Target Syrien (3): Moral Illusions

che statliberty with gunWenn sich ausgerechnet der US-Präsident über die Effektivität des UN-Sicherheitsrates (UNSC)  als moralischer Wächter Sorgen macht, wird die traurige Sache zur Realsatire: Obama beklagte die Tatsache, dass Russland und China ihr Veto gegen einen „Militärschlag“ in Syrien eingelegt haben mit den Worten

wenn wir soweit kommen, dass der UNSC nicht der Durchsetzung internationaler Normen (und des Völkerrechts) dient, sondern als dessen Barriere, dann sind Zweifel an diesem System wohl angebracht“ …

Obama leidet natürlich, wie alle seine Vorgänger, an selektiver Amnesie, wenn es um die Rolle der USA bei der Wahrung des Völkerrechts geht:

Das Konzept der „humanitären Intervention“, das seit dem illegalen Angriffskrieg auf Jugoslawien bzw. Kosovo von den USA bzw. deren neu gestylter „globaler Eingreifftruppe“ NATO salonfähig gemacht wurde, ist ja die Quintessenz der systematischen Unterminierung des Völkerrechts:

Nämlich die Beschlüsse der Nürnberger Prozesse (dass der Krieg – Drohung, Planung, Organisation und Durchführung an sich ein  monströses Verbrechen („gegen den Frieden) ist  bzw. die  UN-Charta auszuhebeln: nur Selbstverteidigung gegen eine unmittelbare Bedrohung oder ein Beschluss des UNSC können demnach einen kriegerischen Akt legitimieren. Die USA haben ja schon wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wieder Kriege (einige davon offen, andere als „verdeckte“ Interventionen geführt … bis heute hat sich daran nichts geändert … auch „Syrien“ ist ein Fall für „covert warfare“ …

Um die Scheinheiligkeit („we are exceptional, God’s own country, etc.“) zu wahren – „die USA setzen militärische Gewalt immer nur für gute Zwecke ein“ – müssen daher vor jedem Akt kriegerischer Aggression (auch  NATO),  Gründe für ein Eingreifen konstruiert werden, die die massive Gewalt als „notwendig“, ja wünschenswert erscheinen lässt …

victimhood TMDutzende Male  haben die USA im UNSC ihr Veto eingelegt, am häufigsten zur Verhinderung einer Resolution gegen Israel (das sich im Dauerkrieg gegen die Palästinenser befindet). (Die Mühe hätte man sich eigentlich sparen können, denn Israel verstößt seit Jahrzehnten gegen UN-Resolutionen …ohne irgendwelche Folgen … stattdessen gibt es „scharfe Sanktionen“ gegen seine „Feinde“, deren Verbrechen darin besteht, nicht vor USrael zu Kreuze zu kriechen …)

Doch wenn das absurde System des UNSC (Siegermächte des zweiten Weltkriegs  und die größten Waffenhändler sollen über den „Weltfrieden“ wachen und für Abrüstung sorgen …) den  Interessen der USA und ihrer Verbündeten dient, beschwert sich niemand in Washington. Aber wenn die USA selbst einmal ihre Pläne durch die Vetos anderer Mitglieder durchkreuzt sehen, wird ein rhetorischer Großangriff gestartet: „Russland habe den Sicherheitsrat in Geiselhaft genommen“ usw.

Kommentatoren wie der britische Journalist George Monbiot haben die moralische Empörung der USA über die „Unterminierung  internationaler Normen“  durch den Assad unterstellten Chemiewaffen (CW) -Einsatz  ja schon gründlich als unglaubliche Heuchelei entlarvt:

Obama warnte davor, dass der Einsatz von Giftgas in Syrien die  internationale Vereinbarung gegen CW, die von 189 Nationen angenommen wurde“ untergrabe.

