Ukraine (4): Goebbels in Galizien

WOHER KOMMEN DIE NAZIS IN DER UKRAINE? WER HAT SIE STARK GEMACHT UND ZU WELCHEM ZWECK?

Nazis Made in USADiese Frage sollte in der Presse an erster Stelle stehen, doch davon ist nicht viel zu sehen. Stattdessen wird weiterhin die Angst vor dem „bösen“ Putin und der „Aggression“ Russlands geschürt und von den geo-politischen Hintergründen im Kontext des US-Imperialismus abgelenkt.

Wir gehen daher selbst auf Spurensuche und dabei hilft uns der schwedische Historiker Dr. Per Anders Rudling. Mit seiner prägnanten Analyse versucht er Antworten auf folgende, wichtige Fragen zu finden:

  • Warum wurde der Nationalismus in der Ukraine (vor allem in Galizien) nach 2004 so extrem und von wem wurde er gefördert?
  • Welches politische Klima hat Svoboda an die Macht gebracht? Welche Ideologie treibt die Partei an?

Rudling profilEr zeigt auf, wie (der selektierte Präsident und „orange-braune“ Freund des Westens) Juschtschenko, seit 2004 das „Management“ der historischen Erinnerung zur Rehabilitation der Ultra-Nationalisten aus den 1930er Jahren benutzt hat. Hier einige Beispiele dafür, wie die Manipulationskampagne – die man nur als systematische Volksverhetzung bezeichnen kann – die nationalistische Stimmung in der Ukraine (vor allem im Westen) so aufheizte, dass die Neo-Nazis immer mehr Zulauf bekamen:

MINISTRY OF TRUTH: Juschtschenko erfindet die Geschichte neu

Kaum im Amt, lancierte der neo-liberale Zentralbanker und „Freund“ der USA, Juschtschenko eine historische Propagandaoffensive, die Goebbels neidisch gemacht hätte. Man könnte aber auch staatlich angeordnete „Geschichtsfälschung“ dazu sagen:

„Er gründete das „Institut für Nationale Erinnerung“, wies den Leuten, die die Archive des ehemaligen KGB verwalten, Propagandaaufgaben zu und unterstützte die Schaffung eines „Museums der Sowjetischen Besatzung“ in Kiew. Volodymyr Viatrovych (VV) wurde zum Verwaltungsdirektor der KGB-Archive ernannt (nun zum Geheimdienst der Ukraine, SBU gehörend). VV kombinierte seine Position als staatlich-ernannter „Erinnerungs-Manager“ mit ultra-nationalen Aktivitäten („ultranational“ ist ein Code-Wort für Neo-Nazis).

"Bandera-Jugend" die Nazis der Zukunft ..

„Bandera-Jugend“ die Nazis der Zukunft ..

Er war Direktor einer OUN-B freundlichen Tarnorganisation (front group), dem „Zentrum für das Studium der Befreiungsbewegung“: staatliche Institutionen verbreiteten nun eine „sterilisierte“ Version der dunkelsten Kapitel der ukrainischen Geschichte, in der die Kollaboration der „ukrainischen Patrioten“ mit den Nazi-Massenmördern schlichtweg totgeschwiegen oder als Akt der Befreiung präsentiert wurde. Stattdessen wurden ihre Anführer als Nationalhelden und Märtyrer mit Heiligenschein dargestellt, die für ihre patriotische Gesinnung viel Unrecht erlitten hatten.

Diese [Lügen-] Konstruktion eines nationalen Mythos unter Juschtschenko hatte zwei tragende Säulen:

  1. Die einseitige Dämonisierung der Sowjetunion (Die Hungersnot 1932-1933 mit 2-3 Millionen Toten, wurde als geplanter Genozid Stalins dargestellt)
  2. Der Heroische Kult Der OUN-B / UPA und ihrer Anführer (was das ist – siehe letzten Beitrag)

Die „Erinnerungsmanager“ stellten der „mörderischen“ Herrschaft der UdSSR das „selbstlose Heldentum“ der OUN-UPA gegenüber und erzeugten so in den Köpfen der indoktrinierten Jugendlichen einen Mythos, der dann auch noch mit göttlicher Gerechtigkeit assoziiert wurde: Das Leiden während der Hungersnot, der tapfere „Widerstand der patriotischen Nationalhelden“ (wie die Nazi-Kollaboration geschönt wurde) und schließlich die „Erlösung“ durch die ausgerufene Unabhängigkeit 1991.

Alles was die finstere Vergangenheit der ukrainischen „Nationalhelden“ in ein schönes, moralisches Licht stellte, wurde somit als „wahre“ Geschichte des Landes präsentiert, während widersprechende Darstellungen anderer Historiker als „sowjetische Märchen“ denunziert wurden. Der SBU-Direktor unter Juschtschenko, Valentyn Nalyvaitschenko, begründete diese Vorgangsweise so: „ … um die ukrainische Geschichte von Lügen und Fälschungen zu befreien“.

Der fanatische Judenhass der OUN und ihre Beteiligung am Holocaust wurden ebenso ignoriert, wie ihre faschistische Ideologie. Die Mitglieder der OUN wurden als demokratische, pluralistische, ja sogar rechtschaffene Erretter der Juden dargestellt …“

Ivan Franko National University_LvivBuchläden in der Ukraine führten häufig „anti-semitische“ Literatur, die den Holocaust leugnet, aber auch in akademischen Kreisen wurde die Grenze zwischen historischer Analyse und Neo-Nazi Propaganda zunehmend unscharf. Die ideologische Infiltration der Universitäten wurde mit „völkischem“ Eifer vorangetrieben. Die Nationale Ivan Franko Universität in Lviv ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Erfolg des akademischen Umerziehungsprogrammes. Sie beschreibt ihre zentrale Aufgabe so:

Die Formung eines ukrainischen, nationalen Selbstbewusstseins und nationaler Würde, die Liebe für die Heimaterde und ukrainische Traditionen, die Ausbildung einer national-bewussten, intellektuellen Elite und die Bewahrung des intellektuellen Gen-Pools der Nation …die Erneuerung der historischen Erinnerung . die Kultivierung der besten Charaktereigenschaften der ukrainischen Mentalität … sowie körperliche und geistige „Abhärtung“ [Kontseptsiia national’noho vykhovannia]

war criminal Bandera our hero

Bandera Bild in einer Parade

Der Höhepunkt von Juschtschenkos „Geschichtspolitik“ war die offizielle Ernennung Stepan Banderas zum „Nationalhelden“. Von Seiten der „liberalen“ Intellektuellen gab es kaum Proteste, einige bestritten die Nazi-Kollaboration der OUN-B und betonten stattdessen die „nationale Solidarität und das idealistische Engagement für gemeinsame Werte und Ziele“.

2010 erklärt das Simon Wiesenthal Center in einer Presseaussendung seine „tiefste Abscheu“ vor der Entscheidung des ukrainischen Präsidenten (Wunschkandidat der USA), den Kriegsverbrecher Bandera posthum zum „Helden der Nation“ zu erklären. Auch das europäische Parlament verurteilt die Ehrung dieses Massenmörders als inkompatibel mit „europäischen Werten“.

N.B. Juschtschenko ist der Mann, der in unseren Schafs-Medien als personifizierte Demokratie im Rahmen der „Orange Revolution“ hochgehalten wurde (bzw. wird), als „Opfer“ russischer Intrigen (PR-Märchen von der Dioxinvergiftung- vom Wiener Krankenhausarzt widerlegt) präsentiert wurde, der 2004 nach angeblich „gefälschten“ vorhergehenden Wahlen (was auch eine PR-Lüge war) zum Präsidenten gewählt wurde und für die „Werte des Westens“ stand.

Dieser Mann hat einen faschistischen Ideologen zum Nationalhelden erhoben und dafür gesorgt, dass die „Orange“ bald sehr braun wurde … Es war jedoch Janukowitsch, (der heute in unseren Medien als autoritärer Mistkerl hingestellt wird und vor den Horden des „Maidan“ flüchten musste), der Bandera den Ehrentitel wieder aberkannte .. Wer ist hier also der Schurke?

Dass unsere „Journ-autisten“ sich routinemäßig als Instrumente der Desinformation und Volksverdummung hergeben, ist ein Skandal, der gar nicht laut genug angeprangert werden kann … „Pressefreiheit“ für Idioten …!

FUN & GAMES: NATIONALISTISCHE „UNTERHALTUNG“ (im Westen der Ukraine)

Wie Hitler im ersten Weltkrieg von der britischen Regierung gelernt hat bzw. richtig erkannte, muss Propaganda immer an das „Zielpublikum“ angepasst werden. Also spezielle Informationsprogramme und „Institute“ für die Intellektuellen und eher die panem et circenses Variante für die (verdummten) Massen. Diesem bewährten Rezept folgten auch die ausländischen PR-Strategen in der Ukraine:

Bandera footballAm 30. Juni 2011, dem 70. Jahrestag der deutschen Invasion, wurde das historische Ereignis in Form eines „Festivals“ nachgestellt: Eltern mit kleinen Kindern begrüßten strahlend und mit Fähnchen in der Hand Männer in SS-Uniformen und bei Fußballspielen in Lviv werden 2010 riesige Transparente mit Banderas Konterfei hochgehalten. „Unser Held“ hat auch posthum erreicht, dass diese Anhänger Lviv (früher: Lemberg) in „Banderstadt“ umbenannt haben.

