GIFT & GALLE

OPCW inspectorEine Ermittlungsmission hat in Syrien Beweise für den Einsatz von Senf- und Sarin-Gas gefunden, erklärte die Hohe Repräsentantin für Abrüstungsangelegenheiten Izumi Nakamitsu. „Der erneute Einsatz von Giftgas ist entsetzlich und kann nur als eine Verletzung der Grundsätze des Völkerrechts angesehen werden“, sagte Nakamitsu vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Die Ermittler führten Interviews, untersuchten Dokumente und entnahmen Blutproben. Aufgrund der vorherrschenden Sicherheitslage konnten sie allerdings nicht zu den mutmaßlichen Einsatzorten vordringen.“ [„in Syrien“ ist also irreführend]

Diese Meldung ist nicht neu (vom 24. Mai 2017), wurde aber vor wenigen Tagen wieder hochgespielt. Warum, dass soll hier untersucht werden.

Die OPCW sollte eine „Fact-finding“ Mission in Syrien durchführen, um zu klären, was es mit den „Giftgas-Anschlag“-Vorwürfen auf sich hat. In ihrer jüngsten Presse-Aussendung heißt es u.a.:

„Die FFM bestätigte, dass Menschen am 4. April 2017 in der Khan Shaykhun Gegend (Provinz Idlib in Syrien) Sarin ausgesetzt waren, (einem gasförmigen Nervengift). Das Mandat des FFM besteht darin, festzustellen, ob CW oder giftige Chemikalien in Syrien als Waffen eingesetzt wurden; es beinhaltet nicht, herauszufinden, WER für die angeblichen Angriffe verantwortlich ist.

„Aus Sicherheitsgründen konnte das Team Khan Shaykhun NICHT besuchen. Das rasche Einschreiten ermöglicht es jedoch dem Team, den Autopsien beizuwohnen, bio-medinische Proben  von Verletzten und Toten zu nehmen, Zeugen zu  vernehmen und Umweltproben zu erhalten.“

 „Eine gründliche Methodik wurde angewandt, die Übereinstimmung von Zeugenaussagen wurde berücksichtigt,“ usw. Das klingt toll, dient aber nur dazu, die beschämenden Tatsachen zu  verbergen:

ICH WEISS, DASS ICH NICHTS WEISS

Eine „Fact-Finding-Mission“ die den angeblichen „Tatort“ GAR NICHT GESEHEN, geschweige denn forensisch untersucht hat, ist eine bitterböse Farce und mit dem auf diese Weise gesammelten „Beweismaterial“ würde sich jeder Ankläger vor Gericht (in einem Rechtsstaat) lächerlich machen. Wie wir aus jedem Fernseh-Krimi wissen, muss der Tatort eines Verbrechens so schnell wie möglich „abgesichert“ werden, damit keine Spuren verwischt bzw. falsche Spuren gelegt werden können.

(Das gleiche gilt auch für einen Unfall: Stellen wir uns vor, die Polizei würde nicht direkt am Unfallort ermitteln, sondern sich (hunderte km entfernt davon) „Unfallopfer“ und Autoteile zeigen lassen … wer würde das akzeptieren?)

In einem Kriegsgebiet ist das – Verhindern dieser „Kontamination“- natürlich leichter gesagt als getan und wir wissen ja schon aus den früheren OPCW-Berichten, dass die für eine forensische Beweissicherung absolut notwendige „geschlossene Beweiskette“ in diesem Fall kaum möglich ist. Doch es sind nicht nur die Wirren des Krieges, die eine zuverlässige Untersuchung verhindern und Manipulation wahrscheinlich machen.

Khan Shaykhoun befindet sich in der syrischen Provinz Idlib, wo die Terroristen von Al Nusra (AN)  dank Unterstützung des Westens die Herrschaft übernommen haben. Die OPCW weist ja darauf hin, dass ihr „Fact-Finding-Team“ (FFT) „aus Sicherheitsgründen“ keinen Fuß dorthin gesetzt hat, eben wegen der Brutalität von Al Nusra, die natürlich selbst keinerlei „Opposition“ duldet (wer anders denkt, wird umgebracht).

