Foreign Policy: Das Monster im Spiegel

18117Wenn Sie den Ausdruck „Psychopath“ hören, woran denken Sie dann? Für viele Menschen ist damit ein gefährlicher „Irrer“ verbunden, z.B. ein Massenmörder, einer der Leichen verstümmelt, Tiere quält, etc. Doch es gibt natürlich verschiedene Ausprägungen dieser Krankheit und die gefährlichsten Fälle sind vielleicht jene, die auf den ersten Blick als völlig „normal“ eingestuft werden, weil man ihnen nicht ansieht, wie „gestört“ (im Sinne der Menschlichkeit) sie in Wahrheit sind.

Ich vertrete hier die These, dass es solche Fälle – öfter als man glauben möchte – in den höchsten Kreisen von Politik und Wirtschaft gibt („Weltmarkt reimt sich auf Weltkrieg“?) doch in einem irren System fallen die „Irren“ nicht mehr auf („Wachstum“  und endlose Geldvermehrung / Profitsteigerung als oberste Ziele einer Wirtschaftspolitik anzusehen, einen „Wettbewerb“ zu verherrlichen, in dem das größte Arschloch gewinnt –wie „normal“ ist das denn?)

Im dritten und letzten Teil meiner kleinen Trilogie zum 10.Jahrestag der Irak-Invasion möchte ich das ungeheure Leid der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt stellen und die Persönlichkeit der Politiker und Strategen, die dafür verantwortlich sind.

the sleep of reason produces monstersIn diesem Artikel geht es um die Psychopathologie der ameri-kanischen Außenpolitik (die in Europa nicht nur geduldet, sondern in weiten Teilen auch unterstützt wird, siehe die Neudefinition der NATO als globale Eingreiftruppe nach Ende des kalten Krieges und die damit verbundene Militarisierung der EU).

Laut Wikipedia bezeichnet

„Psychopathie  […] eine schwere Persönlichkeitsstörung, die bei den Betroffenen mit dem weitgehenden oder völligen Fehlen von Empathie, sozialer Verantwortung und Gewissen einhergeht. Psychopathen sind auf den ersten Blick mitunter charmant, sie verstehen es, oberflächliche Beziehungen herzustellen. Dabei sind sie mitunter sehr manipulativ, um ihre Ziele zu erreichen.“

Charakteristische Eigenschaften sind nach der Hare-Checkliste:

  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen (Pseudologie)
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen oder Schuldbewusstsein
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal der Psychopathie ist nach James Blair der betont instrumentelle, zweck- und zielorientierte Charakter der zu beobachtenden Aggressivität.

All diese Eigenschaften könnte man  quasi  als Anforderungsprofil für den höheren Dienst im Außenministerium ansehen, jedenfalls bei jenen Staaten, die sich als prädestiniert für eine dominante Rolle in der Welt sehen –allen voran natürlich die USA (samt den Zionisten in Israel), gefolgt von Großbritannien, Frankreich und nicht zuletzt Deutschland.

„Rational handeln“ heißt dann: Die eigenen „Interessen“ auf Kosten der friedlichen, schwachen Staaten durchzusetzen, auch wenn das Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, staatlich angeordneter Terror, von Geheimdiensten organisierte Kriege (die CIA als Privatarmee für Finanz und Großindustrie), Schüren von religiösem Fanatismus,  usw. bedeutet. (Siehe dazu – wieder einmal – Pinter)

dirty wars„Außenpolitik“ auf diesem Niveau ist ein gefährlich verharmlosender Euphemismus für brutale Machtprojektion, gewaltsame Kontrolle von Rohstoffen und Transportwegen, Durchsetzung der totalitären Marktherrschaft, Zerstörung jeder gesellschaftlichen sozialdemokratischen Alternative, die auf Menschlichkeit, Solidarität und Kooperation aufbauen will.

