Wenn „Tatort“ zur Propaganda wird …

Tatort kidonGestern lief in der ARD wieder eine Folge aus der Serie „Tatort“, die (laut Wikipedia) von fast 8,5 Millionen Menschen gesehen wurde. So what? Es läuft praktisch jeden Tag irgendwo ein „Tatort“ (alte Folgen werden bis zum Erbrechen wiederholt) und schließlich gilt diese Krimiserie als besonders hochkarätig, weil in den Drehbüchern auch brisante, gesellschaftspolitische Themen behandelt werden, die „Story“ sich also nicht nur auf die Lösung eines Mordfalles beschränkt.

Die gestern ausgestrahlte Folge (produziert vom österreichischen Rundfunk – ORF) trägt den Titel „Deckname Kidon und schon der Vorspann deutete an, dass es sich hier um etwas „besonderes“ handelt, denn die Namen der Schauspieler erschienen auf dem Bildschirm zuerst in persisch-arabischen Schriftzeichen, die dann in lateinische Buchstaben umgewandelt wurden. Das ganze wird begleitet von „orientalischer“ Musik …

Die Handlung wird von der ARD so zusammengefasst:

Aus dem obersten Stock eines Wiener Nobelhotels stürzt ein Mann in die Tiefe. Der iranische Diplomat und Atomphysiker Dr. Bansari verübte allem Anschein nach Selbstmord. Warum aber kaufte er für denselben Abend noch teure Opernkarten? Moritz Eisner und seine Kollegin Bibi Fellner wollen der Frage nachgehen, doch sofort mischen sich die iranische Botschaft und das österreichische Außenministerium ein.

Der Fall unterliegt strengster Geheimhaltung – Laptop und Handy des Toten werden beschlagnahmt. Die beiden Ermittler sind angefressen, geben aber nicht auf. Das Überwachungsvideo des Hotels führt sie auf die Spur des zwielichtigen Lobbyisten Johannes Leopold Trachtenfels-Lissé. Dieser hat mit Dr. Bansari einen geheimen Deal eingefädelt.

Eisner und Fellner finden heraus, dass es um Ventile und Pumpen geht, die für Kernreaktoren benötigt werden. Eine Zugladung der hochwertigen Bauteile soll über Drittländer in den Iran verschickt werden. Für die beiden Ermittler beginnt ein Wettlauf mit der Zeit – und dem israelischen Geheimdienst Mossad.

WARUM  IST  DIESER „TATORT“  EINDEUTIG  POLITISCHE PROPAGANDA?

„Tatort“ ist eine Unterhaltungssendung und somit sind Handlung und Personen in der Regel fiktiv, doch der politische u. gesellschaftliche Rahmen in den die Ereignisse eingebettet sind, soll ja realistisch wirken, deshalb werden hier Fakten und Fiktion mehr oder weniger unvermeidlich vermischt.

Man baut reale Personen oder reale Umstände und Hintergründe in das Drehbuch ein und für den durchschnittlichen Zuschauer ist es schwer möglich, eine klare Trennlinie zwischen Wahrheit und Erfindung auszumachen. Personen, die als reale Vorbilder für bestimmte Rollen dienen, werden natürlich mit einem anderen Namen versehen, um dem Vorwurf der Verleumdung- und Rufschädigung auszuweichen.

KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: MENSDORFF-POUILLYSo weiß z.B. jeder Österreicher, dass die fiktive der Figur des „Grafen Trachtenfels-Lissé“ in diesem Tatort angelehnt ist an den realen, österreichischen Lobbyisten (vor allem der britischen Rüstungsindustrie u.a. Unternehmen) Graf Mensdorff-Pouilly, der zwar wegen „Geldwäsche“ angeklagt, aber von diesem Vorwurf freigesprochen wurde. Dass praktisch alle Rüstungsgeschäfte mit Bestechung (Zahlung von „Schmiergeldern“) verbunden sind, ist eine hässliche Realität, aber die Leute, die solche Geschäfte vermitteln, sind natürlich nicht das Hauptproblem, sondern nur Symptom einer Krankheit, die 1967 von Martin Luther King so treffend beschrieben wurde und in zwei Sätzen auf den Punkt gebracht werden kann:

mlk beyoond vietnam--spiritual death

 

Ein Staat, der  Jahr für Jahr mehr Geld für Rüstung ausgibt, als für die Verbesserung der sozialen Bedingungen, ist dem spirituellen Tod nahe …“

 

Mein Land ist der größte Exporteur von Gewalt in der Welt von heute“   (daran hat sich nichts geändert …)

O-Ton: […] I knew that I could never again raise my voice against the violence of the oppressed in the ghettos without having first spoken clearly to the greatest purveyor of violence in the world today: my own government. For the sake of those boys, for the sake of this government, for the sake of the hundreds of thousands trembling under our violence, I cannot be silent.”

DER BÖSE, BEDROHLICHE IRAN – FAKT ODER FIKTION?

Die zentrale politische Aussage (und Handlungs-Prämisse) dieses „Krimis“ ist, dass der iranische Staat nach Atomwaffen trachtet und sich über die Sanktionen des Westens hinwegsetzt, um über dunkle Kanäle an Material heranzukommen, das zur Herstellung von Nuklearwaffen notwendig ist.

porterFür diese Behauptung (die von Washington und Tel Aviv lanciert wurde, um den Iran politisch zu isolieren und als russlandfreundliche Regionalmacht zu zerstören ) gibt es aber bis heute keinerlei Beweise.

(Fakt ist, dass der Iran als Unterzeichner des NPT das Recht hat, Atomreaktoren zu betreiben, die der Energiegewinnung dienen. Die Beschaffung von „Ventilen“, die auch für AKWs verwendet werden könnten, stellt daher in keiner Weise eine kriminelle Handlung oder den Bruch von Verträgen dar. Die Suggestion, dass die verhängten “Sanktionen” mit dem Völkerrecht konform sind, ist ebenfalls ein Trugschluss.)

 

Sie wurde einfach jahrelang so oft in den Medien wiederholt, bis die meisten „Zuschauer“ (in der „Zuschauerdemokratie“) dieses Hetz- und Dämonisierungskampagne zum Opfer gefallen sind. Das gleiche perfide Schauspiel gab es ja auch gegen Saddam Hussein, den libyschen Staatschef Gaddafi und den syrischen Präsident Assad, doch im Moment ist eindeutig Vladimir Putin auf dem medialen Weg zum „neuen Hitler“, der die Welt mit seiner „Aggression“ bedroht.

Dass die speichelleckende, korrupte Journaille in Deutschland und Österreich sich seit Jahren für dieses unwürdige Theater hergibt (Zerstörung der Glaubwürdigkeit von Staaten bzw. deren Behandlung als Aussätzige, die ökonomisch u. schließlich auch militärisch angegriffen werden, weil sie es gewagt haben, sich nicht zum Vasall der USA degradieren zu lassen) kann ja spätestens nach der Veröffentlichung des Buches „Gekaufte Journalisten“ auch als gesicherte Tatsache angesehen werden.

Ich habe zu diesem Thema ja schon mehrere Artikel geschrieben, in denen ich die „Kanaille“ der Medien (Journaille kann man das nicht mehr nennen) häufig als „Journ-autisten“ bezeichne, weil ihre Darstellung der politischen Realität so absurd ist. Sie machen Propaganda, geben sich als „Multiplikatoren“ für bewusst verbreitete Desinformation und Lügen her, die eine gewünschte Stimmung in der Bevölkerung erzeugen soll und lassen sich dafür auch noch fürstlich entlohnen. Dieses Gesindel fühlt sich dann (dank genossener Privilegien) auch noch als Teil der intellektuellen „Elite“.

Herr Ulfkotte spricht von „Alpha-Journalisten“, ich denke „Alpha-Arschlöcher“ wäre mehr angebracht:

Goebbels PressSie haben nicht nur die journalistische Ethik verraten und verkauft, sondern ermöglichen durch ihre willfährige Unterstützung auch die moralische „Rechtfertigung“ von Verbrechen (Subversion, Umstürze, angezettelte Bürgerkriege, Massenmord, synthetische Terroristen, etc.) der einzigen „Supermacht“ samt ihren Vasallen in der EU und anderswo.

Damit stehen sie nach meiner Ansicht moralisch auf der gleichen Stufe wie die Presse im Dritten Reich … Nein, eigentlich sind sie noch schäbiger, denn unter Hitler musste man damit rechnen von der Gestapo abgeholt zu werden. Unsere Papageien-Presse muss nur um die Karriere fürchten … (siehe dazu Ulfkotte).

Anders formuliert: wir werden von morgens bis abends von den Medien verarscht und (im Fall von ORF, ARD und ZDF) auch noch gezwungen, für diese systemische Verblödung „Gebühren“ zu bezahlen.

Dass die „Nachrichten“ und Talk-Shows massiv von politischen Netzwerken beeinflusst werden, die im Hintergrund die Fäden ziehen und als eine Art „Denkpolizei“ erfolgreich die öffentliche Meinung steuern (auch bei den Journalisten selbst), dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben (dank mutigen Leuten wie Ken Jebsen, Jürgen Elsässer oder Christoph Hörstel).

Was wir hier, in diesem „Tatort“ erleben, ist die Unterwanderung von Unterhaltungssendungen mit politischer Propaganda, die das künstlich produzierte „Feindbild Iran“ weiter verstärken soll. Die nächste Frage muss also lauten: Cui Bono?

statue of tortureWer hat etwas davon, den Iran zu dämonisieren und als Erzschurkenstaat zu präsentieren? Die Antwort darauf ist schnell gefunden: Washington und Tel Aviv. Diese beiden politischen Kräfte (radikale Gruppen in diesen Ländern, innerhalb und außerhalb der Regierung) lassen ja seit Jahren nichts unversucht, den Iran als Bedrohung für den Weltfrieden darzustellen, gegen den der Westen mit seinen „Werten“ entschlossen vorgehen muss. Was für eine unerträgliche Farce das alles ist.

Der jüngste „Folterbericht“ des US-Senates stellt klar, welche „Werte“ hier tatsächlich vertreten werden …

DIE ROLLE DES MOSSAD ALS „SCHWERT DER GERECHTIGKEIT“

Iran stopped Nuclear ProgramIn diesem „Tatort“ wird aber nicht nur das „Atomprogramm“ des Iran als illegal und gefährlich hingestellt, sondern gleichzeitig die Rolle Israels (in Form des Geheimdienstes Mossad) geradezu verherrlicht, wobei man sich fragen muss, wer solche Drehbücher verfasst (Max Gruber, eine undurchsichtige Figur) und welche Zwecke damit verfolgt werden.

Das Buch ist nicht besonders intelligent: Wenn ein Geheimdienst jemand umbringt und einen Selbstmord oder Unfall vortäuschen will, stellt er sich sicher nicht so dumm an, wie im Film anfangs suggeriert wird.

Das ist doch Selbstmord, was machen wir denn da überhaupt?“, motzt Eisner über den Einsatz am Sonntagmorgen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Schluckt jemand Kopfschmerz-Tabletten zum Frühstück, hängt sein Handy an die Ladestation, bestellt noch teure Opernkarten und bringt sich dann um? Eisner und Fellner kommen Zweifel. Diese wachsen noch, als ein iranischer Botschaftssekretär in das Hotelzimmer platzt, einfach wichtige Beweisstücke einsammelt und sich höflich verabschiedet – mit Verweis auf seine Immunität.“

(Quelle: Stern bzw. dpa / C. Bock)

Dass es kein Selbstmord war liegt also von Anfang an ganz klar auf der Hand, nicht nur wegen der oben geschilderten Aktivitäten (wer geht als „iranischer Diplomat“ in ein Nobelhotel und springt von dort aus dem Fenster auf ein parkendes Auto, mitten in Wien, wodurch massive Aufmerksamkeit garantiert ist? Und wo ist das Motiv?) Warum sollte sich überhaupt ein „Atomwissenschaftler“ nach Wien begeben, um einen Deal für Ventile abzuwickeln? Das ist doch lächerlich …)

Der barsche Polizei-Major Eisner ist stinksauer. Doch sein aalglatter Vorgesetzter Ernst Rauter (Hubert Kramar) wäscht ihm den Kopf. Der Tote sei führender Kopf des iranischen Atomprogramms gewesen und habe an der nuklearen Aufrüstung seines Landes gearbeitet. Rund um die Welt soll Bansari am Handelsembargo vorbei Material besorgt haben. Schon ein halbes Dutzend solcher iranischer Experten seien mehr oder weniger mysteriös ums Leben gekommen, sagt der Chef. „Einige wurden gezielt eliminiert oder sind „verunfallt“.“ Möglicherweise stecke dahinter eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes.“

Herr Bock von der dpa suggeriert also, dass die „nukleare Aufrüstung“ des Iran real sei,  traut sich aber nicht einmal den Namen „Mossad“ zu erwähnen und ist offensichtlich bemüht, die Ermordung iranischer Physiker (und anderer Iraner, die wirklich stattfindet) im Auftrag israelischer Geheimdienste als reine Spekulation abzutun. Wo ist hier also die Grenze zwischen Realität und Fiktion?

BÖSER IRAN – GUTES (GERECHTES) ISRAEL

sword-of-justiceDie Öffentlichkeit soll die – suggerierten – finsteren Absichten des Irans als Tatsache akzeptieren, während die Rolle des Mossad (und der ominösen „Spezialeinheit“ Kidon) als Organisator „gezielter Tötungen“ (staatlich organisierte Morde) zunächst angezweifelt wird, aber am Ende des Filmes als grandioses Finale, nämlich als Sieg der Gerechtigkeit inszeniert wird.

Dem zwielichtigen, selbstherrlichen Grafen (der als Vermittler des „illegalen Geschäftes“ mit Ventilen tätig war) kann das BKA laut Drehbuch nichts anhaben, weil er offenbar von einflussreichen österreichischen Politikern geschützt wird.

Das „Böse“ siegt also über die Gerechtigkeit und dem adeligen Mittelsmann für dunkle Geschäfte legt der Drehbuchautor auch noch am Ende folgende Worte in den Mund:

Herr Eisner, Sie können nicht gewinnen. Wir haben das Geld, wir haben die Beziehungen und wir scheißen uns nichts. Und Sie? Sie haben kein Geld, keine Beziehungen und müssen sich an die Regeln halten.“

Während also Eisner hier die eigene Impotenz gegenüber solchen Netzwerken der Macht demonstriert wird, taucht plötzlich ein Motorrad mit zwei Personen auf, diese erschießen nicht nur den „bösen“ Grafen (der im Auto sitzt) am helllichten Tag in Wien, (Kamera zeigt die blutigen Schusswunden am Kopf als Nahaufnahme) sondern lüften dann auch noch das Visier des Helmes, damit Eisner sieht, wer die Mörder sind.

