Ukraine: Die große Fata Maidana

svoboda flags

Fata Morgana mirages distort the object or objects which they are based on significantly, often such that the object is completely unrecognizable.”

(Eine Fata Morgana verzerrt das Objekt, auf das sie zurückzuführen ist so stark, dass nicht mehr erkennbar ist, worum es sich wirklich handelt)

Heute ist ein schwarzer Tag für die Ukraine, für Europa und für die alle Menschen, die in einer normbasierten (nicht auf Macht beruhenden), zivilisierten Gesellschaft leben wollen. Ein demokratisch gewählter Präsident und seine Regierungsmannschaft wurden durch einen verdeckten Putsch aus dem Ausland gestürzt. Wie dieser postmoderne coup d’état zustande kam, davon wissen unsere Papageienjournalisten nichts. Die vielen „Sondersendungen“ und „Brennpunkte“ sind nur Camouflage für die Tatsache, dass die tatsächlichen Ursachen dieser angeblichen Volkserhebung völlig im Dunkeln bleiben sollen.

Seit Wochen werden wir in den Medien mit Bildern und banalen Kommentaren über die angespannte politische Lage in der Ukraine (eigentlich in Kiew) überschwemmt. In drei-minütigen Videos präsentierte der „öffentlich-rechtliche“ Fließbandjournalismus Momentaufnahmen, die ohne politischen Kontext keinen Zuschauer in die Lage versetzen, zu verstehen was hier eigentlich los ist. Auch die unerträglichen Dummschwätzer in den Polit-Talk-Shows tragen nichts dazu bei, aber das sollen sie ja auch gar nicht, denn wir befinden uns ja in einer Zuschauer-Demokratie: hören und zusehen, aber nichts wirklich verstehen – nach diesem Motto kann man das ahnungslose Volk aus „Konsumenten“ viel leichter regieren.

kiew 4Obwohl die inszenierte Show im Wesentlichen immer die gleiche ist  – der Westen ist „extrem besorgt“ über die Unterdrückung einer „friedlichen und demokratischen Opposition“ durch eine brutale Regierung und verlangt ein „Eingreifen“ durch Sanktionen, etc. – wird sie von den „Nachrichten“-Redaktionen als seriöse Berichterstattung verkauft. Normalerweise werden Menschen, die von Dingen sprechen, die es in Wirklichkeit nicht gibt, als geisteskrank bezeichnet. Doch der „Churnalist“ kommt nicht nur damit durch, er verdient damit auch sein Geld – das man uns zwangsweise abnimmt (für den öffentlich-rechtlichen Verblödungs-Rundfunk).

Was die „Tagesschau“ z.B. als „Hintergrund“ für die dramatischen Ereignisse in Kiew präsentiert, kann man nur als schlechten Witz bezeichnen. Die tatsächlichen Ursachen für die „Massenproteste“ (2004 und heute), der geopolitische Hintergrund werden nie untersucht.

Rasch wurden Fälschungsvorwürfe laut” (Wahlen 2004) – und? Waren diese gerechtfertigt oder nicht? Das interessiert die Journalisten gar nicht mehr. Statt mühsamer Recherche und selbständigem Denken wird der mentale Shortcut gewählt, den das Framing (ein vorgefertigter, irreführender Deutungsrahmen für brisante Ereignisse, z.B. „War on Terror“ oder „Arabischer Frühling“) ermöglicht.

Ob Julia Timoschenko nun tatsächlich Amtsmissbrauch verschuldet hat, spielt keine Rolle mehr, denn das negative Framing der Janukovitsch Regierung ist so penetrant, dass alles, was unter ihrer Führung passiert, als mehr oder weniger kriminell wahrgenommen werden soll. Dass „Menschenrechtler“ die Urteile gegen Timoschenko kritisieren muss als Beweis für ihre Unschuld genügen. Nie käme es unseren Papageien-Journalisten in den Sinn, dass diese angebliche Sorge um Menschenrechte auch politisch missbraucht werden kann und tatsächlich auch wird– mehr dazu später.

US-AUSSENPOLITIK:  You Are Free To Do What We Want

1 angletonIm Zuge der „Globalisierung“ wurde der Öffentlichkeit seit Mitte der 1990er Jahre ein faszinierendes Schauspiel geboten:  im Balkan, im Nahen Osten und in Eurasien wurden durch vermeintliche „Volksaufstände“ (die manchmal militärische „Interventionen“ nach sich zogen) unerwünschte Regime hinweggefegt, die alle eines gemeinsam hatten: sie waren nicht kompatibel mit „amerikanischen Interessen“. Die Regierungen der betroffenen Länder glaubten doch tatsächlich, sie könnten selbst bestimmen, nach welchen Regeln ihre Wirtschaft zu funktionieren hatte, mit wem sie Abkommen schließen und wie die Erträge verteilt werden. Doch die Integration in den von Washington gesteuerten  (und von Brüssel und Berlin mitgetragenen) globalen Plünderungskapitalismus ist natürlich keine Option, sondern eine Art „freiwilliger“ Zwang.

Von Belgrad bis Minsk, von Tbilisi (Georgien) bis Kiew – und natürlich auch die Fata Morgana des „Arabischen Frühlings“, die aber nicht Gegenstand dieses Artikels ist – das State Department (DOS, amerikanisches Außenministerium) und sein Mafia-Arm, die CIA und dutzende „NGOs“ (vordergründig zur „Förderung der Demokratie“ im Ausland tätig) haben eine ganze Serie von „regime change“ Operationen durchgeführt, die zwar nicht alle erfolgreich waren, aber das wichtigste Kriterium ihrer Auftraggeber erfüllten:

Plausible-deniability – sie müssen so ausgeführt werden, dass die amerikanische Regierung jede Mitwirkung daran „plausibel“ bestreiten kann und dabei werden sie ja tatkräftig von der Papageien-Journaille unterstützt.

Wie man eine unerwünschte Regierung zu Fall bringt, bei Bedarf auch (Bürger-)Kriege anzettelt, ohne dass in den Medien auch nur ein Wort über die wahren Urheber erwähnt wird, das beherrscht das DOS wie kein anderer (das mussten wir ja auch bei Ländern wie Libyen, Sudan, Somalia und zuletzt in Syrien mitansehen)

Color_Revolutions_MapDer so  arrangierten “Orange Revolution” in der Ukraine im Jahr 2004 ging ja bald die Luft aus, als die Leute merkten, dass Korruption und Ausbeutung der Oligarchen auch nicht leichter zu ertragen ist, wenn es „pro-westliche“ und nicht russische Leitlinien sind, die den Ton angeben. (Mehr über die wirtschaftlichen Hintergründe im nächsten Beitrag).

Als Janukovitsch sich dann für eine engere Kooperation mit Russland entschied (weil Putin einfach ein faires,  viel besseres Angebot machte als die EU/NATO/US Kanaille), wurde das als „catalyzing event“ für einen geplanten Volksaufstand à la Gene Sharp genutzt (was das ist, siehe weiter unten).

„EU-PARTNERSCHAFT“: Der Weg ins Wohlstandsparadies führt in die Hölle

thorn crownDie Konfrontation um die Integration der „Ukraine in die europäische „Großraumwirtschaft“ war aber nur ein Vorwand, um die neueste Runde von regime change  im europäischen „Kernland“ (Eurasien) einzuleiten. Den Menschen in der Ukraine (und der Öffentlichkeit) wird suggeriert, dass ein „Partnerschaftsabkommen“ mit der EU der Weg zu mehr Wohlstand und einer gerechteren (weil demokratischen) Gesellschaft sei, doch davon kann natürlich keine Rede sein. Ein IMF-Kredit in Milliardenhöhe würde die angespannte Situation nur verschlimmern:  noch mehr Sparprogramme, Niedriglöhne, Entlassungen, Überschwemmung mit EU-Importen auf Kosten der nationalen Produktion, etc.

Wir haben ja am Beispiel von Spanien, Portugal oder Griechenland gesehen (und neuerdings auch Slowenien und Kroatien), wie es den Peripherieländern (die wirtschaftlich fast wie Kolonien behandelt werden) ergeht. Das Abkommen mit der EU wurde ja ursprünglich von den korrupten Oligarchen im Land vorangetrieben, den wahren Machteliten hinter dem Präsidenten in Kiew.

GEOPOLITISCHE INTRIGEN und die Komplizenschaft der Medien

Warum wird das – wirklich brutale – Niederknüppeln der Proteste gegen den Sturz Morsis (eines gewählten Staatsoberhauptes) in Ägypten (oder das Vorgehen gegen Demonstranten in der Türkei) eher verharmlost aber die vergleichsweise sehr zurückhaltende Reaktionen der Sicherheitsbehörden in Kiew (die selbst von aggressiven Demonstranten angegriffen und verletzt wurden) als massiven Angriff auf die Menschenrechte dargestellt? In Ägypten starben hunderte Demonstranten, alle politischen Rechte wurden außer Kraft gesetzt, es handelt sich um eine brutale Militärdiktatur, doch hier kommt kein John McCain und keine Victoria Nuland (die „Fuck the EU“ Diplomatin des US Außenministeriums) um der Opposition durch Kekse und abgedroschene Parolen „Mut zu machen“.

