TOTAL DIGITAL: Wahnsinn auf dem Acker (1)

Drone over fieldWer noch daran glaubte, dass der Digitalisierungs-Wahn (wie „5G“) vor ländlichen Regionen Halt macht, muss mit einem bösen Erwachen rechnen. Die mächtige Telekom- & IT-Industrie hat alle Register gezogen, um ihre Expansionsstrategie umzusetzen und macht auch vor dem „Allerheiligsten“ nicht halt: Der Erzeugung von Lebensmitteln (Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Gemüse u. Milch, etc.) die (noch) von Bauern produziert werden.

Wie auch beim Smart-Meter wird hier zur Durchsetzung dieser künstlich-organisierten „Transformation“ mit Slogans und Schlagwörtern gearbeitet, die so lange wiederholt werden, bis sie jeder Politiker als selbstverständlich und unabdingbar akzeptiert. In diesem Fall geht es um „Landwirtschaft 4.0“ und „precision farming“, also „Präzisions-Landwirtschaft“. (Das ganze kommt ursprünglich aus den USA)

Und wer könnte als politischer Verbündeter für diesen Irrsinn besser geeignet sein, als unser „Big Brother“ in Brüssel, die EU-Kommission. So überrascht es nicht, wenn wir dazu Broschüren wie diese finden, einen „Monitor“, mit dem also die – scheinbar unvermeidbare – digitale Transformation der Landwirtschaft verfolgt werden soll.

Darin heißt es z.B.

„Der Industrie-Standard 4.0  transformiert die Produktionsfähigkeit aller Industrien, auch der Landwirtschaft. Der Eckpfeiler für diese Verwandlung ist die Verbindungsfähigkeit und IoT ist eine Schlüssel-Technologie dafür, die immer mehr Teil der landwirtschaftlichen Ausrüstung wird.“

Wer also dachte, das bescheuerte und gefährliche „Internet of Things“ habe nun wirklich keinen Sinn für Stall und Acker, der hat die Rechnung ohne die digital overlords gemacht (die inzwischen genauso hinterhältig und skrupellos agieren, wie früher die Tabakindustrie).

Es geht also um „Transformation der Produktions-Infrastrukturen“ und „Steigerung der Produktivität“ durch die Entwicklung neuer Werkzeuge und Maschinen, die alle über das Internet miteinander vernetzt sein müssen, denn immehr mehr Arbeitsabläufe am Bauernhof sollen automatisiert bzw. roboter-gesteuert werden. Das bedeutet in der Praxis, dass Menschen in der Landwirtschaft (und ihr direkter Kontakt mit der Natur) immer überflüssiger werden, nicht nur, weil mechanische Arbeit durch „smarte“ Maschinen erledigt wird, sondern weil diese auch immer mehr „Entscheidungen“ auslösen die durch Datensammeln und Datenanalyse zustandekommen, nicht durch menschliches Nachdenken.   Hier z.B. der  O-Ton einer Presse-Aussendung:  (Bosch & Bayer arbeiten an) „ der Entwicklung von Algorithmen , die als Grundlage für agronomische Entscheidungen dienen“.

Was soll dem Bauer nun konkret „angedreht“ werden? Hier eine Auswahl (mit sarkastischem Humor in Klammer):

