ATOM (3): GEGEN DAS LEBEN

Cs 137 fallout

It has become appallingly obvious that our technology has exceeded our humanity.

Albert Einstein

TSCHERNOBYL – DIE FOLGEN

Heute, vor 29 Jahren begann die Atom-Katastrophe von Tschernobyl, durch die weite Teile Europas u.a. mit radioaktivem Cäsium verseucht wurden und wahrscheinlich rund 1 Million Menschen frühzeitig sterben werden. Das wahre Ausmaß des Supergaus wird bis heute verschwiegen bzw. die Risiken der erhöhten Radioaktivität für alle Lebewesen verharmlost (wozu das perfide „Strahlenschutzmodell“ der ICRP ja bestens geeignet ist, wie ich in Teil 1 und 2 der ATOM-Serie erläutert habe).

Da seitens der Atom-Lobby kein Interesse daran besteht, die tatsächlichen Folgen der Reaktorkatastrophe aufzudecken, muss man unabhängige Studien, die zur Aufklärung beitragen können, quasi „mit der Lupe suchen“.

Die beiden Wissenschaftler Tim Mousseau und Dr. Anders Pape Møller begannen im Jahr 2000 damit, die Auswirkungen von Tschernobyl auf die Natur zu untersuchen, vor allem auf Vögel, Insekten und Pflanzen.

Als Evolutionsbiologen waren sie natürlich besonders daran interessiert, welche Wirkung die radioaktive Belastung im Kontext höherer Mutationsraten zeigen würde: Gibt es sichtbare, genetische Effekte, Missbildungen, Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, etc.

No wildlife havenIn den Medien wurde ja häufig das Märchen verbreitet, die Wälder rund um Tschernobyl seien quasi nach einer Schockphase wieder zu neuem Leben* erwacht. Bilder von Wölfen oder Wildpferden sollten z.B. dokumentieren, dass hier keineswegs von einer Vergiftung der Natur die Rede sein konnte. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die diese Suggestion untermauern und die Studienvon Mousseau und Möller ergaben ein völlig anderes Bild (sie verglichen auch die Effekte von Tschernobyl und Fukushima).

(*Die Erklärung dafür könnte sein, dass die Strahlenbelastung innerhalb der „Sperrzone“ sehr unterschiedlich ist, wie die Graphik unten zeigt;)

exclusion zone different radiationWICHTIGSTE ERGEBNISSE VON MOUSSEAU & MØLLER

Direkt proportional zur gemessenen radioaktiven Belastung fanden die Biologen

  • Deutlich erhöhte Raten genetischer Schäden
  • Zunahme von Missbildungen und abnormalen Entwicklungen
  • Abnehmende Fruchtbarkeit >
  • Rückgang der Populationen (einer Art)
  • Signifikante Abnahme der Biodiversität (Artenschwund)

Am besten kann man die krankhaften Veränderungen natürlich mit Bildern dokumentieren, wie hier zunächst am Beispiel von Vögeln gezeigt werden soll:

1 DIE VÖGEL

measuring doseAn 300 Orten in der Ukraine und Weißrussland wurden in rund 900 Bestandsaufnahmen Vögel und Insekten untersucht und mit Kontrollgruppen in Spanien, Dänemark, Italien und unbelasteten Gebieten der Ukraine verglichen.

Wieviel (externe) Strahlung haben die Vögel abbekommen? Um diese Frage zu klären, wurden 2000 Vögel in Netzen gefangen, mit winzigen Dosimetern ausgestattet und nach einiger Zeit neuerlich gefangen, um die Werte abzulesen.

abnormalities developmental barn swallowsDie Häufigkeit von Missbildungen (abnormaler Entwicklung) z.B. bei Schwalben ist in den besonders belasteten Gebieten (wie Weißrussland) deutlich höher als in anderen europäischen Ländern:

Welche krankhaften Veränderungen wurden bei den Vögeln insgesamt beobachtet?