Die Antwort ist klar: Ägypten ist ein sogenannter Satellitenstaat der USA, oft auch irreführend als „Partner“ bezeichnet, die Ukraine aber nicht. Im Gegenteil, ihre Weigerung, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland zugunsten einer Integration in das kapitalistische Plünderungssystem unter EU/NATO/US-Kommando, abzubrechen, macht das Land zur Zielscheibe für  ausländische „Interventionen“, deren  Existenz geschweige denn deren wahrer Charakter dem ARD/ZDF/ORF Zuschauer völlig verborgen bleiben.

Die geopolitische Dimension bei dieser medialen Scharade wird  ignoriert: natürlich geht es um die Rivalität zwischen den USA und Russland. Der globale Hegemon duldet keine Eigenmächtigkeiten schwächerer Staaten und wegen ihrer geographischen Lage und geostrategischen Bedeutung wird die Ukraine zur Zielscheibe für die „speziellen Werkzeuge“ der US-Außenpolitik: Subversion, political warfare, NVR, swarming, psy-ops, etc.

stephen cohenDie schäbige Rolle der Medien in diesem Spiel als gehirnamputierte Verstärker der „strategischen Information“ (früher: Propaganda) aus dem US-Außenministerium beklagte dieser Tage auch Stephen Cohen, Professor für russische Studien an der New York University und emeritierter Professor für Geschichte der Princeton University:

Er spricht vonhoch-selektiven, voreingenommenen und aufrührerischen Medienberichten“, die – durch Unterschlagung von Fakten und historischem Kontext – ein völlig falsches und einseitiges Bild des Landes verbreiten. Sie schildern das „Partnerschaftsabkommen“ der EU in den schönsten Farben: als die große Chance der Ukraine für Demokratie und Wohlstand (die alle Ukrainer wollen – was nicht richtig ist). Der Weg ins vermeintliche „EU-Paradies kann aber nur beschritten werden, wenn alle wirtschaftlichen Brücken zu Russland abgebrochen werden, doch das hat der neue Darth-Vader des Kremlin, Vladimir Putin durch seine ‚hinterhältigen Intrigen‘ zu verhindern gewusst.

PutinStatt einer facettenreichen, politischen Analyse, in der etliche Probleme in Russland bzw. in den ehemaligen Sowjetstaaten auf die Jelzin Ära und die dunklen Machenschaften der USA (nach „Glasnost“ und Mauerfall) in diesen Ländern zurückgeführt werden können, wird immer die gleiche Melodie gespielt:  der böse, böse Putin ist an allem schuld. Von Oligarchen-Politjustiz bis zum unglaublichen PR-stunt „Pussy Riot“, von Greenpeace harassment  bis zur Tötung herrenloser Hunde in Sochi, an allem ist der Schurke Putin schuld, für alle Probleme ist er verantwortlich, der Mann ist einfach ein Mega-Arschloch. Das sollen wir jedenfalls glauben.

Aber das Leitmotiv der US-Außenpolitik – nicht Russlands – war und ist „Full Spectrum Dominance“, wie Harold Pinter (in der zweiten Hälfte) seiner wunderbaren Nobelpreis-Rede feststellt (Hier die Einleitung):

„Politische Sprache, so wie Politiker sie gebrauchen, wagt sich auf keines dieser Gebiete, weil die Mehrheit der Politiker, nach den uns vorliegenden Beweisen, an der Wahrheit kein Interesse hat sondern nur an der Macht und am Erhalt dieser Macht. Damit diese Macht erhalten bleibt, ist es unabdingbar, dass die Menschen unwissend bleiben, dass sie in Unkenntnis der Wahrheit leben, sogar der Wahrheit ihres eigenen Lebens. Es umgibt uns deshalb ein weitverzweigtes Lügengespinst, von dem wir uns nähren.“

Die Mentalität des Kalten Krieges mit dem groß angelegten „Lügengespinst“ (und Selbstbetrug) der „moralischen Autorität“ des Westens (allen voran natürlich die USA selbst) gegenüber finsteren Gestalten aus dem anderen Lager (nicht offen für kapitalistische Plünderung und die globalen Dominanz Washingtons) hält immer noch an:

Soll heißen: man projiziert die eigene, schrankenlose und selbstherrliche Aggression und politische Verschlagenheit auf den Gegner, den man dann mit „ebenso“ widerlichen Methoden bekämpfen muss.

Um den „Krieg gegen den „Terror“ (auch eine Fata Morgana made in Washington) zu gewinnen, muss man selbst der größte Terrorist sein, z.B. unschuldige Menschen bei Hochzeiten, Begräbnissen und anderen Gelegenheiten mit Drohnen in Stücke reißen. Man habe Hinweise gehabt, dass es sich um „Terrorverdächtige“ handelte (wozu auch Kinder, schwangere Frauen und alte Omas auf Gemüsefeldern zählen) … das genügt um solche feigen Massaker zu rechtfertigen.

statoflibertyDass es den USA (angesichts ihrer zahllosen Verbrechen, bei denen nach 1945 durch „Interventionen“ im Ausland, geschätzte 20-30 Millionen Menschen starben und weiteren Millionen Menschen das Leben zur Hölle gemacht wurde) immer noch gelingt, sich als moralische Instanz aufzuspielen, deren Außenpolitik scheinbar von der Sorge um Menschenrechte und Demokratie bestimmt wird, ist eine solche Ungeheuerlichkeit, dass man schreien möchte. Aber auch das ist ja nur möglich, weil unsere Medienschafe die Lügen der USA tagtäglich ungestraft in ihren Sendungen wiederkäuen, bis sie geglaubt werden (auch von ihnen selbst??)

Professor Cohen führt ein Beispiel an, in dem diese Projektion auch deutlich wird: Zuerst lobt der Autor in einem Artikel die „friedlichen Proteste“ in Kiew als „positives Beispiel für die Europäer“, kein Wort von den vielen Angriffen auf die Polizei, von den Nazi-Aufmärschen und anti-semitischen Parolen. In einem anderen Artikel last sich der Autor dann doch herab, auf die zunehmend gewalttätigen Demonstranten einzugehen, aber nur indem er suggeriert, die Gewalteskalation sei von pro-russischen Provokateuren gesteuert, die für Janukovic arbeiten.

Doch Cohen stellt klar, dass die Konfrontation zwischen den beiden „Lagern“ in der Ukraine weder durch Putin noch durch Janukovic ausgelöst wurde, sondern durch das Ultimatum der EU,dass ein demokratisch gewählter Präsident eines politisch gespaltenen Landes sich zwischen Europa und Russland entscheiden müsse“. Putins Angebot für ein trilaterales Abkommen (also EU, Ukraine und Russland als Partner) wurde abgelehnt und in den Medien ignoriert (das hätte ja das Image Putins als Erzschurke ins Wanken gebracht …).

NATO cartoon2Aber die schwerwiegendste Unterlassung der Medien besteht (so Cohen und ich finde er hat völlig recht) darin, dass die Aggression des Westens (repräsentiert durch die US-geführte NATO) gegenüber Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion als politischer Kontext nicht erwähnt wird. Die Versprechen, die man damals Gorbatschow gab (man werde NATO nicht weiter nach Osten ausdehnen) wurden natürlich gebrochen. Damit nicht genug, schickte das US-State Department ganze Horden von NGOs nach Russland und in die ehemaligen Sowjetstaaten um „Demokratiepromotion“ (politische Destabilisierung) zu betreiben. Mit diesem Begriff hätte Orwell seine Freude gehabt, denn dahinter verbergen sich natürlich subversive Aktivitäten aller Art, mit der unerwünschte politische Entwicklungen beendet bzw. in andere Bahnen geleitet werden.  (Welche perfiden Mittel dazu angewendet werden, skizziere ich weiter unten).

Das Ziel dieser Operationen (wie z.B. der „Color-Revolutions“) ist natürlich eine Regierung an die Macht zu bringen, die der Plünderung durch transnationale Konzerne, dem NATO-Beitritt und letztlich der Eingliederung in das American Empire als unterwürfiger Vasall nichts entgegensetzt. Die korrupten Oligarchen in diesen Ländern sind also die wahren „Partner“ von USA und EU, nicht irgendwelche Demokratiebewegungen.