  • Fahrzeug-Assistenz-Systeme zur Routen-Optimierung“ (Traktor-Fahren für geistig behinderte Landwirte )
  • Automatisierung von Fahrzeugen (der Mähdrescher fährt alleine los und zwar dann, wenn das Analyse-Programm entscheidet, dass der optimale Erntezeitpunkt gekommen ist…)
  • Lokalisierungs-Technologien (GPS) für optimalen Einsatz der LW-Maschinen (falls sie der Bauer nicht mehr findet, weil der Mähdrescher sich wegen defekter Software „verfahren“ hat..)
  • Präventive Wartung (Geräte sind mit dem Hersteller verbunden, er kann den Einsatz verfolgen … (Stasi goes farming)
  • Feldüberwachung (z.B. „Deep-Field-Connect“ von Bosch)ermöglicht wichtige Gewinne bei Effizienz und Produktivität: Mithilfe einer App sieht der Landwirt auf einen Blick, wie es den Erdbeeren, Kartoffeln oder dem Spargel geht – ohne dass er selbst auf dem Feld sein muss“. Er bekommt z.B. eine „Warnung“ auf sein Smart-Phone, wenn der Boden zu trocken ist (durch Sensoren für Bodenfeuchtigkeit), z.B. bei großer Hitze im Sommer. (Und was soll er dann machen? Die Gartendusche aufdrehen? Und was bleibt von den „Sensoren“ übrig, nach einem Monster-Regen oder Extrem-Sturm, die ja immer häufiger auftreten?)
  • Smart-Spraying“: In Kooperation mit Bayer (!) wurde z.B. eine Sensor- u. Analyse-Technik entwickelt, in der durch ein aufwendiges Kamerasystem Unkräuter „exakt erkannt“ und dann durch gezieltes Besprühen mit Pflanzengiften vernichtet werden. (welche Probleme es damit in der Praxis gibt, sehen wir in Teil 2)

BIG BROTHER – COUNTRY VERSION

Der Schlüssel für die digitale „Transformation“ ist „die Fähigkeit, mehr Daten und Messwerte zu sammeln und zu analysieren”, z.B. über Bodenqualität, Bewässerungsgrad, Wetter, Vorhandensein von Insekten und Schädlingen. Doch dafür „müssen Daten häufig auf höherer Ebene gesammelt werden, als ein einzelner Bauernhof, also brauchen wir Daten-Austausch-Mechanismen. Die Organisation dieser  Daten-Austausch-Platformen ist ein kritischer Punkt…“.

Neben der Einführung neuer Geräte und Praktiken, liegt die große Verheißung von LW 4.0, in der Fähigkeit, AUS DER FERNE Daten zu sammeln, zu verwenden und auszutauschen (weil damit angeblich die Produktivität gesteigert werden kann)

Was sich hier anbahnt, ist also eine Art „Country-Google“, eine „Daten-Krake“ der speziellen Art, die getarnt als harmlose „Platform“, die Landwirtschaft in ein totaliär-kontrolliertes System verwandelt und die Abhängigkeit der Bauern von mächtigen kartellartigen Konzernen weiter verstärkt. Das wird sogar in dem EU-Dokument ausdrücklich erwähnt (offenbar übersehen worden von der „EU-Spin“-Abteilung).

IoT captivity of farmers

Indem sie die Kontrolle über die Datensätze übernehmen, (und Dienstleistungen zur Optimierung des Produktionsprozesses anbieten) können große Konzerne sich eine starke (dominante) Marktposition verschaffen… Dieser Trend wird allerdings dazu führen, die Abhängigkeit der Bauern von den industriellen Playern noch zu verstärken.

(Anmerkung:  Das  engl. Wort „captivity“ im Originaltext, bedeutet eigentlich Gefangenschaft, ein „captive“ ist also ein Gefangener oder Sklave, der keinen freien Willen mehr hat, sondern von anderen beherrscht wird …)

Das soll also die zukünftige „smarte“ Landwirtschaft sein?  Eine von Robotern und Algorithmen beherrschte Dystopie, in der der Landwirt kaum noch Kontakt mit der Natur hat, sondern sich wie ein autistischer Manager nur an Zahlen, Statistiken und „Auswertungen“ von Computer-Programmen orientiert, auf die er keinen Einfluss hat?

Wer noch selbständig Denken kann, erkennt hier, dass wir es mit Wahnsinnigen zu tun haben, und zwar dem gefährlichsten Typ: Der Irrsinn wird als völlig „rational“ dargestellt und alles ausgeblendet, was die Psychopathologie dahinter erkennbar macht.

Den Bauern wird versprochen, dass dieses System  „Einkommenssteigerungen von 10-20%“ ermöglicht (z.B. durch Reduktion von Pestizideinsatz und Treibstoff) „aber das wird lange dauern, weil man dafür sehr viele Daten braucht.