  • abnormale Färbung der Federn (weiße Flecken)
  • abnormale Form der Schwanzfedern

genetic damage birds 1

  • bösartige Tumore
  • genetic damage birds 4 large tumour
  • Deformierte Zehen und Schnäbel
  • Kleineres Gehirn
  • Katarakte an den Augen (führen zu Blindheit)

eye defects birdsDie „biotische Inventur“ in den durch Tschernobyl stark belasteten Zonen hat ergeben:

  • deutliche Abnahme der Anzahl von Tieren (Dichte) innerhalb einer Art, wie z.B. bei Spinnen, Heuschrecken, Bienen, Hummeln und Schmetterlingen
  • die Anzahl der Vögel ist um 66% gesunken
  • Abnahme der Biodiversität um mehr als 50%

abundance 2Ähnliche Ergebnisse fanden die Biologen auch rund um Fukushima, wo sie 1500 Bestandsaufnahmen an 400 Orten machten und die Veränderungen von Vögeln und Insekten zwischen 2011 und 2014 untersuchten. Die negativen Effekte bei den Vögeln waren 2014 noch deutlicher als in den Jahren davor (von der stillen Mega-Katastrophe im Pazifik ganz zu schweigen).

FAZIT

birds tumor ratesDie erhöhte Strahlung wirkt sich schädlich auf die Artenvielfalt (Biodiversität) und die Zahl der Tiere innerhalb einer Art aus (Populationsrückgang). Das verheerendste ist aber wohl die Tatsache, dass dadurch genetische Schäden verursacht werden, die zu krankhaften Mutationen / Krebs / Tumoren führen und zu Chromosomen-Brüchen, die alle folgenden Generationen schwächen und schwere Fehlentwicklungen auslösen.

mutant firebugsDie abnormen, genetischen Veränderungen sieht man z.B. hier an den fehlerhaften Mustern der Feuerwanze.

sperm abnormalities

Die Schädigung der Keimzellen  zeigte sich am Beispiel der Vögel auch daran, dass in 9 von 10 untersuchten Arten abnormales Sperma gefunden wurde und 40% der männlichen Vögel in den Sperrgebieten waren völlig steril.

2 DIE PFLANZEN

Auch die Pflanzenwelt hat unter dem Fallout von Tschernobyl gelitten, wie man unten auf dem Bild deutlich sehen kann: diese Bäume sind deformiert, ihr Wuchs ist abnormal.

deformed trees ChernobylAufgefallen ist den Forschern auch, dass abgestorbenes Pflanzenmaterial nicht abgebaut wird. So liegen „tote Bäume“ wie unheimliche Mahnmale herum, weil die dafür zuständigen Mikroorganismen anscheinend getötet wurden oder nicht mehr funktionsfähig sind. Daran wird erkennbar, dass durch die lebensfeindliche Strahlung auch in Ökosystemen dramatische Effekte ausgelöst werden.

tree rings radiation markAn den Jahresringen ist deutlich zu erkennen, wann Tschernobyl stattgefunden hat: die Farbe und Qualität des Holzes hat sich deutlich verändert. Die Bäume wachsen langsamer und wehe, wenn es zu Waldbränden kommt: dann wird die Radioaktivität im Abbrand wieder an die Luft abgegeben und weiter verteilt.

3 TERROR IN UTERO: DIE UNGEBORENEN KINDER

Zum Thema Verbrennen von bzw. Heizen / Kochen mit radioaktivem Holz, ist mir der Vortrag von Vladimir Wertelecki beim Helen Caldicott Symposium im März 2013 in trauriger Erinnerung geblieben:

CM PolissiaEr berichtet von der armen, ländlichen Bevölkerung in Polissia (Rivne Oblast, abgelegene Region im Nordwesten der Ukraine), wo praktisch die gesamte Nahrung selbst angebaut oder im Wald gesammelt wird. Dass diese nach Tschernobyl kontaminiert ist, kann man den Leuten zwar sagen, aber sie haben eigentlich keine Wahl, weil sie von der Regierung nicht mit unbelasteten Lebensmitteln versorgt werden (stattdessen wird verharmlost und vertuscht) und „Supermärkte“ gibt es dort nicht. Der Boden enthält wenig Ton, sodass die Pflanzen die radioaktiven Elemente besonders leicht aufnehmen. (Cäsium verhält sich dabei wie Kalium)