DIE  WÖLFE  IM  HUMANITÄREN SCHAFSPELZ

WH fraud 1Doch alle Informationen mit denen das „FFT“ gefüttert wurde, kommen ja aus diesem Gebiet (also von Leuten, die entweder AN angehören, sie unterstützen oder sich vor ihnen fürchten). Diese „Zeugenaussagen“ sind also mit großer Skepsis zu bewerten, ganz zu schweigen von dem „Material“, dass die OPCW von einer „Nicht-Regierungsorganisation“ erhalten hat, die sie namentlich nicht nennen will:  den „White Helmets“ (Weißhelme, abgekürzt: WH).

Dies ist aber ganz und gar keine neutrale, über alle Zweifel erhabene „Hilfsorganisation“.  Wie unabhängige Journalisten aus Aleppo berichtet haben, sind die WH nichts anderes als eine perfide PR-Konstruktion westlicher Geheimdienste. Ihr heldenhaftes, nobles Image (vor allem als Retter verletzter Kinder aus Trümmern) hat nichts mit der Realität zu tun, im Gegenteil: Sie sind in Wahrheit auch Al-Nusra-Leute, die mit ihren selbst-fabrizierten Mitleids-Videos eine perfekte Illusion erschaffen haben, um die Öffentlickeit emotional gegen Assad aufzubringen und ein stärkeres (illegales) „Eingreifen“ der USA zu rechtfertigen. (Sozusagen die Oscar-gekrönte „Brutkastenlüge“ hoch drei…)

Das Hauptquartier von Al Nusra im belagerten Ost-Aleppo lag unmittelbar neben der Zentrale der „White Helmets“….wie dieses Amateur-Video von Pierre le Corff  zeigt)

Al Shayrat airfieldDie syrische Regierung hat der OPCW freien Zugang zum Al-Shayrat Flugfeld garantiert, von dem der  behauptete „Giftgas-Angriff“ ausgegangen sein soll, doch das Angebot wurde abgelehnt. Ein von Russland und Iran gesponserter Vorschlag, sofort eine neue Untersuchung VOR ORT einzuleiten, wurde vom obersten Gremium der OPCW nicht angenommen.

Die Behauptung der OPCW, eine Untersuchung vor Ort sei „zu gefährlich“ gewesen, trifft also in diesem Fall (Al Shayrat) nicht zu.

Die Bombardierung des Al-Shayrat Flugfeldes durch die USA (am 7.April 2017) – BEVOR irgendwelche Untersuchungen stattfinden konnten – kann daher auch so gedeutet werden, dass damit forensische Analysen, die die syrische Regierung entlasten würden, unmöglich gemacht werden.

Die ARD, die ihre Fließband-Nachrichten (tagesschau-online) neuerdings unter dem lächerlichen PR-Slogan „faktenfinder“ verkauft, erwähnt zwar en passant, dass es „direkt am Unglücksort“ keine Untersuchung der OPCW gab, tut aber so, als ob die Ergebnisse der Untersuchung trotzdem seriös seien (nur weil es sich um eine „angesehene“ Organisation handelt, die im Auftrag der UN handelte). (Abschlussbericht FFM)

STILLE POST statt  FORENSISCHE UNTERSUCHUNG

Wie gesagt: alle „Informationen“, die die OPCW erhalten hat, stammen aus zweiter Hand und/oder ihre Authentizität wurde nicht überprüft. Die OPCW selbst hat nur nebulose Beschreibungen ihrer Informationsquellen parat:

  • posts in social media“
  • information from „states parties“
  • „parties with knowledge of and connections to the area in question“ (these „contacts“ helped to identify the casualties)
  • April: 2 FFT witnessed autopsy of three „alleged“ victims
  • April: 10 patients in 3 hospitals visited

In jedem ordentlichen Beweisverfahren sind „Zeugen“, deren Identität verschwiegen wird, nicht zugelassen, denn dadurch werden ja auch ihre Motive (wie jemand absichtlich zu belasten, weil man unter Druck gesetzt wurde oder davon einen Vorteil  hat) verschleiert.