Das erinnert an die Versprechungen der genetischen Saatgut-Vergewaltiger, die transgene, patentierte Feld-Pflanzen für teures Geld verkaufen, weil man damit angeblich höhere Ernten einfährt. Die Realität: z.B. in Indien, gewaltige Ernteeinbußen, z.T. total Ernte-Ausfälle, hochverschuldete Bauern, die sich in ihrer Verzweiflung schließlich das Leben nehmen.

Die Gentechnik ist nicht die einzige Ursache dafür, sondern das ganze „globalisierte“, industrielle, lebens-feindliche, natur-verachtende Produktionssystem, wie Dr. Vandana Shiva in diesem Bericht und in ihren Büchern erklärt.

WIR MÜSSEN NUR WOLLEN …(was uns andere einreden)

Im Internet finden man noch weitere Werbe-Broschüren, die sich dem Thema „Präzisions-Landwirtschaft“ widmen, mit dem Bemühen, diesen digitalen Irrsinn möglichst reibungslos zu implementieren. So z.B. dieses „White Paper“, das natürlich nur helfen will, die „Herausforderungen und Hürden“ für diese Technologie zu überwinden.

EC Phil Hogan Farming 4-0 insanity

Schon das Grußwort des EU-Kommissars für „landwirtschaftliche Entwicklung“ (Phil Hogan aus Irland) läßt erahnen, was uns hier bevorsteht: Die EU-Kommission (also die Lobby-Armada dahinter) räumt der Digitalisierung der Landwirtschaft eine „einzigartige Vorrangstellung“ ein und das Schlagwort „Innovation“ darf dabei natürlich auch nicht fehlen. (Es bedeutet eigentlich im Wortsinn nur neuartige Veränderung, Erneuerung, von lat. innovare; wird aber in der Politik immer suggestiv als etwas Positives dargestellt).

Worum es wirklich geht, sieht man z.B. hier

Milliardenmarkt agri 4-0

Wenn der Landwirt also „wettbewerbfähig“ und „rentabel“  sein will, muss er diesem „Trend“ Folge leisten, so die Botschaft. Die besondere Perfidie liegt darin, dass hier suggeriert wird, das „Internet der Dinge“ und damit verbunden „Big Data“ seien ein Beitrag zum Umweltschutz, zur „Nachhaltigkeit“ und zum „Klimaschutz“. Damit sollen natürlich Kritiker dieses Irrsinns in die Defensive gedrängt werden und jeder Politiker , der sich dafür einsetzt, kann sich hinter dieser edlen Fassade verschanzen. Dass hier „Partikularinteressen“ der IT- u. TK-Industrie durchgesetzt werden, also letztlich eine totalitäre Technologie, deren weitreichende ökologische und soziale Folgen erst gar nicht debattiert werden, geht dabei – wie geplant – unter.

Postman Zweite AufklärungAn dieser Stelle muss man wieder Neil Postman erwähnen, der schon 2001 in seinem Buch (s.Bild), die Art und Weise, wie uns neue Technologien aufgezwungen werden, (was viele gar nicht mitkriegen) scharf kritisiert. Die Methoden sind immer die gleichen: Es wird so getan, als ob jede neue Technologie automatisch einen „Fortschritt“ bedeutet, also ein besseres, angenehmeres Leben, wer nicht mitmacht, wird diffamiert. Eine gewaltige PR-Maschinerie sorgt dafür, dass notwendige Fragen nicht gestellt werden, z.B.:  Die jeweilige Technologie betreffend –

  • Welches Problem wird dadurch gelöst / Wie ist das Problem entstanden?
  • Wessen Problem ist es und wieviele Menschen sind davon betroffen?
  • Welche neuen Probleme könnten durch ihre Anwendung entstehen?
  • Welche Leute oder Institutionen werden darunter leiden?
  • Welche Leute / Institutionen werden dadurch beträchtliche Macht / Dominanz erlangen?
  • Welche sprachlichen Veränderungen werden dadurch hervorgerufen? (sehr wichtig, weil durch Sprache Wahrnehmung und Urteilskraft beinflusst wird)

Ich würde noch mehr Fragen dazunehmen:

Wer entscheidet denn eigentlich, worüber und zu welchem Zweck geforscht wird? Wer bestimmt, dass eine neue Technologie flächendeckend eingeführt wird, ohne öffentliche Debatte über damit verbundene Risiken und Probleme? Wer kontrolliert die Informationen, damit die Öffentlichkeit eben nicht versteht, was hier gespielt wird?