Doch das Untergaben internationaler Normen, auch im Bezug auf die Kontrolle von CW ist die Spezialität der USA:

1997 erklärte sich die US-Regierung damit einverstanden, 31.000 Tonnen chemischer Waffen (Sarin, VX, Senfgas) innerhalb von 10 Jahren zu „entsorgen“ (Man fragt sich, wie …?).  Doch 2007 suchte man um Verlängerung der Frist um weitere fünf Jahre an, also bis 2012,  damit war das Maximum nach der CW-Konvention erreicht. 2012 hieß es dann, man würde sie bis 2021 eliminieren …

2 José Maurício Bustani statement 2002Unter Clinton wurde ein Gesetz verabschiedet, dass  es Waffeninspektoren untersagte, unangemeldet auch nur irgendetwas  in den USA zu untersuchen. 2002 setzte die Bush-Regierung die Entlassung von José Maurício Bustani durch, dem damaligen Generaldirektor der OPCW, weil er sein Mandat gewissenhaft ausgeführt hatte (keine Sonderrechte für die USA: auch ihre Verpflichtungen sollten gründlich geprüft werden … und  er versuchte, den Irak als Mitglied zu gewinnen, was natürlich die Kriegspläne der Neocons sabotiert hätte..usw.)“

(Bild oben: ein Auszug aus Bustanis Statement zu seinem verlangten „Rücktritt“ ..die USA dürfen nicht einmal beim Namen genannt werden, es ist immer nur von einem „Mitgliedsland“ die Rede …)

Syrien soll jetzt also seine CW unter „internationale Aufsicht“ stellen, was nur ein schlechter Witz sein kann, angesichts der Tatsache, dass die USA selbst „Massenvernichtungswaffen“ auf Lager und eingesetzt haben, die man nur als grauenhaft bezeichnen kann.

Agent Orange victims 50yrs laterDie USA haben tonnenweise Chemiewaffen im Vietnamkrieg eingesetzt („Operation Hades“ in Vietnam, Laos und Kambodscha), vor allem das dioxinhältige Agent Orange, (hergestellt von der Giftküche Monsanto, die sich jetzt um die Ernährung der Welt durch „life sciences“ (Gentechnik) „kümmert“ …)  unter dem die Bevölkerung heute noch leidet.

Auch im Irakkrieg (2003) setzten die amerikanischen Truppen CW ein, wie z.B. weißen Phosphor in Falludja.

1 Monbiot Guardian CW Falludja 2003Was aber Monbiot nicht erwähnt (weil er ein Freund und Verharmloser der Atomenergie ist), ist der Einsatz von Uranmunition im Irak. „Depleted Uranium“ (DU)-Waffen sind vielleicht die schlimmste (bekannte) Form dieser WMD, weil  sie eine Art Fusion aller drei Arten von „ABC-Waffen“ (radioaktiv, biologisch, und chemisch) darstellen. Was im Irakkrieg durch diese Waffen („Hellfire“-Missiles, „Bunker-Buster“ Bomben, etc.) freigesetzt wurde, ist ein „radioaktives Gas“ bzw. ein Aerosol mit radioaktiven Nanopartikeln, das verheerende bio-chemische Wirkungen hat, weil es in erster Linie die DNA der Opfer (also die Keimzellen, somit das Leben selbst) vergiftet. Die grauenhaften Folgen sehen Sie hier …

Natürlich haben die USA (und auch Russland) auch biologische Kampfstoffe „auf Vorrat“. Angeblich muss in dieser Richtung eifrig geforscht werden, damit man sich gegen „Angriffe“ wappnen kann. Doch auch das ist natürlich eine Form der Projektion, die für die US-Außen- und „Sicherheits“-politik  typisch ist.  Wie Monbiot in seinem Artikel erwähnt, berichtete 2001 die New York Times, das Pentagon habe eine Biowaffenfabrik gebaut, die genug tödliche Mikroben herstellen kann, um ganze Städte auszurotten.

Chem_CrestDass das US-Militär  sich alles erlauben kann, weil es die eigenen Aktivitäten (seien sie auch noch so unmenschlich und kriminell) mit Orwell‘schen Tarnbegriffen beschreibt, zeigt sich auch hier: Die zuständige Abteilung des Pentagons heisst „Defense Threat Reduction Agency“, also die „Agentur zur Reduzierung verteidigungsrelevanter Bedrohungen …“.

