US-AIDS: LIVE AND LET DIE

 

Cantwell doctors of deathWoher kommt AIDS, oder genauer gesagt das HI-Virus, das die gefürchtete „Immunschwäche“ auslöst? Das ist eine wichtige Frage, die nicht nur jene Menschen betrifft, die selbst an dieser unheimlichen Krankheit leiden, sondern uns alle.

Um beurteilen zu können, ob ein gefährliches Virus aus der Natur kommt oder aus einem Labor, muss man sich das Genom des Erregers genauer ansehen, wie und wo es sich verbreitet hat und, welche Behauptungen in den Medien dominieren bzw. welche unangenehmen Fakten unterdrückt werden.

(Die Frage, ob HIV im Labor konstruiert wurde, wird im Laufe dieses Blogs beantwortet)

HIV & AIDS

AIDS-Patienten sind unfähig, Antikörper gegen Krankheitserreger zu bilden, deshalb sterben sie oft an sogenannten „opportunistischen Infektionen“. Selbst ein harmloser Schnupfen kann für HIV-Patienten tödlich enden, eben weil diese Keime nicht mehr durch das Immunsystem bekämpft werden und in einem so geschwächten System auch andere Krankheitserreger „ihre Chance nutzen“ und sich ungehindert vermehren können.

GRUNDWISSEN – IMMUNSYSTEM

Wer sich nicht für Mikrobiologie bzw. Genetik interessiert, mag sich mit den medizinischen Hintergründen ein bisschen schwer tun, und kann natürlich diese langen (anstrengenden) Abschnitte überspringen und sich das Video am Ende dieses Blogs ansehen.

Aber in Zeiten von „Vogelgrippe“ (die eigentlich Geflügelpest heißt und jetzt gerade wieder in einer deutschen „Puten-Fabrik“ [=grausame Massentierhaltung] ausgebrochen ist, Ebola, u.a. Horrormeldungen über Viren, kann man sich nur durch Wissen über die Zusammenhänge gegen irreführende „Berichte“ wehren – denke ich jedenfalls.

HIV greift zwei Arten von Immunzellen gezielt an: Makrophagen und CD4-Zellen (T4-Lymphozyten)

Ein tolles EM-Foto eines Makrophagen von Lennart Nilsson

Ein tolles EM-Foto eines Makrophagen von Lennart Nilsson

Makrophagen (wörtlich: große Fresser) hier abgekürzt „MP“ gehören zur Familie der dendritischen Zellen und sind eine Art Sanitätspolizei und Müllabfuhr im Körper. Sie kommunizieren über chemische Botenstoffe mit anderen Zellen und aktivieren so komplexe Prozesse, die den Körper vor Krankheiten schützenph.

Bakterien, Viren, Giftstoffe, etc. werden als Feinde erkannt, überwältigt, und „gefressen“, dieser Prozess heißt Phagozytose. Danach produzieren MP Signalstoffe (Interleukin 1, abgekürzt IL-1), die freigesetzt und von anderen „weißen Blutkörperchen“ (Lymphozyten) erkannt werden.

B lymphocyteDiese heißen „B-Zellen“ (B für Bone marrow, also Knochenmark, wo sie hergestellt werden) und werden durch das Interleukin zur Zellteilung angeregt. Es entstehen sogenannte Effektorzellen, die mit der Bildung von Anti-Körpern beginnen und diese gelangen in die Blutbahn. Aber um die Immunabwehr endgültig zu mobilisieren, brauchen wir noch einen chemischen „Befehl“ und zwar von den T-Lymphozyten. Davon gibt es verschiedene Typen, wie z.B. T4-Zellen. Die „4“ kommt von einem Eiweißmolekül (CD4), das sich in der Zellmembran (der Hülle der Zellen) befindet, das „T“ steht für Thymus, die Drüse hinter dem Brustbein, wo sie „zur Schule gehen“ (heranreifen), also zu verschiedenen Immun-Spezialisten ausgebildet werden.

Helper cells interactionDurch das IL-1, das die MP absondern werden die T4-Zellen dazu angeregt, einen anderen chemischen Botenstoff zu produzieren Interleukin-2 (IL-2). Erst dadurch wird die Produktion von Effektorzellen bzw. Anti-Körpern ausgelöst. Die T4-Zellen heißen deshalb auch „Helferzellen“, weil sie bestimmte Prozesse induzieren (das ist natürlich stark vereinfacht).

Dann gibt es noch die T8-Zellen, die dafür sorgen, dass die Antikörper-Produktion nicht aus dem Ruder läuft (sie hemmen also deren Produktion, wenn es notwendig ist). Dazu gehört aber auch eine zweite Gruppe, die man als „Killerzellen“ bezeichnet, weil sie Eindringlinge direkt angreifen.

Die sinnvolle Funktion der Makrophagen (Anlocken von „Verstärkung“, also der T-Lymphozyten durch Botenstoffe) wird durch die Infektion mit HIV pervertiert: die Helferzellen werden quasi in eine „Falle“ gelockt, weil sie dem Virus als Angriffsziele „auf dem Präsentierteller“ serviert werden.

Lennart-Nilsson-48Das HI-Virus dringt in die T4-Zellen ein, baut seine eigene Erbinformation (als DNA) in die DNA der Körperzelle ein und be- bzw. verhindert die Ausschüttung von IL-2, wodurch die immunologische Kaskade ins Stocken gerät, weil keine neuen Antikörper mehr produziert werden. (HI kann die Zellen auch umbringen). Jede Infektion (die normalerweise harmlos ist, wenn das Immunsystem funktioniert) kann somit zum Tod führen.

Bei gesunden Menschen ist das Verhältnis von T4 zu T8-Zellen 2:1. Nach HIV-Infektion und einigen Monaten Inkubationszeit sinkt es auf 1:1. Sobald die ersten Symptome von AIDS auftreten, verschlechtert es sich weiter auf 0,5:1 oder noch weniger. Die dramatische Abnahme der T4-Zellen geht also Hand in Hand mit dem Erscheinungsbild von AIDS.

WER ENTDECKTE HIV (das AIDS-Virus)?

Es gibt zwei* Forschergruppen, die beide den Ruhm in Anspruch nehmen, HIV als erste entdeckt zu haben:

Luc MontagnierLuc Montagnier (LM) vom Pasteur-Institut in Paris und Robert Gallo (RG) vom NCI (Nationalen Krebsforschungsinstitut) in Maryland, also in den USA. (* J.Levy in San Franciso und D. Francis in Atlanta haben ungefähr zur gleichen Zeit auch das Virus gefunden, aber sie spielen bei den folgenden Ereignissen keine so große Rolle und werden deshalb vernachlässigt).

1983 meldete LM, man habe ein neues Virus isoliert, das die Immunschwäche verursachen soll und nannte es LAV (Lymphadenopathy associated virus). Das Symptom der „Lymphadenopathie“, also geschwollene Lymphknoten, war bei dem betroffenen Patienten ausgeprägt, aber noch kein Vollbild-AIDS.

1984 veröffentlichte RG, man habe ebenfalls ein Virus gefunden, das AIDS auslösen soll und das den Namen „HTLV-III“ erhielt. HTLV I und II waren von Gallo schon früher isoliert worden. Beide greifen die T4-Zellen an, lösen aber nicht AIDS, sondern Blutkrebs (Leukämie) aus. Deshalb auch der Name: Human T-Cell Leukemia / Lymphoma Virus.

(Wer den vorhergehenden Beitrag gelesen hat, weiß dass diese TL-Viren ursprünglich nur bei Tieren vorkamen: bei Geflügel, Rindern, etc. und dass man krampfhaft nach einem Virus „geforscht“ hat, das auch bei Menschen Blutkrebs auslöst, bzw. gezielt das menschliche Immunsystem angreift …)

Doch Gallo irrte sich gewaltig, denn HTLV-III stammte nicht direkt von HTLV-I ab (war also nicht durch natürliche Mutation entstanden), wie wir später noch sehen werden. Man könnte es auch so formulieren: Gallo wollte durch diese Namensgebung den Eindruck erwecken, dass es so ist.

Bald stellte sich heraus, dass es sich bei den o.a. Entdeckungen um das gleiche Virus handelte, das dann den Namen HIV erhielt.

WIE KOMMT DAS VIRUS IN DIE ZELLE?

Viren können nicht „mit Gewalt“ in die Zellen eindringen, sie müssen natürliche Prozesse dazu nutzen, wie die Endozytose.

co-receptors HIV macrophage T4Die Zellmembran beherbergt bestimmte Proteinmoleküle (Rezeptoren), die sozusagen als biochemische Pförtner fungieren: Wer hineinwill, muss sich ausweisen und nur wenn der biochemische „Fingerabdruck“ stimmt, wird die Tür geöffnet. Der Fingerabdruck ist in diesem Fall das Hüllenprotein des Virus: wenn es mit dem Rezeptor der Zelle kompatibel ist, darf es passieren. (Deshalb sind die meisten Viren jeweils nur für bestimmte Zelltypen gefährlich, z.B. das Schnupfen auslösende Rhinovirus kann nur an die Nasenschleimhaut andocken, usw.)

Im Fall von HIV ergibt sich der unglaubliche „Zufall“, dass das Hüllenprotein gp120 genau dem Rezeptorprotein der CD4-Zellen entspricht – es passt wie ein Schlüssel ins dazugehörige Schloss (im Expertenjargon: „kompatible Epitope“).

Deshalb kann das HI-Virus ungehindert in die Immunzellen einwandern und dort seine zerstörerische Tätigkeit beginnen. Hier muss angemerkt werden, dass das Virus sich nicht vermehren kann, wenn sich die T4-Zellen im Ruhezustand befinden. Die Endozytose und die Virusproduktion gelingen erst, wenn sie durch IL-2 oder durch andere Chemikalien stimuliert werden. Das erklärt, warum es Monate oder Jahre dauern kann, bis AIDS-Symptome erkennbar sind.

HIV lebt also „under cover“ in den T-Zellen der betroffenen Menschen und bricht erst aus, wenn sie durch eine andere immunologische Bedrohung aktiviert werden. Doch damit nicht genug, missbraucht HIV auch die Makrophagen, die ja wegen ihrer Rolle als Immunpolizei sehr häufig im Zustand der „Mobilmachung“ sind. (Mehr dazu weiter unten).

Die Lebensbedingungen der infizierten Menschen spielen auch eine entscheidende Rolle für den Ausbruch (je-)der Krankheit: wer in Armut lebt, unter schlechten hygienischen Bedingungen, unter- oder mangelernährt, Drogen nimmt, häufig Alkohol trinkt, raucht, etc. hat viel schlechtere Aussichten, als jemand dessen Lebensweise das Immunsystem stärkt.

RETROVIREN BLUES

Strecker memo 4 artificial virusHIV gehört zur Familie der Retroviren (Gattung Lentiviren). Der Name kommt von dem Enzym „reverse Transkriptase“, das es den Viren erlaubt, ihr Erbgut von RNA zu DNA umzuschreiben, ein Prozess, der „normalerweise“ umgekehrt (also in reverse) verläuft. Diese virale DNA wird so nicht als „fremd“ wahrgenommen und deshalb in die zelleigene Gen-Datenbank, die eigene DNA eingebaut. Sie wird somit zur Produktionsfabrik für Pro-Viren, die sich bei jeder Zellteilung vermehren, aber nicht angreifen. Sie können Monate, sogar Jahre in den Zellen „schlummern“, bis sie durch ein bestimmtes Ereignis aktiviert werden.

NB: Es gibt auch endogene Retroviren (ERVs), die schon seit langer Zeit in die zelleigene DNA (also unsere Zellen) integriert sind und keine Krankheiten auslösen. (Sie machen mindestens 8% der DNA aus).  Doch sie können gefährlich werden:

  • wenn sie in andere Arten übertragen werden (Xenotropismus),
  • wenn sie durch ein fremdes Virus aktiviert werden („Helfer-Virus“, das kann auch durch eine Impfung passieren) und / oder
  • durch Röntgenstrahlen, Chemikalien, Pestizide
  • durch entzündungsfördernde Zytokine u. Steroid-Hormone

Wir wissen, dass die wahnsinnigen „Krebsforscher“ in en 1960er Jahren Tiere mit allen möglichen Chemikalien und Röntgenstrahlen gequält haben, damit solche Viren endlich Krebs auslösen (siehe das Buch von Dr. Horowitz) und das Immunsystem lahmlegen …

Damit soll auch verdeutlicht werden, dass das fanatische Suchen nach „Krebs- oder Leukämieviren“ an sich schon ein Irrweg ist, weil bei der Entstehung von Krebs immer mehrere Faktoren mitspielen. Die Genexpression von Viren und menschlichen Zellen wird durch Umweltfaktoren beeinflusst, aber davon wird abgelenkt, weil in unserer profit- u. wachstumsorientierten Industriegesellschaft ein kritisches Nachdenken darüber nicht erwünscht ist. (Pestizide, tausende Chemikalien, die nie auf ihre Langzeitwirkungen untersucht wurden, Radioaktivität, etc. Statt diese Ursachen zu benennen, werden „Gentherapien“ und „böse“ Viren ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt …

Das „DNA-Versteck“ in den Zellen ermöglicht es den Viren, der Immunpolizei zu entgehen und alle chemischen Waffen (anti-virale Medikamente) zum Bumerang zu machen, denn alles was dem Virus-Genom schadet, schadet somit auch den Zellen.

Retroviren wird man nie wieder los (solange man lebt), doch die meisten von ihnen sind nicht lebensbedrohlich. Außerdem muss man sich die Frage stellen, warum die Natur diesen Mechanismus erfunden hat: Biologische Systeme sind hochintelligent und es muss einen Grund dafür geben, warum Virusgenome in die DNA eingebaut werden und jahrelang / über Generationen hinweg dort verbleiben.

Im Fall von HIV bewirkt ein katalytisches „Ereignis“ (wie die Aktivierung der T4-Zellen), dass die virale DNA wieder in RNA umgeschrieben wird, virale Proteine produziert werden und sich zu Virionen vereinen. Diese verlassen dann die Zelle in Form von „Knospen“, die aus der Zellmembran herauswachsen.

Während bei anderen Virenarten dieser Prozess zum Tod der Zelle führt, überlebt diese (vor allem Makrophagen) bei Retroviren und kann somit weiterhin andere Zellen infizieren, ein teuflisches System.

HI virionsDie Virionen, die sich außerhalb der Zellen befinden, können mit Medikamenten und Antikörpern angegriffen werden. Doch die Fabriken, die das tödliche Virus herstellen (die befallenen, aktivierten Zellen), machen weiter und die Produktion von Antikörpern geht immer mehr zurück.

Aber selbst wenn die Produktion von T4-Zellen massiv behindert wird, gibt es doch noch das „immunologische Gedächtnis“. Wer einmal Masern hatte, hat auch Antikörper dagegen produziert und diese Erinnerung ist im Immunsystem gespeichert. Sobald das Masern-Antigen erkannt wird, beginnt die Produktion von Antikörpern (auch ohne „Meldung“ von Makrophagen und Signalen von T4-Zellen). Antikörper sind aber nicht die schnellsten und manche Krankheitserreger haben Reparaturmechanismen dagegen entwickelt. Für solche Fälle braucht man eben das Spezialkommando der „Killerzellen“ (T8-Zellen). Sie bohren Löcher in die Membranen von Bakterien und injizieren giftige Zytokine, die die Keime rasch abtöten.

AIDS-Kranke sterben häufig an einer speziellen Lungenentzündung, die ansonsten sehr selten vorkommt, weil deren Erreger (Parasiten) eben durch die Killerzellen „erledigt“ werden, bevor sie Schaden anrichten können. Leider ist HIV anscheinend auch in der Lage, die Gedächtniszellen auszuschalten.

VERBLÖDUNG DURCH AIDS & was Schafe damit zu tun haben

nerve cellWährend in den Medien immer wieder AIDS-Symptome wie das Karposi-Sarkom oder Lungeninfektionen auftauchen, hört man so gut wie nichts über die Tatsache, dass HIV auch das Gehirn bzw. das Nervensystem angreift. Gleichgewichtsstörungen, fehlerhafte Koordination der Bewegung bis zur voll ausgebildeten Demenz können als Folge von AIDS auftreten.

In den 1980er Jahren untersuchten Ärzte erstmals die Gehirne von 15 Patienten, die an seltsamen Gehirnkrankheiten oder Demenz gestorben waren. Bei fünf konnte die DNA (also integrierte Form) des HIV-Genoms nachgewiesen werden. Damals wurde auch erwähnt, dass die Symptome im Bereich des Zentralnervensystems, genau denen von Schafen in Island entsprachen, die vom Maedi-Visna-Virus (MVV) befallen wurden. Auch die Ähnlichkeit der beiden Genome ist den Forschern nicht entgangen.

Konig, Fauci et al. kamen zu dem Ergebnis, dass bei 75% der verstorbenen AIDS-Patienten, das Gehirn massiv angegriffen war und stellten überdies fest, dass sich HIV – genau wie MVV – in den Makrophagen (MP) einnistet.

Macrophage eating cancer cell(Links ein Makrophage, der eine gelb eingefärbte Krebszelle umschließt)

Die als Abwehr-Vorteil gedachte Fähigkeit der MP, leicht und schnell in alle möglichen Gewebe eindringen zu können und auch den Stoffwechsel zu beeinflussen (Lunge, Niere, Darm, Leber, Thymusdrüse, etc.), wird somit zum immunologischen Albtraum: denn das HI-Virus kann von den MP nicht „gefressen“ werden, stattdessen tragen sie es wie ein trojanisches Pferd an Orte, wo es sonst nie hinkommen könnte. So gelingt es HIV auch, die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen und mit den MP ins Zentralnervensystem einzudringen. Dort wird der Makrophage selbst zum Problem, er löst Entzündungen aus, die zum Absterben der Gehirnzellen führen können. Symptome reichen von Gedächtnisschwund, Kopfschmerzen, Ataxie, bis zur Verblödung.

Makrophagen in der Lunge oder in der Leber lösen natürlich auch unangenehme Effekte aus. Je nachdem, welches Organ anfälliger ist (bei jedem Menschen anders), wird man dort zuerst Symptome sehen.

Genau so läuft es auch bei Schafen ab, die mit Visna-Viren infiziert wurden. Deshalb gibt es zwei Krankheiten, die man in Island beschreibt und die beide von den befallenen Makrophagen verursacht werden:

  • MAEDI (Atemnot) – wenn in erster Linie die Lunge betroffen ist
  • VISNA (Erschöpfung) – wenn in erster Linie das Gehirn geschädigt ist

Die T4-Zellen werden bei Schafen allerdings nicht angegriffen – ein Punkt, der später noch wichtig wird. Beim Menschen wirkt sich der zusätzliche Befall von T4-Zellen verheerend aus, weil die Antikörper-Produktion schließlich völlig zusammenbricht und sich die Virionen ungehindert ausbreiten können. Dadurch können Makrophagen noch leichter infiziert werden und der Teufelskreis schließt sich mit der Zerstörung der Thymusdrüse.

Die Gemeinsamkeiten von HIV und Visna-Virus (VV) zeigen sich auch in der langen Inkubationszeit: es kann Jahre dauern, bis Krankheitssymptome auftreten, deshalb heißt diese Virengattung auch Lentiviren (lenti steht für langsam).

T4-Syndrom einerseits und Visna-Syndrom andererseits

  • Primärinfektion über Makrophagen: völlige Übereinstimmung mit MVV
  • Sekundärinfektion über T4-Zellen: massiver Rückgang (Verlust der Helferzellen-Funktion); infizierte T4-Zellen teilen sich viel häufiger, es kommt zur „Schwellung“ von Lymphknoten, dem ersten klinischen Symptom von AIDS in der Frühphase
  • Ausfall der T4-Zellen begünstigt Vermehrung befallener Makrophagen, die 2. Invasion der inneren Organe beginnt und diesmal gibt es keine Antikörper mehr, die sie behindern könnte (Prä-AIDS)
  • Bildet sich das volle Bild von AIDS aus, bevor Gehirnzellen absterben, wird der Patient an den bekannten Infektionen oder an Krebs sterben; wenn nicht wird er vorher verblöden, weil das ZNS zerstört wird (das T4-Syndrom kann sich also langsam oder schnell entwickeln)

NATUR UND URSPRUNG VON HIV

Scanning-electron-micrograph-of-HIV-particlesEnde der 1970er bzw. Anfang der 1980er Jahre tauchte plötzlich eine Reihe neuer Retroviren auf, die bei Menschen verschiedene Formen der Leukämie auslösen sollen. Dazu gehören

  • (1979) HTLV I: > T-Zellen Leukämie; vermehrt sich in Zellkulturen
  • (1982) HTLV II: > Haarzell-Leukämie (der B-Zellen); vermehrt sich ebenfalls in vitro
  • (1983 – offiziell) HTLV III: > HIV/AIDS; tötet die Zellkultur
  • (später HTLV IV u. V)

Dr. Robert Gallos damalige Behauptung, HTLV-III (später HIV genannt) sei aus HTLV-I hervorgegangen (das er „entdeckt“ hatte), war nicht nachvollziehbar, denn auf EM-Bildern von Viren, die mit einem Elektronenmikroskop aufgenommen wurden, sah man erhebliche Unterschiede:

  • HTLV-1: Typ C, Durchmesser 100 Nanometer und einem kugelförmigen Core (wo das Genom ist)
  • HTLV-III / HIV: Typ D, Durchmesser 120 Nanometer und einem konischen / zylinderförmigen Core
  • Auch die Knospung und der Verlauf der Reifung ist unterschiedlich

Die Verwandtschaft ist etwa so groß wie zwischen Hund und Katze.

Das wusste Gallo natürlich, deshalb hat er diese „Abstammung“ auch nie in einem wissenschaftlichen Journal propagiert, kein Fachmann hätte ihm das abgenommen. Diese „Meldung“ war natürlich für die ahnungslosen Massen gedacht und wurde deshalb auch in einer Zeitung publiziert (DIE ZEIT vom 4. Mai 1984), von der sich die „geistige Elite“ angesprochen fühlt …

Luc Montagnier et al. vom Pasteur-Institut hat diesem PR-Stunt von Gallo fundierte Erkenntnisse entgegengehalten: er veröffentlichte im Fachjournal Nature Informationen, die mit Genomkarten belegten, dass die strukturellen Unterschiede zwischen den beiden Viren so groß sind, dass sie unmöglich voneinander abstammen können (auch nicht durch Mutationen verändert).

Montagnier genome comparison HTLVI and HIV 1984Doch niemand sprach aus, was viele ahnten: Dieses monströse Virus könnte in einem Labor künstlich hergestellt worden sein ….

LEUKÄMIE  AUS  DEM  LABOR?

Gallo vertritt seit HTLV I den Standpunkt, dass die Natur Leukämieviren erschaffen hat, also Viren, die gezielt menschliche Immunzellen angreifen, obwohl er selbst zugab, dass es trotz eifriger Forschung seit den 1960er Jahren nicht gelungen war, auch nur den geringsten Beweis dafür zu finden:

However, by this period, there was increasing antagonism to research directed toward the finding of human tumor viruses and especially of retroviruses. The NCI had created the heavily funded Virus Cancer Program which was under attack for failing to find clear evidence of tumor viruses. Moreover, by the mid-1970s there had been not only decades of failure to find human retroviruses, there had been many false starts by many investigators utilizing the co-culture system that involved cell lines, including one by me. The usual problem was a cross contamination with an animal retrovirus.”

Wie ich aber im letzten Beitrag erklärt habe, wurden besonders seit 1969 intensive Experimente mit tierischen „Krebsviren“ gemacht, um zu sehen, ob man damit auch andere Arten und letztlich den Menschen infizieren kann. Gibt es also auffallende Ähnlichkeiten zwischen den (synthetischen?) tierischen Leukämie-Viren und den plötzlich aufgetauchten „menschlichen“?

Strecker Memo 5 Aaronson NIH 1971Diese Frage stellten sich in den 1980er Jahren einige Wissenschaftler und Ärzte. Einer davon war der Arzt und Pharmakologe Dr. Robert Strecker, der 1988 ein Video produzierte, um die amerikanische Öffentlichkeit aufzurütteln. Darin stellt u.a. er fest:

  • Bei Rindern „fand“ man BLV, das die gleiche Morphologie (Struktur), das gleiche relative Molekulargewicht, die gleiche Abhängigkeit von Magnesium hat wie HTLV I; und die Fähigkeit, B- und T-Zellen zu befallen …
  • Dann ist da noch BSV, das die gleichen Übereinstimmungen wie oben, (aber) mit dem HTLV II aufweist und ebenfalls Haarzell-Leukämie auslöst …(eine extrem seltene Krankheit)
  • Und das Visna-Virus, das wir ja schon vom Schaf kennen, fand man auch bei Rindern: das BVV: auch hier zeigt sich eine eklatante Ähnlichkeit zur „humanen“ Virusvariante und zwar zu HIV; 1974 wurden Baby-Schimpansen mit BVV infiziert, das Ergebnis war die PCP, also genau jene seltene Lungenkrankheit, die man bei AIDS-Kranken findet …

VOM  NEUEN  LEUKÄMIE-VIRUS  ZU  AIDS

Dr. Strecker ist überzeugt, dass „HIV-2“ durch Kreuzung von VV und HTLV II entstanden ist (analog dazu HIV = VV+ HTLV I)

Professor Dr. Jakob Segal, den ich ja im letzten Beitrag erwähnt habe, war ebenfalls überzeugt, dass HIV-1, durch Kombination von VV und HTLV I konstruiert wurde und das ist äußerst plausibel, wenn man (wie auch bei Dr. Strecker) seine Argumente betrachtet:

1 HERSTELLUNG VON AMINOSÄUREN: Kodierungsstrategie bei Retroviren

Aus vier Nukleotiden sollen Triplets (Dreiergruppen) codiert werden: 43 ergibt 64 mögliche Kombinationen, gebraucht werden aber nur 20 Aminosäuren, d.h. es gibt unterschiedliche Kombinationen. VV und HIV weisen für 18 Aminosäuren die exakt gleiche Kodierung auf, aber keine einzige Übereinstimmung besteht zwischen HIV und HTLV I.

2 VERGLEICH DER GENOME von HIV und VV (Visna-Virus) gegenüber HTLV I

DNA coiling sim Visna HIV HTLVA-D Elektromikroskopische (EM)-Aufnahmen hybridisierter DNA (dunkel)

  • a-d vereinfachte graphische Darstellung zum Vergleich

Hybridisierung = nach Trennung der beiden komplementären DNA-Stränge legen sie sich wieder (in der richtigen, Reihenfolge der Nukleotidketten) aneinander; bei 100% liegen die Stränge also völlig parallel zu einander, bei verschiedenen Arten passiert das nur an jenen Stellen, wo es (zumindest) ähnliche Sequenzen gibt;

  • Aa HTLV 1 zu HIV
  • Bb HTLV 1 zu Visna: hybridisieren nur in 2 kleinen Bereichen; gag Gen kein Beweis für nahe Verw
  • Cc HIV zu Visna: (rechts oben) Hybridisierung über lange Strecken , dort 60% Übereinstimmung der Nukleotide und an 25 Stellen, was für eine nahe Verwandtschaft spricht; (*später auch durch Computeranalyse bestätigt)
  • d HIV zu Visna (umgedreht)

60% ist das nicht zu wenig? Nein, denn wir haben ja auch nicht 90% Übereinstimmung mit den Genen unserer Mütter bzw. Väter, sondern von beiden etwas. Die Kombination variiert, deshalb sehen Geschwister ja auch nicht alle gleich aus und haben auch nicht die gleichen Eigenschaften.

Außerdem mutiert HIV extrem schnell, eben weil es genetisch instabil ist (so etwas hätte die Natur nicht konstruiert). Dazu schreibt Professor Segal:

Was geschieht aber, wenn ein Virus mittels Gentechnik aus zwei aufeinander nicht genau abgestimmten Genomstücken zusammengebaut wird? Die Enzyme arbeiten nicht optimal, die Bruchstücke werden langsam gebildet und zusammengeklebt. Besonders schlimm ist es, wenn die reverse Transkriptase (RT) von einem anderen Virus eingebaut wurde und das scheint tatsächlich der Fall zu sein.“

revtranscriptase pH optimunAls ein Forscherteam die RT aus dem HIV isolierte, fanden sie heraus, dass es zwei Fraktionen gibt; d.h. eine funktioniert optimal bei einem pH-Wert von 5,8, die andere bei pH 6,3. So what? Bei VV findet man die eine, bei HTLV-I die andere Faktion, aber exakt diese beiden vereint nur bei HIV. Das wäre auch der Grund für die häufigen Mutationen: man hat dem VV ein Stück vom HTLV I „aufs Auge gedrückt“, das auch die RT mitcodiert.

Das HIV-Genom hat etwa 300 Nukleotide mehr als das Visna-Genom, die im „pol“ Abschnitt liegen; also der Genbereich, wo Enzyme (Polymerasen) codiert werden. HIV wäre demnach also eine Kombination aus zwei Retroviren: Typ C (Visna) und Typ D (HTLV I), deren Enzymsysteme nicht aufeinander abgestimmt sind. Deshalb passieren bei der reversen Transkription häufig Fehler und damit Mutationen. Ein klarer Hinweis auf die rekombinante („zusammengebaute“) Natur von HIV.

Types of RetrovirusesDr. Segal kam also zu folgendem Schluss:

In das Visna-Virus (tödlich für Schafe, ungefährlich für Menschen) wurde ein Segment des HTLV-1 Genoms eingebaut, wodurch das neue Virus (HIV) in der Lage war, menschliche Makrophagen und T4-Zellen zu befallen.

Er schreibt dazu wörtlich:

Ein Schafsvirus, das einen zusätzlichen Apparat erhielt, um sich an die menschliche T4-Zelle anzuheften und von ihr aufgenommen zu werden, musste … auch im Menschen zu einem tödlichen Krankheitskeim werden.“

Der häufige Einwand von Kritikern war, dass man in den 1970er Jahren noch gar nicht das gentechnische Wissen hatte, um so ein Virenmonster zu konstruieren. Doch Dr. Segal beweist, dass es mit den damals vorhandenen Methoden und Mitteln durchaus möglich war, neue Viren zu erschaffen. Man nutzte bestimmte Enzyme, die die DNA an einer bestimmten Stelle wie eine Schere durchschneiden und andere, die die Teilstücke wieder zusammenkleben (Ligasen). Das Hetero-Duplexverfahren war schon seit 1971 bekannt (dazu werden Bakteriophagen als „Behälter“ für Virenbruchstücke von HTLV I verwendet, die man dann mit dem aufgeschnittenen Visna-Genom kombiniert).

Dabei führte allerdings der Zufall Regie, weil man nicht steuern konnte, welche Kombinationen entstehen. Doch man konnte mit den neuen Varianten Zellkulturen anlegen und dann jene aussuchen, die sich am schnellsten vermehrten (also die gewünschten Eigenschaften aufwiesen – wie die Fähigkeit, sich an T-Zellen anzuheften). Dr. Segal schätzt, dass man damals etwa sechs Monate brauchte, um zu diesem Punkt zu gelangen. (Heute gelingt das in Tagen).

Wir wissen von Dr. Horowitz‘ Recherchen (siehe letzter Beitrag), dass seit Mitte der 1960er Jahre mit Hochdruck daran gearbeitet wurde, ein „Krebsvirus“ zu finden, oder besser gesagt, ein Virus zu konstruieren, dass das Immunsystem lahmlegt. [Keine Biowaffe für den Krieg, sondern für „Rassenhygiene“ und Bevölkerungkontrolle]. Das Pentagon erhielt dafür Millionen an Forschungsgeldern vom US-Kongress und wenn man den Ausführungen von Horowitz, Strecker, Segal u.a. folgt, wurde auch tatsächlich nach 10 Jahren dieses Killer-Virus erschaffen: HIV.

WIE WURDE HIV / AIDS VERBREITET?

Um ein gefährliches Virus herzustellen, braucht man ein Hochsicherheitslabor, große Geheimhaltung, viel Geld und ein scheinheiliges Ethos. Über all das verfügt das US-Militär und ist deshalb auch führend auf dem Gebiet der Biowaffenforschung. Wie ich ja bereits im letzten Beitrag erwähnt habe, hat sich diese Fraktion dann unter dem Deckmantel der „Krebsforschung“ (NCI) jeder Kritik entzogen.