Bei „Quellen“ von Journalisten (die man nicht preisgeben kann) ist das dann zulässig, wenn es möglich ist, deren Aussagen zu verifizieren (durch Dokumente oder andere, glaubwürdige Personen, die mit der ersten Quelle nichts zu tun haben).

Sich auf „Parteien mit Kenntnis von und Verbindungen zu dem betreffenden Gebiet“ zu berufen, die bei der „Identifizierung der Opfer“ behilflich waren, ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie semantische Akrobatik verhindert, dass der Leser begreift, was hier vor sich geht. Denn diese „Parteien“ sind die Terroristen bzw. Sympatisanten von Al Nusra, die in Khan Sheikhoun das Sagen haben. Über die humanitäre Fassade der  „White Helmets“ ist dieser  Wolf im Schafspelz zum Darling der Medien avanciert, da er sie mit  „berührendem“ und schockierenden Video-Material versorgt, (also tolle „Quote“ bzw. Schlagzeile), ohne dass auch nur ein Journalist einen Finger krumm machen muss.

Die „Fact finder“ waren aber gar nicht in Syrien, sondern bloß in der Türkei, wo ihnen „Opfer“ vorgeführt wurden, die aus Khan Sheikhoun stammen sollen (was aber keinerlei Beweis für die behauptete, wahrscheinlich fiktive „Sarin-Bombe“ ist).

Aus dem „Zwischenbericht“:

OPCW 2 4 May 2017

Das Team war in der Lage, (eine begrenzte Anzahl der) Opfer des angeblichen Vorfalls zu treffen“ (Bild 2.4)

Das Team hat keine Interviews an öffentlichen Plätzen durchgeführt“ (die „Zeugen“ waren also selektiert)

Sie haben selbst gar nichts „untersucht“ sondern lediglich am 5. April der Autopsie von drei „angeblichen“ Opfern beigewohnt (O-ton: „alleged victims“) und am 8. April 10 „Patienten“ besucht, deren Herkunft und Vorgeschichte ihnen nicht bekannt war. (2.4)

Sie haben auch selbst keine Proben genommen, sondern lediglich zugeschaut, wie türkisches Krankenhauspersonal das getan hat.

Man hat ihnen „Opfer“ vorgeführt, die anscheinend mit Sarin oder Sarin-ähnlichen Stoffen in Berührung gekommen waren. Doch wo und wie das passiert ist, kann durch Gespräche mit „Patienten“ und Blutproben nicht bewiesen werden. Dazu muss man eben den „Tatort“ untersuchen und zwar ohne dass eine „interessierte Partei“ vorher die Möglichkeit hatte, diesen zu manipulieren.

OPCW 26 27 dead animals KS

Die „zwei toten Vögel“ und die „Haare einer toten Ziege“, die man dem FFT am 12. Und 13. April zukommen ließ, sind ebenfalls eine forensische Farce, denn wo und wie konkret diese Tiere gestorben sind, konnte ja nicht überprüft werden. Die Aussage „dem FFT wurde mitgeteilt, dass sich diese Tiere in der Nähe des Ereignisses aufgehalten hatten“ kann deshalb nur als schlechter Witz bezeichnet werden. Ebenso die „Erde“, die aus dem Krater stammen soll, der angeblich durch die behauptete „Bombe“ verursacht wurde (dass die Story mit dem Krater zum Himmel stinkt, hat Professor POSTOL vom MIT bereits demonstriert).

OPCW 28 were told that

„… Dem Team wurde mitgeteilt, dass alle Proben von NGOs genommen wurden. Diese Information wurde durch Zeugen bestätigt, die vom FFT befragt wurden. Ein Vertreter der NGO, der ebenfalls interviewt wurde, stellte auch Fotos und Videos vom Schauplatz des angeblichen Vorfalls zur Verfügung“ (2.8)

Das hört sich so an, als ob hier drei von einander unabhängige Gruppen die Aussagen der jeweils anderen bestätigen. Doch alle „Zeugen“ kommen aus dem von Al Nusra kontrollierten Gebiet und die „NGO“ ist natürlich die „humanitäre“ Al Nusra Theatertruppe White Helmets.