Es sind jene zwei Mossad-Agenten (eine Frau und ein Mann), die schon vorher Eisner’s Mobiltelefon mit einem Trojaner ausspioniert hatten und deshalb Einblick in die Ermittlungen hatten. (In der politischen Mord-Realität wird natürlich in solchen Fällen nicht geschossen, sondern mit Sprengsätzen gearbeitet)

Der „Hammer“ kommt aber ganz am Ende der Tatort-Folge, denn die letzte Szene zeigt Eisner, wie er vor seinem Vorgesetzten aus dem Innenministerium aussagt, es sei alles so schnell gegangen, man habe nichts tun können um die Täter zu fassen. Dabei lassen sein Gesichtsausdruck und sein Ton darauf schließen, dass er dieses Verbrechen eigentlich nicht bedauert, im Gegenteil …

Den Zuschauern wird also suggeriert, dass ein Beamter des österreichischen Bundeskriminalamtes die Ermordung eines österreichischen Staatsbürgers durch einen ausländischen Geheimdienst gutheißt, weil das Opfer dieses Anschlags es „verdient hatte“ bestraft zu werden, auch zu sterben.

Da er wegen seiner Kontakte zu hohen Politikern das normale Rechtssystem umgehen konnte und illegale Deals einfädelte, die (so die Suggestion) den Bau von iranische Atomwaffen möglich machen würde, sei das quasi eine Art „höhere“ Gerechtigkeit.

just-warDie unheimliche Macht des Staates Israel, dessen psychopatische Version von „Gerechtigkeit“ zig-tausenden Menschen Elend und Tod gebracht hat, wird also dargestellt als Schwert der Vergeltung, fast wie der Vollstrecker eines göttlichen Urteils … die „Feinde“ Israels werden diesem Urteil nicht entkommen …wer schreibt so ein Drehbuch für den Tatort? Anstatt die Mörder (oder Auftraggeber aus Israel) zu fassen, werden sie als Helden der Gerechtigkeit dargestellt?

Wer sich „an die Regeln hält“, wird also verlieren? Soll heißen Gesetze (im moralischen und rechtlichen Sinn) dürfen und sollen, ja müssen gebrochen werden, damit „Gerechtigkeit“ (aus israelischer Sicht) hergestellt wird?

In einem älteren Blog habe ich über diese fanatische Selbstgerechtigkeit Israels (moralischer Absolutismus) u.a. geschrieben:

„Aus dieser Perspektive sind die Ausführungen von Herrn Augstein ein Affront, weil sie die verlogene Selbstdarstellung der israelischen Regierung (und des Zionismus als emanzipatorisches, moralisches  Unternehmen) gewaltig ins Wanken bringt.  Das „Opfervolk“ als gefährliche und unheimliche Atommacht zu präsentieren, für die die gleichen Spielregeln gelten müssen, wie für den Iran – also Kontrollen durch die IAEA, von der Unterfertigung des NPT (Iran hat unterzeichnet und nichts verbrochen, wird aber trotzdem sanktioniert) ganz zu schweigen – das geht nun aber wirklich nicht.“

Dieser „Tatort“ ist ein Skandal und die Verantwortlichen bei ORF, ARD, aber vor allem der Drehbuchautor müssten öffentlich Rede und Antwort stehen, was sie eigentlich mit diesem „Krimi“ wirklich bezwecken wollten. (Das „framing“ in den „Nachrichten“ durch „embedded spin“ im Unterhaltungssektor zu verstärken?)

Wenn diese Art der „psychologischen Operation“ (PSYOP) zum Vorteil der israelischen Regierung als „Unterhaltung“ durchgeht, dann steht uns noch Schlimmes bevor …

Können wir es uns leisten, dieses System weiterhin mit unseren Gebühren zu unterstützen? Die Hetze gegen den Iran, gegen Syrien und jetzt vor allem gegen Russland (Putin) als „Routine“ abtun, die in allen „Informationssendungen“ zur Normalität gehört?

Und jetzt werden auch noch die Unterhaltungsfilme dazu missbraucht, Stimmungen zu schüren und Verbrechen Israels zu verharmlosen?

Bacevich targeted killings

Prof. Andrew Bacevich (der seinen Sohn im zweiten Irak-Krieg verloren hat) schrieb in diesem Kontext („Gezielte Tötungen“) allerdings bezogen auf die USA, nicht Israel (aber die beiden sind ohnehin, moralisch betrachtet, siamesische Zwillinge) vor einiger Zeit:

Der Präsident darf jetzt [im Kampf gegen den „Terror“]  jeden umbringen […] Die Rolle, die man dem amerikanischen Volk dabei zugedacht hat,  besteht darin, zu applaudieren … falls, es über eine erfolgreiche „Aktion“ (Ermordung) dieser Art informiert wurde.“

Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Drehbuchautor dieses „Tatorts“ (und seine Auftraggeber) ähnliche Reaktionen beim Publikum auslösen wollten.

Was muss noch passieren, damit wir uns gegen diese Manipulation der Wahrnehmung wehren, die uns für den nächsten Krieg einstimmen soll?

ANHANG

Hintergründe und geopolitischer Kontext zur Dämonisierung des Iran und der Rolle der USA & Israels:

https://medienschafe.wordpress.com/2012/04/20/grass-thinkpol-4-the-dark-stars/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/04/15/grass-und-die-thinkpol-3-iran-vs-israel/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/10/15/es-ist-angerichtet-churnalism-2012/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/07/22/superman-is-jack-the-ripper/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/06/09/monster-morder-moralapostel-3-terrorr-us/

https://medienschafe.wordpress.com/2012/06/07/monster-morder-moralapostel-2/

https://medienschafe.wordpress.com/tag/iran/

Link zum Tatort (nur in Deutschland):

http://mediathek.daserste.de/Tatort/Deckname-Kidon-H%C3%B6rfassung-Video-tgl-/Das-Erste/Video?documentId=25668026&topRessort=tv&bcastId=602916

 

 

 

   

 

 

 

 

Werbeanzeigen

IS: Kommt der Kalif aus Tel Aviv?

Sleeping_with_the_Devil BaerMeine (und die von vielen anderen Skeptikern geteilte) Vermutung, dass die “Enthauptungs-Videos” (der Amerikaner und Europäer) gefälscht sind, hat sich jetzt bestätigt.

Was mir von Anfang an auffiel, war, dass keine der Geiseln auch nur das geringste Anzeichen von Angst zeigt. Im Angesicht eines grausamen, gewaltsamen Todes ist das extrem unrealistisch und unglaubwürdig. Dann das kleine Messer, garantiert nicht geeignet für eine „Enthauptung“ (man denke z.B. an die Guillotine oder ein Schwert zum Vergleich). Drittens die Inszenierung selbst: zu theatralisch, zu propagandistisch mit Anzeichen für eine Studioaufnahme samt Post-Production. Und letztlich die Tatsache, dass selbst bei enormer Vergrößerung, Aufhellung und scharfem Kontrast absolut kein Blut zu sehen ist.

Der erste große Horror war die angebliche Enthauptung des amerikanischen Reporters James Foley. Dieses Video war natürlich in erster Linie auf das amerikanische „Zielpublikum“ gerichtet, inklusive Präsident Obama. Damit der emotionale Impact noch gesteigert wird, führte der US-Fernsehsender CNN auch ein Interview mit den Angehörigen: Darin sieht man seine Schwester, Katie Folie und seinen Bruder. Beide wirken nicht sehr betroffen. „Katie“ muss sich ein Grinsen verkneifen und der Bruder sieht ziemlich nervös aus. Man kommt nicht umhin zu denken: Trauernde Geschwister sehen anders aus.

SANDY HOOK MEETS ISIS

Alex Israel  Sandy Hook classmateAufmerksame Zuschauer in den USA haben jetzt festgestellt, dass die angebliche Schwester von James Foley ihnen irgendwie bekannt vorkommt. Sie trat unter dem Namen „Alex Israel“ als „ehemalige Mitschülerin“ eines Amokläufers im amerikanischen Fernsehen auf, der in der Stadt Newton (Conneticut) im Dezember 2012 ein Massaker in der Grundschule angerichtet haben soll. Was an diesem Tag wirklich geschah, ist sehr umstritten und es gibt massive Zweifel daran, dass die offizielle Darstellung der Wahrheit entspricht.

Ich habe mir die Videos mehrfach angesehen und eine große Ähnlichkeit der beiden Frauen ist unverkennbar. Aber ist es wirklich dieselbe Person? Augenbrauen, Nase, Kinnpartie scheinen übereinzustimmen. Auch die Stimme klingt gleich (etwas knarrig, wenn sie lauter spricht). Miss „Israel“ sieht allerdings älter aus, finde ich.

Was mich aber endgültig überzeugt hat, war dieser Screenshot am Ende des „Aufdecker“-Videos (Dank an William Engdahl für den Hinweis).

Alex israel is fake Foley sisterDas Lächeln jedes Menschen ist einzigartig. Die Form des Mundes, Fältchen, die dabei entstehen, „Grübchen“, die gesamte Mimik, usw. sind bei jeder Person anders. In diesem Fall ist klar zu erkennen, dass es sich um dieselbe Frau handelt.

Damit lässt sich beweisen, was viele schon lange vermutet haben: wir werden im Rahmen der „Außenpolitik“ gewaltig hinters Licht geführt. Die „strategische Kommunikation“(Lügen ohne Ende) mit der man die Bevölkerung systematisch verarscht, beinhaltet auch solche Videos. Man spielt mit dem Entsetzen und Mitgefühl der Zuschauer wie auf einem Klavier, um die gewünschte Stimmung zu erzeugen. Auf dieser Basis wird dann „Zustimmung“ für kriminelle Operationen generiert, die man in den Zirkeln der Macht schon längst beschlossen hatte. Das wird uns dann als „Demokratie“ verkauft ….

Unsere Papageien-Journalisten interessiert das alles nicht, sie übernehmen einfach den Propaganda-Jargon und sprechen von einer neuerlichen „Enthauptung“, die Angst und Schrecken verbreiten soll, damit unsere kriminellen (und Amerika in den Arsch kriechenden) Politiker weiterhin an der „security“-Schraube drehen können: noch mehr Überwachung, noch mehr Militärausgaben, noch mehr „Interventionen“ überall dort, wo solche „Extremisten“ auftauchen. Und – aktuell- sollte der zögerliche Obama endlich dazu gebracht werden, Syrien zu bombardieren, was ja auch gelungen ist. NATO in Europa ist natürlich auch mit „lethal aid“ dabei.

Eigentlich wäre es die Pflicht des Journalisten zunächst einmal die Quelle der Information zu prüfen: Woher kommen diese Videos? Wer verteilt sie?

TERROR-NEWSFEED: INFORMATION OR INDOCTRINATION?

Wir sollen natürlich glauben, das seien die „Terroristen“ selbst, aber das ist hier eben nicht der Fall. Die Quelle für diese Videos ist eine (ursprüngliche Non-Profit) Organisation mit dem Namen SITE (Suche nach Internationalen Terroreinheiten). Man muss sich fragen: Was bringt eine private Unternehmung dazu, nach Material über Terroristen zu suchen bzw. deren Auftreten im Internet zu analysieren? Ist das nicht die Aufgabe staatlicher Sicherheitsbehörden?

Die „Dienstleistung“ die hier angeboten wird, besteht nach eigenen Angaben aus „der Beschaffung von Informationen im Zusammenhang mit Terror-Netzwerken für Regierungen, Nachrichten-Medien und die allgemeine Öffentlichkeit.“

SITE hat Videos und Statements aus angeblichen Chat-foren von Extremisten veröffentlicht, deren Authentizität aber angezweifelt werden muss. So wurde z.B. im September 2007 von SITE ein „Bin Laden Video“ angekündigt, dass sich später als Fälschung herausstellte. (SITE scheint überhaupt einen extrem guten Draht zur PR von „Al Kaida“ zu haben …) An wen wurde das Video als erstes verteilt? An die US-Regierung und an AP, eine der größten Presseagenturen der Welt und zwar bevor es offiziell von „Al Kaida“ veröffentlicht wurde.

Wozu braucht man in einem Land, das unglaubliche Summen für Überwachungssysteme ausgibt und angeblich rund um die Uhr „Terrorbekämpfung“ praktiziert (über NSA, FBI, usw.) eine private Organisation, die hier mitmischt und Informationen an die Medien herausgibt?

Die Antwort kann eigentlich nur lauten: (black) Propaganda im Sinne derjenigen, die das große „Re-Modelling“ des Nahen Ostens im Sinne haben. Da fallen einem an erster Stelle Israel und seine zionistischen Unterstützer, die „neocons“ in den USA ein.

So hat SITE mehreren islamischen Wohlfahrtsorganisationen unterstellt, sie seien nur Fassaden für versteckte Terrorförderung, obwohl das FBI niemals Beweise für diese Anschuldigungen fand und auch keine Anklage erhoben wurde. Hier soll offensichtlich Angst und Unsicherheit generiert werden und die Islamophobie nach 9/11 neue Nahrung erhalten.

Dass auch berüchtigte Firmen wie Blackwater (später : Xe, dann „Academi“) SITE mit Lob überschütten und als „unschätzbare Quelle“ bezeichnen, lässt die Alarmglocken nur noch lauter läuten.

Das Foley-Video ist also eine Fälschung, deshalb ist davon auszugehen, dass auch die „Enthauptung“ von Steven Sotloff (der auch einen israelischen Pass hat) sowie die nachfolgenden eine Inszenierung ist.

Die Leiterin von SITE, Rita Katz (diente in der israelischen Armee, mehr über sie weiter unten) wurde im amerikanischen Fernsehen (CNN) dazu befragt, wie es ihrer Organisation gelang, dieses Video – vor allen anderen – zu „finden“.

Rita Katz on CNNWas sie darauf antwortet, ist äußerst bemerkenswert:

Wir haben die Bedrohung durch den Jihad seit mehr als einem Jahrzehnt beobachtet (online) … ihre Aktivitäten überwacht … ihre Methoden studiert .. wir können vorhersagen, wo sie diese Videos ins Internet stellen; wir haben das Video an einem Ort gefunden, wo ISIS normalerweise ihre Videos ins Netz stellen; dieses Video zeigt eine klare Botschaft von ISIS …die gleiche wie vorher … Die ISIS Meldungen in den social media deuteten darauf hin, dass sie in Kürze ein Video veröffentlichen würden, doch wir hatten das Video schon vorher und konnten ihnen bei der Veröffentlichung zuvorkommen“

Journalistin: Sind Sie sicher, dass das Video wirklich echt ist? (was gezeigt wird, die Realität ist)

Katz: Das Video zeigt die Enthauptung von Sotloff.

Mir war schon vorher klar, dass der moderne Mainstream-Journalist eine eingeschränkte Denkfähigkeit haben muss, um Karriere zu machen, aber dass es so schlimm ist, wusste ich nicht.

Frau Katz argumentiert mit zwei sich ausschließenden Prämissen: Sie hat das Video „gefunden“

  1. weil ihre Organisation weiß, wo ISIS-Videos ins Netz gestellt werden und diese Seiten kontinuierlich von SITE überwacht werden
  2. sie wusste, dass die Veröffentlichung eines ISIS-Videos unmittelbar bevorstand (wegen Ankündigungen auf Twitter, etc.) doch sie HATTE DAS VIDEO SCHON VORHER und konnten deshalb als Erste damit an die Öffentlichkeit gehen (?)