Prof. Segal schreibt dazu: „Dr. Gallo hatte nun (als Leiter des NCI) ein hochmodernes Labor, das der militärischen Geheimhaltung unterlag …“

Denjenigen, die von solchen „Verschwörungstheorien“ entsetzt sind und behaupten, so etwas mache doch keine Regierung, schon gar nicht die der USA (geschweige denn ihr Militär), kann man einfach die brutalen Fakten entgegenhalten:

A Higher form of Killing CB warfareLaut Dr. Strecker fanden zwischen 1959 und 1970 300 biologische Experimente in den USA statt, ohne Wissen der Opfer.  (Das ging natürlich auch danach weiter …)

Z.B. wurden in Alabama hunderte schwarze Männer mit Syphilis nur zum Schein „behandelt“ um zu sehen, wie sich die Erkrankung über Jahrzehnte hinweg entwickelt; dabei wurde auch in Kauf genommen, dass die Frauen infiziert wurden und damit auch neugeborene Kinder; selbst als es Penicillin gab, wurde es ihnen nicht gegeben (sie wussten auch nicht, welche Krankheit sie hatten; man sagte ihnen nur, sie hätten „schlechtes Blut“)

Wegen der Geheimhaltung ist es natürlich unmöglich, eindeutige Beweise dafür vorzulegen, wie sich AIDS verbreitet hat. Doch es gibt plausible Theorien, die man in Erwägung ziehen muss:

1  GEFANGENE  ALS  VERSUCHSKANINCHEN

Eine Möglichkeit ist, dass man das neue Virus an Häftlingen getestet hat, die lange Gefängnisstrafen abzusitzen hatten. Durch ihre Teilnahme wurde ihnen eine frühzeitige Entlassung in Aussicht gestellt. In den 1970er Jahren wusste man natürlich noch nicht genau, wie sich das neue Virus bei Menschen längerfristig auswirken würde. Einige der Häftlinge wurden wahrscheinlich krank, aber andere zeigten im Beobachtungszeitraum kaum oder keine Symptome und wurden schließlich entlassen.

Da die überwältigende Mehrzahl der Schwerverbrecher Männer sind und in den Gefängnissen Homosexualität an der Tagesordnung ist, wäre das eine Erklärung dafür, warum anfangs AIDS fast nur bei Männern auftrat.

2 IMPFUNGEN                                                                                               

hepatitis vaccine  NYEine zweite, sehr plausible Theorie ist die Ausbreitung von AIDS über Massenimpfungen. 1978 wurden in New York City tausende homosexuelle Männer gegen Hepatitis B geimpft, nachdem man sie durch eine Werbekampagne dazu animiert hatte. Die Firma Merck (MSD) war der Hersteller des Impfstoffes und gleichzeitig Sponsor der Impfaktion.

Die Impfungen erfolgten in sechs amerikanischen Großstädten: New York, San Francisco, Los Angeles, St. Louis, Houston und Chicago. In den folgenden Jahren zeigte sich, dass genau in diesen Städten die meisten AIDS-Fälle auftraten und auch die höchste Zahl an Todesfällen.

Dr. Horowitz hat dutzende von WHO-Berichten aus dieser Zeit durchforstet und u.a. festgestellt: WHO förderte

  • ein Projekt israelischer Wissenschaftler, die die genetischen Faktoren der menschlichen Immunantwort untersuchen
  • Forschungsprograme, die die Empfänglichkeit bestimmter Gruppen für bestimmte Krankheiten untersuchen (z.B. Indianer in Amerika), aber auch im Kontext von „Rassenunterschieden“: z.B. Sind Afrikaner empfindlicher für manche Erreger? Dazu wurden Genome und Blutproben analysiert
  • Versuchsreihen an Menschen zur Testung neuer Impfstoffe (aus Viren und Bakterien hergestellt)

 2.1 OUT OF AFRICA

smallpox immun AfricaIn den 1970er Jahren hatte in Zentralafrika eine WHO-gesponserte, großangelegte Immunisierungskampagne gegen Pocken begonnen, bei der Millionen Menschen geimpft wurden. (An sich eine gute Sache). Das muss nicht automatisch heißen, dass HIV absichtlich in Afrika verbreitet wurde, man kann es aber auch nicht ausschließen.

Zur Herstellung von Impfstoffen wurden damals Seren von Kälber-Föten verwendet, dabei könnten auch bei Rindern vorkommende Viren (wie z.B. BVV) übertragen worden bzw. sich mit dem Impf-Virus gekreuzt haben.

smallpox WHO 1970sDas Impfprogramm zur Ausrottung der Pocken basierte jedenfalls auf Antiseren, die aus den USA kamen und kostenlos an afrikanische Länder abgegeben wurden, dazu gehörten: Kenia, Kongo (Zaire), Ruanda und Guinea. Für diese Kampagnen hat die WHO 14 Millionen Dollar ausgegeben (heute etwa 100 Millionen).

Dr. Horowitz beweist auch, dass immunsuppressive Viren schon seit Anfang der 1970er Jahre von Gallo et al. entwickelt wurden und nicht erst 1983. Während Präsident Nixon den “Krieg gegen den Krebs” verkündete (1971), war Dr. Gallo gerade dabei, einen Artikel zu verfassen, in dem Methoden des Einbaus von RNA einer Virenart in das Genom einer anderen beschrieben wurde, um einen Virus-Mutanten zu erschaffen, der genau wie HIV funktionierte (was ja Prof. Segal auch erklärt hat).

Die offizielle Begründung für diese Forschung – die genetischen Faktoren der menschlichen Immunität zu verändern und somit die Immunantwort auf eine gesundheitliche Bedrohung – war natürlich, den Krebs zu besiegen. (Da es bis heute nicht gelungen ist, können wir davon ausgehen, dass andere Motive auch eine Rolle spielten).

Tausende, grausame Experimente an Tieren dienten also dem Zweck, bei ihnen verschiedene Formen von Krebs auszulösen und zu testen, mit welchen infektiösen Viren bzw. Viren-Mutanten das – artübergreifend -gelang.

Strecker Memo 6 cross species viral transmissionAuch Dr. Strecker hat dazu recherchiert und festgestellt, dass dieses Ziel der „cross-species transmission“ von „Tumorviren“ in den 1970er Jahren erreicht wurde.

Am 11. Mai 1987 erschien auf dem Titelblatt der englischen Zeitung THE TIMES ein Artikel, der Furore machte: Er trug die Überschrift „Smallpox-Vaccine triggered AIDS“ also „Windpocken-Impfung löste AIDS aus“.

Strecker 9 TIMES smallpox vaccineStrecker führt das als Untermauerung seiner These an, doch ich sehe das anders: dieser Artikel wurde „platziert“, damit die Leute glauben, HIV gäbe es schon seit vielen Jahren (in Schwarz-Afrikanern) und durch die Impfung seit das „schlafende“ Retrovirus geweckt worden. Obwohl es solche endogenen Retroviren (ERV) tatsächlich gibt, ist es in diesem Fall eine Irreführung. Es soll auf jeden Fall der Eindruck erweckt werden, HIV sei ein natürliches Virus, also nicht im Labor konstruiert worden. Doch die Fakten die Horrowitz, Strecker, Segal, Cantwell, u.a. vorlegen, widerlegen das ganz klar.

007 BIO-TECHNOLOGIE: Hype & Hybris oder Ich weiß (nicht), dass ich nichts weiß …

Strecker Memo 2 forbidden knowledgeVon Professor Segal wissen wir, dass 1984 bei einer internationalen AIDS-Konferenz der AAAA über die Gefahren der Gentechnik diskutiert wurde. Es war vielen Wissenschaftlern klar, dass dieses Wissen äußerst gefährlich war und einige sprachen sogar von „forbidden knowledge“, weil man damit der „Schöpfung“ bzw. (für die weniger Religiösen) der Evolution gewaltig ins Handwerk pfuschte.

Dr. Strecker formulierte es so: What makes you think that you could make it better?

Wie können “Gentechniker” oder “Biotechnologen” so vermessen sein, zu glauben, sie könnten in wenigen Jahren etwas verbessern, was in hunderten Millionen Jahren entstanden ist? Nämlich die genetische Evolution aller Lebewesen auf diesem Planeten.

Strecker zitiert dazu eine dänische Wissenschaftlerin, die 1973 vor einer Pandemie durch künstliche Viren gewarnt hatte (sie wusste offensichtlich über die HIV-Virenforschung Bescheid …) und mit den Worten schloss: „morituri te salutant“.

LeonardoIch möchte dazu ein Zitat anführen, das Leonardo da Vinci zugesprochen wird (der ja nicht nur Maler, sondern auch Forscher, Ingenieur und seiner Zeit weit voraus war) und das ich am liebsten allen Gentechnikern ins Stammbuch schreiben würde (oder in die Wände ihrer Forschungslabors einmeißeln!):

Those who take for their standard anything but nature, the mistress of all masters, weary themselves in vain. Human subtlety will never devise an invention more beautiful, more simple or more direct than does nature because in her inventions nothing is lacking, and nothing is superfluous.

Heute würde man Leonardo deshalb als „fortschrittsfeindlich“ denunzieren, obwohl er einer der größten Erfinder seiner Zeit war. Er hat begriffen, dass die Natur der Meister ist,  …

Doch wie schon im letzten Beitrag erwähnt, wird über Sinn, Zweck und Gefahren solcher größenwahnsinniger Forschung nicht mehr nachgedacht, seitdem es ein millionenschweres, „privates“ Geschäft geworden ist und der „Investor“ das Sagen hat. Stattdessen wird den dummen Politikern eingehämmert, sie müssen ein „Biotechnologie-Zentrum“ nach dem anderen eröffnen, damit wir „den Anschluss“ in der Forschung nicht verlieren und im „Wettbewerb“ mithalten können. Ethische Überlegungen haben da keinen Platz …

3 MONKEY-BUSINESS: DER MYTHOS VOM AFFENVIRUS

green monkeyIm April 1985 tauchten erste „Berichte“ auf, wonach als „natürlicher“ Träger des AIDS-Virus eine afrikanische Affenart eruiert worden sei. Max Essex, ein Veterinär, Virenforscher und Harvard-Professor trug bei einem AIDS-Kongress in Atlanta dieses Märchen (im Rahmenprogramm) erstmals vor. Dass es sich hier um eine PR-Kampagne und nicht um Wissenschaft handelte, zeigte sich auch daran, dass bald darauf in angesehenen Zeitungen Artikel erschienen, die diese Story übernahmen (z.B. Der Spiegel und die New York Times) und auch im Fernsehen wurde darüber „berichtet“.

Im November 1985 wurde die „monkey-connection“ offiziell bei einem wissenschaftlichen Forum von Essex vorgestellt. Er sprach von 104 „Grünen Meerkatzen“, die man aus dem afrikanischen Busch gefangen hatte. Sie erschienen völlig gesund, doch es stellte sich heraus, dass bei 57 von ihnen ein Retrovirus gefunden wurde, der anscheinend keine Probleme verursachte.

Ein Test habe ergeben, dass HIV gegenüber dem Affenvirus eine immunologische Kreuzreaktion hervorruft (in der 5‘ Region des Genoms). Laut Prof. Segal ist das aber kein „big deal“, denn die Proteine aus dieser Region (der gag-Gene) sind bei allen Retroviren ähnlich.

(Ein Vergleich der 3‘ Region wäre viel aufschlussreicher gewesen, weil dort die größten Unterschiede zwischen HIV und HTLV-I bestehen)

Doch für die Autoren der „Studie“ war dieser fragwürdige Befund Grund genug, eine Verwandtschaft der beiden Viren zu behaupten, weil „das Affenvirus alle wichtigen Proteine des HIV“ aufweise und die Viren sich angeblich wie ein Ei dem anderen glichen. Damit der Mythos der „Abstammung“ des HIV vom Affen noch mehr gefestigt wird, nannte man das Affenvirus STLVIII (weil Dr. Gallo das AIDS-Virus ursprünglich HTLV III genannt hatte, wie weiter oben erklärt wurde). (Heute SIV – HIV) Das „S“ steht für „simian“, was „Affe“ bedeutet (also ein Affenvirus).

  • Aber wie kommt das Affenvirus in den Menschen? Durch Beißen oder Kratzen natürlich oder wenn man Affen tötet und verspeist
  • Warum ist aber AIDS dann zuerst in den urbanen Zentren Afrikas ausgebrochen und nicht im Busch? (>Impfung)
  • Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass schwule Männer in New York von einer grünen Meerkatze gebissen wurden? (NB: AIDS trat zuerst in den USA auf und nicht in Afrika)

Wir sehen bereits, dass hier etwas nicht stimmen kann. Essex & Co. behaupten weiter, sie hätten bei AIDS-Patienten in den USA sowohl HIV als auch STLVIII (später SIV) gefunden und bei untersuchten Afrikanern hätten 90% das Affenvirus im Blut gehabt. Dazu bemerkt Professor Segal sarkastisch:

Hier wird die Logik böse strapaziert“ und zählt dann die Absurditäten auf:

  • Zuerst erzählt man uns, das Affenvirus verwandelt sich in HIV, wenn es auf den Menschen übertragen wird.
  • Dann wird behauptet, es sei unverändert bei fast allen indigenen Afrikanern vorhanden
  • Damit nicht genug, findet man in den USA beide Virentypen bei der Hälfte aller AIDS-Kranken …

Wir sollen also glauben, dass diese 53% ihre unheilbare Krankheit von einem Affen haben und die anderen sich bei den Affenviren-Trägern angesteckt haben? Wieso haben die einen dann beide Viren und die anderen nicht? Wer soll diesen Quatsch glauben?

Auch die von Essex betonte „Gleichheit“ der beiden Viren, führt er selber ad absurdum:

Wenn man beide Viren bei amerikanischen AIDS-Patienten nachweisen konnte, heißt das, dass zwei deutlich unterschiedliche Antikörper gleichzeitig im Blut nachgewiesen werden konnten. Was wiederum bedeutet die Viren müssen sich deutlich voneinander unterscheiden, sonst gäbe es ja eben nicht zwei Antikörper.

Doch Essex et al. waren nicht die einzigen, die Affenviren (von Rhesusaffen, Schimpansen und der Grünen Meerkatze) auf ihre Verwandtschaft zu HIV untersuchten. Japanische Wissenschaftler publizierten 1984/85 zwei Arbeiten, die klare Rückschlüsse zuließen:

Sie verglichen die Genome der Affenviren (STLV) mit dem des HTLV-I Virus (das man höchstwahrscheinlich für die Konstruktion von HIV benutzt hatte) und benutzten dazu die o.a. Methoden (Hybridisierung u. Vergleich der Genom-Sequenzen).

Die verwendeten HTLV-I Stämme waren fast identisch (99,1%), auch die Affenviren waren auch weitgehend gleich. Ihre nahe Verwandtschaft (RhesusaffeV) zu HTLV-I wurde sichtbar (nur 10% Unterschied).

HTLV 1 aminoacid seq SIV

Bild: Vergleich der 3‘ Enden STLV 1 (SIV) mit HTLV 1: Aminosäuresequenzen: eingerahmte Abschnitte stimmen völlig überein im Genom

Luc Montagnier in Paris hatte ja schon gezeigt, dass die Genome von HIV und HTLV-I sich stark voneinander unterscheiden (siehe weiter oben). Die von den japanischen Forschern demonstrierte, enge Verwandtschaft von HTLV-I und den Affenviren führt die Behauptung von Essex ad absurdum, weil ein solches Virus durch Übertragung auf den Menschen nicht plötzlich zu HIV wird. Das ergibt keinen Sinn.

Die Japaner stellten daraufhin einen Stammbaum auf, der so aussieht:

Fig 19 TLV treeEine Transformation von STLV (SIV) zu HIV (durch natürliche Übertragung) ist daher ausgeschlossen. Gemeinsam mit fünf anderen Studien wurde damit die Legende vom Grünen Affen in der zweiten internationalen AIDS-Konferenz, im Juni 1986 in Paris begraben.

Prof. Segal resümiert:

Was Essex bewiesen hat, ist nur, dass Affen und Menschen häufig Wirte für nicht pathogene Viren sind“ (also Viren, die keine Krankheit auslösen, wenn man sie in Ruhe lässt ….)

(Die AIDS-Saga geht weiter …)

 

Ebola (2): Killerviren auf Bestellung

 

manufactured diseaseDas Buch von Dr. Len Horowitz über die Entwicklung von „Killerviren“, die das Immunsystem lahmlegen, kann man jedem empfehlen, der sich Gedanken darüber macht, woher die seit den 1970er Jahren aufgetretenen, monströsen Erreger (HIV, Ebola, Marburg, etc.) kommen.

In diesem Artikel sollen die wichtigsten Erkenntnisse des Buches zusammengefasst werden.

VIRENFORSCHUNG im Kalten Krieg – DIE LIZENZ ZUM TÖTEN?

Am 1. Juli 1969 fand eine Anhörung vor dem amerikanischen Kongress über die Zuteilung von militärischen Forschungsgeldern statt:

Zunächst wird darauf hingewiesen, dass die Sowjetunion enormen Fortschritt in der Bio- u. Chemiewaffenforschung gemacht habe und Amerika sich deshalb mehr anstrengen müsse, wenn es nicht ins Hintertreffen geraten wolle. Dann werden einige wesentliche Punkte aufgezählt, die den Kongress davon überzeugen soll, dem US-Militär mehr Geld für „defensive“ Biowaffenforschung zu geben.

  1. Alle natürlichen Krankheitserreger sind Wissenschaftlern auf der ganzen Welt bekannt und leicht für Forschungszwecke erhältlich (für offensive und defensive Zwecke). Die (synthetische) Herstellung eines infektiösen Mikroorganismus ist wegen der enormen Fortschritte der Molekularbiologie & Genetik in greifbare Nähe gerückt.
  2. Innerhalb der nächsten 5-10 Jahre wird es möglich sein, im Labor einen neuen, infektiösen Krankheitserreger zu konstruieren, der sich in wesentlichen Aspekten von allen anderen pathogenen Mikroorganismen unterscheiden könnte. Vor allem dadurch, dass es keine Immunität gegen diese Keime gäbe, weil sie eben in der Natur nicht vorkommen.
  3. Ein militärisches Forschungsprogramm, dass die Machbarkeit dieser Hypothesen untersucht, könnte in fünf Jahren abgeschlossen sein und würde 10 Millionen Dollar kosten.
  4. Es ist nicht einfach, so ein (militärisches) Programm zu installieren, weil es noch nicht so viele Experten gibt und die besten Wissen-schaftler auf diesem Gebiet fast alle an Universitäten arbeiten und mit anderen Mitteln finanziert werden. Doch man könnte es in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaften (NAS-NRC) schaffen.

Quelle: Department of Defense Appropriations for 1970: Hearings Before A Subcommittee of the Committee on Appropriations House of Representatives, Ninety-first Congress, First Session,H.B. 15090,

Das größte Problem dabei, war die fehlende Akzeptanz solcher „B-Waffenforschung“ in der Öffentlichkeit (Amerika befand sich noch im Vietnamkrieg und dort wurden ja bekanntlich furchtbare Waffen wie „Agent Orange“ eingesetzt, worunter die Bevölkerung noch heute leidet (in Form von genetischen, vererbten Schäden, die missgebildete Kinder und hohe Krebsraten zur Folge haben). Die Proteste gegen den Vietnamkrieg liefen auf Hochtouren, ebenso geheime Kampagnen von FBI u. CIA gegen die eigene (renitente) Bevölkerung.

Unter ethischen Gesichtspunkten ist solche „Forschung“ völlig inakzeptabel, nicht nur weil die Entwicklung biologischer Kampfstoffe nicht zu verhindern ist, sondern auch deswegen, weil es immer wieder „Unfälle“ gibt, bei denen diese künstlichen Krankheitserreger freigesetzt werden.

Die grauenvollen, medizinischen Experimente im Dritten Reich (besonders in Verbindung mit „Rassenhygiene“ und Eugenik) sollten eigentlich schon Grund genug sein, sich ein für alle Mal von dieser Art „Wissenschaft“ zu verabschieden.

Doch das Militär (und gewisse, einflussreiche Kreise, die dahinter stehen) hat für solche moralischen Bedenken immer eine Trumpfkarte im Ärmel: Wenn wir diese Forschung nicht machen, wenn wir nicht sicher sein können, dass solche Waffen möglich sind und wie sie hergestellt werden, dann können wir auch keine Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn der böse „Feind“ (damals die Sowjetunion) sie einsetzt. Das Märchen von der „defensiven“ CB-Waffenforschung war natürlich das ultimative Totschlagsargument für die Bewilligung hunderter Milliarden Dollar, die das Pentagon immer wieder bekommen hat.

WHO – WIR  SIND  DIE  GUTEN?

Im Dezember 1969 veröffentlichte die WHO ihren zweiten Fünf-Jahres-Bericht über die Ergebnisse der Virenforschung, die sie seit 1959 finanziert oder selbst durchgeführt hatte. Darin heißt es u.a.:

Zwischen 1964 und 1968 wurden bedeutende Fortschritte im Verständnis der grundlegenden Strukturen von Zellen und Viren und ihrer Wechselwirkungen gemacht. Dazu gehört auch das Verhalten der Viren als infektiöse Erreger, die Entstehung von Viruserkrankungen und die Mittel, die häufigsten von ihnen unter Kontrolle zu bringen; und zwar durch Verbesserung bzw. Entwicklung von Impfstoffen.

Doch für die Hypothese, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Viren und Krebs gibt, konnten keine direkten Beweise gefunden werden. (Wenn Viren in Tieren oder Menschen gefunden werden, die Krebs haben, bedeutet das nicht automatisch, dass diese den Krebs verursacht haben; es gibt noch viele andere Faktoren; aber mit Impfungen kann man ein Riesengeschäft machen …)

Was die Forscher aber in ihrem Ehrgeiz, diesen zu finden, nicht bremste. Im Gegenteil, schließlich gab es Millionen an Forschungsgeldern dafür. Im Zuge dieser Experimente war es “notwendig”, das Immunsystem von Tieren und Menschen zur Zielscheibe zu machen.

DoD ApprCom Congress 1970Das Pentagon hat jedenfalls die 10 Millionen für diese Form der Biowaffenforschung bekommen: zur Entwicklung eines künstlichen Krankheitserregers, gegen den es keine natürliche Immunität gibt. Zu dieser Zeit gab es zwei WHO-Referenzzentren für Virenforschung. Eines in Bethesda, Maryland (NIH) und das zweite in Atlanta (NCDC-dem Vorläufer des CDC).

Nur zwei Forschungslabors hatten aber die höchste Sicherheitsstufe BSL 4 (für hoch ansteckende Erreger oder solche, die unheilbare Krankheiten auslösen) das der US-Army, USAMRIID in Fort Detrick (Frederick, Maryland) und das CDC-Labor in Atlanta. Von Bethesda nach Fort Detrick ist es nur ein Katzensprung, das ist doch praktisch.

In den 1960er Jahren wurden also zehntausende Virenkulturen angelegt, entwickelt und „Material“ weltweit verschickt. Zwei Virenfamilien erfreuten sich ab 1968 besonderer Beliebtheit (und großzügiger Finanzierung): Affenviren und Lentiviren, wie Visna und Scrapie.

RNA – DRESSED  TO  KILL

Im Februar 1967 richteten 5000 amerikanische Wissenschaftler einen Appell an Präsident Johnson (und später Nixon), die Politik der Regierung im Hinblick auf Bio- u. Chemiewaffenforschung „zu überdenken und öffentlich zu machen“. Die Antwort des Weißen Hauses? Eisernes Schweigen.

Für jene, die von solchen Programmen profitierten (das Militär, private Forschungslabors und Pharmakonzerne) war die Sache klar: die hysterisch aufgeblasene „Bedrohung“ durch die Sowjetunion war Begründung genug, diese unheimliche Forschung weiter zu betreiben. Die Politiker ließen sich in der ideologisch aufgeheizten Atmosphäre des Kalten Krieges gerne davon überzeugen, dass man hier nur von „notwendiger Verteidigung“ sprechen konnte.

Für die kritischen Wissenschaftler sah die Sache ganz anders aus: sie hatten sich nicht von den Ideologen des Kalten Krieges den Verstand vernebeln lassen. Sie wussten, wozu man die neuesten Erkenntnisse der Molekularbiologie & Genetik missbrauchen konnte: unter dem Deckmantel der „Impfstoff-Forschung“ war es möglich, neue Viren zu erschaffen, die so furchtbar sind, dass es gegen sie kein Mittel gibt – eben weil durch sie das Immunsystem selbst lahmgelegt wird.

Die Kontroverse ging also weiter und 1971 schrieb Dr. Joshua Lederberg, Professor für Genetik in Stanford, in einem Artikel (in Science) die folgenden, eindringlichen Worte:

Biologische Kriegsführung wird von den meisten Menschen als eine abscheuliche Perversion wissenschaftlicher Erkenntnisse verurteilt. […]   Die absichtliche Freilassung eines infektiösen Partikels, sei es ein Virus oder ein Bakterium, aus einem Labor muss als verantwortungslose Bedrohung der ganzen Menschheit angesehen werden ..

Wir haben in jüngster Zeit gelernt, dass Viren einer natürlichen Evolution unterworfen sind (sie verändern sich also, passen sich der Umwelt an, etc.) und zwar nicht nur durch Mutationen innerhalb eines Virenstammes, sondern auch durch die Hybrid-Kreuzung von Viren, die keine nahen Verwandten sind.

Aber darüber hinaus, wissen wir jetzt, dass Menschen Viren (als Teil des Erbmaterials in den Zellen) ständig „mit sich herumtragen“. Die meisten davon sind harmlos und wir merken gar nichts davon. Doch durch Umwelteinflüsse kann daraus ein Tumor werden oder eine andere Krankheit. Im Labor können wir demonstrieren, dass diese latenten Viren sich mit anderen kreuzen können und dadurch neue Arten entstehen.“

(Lederberg J. Biological warfare: a global threat. American Scientist 1971 59;2:195-7)

Dr. Lederberg war damals auch Mitglied des wissenschaftlichen Beraterstabes der WHO, die seine (und andere) Bedenken aber einfach ignorierte.

Diese Berater warnten vor der raschen Ausbreitung eines „virulenter Mutanten“ (also eines neuartigen Virus), die zu einer „unkontrollierbaren Epidemie in großem Ausmaß werden könnte.“ Sollten diese neuartigen Mutanten absichtlich produziert werden, sei das Risiko einer Freisetzung ständig präsent. Fallen einem dazu nicht AIDS und Ebola ein?

WISSENSCHAFT UND ETHIK: WHO IS RESPONSIBLE?

Wissenschaft ist immer „neutral“ behaupten viele, es sei doch nur die Politik, die für ihren Missbrauch verantwortlich ist. Doch so einfach kann man sich nicht vor der Verantwortung drücken, finde ich und die Probleme entstehen nicht nur, wenn Forschungsergebnisse für kriegerische Zwecke eingesetzt werden (z.B. auch bei Atomwaffen).

Das Unbehagen, das uns bei dieser Forschung befällt, geht aber viel tiefer als die Angst vor Viren oder Bakterien, die (wirklich begründete) Angst vor transgenen Lebensmitteln, Pestiziden, Nanotechnologie, etc. Vielmehr geht es um grundsätzliche Fragen, die das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft betreffen: Wer entscheidet eigentlich, was bzw. wonach geforscht wird? Wer bestimmt, was im Rahmen der Forschung erlaubt ist und was nicht? Wer kontrolliert die Machenschaften in den Labors? Darf /Soll wissenschaftliche Forschung profitorientiert sein?

Postman coverNeil Postman hat dazu vor einigen Jahren ein wunderbares Buch geschrieben: Die Zweite Aufklärung. Darin listet er sieben Fragen auf, die wir uns stellten müssen, bevor „innovative“ Forschung – meist mit großem Hype – von der Leine gelassen wird:

  • Welches Problem wird dadurch gelöst / Wie ist das Problem entstanden?
  • Wessen Problem ist es und wie viele Menschen sind davon betroffen?
  • Welche neuen Probleme könnten durch ihre Anwendung entstehen?
  • Welche Leute oder Institutionen werden darunter leiden?
  • Welche Leute / Institutionen werden dadurch beträchtliche Macht / Dominanz erlangen?
  • Welche sprachlichen Veränderungen werden dadurch hervorgerufen? (sehr wichtig, weil durch Sprache Wahrnehmung und Urteilskraft beeinflusst werden)

Neil Postman betont, dass Wissenschaft und Technik nicht nur “Diener” des sogenannten Fortschritts sind, Instrumente zur Vergrößerung von Macht und Profit (und für mehr Bequemlichkeit) sondern dass sie Teil einer grundlegenden Moralphilosophie sein sollten, weil ihre Wirkung auf Gesellschaft und Natur so enorm ist. Dem kann ich nur zustimmen …

MARBURG:  SO  EIN  AFFENTHEATER

1969 wurden die Virenforscher von der WHO ermutigt, Affen als Versuchsobjekte zu verwenden, weil sie phylogenetisch dem Menschen am ähnlichsten sind. Wer aus tierischen Viren ein „humanes“ (an den Menschen angepasstes), mutiertes und aggressives Exemplar machen will, muss erst einmal mit Affen proben…

marburgvirusDas plötzliche Auftauchen des „MARBURG“-Virus im Jahr 1967 lässt erahnen, welche Büchse der Pandora hier geöffnet wurde:

In einem Labor der Behringwerke  erkrankten plötzlich 31 Mitarbeiter mit folgenden Symptomen: Fieber, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und später auch die für die Filoviren typischen Blutungen am ganzen Körper. Zunächst dachte man an eine bakterielle Infektion, entdeckte dann aber ein neues Virus, das nach dem Ausbruchsort Marburg benannt wurde. Sieben der Erkrankten starben an der Infektion, die Mortalität lag also bei 23% (nicht sehr hoch also).

Als „Überträger“ dieses neuen Virus wurden Affen (die grüne Meerkatze) aus Uganda ermittelt, die man offiziell zur Herstellung von Impfstoffen gegen Kinderlähmung (Polio) und Masern missbrauchte (ich denke dieser Ausdruck ist angemessen).

Bakterien kann man auf Nährlösungen züchten, Viren müssen aber in lebende Zellen eindringen, damit sie sich vermehren können. Zur Herstellung von Impfstoffen sind große Mengen der jeweiligen Viren notwendig, deshalb suchte man nach passenden „Zelllinien“ die das ermöglichen. Zellen außerhalb des Körpers teilen sich aber nur einige Male, dann sterben sie.

Man suchte also eine Möglichkeit, Zelllinien zu entwickeln, die sich endlos teilen, also „immortalisiert“ (unsterblich) sind. Doch ewiges Wachstum bedeutet, dass die Zelle außer Kontrolle geraten ist und zu einem Monstrum wird, wie im Falle einer Krebszelle.

Es gibt zwei solche Zelllinien, die bis heute in der medizinischen Forschung verwendet werden: HeLa Zellen und Vero-Zellen (von den Nieren der o.a. „Grünen Meerkatze“).

Henrietta LacksHeLa Zellen stammen von Henrietta Lacks, die 1951 an Gebärmutter-halskrebs gestorben ist und zwar mit 31 Jahren. Behandelt wurde sie mit „Radiumröhrchen“, die ihr für einige Zeit in den Unterleib eingepflanzt wurden und eine hohe Dosis ionisierender Strahlung abgaben (also „radioaktiv“ waren). Ohne ihr Wissen wurden damals Gewebeproben von ihrem Cervix-Karzinom entnommen und man stellte fest, dass sich diese Zellen endlos teilen, auch außerhalb des Körpers. Das kam den Virenforschern gerade recht und dutzende Impfstoffe wurden auf Basis dieser Krebszellen entwickelt. (Das sagt man den Leuten aber nicht, weil es so abstoßend ist)

(Apoptose der Zellen, was ist das?)

HeLa-IV apoptotic

Apoptose einer HELA Zelle

Schließlich wurde von Walter Nelson Rees 1975 aufgedeckt, dass ein Drittel aller Zelllinien des NIH (von denen man glaubte, sie stammen von anderen Organen) mit HeLa-Zellen kontaminiert waren: d.h. im Labor kam es zu einer unerwünschten „Infektion“ anderer Zellkulturen mit HeLa-Zellen und weil diese so aggressiv sind, haben sie quasi das Kommando übernommen und die anderen Zellen überwältigt, ohne dass die Forscher es bemerkt haben; siehe dazu das Buch „Conspiracy of Cells“ von Michael Gold.

Für die Kinderlähmung/ Polio-Impfung von Jonas Salk wurden HeLa-Zellen verwendet … und noch immer werden solche Zelllinien benutzt.

Heute wird behauptet, Gebärmutterhals-Krebs wird durch ein Virus ausgelöst und zwar aus der Familie Papillomaviridae.

Erinnern wir uns an die Warnungen von Dr. Lederberg (weiter oben), der gesagt hat, wir tragen diese „latenten Viren“ in unseren Zellen, sie sind aber meistens harmlos. Was passiert aber, wenn diese Zellen mit einem anderen Virus „transfiziert“ werden? Z.B. Polio, Hepatitis oder Papilloma?