Dass auch Proben „von medizinischem Personal in Syrien“ kamen, taugt auch nicht zur Untermauerung der Anschuldigungen gegen Assad, denn die OPCW schreibt selbst, dass dieses Personal „in von der Opposition kontrolliertem Gebiet“ operiert. (2.11)

Unter den Opfern waren vier Ersthelfer, die (so wird berichtet) Anzeichen von Sarin-Kontakt aufwiesen. Das FFT hat einen davon befragt (wieder WH), der Blutabnahme durch eine Krankenschwester zugesehen und verlangt, dass die Blutprobe in einem Labor analysiert wird.“ (2.12)

Der derzeitige Generaldirektor der OPCW ist übrigens ein Türke: AHMET ÜZÜMCÜ. Da die Türkei eine Assad-feindliche Kriegspartei in Syrien ist (indirekt durch die jahrelange Beschaffung von Versorgungsmaterial und Kämpfern für IS & Co über die türkische Grenze und direkt mit türkischem Militär),muss die Unabhängigkeit des OPCW-Direktors massiv angezweifelt werden.

Der endgültige Beweis dafür, dass dieser Bericht eine politische Funktion hat (und keine aufklärerische) zeigt sich daran, dass er NICHT ÖFFENTLICH zugänglich ist (bis dato: 4.Juli 2017). Stattdessen zitiert die „tagesschau“ die AFP (also wieder Info aus zweiter, ja sogar dritter Hand….)

DER  SCHEINBARE  WIDERSPRUCH

Zum Schluss weist die Tagesschau noch darauf hin, dass die OPCW mit diesem (unseriösen) „Bericht“ den Recherchen von Seymour Hersh widerspricht, die jüngst Aufsehen erregt haben:

„…. die Menschen in Chan Scheichun seien Opfer einer giftigen Wolke geworden, die nach einem Bombenangriff aus Chlorgas und anderen Chemikalien entstanden sein könnte. Der US-Journalist und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh hatte erst vor wenigen Tagen, bezugnehmend auf anonyme Quellen in der US-Administration, genau das in der „Welt am Sonntag“ behauptet und war dafür teils heftig kritisiert worden.

Hersh Whose sarin 2013SEYMOUR HERSH ist eine Ikone des investigativen Journalismus. Er hat die Barbareien der US-Armee im Vietnam-Krieg aufgedeckt, das israelische Atomprogramm entlarvt und auch in den Jahren danach immer wieder den „Dreck“ unter dem außenpolitischen Teppich der USA hervorgekehrt, wie man es von einem guten Journalisten erwartet.

Damit hat er sich natürlich viele Feinde in den Machtstrukturen gemacht, aber auch seine Journalisten-Kollegen fallen über ihn her (da er sie wohl daran erinnert, wie schäbig und unehrenhaft ihre eigenen Machenschaften sind):

Dazu konnte man kürzlich auf Counterpunch lesen:

Wenn man sehen will, in welchem Ausmaß die angeblich „freie Presse“ des Westens eine Welt von Halb-Wahrheiten und Täuschungen konstruiert, um das Publikum zu manipulieren und „pflegeleicht“ (weil unwissend) zu halten, gibt es kaum ein besseres Beispiel als die Art und Weise wie sie den Pulizer-Preisträger …. Seymour Hersh behandeln.“

Über seine jüngsten Enthüllungen hätten sie eine Decke des Schweigens ausgebreitet, aber zwei Stories große Aufmerksamkeit gewidmet, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigen, wie Hersh in seinem Artikel.