Sie essen also regelmäßig radioaktive Kartoffeln, nehmen die radioaktiv verseuchten Kartoffelstrünke bzw. verstrahltes Brennholz zum Kochen und Heizen und holen radioaktiv verseuchte Pilze und Beeren aus dem Wald. Die radioaktive Asche wird dann auf die Felder gestreut, als Dünger, wodurch die Radioaktivität weiter konzentriert wird. (Die Kartoffeln enthalten u.a. Strontium 90, das im Körper wie Calcium eingelagert wird…)

Eine Tragödie, deren Auswirkungen auf die Kinder das Unerträglichste ist, nämlich schwere genetische bzw. neurologische Defekte bei Neugeborenen (siehe Tabelle unten).

Congenital malformations RovineUnd auch hier wird – dank des verlogenen „Strahlenschutz-Modells“ – wieder alles verharmlost und unter den Teppich gekehrt, wie Prof. Wertelecki auch konstatiert: 

IAEA Big Lie

Die IAEA ist wahrlich eine spezielle Form des „organisierten Verbrechens“ …denn die bittere Realität sieht so aus:

congen malform up 250percent

Auf der Tabelle unten sieht man, dass schwere Fehlentwicklungen (durch die mutagene, radioaktive Strahlenbelastung) in den stark betroffenen Gebieten der Ukraine viel häufiger vorkommen, als im übrigen Europa*. Vor allem Neuralrohrdefekte (NTD) bzw. schwere Missbildungen des Gehirns (Anencephaly), aber auch Kinder, die ohne Augen geboren werden (Anophtalmia), bzw. Katarakte haben.

NTD comp Europe

Das genetische Horrorkabinett wird noch erweitert durch vermehrte Häufigkeit von Teratoma und „siamesischen“ Zwillingen.

Das Leiden der missgebildeten, von ihren Eltern verlassenen Kinder, die überleben, habe ich in ATOM (2) geschildert bzw. darin auf den Film Chernobyl Heart hingewiesen;

* Nord-England, Wales und Teile von Skandinavien haben nach Polissia die höchsten Raten für NTDs. Mehrere Studien zeigen auch, dass bei Kindern, die bereits im Mutterleib der Strahlenbelastung ausgesetzt waren, verminderte kognitive Fähigkeiten häufiger vorkommen (die Kinder haben also eine geringere „Intelligenz“, Lernschwierigkeiten, etc.) und dass die Häufigkeit von Leukämie bei Säuglingen (!) nach Tschernobyl (1987/88) deutlich angestiegen ist (Daten aus Wales, Schottland, Weißrussland und Griechenland)

Warum das mit Tschernobyl in Verbindung gebracht wird, zeigt diese Karte (Verbreitung des Fallouts von Tschernobyl)

Chernobyl path 1986Der berührende Foto-Essay von Paul FuscoChernobyl Legacy“ gehört ebenfalls zu den erschütterndsten Dokumenten über die schwer behinderten Kinder, deren genetische Mutationen durch den radioaktiven Fallout von Tschernobyl verursacht wurde.

Fusco 12 genetic damage creates a monsterAuf dem Foto links sehen wir die untere Körperhälfte von Sasha, damals 4 ½ Jahre alt, dazu der Ton von Paul Fusco:

Er ist ein Monster, das praktisch kein Lymphsystem hat … sein Körper vergiftet sich selbst … doch er ist geistig sehr aktiv, neugierig, aufmerksam…“

Was für ein grausames Schicksal diese Kinder ertragen müssen:

Die einen haben schwerste körperliche Missbildungen und doch normale, geistige Fähigkeiten … ein heller Verstand, eine empfindliche Seele, gefangen in einem monströsen Körper … die anderen sind körperlich normal entwickelt, haben aber schwere neurologische Störungen, wie der Junge unten, der gefesselt werden muss, weil er sonst ständig in die eigenen Hände beißt, bis sie bluten...