Nationalistische Rituale und die Instrumentalisierung der historischen „Erinnerung“ erfüllen mittlerweile auch kommerzielle Zwecke, denn die PR-Berater der Neo-Nazis (bzw. ihrer Sponsoren) haben sich mit Unternehmern zusammengetan, um ihre „Geschichte“ auf populäre Art zu verbreiten.

Es gibt seit 2007 ein „Themen-Restaurant“ in Lviv, das Kryivka (Schlupfwinkel – einem Partisanenbunker nachempfunden), das „Deko-Motiv“ ist natürlich die OUN-UPA – patriotisch verklärt. An den Wänden hängen überlebensgroße Bilder von Bandera, auf der Toilette wird der Gast mit Texten von russischen und jüdischen „Anekdoten“ unterhalten. Klopft man an die Tür, wird man von einem Typen mit einem Gewehr aus dem zweiten Weltkrieg empfangen und muss das richtige „Codewort“ (Slava Ukraini!) wissen, um reinzukommen. Unter der Rubrik “Unsere Mission” heißt es auf der Homepage:

To create a unique scope of emotions and impressions, to make itself [sic], the city and the country better.” (!)

„Einzigartige Gefühle“ (der Übelkeit) empfindet man auch, wenn man folgende Informationen erhält:

Der Besitzer betreibt auch ein weiteres „emotionales“ Restaurant, diesmal mit einem „jüdischen“ Thema: dort können sich Gäste als chassidische Juden „verkleiden“ (mit dem schwarzen Hut und den Kringellocken). Auf der Karte gibt es keine Preisangaben, stattdessen muss man bei der Bezahlung „nach jüdischer Manier“ feilschen (um die extrem teuren Speisen).

Damit nicht genug, befindet sich das Lokal unmittelbar neben dem Platz, wo einst die zentrale Synagoge („Goldene Rose“) der Stadt stand … (angesichts der Tatsache, dass in der Ukraine zahlreiche Pogrome und grauenvolle Massaker an Juden stattfanden, auch in Lviv, eine Geschmacklosigkeit der besonderen Art)

Wer besitzt die Schamlosigkeit für solche „Geschäftsideen“? Iurii Nazaruk, ein Absolvent der Ivan Franko Universität. Er sagt, seine Gaststätten erfüllen einen wichtigen Zweck – sie „bestätigen die nationalen Mythen, die Leute brauchen das“ und Andriy Khudo, dem heute eine ganze Restaurantkette („Fest!“) dieser Art gehört.

Das Simon Wiesenthal Center beschrieb diese Restaurants als „nur die Spitze des rassistischen, anti-semitischen Eisberges in Lviv“, die man boykottieren müsse. Obwohl Lviv das Zentrum der Neo-Nazi Aktivitäten ist, breitet sich diese spezielle Form der „völkischen Unterhaltung“ immer weiter aus.

Im Dezember 2011 erklärte VV einen populären Nachtclub in Kiew zum „Territoriia Bandershtadtu“ in dem ein ultra-nationalistischer „event“ stattfinden würde, quasi eine Party „im Geist der Widerstandskämpfer“. Fotos der Kriegsverbrecher an den Wänden, Originaluniformen und Waffen wurden zur Schau gestellt, „patriotische“ Lieder gesungen und das Buch „UPA – Die Armee der Unbesiegten“ an die jungen Leute verteilt.

Von wem das verlegt wird? Vom „Zentrum für das Studium der Befreiungsbewegung“ … Orwell lässt grüßen …

HELDENVEREHRUNG OHNE HIRN

Die Präsentation der OUN als „Widerstandskämpfer“ gegen Nazi-Deutschland und die gleichzeitige, tiefe Verehrung der Waffen-SS Division Galizien wird anscheinend nicht als Widerspruch gesehen (kein Wunder, bei Leuten, denen man das Denken schon abgewöhnt hat …)

Bandera Monument Lviv

Bandera Denkmal in Lviv

Straßen in Lviv wurden nach Nazi-Kollaborateuren (um-)benannt, im Stadtrat von Lviv arbeitete Svoboda in den letzten Jahren daran, den Flughafen der Stadt, das Fußballstadium, ja die ganze Stadt nach den „Volkshelden“ zu nennen. So gibt es heute den „Bandera Boulevard“ wo eine riesige Statue des Kriegsverbrechers zu bewundern ist und aus der „Straße des Friedens“ machte Svoboda die „Nachtigall-Straße“, nach der Nachtigall Brigade, die im ukrainischen Holocaust eine besonders widerliche Rolle gespielt hat. Auf die Frage, warum „Frieden” den anstößig sei, antwortet die Partei der „Freiheit“: das seien „Reste sowjetischer Stereotypen“, die man beseitigen müsse.

Als der deutsche Historiker Gregor Rossolinski-Liebe im Frühjahr 2012 Vorträge über den echten Stepan Bandera halten wollte, erfuhr er am eigenen Leib, dass das Motto von Svobodas Chefideologen ernst gemeint ist: „Wir halten Toleranz für ein Verbrechen“.

Der Wissenschaftler wurde im Vorfeld schon mehrfach bedroht und als er in der West-Ukraine ankam, folgten ihm dutzende Svoboda-Anhänger, egal wo er hinging. Diese nationalistische Form von Stalking ist aber noch die harmloseste Art, wie Svoboda gegen „anti-ukrainische“ Tendenzen vorgeht (mehr dazu siehe weiter unten).

SVOBODA MACHT „FREI“

Nach 1991 hatte die OUN große Schwierigkeiten, sich wieder in der unabhängigen Ukraine zu etablieren. Sie zerfiel in die KUN (Kongress Ukrainischer Nationalisten) und die im Exil befindliche OUN-B, die von der Nachfolgegeneration geleitet wurde (auch aus Deutschland!). Heute beanspruchen sogar vier Gruppierungen, die Nachfolge von Bandera angetreten zu haben: KUN, OUN-B (Exil), die im Untergrund tätige „tryzub imeni Bandery“ (der Dreizack) und die VO Svoboda, die 1991 von Mitgliedern anti-kommunistischer Vereinigungen als „sozial-nationalistische Partei der Ukraine“ gegründet wurde. Sie wurde zum Sammelbecken für Neo-Nazi Gruppen und Studenten-Bruderschaften.

SNPU wolfsangelAls Parteiabzeichen wurde das Spiegelbild der Wolfsangel gewählt, die einige SS-Divisionen benutzten und nach dem Krieg von Neo-Nazi Gruppen übernommen wurde. Die SNU rekrutierte Skinheads und Fußball-Hooligans für ihre „heilige“ Mission, die natürlich auch einen „bewaffneten Arm“ brauchte, eine paramilitärische Truppe mit dem schönen Namen „Ukrainische Patrioten“ (UP), die nach wie vor die Wolfsangel als Abzeichen verwendet, allerdings in veränderter Form.

Es ist äußerst wahrscheinlich, dass Verbindungen zum „Gladio“-Netzwerk bestehen, das die NATO in Europa nach dem zweiten Weltkrieg aufbaute. Die UP wurde 2004 offiziell aufgelöst, aber 2005 in neuer Form wiederbelebt.

Doch die Begeisterung der ukrainischen Wähler hielt sich in Grenzen. 2004 hatte Svoboda 5.000 Mitglieder, 2010 hatte sich die Anhängerschaft verdreifacht. Hier eine kleine Übersicht über die „Wahlerfolge“ der Partei:

• Parlamentswahlen 2006: 0,3% (allerdings zwischen 2 und 5% in Ost-Galizien)
• Vorgezogene P-Wahlen 2007: 0,7% (3,3% in Ost-Galizien)
• Präsidentenwahl 2010: 1,4% (für Tyanhybok) (4,7% in Ost-Galizien)
• Kommunalwahlen 2010 (der Durchbruch) 25% in Ost-Galizien

Die Parteiideologie ist gekennzeichnet durch Ethnozentrismus , die ukrainische „Nation“ wird als natürliche Volksgemeinschaft definiert, wobei der „Blut & Boden“ Ethos der NSDAP nicht zu verleugnen ist. Das „Völkische“ wiegt natürlich schwerer als irgendwelche Menschenrechte, deshalb scheut man auch nicht davor zurück, mehr oder weniger offen rassistische Hetzparolen zu verbreiten. Das Symbol der Partei, die Buchstaben I und N (Idee einer Nation) sehen genauso aus wie die „Wolffsangel“ (oder „Wolfsanker“), die von vielen Neo-Nazigruppen in Europa verwendet wird und in Deutschland verboten ist. Die Wolfsangel wird auch mit der germanischen ‚Eiwaz“ (die Eibe) Rune in Verbindung gebracht.

oleh-tyahnybok-1Die Neo-Nazis dümpelten also bis 2003 nur so dahin, aber dann kam Oleh Tiahnybok und die Partei wurde einer Image-Kampagne, einem „Re-Branding“ unterzogen, das von erfahrenen PR-Strategen durchgeführt wurde:

Für die bevorstehenden Wahlen 2004 mussten das extremistische, Neo-Nazi Image durch ein pseudo-demokratisches ersetzt werden, damit die Partei als „liberale Partei, rechts vom Zentrum“ wahrgenommen wurde. Also wurden geändert:

  • Der Parteinamen (von SNPU zu Svoboda)
  • svoboda logo
  • Das Parteilogo: die SS-Wolfsangel verschwand und das neue Symbol der Partei wurde eine Hand mit drei ausgestreckten Fingern, die einen Dreizack symbolisieren soll. Dieser „tryzub“ war eine beliebte, in der Öffentlichkeit verwendete Geste während der ersten Unabhängigkeits-Demonstrationen Ende der 1980er Jahre, aber er symbolisiert auch die faschistische OUN-M der 1930er Jahre
  • Der Anführer: Tiahnybok: war vorher als „unabhängiger“ Kandidat aufgetreten und verbreitete die Aura politischer Legitimität

Nach außen hin wurde also signalisiert, man wolle sich von den in der Wolle durchgefärbten Nazis absondern und eine „gemäßigte“ Parteilinie einschlagen. Diese kosmetische Imagekampagne wurde zweifellos mithilfe amerikanischer front groups und PR-Firmen durchgeführt, und war Teil der Vorbereitungen für die „Orange Revolution“.

the uebermenschenDoch schon wenige Monaten später hielt Tyahnybok eine volksverhetzende Rede, in der er die OUN-UPA als Inkarnation patriotischen Heldentums hochleben ließ, die „gegen die Deutschen, die „Moskali“, die Juden und anderen Abschaum kämpfte, der uns unseren Staat wegnehmen wollte!“ Nach dieser Rede kam Juschtschenko politisch so unter Druck, dass er Tyahnybok aus der Fraktion Nasha Ukraina ausschloss. Svobodas Strategie, sich auch um soziale Themen zu kümmern und damit eine breitere Basis aufzubauen, ähnelt dem Vorgehen der NPD in Deutschland.

Obwohl Svoboda bei den Parlamentswahlen im Oktober 2012 nur 10% der Stimmen erhielt (ungefähr 40% im Westen des Landes, also in Galizien), wurde Tyahnybok die (zweifelhafte) Ehre eines Besuch von US-Senator John McCain* zuteil, der ihn wie einen Revolutionshelden behandelte während die „Fuck-the-EU-Diplomatin des US Außenministeriums, Victoria Nuland (die Frau von Krypto-Zionist „neo-con“ und „Straussianer“ Robert Kagan) Kekse an die „digital-gesteuerten“ Horden auf dem Maidan verteilte.

*Was hat ein US-Senator überhaupt in der Ukraine zu suchen?? Stellen wir uns vor, ein russischer Politiker würde in die USA reisen und dort frustrierten Demonstranten Unterstützung zum Aufstand gegen die gewählte Regierung in Washington anbieten … das wäre doch ein ungeheuerlicher Skandal! Aber unsere Journaille ist ja das Schoßhündchen des State Departments und bellt immer nur den Baum an, an den sie von Washington geführt werdenit makes you sick!

Für Tiahnybok ist Svoboda eine „Partei der Ordnung, die die wahre Elite des Landes begründet“. Die offiziellen Dokumente sind natürlich „pasteurisiert“, soll heißen enthalten keine rassistischen, eindeutig faschistischen Formulierungen, doch Taten sprechen mehr als Worte und alleine die Forderung, dass in Zukunft die Pässe die „Nationalität“ dokumentieren müssen, zeigt ja die rassistischen Untertöne bzw. die Nähe zu den „weißen Herrenmenschen“, die das Internet bevölkern – ganz zu schweigen von der kaum verdeckten Aggression gegenüber Juden.

Im September 2011 verhaftete die Polizei mehr als 50 Svoboda-Aktivisten, nachdem sie Kundgebungen gegen jüdische Pilger organisiert hatten und mit Tränengaskanistern, Rauchbomben und Katapulten ihre „freiheitliche“ Gesinnung demonstrierten. Als die Polizei eingriff, attackierten Svoboda-Mitglieder auch diese und warfen der Polizei dann auch noch vor, sie habe dabei versagt, „die Aggression der chassidischen Juden gegenüber Ukrainern zu stoppen“. Auch jüdische Friedhöfe wurden von den Neo-Nazis geschändet.

Die Partei der „Freiheit“ verachtet und droht aber nicht nur Juden und Russen, sondern natürlich auch Polen. Aufgrund der leidvollen Geschichte ist es verständlich, dass der Staat Polen von Ukrainern mit Misstrauen betrachtet wird, doch die „Polen“ als ethnische Kategorie tragen dafür keine Kollektivschuld und hätten ihrerseits genug Gründe, die „Ukrainer“ zu hassen – wenn sie sich mit dem Gedankengut der „Sippenhaftung“ anfreunden. Svoboda verlangt eine Entschuldigung Polens für „fünfhundert Jahre gewaltsame Polnisierung“ und Wiedergutmachung für erlittenes Unrecht. Schön und gut, doch wie sieht es mit dem Unrecht auf der anderen Seite aus?

3 massacre kiev 1944Von den grauenvollen Kriegsverbrechen der UPA / OUN-B bzw. der SS-Division Galizien (auch gegenüber Polen) im Dienste der Nazis – siehe Ukraine (3) will Svoboda nichts wissen.

In Huta Pieniacka stellte sie ein zweisprachiges Plakat auf, das die Beteiligung ukrainischer „Patrioten“ am Massaker der Dorfbewohner (1944) kategorisch bestreitet. (Die UPA hat ca. 100.000 Polen, darunter auch Partisanen massakriert – siehe dazu auch die BBC-Doku im letzten Beitrag)

Huta Pieniacka revised history• Frage: Warum lässt die polnische Regierung das zu?
• Antwort: Die heutige Gefahr die von Polen ausgeht, ist die Nähe zu den USA und ihren imperialen „Werten“, die mit Moral inkompatibel sind …

Svoboda hat natürlich auch Kontakte zu anderen „nationalistischen“ Parteien in Polen, Ungarn, Schweden, Großbritannien, Belgien, usw. und ist Mitglied der „Allianz europäischer Nationalbewegungen“, die sich (teilweise zu Recht) gegen die Finanzmafia Globalisierung wehren wollen (was aber keine Legitimation für Rassismus ist).

Die „Freiheitspartei“ hat seit 2009 auch ein Büro in Kanada (Toronto), wo Tiahnybok im Mai 2010 das „Goldene Kreuz für seine Verdienste um die Ukraine“ erhielt. Von wem denn bloß? Von einer Veteranenvereinigung der „ Ersten Division der Ukrainischen Nationalarmee“. Wer ist das denn? Unsere alten Bekannten, die 14.Waffen-SS-Division „Galizien“ im neuen, sprachlichen Gewand … so funktioniert „Erinnerungs-Management“ also, wenn man alte Nazis braucht, um neue zu generieren.

Dass diese Neo-Nazis zu Vortragsreisen in die USA und Kanada eingeladen werden (auch nach Harvard) ist ein klares Indiz dafür, dass die „braune Brut“ auch mit amerikanischer Nestwärme ausgebrütet wurde… (Victoria Nuland sagte ja, die US-Regierung habe bisher 5 MILLIARDEN Dollar in die Ukraine investiert, wofür könnte diese gewaltige Summe denn ausgegeben worden sein…? Für „Demokratieförderung“ ganz sicher nicht …)

Dass amerikanische Kongressabgeordnete wie John McCain nach Kiew reisen und der „Maidan-Revolution“ gegen einen demokratisch-gewählten Präsidenten ihre Unterstützung zusagen, spricht ebenfalls Bände … (zur Gene Sharp / Robert Helvey / CIA-Connection siehe Die große Fata Maidana)

Im gleichen Jahr reiste Tiahnybok nach Deutschland um seine Solidarität mit John Demjanjuk zu demonstrieren, der wegen Beteiligung am Massenmord im Todeslager Sobibór (28.000 Tote) zu fünf Jahren Haft verurteilt worden war. Dort traf er sich mit dem Anwalt des Kriegsverbrechers und betonte, dass der Täter für ihn ein Held sei, ein Opfer politischer Verfolgung, der „für die Wahrheit kämpft“.

yuriy-mykhalchyshynNeben Tiahnybok spielt Yurii Mykalchyshyn (YM) – ganze 31 Jahre alt – eine wichtige Rolle als „Berater der Partei in ideologischen Fragen“. Sein großes Vorbild ist Joseph Goebbels und er macht keinen Hehl daraus, dass er Faschist ist – im Gegenteil. Sein liebster Slogan:

„Wir halten Toleranz für ein Verbrechen“

und Aussprüche wie „Wir schätzen die Echtheit des Geistes und des Blutes höher als Erfolg und Reichtum“ lassen keine Zweifel daran, wohin die Reise gehen wird. Er bewundert die Härte und dem kompromisslosen Radikalismus seiner Idole aus den 1930er Jahren und ist stolz darauf, als Extremist zu gelten. (Nietzsche und Leo Strauß lassen grüßen …!!) So fühlt er sich seinem Helden Bandera noch näher, der „eine Untergrund-Terror-Revolutionsarmee gegründet hat, deren langer Schatten noch heute furchtbare Angst in den Herzen unserer Feinde auslöst“

neo Nazis gladio styleYM dient als Bindeglied zwischen Svoboda und den sogenannten „autonomen Nationalisten“ (die sich übrigens genauso kleiden, organisiert und „gewaltbereit“ sind wie unsere angeblich „linken Autonomen“, die immer vermummt sind … und wohl die gleichen Sponsoren im Hintergrund haben). Er fusionierte die Attribute der einen (Springerstiefel, Skinhead-Frisur, etc.) mit den Ritualen der anderen (nächtliche Fackelzüge mit schwarzen Flaggen und SS-Symbolen) und sorgte dafür, dass Gewalt auf den Straßen gegen Minderheiten glorifiziert wurde