FUCK THE EU – and the US, too

Diejenigen, die daran zweifelten, dass die USA sich (seit Jahrzehnten) das Recht herausnimmt (mit kriminellen Mitteln) zu bestimmen, welche ausländische Regierung „regieren“ darf und welche nicht, sollten nach der jüngsten Veröffentlichung des Telefonates von Victoria Nuland mit dem US-Botschafter in Kiew eines besseren belehrt worden sein:

Nicht die “Fuck the EU“ Äußerung sollte Schlagzeilen machen, sondern die Tatsache, dass hier zwei amerikanische Diplomaten darüber befinden, wer in der neuen Regierung der Ukraine sitzen sollte und wer nicht. Auch Professor Cohen kommt zu dieser Feststellung:

Die entscheidende Offenbarung in diesem Telefonat war, dass hochrangige US-Beamte sich als intrigante „Geburtshelfer“ für eine neue, anti-russische Regierung in der Ukraine betätigen, in dem ein demokratisch gewählter Präsident zu Fall gebracht wird – das ist ein Putsch.“

WIE WURDEN DIE MENSCHEN IN DER UKRAINE AUFGEHETZT?  

naked protestor police abuseEin trauriges Beispiel für die Dämonisierungskampagne gegen die Janukovitsch-Regierung in den Medien ist die schockierende Story von dem nackten Demonstranten, der von der Polizei misshandelt wird. Dieses Video ging wie ein Lauffeuer um die Welt und sorgte für eine (geplante) Welle der Empörung.  Studenten der Geschichte wissen aber seit Gleiwitz, dass nicht jede Schandtat auch wirklich von denen ausgeführt wurde, die als Täter propagiert werden.

Auf dem Bild unten sieht man, dass einer der „Polizisten“, der die Brutalität des Regimes verkörpern soll, Andrei Dubrovik ist, der ehemalige Innenminister der Ukraine. Sein aktueller Job ist „Sicherheitschef“ der Vaterland-Partei (Batkivshchyna) von Julia Timoschenko, die ja jetzt wieder ihr politisches Unwesen treiben kann.

Andrei Dubrovik dressed as policemanWir sehen also, wie leicht es ist, indoktrinierte und manipulierte Menschen an der Nase herumzuführen: die Rollenverteilung zwischen „Gut“ und „Böse“ kann sich aber jederzeit ändern.

Der „Manichäische Teufel“ der hier an die Wand gemalt wird, ist also die Regierung, die gestürzt werden soll. Informierte Leute wissen natürlich, dass die USA mithilfe der CIA nach 1945 weltweit mehr als 50 Regierungen – darunter viele demokratisch gewählt – gestürzt und faschistische Diktatoren unterstützt hat, und dabei in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich ist. Um Einwürfen von „Anti-Amerikanismus“ und „Verschwörungstheorien“ vorzubeugen, braucht man nur jene Bücher lesen, deren Verfasser die (freigegebenen) US-Archive der Nationalen Sicherheit durchforstet haben. Todesschwadronen, wie sie noch in den 1980er Jahren in Lateinamerika eingesetzt wurden, sind heutzutage (jedenfalls in Europa) nicht mehr das Mittel der Wahl. Wie James Peck in seinem wunderbaren Buch “Ideal illusions“ enthüllt, haben sich die Kommunikationsstrategen unter den NS-Managern in den USA noch etwas anderes einfallen lassen:

Die politische Vereinnahmung der Menschenrechts-Bewegung

Solange die Sowjetunion existierte, genügte der grandios inszenierte „Red Scare” um die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten zu rechtfertigen (auch vor dem eigenen Gewissen. Die Kreuzritter des Kalten Krieges verteidigten offiziell Freiheit und Demokratie gegen die dämonischen Kommunisten, tatsächlich aber  ging es um die Durchsetzung des einzig „wahren“ Glaubens: des uneingeschränkten Kapitalismus unter US-Kommando.

DES  KAISERS  ALTE UND NEUE KLEIDER

Eingehüllt in den Schleier der moralischen Autorität (dem Lügengespinst von Pinter) hält die US-Regierung immer noch anderen Ländern dramatische Vorträge über Demokratie und Freiheit (wie Iran oder Ukraine) und stürzt   nach wie vor Regierungen  (Jugoslawien, Irak, Libyen mit sichtbarer, militärischer Gewalt; die „Colour-Revolutions“ in Georgien, Ukraine, aber auch in Burma mit unsichtbarer Gewalt: NVR – mehr dazu weiter  unten), die sich nicht dem US-dominierten kapitalistischen „Weltordnung“ unterordnen wollen bzw. Russland oder China als „Partner“ vorziehen

3rd_psychological_operations_btn_dui_n14121Die Täuschungsmanöver und Strategien der Manipulation und Tarnung, die dazu benutzt werden, sind preisverdächtig: der goldene „Machiavelli“ geht an das US State Department für  Verlogenheit und Doppelmoral im Zuge der „Außenpolitik“.

Prominente Analysten dieser Politik wie Noam Chomsky haben uns ja seit vielen Jahren klar gemacht, wie groß die Kluft zwischen den offiziellen Absichten der US-Außenpolitik und den tatsächlichen Ziele ist. Wer diese Bücher gelesen hat, hat also der Banalität des Bösen schon häufig ins Gesicht gesehen, doch die Methode, die zurzeit in der Ukraine (und nicht nur dort) praktiziert wird, ist – nach meiner Auffassung – der bisherige Gipfel der Arglist (auf die selbst linke Intellektuelle wie Chomsky hereinfallen):

Unter dem Slogan des „gewaltfreien Widerstandes“, also jener Methode, die untrennbar mit Mahatma Ghandi verbunden ist, werden hier Menschen (und ihre Hoffnung auf ein gerechteres System) als politische Waffen benutzt.

Weil der Mensch dazu neigt, sogenannten Autoritäten mehr zu glauben als einzelnen Personen, muss man zunächst Organisationen schaffen, die ein wissenschaftliches Ethos ausstrahlen: also „unabhängig“ sind und nur die besten Absichten haben, um die Gesellschaft durch mehr „Wissen“ zu verbessern. Welcher Begriff wäre dafür besser geeignet als  “Friedensforschung”. Unter diesem Dach lassen sich viele “Institute” ansiedeln, die alle nur eines im Sinn haben: Gewaltvermeidung. Doch bei näherer Betrachtung entpuppt sich so mancher dieser Forscher als alles andere als pazifistisch:

Hier geht es nicht darum, Gewalt zur Erreichung politischer Ziele zu vermeiden sondern darum, einen Konflikt zu gewinnen, ohne (offensichtliche) Gewalt einzusetzen: Demonstrationen, Streiks, Boykotte, Massenproteste organisieren, all das ist ja legitim – wenn es sich um eine authentische Widerstandsbewegung handelt.

Ist die moralisch unangreifbare Methode der Gewaltlosigkeit aber ausreichend um jeden Massenprotest zu legitimieren? Auch gegen eine demokratisch gewählt Regierung? Wenn gleichzeitig die Polizei attackiert wird, Regierungsgebäude besetzt werden und das Land unregierbar wird – ist das noch „gewaltfrei“?  

POLITISCHE MACHTÜBERNAHME : DER POST-MODERNE COUP

Gandhi truthWas hier tatsächlich passiert, hätte sich George Orwell nicht besser ausdenken können. Die „Gewaltlosigkeit” als Begriff wird selbst ein Instrument der politischen Kriegsführung. Aber könnte man das nicht auch über Gandhi sagen? Nein, das kann man eben nicht. Für Gandhi war diese Form des Widerstandes (Verweigerung der Ko-operation der Massen mit der Regierung und Bestehen auf historische Wahrheit) eine moralische Kraft und er benutzte sie um ein legitimes Ziel zu erreichen: den Sturz der britischen Kolonialregierung bzw. „home rule”, also das Recht der indischen Bevölkerung auf politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung.

Doch diese, von den USA konstruierte Form von „NVR“ ist manipulativ und verlogen: was früher die CIA erledigte (verdeckte Operationen, psychologische Kriegsführung zur „Destabilisierung“ einer unerwünschten Regierung), machen heute auserwählte „Zielgruppen“, die – nach gründlichem „Training“ durch amerikanische Spezialisten als politische Waffen benutzt werden.

„VOLKSAUFSTAND Inc.“ -Die Netzwerke der Subversion

Network revolutions

NVR dient eben nicht dazu, mehr soziale Gerechtigkeit oder eine Veränderung der politischen Machtstrukturen zu erwirken (was sich die Demonstranten natürlich erhoffen), sondern eine Regierung zu dämonisieren und schließlich abzusetzen, die sich dem imperialen Zugriff Amerikas (und mittlerweile auch der EU/NATO) entziehen und ihren eigenen Weg gehen will.

Das Land soll unregierbar werden – ist das ein legitimes Ziel einer „demokratischen“ Bewegung? Wir sehen ja, dass alle Kompromissangebote der Regierung abgelehnt werden – warum wohl?

Hier handelt es sich nicht um Leute, die demonstrieren oder streiken, um konkrete politische Ziele durchzusetzen. Dieser „gewaltfreie“ Widerstand basiert nicht auf moralischen oder religiösen Prinzipien (wie etwa bei Martin Luther King oder Ghandi).

NVR ist eine politische Technik zum Sturz ausländischer Regierungen. Es geht nicht darum, ein politisches Statement zu machen. Es geht um eine von außen gesteuerte Machtübernahme, die als “legitim” (demokratisch) – wahrgenommen wird.

