein offizielles Eingreifen der US Air Force ausgeschlossen war (plausible deniability). Dies misslang aber (die genaueren Details erkläre ich in einem späteren Beitrag), sodass die Exilkubaner samt ihren Versorgungschiffen im Morgengrauen von kubanischen Piloten angegriffen wurden.  Die Invasion scheiterte also und Kennedy sowie die gesamte US-Regierung war in einer sehr peinlichen Situation, da es offiziell keine militärischen Aktionen gegen Kuba gab.

(*das waren nur etwa 10 Flugzeuge)

Douglass über die politische Bedeutung der gescheiterten „Schweinebucht-Invasion“ im Kontext seiner späteren Ermordung:

Die CIA hat Kennedy über die politischen und geographischen Bedingungen in Kuba angelogen … er hatte also seine Zustimmung auf der Basis falscher Angaben gemacht … danach erkannte er, dass man ihn in eine Falle gelockt hatte: Er musste entweder offiziell das US-Militär einschalten (wodurch ein Krieg mit der UDSSR wahrscheinlich geworden wäre) oder eine schwere und peinliche Niederlage einstecken. Nachdem die geheimen CIA-Dokumente über die Aktion später freigegeben wurden, sagte Daniel Short (National Public Radio): Der Präsident war Ziel einer geheimen CIA-Operation, die scheiterte, als die Invasion scheiterte …. 

(ich glaube das nicht – die CIA-Operation ist eben nicht gescheitert – es kommt nur darauf an, was man als deren wahres Ziel ansieht .. Kennedy als Verräter hinzustellen, und somit als Hassobjekt für Geheimdienst- u. Militäroffiziere zu etablieren… )

Douglass:

Präsident Kennedy hat die Niederlage in Kauf genommen (zunächst wurde in der UN jede Beteiligung geleugnet, aber JFK hat dann die volle Verantwortung übernommen und eine Untersuchungskommission eingesetzt) . Als Reaktion auf die Falle sagte er:

Ich möchte die CIA in tausend Stücke zerhauen und sie in alle Winde verteilen

Durch die Schweinebucht-Invasion erkannte JFK die getarnten Machtansprüche von CIA und Pentagon (ein unzertrennliches, wenn auch nicht selten streitendes Duo) als Angriff auf seine Privilegien als Präsident … er begann aus dem Zirkel seiner Militär- und Geheimdienstberater auszubrechendafür werden Gefangene erschossen .. seine Entscheidung, den Direktor der CIA, Allen Dulles zu entlassen, (und seine engsten Vertrauten)  – als Folge des Vertrauensbruches im Zuge der Kuba-Invasion – war sein erster Schritt zur Freiheit (und damit auch zu seinem Tod) … der Sturz des mächtigen Dulles (der als wahrer Chef der Warren-Kommission wieder an die Macht kam) demonstrierte die Handlungsmacht des Präsidenten .. der sich verhielt, als ob er wirklich das politische Kommando hätte – nicht seine militärischen und Geheimdienst-Offiziere.

Kennedy war schockiert darüber, wie ihn die CIA hinters Licht geführt hatte ..und die CIA war schockiert, weil er Dulles gefeuert hatte – Wer glaubte dieser junge Schnösel denn, wer er sei

(Dulles: “ this little Kennedy..he thinks he is a God ..)

2 KAMPF  MIT  BIG  STEEL

Die Stahlkrise, von der wir heute so gut wie nichts mehr aus Historikerkreisen hören … war die „zweite Schweinebucht“ für JFK …. Auf seinem Weg in die Freiheit (und damit in den Tod).

Am 10. April 1962 informierte der Vorsitzende von US-Steel, Roger Blough den Präsidenten in Form einer Presseaussendung,  dass sein Unternehmen die Stahlpreise um 3,5% erhöhen würde. Na und, könnte man jetzt denken. Doch Kennedy hatte sich vorher wochenlang sehr engagiert, um die Inflation in Schach zu halten (Stahl ist natürlich ein wesentlicher Kostenfaktor in einem Haushalt, der enorme Summen für den Krieg ausgibt): sein Team verhandelte sowohl mit der Stahlindustrie als auch mit der betreffenden Gewerkschaft. Beide gaben schließlich zu verstehen, dass sie von von Preis- bzw. (Real-)Lohnerhöhungen Abstand nehmen werden.