Dass der Churnalist wieder einmal gar keine Ahnung von dem Thema hat, über das er schreibt, zeigt sich schon in einem Satz:

Officials stressed that the plant never made anthrax or any other lethal pathogen. Rather, it produced only harmless biopesticides during two production test runs in 1999 and 2000.“

Es gibt keine „harmlosen Biopestizide“, alle Pestizide sind giftig und eigentlich Biozide (die nicht nur „Schadorganismen“ zerstören …)

  • Dass solche Aktivitäten gegen die Biowaffen-Konvention verstoßen – who cares, when it’s the USA…?, ist kein Thema, denn wir wisssen ja, dass nach Auffassung  amerikanischer  Politiker  im Völkerrecht der Grundsatz gilt: some are more equal than others ..
  • Dass Washingtons siamesischer Zwilling (joined at the hip bei Doppelmoral und Skrupellosigkeit) Israel – die Chemiewaffenkonvention nicht ratifiziert und CW schon mehrfach gegen die Palästinenser eingesetzt hat, tut nichts zur Sache.
  • Dass das zionistische Horrorkabinett in Tel Aviv ein ganzes Arsenal an Atomwaffen hat – über die man nicht einmal sprechen darf – und die im Kontext der ständig gehypten „Bedrohung“ durch Israels böse Nachbarn nie erwähnt werden, was solls? Schließlich muss sich das „arme, kleine Israel“ doch gegen die Schurken nebenan verteidigen, oder?
  • Dass Syrien in erster Linie wegen Israels Atomwaffen einen Vorrat an Chemiewaffen hält, dieser Kontext muss natürlich auch unter den Tisch fallen, damit die Rolle des Erz-Bösewichts, die man Assad seit zwei Jahren zugedacht hat, nicht ins Wanken gerät. (Assad ist sicher für zahlreiche Verbrechen verantwortlich, doch das sind unsere Politiker auch …)

Diese unglaublich selbstgerechte und verlogene Doppelmoral, diese zur Schau gestellte moralische Empörung eines Staates, der ohne Zweifel mehr Verbrechen auf diesem Planeten begangen hat, als jedes andere Land, wird anstandslos von den Fließband-Medien übernommen, als ob auch nur ein Körnchen Wahrheit daran wäre.

Dass damit – schon wieder – eine politische Kampagne zur Rechtfertigung brutaler Waffengewalt gegen einen souveränen Staat legitimiert wird, bei dem hunderttausende Menschen sterben, scheint der Presse egal zu sein. Journalistische Verantwortung – was ist das denn?

Aber kommen wir zurück nach Syrien und dem furchtbaren „Giftgasanschlag“ (der weniger als 1%  der bisherigen Kriegsopfer gefordert hat, aber als „unerträglich“ und inakzeptabel für den Westen präsentiert wird …)

DIE TOTEN KINDER VON GHUTA  kommen wahrscheinlich aus LATAKIA

Alawites  kidnapped - Ghouta victims

Am 11. August meldete der britische Telegraph, dass die fanatischen Takfiri-Mörderbanden, die uns als „Rebellen“ präsentiert werden,  in das alawitische Kernland vorgedrungen sind und eine ganze Reihe von Dörfern entlang der Küste terrorisiert haben. Sheik Mohammad Reda Hatem, (ein religiöser Führer) sagte aus, dass immer noch ermordete Alawiten in ihren Häusern und hinter Büschen aufgefunden werden und 150 Personen entführt wurden. Darunter auch viele Frauen und Kinder.

Nachdem die „Rebellen/Terroristen“ eine Serie militärischer Niederlagen in der Provinz Homs einstecken mussten,  wollten sie Assad dort treffen, „wo es ihm am meisten weh tut“, also in der Nähe seines Heimatdorfes Qardaha. Dort kam es zu erbitterten Kämpfen zwischen den fanatischen Islamisten und lokalen Milizen, die sich spontan der „Nationalen Verteidigungsfront“ angeschlossen haben, nachdem sie mitansehen mussten, welche Grausamkeiten  von den „Rebellen“ begangen wurden.

Sind das die Kinder, die in Ghuta als „Giftgasopfer“ Assads der Welt vorgeführt wurden? Es sieht ganz danach aus …

Aus Syrien (Voltairenet) wird jetzt gemeldet, dass die getöteten Kinder, die in den Videos zu sehen sind, teilweise  von Angehörigen aus Latakia identifiziert wurden. Das würde bedeuten, dass die Opfer des „Giftgasangriffs“ aus alawitischen Familien kommen, also  jener Religionsgruppe, der auch Assad angehört (seine Frau ist aber Sunni).