Wie verheerend sich die  – als normal akzeptierte – Psychopathologie der „Außenpolitik“ auswirkt, zeigt die Aggression gegen den Irak:

DIE „RATIONALE“ UNMENSCHLICHKEIT IM IRAK (erster Golfkrieg 1991  und die Folgen …)

Zuerst zerstörte man durch Bombenangriffe die zivile Infrastruktur wie Elektrizitätswerke, aber auch Getreidesilos und Produktionsstätten für Lebensmittel. Durch den Stromausfall konnten die Pumpen für die Kläranlagen nicht mehr arbeiten, die Wasseraufbereitung fiel ebenfalls aus. Was das in einem Land bedeutet, dass ein heißes Wüstenklima hat, kann man sich vorstellen. Dann wurden scharfe wirtschaftliche Sanktionen erlassen, selbst die Einfuhr von Chemikalien zur Desinfizierung des Trinkwassers wurde untersagt, ebenso die Einfuhr wichtiger Medikamente.

Die Preise für Lebensmittel waren seit Kriegsende um das Fünffache gestiegen. Eine Schachtel Eier oder ein Huhn kosteten ein halbes Monatsgehalt eines Universitätsprofessors im Irak. Diese Horrorpreise für Lebensmittel, eine allgemein hohe Inflationsrate und hohe Arbeitslosigkeit sind Folgen der amerikanischen „Außenpolitik“, die von der EU und der UNO meistens kritiklos unterstützt wird.

Die landwirtschaftliche Produktion wurde durch die Sanktionen dramatisch eingeschränkt und sank auf 25-30% des normalen Niveaus. Mangel an Ersatzteilen, Düngemitteln und Saatgut sowie die massiv beeinträchtigte Wasser- und Stromversorgung führten zu gewaltigen Ernteeinbrüchen. Gewächshäuser mussten aufgegeben werden.

Der Import von Lebensmitteln wurde durch die fehlenden Einnahmen aus dem Ölexport und die Beschlagnahme irakischer Gelder im Ausland extrem erschwert.

Trotzdem hat die irakische Regierung dafür gesorgt, dass alle Iraker eine monatliche Essenration bekamen, was Kosten von etwa einer Milliarde Dollar jährlich verursachte und nur mit minimaler Unterstützung der UNO erreicht wurde. Weil aber das Geld immer knapper wurde, mussten die Rationen immer kleiner werden, sodass am Ende nicht einmal die Hälfte der nötigen Kalorien zur Verfügung stand.

Die Folgen:

2 sanctionsHundertausende Kinder waren unterernährt, litten an Blutarmut. Durch das verseuchte Wasser nahmen blutige Durchfälle, Magen- u. Darminfektionen bei Kleinkindern  dramatisch zu. Wegen der fehlenden Medikamente mussten die Kinder furchtbar leiden, bevor sie an völliger Entkräftung starben.

Das war aber nicht eine bedauerliche, aber unerwünschte Folge des Krieges, , ES WAR ALLEM ANSCHEIN NACH ABSICHT. KALTBLÜTIG GEPLANT UND AUSGEFÜHRT:

1995 gelangten Dokumente des militärischen Geheimdienstes an die Öffentlichkeit, die einem normalen Menschen das Blut in den Adern gefrieren lassen: Hier wird beschrieben, wie die Maßnahmen und Sanktionen bewusst so geplant wurden, dass es der Regierung unmöglich gemacht wurde, die eigenen Bevölkerung mit sauberem Wasser zu versorgen und das Abwasser zu klären: (Originalzitate in englischer Sprache, deutsche Übersetzung von mir)

1 water crimes„Iraq Water Treatment Vulnerabilities“ (January 1991)

“Ohne eigene Quellen für die Wasseraufbereitung oder Chemikalien wie Chlor, ohne Entsalzungsmembranen und mit  Trinkwasser, das mit Bakterien verseucht ist, werden Epidemien ausbrechen (Cholera, Typhus, Gastroenteritis, etc.)