Um eine kritische Masse unzufriedener Menschen zu einem steuerbaren, aggressiven „Schwarm“ zu formieren, braucht es natürlich mehr als populistische Parolen und ein bekanntes Gesicht wie Vitali Klitschko. Dazu müssen professionelle „Trainer“ eingesetzt werden, die Experten in psychologischer Manipulation und militärischer Taktik sind. Für die Inszenierung der Massenproteste in der Ukraine waren diese beiden Herren von großer Bedeutung:

Gene Sharp und Colonel Robert Helvey

Gene_Sharp_SketchDr. Gene Sharp studiert Soziologie und Politikwissenschaft und verweigerte „aus Gewissensgründen“ in den 1950er Jahren den Militärdienst für den Koreakrieg. Er beschäftigte sich mit den Theorien von Thoreau und Gandhis Überlegungen zum zivilen Ungehorsam (NVR) im Kontext der Analyse politischer Macht: Mit welchen Mitteln gelingt es einer Regierung, die Masse der Bevölkerung „ruhig“ zu halten, also ihre Kooperation sicherzustellen, auch wenn sie regelmäßig übervorteilt werden?

Der wichtigste Aspekt für den Gehorsam der Bürger sind die wahrgenommene Legitimität der Regierung und die moralische Autorität der Institutionen (vor allem bei Polizei, Justiz und anderen Behörden, die uns Verhaltensnormen aufzwingen.)

Die meisten Menschen „folgen“ also nicht, weil sie Angst vor Strafe haben, sondern weil sie die Autoritäten als legitim und notwendig ansehen. Sharp erkannte, dass durch gezielte Unterminierung dieser Wahrnehmung, der Gehorsam in der Bevölkerung dramatisch abnimmt. Durch psychologische Manipulation kann dann ein „gewaltfreier“ Aufstand hervorgerufen werden, der die Regierung handlungsunfähig macht.

Sharp studierte schon in den 1950er Jahren den gewaltfreien Widerstand Gandhis in Indien (und vorher in Süd-Afrika). Dieser Mann war als politische Führungsfigur einzigartig, weil er über eine enorme, moralische Autorität verfügte.

gandhiGandhi war kein “Politiker” im üblichen Sinn;  er war nicht angetrieben vom Streben nach Macht, Ruhm oder Geld und jeder konnte sehen, wie er persönlichen Verzicht übte. Für ihn waren die Menschen nicht nur Mittel zum Zweck, um gewählt zu werden oder in einer Partei Karriere zu machen, er war als moralisch-spirituelle Kraft die größte Triebfeder für eine Änderung der politischen Machtverhältnisse in Indien. Er war absolut authentisch und überzeugte deshalb hunderttausende Menschen, ihm zu folgen.

Man muss heutzutage kein Gandhi sein, um politisch Erfolg zu haben, aber man muss zumindest eine gewisse Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Sharp wurde klar, dass man Regierungen putschartig zu Fall bringen kann, wenn ihr moralische Autorität so weit untergraben wird, dass sich die Massen (synchronisiert durch Twitter u. andere Methoden wie swarming) wie ein ferngesteuerter Hornissenschwarm an bestimmten Plätzen sammeln und die Behörden zur Verzweiflung bringen.

Alle Probleme im Land werden einfach dem ach so fiesen  Charakter der Regierungsmannschaft angekreidet: Korruption, steigende Preise und sinkende Löhne, enorme Vermögensunterschiede, Oligarchie statt Demokratie, usw. Die tatsächlichen Ursachen für zunehmende soziale Ungerechtigkeit werden ignoriert (wie z.B. die dubiose Integration in das kapitalistische System 1991).

Wehrt sich die Regierung gegen die zunehmende Unruhe im Land (ihre Aufgabe ist ja auch für  Ruhe und Ordnung zu sorgen), wird jedes Verhalten sofort als Beweis für die tyrannische Gesinnung des Kabinetts gesehen, während die inzwischen wild gewordene Opposition in den Medien stets als „demokratisch“ bezeichnet wird – auch wenn Polizisten verdroschen und Polizeiautos abgefackelt werden.

Damit dieses falsche Spiel funktioniert, braucht man zunächst ein  Ereignis, dass die Massen so richtig schön in Rage bringt, einen „catalyzing event“, wie der Fachmann sagt. In diesem Punkt hat sich ein Modell als äußerst erfolgreich bewiesen:

Der großartig inszenierte „Wahlbetrug“

Von Venezuela bis Iran, von Serbien bis Simbabwe, haben sich die amerikanischen Manipulationsexperten ja schon eifrig betätigt, wenn es darum geht, den Eindruck zu erwecken, dass die Wahlen gefälscht wurden. Stichhaltige Beweise für Wahlbetrug wurden nie vorgelegt, doch wir wissen ja, dass alleine die ständige Wiederholung in den Medien (einer Lüge) genügt, um die Zuschauer zu verarschen. Als sehr effektiv hat sich auch jene Methode herausgestellt, bei der amerikanische PR-Firmen „Befragungen“ präsentieren, die sich verdächtig weit vom tatsächlichen Wahlergebnis entfernen. Geht man davon aus, dass diese Quellen mehr Glaubwürdigkeit haben, als z.B. die iranischen,  bzw. anderer „Ziele“ für Destabilisierung, ist man geneigt, der Story zu glauben.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass in den Medien diese Regierungen (die man los werden will) immer negativ präsentiert werden.

Helvey_SketchSharp und Robert Helvey (Bild links), der eine langjährige (schmutzige) Karriere beim militärischen Geheimdienst hatte) sorgten auch für den Sturz von Milosevic: die Aufstände waren alles andere als spontane Volksbewegungen. Zuerst wird mit erzwungenen „Reformen“ die Unzufriedenheit im Land geschürt: Lohnkürzungen, Massenentlassungen, Streichung von Sozialleistungen, etc. Damit wird der Grundstein für den notwendigen Volkszorn gelegt.

Dann wird die Schuld für all diese Ungerechtigkeiten nur einer Person (bzw. deren Partei) zugeschrieben. Bestehende religiöse oder ethnische Spannungen werden verstärkt. Wenn dann auch noch ein „Wahlbetrug“ inszeniert wird, ist eine kritische Masse erreicht. Aktivisten sprühen regierungsfeindliche Sprüche an tausende Wände und 2 Millionen Aufkleber mit „Er ist erledigt“ werden unters Volk gebracht. Wirtschaftliche Sanktionen  werden selektiv angewendet: Gemeinden, die die Opposition unterstützen, werden verschont. Die Radikalisierung „nationalistischer“ Bewegungen wird von den Trainern gezielt vorangetrieben, wobei PR-events auch eine große Rolle spielen.

Was früher die CIA “verdeckt” erledigte, machen seit den 1990er Jahren die „Demokratie-Promoter“ halb-offiziell: Ausgerüstet mit 40-50 Millionen Dollar sorgten NED, USAID und andere „Institute“ z. B. dafür, dass Jugoslawien zerstört wurde.

Hier eine kurze (unvollständige) Übersicht über die subversiven Aktivitäten von Sharp, Helvey und ihren Gönnern:

1983 entwickelte Sharp in Harvard ein Seminarprogramm mit dem Titel Gewaltfreie Sanktionen im Rahmen soziologischer  Forschung, die sich mit dem Einsatz des zivilen Ungehorsams  (während des kalten Krieges) befasste. Dort trifft er auf Colonel Robert Helvey, der von Sharps Ideen begeistert ist. Helvey, ein Mann mit langähriger Erfahrung im militärischen Geheimdienst der USA (DIA), erkennt sofort welche Möglichkeiten zur manipulativen Steuerung von Menschenmassen sich mit dieser Methode ergeben.  Er ist begeistert von den Praktiken des „gewaltfreien Widerstands“, allerdings als militärische Taktik, mit der man unerwünschte Regierungen entfernen und dabei  trotzdem moralisch unangreifbar bleiben kann.

cotrell gladioIm gleichen Jahr gründet Sharp in Boston das Albert Einstein Institut (AEI) und weil das US State Department bzw. die CIA und amerikanische „Investoren“ das ungeheure Potential seiner Forschung zur Durchsetzung imperialistischer Ziele erkannten, mangelte es auch nie  an Forschungsgeldern. Generalmajor Edward B. Atkeson gehörte als erster dem Beratergremium des AEI an. Atkeson, der ebenfalls für den militärischen Geheimdienst (der US Army in Europa) tätig war, integriert das AEI in das geheime  NATO-Netzwerk (mit Rekruten in den Sicherheitsapparaten europäischer Staaten und paramilitärisch ausgebildeten Nazis), das später unter dem Namen GLADIO Schlagzeilen macht.

1985 veröffentlichte Sharp ein Buch mit dem Titel „Wie Europa uneinnehmbar wird“, mit einem Vorwort von George Kennan, dem geistigen Vater der US-Außenpolitik während des Kalten Krieges.

1987 erhält das AEI Fördermittel vom USIP (Institute for Peace) und hält Seminare in verbündeten Ländern über NVR als Verteidigungsstrategie (man fragt sich – gegen wen?) Das USIP hat Verbindungen zur CIA.