WTF is going on here?

Drei Fragen drängen sich auf: Wie konnte SITE das angebliche ISIS-Video publizieren, bevor diese es selbst getan hatten? Woher hatten sie es? Wie ist es möglich, dass diese ominöse (kleine) Firma die Medien mit Informationen über islamistische Terrorgruppen füttert, ohne dass irgendjemand deren Echtheit überprüft?

Bob Baer on CNNEinen ersten Hinweis auf die Antworten darauf, gibt der Gesichtsausdruck von Robert Baer, (ehemaliger CIA-case officer mit Spezialgebiet Nahost), der auch in dem Video von CNN zu sehen ist.

Um auf die o.a. Fragen Antworten zu finden, müssen wir uns Frau Katz und ihre Vita etwas näher anschauen:

Frau Katz wurde 1963 angeblich im Irak, in der Stadt Basra als Tochter eines sehr wohlhabenden jüdischen Geschäftsmannes (Fuad Gabbay) geboren. 1968 (im Gefolge des 7-Tage Krieges) wurde ihr Vater als israelischer Spion verhaftet und öffentlich gehenkt, nachdem er vor laufender Kamera „gestanden“ hatte. Die Familie wurde unter Hausarrest gestellt, das Vermögen beschlagnahmt. Schließlich gelang es aber 1971 zu fliehen: zunächst in den Iran und dann nach Israel.

Nach ihrem Schulabschluss studierte Katz angeblich Geschichte und Politikwissenschaft in Tel Aviv, wo sie auch ihren späteren Mann traf. Ihre Mutter verdiente den Lebensunterhalt in der Textilbranche: sie soll Bekleidung für orthodoxe Juden produziert haben. Man fragt sich allerdings, wozu Rita studiert hat, denn sie hat nach anscheinend nie eine Stellung gehabt, die ihrer Ausbildung entsprochen hätte: nach der Graduierung hat sie ihrer Mutter im Geschäft geholfen.

1997 wurde ihrem Ehemann (einem Arzt) eine Forschungsstelle am NIH in Washington angeboten, worauf das Paar nach Amerika ging. Frau Katz fand eine Stelle in einem Unternehmen, das von Steve Emerson geleitet wurde. Dieses „Investigative Project“ spezialisierte sich darauf, arabisch-muslimische Organisationen in den USA im Hinblick auf mögliche Kontakte zu „Terrorgruppen“ unter die Lupe zu nehmen und da kam Katz mit ihren guten Arabischkenntnissen gerade recht.

Nicht nur als Übersetzerin, sondern auch als „undercover“ Agent: sie mischte sich bei Veranstaltungen arabisch-muslimischer Vereine unters Volk und da sie die Sprache wie ein Iraker sprechen konnte, fiel es ihr nicht schwer, als „Araberin“ durchzugehen.

Der Zweck dieser Tarnung war, „radikale Islamisten“ auszuforschen, die sich hinter wohltätigen Organisationen verstecken. Dass Katz und Emerson selbst als “radikale Zionisten” bezeichnet werden können, darf natürlich kein Thema sein.

In einem Interview bei MSNBC sagte Katz (2003):

Den islamistischen Fundamentalismus gibt es in den USA schon seit vielen Jahren. Von Hisbollah bis Al Kaida oder dem Palästinensischen Jihad- sie haben es geschafft, dieses Land in jeder unserer großen Städte zu infiltrieren“

Bereits hier wird klar, welche Ziele Katz & Co. wirklich verfolgen:

Den Widerstand der Palästinenser (gegen die brutale, israelische Besatzung und den andauernden Landdiebstahl) sowie Hisbollah, (die gegen die kriminelle Aggression Israels gegenüber dem Libanon kämpft) in eine Schale zu werfen mit „Al Kaida“.

  • Politischer Widerstand gegen Israel, der notgedrungen auch gewalttätig ist, soll also gleichgesetzt werden mit fanatischem, religiösem Sektierertum,
  • Nicht die Entrechtung und Qual der Palästinenser (seit Jahrzehnten) sollen als Ursache der Gewalt angesehen werden, sondern verrückte Pläne zur Schaffung eines Kalifats, in dem im Namen des Islam alle terrorisiert werden
  • Mitgefühl undVerständnis dafür im Westen und der Widerstand selbst sollen kriminalisiert und pathologisiert werden.

Katz und Emerson leisteten in den 1990er Jahren (wie wir noch sehen werden) entscheidende Vorarbeit für das „Mega-Märchen „9/11“: sie bereiteten den geistigen Nährboden (das emotionale „framing“) dafür, dass die Ereignisse vom 11. September „richtig“ interpretiert wurden: überall lauern fanatische (vor allem arabische) Extremisten, die im Namen Allahs unsere Sicherheit bedrohen, Massenmord begehen und unsere „freie“ Gesellschaft vernichten wollen.

ZIONIST  JIHAD  IN  AMERICA

JihadInAmericaSteve Emerson erregte Aufsehen, als er 1994 den Film „Jihad in America“ ins amerikanische Fernsehen brachte. Diese „Dokumentation“ sollte Ängste schüren u.a. Präsident Clinton dazu bringen, härtere Gesetze einzuführen, um der „Terrorgefahr“ durch fanatische Araber besser begegnen zu können. Der altgediente Reporter der “linken” amerikanischen Zeitung The Nation, Robert Friedman, warf Emerson vor Massenhysterie gegen amerikanische Araber erzeugen zu wollen.

Emerson und drei ehemalige Regierungsmitglieder der Likud-Partei (die Yitzak Rabin als „die Dreierbande“ bezeichnete) waren maßgeblich daran beteiligt, im amerikanischen Kongress Stimmung gegen die „Friedensverhandlungen“ mit Arafat zu machen und zu verhindern, dass eine Einigung mit Syrien zustande kam (über die von Israel besetzten Golanhöhen).

Emersons Rolle als “Aufdecker” verdeckter Terrorgruppen ist nicht glaubwürdig, vielmehr ist nicht zu übersehen, dass sein größtes Engagement darin besteht, ständig Araber bzw. Muslime anzugreifen und Ängste vor ihnen zu schüren. Seine Behauptungen werden nicht überprüft, da er als “Terrorismusexperte” auftritt und von einflussreichen, jüdisch-zionistischen Organisationen unterstützt wird. Gleichgesinnte in Think-Tanks schreiben Lobgesänge über seine Artikel und Bücher, wodurch er „Ansehen“ erhält und immer öfter in den Medien auftritt. Doch bei näherer Betrachtung hat er jede Menge Falschheiten in die Welt gesetzt:

(Ich habe schon immer gefragt, wie man eigentlich „Terrorexperte“ wird, aber anscheinend kann im Prinzip jeder den Job machen, wenn er die richtigen Beziehungen hat …)

Sein Buch “Terrorist” (1991) wurde vom Feuilleton der NYT so bewertet: „ es ist durchdrungen von faktischen Irrtümern … und einer allgegenwärtigen anti-arabischen und anti-palästinensischen Gesinnung“

Die Organisation FAIR (die die Rolle der US-Medien kritisch durchleuchtet) hat 1999 einen sehr aufschlussreichen Artikel über Emerson und sein „investigatives“ Projekt (bei dem Katz ja anfing) veröffentlicht und dabei zu Recht von einem „Kreuzzug“ gesprochen. Emersons Erfolge als Analyst und Terroraufdecker sind mehr als fragwürdig. Hier eine Auswahl seiner falschen Prognosen / Diagnosen:

Er behauptete felsenfest, dass das Bombenattentat in Oklahoma City 1995 von Islamisten geplant war (verurteilt dafür wurde Timothy McVeigh, ein Amerikaner, der absolut nichts mit dem Islam zu tun hatte).

Verräterisch ist allerdings seine Begründung dafür, woran er denn erkennen konnte, dass es sich um „arabischen Terror“ handeln würde. Seine Antwort: Das Attentat zeige „ein charakteristisches Merkmal des Nahen Ostens: die Absicht, so viele Tote wie möglich zu verursachen“. Als sich herausstelle, dass er völlig falsch lag, wurde sein Vertrag als „Terror-Experte“ bei CBS nicht verlängert und auch die Washington Post mied ihn als Quelle (davor hatte man ihn aber regelmäßig genutzt).

Doch Emersons dubiose “Terror-Expertise” (als praktizierender Journalist) war dank seiner exzellenten Verbindungen nicht totzukriegen: 1997 engagierte ihn die Presseagentur AP als „Berater“ für eine Serie über Muslime in Amerika. Emerson legte den Reportern angebliche FBI-Dokumente vor, die beweisen sollten, dass harmlos klingende Vereine amerikanischer Muslime Sympathien für „Terroristen“ hätten. Doch einer der Journalisten entdeckte, dass es einen Artikel von Emerson gab, der fast wortgleich mit dem „FBI-Bericht“ war. Dieser (Richard Cole) sagte später: „Das FBI-Dossier stammte von ihm selbst.“

Ein anderer AP-Reporter kommentierte Emersons Kompetenz als Terror-Aufdecker mit den Worten: „Er konnte seine Behauptungen nie durch Fakten untermauern“.

Wie reagierte Emerson auf diese unangenehme Wahrheit? Er veröffentlichte eine seitenlange Hetzschrift gegen AP. Der Chefredakteur von AP wollte dazu auf Anfrage von FAIR nicht Stellung nehmen.

ANGRIFF  AUF  TAMPA

AmericanJihadIn seinem Propaganda-Film und Buch „Jihad in America“ wurden Islamgelehrte an der Universität Tampa (Florida) angegriffen. Das ging so weit, dass Emerson (und eine Zeitung) behaupteten, Mitglieder der Fakultät seien gleichzeitig Kommandeure des Islamischen Jihad. (eine bewaffnete, palästinensische Widerstandgruppe, die er vor dem US-Kongress als „einer der tödlichsten Terrorgruppen der Welt“ bezeichnete). Damit nicht genug, wollte Emerson auch noch den Eindruck erwecken, die Islamgelehrten in Tampa seien am Bombenanschlag auf das World Trade Center (1993) beteiligt gewesen (klingelt da was?).

Auf die Frage von Reportern, welche Beweise er dafür habe, reagierte er ausweichend. Es gäbe verdächtige Überweisungen, Reisen zwischen Tampa und New York, etc.

Doch weder das FBI noch das Justizministerium in den USA haben (Jahre später) jemals Anklage gegen einen der „Verdächtigen“ erhoben. Dass diese Leute (in Tampa) ihre Empathie für den Freiheitskampf der Palästinenser geäußert haben, ist wohl der eigentliche Grund für diese „character assassination“ und mediale Hetze. (Und – wie schon erwähnt – die Vorbereitung der gewünschten Stimmung für „9/11“)

Emersons Kreuzzug machte nicht einmal vor dem CFR halt: 1996 attackierte er deren Newsletter, weil darin auch Muslime zu Wort kommen durften. Daraufhin erhielt er von dessen Präsident den Titel “der große Inquisitor”. Journalisten, die die Behauptungen Emersons Lügen strafen, werden auch in diesem Sinne verfolgt: so erging es Martin Merzer vom Miami Herald, der im Kampfblatt „Journal für Counterterrorismus & Internationale Sicherheit“ von Emerson denunziert und lächerlich gemacht wurde.

Die Bombenanschläge auf die US-Konsulate in Kenia und Tansania boten Emerson aber wieder Gelegenheit, mit seinen anti-arabischen Tiraden die mediale Bühne zu betreten. Seine rassistische, volksverhetzende Aussage, der Islam „ billige Genozid, plane Genozid als Teil seiner religiösen Doktrin“ (in einem Artikel in einer jüdischen Zeitung 1995) war anscheinend ebenso wenig ein Hinderungsgrund wie seine Warnung, die radikalen Muslime in Amerika planten „Massenmord aller Juden, Christen und gemäßigten Muslime“ (Diese emotionale „Einstimmung“ für 9/11 und „Prophezeiung“ von ISIS ist frappierend: Ist der Kalif ein Produkt aus Tel Aviv?)

Die Zeitung Jerusalem Post schrieb am 17.Septetmber 1994, Emerson “hat enge Verbindungen zum Israelischen Geheimdienst. Wen kann das noch überraschen?

Insgesamt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich hier um eine gewaltige Form der Projektion handelt: diese radikalen Zionisten und ihre Handlanger tun alles, um die arabischen Muslime in die Rolle der neuen „Juden“ zu drängen, wie sie im Dritten Reich dargestellt wurden: verschlagen, gefährlich, eine pauschale Bedrohung der Gesellschaft.

NO  TAXATION  FOR  AGITATION

Emerson praktiziert nicht nur (rassistische) Volksverhetzung zum Schaden aller Muslime in den USA, er verdient damit auch noch ordentlich: So deckte eine Tageszeitung aus Nashville auf, dass er die Steuerbefreiung für gemeinnützige Organisationen missbraucht:

Emerson ist ein führendes Mitglied einer Millionen-Dollar schweren Industrie von (selbst-ernannten) Terrorexperten, die Hass gegen Muslime in Büchern, Filmen und Websites verbreitet.“

Die Reporter fanden heraus, dass die Spenden, die IPTF erhielt praktisch zur Gänze an eine Tochterfirma gehen (SAE Productions). An dieses profitorientierte Unternehmen zahlte Emerson alleine im Jahr 2008 fast 3,5 Millionen Dollar, verbucht als einzig relevante „Ausgabe“. Diese Firma buchte dann ihre Ausgaben im Namen der steuerbefreiten IPTF. Was heißt das? Die Leute können ihre Spenden absetzen und unterstützen in Wahrheit eine undurchsichtige Firma, die steuerpflichtig ist.

Emerson

Steve Emerson

Auf diese Weise konnte IPTF (die tendenziöse Terror-Forschung betreibt) die rigorosen Offenlegungsvorschriften der US-Steuerbehörde (IRS) für wohltätige Organisationen umgehen. Klartext: niemand weiß, was er mit dem Geld wirklich macht. Als die IRS im Jahr 2007 nachhakte, antwortete Emerson, wegen Sicherheitsbedenken sei dieses Arrangement notwendig. Er habe selbst schon Todesdrohungen erhalten und das existierende System würde auch seine Mitarbeiter schützen. Das kennen wir ja von den staatlichen Terror-Fahndern: Geheimhaltung ist nötig, weil es um „nationale Sicherheit“ geht, damit kann man alles vertuschen.

Einer der größten Spender von IPTF, Kenneth Bialkin, äußerte sich so über Emerson:

Keiner, der dem jüdischen Volk durch seine Arbeit helfen will, steht höher in der Ruhmeshalle als Steve Emerson. Wir alle, die Hardliner, glauben, dieser Typ ist mit Gold nicht aufzuwiegen

LETTING  THE CAT (NOT) OUT  OF  THE BAG

Ali Baba cartoonRita Katz führt das Werk von Emerson weiter und spezialisiert sich auf die Online-Überwachung jener Webseiten, die dem „radikalen Islam“ zugerechnet werden. Auch bei ihr ist offensichtlich, dass als erstes Ziel der palästinensische Widerstand kriminalisiert werden sollte.