“Disease Information / Effects of Bombing on Disease” (January 22, 1991)

Die Bedingungen für den Ausbruch ansteckender Krankheiten durch Bombardierung sind günstig, wobei die Wahrscheinlichkeit der auftretenden Krankheiten während der nächsten 2-3 Monate folgende ist (absteigende Reihenfolge):

  • Durchfallkrankeiten (besonders bei Kindern)
  • Akute Atemwegserkrankungen und Grippe
  • Typhus und Hepatitis (besonders bei Kindern)
  • Masern, Diphterie, Keuchhusten (besonders bei Kindern)
  • Meningitis und Meningococcus (besonders bei Kindern)
  • Cholera

Medical Problems in Iraq,“ (March 15, 1991)

“Ansteckende Krankheiten in Bagdad sind jetzt viel weiter verbreitet als sonst während dieser Jahreszeit und sind mit den schlechten sanitären Bedingungen verbunden (verseuchtes Trinkwasser und fehlende Abwasserentsorgung), die durch den Krieg ausgelöst wurden.  Nach einem Bericht von  UNICEF und WHO, steht nur mehr 5% der ursprünglichen Trinkwassermenge zur Verfügung, es gibt keine funktionierende  Wasseraufbereitung  und keine Abwassersysteme mehr und die Durchfallerkrankungen sind viermal so hoch wie sonst. Atemwegsinfektionen  nehmen zu, besonders Kinder sind von diesen Krankheiten betroffen …. Die Bedingungen in Bagdad bleiben günstig für den Ausbruch von Epidemien “

Im Mai wird berichtet, dass Kinder massenweise an Gastroenteritis sterben, im Süden „sind 80% der Todesfälle Kinder“.

Insgesamt wurden (vor dem zweiten Irakkrieg) mindestens 500.000 Kinder durch diese Form der „Außenpolitik“  umgebracht.

Im April 1992 legt das Pentagon einen „Bericht“ (seine Version) über den Krieg vor, in der irakische Opfer überhaupt nicht vorkommen („ …we don’t do body counts …“ – Donald Rumsfeld).

Am 12. Mai 1996  wird Madeleine Albright im US-Fernsehen („60 Minutes“ von CBS) zu den katastrophalen Zuständen im Irak –  besonders zu den sterbenden Kindern – befragt:

Lesley Stahl: „Wir haben gehört, dass bereits 500.000 Kinder* [als Folge der Sanktionen] gestorben sind, … das sind mehr Kinder als in Hiroshima. Ist es das wert?

 Albright: „ Ich denke, das ist eine schwere Entscheidung, aber … wir denken die Sache war es wert.

*(Die Zahl 567.000 stammt aus einem Bericht der FAO aus dem Jahr 1995)

invisiblewarDas Sterben der Kinder war also „notwendig“ … damit die außen- und geopolitischen Pläne der USA  umgesetzt werden konnten.

Im März 1997 sagt Albright (als frisch gebackene Außenministerin), es gehe nicht mehr (nur) um die  „Massenvernichtungswaffen“ (wie beweist man, dass man etwas nicht hat?) sondern darum, dass der Irak seine „friedlichen Absichten“ beweisen müsse. Dies könne nur durch absolute Compliance mit allen UN-Resolutionen passieren und es gäbe „überwältigende Beweise dafür, dass die Absichten Saddam Husseins niemals friedlich sein werden“.

Diese Sätze müssen wir auf uns einwirken lassen, weil sie so verräterisch für die Psychopathologie der amerikanischen Außenpolitik sind:

Kein anderer Staat hat auf dieser Erde mehr  systemische und militärische Gewalt angewendet als die USA, weder was die Zahl der offenen und verdeckten „Interventionen“ betrifft, noch deren Brutalität. Von Hiroshima / Nagasaki, dem Korea- und Vietnamkrieg, über hunderte „Operationen“ zum Sturz unerwünschter Politiker und Regierungen während des kalten Krieges bis zu den „humanitären“ Bombardierungen nach 1990 und der Schaffung von „Al Qaeda“ (gemeinsam mit den Saudis) und anderen nützlichen „radikalen Islamisten“, die man je nach Bedarf als schützenswerte „Opposition“ (die in Wahrheit Terror und Massaker begeht, wie in Syrien) oder als böse Schurken (Mali, Afghanistan, etc.) instrumentalisieren kann.