1989 trainieren Sharp und Helvey (vorher Militärattaché der US-Botschaft in Rangun) die Opposition in Burma, weil sie besorgt über die zunehmende Stärke der kommunistischen Partei sind. Helvey ist ein typischer Offizier des kalten Krieges, dem alle Mittel recht sind, den Kommunismus und alles andere, das sich dem US-Imperialismus in den Weg steht, zu besiegen. Nach Beendigung seiner militärischen Laufbahn tritt wird er Vorsitzender des AEI Vorstandes.

1998 reisen Sharp und Helvey nach Osteuropa und „trainieren“ dort eine Gruppe serbischer Jugendlicher, die die Widerstandsgruppe OTPOR bilden um die letzte, sozialistische Regierung Europas, geleitet von Slobodan Milosevic, zu stürzen. Diese umfangreichen „Schulungen“ werden von folgenden, privaten (aber als NGO betrachteten) Organisationen finanziert: das National Endowment for Democracy (NED), das International Republican Institute (IRI) und die US Agency for International Development (USAID). Alle gehören zum Netzwerk der CIA.

1999 Die Broshüre „Von der Diktatur zur Demokratie“, die das AEI veröffentlicht hat, wird in Serbien von der Gruppe „Zivile Initiativen“ in Umlauf gebracht, die wiederum vom NED finanziert wird.

otpor2000 AEI Präsident Helvey leitet einen  OTPOR „Workshop“ in Budapest, der vom IRI finanziert wird; Die amerikanische Regierung hat alleine in diesem Jahr etwa 40 Millionen Dollar für Aktivitäten ausgegeben, die Milosevic dämonisierten und die Bevölkerung gegen ihn aufhetzen. Das AEI erwähnt später in seinen Berichten, dass in “mehr als 20 Ländern“ Beratungsaktivitäten stattfanden, darunter Serbien, Weißrussland, Litauen, Lettland und Estland, aber auch Simbabwe, Iran und Irak.

2003 Sharp unterstützt die Organisation der „Rose Revolution“ in Georgien.

2003 – 2004 Helvey und andere AEI Mitglieder reisen nach Venezuela um nach den gescheiterten Putsch (2002) mit anderen Mitteln die Regierung von Hugo Chavez zu unterminieren. Sie beraten die Anführer der Opposition (Sumate) während der Demonstrationen im Jahr 2004 und sind maßgeblich an der Operation Guarimba beteiligt (Straßenblockaden, die oft in Gewaltausbrüchen enden) Studenten aus Venezuela werden ebenfalls „bearbeitet“, um sie gegen Chavez aufzuhetzen. Sie treffen sich (nach Stratfor) 2005 in Belgrad mit den bereits indoktrinierten OTPOR / CANVAS Leuten und reisen dann weiter nach Boston, um Sharp persönlich zu treffen.

2004 Helvey und andere AEI Mitglieder treffen die Opposition in Kiew .. das war der Beginn der synthetischen „Orange Revolution“, die friedlich ausging. 2014 reichte die NVR offenbar nicht … um eine kritische Masse für die Konfrontation mit der Regierung zu schaffen, man bediente sich auch der alten und neuen Nazis aus Galizien, die alles andere als „gewaltfrei“ sind … das Ergebnis sehen wir heute …

Auch der „Arabische Frühling“ ist in gewisser Hinsicht ein Produkt von Sharp, Helvey und dem dritten im Bunde, dem Vertreter der globalen Finanzoligarchie und CFR Mitglied Peter Ackermann, der in Kairo und Tunis die Suppe zum Überkochen brachte.

WAR IS PEACE  2.0

Der gewaltfreie Widerstand wird also nicht eingesetzt, weil er moralischen Prinzipien folgt, sondern weil in gewissen Fällen Gewalt weniger effektiv ist. Diese Leute sind also keine Pazifisten – im Gegenteil. Sharp sagte in einem Interview, er sei schockiert gewesen, auf welcher Basis die Bush Regierung im Irak vorgegangen sei: dem Glauben an die Allmacht der Gewalt, ein quasi religiöses Dogma. Man müsse Alternativen zur Gewalt entwickeln, wenn man prinzipiell dagegen sei – so Sharp.

Doch was bedeutet das wirklich? Sharp zeigte den Machteliten in den USA, dass man imperiale Dominanz auch mit nicht-militärischen Mitteln erreichen kann. Aber führt der Einsatz von NVR als militärische Taktik nicht auch diesen Gedanken ad absurdum? Nicht-militärisch bedeutet eben nicht  „automatisch friedlich“. Robert Helvey gibt das offen zu: er spricht von einem „gewaltfreien Krieg“ – womit wir endgültig bei George Orwell (1984 – 30 Jahre Jubiläum) angelangt sind.

Die Zerstörung eines Landes durch militärische Gewalt ist offensichtlich und erzeugt moralische Empörung. Doch andere Formen der Gewalt etwa durch Wirtschaftssanktionen können ebenso verheerende Folgen haben (wie der Tod von 500.000 Kindern im Irak, die durch die Bombardierung von Sanitäranlagen gezwungen waren, verseuchtes Wasser zu trinken. Die dadurch hervorgerufenen, blutigen Durchfallepidemien konnten wegen der Sanktionen (fehlende Medikamente) nicht behandelt werden: die unterernährten Kinder starben massenhaft einen qualvollen Tod). Dass die Urheber dieses Massenmordes sich erdreisten, „humanitäre Interventionen“ in anderen Ländern zu fordern, weil diese Menschenrechte missachten, ist eine solch ungeheuerliche Heuchelei, dass einem übel wird wenn man nur daran denkt.

Die unheimlichste Form der Gewalt ist aber jene, die Sharp, Helvey und andere in den oben erwähnten Ländern angewendet haben (Venezuela ist gerade jetzt auch wieder Opfer dieser subversiven Machenschaften). Dass die Eskalation in Kiew ausgerechnet während der Olympiade in Sochi stattfand, ist natürlich auch kein Zufall.

Selbst Orwell wäre von diesem Maß an Arglist und systematischer Verschleierung der wahren Absichten  in den Medien beeindruckt gewesen: Eine ganze Armada aus Organisationen mit wunderbar-moralisch hochtrabenden Namen (Institut für Frieden, für Demokratie, Gewaltfreiheit, etc.) die in Wahrheit nur trojanische Pferde für den Imperialismus* sind.  Sie zerstören das Leben von Millionen  Menschen, benutzen sie als politische Manövriermasse, die ma n nach Gebrauch wegwirft.

(*Auch Deutschland hat solche Organisationen: z.B. die Friedrich Naumann Stiftung)

Damit nicht genug, bringen die Medien das unerträglich hohle Geschwätz der Politiker – Obama, Kerry, Ban-Ki-Moon, und natürlich auch europäische talking heads, die ihre leeren Phrasen über Demokratie und Werte absondern als eine Art semantischer Durchfall (es „stinkt“ jedenfalls gewaltig zum Himmel).

Erich Fromm hat es schon vor Jahrzehnten auf den Punkt gebracht … als er nach den vermehrt auftretenden, psychischen Krankheiten gefragt wurde, die durch das kapitalistische System (krankhaftes Streben nach Macht und Geld) bei vielen Menschen ausgelöst werden:

Das Problem sind eigentlich nicht die Kranken (die leiden, weil sie die Unmenschlichkeit der Profit-Diktatur spüren), sondern die „gesunden“ die sich an dieses kranke System so angepasst haben und es als normal wahrnehmen“

Die größten Psychopathen sind also unsere politischen und wirtschaftlichen Eliten, die es in diesem System an die Spitze gebracht haben. Noch Fragen?

Werbeanzeigen

Einstein & das (andere) Schwarze Loch

„Wenn uns eine echte und endgültige Katastrophe  in Palästina ereilen sollte, wären an erster Stelle die Briten dafür verantwortlich und an zweiter Stelle jene  terroristischen Organisationen, die aus unseren eigenen Reihen aufgebaut wurden.

Ich will mit keinem Menschen, der mit diesen irregeführten und kriminellen Leuten assoziiert ist, etwas zu tun haben.“  

Antwortschreiben Albert Einsteins vom 10.April 1948 auf das Ersuchen, sich in den USA als Gallionsfigur / Fundraiser für   israelische „Freiheitskämpfer“ zu engagieren, die besser unter den Kürzeln „Irgun“  bzw. „Stern Gang“ bekannt sind; beide waren extremistische Ausblühungen der Haganah und verübten zahlreiche Terroranschläge in Palästina.

Hier der Originalbrief:

Vier Wochen später (am 14.Mai 1948) wurde der Staat Israel proklamiert und die erste große „Staatshandlung“ war die Vertreibung tausender Palästinenser aus ihren Dörfern durch eine lange vorher geplante (und bereits begonnene) Terrorkampagne.

