JFK(2): Pax Americana

JFK coverDer Autor des Buches heißt James Douglass. Als junger Mann wolle er (ausgerechnet) Atomphysiker werden und damit seinem Land helfen, Bomben gegen das „evil empire“ zu bauen. Doch schon bald stellte sich heraus, dass er dafür nicht geeignet war. Er begann stattdessen Theologie zu studieren und wurde später Professor für Religionswissenschaft an der Universität in Hawai. Ein Leben lang hat er sich als Mitglied der „Katholischen Arbeiterschaft“ für Frieden, gegen Armut, soziale Ungerechtigkeit und gegen Atomwaffen engagiert. Zu dem Zeitpunkt, als Kennedy ermordet wurde, war er noch relativ jung und hat wie Millionen seiner Landsleute der Darstellung  seiner Regierung Glauben geschenkt.

Zwei Personen haben ihn dazu gebracht, das Attentat und die offizielle Darstellung zu hinterfragen: Dorothy Day (die Gründerin der katholischen Arbeiterbewegung) und Thomas Merton, ein Trappistenmönch, der während des kalten Krieges mit vielen Persönlichkeiten korrespondierte und die großen Themen der Zeit ansprach. Die Ermordung von Martin Luther King war ebenfalls ein Katalysator dafür,  Bücher über die Serie politischer Morde in den USA zu schreiben (JFK  erschien 2009 als erstes)

Das Buch ist sehr gut zu lesen, gut gegliedert und in einer klaren Sprache geschrieben.  Es ist akribisch recherchiert (hunderte Fußnoten und Quellenangaben) und verarbeitet die Ergebnisse vieler anderer Kennedy-Forscher. Douglass hat 12 Jahre daran gearbeitet –  und das merkt man auch. Ein wunderbares Buch für alle, die – wie er –auf der Suche nach der Wahrheit sind (er spricht von einem „experiment in truth“, Wahrheit als moralische Kraft im Sinne Ghandis, über den er auch ein Buch geschrieben hat):

Wer verstehen will, warum Kennedy ermordet wurde (und damit auch von wem), dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Dass der Autor und sein Buch in unseren (Schafs-)Medien ignoriert wird, kann heutzutage nur mehr als Ritterschlag aufgefasst werden: Es zeigt, wie wichtig das Buch ist und wie gefährlich, also  bestens dazu geeignet, den Unsinn der hierzulande in den letzten Wochen über Kennedy verbreitet wurde, als solchen zu entlarven.

Auf den Punkt gebracht wurde Kennedy ermordet,

  • weil er den Kalten Krieg beenden wollte (vollständige Abrüstung) und sich damit gegen den mächtigen Apparat aus Militär und Geheimdiensten wandte, die wild entschlossen waren, einen Nuklearkrieg mit der Sowjetunion anzufangen (von dem sie dachten, er sei wegen der militärischen Übermacht zu gewinnen) und mit allen Mitteln Fidel Castro zu entmachten …
  • weil er sich weigerte, Kuba (während der Raketenkrise ) zu bombardieren und stattdessen mit den Sowjets eine Verhandlungslösung erreichte; er wollte die Beziehungen zu Castro und Kuba normalisieren
  • weil er heimlich mit Nikita Kruschov korrespondierte und seinen militärischen „Beratern“ nicht mehr traute ..
  • weil er erreichte, dass der US-Senat den Vertrag zur Beendigung der überirdischen Atomwaffentests (Test ban treaty) mit der Sowjetuntion ratifizierte
  • weil er die Macht der CIA erheblich einschränken wollte (er feuerte den mächtigen CIA-Direktor Allen Dulles und seine Stellvertreter – mehr dazu weiter unten)
  • weil er den Vietnamkrieg beenden wollte (erster Abzug 1000 Truppen bis Ende 1963, vollständiger Abzug Ende 1965 …)

Seit dem zweiten Weltkrieg wuchs in Amerika eine gewaltige Militärmaschinerie heran, die nicht nur wegen der Machtzunahme des Militärs sondern auch wegen der riesigen Profite, die damit gemacht wurden, zur Bedrohung für eine demokratische Gesellschaftsordnung wurde. Die berühmten Worte von Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede, seine Warnung vor dem  „militärisch-industriellen Komplex“, der alle Teile der amerikanischen Gesellschaft infiltriert und wirtschaftlich, politisch, ja auch spirituell immer mehr Einfluss gewann, sind von enormer Wichtigkeit, wenn es um den Kontext der Ermordung von JFK geht.