Die Außenpolitik der USA hat (nach 1945) mehr Menschen umgebracht als die Nazis im Dritten Reich. Wie der große Martin Luther King 1968 so treffend formulierte: (und das gilt heute noch mehr als in den 1960er Jahren)

MLK Beyond vietnam„My government is the greatest purveyor of violence in the world today“

(„Beyond Vietnam“ speech)

Wenn wir uns die Aussagen der amerikanischen Politiker (egal von welcher Partei) zu „notwendigen Interventionen“ (also brutaler Gewalt und Subversion) im Ausland ansehen, merken wir, dass sie alle etwas gemeinsam haben: die Projektion.

Ein Staat, der die größte Militärmaschinerie aller Zeiten betreibt, hunderte Milliarden für ekelhafte Waffen ausgibt und sich dazu außersehen glaubt, die Welt zu beherrschen, verlangt von einem Schurken eines viel kleineren Kalibers (den sie selbst jahrelang als außenpolitische Instrument benutzt hat) er müsse seine „friedlichen Absichten“ beweisen angesichts permanenter Gewalt initiiert durch die USA – wie verrückt ist das?

stat_of_libertyDie eigene  Brutalität, Rechtlosigkeit, Arroganz, Selbstherrlichkeit, Verschlagenheit wird auf den Gegner übertragen, damit man die eigene, grenzenlose und pathologische Gewalt als notwendige und noble Antwort auf die so konstruierte „Bedrohung“ darstellen kann – vor dem eigenen Gewissen und vor dem Rest der Welt.

Diese Projektion der eigenen Motive (wo sich moralische und psychologische Abgründe auftun) auf den „Feind“ ist natürlich auch ein zentraler Punkt zum Verstehen der aggressiven Außenpolitik Israels. Die Vermutung liegt nahe, dass dies auch ein wesentlicher Aspekt jenes „unbreakable bond“ zwischen den beiden Staaten ist, von dem so häufig in US-Regierungskreisen gesprochen wird.

Am 4. Oktober 1996 veröffentlicht UNICEF einen erschütternden Bericht über die humanitäre Situation im Irak. Fazit: Pro Monat sterben rund 4.500 Kinder unter fünf Jahren an Unterernährung und Krankheit. Ein Jahr später dauern die Sanktionen noch immer an und eine Studie der FAO betont, dass die Sanktionen den Import von Lebensmitteln enorm eingeschränkt haben, wodurch in den 1990er Jahren Unterernährung (sprich: Hunger) im ganzen Land ein chronischer Zustand geworden sei.

Laut UNICEF sind 1997 1 Million Kinder unter fünf Jahren chronisch unterernährt (eine Zunahme von 72% seit 1991). Die Zahl der untergewichtigen Kinder sei doppelt so hoch wie im Nachbarland Jordanien.  Der UNICEF Sprecher in Baghdad äußerte sich sehr besorgt darüber, dass trotz des „Öl für Nahrung“ Programms keine Verbesserung der Lage eingetreten sei.

Im April 1998 geht das Sterben immer noch weiter: Die Zunahme der Kindersterblichkeit (für Kinder unter fünf Jahren) heisst jedes Jahr 40.000 mehr tote Kinder bzw. 50.000 mehr tote Kinder (über fünf Jahre) seit 1989.

Im Oktober 1998 legt Dennis Halliday, der das UN „Oil-for-food“ Programm leitete, voller Abscheu über die Unmenschlichkeit des Sanktion-Systems, sein Mandat nieder: Pro Monat sterben jetzt 5.000 bis 6.000 Kinder.

1 hvsponeckAuch sein Nachfolger, Hans Christian Graf von Sponeck trat angewidert von der Rechtlosigkeit der USA, Großbritanniens, deren eiskaltem Kalkül und der Doppelmoral der UN zurück. Hier einige Zeilen aus einem offenen Brief an Tony Blair (als Reaktion auf dessen verklärte „Memoiren“):

„I was a daily witness to what you and two US administrations had concocted for Iraq: a harsh and uncompromising sanctions regime punishing the wrong people. Your officials must have told you that your policies translated into a meagre 51 US cents to finance a person’s daily existence in Iraq.

You acknowledge that 60 per cent of Iraqis were totally dependent on the goods that were allowed into their country under sanctions, but you make no reference in your book to how the UK and US governments blocked and delayed huge amounts of supplies that were needed for survival. In mid-2002, more than $5bn worth of supplies was blocked from entering the country. No other country on the Iraq sanctions committee of the UN Security Council supported you in this.