Die Kinder sind  anscheinend vergiftet worden, aber nicht mit Sarin (Speichel bzw. Schaum ist zu weiß, müsste gelblicher bzw. mit Blut versetzt sein, die Symptome sind nicht bei allen gezeigten Opfern gleich, wie forensische Experten (im Video: ab 2:13) schon früher bemerkten)

Was mir auch aufgefallen ist, wo sind die Mütter der Kinder? Man sieht nur ein paar Männer auf den Videos …einige der Kinder haben bereits Leichenflecken, als sie „beerdigt“ (in einem Loch verscharrt werden), wo sind die trauernden Familien? Und wieso waren all diese Kinder am gleichen Ort (mitten in der Nacht, alle angezogen) ohne Mütter?

Mutter Oberin Agnes Mariam de la Croix, die wir ja schon aus dem vorletzten Beitrag kennen, bringt in einem Interview neue Indizien dafür, dass die toten Kinder nicht aus Ghouta stammen (sondern dorthin gebracht wurden, als sie schon tot waren), also der „Giftgasangriff“ nicht von der Regierung durchgeführt wurde (was jeder intelligente Mensch ohnehin nicht glaubt).

(Sie ist schwer zu übersetzen, weil sie sehr holpriges Englisch spricht und noch dazu ihre Gedanken häufig nicht (in ganzen Sätzen) zu Ende führt …)

Hier die wichtigsten Aussagen der Karmeliternonne (so weit verständlich):

Die Mainstream-Medien wollen die Regierung immer in einer bestimmten Art und Weise (als Verbrecher) vorführen … jedes Mal, wenn etwas Wichtiges passiert, eine Sitzung im UN-Sicherheitsrat  usw. ist diese Regierung (anscheinend) dumm genug, etwas zu tun, das genau dieses Bild (der Medien) verstärkt .. Das macht doch keinen Sinn …(für Assad)

Ich arbeite in Damaskus und zwar nicht weit von dem Hotel entfernt, wo die UN-Untersuchungskommission gerade angekommen war. Also von dort bis zum Abbasiden-Platz und bis nach Jobar sind es nicht mehr als 2 km. Wir fragen uns:

Wie ist es also möglich, dass chemische Waffen eingesetzt werden, ohne dass wir irgendetwas davon merken?

Zweitens, jeder begann sich zu fragen: Wie ist es möglich, dass das in einem Viertel wie Jobar oder Ghouta passiert, wo die Kämpfe doch im Bergland stattfinden? Diese Viertel gehören zu den Vororten von Damaskus und dort gibt es kaum noch Syrer. Warum? Weil alles zerstört wurde [sie getötet wurden oder geflohen sind].

Spätestens mit dem Beginn der großen Gegenoffensive („Shield of Damascus“ der syrischen Armee) am 20. August wäre kein Zivilist mehr dort geblieben. Woher kommen also all diese Zivilisten am selben Ort (die angeblichen Opfer der Giftgasattacke)?

Drittens, wie kann es sein, dass in so einem Umfeld, wo die Familien schon so viel gelitten haben, wo kaum noch jemand da ist, wie kann es sein, dass so viele Kinder dort sind? Das ist wirklich unheimlich: Haben sie die Kinder dorthin gebracht? Warum? Und wir sehen sie alle zusammen .. und wir verlagen nach einer Untersuchung. Warum? Weil wir wissen wollen, wer diese Kinder eingesammelt und wer sie getötet hat.

Am gleichen Tag (22. August) sind – vor unseren Augen – mehr als 40 Rettungsfahrzeuge der Armee (aus diesen Vierteln kommend) im Krankenhaus in M. eingetroffen und man sagte uns, diese Soldaten seien von chemischen Waffen erstickt worden (die die Wachposten der Rebellen benutzt haben) Also, wo ist die Wahrheit?