Neil Postman betont, dass Wissenschaft und Technik eben nicht automatisch “Diener” des sogenannten Fortschritts sind, (vielmehr Instrumente zur Vergrößerung von Macht und Profit einzelner Gruppen) sondern dass sie Teil einer grundlegenden Moralphilosophie sein sollten, weil ihre Wirkung auf Gesellschaft und Natur so enorm ist.

Auf dieser geistigen Ebene operiert die EU-Kommission aber nicht, ihr Job ist es, die von mächtigen Industrieverbänden und deren Lobbyisten verfassten, PR-Botschafen zu verbreiten, die dann von unseren Fließband-Journalisten verstärkt  und von verdummten Konsumenten geschluckt werden. Und – nicht zu vergessen- durch Förderprogramme das ganze ins Rollen zu bringen. Dass die Bevölkerung der EU dabei nichts zu sagen hat, versteht sich von selbst (obwohl sie ja unsere Steuergelder verteilen…).

Horizon 2020 digital agri EU

Die „Smarte Landwirtschaft“ solle also „potentiell“ dazu beitragen, die Probleme, die durch die Industrialisierung der Landwirtschaft erst entstanden sind, zu lösen.

  • Prämisse 1: Wir brauchen mehr Nahrungsmittel (nicht erwähnt: 30-35 % landen im Müll und fast 40% der weltweiten Getreideproduktion geht in die industrielle Tiermast; davon könnten weitere 3,5 Mrd. Menschen ihren Kaloriebedarf decken)
  • Prämisse 2: Diese „smarte“ Steigerung der Produktion kann durch Digitaliserung „nachhaltig“ werden

Grain for animals

Hier zeigt sich bereits, wie absurd das Ansinnen ist: Durch massives, elektronisches Datensammeln, Speichern und Analysieren und Dauer-Belastung ländlicher Gebiete (Pflanzen, Tiere, Menschen) mit gepulsten Funkwellen (was natürlich auch erhöhten Stromverbrauch bedeutet)  soll „Nachhaltigkeit“ erreicht werden? Braucht ein Traktor weniger Diesel, wenn er alleine fährt? Was ist mit der sehr umweltschädlichen Herstellung von Batterien und anderen Elektronik-Komponenten, die eine Unzahl von Sensoren, Drohnen, u.a. Robotern brauchen?

Die Probleme der Landwirtschaft rühren doch nicht daher, dass der Bauer zuwenig Daten zur Verfügung hat und seine Maschinen nicht „smart“ sind.

Die wirklichen Ursachen werden völlig ausgeblendet: Die Industrialisierung von Lebensprozessen, die „Globalisierung“, kultische Verherrlichung des „Marktes“ und die immer größere Entfremdung von der Natur Dazu gibt es viele kritische Bücher und Broschüren:

Industrial Farming Costs

„Die Marktwirtschaft wird sehr „ineffizient“, wenn man die Zerstörung der natürlichen Ökonomie (also der Natur) in die Rechnung miteinbezieht. Die industrielle Landwirtschaft verbirgt die Kosten ausgelaugter Böden, der Erosion, der Belastung des Grundwassers und des Artenschwundes (Verlust der Biodiversität). Aus Sicht der natürlichen Ökonomie sind Bauern, die nach ökologischen Grundsätzen arbeiten, viel produktiver als große, industrielle Betriebe, die Monokultur betreiben. …„Wachstum“ bedeutet das (tote) Kapital wird mehr, die (lebendige) Natur wird weniger.“   (Aus dem Buch Earth Democracy, von Dr. Vandana Shiva, Seite 32)