Doch während sich die Gewerkschaft an das gentlemen’s agreement hielt (sehr bescheidene Lohnerhöhungen)  fielen die Manager des Kartells, angeführt von US-Steel, dem Präsidenten in den Rücken. Er war allem Anschein nach absichtlich blamiert und provoziert worden …

James Douglass:

anticrime-bills„JFK war sehr wütend, weil man ihn betrogen hatte .. er und sein Bruder Robert, der Justizminister,  begannen daraufhin eine Kampagne gegen die Stahlbarone: die Büros der Firmen wurden durchsucht und ihre Unterlagen beschlagnahmt … doch am schlimmsten war die Anordnung des Präsidenten an das Pentagon, die Angebote für dessen lukrative Aufträge auch im Ausland auszuschreiben, wodurch der US Stahlindustrie gewaltige Profite entgangen wären. Die Kennedys meinten es also Ernst … es war eine Kampfansage und der Gegner waren ihre Geschäfte [die der Stahlindustrie] .. das zwang die Stahlmagnaten in die Knie: sie nahmen die Preiserhöhungen wieder zurück. [es hatten sich nicht alle Stahlfirmen an den Preiserhöhungen beteiligt, nur die großen]

Ende gut, alles gut? Keineswegs, denn das ganze Manöver hatte noch einen dunkleren Hintergrund, eine finstere Absicht: In einem Editorial des Magazins FORTUNE wurde geschildert, dass die Entscheidung für eine Preiserhöhung (vom Aufsichtsrat, in dem die Finanzelite des Landes saß) darauf abzielte, Präsident Kennedy ein Dilemma zu verschaffen: entweder musste er die Preiserhöhungen akzeptieren, und damit Glaubwürdigkeit verlieren oder sich dagegen wehren, wodurch er automatisch die Feindschaft der Business-Elite auf sich zog … was dann ja auch passierte.

Kennedys Reaktion auf den Affront wird mit folgenden Worten zitiert:

My father always told me they were sons of bitches, but I never really believed him till now.

Henry Luce„Der Herausgeber von FORTUNE (und anderen Magazinen), Henry Luce war damals einer der mächtigsten Männer in Amerika. Er hatte den Leitartikel verfasst und sich dabei auf Shakespeare’s Figur des Wahrsagers in „Julius Cäsar“ gestützt:  Hüte Dich vor den Iden des März, eine Warnung an einen mächtigen Politiker vor drohendem Unheil.

Der Titel seines Artikels war: „Stahl – Die Iden des April“ … eine unmissverständliche Warnung an den Präsidenten, welches Schicksal ihm drohen würde, falls er sich weiterhin gegen die imperiale Macht (Industrie / Militär / Geheimdienste) stellen würde. Die geheimen Kräfte musssten als mehr als nur „ein bißchen“ wütend auf Präsident Kennedy sein, um eine solche Drohung auszusprechen.

Eine amerikanische Parabel war dabei, sich zu formen, als Präsident Kennedy sich nach der Kuba-Krise umdrehte und, wie ein Ketzer,  einen anderen Weg einschlug, den Weg des Friedens und der Versöhnung [an dem die Militärindustrie nichts verdienen kann und das Militär selbst seine Macht einbüßt …]

Henry Luce 1Die Parabel vom Präsidenten und den geheimen Kräften würde weitergehen bis sie ein Jahr später, auf einer sonnigen Straße in Dallas ihren Höhepunkt fand … Danach lag es an uns … …“

Douglass erzählt dann von Dorothy Day und ihrer Begegnung mit einem sehr jungen JFK  in einem Obdachlosenheim in New York, das ihre Katholische Arbeiterbewegung führte. Ein Mann der dabei war, sagte später: „Ich erinnere mich noch genau daran, wie betroffen John war, als er die Armut und das Elend dieses Ortes sah ..“ (Bild unten: der junge JFK mit seinen Brüdern Robert und Ted)

John, Ted and BobbyJohn und sein älterer Bruder Joe gingen dann mit Dorothy und anderen Personen essen. Sie redeten die ganze Nacht über Krieg und Frieden, Staat und Bürger, Armut, usw.  Jahre später marschierte Dorothy mit ihren Kollegen gegen die Außenpolitik des Präsidenten (der am Anfang wie alle „kalten Krieger“, eine beinharte, aggressive Position gegenüber Kuba und der Sowjetunion einnahm). Nach seinem gewaltsamen Tod sagte sie zu Douglass:

Schau Dir diesen Mann genauer an, lerne etwas über sein Leben. Dorothy glaubte an das Gute in den Menschen .. trotz seiner anfänglich harten Haltung erkannte sie in ihm etwas (vor seiner Wandlung), dass ihren Glauben an das Gute, das Wesen des Menschlichen berührte.