Warum diese Eile, sofort eine Beschuldigung hervorzubringen, damit man einen Krieg anfangen kann? … So ein Krieg (Bombenangriff, getarnt als „humanitäre Intervention“ ) wird die Regierung oder jene, die  für den Angriff verantwortlich sind, nicht bestrafen …sondern die unschuldige Bevölkerung und das ist inakzeptabel. Und wir sagen der Welt: genug ist genug.

Wir wissen nicht, warum ihr eure Stärke und eure Macht gegen die Zivilisten richtet, gegen die Unschuldigen. Ihr verwendet große Worte, aber was ihr am Boden tut, ist die Unschuldigen zu töten. Wir wollen nicht eine Konfliktpartei verteidigen, Nein! Alle diese Leute sind menschliche Wesen. Aber die Unschuldigen, jene Leute, die auf keiner Seite stehen, die einfach nur in Syrien leben wollen, was werdet ihr mit denen machen? Ihr werdet sie umbringen. Wir hatten doch schon so viele verletzte und getötete Menschen: 1 Million im Irak, hunderttausende in Libyen und es geht weiter.

Was ist also die Rechtfertigung für einen solchen Massenmord, der begangen wird um einen „Täter“ zu bestrafen, von dem wir nicht wissen, ob er einer ist, denn wie kann man eine solche Beschuldigung vor einem befangenen, gefälligen Gericht vorbringen? Das darf man nicht und das sagt auch der Vatikan, und alle geistigen Führer Syriens … auch die Friedensnobelpreisträger sagen das. Aber wert hört diese Stimmen? Denn diese Koalition, … es sind jetzt sechs oder sieben Länder …

Diese Koalition, wissen Sie, wo ist die Rechtmäßigkeit ihrer Handlungen? Und wenn es keine gibt, dann bedeutet das, dass jede Verletzung, jeder Tod der durch diese Invasion entsteht, ein Verbrechen ist. Und deshalb rufen wir zur Vernunft auf, zur De-eskalation des Konfliktes, wir verlangen einen (echten) Waffenstillstand.

Wir müssen jene zur Rede stellen, die die Untersuchung (der UN) torpediert haben, weil jemand nicht will, dass die Wahrheit über diesen CW-Angriff herauskommt … also verlangen wir, dass die Untersuchungskommission zu uns kommt, ihre Untersuchung auch wirklich durchführt .. wir brauchen internationale Beobachter, damit die Öffentlichkeit sicher sein kann, dass es kein Trick ist …keine Rechtfertigung für eine verstecktes Absicht… (eigene Interessen) wir müssen uns dagegen wehren, weil es nicht das erste Mal ist, dass sie so etwas versuchen ..und jedes Mal ist es gescheitert. Es hat nichts gebracht (um die Gewalt zu beenden) …

Ich meine es wirklich ernst und ich sage Ihnen noch etwas – was man in unserem Viertel sagt: hier gibt es keine Regierung, wir sind unter Kontrolle der bewaffneten Opposition. Aber die ist zersplittert: die FSA wird von der internationalen Koalition gegen die syrische Regierung unterstützt, aber diese FSA sagt uns: falls die USA eingreifen, werden AQ, Jhabat al-Nusra und die anderen Fanatiker die Oberhand gewinnen und alle umbringen …

Und alle in Syrien haben davor Angst, was wird aus uns? Wo sind die Vereinten Nationen? Wo sind alle Prinzipien, auf denen unsere Zivilisation basiert? Wo sind die Prinzipien, die Gesetze des Völkerrechts? Wohin gehen wir? Wer herrscht über uns?

Es gibt keine internationale Gemeinschaft mehr. Wir haben keine Hoffnung mehr, was die UN betrifft … Das bedeutet, dass die Unschuldigen – völlig schutzlos – diesen Mächten, diesen Supermächten ausgeliefert sind.

Ich glaube, wir treten in eine barbarisches Zeitalter ein … es ist eine weitere, große Invasion … und wir haben niemand, der uns hilft ..“  

OVERHEARD: Das andere „abgehörte“ Gespräch …

Es gibt aber noch ein weiteres Indiz dafür, dass nicht die syrische Regierung für den Giftgasanschlag verantwortlich ist: die Aussagen eines belgischen Professors für Politologie, der fünf Monate lang als Geisel der „Freien Syrischen Armee“ oder „Rebellen“ wie sie jetzt pauschal genannt werden, festgehalten wurde.