Vincent Salandria (den ich im ersten Teil vorgestellt habe) hat auch dafür eindringliche Worte gefunden:

We now understand the deep significance of President Kennedy’s killing. Our cities blight while we build B-2 bombers and an unattainable but military-industrial-profit-generating anti-ballistic missile system. Our poor suffer miserable existences as we continue to fatten the military-industrial complex for protection against imagined or impotent enemies. Our public schools in the urban areas decay while we maintain military bases throughout the globe. We desperately search for terrorists and weak nation states which we can designate as “rogue states” and therefore make them necessary targets for our Pentagon to show off its newest weapons systems.“

Während also Milliarden für „Rüstung“ (grauenvolle Killer-Maschinen und  Werkzeuge massenhafter Zerstörung) gegen „eingebildete und hilflose Feinde“ ausgegeben werden, gab (und gibt) es in den USA immer noch sehr viel Armut, soziales Elend, heruntergekommene Infrastruktur, Drogenabhängigkeit, Kriminalität, usw.

Wir suchen verzweifelt nach Terroristen und schwachen Nationalstaaten, die wir dann als „Schurkenstaaten“ klassifizieren können und sie damit zu notwendigen Zielen für das Pentagon machen, damit es dann mit seinen neuesten Waffensysteme angeben kann ..“

Diese Worte haben nichts an ihrer Gültigkeit verloren. Im Gegenteil, es ist noch schlimmer geworden.

Salandria weiter:

Wir können uns nicht länger dahinter verstecken, dass das Attentat etwas Unerklärliches hat … es gibt kein Mysterium über das Wie, Wer und WARUM der President ermordet wurde … Nur wenn wir den Mantel der Verdrängung (der Wahrheit) abstreifen, werden wir in der Lage sein, eine unfaire und brutale Gesellschaft zu verändern ..

We cannot consider ourselves a free and democratic people until we understand and address the evil nature of the warfare-state power which murdered President John F. Kennedy. Until then we cannot begin the vital work of ridding the world of the terror produced by our mighty war machine that crushes hopes for true substantive democracy here and elsewhere.“   .[..Truer words were never spoken ..]

Aber kommen wir zurück zu James Douglass und seinem wunderbaren Buch über JFK:

THE UNSPEAKBLE – eine Kostprobe

DouglassJames Douglass wird natürlich auch in den Mainstream-Medien der USA ignoriert (Zensur durch Schweigen) doch in den Alternativ-Medien findet man Interviews und Vorträge.  Einen davon möchte ich hier wiedergeben (in deutscher Übersetzung, da er natürlich Englisch spricht):

Der Text von Douglass ist nicht vollständig, ich habe mich auf die- nach meiner Ansicht – wichtigsten Passagen des Vortrags konzentriert. Zum besseren Verständnis füge ich grundlegende Informationen über die Ereginisse hinzu.

(Anmerkung: die Skizzierung der welt- und innenpolitischen Situation, die Douglass in diesem Vortrag vornimmt,  ist  natürlich stark vereinfacht und sehr plakativ. Im Buch wird wesentlich genauer auf die Hintergründe eingegangen; )

Bevor es los geht, noch eine kurze Übersicht der Ereignisse, die das Schicksal von John F.Kennedy besiegelt haben:

1961

  • Friedensverhandlungen mit Laos  (das Militär ist entsetzt …)
  • Gescheiterte „Bay of Pigs“ Invasion (April) und JFKs Reaktion darauf:(geplante „Zerschlagung der CIA in tausend Stücke“)

1962

  • Konflikt mit der US-Stahlindustrie (April) und
  • Kuba-Raketenkrise mit der UDSSR (Okt)

1963

  • NSAM 239  Politik für ein Ende der Atomwaffentests und generelle Abrüstung  (Mai)
  • Sommer:   Nuclear Test Ban Treaty (Stop der atmosphärischen Atomwaffentests);
  • Rede zur Abschlussfeier an der American University (10. Juni)
  • Herbst       Beginn eines  geheimen Dialogs mit Fidel Castro;
  • Kennedy entscheidet, Weizen an die  Sowjetunion zu liefern
  •  NSAM 263 Abzug der Truppen aus Vietnam bis Ende 1965  (Oktober)
  • 1961-63: Kennedy-Hammarskjöld-UN Plan verhindert eine Teilung des bis dahin unabhängigen Kongos