3 DIE RAKETEN-KRISE IN KUBA (Oktober 1962)

lemay„Während der Raktenkrise musste Präsident Kennedy dem Abgrund ins Auge sehen, in Gestalt des totalen Atomkrieges .. auf dem Höhepunkt dieses furchterregenden Konflikts, die seine eigene Anti-Castro Politik mitverursacht hatte .. hatte er das Gefühl, die ganze Sache sei außer Kontrolle geraten .. besonders wegen der Provokationen und des ständigen Drucks des Pentagons, angeführt von General Curtis LeMay

Zur Person: Le May legte im zweiten Weltkrieg japanischen Städte in Schutt und Asche, so wie es die Allierten-Bomber Dresden, Hamburg, etc. angetan hatten: er warf mehr als 100.000 Tonnen Brandbomben und tötete fast 300.000 Menscen .. die Japaner nannten ihn den „Dämon LeMay“. Er war eindeutig ein Kriegsverbrecher und ein indoktrinierter Psychopath, was sich auch in seinen Zitaten ausdrückt:

Es gibt keine unschuldigen Zivilisten … es ist ihre Regierung .. Du kämpfst gegen ein Volk … es macht mir nichts aus, sogenannte „Unbeteiligte“ zu töten“  (das könnte auch ein „Al Kaida“ Terrorist-in Chief  gesagt haben, oder? … die Parallele ist kein Zufall …)

Quelle: Interview mit  Michael Sherry (September 10, 1989). The Rise of American Air Power , p. 287

Zu Vietnam sagte er, „sie sollen ihre Aggression beenden oder wir bombardieren sie zurück in die Steinzeit ..“ (die Aggression war natürlich in der Realität die der USA …)

Lemnitzer ganz rechts

Lemnitzer ganz rechts

Mit solchen Leuten (weitere Beispiele für größenwahnsinnige, rechtsradikale Psychopathen unter den Generälen waren Lyman Lemnitzer (als Planer) und Edward Lansdale, als Ausführender) musste Kennedy über Krieg und Frieden streiten, sie als „Berater“ akzeptieren … 

Um öffentliche Zustimmung (und scheinbare Legitimierung) für einen offenen Angriff auf Kuba zu bekommen, schreckten Lemnitzer & Co. auch nicht davor zurück, selbst fabrizierte Terroranschläge in den USA zu arrangieren  und sie dann Castro in die Schuhe zu schieben – siehe Operation Northwoods.. Kennedy war schockiert, lehnte diese Pläne natürlich ab und tarnte seine Entlassung Lemnitzers (als Oberster Stabschef des Militärs) damit, dass er ihn als Oberkommandeur der NATO nach Europa schickte

Unser Pech: von dort aus steuerte er den synthetischen Terror, ausgeübt durch alte und neue Nazis, (Operation Gladio) der zwischen den 1960er  und 1980er Jahren hunderte unschuldige Europäer und einige Politiker das Leben kostete .. und wir dachten, es waren Bader-Meinhof, die Roten Brigaden, usw.)

GladioZurück zu Douglass:

„Als Kommandant der Air Force schickte LeMay amerikanische Spionage-flugzeuge (U2) in die Sowjetunion (natürlich eine illegale Aktion, eine Verletzung des Völkerrechts) um eine Reaktion zu provozieren (die man dann als „Aggression“ der Welt präsentierte.