Kruty torchlight march 2011Am 29. Jänner 2011 organisierte YM einen Fackelzug zum Gedenken an die Schlacht von Kruty – siehe das Gänsehaut erzeugende Video oben – (1918 zwischen der Roten Armee und ukrainischen Soldaten (davon etwa 500 Studenten) die wegen des großen Ungleichgewichts der Kräfte nur einige Stunden dauerte) gedacht. Auch für diese volksverhetzerische Aktion legte Juschtschenko während seiner Amtszeit den Grundstein und beschrieb den schnellen Sieg der Roten Armee so:

„Junge Menschen starben wie Spartaner im Interesse ihrer Heimat, in einem Kampf gegen die ausländischen Aggressoren, und ihr Opfer ist ein Beispiel für die selbstlose Liebe zu ihrem Heimatland. Jeder Jahrestag der Helden von Kruty ist nicht nur ein Tag, um die Menschen zu ehren, die ihr Vaterland mehr als ihr Leben geliebt haben. Dies ist auch eine Erinnerung an unsere heutigen Politiker in Bezug auf ihre Verantwortung für das Schicksal ihres Landes und Volkes.“

(Dieses Zitat wird in anderen Quellen auch Julia Timoschenko zugeschrieben, was darauf hindeutet, dass diese korrupten Politiker schön brav Texte aufsagen, die ihnen ihre PR-Berater vorlegen …)

Was man vielleicht noch dazu sagen sollte, ist die Tatsache, dass es 1918 in der Ukraine auch pro-sowjetische Sympathisanten gab, unter den Soldaten, aber vor allem in den Industriegebieten im Osten, wo russische Arbeiter dominierten , viele von ihnen wurden Teil der „Roten Garde“ (pro-sowjetisches Freiwilligenheer). Erst durch das Eingreifen österreichisch-deutscher Truppen wendete sich das Blatt und die Sowjetarmee trat den Rückzug an (siehe dazu den letzten Beitrag …)

INDOKTRINIERTER GEIST IN GESTÄHLTEM KÖRPER

neonazis Ukraine1Sportliche Aktivitäten, besonders Kampfsportarten locken Jugendliche an, die im Rahmen einer Kampagne „gegen Degeneration“ geführt wird. Junge Nationalisten müssen natürlich auch einen gestählten Körper haben; sie sollen Genussgifte meiden, ihren Körper trainieren (wie in Sparta) und sich auf den Hass gegen ihre „Feinde“ konzentrieren … (kommt uns das irgendwie bekannt vor?) Die „Sozial-Nationalisten“ sehen sich also in einem spirituellen Krieg, in dem die Ukrainer sich „wehren“ müssen.

Der „Chef-Ideologe“ der „Freiheitspartei“ trägt vor:

„Die gegenwärtige Situation bewirkt bei den „Entarteten“ einen ständigen Kampf gegen alle normalen Leute, der durch die Auflösung von Nationen, Klassen und Rassen gekennzeichnet ist. In anderen Worten: ein totaler und permanenter nationaler, Klassen- und Rassenkrieg wurde den Ukrainern erklärt. Sie versuchen uns als Gemeinschaft des Blutes und des Geistes zu liquidieren, …Die Sozial-Nationalistische Weltanschauung basiert ausschließlich auf positiven Werten:

Freiheit. Totalität. Gewalt. Hingabe. Gerechtigkeit. Hierarchie. Ordnung. Autorität. Disziplin. Brüderschaft. Glaube. Opfer. Stolz, Missionierung. Gleichheit, Nicht-Anpassung. Hass. Leidenschaft. Das Streben nach etwas Größerem als Du-selbst. Das Unmögliche.

Gleichzeitig ist unsere Weltanschauung durch Widerspruch gegen negative, menschenfeindliche und anti-nationale Phänomene unserer Zeit gekennzeichnet … Anti-bürgerlich, anti-kapitalistisch, anti-globalistisch, anti-demokratisch, anti-liberal, anti-bürokratisch und anti-dogmatisch … „

DIE (PR-) MÜTTER DER NATION

puzata mamaYM propagiert auch eine idealisierte Version der Weiblichkeit, die auf sexueller „Reinheit“ beruht und betont, dass die erste Bürgerplicht der Frau darin besteht, neue „Nationalisten“ zu gebären. Er stützt sich dabei auf die Worte von Luri Lypa (1900-1944) und schreibt in Vatra:

Frauen sind Träger der gesellschaftlichen und rassischen Moral, mehr als der Mann, formen sie die Rasse. Die Ehe ist die Pflicht der Frau gegenüber ihrem eigenen Geschlecht. Die Pflicht des Staates besteht darin, ihr dabei zu helfen … die 300 Eisprünge jeder ukrainischen Frau sowie die 1.500 Ejakulationen jedes ukrainischen Mannes sind ebenso nationale Schätze wie, sagen wir Energiereserven, oder Vorkommen von Eisenerz, Kohle oder Öl“. (!)

Wie diese „Gebärpflicht“ den ukrainischen Frauen mit modernen PR-Methoden schmackhaft gemacht wird, zeigt dieses Beispiel (Video):

„Puzata Mama 2013 „: „Mama“-Wettbewerbe sollen vermitteln, wie „attraktiv und „in“ eine Schwangerschaft doch ist. Die „beste Schwangere“ kann ihre Mutterkapazitäten demonstrieren, sich wie eine „Miss“ fühlen und dabei gleichzeitig für ukrainischen Nachwuchs sorgen. Und das alles generiert auch noch Partystimmung – toll, oder? (Wie es den Kindern in Zukunft ergehen wird, angesichts der düsteren, politisch-wirtschaftlichen Situation ist eine andere Frage …)

FASCISM IS BEAUTIFUL

Im Gegensatz zu den Geschichtsfälschern Juschtschenkos und den „ewig gestrigen“ OUN-Nachfolgern im Exil leugnet Yurii Mykal‘chyshyn nicht, dass Bandera ein Faschist war. Ganz im Gegenteil, der Faschismus ist die Basis für seine Bewunderung, die er auch anderen „braunen Helden“ zollt, wie etwa Carl Schmitt.

M. schrieb seine Dissertation zum Thema „ Die Transformation einer politischen Bewegung in eine Massenpartei neuer Art – Am Beispiel der NSDAP und der PNF (Vergleichsanalyse). Sie erraten sicher, wo er sich seinen „Doktortitel“ geholt hat? Richtig, an der Ivan Franko Universität ..

Auch in den Journalen dieser Universität hat M. publiziert und zwar 2007 u. 2008 zur Frage der „Strategie faschistischer „anti-System“ Bewegungen“. Er propagiert die faschistische Transformation der Gesellschaft in einschlägigen Web-Foren und gründete 2005 das Politische Forschungszentrum* „Joseph-Goebbels“, das aber später – aus verständlichen Gründen umbenannt wurde.

(*Die Webseite des Zentrums lautete: http://nachtigall88.livejournalcom (!) – sie wurde 2011 entfernt und wahrscheinlich unter neuem Namen weitergeführt; die Zahl 8 steht für den achten Buchstaben im Alphabet, also H, und „88“ steht demgemäß für die Initialen Hitlers. „Nachtigall“ war der Name eines gefürchteten ukrainischen SS-Bataillons im zweiten Weltkrieg)

Ukrainian SS com 2011Angeführt von Mykal’chyshyn (ganz links im Bild) feiert man am 28. April den Gründungstag der Waffen-SS Galizien in Lviv mit der Parade der „Größe des Geistes“ (Marsh Velychi Dukhu), die aus dem Dritten Reich stammen könnte:

Kameradschaft, Ehre und die heilige Pflicht, Befehlen zu gehorchen“ das sind die „Werte“, die klapprige 80-jährige Veteranen (als Helden der Freiheit vorgeführt) den Jugendlichen einhämmern und hunderte marschieren vom Bandera Denkmal über den „Bandera Boulevard“ mit den Rufen: Ein Volk, eine Nation, ein Vaterland! / Galizien, Division der Helden! An den Straßen hängen riesige Plakate, die die Einheit zum „Stolz der Nation“ erklären …

GEHORSAM IST „EUROPÄISCH“

SS GaliciaDie Veteranen der Galizia SS-Division präsentieren sich als die „Vorreiter der Europäischen Einheit“, deren Kameraden für Deutschland und Europa gefallen seien. Sie hätten für ein vereintes Europa gekämpft, das „in unseren Divisionen während des defensiven Kampfes gegen den Ansturm aus dem Osten schon als Vision existierte.“ (spätestens jetzt hätte der Groschen bei den anwesenden Ukrainern fallen müssen ….)