 Douglass hebt drei Ereignisse im Vortrag hervor:

1 DIE INVASION DER SCHWEINE-BUCHT

JFK 1jpgNachdem man ihn lange bedrängt  hatte, willigte Kennedy im April 1961 schließlich ein, grünes Licht für  eine von der CIA organisierte (und mit dem Pentagon koordinierte) Invasion Kubas zum Sturz Fidel Castros zu geben. Die dafür verwendeten „Einsatzkräfte“ waren in erster Linie Exilkubaner (einige hundert), die schon jahrelang dafür trainiert und mit Waffen ausgestattet wurden. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Landung der Boote war, dass vorher die kubanische Luftabwehr* zerstört wurde, da ein offizielles Eingreifen der US Air Force ausgeschlossen war (plausible deniability). Dies misslang aber (die genaueren Details erkläre ich in einem späteren Beitrag), sodass die Exilkubaner samt ihren Versorgungschiffen im Morgengrauen von kubanischen Piloten angegriffen wurden.  Die Invasion scheiterte also und Kennedy sowie die gesamte US-Regierung war in einer sehr peinlichen Situation, da es offiziell keine militärischen Aktionen gegen Kuba gab.

(*das waren nur etwa 10 Flugzeuge)

Douglass über die politische Bedeutung der gescheiterten „Schweinebucht-Invasion“ im Kontext seiner späteren Ermordung:

Die CIA hat Kennedy über die politischen und geographischen Bedingungen in Kuba angelogen … er hatte also seine Zustimmung auf der Basis falscher Angaben gemacht … danach erkannte er, dass man ihn in eine Falle gelockt hatte: Er musste entweder offiziell das US-Militär einschalten (wodurch ein Krieg mit der UDSSR wahrscheinlich geworden wäre) oder eine schwere und peinliche Niederlage einstecken. Nachdem die geheimen CIA-Dokumente über die Aktion später freigegeben wurden, sagte Daniel Short (National Public Radio): Der Präsident war Ziel einer geheimen CIA-Operation, die scheiterte, als die Invasion scheiterte …. 

(ich glaube das nicht – die CIA-Operation ist eben nicht gescheitert – es kommt nur darauf an, was man als deren wahres Ziel ansieht .. Kennedy als Verräter hinzustellen, und somit als Hassobjekt für Geheimdienst- u. Militäroffiziere zu etablieren… )

Douglass:

Präsident Kennedy hat die Niederlage in Kauf genommen (zunächst wurde in der UN jede Beteiligung geleugnet, aber JFK hat dann die volle Verantwortung übernommen und eine Untersuchungskommission eingesetzt) . Als Reaktion auf die Falle sagte er:

Ich möchte die CIA in tausend Stücke zerhauen und sie in alle Winde verteilen

Durch die Schweinebucht-Invasion erkannte JFK die getarnten Machtansprüche von CIA und Pentagon (ein unzertrennliches, wenn auch nicht selten streitendes Duo) als Angriff auf seine Privilegien als Präsident … er begann aus dem Zirkel seiner Militär- und Geheimdienstberater auszubrechendafür werden Gefangene erschossen .. seine Entscheidung, den Direktor der CIA, Allen Dulles zu entlassen, (und seine engsten Vertrauten)  – als Folge des Vertrauensbruches im Zuge der Kuba-Invasion – war sein erster Schritt zur Freiheit (und damit auch zu seinem Tod) … der Sturz des mächtigen Dulles (der als wahrer Chef der Warren-Kommission wieder an die Macht kam) demonstrierte die Handlungsmacht des Präsidenten .. der sich verhielt, als ob er wirklich das politische Kommando hätte – nicht seine militärischen und Geheimdienst-Offiziere.

Kennedy war schockiert darüber, wie ihn die CIA hinters Licht geführt hatte ..und die CIA war schockiert, weil er Dulles gefeuert hatte – Wer glaubte dieser junge Schnösel denn, wer er sei

(Dulles: “ this little Kennedy..he thinks he is a God ..)

2 KAMPF  MIT  BIG  STEEL

Die Stahlkrise, von der wir heute so gut wie nichts mehr aus Historikerkreisen hören … war die „zweite Schweinebucht“ für JFK …. Auf seinem Weg in die Freiheit (und damit in den Tod).