The UN files are full of such evidence. I saw the education system, once a pride of Iraq, totally collapse. And conditions in the health sector were equally desperate. In 1999, the entire country had only one fully functioning X-ray machine. Diseases that had been all but forgotten in the country re-emerged.“

3 sanctionsStellen Sie sich vor, IHR unterernährtes Kind hat blutigen Durchfall, muss erbrechen, und es gibt keine Medikamente um dem Kind zu helfen, nicht genug Nahrung, um den Körper zu stärken. Wie unmenschlich ist das? Wie kann man so etwas rationalisieren?  (siehe Checkliste oben …)

Die Psychopathen der amerikanischen „Eliten“  haben damit kein Problem, sie werden ja mit den Folgen ihres Tuns nicht konfrontiert und wenn, wird alles als „notwendig“ hingestellt  und dem Gegner angelastet (Saddam war ein Mistkerl, aber die soziale Infrastruktur im Irak war sehr gut):

Der ehemalige  US Justizminister Ramsey Clark  war nach einem Aufenthalt im Irak (wo er das Schreien der kranken, unterernährten Kinder selbst miterlebte)  so schockiert, dass er seitdem gegen die eigene Regierung zu Felde zieht:

„This planet is deeply troubled … and the greatest cause of this trouble is our own government

 “Wir haben gezeigt, dass es technisch möglich ist, ein Land vollständig zu lähmen, ohne dass man auch nur einen Fuss hineinsetzt …. es ist wichtig, sich das klarzumachen, wenn wir hören, dass 110.000 Luftangriffe in 42 Tagen geflogen wurden ..109 Angriffe pro Stunde, ein Angriff alle 30 Sekunden rund um die Uhr.”

Wir haben alle  Getreidesilos und alle anderen Lebensmittellager zerstört .. im ganzen Land .. wir haben die gesamte Lebensmittelindustrie des Landes zerstört .. sogar die berühmten Dattelproduktion …wir haben dafür gesorgt, dass sie sich für eine lange, lange Zeit nicht mehr selbst ernähren können … “

Die USA bombardierten die einzige Fabrik, die Milchpulver herstellte und behauptete, es sei eine “Chemiefabrik” gewesen ..(04:12)

70% der schwangeren Frauen leiden an Blutarmut und sind Nährstoffmangel … unterernährte Säuglinge sterben an blutigen Durchfällen … die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter 5 Jahren stieg zwischen 1989 und 1998 um fast 700%.


Strategisch geplantes Hungern und Krankwerden der Zivilbevölkerung ist natürlich ein monströses Kriegsverbrechen, ein Verstoß gegen die Genfer Konventionen, die UN Charta und die Menschenrechte – doch was kümmert das eine Regierung, die sich alles erlauben kann?

Ein Staat, der  seit Jahrzehnten ungeheure Grausamkeiten begeht, von morgends bis abends Lügen über seine wahren Absichten und Motive verbreitet (die von den Fließbandjournalisten  anstandslos übernommen und verstärkt werden – siehe jetzt gerade die „Provokation“ Nordkoreas, die natürlich eine Reaktion auf die Arroganz und Militärübungen der USA sind) und – damit nicht genug – sich dann auch noch als moralischer Ankläger, Richter und Exekutor gegenüber anderen Ländern aufspielen kann, hat nach den Maßstäben einer humanen Gesellschaft längst seinen moralischen Kompass verloren und wird (im Gegensatz zum Iran) wirklich von „irren“ und den Weltfrieden gefährdenden Monstern geleitet.

Doch diese Leute sehen sich (bzw. ihr Land) in einem Dauerkrieg mit allen anderen Staaten, der nicht immer mit militärischen Mitteln geführt wird, aber unumgänglich ist, weil man um die knappen Ressourcen kämpfen muss.

 „Gewalt und Betrug sind im Krieg zwei Kardinaltugenden.“   Thomas Hobbes

Das ist wohl die moralische Dimension, in der die „letzte Supermacht“ operiert und sich eingeredet hat, es gäbe dazu keine Alternative. Alles andere wäre ein Zeichen von Schwäche und würde die „Feinde“ der eigenen Interessen nur stärken (denen man natürlich die gleichen Verhaltensweisen andichtet, die man selbst hat).