Die USA hatte wesentlich mehr Atomsprengköpfe als die Sowjetunion, sehr viele mehr … und die Generäle setzten darauf, dass sie (nach gelungener Provokation) bei einem Erstschlag den Krieg gewinnen konnten. Le May ordnete also an, das Raketentests (ICBM) stattfanden – mitten im kalten Krieg – wurden vom Stützpunkt Vandenberg in Kalifornien Raketen auf den Pazifik abgefeuert und die Russen wussten nicht, ob es sich um „scharfe“ Raketen handelte oder um harmlose .. „

Während die Welt vor der Ungeheuerlichkeit eines Atomkrieges zitterte, spielten diese Generäle mit dem Feuer. Ein kolportiertes Zitat eines ranghohen Offiziers zeigt, wie wahnsinnig diese Leute waren (und sind): Zur Logik eines  siegreichen „Erstschlags“:

Sie kriegen 40 Millionen von uns, aber wir kriegen 150 Millionen von ihnen!“ (Soll heißen: es sterben dadurch 40 Millionen Amerikaner aber 150 Millionen Russen – was für ein grandioser Sieg! So etwas musste sich Kennedy anhören …

Am 24. Oktober erreichte die Spannung ihren vorläufigen  Höhepunkt, als ein russisches U-Boot,  das als Begleitschutz zweier russischer Versorgungschiffe (die USA hatten eine Seeblockade gegen Kuba verhängt) unterwegs war, von einem amerikanischen Kampfhubschrauber angegriffen werden sollte (mit Wasserbomben).

Kennedy stand unter enormen Druck, er glaubte, das sei das Ende – dieser Angriff würde einen totalen Krieg mit den Sowjets auslösen und die Welt in eine atomare Giftwolke einhüllen .

James Douglass weiter:

„Robert sah seinen Bruder an, er hob seine Hand und bedeckte seinen Mund, … sein Gesicht war eingefallen … seine Augen waren müde .. wir starrten uns gegenseitig an .. für einen Moment lang schien es, als wäre außer uns niemand anwesend  und er wäre nicht länger der Präsident ..

Und dann geschah das „Wunder“: Nikita Chruschow (NC) befahl den Rückzug der Schiffe, die „Qarantäne“ wurde nicht durchbrochen. In diesem Moment rettete er John Kennedy und alle anderen. Was hat ihn dazu bewogen? Der Vorfall wird in seinen Memoiren nicht erwähnt. Aber andere Ereignisse können eine Erklärung dafür geben:

Nikita_S._ChruschtschowKennedy und NC tauschten heimlich Briefe aus .. Am 29. September 1961 schrieb NC  zum ersten Mal an Kennedy von seinem Urlaubsort am Schwarzen Meer. Der Brief ist sechs Seiten lang. Er wurde in einer Zeitung versteckt, dem Pressesprecher Pierre Salinger übergeben. NC betonte seine Gemeinsamkeiten mit Kennedy durch eine Analogie aus der Bibel .. er verglich ihre Lage mit jener der Arche Noah: es waren alle möglichen Arten an Bord, die „Reinen“ und die „Unreinen“, doch sie hatten alle ein Interesse, dafür zu sorgen, dass das Schiff seetüchtig blieb .. wir haben keine Alternative: entweder leben wir auf der Basis einer friedlichen Kooperation .. oder das Boot geht unter …

Ein Textauszug aus dem Brief:

Nur in vertraulicher Korrespondenz kann man sagen, was man wirklich denkt …

„… wie soviele Sowjetbürger habe ich an der Front gedient und den Horror des Krieges erlebt … Ich bin gegen den Krieg. Die Sowjetregierung ist gegen den Krieg. Die Völker der SU sind gegen den Krieg. Ich sage Ihnen das, weil ich glaube, dass Sie – der ebenfalls ein aktiver Kriegsteilnehmer war – die gleiche Haltung einnehmen

Natürlich war die politisch angespannte Lage kaum dazu geeignet, optimistisch zu sein, das war beiden klar und sie waren auch nicht naiv:  NC weiter:

„Wenn man sich einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen unseren Ländern anpassen wollte, wäre Ihre Rede vor der UN-Vollversammlung gut geeignet,  eine  unversöhnliche Haltung im Geist des kalten Krieges zu demonstrieren … diese Rede enthielt nicht gerade wenige Punkte, die gegen die Normalisierung der internationalen Lage Stimmung machen und jenen Unterstützung gewährt, die danach trachten eine militärische Psychose auszulösen, indem sie alle möglichen Märchen über die Absichten der Sowjetregierung verbreiten und ihr Dinge nachsagen, die es gar nicht gibt …“