Am 10. April 1962 informierte der Vorsitzende von US-Steel, Roger Blough den Präsidenten in Form einer Presseaussendung,  dass sein Unternehmen die Stahlpreise um 3,5% erhöhen würde. Na und, könnte man jetzt denken. Doch Kennedy hatte sich vorher wochenlang sehr engagiert, um die Inflation in Schach zu halten (Stahl ist natürlich ein wesentlicher Kostenfaktor in einem Haushalt, der enorme Summen für den Krieg ausgibt): sein Team verhandelte sowohl mit der Stahlindustrie als auch mit der betreffenden Gewerkschaft. Beide gaben schließlich zu verstehen, dass sie von von Preis- bzw. (Real-)Lohnerhöhungen Abstand nehmen werden.

Doch während sich die Gewerkschaft an das gentlemen’s agreement hielt (sehr bescheidene Lohnerhöhungen)  fielen die Manager des Kartells, angeführt von US-Steel, dem Präsidenten in den Rücken. Er war allem Anschein nach absichtlich blamiert und provoziert worden …

James Douglass:

anticrime-bills„JFK war sehr wütend, weil man ihn betrogen hatte .. er und sein Bruder Robert, der Justizminister,  begannen daraufhin eine Kampagne gegen die Stahlbarone: die Büros der Firmen wurden durchsucht und ihre Unterlagen beschlagnahmt … doch am schlimmsten war die Anordnung des Präsidenten an das Pentagon, die Angebote für dessen lukrative Aufträge auch im Ausland auszuschreiben, wodurch der US Stahlindustrie gewaltige Profite entgangen wären. Die Kennedys meinten es also Ernst … es war eine Kampfansage und der Gegner waren ihre Geschäfte [die der Stahlindustrie] .. das zwang die Stahlmagnaten in die Knie: sie nahmen die Preiserhöhungen wieder zurück. [es hatten sich nicht alle Stahlfirmen an den Preiserhöhungen beteiligt, nur die großen]

Ende gut, alles gut? Keineswegs, denn das ganze Manöver hatte noch einen dunkleren Hintergrund, eine finstere Absicht: In einem Editorial des Magazins FORTUNE wurde geschildert, dass die Entscheidung für eine Preiserhöhung (vom Aufsichtsrat, in dem die Finanzelite des Landes saß) darauf abzielte, Präsident Kennedy ein Dilemma zu verschaffen: entweder musste er die Preiserhöhungen akzeptieren, und damit Glaubwürdigkeit verlieren oder sich dagegen wehren, wodurch er automatisch die Feindschaft der Business-Elite auf sich zog … was dann ja auch passierte.

Kennedys Reaktion auf den Affront wird mit folgenden Worten zitiert:

My father always told me they were sons of bitches, but I never really believed him till now.

Henry Luce„Der Herausgeber von FORTUNE (und anderen Magazinen), Henry Luce war damals einer der mächtigsten Männer in Amerika. Er hatte den Leitartikel verfasst und sich dabei auf Shakespeare’s Figur des Wahrsagers in „Julius Cäsar“ gestützt:  Hüte Dich vor den Iden des März, eine Warnung an einen mächtigen Politiker vor drohendem Unheil.

Der Titel seines Artikels war: „Stahl – Die Iden des April“ … eine unmissverständliche Warnung an den Präsidenten, welches Schicksal ihm drohen würde, falls er sich weiterhin gegen die imperiale Macht (Industrie / Militär / Geheimdienste) stellen würde. Die geheimen Kräfte musssten als mehr als nur „ein bißchen“ wütend auf Präsident Kennedy sein, um eine solche Drohung auszusprechen.

Eine amerikanische Parabel war dabei, sich zu formen, als Präsident Kennedy sich nach der Kuba-Krise umdrehte und, wie ein Ketzer,  einen anderen Weg einschlug, den Weg des Friedens und der Versöhnung [an dem die Militärindustrie nichts verdienen kann und das Militär selbst seine Macht einbüßt …]

Henry Luce 1Die Parabel vom Präsidenten und den geheimen Kräften würde weitergehen bis sie ein Jahr später, auf einer sonnigen Straße in Dallas ihren Höhepunkt fand … Danach lag es an uns … …“