Waren es wirklich die Affen, die das Marburg-Virus (als natürlicher Wirt) nach Deutschland gebracht haben? Oder liegt der Verdacht nicht nahe, dass erst durch die Infizierung der Affen (mit anderen Viren) im Labor, das neue (nie zuvor gesehene) Marburg-Virus entstanden ist?

Die meisten natürlichen Viren sind artenspezifisch, d.h. sie haben sich auf ihre „Wirte“ spezialisiert und zellspezifisch (können nur an bestimmte Zellen andocken). Vögel haben eigene Infektionskrankheiten, Hunde, Katzen, Rinder, Affen, etc. Das heißt nicht, dass die Viren nicht in der Lage sind, andere Tierarten zu infizieren, aber dazu müssen schon besondere Umstände herrschen, die in der Natur kaum vorkommen (Ausnahmen sind Viren, die durch Insektenstiche oder -bisse übertragen werden).

Wie bereits erwähnt, war die Erforschung und Züchtung von Affenviren ein Schwerpunkt virologischer Forschung Ende der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre. Finanziert vom amerikanischen Staat (NIH-Gesundheitsbehörde), unterstützt mit Methoden und Materialien des NIC (Nationales Institut für Krebsforschung in den USA unter einer Decke mit dem Pentagon) aber auch von privaten Firmen (die prächtig daran verdienten) wurden fleißig Affenviren-Mutanten gezüchtet und dabei kam es auch zum Austausch genetischen Materials, was eben zur Formierung neuer, extrem aggressiver Viren führen kann.

THE „WAR ON CANCER“ (Krieg gegen den Krebs)

Krebszellen der Prostata

Krebszellen der Prostata

1968 hatten das NCI und die dazugehörigen „Referenzzentren“ der WHO als Berater und Lieferanten von Virus-Prototypen, Diagnose-Reagenzien, Anti-Körpern und Zellkulturen fungiert und zwar für 120 Labors in 35 Ländern. Innerhalb eines Jahres (nach Verlautbarung der Zusammenführung von Krebs- u. Virenforschung über das NCI) stieg diese Zahl auf 592 Forschungslabors; davon waren 455 in den USA.

Während dieser Zeit wurden mehr als 2.500 Virenstämme verteilt und tausende wissenschaftliche Papiere über „Virus-Entdeckungen“ veröffentlicht.

Der Widerstand gegen unethische Forschung kann leicht gebrochen werden, wenn man das Ganze unter dem Deckmantel der „Krebsforschung“ betreibt, also den Eindruck erweckt, man wolle den Krebs besiegen, indem man Viren studiert. Damit wird jede Kritik im Keim erstickt und niemand denkt mehr an Bio-Waffen oder Eugenik.

 US Nazis LichtblauDiese Art der Tarnung (noble Absichten vortäuschen, um unmenschliche Wissenschaft betreiben zu können) ist natürlich keine Erfindung der Nixon-Administration gewesen. Wie auch in anderen Bereichen, hat das US-Militär bzw. die CIA die „besten“ Ideen (und auch hunderte Wissenschaftler und andere Kriegsverbrecher) aus dem Dritten Reich übernommen.

 

Präsident Nixon, kaum im Amt, verkündete daher stolz den Beginn des „war on cancer“ und eröffnete in Fort Detrick 1971 das Frederick Cancer Research and Development Center. Die USA ratifizierten 1969 auch die Genfer Konvention, machten aber natürlich mit der B-Waffenforschung weiter.

Würde es gelingen, „bei Affen Krebs zu erzeugen, indem man sie mit menschlichen Viren infiziert“, wäre das ein signifikanter Fortschritt für die Krebsforschung, heißt es in einem Bericht des NIC.

 monkey suffering for science or profitWas man diesen Tieren angetan hat, sprengt alle Grenzen der Vorstellungskraft (neu geborene Affenbabys wurden nach wenigen Tagen ihren schreienden Müttern weggenommen und bekamen nur mit (Leukämie-) Viren infizierte Milch zu trinken… und das ist noch ein harmloses Beispiel ..) In Spitzenzeiten wurden pro Jahr  in den USA ca. 50.000 Affen „verbraucht“ …

„BIO-DEFENSE“ GOES  VIRAL

Fort Detrick, also das militärische Forschungszentrum in Maryland, war damals das modernste und am besten ausgestattete CB-Versuchszentrum in Amerika. Ausgestattet mit einem jährlichen Budget von etwa 300 Millionen Dollar (1969) arbeiteten dort rund 1000 Leute auf einem riesigen Gelände, wo es neben den Forschungslabors auch eingezäunte Flächen für Pferde, Rinder und Schafe gab.

Andere Tiere, die dort im Namen der Wissenschaft (jährlich) gequält wurden waren 900.000 Mäuse, 50.000 Meerschweinchen, 2500 Kaninchen und 4000 Affen.

Zum 25. Jahr des Bestehens wurde ein Symposium mit dem vielsagenden Titel „Eindringen und Kontrolle fremder DNA während des Prozesses der Unterdrückung des Immunsystems (bei Mensch und Tier)“ abgehalten. Führende Wissenschaftler attackierten die Forschung in Fort Detrick scharf und 16 von ihnen weigerten sich, an dem Symposium teilzunehmen; aus Protest gegen den Missbrauch der Wissenschaft für militärische (zerstörerische) Zwecke.

Eindeutige Worte fand Dean Fraser, Professor für Mikrobiologie an der Indiana University. In seinem Ablehnungsschreiben hieß es:

Diese Feierlichkeiten erscheinen mir bestenfalls wie eine [ehrende] Gedenkfeier für den elektrischen Stuhl und schlimmstenfalls wie das Feiern der Gründung des KZ Dachau …“

Auf der Suche nach krebserregenden (ursprünglich war Leukämie im Fokus der Forscher) Viren wurde man bei Rindern und Schafen fündig. Hier gab es Viren zu bestaunen, die die Zellen des Immunsystems direkt angriffen, vor allem die „Artillerie“ der Immunabwehr, die T-Lymphozyten oder CD4-Zellen.

 Dr Robert Gallo1972 wurde Dr. Robert Gallo Leiter der Abteilung Tumorzell-Biologie beim Nationalen Krebsforschungsinstitut (NCI), unter dessen Deckmantel die Experimente zur Herstellung eines infektiösen Krebsvirus stattfanden. Zur Erforschung der Leukämie war es notwendig, die betroffenen (Wirts-)Zellen dieses Krebses, also die Lymphozyten, in Zellkulturen laufend zu vermehren. Das war Gallo bereits gelungen und die Isolation von HTLV (ein Virus aus der Familie der Retroviren, das Leukämie auslösen soll) machte ihn berühmt (Selbst hergestellt im Labor?)

Man wusste schon länger, dass es bei Rindern Viren gibt, die mit Lymphomen in Verbindung gebracht wurden (BLV). Während dieser Zeit der intensiven „Krebs-Virenforschung“ wurden plötzlich auch ähnliche Viren bei Katzen „gefunden“, die auch Krebs der Lymphozyten auslösen (FELV), wobei die Symptome (opportunistische Infektionen wegen massiver Schwächung des Immunsystems) ähnlich sind, wie bei AIDS. Auch die Inkubationszeit (Latenzzeit) ist sehr lange, wie bei AIDS …

Tatsache ist, dass diese neuen Leukämieviren sehr große Ähnlichkeit mit den Lentiviren haben, die die Rinder krank machten: die gleiche Morphologie, die gleichen Proteine, und sie gleichen sich unter dem Elektronenmikroskop fast wie ein Ei dem anderen.

Daraus kann geschlossen werden, dass während dieser Zeit absichtlich Affen und andere Tiere mit BLV, Visna und anderen Viren infiziert wurden, um zu sehen, ob damit Krebs ausgelöst werden kann. Durch Vermehrung der Viren in Zellen (vor allem) von Affen, sollten sie sich dem neuen Wirt anpassen (mutieren) und damit die Artenschranke überspringen. Der nächste Schritt ist dann die Infektion des Menschen …z.B. HIV, also AIDS.

Dr. Horowitz belegt mit Dokumenten, dass Forscher der Pharmafirma Merck gemeinsam mit Dr. Gallo vom NCI und der Firma Litton Bionetics ähnliche Studien auch in Zentralafrika machten (über Verträge mit USAID und der US-Army). Details dazu gibt es in Kapitel 14.

Den politischen Hintergrund zu dieser speziellen Forschung durchleuchtet Dr. Horowitz in

Kapitel 9: in den USA Homosexuelle, Schwarze, Bürgerrechtler, Anti-Kriegs-Proteste im Fokus der CIA und FBI „counter-insurgency“ Maßnahmen COINTELPRO, MK Ultra, MKNAOMI, etc.

Kapitel 10 u. 13: Populationskontrolle in Afrika und US-Außenpolitik ..nur wenige Tage nachdem die 10 Millionen Dollar für B-Waffenforschung bewilligt wurden, warnte die Republikanische Partei vor den ausufernden Geburtenraten in der Dritten Welt und betonte die dringende Notwendigkeit einer effektiven Populationskontrolle … dazu wurden zwischen 1970-750 mehr als 700 Studien (USAID) gemacht …. dann folgten Impfkampagnen in Zentral-Afrika … CIA führt Mitte der 1970er Jahre verdeckte Kriege in Angola (mit Beteiligung von Zaire, wo während dieser Zeit „Ebola“ erstmals ausbrach.. (die Hilfsorganisation USAID ist von der CIA unterwandert)

Kapitel 11: Die zentrale Rolle von Henry Kissinger und dem Rockefeller-Clan bei all diesen Strategien der „Weltordnung“

In den Kapiteln 15 und 16 wird die Rolle der CIA in diesem politischen Umfeld durchleuchtet. Dokumente aus der Pike- bzw. Church-Untersuchungskommission belegen, dass CIA auch auf biologische und chemische Kampfstoffe Zugriff hatte (durch Infiltration der US-Army) und sich dabei von keiner politischen Instanz kontrollieren ließ.

Hitler Made in USACIA Direktor Colby sagte aus, dass dieses Material auch für verdeckte Operationen gedacht war (siehe unten). Die widerlichen Experimente der CIA (auch mit psychoaktiven Drogen) an ahnungslosen Amerikanern – aber auch in Deutschland (Operation ARTICHOKE) werden in Kapitel 17 geschildert, gefolgt von Enthüllungen über die „Nazi-Wurzeln der CIA in Kapitel 18: Nicht nur Raketenforscher wie Wernher von Braun wurden mit offenen Armen empfangen, auch hochrangige SS-Offiziere und Wissenschaftler, die an den grausamen Menschenexperimenten im Dritten Reich mitgewirkt hatten, wie Werner Traub, Sidney Gottlieb u Kurt Blom. Diese Kriegsverbrecher wurden nahtlos in die Geheimdienste bzw. in die Forschungseliten der USA integriert.

Dass Hitler selbst ohne anglo-amerikanisches Geld und Sympatisanten seiner „Rassenhygiene“ in den USA nicht an die Macht gekommen wäre, wurde ja in diversen Büchern (siehe Bild oben) schon gezeigt.

BIO-TERROR: EBOLA ALS POLITISCHE WAFFE IN AFRICA?

ebola-ciaAuffällig ist auch das zeitnahe Auftreten von Ebola in Zentralafrika mit Rebellionen bzw. verdeckten Operationen der CIA in Angola und Zaire. In Kapitel 19 erklärt Dr. Horowitz den geopolitischen Kontext dazu. Die USA (CIA) hatte in Angola einen brutalen, verdeckten Krieg gegen die anti-imperialistischen MPLA-Rebellen geführt und dazu die Unterstützung des Nachbarlandes Zaire gebraucht. (bis 1975 war Angola eine portugiesische Kolonie).

Der damalige Präsident Mobuto, ein extrem korrupter Politiker, dessen Land enorm verschuldet war, während er Milliarden veruntreut hatte, kam da gerade recht (er war ja erst durch die Ermordung des sozialistischen Präsidenten Lumumba durch die CIA an die Macht gekommen). So wurde Zaire zur Basis für paramilitärische Einheiten aus Portugal, Frankreich und Südafrika, die alle den schmutzigen Krieg der CIA unterstützen (die eine andere Rebellenfraktion finanzierte und bewaffnete, die UNITA, sodass ein blutiger Bürgerkrieg entstand, in dem hunderttausende starben)

Zentralafrika ist reich an Bodenschätzen, vor allem kostbaren Metallen, da kann man doch nicht erwarten, dass diese Afrikaner selbst bestimmen, was damit geschieht oder gar die enormen Profite der eigenen Bevölkerung zugutekommen, oder? Nach einem “Freundschaftsbesuch” Mobutus in den USA wurden dementsprechend von amerikanischen Konzernen und Banken größere Investitionen in Bergbauprojekte in Zaire getätigt.

Mobutu Sese SekoDoch 1975 kam es zu einem Bruch zwischen Mobutu und Washington, weil unter Präsident Carter die Geldflüsse kleiner wurden und Waffenlieferungen versiegten. Mobutu wendete sich mehr „dem Osten“ zu und kündigte an, die sich im ausländischen Besitz befindlichen Unternehmen zu verstaatlichen. Er verwies den amerikanischen Botschafter des Landes und verhaftete einen Großteil der CIA-Agenten, die in Zaire aktiv waren.

Im Jahr darauf brach im Oktober das Ebola-Virus in 55 Dörfern in Zaire aus, wobei die ersten Fälle alle in einem Krankenhaus Injektionen erhalten hatten. (Mehr dazu später) Mobuto erklärte die ganze Region zur Sperrzone, in der Kriegsrecht galt, ließ Straßensperren errichten und drohte damit, jeden zu erschießen, der ausbrechen wollte.

Die Blutproben der Ebola-Opfer wurden unter großer Geheimhaltung an die Special Pathogen Abteilung des CDC und an das britische Forschungszentrum für CB-Waffen in Porton verschickt.

N.B. Das „natürliche Reservoir“, also das Tier im afrikanischen Dschungel, das angeblich Marburg und Ebola beherbergen soll, wurde bis heute nicht gefunden .. (kein Wunder).

Bis Jahresende waren die “guten Beziehungen“ zwischen der CIA und dem korrupten Diktator plötzlich wieder hergestellt und er erhielt wieder Millionen an „Entwicklungshilfe“ aus dem Westen nachdem er im April 1977 die diplomatischen Beziehungen zur Sowjetunion, zu Kuba und zur DDR abgebrochen hatte.

Während der Jahre 1976-77 waren Mobuto, die CIA, Belgien und Frankreich in den so genannten Shaba-Aufstand verwickelt und Deutschland zahlte „Entwicklungshilfe“ an Mobuto und Apartheid-Südafrika. Der Nord-Osten des Landes stand dabei im Zentrum der „Aufbauhilfe“, dort wo auch die Goldminen sind.

OTRAG: NAZIS,  VIREN  &  RAKETEN  IN  ZAIRE

otragHier (Kapitel 20) erfährt der staunende Leser, dass deutsch-amerikanische Raketeningenieure aus dem Dritten Reich Anfang 1975 (also ein Jahr vor dem Ebola-Ausbruch) eine gigantische Fläche (Quellen sprechen von 150.000 bis 260.000 km2) in Zaire „geleast“ haben, um dort ein privates Raketenforschungszentrum samt Abschussrampe zu installieren. So lautet jedenfalls die offizielle Version. Laut den Quellen, die im Buch zitiert werden, hatte OTRAG aber auch ein (geheimes) Abkommen mit der NATO in Brüssel, die wiederum mit der WHO gemeinsame Projekte abwickelte.

Das Gelände (die Provinz Kivu, nördlich von Shaba / Katanga) befindet sich im Grenzgebiet zu Angola, also im Osten des Landes (wo auch die CIA sehr aktiv war). Hier handelte es sich aber nicht nur um Dschungelgebiet, sondern um die Heimat von 750.000 Afrikanern. Genau in diesem Gebiet brach Ebola 1976 aus.

Zu den ehemaligen NS-Wissenschaftlern gehörten z.B. Dr. Kurt H. Debus, der frühere Leiter des NASA-Programms in Cape Canaveral, Richard Gompertz, der technische Direktor der OTRAG und Lutz Thilo Kaiser, der Gründer und Geschäftsführer von OTRAG.

Der Vertrag gewährte den Betreibern von OTRAG große Handlungsfreiheit und 100% rechtliche Immunität, d. h. sie konnten nicht für irgendwelche Schäden zur Rechenschaft gezogen werden.

Dr. Horowitz schreibt auch folgendes:

Ein Immunologe, der heute in Algerien tätig ist, erzählte einem Journalisten, er habe in den 1970er Jahren für OTRAG in Zaire gearbeitet und damals den Auftrag erhalten, Viren zu vermehren, die von Tieren stammen und potentiell für Menschen gefährlich sein könnten. Besonders eine neue Virenart, die man in den „Grünen Meerkatzen“, also kleinen Äffchen gefunden hatte, interessierten seine Auftraggeber besonders.

Warum? Weil sie sich so schnell vermehren konnten, dass das Immunsystem völlig zusammenbrach. Doch es stellte sich heraus, dass diese Viren für Menschen harmlos waren, worauf man die Forscher anwies, einen Virus-Mutanten zu generieren, der für Menschen tödlich ist. Das Ergebnis dieser Studien wurde nach Amerika geschickt, an militärische Labors. War OTRAG also auch eine Tarnung für NATO-Biowaffenforschung in Afrika bzw. hat das US Militär einen Teil des riesigen Geländes für Tier-Experimente genutzt?

Während dieser Zeit gab es mehrere Forscher, die behaupteten, das AIDS Virus sei vom Pentagon (jedenfalls in einem Labor) entwickelt worden.

Diese durchaus begründeten Ansichten wurden natürlich als kommunistische Propaganda denunziert, heute würde man das Stigma-Wort „Verschwörungstheorie“ benutzen, um die Sapere Aude-Fraktion als Spinner zu diskreditieren und somit die Debatte abzuwürgen.

Doch einer der ersten, der diesen Verdacht äußerte, war kein russischer Wissenschaftler, sondern der britische Arzt Dr. John Seale, der in einem großen Londoner Krankenhaus arbeitete. Ihm erschien das Virus als “künstlich” (aus zwei bekannten, tierischen Viren erschaffen) und seltsam in der Verbreitung, weil es zur gleichen Zeit in weit entfernten Teilen der Welt auftrat, ohne (bei sozialem Kontakt) ansteckend zu sein.

Dr. Jakob Segal1991 erklärte auch Professor Dr. Jakob Segal von der Humboldt-Universität in Berlin, dass AIDS sehr wahrscheinlich durch Gentechnik entstanden und das Ergebnis von Tier-Experimenten durch das Pentagon sei, damit „Angriffe auf menschliche Immunzellen möglich wurden“. Diese Ansicht werde auch von anderen Forschern geteilt, so Professor Segal. Doch dank der Medienkontrolle wurden solche Stimmen ausgegrenzt, diffamiert und durch „information dominance“ der falschen AIDS-Story (aus dem afrikanischen Dschungel) ersetzt.

LITTON BIONETICS & PENTAGON: Merchants of Death

An dieser Forschung waren aber nicht nur staatliche Institute in den USA beteiligt, sondern auch private Firmen wie Hazelton Versuchslabors (in deren Affenkäfigen 1989 Ebola-Reston ausbrach), Dow Chemical oder Merck. Eine davon, die ganz groß im Geschäft war, hieß Litton Bionetics.

Litton Bionetics erhielt zwischen 1960 und 1970 viele lukrative Aufträge vom Militär und co-finanzierte auch die Forschung von Dr. Gallo. Sie hatten einen Vertrag zur Belieferung aller Partnerlabors des NCI (weltweit) mit allem, was man für Versuche mit Affen brauchte: Viren, Zelllinien, Antikörper, etc. und natürlich die Affen selbst. Auch die Affen, die als Träger des Marburg-Virus gelten, (das 1967 in der gleichnamigen, deutschen Stadt in einem Versuchslabor 31 Menschen infizierte), kamen von Litton (der Affenzucht) und nicht aus der Wildnis in Uganda.

Litton Bionetics war also der Top-Supplier von Affen für die zahlreichen Viren-/ Krebsexperimente in den 1960er und 1970er Jahren und züchtete eigene Affenkolonien heran. Genau jene Arten waren es, die später in den USA erstmals Symptome von „Affen-AIDS“ zeigten.

Schon 1966 hatte der Forschungsdirektor von Litton berichtet, er habe 18 Affen mit einem Rhabdovirus infiziert, (der ähnliche Symptome wie Ebola auslöst). 9 davon wurden an Partnerlabors bzw. Impfstoffentwickler (Pharmafirmen) in Europa geliefert. 1967 wurde dann „Marburg“-Virus entdeckt – bei einem solchen Unternehmen: den Behringwerken.

Zwei Virologen sprachen damals öffentlich über die wahre Herkunft der neuen Viren (Marburg u. später Ebola): Dr. Seymour Kalter aus den USA und Dr. Rudolph Siegert aus Deutschland. Siegert stellte fest, dass Marburg dem Affen-Rhabdovirus sehr ähnlich sei und Dr. Kalter sagte, „es handelt sich allem Anschein nach um ein künstlich hergestelltes Virus“.

THE BOMBSHELL: Das „Special Virus Cancer Program“

Im Kapitel 22 findet man den endgültigen Beweis dafür, dass die schlimmsten Befürchtungen berechtigt waren. Dr. Horrowitz entdeckte in einem medizinischen Archiv einer amerikanischen Universität detaillierte Unterlagen über das  „spezielle“ Virusprogramm.

Fortschrittsberichte einer Studienreihe, die das NIH (Nationale Gesundheitsbehörde) 1971-72 veröffentlicht hatte. Darin wird detailliert beschrieben, wie man tausende Virus-Mutanten erschuf, mit dem Ziel, tierische Viren so zu verändern, dass sie auch Menschen angreifen, das Immunsystem unterdrücken und Krebs auslösen.

At least one virus must be at fault here …” (Report # 4)

Diese Forscher waren beinahe besessen von dem Gedanken, dass Krebs durch Viren ausgelöst wird, obwohl es dafür (zu Beginn und eigentlich auch heute) keine Hinweise gab (aber viele Forschungsgelder).

Man untersuchte deshalb nicht ergebnisoffen (es gibt viele Faktoren, die Krebs auslösen können, vor allem Umweltgifte in der modernen Industriegesellschaft, Radioaktivität, elektromagnetische Felder, etc., doch davon soll die Bevölkerung abgelenkt werden), sondern quasi mit Tunnelblick: es muss doch möglich sein, mit Viren Krebs auszulösen, komme was wolle. So wurde die „Forschung“ zu einer Art „self-fulfilling prophecy“…

Diejenigen, die über die militärische bzw. bevölkerungspolitische Komponente Bescheid wussten, brauchten sich nichts vorzumachen: hier wurde kein Mittel gegen Krebs gesucht, sondern ein Virus konstruiert, der Krebs bei Menschen auslösen sollte und somit eine politische Waffe der übelsten Sorte war.

Die Dokumente enthalten die Namen aller involvierten Vertragspartner, Universitäten, private Institute, Pharmafirmen, das US-Militär, usw. Wieviel Geld sie dafür bekamen und welche Experimente sie wann und wo gemacht haben. Die Firma Litton war dabei ganz groß im Geschäft (siehe weiter oben – sie lieferte auch mit Viren infizierte Affen …), ebenso die Firma Merck (die noch heute im Impfstoff-Geschäft Millionen verdient).

Aber am schlimmsten sind die Beschreibungen der Tierversuche, für Anhänger von Albert Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben-Ethik“ unerträglich:

Report No. 4: Hier wurde untersucht, ob Leukämie-Viren von Hühnern und Mäusen auch bei Menschen Blutkrebs verursachen können, auch die Familie der Herpesviren waren „Job-Kandidaten“ zur Züchtung tödlicher Viren-Mutanten. Aber auch in die umgekehrte Richtung wurde experimentiert (für die Entwicklung dieser „Konvergenz-Technologie“ gab es 16,5 Millionen Dollar im Jahr 1967)

 „Versuche, menschliche Leukämie auf Tiere zu übertragen“ lautet eine Überschrift …„Tumor-Material von menschlichen Patienten wurde 600 neugeborenen Affen und Schimpansen injiziert und einer großen Zahl von Hamstern, Hunden und Katzen …“ „Die Neugeborenen von Katzen und Hunden können als sensitive Wirts-Indikatoren für LV-Kandidaten beim Menschen dienen“ .. man habe schon große Mengen der „Type C-Partikel“ gesichtet …(der Prototyp für FELV und HIV, also Katzen- und Menschen-AIDS?)

 “Es wurde auch gezeigt, dass hochpotente MLV-Stämme [Mäuse-Leukämie-Viren, die man absichtlich aggressiver gezüchtet hatte] andere Mäuse über die Atemwege anstecken können .. es handelt sich hier um eine ungewöhnlich starke Zubereitung eines Virus .. normalerweise sind LV (Leukämieviren) nicht auf diese Weise übertragbar …“

Bionetics Contract PH43-67-661 … BLS (Lymphosarcoma bei Rindern) … Tumorgewebe wurde Kälbern eingepflanzt, die man vorher mit Gammastrahlung behandelt hatte … bei trächtigen Kühen u. Affen  wurden auch Leukämie-Viren direkt in die Gebärmutter injiziert … usw.

DR. MENGELE  GOES  TO  AMERICA

Nach den Säugern und Affen kamen natürlich auch Menschen dran, die für diese grausamen Experimente leiden und sterben mussten

DoD Human experiments BweaponsEin Untersuchungsausschuss des US-Senats hatte festgestellt, dass das Pentagon im Rahmen dieser Forschung auch Menschenversuche gemacht hatte. Dazu wurden Häftlinge und geistig Behinderte benutzt, die man in ein Krankenhaus brachte und dann infizierte. Auch die nichtsahnende, amerikanische Bevölkerung wurde über Jahrzehnte hinweg von der CIA, skrupellosen Ärzten u.a. mehrfach als Testobjekt missbraucht

Ob so manche „Impfung“ auch zu diesen Versuchen zählt, ist eine äußerst interessante Frage ….(siehe dazu meine älteren Beiträge zum Thema Impfen).

FAZIT: Dr. Horowitz belegt mit diesen Dokumenten, dass Marburg, Ebola und HIV (AIDS) mit großer Wahrscheinlichkeit im Labor geschaffen wurden. Ob absichtlich oder wegen außer Kontrolle geratener Experimente, lässt er offen, doch zumindest bei AIDS ist die Antwort ziemlich klar ….

(Fortsetzung folgt …)

 

 

 

 

 

 

Ebola (1): Medizin, Markt und Militär

ebola-virusDie Angst vor Ebola geht um, vor allem in den USA, wo jetzt auch Ärzte und Krankenschwestern an der Virusinfektion erkrankt sind und Kritik an unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen immer lauter wird.

Pharmafirmen, die an Therapien bzw. Impfstoffen gegen „EBOV“ forschen, bekommen Sondergenehmigungen, damit ihre noch unzureichend getesteten Produkte an den betroffenen Patienten angewendet werden können.

Spätestens seit der Hysterie über die „Vogelgrippe“ müssten wir vorsichtig sein, wenn es darum geht, die Lage zu beurteilen. Die Angst vor Ansteckung und das Leiden der Erkrankten ist die eine Seite, doch auf der anderen Seite geht es um Macht und Profit der Pharmaunternehmen. Die Tatsache, dass Forschung an Viren natürlich auch für militärisch-politische Zwecke genutzt wird, also die Grenze zur biologischen Waffe fließend ist, macht die Sache noch gefährlicher.

In dieser Artikel-Serie soll auch gezeigt werden, dass die zunehmende „Privatisierung“ medizinischer Forschung, enorme Probleme schafft, die kein „Marktmechanismus“ beheben kann.

WER BESIEGT EBOLA?

Im Jänner 2012 wurde eine neue Therapie für Ebola-Patienten erstmals bei Menschen in den USA getestet. Diese klinische Versuchsreihe ist unter der Nr. NCT01518881 bei den amerikanischen Gesundheitsbehörden registriert. Was wurde hier getestet? Ein neues Medikament (Code TKM-100201 oder TKM-EBOV- 001 – mehr dazu weiter unten), das die Vermehrung der Ebola-Viren so stark behindern soll, dass die Erkrankten gute Chancen haben, zu überleben und wieder gesund zu werden.

TKM 100201 studyDer Entwickler von “TKM 100201” ist die kanadische Firma Tekmira Pharmaceuticals Corporation. Doch wer jetzt denkt, es sei diese Firma gewesen, die die Tests durchgeführt hat, der irrt sich. Die großen Pharmaunternehmen benutzen dafür andere Firmen, die das „Outsourcing“ dieser klinischen Versuche möglich machen. In diesem Fall war der “Dienstleister” Cetero Research, Firmensitz in North Dakota (USA) mit einem Forschungslabor in Houston, Texas.

Hier stellt sich bereits die Frage, wie sinnvoll es ist, solche heiklen Aufgaben, einem anderen Unternehmen zu überlassen, das natürlich auch börsennotiert ist und im „Wettbewerb“ mit anderen „Service-Providern“ der Pharma- u. Biotechindustrie steht. Kommt hier der billigste Anbieter zum Zug? Oder Unternehmen, die am häufigsten das gewünschte Ergebnis produzieren (und damit die Marktzulassung beschleunigen? Besteht hier nicht ein Interessenskonflikt (wie bei den Ratingagenturen, die ja ihre Auftraggeber bzw. deren Produkte bewerten sollen)?

Tatsache ist, dass Cetero im Jahr der TKM-Studie Schlagzeilen machte: Im März 2012 musste das Unternehmen Konkurs anmelden, nachdem die FDA im Mai 2010 mit einem Durchsuchungsbeschluss das Forschungsinstitut in Houston unter die Lupe genommen hatte. Die dabei beschlagnahmten Unterlagen bestätigten, was ein ehemaliger Mitarbeiter ausgesagt hatte: die Testergebnisse wurden systematisch manipuliert, um die Zulassungen zu beschleunigen. Mehrere Angestellte hatten auch Honorare verlangt für Leistungen, die sie nie erbracht hatten (sie waren gar nicht im Institut erschienen, hatten aber fiktive Arbeitszeit verrechnet).

Das Fazit der FDA: die Verstöße von Cetero waren so schwerwiegend, dass hunderte Studien, die dort zwischen 2005 und 2010 gemacht wurden, wahrscheinlich als wertlos zu betrachten sind. Doch dann kam die FDA selbst unter Beschuss, denn ihre Reaktion auf den Skandal als „watchdog“ (also Aufsichtsorgan für die Zulassung von Pharmazeutika) war sehr „industriefreundlich“ und weniger besorgt um die Gesundheit der Amerikaner:

Die FDA hat zwar neue Tests angeordnet, (wobei sich die Firmen sehr viel Zeit ließen, dem nachzukommen) aber von den rund 100 betroffenen Medikamenten wurde kein einziges vom Markt genommen (in einigen Fällen bis heute nicht). Die Namen der Arzneimittel wurden nie veröffentlicht. Das fällt nach Auffassung der FDA unter „Geschäftsgeheimnis“ und außerdem habe man keine Beweise dafür, dass Patienten dadurch geschädigt worden seien.

(Wer sich schon länger mit „Science for Sale“ beschäftigt, versteht diese Aussage richtig: dass man keine „Beweise“ hat, heißt nicht, dass es diese nicht gibt, sondern meistens nur, dass man gar nicht danach gesucht hat …)

PRACSlogo-220x123Im Oktober 2012 machte das Unternehmen unter neuem Namen wieder auf: Es hieß nun PRACS und wurde von seinen Investoren über Wasser gehalten, in der Hoffnung, es gehe wieder bergauf. Doch das Stigma des Betruges ließ sich nicht mehr abschütteln und so stand auch PRACS im März 2013 vor dem Konkursrichter. Die Firma machte ohne jede Vorwarnung von einem Tag auf den anderen zu und blieb neben den Angestellten auch den Testpersonen („Probanden“) ihr Honorar schuldig.

Viel wichtiger ist aber: Wer kümmert sich unter solchen Umständen um die Gesundheit der Testpersonen?

Auch wenn man davon ausgeht, dass dieser Fall nicht repräsentativ für alle „for hire“ Forschungsinstitute ist, die klinische Tests als willige Erfüllungsgehilfen der großen Pharmafirmen durchführen, zeigt dieses Beispiel wie unverantwortlich das „Outsourcing“ solcher sensiblen Aufgaben ist: Wenn Menschen als (freiwillige aber ahnungslose) Versuchskaninchen für neue Therapien benutzt werden, muss das oberste Gebot Transparenz und unabhängige Kontrolle sein und nicht profitorientiertes Denken.

