Ivory Coast (3): Die Wahlen 2010

FNDie reguläre Amtszeit von Präsident Gbagbo endete 2005, doch wegen der noch immer nicht durchgeführten Entwaffnung der Rebellen und anhaltender  Spannungen war die Abhaltung von Wahlen kaum möglich. Der UN-Sicherheitsrat verlängerte daher seine Präsidentschaft um ein weiteres Jahr, entsprechend einer Inititative der Afrikanischen Union. Die Prozedur wurde 2006 wiederholt, jedoch sah die UN-Resolution 1721 eine erhebliche Machtverschiebung zugunsten des Premierministers vor (damals Charles Konan Banny: wie vor ihm Ouattara, Gouverneur der BCEAO, also ein Vertreter des Finanzkapitalismus)  der u.a. die Kontrolle über die Sicherheitskräfte erhalten sollte. Gbagbo äußerte dazu öffentlich, dass er jene Elemente, die verfassungswidrig seien, nicht übernehmen werde, was ja seine Pflicht als Präsident ist. (Allem Anschein nach wurde der „Entwurf“ der Resolution von Frankreich verfasst – was für ein Zufall …)

So wird dem Premierminister die Macht erteilt „durch entsprechende Verfügungen alle notwendigen Entscheidungen in allen Angelegenheiten im Ministerrat oder im Regierungsrat zu treffen“ („must be empowered to take all necessary decisions, in all matters, within the Council of Ministers or the Council of Government, by ordinances or decree-laws“). Das klingt eigentlich nicht nach demokratischer Gewaltenteilung und wer bestimmt, was „notwendig“ ist?

Die Vorbereitung der Wahlen (vor allem Identifizierung und Registrierung der Wahlberechtigten) fällt ebenfalls in seine Verantwortung. Am 4. März 2007 wurde eine Friedensvereinbarung mit den FN unterzeichnet, in deren Folge Guillaume Soro der neue Premierminister wurde:

Das Ouagadougou Abkommen

Campwar maßgeblich unter Mitwirkung von Blaise Compaoré zustandegekommen, dem Präsidenten von Burkina Faso und (damaligem) Vorsitzenden der ECOWAS (ein korrupter Vasall Frankreichs, dessen eigene Wiederwahl 2010 mit „80% der Stimmen“ äußerst dubios war: der Mann ist seit fast 30 Jahren Präsident von Burkina Faso, darüber regt sich aber die „Staatengemeinschaft“ nicht auf, sondern genau das qualifiziert ihn wohl als „Vermittler“). Die wesentlichen Punkte darin sind:

  • die Identifizierung und Registrierung der Wahlberechtigten und die Schaffung „optimaler Bedingungen“ für die Abhaltung von Wahlen
  • die Neu-Organisation der Sicherheitskräfte unter Leitung eines „Integrierten Kommandozentrums“ (ICC)
  • Entwaffnung beider „Kriegsparteien“ unter Aufsicht der „unparteiischen (!) Kräfte“ (UNOCI und LICORNE)
  • Annex IV: Schaffung einer neuen Nationalen Armee innerhalb von vier Wochen nach Unterzeichnung (22.Dez.2008)
  • Vollständige Demobilisierung der ehemaligen FN-Kämpfer spätestens zwei Monate vor den Präsidentenwahlen

 (Wie bereits im letzten Beitrag angemerkt, sind die Bedingungen im Bezug auf die „Neuorganisation der Sicherheitskräfte“ ein ungeheurer Affront: Männer, die jahrelang subversiv und mit Gewalt gegen den Staat gekämpft haben, erhalten Ministerämter und 4000 der Rebellen sollen in die Organe der inneren und äußeren Sicherheit werden. Das ist kein „Friedensabkommen“ sondern ein Instrument für Provokation und Zerwürfnis zwischen dem loyalen Militär und dem Präsidenten)

Am 16. April 2007 wurde die Pufferzone zwischen Norden und Süden offiziell aufgelöst, (doch wenn man genau hinsieht, blieb die UN immer noch dort und bewachte ab sofort mit weniger Personal eine „Grüne Linie“). Als Bedingung für dieses Ende des UN-Mandats musste sich die Regierung dazu verpflichten, das Wahlergebnis vom UN-Sonderbeauftragten „zertifizieren“ zu lassen – ein äußerst wichtiger Schachzug, wie wir später noch sehen werden.