Douglass erzählt dann von Dorothy Day und ihrer Begegnung mit einem sehr jungen JFK  in einem Obdachlosenheim in New York, das ihre Katholische Arbeiterbewegung führte. Ein Mann der dabei war, sagte später: „Ich erinnere mich noch genau daran, wie betroffen John war, als er die Armut und das Elend dieses Ortes sah ..“ (Bild unten: der junge JFK mit seinen Brüdern Robert und Ted)

John, Ted and BobbyJohn und sein älterer Bruder Joe gingen dann mit Dorothy und anderen Personen essen. Sie redeten die ganze Nacht über Krieg und Frieden, Staat und Bürger, Armut, usw.  Jahre später marschierte Dorothy mit ihren Kollegen gegen die Außenpolitik des Präsidenten (der am Anfang wie alle „kalten Krieger“, eine beinharte, aggressive Position gegenüber Kuba und der Sowjetunion einnahm). Nach seinem gewaltsamen Tod sagte sie zu Douglass:

Schau Dir diesen Mann genauer an, lerne etwas über sein Leben. Dorothy glaubte an das Gute in den Menschen .. trotz seiner anfänglich harten Haltung erkannte sie in ihm etwas (vor seiner Wandlung), dass ihren Glauben an das Gute, das Wesen des Menschlichen berührte.

3 DIE RAKETEN-KRISE IN KUBA (Oktober 1962)

lemay„Während der Raktenkrise musste Präsident Kennedy dem Abgrund ins Auge sehen, in Gestalt des totalen Atomkrieges .. auf dem Höhepunkt dieses furchterregenden Konflikts, die seine eigene Anti-Castro Politik mitverursacht hatte .. hatte er das Gefühl, die ganze Sache sei außer Kontrolle geraten .. besonders wegen der Provokationen und des ständigen Drucks des Pentagons, angeführt von General Curtis LeMay

Zur Person: Le May legte im zweiten Weltkrieg japanischen Städte in Schutt und Asche, so wie es die Allierten-Bomber Dresden, Hamburg, etc. angetan hatten: er warf mehr als 100.000 Tonnen Brandbomben und tötete fast 300.000 Menscen .. die Japaner nannten ihn den „Dämon LeMay“. Er war eindeutig ein Kriegsverbrecher und ein indoktrinierter Psychopath, was sich auch in seinen Zitaten ausdrückt:

Es gibt keine unschuldigen Zivilisten … es ist ihre Regierung .. Du kämpfst gegen ein Volk … es macht mir nichts aus, sogenannte „Unbeteiligte“ zu töten“  (das könnte auch ein „Al Kaida“ Terrorist-in Chief  gesagt haben, oder? … die Parallele ist kein Zufall …)

Quelle: Interview mit  Michael Sherry (September 10, 1989). The Rise of American Air Power , p. 287

Zu Vietnam sagte er, „sie sollen ihre Aggression beenden oder wir bombardieren sie zurück in die Steinzeit ..“ (die Aggression war natürlich in der Realität die der USA …)

Lemnitzer ganz rechts

Lemnitzer ganz rechts

Mit solchen Leuten (weitere Beispiele für größenwahnsinnige, rechtsradikale Psychopathen unter den Generälen waren Lyman Lemnitzer (als Planer) und Edward Lansdale, als Ausführender) musste Kennedy über Krieg und Frieden streiten, sie als „Berater“ akzeptieren … 

Um öffentliche Zustimmung (und scheinbare Legitimierung) für einen offenen Angriff auf Kuba zu bekommen, schreckten Lemnitzer & Co. auch nicht davor zurück, selbst fabrizierte Terroranschläge in den USA zu arrangieren  und sie dann Castro in die Schuhe zu schieben – siehe Operation Northwoods.. Kennedy war schockiert, lehnte diese Pläne natürlich ab und tarnte seine Entlassung Lemnitzers (als Oberster Stabschef des Militärs) damit, dass er ihn als Oberkommandeur der NATO nach Europa schickte

Unser Pech: von dort aus steuerte er den synthetischen Terror, ausgeübt durch alte und neue Nazis, (Operation Gladio) der zwischen den 1960er  und 1980er Jahren hunderte unschuldige Europäer und einige Politiker das Leben kostete .. und wir dachten, es waren Bader-Meinhof, die Roten Brigaden, usw.)

GladioZurück zu Douglass:

„Als Kommandant der Air Force schickte LeMay amerikanische Spionage-flugzeuge (U2) in die Sowjetunion (natürlich eine illegale Aktion, eine Verletzung des Völkerrechts) um eine Reaktion zu provozieren (die man dann als „Aggression“ der Welt präsentierte.