Über das Ergebnis dieser klinischen Tests ist so gut wie nichts bekannt, es dürfte aber wenig zufriedenstellend gewesen sein, denn bereits wenige Monate später (im Jänner 2014) meldete TEKMIRA neuerlich eine Studie an, mit einem veränderten Produkt:

TKM-100802

TKM 100802Auch hier wurde der Wirkstoff den Testpersonen intravenös (durch eine Infusion ins Blut) verabreicht und zwar (wie vor) in ansteigender Menge. In der ersten Phase erhielten sie nur eine Dosis (SAD), in der zweiten waren mehrere Dosen geplant (MAD). Die Studie wurde aber durch Intervention („hold“) der FDA vor Beginn der MAD-Phase abgebrochen.

Der „Markt“ reagiert auf solche Nachrichten natürlich damit, dass die Aktien des betreffenden Unternehmens fallen (weil die Zulassung und damit die „große Kohle“ dadurch verzögert oder sogar unmöglich wird).

So makaber es auch klingt, die Nachrichten aus West-Afrika über die rasante Ausbreitung des Ebola-Virus mit tausenden Erkrankten und hoher Sterblichkeit, sind daher Musik in den Ohren der Pharma- u. Biotechfirmen und ihrer Investoren. Und so wundert es auch nicht, dass die Horror-Meldungen dazu führten, dass die Aktienkurse von Tekmira an einem Tag um 45% stiegen.

Wie immer, wird die Öffentlichkeit im Dunkeln darüber gelassen, was wirklich während des klinischen Versuchs passierte. Nur Websites, die für Investoren gedacht sind, liefern Hinweise dazu. Anscheinend gab es als unerwünschte Nebenwirkung eine heftige Reaktion des Immunsystems, die lebensbedrohlich sein kann: ein unkontrollierter Ausstoß von Zytokinen.

Unpredicted biological action of the drug in humans

(Erinnern wir uns noch an die fatalen Konsequenzen eines Versuches, bei dem im Biotech-Labor geschaffene Anti-Körper (mAB) einen Zytokin-Sturm verursachten und für die Testpersonen mit multiplem Organversagen (knapp dem Tod entgangen) endete?

Und das, obwohl die verabreichte Dosis um das 500-fache kleiner war, als die „sichere“ Dosis im Tierversuch. Die Biotech-Entwicklerfirma hieß TeGenero, die Testfirma PAREXEL und der Hersteller dahinter Boehringer-Ingelheim. Das Ergebnis einer Untersuchungskommission: „Schuld“ hatte im Endeffekt niemand, doch die dramatischen Folgen waren eben nicht „unvorhersehbar“ …)

Doch unter dem Druck der Öffentlichkeit (vor allem der zunehmenden Panik) erlaubte die FDA (und die entsprechende Behörde in Kanada) schließlich, die Anwendung von nicht zulassungsreifem TKM-EBOV bei Ebola-Patienten unter dem Titel „extended access“.

Selbst wenn diese Patienten überleben, kann das allerdings nicht als Beweis für die Wirksamkeit dieser neuen Medikamente gewertet werden, weil sie eben nicht unter kontrollierten Bedingungen verabreicht werden (es gibt andere Faktoren, die auch zur Heilung beitragen wie z.B. Bluttransfusion, das eigene Immunsystem, andere Therapien im Versuchsstadium, etc.) Außerdem verändert sich (mutiert) das Virus enorm schnell, wodurch die geplante „Stilllegung“ bestimmter viraler Gene (die zur Vervielfältigung notwendig sind) scheitern könnte.

green monkeyTekmira beruft sich auf eine erfolgreiche Studie (The Lancet, 2010) mit Affen, die alle mit einem sehr gefährlichen Ebola-Stamm (Kikwit, Zaire 1995) infiziert und dann mit TKM-Ebola behandelt wurden. Alle behandelten Tiere überlebten. Doch wie man bei dem o.a. TeGenero Experiment gesehen hat, sind Beobachtungen bei Affen keine Garantie für den Erfolg bei Menschen, ganz zu schweigen vom Risiko, das menschliche Immunsystem völlig entgleisen zu lassen.

Ein gezielter (epi-)genetischer Effekt, der die Vermehrung der Viren verhindern soll, muss an seinen Einsatzort gebracht werden, erst dort soll die Wirkung eintreten. Der “Einsatzort” sind also jene Körperzellen, die besonders stark vom Ebola-Virus befallen werden. Dazu gehören Leberzellen, die Endothelzellen und vor allem die diversen Zellen des Immunsystems.

Man braucht also zunächst ein geeignetes (sicheres und effektives) Transportmittel, das diese Aufgabe erledigen kann. Tekmira verwendet dafür sogenannte „Lipid Nano-Partikel“ (LNP) und schreibt dazu:

„ [Unsere] LNP-Technologie ist die heute am meisten angewendete RNAi- Verteilungsmethode. Sie erlaubt es, RNAi-Wirkstoffe in winzige Kügelchen einzuschließen, die aus Lipiden (Fetten oder Ölen) bestehen. Diese winzigen Teilchen „reisen“ durch den Blutkreislauf zu den „Zielorten“ (in das Gewebe bestimmter Organe).

.Als Vorteile der LNP-Technologie führt Tekmira an, sie bewahre den potenten Auslöser (für den RNAi-Effekt*), sorge für schnelle und effiziente Verteilung, ermögliche zielgenaue Freisetzung in der Zelle und minimiere unerwünschte Nebeneffekte (wie Immuntoxizität, also eine Abwehrreaktion des Immunsystems auf den „Eindringling“)

*(was das ist erkläre ich im dritten Teil)

Neuste Innovationen ermöglichen auch den Einsatz gefriergetrockneter LNPs (was besonders in Afrika von Vorteil ist, weil ansonsten die Fläschchen immer gekühlt werden müssen). Eher erschreckend finde ich die Ankündigung, man arbeite an einer Formel, die die Verabreichung dieser „Gen-Therapie“ auch subkutan, über die Atemwege und für „landwirtschaftliche Anwendungen“ ermöglichen werde.

Dass diese Forschung (fast immer) vom amerikanischen Militär (mit-)finanziert wird, lässt bei mir eine Gänsehaut aufkommen und ich denke, wir sollten uns diese Programme mal etwas genauer ansehen.

BIO-DEFENSE OR WHAT?

DoD contract TKMIm Jahr 2010 erhielt Tekmira einen 35 Millionen Dollar* Vertrag vom Pentagon („Verteidigungsministerium“ ist im Falle der USA wohl nur als irreführender Begriff im Sinne von Orwells „Doublespeak“ zu werten), zur Entwicklung einer Ebola-Therapie auf Basis der (oben skizzierten) LNP-und RNAi-Technologie. Dass als offizielle Vertragspartei das „U.S. Army Space and Missile Defense Command genannt wird, ist äußerst bemerkenswert. Was haben diese Leute mit Virenforschung zu tun?

(*Es ist mir ein Rätsel, warum Tekmira in seinen „investor-relations“ immer von „140 Mio. Dollar“ spricht, oder ist das nur der (zum Kostenaufblasen animierende) „cost-plus-Effekt“?)

Im März 2014 (nachdem die Ausbreitung von Ebola in West-Afrika begonnen hatte) erlaubte die FDA dem Unternehmen, dieses Produkt im Rahmen eines „fast track“ Verfahrens zu entwickeln. Das bedeutet ein Aufweichen der strengen Zulassungsbedingungen, also eine große Erleichterung für den Hersteller, damit die neue Therapie schneller verfügbar ist.

In diesem Fall gilt die sogenannte „animal rule“: die Zulassung kann auch ohne klinische Tests bei Menschen erteilt werden (was enorm risikoreich ist), also nur auf der Grundlage von Testergebnissen bei Tieren. Es genügt, wenn die Resultate dieser Versuche den Schluss zulassen, dass „die Therapie mit einiger Wahrscheinlichkeit auch bei Menschen vorteilhaft ist“.

Angesichts der Horrormeldungen aus Afrika und den ersten Fällen in den USA wird also eine Therapie bei Patienten erprobt, deren immunologischen Folgen noch gar nicht abzusehen sind. Tekmira führt jetzt auch (gemeinsam mit anderen und unter Führung der WHO) klinische Studien in Westafrika durch.

IST EBOLA EIN MONSTER-VIRUS?

Viele von uns haben den Film „Outbreak“ gesehen, in dem Ebola quasi das unsichtbare Monster war, das es zu besiegen galt. Die Folgen einer Ebola-Infektion sind tatsächlich Stoff für eine Mischung aus Horrorfilm und Thriller:

Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei Tagen und (bis zu) drei Wochen. Zu den Symptomen, die sehr plötzlich auftreten, gehören: Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen (Anfangsphase – ähnlich wie grippaler Infekt). Später sind Durchfall, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Atembeschwerden, Husten, Schmerzen im Brustraum und ein spezieller Ausschlag typische Zeichen für eine Ebola-Infektion. (Doch der eindeutige Nachweis kann nur durch eine Blutuntersuchung erbracht werden). Nach 4-5 Tagen treten erste Blutergüsse auf.

ebola 2Auf dem Höhepunkt der Krankheit kommt es häufig (aber nicht immer) zu Blutungen am ganzen Körper: Blut im Auswurf, im Stuhl, Bluten aus Nase, Zahnfleisch, der Bindehaut des Auges, aus Einstichstellen in Venen, aus Hautverletzungen, die aufbrechen, usw. Eine Horrorvision.

Massiver Flüssigkeitsverlust, Sekundärinfektionen, Multiples Organversagen, Schock und Koma führen zum Tod. Das Immunsystem wird von den Viren so stark befallen, das es völlig zusammenbricht bzw. mehr Schaden als Nutzen anrichtet: z.B. entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) werden massenhaft ausgeschüttet, doch das Fehlen anderer Immunmodulatoren wie etwa der Interferone, eine gestörte Antikörper-Produktion und der Verlust wichtiger T-Lymphozyten (als potente Waffen des Immunsystems) erzeugen ein derartiges immunologisches Chaos, das man den Tod schon beinahe als Erlösung sehen könnte.

Doch trotz dieser grauenvollen Symptome galt das Virus (bis 2014) nicht als globale oder große Bedrohung. Warum? Weil nur sehr wenig Menschen davon betroffen waren:

Zwischen 1976 und 2014 (also in fast vier Jahrzehnten) gab es etwa 2.400 (bekannte) Infizierte und 1.500 Tote – hauptsächlich in Zentralafrika. (Verglichen mit anderen Virenerkrankungen ist das sehr wenig; alleine am Grippevirus sterben jährlich alleine in den USA mehrere tausend Menschen.)

Bei jedem “Ausbruch” waren nie mehr als 500 Menschen betroffen und das hatte einen Grund: EVD brachte die Patienten so schnell um, dass eine größere Ausbreitung gar nicht möglich war.

Doch seit 2014 hat “EBOV” ein neues Gesicht bekommen: In Guinea trat eine zunächst nicht identifizierte Krankheit in Erscheinung (im Grenzgebiet zu Sierra Leone und Liberia), die im März offiziell als EVD deklariert wurde. Bald darauf gab es die ersten Fälle in Liberia und Ende Mai auch im Osten von Sierra Leone. Die Krankheit wurde schließlich auch nach Nigeria und Senegal “importiert“. Auffällig war, dass trotz der rasanten Ausbreitung in Afrika, bei uns (in Europa und den USA) die Behörden nicht sonderlich besorgt waren (man vergleiche dazu den Hype über die „Vogel- bzw. Schweinegrippe“ …)

Chan out of controlDie Alarmglocken (oder Panikmache?) gingen erst richtig los, als die Direktorin der WHO, Dr. Margret Chan im September die Krankheit als “außer Kontrolle” bezeichnete und somit quasi den Notstand erklärte. Es gäbe nun fast 4.800 Infizierte, von denen die Hälfte bereits gestorben sei. Damit nicht genug, breite sich die Krankheit auch rasant unter dem Pflegepersonal aus: mehr als 40% (von 300) seien als Folge der Behandlung von EVD-Patienten gestorben.

Das Problem dabei ist, das es dieselbe Frau Chan war, die 2009 die „Schweinegrippe“ zur globalen Bedrohung erklärte. Dies war aber nur möglich, nachdem die Kriterien für eine „Pandemie“ geändert wurden (siehe dazu diesen Artikel von mir). Die Profiteure solcher Panikmache sind natürlich die Pharmakonzerne, die „Impfstoffe“ für solche bedrohlichen Seuchen anbieten.

An dieser Stelle müssen wir innehalten und uns fragen: Was ist hier wirklich los?

Sterben in Afrika wirklich so viele Menschen an EVD, wie in den Medien behauptet wird? *

Die Bewertung der veröffentlichten Zahlen (Erkankte u. Todesfälle) hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Sind die Diagnose-Tests zuverlässig und vom wem werden sie durchgeführt?
  2. Gibt es unabhängige Quellen, die die Zahlen bestätigen? Und – nicht zu vergessen –
  3. Wer hätte ein Interesse daran, die Zahlen aufzubauschen? Wer profitiert davon?

Die Diagnose-Tests kommen praktisch alle aus den USA (CDC, NIH, AMRIID, etc.). Angesichts der Tatsache, dass das Virus enorm schnell mutiert, ist ihre Aussagekraft zweifelhaft.

Im August 2014 erlaubte die FDA auf Antrag des Pentagons (DoD) die Zulassung eines neuen Diagnose-Tests zur Feststellung einer Ebola-Infektion. Im Oktober wurde diese Zulassung (als Notstandsmaßnahme) verlängert und erweitert: das Testmaterial kann jetzt auch Vollblut und Plasma sein, das nicht vorbehandelt wurde (also immer noch infektiös ist).

Das Pentagon stellt auch “zwei komplett ausgestattete Diagnose-Labors zur Verfügung” wie die Washington Post feststellte. Die WaPo berichtet auch, dass Liberia am stärksten betroffen sei: mehr als die Hälfte der Todesfälle seien Liberianer gewesen. Doch dann heißt es weiter, dass lt. WHO nur 31% der “Ebola”-Fälle überhaupt durch Bluttests nachgewiesen wurden. Weitere 47% wurden als „wahrscheinliche“ Ebola-Patienten eingestuft. Soll das Wissenschaft sein?

Obama schickte 3000 Soldaten nach Liberia -wozu?

Das Epizentrum des Ausbruchs in Sierra Leone war das Kenema Hospital, wo sich u. a. eine amerikanische „Forschungsstation“ für Lassafieber befindet, in die ebenfalls das US-Militär eingebunden ist. (Mehr dazu später)

(Die „Fingerabdrücke“ amerikanischer Behörden – von USAID, CDC bis Pentagon in diesem „Ausbruch“ sind überallwir kommen darauf noch zurück)

Es gibt also keine unabhängigen Quellen für die Zahlen, die wir in den Medien hören. Auch hier haben amerikanische Akteure die „Informationsdominanz“ bzw. die WHO, die aber auch alles andere als „unabhängig“ und mit dem MMIC verbunden ist. Während afrikanische Medien melden, dass z.B in Nigeria das Ende der Epidemie ausgerufen wurde (keine neuen Fälle nach der doppelten Inkubationszeit), macht die WHO in Genf schon wieder Panik in unseren Schlagzeilen. Was soll das bedeuten?

*Wenn ja, wieso ist das Virus so aggressiv und trotzdem in der Lage sich so schnell zu verbreiten?

EBOVUm diese Frage zu beantworten, müssen Informationen über das Genom des Virus veröffentlicht werden. Handelt es sich um einen (aus früheren Ausbrüchen) bekannten Stamm? Wie schnell mutiert das Virus?

Das Hamburger Institut für Tropenmedizin hält sich dazu sehr bedeckt. Null Info über das virale Genom (aus Guinea u. Liberia) für die Öffentlichkeit, der Virenstamm sei aber „einzigartig“ und kein Abkömmling von „EBOV“, also dem Ebola-Auftreten in Zaire und später in Gabon [Dr. Günther zitiert in der amerikanischen Presse]

Auf der Homepage des BNIT heißt es dann aber auf einmal (von Dr. Günther unwidersprochen ..)

Der derzeitige Ausbruch konnte dem Ebola-Stamm Zaire zugeordnet werden. Dieser ist aufgrund seiner hohen Sterblichkeitsrate als äußerst gefährlich bekannt. Welche Unterschiede bestehen zwischen verschiedenen Typen?

Prof. Dr. Stephan Günther:Es ist nicht bekannt, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Subtypen des Virus bestehen, die den einen gefährlicher machen als den anderen. Der Ebola-Subtyp Reston macht den Menschen zum Beispiel gar nicht krank. Hier muss die Wissenschaft in den nächsten Jahren herausfinden, was die Gefährlichkeit eines Virus für den Menschen eigentlich ausmacht.“

Wer soll Ihnen das abnehmen, Herr Dr. Günther?

Was haben denn die tausenden Wissenschaftler, die seit den 1960er Jahren aggressive „Virenforschung“ betreiben und dafür Millionen Forschungsgelder erhalten, dann eigentlich gemacht? Und wie konnte man dann Impfstoffe entwickeln und an Millionen Menschen anwenden?

DER AUSBRUCH IN SIERRA LEONE

Outbreak stats 2Im August dieses Jahres wurde dazu eine (frei zugängliche) Studie veröffentlicht, die erste Aufschlüsse über den Ursprung des Virus und die Übertragungswege gibt. Dabei wurden 99 Virusgenome von 78 Patienten aus Sierra Leone in den USA untersucht, die sich sehr schnell veränderten (sowohl von einem Infizierten zum anderen, als auch bei jedem Erkrankten selbst). Durch die rasanten Mutationen (alleine 395 in drei Wochen werden allerdings sowohl die Diagnose als auch die Therapie massiv erschwert.

Die Forscher gehen davon aus, dass dieser neue Stamm (2 Varianten) sich 2004 gebildet hat (in Abweichung der Linien, die in Zentralafrika vorher aufgetreten waren) und aus Guinea nach Sierra Leone eingeschleppt wurde. Die Übertragung erfolgte dabei (2014) immer von Mensch zu Mensch, es gibt keinen Hinweis, dass Tiere involviert waren.

Laut den veröffentlichten Zahlen, verdoppelt sich die Zahl der Erkrankten alle 35 Tage. Das bedeutet exponentielle Zuwachsratendie nie zuvor bei EBV beobachtet wurden.

  • August 2014: 2240 Fälle, 1229 Tote
  • September 2014 (laut WHO/ Chan): knapp 4800 Fälle, 2400 Tote

Zum Vergleich: 1976 erkrankten 318 Menschen.

Auffallend ist auch, dass die Krankheit sich vor allem in den Städten ausbreitet und nicht, wie früher, in entlegenen Regionen, wo der Kontakt mit dem angeblich „natürlichen Reservoir“ des Virus (Flughunde oder Affen) viel wahrscheinlicher ist. Zu erwähnen ist auch, dass fünf Mitglieder dieses Forscherteams (das die Blutproben aus Sierra Leone zur Analyse des viralen Genoms entnahm bzw. untersuchte) in der Folge selbst erkrankt und gestorben sind:

  • Dr.Sheik Humarr Khan, (Virologe, Abt.Leiter Kenema, Spezialist für Lassa-Fieber mit 10 Jahren Erfahrung)
  • Mbalu Fonnie, (erfahrene Krankenpflegerin und Hebamme)
  • Mohamed Fullah (Laborant)
  • Alex Moigboi und Alice Kovoma (Krankenschwestern)

Dr Khan morningMan muss sich fragen, wieso sich ein erfahrener Virologe aus Afrika (der Beste in Sierra Leone) infiziert hat, der nach Aussagen von Kollegen „sehr genau“ die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten hat und dann mit 39 Jahren gestorben ist, obwohl er von einem erfahrenen Ärzteteam (MSF) mit den besten Mitteln behandelt wurde? …

Hier ist anzumerken, dass sich im Kenema-Hospital (wo die ersten und zunächst einzigen Ebola-Tests in Sierra Leone gemacht wurden und die meisten Patienten gestorben sind) eine amerikanische Forschungsstation für „Infektionskrankheiten“ befindet, wo Wissenschaftler der Tulane University in Kooperation mit dem US-Militär arbeiten (AMRIID). Von denen wurde interessanterweise niemand krank …

Ebola-West-Africa-550(1)Wieso das große Sterben erst losging, nachdem die Menschen ins Kenema „Ebola Treatment-Center“ kamen, fragten sich auch viele Menschen in der Region. Nachdem das Pflegepersonal zu streiken begann, reagierte das Gesundheitsministerium in Sierra Leone auf die Proteste und gab am 23. Juli auf facebook bekannt:

  • Es wird (in Kooperation mit der WHO) ein neues Kontroll- und Operationszentrum (EOC) für solche Ausbrüche in Freetown geben und alle neuen Fälle werden im Therapie-Center in Kailahun aufgenommen und behandelt.
  • Gleichzeitig wird daran gearbeitet, das Behandlungszentrum im Kenema-Hospital an einen anderen Ort zu verlegen.
  • Die Tulane University darf keine Ebola-Tests mehrdurchführen.
  • Das amerikanische CDC muss seine Bewertung des Labors und der Behandlung der EBV-Patienten veröffentlichen.
  • Khan lebt noch und spricht auf die Therapie an (sein Tod wurde bereits über social media verkündet..)

Doch dann war er plötzlich tot …. Ein Beweis für die Gefährlichkeit von Ebola?

21 mts old toddler survives ebolaKeinesfalls, denn wenn Kleinkinder es schaffen, gesund zu werden – oder zu bleiben – (wie die 21 Monate alte Issatta auf dem Bild, die in Kailahun und nicht in Kenema behandelt wurde), dann muss es andere Faktoren für das Sterben geben …

Wieso tritt die Krankheit auf einmal in West-Afrika auf, wo sie nie zuvor registriert wurde? (Frühere Ausbrüche fanden in Zentralafrika statt, das ist eine Entfernung von mehr als 3000 km).

Fortsetzung (des Ebola-Krimis) folgt …

  • Was haben die Virenforscher die letzten 40 Jahre gemacht?
  • Was spricht dafür, dass HIV (AIDS), Ebola/Marburg & Co. synthetische Viren sind – also in Labors erschaffen wurden? (leider SEHR VIEL …)
  • Populationskontrolle, Rassismus und Eugenik sind nicht verschwunden (und die Faschisten, die sie fördern, auch nicht)

—————————————————————————————————————————————

 

Philip Cohen, Take Two Killers, New Scientist, 10th March 200, p19 & Nature Biotechnology, Vol 19, p225,

 

 

 

 

 

 

 

Ivory Coast (3): Die Wahlen 2010

FNDie reguläre Amtszeit von Präsident Gbagbo endete 2005, doch wegen der noch immer nicht durchgeführten Entwaffnung der Rebellen und anhaltender  Spannungen war die Abhaltung von Wahlen kaum möglich. Der UN-Sicherheitsrat verlängerte daher seine Präsidentschaft um ein weiteres Jahr, entsprechend einer Inititative der Afrikanischen Union. Die Prozedur wurde 2006 wiederholt, jedoch sah die UN-Resolution 1721 eine erhebliche Machtverschiebung zugunsten des Premierministers vor (damals Charles Konan Banny: wie vor ihm Ouattara, Gouverneur der BCEAO, also ein Vertreter des Finanzkapitalismus)  der u.a. die Kontrolle über die Sicherheitskräfte erhalten sollte. Gbagbo äußerte dazu öffentlich, dass er jene Elemente, die verfassungswidrig seien, nicht übernehmen werde, was ja seine Pflicht als Präsident ist. (Allem Anschein nach wurde der „Entwurf“ der Resolution von Frankreich verfasst – was für ein Zufall …)

So wird dem Premierminister die Macht erteilt „durch entsprechende Verfügungen alle notwendigen Entscheidungen in allen Angelegenheiten im Ministerrat oder im Regierungsrat zu treffen“ („must be empowered to take all necessary decisions, in all matters, within the Council of Ministers or the Council of Government, by ordinances or decree-laws“). Das klingt eigentlich nicht nach demokratischer Gewaltenteilung und wer bestimmt, was „notwendig“ ist?

Die Vorbereitung der Wahlen (vor allem Identifizierung und Registrierung der Wahlberechtigten) fällt ebenfalls in seine Verantwortung. Am 4. März 2007 wurde eine Friedensvereinbarung mit den FN unterzeichnet, in deren Folge Guillaume Soro der neue Premierminister wurde:

Das Ouagadougou Abkommen

Campwar maßgeblich unter Mitwirkung von Blaise Compaoré zustandegekommen, dem Präsidenten von Burkina Faso und (damaligem) Vorsitzenden der ECOWAS (ein korrupter Vasall Frankreichs, dessen eigene Wiederwahl 2010 mit „80% der Stimmen“ äußerst dubios war: der Mann ist seit fast 30 Jahren Präsident von Burkina Faso, darüber regt sich aber die „Staatengemeinschaft“ nicht auf, sondern genau das qualifiziert ihn wohl als „Vermittler“). Die wesentlichen Punkte darin sind:

  • die Identifizierung und Registrierung der Wahlberechtigten und die Schaffung „optimaler Bedingungen“ für die Abhaltung von Wahlen
  • die Neu-Organisation der Sicherheitskräfte unter Leitung eines „Integrierten Kommandozentrums“ (ICC)
  • Entwaffnung beider „Kriegsparteien“ unter Aufsicht der „unparteiischen (!) Kräfte“ (UNOCI und LICORNE)
  • Annex IV: Schaffung einer neuen Nationalen Armee innerhalb von vier Wochen nach Unterzeichnung (22.Dez.2008)
  • Vollständige Demobilisierung der ehemaligen FN-Kämpfer spätestens zwei Monate vor den Präsidentenwahlen

 (Wie bereits im letzten Beitrag angemerkt, sind die Bedingungen im Bezug auf die „Neuorganisation der Sicherheitskräfte“ ein ungeheurer Affront: Männer, die jahrelang subversiv und mit Gewalt gegen den Staat gekämpft haben, erhalten Ministerämter und 4000 der Rebellen sollen in die Organe der inneren und äußeren Sicherheit werden. Das ist kein „Friedensabkommen“ sondern ein Instrument für Provokation und Zerwürfnis zwischen dem loyalen Militär und dem Präsidenten)

Am 16. April 2007 wurde die Pufferzone zwischen Norden und Süden offiziell aufgelöst, (doch wenn man genau hinsieht, blieb die UN immer noch dort und bewachte ab sofort mit weniger Personal eine „Grüne Linie“). Als Bedingung für dieses Ende des UN-Mandats musste sich die Regierung dazu verpflichten, das Wahlergebnis vom UN-Sonderbeauftragten „zertifizieren“ zu lassen – ein äußerst wichtiger Schachzug, wie wir später noch sehen werden.

Der Präsident erklärte, der Bürgerkrieg sei beendet. Im Norden (Bouaké) wurden im Juni wieder staatlich beaufsichtigte Verwaltungsorgane eingesetzt. Alles schien sich langsam wieder zu normalisieren, für Juli war eine Zeremonie zur Einleitung der Demilitarisierung geplant („Friedensfackel“) in Anwesenheit der Präsidenten von Südafrika, Ghana und Burkina Faso.

Doch dann passierte ein seltsames Ereignis: (nach meiner Ansicht um den Friedensprozess zu torpedieren, vor allem die Cooperation zwischen Gbagbo und Soro, die vorher „Feinde“ gewesen waren;)

ANSCHLAG  AUF  DEN  PREMIERMINISTER

soro plane attackedAm 29. Juni 2007 wurde das Flugzeug des Premierministers Guillaume Soro während der Landung in Bouaké von „einer Rakete getroffen“, seltsamerweise in seiner „Hochburg“ – also einer Region, wo er die meisten Anhänger hatte. Der Minister blieb unverletzt, es gab aber vier Tote (Auf die seltsamen Umstände werde ich in einem eigenen Beitrag noch näher eingehen).

Nach vier Jahren, vielen Hürden und mehreren Verschiebungen war es dann endlich soweit, die Präsidentenwahlen wurden abgehalten.

DIE WAHLEN 2010

Diese Wahlen im Oktober / November 2010 fanden aber in einem ganz speziellen, politischen Umfeld statt, das alles andere als normal war. Die im Friedensabkommen geforderte, vollständige Entwaffnung der Rebellen im Norden hatte jedenfalls auch 2010 noch nicht stattgefunden. Die „Registrierung“ der Wähler dürfte auch nicht einfach gewesen sein, in einem Land, in dem hunderttausende keine Geburtsurkunde haben und Millionen „Zugewanderte“ (vor allem aus Burkina Faso) leben und arbeiten.

Die Wahlkommission CEI war für die Organisation der Wahlen verantwortlich und  ist nach der Verfassung verpflichtet, innerhalb von drei Tagen nach Schließen der Wahllokale das Ergebnis zu veröffentlichen, doch das letzte Wort hat der Oberste Gerichtshof (Constitutional Council – (CC) oder Verfassungsrat), der das Wahlergebnis bestätigen muss.

Im Süden lag das Wahlergebnis klar auf der Hand: Gbagbo hatte eine Mehrheit errungen. Doch im Norden gab es kriminelle Vorgänge, die mehr an die Mafia erinnern, als an demokratische Wahlen:  Nötigung, Entführung, physische Gewalt, künstliche Stimmenvermehrung für Ouattara, „Verschwinden“ von Gbagbo Wählern, usw. (In der ersten Runde hatte Gbagbo 38% der Stimmen erhalten, Ouattara 32%, ein dritter Kandidat 25%, der damit ausschied)

Die 3-tägige Frist wurde vom CEI nicht eingehalten, weil sich die Kommission über das Ergebnis nicht einigen konnte, also wurden die Wahlunterlagen dem Obersten Gerichtshof (CC) übergeben. Dieser erklärte nach Prüfung der Dokumente, unter Hinweis auf die besorgniserregenden Vorfälle im Norden“, am 28. November 2010 Gbagbo zum Sieger. Offizielles Wahlergebnis war demnach:

wiki election results CC & IEC

Trotzdem verlautbarte ein Mitglied des CEI, Youssouf Bakayoko – von einem Hotelzimmer aus und nur  im Beisein ausländischer Journalisten – eine Stimmenmehrheit von Ouattara (die anderen Kommissionsmitglieder waren nicht anwesend), die dann sofort vom UN-Sonderbeobachter Youn-Jin Choi „zertifiziert“ wurde.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes wurde einfach ignoriert, doch Präsident Gbagbo wollte nicht kampflos das Feld räumen. Er verlangte eine Neuauszählung der Stimmen von einem unabhängigen, internationalen Gremium.

Doch weder die UN, noch Ouattara oder die „westliche Staatengemeinschaft“ haben diese Forderung akzeptiert, stattdessen wurde eine Medienkampagne inszeniert, bei der Gbagbo einfach als schlechter Verlierer präsentiert wurde, der seine Macht nicht abgeben wollte und deshalb mit Gewalt entfernt werden musste (selbstverständlich im Dienste der „Demokratie“, was sonst?)

Weil hier der „falsche“ Kandidat gewonnen hatte, kam es sofort zu heftigen Protesten westlicher Regierungen und die Heuchlerbande bestand darauf, dass Ouattara der Wahlsieger sei. Die Papageienjournaille übernahm diese Perspektive und so taucht bis heute in fast allen Medien der Satz auf, „Gbagbao weigerte sich, das Wahlergebnis anzuerkennen“ – obwohl es genau umgekehrt war: Frankreich und seine Komplizen wollten Ouattara an die Macht bringen, dabei war jedes Mittel recht und die Fließbandmedien fungierten dabei als Echo und Verstärker.

ban1moussaDie Rolle der UN bei dieser ominösen Geschichte ist äußert fragwürdig, denn entgegen den Friedensvereinbarungen wurde der Norden nicht entmilitarisiert  und die „Wahlbeobachtung“ dürfte sehr einseitig gewesen sein.

Dass die UN  immer mehr zum Instrument des Imperialismus verkommt, ist ja (spätestens seit dem Irak-Krieg) auch kein Geheimnis mehr. Die Wahlbeobachter der EU wurden im Süden installiert, sodass man mit gutem Gewissen verkünden konnte, es habe sich um „faire“ Wahlen gehandelt.

ivory-coast-un-choiYoun-Jin Choi, der „SRSG“ für Ban-Ki-Moon war die Schlüsselfigur in einem Wahlbetrug, der Ouattara in den Augen der Weltöffentlichkeit  als „demokratisch gewählten“ Präsidenten installieren sollte. Die Zahlen haben andere gefälscht, aber er war das moralische Feigenblatt für die Verbrechen im Hintergrund.

Gibt es glaubhafte Beobachter außerhalb des Landes, die darauf bestehen, dass Gbagbo und nicht Ouattara die Wahlen gewonnen hat?