Die zentralen Aussagen darin sind

  • Ein syrisches Flugzeug warf eine Bombe gezielt auf ein Gebäude ab, in dem ein Treffen von Anführern der bewaffneten Extremisten stattfand
  • durch die Explosion wurden dort gelagerte Chemikalien freigesetzt, die sich in einer „Giftwolke“ ausbreiteten
  • Das US-Militär und Trump wussten, dass kein Giftgasangriff stattgefunden hatte (mehr dazu – weiter unten)

Wie Jonathan Cook richtig erkennt, wurde die – eigentlich Schlagzeilen-trächtige – Story von Hersh  gezielt durch zwei mediale Ablenkungsmanöver „neutralisiert“. Natürlich gab es keine offizielle Reaktion auf die Enthüllungen von Hersh, stattdessen erfolgte eine Irreführung des Publikums durch zwei  lancierte „Meldungen“:

Spicer potential attack BS

26.Juni: Die Suggestion des Weißen Hauses, Präsident Assad plane „eine neuerlichen Angriff mit chemischen Waffen“ auf seine eigenen Leute und die Warnung, dass er in diesem Fall eines „neuerlichen Massenmordes“ mit ernsthaften Konsequenzen rechnen müsse.

30. Juni: Der Bericht der OPCW, der angeblich „bestätigt“, dass am 4. April in Khan Shaykoun Sarin eingesetzt wurde

OPCW press release Jun 2017

Wie ich bereits  weiter oben erklärt habe, wurde dieser OPCW-Bericht aber NICHT veröffentlicht (was unüblich ist), sondern ledglich eine Presse-Meldung herausgegeben. Diese verschleiert aber die Tatsache, dass die Beweis-Ermittlung der OPCW – wie bereits erwähnt – in diesem Fall völlig unzulänglich war.

Die „“Erkenntnisse“ der OPCW waren auch nicht neu, da es vorher bereits zwei „Zwischenberichte“ gab, (siehe Giftgas, Osterhase) die ebenfalls den „Nachweis“ von Sarin (oder ähnlichen Substanzen) als zentralen Inhalt hatten.

Der ehemalige „chemische Waffen-Inspektor“ Scott Ritter hat sich schon früher zu den voreingenommenen Medienberichten über das „Giftgas“ in Syrien geäußert und betont, dass Al Nusra selbst in der Lage sei, Sarin herzustellen, was aber in den Medien als Kontext unterschlagen wird. (Sie hatten also Gelegenheit, Mittel und Motiv, die „Sarin-Opfer“ selbst zu produzieren)

Auch er weist darauf hin, dass die der OPCW vorgeführten Patienten in einem türkischen Krankenhaus preparierte „Opfer“ sein könnten und eine klare Verbindung zwischen den „Proben“ aus der Türkei und dem „Ereignis-Ort“ (Khan Shaykhoun) in keiner Weise hergestellt wurde.

Ritter bemüht sogar die Logik des Aristoteles um die Papageien-Mentalität der Medien zu entlarven. In seiner „Lehre vom Beweis“ geht es darum, auch die Ursachen einer  „Tatsache“ zu kennen. Er unterscheidet dabei vier Arten: Material, Form, Kausal-Ursache und telos, den End-Zweck).

Postol 2017 Add

Übertragen auf die „Giftgas-Story“ wäre die Material-Ursache die „chemische Waffe“, also die Bombe mit der das Sarin freigesetzt wird. Doch dafür gibt es keine eindeutigen Beweise und was dazu verbreitet wurde, hat Professor Postol – aus technischer Sicht – als unglaubwürdig entlarvt. (s. Ausschnitt oben)

Auch die politische Dimension lässt die präsentierten „Beweise“ als unglaubwürdig dastehen, denn die angeblichen Fragmente der Bombe wurden – natürlich – von den White Helmets eingesammelt, die nichts anderes sind, als eine humanitäre Show-Truppe für Al Nusra. Ihre Funktion ist aber genau das Gegenteil: sie sollen Glaubwürdigkeit und moralisches Handeln suggerieren, wo keines ist. Durch die Übergabe an Human Rights Watch soll dieser Effekt noch gesteigert werden.

Dazu Ritter:

Es gibt keine unabhängige Bestätigung dafür, dass die Objekte das sind, was HRW behauptet, oder dass sie überhaupt wirklich aus Khan Shaykhoun stammen. Ganz zu schweigen davon, dass sie das Ergebnis eines Luftangriffs der syrischen Regierung sind.