In den Köpfen des Publikums sollen Al Kaida, Al Nusra oder wie die synthethischen Terror-Werkzeuge des Imperialismus gerade heißen, mit Hamas und Hisbollah gleichgesetzt werden. Damit wir sie hassen und fürchten (lernen).

Das erste Opfer von Katz war HLF, eine Hilfsorganisation für den Nahen Osten. „Rita“ besuchte ihre Spenden-Veranstaltungen verkleidet als Muslima und forschte in dieser Tarnung nach Terrorverbindungen. Im Herbst 2001 veranlasste Präsident Bush das „Einfrieren“ der Konten von HLF mit der Begründung, dass damit „Morde im Ausland“ (im Auftrag von Hamas) finanziert würden. Dann wurden die Leiter der Organisation angeklagt, doch wie die New York Times sarkastisch anmerkte, „sie unterstützten den Terror durch Überweisung von 12 Millionen Dollar an Komitees, die Krankenhäuser bauten und die Armen mit Essen versorgten“.

Als die Sache 2007 vor Gericht kam wurden die Angeklagten frei gesprochen.

Auch Katz schrieb Artikel im Kampfblatt von Steve Emerson (JCSI) gemeinsam mit einem jungen Praktikanten bei IP, Evan Kohlmann. Diesmal wurde Hisbollah dämonisiert: es sei ein Irrglaube, dass Hisbollah eine Widerstandsgruppe ist, die die israelische Besatzung des Süd-Libanons stoppen will. Es handle sich um eine Terrorgruppe, die nicht nur Israel bedrohe, sondern den Westen generell und zu diesem Zweck sogar eine „Terror-Universität“ gegründet habe (finanziert vom Iran).

2002 gründete Rita Katz dann SITE und trennte sich von Emerson.2008 wurde das Unternehmen unter dem Namen SITE Intelligence Group neu aufgelegt.

Katz arbeitet auch als „Berater“ des FBI und dank ihrer Tätigkeit kam im März 2002 zu einer Serie von brutalen Hausdurchsuchungen in Nord-Virginia. Wieder standen islamische Gelehrte unter Verdacht. Die Familie der Betroffenen klagte gegen diese Vorgangsweise mit der Begründung, die Grundlage für den Durchsuchungsbeschluss sei frei erfunden. Doch so kurz nach 9/11 konnte Katz sicher sein, dass jeder „Terrorverdacht“ schwerer wog als irgendwelche Grundrechte.

Die jüdische Online-Zeitung Forward zitierte zwei anonyme Quellen dazu: „ Katz hat ihre Rolle in der Untersuchung künstlich hochgespielt, unhaltbare Schlüsse gezogen und das Vertrauen des FBI und des Justizmiesnisteriums verloren.“ 32

Auch das Verfahren gegen Sami Omar al-Hussain (2003/2004) machte Schlagzeilen. Ein Informatik-Student aus Saudi Arabien, der sich auf die Doktorarbeit vorbereitete, wurde beschuldigt, „materielle Hilfe“ an eine Terrorgruppe geleistet zu haben. Wodurch? Er hatte eine Website für eine muslimische Organisation aufgebaut und ehrenamtlich betreut (IANA). Die Gruppe wurde schon vorher vom FBI überprüft, aber es wurde nie Anklage erhoben.

Al Hussain musste 18 Monate in U-Haft sitzen, bis es zum Prozess kam. Das Urteil? Freispruch in allen Punkten.

Die Regierung (er) fand dann noch eine Übertretung der Visa-Bestimmungen (er hatte in fünf Jahren 300 Dollar als Webmaster erhalten, dieses „Einkommen“ war ihm aber nicht gestattet, weil er keine Arbeitserlaubnis hatte) um in abzuschieben.

Es gibt noch mehr Beispiele, aber ich denke, die Sache ist klar: diese „Terror-Experten“ arbeiten ganz offensichtlich im Interesse Israels und schüren Hysterie, Misstrauen und Hass gegen Muslime / Araber.

Weil die Papageien-Presse in den USA die Behauptungen dieser Leute ungeprüft übernehmen (wobei die Eitelkeit der Presse, die „ersten“ sein zu wollen („breaking news“), ausgenutzt wird) kommt es zu einem Echo-Effekt. Die Presse zitiert sich gegenseitig und schon ist der „Experte“ salonfähig. Die beiden großen Zeitungen NYT und Washington Post greifen regelmäßig auf Katz & Co. zurück.

Michael Scheuer, der früher bei der CIA in der „Bin Laden“ Einheit tätig war, sagte dazu „ SITE tendiert dazu, die Terrorgefahr hochzuspielen …“. (You bet).

9/11 – GOOD FOR THE SNOOPING BUSINESS

The-Power-of-NightmaresSITE (und Katz) konnte natürlich nichts Besseres passieren als „9/11“: wer daran zweifelt, dass eine private – extrem voreingenommene – Organisation geeignet ist, online-Botschaften von mutmaßlichen Terroristen zu übersetzen und zu analysieren (in Windeseile), bekommt natürlich zu hören, dass der millionenschwere, staatliche Sicherheits- u. Überwachungsapparat im Falle des 11. September ja gründlich versagt hat. (Katz bekommt seither auch Aufträge vom FBI und damit Einblicke in die Terrorfahndung – da freuen sich Leute in Tel Aviv …)

Ein Reporter des New Yorker besuchte im Mai 2006 das Büro von SITE um Katz zu interviewen. Das war ihm nur gestattet, wenn er die Stadt, wo sich SITE befindet, nicht namentlich erwähnt (!). Als er dort ankam, sah er ein Schild einer imaginären Firma und eine Überwachungskamera vor dem Eingang.

Im Büro selbst sah es aus „in den Räumen einer Studentenzeitungsredaktion“: drei Zimmer, zwei Übersetzer und milchgesichtige Praktikanten, die „Research“ betreiben. Die Atmosphäre sei durch „enorme Isolation“ geprägt gewesen, jeder war total vertieft in sein eigenes Projekt.

SITE bietet einen Service für Abonnenten: für 2.500 Dollar pro Jahr erhalten die Kunden blitzschnell aktuelle Informationen über die „Terrorgefahr“. Die Übersetzung arabischer Texte muss also in Windeseile gemacht werden und SITE liefert dazu auch noch eine „Analyse“ – auf Basis welcher Kompetenz?

Professionelle Analysten zweifeln auch die Qualität der SITE Übersetzungen an, u.a. deshalb, weil „ein arabisches Wort vier oder fünf Bedeutungen haben kann (es kommt eben auf den Kontext an) und SITE immer die aggressivste Version auswählt“. So ex CIA-Analyst Michael Scheuer.

Katz machte auch Schlagzeilen, als sie bzw. SITE behauptete, eine industrielle Hühnerfarm in Virginia diene als Geldwäscheanlage für Terrorfinanzierung.Auch in diesem Fall wurden die Betreiber nie vor Gericht gestellt, verklagten aber ihrerseits SITE (und den Sender CBS) wegen Verleumdung und Geschäftsschädigung. Das Verfahren zog sich hin und endete schließlich damit, dass der Klage nicht stattgegeben wurde. Begründung? Diese Behauptungen fallen unter das „first amendment“ der US-Verfassung, also unter die „Redefreiheit“.

Ihr nächster vermeintliche „Coup“ war die Warnung, radikale Islamisten planten Anfang 2006 einen Anschlag auf die Alaska-Pipeline. Die Panik, die daraufhin bei den Mitarbeitern der Wartungsfirma ausbrach, war groß aber völlig unbegründet, wie der Manager kurz darauf in einem Interview bekanntgab. Weder das FBI, noch irgendeine andere Sicherheitsbehörde sahen Grund für Alarm, nur Katz trug dick auf, um ihre Organisation wichtiger zu machen, als sie ist.

Doch die Meldung wurde von den US-Medien übernommen und somit erhielt die anti-arabische Stimmung und die „Terrorangst“ im Land wieder neue Nahrung. Das war ja auch das eigentliche Ziel der Übung.

Dass Katz, Emerson & Co. im Dienste Israels arbeiten bestätigt auch der ehemalige CIA Agent Vincent Cannistraro. Woher er das weiß? Weil „sie“ versucht hätten, ihn auch zu rekrutieren.

CUI BONO?

isis mercenaries

the power of illusions …

Fazit: Der ganze islamistische Terror-Scare ist eine gigantische psyop und Medieninszenierung, hinter der natürlich die Geheimdienste stecken (aus Washington, London, Paris, Ankara, Tel Aviv und Saudi Arabien. Der BND wird auch irgendwie mitmischen …)

Es liegt auf der Hand, dass neben den alten, imperialistischen Motiven (Kontrolle der Rohstoffe wie Öl und Gas] der größte Gewinner dieser Dämonisierung des Islams und des palästinensischen Widerstands der Staat Israel ist. Auch 9/11“ ist in diesem Licht zu betrachten …

(Dass die Saudis diese synthetischen Terroristen seit Jahrzehnten finanziert haben, ist eine Tatsache, ebenso die Unterstützung durch die Türkei unter Erdogan … )

 

 

      

FAKE REALITY: Von Gleiwitz (1939) bis Hula (2012)

[Gleiwitz war Hitlers Vorwand, um Polen zu überfallen  und das ganze als notwendige „Verteidigung“ gegen brutale Angreifer hinstellen zu können.. ]

Ist dieser Cartoon bloß ein graphischer, zynischer Kommentar der „Vorfälle“ in Syrien oder eine Form geschmackloser  Anti-Assad Propaganda?

Ich denke es ist eine subtile Form von Gräuelpropaganda und daher abzulehnen. Doch in der Presse wird viel häufiger ein verbales Mittel der Manipulation eingesetzt, das Framing, deshalb soll hier näher beschrieben werden, warum diese Technik so effektiv ist:

Die Wortwahl, die Formulierung eines Satzes an sich, löst bereits eine gewünschte Interpretation und damit verbundene Emotionen aus. Framing ist ein sehr wirksames Werkzeug zur Manipulation der Wahrnehmung, weil es uns eine Art mentale „Abkürzung“ ermöglicht.

Anstatt sich selbst Gedanken zu machen, Fragen zu stellen, Hintergründe zu durchleuchten, Aussagen (auch und gerade von Autoritäten) anzuzweifeln – was Zeit und Mühe erfordert und sehr unangenehm sein kann, wenn das eigene Weltbild oder Vertrauen in Institutionen dadurch in die Brüche gehen – bekommen wir eine intellektuell bequeme  Version „serviert“.

Diese vorgefertigten Rahmen (z.B. automatische Reaktion auf „Massaker in Syrien“) ermöglichen es uns, Informationen sehr schnell zu verarbeiten. Daher benutzen Menschen bereitwillig die bereits etablierten Filter um die eingehende Information einzuordnen. Auf diese Weise bekommen die Sender, also die  Urheber des „framings“ enorme Macht über die Empfänger der Nachricht. Sie kontrollieren im Endeffekt, was diese (also wir) über das betreffende Thema denken und fühlen.

Die Orgie an Desinformation, die seit Monaten über Syrien verbreitet wird, stützt sich auch zu großen Teilen auf diese Manipulationstechnik nach dem Motto: Gib der Wahrheit keine Chance …

Zuerst ein Funken Hoffnung:  Es gibt anscheinend doch noch ein paar Journalisten / Zeitungen in Deutschland, die sich inmitten einer gewaltigen PR-Schlacht auf die Suche nach der Wahrheit begeben. Eine davon ist wohl die FAZ, die – wenn auch im Titel sehr verhalten und irreführendbegründete Zweifel an der gegen Assad gerichteten Gräuelpropaganda  äußert. Rainer Hermann beruft sich auf glaubwürdige Augenzeugen, die die von den „Rebellen“ verbreitete Version als gänzlich falsch erscheinen lässt:

„Das Massaker von Hula hatte sich nach dem Freitagsgebet ereignet. Die Kämpfe setzten ein, als sunnitische Rebellen die drei Straßenkontrollen der syrischen Armee um Hula herum angriffen. Die Kontrollpunkte haben die Aufgabe, die alawitischen Dörfer um das überwiegend sunnitische Hula vor Anschlägen zu schützen.

Eine angegriffene Straßenkontrolle rief Einheiten der syrischen Armee zu Hilfe, die 1500 Meter entfernt eine Kaserne unterhält und umgehend Verstärkung schickte. Bei den Kämpfen um Hula, die 90 Minuten gedauert haben sollen, wurden Dutzende Soldaten und Rebellen getötet. Während der Kämpfe waren die drei Dörfer von Hula von der Außenwelt abgeriegelt.

Nach Angaben der Augenzeugen habe sich das Massaker in dieser Zeit ereignet. Getötet worden seien nahezu ausschließlich Familien der alawitischen und schiitischen Minderheit Hulas, dessen Bevölkerung zu mehr als neunzig Prozent Sunniten sind. So wurden mehrere Dutzend Mitglieder einer Familie abgeschlachtet, die in den vergangenen Jahren vom sunnitischen zum schiitischen Islam übergetreten sei. Getötet wurden ferner Mitglieder der alawitischen Familie Shomaliya und die Familie eines sunnitischen Parlamentsabgeordneten, weil dieser als Kollaborateur galt. Unmittelbar nach dem Massaker hätten die Täter ihre Opfer gefilmt, sie als sunnitische Opfer ausgegeben und die Videos über Internet verbreitet.“

Wie ich schon in den vorherigen Blogs erwähnt habe, ist die Religionszugehörigkeit der Opfer in diesem Fall ein entscheidender Hinweis auf die Täter und – wie vermutet – sind die Opfer in erster Linie Alawiten (wie Assad) oder Schiiten.

Sunnis werden nur umgebracht, wenn sie als „Verräter“ gelten (mehr dazu weiter unten).

Autobomben in Damaskus

Das passt haargenau zu jenem gründlich recherchierten Bild, das Seymour Hersh gezeichnet hat und über das ich im letzten Beitrag ausführlich berichtet habe: extremistische, fanatische Sunni-Kämpfer (inklusive „Al Qaeda“ und anderem kriminellen Gesindel), unterstützt von Geheimdiensten und indoktrinierten „Freiwilligen“ aus arabischen Ländern, wurden vom Libanon aus bzw. über die türkische Grenze nach Syrien geschleust, um durch geplante Terroranschläge Angst und Schrecken auszulösen und das Land in Chaos und Bürgerkrieg versinken zu lassen.  Die Massaker und Gräueltaten werden dann – getrieben von einer professionell koordinierten Medienkampagne – der syrischen Regierung angelastet, um einen MORALISCHEN Vorwand für ein „Eingreifen des Westens“ zu konstruieren – der in Wahrheit schon längst die Fäden im Hintergrund zieht!