1 Pierre PicciniPierre Piccinin, wird in diesem Artikel als „umstrittene Persönlichkeit“ beschrieben , weil er „noch vor einem Jahr nach einer Syrien-Reise vor dem Assad-Regime gewarnt hat und jetzt sagt er, die Rebellen stecken hinter dem Giftgasangriff.

Er erzählte, „dass er und die andere Geisel während der brutalen Haft ein Gespräch zwischen drei Kommandeuren* der Freien Syrischen Armee (FSA), also von den Rebellen mitbekommen haben, in dem sie zugeben, dass die Aufständischen hinter dem Chemiewaffen-Angriff stecken. Sie hätten damit eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft auslösen wollen. Das hat Piccinin den Kollegen der RTBF erklärt. Piccinin ist sich sicher, dass das Assad-Regime nicht hinter dem Angriff steckt.“

(*Zwei „Kommandeure“ der FSA vor Ort unterhielten sich mit einer dritten Person über Skype in englischer Sprache; eine davon war ein „General“ der FSA; Piccinin betont auf seinem Blog, dass die beiden Geiseln den „FaroukBrigaden“ unter der Führung von Abu Omar  ausgeliefert wurden. Diese hätten versucht, ihre wahre Identität zu verbergen, indem sie sich als Mitglieder von Al Nusra ausgaben. Die beiden Männer waren von 8. April bis 8. September 2013 in Geiselhaft)

Assad non e responsabile LIBEROPiccinin war nicht die einzige Geisel der „Rebellen“, auch der langgediente, italienische Journalist Domenico Qurico (La Stampa) wurde Opfer der Kidnapper. Er bestätigt  zwar, dass man ein solches Gespräch belauscht habe, doch er warnt davor, dass „man diese Informationen nicht überprüfen könne“ und man doch nicht genau wisse, wer diese  FSA-Kommandeure waren.

Ähnliche Töne gibt der belgische Außenminister Didier Reynders von sich: eine genaue Überprüfung sei notwendig, bevor man voreilige Schlüsse ziehen könne.

Piccinin von Rebellen gefoltertSchön und gut,  aber wieso hören wir solche Sprüche nicht, wenn es um die „Angaben“ der US-Geheimdienste geht, die Assad Schuld zuweisen, oder die Angaben der Rebellen, oder die Angaben des SOHR (das seit zwei Jahren die gesamte westliche Presse mit Propaganda über den Syrienkonflikt füttert)?

Dass unsere Freunde, die „Rebellen“ Menschen entführen, foltern, Lösegeld erpressen, vergewaltigen und Menschen massenweise hinrichten, passt nicht in das Schwarz-Weiß-Bild, das man uns einhämmern will (wie gestern beim ZDF-Format „Debatte“: emotionale Agitation im geopolitischen Vakuum (der vorgestellten „Befürworter“ des „Militärschlages“). Gott sei Dank haben sich die „Gegner“ in der Debatte,  Lüders und Todenhöfer (die wissen, worum es hier wirklich geht) mit ihrer ruhigen, souveränen und authentischen Präsentation durchgesetzt … )

DIE „FREIE PRESSE“ ZENSURIERT  …

Propaganda und Zensur  getarnt als „Nachrichten“: Die  britische Daily Mail unterschlägt die Aussagen von Piccinin (die Assad entlasten) und behauptet einfach, es gäbe derzeit keine Informationen darüber, wer für die Entführung der beiden Männer verantwortlich sei

Der FOCUS ONLINE bringt nur eine Meldung im Telegramm-Stil und zensuriert ebenfalls die „näheren Umstände“ der Entführung und die Aussagen Piccinins, die Assad im Bezug auf den „Giftgasangriff“ entlasten.

„Italiens Ministerpräsident Enrico Letta und Außenministerin Emma Bonino haben die Befreiung des Journalisten Domenico Quirico in Syrien bestätigt. Zu den Umständen wurde zunächst nichts bekannt. Wie aus Regierungskreisen verlautete, wurde der gemeinsam mit Quirico entführte Belgier Pierre Piccinin ebenfalls befreit. […]

Bei ARD und ZDF weiß man davon gar nichts …beim SPIEGEL anscheinend auch nicht …

DER  SELTSAME  PROFESSOR?