Noch dazu sei die russsche KhAB-250 Bombe, von der das Fragment stammen soll, nie exportiert worden (auch nicht von der UDSSR). Was die Sache noch verdächtiger mache. Der Mechanismus der Freisetzung würde sicherstellen, dass die Hülle weitgehend unversehrt bleiben und deren Komponenten wären leicht zu finden. Wenn also eine solche Bombe verwendet worden wäre, gäbe es genügend physische Beweise dafür am Boden. Die Tatsache, dass nichts davon aufgetaucht ist, straft die Behauptung Lügen, dass eine Bombe über Khan Shaykhoun abgeworfen wurde.

 „DIE VIDEOS SIND REINES THEATER“

Wie Ritter feststellt, basiert der „gute Ruf“ der WH ausschließlich auf der Verbreitung selbst-angefertigter „Rettungs-Videos“, (für die man ihnen auch noch einen „Oscar“ verlieh – das ist so, als wenn die Deutsche Bank einen Oscar für einen Werbefilm ihrer Bank bekäme…)

WH fraud 2

Für naive Betrachter, sagt Ritter, seien diese Videos eine dramatische Darstellung von heldenhaftem Verhalten. Doch für Leute, die selbst eine Ausbildung als Einsatzkräfte für gefährliche Stoffe hätten (wie er selbst), zeige sich darin deutlich Inkompetenz oder noch schlimmer, Betrug.

Die WH wurden nicht darin ausgebildet, Leute die verschüttet wurden, zu bergen, das sehe man ganz klar daran, wie sie mit Bohrwerkzeug umgingen und sich Zugang zu den Opfern verschaffen. Auch der fahrlässige Umgang mit Schutzkleidung, den angeblichen Sarin-Opfern, etc. demonstriert, dass hier Theater gespielt wird (wenn es sich um Sarin-Opfer gehandelt hätte, wäre ihr Verhalten ganz anders gewesen).

Ritters Aussage im O-Ton dazu:

I believe the rescue efforts of the White Helmets at Khan Sheikhun were a theatrical performance designed to impress the ignorant and ill-informed.“

Dass die WH auch „social media“ benutzten, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, liegt auf der Hand (dass diese „PR“ dann als Beweis für die OPCW-Mission herhalten muss, ist mehr als peinlich …)

Wie Ritter richtig betont – „wir sehen aber nicht, wie jemand tatsächlich am Ereignis-Ort gerettet wird, Menschen, die auf der Straße liegen, die man aus ihren Wohnungen holt. Was uns hier geboten wird, ist großes Theater: „Opfer“ die im Krankenhaus ankommen, viel Hin-und Herlaufen und sinnlose Aktivitäten, die im wirklichen Leben den Zustand der Patienten verschlimmern und die Rettungskräfte gefährden würde.“

Mit dieser „Performance“ gelang es aber, dem Märchen von der „Giftgas-Attacke“ Leben einzuhauchen, und davon abzulenken, dass keine „Bombe“ existiert. Was zu beweisen wäre, – wird also quasi als Prämisse (die „Sarin-Bombe“) auf diese Weise medial erschaffen.

Die „Form-Ursache“ sieht Ritter in den Ergebnissen der forensischen Untersuchung, also Analyse der Blutproben etc., die im OPCW-Bericht genannt werden und die  – scheinbar – eine Bestätigung der offiziellen Darstellung (aus Washington) ist.

Dass davon keine Rede sein kann, habe ich ja weiter oben schon erklärt und Ritter bestätigt das: die Proben müssen sofort versiegelt werden, ihre Entnahme, ihre Markierung, ihr  Transport, ihre Untersuchung, alles muss lückenlos von der OPCW überwacht werden, um Manipulation auszuschließen. Das ist aber nicht passiert.