Der Präsident erklärte, der Bürgerkrieg sei beendet. Im Norden (Bouaké) wurden im Juni wieder staatlich beaufsichtigte Verwaltungsorgane eingesetzt. Alles schien sich langsam wieder zu normalisieren, für Juli war eine Zeremonie zur Einleitung der Demilitarisierung geplant („Friedensfackel“) in Anwesenheit der Präsidenten von Südafrika, Ghana und Burkina Faso.

Doch dann passierte ein seltsames Ereignis: (nach meiner Ansicht um den Friedensprozess zu torpedieren, vor allem die Cooperation zwischen Gbagbo und Soro, die vorher „Feinde“ gewesen waren;)

ANSCHLAG  AUF  DEN  PREMIERMINISTER

soro plane attackedAm 29. Juni 2007 wurde das Flugzeug des Premierministers Guillaume Soro während der Landung in Bouaké von „einer Rakete getroffen“, seltsamerweise in seiner „Hochburg“ – also einer Region, wo er die meisten Anhänger hatte. Der Minister blieb unverletzt, es gab aber vier Tote (Auf die seltsamen Umstände werde ich in einem eigenen Beitrag noch näher eingehen).

Nach vier Jahren, vielen Hürden und mehreren Verschiebungen war es dann endlich soweit, die Präsidentenwahlen wurden abgehalten.

DIE WAHLEN 2010

Diese Wahlen im Oktober / November 2010 fanden aber in einem ganz speziellen, politischen Umfeld statt, das alles andere als normal war. Die im Friedensabkommen geforderte, vollständige Entwaffnung der Rebellen im Norden hatte jedenfalls auch 2010 noch nicht stattgefunden. Die „Registrierung“ der Wähler dürfte auch nicht einfach gewesen sein, in einem Land, in dem hunderttausende keine Geburtsurkunde haben und Millionen „Zugewanderte“ (vor allem aus Burkina Faso) leben und arbeiten.

Die Wahlkommission CEI war für die Organisation der Wahlen verantwortlich und  ist nach der Verfassung verpflichtet, innerhalb von drei Tagen nach Schließen der Wahllokale das Ergebnis zu veröffentlichen, doch das letzte Wort hat der Oberste Gerichtshof (Constitutional Council – (CC) oder Verfassungsrat), der das Wahlergebnis bestätigen muss.

Im Süden lag das Wahlergebnis klar auf der Hand: Gbagbo hatte eine Mehrheit errungen. Doch im Norden gab es kriminelle Vorgänge, die mehr an die Mafia erinnern, als an demokratische Wahlen:  Nötigung, Entführung, physische Gewalt, künstliche Stimmenvermehrung für Ouattara, „Verschwinden“ von Gbagbo Wählern, usw. (In der ersten Runde hatte Gbagbo 38% der Stimmen erhalten, Ouattara 32%, ein dritter Kandidat 25%, der damit ausschied)

Die 3-tägige Frist wurde vom CEI nicht eingehalten, weil sich die Kommission über das Ergebnis nicht einigen konnte, also wurden die Wahlunterlagen dem Obersten Gerichtshof (CC) übergeben. Dieser erklärte nach Prüfung der Dokumente, unter Hinweis auf die besorgniserregenden Vorfälle im Norden“, am 28. November 2010 Gbagbo zum Sieger. Offizielles Wahlergebnis war demnach:

wiki election results CC & IEC

Trotzdem verlautbarte ein Mitglied des CEI, Youssouf Bakayoko – von einem Hotelzimmer aus und nur  im Beisein ausländischer Journalisten – eine Stimmenmehrheit von Ouattara (die anderen Kommissionsmitglieder waren nicht anwesend), die dann sofort vom UN-Sonderbeobachter Youn-Jin Choi „zertifiziert“ wurde.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes wurde einfach ignoriert, doch Präsident Gbagbo wollte nicht kampflos das Feld räumen. Er verlangte eine Neuauszählung der Stimmen von einem unabhängigen, internationalen Gremium.

Doch weder die UN, noch Ouattara oder die „westliche Staatengemeinschaft“ haben diese Forderung akzeptiert, stattdessen wurde eine Medienkampagne inszeniert, bei der Gbagbo einfach als schlechter Verlierer präsentiert wurde, der seine Macht nicht abgeben wollte und deshalb mit Gewalt entfernt werden musste (selbstverständlich im Dienste der „Demokratie“, was sonst?)