Das Monster, gegen das die „Supermacht“, „God’s own country“ immer wieder (in verschiedenen Gestalten und an verschiedenen Orten) mit Gewalt „einschreiten“ muss, ist in Wahrheit ihr eigenes Spiegelbild. Die widerliche Fratze von Mr. Hyde, der alle moralischen Hemmungen abgelegt hat und sich doch immer wieder als der ehrenwerte Dr.Jekyll der Welt präsentiert (dem es als Romanfigur  immer schwerer fällt, sein brutales Alter-Ego unter Kontrolle zu bringen)

Als literarische Figur bekommt Dr. Jekyll Probleme, weil er eine selbstgemixte Droge einnimmt, die das „Böse“ ungehemmt zur Entfaltung bringt. Auf der außenpolitischen Bühne der realen Welt liegt das Problem darin, dass die Machteliten Amerikas jede Fähigkeit zur Selbstkritik verloren haben, was auch als Folge eines stark ausgeprägten Gruppennarzissmus angesehen werden kann:

Die pathologische Form ist die Narzisstische Persönlichkeitsstörung, die gekennzeichnet ist durch ein grandioses Gefühl eigener Wichtigkeit, Fantasien über grenzenlosen Erfolg und Macht, Glaube an eigene Besonderheit, Verlangen nach übermäßiger Bewunderung, übertriebenes Anspruchdenken, ausbeuterische Beziehungen, Empathiemangel, Neid, Arroganz … Die charakteristische Haltung der vom Narzissmus Betroffenen ist eine Unbezogenheit anderen Menschen gegenüber, die als Egoismus und Arroganz in Erscheinung tritt … In näheren Kontakten können die Betroffenen durchaus sehr lebendig, charmant und bestrickend wirken. Insbesondere, wenn sie etwas erreichen wollen, können sie sehr manipulativ auftreten. Häufig präsentieren sie sich jedoch auch emotional kühl, arrogant und verletzend.“

Wem die gezielte Bombardierung ziviler Infrastruktur, das geplante Hungern, Leiden und Sterben von mehr als einer halben Million Kinder (sowie das absichtliche Schüren eines Bürgerkrieges zwischen Schiiten und Sunniten als proxy war  durch  Bombenanschläge, Ausbildung von Todesschwadronen und Terrorkommandos, die Anwendung systemischer Folter in Geheimgefängnissen – siehe dazu den vorletzten Beitrag),  noch nicht grausam genug ist, um von „Psychopathen“ in der Außenpolitik zu sprechen, der möge sich die folgenden Bilder ansehen (Warnung: nichts für schwache Nerven ..):

Das ganze Land ist durch Uranmunition und andere „neuartige“ Waffen verseucht worden, das Ergebnis sehen wir hier:

Microsoft Word - Revised_Congenital_Birth_Defects_in_Iraqi_citie

The world is a messy place and someone has to clean it up“.

Condoleeza Rice, Sept. 2002

Dahr Jamail, (Warnung: noch mehr schreckliche Bilder) ein Journalist, der den Namen noch verdient, berichtete kürzlich über die Zustände im Irak folgendes:

„Es  ist eine totale Katastrophe … eine Situation, in der man alles in allem sagen kann, Irak ist ein zerstörter Staat. …deshalb ist das vorherrschende Gefühl bei den Irakern: Es ist jetzt noch schlimmer als unter Saddam Hussein …“