Kann man „vor dem Assad-Regime warnen“, also die Brutalität des Systems kritisieren und Assad trotzdem von dem Giftgasangriff entlasten?

Natürlich, wenn man sich nicht in das primitive Schwarz-Weiß-Denkschema der Medien einspannen lässt.

pierre-piccininWenn eine Person oder eine Regierung in der Vergangenheit Verbrechen begangen hat, heißt das doch nicht, dass dessen / deren Gegner über jeden Verdacht erhaben sind oder dass alle Schandtaten, die in einem Krieg passieren, nur einer Seite anzulasten sind. Piccinin erklärt auf seinem Blog dazu:

Ma pensée va aussi à mes amis de l’Armée syrienne libre d’Alep, d’Idlib et de Damas et à tous mes amis syriens qui poursuivent leur combat courageux et juste contre le régime féroce qui enchaîne leur pays, la Syrie.

P.s. : selon les informations et éléments factuels auxquels j’ai eu accès durant ma détention en Syrie, je confirme que le gouvernement syrien n’est très probablement pas l’auteur de l’attaque chimique qui a provoqué le décès de plusieurs centaines de personnes dans la banlieue damascène d’al-Ghuta.“

Meine Gedanken gehen auch an meine Freunde der FSA in Aleppo, Idlib und Damaskus und an alle meine syrischen Freunde, die ihren mutigen und gerechten Kampf gegen ein brutales Regime weiterführen, das ihr Land, Syrien, versklavt hat.

P.S.  Nach den Informationen und den tatsächlichen Begebenheiten, die ich während meiner Inhaftierung erlebte, bestätige ich, dass die syrische Regierung wahrscheinlich nicht der Urheber des chemischen Angriffs ist, der den Tod hunderter Menschen in Ghouta (Vorort von Damaskus) bewirkt hat.“

NAIVITÄT, MORAL UND MEDIEN

Piccinin war in den letzten beiden Jahren mehrmals in Syrien. Er sah mit eigenen Augen, dass die Darstellung des Konflikts in den Medien mit der Realität wenig zu tun hatte:

„Ich wollte selbst heraufinden, wo die Wurzeln des Konfliktes waren … Ich konnte [im Juli 2011]  ungehindert im Land herumfahren, von Dera, Damascus, Homs, Hama, Maraat-an-Numan, Jisr-al-Shigur, an der türkischen Grenze, sogar  Deir-ez-Sor, alle Orte, wo es nach Medienangaben zu „Gewaltausbrüchen“ gekommen war. Die Konfrontationen, die ich sah, waren unterschiedlicher Natur: einige davon waren gewalttätig und hatte völlig andere Ziele, als die der demokratischen Pazifisten. Die Muslimbruderschaft z.B. will eine islamistische Republik, was die Christen und andere Minderheiten in Angst und Schrecken versetzt.

Was mich überrascht hat, war, dass das Image des Landes wie es in den westlichen Medien  dargestellt wurde, – als ob hier eine große Revolution stattfinden würde – überhaupt nicht dem entspricht, was hier wirklich passiert.  

Homs 500 T media lies… Bei den Protestkundgebungen kommen höchstens einige hundert Leute, normalerweise rund um die Moscheen … was den Einfluss der Islamisten offenlegt. Nur in der Stadt Hama, dem kulturellen Zentrum der Muslimbruderschaft – die sich in einem Belagerungszustand befindet – kommen größere Demonstrationen vor. Schon 1982 gab es dort Gewaltausbrüche, die von Hafez-al-Assad, dem Vater des jetzigen Präsidenten mit großer Härte niedergeschlagen wurden.

Die Stadt ist von Panzereinheiten umzingelt, doch die Regierung will ein Blutbad vermeiden – auch wegen der befürchteten Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Als ich im Stadtzentrum ankam, hatten die Gläubigen gerade ihre Gebete beendet und kamen zu tausenden auf den Asidi-Platz mit dem Ruf: Allah-u-akbar (Gott ist der Größte). Stunden später verbreitete die AFP (französische Presseagentur) die Meldung, dass eine Million Menschen gegen Assad protestiert hätten, davon alleine 500.000 in Hama.