Weil hier der „falsche“ Kandidat gewonnen hatte, kam es sofort zu heftigen Protesten westlicher Regierungen und die Heuchlerbande bestand darauf, dass Ouattara der Wahlsieger sei. Die Papageienjournaille übernahm diese Perspektive und so taucht bis heute in fast allen Medien der Satz auf, „Gbagbao weigerte sich, das Wahlergebnis anzuerkennen“ – obwohl es genau umgekehrt war: Frankreich und seine Komplizen wollten Ouattara an die Macht bringen, dabei war jedes Mittel recht und die Fließbandmedien fungierten dabei als Echo und Verstärker.

ban1moussaDie Rolle der UN bei dieser ominösen Geschichte ist äußert fragwürdig, denn entgegen den Friedensvereinbarungen wurde der Norden nicht entmilitarisiert  und die „Wahlbeobachtung“ dürfte sehr einseitig gewesen sein.

Dass die UN  immer mehr zum Instrument des Imperialismus verkommt, ist ja (spätestens seit dem Irak-Krieg) auch kein Geheimnis mehr. Die Wahlbeobachter der EU wurden im Süden installiert, sodass man mit gutem Gewissen verkünden konnte, es habe sich um „faire“ Wahlen gehandelt.

ivory-coast-un-choiYoun-Jin Choi, der „SRSG“ für Ban-Ki-Moon war die Schlüsselfigur in einem Wahlbetrug, der Ouattara in den Augen der Weltöffentlichkeit  als „demokratisch gewählten“ Präsidenten installieren sollte. Die Zahlen haben andere gefälscht, aber er war das moralische Feigenblatt für die Verbrechen im Hintergrund.

Gibt es glaubhafte Beobachter außerhalb des Landes, die darauf bestehen, dass Gbagbo und nicht Ouattara die Wahlen gewonnen hat?

1 Mohamed AREF (AU)

1 M Aref election observer AUEin Wahlbeobachter der Afrikanischen Union, der  Jurist Mohamed Aref  konnte  enorme Wahlmanipulationenbezeugen. Für ihn sind die Zahlen, die Choi „zertifiziert“ hat, schlicht und einfach „complètement“ gefälscht:

Die ganze, schäbige Inszenierung sei eine Methode, die Re-Kolonialisierung der Elfenbeinküste zu vertuschen, um die Agenten des Imperialismus an die Macht zu bringen und damit die Ressourcen des Landes von den TNCs geplündert werden können. Frankreich und les droits de l’homme? Kann man in Afrika vergessen …

2  James IMHOFE

1 Senator ImhofeDer US-Senator James Imhofe, Mitglied im außenpolitischen Senatsausschuss und Afrika-Experte (er kennt auch das Ehepaar Gbagbo persönlich), hat versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, doch man hat ihn weitgehend ignoriert und stattdessen mit Schmutz beworfen (auch weil er zu den „Evangelikalen“ gehört).

Er schrieb einen Brief an Hilary Clinton und führte dabei u.a. an: Es gäbe Beweise für massiven Wahlbetrug im Norden, so habe  Gbagbo in einer Region im ersten Wahlgang mehrere tausend Stimmen erhalten, aber im zweiten gar keine mehr, während die Stimmen für Quattara auf wundersame Weise vermehrt wurden: aus 149.000 gezählten Stimmen wurden im „Endergebnis“ plötzlich fast  245.000 Stimmen, usw.

Auch der Vorwurf, Gbagbo hätte sich gegen eine friedliche Lösung des Konflikts gewehrt, sei falsch: Der Außenminister von Cap Verde, Jose Brito wurde als Vertreter der afrikanischen Union entsandt, um als Mediator zu fungieren,  Gbagbo akzeptierte, Ouattara weigerte sich.