Tatsache ist, dass die einzige Parteien in der Ukraine, die gegen diesen Wahnsinn auftraten, jene von Janukowitsch (die Partei der Regionen) und natürlich die „Linken“ waren, also Sozialisten und Kommunisten, während die „liberalen“ Intellektuellen schwiegen. Dieses Gegengewicht zu den Neo-Nazis und fanatischen Nationalisten ist jetzt – dank Washington, Brüssel und Berlin und ihren unterwürfigen „Presstituierten“ – eliminiert worden … die Mitglieder dieser Parteien werden bedroht, schikaniert und müssen um ihr Leben fürchten. (Mehr dazu im nächsten Beitrag)

yuschenkoJuschtschenko und seine schönfärbenden „Historiker“ haben die rechtsextremen Fanatiker – sprich Neo-Nazis – mobilisiert und Kriegsverbrecher zu Pop-Idolen gemacht, um die „ethnische Karte“ zu spielen. Der aufgeblasene Heldenkult und die zur Gehirnwäsche ausgeartete, nationalistische Indoktrination lenkt in Wahrheit die Menschen nur davon ab, sich mit jenen Themen zu befassen, die in der Gegenwart wirklich wichtig sind: ökonomische Selbstbestimmung und ein menschliches, sozial-gerechtes Wirtschaftssystem.

Stattdessen bekommen sie „Sparprogramme“, Lohn- u. Pensionskürzungen und gleichzeitige Preiserhöhungen, soziale Verelendung, brutalen „Wettbewerb“, Gentechnik auf den Feldern, Plünderung ihrer Ressourcen durch ausländische Konzerne und Banken und werden als Schuldsklaven des Bankenkartells IMF ihren Tribut abführen müssen, egal wie schlecht es ihnen geht … aber das alles gibt es im „freien Markt“ … !

Die penible Aufarbeitung der eigenen Geschichte (ihrer finstersten Kapitel und Verbrechen) muss anscheinend nur Deutschland für alle Ewigkeit durchführen, während andere Länder, wie die USA und Großbritannien (die Nazis – bis heute – gefördert, für subversive u. kriminelle Zwecke benutzt und vor Strafverfolgung geschützt haben ) sich immer noch als moralische Instanzen (gerade jetzt gegenüber Russland!) aufspielen können. (Schon wieder Pinters Nobelpreisrede!

(Sehr empfehlenswert ist das Buch „Conjuring Hitler“ von Guido Preparata; sperriger, deutscher Titel: Wer Hitler mächtig machte)

IN MACHIAVELLI WE TRUST

mlk beyoond vietnam--spiritual deathWährend also die psychopathischen, globalisierten Machteliten in Washington, (und ihre Vasallen in Brüssel, Berlin, London, Paris, Tel Aviv, etc.) … irre Neo-Nazis (oder irre Islamisten) als politische Werkzeuge für „regime change“ einsetzen und damit seit Jahren durchkommen, wird von denselben verbrecherischen Heuchlern Russland bzw. Putin (oder Assad bzw. der Schurke, der gerade en vogue ist) als Gefahr für „Frieden und Sicherheit“ präsentiert und mit Sanktionen und anderen Formen der Gewalt für das „bestraft“, was diese Heuchler selbst verbrochen haben …

.. War is Peace. Ignorance is Strength … und wie sagte Edward Bernays so treffend … das ganze Theater, damit die verwirrte Herde (Lippman) sich der „Halluzination der Demokratie“ hingeben kann …

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Ukraine (3): Nachtigall und Reichsadler

„Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Vergangenheit studieren.“

bandera our hero 1Ich weiß nicht, von wem diese Weisheit stammt, aber ich denke es ist wirklich wichtig, sich mit der Geschichte eines Landes zu befassen, bevor man aktuelle Ereignisse bewerten und einordnen kann.

In den Medien werden uns nach wie vor 2-minütige Videos vorgesetzt, die mit drei bis fünf Sätzen kommentiert werden. Das ganze natürlich immer in einem Rahmen, der die Sicht des US-Außenministeriums widerspiegelt (und wohl auch die von Frau Merkel, der Verfechterin der „hervorragenden deutsch-amerikanischen Partnerschaft“, dafür erhielt sie ja auch 2011 die „Medal of Freedom“ von Drohnenmord-Todeslisten- Unterzeichner und NSA-Big Brother-in-chief Obama).

Damit die Reaktion Russlands auf den von außen organisierten Putsch in der Ukraine (die Annexion der Krim) verständlich wird, muss ein historischer und politischer Kontext hergestellt werden. Aber auch die ethnischen Spannungen in der Ukraine und die Radikalisierung der Nationalisten (bis zu den Neo-Nazis, die heute im Parlament sitzen bzw. Ministerämter bekleiden und ihre „demokratische Gesinnung“  mit schwerer Nötigung und Verprügeln von Fernsehintendanten – siehe Video unten – demonstrieren) ist nur richtig einzuordnen, wenn man sich die Mühe macht, die historische Vergangenheit zu durchleuchten. (Bilde oben: Stepan Bandera, Kriegsverbrecher und „Nationalheld“ des Maidan….)

 UKRAINE: EIN BLICK IN DIE GESCHICHTE

Im Mittelalter war das Gebiet zwischen Ostsee und Schwarzem Meer ein Zentrum der Ostslawischen Kultur, die durch den mächtigen Staat „ (lat.) Ruscia, Ruzzia, oder „Ruthenien“; alt-slawisch: Рѹ́сьскаѧ землѧ, verkörpert wurde. Im 13. Jahrhundert war das Land mehrmals Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen und nach Kriegsende hat sich die jeweilige Siegermacht Teile des Landes einverleibt.

Kingdom_of_Galicia_Volhynia_Rus'_Ukraine_1245_1349In der Mitte des 14. Jahrhunderts war „die Ukraine“ (die es als souveränen Staat nicht gab) von drei verschiedenen Mächten beherrscht: der „Goldene Horde“ (die Tataren, die das Steppenland im Süden u. die Krim regierten) dem Großherzogtum Litauen (West- und Zentralukraine) und dem Königreich Polen. Die beiden letztgenannten rivalisierten um die Kontrolle über die Nordwest-Ukraine und 1380 wurde das Gebiet aufgeteilt: Litauen erhielt Wolhynien und Polens Macht über Galizien wurde anerkannt.

Die wichtigen Handelshäfen der Krim befanden sich zu dieser Zeit (vorübergehend) unter Kontrolle der italienischen Handelsmetropolen Venedig und Genua. 1475 unterwarfen sich die Krimtataren der Oberhoheit des türkischen Sultans, das Khanat („Königreich“) wurden also ein Vasallenstaat des Ottomanischen Reiches.

17. JAHRHUNDERT

Im 17. Jahrhundert (1648-1657) kam es zu den Kosaken- bzw. Bauernaufständen, die vom Königreich Polen mit brutalen Vergeltungsaktionen bekämpft wurden. Die Wut der Unterdrückten (die Bauern wurden von den polnischen Großgrundbesitzern brutal ausgebeutet) richtete sich gegen die polnischen Großgrundbesitzer, den Klerus und gegen die Juden, die sich als Verwalter und Steuereintreiber des Adels sehr unbeliebt machten. Aber es gab auch einen Zwist zwischen den wohlhabenden, hochrangigen Kosakenführern und den armen Kosaken und der orthodoxe Klerus mischte auch noch als Konfliktfaktor mit: er schlug sich meistens auf die Seite des russischen Zaren.

Bogdan KhmielnickiDie Kosaken kämpften erfolgreich gegen die polnische Armee und im Januar 1649 zog ihr Anführer, der „Hetman“ Bohdan Khmelnytsky als Befreier in Kiew ein. Ursprünglich wollten die Revolutionäre nur Reformen erreichen, aber ermutigt durch die militärischen Siege, schien die Vision eines autonomen Kosakenstaates in greifbare Nähe zu rücken, allerdings sollte die Oberhoheit des polnischen Königs (unter gewissen Auflagen) weiterhin akzeptiert werden. Doch die Verhandlungen darüber zogen sich zwei Jahre lang dahin, ohne dass eine Einigung in Sicht war.

Die Krim-Tataren erwiesen sich nach Auseinandersetzungen um die Führungsrolle als unzuverlässige Verbündete und desertierten. Im Dezember 1653 erlitten die Kosaken eine schwere Niederlage und Khmelnytsky wandte sich an Moskau und suchte Schutz beim russischen Zaren. Dieser sollte „Ruthenien“ (damals noch nicht „Ukraine“) als autonomes Herzogtum annektieren.

Ukrainian_Cossack_state_Zaporizhian_Host_1649_1653Im März 1654 wurden die Details der Vereinbarung in Moskau verhandelt, wobei die Forderungen der Kosaken (eigene Regierung, eigenes Militär, eigene Finanzverwaltung, usw.) weitgehend erfüllt wurden. Der Nachfolger von Khmelnytsky,  Vyhovsky brach mit Russland und schloss 1658 einen Vertrag mit Polen, dessen Bedingungen auf beiden Seiten aber so viel Widerstand in der Bevölkerung hervorriefen, das er nie implementiert wurde. Für den Zaren (und viele Ruthenen) war das natürlich ein Verrat und nachdem Vyhovsky nach Polen geflohen war, versank die Ukraine im Chaos des Bürgerkriegs und der ständigen Einmischung der Nachbarstaaten, eine Phase (1657-1687), die in zeitgenössischen Dokumenten als „Untergang“ (Руїна) beschrieben wird.

Die Kosakenoffiziere wandelten sich von „Befreiern“ zu einer Klasse von wohlhabenden Grundbesitzern und die Lage der Bauern wendete sich nicht zum Besseren.