DAS ELEND IN ZAHLEN

  • Ein Viertel aller irakischen Kinder (die das Glück hatten, selbst zu überleben …) hat einen oder beide Elternteile verloren. Die  Zahl der Waisen wird auf 5-6 Millionen geschätzt. Etwa 600.000 Kinder leben auf der Straße.
  • Irak hatte vor der brutalen Vergewaltigung durch die USA ein hoch entwickeltes Gesundheits-, Schul- und Universitätssystem. Heute gehen weniger als die Hälfte aller schulpflichtigen Kinder zum Unterricht. Das Land wurde durch Bomben, wirtschaftliche Gewalt und politische Intrigen vom Musterschüler in der Region zum Problemfall degradiert: vorher die niedrigste Analphabetenrate, heute die höchste …
  • Nach Angaben der UN-Flüchlingsbehörde wurden mehr als 1,3 Millionen Menschen im Inland von ihren Wohnorten durch Not und Gewalt vertrieben, die Zahl der Auslandsflüchtlinge wird von verschiedenen Stellen  zwischen 1,4 und 2,2 Millionen angegeben (viele davon werden seit Wochen in Syrien wieder Opfer der Psychopathen ..)
  • Mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung wurde getötet, verletzt (bleibende Behinderung) oder entwurzelt.
  • Die 13-jahre andauerenden „Sanktionen“ zwischen 1990 und 2003  (brutale, wirtschaftliche Kriegsführung gegen Zivilisten, die die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft am härtesten trifft) haben mehr als 1 Million Menschen den frühzeitigen Tod  durch Krankheit und Hunger gebracht
  • 50% der Iraker leben heute unter slum-ähnlichen Bedingungen …
  • 7 Millionen Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze (rund ein Viertel der Bevölkerung)
  • 10 Jahre nach der „Befreiung“ sterben pro Monat mehrere hundert Zivilisten einen gewaltsamen Tod …
  • Das traurige Fazit: durch den feigen Bombenkrieg gegen ein Land, dessen Luftabwehr und lebenswichtige Infrastruktur bereits zerstört war (als ob man eine Person im Rollstuhl attackiert) starben mehr Menschen, als Saddam in 25 Jahren angeblich umgebracht  hat …

John Pilger schrieb über die politischen Ziele der Psychopathen aus Washington, Riad und Tel Aviv schon im Jahr 2006:

„Das Ziel ist das Schüren eines Bürgerkrieges und der Zerfall des Irak …das Innenministerium wird von der CIA geführt und kontrolliert die wichtigsten Terrorkommandos (Todesschwadronen)“ .

MONSTER AN DER MACHT

Neben den neoliberalen Wahnvorstellungen eines „freien Marktes“ (sprich: freies Plündern für US-Konzerne) war natürlich auch die regionale Machtpolitik Israels ein treibender Faktor für die Gewalt gegen den Irak:

Bereits im Februar 1982 erschien im „Journal für Judaismus und Zionismus“ (hebräisch: KIVUNIM)  ein Artikel von Oded Yenon, der zeigte, wohin die irre Reise gehen wird :

Die Auflösung Syriens und des Irak in ethnisch oder religiös homogene Enklaven (wie im Libanon) ist langfristig das primäre Ziel an der Ostfront, während der Zerfall der militärischen Macht dieser Staaten das kurzfristige Primärziel darstellt. …. Dieser Zustand wird eine Garantie für Frieden und Sicherheit in der Region sein (!) und ist bereits heute für uns erreichbar …

Irak, reich an Erdölvorkommen einerseits und innerlich zerrissen andererseits, ist ein garantierter Kandidat als Zielscheibe Israels … Seine Auflösung ist noch wichtiger für uns als die Zerstörung Syriens. Kurzfristig gesehen, ist die Stärke des Irak (als regionale Macht) die größte Bedrohung für Israel. Ein Krieg zwischen Iran und Irak wird das Land schwächen und seinen Niedergang provozieren.

Jede Art von inner-arabischen Konflikten ist nützlich für uns, weil damit unser Ziel, den Irak in kleine Stücke zu zerbrechen, wie in Syrien und im Libanon, näher rückt. ... Es werden also drei (oder mehr) Mini-Staaten rund um die drei wichtigsten Städte entstehen: Basra (Shiiten), Bagdad (Sunnis) und Mosul (Kurden) …“

Wie sehr sich die geo-strategischen Interessen der Psychopathen aus Washington und Israel  hier überschneiden, sieht man auch (zwischen den Zeilen) dieses „Straussianers“ und Neocons: Auch hier wird in der (verdeckten) Förderung von Bürgerkriegen eine positive Entwicklung gesehen, weil diese Länder dadurch so geschwächt werden, dass ihre Überreste vom neuen Usraelischen Imperium quasi „aufgesammelt“ werden könnten. Das gegenseitige Abschlachten (von den USA provoziert) sei zwar eine „humanitäre Tragödie“ aber keine strategische …  Henry Kissinger nannte seinerzeit das Kind dieses Gedankens beim brutalen Namen: Let them kill each other (…and as many as possible …)

Ein letztes Beispiel soll verdeutlichen, mit welchen Leuten wir es hier zu tun haben (die Menschlichkeit haben sie schon längst über Bord geworfen), wenn es um „strategische Ziele“ geht, ist jedes Mittel recht.