Doch was ich dort sah, können höchstens 10.000 Demonstranten gewesen sein …. Ganz zu schweigen davon, dass Hama gar nicht so viele Einwohner hat … Das war keine Ungenauigkeit in der Reportage, das war Desinformation, Propaganda … es sollte so aussehen, als ob sich die Massen gegen das Regime erheben

Und das war kein Einzelfall: alle „Informationen“ über die Lage in Syrien wurden schon seit Monaten  auf ähnliche Weise manipuliert …

Als Quelle für ihre Meldung gibt AFP die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ (SOHR) an, die quasi eine Monopolstellung  hat, wenn es darum geht, westliche Medien mit Desinformation zu füttern. Hinter dem beeindruckend klingenden Namen (klassische front group) steht ein einziger Mann:  Rami Abdel Raman,  der seit Jahren ein erbitterter Gegner der Baath-Partei in Syrien ist und enge Verbindungen zur Muslimbruderschaft hat. Finanziert von den USA und mit Sitz in England, das ja auch Assad stürzen will, beliefert Raman die Medien mit völlig einseitigen Informationen über die „Lage in Syrien“, obwohl er selbst seit Jahren nicht mehr dort war.

Piccinins Resumé:

Wir sehen also, dass seit vielen Monaten die westlichen Medien eine bearbeitete Version der Realität verbreitet haben, geformt von einer einzigen Quelle, die niemand in Frage gestellt hat …doch die Konsequenzen dieser Desinformation seien weitreichend: aus den Golfkriegen, dem Krieg in Jugoslawien, etc. haben die Medien nichts gelernt: sie lassen sich immer noch dazu verleiten, Stories auf wackeligen Beinen zu verbreiten und … damit den Lesern / Zuschauern, eine virtuelle Realität zu präsentieren …

Wenn aber die Medien ihre Pflicht versäumen, wahrhaftige Informationen zu sammeln, ist es die Demokratie selbst, die in Gefahr gerät. Exactement. 

Man kann Piccinin nicht vorwerfen, dass er für Assad Partei ergreift, denn er hat am eigenen Leib gespürt, wie politisch „Verdächtige“ dort behandelt werden:

Piccinin wurde 2012 vom syrischen Geheimdienst aufgegriffen und gefoltert, weil er sich mit den „Rebellen“ anscheinend zu gut verstanden, also aus Sicht der Regierung den „Terroristen“ Vorschub geleistet hat … Man stellte aber bald fest, dass er harmlos ist und ließ ihn wieder laufen … was er im Folterkeller hören und sehen musste, beschreibt er als „Reise in die Hölle“ …) 

Dass in „solchen Ländern“ Geheimdienste foltern ist furchtbar, aber für uns nicht überraschend; dass aber auch Israel , europäische Geheimdienste und vor allem die USA auch Foltermethoden anwenden, wollen wir doch lieber vergessen ….

ArarErinnern wir uns an das Schicksal von Maher Arar? Er  wurde am Flughaften in New York festgenommen und zur Folter nach Syrien geschickt … bei solchen Angelegenheiten war Assad unser „Verbündeter“ … so lange „für unsere Interessen“ gefoltert wird, no problem … )

Die massive Brutalität eines Staatsapparates zu kritisieren  ist eine Sache, aber deswegen das Völkerrecht außer Kraft zu setzen bzw. zu missbrauchen , eine andere, wie Piccinin richtig erkannt hat.

Ich unterstütze die Freie Syrische Armee, aber es ist eine moralische Pflicht, die Wahrheit zu sagen“

Gibt es diese „moralische Pflicht“ bei Journalisten nicht (mehr)?

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Ein Kommentar zu „Target Syrien (3): Moral Illusions

  1. Guten Tag, ist Ihnen eigentlich irgendwie entgangen, dass RUSSLAND veranlasst hat, dass Assad die Chemiewaffen offenlegen muß und unter internationaler Aufsicht zu entsorgen hat?! – Ansonsten kommentiere ich Ihren völlig unlogischen Propagandamüll nur insofern, dass ich Ihnen rate, wenigstens das angebliche Statement der Nonne stillschweigend rausnehmen, das ist doch nun ZU peinlich.

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