Die USA hatte wesentlich mehr Atomsprengköpfe als die Sowjetunion, sehr viele mehr … und die Generäle setzten darauf, dass sie (nach gelungener Provokation) bei einem Erstschlag den Krieg gewinnen konnten. Le May ordnete also an, das Raketentests (ICBM) stattfanden – mitten im kalten Krieg – wurden vom Stützpunkt Vandenberg in Kalifornien Raketen auf den Pazifik abgefeuert und die Russen wussten nicht, ob es sich um „scharfe“ Raketen handelte oder um harmlose .. „

Während die Welt vor der Ungeheuerlichkeit eines Atomkrieges zitterte, spielten diese Generäle mit dem Feuer. Ein kolportiertes Zitat eines ranghohen Offiziers zeigt, wie wahnsinnig diese Leute waren (und sind): Zur Logik eines  siegreichen „Erstschlags“:

Sie kriegen 40 Millionen von uns, aber wir kriegen 150 Millionen von ihnen!“ (Soll heißen: es sterben dadurch 40 Millionen Amerikaner aber 150 Millionen Russen – was für ein grandioser Sieg! So etwas musste sich Kennedy anhören …

Am 24. Oktober erreichte die Spannung ihren vorläufigen  Höhepunkt, als ein russisches U-Boot,  das als Begleitschutz zweier russischer Versorgungschiffe (die USA hatten eine Seeblockade gegen Kuba verhängt) unterwegs war, von einem amerikanischen Kampfhubschrauber angegriffen werden sollte (mit Wasserbomben).

Kennedy stand unter enormen Druck, er glaubte, das sei das Ende – dieser Angriff würde einen totalen Krieg mit den Sowjets auslösen und die Welt in eine atomare Giftwolke einhüllen .

James Douglass weiter:

„Robert sah seinen Bruder an, er hob seine Hand und bedeckte seinen Mund, … sein Gesicht war eingefallen … seine Augen waren müde .. wir starrten uns gegenseitig an .. für einen Moment lang schien es, als wäre außer uns niemand anwesend  und er wäre nicht länger der Präsident ..

Und dann geschah das „Wunder“: Nikita Chruschow (NC) befahl den Rückzug der Schiffe, die „Qarantäne“ wurde nicht durchbrochen. In diesem Moment rettete er John Kennedy und alle anderen. Was hat ihn dazu bewogen? Der Vorfall wird in seinen Memoiren nicht erwähnt. Aber andere Ereignisse können eine Erklärung dafür geben:

Nikita_S._ChruschtschowKennedy und NC tauschten heimlich Briefe aus .. Am 29. September 1961 schrieb NC  zum ersten Mal an Kennedy von seinem Urlaubsort am Schwarzen Meer. Der Brief ist sechs Seiten lang. Er wurde in einer Zeitung versteckt, dem Pressesprecher Pierre Salinger übergeben. NC betonte seine Gemeinsamkeiten mit Kennedy durch eine Analogie aus der Bibel .. er verglich ihre Lage mit jener der Arche Noah: es waren alle möglichen Arten an Bord, die „Reinen“ und die „Unreinen“, doch sie hatten alle ein Interesse, dafür zu sorgen, dass das Schiff seetüchtig blieb .. wir haben keine Alternative: entweder leben wir auf der Basis einer friedlichen Kooperation .. oder das Boot geht unter …

Ein Textauszug aus dem Brief:

Nur in vertraulicher Korrespondenz kann man sagen, was man wirklich denkt …

„… wie soviele Sowjetbürger habe ich an der Front gedient und den Horror des Krieges erlebt … Ich bin gegen den Krieg. Die Sowjetregierung ist gegen den Krieg. Die Völker der SU sind gegen den Krieg. Ich sage Ihnen das, weil ich glaube, dass Sie – der ebenfalls ein aktiver Kriegsteilnehmer war – die gleiche Haltung einnehmen

Natürlich war die politisch angespannte Lage kaum dazu geeignet, optimistisch zu sein, das war beiden klar und sie waren auch nicht naiv:  NC weiter:

„Wenn man sich einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen unseren Ländern anpassen wollte, wäre Ihre Rede vor der UN-Vollversammlung gut geeignet,  eine  unversöhnliche Haltung im Geist des kalten Krieges zu demonstrieren … diese Rede enthielt nicht gerade wenige Punkte, die gegen die Normalisierung der internationalen Lage Stimmung machen und jenen Unterstützung gewährt, die danach trachten eine militärische Psychose auszulösen, indem sie alle möglichen Märchen über die Absichten der Sowjetregierung verbreiten und ihr Dinge nachsagen, die es gar nicht gibt …“

Doch Chruschow spürte, dass er und JFK trotz gewaltiger Probleme mehr gemeinsam hatten, als man je für möglich gehalten hätte:

Wenn Sie, Herr Präsdient auf dieses edle Ziel hinarbeiten [vollständige Abrüstung] – und ich glaube, das tun Sie – wenn das Abkommen mit den Vereinigten Staaten über die Grundsätze der Abrüstung nicht nur ein diplomatisches oder taktisches Manöver sind, dann werden Sie völliges Einverständnis auf unserer Seite finden und wir werden nichts unversucht lassen, um eine gemeinsame Sprache und das notwendige Einvernehmen mit Ihnen zu erreichen.

Kennedy antwortete ebenfalls von seinem Rückzugsort in Hyannis Port:

Mir gefällt Ihre Analogie mit der Arche …  was für Differenzen wir auch haben, unsere Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens ist ebenso dringend, wenn nicht noch dringender als während des letzten Weltkrieges …

Cuba blockadeDouglass: So kam es, dass sogar als sich die beiden politischen Führer am Abgrund eines Atomkrieges gegenüberstanden, sie aufgrund ihrer geheimen Korrespondenz in der Lage waren, den „anderen“ als menschliche Wesen wahrzunehmen,  als eine Person, der man mit Respekt (und auch Mitgefühl)begegnet.

Das ist genau das, was das Militär um jeden Preis verhindern muss, wenn es Soldaten dazu bringen will, andere Menschen umzubringen …

Die Welt war eine Arche Noah, die „Reinen und Unreinen“ mussten zusammenarbeiten um ein Sinken des Bootes zu verhindern .. also stoppte Chruschow seine Boote um  die Arche nicht zu versenken  ..

Doch die Krise war deshalb noch nicht vorbei:  die Arbeiten am russischen Raketenstützpunkt gingen zügig weiter … dann wurde ein U2-Spionageflugzeug  über Kuba abgeschossen, der Pilot kam dabei um …  die Stabschefs und der Nationale Sicherheitsrat drängten natürlich auf sofortige Vergeltung .. Großangriff bereits am nächsten Morgen .. und dann attackieren wir die Sowjetunion ..

U2 Lockheed(Es wurde natürlich bestritten, dass das Flugzeug spioniert hatte .. ebenso wurden tausende Sabotage- und Terroraktionen gegen die kubanische Bevölkerung sowie zahllose Anschläge auf Castros Leben  als „notwendig“ zur Verteidigung der  vorgeschobenen Freiheitsideale angesehen .. die Fähigkeit, dieser Leute sich selbst zu indoktrinieren, und ungeheure Verbrechen zu rectfertigen ist grenzenlos ….)

Robert Kennedy: „ Wir hatten das Gefühl, das die Schlinge um unseren Hals sich langsam zuzog .. für uns als Amerikaner, aber auch für die ganze Menschheit und das die Fluchtwege einzustürzen begannen … „

Doch John machte den kriegsgeilen Generälen wieder einen Strich durch die Rechnung:

„Er gab keine Erlaubnis für einen Vergeltungsschlag und suchte weiterhin nach einer friedlichen Lösung.  Im Oval Office traf er seinen Bruder Robert. Dieser schrieb später über dieses Treffen:

 „The thought that disturbed him the most, and that made the prospect of war much more fearful … , was the specter of the death of the children of this country and all the world … the young, who had no role, no say, who knew nothing even of the confronation, but whose lives would be snuffed out like everyone elses, never make a decision, to vote in an election,..to determine their own destinies ..it was this that troubled him most, that gave him such pain.“

„Was JFK also am meisten zu schaffen machte, war Folge seines Mitgefühls, seines Mit-Leidens .. die Vorstellung, dass weltweit tausende, ja Millionen Kinder bei einem Atomkrieg sterben würden, … die Jungen, die nicht mitreden konnten, die nichts von diesen Konflikten wussten, deren Leben aber ausgelöscht werden würde … die  nie eine Entscheidung treffen würden, niemals ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen konnten, das tat ihm am meisten weh .. „