Gebiet unter polnischer Kontrolle

Gebiet unter polnischer Kontrolle

Das Königreich Polen wollte sich mit diesem Territorialverlust natürlich nicht abfinden und so brach bald darauf der Russisch-Polnische Krieg aus, der  1667 damit endete, dass die Ukraine zwischen den beiden rivalisierenden Regionalmächten aufgeteilt wurde. (Was anscheinend ihr Schicksal ist …)

Gebiet unter russischer Kontrolle

Gebiet unter russischer Kontrolle

Der Fluss Dnjepr bildete dabei die Grenzlinie: das Land östlich davon kam zu Russland – dazu gehörten (auch – obwohl westlich) Kiew und die Provinzen Smolensk und Seversk.

Galizien und Wolhynien blieben während des Aufstandes unter polnischer Kontrolle und nach Ende des russisch-polnischen Krieges kam noch zusätzliches Land westlich des Dnjepr dazu.

In der Folge versuchten andere ukrainische Kosakenführer durch eine Allianz mit dem ottomanischen Reich dem russisch-polnischen Tauziehen zu entkommen, aber auch das erwies sich als Illusion.

18. JAHRHUNDERT

Im 18. Jahrhundert war die Macht der Kosaken im Land gebrochen und die Gesellschaft in der Ukraine (damals „Ruthenien“) erfuhr einen markanten Wandel. Die Städte verfielen zusehends, ihre Einwohner wurden immer „polnischer“, besonders im Westteil des Landes. Auch die religiöse Kluft vertiefte sich: die Polen waren römisch-katholisch, während die Ruthenen der Uniatkirche (griechisch-orthodoxen Ost-Kirche) treu waren. Der polnische Adel dominierte wieder (mit harter Hand) das Land, einige Familien wurden so mächtig, dass sie ihre eigenen bewaffneten Privatarmeen hatten.

Verlassene Dörfer wurden mit Kleinbauern aus Galizien und Wolhynien besiedelt, die Bauern in (polnischer) Leibeigenschaft wurden extrem ausgebeutet, was zu Bildung von Rebellengruppen führte, die plündernd durchs Land zogen.

Die polnische Herrschaft in der Ukraine endete zwischen 1772 und 1795 durch mehrere Teilungen: zunächst wurde Galizien vom Habsburgischen Kaiserreich (Österreich) annektiert, dann (1793) kam Ost-Wolhynien und das Westufer des Dnjepr zu Russland und 1795 dann auch noch der Rest von Wolhynien.

New_Russia_on_territory_of_Ukraine1783 wurde das Khanat der Krim von Katharina der II. (der „Großen) nach dem siegreichen (x-ten) Krieg gegen die Türken annektiert und die dünn besiedelten Gebiete im Süden („Neu-Russland“) mit ukrainischen Migranten, Russen, Bulgaren, aber auch deutschen Auswanderern gefüllt. Der Schwarzmeerhafen Odessa wurde gebaut und die Stadt entwickelte sich zu einer Metropole mit Weltstadt-Flair.

19. JAHRHUNDERT

Coat_of_Arms_of_the_Russian_Federation.svgIm 19.Jahrhundert wurde „die Ukraine“ vollständig in das russische Reich integriert. Ihre Regionen wurden russische Provinzen, deren Gouverneure von St. Petersburg bestimmt. Die Kosakenoffiziere wurden dem russischen Adel gleichgestellt, viele traten in den Dienst des Zaren (bzw. der Zarina) und einige erlangten hohe Regierungsposten. Der ukrainische Adel wurde zunehmend “russifiziert” (durch Heirat, das Erziehungssystem, oder den Staatsdienst als „russischer“ Beamter).

Die Lage der Juden verschlechterte sich immer mehr, sie wurden von der einen oder anderen Streitpartei zu Sündenböcken für alle möglichen Missstände gemacht und gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer häufiger Opfer von Pogromen. Die ukrainischen Bauern (links vom Dnjepr) wurden unter Katharina II. – erstmals – zu Leibeigenen degradiert, jene unter Herrschaft der polnischen Adeligen wurden noch mehr schikaniert.

Die Niederlage Russlands im Krimkrieg (1853-56) und immer mehr Widerstand der geknechteten Bauern beschleunigte die längst notwendigen Reformen und 1861 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft.

Durch die Agrarreformen wurde Arbeitskraft für die beginnende Industrialisierung frei. Besonders im Osten der Ukraine, der “Donbas” Region, begann der Aufbau der Metallindustrie, die sich auf ergiebige Eisenerz- und Kohlelagerstätten stützte. Der Großteil der Metallarbeiter kam aber aus anderen Teilen des russischen Reiches, weil viele Ukrainer weiterhin in der Landwirtschaft arbeiten wollten und deshalb auf der Suche nach einem besseren Leben (z.B. in die USA) emigrierten.

new russia company 19ct(Die amerikanischen Kapitalisten  hatten schon im 19. Jahrhundert ein Auge auf die Ukraine (damals „New Russia“) geworfen, und gemeinsam mit dem russischen Adel die Ressourcen monopolistisch ausgebeutet, wie dieses Beispiel demonstriert.)

Die erste Welle der kapitalistischen „Globalisierung“ (also Plünderung durch transnationales Kapital) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ die Hoffnung auf „Unabhängigkeit“ noch utopischer erscheinen …

Die Folge war, dass die sich bildende „Arbeiterklasse“ und die wachsenden Städte zu „russischen“ Zentren wurden, die sich wie dicht besiedelte, russische Inseln in einem „ukrainischen Meer“ der ländlichen Bevölkerung befanden. Katharina duldete zwar die römisch-katholische Kirche (der Polen), doch die (griechisch-orthodoxe) Uniatkirche der Ukrainer wurde immer mehr unter Druck gesetzt und schließlich von der russisch-orthodoxen Kirche absorbiert.

1805 wurde die erste ukrainische Universität gegründet, 1834 folgte Kiew und 1865 wurde Odessa zur Universitätsstadt. Das Studium der Geschichte der Ukraine und der damit verbundenen Völkerkunde wurde vorangetrieben, was den Nationalen Bewegungen nur Recht sein konnte.

Taras_Shevchenko_1859Doch die größte Triebfeder des Nationalismus war die Literatur: besonders ein Schriftsteller war prägend für das nationale Bewusstsein: Taras Schevtchenko. Seine Gedichte reichten von volkstümlichen Balladen über die romantische Verherrlichung der Kosaken bis zu beinharten Anklagen gegen die Unterdrückung der Zaren. Der Traum von einer freien, selbstbestimmten Ukraine, der in dieser Poesie zum Ausdruck gebracht wurde, hatte großen Einfluss auf die nationalistischen Strömungen im Land, weshalb der Poet schließlich verhaftet und nach Kasachstan  deportiert wurde.

In den Augen des zaristischen Russlands waren die Ukrainer nur eine Unterordnung des Volkes der „Rus“:  die „kleinen Russen“, die durch den Mongolensturm von ihren Brüdern getrennt und durch die finsteren Machenschaften Polens von ihrem vorgezeichneten Kurs abgekommen waren. Deshalb war es wichtig, die Ukraine wieder vollständig in das russische Staatswesen zu integrieren. (Die Wirtschaft erlebte jedenfalls unter russischer Herrschaft einen gewaltigen Aufschwung).

1863 wurden fast alle Publikationen in ukrainischer Sprache verboten, außer jenen Werken, die nur wegen ihrer Ästhetik geschätzt wurden und nicht wegen des Inhalts. Unter Zar Alexander griff man noch härter durch und verbot jegliche ukrainische Literatur (Import von Büchern, öffentliche Lesungen, Theateraufführungen, etc.) sowie die Verwendung der ukrainischen Sprache in den Schulen.

Austro-Hungarian empire

Ost-Ausdehnung des Habsburger Kaiserreiches vor 1918

Ukrainische Schriftsteller konnten fortan ihre Werke nur mehr in Galizien publizieren (damals Teil des Österreichischen Kaiserreichs), was dazu führte, dass sich die Aktivitäten der Nationalbewegung dorthin verlagerten.

Große Revolutionsbewegungen beginnen immer in Städten, weil sich dort die Intellektuellen besser organisieren können, doch die Ukraine war um die Jahrhundertwende (vor dem ersten Weltkrieg) noch immer in erster Linie eine agrarische Gesellschaft – mit Ausnahme der Industriegebiete im Osten, die pro-russisch waren.

In den Städten im Westen entwickelten sich diverse Geheimbünde, die für nationale Unabhängigkeit und soziale Gleichheit eintraten. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden immer mehr studentische  Widerstandsgruppen gebildet. Um 1900 veröffentlichte die “Revolutionäre Partei der Ukraine” ein Flugblatt, in dem eine „vereinte, unteilbare, freie Ukraine“ gefordert wird.

bloody_sunday_-_russia_-_1905

Der „Blutige Sonntag“

Die russische Revolution 1905 erschütterte das Zarenreich und war auch (wieder) Zündfunken für Streiks und Bauern-aufstände in der Ukraine. Das Ende des absolutistischen Systems brachte konstitutionelle Reformen (innerhalb einer Monarchie) und einige Erleichterungen:

So wurde das Verbot der ukrainischen Sprache im Kultursektor wieder aufgehoben und es entwickelten sich ein lebhaftes Vereinswesen, neue Theater- und Musikgruppen. Doch in den Schulen blieb das Verbot aufrecht, was den Graben zwischen der ländlichen und städtischen Bevölkerung weiter vertiefte (auf dem Land gab es ja kein reges Kulturleben mit Theater, Literatur, etc.).