1 Mohamed AREF (AU)

1 M Aref election observer AUEin Wahlbeobachter der Afrikanischen Union, der  Jurist Mohamed Aref  konnte  enorme Wahlmanipulationenbezeugen. Für ihn sind die Zahlen, die Choi „zertifiziert“ hat, schlicht und einfach „complètement“ gefälscht:

Die ganze, schäbige Inszenierung sei eine Methode, die Re-Kolonialisierung der Elfenbeinküste zu vertuschen, um die Agenten des Imperialismus an die Macht zu bringen und damit die Ressourcen des Landes von den TNCs geplündert werden können. Frankreich und les droits de l’homme? Kann man in Afrika vergessen …

2  James IMHOFE

1 Senator ImhofeDer US-Senator James Imhofe, Mitglied im außenpolitischen Senatsausschuss und Afrika-Experte (er kennt auch das Ehepaar Gbagbo persönlich), hat versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, doch man hat ihn weitgehend ignoriert und stattdessen mit Schmutz beworfen (auch weil er zu den „Evangelikalen“ gehört).

Er schrieb einen Brief an Hilary Clinton und führte dabei u.a. an: Es gäbe Beweise für massiven Wahlbetrug im Norden, so habe  Gbagbo in einer Region im ersten Wahlgang mehrere tausend Stimmen erhalten, aber im zweiten gar keine mehr, während die Stimmen für Quattara auf wundersame Weise vermehrt wurden: aus 149.000 gezählten Stimmen wurden im „Endergebnis“ plötzlich fast  245.000 Stimmen, usw.

Auch der Vorwurf, Gbagbo hätte sich gegen eine friedliche Lösung des Konflikts gewehrt, sei falsch: Der Außenminister von Cap Verde, Jose Brito wurde als Vertreter der afrikanischen Union entsandt, um als Mediator zu fungieren,  Gbagbo akzeptierte, Ouattara weigerte sich.

Senator Imhofe sagte in einem Interview:

„Ich weiß, dass die Franzosen schon immer einen großen Einfluss auf die Regierung der Elfenbeinküste hatten, […] bis Präsident Gbagbo an die Macht kam, und natürlich haben sie seither ständig gegen ihn gekämpft und Ouattara ändert daran gar nichts; auch er ist von den Franzosen ausgesucht worden, und ganz offen gesagt: sie haben die Wahlen manipuliert.“ [wofür es schriftliche Beweise gibt]

Die Franzosen [französische Truppen] sind ins Land gekommen und ich weiß nicht, wie viele tausend Menschen dann umgebracht wurden, weil es keine offiziellen Angaben über die Opfer gibt. Sie haben alleine in Doekoué mehr als tausend Menschen umgebracht- das ist eine Stadt im Westen – und die waren Anhänger von Gbagbo. Sie streiten es ab, aber Gbagbo hatte keine Truppen dort, also kann es nur die andere Seite gewesen sein. Das ist eine Terrorherrschaft, die Ouattara zu verantworten hat und die Franzosen unterstützen das Ganze.“

Wahlmathematik der besonderen Art: (nur ein Beispiel)

PV-election results-Bandama

  • Statt der registrierten 374,196 ergeben sich aber nur  373,834 (wenn man die Zeilen in Spalte 1 addiert)
  • Reguläre Stimmen lt. CEI 292,702  tatsächlich sind es aber nur  178,555, ein Unterschied von 114,147
  • Gültige Stimmen (Zeile 2): nicht registrierte + reguläre – ungültige) in Bouaké: 48.301 + 2.761 -2.662 = 48.400 Doch auf dem “Dokument” werden 159.588 als gültige Stimmen angegeben, das sind  108.617 Stimmen zuviel.
  • ·Gbagbo: 22.845 Stimmen, Ouattara: 42.070 Stimmen = 64.915 Stimmen – woher kommen dann die 159.588 der CEI und wieso ist die Zahl höher als die gültigen Stimmen (48.400)?
  • Bandama: wenn man die Wahlergebnisse der fünf Wahlbezirke addiert, kommt man auf 149.598 Stimmen. Doch das Dokument zeigt 244.471 Stimmen für Ouattara: 94.873 Stimmen zu viel

3 Thabo MBEKI (der selbst seit 2005 als Mediator in den Friedensprozess eingebunden war)

Ein weiterer Zeuge zur Entlastung Gbagbos  und Kenner der Situation in Afrika bzw. der Elfenbeinküste ist der südafrikanische Präsident Mbeki, der über die „umstrittenen Wahlen 2010“ sowie die Hintergründe der ganzen Inszenierung  folgendes zu sagen hat:

1 What the world got wrong Mbeki

„Vereinbarungen über die notwendigen Voraussetzungen für freie und faire Wahlen wurden mutwillig ignoriert. Der ICC ist die einzige Institution, die nach der Verfassung dazu berechtigt ist, den Wahlsieger festzulegen und den Präsident in sein Amt einzusetzen. Die Wahlkommission (IEC) hat hingegen [nur] das Mandat das vorläufige Ergebnis an den ICC weiterzuleiten.

Doch dieselben Leute, die auf die Unantastbarkeit der Rechtsordnung als Grundlage für demokratische Verhältnisse pochen, haben das vorläufige Wahlergebnis, das vom Vorsitzenden des IEC auf eigene Faust bekanntgegeben wurde, rechtswidrig als das authentische Endergebnis der Präsidentenwahlen anerkannt.

Entsprechend den Gesetzen hat Gbagbo die Fairness der Wahlen in einigen Teilen des Landes angefochten, besonders im Norden. Der ICC akzeptierte die Mehrzahl der eingebrachten Beanstandungen, stellte selbst weitere „Unregelmäßigkeiten“ fest und annullierte daher die Stimmen in einigen Distrikten, woraus sich ein Sieg Gbagbos ergab. Der Vorsitzende der IEC hat diese Verstöße aber nicht berücksichtigt und bestand darauf, dass Ouattara gewonnen hatte.

Der UN Sondergesandte Young-jin Choi, legte ebenso Ouattara als Wahlsieger fest, jedoch auf der Basis einer geringerer Stimmenanzahl, als jene die der IEC verlautbart hatte, weil er einige der Beschwerden von Gbagbo als legitim ansah. Es gab also drei verschiedene „Wahlergebnisse“: eines von der IEC, eines von der UN und das von der ICC (entspricht dem Obersten Gerichtshof).

Gbago schlug vor, zur Lösung der Kontroverse eine internationale Kommission zu etablieren, die die Wahlergebnisse überprüfen sollte mit der Vorbedingung, dass beide Politiker dieses Ergebnis akzeptieren müssen. Dieser Vorschlag wurde von der „internationalen Gemeinschaft“ abgelehnt – obwohl er den Streit ohne Gewalteskalation  hätte beendet werden können und trotz der Tatsache, dass einige Wahlbeobachter ebenfalls die Fairness der Wahlen in Frage gestellt hatten, besonders im Norden des Landes [also wo die bewaffneten Rebellen herkommen].

So haben folgende Wahlbeobachter, die im Norden stationiert waren, die Alarmglocken geläutet:  für die

  • Afrikanische Union (AU): Joseph Kokou Kofigoh, ehemaliger Premierminister von Togo
  • Societé Chile Africaine pour la Democratie et l’assistance Electoral: geleitet von Seynabou Indiequene aus Senegal
  • Coordination of African Election Experts (CAEE): geleitet von Jean-Marie Ongjibangte aus Cameroon

So meldete z.B. die CAEE: „ Nachdem Austausch von Informationen mit anderen nationalen und internationalen Wahlbeobachtern, stellen wir hiermit fest, dass in der zweiten Runde der Präsidentenwahlen in Cote d’Ivoire große Probleme in mehreren Regionen des Nordens auftraten … dazu gehörten:

Das Stehlen von Wahlurnen, Festnahme von Repräsentanten der Kandidaten, mehrfache Stimmenabgabe, die Weigerung, internationale Wahlbeobachter bei der Stimmenauszählung zuzulassen  und die Ermordnung von Vertrauenspersonen der Kandidaten. Demgemäß erklären wir hiermit, dass die zweite Runde der Wahlen in diesen nördlichen Bezirken weder frei, fair noch transparent waren.“

Bis zum heutigen Tag hat die ECOWAS Wahlbeobachter Mission keinen Bericht über den zweiten Wahlgang abgeben, warum nicht?

(Seite 55:) Die unabhängige, internationale Kommission, die Laurent Gbagbo gefordert hat, hätte ein für alle Mal klären können, was wirklich passiert ist. Vielleicht wird die Zukunft zeigen, warum das nicht geschah!

Darüberhinaus hat der UN Sonderbeauftragte eigenmächtig sein Mandat erweitert, in dem er selbst erklärte, wer die Präsidentenwahlen gewonnen hatte, im Widerspruch zu seinen (durch den UN Sicherheitsrat) klar definierten Aufgaben.

Damit hat sich die UN als parteiisch positioniert und  nicht als neutraler Friedensstifter, wie die UNOCI offiziell gesehen wird. Seit diesem Zeitpunkt hatte UNOCI keine andere Wahl mehr, als sich aktiv für die Amtsübernahme durch Ouattara und damit für die Entfernung Gbagbos einzusetzen. Dies wurde schließlich durch den unverhohlene Einsatz ihrer militärischen Kapazität  zum Ausdruck gebracht, der den Weg für den Sieg der FN gegenüber den Gbagbo Truppen geöffnet hat – und das unter dem schamlosen Vorwand, Zivilisten zu beschützen.

massacre-duekoue_femmes_enfantsObwohl das Mandat der „Friedenssicherung“  die UNOCI dazu verpflichtete, die Kriegsparteien von einander fernzuhalten, tat sie nichts um den Vorstoß der FN nach Süden zu verhindern, das Vorrücken nach Abidjan miteingeschlossen. Noch haben UNOCI oder die Franzosen (Operation Licorne), gehandelt, um die Zivilisten in der Region von Duekoué zu beschützen, wo offensichtlich das größte Massaker [durch Ouattara Milizen] stattgefunden hat. Das erinnert an das enorme Versagen der UN, Massenmord und Folter an Zivilisten im Kongo zu beenden.

Zusammenfassung der unbestreitbaren Schlussfolgerungen:

  • Die vereinbarten Voraussetzungen für das Abhalten demokratischer Wahlen waren nicht gegeben
  • Obwohl es massive Anschuldigungen für Wahlbetrug gab, hat sich die „Staatengemeinschaft“ geweigert, den ganzen Prozess zu untersuchen
  • Die UN hat ihre Neutralität verraten und sich als parteiischer Kriegsteilnehmer geoutet
  • Frankreich hat seine priviligierte Stellung im Sicherheitsrat (Vetorecht) dazu mißbraucht, die Zukunft der ehemaligen Kolonie nach eigenem Gutdünken zu gestalten, wobei die erheblichen ökonomischen Interessen eine maßgebliche Rolle spielen

„Ohne Africa hat Frankreich keine Zukunft im 21. Jahrhundert“

(Francois Mitterand)

Bedeutet „Demokratie“ auch ein Recht, gehört zu werden?

Douoguih legal adv prez

Der Rechtsberater von Präsident Gbagbo durfte im März 2011 (nur) auf Al Jazeera zu Wort kommen, wo er folgendes bekräftigte:

  • Der wahre Grund für die mediale Hetzkampagne gegen Gbagbo ist „seine Vision für eine echte Emanzipation der IC“ und die Befürchtung, dass andere ehemalige Kolonien seinem Beispiel folgen könnten [vor allem jene die über wertvolle Bodenschätze verfügen, auf den westliche Konzerne und Regierungen ein besitzergreifendes Auge geworfen haben]
  • Die UN-Truppen sind nicht bloß „Beobachter“, sie kämpfen zugunsten der Rebellen.
  • Warum ist der Entscheid des CC (entspricht dem Obersten Gerichtshof) für den Westen nicht akzeptabel? Er entspricht der ivorianischen Verfassung und sollte von ausländischen Politikern akzeptiert werden [bei G Bush war das kein Problem]
  • Bilder von „sieben toten Frauen“ wurden in den Medien verbreitet, die zeigen sollen, wie brutal die Regierung Gbagbo gegen Demonstranten vorgeht (same procedure as in Syria, etc.) um das militärische Eingreifen von außen zu legitimieren; das Problem: die Frauen sind nicht tot, es handelte sich um eine PR-Inszenierung* für die Medien
  • Als ebenso falsch haben sich Vorwürfe herausgestellt, wonach Weißrussland das UN Waffenembargo gebrochen habe, indem Kampfhubschrauber an Gbagbo geliefert wurden [woher haben die Rebellen denn die Waffen?]

1 Le Monde erreur ONU Belarus

  • diese falschen Anschuldigungen wurden von Ban Ki-Moon persönlich vorgetragen, mussten aber nach heftigen Protesten der weißrussischen Regierung zurückgenommen werden. (Alain Roy, der Leiter der französischen „Friedensmission“ räumte einen „Irrtum“ ein – siehe Le Monde Artikel oben) „doch der Schaden war bereits angerichtet“ – man hatte einen Vorwand, noch mehr fremde Truppen ins Land zu schicken.
  • Diese Soldaten sind keine „Friedenssicherer“, sie wollen, dass Ouattara Präsident ist .. weil das der Wille Frankreichs ist ..und auch der USA …
  • „Schauen Sie doch die Macht dieser Leute an: Die USA und Frankreich, sie haben alle großen Zeitungen Europas im Griff .. sie alle stellen sich auf die Seite von Ouattara [indem sie die Behauptungen über Gbagbo einfach als wahr hinnehmen und ihn so weiter dämonisieren]
  • Totale Emanzipation, die Freiheit, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, Frankreich akzeptiert das einfach nicht …Ouattara kam mit einem Stipendium nach Ivory Coast …ihm sind die Leute hier egal … und die Leute (aus dem Ausland), die hinter ihm stehen, können dafür machen, was sie wollen in unserem Land“

Zu den „sieben toten Frauen“, die  oben als „PR-Inszenierung“ erwähnt werden und angeblich auf Präsident Gbagbos Konto gehen, finden wir auch folgenden Kommentar zu einer Sendung im französischen Fernsehen:

Forum Video seven women killed

“Die sieben Frauen, die während einer Pro-Ouattara Demonstration von den Gbagbo Milizen getötet wurden“, war eine geschmacklose Inszenierung, verraten durch das schlechte Spiel der Schauspielerin „in gelb“ (Sie können sie im Video nicht übersehen, sie ist eine von den „Toten“, und  durch die Anweisungen an die Schauspielerin in Malinkè (eine lokale Sprache im Norden, ), sich wieder hinzulegen“.

1 the living dead woman

„Warum die Medien bei uns, Itélé an der Spitze, in diesem Konflikt vollkommen ihre Objektivität verlieren und quasi auch noch eine Rebellion auf Kosten einer Verfassung unterstützen“ .. (fragt sich der Zuschauer nicht ohne Grund)

doch die Antwort dürfte klar sein: sie sind weder „unabhängig“, noch „objektiv“ sondern nur Instrumente der Verdummung … die uns jeden Tag in „Nachrichten-Sendungen“ und „Zeitungsberichten“  eine Version der Welt  präsentieren, die mit der Realität sehr wenig zu tun hat. Damit sie die dumme „Herde“ in die gewünschte Richtung treiben können …

Das letzte Wort in dieser Sache für heute: Tribut an den Hegemon …

„Les Français sont tombés dan un piége à double détente. Les Ivoiriens aussi. Dans les deux camps, les Américains se sont servis d’eux comme de marionnettes. Pour semer la désordre et récupérer la mise.“

Ivory Coast (2): La Guerre Moderne

corpAfrica

„We believe no more in Bonaparte’s fighting mereley for the liberties of the seas, than in Great Britain’s fighting for the liberties of mankind.

The object is the same: to draw to themselves the power, the wealth and the resources of other nations.“

Thomas Jefferson

—————————————————————————————————

„Gbagbo hat bei der Präsidentschaftswahl eine Niederlage einstecken müssen, doch er will die Macht dennoch nicht seinem Kontrahenten Alassane Ouattara überlassen, dessen Wahlsieg international anerkannt wird“.

Quelle: Spiegel Online (wiederkäuend die Meldungen von Reuters/dpa/AFP)

„Nach einer verlorenen Wahl hatte Ex-Präsident Laurent Gbagbo sich standhaft geweigert, zurückzutreten – und seinem gewählten Nachfolger Alassane Ouattara den Präsidentenstuhl zu überlassen. Gestern Nachmittag nun wurde Gbagbo in seiner Residenz gefangen genommen. Doch für Ouattara geht nun die Arbeit erst los.“

Quelle: Tagesschau

Man findet hunderte solcher Medienberichte, alle mit der gleichen Behauptung, dass ein aggressiver Wahlverlierer seinen Platz nicht räumen wollte und deshalb schließlich mit militärischer Gewalt „aus seinem Bunker“ geholt werden musste. Die „Staatengemeinschaft“ unterstützt natürlich den „demokratisch gewählten“ Präsidenten Ouattara, usw. Doch diese Darstellung ist falsch und irreführend.

„Respect for truth and for the right of the public to truth is the first duty of the journalist“.

IFJ: Declaration of Principles

Dieser Papageienjournalismus ist nicht nur wegen massiver Verletzung der journalistischen Ethik eine Schande, sondern fungiert auch als Instrument für brutale Machtpolitik  und massive Rechtsverletzungen, die ohne Folgen bleiben, weil diese Medien ihrer Rolle als Fließband für Lügen und Desinformation gehorsam nachkommen (und sich darauf auch noch etwas einbilden).

1gbagboFakt ist, dass Präsident Gbagbo die Wahlen 2010 nicht verloren hat (was wirklich passiert ist, erkläre ich im nächsten Artikel) und daraus ergibt sich logischerweise, dass ausländische Kräfte dafür gesorgt haben, dass der andere Kandidat, Allassane Ouattara an die Macht kommt. Dass die Öffentlichkeit ein „Recht auf Wahrheit“ hat, spielt ja bei unseren „churnalists“ keine Rolle mehr und weil sie alle die gleichen Lügen verbreiten, fällt das ja auch gar nicht weiter auf.

Während Gbagbo in den Medien zunehmend dämonisiert wurde (damit sein Show-Trial vor dem Internationalen Strafgerichtshof gerechtfertigt erscheint), ergibt sich – nach gründlichen Recherchen – ein völlig anderes Bild, das ich hier wiedergeben möchte:

Zunächst zitiere ich dafür aus einem Bericht der UN, der über die Situation zwischen 2001 bis zum Jahr 2004 Auskunft gibt und Gbagbo in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt:  Ein Mann, der nach einem Putschversuch (bei dem sein Innenminister und zahlreiche Angehörige von Polizei und Militär getötet wurden) bereit ist, sich mit den „Rebellen“ an einen Tisch zu setzen und eine Politik der Versöhnung voranzutreiben, ihnen sogar Ministerämter zugesteht, soll ein machtbesessener Autokrat sein?  Das ist völlig unglaubwürdig. Was sagt die UN Mission:

 “Trotz eines versuchten Staatsstreichs im Jänner 2001, der ausländischen Kräften angelastet wurde (aus Burkina Faso) werden Gemeinderatswahlen im März abgehalten. Zum ersten Mal seit 1993 werden alle Parteien zu den Wahlen zugelassen. […]

Präsident Gbagbo verfolgte eine Politik der nationalen Versöhnung und der Dezentralisierung durch die Organisation von Regionalwahlen. Im Oktober findet deshalb ein Forum statt, um die Streitfragen, die das ivorianische Volk polarisiert haben, einer Lösung zuzuführen: Fragen der Nationalität, des Landbesitzes;  die angezweifelte Legitimation der Regierung und der Zustand der Sicherheitskräfte.

Das Forum gipfelt in einem Treffen zwischen Präsident Gbagbo, Mr. Bédié, General Gueï and Allassane Ouattara am 22. Und 23. Jänner 2002, das die Empfehlungen des Forums berücksichtigen und zu einer Versöhnung führen soll. In einer Schlusserklärung einigen sich die vier Politiker, undemokratischen Methoden entgegenzutreten, die Sicherheitskräfte zu reformieren, eine nationale Wahlkommission zu etablieren und eine nationale Institution zu schaffen, die für Fragen des Landbesitzes zuständig ist.”

Präsident Gbagbo stimmt der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu und nach weiteren Gesprächen wird diese am 5. August 2002 verlautbart. Alle maßgeblichen Oppositionsparteien sind in dem neuen Kabinett vertreten […] Der lange Streit über die Nationalität von Ouattara wird beendet: ein Gericht zertifiziert seine Staatsangehörigkeit am 26.Juli 2002. “

Es gab also – dank  der echten, demokratischen Gesinnung Gbagbos – durchaus Grund für Optimismus – wenn man davon ausging, dass alle Beteiligten es mit ihrem commitment für Frieden und Stabilität Ernst meinten. Doch im Herbst 2002 zerplatzte die Hoffnung für eines bessere Zukunft:

Am 19. September 2002 wurden fast gleichzeitig mehrere militärische Einrichtungen von bewaffneten Einheiten angegriffen [während der Präsident in Italien war]: in der Hauptstadt Abidjan, in der zweitgrößten Stadt Bouaké und in Korhogo, einer Stadt im Norden.

Ivory_Coast_March_2011_offensive_mapEnde September hatten die bestens organisierten “Rebellen” die Kontrolle über die Nordhälfte des Landes und operierten als “bewaffneter Arm” einer Partei, die sich Patriotische Bewegung von Côte d’Ivoire (MPCI) nannte. Nach zähem Ringen wurde im Oktober 2002 ein Waffenstillstand erreicht, der mithilfe französischer Truppen überwacht werden sollte (Operation Licorne). Bei den politischen Verhandlungen wurden von Gbagbo zahlreiche Zugeständnisse gemacht, doch eine haltbare Vereinbarung wurde von den “Rebellen”  systematisch torpediert. Schließlich wurde 2003 ein Durchbruch (jedenfalls auf dem  Papier) erreicht:

Das Linas-Marcoussis Abkommen (LMA)

Vom 15. Bis 23. Jänner 2003 fanden Gespräche zwischen allen politischen Kräften des Landes statt (inzwischen auf 10 “Parteien” – ein Drittel davon bewaffnet und rabiat – angewachsen.) Das Ergebnis des Runden Tisches war die Unterzeichnung des Linas-Marcoussis Abkommens am 23. Jänner 2003 mit dem Ziel der nationalen Versöhnung durch eine gemeinsame Regierung: dazu soll der Präsident einen Teil seiner Befugnisse an einen Premierminister abgeben, der in Abstimmung mit den Oppositionsparteien ernannt wird und dessen Mandat bis zur nächsten Wahl im Jahr 2005 dauern soll.

Hauptaufgaben der neuen Regierung für eine nationalen Versöhnung:

  • Fahrplan für nationale Wahlen (Sicherstellung transparenter Abläufe)
  • Neustrukturierung des Militärs  und der Sicherheitskräfte
  • Entwaffnung aller militanten Gruppen

Im Anhang der Vereinbarung wurde auch ein Programm zur Lösung jener Probleme vorgestellt, die man als die Wurzeln der Gewaltausbrüche identifiziert hatte:  Die Frage der Staatsbürgerschaft, der zivile Status von Ausländern, klare Regeln für aktives und passives Wahlrecht, die Schaffung einer Menschenrechtskommission, in der Repräsentanten aller Parteien tätig sind, die Frage des Landbesitzes und der Pacht, usw.

Zur Überwachung der Implementation dieser Reformen sollte ein eigenes Kommitee gebildet werden, in dem Mitglieder aus folgenden Institutionen vertreten sind: UN, AU, ECOWAS, EU, IMF, Weltbank, G8, OIF sowie je ein Vertreter des französischen bzw. jener Militärs, die Truppen nach IC entsandt haben. [damit wurde das Land de facto unter politisches Kuratel  des Westens gestellt]

DiarraAm 26. Jänner 2003 fanden in Paris Gespräche zwischen den Staatschefs der betroffenen afrikanischen Staaten statt, in denen das LMA bekräftigt wurde. Während dieses Treffens ernannte Präsident Gbagbo den ehemaligen Premierminister Seydou DIARRA wieder für diesen Ministerposten, womit er zum Chef der neu zu bildenden Regierung wurde.

Am Rande der Beratungsgespräche wurde eine Übereinkunft darüber erzielt, wie die einzelnen Ministerien unter den Parteien aufgeteilt werden, wobei die Schlüsselbereiche Verteidigung und Innenministerium an die Rebellengruppen gehen sollten.”

Die Vereinbarung legte fest, dass die neue ivorianische Regierung den “Rat” von ECOWAS, Frankreich und den UN suchen muss, wenn es um die Garantie der Reformen des Militärs und der Sicherheitskräfte geht. Internationale “Partner” sollen bei der Reintegration aller bewaffneten Elemente  behiflich sein. […]” Auch die Entsendung “ziviler und militärischer Beobachter”, die die Überwachung der Implementierung unterstützen würden, wurde “empfohlen”.

Doch der neue Premierminister konnte nach der Konferenz nicht nach Hause fahren, weil es dort zu massiven Protesten gekommen war, nach dem durchgesickert war, dass das Verteidigungs- und Innenministerium von nun an von den ehemaligen “Rebellen” übernommen werden soll (die man zutreffender als Terroristen bezeichnen könnte). Die Wut der Demonstranten richtete sich in erster Linie gegen französische Einrichtungen, weil offensichtlich war, wer hier die machtpolitischen Fäden zieht.

Anti-AfricomDazu kam noch, dass die Offizierselite der nationalen Armee und der Sicherheitsdienste in einem Schreiben an Präsident Gbagbo ebenso ihre explizite Ablehnung dieser Vorgangsweise zum Ausdruck brachte wie die Führer zweier Oppositionsparteien; ganz zu Schweigen vom amtierenden Innenminister, der das Abkommen für  “null und nichtig” erklärte. Präsident Gbagbo war offenbar auch durch die ambivalente Sprache der “Vereinbarung” verwirrt, denn er sprach nach seiner Rückkehr aus Paris von “Vorschlägen”.

In seiner Rede an die Nation am 7. Februar 2003, bestätigte er Diarra als neuen Premierminister und forderte ihn auf, ein neues Kabinett vorzuschlagen. Gleichzeitig bekräftigte er aber, seine verfassungsmäßigen Rechte ausüben zu wollen und dass er jene Verfügungen des LMA, die mit der Verfassung des Landes nicht im Einklang standen, nicht implementieren werde. Insbesondere jene, die die Berufung des Premierminister als unwiderruflich festlegte und die “vorgeschlagene” Entwaffnung der nationalen Streitkräfte. Der Präsident lehnte nun auch öffentlich jenen Punkt ab, die die Verantwortung für die innere und äußere Sicherheit an die gewalttätigen Rebellen verlangte (also Verteidigungsressort und Innenministerium).”

Hier muss man einmal tief Luft holen und folgendes anmerken: Diese “Übereinkunft” ist eine ungeuerliche Provokation und erinnert mich an das “Abkommen” vom Rambouillet, das man Milosevic vorlegte, wohlwissend, dass er diese Bedingungen unmöglich azeptieren konnte, ohne sein Gesicht zu verlieren, und einen Aufstand in der Bevölkerung auszulösen. 

Die Akzeptanz dieser Bedingungen wäre effektiv ein Verrat an der eigenen Verfassung und der Bevölkerung, die Nichtakzeptanz wird aber von den “Vermittlern” sofort als Beweis dafür ausgelegt, dass man an Frieden und Stabilität gar nicht interessiert sei, sondern nur die eigene Macht zementieren wolle und “Vereinbarungen” nicht einhalte.

Man stelle sich das einmal bei uns vor:

Fighters from the Republican Forces rebels walk at the village of Pekanhouebly on the border of Ivory Coast and LiberiaEine von außen gesteuerte, bewaffnete Mörderbande, die seit Monaten die Hälfte des Landes besetzt hält, die Bevölkerung terrorisiert,  Zivilisten, Polizisten und einen amtierenden Minister getötet hat, soll nicht nur in die neue “Einheitsregierung” aufgenommen werden, sondern deren Anführer sollen für die innere und äußere Sicherheit des Landes zuständig seindas ist eine “Forderung”, die erfüllt werden muss, damit es zu einer “Versöhnung” kommt? Wie irre ist das? Welcher europäische Präsident bzw. Staatschef wurde so etwas akzeptieren? Mit “Terroristen” verhandelt man bei uns nicht, man bringt sie mit Drohnen oder Bomben um, aber …”some terrorists are more equal than others” …

Obwohl Gbagbo alles unternahm, um eine dauerhafte Spaltung des Landes zu verhindern (die leitenden Offiziere willigten schließlich in die Einbeziehung der Rebellen in die neue Regierung ein, wenn die zwei Schlüsselressorts davon ausgenommen seien) wurde er sofort von der RDR Partei (Ouattara) beschuldigt, das Abkommen nicht zu einzuhalten.

Versuche von ECOWAS, die Gespräche wieder aufzunehmen, gipfelten in einem Treffen am 10. Februar 2003 in der Hauptstadt Yamoussoukro, bei dem die Präsidenten von  Ivory Coast, Ghana, Nigeria, der ECOWAS selbst sowie der Vizepräsident von Südafrika anwesend waren. Diarra wurde dort offiziell als Premierminister vorgestellt. Man wollte dort alternative Vorschläge für ein Kabinett erarbeiten, doch die Vertreter der “Rebellengruppen” (immer noch bewaffnet) weigerten sich, daran teilzunehmen. Die Begründung lautete: man habe kein Interesse daran, die die Abmachungen von Paris neu zu diskutieren.

Auch anschließende Bemühungen von Premierminister Diarra, der ausgiebige Beratungsgespräche mit allen Parteien des Landes und regionalen Politikern führte, wurden von Ouattaras Rebellen unterminiert, weil sie darauf beharrten, das Verteidigungs- und das Innenressort zu bekommen. Präsident Gbagbo bestand darauf, dass er das letzte Wort bei der Zusammensetzung der Regierung hat (was ja auch unseren Verfassungen entspricht). Bei einem Treffen mit den Rebellenführern in Bouaké am 3. März 2003 kam es wieder zu keiner Einigung sodass Premierminister Diarra mit seinem Rücktritt drohte, wenn weiterhin alle Versuche seinerseits, eine Regierung zu bilden, boykottiert würden.

So ging das Spiel monatelang weiter, mehr “Friedensgespräche”, aber keine Entwaffnung der Rebellen und die Franzosen schauen zu, wie Zivilisten massakriert werden. Das Leben der verarmten Einheimischen ist ihnen ziemlich egal, kein Wunder, denn viele der “Soldaten” sind Mitglieder der Fremdenlegion, der Marines und anderer “Spezialeinheiten”, die für besonders brutale Einsätze ausgebildet wurden. Außerdem darf man davon ausgehen, dass auch eine gehörige Portion Rassismus im Spiel ist.

Ein weiteres, trauriges und schockierendes Beispiel soll verdeutlichen, wie absurd die Rolle Frankreichs als “moralische Kraft”, als peacekeeper ist: Die BBC meldete 2012 folgendes:

„Vier  französische Soldaten, die Teil des 4.000 Mann starken, militärischen Kontingents zur „Friedenssicherung“ in der Elfenbeinküste waren, haben zugegeben,  dass sie an der Ermordung eines mutmaßlichen  Bandenführers beteiligt waren, aber nur Befehlen gefolgt seien.

1 Mahe Murder AFDie Staatsanwaltschaft hat bei einem Pariser Gericht Strafantrag gegen Colonel Eric Burgaud und drei Mitangeklagte* wegen Mordes gestellt (das Opfer Firmin Mahe wurde mit einem Plastiksack erstickt). Der zuständige Truppenkommandeur, General Henri Poncet wurde entlassen. Er steht nicht unter Anklage und leugnet, Colonel Burgaud den Befehl für den Mord gegeben zu haben.

* (Guy Raugel (48), Johannes Schnier, (35) sowie der Fahrer des Wagens)

firmin-Mahe

Warum wurde das Gesicht des Babys gepixelt? Damiti nicht zuviel Mitleid aufkommt?

Mahe wurde von den Franzosen beschuldigt, ein Vergewaltiger und Mörder zu sein, deshalb wurde er im Mai 2005 in der Nähe der Stadt Bangolo  festgenommen. Während des Transports in einem Militärfahrzeug wurde er dann am 13. Mai 2005 erstickt. Seine Familie betonte immer seine Unschuld  hat und für die Strafverfolgung der ehemaligen „peace-keeper“ gekämpft.“

Die leitende Staatsanwältin Annie Grenier spricht,  laut BBC  von „kaltblütigem Mord“ in einem Land, dessen Zivilbevölkerung diese Soldaten ja gerade beschützen sollten. Seltsam ist aber, dass auf dieser Basis dann nur Haftstrafen von 2-4 Jahren (lt.BBC) beantragt werden.

Wie ging das Verfahren aus? Das wissen natürlich die Presseagenturen zuerst:

henri poncetLaut Reuters wurde Henri Poncet  lediglich “suspendiert” (nicht  entlassen, wie die BBC behauptet?)  Dann der Standardsatz, der tausendfach wiederholt wurde, damit er in die Hirne der Leser eingebrannt wird: “That civil war ended last year when the same French force helped arrest former President Laurent Gbagbo, who had refused to step down after the election of Alassane Ouattara as president.”