Einstein schrieb den o.a. Brief einen Tag nach dem Massaker von Deir Yassin, das Teil dieses mörderischen Planes war und die ausländische Presse schockierte: 250 Dorfbewohner wurden aus dem Schlaf gerissen und auf ekelhafte Weise abgeschlachtet (darunter schwangere Frauen und Kinder), die anderen flohen in Panik; das Dorf wurde zerstört, sogar der Friedhof wurde dem Erdboden gleichgemacht; ähnliche Szenen ereigneten sich in vielen anderen arabischen Kommunen. (Historische Quellen und Details in Ilan Pappe: Die Ethnische Säuberung Palästinas sowie in meinen früheren Blogbeiträgen zum Thema Israel bzw. Palästina).

Um das ganze Ausmaß der zionistischen Skrupellosigkeit zu erfassen, muss folgendes noch erwähnt werden: Die Bewohner von Deir Yassin hatten einen Friedenspakt mit den Bewohnern des jüdischen Nachbarortes geschlossen und sich geweigert, als Militärstützpunkt für die arabische Befreiungsarmee zu dienen. Sie wollten nur in Frieden in ihrem Land leben.

Opfer von Deir Yassin

Doch alles nützte nichts: „die müssen weg“ lautete das Motto, Vertreibung, Mord, Terror, alle Mittel waren recht und wurden in den Köpfen der Zionisten als notwendiger „Transfer“ der Araber rationalisiert.

Man muss sich das klarmachen: nur drei Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz hat der neue Judenstaat kaltblütig geplante, ethnische Säuberungen durchgeführt, und so die Hälfte der einheimischen Bevölkerung vertrieben.

Hunderte Menschen wurden ermordet, hunderttausende flohen in Panik (viele starben auf der Flucht an Erschöpfung), ihre Dörfer wurden zerstört, die Zeichen ihrer Religion ausradiert, damit „das auserwählte Volk“ das Land in Besitz nehmen konnte (das ganze Land natürlich, UN-Teilungsplan hin oder her).

Doch damit nicht genug: um den Flüchtlingen jede Rückkehr unmöglich zu machen, wurden Gesetze eingeführt, die den Nürnberger Gesetzen im Punkto Rassismus und Unrecht kaum nachstehen: Juden aus aller Welt erhielten ein automatisches „Recht“ in Israel / Palästina zu bleiben (nur Juden dürfen Land besitzen), während die rechtmäßigen Eigentümer, Familien, die schon seit Jahrhunderten dort gelebt hatten, kein Rückkehrrecht hatten – eben weil sie keine Juden waren. Diese Regelung gilt noch heute. Und das geht als „einzige Demokratie im Nahen Osten“ durch? Unglaublich, wie konditioniert unsere Medien sind. Das Denken hat man ihnen jedenfalls abgewöhnt, wenn es um Israel geht.

Die Arroganz und Selbstgerechtigkeit des Zionismus ist auch daraus zu ersehen, dass die heiligste Gedenkstätte des Holocausts „Yad Vashem“ sich eigentlich auf gestohlenem Land befindet, und  zwar in unmittelbarer Nachbarschaft zu Deir Yassin (heute ein „jüdischer“ Ort).

WAS HAT DAS MIT DER HEUTIGEN SITUATION ZU TUN?

Frage: Warum wird das Wort „Zionismus“ in unseren Medien nie erwähnt, wenn es um Israel bzw. den endlosen „Nahostkonflikt“ geht? Israel ist ein zionistischer Staat. In der Knesset sitzen nur Zionisten (und ein paar arabische Israelis zur Dekoration), der Zionismus ist aber nicht identisch mit dem Judaismus, wie diese Herren deutlich demonstrieren:

Man kann die endlose Saga vom „Nahostkonflikt“ nur analysieren, wenn man den historischen Hintergrund einbezieht.

Die falsche Darstellung der Vergangenheit ist die Grundlage für die andauernden Lügen der Gegenwart

sagte Ilan Pappe bei einem Vortrag über die Entstehung des israelischen Staates, eine Periode, die in den isarelischen Geschichtsbüchern (und vielen Medien) völlig verzerrt  und realitätsfremd dargestellt wird.

Ein anderes Wort, das nie im Kontext der Geschichte Israels erwähnt wird, ist „Kolonialismus“.  Das zionistische Projekt war ein koloniales Projekt, nicht die friedliche „Besiedelung“ und Urbarmachung eines brach liegenden, leeren Landstriches.

Die Kolonialherrschaft war dadurch gekennzeichnet, dass die Einheimischen von fremden Mächten politisch entrechtet wurden, und sich deren kapitalistischen Interessen unterordnen mussten. Als Rechtfertigung wurden häufig missionarisches Sendungsbewusstsein und kulturelle Höherwertigkeit angegeben, doch die rassistischen Untertöne blieben nicht verborgen.

Im Falle Palästinas war die Sache noch schlimmer, denn die Einheimischen sollten nicht einfach wirtschaftlich ausgebeutet werden, sondern man musste sie loswerden. Das schrieb schon Theodor Herzl in seine Tagebücher (lange vor Hitler), denn für den künstlichen „Judenstaat“ mussten die Nicht-Juden weggeschafft und durch importiertes „high quality human material“ (also europäische Juden) ersetzt werden.

Spätestens in den 1930er Jahren war klar, dass die Einwanderungsquoten viel zu niedrig waren, und sich die Araber viel schneller fortpflanzten als die Juden, also musste eine radikale Lösung gefunden werden: ethnische Säuberungen durch eine detailliert geplante Terrorkampagne, die aber mit dem offiziellen Opferstatus der europäischen Juden (besonders nach 1945) nicht in Einklang zu bringen ist.

Jene Palästinenser, die nicht geflohen sind, wurden zu Gefangenen im eigenen Land, die bestenfalls Menschen zweiter Klasse (innerhalb Israels) sind, aber in den besetzten Gebieten „wie die Hunde“ (Moshe Dayan) leben müssen: unter völliger Kontrolle einer Militärdiktatur, die mit ihnen machen kann, was sie will. (Für Palästinenser gilt Kriegsrecht, für Israelis Zivilrecht; mehr Info über die illegal besetzten Gebiete gibt es hier)

In der zionistischen Propagandawelt war Palästina „ein Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“. Doch in dem Land lebten hunderttausende Menschen, die ohnehin schon lange Jahre das Joch der türkischen Herrschaft ertragen hatten und auch davon träumten, endlich ihr politisches Schicksal selbst bestimmen zu können.

Der Staat Israel wurde eben nicht auf einem Territorium gegründet, dass die neue Nation schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten bewohnte, und wodurch sie eine organische Beziehung zum Land aufgebaut hatte, sondern im Herzen der arabisch-muslimischen Welt wie ein Fremdkörper implantiert.

Die absurde Rechtfertigung, man habe nach 2500 Jahren den starken Drang verspürt, ins Land der „Vorfahren“ zurückzukehren, weil man nur durch Berührung mit dem mystisch verklärten Boden des „Heiligen Landes“ eine jüdische, nationale Identität aufbauen könne,  trägt in sich bereits den Keim der eigenen Zerstörung.

Diese gigantische Selbsttäuschung war nur um den Preis zu realisieren, dass die damit verbundenen Grausamkeiten gegenüber den Palästinensern als „notwendig“ dargestellt wurden, um ein „höheres und heiliges“ Ziel zu erreichen.

Damit war allerdings die moralische Grundlage des zionistischen Projektes ruiniert und ein unauflöslicher Widerspruch geschaffen worden: die ewigen Opfer wurden selbst zu Tätern und mussten ihre eigenen Schandtaten vor ihrem Gewissen und den hohen moralischen Ansprüchen des Judaismus rechtfertigen.

Das Mittel dazu? Projektion der eigenen Verbrechen und Ruchlosigkeit auf den Gegner, (der für seine Freiheit kämpft) … das funktioniert auch im Falle der USA sehr gut … gegen den man sich permanent „verteidigen“ muss. So entsteht ein perpetuierter Zustand der „Notwehr“ eines militarisierten Staates, in dem alle Mittel recht sind.

 (Achtung, wir nähern uns langsam dem Schwarzen Loch …)

Fastforward ins Jahr 2012: die „kriminellen Leute“, von denen Einstein sprach, sitzen (nicht erst seit) heute in der israelischen Regierung, die „terroristischen Organisationen“ gingen im Militär (IDF) bzw. im Geheimdienstapparat auf.

Alleine im letzten Jahr wurden 242 Palästinenser durch die IDF ermordet, doch das regt hier niemand auf; schließlich handelt es sich immer um „Selbstverteidigung“ gegen fanatische „Terroristen“, die von „radikalen Islamisten“ beherrscht werden und – völlig grundlos – arme Israelis mit ihrem Hass verfolgen.

Dieses unglaubliche Märchen erzählt man uns schon so lange, dass die Realität kaum noch eine Chance hat. Worüber man nicht spricht, das gibt es auch nicht. Diese Zensur durch Schweigen, durch Nichterwähnung unwiderlegbarer Fakten, Unterdrückung anderer Perspektiven (als jener der israelischen Regierung) ist enorm erfolgreich. Ilan Pappe spricht von einer „Conspiracy of Silence“ … da kann man nur zustimmen.