Bauernopfer 1

Die Zahl der Bauernhöfe nimmt weiter ab, vor allem der kleineren Familienbetriebe (die den Namen „Landwirte/Bauern“ noch verdienen), es kommt also seit Jahren zu einer Konzentration von immer größeren Betrieben. Dieser negative Trend wird von den Markt-Predigern „Strukturwandel“ (neutral) oder „Markt-Bereinigung“ (suggeriert etwas Notwendiges, Positives) genannt. Was für Ökologen und Tierschützer eine Katastrophe ist, wird von den digitalen Predigern aber als positiv angesehen:

Strukturwandel begünstigt den Einzu digitaler Innovationen (je größer der Betrieb, desto höher soll das Einspar-Potential bzw. Potential der Produktions-steigerung sein

Woher das kommt? Von der BITKOM, einem  Lobbyverband der TK-Industrie)

Traktor 4-0Die Digitalisierung der Landwirtschaft kostet natürlich viel Geld, ein „smarter“ (digital aufgerüsteter) Traktor ist teurer als ein normaler, ein „vernetzter“ Traktor ist noch teurer. Die Landwirtschaft wird also noch kapitalintensiver und noch abhängiger von Konzernen, denen die „Nachhaltigkeit“ am Allerwärtesten vorbei geht, sie wollen mehr Marktmacht  und mehr Profite.

Aber hier kommt wieder die Täuschung ins Spiel: Dieses Lobbying für mehr Macht und Profit einzelner Branchen nennt man dann „A Better Life for Rural Areas“ (Ein besseres Leben für ländliche Gegenden). Dann wird vorausgesagt, was „unvermeidlich“ sei, „Der ländliche Raum wird immer mehr auf Digitalisierung angewiesen sein, wenn er nicht den „Anschluss“ versäumen will. Die massive Lobby-Kampagne für Digitalisierung wird also als  unvermeidbare „Notwendigkeit“ verkauft, als ob es sich um eine Naturgewalt handeln würde.

Dann kommt wieder das übliche:

Wir brauchen mehr Nahrungsmittel“ also eine Steigerung der „Produktivität durch „Optimierung von Prozessen u. Ressourceneinsatz“, was durch „Genauere Überwachung des Viehbestandes“ und „Präzisere Bewirtschaftung der Ackerflächen“, „Vollständige Dokumentation der Produktion“ (verkauft als „Transparenz“) erreicht werden soll.

NACHDENKPAUSE:

Die Vernetzung von immer mehr Daten und Maschinen bedeutet nicht automatisch, dass ein „intelligentes“ System geschaffen wird bzw. dass damit  eine Steigerung der „Intelligenz“ innerhalb der LW-Produktion stattfindet. Das einzige, wirklich intelligente Produktionssystem auf diesem Planeten ist die Natur, (funktionierende Ökosysteme) deren Selbstorganisation und Effizienz unerreicht ist:

Neuland des Denkens VESTEREin natürlicher, nachhaltiger Produktionskreislauf ohne giftige Abfälle, mit minimalem Energie- und Rohstoffeinsatz, ausgerichtet auf Erhaltung der Lebensfähigkeit, nicht Profit und Machtzuwächse durch krebsartiges „Wachstum“. Siehe dazu die wichtigen Bücher von Frederic Vester, (wie „Neuland des Denkens“, – brandaktuell im Kontext der Digitalisierung – aber leider nur mehr gebrauchte Restexemplare erhältlich …)

Das digitale Dogma ist die Fortsetzung des technokratischen Irrweges, den Prof. Vester so treffend analysiert hat. Im Film „Jurassic Park“ gibt es eine Schlüsselszene: Als Chaos und Panik ausgebrochen ist, weil die geklonten Dinosaurier nicht mehr unter Kontrolle sind, sagt der „Chaosforscher“ (gespielt von Jeff Goldblum, sinngemäß):

Ihr habt euch die ganze Zeit nur gefragt, WIE es zu schaffen ist , (die Saurier-DNA zu klonen), aber OB ihr es überhaupt tun sollt, das war kein Thema“.