Die USA, Saudi Arabien, die Golf-Emirate, aber auch Israel, die Türkei, Großbritannien und Frankreich stecken hinter diesen „Rebellen“ (die nichts mit der legitimen, friedlichen syrischen Opposition zu tun haben), und VON ANFANG AN mit Waffen ausgerüstet waren – „Assad hat auf friedliche Demonstranten geschossen“, das ist die „Big Lie“, die das ganze ins Rollen gebracht hat.

Die in der FAZ dargestellte Schilderung der Ereignisse in Houla – vor allem wer wirklich dahintersteckt und die dadurch implizierte Verlogenheit und falsche charakterliche Darstellung der „Rebellen“ in den Medien wird auch von anderen Journalisten bestätigt.

So z.B. der britische Journalist Alex Thompson, der folgendes auf seinem Blog veröffentlicht hat:

… Wir passieren die erste Straßensperre der „Freien Syrischen Armee“. Nach einer langen und staubigen halben Stunde Fahrt durch Olivenhaine kommen wir in Al Qusayr an […]

Die UN lässt sich für ein langes Treffen mit der zivilen und militärischen Führung nieder, die mich an die afghanische Shura erinnert. […] Draußen werden uns Granatsplitter gezeigt, damit wir sie filmen. […] Wir warten auf die UN, damit wir wieder fahren können – sie sind die einzige Möglichkeit einigermaßen sicher über die feindlichen Linien zu kommen. Doch unsere Deadline kommt immer näher, und da ist dieser wirklich nervige Typ, der behauptet er sei vom „Geheimdienst der Rebellen“ und nicht glaubt, dass wir  Visa von der Regierung haben.

Nach seiner Sicht sind ausländische Journalisten Leute, die vom Libanon illegal eingeschleust werden und sonst nichts. Wir passen nicht in dieses Profil. Er und seine Kumpane machen auch unserem Fahrer und  unserem Übersetzer Schwierigkeiten – ihre Ausweise aus Damaskus bzw. unsere Nummerntafel aus Damaskus machen sie Sache auch nicht leichter.

Das ist etwas Neues. Feindselig. Das ist nicht wie Homs oder Houla und die Besprechung der UN zieht sich noch immer in die Länge an diesem heißen Nachmittag […]

EINE FALLE UM ERSCHOSSEN ZU WERDEN?

Plötzlich winken uns vier Männer in einem schwarzen Auto, wir sollen ihnen folgen. Wir fahren hinter ihnen her. Sie führen uns aber zu einer anderen Strecke … sie führen uns – tatsächlich – geradewegs in eine „Feuer-frei“ Zone … die Freie Syrische Armee (Rebellen oder FSA) weist uns den Weg in eine Straße,  die in einer verlassenen Gegend plötzlich total blockiert istan diesem Punkt hören wir Schüsse … [die Straße war so schmal, dass man keinen U-Turn machen konnte, sondern einen Y-Turn, also rückwärts, vorwärts noch mal rückwärts, usw. bis sich das Fahrzeug in die entgegengesetzte Richtung gedreht hatte –man kann sich die Angst der Journalisten vorstellen, so ein Fahrmanöver unter Beschuss ausführen zu müssen]

Endlich hat sich der Wagen herumgedreht, wir geben Gas und suchen in der nächsten Seitenstraße Deckung … schon wieder eine Sackgasse … wir haben also keine Wahl und müssen dieselbe Route zurückfahren, die wir gekommen sind .. . Das schwarze Auto, das uns in die Falle gelockt hat, ist noch da. Sie brausen davon, sobald sie uns sehen.

Ich bin mir völlig im Klaren darüber, dass die Rebellen uns absichtlich eine Falle gestellt haben, damit uns die Syrische Armee erschießt. Tote Journalisten sind ganz schlecht für Damaskus.

Diese Überzeugung wurde noch stärker, als eine halbe Stunde später unsere “vier Freunde“ in demselben schwarzen Auto plötzlich aus einer Seitenstraße kamen und uns dadurch von den UN-Fahrzeugen, die vor uns fuhren, trennten. […] Schließlich gelang es uns auch, herauszukommen und zwar auf der richtigen Route zurück nach Damaskus.

Bitte, glaubt nicht einen Moment lang, dass unsere Erlebnisse mit den Rebels in Al Qusair eine Ausnahme war. Heute Morgen erhielt ich folgenden Tweet: “Ich habe deinen Blog gelesen … mir ist es genauso ergangen in Al Zabadani …“

Das war von Nawaf al Thani, ein Anwalt für Menschenrechte und Mitglied der Beobachtermission der Arabischen Liga, die vor einigen Monaten in Syrien war. Da kommt man ins Grübeln … Wer sonst noch hatte diese Erfahrung als er versucht herauszufinden, was wirklich im rebellen-kontrollierten Syrien los ist … ?“

Man muss aber relativieren: die offiziellen “Meldungen” von Channel 4 (der Arbeitgeber von Thompson) verbreiten genau die gleiche Anti-Assad Propaganda wie die BBC, CNN uns unsere Medien. Auf dem Blog darf er die unangenehme Wahrheit erwähnen, im Fernsehen anscheinend nicht.

Auch russische Journalisten, die sich in Syrien aufhalten, bestätigen die Version der FAZ:

„Als die Rebellen einen Kontrollpunkt der Armee im Stadtzentrum nahe der örtlichen Polizeistation überwältigt hatten, begannen sie damit, alle Familien, die loyal zur Regierung sind in die umliegenden Häuser zu treiben, auch alte Menschen, Frauen und Kinder. Aus der Familie der Al-Sayed wurden viele getötet, darunter 20 Kinder, ebenso aus der Familie Abdul Razak. Die Menschen wurden mit Messern erstochen oder aus nächster Nähe erschossen.

Dann haben sie die Leichen der UN und der Öffentlichkeit als Bombenopfer der syrischen Armee präsentiert, was aber in keiner Weise anhand der Wunden verifiziert werden konnte.“                     (Marat Musin)

(Die Story wurde ja dann entsprechend geändert: es waren nun die mysteriösen „Shabab-Milizen“ – Gibt es die wirklich? – die die Menschen aus nächster Nähe getötet haben;  die Lügen sind variabel …)


Die „R2p“ Heuchler-Fraktion, die die „Neuordnung des Nahen Ostens and beyond“ sprich die totale wirtschaftliche Kontrolle über das ganze Gebiet von Nordafrika bis zum Kaukasus wollen (um Russland und China, aber notfalls auch die EU im Würgegriff zu haben) wird natürlich behaupten, russische Journalisten seien doch nicht „neutral“, da Russland mit Syrien verbündet sei.

Doch warum soll man dann unseren Journalisten mehr Glaubwürdigkeit zugestehen, wenn wir doch vor, während und nach dem Irakkrieg gesehen haben, wie diese „Medienschafe“ in die vorgeschriebenen Bahnen getrieben werden?  Der australische Ausnahme-Journalist John Pilger erzählte dazu folgende Anekdote:

Nach dem Zerfall der Sowjetunion begleitete ihn ein russischer Journalist zum ersten Mal nach Europa und nach Amerika. Als  er sich einen Überblick über die „führende“ westliche Presse- und Medienlandschaft gemacht hatte, sagte er:

„Mein Gott, ihr seid ja noch ärmer dran als wir es waren.“

Darauf Pilger: „Wieso das denn?  Wir haben doch Pressefreiheit.“

Antwort: „Wir wussten wenigstens, dass wir mit Lügen gefüttert werden, aber ihr glaubt ja immer noch, dass man euch die Wahrheit erzählt …“ 

Da kann man nur zustimmen und die erbärmliche Rolle unsere Medien bei der scheinbaren Legitimierung brutaler Angriffskriege scharf verurteilen. Eben durch praktiziertes Framing von morgends bis abends – Die Bombardierung und Zerstörung ganzer Städte als „humanitäres Eingreifen“ und (in Libyen) neuerdings als „Verantwortung zu schützen“ zu formulieren, dafür müsste man wirklich einen Top Orwell Award für sprachliche Manipulation und „manufacturing of consent“verleihen.

Die gleichen Leute, die seit Jahren eiskalt die Eskalation sektiererischer Gewalt in muslimischen Ländern planen und organisieren, die  SELBST  Terrorbanden finanzieren, ausrüsten und ausbilden, die Massaker an Zivilisten planen und durchführen (lassen), um diese Länder zu destabilisieren, ihre Regierungen zu stürzen und den Zerfall der Staaten in machtlose, geschwächte Provinzen vorantreiben, spielen sich als tief besorgte Moralapostel auf?

Und unsere Medien schlucken diese Lügen, weil sie selbst Opfer des Framings werden und  – dank Fließbandjournalismus und Agenturen „feeds“ alle das gleiche schreiben oder ist es ihnen einfach egal, was wahr ist?

LERNEN AUS DER GESCHICHTE?

Hitler war überzeugt davon, dass Deutschland den ersten Weltkrieg verloren hatte, weil England eine viel effektivere, skrupellose Propagandamaschinerie einsetzte – ganz Unrecht hatte er mit dieser Einschätzung nicht. Diese Erkenntnis führte dann dazu, dass die NSDAP ein bis dahin unerhörtes Propagandasystem aufbaute, um die eigene Aggression als notwendige Verteidigung für ein höheres Ziel darzustellen und damit auch noch Begeisterungsstürme beim Volk auszulösen ….

„Der Widerstand gegen Krieg ist in modernen Nationen so groß, dass jeder Krieg* als Verteidigung gegen einen bösartigen, mörderischen Aggressor erscheinen muss. Es darf keinerlei Zweifel daran geben, wen die Öffentlichkeit hassen muss.“

Zitat von Harold Lasswell (US-Politikwissenschaftler 1902-1978), dessen Bücher bis heute die Kommunikationsstrategie der USA und anderer Staaten beeinflussen)

Für ihn war Propaganda ein legitimes Werkzeug, mit dem eine „demokratische“ Regierung die Zustimmung der Bürger – für alles – erlangen konnte. Das „Volk“ war für ihn ohnehin nicht in der Lage, selbst über sein Schicksal zu bestimmen und musste entsprechend bevormundet und getäuscht werden, damit das „Richtige“ getan wird …

… mit diesem Gedanken … zurück zur Gegenwart:

In Deutschland ist der SPIEGEL wieder Anwärter auf den ersten Preis als willfähriges Vehikel für strategisches „storytelling“, dass den Framing-Effekt („Assad das Monster, gegen das mit sich – mit  allen Mitteln – wehren muss) noch verstärken soll:

Der Spiegel interviewt einen Mann mit dem Namen „Hussein“, der kein Problem damit hat, Menschen den Hals durchzuschneiden.

Wieso auch? „Sie haben es doch verdient“ weil sie „Verräter sind“ (pro-Assad) oder weil sie selbst „Verbrechen begangen haben“ (wofür es keinerlei Beweise gibt, außer der Behauptung von Hussein und der ist selbst „nur ein Opfer“, weil er angeblich gefoltert wurde, Angehörige getötet wurden, usw.

Er will sich doch nur rächen. Und wenn er (und seine Mordkumpane) es nicht tun, wer zieht dann die „Bösen“ zur Rechenschaft? Hussein ist es auch egal, ob die „Geständnisse“ seiner Opfer durch Folter erzwungen wurden, oder dass sie Todesangst hatten und vor ihm knien mussten. Er nahm einfach sein Messer und schnitt seinen Opfern die Kehle durch.

Der Spiegel weiß auch (woher?) zu berichten, dass es von dieser Sorte Männer, die im Namen der syrischen Revolution töten „nur eine Handvoll“ gibt“ und dass sie das Foltern anderen überließen. „Sie tun die hässliche Arbeit“ sagt Hussein (Hals durchschneiden ist nach dieser Logik eine „schöne oder normale Arbeit“).

FRAMING ALARM  („calculated emotional appeals through demonization”)

Damit wir auch gleich Mitleid für diesen vierfachen Mörder empfinden, weist der Spiegel darauf hin, dass dieser „Hussein“ sich derzeit in einem Krankenhaus in Tripoli befindet. Der arme Kerl wurde durch einen Granatsplitter im Rücken verletzt, als die syrische Armee im März eine Bodeninvasion durchführte.

Unter der  grandios-dämlichen Überschrift „Wie die Rebellen ihre Unschuld verloren“ konstruiert der SPIEGEL einen „menschlich- ergreifenden“ Kontext für die Grausamkeit der Rebellen-for-Hire, die Insidern aus dem Irakkrieg bekannt vorkommt:

„Soldaten und Banditen, die das Regime angeheuert hat, töten Männer, verstümmeln Kinder und vergewaltigen Frauen. Wenn wir es nicht tun, wird niemand diese Verbrecher zur Rechenschaft ziehen.“

[Gibt es Beweise für diese schweren Anschuldigungen? Verifiziert der Spiegel sie? Nein. Alle Meldungen über Gräueltaten kommen von den „Rebellen“ selbst und werden durch ständigen „Nachschub“ in den Medien  in ihrem Framing-Effekt noch gesteigert. Im Moment sind wir schon auf der Stufe, dass Assad „Kinder foltern lässt“.

Beachten Sie die toten Kleinkinder am Boden …

Das erinnert mich an den ersten Weltkrieg, wo Gräuelpropaganda die Deutschen als unfassbare Barbaren darstellte: So wurde behauptet „die deutschen Soldaten hacken belgischen Babys die Hände ab“  „ …. schneiden belgischen Frauen die Brüste ab“ sie wurden als „Hunnen“ und Unmenschen hingestellt, gegen die man sich wehren musste; jeder, der gegen den Kriegseintritt der USA war, wurde somit automatisch als Unterstützer dieses „barbarischen Regimes“ hingestellt … Kommt uns das bekannt vor?

Zurück zum SPIEGEL  Artikel:

Die Rachegelüste hatte ich ja schon erwähnt. Dass Rache an sich keine Legitimation zum Töten ist, sondern eher auf eine primitive Gesinnung schließen lässt, daran sollen wir gar nicht denken. Das angebliche Martyrium des Halsdurchschneiders soll bei uns sogar Empathie aufkommen lassen:

„Ich wurde zweimal verhaftet, 72 Stunden lang gefoltert. Sie haben mich an den Händen aufgehängt, bis meine Schultergelenke krachten. Sie haben mich mit heißen Eisen verbrannt. Na klar, will ich mich rächen.“

Ob das wahr ist, wissen wir nicht,  (zynischer aber notwendiger Kommentar: die Schultergelenke und Handgelenke  scheinen voll funktionsfähig zu sein, sonst könnte er niemand den Hals durchschneiden) aber angenommen es wäre so gewesen:

Dass seine eigene Truppe auch foltert, tut hier natürlich nichts zur moralischen Sache. Pauvre Hussein hat auch drei Onkel verloren, alle vom Regime ermordet – und – das darf nicht fehlen, wenn Krokodile weinen – natürlich sind auch fünf Kinder dabei getötet worden. Quelle horreur.  „Diese  Mörder verdienen keine Gnade.“

Doch, was den SPIEGEL wirklich erschaudern lässt, ist die Aussage “Husseins” über die “Natur seiner Gesellschaft”:

Kinder in Frankreich wachsen auf mit Französisch und lernen es perfekt zu sprechen. Aber wir Syrer wuchsen auf mit der Sprache der Gewalt. Wir sprechen sonst nichts.“

Welcher „Rebell“ der wirklich eine Demokratie aufbauen will, gibt solche Sätze von sich? Und was hat das Ganze mit Frankreich zu tun? Frankreich als friedliche Kulturnation, die keine Gewalt kennt? Soll das ein Witz sein? Hat ihm der französische Geheimdienst solche Phrasen eingetrichtert?