Anfang der Woche kam die Meldung, dass wieder einmal 25 Menschen im Gazastreifen getötet wurden. Ein,  zwei Sätze dazu in den Nachrichten, end of story.  No big deal (im Gegensatz zu dem tragischen Busunglück, bei dem 25 Kinder aus Belgien ums Leben kamen, da wurde über „große Betroffenheit, große Anteilnahme, Schweigeminuten, psychologische Betreuung für die Eltern, etc.“ gesprochen, also mit emotionalen Formulierungen an das Mitgefühl der Zuhörer appelliert.

Doch wer in Gaza stirbt, ist kein Thema für die Medien. Auch die 660 Kinder nicht, die bisher vom israelischen Militär ermordet wurden.

Die unglaubliche Brutalität der seit mehr als vier Jahrzehnten andauernden, illegalen israelischen Besatzung, die Verwandlung Gazas in ein belagertes Horror-Gefängnis (das jederzeit bombardiert werden kann) und jene des Westjordanlandes in eine ausgeklügelte Apartheid Zone, diese Verbrechen und Unmenschlichkeiten werden von unseren Medien mittlerweile als „normal“ akzeptiert, denn wie es dort wirklich zugeht, das zeigen sie uns ja nicht.

Selbst die unfassbaren Grausamkeiten derOperation Cast Lead“ haben zu keinem Umdenken geführt (1,5 Millionen Menschen, die in einem Gefängnis leben und nicht fliehen können, werden bombardiert:

Die „öffentliche Meinung“ ist fest im Griff der pro-israelischen Propaganda und selbst der seriöse Goldstone-Report wurde von der Zionisten-Lobby „unschädlich“ gemacht, mit den üblichen Mitteln: wenn Du keine echten Argumente hast, attackiere die Person und unterstelle ihr unlautere Motive. Der Autor und die ganze UN sind „voreingenommen“ und wollen Israel  mit dieser „einseitigen“ Perspektive doch nur schaden, dieses arme, kleine, bedrohte Land, „das noch nur in Frieden u. Sicherheit leben will“.

Dasselbe arme, kleine Land hat 9 türkische Free Gaza Aktivisten auf einem zivilen Schiff in internationalen Gewässern, kaltblütig ermordet (siehe meine ausführlichen Blogbeiträge zum Thema „Mavi Marmara“). Aber das macht auch gar nichts. Kein Grund zu Aufregung. Israel mordet immer nur für den guten Zweck …

Die 25 Toten in Gaza sind für die Medien Routine.  Nach dem Motto, das kennen wir ja schon. Diese Leute schießen doch immer wieder „Raketen“ auf unschuldige Bürger im Süden Israels und Israel muss sich dann wehren bzw. diesen „militanten“ Palästinensern eine Lektion erteilen.

Moment mal: Israel hatte zwei Menschen in die Luft gejagt: „gezielte Tötungen“ nennt man das in emotional sterilisierter Sprache und die Medien benutzen diesen Ausdruck gerne.

Das hilft enorm dabei, sich keine Gedanken darüber zu machen, dass es sich hier um staatlich angeordneten Mord handelt, also eine Form von Staatsterror.

(Die USA praktizieren das ja auch inzwischen routinemäßig seit „9/11“; sehr beliebt ist das Abschlachten von Menschen mittels „Drohnen“, da kann man sich der Illusion hingeben, eine remotecontrolled Maschine habe  „die Tötung“ ausgeführt; keine menschliche Verantwortung mehr spürbar … )

Die Medien übernahmen natürlich die perverse Rechtfertigungslogik der israelischen Regierung und meldeten, die beiden Getöteten seien (natürlich) „Terroristen“ gewesen, die einen neuerlichen Anschlag geplant hätten, den es zu verhindern galt. Das soll suggerieren, es habe sich um eine Art vorauseilende Selbstverteidigung gehandelt, also präventives Morden, um Schaden zu verhindern und Menschen zu schützen. Das klingt doch edel, oder?  

Das gleiche Scheinargument wird natürlich auch verwendet, wenn der israelische Geheimdienst iranische Physiker in die Luft jagt (z.B. vor einem Kindergarten, in dem sich auch der kleine Sohn des Opfers befand …). Wenn die eine Atombombe bauen wollen, müssen wir uns doch wehren …. (wir haben doch selbst nur ein paar hundert davon, die es aber offiziell gar nicht gibt …)

Wir projizieren unsere seit Jahren praktizierte Aggression und Rechtlosigkeit einfach auf den „Feind“, dann können wir unsere Gewaltherrschaft immer moralisch legitimieren …. Deshalb gilt:

„We have the right to kill anybody we consider a „threat“ to our interests or our security, even if there is no proof of any criminal activities … you die for what (we think or pretend) you might have been planning to do ….”

Das ist natürlich das Ende des zivilisierten Rechtsstaates, wie wir ihn zu kennen glaubten, aber sehr praktisch für Israel und seinen Glaubens- u. Waffenbruder, die USA:

Wir bringen um, wen wir wollen, wann und wie wir wollen (auch Menschen, die zufällig in der Nähe des „Targets“ sind, auch dessen Kinder) und behaupten einfach, der Ermordete war ein Terrorist, der uns bedroht hat. Das war’s. Er kann ja nicht mehr widersprechen …

Wir sind Polizei, Staatsanwalt, Richter und Exekutor in einer Person und befinden einfach, dass die betreffenden Menschen keine Rechte mehr haben (auf Anhörung, Verteidigung, faires Verfahren, etc.). Das geht ganz einfach: sie sind eben keine „Menschen“ mehr, sondern gehören jetzt in eine Kategorie, die keinen Anspruch mehr auf Menschlichkeit oder Gerechtigkeit hat, wie eben „Terroristen“, „feindliche Kämpfer“, „radikale, militante, Islamistische … usw.“. Eigentlich können wir sie nennen, wie wir wollen … so lange die Öffentlichkeit schon bei der Nennung des Namens das Hirn ausschaltet und nur mehr emotional (mit Abscheu und Wut) reagiert, nach dem Motto: „die haben es ja verdient (weil sie eine angebliche Bedrohung für uns darstellen, können wir mit ihnen machen, was wir wollen … der Zweck rechtfertigt die Mittel …)

Das hatten wir doch schon mal …. Damals hieß diese Kategorie von Menschen „Juden“ ….

Warum ist der „Westen“ so erpicht darauf, den Arabern in Libyen und Syrien „zu Hilfe zu kommen“, doch  der Unmut in Ägypten soll mit einer faux democracy contained“ werden, während VOR ALLEM der jahrzehntelange Kampf der Palästinenser um politische Freiheit und Selbstbestimmung, weiter dämonisiert wird.

Den einen muss man beim Streben nach Demokratie rasch unter die Arme greifen (mit Propaganda, Waffen und NATO-Bomben im Rahmen einer von außen geschürten Destabilisierung des Landes, unter dem Deckmantel des „arabischen Frühlings“), die anderen lässt man seit vierzig Jahren im Elend versinken? Was ist das für eine verlogene Rhetorik, die uns hier serviert wird?

Dass mit zweierlei Maß gemessen wird (unglaubliche Heuchelei der USA, aber auch der EU), zeigt diese Orwell‘sche Sprechblase von Hilary Clinton im UN Sicherheitsrat:

“Wir glauben an die Souveränität […] aller Mitgliedsstaaten, jedoch nicht, dass diese das Stillschweigen des Sicherheitsrates erfordert, wenn Regierungen ihre eigenen Leute massakrieren, und dadurch Frieden und Sicherheit in der Region bedrohen.

Wir lehnen jede (moralische) Gleich-wertigkeit zwischen den geplanten Morden einer staatlichen Militärmaschinerie und den Aktionen von belagerten Zivilisten, die zur Selbstverteidigung genötigt werden, ab.“

Toll. Nach dieser Ansage müsste sofort eine UNSC Resolution gegen den Staat Israel erwirkt werden und ein Mandat  für die „R2P“-Mission, die den auf brutalste Weise „belagerten  Zivilisten“ in Gaza (und in gewisser Hinsicht auch der West Bank) zu Hilfe kommt. (Die Palästinenser sind insofern „eigene Leute“, weil Israel als alles beherrschende Besatzungsmacht für ihr Wohlergehen verantwortlich ist)

Doch die Sache hat einen Haken: die moral outrage Performance von Mrs. Clinton ist natürlich nicht für Israel gedacht (böse Zungen behaupten ja, der US Kongress werde von den Zionisten und der Wall Street beherrscht) und schon gar nicht für die Palästinenser.

Sie haben dem Imperium nichts zu bieten: kein Öl, keine Zentralbank mit Milliarden an Goldreserven, die man sich greifen kann (Libyen); keinen „Markt“, den Konzerne erobern wollen;  keine Gesellschaft, die die unerträgliche Charade des „Friedensprozesses“ noch länger mitspielen will, während Israel weiterhin illegale Siedlungen baut und die Palästinenser in der Westbank terrorisiert. Niemand dort glaubt auch nur einen Moment daran, dass Clinton und ihresgleichen auch nur einen Funken Interesse an Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten haben.