Informationen aus zweiter oder dritter Hand, noch dazu von den WH (die selbst, über Al Nusra, in den Krieg gegen Syrien verwickelt sind) sind völlig inkakzeptabel, deshalb wird wohl auch der Bericht zurückgehalten: Dazu Ritter:

„…under no circumstances could any samples taken by White Helmet personnel and subsequently turned over to the OPCW be considered viable in terms of chain of custody. This likewise holds true for any biomedical samples evaluated by the OPCW—all such samples were either taken from victims who had been transported to Turkish hospitals, or provided by non-OPCW personnel in violation of chain of custody.“

Der „Endzweck“ der „Giftgas“-Scharade in Khan Shaykhoun liegt auf der Hand:

Die schockierenden Bilder, die sofort nach dem fiktiven „Giftgas-Anschlag“ von den White Helmets verbreitet wurden (und Trump dazu brachten, einen Raketen-Angriff zu autorisieren),) sollen ein verstärktes militärisches „Eingreifen“ (sprich: offenen, illegalen Angriffskrieg) gegen Syrien salonfähig zu machen, ja als „notwendig“ erscheinen lassen. (Durch Dämonisierung von Assad, dessen tapfere Armee und iranische Truppen, sowie Hisbollah-Kämpfer  immer mehr Gebiete zurückerobert und den „IS“ verdrängt).

THE FUCKIN‘ PROBLEM

„Der mächtigste Mann im Staat ist nicht der König, sondern der, der ihm ins Ohr flüstert.“

Zu den Enthüllungen von Hersh ist noch folgendes anzumerken:

Die ihm zugespielte Darstellung, Trump habe gewusst, (Info von Geheimdiensten) dass es keinen Giftgas-Angriff gab und trotzdem die Raketen zum Abschuss freigegeben, glaube ich nicht. (Das US-Militär vor Ort wusste sicher Bescheid, daran besteht kein Zweifel, vielleicht haben ja deshalb nur so wenige Raketen ihr Ziel getroffen)

Trump hat keine Ahnung, was in Syrien gespielt wird. Er ist ungebildet und sehr leicht zu beeinflussen, wenn es um Außenpolitik und militärische „Notwendigkeiten“ geht. Aber: Nur wenige Tage vorher hatte das State Department anklingen lassen, man habe sich damit abgefunden, dass Assad im Amt bleiben werde, das waren sehr schlechte Nachrichten für diejenigen, die Syrien als funktionierenden Staat zerstören wollen, vor allem die Zionisten und die Saudis. Und dann das:

Among the pieces of information received was an intercept of Syrian communications collected before the attack by an allied nation.

Das russische Militär hatte also das US-Militär genau über das Ziel, die Methode und den Grund der Bombardierung in Khan Shaykhoun vorher informiert. Doch dann traf ein Abhörprotokoll „einer befreundeten Nation“ ein, in dem angedeutet wurde, dass das syrische Militär „eine spezielle Waffe“ einsetzen werde und deshalb ein besonders ausgebildeter Pilot notwendig sei (das bezog sich auf eine präzisionsgesteuerte, nicht  eine „normale“ Bombe). Doch im vorgefertigten „Giftgas“-Framing (das durch die schockierenden Bilder und Videos erreicht wurde) erscheint diese „intel“ in einem völlig anderen Licht.

Hier versucht jemand, Trump schlecht zu machen und sich selbst damit zu entlasten (denn die „Briefings“, auf die Trump reagiert, stammen ja vom militärischen (DIA) bzw. zivilen Geheimdienst (CIA) und von seinen „Beratern“ (von denen einige Israel sehr nahe stehen). Diese Aussage von Hersh ist auch zu beachten:

Mike Pompeo, the CIA director whose agency had consistently reported that it had no evidence of a Syrian chemical bomb, was not present.“

(Bei der „gescheiterten“ Schweinebucht-Invasion unter Kennedy war CIA-Chef Dulles auch nicht in Washington… )

Was Hersh offenbar nicht versteht, ist die Tatsache, dass die CIA  (und andere Geheimdienste) diese Terror-Banden aufgebaut hat, sie als „assets“ betrachtet. Wenn die Russen/Syrer daher ein Command- und Controlcenter dieser CIA-Werkzeuge bombardieren, und Trump außenpolitisch zu wenig aggressiv ist, kommt dort keine Freude auf. Diese Kräfte (vor allem Israel) haben ein Interesse daran, Trump dazu zu bringen, mehr militärische Gewalt in Syrien zu autorisieren und ihn (emotional) gegen Assad aufzubringen.