Diese Gedanken und die Fähigkeit, seine Feinde als menschliche Wesen wahrzunehmen und mit Respekt zu behandeln, nicht als die Karikaturen der Inkarnation des „Bösen“, bewirkten eine Verwandlung des ehemaligen kalten Kriegers, der „Spezialkräfte“ (Sondereinheiten des Militärs, Terroristen, die verdeckt Krieg führten) nach Vietnam entsandt hatte und den Kubanern das Recht auf  politische Selbstbestimmung absprach, eine Metanoia (griech: Um-Denken, geistige Wende)

Douglass: Was Thomas Merton so beschrieben hatte:

Vielleicht wird JFK eines Tages diesen Zustand des selbst-Vergessens und des Mitgefühls erreichen … aber solche Leute werden über kurz oder lang  Ziele für ein Attentat ..

In diesem Augenblick traf  JFK die folgenschwerste Entscheidung seiner Präsidentschaft und seines Lebens:

Anatoly DobryninEr entschied, dass Robert heimlich den russischen Botschafter Anatoly Dobrinin treffen und persönlich seine große Besorgnis über die Lage zum Ausdruck bringen sollte .. in einem Moment, als die Welt sich verdunkelte, als die Generäle und Berater ihn ständig drängen, endlich anzugreifen und einen Atomkrieg auszulösen .. tat er, was sein Militär und die CIA als unverzeihlich ansahen: er wies nicht nur ihr Drängen zu einem militärischen Angriff  zurück, es war noch viel schlimmer, er wandte sich an seine Feinde und bat um ihre Hilfe, das konnte als Verrat ausgelegt werden … NK sah es als Ausdruck der Hoffnung.

Als RK Dobrinin in Washington traf, warnte er davor, dass der Präsident die Kontrolle an die Generäle verlor und die Unterstützung der Sowjetunion brauchte. Als Chruschtschow diese Nachricht in Moskau errreichte, wandte er sich an seinen Außenminister und sagte:

Wir müssen Präsident Kennedy wissen lassen, dass wir ihm helfen wollen.  NK zögerte … jetzt, wo der Feind am Ende seiner Weisheit angelangt schien, sollte er ihm wirklich helfen? Wollte er das wirklich. Ja, entschied er – Hilfe. Wir haben jetzt ein gemeinsames Ziel, die Welt vor denen zu retten, die uns in einen Krieg drängen wollen.

Wie können wir diesen Moment verstehen?

Die zwei bis an die Zähne bewaffneten politischen Führer … auf der Schwelle zu einem Nuklearkrieg .. verbünden sich gegen jene – auf beiden Seiten – die sie zum Angriff drängen.

Chruschow befahl den Rückzug der Raketen auf Kuba, nachdem ihm Kennedy versichert hatte, dass er Kuba nie mehr angreifen werde und ihm garantierte, dass er auch die Raketen in der Türkei, die natürlich auf Moskau gerichtet waren, abbauen würde, was er später auch tat ).

Die beiden Erzfeinde des kalten Krieges hatten eine Wandlung durchgemacht, als sie erkannten, dass sie mehr verband als jeder von ihnen mit seinen Generälen gemeinsam hatte. Keiner von beiden war ein Heiliger. Beide hatten massiv dazu beigetragen, dass die Welt an diesen Punkt gelangt war und die Gefahr eines Atomkrieges imminent war. Doch als sie in den Abgrund sahen, gingen sie aufeinander zu, um sich gegenseitig zu helfen.

Damit gaben sie der Welt die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden zurück. Kennedy beschritt diesen Weg weiter und seine Rede auf dem Campus der American University am 10. Juni 1963 verdeutlicht dies besonders stark.

American Univ address  June 10

Wer diese Worte  – inmitten der aggressiven Mentalität des kalten Krieges – hört und versteht, begreift was Kennedy damit riskierte. Es ist, als ob  er damit sein eigenes Todesurteil unterschrieben hätte…

We must reconsider our own attitudes … usw.

Kann man sich vorstellen, das Nixon, Ford, Bush, Clinton oder Obama je solche Worte von sich geben würden?  No Way. Kein Präsident  hat sich danach je wieder gegen den Militär-NS-Mafia-Gestapo-Terror-Staat gewendet .. the land of the free“ …. wurde zum globalen Terror-Mastermind …(europäische Geheimdienste machen natürlich auch mit …)

Fortsetzung folgt …

 

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