Das ganze verlogene Geschwafel von Demokratie und Freiheit, die man angeblich fördern will, kann dort niemand mehr hören.  (Wir auch nicht)

Klartext: wer selber kaltblütig geplante Morde (mit oder ohne offiziellen Krieg) in anderen Ländern ausführt, macht sich mit gespielter moralischer Empörung über die Gewalt anderer Regierungen nur zu einer makabren Witzfigur. Die „Verbündeten“ der USA in der Region, Saudi Arabien, Bahrein, Qatar, etc. sind alle Diktaturen, denen die Menschenrechte so viel bedeuten, wie eine Rolle Klopapier. (Bahrain hat Ärzte und Pfleger zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie verletzte Aufständische medizinisch versorgt haben – wo bleibt denn hier die Empörung des Westens? Wie bitte? Bahrein ist eine wichtige US-Militärbasis, das ist natürlich etwas anderes …)

Das Morden an sich stört die USA ja nicht, es kommt eben nur darauf an, WEN man mit high-tech Bomben und DIME-Waffen in Stücke reißt: ist es jemand, der nicht (mehr) mit den Machtinteressen der USA (oder Israel) kompatibel ist, dann sind jegliche moralische Skrupel fehl am Platz, diese Leute müssen weg (Saddam, Gaddafi, Assad, Ahmadinejad, etc.) „regime change“ dressed up as „R2P“, das ist die neue Show, die abgezogen wird.

Man unterstützt die Diktatoren so lange es geht (siehe Mubarak), wenn die Stimmung im Volk endgültig kippt, stellt man sich scheinbar auf dessen Seite, drischt einige leere Phrasen über Demokratie und arbeitet im Hintergrund dafür, dass die alten Machtstrukturen nicht geändert werden. Nur einige Gesichter werden ausgetauscht.

Die „Halluzination der Demokratie“ nannte das der Altmeister der PR-Täuschung, Edward Bernays, der überzeugt davon war, das Volk sei zu dumm, um irgendetwas bestimmen zu können (er sorgte dafür, dass es dumm blieb …) deshalb müssten die „Eliten“ das Kommando übernehmen und unsere Wahrnehmung kontrollieren …

Im Falle Ägyptens wäre es für Israel verheerend, wenn das Volk wirklich das Sagen hätte, denn die Umfragen sind eindeutig: 90% der Bevölkerung halten Israel und die USA für die größte Bedrohung des Weltfriedens und des Friedens in der Region.

Die Unterstützung für die seit Jahrzehnten gequälten und entrechteten Palästinenser in Ägypten ist sehr hoch. (Sichtbar z.B. in der Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo, wo ein Mann .. Stockwerke hinaufkletterte, um die israelische Flagge durch die ägyptische zu ersetzen …. (die israelische wurde verbrannt, der Botschafter musste fliehen …)

Syrien genießt – trotz autoritärer Regierung – hohes Ansehen bei der arabischen Bevölkerung im Nahen Osten, weil es das einzige arabischeLand in der Region ist, dass immer für die Rechte der Palästinenser eingetreten ist und darauf besteht, dass es keinen Frieden mit Israel geben kann, so lange es sich nicht an internationales Recht hält (Grenzen von 1967, Rückgabe der besetzten Golanhöhen, die zu Syrien gehören und wichtige Wasservorkommen beherbergen, u.a.)

Assad hätte niemals einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen, deshalb muss er weg und natürlich auch, weil die Achse „Syrien-Iran“ gebrochen werden soll. „Der Weg nach Teheran führt über Damaskus“, hört man ja schon seit einiger Zeit, doch ganz so einfach, wie es sich die „armchair-warriors“ der Neokonservativen in Washington vorstellen, ist es wohl nicht …

Nochmals zurück zu Albert Einstein:

Einstein war auch einer der prominenten Unterzeichner eines offenen Briefes an die New York Times, anlässlich des damals angekündigten Besuches von Menachem Begin …

Hier einige Passagen daraus (die nichts an Aktualität verloren haben – nur die Namen haben sich geändert):

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das riesige, schwarze Loch der israelischen Desinformation (information dominance) verschluckt seit Jahrzehnten alle historischen Fakten und alternativen Perspektiven, die das Lügengebäude des Zionismus zum Einsturz bringen könnten.

Es wird täglich größer. Seine ungeheure Masse an unterdrückter Wahrheit ist aber unsichtbar für den ungeschulten Betrachter.

Was man nicht sehen kann, das existiert auch nicht. Worüber nicht gesprochen wird, das löst sich in Luft auf.

Die „freie Presse“ lässt sich vom „elektrischen Zaun“ der Israel-Lobby in Schach halten, wie eine Herde Kühe, die immer nur in einem bestimmten Areal grasen darf und regelmäßig mit „Kraftfutter“ („feeds“ aus den Agenturen und PR-Firmen ) versorgt wird.

Und umgeben von hunderten „Holocaust-Gedenkstätten“ wandern wir in den moralischen Ruinen einer Menschlichkeit, die tatenlos zuschaut, wie Menschen in Gaza entrechtet, eingesperrt, belagert, gequält, bombardiert, mit neuen Waffensystemen verstümmelt und vergiftet werden …

Während in der Westbank die tägliche Demütigung und Qual der „checkpoints“ und „roadblocks“ vor sich geht, die Zerstörung von Olivenbäumen, die Vergiftung von Wasserquellen,  das Bulldozern von Häusern, die Vertreibung der Beduinen, die perfide Gewalt der Siedler, die sadistische Willkür von Soldaten, die sich langweilen; das Sterben von Neugeborenen, die zu spät ins Krankenhaus kamen (weil man die Eltern an einem Checkpoint lange nicht durchgelassen hat); das ganze Kaleidoskop einer brutalen, illegalen Besatzung .. die es aber HIER nicht gibt. Sie wird unsichtbar gemacht. Seit vielen Jahren. Unfassbar.

Die Medien und Politiker schweigen. Und wenn sie etwas von sich geben, dann die abgedroschenen Parolen der israelischen PR. Wer sich traut, Israel zu kritisieren, ist ein Anti-Semit. Natürlich, was sonst.

Wenn es eine Lehre aus dem Rassen- u. Größenwahn der NS-Zeit gibt, dann ist es die, dass man entrechteten und verfolgten Menschen beistehen muss, weil jedes Wegschauen, jedes Schweigen eine Mittäterschaft bedeutet.

Doch wie können wir – in unserer  modernen „Informationsgesellschaft“ es noch wagen, unsere Großeltern zu kritisieren, den Deutschen und Österreichern ewige Verantwortung und Schuld anzuhängen, wenn wir alle so tun, als gäbe es die Verbrechen Israels nicht?

Wie können Journalisten dieses schäbige Spiel mitmachen? Haben sie keine Ehre, kein Ethos?  Haben Sie vergessen, dass das oberste Prinzip die Wahrheit ist?

Laut IFJ  (Declaration of Principles on the Conduct …) ist der wichtigste Imperativ für das Verhalten eines Journalisten:

„Respect for truth and for the right of the public to truth is the first duty of the journalist“

Gandhis oberstes Prinzip war nicht „Gewaltlosigkeit“, wie irrtümlich immer wieder gesagt wird, sondern „Wahrheit als moralische Kraft“ (Satyagraha). Den Briten den Spiegel vorzuhalten, ihnen nicht mehr zu ermöglichen, die Unterdrückung des indischen Volkes vor sich und der Welt zu rechtfertigen, das hat Indien die Unabhängigkeit gebracht. Seine Worte über die zionistische Kolonisation Palästinas sind immer noch relevant, hier einige Auszüge:

[…] my sympathy [for the jews] does not blind me to the requirements of justice. The cry for the national home for the Jews does not make much appeal to me. … Why should they not, like other peoples of the earth, make that country their home where they are born and where they earn their livelihood?

Palestine belongs to the Arabs in the same sense that England belongs to the English or France to the French. It is wrong and inhuman to impose the Jews on the Arabs. What is going on in Palestine today cannot be justified by any moral code of conduct. The mandates have no sanction but that of the last war. Surely it would be a crime against humanity to reduce the proud Arabs so that Palestine can be restored to the Jews partly or wholly as their national home.

The nobler course would be to insist on a just treatment of the Jews wherever they are born and bred.

[…] I am not defending the Arab excesses. I wish they had chosen the way of non-violence in resisting what they rightly regarded as an unwarrantable encroachment upon their country. But according to the accepted canons of right and wrong, nothing can be said against the Arab resistance in the face of overwhelming odds.

Wie lange kann dieser Unrechtsstaat noch ungestraft so weitermachen? (Sanktionen, Boykotte, Einreiseverbote usw. sind dringend notwendig (stattdessen wird Iran dämonisiert, ein Land das seit Jahrhunderten keinen Angriffskrieg geführt hat  … )

…………………………….!

Übrigens, Albert Einstein wurde gefragt, ob er nicht der erste Präsident Israels werden wolle, die Antwort können wir uns denken …