Dass Trump nur die „Gorilla-Option“ wählte, zeigt, dass er nicht ganz so dumm ist, wie man glauben könnte. Ist das der Grund, warum er durch dieses gezielte „Leak“ jetzt attackiert wird?

Aus dem Hersh-Artikel:

Die Salafisten und Dschihadisten hatten alles erreicht, was sie mit ihrem Hype vom syrischen Nervengas erreichen wollten,“ erzählte mir der Informant und bezog sich dabei auf das Aufflammen der Spannungen zwischen Syrien, Russland und Amerika. „Was passiert, wenn es noch eine Falschmeldung über einen Sarin-Angriff gibt, der dem verhassten Syrien angehängt wird? Glauben Sie ja nicht, dass diese Typen nicht schon den nächsten vorgetäuschten Angriff planen. Trump hätte dann keine Wahl, als erneut mit Bomben zu antworten, und diesmal noch härter. Er ist unfähig, zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat.“

Was hier fehlt, ist eben der geo- bzw. machtpolitische politische Kontext:

Diese „Typen“ operieren ja nicht auf eigene Rechnung, sondern im Auftrag (als Werkzeug) anderer Kräfte (US,NATO, IS, KSA, etc.).  Das ist die wichtigste Erkenntnis, die in unseren Medien unterschlagen wird.

ANHANG

https://www.welt.de/politik/ausland/article165905618/We-got-a-fuckin-problem.html (Auszug – Originaltext Hersh, Hervorhebung von mir)

Security-Adviser: What happened? Is it the Trump ignoring the Intel  and going to try to hit the Syrians? And that we’re pissing on the Russians?

SA: You may not have seen Trumps press conference yesterday. He’s bought into the media story without asking to see the Intel.  We are likely to get our asses kicked by the Russians.  Fucking dangerous.  Where are the goddamn adults? The failure of the chain of command to tell the President the truth, whether he wants to hear it or not, will go down in history as one of our worst moments.

American Soldier I don’t know. None of this makes any sense. We KNOW that there was no chemical attack. The Syrians struck a weapons cache (a legitimate military target) and there was collateral damage. That’s it. They did not conduct any sort of a chemical attack.

And now we’re shoving a shit load of TLAMs (tomahawks) up their ass.

SA: There has been a hidden agenda all along. This is about trying to ultimately go after Iran.

[…]

 

 

Wichtige Links:

Syria: Fabricating Chemical Lies. Who is Behind the East Ghouta Attacks? September 17, 2013

The Sellstrom Report: The United Nations’ Syria Inspector Shills for NATO and Israel September 18, 2013

The Syria Chemical Weapons Attack: Human Rights Watch is Manipulating the Facts September 24, 2013

Saudi Arabia’s “Chemical Bandar” behind the Chemical Attacks in Syria?, September 06, 2013

Syria: Controversy surrounding MintPress Chemical Weapons Ghouta Report, September 22, 2013

Seymour M. Hersh
https://www.lrb.co.uk/v36/n08/seymour-m-hersh/the-red-line-and-the-rat-line

Carla Del Ponte, UN Inspector 
http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/uns-carla-del-ponte-says-there-is-evidence-rebels-may-have-used-sarin-in-syria-8604920.html

Alex Newman
https://www.thenewamerican.com/usnews/foreign-policy/item/17443-mit-report-obama-used-bogus-intelligence-to-push-syria-war

Swedish Doctors for Human Rights
http://theindicter.com/swedish-doctors-for-human-rights-white-helmets-video-macabre-manipulation-of-dead-children-and-staged-chemical-weapons-attack-to-justify-a-no-fly-zone-in-syria/

Robert Parry
https://consortiumnews.com/2016/09/08/un-team-heard-claims-of-staged-chemical-attacks/

Paul Antonopoulos
Al Masdar News  

Und wer kümmert sich um diese Opfer?

http://journal-neo.org/2017/04/01/us-and-nato-forces-are-butchering-civilians-en-masse-in-iraq-and-syria/

 

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