Welche Strafen wurden denn nun  für “kaltblütigen Mord” an einem ivorianischen Staatsbürger verhängt, der sich  in einer  „Pufferzone“ (in der die französichen Truppen laut UNSC-Mandat  für Sicherheit sorgen sollten) aufhielt?

  • Burgaud: fünf Jahre auf Bewährung (Befehl für den Mord)
  • Raugel: vier Jahre auf Bewährung (er hat den Mord gestanden)
  • Schnier: ein Jahr auf Bewährung (Beihilfe zu Mord)
  • Der Fahrer wurde freigesprochen, der Truppenkommandant (also der Oberste in der Befehlskette) wurde erst gar nicht angeklagt …
1 Guy Raugel

Guy Raugel

Was soll man dazu sagen?  Ein Mann wird im Rahmen der „Friedenssicherung“ eiskalt ermordet und dafür geht niemand ins Gefängnis? Wenn Firmin Mahe wirklich Verbrechen begangen haben sollte, hätte man ihn anklagen und vor Gericht stellen müssen. Die Medien hinterfragen kein Detail dieser seltsamen Geschichte:

Wer war der Ermordete? Was genau hat sich rund um Bangolo abgespielt? Wo stand der Mann politisch? Warum kommt seine Familie nicht zu Wort oder Personen, die die Situation vor Ort kennen? Alle Informationen kommen aus der gleichen Quelle: die französische Armee bzw. die französische Regierung.  Dass in diesen „Sicherheitszonen“ auch Massaker stattfanden, habe ich ja schon im letzten Beitrag erwähnt, also sind die „Friedenssicherer“ bestenfalls inkompetent, schlimmstenfalls gar nicht daran interessiert, für Sicherheit zu sorgen. Dass dieser Einsatz weder „humanitär“ noch moralisch motiviert ist, lässt sich nur mehr schwer verbergen.

Der letzte Satz des BBC Artikels (s.o.) lautet: „Französische Truppen spielen derzeit eine Schlüsselrolle beim Training der neuen ivorianischen Armee“. Was genau sollen Offiziere, die solche Kriegsverbrechen anordnen, den afrikanischen Armeen eigentlich beibringen?

DEN „FALSCHEN“ ERMORDET

Etwas Licht ins Dunkel bringt der Anwalt der Familie Mahé, der in einem Interview im französischen Fernsehen u.a. folgendes sagte:

„Mahe war ein ganz normaler ivorianischer Bürger, von Beruf Installateur in Abidjan.  Nachdem der Bürgerkrieg 2002 begonnen hatte, ging er zurück in sein Heimatdorf Dah, im Westen des Landes. Dieses Dorf befindet sich in der „zone de confiance“ (Sicherheitszone), die den besetzten Norden vom Süden trennt, wo die Regierungstreuen sind. Majé wurde in die lokale Schutztruppe  (eine Art Bürgerwehr) aufgenommen, die die Franzosen  in den Dörfern eingerichtet haben, um sich gegen die Übergriffe der Rebellen zu wehren. Sein Bruder war für diese Gruppe verantwortlich. Seit 2003 sind die Rebellen in das Dorf gekommen um zu plündern und zu töten.“

 „Er wollte zum Markt, um Fische zu kaufen. Ein lokaler Spitzel hat den französischen Soldaten gesagt, er sei ein Bandit, der die Menschen terrorisiert und ausnimmt. Sie haben daraufhin mit ihrem gepanzerten Fahrzeug umgedreht und Mahi aufgefordert, mitzukommen. Als er sich weigerte und weglaufen wollte, haben sie auf ihn geschossen. Er wurde an den Beinen verletzt, konnte sich aber im Wald verstecken. Schließlich hat ihn eine Patrouille gefunden und mitgenommen. Angeblich sollte er ins Krankenhaus nach Bangolo gebracht werden. Aber während des Transportes haben sie ihn umgebracht (erstickt). Aber davor wurde er auch noch gefoltert. Ich habe Photos, die das beweisen.“

„Als die Franzosen ankamen, waren sie auf der Seite der Regierung. Doch jetzt sind sie auf Seite der Rebellen. Firmin Mahé hatte mit seiner Bürgerwehr ein hartes Leben wegen den Rebellen. Einer von ihnen war der Spitzel für die AF, hat Firmin denunziert . Es handelt sich daher um vorsätzlichen Mord.“

Force-Licorne-Cote-d-Ivoire0Die französischen Soldaten haben behauptet, das Dorfoberhaupt hätten sich geweigert, die Leiche zu übernehmen, deshalb haben sie ihn selbst beerdigt. Auch die Behauptung, dass nach seinem Tod die Überfälle aufgehört hätten, sei unwahr, sagt der Rechtsanwalt. Mahè hinterlässt eine Ehefrau und einen achtjährigen Sohn.

Es gibt einen anderen Mann, der den gleichen Nachnamen hat und wirklich ein Verbrecher ist. Es könnte sich also wirklich um eine Verwechslung gehandelt haben. Sehr tragisch, doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass die französischen Soldaten das Gesetz in die eigene Hand genommen haben und sich als Polizei, Ankläger, Richter und Exekutor aufgespielt haben – wenn die offizielle Version stimmt. Jedenfalls haben sie keinerlei Respekt vor den Rechten der Ivorianer und dazu gehört wohl auch das Recht auf Leben.

Schaut man sich an, was afrikanische Blogger zu der „affaire Mahé“ sagen, kann man nur sagen, dass sie mit ihrer beißenden Kritik Recht haben, denn  die Verteidigung der  Mörder vor Gericht  (ihre eigenen Argumente) lassen einem  noch einmal die Haare zu Berge stehen:

Auf die Frage der Richterin, warum er den indirekten Befehl für den Mord (Kommandant: „es wäre gut, wenn der Gefangene tot ankommen würde …„) nicht verweigert hat, argumentierte der Hauptangeklagte sinngemäß:

„Ja, das hätte ich tun können, aber der Mann war so ein Monster , ich habe eigentlich der Welt einen Gefallen getan, als ich ihn erstickt habe.“

Einen Mord als gute Tat zu präsentieren, die Welt von einem „Übel“ befreit zu haben, das ist Rechtsauffassung der Nazis, wonach die grausamsten Verbrechen als notwendige Taten tapferer Männer präsentiert werden, die eine „höhere“ Moral haben, als ihre Opfer. Und diese Offiziere sollen die ivorianische Armee ausbilden?

Hier noch einmal O-Ton aus Westafrika:

„Tous les Ivoiriens et amis de la Côte d’Ivoire qui subissent les violences rebelles depuis le coup d’Etat du 19 septembre 2002 savent pertinemment que même si le phénomène des coupeurs de route en tant que criminels de droit commun existe, la plupart des crimes de masse commis dans les zones CNO (Centre, Nord Ouest du pays) ou à proximité le sont par les rebelles de OUATTARA soutenus par la FRANCE …

Alle Ivorianer und die Freunde der Côte d’Ivoire, die die Gewalt der Rebellen seit dem Coup am 19.September 2001 ertragen mussten, wissen ganz genau, dass es zwar das Phänomen der Überfälle […] schon gab, aber für einen Großteil der massenhaften Verbrechen, die in den Zonen CNO bzw. in deren Nähe begangen wurden, die Rebellen Ouattaras, die von FRANKREICH unterstützt werden, verantwortlich sind …“

 Fortsetzung folgt: Was bei den Wahlen 2010 wirkklich passiert ist …

Ivory Coast (1): Zero Dark Chocolate

schoko 2

Essen Sie gerne Schokolade, genießen Sie den  zarten Schmelz auf der Zunge? Oder wie wäre es mit einem Becher heißen Kakao, der jetzt im Winter sehr gut tut und an die Kindheit erinnert, wo er uns auch ein Gefühl der Geborgenheit vermittelte?

Wir genießen diese Produkte, die unser Leben versüssen, doch wie geht es eigentlich denen, die den Kakao anbauen? Wer bestimmt deren Schicksal und was geht uns das an?

Im zweiten Teil der Serie „Les fleurs du Mal“ geht es um das Schicksal eines anderen westafrikanischen Landes: die Elfenbeinküste (Ivory Coast), dem weltgrößten Produzenten von  Kakaobohnen, dessen Präsident gerade vor dem Internationalen Strafgerichtshof wie ein gesuchter Schwerverbrecher „vorgeführt“ wird.

Doch was ist in dem Land wirklich passiert?  Warum muss Laurent Gbagbo unbedingt als Präsident entfernt werden? Welche Interessen stecken dahinter?

Eine Antwort auf diese Fragen zu finden soll in diesem Artikel versucht werden:

1  Zur „Unabhängigkeit“ einer Kolonie: La réalité masquée

Die “Unabhängigkeit” der ehemaligen Kolonien war nie mehr als eine schöne Illusion, denn Frankreich kontrolliert auf andere Weise weiterhin die Wirtschaft und bestimmt die politische Richtung: Von der Infrastruktur über den Handel bis zur Währungspolitik, überall ist der Einfluss erheblich, entweder durch französische Unternehmen oder durch den Staat selbst.

africa mapIvory Coast (IC), cote d‘Ivoire oder Elfenbeinküste ist das reichste Land Westafrikas und eine der wichtigsten Volkswirtschaften des Kontinents. Das Land ist der größte Kakaoproduzent der Welt, fast 70% der Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Etwa die Hälfte der Bevölkerung bezieht ihr Einkommen aus dem Anbau von Kakao oder Kaffee. Von 1960 (dem Jahr der „Unabhängigkeit“) bis 1980 wuchs die Wirtschaft jährlich um durchschnittlich 8-10%. Die Hauptstadt Abidjan ist das Finanzzentrum Westafrikas.

Jahrzehntelang galt IC als Modell für Wohlstand und tausende Migranten aus den Nachbarländern strömten nach 1960 ins Land, sodass ihr Anteil schließlich 35% der Gesamtbevölkerung ausmachte. Doch IC wurde – wie viele andere „Entwicklungsländer“ auch, Opfer der „Schuldenfalle“ bzw. vom IWF erzwungenen „Reformen“ (SAP), die die Herrschaft des Finanzkapitalismus garantieren sollen. Lohnkürzungen, Privatisierungen, etc., führten ab 1990 zu ähnlichen Revolten, wie wir sie seit Monaten in Griechenland gesehen haben.

Zwischen 1960 und 1993 gab es in CI nur eine Partei, die PDCI unter ihrem Präsidenten Félix Houphouët-Boigny, der vorher Minister in der französischen Kolonialregierung war und sich selbst eine Art ungewöhnliches „Denkmal“ setzte: er ließ Teile des Petersdomes (in Rom) nachbauen und nannte das Bauwerk Notre Dame de la Paix. Die Kirche steht in der künstlich geschaffenen Hauptstadt, Yamoussoukro und könnte ein Symbol für Verschwendung finanzieller Mittel in Afrika sein.

Basilique_YakroHouphouët-Boigny  gilt als „Vater der Nation“, doch unter seiner Regierung wurden die „französischen Interessen“ gewahrt, die wirtschaftlichen Machtverhältnisse wurden nicht angetastet. Solange die Wirtschaft boomte, galt CI als afrikanisches Vorzeigeland. Doch das neoliberale Diktat in Politik und Wirtschaft, das in den 1980er Jahren begann, führte auch in IC zu schweren Kollateralschäden: Während 1985 nur 10% der Bevölkerung in Armut lebten, waren es 20 Jahre später fast 50%.  Das Ergebnis neoliberaler Politik lässt sich auch so ausdrücken:

Auf dem Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen  rangiert Côte d’Ivoire 2011 auf  Platz 170 von 187 Ländern.  Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 55 Jahren, die Zukunft sieht düster aus und das, obwohl das  Land über wichtige Bodenschätze verfügt und Weltmeister im Kakaoexport ist.

1 HDI CI

Wie heute in Griechenland oder Italien nutzte man die „Schuldenkrise“, um den gewählten Politikern „Technokraten“ an die Seite zu stellen, die ohne demokratische Wahlen zu Entscheidungsträgern wurden. So kam auch Allassane Ouattara in IC an die Macht.

OuattaraOuattara arbeitete vorher bei der BECAO (Zentralbank der frankophonen Staaten Westafrikas) und stieg in die höchsten Etagen des IWF auf. Er wurde Boignys  „rechte Hand“, weil man angeblich nur damit die Wirtschaft des Landes vor dem Untergang retten konnte. Er hatte jahreland im Ausland gelebt, keine demokratische Legitimation, trotzdem wurde er Premierminister – der neoliberale Finanzfaschismus macht’s möglich.

Ouattara ging sofort ans Werk: er arrangierte im Zuge der „Privatisierung“ den Verkauf staatlicher Unternehmen zu Schleuderpreisen (Energie, Bergbau,  Agrarproduktion) an ausländische Investoren, wodurch tausende Menschen ihren Job verloren bzw. Lohnsenkungen hinnehmen mussten, während die Preise für Versorgungsgüter stiegen.

Als Houphouet Boigny überraschend am 7. Dezember 1993 starb, zeigte Ouattara erstmals, dass ihm demokratische  Prinzipien nicht viel bedeuten: Er weigerte sich, als Premierminister zurückzutreten, um die Amtsübernahme durch Henry Konan Bédié (damals Parlamentspräsident) zu blockieren (der ebenfalls mit der haute finance -IWF und Weltbank- verbandelt war). Schließlich musste er aber doch nachgeben und Bedié wurde Präsident, während Ouattara zum IWF zurückkehrte, wo er – dank treuer Dienste für das Finanzkapital – zum stellvertretenden Direktor ernannt wurde.

Bedié verhinderte, dass Ouattara 1995 gegen ihn als Präsidentschaftskandidat antrat, mit der Begründung, er sei kein „echter“ Ivorianer (er hatte ein Stipendium aus Burkina Faso, war nach dem Studium praktisch immer im Ausland und besitzt zwei Pässe).

In dieser Zeit versuchte Bédié mit dem Slogan der „Ivoirité“ von den unangenehmen Folgen der neoliberalen Politik abzulenken: die Unzufriedenheit der Bevölkerung  über die harten „Reformen“ wurde in andere Bahnen gelenkt, die Wut sollte auf andere Ziele gerichtet werden: was gibt es da besseres als ethnische Gräben zwischen den verschiedenen Stämmen auszuheben und damit Sündenböcke zu erschaffen?

So wurde gegen die „Fremden“ aus den Nachbarländern aber auch gegen Gruppen, die nicht als „indigen“ gelten (durch die Kolonialzeit in andere Stammesgebiete verpflanzt wurden)  Stimmung gemacht. Ouattara sprang auf diesen Zug auf und präsentierte sich als Opfer (ihm werde die Kandidatur verweigert, weil er „aus dem Norden stammt und Muslim ist“).

BedieBedié wurde am 24. Dezember 1999 durch einen Militärputsch unter der Führung von General Robert Guéi gestürzt und flüchtete auf eine französische Militärbasis. Doch Guèi wollte nicht nur Instrument für „regime change“ sein, er wollte die Macht behalten. Die Militärs hatten aber keinen Rückhalt in der Bevölkerung  und schließlich versprach Guéi, es werde „freie Wahlen“ geben, heizte aber gleichzeitig die Stimmung gegen die „Ausländer“ weiter an.  Ouattara war erneut bei den Präsidentschaftswahlen nicht zugelassen und schließlich wurde Laurent Gbagbo zum Wahlsieger gekürt. Er versuchte, eine nationale Versöhnung herbeizuführen, doch es gab andere Kräfte (die lange Hand Frankreichs und Washingtons), die das  um jeden Preis verhindern wollten …

Die Hintermänner Ouattaras schickten danach wieder seine radikalisierten Anhänger auf die Straße, um das Land durch Schüren interner Konflikte (zwischen Nord und Süd, Moslems und Christen) zu destabilisieren und Gbagbo zu schwächen, der als „Feind“ der alten (und neuen) imperialistischen Ordnung galt.

gbagbo

Präsident Laurent Gbagbo

Sein erklärtes Ziel, die Beziehungen zum Kolonialherren Frankreich unter andere Vorzeichen zu stellen und eine eigenständige Wirtschafts- und Agrarpolitik zu betreiben, machte ihn zum Enemy No. 1 für die „westliche Staatengemeinschaft“ (nom de guerre für die US geführte NATO/EU/TNC/Finanzherrschaft).

So ist es kein Wunder, dass am 19.September 2002 schon der nächste Coup stattfand: die MPCI, brach den nächsten Aufstand vom Zaun, dem sich bald darauf zwei weitere Rebellengruppen anschlossen. Die Anführer der „Terroristen“ (wie sie andernorts genannt werden) waren Sergeant Ibrahim Coulibaly, Guillaume Soro und ehemalige Bodyguards von Ouattara.

Der westliche Teil von IC, wo erhebliche Mengen Kakao- und Kaffeebohnen produziert werden, wurde rasch von den Rebellen besetzt, wobei schwere Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen wurden. Seltsamerweise drangen während dieser Zeit „Milizen“ aus Liberia plötzlich in das Land ein und besetzten Teile der Grenzregion im Westen, wobei viele Dörfer geplündert und terrorisiert wurden.

ivory_coast_soldiersDie MPCI drang immer weiter nach Süden vor, doch die Regierung Gbagbo wollte die Kämpfe beenden und einen Waffenstillstand vereinbaren. Da musste natürlich die „Mutter“ Frankreich eingreifen und mit eigenen Truppen dafür sorgen, dass die Vereinbarungen des Waffenstillstandes eingehalten wurden und der Westen wieder befriedet wurde. Im Jänner 2003 wurde zwischen der Regierung Gbagbo und den Rebellen (die jetzt  „Fources Nouvelles“ (FN) hießen) eine Vereinbarung für eine Regierung der „nationalen Einheit“ unterzeichnet, der Linas-Marcoussis accord.

Es war also nicht gelungen, die Regierung Gbagbo zu stürzen, aber der Norden des Landes wurde nun dauerhaft von den bewaffneten Mitgliedern der FN kontrolliert, die man durchaus als Terroristen bezeichnen kann. Der Präsident wollte eine Spaltung des Landes verhindern, wie sonst ist zu erklären, dass er zustimmte, dem ehemaligen Rebellenanführer Soro ein Ministeramt zu gewähren?

Das von Frankreich arrangierte Abkommen verlangte zwar eine Demilitarisierung des Nordens, also die Entwaffnung der Rebellen, aber diese fand nie statt. Stattdessen wurde eine von Frankreich kontrollierte „Pufferzone“ zwischen Nord und Süd installiert – damit hatte der Fuchs die Pflicht erhalten, die Hühner zu beschützen …

africa-53 stateGbagbo versuchte, das nationale Interesse voranzutreiben, was den  imperialen  Machtstrukturen natürlich ein Dorn im Auge war. Dass afrikanische Länder so etwas wie wirtschaftliche Souveränität beanspruchen, ist eine absolute No-Go Area in der globalen Ordnung, das musste ja auch Gaddafi auf sehr schmerzhafte Weise erfahren.

2  Divide et Impera (erster Akt): Liberté, Egalité … en Afrique???

Die Kolonialmacht ist nur „formal“ abgezogen, hat aber ihre Machtstrukturen nicht abgebaut, sondern weiterhin genutzt, um das Land zu kontrollieren, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in militärischer Hinsicht. Wo wird in unseren Medien z.B. erwähnt, dass Frankreich in Abidjan immer noch eine Militärbasis hat? Mit welchem Recht und wozu?

Frankreich hatte also schon vorher etwa 1200 Soldaten in CI, diese Präsenz wurde „notwendigerweise“ um 500 Mitglieder erweitert (Fremdenlegion, Marines, und andere „Männer fürs Grobe“). Das derzeitige Kontingent von 4000 Soldaten gehört zwar offiziell zur UN „Friedensmission“, steht aber nicht unter UN-Kommando, sondern kocht sein eigenes, militärisches Süppchen und das hat ein besonders politisches „Aroma“:  die bewusste Destabilisierung des Landes um den „Sozialisten“ Gbagbo loszuwerden, der das Land emanzipieren wollte.

Das heißt im Klartext: Frankreich will nicht Gewaltexzesse und die Spaltung des Landes verhindern, Frankreich spielt seit Jahren (gemeinsam mit dem „leading from behind“ Pentagon) den agent provocateur: Woher kommen die Waffen für die Rebellen? Wer hat die Bevölkerung gegeneinander aufgehetzt oder besser gesagt: Wer hat ein Interesse darin, sie gegeneinander aufzuhetzen? Wer braucht einen Vorwand, ein moralisches Feigenblatt, um die de fakto Besetzung des Landes durch französische Truppen zu rechtfertigen?

Our policy should be to have as many of them as possible  kill each other off“.

Außenpolitische Maxime von Henry Kissinger (im Kontext des Krieges zwischen Irak und Iran), die immer noch brandaktuell ist …

1  Massaker der NFAm 5. Jänner 2004 fand im Dorf Kahin ein Massaker statt. Das ist nicht nur ein trauriger Umstand sondern auch besonders bemerkenswert, weil sich dieser Ort in der sogenannten „Zone of Confidence“ befindet: ein Landstrich, der damals von französischen Soldaten „gesichert wurde, um genau solche Verbrechen zu verhindern. Doch alleine im Jänner wurden dort 36 Menschen getötet, davon 32 Mitglieder der Gueré (Kru).  Viele Häuser wurden in Brand gesetzt, Angst und Schrecken verbreitete sich, sodass hunderte Guéré geflohen sind. Was haben die französischen Soldaten also dort gemacht? Weggeschaut? Oder sichergestellt, dass die Verbrechen der FN ungehindert stattfinden können?

Die französischen Soldaten sind offensichtlich keine „peace keeper“, sollen sie dafür sorgen, dass die Terrorkampagne von Ouattaras „Militär“ erfolgreich ist? Die Anhänger Gbagbos so eingeschüchtert werden, dass sich (die Überlebenden der Massaker) ihrem Schicksal ergeben oder ins Ausland fliehen?

Im November 2004 kam es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall, als unbewaffnete Demonstranten vor dem Hôtel Ivoire in Abidjan gegen die französische Truppenpräsenz und ihre Gewalt protestierten. Nach Presseberichten wurden dabei sieben Menschen getötet und zweihundert verletzt. So meldete die BBC unter anderem:

Mehrere Augenzeugen sagten der BBC, dass die französischen Truppen (als peace-keeper“) das Feuer auf eine Menge von tausenden Unterstützern der (Gbagbo) Regierung eröffnet haben.“

Das passt aber nicht in das offizielle Bild, dass uns die Medien vermitteln sollen (Gbagbo ist böse, Ouattara – der „Freund“ des westlichen Kapitals – ist der Gute). Also muss die BBC sofort diese klare Aussage entschärfen und mit anderen Statements „balancieren“, die so lauten:

  • „Frankreich sagt, die ivorianischen Sicherheitskräfte hätten auf die Demonstranten geschossen, nachdem sie selbst attackiert worden waren
  • Die Auslandskorrespondenten der Presse sagen, die Demonstranten hätten befürchtet, dass die französischen Soldaten die Residenz des Präsidenten angreifen würden, die weniger als einen Kilometer entfernt ist
  • Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki sagte nach Gesprächen mit Gbagbo, dass der Präsident sich für eine friedliche Lösung des Konfliktes einsetzt“

Die Presseagenturen melden unisono, dass die „westliche Staatengemeinschaft“ die Gewaltausbrüche verurteilt und gleichzeitig Gbagbo die Verantwortung dafür in die Schuhe schiebt, wegen der  Luftangriffe auf Stützpunkte der bewaffneten Rebellen. Zwei Tage später wurden – nach Presseangaben – neun (oder sechs?) französische Soldaten und eine amerikanische NGO-Mitarbeiterin getötet. Gab es eine Untersuchung dazu? Nein.

Gbago erklärte dazu: „Ivory Coast befindet sich nicht im Krieg mit Frankreich, und dass er keinen Befehl gegeben habe, diese französischen Soldaten zu töten.

Das interessierte Präsident Chirac aber gar nicht, denn man hatte jetzt endlich einen Vorwand, die Luftstreitkräfte des Landes (einige Kampfjets und Hubschrauber) in der Hauptstadt Yamoussoukro auf dem Boden zu zerstören. Die großen Proteste, die diese Bombardierungen in der Bevölkerung hervorriefen, werden natürlich auch Gbagbo in die Schuhe geschoben: er sei es doch gewesen, der den einjährigen „Waffenstillstand“ (in dieser Zeit gab es auch Massaker der FN gegen Gbagbo Anhänger)  gebrochen habe (eben durch die dreitägigen Bombardierungen im Norden).

Das französische Militär gibt an, man habe in Abidjan nur „Warnschüsse“ abgegeben, um die Leute in Schach zu halten, doch wieso gab es dann Verletzte und Tote? Wieso wurden hunderte Projektile auf dem Platz gefunden? Die Antwort könnte lauten: es gab Scharfschützen, die vom Hotel aus eine wunderbare Sicht auf den Platz hatten und – ohne selbst gesehen zu werden – auf die Menschenmasse zielen konnte.  (französisches Video)

Die Regierung Gbagbo musste sich angesichts dieser Vorfälle fragen, welche Ziele die französischen “peace-keeper“ wirklich verfolgten:

„Sie schießen aus Helikoptern auf Zivilisten, zerstören unser militärische Kapazität, feuern auf den Präsidentenpalast“ –mit welchem Recht?

So formulierte es der ivorianische Botschafter in Frankreich, Philippe Djangone-Bi, in einem Interview. Und was sagt die UN dazu? Nichts, denn Frankreich hat bekanntlich ein Vetorecht im Sicherheitsrat und so „verurteilt“ die UN (in Form einer Resolution) den Tod der neun (?) französischen Soldaten, aber nicht die Gewalt der ehemaligen Kolonialmacht, denn die ist ja „legitim“, weil sie für die „richtigen“ Ziele eingesetzt wird, oder?

Doch die UN-Charta verbietet eindeutig die Anwendung von Gewalt für „humanitäre Einsätze“, deshalb hat man wohl die 4000 französischen Soldaten nicht unter UN-Kommando gestellt. So kann man anscheinend unter dem UN-Logo Gewaltverbrechen begehen, ohne dass man dafür wegen Missachtung fundamentaler Rechtsnormen belangt wird: die einen zerstören und töten, verletzen die Souveränität des Staates, in den sie eindringen und die anderen liefern den moralischen Heiligenschein dazu.

„.. il est pratiquement impossible de séparer les mobiles humains d’intervention des mobiles politiques et d’assurer le désintéressement absolu des États intervenants. … Dès l’instant que les puissances intervenantes sont juges de l’opportunité de leur action, elles estimeront cette opportunité au point de vue subjectif de leurs intérêts du moment.“

So schrieb Antoine Rougier 1910 über die „Heiligen Allianz“ der mächtigsten Staaten Europas gegen das Ottomanische Reich , die auch unter dem Deckmantel der „humanitären Intervention“ geführt wurde und die imperialistischen Motive der  verschleiern sollte.

  1 Köchler NWO

Die UN ist nur mehr ein  Instrument dieser verlogenen Politik  …

(Fortsetzung folgt)

THE BIG LIE 2.1 : Gaddafis Schandtaten

In den Medien wird meistens nur über „London“, „Berlin“, Paris oder „Washington“, etc. berichtet, also für wichtig erachtet, was in den Zentren der Macht gesagt und getan wird – besonders wenn es um die Bekämpfung von angeblichen Despoten geht. Aber es wird Zeit, dass auch Stimmen aus Afrika gehört werden, schließlich geht es um ihre Länder, ihre Völker, die jetzt im „Endspiel“ des Kapitalismus, bedroht werden.

Der folgende Beitrag enthält Auszüge aus zwei  hervorragenden Artikeln über die Vorfälle in Libyen, die von Afrikanern verfasst wurden, ergänzt durch meine eigenen Recherchen bzw. Kommentare:

  “What happens in Libya is a harbinger of what the West has in store for Africa. True independence and African unity will not be tolerated. Africa is too rich in resources that the world cannot allow it to control its own destiny. This war is not just about Gaddafi. It is an opening salvo in a war to reclaim the continent for foreign interests, just as it was in 1896 in the Scramble for Africa.

Gaddafis “Schandtaten”: Verbrechen gegen die herrschende Welt-Wirtschaftsordnung:

1992 haben 45 afrikanische Staaten RASCOM gegründet, mit dem Ziel, Afrika einen eigenen Kommunikationssatellit zu verschaffen. Warum war das ein entscheidender Schritt? Weil die Telefon- bzw. Telekommunikationskosten bis dahin enorm hoch waren: Anrufe von / nach Afrika waren extrem teuer, weil Europa als Nutzungsgebühr für INTELSAT jährlich 500 Millionen Dollar verlangte.

Der afrikanische Satellit kostete einmalig 400 Millionen Dollar – eine enorme Ersparnis an jährlichen Kosten für die verschuldeten Länder Afrikas. Doch die Finanzierung  über die Banken war schwierig und außer großen Worten kam auch keine Hilfe aus Europa oder den USA – so wartete man fast 15 Jahre auf  echte „Entwicklungshilfe“. Gaddafi hat diesem Spiel (nach Ende der Sanktionen gegen sein Land) ein Ende gemacht: er legte 300 Millionen Dollar auf den Tisch, die Afrikanische Entwicklungsbank steuerte den Rest bei und schließlich erhielt Afrika seinen ersten eigenen Satellit am 26.Dezember 2007.

China und Russland förderten dieses Projekt durch Technologietransfer und Investitionen in afrikanische Länder, sodass ein zweiter Satellit im Juli 2010 in Betrieb genommen wurde. Damit nicht genug, wurde ein Projekt gestartet, in dem ein dritter Satellit IN AFRIKA gebaut werden soll – ein Riesenschritt für einen Kontinent, dessen zugeteilte Rolle im geostrategischen, wirtschaftlichen „Spiel“ „Rohstofflieferant“ ist und bleiben soll. Der Status Quo, also die extrem ungleichen Kräfteverhältnisse zwischen Europa / USA und Afrika soll erhalten bleiben, die afrikanischen Länder immer nur Almosenempfänger, während der Westen seine Rohstoffe plündert und durch Kredite und unfaire Welthandelsbedingungen der Süden den Norden finanziert.

Aber Gaddafi setzte sich noch mehr in die Nesseln: Er begriff, dass die afrikanischen Länder nie aus ihrem Elend herauskommen, solange sie von ausländischen Finanzsystemen abhängig sind, ihre Kredite in Dollar bezahlen müssen und dafür auch noch diktiert wird, dass die  Wirtschaftspolitik mit den Profitinteressen der „Finanzmärkte“ und TNC kompatibel sein muss.

Die 30 Milliarden Dollar, die die US-Regierung jetzt „eingefroren“ hat, waren reserviert als der Beitrag Libyens für drei Schlüsselprojekte, die entscheidend für die Bildung einer Afrikanischen Union (im eigentlichen Sinn) sind:

  • Die Afrikanische Investment Bank in Sirte (Libyen)
  • Die Gründung eines Afrikanischen Währungsfonds (AMF) in Yaounde (Kapital: 42 Milliarden Dollar, mehr als 60% kommen von Libyen und Algerien)
  • Die Gründung der Afrikanischen Zentralbank in Nigeria
  • Die, sobald sie anfängt eigenes Geld zu drucken, das Todesurteil für den französischen CFA (Währung aus der Kolonialzeit, die noch heute in manchen Ländern Afrikas zirkuliert), durch den die Regierung in Paris immer noch Kontrolle über die ehemaligen Kolonien hat (durch die Geldpolitik). Kein Wunder, dass Frankreich wütend auf Gaddafi war und deshalb einen militärischen Schlag befürwortete …
  • Ja Gaddafi träumte sogar von einer afrikanischen Armee mit einer Million Soldaten (ein Albtraum für NATO & Co.)

Der AMF soll die Aktivitäten des IMF (IWF) in Afrika schrittweise ersetzen, der mit Krediten von ursprünglich 25 Milliarden Dollar (durch den exponentiell steigenden Zinsenanteil) erreicht hat, den ganzen Kontinent in die Knie zu zwingen und ihn genötigt hat, die äußerst fraglichen Privatisierungen öffentlicher Güter zugunsten des internationalen Kapitals durchzuführen.

Deshalb war es auch keine Überraschung, als am 16./17.Dezember 2010 die AU einstimmig alle Versuche westlicher Staaten dem AMF beizutreten, ablehnten.