Frankreich hat einiges vorzuweisen, wenn es um Folter und Grausamkeit [man hat sogar ein Handbuch dafür herausgegeben] geht, denken wir nur an Algerien oder Indochina: Dazu schreibt Wikipedia u.a. (über den französischen Offizier und Autor des o.a. Buches La Guerre Moderne):

[Er entwickelte die] „Methoden der „modernen Kriegsführung“ (total und brutal auch besonders gegenüber derZivilbevölkerung) sowie deren verdeckte Finanzierung durch Drogenhandel. Amerikanisches Personal wurde, vereinzelt ab 1954, systematisch seit ca. 1961, in seinen Terror- und Foltermethoden unterwiesen, die in modifizierter Form bis heute die Grundlage derartiger Maßnahmen in der Aufstandsbekämpfung bilden.

Diese „Methoden“ können in modifizierter Form natürlich auch zum Schüren eines Bürgerkrieges verwendet werden, diesmal ist es nicht „counterinsurgency“ [Unterdrückung eines Aufstandes durch systematischen Terror] sondern „remote-controlled-insurgency“ – die „Salvadorianische Option“ im neuen Gewand …

Am Ende gibt es im SPIEGEL- Artikel eine kleine Prise Kritik, aber auch nur, weil HRW die brutale Selbstjustiz der Rebellen als schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen (Hervorhebung im SPIEGEL als „Zitat“ spricht Bände …) klassifiziert hat. Doch sofort wird wieder durch Verweis auf das Monster Assad moralisch relativiert: Er und seine verletzten „Kameraden“ (!) sprechen offen darüber, dass sie – wie die Truppen des Assad Regimes – foltern und töten. Die Kritik der Menschenrechtsorganisation sei demnach „unfair“:

„Wir kämpfen gegen Schlächter. Wir verteidigen die Leute. Wenn wir sie fangen, müssen wir hart zuschlagen.“

Die perfide Logik des „War on Terror“ entpuppt sich als „War of Terror“ und noch etwas fällt auf …

Hören wir da nicht den zionistisch-USraelischen Apologeten-Aggressions-Kanon ganz deutlich heraus, den Golda Meir seinerzeit so auf den Punkt brachte:

Ich werde es den Arabern nie verzeihen, dass sie uns gezwungen haben, sie umzubringen!

(zitiert in Joel Kovel: Overcoming Zionism)

Mehr über Propagandamethoden, „false flag“ und „psyops“ im nächsten Beitrag …

Monster, Mörder & Moralapostel (3): Terror’r Us

Seymour Hersh, ein hoch dekorierter,  investigativer Journalist in New York, dem hier niemand das Wasser reichen kann, hat 2007 einen enorm wichtigen Artikel verfasst. Warum? Weil er nicht nur wichtige Hintergrundinformationen über die außenpolitischen und geostrategischen Pläne der USA liefert, sondern zeigt, dass unsere „Nachrichten“, Talkshows und andere Medienberichte weit entfernt von der politischen Realität sind. Wir bekommen hier mehr oder weniger eine Kindergartenversion dessen vorgesetzt, was Außenpolitik wirklich ist, besonders, wenn es um den Nahen Osten geht und die USA und / oder Israel involviert ist.

Wir sehen Diplomaten, Regierungschefs und Außenminister, die sich die Hände schütteln, lächelnd in die Kamera blicken und dann einige PR-statements von sich geben, die mit der Wirklichkeit relativ wenig zu tun haben. Die Diplomatensprache ist eigentlich nichts anderes, als eine schön verpackte Form der Heuchelei. Wenn aber niemand sagen kann, was er wirklich denkt und worum es wirklich geht (schon gar nicht in der Öffentlichkeit), dann gibt es keine echte Kommunikation, sondern nur leere Phrasen, hinterhältige Absichtserklärungen und Scheindebatten.  Die großen Entscheidungen fallen hinter verschlossenen Türen, ohne Transparenz und demokratische Kontrolle. Die Parlamente (und auch die Journalisten) werden mit Informationen „gefüttert“, die den tatsächlichen Absichten oft diametral entgegenstehen.

Umso wichtiger ist es für eine demokratische Gesellschaft, dass es Journalisten wie Hersh gibt. Schauen wir uns deshalb an, was wir aus seinen Ausführungen lernen können: (warum dieser Text für die aktuelle Eskalation in Syrien relevant ist, wird im Laufe dieses Blogs klar)

Zuvor noch einige Bemerkungen  über den politischen Kontext im Jahr 2007:

Die Situation im besetzten Irak ist katastrophal: fast täglich Bombenanschläge, die Gewalt sunnitischer und schiitischer Milizen eskaliert zusehends, auch „Al Qaeda“ treibt ihr Unwesen. Offiziell heißt es, man wolle so schnell wie möglich die Kontrolle über das Land an die Iraker abgeben, was die prekäre Sicherheitslage aber nicht  zulasse. Zigtausende, private „Security“-Firmen müssen. Berichte von Massakern an Zivilisten tauchen auf, von Soldaten, die in Häuser eindringen und ganze Familien umbringen, dann Waffen deponieren, damit es aussieht, als ob es sich um „Aufständische“ handle. Die US-Regierung gerät zuhause unter Druck,  nicht wenige Soldaten (daheim auf Urlaub) desertieren oder nehmen sich das Leben, weil sie nicht mehr in den Irak  zurückwollen.

Wikileaks veröffentlicht ein Video des US-Militärs, in dem man sieht, wie unbewaffnete Zivilisten (darunter auch ein  Journalist von Reuters, der eine Kameratasche umgehängt hat) kaltblütig durch einen Kampfhubschrauber ermordet werden. Der Gipfel der Barbarei ist die Szene, in der Passanten, die Verletzten zu Hilfe kommen wollen, auch noch getötet werden:

Dazu die Analyse von Hersh: (Auszüge daraus und meine Kommentare – Hervorhebungen sind von mir)

Während  die Situation im Irak in den letzten Monaten immer schlimmer wurde, hat die Bush Regierung ihre Strategie für den Nahen Osten neu ausgerichtet. Diese „redirection“ führt dazu, dass die USA immer stärker auf einen Konfrontationskurs mit Iran steuert und immer mehr in den Strudel eines konfessionellen Konfliktes zwischen Sunni und Shia Muslimen verwickelt wird. [Die USA und andere schüren diesen Konflikt absichtlich, wie bald deutlich wird – das Prinzip „teile und herrsche“ im dritten Jahrtausend]

Um den schiitischen Iran zu unterminieren, hat die Bush Administration entschieden, neue Prioritäten im Nahen Osten zu setzen.  Im Libanon hat man bei geheimen Operationen mit der saudischen Regierung kooperiert (Sunni), um Hisbollah zu schwächen, und damit indirekt auch die Achse Hisbollah-Teheran.

Als erwünschte „Nebenwirkung“ dieser subversiven Aktivitäten wurden sunnitische Extremistengruppen gestärkt, die eine militante Form des Islam praktizieren, mit Al Qaeda sympathisieren und Amerika eigentlich sehr feindselig gegenüberstehen. [Es sind also genau jene fanatischen Krieger, die in den Nachrichten „radikal-islamische Terrorgruppen“ genannt werden und die offenbar nicht wissen, WER ihr „Master“ ist, da die Saudis als Geldgeber auftreten).

Ein sehr kontroverser Aspekt dieser Strategie ist die Tatsache, dass praktisch alle Terroranschläge auf das US-Militär im Irak eben von solchen radikalisierten sunnitischen Gruppen verübt wurden und NICHT von Shiiten.  [Warum also besteht Washington darauf, den Iran zur „Achse des Bösen“ zu  zählen? Wir kommen darauf noch zurück]

Aus Sicht der Bush Administration ist eine Konsequenz des Irakkrieges wohl gar nicht erwünscht gewesen: durch die Beseitigung Saddam Husseins (der die schiitische Mehrheit im Irak unterdrückte) wurden die Shiiten politisch gestärkt und damit auch Iran. […]

Nach der iranischen Revolution brach die USA ihre Beziehungen zum Iran ab und wandte sich den sunnitischen arabischen Staaten zu wie Jordanien, Ägypten und Saudi Arabien. Nach den Anschlägen vom 11.September wurden diese Beziehungen stark belastet, besonders zu den Saudis (fast alle der „Entführer“ kamen ja angeblich aus Saudi Arabien – deshalb hat man dann Afghanistan bombardiert?!). Al Qaeda ist eine sunnitische Gruppierung und vieler ihrer Mitgliederkamen aus den religiös-extremen Zirkeln in Saudi Arabien. [Salafismus]

Vor der Irak-Invasion im Jahr 2003 nahm die von den neokonservativen Ideologen stark beeinflusste Bush-Regierung an, dass ein schiitisch regierter Irak einen pro-amerikanischen Ausgleich zu den sunnitischen Extremisten in der Region darstellen könnte. Sie ignorierten Warnungen der Geheimdienste, über die engen Bindungen zwischen irakischen Schiitenführern und Iran, wo viele seit Jahren im Exil gelebt hatten. Jetzt hat Iran, zur großen Verärgerung des Weißen Hauses, eine enge Beziehung mit der Regierung von Premierminister Nuri-Al-Maliki aufgebaut.

Vor dem zuständigen US- Kongressausschuss sagte Außenministerin Condoleeza Rice nur, es gäbe eine neue strategische Ausrichtung im Nahen Osten, die „Reformer“ von „Extremisten“ trennen will. Sie stellte die sunnitischen Staaten als Zentren der Mäßigung [!] dar, während Iran, Syrien und Hisbollah „auf der anderen Seite“ der Kluft stünden. Iran und Syrien „hätten ihre Wahl getroffen“ und diese sei „zu destabiliseren“. *

[*Ein sehr weiser Philosophieprofessor aus Kanada schrieb vor einiger Zeit, man könne die wahren Absichten der USA am leichtesten daran erkennen, dass sie ihre eigenen, unmoralischen Absichten, ihren „Gegnern“  unterstellten. Psychologen nennen dasProjektion“. Probieren Sie es aus, es funktioniert …]

Einige der zentralen Taktiken der „redirection“ werden allerdings nicht der Öffentlichkeit preisgegeben. Die geheimen Operationen wurden noch geheimer, weil man ihre Ausführung oder Finanzierung in manchen Fällen den Saudis überlassen oder andere Wege gefunden hat, die Aufsicht des Kongresses zu umgehen.

Ein langjähriges Mitglied des Kongressausschusses sagte Hersh, er habe zwar von dieser Strategie gehört, hätte aber das Gefühl, man habe ihnen einiges verschwiegen. Auf Fragen gäbe es nur ausweichende Antworten, es sei wirklich frustrierend. [Dass der Kongress bei geheimen Aktionen im Ausland für dumm verkauft wird, ist ja nichts neues ..]

DIE REGISSEURE DES  ACTION-FILMS FÜR DIE MASSEN

Prinz Bandar

Die Schlüsselfiguren der „redirection“ sind Vizepräsident Dick Cheney, der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Elliot Abrams, der scheidende Botschafter im Irak Zalmay Khalilzad und Prinz Bandar bin Sultan, der Berater für nationale Sicherheit in Saudi Arabien. […]

Die Neuausrichtung der Nahost-Politik hat zwei „seltsame Bettgenossen“ zusammengeführt: Israel und Saudi Arabien. Nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ sehen beiden Länder im Iran einen Erzfeind, eine „existenzielle Bedrohung“.

Die neue Strategie sei eine „Kehrtwende der amerikanischen Politik“ meinte ein Berater der US-Regierung zu Hersh, der enge Beziehungen zu Israel hat. Die Sunni-Staaten hätten „panische Angst vor einem schiitischen Wiedererstarken gehabt, und mit steigendem Unmut, „unser Spiel mit den moderaten Schiiten im Irak“ beobachtet. Man könne den Machtzuwachs der Schiiten im Irak nicht ungeschehen machen, aber man könne ihn eindämmen.

Es gab eine Debatte innerhalb der Regierung darüber, was die größere Gefahr sei – Iran oder die radikalen Sunnis [inlusive Al Qaeda] sagte Vali Nasr,  ein Mitglied des CFR zu Hersh, der sich seit Jahren mit den Schiiten befasst und viele Analysen über Iran und Irak publiziert hat. Die Saudis hätten schließlich „gewonnen“ und den Iran als schlimmsten Feind hingestellt.

Martin Indyk, ein ranghohes Mitglied des Außenministeriums unter Clinton, der auch als Botschafter in Israel tätig war und heute Direktor des Middle East Saban Centers der Brookings Institution ist, meinte dazu:

„Der Nahe Osten driftet in Richtung eines gefährlichen kalten Krieges zwischen Sunnis und Schiiten. Das Weiße Haus verdoppelt nicht nur den Wetteinsatz im Irak, sondern auch jene in der ganzen Region. Das könnte sehr kompliziert werden. Alles wird auf den Kopf gestellt.“

Indyk befürchtete, dass man sich in Washington wohl nicht über die strategischen Auswirkungen dieser neuen Politik im Klaren sei.

Dass diese “redirection” die Situation im Irak noch schwieriger machte,  liegt nahe. Wenn die Schiiten merken, dass Washington in Wahrheit die Sunniten als ihre (neuen) Verbündeten sieht – noch dazu mit starkem Einfluss der Saudis, die die Schiiten hassen und verachten – könnte das Befürchtungen stärken, die Schiiten würden wieder den Kürzeren ziehen, man hätte sie nur benutzt, um Saddam loszuwerden, aber jetzt würden sie „auf der falschen Seite“ (Iran) stehe.

 Schließlich könnte ein Bürgerkrieg ausbrechen, in dem sich beide Fraktionen gegenseitig „den Schädel einschlagen“ (schöner formuliert „divide et impera“). Man muss dazu wissen, dass die Schiiten unter Saddam zwar politisch machtlos waren, es aber keine Segregation der beiden Religionsgruppen gab: weder Ghettobildung noch Gewalt auf den Straßen (wie z.B.in Nordirland); Sunni und Schiiten heirateten auch untereinander und das Zusammenleben war im Großen und Ganzen friedlich. Die wichtigste Frage ist aber:

Wer profitiert davon, dass heute eine extreme „Lagermentalität“ herrscht,  Bagdad in Ghettos aufgeteilt ist und beide Religionsgruppen sich spinnefeind sind? Ein friedliches Zusammenleben scheint unmöglich geworden zu sein.