Genau darum geht es. Das ist die Telegramm-Version der Kritik von Neil Postman.

Die Vorstellung, dass man durch den Einsatz neuer Technologien und Micro-Management durch Algorithmen „mehr Kontrolle“ über das Leben (die Produktionsprozesse der Natur) hat, ist eine gefährliche Illusion (wie man ja auch an der Gentechnik sieht).

Doch die digitalen Jäger- u. Daten-Sammler haben für solche philosophischen Gedanken keine „Antenne“. Sie verhalten sich genau so, wie die autistischen Betreiber von „Jurassic Park“:  (Uns interessiert nur…) Welche „Herausforderungen“  müssen bewältigt werden, damit die „Präzisionslandwirtschaft“  voran kommt?

Damit die „Revolution – LW 4.0“ ihre Wirkung entfalten kann“ müssen demnach folgende Probleme angegangen werden:

1  „Zu lange Lebensdauer der „Zugmaschinen“

Sprich Traktoren, die im Schnitt fast 30 Jahre lang genutzt werden. Bei den hohen Anschaffungskosten (5o-150 T Euro) macht das natürlich Sinn (Mähdrescher z.B. kosten das Doppelte). Es handelt sich ja um Investitionsgüter, nicht Konsumartikel. Daher ist ein Großteil der LW-Maschinen in Deutschland derzeit nicht „anschlussfähig“ für die „digitale Revolution“. Aber man bietet „Bluetooth“- Lösungen an, als Überbrückung und will natürlich erreichen, dass die Bauern früher auf den „smarten“ Traktor umsteigen.

Mangelnde Medienkompetenz der Bauern

Der Umgang mit digitalen Anwendungen muss verstärkt Einzug in den landwirtschaftlichen Alltag halten“

SAGT WER?

Das ist eine ungeheuerliche Bevormundung der Landwirte, die natürlich nicht darin begründet ist, dass die IT-Industrie deren Arbeit erleichtern oder deren Erträge steigern könnte, sondern darin, dass man hier ein neues Geschäftsfeld bzw. Profitmöglichkeiten erschließen will.

(Zu beachten: Die Graphik unten stammt von … MONSANTO (also nach der Übernahme von BAYER, das Milliarden-Schadenersatzklagen von Krebs-Kranken am Hals hat). Seit wann scheren diese Giftmischer sich um „Nachhaltigkeit“ ?!)

Monsanto Smart Farming

Was tunlichst verschwiegen wird: (Abgesehen von der totalen Entfremdung von der Natur, die dadurch gefördert wird) Die Abhängigkeit der Bauern von mächtigen Industriezweigen (Agro-Chemie, Saatgut-Monopolisten, Maschinen- u. Softwarehersteller) wird dadurch noch größer (weshalb sie auch in diesem Bereich kooperieren). Wenn sie diesen Irrsinn mitmachen, verlieren sie langfristig das (über Generationen) selbst-angeeignete Praxis-Wissen über Ackerbau und Viehzucht und ihre Entscheidungen werden stattdessen von Computer-Programmen und digitalen Platformen gesteuert (was ihnen auch noch als „Vorteil“ verkauft wird)

Die massiven Probleme, die durch die industrialisierte Landwirtschaft erst entstanden sind (Umweltvergiftung u. Gesundheitsgefahr durch tausende Tonnen Agro-Chemie, Bodenerosion, sinkende Fruchtbarkeit der Böden, Artenschwund, enormes Tierleid und Resistenzen von Krankheitserregern in der quälerischen Massentierhaltung, unnötige Tiertransporte, usw.,) können nur dadurch gelöst werden, indem man mit diesem Wahnsinn aufhört und nach den Grundsätzen der biologischen Landwirtschaft arbeitet.  (Das hat die FAO mehrfach festgestellt).

agroecology PAN

(Vergessen wir nicht: Bis die chemische Industrie das Kommando übernahm, waren alle Bauern „Bio-Bauern“ …)

Aber zurück zu unserem „Weißbuch“, das den digitalen Irrsinn auf dem Acker „voranbringen“ möchte:

3  Die Telekommunikation auf dem Land

Das digital-demente Dogma verlangt, das alles ans Internet muss, auch der Kuhstall und der Acker, denn nur dann „rollt der digitale Rubel“, um den es ja in Wirklichkeit geht.  Salopp formuliert: Wer also nicht „rückständig“ sein will, muss in seinem Landkreis alles vernetzen, was nicht rechtzeitig abhauen kann.