Doch Chruschow spürte, dass er und JFK trotz gewaltiger Probleme mehr gemeinsam hatten, als man je für möglich gehalten hätte:

Wenn Sie, Herr Präsdient auf dieses edle Ziel hinarbeiten [vollständige Abrüstung] – und ich glaube, das tun Sie – wenn das Abkommen mit den Vereinigten Staaten über die Grundsätze der Abrüstung nicht nur ein diplomatisches oder taktisches Manöver sind, dann werden Sie völliges Einverständnis auf unserer Seite finden und wir werden nichts unversucht lassen, um eine gemeinsame Sprache und das notwendige Einvernehmen mit Ihnen zu erreichen.

Kennedy antwortete ebenfalls von seinem Rückzugsort in Hyannis Port:

Mir gefällt Ihre Analogie mit der Arche …  was für Differenzen wir auch haben, unsere Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens ist ebenso dringend, wenn nicht noch dringender als während des letzten Weltkrieges …

Cuba blockadeDouglass: So kam es, dass sogar als sich die beiden politischen Führer am Abgrund eines Atomkrieges gegenüberstanden, sie aufgrund ihrer geheimen Korrespondenz in der Lage waren, den „anderen“ als menschliche Wesen wahrzunehmen,  als eine Person, der man mit Respekt (und auch Mitgefühl)begegnet.

Das ist genau das, was das Militär um jeden Preis verhindern muss, wenn es Soldaten dazu bringen will, andere Menschen umzubringen …

Die Welt war eine Arche Noah, die „Reinen und Unreinen“ mussten zusammenarbeiten um ein Sinken des Bootes zu verhindern .. also stoppte Chruschow seine Boote um  die Arche nicht zu versenken  ..

Doch die Krise war deshalb noch nicht vorbei:  die Arbeiten am russischen Raketenstützpunkt gingen zügig weiter … dann wurde ein U2-Spionageflugzeug  über Kuba abgeschossen, der Pilot kam dabei um …  die Stabschefs und der Nationale Sicherheitsrat drängten natürlich auf sofortige Vergeltung .. Großangriff bereits am nächsten Morgen .. und dann attackieren wir die Sowjetunion ..

U2 Lockheed(Es wurde natürlich bestritten, dass das Flugzeug spioniert hatte .. ebenso wurden tausende Sabotage- und Terroraktionen gegen die kubanische Bevölkerung sowie zahllose Anschläge auf Castros Leben  als „notwendig“ zur Verteidigung der  vorgeschobenen Freiheitsideale angesehen .. die Fähigkeit, dieser Leute sich selbst zu indoktrinieren, und ungeheure Verbrechen zu rectfertigen ist grenzenlos ….)

Robert Kennedy: „ Wir hatten das Gefühl, das die Schlinge um unseren Hals sich langsam zuzog .. für uns als Amerikaner, aber auch für die ganze Menschheit und das die Fluchtwege einzustürzen begannen … „

Doch John machte den kriegsgeilen Generälen wieder einen Strich durch die Rechnung:

„Er gab keine Erlaubnis für einen Vergeltungsschlag und suchte weiterhin nach einer friedlichen Lösung.  Im Oval Office traf er seinen Bruder Robert. Dieser schrieb später über dieses Treffen:

 „The thought that disturbed him the most, and that made the prospect of war much more fearful … , was the specter of the death of the children of this country and all the world … the young, who had no role, no say, who knew nothing even of the confronation, but whose lives would be snuffed out like everyone elses, never make a decision, to vote in an election,..to determine their own destinies ..it was this that troubled him most, that gave him such pain.“

„Was JFK also am meisten zu schaffen machte, war Folge seines Mitgefühls, seines Mit-Leidens .. die Vorstellung, dass weltweit tausende, ja Millionen Kinder bei einem Atomkrieg sterben würden, … die Jungen, die nicht mitreden konnten, die nichts von diesen Konflikten wussten, deren Leben aber ausgelöscht werden würde … die  nie eine Entscheidung treffen würden, niemals ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen konnten, das tat ihm am meisten weh .. „