Fusco 13 restrained kid bites his own hands…und dann gibt es noch Kinder, die geistig und körperlich behindert sind, sie robben auf dem Boden herum und wimmern den ganzen Tag … können nicht sprechen ..

cm children moaning unable to walk or speakDie Apologeten der Atom-Mafia müsste man dazu zwingen, sich diese – von ihnen verursachten oder vertuschten – monströsen Fehlentwicklungen bei Menschen anzusehen. Wenn das kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit (und die Evolution) ist, was dann?

Chernobyl Legacy zeigt auch das schwer kranke Mädchen Aleysa, damals (1997) 11 Jahre alt.

Aleysa leukemiaSie hat seit sechs Jahren Leukämie, wird bald sterben. Die Mutter ist außer sich vor Angst und Kummer …sie sagt unter Tränen .. Meine Tochter, meine Liebe, verlass mich nicht … erlaubt, dass sie von Paul Fusco fotografiert wird (Aleysa liegt im Koma), damit die Welt sieht, was diese Kinder erdulden müssen .. Aleysa lief als Kleinkind hinaus in den Garten, sie wollte die Regentropfen einfangen .. ihr Pech? Der Regen brachte den Fallout nach der Reaktorexplosion …Kinder in Weissrussland werden bereits geboren mit Schilddrüsenkrebs, mit Multipler Sklerose .. ein Albtraum ohne Ende …

Was ich damals geschrieben habe, gilt noch immer:

melancholy madonnaWie können wir es zulassen, dass für dieses unfassbare Leiden (und Sterben) niemand zur Rechenschaft gezogen wird, ohne dabei unsere Menschlichkeit zu verlieren?

Eine (nicht korrumpierte) Sammlung von Studien über die erhöhten Gesundheitsrisiken nach Tschernobyl gibt es hier:

***

4 FUKUSHIMA: SILENT SPRING

birds abundance 2014In ihrer jüngsten Untersuchung der Natur in der Präfektur Fukushima stellten die Forscher fest, dass die Vögel immer seltener werden. Die vorher überall vorkommenden Schwalben sind jetzt kaum noch zu sehen (aus hunderten wurden einige dutzend). Sowohl die Menge innerhalb einer Art als auch die Artenvielfalt nehmen dramatisch ab.

An manchen Orten (im Grünen) hört man keinen Vogel mehr singen …

In ihrer neuesten Studie kommen Mousseau & Kollegen zum Schluss, dass erhöhte Mutationsraten, Entwicklungsstörungen, Missbildungen und Abnahme der Populationsdichte und der Biodiversität direkte Folgen der Strahlenbelastung durch Fukushima sind. (Und die Vögel sind nur die biologischen Alarmsignale für die Menschen …)

Die von Mousseau gestellte Frage, warum es so wenig Forschung zu diesem Thema gibt (wo es doch relativ einfach für sie war, diese Effekte zu dokumentieren), beantwortet er selbst: Was nicht gesucht wird, wird auch nicht gefunden …oder noch eindeutiger:

DON’T LOOK – DON’T FIND

Was nicht gefunden werden soll, danach wird auch nicht gesucht und so können Politiker, Atomlobbyisten, das Militär und korrupte Wissenschaftler weiterhin behaupten „es gäbe keine wissenschaftlichen Beweise dafür“ (weil Studien, die die Beweise erbringen könnten, erst gar nicht finanziert werden und die wenigen, unabhängigen Forscher werden ausgegrenzt und diffamiert).

Mit Einstein habe ich begonnen, er soll auch das Schlusswort liefern:

In all countries power lies in the hands of ambitious power-hungry men. … Power relies not only on coercion, but on subtle persuasion and deception through the educational system and the media of public information. One can only hope there are enough people the world over who possess the integrity to resist these evil influences. What is important is that individuals have the honesty and courage to stand up for their convictions.‘

 

Warum Atomreaktoren (und unsere ganze Energiepolitik) ein Irrweg sind, lässt sich auch mit diesem Zitat verdeutlichen:

Thinking AE

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

2 Kommentare zu „ATOM (3): GEGEN DAS LEBEN

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s