Dass der Landwirt damit Geld spart, darf angezweifelt werden, denn die „potentielle Kostensenkung“ bei Dünger und Gift wird durch die Extraausgaben für die teure Digitaltechnik wieder wettgemacht (die dann ständig „Updates“ erfordert…).

NACHDENKPAUSE: 

Wieso sollten automatisierte Abläufe, die den Landwirt bei Entscheidungsprozessen unterstützenbessere, nachhaltige Produkte liefern? Die Probleme der industriellen Landwirtschaft beruhen doch nicht auf „Datenmangel“ und fehlender „Vernetzung“ sondern auf Indoktrination der Bauern und Politiker im Umfeld einer „Markt-Gesellschaft“ (vor der Karl Polanyi schon in den 1950er Jahren gewarnt hat)

Die Produktion von Lebensmitteln (bei der auch Lebewesen involviert sind, das wird heute ausgeblendet) ist nicht vergeichbar mit der massenhaften Herstellung irgendwelcher Konsumartikel, wo ich die Wahl habe, ob ich sie kaufen will oder nicht. Deshalb war die Landwirtschaft auch jahrzehntelang von Handelsabkommen ausgenommen. Doch dann kam die WTO mit ihrem „Agreement on Agriculture 1995 und das Unheil nahm seinen Lauf.

Möglichst große Mengen zu möglichst niedrigen Preisen zu produzieren, das wird in der Industrie als „rational“ angesehen.

Doch für Bauern bedeutet das eine Abwärtsspirale, die sie selbst in Gang setzen, wie in einem Hamsterrad: je mehr sie produzieren, desto mehr verfallen die Preise (pro Einheit), also muss man noch mehr produzieren, (mit noch mehr Dünger, Pestiziden, noch größeren Maschinen) usw. Dieser Preisverfall der Rohstoffe kommt aber nicht den Konsumenten zugute, sondern den großen Lebensmittelkonzernen, die dann durch „Veredelung“ den großen Reibach machen. (siehe z.B. den alten Beitrag „Papst,Kaffee, Hunger und Wirtschaftslügen“)

4:  Der Umgang mit „Big Data“

Dieser Irrsinn generiert eine Lawine von „Rohdaten“, (geschätzt auf ca. 4 Mio. Datenpunkte pro Hof),  die natürlich gar nichts bringen, wenn sie nicht in einem kontext-fähigen „Gehirn“ vernetzt werden, denn nur dort ensteht Wissen. Doch die IT-Industrie will durch zugekaufte „Analyse, Verknüpfung & Interpretation “ letztendlich den Bauern immer mehr die Entscheidungsfähigkeit abnehmen und durch Verkauf der Daten noch ein extra Geschäft machen.

Digital Control FarmingDiese Algorithmen wissen aber nichts von Biologie, Botanik, Agrar-Ökologie usw. und sie haben auch kein Gewissen und keine Ethik.

Das bloße „Anfüttern“ mit Daten schafft kein Wissen und die „Interpretation“ einer Maschine spiegelt natürlich auch die Ignoranz derer wieder, die die Programme schreiben. Braucht ein Bauer, der seit Jahren oder Jahrzehnten seine Arbeit macht, „Handlungsempfehlungen“ einer Maschine?