Diese Gedanken und die Fähigkeit, seine Feinde als menschliche Wesen wahrzunehmen und mit Respekt zu behandeln, nicht als die Karikaturen der Inkarnation des „Bösen“, bewirkten eine Verwandlung des ehemaligen kalten Kriegers, der „Spezialkräfte“ (Sondereinheiten des Militärs, Terroristen, die verdeckt Krieg führten) nach Vietnam entsandt hatte und den Kubanern das Recht auf  politische Selbstbestimmung absprach, eine Metanoia (griech: Um-Denken, geistige Wende)

Douglass: Was Thomas Merton so beschrieben hatte:

Vielleicht wird JFK eines Tages diesen Zustand des selbst-Vergessens und des Mitgefühls erreichen … aber solche Leute werden über kurz oder lang  Ziele für ein Attentat ..

In diesem Augenblick traf  JFK die folgenschwerste Entscheidung seiner Präsidentschaft und seines Lebens:

Anatoly DobryninEr entschied, dass Robert heimlich den russischen Botschafter Anatoly Dobrinin treffen und persönlich seine große Besorgnis über die Lage zum Ausdruck bringen sollte .. in einem Moment, als die Welt sich verdunkelte, als die Generäle und Berater ihn ständig drängen, endlich anzugreifen und einen Atomkrieg auszulösen .. tat er, was sein Militär und die CIA als unverzeihlich ansahen: er wies nicht nur ihr Drängen zu einem militärischen Angriff  zurück, es war noch viel schlimmer, er wandte sich an seine Feinde und bat um ihre Hilfe, das konnte als Verrat ausgelegt werden … NK sah es als Ausdruck der Hoffnung.

Als RK Dobrinin in Washington traf, warnte er davor, dass der Präsident die Kontrolle an die Generäle verlor und die Unterstützung der Sowjetunion brauchte. Als Chruschtschow diese Nachricht in Moskau errreichte, wandte er sich an seinen Außenminister und sagte:

Wir müssen Präsident Kennedy wissen lassen, dass wir ihm helfen wollen.  NK zögerte … jetzt, wo der Feind am Ende seiner Weisheit angelangt schien, sollte er ihm wirklich helfen? Wollte er das wirklich. Ja, entschied er – Hilfe. Wir haben jetzt ein gemeinsames Ziel, die Welt vor denen zu retten, die uns in einen Krieg drängen wollen.

Wie können wir diesen Moment verstehen?

Die zwei bis an die Zähne bewaffneten politischen Führer … auf der Schwelle zu einem Nuklearkrieg .. verbünden sich gegen jene – auf beiden Seiten – die sie zum Angriff drängen.

Chruschow befahl den Rückzug der Raketen auf Kuba, nachdem ihm Kennedy versichert hatte, dass er Kuba nie mehr angreifen werde und ihm garantierte, dass er auch die Raketen in der Türkei, die natürlich auf Moskau gerichtet waren, abbauen würde, was er später auch tat ).

Die beiden Erzfeinde des kalten Krieges hatten eine Wandlung durchgemacht, als sie erkannten, dass sie mehr verband als jeder von ihnen mit seinen Generälen gemeinsam hatte. Keiner von beiden war ein Heiliger. Beide hatten massiv dazu beigetragen, dass die Welt an diesen Punkt gelangt war und die Gefahr eines Atomkrieges imminent war. Doch als sie in den Abgrund sahen, gingen sie aufeinander zu, um sich gegenseitig zu helfen.

Damit gaben sie der Welt die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden zurück. Kennedy beschritt diesen Weg weiter und seine Rede auf dem Campus der American University am 10. Juni 1963 verdeutlicht dies besonders stark.

American Univ address  June 10

Wer diese Worte  – inmitten der aggressiven Mentalität des kalten Krieges – hört und versteht, begreift was Kennedy damit riskierte. Es ist, als ob  er damit sein eigenes Todesurteil unterschrieben hätte…

We must reconsider our own attitudes … usw.

Kann man sich vorstellen, das Nixon, Ford, Bush, Clinton oder Obama je solche Worte von sich geben würden?  No Way. Kein Präsident  hat sich danach je wieder gegen den Militär-NS-Mafia-Gestapo-Terror-Staat gewendet .. the land of the free“ …. wurde zum globalen Terror-Mastermind …(europäische Geheimdienste machen natürlich auch mit …)

Fortsetzung folgt …