1906 erhielt die Ukrainer zum ersten Mal Zugang zu einem gewählten Parlament, der Duma, und bildeten dort eine eigene Fraktion. Doch das Wahlrecht wurde kurz darauf so geändert, dass Minderheiten (wie die Ukrainer) und die bäuerliche Bevölkerung diskriminiert wurden.

FAZIT: Die Menschen in der „Ukraine“(die bis 1918 eigentlich nie- und dann auch nur sehr kurz – ein souveräner Staat war) wurden jahrhundertelang Opfer der Rivalität zweier (oder dreier) Großmächte, die sich um „Einflusszonen“ stritten und die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Selbstbestimmung nur für ihre eigenen Zwecke benutzten.

ERSTER WELTKRIEG

russian-rev feb 1917Nach dem Ausbruch der russischen Revolution im Februar 1917 wurde in Moskau eine Übergangs-regierung gebildet, die Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit einführte und somit neue politische Formationen möglich machte. Im März wurde in der Ukraine der Zentralrat (oder Volkskongress), die „Rada“ gegründet. Ihr Ziel war anfangs Autonomie für die Ukraine innerhalb einer demokratischen, föderalistischen russischen Republik. Diese Forderungen wurden von Moskau (von kleineren Disputen abgesehen) auch respektiert.

Viertes Edikt der Zentral-Rada

Viertes Edikt der Rada 1918

Die Zentral-Rada erließ in der Folge vier Edikte, die als Rechtsgrundlage für die Entwicklung des Autonomiestatus gesehen wurden. Im ersten Edikt (23. Juni 1917) wird die Autonomie innerhalb der russischen Republik erklärt. Nach der Oktober Revolution und dem Stellen eines Ultimatums im Dezember 1917 (die Rote Armee verlangte, dass die Stationierung ihre Truppen auf ukrainischem Boden als legitimes Recht anerkannt wird, was natürlich abgelehnt wurde, worauf die militärische Auseinandersetzung begann) wurde im Jänner 1918 das vierte Edikt erlassen, in dem die Souveränität des Ukrainischen Staates ausgerufen wird.

In diesen Edikten kommt die Krim explizit gar nicht vor, das heißt, die Rada sah die Halbinsel nicht als historischen Teil der Ukraine an.

UKR 1918-19Zu dieser Zeit konkurrierten drei politische Strömungen auf der Krim: die pro-russische, die nach Autonomie strebenden Krim-Tataren und die eher schwache, pro-ukrainische Bewegung. Nach der Oktober Revolution in Russland, kam dann noch der Bolschewismus dazu, der im Osten der Ukraine, wo die russische Bevölkerung dominierte, zu einer Radikalisierung führte. Der bolschewistische Coup in Petrograd (St. Petersburg) am 7. November (in Russland noch Oktober) verschlechterte die Beziehungen zwischen Kiew und Moskau dramatisch.

Die Rada weigerte sich, die Autorität des neuen Regimes gegenüber der Ukraine anzuerkennen. Im Jänner 1918 begannen die Bolschewisten mit einer militärischen Offensive gegen Kiew und die Rada hoffte auf militärische Unterstützung der Westmächte. Am 9. Februar unterzeichnete die Ukraine einen Friedensvertrag (Separatfrieden) mit den Mittelmächten und  in den nächsten Wochen gelang es einem deutsch-österreichischen Militärkontingent die Rote Armee aus Kiew und schließlich aus der Ukraine zu vertreiben. Im März konnte die Rada wieder in die Hauptstadt zurückkehren.

Jozef_Pilsudski1Polen war ja nach 1918 ein unabhängiger Staat geworden, hatte aber keine „festen“ Grenzen. Im April 1920 unterzeichneten Polen (Josef Pilsudski, der Polen als führende Macht innerhalb einer regionalen Föderation osteuropäischer Staaten etablieren wollte) und die Ukrainische Volksrepublik (Simon Petlura) einen Kooperationsvertrag in militärischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten und waren damit Verbündete gegen das kommunistische Russland. Die Ukrainer hofften damit ihre Chancen auf Unabhängigkeit zu erhöhen – ein Trugschluss.

Die geopolitischen Hintergründe der Kämpfe zwischen der „weißen“ und „roten“ Armee können hier ebenso wenig untersucht werden, wie jene der territorialen Veränderungen der Ukraine, daher beschränken wir uns auf die Feststellung, dass offiziell im März 1921 Polen und die Sowjetische Republik den Friedensvertrag von Riga schlossen, mit dem die Streitigkeiten um die Ukraine beendet und neue Grenzen gezogen wurden.

border Ukraine 1921 Riga treatyVier Millionen Ukrainer und mehr als eine Million Weißrussen lebten von nun an auf dem neuen polnischen Staatsgebiet, das nach einigen Angaben damals nur einen polnischen Bevölkerungsanteil von 15% hatte.

Der Vertrag von Riga brach die Vereinbarungen des Abkommens von Warschau (zwischen Polen und der Ukrainischen Nationalrepublik), in dem ein Separatfrieden ausdrücklich verboten war.

Die Ukrainer wurden eigentlich von den Polen nur benutzt, denn als Gegenleistung für die polnische, militärische „Unterstützung“ verlangte das o.a. Abkommen von Warschau, dass die Ukraine ihre Ansprüche auf Galizien und West-Wolhynien aufgab. Während die Ukrainer noch an einen militärischen Sieg glaubten und kämpften, hatte Polen schon Friedensverhandlungen mit den Russen aufgenommen. Polen annektierte also die Westukraine und erkannte die Sowjetische Ukraine als legitimen Staat an. Die Bukowina wurde Rumänien einverleibt und ein weiteres Gebiet fiel an die neu geschaffene Tschechoslowakei. Das Land wurde aufgeteilt wie ein Stück Kuchen.

Der Traum vom unabhängigen Staat war vorläufig ausgeträumt und das bittere Gefühl, verraten worden zu sein, war der Nährboden für die Ultra-Nationalisten und Nazi-Kollaborateure, die in den 1930er Jahren und während der deutschen Besatzungszeit immer mehr Zuspruch gewannen.

DREISSIGER JAHRE und ZWEITER WELTKRIEG          

Die verschiedenen Volksgruppen, die sich nach den neuen Grenzziehungen in anderen Staaten wiederfanden, wurden Opfer von Repression, Diskriminierung und Ausgrenzung. Polen in der Sowjetunion wurden schikaniert, ihr Eigentum beschlagnahmt.  Ein Großteil wurde in den 1930er Jahren nach Sibirien oder Kasachstan deportiert.

Begeisterter Empfang in Lemberg (Lviv)

Begeisterter Empfang der Nazis in Lemberg

Den Weißrussen und Ukrainern erging es auch nicht besser. Sie wurden auf beiden Seiten der Grenze Repressalien ausgesetzt und, ebenso wie die Polen und andere Minderheiten (auf russischer Seite), zu tausenden deportiert.

In den jetzt „polnischen“ Gebieten der Ukraine und Weißrusslands wurde zusätzlich eine „Polnisierung“ betrieben, also immer mehr  ethnische Polen angesiedelt. Diese unhaltbaren Zustände führten zu einer Radikalisierung der Unabhängig-keitsbewegungen, wobei eine Gruppe durch Terrortaktiken besonders hervorstach: die OUN. Die polnische Regierung antwortete mit brutaler Gewalt und so schaukelte sich die Situation immer mehr auf.

Damit kommen wir zu den politischen Wurzeln der heutigen Ultra-Nationalisten und „Neo-Nazis“ in der Ukraine:

DIE OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten /Організація Українських Націоналістів

OUN-M ukrainian nationalistsWurde 1929 in der West-Ukraine (damals Teil Polens) als Zusammenschluss mehrerer nationalistischer Bewegungen gegründet. Die OUN begann damit, Universitäten, politische Organisationen und Parteien zu infiltrieren um ihre fanatische Ideologie des „ethisch-reinen“ Staates zu verbreiten, schreckte aber auch vor Terroranschlägen nicht zurück.

Besonders Polen, die Tschechoslowakei und Russland wurden zum Ziel von Gewaltakten, weil dort eben ethnische Ukrainer, wie oben erwähnt, viel Unrecht erleiden mussten. Das Ziel der OUN war die Unabhängigkeit und „Reinheit“ der Ukraine, wobei Gebietsansprüche nach dem Muster der „Sudetenland“-Rhetorik Hitlers legitimiert wurden. Man kam doch immer nur bedrängten Volksgenossen zu Hilfe, Völkerrecht hin oder her. (Die „R2P“ Logik der „humanitären Intervention“ ist also keine Erfindung der NATO)

1940 zerbrach die OUN in zwei Splittergruppen:

  • OUN-M: hier sammelten sich ältere, eher gemäßigte Mitglieder um Andrey Melnyk (Abzeichen blau-gelb s.o.)
  • OUN-B:  hier konzentrieren sich die radikalen Elemente um Stepan Bandera (Abzeichen rot-weiß-schwarz- s.u.))