Diese Systeme kosten sehr viel Geld, haben jeden Menge „Macken“ und Schwachstellen und machen – wenn überhaupt – nur bei sehr großen Betrieben Sinn, die über das „menschliche Maß“ hinausgehen (z.B. in den USA). Sie „zementieren“ den Irrrweg der industriellen, lebensfeindlichen Landwirtschaft weiter ein, anstatt ein dringend notwendiges Umdenken einzuleiten.

Es wird z.b. argumentiert, dass die „Automatisierung“ der Betriebsdaten auch für die EU-Förderanträge nützlich sind, also den Zeitaufwand für die Direktzahlungen vereinfachen. Doch darum geht es gar nicht, vielmehr müssen die „Direktzahlungen“ in dieser Form abgeschafft werden, denn je größer der Betrieb, desto mehr Geld bekommt er. Damit wird automatisch dem „Strukturwandel“ Vorschub geleistet, anstatt den Betrieb vorrangig nach ökologischen Kriterien zu beurteilen, also – wie oben schon betont – auch die ökologischen Kosten (Schäden der Natur und Gesundheit) miteinzurechnen.

NACHDENKPAUSE:

Wie haben es Millionen von Bauern über Jahrtausende bloß geschafft, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben – ohne Internet, ohne digitales „Farm-Management“, ohne RFID-Chips in den Tieren und ohne „Präzisions-Landwirtschaft“??? Das grenzt doch an ein Wunder, oder? Kann es vielleicht darin liegen, dass man sich im direkten Kontakt mit der Natur über Generationen hinweg ein Wissen angeignet hat, (und in vor-industriellen Völkern auch verbunden mit Spiritualität) dass nicht über Maschinen vermittelbar ist?

Ein Wissen, gepaart mit Naturverbundenheit (durch Erleben der Natur)  wie es Alexander von Humboldt  beschrieben hat?

Auch Albert Schweitzer hat das Problem schon erkannt:

Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen

Das sind natürliche Lernprozesse, dazu braucht man keine „künstliche Intelligenz“. Was man aber braucht, ist Respekt vor der Natur, vor dem Leben, wie es bei den indigenen Völkern vorhanden war und wie es Albert Schweitzer angemahnt hat.

Dazu noch einmal ein Zitat aus „Earth Democracy“, von einem nordamerikanischen Indianer-Häuptling  („chief  Seattle“) aus dem Jahr 1848:

„Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede Kiefernnadel, jeder Baum, jedes brummende Insekt… und wir wissen: Die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde. Wir wissen: Alle Dinge sind miteinander verbunden.“

(Heute heißt das Biokybernetik… das Thema von Professor Vester)

Cosmos Humboldt - HelferichEtwa zur gleichen Zeit erschien in Europa der „Kosmos“ (Teil 1 & 2) von Humboldt, in dem er „die Natur als durch innere Kräfte bewegtes und belebtes Ganzes bezeichnete, also wie die Indianer begriffen hatte, das nur eine ganzheitliche Betrachtung des Systems Natur zu einem Verstehen führt und das der Mensch durch den angeblichen „Fortschritt“ auch eine enorme Zerstörung auslöst.

Doch das  technokratische, mechanistische Zeitalter  hatte (mit Newton, Descartes, etc.) bereits begonnen und man sah die Welt (und Natur) als riesige Maschine, die man beherrschen kann, wenn man nur die einzelnen Teile studiert, und dann die Natur „neu erfindet“, also „effizienter“ macht – ein Riesenirrtum, (den Frederic Vester erkannte und aufzeigte, der aber in der Politk auf taube Ohren stieß).

Der „life-blind“ Techno-Faschismus geht mit der Digitalisierung in die letzte Phase des Irrsinns (des Kapitalismus) und deshalb finden wir heute das:

AI Professur Humboldt

(Alexander von Humboldt dreht sich im Grabe um…)

Wirklich „intelligent“ ist, zu erkennen, dass wir seit Millionen Jahren von der Natur kostenlose Dienstleistungen erhalten, die kein Datensammeln und Analysieren je verbessern oder ersetzen kann (weil kein systemisches Denken dahinter steht):

IPBES ecosystems 2019

 

(Fortsetzung folgt…)

 

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