Es wird immer offensichtlicher, dass nach Libyen, Algerien das nächste Opfer des Westens sein wird. Nicht nur wegen seiner großen Energievorkommen, sondern auch wegen der Währungsreserven von 150 Milliarden Dollar. Die Länder, die Libyen bombardieren, sind praktisch alle bankrott. Die USA allein, haben Schulden von 14.000 Milliarden Dollar, Frankreich, England und Italien haben jeweils ein riesiges Budgetdefizit, während alle 46 afrikanischen Staaten insgesamt „nur“ 400 Milliarden $ Schulden haben. […]

Die Destabilisierung und Zerstörung der Afrikanischen Union, die sich immer näher in Richtung der “Vereinigten Staaten von Afrika” bewegte, ist „notwendig“, weil sie als eine Bedrohung der westlichen Dominanz angesehen wird. Um solche solidarischen Bestrebungen zu unterminieren, hat die EU eigene Initiativen gestartet, die große Lippenbekenntnisse zur „Partnerschaft“ mit nordafrikanischen Ländern enthält.

So wurde zunächst, ohne Erfolg, die Schaffung einer „Union der Mittelmeerstaaten“ (UPM) angepeilt: Nordafrika musste irgendwie vom restlichen Kontinent abgesondert werden, da kamen die alten rassistischen Klischees aus dem 18. /19. Jahrhundert gerade recht, wonach Araber (als Afrikaner) höher „entwickelt“ seien, als die Schwarzafrikaner in Zentral- u. Südafrika. Doch darauf fiel Gaddafi nicht herein. Er verstand, welches Spiel hier gespielt wurde, als nur eine Handvoll afrikanischer Staaten dazu eingeladen wurden, ohne die Afrikanische Union zu informieren.

Die UPM scheiterte deshalb, und der geplante “Präsident Sarkozy” und  sein „Vizepräsident“ Mubarak erwiesen sich als Illusion. Der französische Außenminister Juppe versucht nun, die Totgeburt wieder zu reanimieren – ohne Zweifel, weil man ohne Gaddafi leichteres Spiel hat.

Was die Führer der afrikanischen Staaten nicht verstehen, ist, dass solange die EU die Afrikanische Union finanziert, keine Änderung des Status Quo möglich ist, weil dazu Unabhängigkeit notwendig ist. Aus diesem Grund hat die EU regionale Gruppierungen unterstützt und finanziert („herrsche und teile / divide et impera“ funktioniert immer)

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die ECOWAS (Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikas), die ein Büro in Brüssel hat und den Großteil ihrer Finanzierung von Brüssel erhält, gegen eine echte Afrikanische Union ist. Genau deshalb hat Lincoln den Sezessionskrieg in den USA geführt, weil regionale politische Organisationen zu einer Splitterung des Ganzen führen und damit den Staat schwächen.

Das ist  es, was Europa will und die Afrikaner haben den Plan nicht durchschaut: eine Fülle von regionalen Organisationen COMESA, UDEAC, SADC und „Der große Maghreb“, der nie das Licht der Welt erblickte – dank Gaddafi, der erkannte, was hier gespielt wurde

Für die meisten Afrikaner ist Gaddafi ein großzügiger Mann, ein Humanist, bekannt für seine uneigennützige Rolle im Kampf gegen das rassistische Regime in Südafrika. Wäre er ein solcher Unmensch, hätte er nicht den Zorn des Westens riskiert, als er den ANC militärisch und finanziell im Kampf gegen Apartheid und Polizei-Terror unterstützte.

(Ein sehr erschütterndes und wahrheitsgetreues Bild über die Brutalität des Afrikaaner Regimes zeigt der Film „Cry Freedom / Schrei nach Freiheitvon Richard Attenborough – ein Muss für alle, die  Sehnsucht nach historischer Wahrheit und Gerechtigkeit haben und ein spannender, wunderbarer Film)

Das war der Grund, warum Mandela, kurz nach seiner Entlassung aus 27 Jahren Haft, entschlossen war, das UN-Embargo zu durchbrechen und Libyen am 23.Oktober 1997 zu besuchen. Fünf lange Jahre konnte kein Flugzeug in Libyen landen, wegen des Embargos. Man musste nach Tunesien fliegen, dann fünf Stunden mit dem Auto zur Grenze fahren, und schließlich noch drei Stunden durch eine Wüstenstraße um nach Tripoli zu gelangen. Ansonsten gab es nur die klapprigen Fähren, die von Malta zur libyschen Küste fuhren. Eine anstrengende Reise für tausende Menschen, nur um einen Mann zu bestrafen (wofür?).

Mandela nahm auch kein Blatt vor den Mund, als der damalige Präsident Clinton ihm sagte, dieser Besuch sei  äußerst unerwüscht:

Kein Land kann für sich beanspruchen, die Weltpolizei zu sein und kein Staat darf einem anderen diktieren, was er zu tun hat. Diejenigen, die noch gestern die Freunde unserer Feinde waren, haben den Nerv, mir heute zu sagen, ich solle meinen Bruder Gaddafi nicht besuchen. Sie raten uns, undankbar zu sein und die Freunde in der Not  zu vergessen.“

Der ANC wurde erst am 2.Juli 2009 von der „Terrorliste“ der USA entfernt, zum 90. Geburtstag Mandelas. Wenn der Westen wirklich die Unterstützung des Apartheid-Regimes bedauerte, wie kann er dann gegen jemand Krieg führen, der Mandela so viel Unterstützung gegeben hat?

Und wie demokratisch sind die Länder, die angeblich Demokratie „exportieren“ wollen?

Was wäre, wenn Gaddafis Libyen demokratischer wäre als die USA, Frankreich, England …? Am 19. März 2003 regneten die Bomben der USA auf Bagdad (unter dem Vorwand, die Welt vor Massenvernichtungswaffen in den Händen eines Irren zu beschützen). Genau 8 Jahre später hat Sarkozy seine Bomben auf Libyen geworfen, und wieder mit falschen Beteuerungen über „Hilfe für Rebellen“, die von Präsident Obama – dem „Friedensnobelpreisträger“ (!) mitgetragen wird, der seine Cruise Missiles als „Demokratiewaffen“ einsetzt …

Klarstellung: Gaddafi ist nicht Mutter Theresa, das ist offensichtlich. Mit seinen politischen Gegnern war er alles andere als zimperlich und hat sie beinhart verfolgt (auch „Verräter“ im Ausland) . Doch genau das tun westliche Politiker auch, allen voran die „Mutter der Demokratie“: die USA (sie beherrscht nur die Kunst der Desinformation „information dominance“,  besser). Jeder Präsident – ob in Asien, Lateinamerika oder Afrika, der nicht mit den „US-Interessen“ kompatibel ist (sprich: Finanz- und Industrieoligarchen), wird weggeräumt, ob durch Handelssanktionen, geschürte Unruhen, Militärcoup oder Bomben, die als „humanitäre Intervention“ getarnt werden, das Endergebnis ist immer gleich: regieren darf nur, wer die Wirtschaftsinteressen des Imperiums nicht behindert und auf einen eigenen Weg verzichtet.

Zu den Verbrechen der USA (und deren Totschweigen durch unsere Medien und Politiker) hat

Harold Pinter in seiner Nobelpreis-Rede die richtigen Worte gefunden (erster Teil über Wahrheit im Theater, zweiter Teil über Wahrheit in der Politik)

Die bittere, unerträgliche Ironie ist, dass die USA mit den schlimmsten Diktatoren und Mördern wunderbar zusammengearbeitet hat (oft auch selbst „installiert“) wie zB Pinochet in Chile, Suharto in Indonesien, der Marcos Clan auf den Philippinen, Mobuto im Kongo, Saddam im Irak, etc.  ….)

Leider müssen wir uns inzwischen eingestehen, dass auch die EU bzw. Länder der EU (über die NATO und unfaire Handelsabkommen) an diesen Verbrechen teilnehmen, zum „Wohle“ der europäischen Konzerne die vom „Markt“ regiert werden.

Bemerkenswert ist auch, dass im Gegensatz zu Saddam, die libyschen Soldaten nicht reihenweise desertiert sind, sondern dem „Revolutionsführer“ anscheinend treu dienen. So überraschte (viele) ein Interview, dass die New York Times veröffentlicht hat. Ein verwundeter, 20 jähriger Soldat sagt darin:

 „Ich persönlich würde tausendfach für Gaddafi sterben, sogar jetzt noch. Ich liebe ihn, weil er uns Würde gegeben hat und er ist ein Symbol für den Patriotismus des Landes.“ […) Was jetzt passiert, haben die Rebellen zu verantworten, nicht Gaddafi.“

Natürlich ist dieser eine Soldat nicht repräsentativ für die ganze Armee, aber seine Worte zeigen doch, dass die Dämonisierung Gaddafis ein übler Propagandatrick ist, dass er natürlich auch ein Mensch ist, kein Monster. Doch in den Medien wird das verzerrte Bild des irren „Diktators“ gerne aufgenommen und immer wieder verstärkt, das erhöht die Auflage und macht die Arbeit viel leichter. Ich frage mich nur, wie es diese „Journalisten“ noch aushalten, morgens in den Spiegel zu schauen.

In unserem System („freie Presse??“) erfolgt die Zensur zugunsten der Machthaber nicht durch äußere Gewalt, sondern in den Köpfen der Journalisten, durch ausgeklügelte PR-Methoden, „story placement“, den Fließbandjournalismus (alle werden von einer Handvoll Presseagenturen „gefüttert“) und verdecktem Einfluss der Geheimdienste auf die Presse. Die Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Medienkonzernen (siehe Rupert Murdoch oder Bertelsmann) macht das Ganze noch schlimmer für die „Demokratie“.

Im Gegensatz zu Ägypten war das kein friedlicher Protest, sondern der bewaffnete Aufstand einer Minderheit, die von ausländischen Geheimdiensten als „asset“ genutzt wird.  (Wer diese „Rebellen“ eigentlich sind und woher sie plötzlich kommen – damit befassen wir uns im nächsten Beitrag genauer)

Wer ist hier der Verbrecher?

Der Westen nutzte die schönen Illusionen des “Arabischen Frühlings” um einen Dorn in seinem Fleisch loszuwerden: Gadaffi, der die afrikanischen Staaten auf eigene Füße stellen wollte, ihnen jene Würde und Selbstbestimmung ermöglichen wollte, die „Entwicklungshilfe“ und „Wirtschaftsberater“ seit Jahrzehnten verhindert hatten.

Über Nacht tauchten bewaffnete Gruppen in Benghazi auf und ein Plan zum Sturz Gaddafis zeichnete sich rasch ab: Zuerst die „Sorge um das Wohl der Zivilisten“, immer ein effektiver PR-Slogan, der emotionalisiert, aber von den Fakten ablenkt. Dann machten die Franzosen und die Briten Druck im UN-Sicherheitsrat, und erreichten schließlich die Resolution 1973 [für eine „No-Fly-Zone“ – die wie im Irak dazu genutzt wurde, die Luftabwehr Libyens zu zerstören].

Obama zeigte sich zunächst zögerlich (das schuldet er seinem Image als „good guy“, der mit dem Pathos eines Priesters spricht, immer das Gute will, aber dann doch nichts machen kann, weil er von seinen Widersachern überrumpelt wird), doch die geostrategisch bedeutsame Lage Libyens und seine wichtigen Ressourcen ließen keine Zweifel daran, dass die USA  ebenso hoch „motiviert“ war, Gaddafi zu beseitigen, wie Frankreich und England (Über die finstere Tragödie von LOCKERBIE (mit der Gaddafi nichts zu tun  hatte) schreibe ich noch einen eigenen Beitrag – eine unglaubliche Geschichte, die einem die Haare zu Berge stehen lässt)

Einige Gründe dafür habe ich oben bereits geschildert und auch das Video unten erwähnt einen wichtigen Punkt: die Rolle Chinas in Afrika

In krassem Widerspruch zu den offiziellen Beteuerungen, und der völlig ineffektiven „Entwicklungshilfe“ haben weder die USA noch Europa ein Interesse daran, dass Afrika ein gleichwertiger „Partner“ wird, dass es sich wirklich wirtschaftlich weiterentwickelt (einen eigenen Weg geht, der sich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung richtet und nicht jenen des „globalisierten“ Finanzkapitals) und weniger abhängig von Importen und Krediten aus den Industrieländern wird.

China investiert in Afrika natürlich weil es  auch im eigenen wirtschaftlichen Interesse ist, aber im Gegensatz zu den USA und Europa, streifen die Chinesen den afrikanischen Ländern keine wirtschaftspolitische Zwangsjacke über, sondern unterstützen sie dabei, selbst eine Industrie zu entwickeln, auch selbst an der Veredelung der Rohstoffe zu verdienen. Das könnte zu mehr Eigenständigkeit führen, mehr Selbstbewusstsein, die neokoloniale Diktatur über IMF, Weltbank und andere Machtstrukturen könnte so ins Wanken geraten.

Mit China selbst kann man sich nicht anlegen, dazu ist es zu mächtig (vor allem auch wegen der Milliarden Dollarreserven), aber einer wie Gaddafi, der schon durch sein Aussehen für die Rolle des Schurken prädestiniert ist, der muss die ganze Härte der „unsichtbaren Hand“ des Marktes (die eher eine Faust ist) zu spüren bekommen. Sehen sie dazu auch das folgende Video (Englisch): „

Zwei wichtige Punkte: (Auf die Frage der Moderatorin, warum man die Angebote Gaddafis zu Gesprächen abgelehnt habe und stattdessen militärisch eingegriffen hat (sprich: unschuldige Menschen getötet): „Afrika muss seine untergeordnete Stellung in der globalen Wirtschaftsordnung behalten …und Chinas Investitionen in Afrika gefährden diesen Status Quo …und die USA versuchen seit langem, eine Militärbasis in Afrika zu etablieren (AFRICOM), doch die Afrikanische Union unter Führung Gaddafis hat beschlossen, dass kein Land dies zulassen wird… Dieser enorm relevante Kontext wird aber in den Medien NIE erwähnt.

Der amerikanische Soziologe C. Wright Mills schrieb 1956, “die amerikanische Demokratie sei eine Diktatur der Eliten”. Mills kam zu diesem Schluss, weil nach seiner Wahrnehmung das „Geld“ den Wahlausgang bestimmt und nicht die Menschen. Egal welcher Präsident gewählt wird, er ist immer „die Stimme des Geldes“ und nicht die des Volkes. […] Eine Person wird gewählt (eine sehr reiche), aber die wirkliche Macht liegt in der Kaste der Wohlhabenden, die dann als Botschafter, Generäle, hohe Beamte, etc. nominiert werden.

Wie viele Leute in diesen selbst ernannten „Demokratien“ wissen, dass die Verfassung Perus einem scheidenden Präsidenten eine zweite (konsekutive) Amtszeit verbietet? Wie viele wissen, dass in Guatemala dieser sich nicht nur keiner Wiederwahl stellen, sondern auch keiner aus seiner Familie für den Posten kandidieren darf? Oder dass Ruanda (!) als einziges Land der Welt, 56% weibliche Parlamentarier hat? Wie viele Leute wissen, dass die Staatsverschuldung Guineas nur 1,14 % des BIP beträgt?

Nach Rousseau gehören Bürgerkriege, Revolten und Rebellionen zu den Anfängen einer Demokratie, die aber kein Endzustand sein kann, sondern ein permanenter Prozess zur Stärkung der Menschenrechte, die in allen Ländern der Welt mit Füßen getreten werden.  Von einer kleinen Gruppe, die die Macht (des Volkes) an sich gerissen hat, um ihre Überlegenheit  zu zementieren. Diese Leute (bei uns und bei den anderen) haben den Begriff „Demokratie“ für sich gepachtet, ihn seiner Bedeutung beraubt. Statt eines Ideals, für das man sich einsetzen und kämpfen muss, wurde es zu einem Schlagwort, einem Slogan, den jene verwenden, deren Stimme lauter ist, als die der anderen. Wenn es in einem Land keine Unruhen gibt […], dann heißt das, aus Rousseaus Perspektive, dass das System repressiv genug ist, um jedem Aufstand zuvorzukommen.

[…] Zu behaupten, das man Libyer umbringt, um „ihnen zu helfen“ (zur Demokratie zu gelangen) ist ein übler Scherz.

Es ist beklagenswert, dass drei Sub-Sahara Länder der UN-Resolution 1973 zugestimmt haben (Nigeria, Südafrika und Gabon), die die neueste Form der Kolonisation eingeläutet hat, getauft als „Schutz der Zivilbevölkerung“ […]. Es ist als ob, Tunesien, Ägypten, Libyen und Algerien nicht Teil von Afrika wären.

Das Ziel ist, Afrika aufzuteilen, die Sub-Sahara Länder zu isolieren, damit man die einzelnen Regionen besser kontrollieren kann.[…]

Es ist gelinde gesagt beunruhigend, dass zum ersten Mal in der Geschichte der UN, ein Krieg erklärt wurde, ohne dass man auch nur den geringsten Versuch gemacht hatte, eine friedliche Lösung zu finden. Gehört Afrika wirklich noch  zu dieser Organisation? Nigeria und Südafrika sind bereit, mit „Ja“ für alles zu stimmen, was der Westen will, weil sie so naiv sind, zu glauben, man werden ihnen dann vielleicht einen Sitz im Sicherheitsrat einräumen (?!) Sie vergessen beide, dass Frankreich gar nicht die Macht hat, ihnen irgendetwas anzubieten (ansonst  hätte schon Mitterand dafür gesorgt, dass Deutschland (unter Kohl) einen permanenten Sitz im Sicherheitsrat bekommt).

Dass es auch in Frankreich heftige öffentliche Debatten über die Verlogenheit dieser „Hilfsaktion“ gibt, können Sie hier sehen:

Jeder Krieg wurde mit einer großen Medien-Lüge begonnen ...“ (exactement!)

(Unsere „Demokratie“ besteht darin, dass zwar jeder sagen kann, was er will, auch auf der Straße (durch Proteste), aber wirklich entscheiden können wir eigentlich nichts ….)

Eine Reform der Vereinten Nationen steht nicht auf der Karte. Der einzige Weg ist der chinesische: alle 50 afrikanischen Ländern sollten die UN verlassen und nur zurückkommen, wenn ihr seit langem bestehender Anspruch auf einen Sitz – für die ganze afrikanische Federation – endlich respektiert wird. Die UN ist schon durch ihre Struktur und Hierarchie ein Instrument für die Mächtigsten.

Wir sollten die UN verlassen, um damit  unsere Ablehnung einer Weltanschauung zu verdeutlichen, die darauf beruht, dass die Schwachen vernichtet werden. Sie werden zwar weitermachen, aber wir werden zumindest nicht mehr dabei sein („dafür“ zu stimmen, ohne dass man uns je wirklich nach unserer Meinung gefragt hätte) […]

Als dieser Konflikt dem libyschen Volk aufgezwungen wurde, hat die Afrikanische Union gegen jede militärische Intervention protestiert, wurde aber schon bald marginalisiert, von den Putsch-Organisatoren und einer fügsamen westlichen Presse. Während eine souveräne Nation, ein Mitglieder der Afrikanischen Union attackiert wurde, wurden alle Versuche der AU, eine friedliche Lösung zu finden, einfach ignoriert und lächerlich gemacht.

Afrikas Stärke und echte Freiheit wird nur erreicht werden, wenn es gut überlegte Aktionen auch durchführt und die Konsequenzen trägt. Würde  und Respekt gibt es nicht gratis. Sind wir bereit, diesen Preis zu zahlen?

Wenn nicht, ist unser Platz in der Küche und in den Toiletten, um das Leben der anderen angenehmer zu machen.

Libyen hätte gerettet werden können, wenn die Afrikaner mit einer Stimme gesprochen, und gegen diesen Angriffskrieg protestiert hätten. Die AU hätte die Diplomaten jener Länder ausweisen können, die am Krieg teilnehmen, sie hätten ihre Bürger dazu aufrufen können, auf den Straßen für ein „Hände weg von Libyen“ zu demonstrieren. Die ölproduzierenden Länder hätten die Hähne etwas zudrehen können, etc.

Dieselben Kräfte, die den Sudan in zwei Stücke gebrochen haben, führen diesen Prozess jetzt weiter: Afrika in  immer schwächere Einheiten zu zerlegen, die man leichter “managen” kann. Was wird passieren, wenn Gaddafi gestürzt ist? Alle fortschrittlichen Programme, die er initiiert hat, werden demontiert werden und seine Vision einer afrikanischen Einheit als die Utopie eines Irren verworfen.

Ausländische Mächte werden sich bald daran machen, den Kuchen aufzuteilen, Instabilität wird sich wie im Irak breit machen – unter dem Deckmantel der demokratischen „Parteienvielfalt“. Der Westen [AFRICOM] wird dauerhafte Militärbasen etablieren, um den Mittelmeerraum als Brückenkopf für die Wiedereroberung Afrikas zu sichern.

“This is no fantasy. The West is not prepared to relinquish its hegemony and go quietly into the night. The neo-colonializing of Africa had begun immediately after ‘independence’ with aid programs that created dependencies, French military bases that never closed, structural adjustments, missionaries dividing and spiritually confusing the people, dumping of toxic waste and the signing and enforcement of economic agreements that were never in the interests of the African peoples”.(Originalzitat)

Viele afrikanische – korrupte – Führer haben mit dieser Plünderung Afrikas kollaboriert, den Willen ihres Volkes ignoriert. Gaddafis Entmachtung ist kein Grund zum Feiern für Afrikaner, sondern ein Grund zu trauern, denn wir werden in jene dunkle Zeit zurückgeworfen, in der Freiheit für uns unerreichbar war. […]

Fortsetzung folgt (Teil 3: darin „Wer zum Teufel sind die „Rebellen“? / „Al Kaida“ als  Medienphantom und „strategic information„)


Wer Herrscht In Ägypten? Über Menschlichkeit und „Makroökonomische Stabilisierung“:

He may be a son of a bitch, but he is our son of a bitch“ (ehemaliger US-Präsident zum Thema  – Wie geht man mit Diktatoren um? bzw. „Demokratieförderung in Entwicklungsländern“)

Angesichts der medialen Darstellung der dramatischen Ereignisse in Ägypten, fällt auf, dass man als Ursache für den Aufruhr immer nur die Frustration der Ägypter über die Herrschaft Mubaraks  angibt,  der jede politische Alternative mit brutaler Härte unterdrückt und auch nicht davor zurückschreckt, Dissidenten  zu foltern. Mubarak muss weg, lautet somit das Fazit und man müsse nur danach trachten, dass der „Übergang“  zu einer neuen demokratischen Ära friedlich erfolge.

Doch ist Mubarak wirklich (alleine) verantwortlich für die massiven Probleme in Ägypten?

Welche internationalen Akteure haben die Wirtschaft- u. Sozialpolitik des Landes  massiv beeinflusst, oder sogar ihren Richtungswechsel erzwungen? Um diesen Kontext zu verstehen, müssen wir uns die wirtschaftliche Entwicklung Ägyptens – im globalen Kontext – ein bisschen näher ansehen:

GELD ODER LEBEN? : Der Weg in die Schuldenfalle

Die Auslandsschulden Ägyptens betrugen Ende der 1980er-Jahre fast 50 Milliarden Dollar. Wie kam es dazu?

In den 1970er Jahren hatten die westlichen Industrieländer mit hoher Inflation, bei gleichzeitig schwacher Wirtschaftsentwicklung und steigender Arbeitslosigkeit („Stagflation“)  zu kämpfen. Nicht nur Ägypten, auch viele andere Entwicklungsländer kamen in den 1980er Jahren in eine Schuldenkrise, die durch den „Ölpreis-Schock“, die dramatische Verteuerung der Ölpreise wegen der Aufgabe des Gold-Dollar-Standards (1971 bzw. 1973) und das Ende des Währungssystems von Bretton Woods – ausgelöst wurde. Die damit verbundene massive Abwertung des Dollars  – als internationale Handelswährung, mit der auch Öl bezahlt wird – führte zu dramatischen Mehrkosten für Importe, während gleichzeitig die Exporteinnahmen  in Dollar  zurückgingen. (Der zweite Preisanstieg kam 1979 und hatte mit dem „regime change“ im Iran zu tun)

Entwicklung der Ölpreise

Um der hohen Inflation – getreu der ökonomischen Theorie – entgegen zu steuern, kam es in kurzer Zeit zu dramatischen Zinserhöhungen, vor allem durch die „Federal Reserve“ (Zentralbank) in den USA. Das löste die schlimmste) Rezession in der Geschichte der USA nach 1945 aus (bis zur Finanzkrise 2008). Die hohen Kreditzinsen und Energiekosten ließen die Schulden explodieren: Für viele Entwicklungsländer waren dieses Dilemma aber unvermeidlich (nicht durch Versagen der eigenen Politik sondern als Folge der Dollar-Hegemonie und der internationalen Finanz- u. Handelsarchitektur)

Diese drohende Zahlungsunfähigkeit der betroffenen Staaten war natürlich auch eine Gefahr für die Gläubigerbanken und schon damals fürchtete man eine internationale Bankenkrise  (24 Länder konnten 1982 ihre Schulden nicht mehr bedienen). Die Lösung? „Umstrukturierung der Darlehen“, sprich neue Schulden aufnehmen, um die Zinsen der alten bezahlen zu können und erzwungene  Öffnung der Länder für den „freien Handel“ (mit dominanten „Partnern“, die sagen, wo es langgeht …), der dann die nötigen Devisen erwirtschaften und für mehr Wohlstand sorgen soll.

Zwei Millionen Ägypter arbeiteten in Zeiten des Hochpreis-Booms in der Ölindustrie im arabischen Ausland und überwiesen noch Anfang der 1980er Jahre rund 4 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Durch den Verfall der Ölpreise wurden zehntausende nach Hause geschickt und somit fehlten diese dringend benötigten Devisen dem Staat, der natürlich auch selbst als Ölexporteur weniger Einnahmen hatte (Verlust:  rund 2,5 Mrd. Dollar zwischen 1984 und 1986). Dieser  Ausfall beschleunigte die Verschuldung im Ausland, die  seit 1986 um 13 Mrd. Dollar gestiegen war.

Die erste Intifada der Palästinenser (1987) gegen das brutale Besatzungsregime Israels führte zu Terrorangst, die auch den Tourismus in Ägypten negativ beeinflusste, wodurch dem Staat weitere Einnahmen entgingen. Aber auch die Militärausgaben Ägyptens schlugen negativ zu Buche: fast 7% des BIP wurden für „Verteidigung“ ausgegeben: 1988  waren das mehr als 4,6 Mrd. Dollar (Wert 2008, Quelle: SIPRI).

Die ägyptische Regierung brauchte also dringend mehr Dollarkredite, um ein finanzielles Desaster (vor allem für die Gläubiger) zu verhindern. Doch die „IFIs“ (internationale Finanzinstitutionen wie Weltbank oder IMF), die nach dem Ende von Bretton Woods eine neue, politische Rolle spielten, verlangten als Bedingung einen dramatischen Kurswechsel der Wirtschaftspolitik, die seit Nasser sozialistisch orientiert war und der „freien Entfaltung“ der kapitalistischen Marktkräfte (vor allem des Finanzkapitals)  im Wege stand.

Im März 1990 begann unter Einfluss der Weltbank  in Ägypten die  große „Strukturreform“ (SAP) und etwa ein Jahr später erhielt die Regierung dann ein garantiertes Darlehen des IMF, als „Anerkennung“ für  die zum Wohle der Finanzindustrie durchgeführten Reformen. Dazu zählte die Privatisierung von Staatsbetrieben, die „Liberalisierung“ des Handels (Senkung bzw. Abschaffung von Einfuhrzöllen  bzw. –quoten), Verzicht auf währungspolitische Steuerungsmaßnahmen und stufenweiser Abbau von Preiskontrollen, auch für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel und Energie. Das alles war – nach dem neoliberalen Credo – unbedingt notwendig, um die gewaltige Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen und damit finanzielle „Stabilität“ (vor allem) für ausländische Investoren zu gewährleisten. (Das kommt uns doch bekannt vor, oder?) (Doch die mächtigsten „Handelspartner“, allen voran die USA und die EU bedienen sich nach wie vor dieser Steuerungsinstrumente, während die Entwicklungsländer ihre wirtschaftliche Souveränität verloren haben …)

Die große „Erleichterung“ (debt relief) für die Staatskasse kam jedoch nicht durch die neoliberalen Reformen, sondern durch Mubaraks Unterstützung der USA im Golfkrieg: Als Dank für die Vasallentreue zum US-Hegemon (der das irakische Volk in großes Elend gestürzt hatte) und die „guten Beziehungen“ zu Israel, wurde Ägypten im Juni 1991 fast die Hälfte seiner Schulden vom Club der Gläubiger  erlassen.

Washington verzichtete großzügig auf die Bezahlung von 6,7 Mrd. Dollar für  Waffenkäufe in den USA. Im September 1990 hätte Ägypten 100 Millionen (überfällige) Dollar  überweisen müssen, wobei die Nichteinhaltung dieser Zahlung nach amerikanischem Recht zu einem Stopp der US „Militärhilfe“ (etwa 2 Mrd. Dollar pro Jahr, die zweithöchste Unterstützung nach Israel)  geführt hätte, die natürlich in Wahrheit eine Art „corporate welfare“ (versteckte Subvention) für die amerikanische Waffenindustrie darstellt, weil diese Steuergelder der Amerikaner ja wieder in die US-Wirtschaft „recycelt“, also für Einkäufe bei Boeing, Lockheed Martin, Raytheon, etc. ausgegeben werden. (Die Auswirkungen des Golfkriegs insgesamt waren aber für die ägyptische Wirtschaft äußerst negativ)

Und auch die Weltbank ließ sich nicht lumpen: 1992 erhielt Ägypten fast 4 Milliarden Dollar zur Finanzierung diverser Projekte, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln sollten.

Doch wie sieht die neoliberale Bilanz nach fast zwei Jahrzehnten der verordneten Reformen  aus?

Das Wirtschaftswachstum  in Ägypten kann sich sehen lassen:  es bewegte sich in den letzten Jahren zwischen 7 und 4% jährlich und auch die „Investorenfreundlichkeit“ des Landes  wurde gerühmt. Weltbank, IMF und andere Institutionen lobten Mubarak für sein (nicht ganz freiwilliges) Commitment zur neoliberalen Transformation und die EU posiert als „good neighbour“ und bekräftigte dieses Engagement durch Verabschiedung  eines „Joint Action Plan“ mit dem das neoliberale Wachstumswunder Ägyptens auch europäischen Firmen zugute kommen soll.

Unter den sechs am höchsten verschuldeten  Ländern des Nahen Ostens steht Ägypten mit mehr als 30 Milliarden Auslandsschulden an erster Stelle.  Fairerweise muss man sagen, dass umgelegt auf die pro-Kopf-Verschuldung, die Zahl niedrig ist, doch das hilft den Leuten in Ägypten auch nicht weiter, denn die hohe Geburtenrate ist in Zeiten der „Strukturanpassung“ eher ein Damoklesschwert.

Der neoliberale Kurs gilt jedenfalls als Erfolgsstory, so wird voller Stolz gemeldet:

„Ägypten hat seinen Verschuldensgrad (Verhältnis von Auslandsschulden zur Wirtschaftsleistung (BIP)) von 117% im Jahr 1980 auf 36% im Jahr 1998 gesenkt.“ 2002 war das Verhältnis 34%, 2009  nur mehr  15 %  also eindeutig ein sehr positiver  Trend, nicht?

Doch das Verhältnis von Auslandsschulden zu Exporterlösen ist der wichtigste Indikator (denn dort werden ja die notwendigen Devisen eingenommen): hier ist das Verhältnis 66%, (inflationsbereinigt 53%), die Schulden machen also mehr als die Hälfte bzw. zwei Drittel  der Exporteinnahmen aus, Tendenz steigend.)

Die Inlandsverschuldung in Ägypten stieg kontinuierlich an und beträgt derzeit etwa 75% des BIP. Die Inflationsrate ist hoch: offiziell „nur“ 11%, aber  die Preissteigerungen für Nahrungsmittel liegen bei 20%. Die hohen Zinsen (mehr als 11% in Ägypten) bzw. die extrem niedrigen Zinsen in den USA und der EU (die auch die Finanzkrise mit verursacht haben)  begünstigen den „Carry Trade“ und führen so zu gefährlichen Währungsmanipulationen.

Wofür hat denn der Staat diese Schulden gemacht?

Sicher nicht für die Verbesserung der Lebensbedingungen, Investitionen in Infrastruktur, Verbesserung der Chancengleichheit, , etc.

Die „Reformen“ führten also zu verstärkter Polarisierung (Ungleichheit) bei Einkommen und Vermögen, Entrechtung der Armen einerseits und enorme Konzentration wirtschaftlicher Macht andererseits, insbesondere durch „Ausverkauf“ des öffentlichen Eigentums an ausländische Investoren bzw. transnationale Unternehmen, aber auch durch die Entfaltung des „crony capitalism“ innerhalb Ägyptens.