OUN-BBeiden Gruppen waren der faschistischen Ideologie des Dritten Reiches sehr zugetan und die OUN-B kontrollierte Ende der 1930er Jahre eine paramilitärische Einheit mit dem  Titel „Ukrainische Partisanenarmee“ (UPA).

Im Juni 1941, als die Ukraine bereits von Nazi-Deutschland besetzt war, erklärte die OUN die „Unabhängigkeit“ der Ukraine (als Satellitenstaat des Dritten Reiches?) Hitler nutze die gewaltbereiten Nationalisten natürlich auch für seine eigenen Zwecke. Die OUN erwies sich als besonders enthusiastisch bei „Säuberungsaktionen”, also Massakern gegenüber ukrainischen Polen und Juden.

Nach 1945 kämpfte die UPA verbissen gegen die Sowjets, konnte aber gegen die zahlenmäßige Übermacht nicht viel ausrichten. UPA Kämpfer, ihre Angehörigen und Unterstützer wurden zu tausenden verhaftet, deportiert oder getötet. Der Rest ging in den Untergrund. Die “Patrioten” selbst ermordeten aber geschätzte 20.000 Ukrainer, denen man Kollaboration mit dem Feind (also der Roten Armee) vorwarf.

KRIEGSVERBRECHEN: Some are more equal than others

2 massacre kiev 1944Wie diese vierteilige BBC-Dokumentation zeigt, wurden hunderte Mitglieder der ukrainischen „Partisanen“ sprich Nazi-Kollaborateure, die an abscheulichen Kriegsverbrechen beteiligt waren, nie von den Alliierten zur Rechenschaft gezogen, sondern außer Landes gebracht.

In England bzw. in den USA wurden sie dann von den Auslandsgeheimdiensten als subversive „Waffen“ gegen die UDSSR – aber auch gegen „Verbündete“ (siehe Gladio) – eingesetzt, um eine Regierungsbeteiligung kommunistischer Parteien zu verhindern.

Zusammenfassung / Kommentar zum Film:

Die Ukraine verlor mehr Menschen im zweiten Weltkrieg als jedes andere besetzte Land und wurde von den Nazis wie eine Kolonie behandelt:

Lieferant für wichtige Rohstoffe, die nichts kosten – vor allem Getreide – und für „Untermenschen“ als Arbeitssklaven für die deutsche Industrie.

Freiwilliger_UkrainerWarum sich trotzdem während der brutalen Besatzung der Ukraine durch Nazi-Deutschland, mehr als 80.000 Freiwillige für die Bildung einer ukrainischen SS-Einheit meldeten, kann wohl nur ein Psychiater beantworten.  Man konnte geradezu von einem Andrang sprechen, aber wenn es „Ruhm, Männlichkeit und Ehre“ geht, wird das Hirn junger, indoktrinierter Männer gerne ausgeschaltet.

galicia ssDie Vision, sich selbst als Teil einer gestählten „Eliteeinheit“ zu sehen, jemand der „auserwählt“ ist, dem heiligen Vaterland die Unabhängigkeit zu bringen, vernebelt den Verstand so sehr, dass man schon fast Schiller zitieren muss: Gegen Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens …

Im April 1943, als die Nazis immer größere Verluste im Kampf gegen die UDSSR hinnehmen mussten, gab der deutsche Gouverneur, Dr. Otto von Wächter, den Befehl, eine galizische Division der Waffen-SS zu bilden. Wegen der großen Zahl der Freiwilligen, konnte die 14. Division („Halychnya“ – Galizien) schon im Mai ihren Dienst antreten. Auch die katholische Kirche leistete dabei Unterstützung. Die Division wurde von deutschen und ukrainischen Offizieren kommandiert. Der Oberkommandierende war GeneralmajorFritz Freitag.

Ein führendes Mitglied des ukrainischen Nationalen Komitees verkündete voller Enthusiasmus:

„Der lang erwartete Moment ist nun gekommen: das ukrainische Volk hat wieder Gelegenheit sich im Kampf gegen seine schlimmsten Feind zu behaupten – den Jüdischen-Bolschewismus aus Moskau. Der Führer des Großen Deutschen Reiches hat der Bildung einer eigenen ukrainischen Militäreinheit zugestimmt“.

An der Ostfront tat sich die Galizische Division allerdings nicht besonders hervor, im Juli 1944 schlug die Rote Armee unter Feldmarschall Konev die deutsch-ukrainischen Kräfte vernichtend. Aber es war ja noch genug Kanonenfutter vorhanden und man baute die Division wieder auf. Im Oktober 1944 wurde die „Nachtigall“ in die Slowakei geschickt, um dort einen Aufstand niederzuschlagen. Im Jänner 1945 ging sie nach Slowenien um gegen Titos Partisanen zu kämpfen. Von April 1945 an kämpften die Ukrainer mit 14.000 Mann in Graz (Österreich) gegen die Russen und fungierten als Polizeieinheit gegenüber Zivilisten. Auch Terror gegen die Partisanen gehörte zum Aufgabengebiet.

Die Division „Galizien“ war enorm indoktriniert und musste, wie alle SS-Gruppen einen Treueeid des absoluten Gehorsams auf Hitler schwören. Der Unterschied war aber, dass Hitler auch die Slawen als „Untermenschen“ betrachtete. Aus dieser ideologischen Bredouille rettete man sich, in dem man die Galizier wegen der Zugehörigkeit zum österreichischen Kaiserreich (und österreichischen Immigranten) irgendwo doch als „deutsch/arisch“ einstufte – wenigstens als Kanonenfutter bzw. Kriegsverbrecher …

uon-b massacreNur wenige SS-Einheiten hatten so viele Massemörder unter ihren Offizieren wie die Division Galizien. Der fanatische Nationalismus der Ukrainer wurde von den Nazis für ihre Zwecke ausgenutzt, sie führten „Operationen“ aus, die die deutschen Offiziere nicht selbst erledigen wollten ..“ (BBC voice-over)

Im Film werden zwei Beispiele genannt:

(Bild: polnische Opfer der UPA/OUN-B)

  • Franz Lechtaler: 6.000 jüdische Zivilisten in Weißrussland ermordet …
  • Siegfried Binz: Spezialist für die Ermordung von Partisanen, in einer Operation 10.000 Tote …

Die Öffnung der ehemaligen Sowjetarchive erlaubte den Historikern, mehr Informationen über diese Männer zu erhalten, die später als „Flüchtlinge“ in England aufgenommen wurden. Einige von ihnen hatten den Deutschen „treu gedient“ … viele hießen sie als „Befreier“ willkommen“ .. Die Nazis brachten auch  eine speziell „ausgebildete“ Truppe von Nationalisten mit: Die „Nachtigall-Brigade“ …

Die Russen hatten angeblich hunderte Nationalisten getötet, bevor sie abgezogen waren .. dafür gab man den Juden die schuld und Pogrome waren die Folge .. viele Juden in der Ukraine hatten die Sowjets mit offenen Armen empfangen … sie wurden jetzt als Verräter beschimpft und Ziel von Vergeltungsmaßnahmen … in den nächsten Tagen wurden tausende Juden in Lemberg massakriert … die „Nachtigall“ wird auch damit in Verbindung gebracht… bevor sie 1943 Teil der SS-Division Galizien wurde, nützte sie dem Dritten Reich als  „spezielle“ Polizeitruppe:

DAS MASSAKER VON HUTA PIENIACKA

1944 befand sich Polen in einem beinah anarchischen Zustand … es gab polnische, ukrainische und jüdische Partisanen, die sich in den Wäldern versteckten und auf die Unterstützung der Zivilbevölkerung angewiesen waren.  Eine Terrorkampagne sollte sie davon abhalten, den Widerstandskämpfern zu helfen.

HutaPieniacka-2Unter dem Kommando von Oberstleutnant Siegfried Binz wurde das 4.  „Polizeiregiment“ (bestehend aus Freiwilligen der SS-Division „Galizien“) gemeinsam mit der „Patriotenarmee“ der UPA (geführt von Vladimir Czerniawski) am  28.Februar 1944  in das Dorf Huta Pieniacka geschickt, das zu einem Refugium für Juden und polnische Partisanen geworden war.

Der Film lässt Augenzeugen (Überlebende des Massakers) erzählen, was dann passierte … das Dorf wurde mit Granaten beschossen … 850 Menschen, die sich in die Kirche geflüchtet hatten, wurden eingeschlossen, dann wurde das Gebäude angezündet … einer Frau wurden die Eingeweide herausgerissen … ein neugeborenes Baby wurde gegen eine Wand geschleudert, einer schwangeren Frau in den Bauch geschossen … (ich habe Fotos gesehen, die einem den Magen umdrehen.)

UPA victims 2

Mahnmal für die UPA Opfer in Polen

Aber selbst dieses abscheuliche Massaker wurde noch an Grausamkeit übertroffen, als die SS  in Kiew innerhalb von 36 Stunden mehr als 30.000 Juden ermordete … in Babi Yar … oder bei den ethnischen „Säuberungen“ in Volhynia, wo 40-60.000 Polen abgeschlachtet wurden ..und weitere 30.000  in Galizien (von den fanatischen ukrainischen Nationalisten der OUN-B bzw. der UPA) …

(Fortsetzung folgt):

Svoboda macht „frei“ …