Ziad_AbdelnourZiad Abdel Nour ist der Sohn des reichen Parlamentspräsidenten Khalil Abdel Nour und Präsident des United States Committee for a Free Lebanon”. (“Free” steht hier natürlich für “freies” sprich skrupelloses Wirtschaften – siehe dazu auch meinen letzten Beitrag). Dieses Komitee hat enge Beziehungen zum AEI (der neoliberalen Hochburg Amerikas), der “Präsidialkonferenz der wichtigsten Jüdischen Organisationen”, dem “Jüdischen Institut für Angelegenheiten der Nationalen Sicherheit”, der “Republikanischen Jüdischen Koalition”, der “Stiftung zur Verteidigung der Demokratien”, dem “Middle East Forum” und weiteren pro-israelischen Lobbyorganisationen.

Er gab im November 2005 ein telefonisches Interview über „regime change“ im Nahen Osten, dessen Inhalt hier wiedergegeben wurde.

Daraus nur einige Fragmente, die zeigen, wie schwer gestört (narzisstisch und anderweitig) diese „neuen Herren der Welt“ sind:

Sowohl die syrische als auch die libanesische Regierung werden geändert …ob es ihnen gefällt oder nicht … ob es ein Militärputsch ist oder etwas anderes, wir arbeiten daran ..wir wissen bereits genau, wer als Ersatz genommen wird …ich habe Zugang zu streng geheimen Informationen der CIA aus der ganzen Welt … sie rufen mich an, ich berate sie … Ich weiß genau, was los it … und so wird es sein …

(Interviewerin: Es gäbe doch keine Beweise dafür, dass Assad irgend etwas mit der Ermordung Hariris zu tun hatte ..)

A: Das ist mir scheißegal, wirklich. Dieses Regime wird verschwinden, ob das wahr ist oder nicht. Als wir in den Irak gegangen sind ..ob es Massenvernichtungswaffen gab oder nicht, entscheidend ist – wir haben gewonnen. Saddam ist weg! Was immer wir wollen, wird passieren.

Iran? Wir werden einen Vorwand finden, Iran loszuwerden …es ist mir völlig egal, welche Ausrede dafür herhalten muss ..Der Zweck heiligt die Mittel. Was richtig ist? Macht is richtig, Macht hat Recht. So ist es. Macht hat Recht.

Interviewerin: Sie klingen ja wie Saddam …

A: Saddam dachte er sei stark? .. wir sind stärker, er ist weg, erledigt! Und Iran wird auch erledigt werden und jedes einzelne arabische Regime dieser Art ebensoweil wir Kapitalisten und Globalisten mit solchen Regimen nichts anfangen können .. für sie ist kein Platz auf der Welt …es dreht sich alles um Geld. Und Macht. (Nachgedanke ..ach ja und Demokratie muss auch verbreitet werden..) Diejenigen die die Globalisierung annehmen, werden viel Geld verdienen, werden glücklich sein.

Und diejenigen, die sich weigern, das Spiel zu spielen, werden zerstört werden, ob es ihnen gefällt oder nicht! Das ist unsere Art der Herrschaft. Und das ist wie es sein wird, solange es Leute gibt, die so denken wie ich“

1 Falluja 4Dieses Baby wurde 2012 in Falludjah geboren … es hatte keine Chance auf ein normales Leben …. weil sein Land von Psychopathen vergewaltigt und die DNA seiner Eltern vergiftet wurde …

von den gleichen Planern, Strategen und Politikern, mit denen Deutschland und die EU eine „transatlantische Partnerschaft“ pflegen …

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