Ein weiterer Grund, warum die Schiiten in Washington schlechte Karten haben, ist die Tatsache, dass ihre religiösen Führer zwar “radikal”  und für uns schwer akzeptabel sein mögen, aber eines sind sie sicher nicht: dumm, korrupt und unterwürfig. So erwies sich z.B.  Moqtada al-Sadr’ als formidabler Gegner (im intellektuellen Sinn) und seine “Mahdi“ Kämpfer machten den US-Truppen auch schwer zu schaffen.

Flynt Leverett, ehenmaliges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates unter Busch stellt dazu fest:

„Die Bush-Regierung argumentiert, dass Iran gefährlicher ist und im Irak mehr Gewalt provoziert als die aufständischen Sunnis, obwohl – wenn man die tatsächlichen Opferzahlen betrachtet – die Anschläge auf US-Truppen fast ausschließlich von sunnitischen Gruppen verübt wurden“ .

Das sei  alles Teil einer Kampagne von Provokationen, die  den Druck auf Iran Schritt für Schritt erhöhen sollen. Die Idee dahinter sei, dass die Iraner früher oder später reagieren werden und dann hätte man einen Vorwand für einen Militärschlag gegen Teheran.

„Diese zwei Regime – Iran und Syrien – erlauben Terroristen und Aufständischen von ihrem Staatsgebiet in den Irak einzudringen. Iran liefert materielle Unterstützung für Angriffe auf amerikanische Truppen. Wir werden diese stoppen. Wir werden den Nachschub aus Iran und Syrien unterbinden. Und wir werden die Netzwerke ausforschen und zerstören, die unseren Feinden im Irak modernste Waffen  und Training zur Verfügung stellen.

Präsident George W. Bush im Jänner 2007 [schon wieder Projektion]

In den folgenden Monaten regnete es ständig neue Vorwürfe aus Washington, wonach Iran in den Irakkrieg verwickelt sei. Im Februar zeigt man Reportern technisch hochentwickelte Bomben, die angeblich iranischer Herkunft waren. Der Zweck der Übung war klar: die chaotischen Verhältnisse im Irak, die Bush immer mehr unter Druck setzten, sollte nicht den  militärischen Planern im Pentagon und den dahinter stehenden, größenwahnsinnigen „Neocons“  angelastet werden. Stattdessen wurde die Verantwortung für dieses Desaster [nach unseren moralischen Begriffen] dem Iran in die Schuhe geschoben. Hunderte iranische Staatsbürger wurden im Irak festgenommen und brutalen Verhörmethoden unterzogen, darunter viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die aber letztlich wieder freigelassen wurden.

Ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter sagte Hersh in einem Interview, die klare Botschaft an das Militär laute seit August 2006  „so viele Iraner wie möglich zu schnappen“. Das Weiße Haus wolle unbedingt den Eindruck verstärken, dass die Iraner die Rebellion im Irak anfachen und das Töten von Amerikanern von Anfang an unterstützt haben.

Verteidigungsminister Robert Gates verkündete zwar im Februar 2007, dass man keinen Krieg mit dem Iran plane, doch die Atmosphäre der Feindseligkeit und ein aggressiver Konfrontationskurs aus Washington waren nicht zu übersehen. Geheime Operationen fanden nicht nur im Libanon statt, sondern bereits innerhalb des iranischen Staatsgebietes. Amerikanische „Spezialkräfte“ haben ihre verdeckten Aktivitäten ausgeweitet, um das Land noch besser ausspionieren und destabilisieren zu können. (Siehe dazu auch diesen Beitrag)

Eine zweite gezielte Angriffslinie gegen den Iran, ist natürlich das angebliche Atomwaffenprogramm, (das hier nicht weiter behandelt wird, siehe dazu frühere Beiträge mit dem tag „Iran“). Die Glaubwürdigkeit Teherans soll durch bewusste Verbreitung von Falschmeldungen so weit zerstört werden, dass man der Regierung schließlich alles zutraut. Auch wenn es gar keine Beweise für ein Waffenprogramm gibt, wird das Land weiter dämonisiert, mit harten Wirtschaftssanktionen belegt und international isoliert. Übrigens die „Informationen“ über geheime Atomwaffeneinrichtungen kommen zu 99% von israelischen Geheimdiensten.

Das ganze widerliche Schmierentheater gab es ja auch bei Saddam Hussein: die „unmittelbare Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen aus dem Irak“ hat natürlich (2003) nicht existiert, und davor war Saddam ja ein wichtiger Verbündeter der USA, die ihm Geld und Waffen geliefert haben. Doch die Medien haben anscheinend nichts daraus gelernt …

Die USA wollen den iranischen Staat  zerstören, das steht völlig außer Zweifel. Sie wollen eine politische Fragmentierung aller arabischen Länder), die sich ihrer hegemonialen Ordnung widersetzen: Libyen, Irak, Syrien, Iran sind die wichtigsten Ziele dieser größenwahnsinnigen Politik.

Hersh schreibt, dass bereits seit 2006 konkrete Pläne für einen Bombenangriff auf Iran im Pentagon vorliegen. Eine spezielle Planungsgruppe wurde dafür eingesetzt, die sicherstellen soll, dass „bei Bedarf“, also nach Anordnung des Präsidenten innerhalb von 24 Stunden diese Bomben an ihr Ziel gebracht werden.

Auch zwei Flugzeugträger wurden in der Region stationiert, was natürlich auch eine militärische Provokation darstellt. Die freie Passage der Straße von Hormuz ist unverzichtbar für den Öltransport und man befürchtet, Iran werde sie blockieren, wenn das Land angegriffen wird (die Ölpreise würden natürlich explodieren, was unsere Wirtschaft noch weiter in die Depression treiben würde).

DER  FIESE  PRINZ  AUS  1001  NACHT

Die Bemühungen der Bush-Regierung, die Position Irans im Nahen Osten zu schwächen, stützen sich zu großen Teilen auf Initiativen aus Saudi Arabien, besonders den korrupten, skrupellosen Prinz Bandar, den saudischen nationalen Sicherheitsberater. Dazu Hersh:

Bandar war bis 2005 saudischer Botschafter in den USA und ist [immer noch] mit Bush und Cheney eng befreundet [deranged minds think alike ..]. Im November 2006 flog Cheney überraschend nach Saudi Arabien um sich mit König Abdullah und Bandar zu treffen. Die Saudis machten klar, dass sie die Sunni-Gruppen im Irak unterstützen werden, wenn die US-Truppen abziehen. Die Saudis wollen um jeden Preis verhindern, dass die Schiiten in der Region mehr Macht erhalten. Im Osten ihres eigenen Landes gibt es auch eine schiitische Minderheit, noch dazu in einem Gebiet wichtiger Ölfelder.

Irans größter und stärkster  Widersacher in der Region, Irak unter Saddam, wurde ja zerstört und der Gedanke, Teheran könnte sich tatsächlich Atomwaffen beschaffen bereitet den Saudis angeblich schlaflose Nächte. [Dass ihre eigenen, finsteren Machenschaften (von den USA ganz zu schweigen) ja gerade die Motivation für Iran liefern, nach Nuklearwaffen zu trachten, als „Lebensversicherung“,das sehen die Saudis in ihrer Blindheit nicht …]

Saudi Arabien verfügt über sehr viel Geld, hat enge Beziehungen zur Muslimbruderschaft und fördert die Salafisten, eine extreme Sunnifraktion, aus der auch „Al Qaeda“ – mit saudischer Hilfe – rekrutiert wurde. Hunderte junger Saudis, die in Koranschulen extrem indoktriniert wurden, schickte man Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre nach Afghanistan um gegen die Russen zu kämpfen. Sie nahmen teil an einem Stellvertreter Krieg der CIA, die hunderte Millionen Dollar für Waffen und Terrortraining (in liason mit dem pakistanischen Geheimdienst) lieferte. Unter diesen Rekruten befand sich auch Osama bin Laden.

Diese fanatischen, indoktrinierten Kämpfer schrecken auch vor Massakern nicht zurück und genau das macht sie für diese intriganten „Strategen“ der „redirection“ so interessant und nützlich. Die Saudis glauben, solange sie die Salafisten (auch Koranschulen] finanziell fördern, werden sie selbst nicht zu deren Angriffsziel (sie lassen eine „Religionspolizei“ auf die Bevölkerung los, leben aber selbst exzessiv, wie lange kann das gutgehen?)

Prinz Bandar hat dem Weißen Haus versichert, man werde “diesen religiösen Fundamentalisten streng über die Schulter schauen“ Sie hätten diese Bewegung erschaffen und könnten sie auch kontrollieren. Was aber meint Bandar damit wirklich?

„ Es ist ja nicht so, dass wir nicht wollen, dass die Salafis Bomben hochgehen lassen. Es geht doch nur darum, wen sie damit umbringen sollen: Hisbollah, Al-Sadr, Iraner – und Syrer – wenn sie weiterhin mit Hisbollah und dem Iran zusammenarbeiten.“

Die guten Beziehungen zwischen den USA und Saudi Arabien sorgen ohnehin schon bei vielen Arabern für Kritik, deshalb ziehen es Bandar und seine korrupten Kollegen vor, dass Israel den Iran angreift, nicht die USA andernfalls fürchten sie, man werde ihnen die Schuld am Krieg geben.

Die vier Grundelemente der neuen „Strategie“ sind:

  1. Israels Sicherheit ist vorrangig und Saudi Arabien teilt die Befürchtungen über die „iranische Gefahr“
  2. Die Saudis würden auf Hamas einwirken, sich mit der gemäßigten Fatah zu einigen
  3. Die USA arbeitet direkt mit sunnitischen Staaten zusammen, um die Schiiten unter Kontrolle zu halten
  4. Die saudische Regierung übernimmt die Finanzierung und logistische Maßnahmen zur Schwächung Assads

Syrien spielt eine wichtige Rolle für Waffenlieferungen an Hisbollah und die Hamas hat in Damaskus ihre Zentrale. Die Saudis glauben auch, dass Syrien im Jahr 2005 die Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri in Auftrag gegeben hat, der enge Beziehungen zu den Saudis und Prinz Bandar hatte. Dafür gibt es aber bis heute keine eindeutigen Beweise.

Andere sprechen davon, dass Israel hinter dem Mordanschlag steckt – welcher Journalist versucht, die Wahrheit herauszufinden?

 

LIBANON 2007

Neben dem Iran steht Libanon im Zentrum der neuen Strategie. Die Saudis und Bush unterstützen die wackelige Regierung von Premierminister Siniora, während Hisbollah immer mehr Anhänger gewinnt. Hisbollah gilt in den USA seit 1997 als „Terror-Organisation“, weil ihr mehrere Anschläge auf amerikanische Einrichtungen und andere Verbrechen vorgeworfen werden. Ihr Anführer Sheik Nasrallah bestreitet diese Vorwürfe, macht aber keinen Hehl daraus, dass nach seiner Ansicht, der heutige Staat Israel  kein „Existenzrecht“ hat.

Die USA finanzieren aber auch geheime Operationen und dubiose Akteure im Libanon, die für ihre Zwecke nützlich erscheinen. „Man könne eben nicht kontrollieren, wohin das Geld schließlich fließe“, sagte ein Berater der US-Regierung zu Hersh. „Wir finanzieren auf diese Weise auch  kriminelles Gesindel, was zu unerwünschten Konsequenzen führen kann. Wir riskieren viel dabei.“

TERROR ‚R US: DIE  USA &  SAUDI   ARABIEN  ALS  GRÖSSTE SPONSOREN FANATISCHER  MILITANTER  MUSLIME :

Dieses politische “Trio Infernal” unterstützt und fördert also genau jene “fanatischen und radikalen Islamisten”, die uns in den Medien immer als gefährliche “Terroristen”, als Bedrohung für die Welt präsentiert werden.

Alastair Crooke, ein Mann, der fast 30 Jahre im britischen Auslandsgeheimdienst MI6 verbrachte, und heute für einen ThinkTank in Beirut arbeitet sagte Hersh dazu folgendes:

„Die libanesische Regierung lässt diese Banden ins Land [bzw. lässt ihnen weitgehend freie Hand], das könnte sehr gefährlich werden. Mitglieder einer sunnitischen Extremistengruppe mit dem Namen Fatah al-Islam, eine ganz neue Splittergruppe von Fatah al-Intifada, erzählten ihm:

Innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Abspaltung bot man ihnen bereits Waffen und Geld an. Das waren Leute, die sich als Vertreter der libanesischen Regierung vorstellten. Ihre Absicht war wohl, dass damit gegen die Hisbollah gekämpft wird.“

2005 berichtete die  ICG (International Crisis Group), dass der Sohn des ermordeten Rafik Hariri,  Saad, der Anführer der sunnitischen Mehrheitsfraktion im libanesischen Parlament, 48.000 US-Dollar Kaution für vier Mitglieder eine militanten Islamistengruppe aus Dinniyeh bezahlt hat (er erbte vier Milliarden Dollar von seinem Vater). Die Männer waren verhaftet worden, weil sie versuchten, einen islamistischen Mini-Staat im Norden Libanons zu errichten.

Saad Hariri nutzte später auch seine Mehrheit im Parlament dazu, für 22 dieser Islamisten und sieben weitere Rebellen, denen u.a. ein geplanter Bombenanschlag auf die italienische Botschaft in Beirut zur Last gelegt wurde,  eine Amnestie zu erwirken. Samir Geagea, ein Führer der Maronitisch-christlichen Miliz, der wegen vier politischer Morde – darunter auch die Ermordung eines früheren Premierministers) verurteilt worden war, wurde auf Betreiben Hariris die Strafe erlassen. Er bezeichnete diese Eingriffe in das Justizsystem als „humanitär“.

Ein ranghoher Beamter der Siniora-Regierung gab in einem Interview zu, dass Jihadisten im Libanon ungestraft operieren dürfen (so lange sie die „richtigen Leute“ umbringen). „Wir haben eine liberale Einstellung, die es gestattet, dass Al Qaeda-Typen hier eine Präsenz haben …“ Die Begründung dafür sah man in Befürchtungen, dass Iran oder Syrien den Libanon „in einen Konflikt hineinziehen“ könnten.

Die Bush-Regierung hat ihre Unterstützung für Siniora als Beispiel für Demokratieförderung hingestellt und für sein Bemühen “die Einmischung anderer Länder zu verhindern”. Als es in Beirut zu Demonstrationen kam, die von Hisbollah angeführt wurden, sagte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton, das sei Teil eines „von Iran und Syrien angefeuerten Staatsstreiches“ (Projektion)

Der korrupte und intrigante Prince Bandar ist auch damit beauftragt, Spannungen zwischen Iran und Syrien zu produzieren. So versuchte er, über die Palästinenserfrage einen Keil zwischen die beiden Regierungen zu treiben, was aber misslang. Ein Ex-Diplomat aus der Region erzählte Hersh: „Sie sind loyal zueinander, einer wird den anderen nicht verraten. Seine Mission hat geringe Erfolgschancen“.

Auch der politische Anführer der Drusen im Libanon, Walid Jumblatt,  der die Hisbollah und Assad hasst, spielte beim Komplott gegen Syrien eine Rolle: Er sagte Hersh in einem Interview, er habe Vizepräsident Cheney im Herbst 2006 getroffen. Dabei sei es unter anderem auch darum gegangen, wie man Assad unterminieren könne. Er riet Cheney damals, für diese Zweck am besten die Muslimbruderschaft in Syrien als Ansprechpartner zu suchen.