Das Budgetdefizit betrug 2009  etwa 7% des BIP (z. Vergleich: die EU erlaubt nicht mehr als 3%, was aber nicht zu mehr fiskalischer Disziplin, sondern zu mehr Budget-Betrug führte – siehe Goldman-Sachs “Service” für Griechenland)

Dieses Versagen bei der Haushaltskonsolidierung wurde damit begründet, dass der Staat zu viele Ausgaben für die  Unterstützung der Armen hätte (also immer noch zu „sozial“ sei) und man warnte davor, dass dies von der anonymen „internationalen Finanz-Regierung“ entsprechend sanktioniert werden würde:

Es wird erwartet, dass dieses erhöhte Haushaltsdefizit das Vertrauen der Finanzmärkte (Kreditoren)  in die langfristige Stabilität Ägyptens negativ beeinflussen wird.“

Ein Hinterfragen dieses scheinbaren „Arguments“ (zu hohe Sozialausgaben gefährdeten den Wettbewerb bzw. die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts“ – das hören wir ja auch hier)  ist ungeheuer wichtig, weil sich daran demonstrieren lässt, wie der neoliberale Diskurs unser Denken manipuliert.

Durch die neoliberale Politik wurden die Einkommensunterschiede in Ägypten noch größer, die Armut nahm zu, es kam zu einer dramatischen Verteuerung von Lebensmitteln und Energie, während gleichzeitig das Lohnniveau extrem niedrig gehalten wird.

Damit dieses – (von der ökonomischen Theorie) bewusst in Kauf genommene – soziale Elend nicht zu einem Volksaufstand ausartet, müssen die Sozialausgaben  ja bei einem gewissen Niveau gehalten (0der erhöht werden), wenn die Zahl der  „Globalisierungs-Verlierer“ kontinuierlich wächst und sich die Gewinner aus der solidarischen Finanzierung des Gemeinwohls verabschieden und stattdessen Kapital akkumulieren um noch mehr wirtschaftliche Macht zu erlangen.

Public debt that is spent productively on infrastructure and poverty reduction projects can prevent a debt crisis situation from arising.” (UNDP, 2002)

Die Mehrausgaben Ägyptens zur Abfederung der schlimmsten Armut (hohe Subventionen für Grundnahrungsmittel wie Brot, Speiseöl, Hülsenfrüchte, etc.)  waren ja gerade durch die dramatischen Preiserhöhungen für Öl und Weizen und die fehlende Kaufkraft notwendig geworden, also durch die (wirtschaftliche) Auslieferung des Volkes anWeltmarktpreise“ und spekulierende Finanzakteure entstanden.

Das sind aber genau jene Kreise, die sich über die hohen Sozialausgaben beschweren (weil sie Eingriffe in den „Markt“ darstellen und “Eigenverantwortung“ und „Leistungsbereitschaft“ der Menschen untergraben  (Was „leistet“ eigentlich ein Trader oder Investmentbanker für die Gesellschaft, der sein ganzes Leben lang Zahlen und Preise manipuliert und sich um die Folgen in der realen Welt einen Dreck schert, wenn nur der kurzfristige Gewinn hoch genug ist ….?)

Wie immer hatte die politische Umsetzung der neoliberalen Religion negative Folgen für die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, die Nader Fergany, federführender Autor des  Arab Human Development Report (2002-2005) so kommentiert:

„Wir haben die Uhren zurückgedreht, das Land wieder in den gleichen Zustand versetzt, in dem es sich vor der Revolution 1952 befunden hatte: die “Ein Prozent-Gesellschaft“: Ein Prozent der Bevölkerung kontrolliert fast das gesamte Vermögen des Landes.“

Das Lohnniveau in Ägypten ist unglaublich niedrig, auch gut Ausgebildete verdienen sehr wenig, was zu einem „brain drain“ führt: wer kann, geht ins westliche Ausland. Die anderen sind Gefangene eines Wirtschaftssystems, das sie nicht selbst gestalten dürfen (wie wir übrigens auch …).

Die Wirtschaftstheorie, die hier angewendet wird, nennt das den „komparativen Kostenvorteil“ nutzen:  der „Faktor Arbeit“ ist im Übermaß und zu sehr niedrigen Preisen vorhanden, das ist gut für den Kapitalbesitzer den Unternehmer und den „Wirtschaftstandort“.

Der „Mindestlohn“ in Ägypten beträgt weniger als 10 Euro im Monat (unverändert seit 1984)

„Gehobene“ Monatseinkommen bewegen sich zwischen 50 und 100 Dollar, Akademiker verdienen etwa das Doppelte und haben natürlich  auch seit Jahren  Probleme, damit auszukommen. Wie soll man sich mit solchen Hungerlöhnen eine Existenzgrundlage aufbauen? Wie ein bisschen Wohlstand für die Familie erreichen?

Was dieses Lohndumping für die Menschen bedeutet, für ihre sozialen Beziehungen, für ihre Würde (junge Männer in Ägypten können nicht heiraten, weil sie so wenig verdienen) und für ihr Selbstwertgefühl, interessiert die autistische Ökonomie nicht.

Diese „Strukturanpassungen“ wurden anfangs noch zögerlich durchgeführt (Mubarak fürchtete zu Recht Empörung und Aufruhr der verarmten Bevölkerung), doch seit Amtsantritt der Regierung Nazif im Jahr 20o4  hat man „die Samthandschuhe“ ausgezogen und die Reformen beinhart durchgezogen, zum Wohle der Reichen:

Der Höchstsatz der Einkommenssteuer wurde halbiert, sodass ein Multimillionär in Ägypten jetzt den gleichen Steuersatz hat, wie die Millionen Ägypter, die  weniger als 500 Euro im Jahr verdienen. Die Gründung von „Sonderwirtschaftsszonen“ (wo sklavenähnliche Bedingungen herrschen, ähnlich wie in China oder Mexico) führte zu einem Investment-Boom aus dem Ausland. Diese  „QIZ“ drückten das ohnehin schon erbärmliche Lohnniveau (zB in der Textilindustrie) noch weiter nach unten.

Dafür gab es Lob der Business-Presse, und natürlich der IFIs  quasi „für gutes Benehmen“ (Lektion Nr.1: Vertrauen der Finanzmärkte (Investoren) wichtiger als Vertrauen der Bevölkerung) – selbstverständlich in der Hoffnung auf den „trickle down“ Effekt, den mittlerweile sogar Warren Buffet als Märchen entlarvt hat:

Für die große Mehrheit der Ägypter war das erträgliche Maß an sozialer Ungerechtigkeit damit endgültig überschritten.

Eine Welle von Protesten und Streiks überzog das Land, die sich gegen das Lohndumping und die gleichzeitigen Preissteigerungen richteten, aber auch auf dem Land kam es durch die Reformen (Ackerland wurde zur Ware) zu großen Umwälzungen mit verheerenden Folgen für die Bauern, (mehr dazu im nächsten Beitrag)

„Was sagen Sie (als Ökonom)  einem Mann, der das Essen für seine Familie nicht mehr bezahlen  kann, ohne jede soziale Absicherung, ohne Hoffnung auf Verbesserung seiner Lebensumstände oder der Chancen für seine Kinder  – Sei doch froh, das Wirtschaftswachstum ist  7%?“

Manfred Max-Neef [zum  fälligen  Offenbarungseid der neoliberalen Ökonomie]

FAZIT: Das Ergebnis des  „Wachstumswunders“  für den Großteil der Bevölkerung?

Auf dem „Human Development Index“ der UN steht Ägypten auf Platz 101  von 177 Ländern …

Selbst die Weltbank, die seit Jahrzehnten (angeblich und kontraproduktiv) für “eine Welt ohne Armut” arbeitet, hat die üblichen Statistiken zu bieten, die die Einkommenspolarisierung deutlich machen: Die obersten 20% haben ihr Einkommen weiter gesteigert, während die untersten 40% noch ärmer wurden.

Am Anfang der “Umstrukturierung” lebten 20% der Bevölkerung von weniger als 2$ am Tag, heute sind es 40%. Während der größten Wachstumsphase   stieg die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen von 16 auf 20%.

Ein Kommentar im Guardian 2009  formulierte den Irrsinn  so:

„Während sich also Millionen Menschen fragen, wie sie aus der Armutsspirale wieder rauskommen können, beglückwünscht sich die Regierungspartei zum erfolgreichen Tragen jener wirtschaftlichen Zwangsjacke, die die neoliberalen „Designer“ im Westen (allen voran die USA) für sie entworfen haben …“

Zwei Drittel der Ägypter sind jünger als 30 Jahre und genau diese Gruppe macht den höchsten Anteil der Arbeitslosen aus:  mehr als 85%.  Viele die Arbeit haben, sind „underemployed“ (also unterbeschäftigt) und die einzigen „sicheren“ Jobs waren die im öffentlichen Dienst, doch der wird natürlich auch „verschlankt“ im Rahmen der  Strukturreform, wodurch noch mehr „überflüssige“ junge Männer für sozialen Zündstoff sorgen.

Diese Frustration zu ventilieren,  bzw. sich für Veränderungen politisch zu engagieren, war  angesichts der repressiven Methoden Mubaraks lange Zeit kaum möglich.  Doch dieses Gefühl des Ausgeliefertseins (gegenüber einer  diktatorischen Wirtschaftspolitik, die von außen vorgeschrieben wird und im eigenen Land zu mehr Ungleichheit  und politischer Entmachtung der Bevölkerung führt) ist auf Dauer unerträglich und es genügt früher oder später ein Funke, damit der soziale Zündstoff explodiert (Hunger und Entwürdigung hatten hier wohl die größte Sprengwirkung)

Mubarak einfach durch einen anderen „Klienten“ der USA bzw. treuen Diener der Finanzmärkte   zu ersetzen, wird den Ägyptern nichts nützen. Ein gewaltiger Paradigmen- und Machtwechsel müsste hier stattfinden, damit die Bevölkerung ihre Wirtschaftspolitik wieder selbst in die Hand nehmen kann. Wir sollten sie dabei unterstützen und ebenfalls auf die Straße gehen, denn …

…die Argumente für den kontinuierlichen Abbau des Sozialstaats (zugunsten einer weiteren Konzentration von Vermögen und Einkommen an der Spitze)  sind auch hier die gleichen (auch wenn die ökonomischen Verhältnisse sehr unterschiedlich sind) …

Wirtschaft für Dummies oder Wohin mit dem Giftmüll?

DAS IGNORIERTE DILEMMA DER INDUSTRIE…

…GESELLSCHAFT

Noch ein Wort zu den PCB (die überall sind, nicht nur in „verseuchten“ Eiern …

Als die Stromversorgung sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts rasant ausbreitete, wurde die Elektrizitätswirtschaft ein Hauptabnehmer für PCB . Ihr großer „Wert“  für die Industrie besteht in ihrer chemischen Beständigkeit, Hitzebeständigkeit, Nicht-Brennbarkeit, keiner elektrischen Leitfähigkeit, niedrigem Dampfdruck etc. und natürlich der kostengünstigen Herstellung großer Mengen. Aber auch für andere Bereiche wurden PCB  verwendet: für die Herstellung von Schmierstoffen, als Abdichtmasse für die Bauindustrie, für Klebstoffe, Kunststoffe, Gummiprodukte, Insektizide, Lacke etc.

Bis zum Ende der 1980er Jahre wurden pro Jahr etwa 30.000 Tonnen PCB produziert (ohne die UDSSR), und jahrelang machte sich niemand Gedanken, wie sich denn diese (und natürlich auch andere) in riesigen Mengen anfallenden, neuen, „maßgeschneiderten“ Substanzen in der Natur verhalten würden ….

Darin manifestiert sich die Idiotie unserer „Wirtschaft“ und der ihr zuarbeitenden „Forschung“ am deutlichsten: man „entwickelt“ etwas auf dem Reißbrett, im Labor, bzw. heute mit „Computersimulationen“ und alles konzentriert sich nur darauf, ob man die gewünschten Eigenschaften oder Anwendungen realisiert hat. Dann wird die „Innovation“ quasi ins „Freie“ entlassen, wo sie sich über kurz oder lang als Störfaktor in einem hoch-komplexen, dynamischen System bemerkbar macht und meistens als dauerhaftes Dilemma endet, das nicht lösbar ist, sondern immer neue Probleme nach sich zieht (siehe Asbest, Atommüll, Pestizide, PCB (die ganze Chlorchemie), „plastic planet“, die Auto-Industrie, etc.)

Die Natur hingegen, entwickelt  und konstruiert „in the field“, jede „Innovation“ muss sich dort ins übergeordnete System einfügen bzw. führt eben als Antwort auf geänderte  Systembedingungen zu einer Weiterentwicklung (höheren Ordnung).

Doch viele jener Eigenschaften, die PCB ideal für industrielle Anwendungen machen, verursachen ein unlösbares Problem, wenn sie  in den natürlichen Produktionskreislauf, also die Natur gelangen und damit letztlich in unsere Nahrung und Körper. PCB verbinden sich mit organischen Bestandteilen des Bodens, biologischen Geweben oder mit gelöstem, organischem Kohlenstoff in Wassersystemen.

PCB verflüchtigen sich trotz ihres niedrigen Dampfdrucks leicht von Wasseroberflächen, teilweise wegen ihrer hydrophoben (Wasser abweisenden)  Eigenschaften. Ihre chemischen Eigenschaften begünstigen den Transport über große Distanzen, so wurde es möglich, dass PCB sogar in der Arktis (weit entfernt von jeder Produktionsstätte)  in der Luft, im Wasser und in Lebewesen nachgewiesen wurden.

Die Hinweise verdichten sich, dass diese Allgegenwart der PCB in der Natur bei Tieren zu Fortpflanzungsstörungen führt und deren Immunsystem schwer schädigt. Ebenso werden die Leber, der Verdauungstrakt und die Schilddrüse sowie die Haut in Mitleidenschaft gezogen. Die IARC hat PCB als wahrscheinlich krebserregend beim Menschen eingestuft.

Obwohl die Produktion seit Ende der 1970er Jahre offiziell eingestellt wurde, sind die PCB weiterhin ein Riesenproblem. Erstens, weil noch immer ein beträchtliche Menge davon verwendet wird (z.B. durch lange Lebensdauer der Transformatoren) und weil für die Verwendung „in geschlossenen Systemen“ in vielen Ländern eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde. Es sind noch große Mengen „auf Lager“, die auf ihre „Entsorgung“ warten, aber auch vielerorts  relativ hohe Konzentrationen im Boden.

Am 17. Mai 2004 wurde die völkerrechtlich bindende Konvention von Stockholm von 151 Staaten (aber nicht von den USA) unterzeichnet.  Ihr Ziel ist Herstellung, Verwendung von und Handel mit POP (persistente, organische Gifte) schrittweise zu eliminieren und damit ihre schädliche Wirkung auf Gesundheit und Umwelt zu reduzieren.

Zu diesen 12 POP (auch als “dreckiges Dutzend” bezeichnet) gehören auch die PCB. Doch beträchtliche Mengen an PCB sind immer noch in Verwendung (vor allem in den Entwicklungsländern, aber auch bei uns – anscheinend konnte man es der Industrie nicht zumuten, sie zu ersetzen. Außerdem gibt es bedenkliche Hinweise darauf, dass die Produktion der PCB in manchen Ländern weitergeht.

Die neue Art, Fisch zu essen ...Die Unterzeichnerstaaten haben sich allerdings verpflichtet, den Einsatz von PCB in der Industrie  bis 2025 ganz einzustellen und bis 2028 „dezidierte Bemühungen“ zur verantwortungsvollen Beseitigung dieser Abfälle zu unternehmen. Wohin sollen z.B. tausende mit PCB „kontaminierte“ Transformatoren? Die können nicht einfach zerlegt oder gar „recycelt“ werden und die enormen Arbeits- u. Umweltschutzvorkehrungen beim Handling kosten natürlich viel Geld, das sich manche Betriebe einfach „sparen“ (siehe dazu den Monitor-Report über den Skandal bei Envio).

Wie sollen diese gefährlichen Altlasten also „entsorgt“ werden? Die Umweltbehörde der Vereinten Nationen, UNEP hat zu diesem Thema  verschiedene Publikationen aufgelegt, u.a. welche Beseitigungs-Kapazitäten für PCB es weltweit überhaupt gibt. Dazu wurden international tätige Unternehmen befragt.

Der (Kosten-) Wettbewerb zwischen den „Abfallbeseitigern“ führt natürlich auch dazu, dass die billigsten die meisten Aufträge bekommen und um billig sein zu können, müssen Umweltstandards und gesetzliche Vorschriften umgangen werden oder noch besser, man gründet ein solches Unternehmen in Ländern, die „Umweltschutz“ nicht kennen bzw. eben wieder wegen des „Standortwettbewerbs“ zwischen den Ländern, Umweltschutz klein schreiben, damit sie für  Investoren „attraktiv“ sind.

An dieser Stelle sollte auch betont werden, dass der (neoliberale Kampf-) Begriff „Wettbewerb“  bei uns im Diskurs fälschlicherweise nur positiv besetzt ist. Man soll an sportliches Kräftemessen denken, der Beste möge gewinnen, etc. aber die Wahrheit sieht völlig anders aus: denn

  • erstens ist die Teilnahme am „Wettbewerb“ erzwungen,
  • zweitens gibt es extreme Ungleichheit der „Startbedingungen“ (Marktmacht und politischer Einfluss,: „gedopte“, bestens Trainierte und Ausgerüstete treten gegen „Kranke und Geschwächte“ an) und
  • drittens beschäftigt sich niemand damit, was das eigentliche ZIEL des Wettbewerbs ist und wer die Bedingungen festlegt (Wettbewerb in welcher Hinsicht? Welche Eigenschaften muss der „Sieger“ haben, um zu gewinnen? Welche Methoden muss er anwenden, um stärker zu sein als die anderen Konkurrenten? Die niedrigsten Kosten, die geringsten Umwelt und Sozialstandards, die wenigsten Skrupel, unmoralisch zu handeln? Wobei in letzter Konsequenz die Menschlichkeit selbst auf der Strecke bleibt … (sie fördert nicht den „Sieg“ über die anderen …)

Laurence Summers, Geburtshelfer für die verheerende „Liberalisierung der Finanzmärkte“  und bis vor kurzem „Chief  Economic Advisor“ von Präsident Obama, hat die perfide Marktlogik auf den Punkt gebracht, als er sein berühmtes „Memo“  als ehemaliger Chefökonom der Weltbank, verbreitet hat (hier ein Auszug daraus:

Just between you and me, shouldn’t the World Bank be encouraging MORE migration of the dirty industries to the LDCs [Less Developed Countries]?

 

Die Weltbank sollte also die Auslagerung von Industriezweigen, deren Emissionen besonders schädlich sind, in die  Entwicklungsländer (vor allem Afrika) forcieren. Es wäre demnach doch nur logisch, unseren Giftmüll dorthin zu exportieren bzw. die „dirty industries“ dorthin zu verlegen. Summers  eiskalte  Kostenlogik ist schockierend:

„Die Kosten für Gesundheitsschäden durch Umweltvergiftung hängen von der Höhe des entgangenen Gewinns ab (durch erhöhte Krankheits- und Sterberaten). Aus dieser Perspektive sollte ein bestimmter Anteil der gesundheitsschädlichen Produktion in Ländern mit den niedrigsten Kosten stattfinden, das sind jene mit den niedrigsten Löhnen. Ich denke, dass die ökonomische Logik, die hinter diesen Überlegungen steht  – eine Ladung giftiger Abfälle in (den ärmsten) Niedrigstlohn-Ländern abzuladen – genial ist und wir sollten uns darauf einstellen …“

Die mediale Empörung nach dieser Meldung war groß, doch viele haben sich an Summers’ „Empfehlungengehalten, man ja sogar von einer gewissen Routine sprechen,   auch  im Auftrag von Staaten

Aber auch Deutschland importiert den Sondermüll aus anderen Ländern ..

Das Schöne ist, dass sich diese  dubiosen Aktivitäten „positiv“ in der Wirtschaftsbilanz auswirken, sie vergrößern das BIP, weil ja die Müllverbrennung „Umsatz“ generiert … die Schäden und Risiken fließen in die Bilanz nicht ein …. Wenn das kein  Wahnsinn ist, was dann?

Umweltbundesamt: Wohin mit dem Gift?

Die Menge der gefährlichen Abfalle hat sich von 1996 bis 2004  in Deutschland mehr als verdoppelt: von 9,6 Mrd. Tonnen auf mehr als 20 Milliarden Tonnen. Nicht erfasst wurden dabei die innerbetrieblich entsorgten Abfallmengen sowie die grenzüberschreitenden Verbringungen (Importe und Exporte nach/aus Deutschland).  Auch die illegale „Entsorgung“ ist natürlich nicht erfasst, man weiß aber, dass sich dieser neue „Geschäftszweig“ als äußerst lukrativ für das organisierte Verbrechen erwiesen hat (das sich immer schwerer von der „Abfallwirtschaft trennen lässt …)

Bei einer Verdopplung des (offiziellen) „Giftmülls“ in weniger als 10 Jahren, können wir uns ausmalen, welches Horrorszenario sich hier für unsere Kinder auftut. Doch diese massiven und dauerhaften Probleme werden von „Wirschaftsexperten“ ebenso ausgeblendet, wie von Politikern. Würde man sich ständig und öffentlich damit befassen, wäre der „nackte Kaiser“ der Ökonomie ja enttarnt: das dämliche Starren auf „Wachstumszahlen“  als oberster Handlungsparameter, aber die völlige Vernachlässigung ökologischer Langzeitschäden, zunehmender Gesundheitsgefährdung und steigender Umweltkriminalität, – all das taucht in der wirtschaftlichen Rechnung gar nicht auf (siehe dazu Herbert Gruhl, schon 1979: Ein Planet wird geplündert), von der Verletzung der Menschenrechte (vor allem in den Entwicklungsländern) und der demokratischen Grundsätze ganz zu schweigen.

Dass unter Merkel, 40 Jahre später auch noch ein „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ verabschiedet wurde, ist an Idiotie nicht mehr zu übertreffen … Selbst die Taliban kommen an diese Art quasi-religiöser Indoktrination nicht mehr heran …

Natürlich gibt es keine echte „Entsorgung“ dieser Stoffe, sie werde entweder einfach deponiert oder verbrannt (dabei entstehen natürlich wieder Schadstoffe und Reste). Eine Verwahrung bzw. Behandlung nach den gesetzlichen Vorschriften ist jedoch sehr teuer, und nachdem die Unternehmen nur der Profitmaximierung als oberster Maxime verpflichtet sind, und ja ihre Investoren mit immer höheren Renditen bedienen müssen, gleichzeitig aber Preissteigerungen vermeiden sollen, um konkurrenzfähig zu bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich gezwungen sieht, den gefährlichen Abfall auf illegale Weise zu „entsorgen“. Die kapitalistische Logik erreicht dabei ihren perfiden Höhepunkt, wenn man damit auch noch  Profit machen kann.

So hat zB die Aluminiumindustrie in Australien den roten Schlamm, den sie in Millionen Tonnen hinterlässt („Red Mud“ – den die EU als nicht-gefährlichen Abfall klassifiziert hat!), den dortigen Farmern in einer bestimmten Region „zur Verfügung gestellt“, angeblich um damit die Auswaschung von Phosphor aus dem Boden zu minimieren. Der Schlamm ist hoch alkalisch (ätzend), enthält giftige Schwermetalle, Dioxine und radioaktive Stoffe wie Uran und Thorium. Alcoa behauptete einfach, diese Metalle seien „gebunden“ und somit ungefährlich, die Radioaktivität hat man natürlich verschwiegen oder bagatellisiert. Schließlich hat man es sogar geschafft, den Farmern Geld dafür abzunehmen …. (bei uns wurde ja auch Klärschlamm als „Dünger“ verkauft…) – und das ist der Hammer – nachdem die australischen Behörden Alcoa von jeder Haftung für „falsche Anwendung“ und damit Schadenersatz  ausgenommen hatten.

Andere Methoden der „Entsorgung“ bestehen darin, dass man den Alu-Schlamm in der Bauindustrie verwendet (als Beimischung zu Beton, oder gar um daraus „Ziegel“ herzustellen. In Australien wurde dieses Experiment abgebrochen, weil man erhöhte Radioaktivität in diesen Gebäuden feststellte (bei den Ziegeln). Doch eine „Beimischung“ zu anderen Baumaterialen wird als harmlos angesehen.

Wer „entsorgt“ denn nun in Deutschland die PCB? Von den 42 Unternehmen, die der UNEP-Report erfasst hat, befinden sich allein 11 in Deutschland (die höchste Dichte weltweit).

  • AGR EntsorgungGmbH45699 Herten, (NRW)
  • AVG Abfallverwertungs-Gesellschaft mbH, 22113 Hamburg
  • Bayer Industry Services GmbH & Co.KG, 51368 Leverkusen
  • Dr.Bilger Umweltconsulting GmbH, 63457 Hanau
  • Envio Germany GmbH (ABB Services), 44147 Dortmund
  • GSB Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH, 85107 Baar
  • HIM GmbH Hazardous Waste Incineration Plant, 64584 Biebesheim (HS)
  • TRV Thermische Rückstandsverwertung GmbH & Co.KG, 50389 Wesseling (NRW)
  • RWE Umwelt-Sonderabfallgesellschaftm.b.H., 49565 Bramsche
  • SAVA Sonderabfallverbrennungsanlagen GmbH, 25541 Brunsbüttel (SH)
  • Prantner GmbH Verfahrenstechnik, 72770 Reutlingen

(Quelle: UNEP)

Interessant dabei ist, dass einige davon Tochterfirmen genau jener Firmen sind, die selbst zu den Problemverursachern gehören, also große Mengen PCB einsetzen:  z.B Envio (Tochter von ABB), Bayer, oder RWE. So bleibt alles in der „Familie“ … (die Gewinne der „Tochter“ sind Kosten der „Mutter“ und reduzieren natürlich deren Steuerlast)

Die Mehrzahl dieser Firmen „beseitigt“ die giftigen Abfälle durch Verbrennen bei hohen Temperaturen. Nur zwei verwenden (auch) andere Methoden: Envio und Dr. Bilger.

Die Stockholmer Konvention „verbietet“ „zerstörungsfreie“ Methoden, die das Recyclen, also die Wiederverwendung bzw. alternative Verwendung der POP ermöglichen. Doch welche Gemeinde möchte solche Verbrennungsanlagen vor ihrer „Haustür“ haben? Außerdem gibt es Stimmen aus der Wissenschaft, die die Ansicht vertreten, dass bei der Verbrennung zwar die Menge des Giftmülls erheblich reduziert wird, aber dabei neuartige giftige Rückstände entstehen, die noch gefährlicher sind, als die alten. Um solche enormen Temperaturen erzeugen zu können (über 1000 Grad), braucht man natürlich wieder viel Energie (zusätzliche Umweltbelastung) und es geht das Gerücht, dass so mancher Verbrennungsofen nachts mit geringeren Temperaturen gefahren wird, um Kosten zu sparen …

Die Kosten für diese „Abfallentsorgung“ in Deutschland variieren (je nach PCB-Gehalt und Art) zwischen 300 und 2500 Euro pro Tonne. Insgesamt werden hunderttausende Tonnen jedes Jahr angeliefert und verbrannt. Die Kosten für die „Entsorgung“ sind also enorm. Da nimmt es nicht Wunder, wenn so mancher Unternehmer – konsequent der Profitlogik folgend – versucht, sich diese Kosten zu ersparen und kriminelle Wege geht …

Darf’s ein bisschen mehr krankmachendes Industriefett für die Hühnerzucht und Schweinemast sein? Da spart doch auch der Futtermittelhersteller an den Kosten und kann mehr Profit machen …. (solange es niemand merkt).

Das Problem, dass giftige Industrieabfälle in der Nahrungskette landen, kann also keinesfalls durch „mehr Kontrollen“ gelöst werden (es wird ja bereits als normal akzeptiert: denn nicht das Vorhandensein von Dioxin an sich ist der Skandal, sondern nur, dass die (auf wackeligen Beinen stehenden) Grenzwerte überschritten wurden), sondern nur durch die Einsicht, dass unser nur am privaten Profit orientiertes Wirtschaftssystem idiotisch und irrsinnig ist, weil es verheerende Folgen wie massive Umweltzerstörung, grauenvolle Tierquälerei in großem Maßstab, schleichende Vergiftung unserer eigenen Nahrung, aber auch Zerstörung des sozialen Zusammenhalts, der menschlichen Solidarität, die zunehmende Polarisierung von Einkommen und Vermögen entweder völlig ausblendet oder als „rational“,„effizient“ und „wachstumsfördernd“  verschleiert.

Solange unsere Politik auf dem Altar des Wachstums den „Gott des Marktes“ anbetet, haben wir keine Chance, unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft zu hinterlassen (überhaupt wäre es angebracht, in nächster Zeit keine Kinder in die Welt zu setzen … was ihnen in den nächsten 50-100 Jahren bevorsteht, kann man sich nur in den schwärzesten Farben ausmalen ….)

Wie verrückt es ist, das „Bruttoinlandsprodukt“ (GNP oder BIP, also dessen Steigerung) als obersten Maßstab für „erfolgreiches“ Wirtschaften bzw.  gelungene Wirtschaftspolitik anzusehen, hat Robert Kennedy bereits 1968 in einer Rede vor der Universität von Kansas klargemacht:

Die Worte sind von unglaublicher Aktualität:

„Es scheint, wir haben schon zu lange und in viel zu hohem Maße,  persönliches Engagement  und Gemeinschaftswerte einer totalen Konsumorientierung (der reinen Anhäufung materieller Dinge) geopfert.

Unser GNP beträgt derzeit mehr als 800 Milliarden Dollar pro Jahr …  doch können wir uns danach bewerten lassen?

dazu zählen Luftverschmutzung, Zigarettenwerbung, und Rettungsfahrzeuge, die blutende Unfallopfer von unseren Straßen aufsammeln …

dazu zählen  Spezialschlösser für unsere Türen und die Gefängnisse für jene, die sie aufbrechen …

dazu zählt die Zerstörung unserer Wälder und der Verlust unserer Naturwunder durch ausufernde Zersiedelung …

dazu zählen Napalm und atomare Sprengköpfe, und gepanzerte Fahrzeuge für die Polizei, die Aufruhr in den Straßen bekämpft …

es zählt das Gewehr der Firma Whitman, und das Messer der Marke Speck und die Fernsehprogramme die die Gewalt verherrlichen, um solches Spielzeug an unser Kinder zu verkaufen …

Doch das GNP berücksichtigt nicht ….

die Gesundheit unserer Kinder, die Qualität ihrer Erziehung oder die Freude ihres Spielens …

die Schönheit unserer Poesie oder die Dauerhaftigkeit unserer Ehen …

die Intelligenz mit der wir öffentliche Debatten führen oder die Integrität unserer Beamten  …

es wird darin weder unser Geist noch unser Mut erfasst  …

weder unsere Klugheit noch unsere Bildung …

weder unser Mitgefühl noch unsere Hingabe für unser Land …

kurz gesagt, es zählt alles, nur das nicht, was das Leben lebenswert macht ….

Kein Wunder, dass der Mann ermordet wurde …

Auch der Ökonom Manfred Max-Neef hat verstanden, worum es wirklich geht:

„Niemals zuvor gab es eine solche Anhäufung von Wissen wie in den letzten 100 Jahren. Aber was hat es uns genutzt? Was haben wir damit gemacht? Haben wir um selbst gemachte Probleme zu lösen, nicht hundert neue erschaffen?

„Wissen“ ist nutzlos, was wir brauchen ist „Verstehen“ (Einsicht und Erkenntnis).

„Wir brauchen ein komplett neues Konzept der Wirtschaft. Dieses System ist verrückt und giftig. Ich bin selbst Ökonom, aber ich kämpfe seit fast 40 Jahren dagegen an, wie Ökonomie gelehrt und praktiziert wird. Es sind alles künstlich fabrizierte Theorien: wenn das Modell in der Praxis nicht funktioniert, heißt das nicht, dass das Modell eben falsch ist, Nein!  Es bedeutet, dass die Realität „fehlerhaft“ ist! Also muss die Realität geändert werden, damit sie in das Modell passt! Das ist die Einstellung! Heute wird neoklassische Ökonomie gelehrt, das sind Theorien, die aus dem 19 Jahrhundert stammen! Und damit sollen wir Probleme im 21. Jahrhundert lösen? Das ist doch einfach absurd ….

Mehr Info:  Grenzen des Wachstums

Erich Fromm: Wege aus einer kranken Gesellschaft / To Have or To Be

Karl Polanyi: The Great Transformation

Steve Keen: Debunking Economics

Thomas Frank: One Market Under God

Message  an Banker und Wachstumsfanatiker: (indianische Weisheit / altes Greenpeace-Motto )

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen, der letzte Fluss vergiftet ist … werdet ihr begreifen, dass man Geld nicht essen kann“