Die SMB ist ein Ableger einer radikalen sunnitischen Bewegung, die 1928 in Ägypten gegründet wurde und seit mehr als einem Jahrzehnt gewaltsamen Widerstand gegen das Regime von Hafez Assad (dem Vater des jetzigen Präsidenten)leistete. 1982 gelang es ihr, die Stadt Hama unter Kontrolle zu bringen. Assad senior bombardierte die Stadt eine Woche lang, wodurch tausende Menschen starben. Die Mitgliedschaft in dieser Gruppe wird in Syrien mit dem Tod bestraft. Die MB (zu deren Ablegern auch Hamas zählt) gilt auch als Todfeind der USA und Israels.

Trotzdem sagte Jumblatt:

„Wir sagten Cheney, dass Syrien ein elementares Band zwischen Iran und Libanon ist, und um Iran zu schwächen, müssen Sie eine effektive Opposition in Syrien schaffen.“

Es gibt bereits starke Hinweise darauf, dass die „redirection“ große Vorteile für die Muslimbruderschaft gebracht hat. Die Syrische Nationale Salvation Front (SNSF) ist eine Koalition von Oppositionsgruppen, deren Führer Abdul Halim Khaddam, ein ehemaliger syrischer Vizepräsident ist. Ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter erzählte Hersh dazu:

„Amerika hat sie politisch und finanziell unterstützt. Die Saudis sind führend bei der Finanzierung, aber die US ist auch involviert. Khaddam, der (2007) in Paris lebte, bekam Geld von den Saudis und Washington wusste davon. Nach Presseberichten  traf sich eine Delegation der SNSF schon 2005 mit Beamten des Nationalen Sicherheitsrates in Washington. Die Saudis hatten ihnen die  notwendigen Pässe und Visa für die Reise besorgt.“

Dazu noch einmal Jumblat: „Manche in der arabischen Welt, vor allem die Ägypter, deren moderate Sunni-Führung die Muslimbruderschaft seit Jahrzehnten bekämpft hat, werden gar nicht erfreut sein, wenn die USA jetzt ihre Erzfeinde unterstützt. Doch wir sagten zu Cheney – wenn ihr Syrien nicht angreift, werden wir in einem langen Kampf mit Hisbollah stehen, und zwar einen, den wir verlieren könnten.“

[Jetzt wird klar, warum Mubarak plötzlich entmachtet werden musste…der „arabische Frühling“ ist nur ein schönes Theaterstück für die Medienschafe und ihr Publikum …]

DIE CHARADE VON GUT GEGEN BÖSE:  Sheik Hassan NASRALLAH

Im Dezember 2006 flog Seymour Hersh nach Beirut für ein Interview (unter enormen Sicherheitsvorkehrungen), mit Sheik Nasrallah, den Führer der Hisbollah (ein eher seltenes Ereignis und aus Sicht der Schiiten eine Art „Auszeichnung“ für westliche Journalisten, denn es bedeutet, dass sie als vertrauenswürdig erachtet werden)

Nasrallahs Aufenthaltsort ist geheim, weil sein Leben massiv bedroht ist, nicht nur von israelischen Geheimdiensten, sondern auch von arabischen Akteuren: Seine Mitarbeiter erzählten Hersh, jordanische Agenten und auch sunnitische Jihadisten wären hinter ihm her, letztere seien mit Al Qaeda verbündet.

Diese Version  bestätigte auch ein pensionierter US-General und ein Regierungsbeamter gegenüber Hersh: der jordanische Geheimdienst habe mit israelischer und amerikanischer Unterstützung versucht, schiitische Gruppen zu infiltrieren und Hisbollah zu unterminieren. König Abdullah von Jordanien hätte davor gewarnt, dass eine schiitische Regierung im Irak, die Iran nahesteht, das Aufkommen einer gefährlichen schiitischen Machtkonfiguration bedeuten würde.

Darin liegt eine bemerkenswerte Ironie: der tapfere und siegreiche Kampf der Hisbollah im Südlibanon gegen die gewaltige israelische Militär-Übermacht ließ Nasrallahs Ansehen in der muslimischen Welt stark ansteigen, egal ob Sunni oder Shia. Diese Wahrnehmung wurde aber in den letzten Monaten dank „redirection“ umgedreht und er wird jetzt von vielen Sunnis nicht mehr als Symbol für arabische Einheit, sondern als Akteur in einem Religionskrieg wahrgenommen.

Nasrallah musste seit Juli 2006 ständig seinen Aufenthaltsort wechseln: Auslöser dafür war die Gefangennahme zweier israelischer Soldaten im Grenzgebiet. Die Hisbollah wollte sie nur für einen Gefangenenaustausch benutzen, was eigentlich keine große Sache ist, doch die Reaktion Israels war völlig überzogen: ein Bombenkrieg, der 33 Tage dauerte und hunderte Tote forderte, auch die UN wurde bombardiert.]

Nasrallah sagte zu Hersh, er habe die Reaktion Israels falsch eingeschätzt und es sei nicht seine Absicht gewesen, die Region in einen Krieg zu verwickeln.

Nasrallah beschuldigt die Busch-Regierung, gemeinsam mit Israel, absichtlich eine Rebellion und Fragmentierung innerhalb der arabischen (und persischen) Muslime herbeizuführen: FITNA heißt dieser Begriff in der arabischen Sprache.

„Nach meiner Ansicht ist eine gewaltige Medienkampagne im Gange, damit wir uns gegenseitig an die Gurgel gehen [meine Formulierung] und all das wird von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten koordiniert.“

Nasrallah versteht, dass der Krieg im Irak religiöse Spannungen vergrößert hat, aber Hisbollah habe versucht, deren Ausbreitung in den Libanon zu verhindern. (In den Wochen nach dem Interview nahmen die Konfrontationen zu)

Der Hisbollah-Führer sagte weiter zu Hersh, er sei überzeugt, dass Bush “eine neue Landkarte” der Region erschaffen wolle:

„Sie wollen eine Teilung des Irak – dort ist bereits ein Bürgerkrieg im Gange. Es gibt ethnische Säuberungen. Die täglichen Anschläge und Vertreibungen sollen dazu führen, dass das Land in drei religiös und ethnisch getrennte  Enklaven zerfällt, der Auftakt für den Zerfall des Staates. Innerhalb der nächsten Jahre wird es eine totale Trennung zwischen Sunni, Schia und Kurden geben. Sogar in Baghdad fürchtet man, dass es eine geteilte Stadt geben wird.

Ich kann sagen, dass Präsident Bush lügt, wenn er sagt, er will keine Teilung des Irak. Die faktische Situation veranlasst mich aber zu sagen, ich schwöre dir, er reißt das Land in Stücke. Und eines Tages wird er [heuchlerisch] behaupten „Ich kann nichts dagegen tun, die Iraker wollen diese Teilung und ich respektiere ihre Wünsche“.

Nasrallah glaubt auch, dass Amerika die Teilung von Libanon und Syrien herbeiführen will.  Syrien würde dadurch im Chaos und im Bürgerkrieg versinken, ähnlich wie im Irak. Im Libanon wird es je einen Ministaat für die Sunnis, , die Alawiten, die Drusen, usw. geben. Das Schicksal der Schiiten sei aber ungewiss. Die Bombardierung durch Israel 2006 sei der erste Schritt gewesen, die Vertreibung von Schiiten (zuerst im Libanon, dann auch aus Syrien) anzufachen. Sie sollten in den Süden des Irak fliehen, wo ohnehin schon viele Schiiten leben.

[Der Profiteur dieses von außen geplanten Zerfalls ganzer Staaten und Gesellschaften sei in erster Linie Israel. Das Ergebnis dieser „Teile und Herrsche“ Strategie:]

Israel wäre dann von kleinen, schwachen Staaten umgeben, die keinen Widerstand mehr gegen eine regionale Hegemonie Israels leisten können. Nasrallah ist auch überzeugt davon, dass Saudi Arabien ebenso wenig  von der Teilung verschont bleiben würde, wie die nordafrikanischen Staaten.

[Er hatte Recht: das Schicksal von Libyen, Somalia, Sudan, etc. beweist das]

Die Frage, die man sich stellen muss: Ist diese Konsequenz die bedauerliche Folge einer „neuen Strategie“ oder steckt eine Absicht dahinter, wie Nasrallah glaubt?  Die Antwort ist nicht schwer …

Nasrallah betonte, die Hisbollah würde nur innerhalb der libanesischen Grenzen aktiv sein (außer sie werde angegriffen und müsse sich wehren) und würde sich zurückziehen, sobald eine libanesische Armee die Verteidigung des Landes übernehmen könne. Er wolle keinen Krieg mit Israel, rechne aber mit weiteren Angriffen. Die Siniora-Regierung habe keinen Rückhalt bei der Bevölkerung und werde nur durch ausländische Unterstützung an der Macht gehalten [auch damit hatte er Recht].

Die Bush-Regierung war sich nicht einig darüber, wie man mit Hisbollah verfahren solle.

Robert Baer, ein früherer, langjähriger Agent der CIA im Libanon, und einst scharfer Kritiker der Hisbollah, sagte Hersh dazu:

„Wir haben jetzt sunnitische Araber, die sich auf eine katastrophenartige Umwälzung vorbereiten und wir werden jemand brauchen, der die Christen im Libanon beschützt. Früher waren das die Franzosen, heute ist es Nasrallah und die Schiiten. Nasrallah entwickelte sich vom Rebellen zu einer Führungspersönlichkeit, vom Terrorist zum Staatsmann. Er hätte während des Krieges mit Israel Terrorattacken im Ausland in Auftrag geben können, … aber er tat es nicht.“

DEMOKRATIE IM BLINDENVERBAND

Die Vorliebe der Bush-Regierung [die Obama fortführt] für geheime Operationen, (mit Unterstützung fragwürdiger Verbündeter), die vor dem Kongress geheim gehalten werden, erinnern so manchen politischen Veteranen in Washington an frühere Zeiten: Als unter Reagan die (ebenfalls von außen geschürte) Aufruhr in Nicaragua mit illegalen Waffenverkäufen an den Iran [über Israel und mit Einbindung der Saudis] finanziert wurde. Der berüchtigte „Iran-Contra-Skandal“ war die Folge und mindestens zwei Schlüsselfiguren aus diesem Mega-Verbrechen sind auch in die „redirection“ Strategie, also die Neuordnung des Nahen Ostens verwickelt:

Elliot Abrams    und Prinz Bandar [zwei fiesere Charaktere wird man schwer finden und solche Leute sind dann die Bannerträger der „notwendigen Verteidigung gegen die  Bedrohung durch den „bösen“ Iran”]

Abrams, [ein besonders schwerer Fall von krankhafter Selbsttäuschung und Projektion], sprach vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung über Lektionen aus dieser Affäre  (ein Verbrechen, für das er strafrechtlich verurteilt, aber von Bush begnadigt und wieder in Amt und Würden eingesetzt wurde). Dazu Hersh:

Er sei zu dem Schluss gekommen, dass obwohl das „Programm“ letztlich aufgedeckt wurde, man doch in der Lage gewesen sei, es durchzuführen, ohne dass der Kongress etwas davon mitbekommen hätte.

Was sie (die Teilnehmer der Veranstaltung) aus dieser Erfahrung für zukünftige verdeckte Operationen gelernt hätten?

  • man kann seinen Freunden nicht trauen.
  • man muss es ohne die CIA machen
  • man kann dem uniformierten Militär nicht trauen
  • es muss vom Büro des Vizepräsidenten [Cheney] gelenkt werden

[FAZIT: Tja, man kann eigentlich nur mehr jenen „trauen“, die genau solche skrupellosen  A……cher sind, wie man selber …, birds of a feather ...]

Der amerikanische Präsident muss eigentlich für solche geheimen Operationen einen schriftlichen “Befund” erstellen und den Kongress darüber informieren. Nicht zuletzt deshalb, weil – nach der Verfassung – der Kongress auch die Gelder dafür genehmigen muss. Doch man hat schon lange Wege gefunden, diese lästige „Kontrolle“ zu umgehen:

Es gibt deshalb geheime Konten und Geldquellen [die CIA ist selbst in den internationalen Drogenhandel verwickelt], verteilt in der ganzen Welt, über die die CIA und andere „Spezialeinheiten“ verfügen können. Doch durch den Irakkrieg und das „Budgetchaos“ tat sich eine neue, riesige Geldquelle auf:

Von den Dollar-Milliarden an „Aufbauhilfe“, die an den Irak gingen, verschwand ein Großteil auf Nimmerwiedersehen. Es wurden ganze Pakete von Banknoten geliefert, über den Verbleib niemand Auskunft geben konnte.

[Paul Bremer, der zuständige „Konsul“ im Irak, der zu dieser Zeit die Verantwortung trug, erhielt später die „Medal of Freedom“ von Bush. Wahrscheinlich war die „Freiheit“ gemeint, sich hemmungslos an Steuergeldern bedienen zu können, und den Irak auszuplündern … ]

Die Kontakte von Hersh (ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und ein Ex-Vier-Sterne-General] bestätigten, dass dieses Chaos eine perfekte Möglichkeit für Geldwäsche war, die man zur Finanzierung solcher geheimen Aktionen im Ausland verwenden konnte.

Das wäre seit „Iran-Kontra“ eine übliche Vorgangsweise …und selbst die CIA wisse nicht über alles Bescheid …Sie fragt selbst „Was ist hier eigentlich los?

ZUSAMMENFASSUNG

Hersh zeigt auf brilliante Weise, dass seit 2005 eine massive, geheime Operation im Nahen Osten im Gange ist, um eine ständig eskalierende Konfrontation auszulösen, die Sunnis und Schiiten spalten soll und zu einer gewaltsamen Neuordnung der Machtverhältnisse führt – ohne dass die Öffentlichkeit irgendetwas davon mitbekommt … Es soll so aussehen, als wäre man gezwungen einzugreifen, um Schlimmeres zu verhindern, doch in Wahrheit will man genau das erreichen: den politischen Zerfall jener arabischen Staaten, die sich der Hegemonie Israels und der USA (auch des globalen korporativen „Marktes“) nicht unterordnen wollen ..

Die „Massaker“, die steigende Anzahl der Toten und andere Greueltaten sind nicht bedauerliche Exzesse der betreffenden Regierung, sondern lange geplanter „Terror“ der vom „Trio Infernal“  organisiert wurde:

Wir müssen uns von der naiven Vorstellung trennen, dass die US-Machteliten und ihre saudischen und israelischen Kumpane, [aber auch europäische Akteure, mit neokolonialen Ambitionen] auch nur im Geringsten daran interessiert sind, dass diese arabischen Länder in Frieden und Freiheit existieren können. Das Recht auf Selbstbestimmung hat man ihnen schon lange abgesprochen und seit „9/11“ geht es ihnen an den Kragen …