Senator Imhofe sagte in einem Interview:

„Ich weiß, dass die Franzosen schon immer einen großen Einfluss auf die Regierung der Elfenbeinküste hatten, […] bis Präsident Gbagbo an die Macht kam, und natürlich haben sie seither ständig gegen ihn gekämpft und Ouattara ändert daran gar nichts; auch er ist von den Franzosen ausgesucht worden, und ganz offen gesagt: sie haben die Wahlen manipuliert.“ [wofür es schriftliche Beweise gibt]

Die Franzosen [französische Truppen] sind ins Land gekommen und ich weiß nicht, wie viele tausend Menschen dann umgebracht wurden, weil es keine offiziellen Angaben über die Opfer gibt. Sie haben alleine in Doekoué mehr als tausend Menschen umgebracht- das ist eine Stadt im Westen – und die waren Anhänger von Gbagbo. Sie streiten es ab, aber Gbagbo hatte keine Truppen dort, also kann es nur die andere Seite gewesen sein. Das ist eine Terrorherrschaft, die Ouattara zu verantworten hat und die Franzosen unterstützen das Ganze.“

Wahlmathematik der besonderen Art: (nur ein Beispiel)

PV-election results-Bandama

  • Statt der registrierten 374,196 ergeben sich aber nur  373,834 (wenn man die Zeilen in Spalte 1 addiert)
  • Reguläre Stimmen lt. CEI 292,702  tatsächlich sind es aber nur  178,555, ein Unterschied von 114,147
  • Gültige Stimmen (Zeile 2): nicht registrierte + reguläre – ungültige) in Bouaké: 48.301 + 2.761 -2.662 = 48.400 Doch auf dem “Dokument” werden 159.588 als gültige Stimmen angegeben, das sind  108.617 Stimmen zuviel.
  • ·Gbagbo: 22.845 Stimmen, Ouattara: 42.070 Stimmen = 64.915 Stimmen – woher kommen dann die 159.588 der CEI und wieso ist die Zahl höher als die gültigen Stimmen (48.400)?
  • Bandama: wenn man die Wahlergebnisse der fünf Wahlbezirke addiert, kommt man auf 149.598 Stimmen. Doch das Dokument zeigt 244.471 Stimmen für Ouattara: 94.873 Stimmen zu viel

3 Thabo MBEKI (der selbst seit 2005 als Mediator in den Friedensprozess eingebunden war)

Ein weiterer Zeuge zur Entlastung Gbagbos  und Kenner der Situation in Afrika bzw. der Elfenbeinküste ist der südafrikanische Präsident Mbeki, der über die „umstrittenen Wahlen 2010“ sowie die Hintergründe der ganzen Inszenierung  folgendes zu sagen hat:

1 What the world got wrong Mbeki

„Vereinbarungen über die notwendigen Voraussetzungen für freie und faire Wahlen wurden mutwillig ignoriert. Der ICC ist die einzige Institution, die nach der Verfassung dazu berechtigt ist, den Wahlsieger festzulegen und den Präsident in sein Amt einzusetzen. Die Wahlkommission (IEC) hat hingegen [nur] das Mandat das vorläufige Ergebnis an den ICC weiterzuleiten.

Doch dieselben Leute, die auf die Unantastbarkeit der Rechtsordnung als Grundlage für demokratische Verhältnisse pochen, haben das vorläufige Wahlergebnis, das vom Vorsitzenden des IEC auf eigene Faust bekanntgegeben wurde, rechtswidrig als das authentische Endergebnis der Präsidentenwahlen anerkannt.

Entsprechend den Gesetzen hat Gbagbo die Fairness der Wahlen in einigen Teilen des Landes angefochten, besonders im Norden. Der ICC akzeptierte die Mehrzahl der eingebrachten Beanstandungen, stellte selbst weitere „Unregelmäßigkeiten“ fest und annullierte daher die Stimmen in einigen Distrikten, woraus sich ein Sieg Gbagbos ergab. Der Vorsitzende der IEC hat diese Verstöße aber nicht berücksichtigt und bestand darauf, dass Ouattara gewonnen hatte.

Der UN Sondergesandte Young-jin Choi, legte ebenso Ouattara als Wahlsieger fest, jedoch auf der Basis einer geringerer Stimmenanzahl, als jene die der IEC verlautbart hatte, weil er einige der Beschwerden von Gbagbo als legitim ansah. Es gab also drei verschiedene „Wahlergebnisse“: eines von der IEC, eines von der UN und das von der ICC (entspricht dem Obersten Gerichtshof).

Gbago schlug vor, zur Lösung der Kontroverse eine internationale Kommission zu etablieren, die die Wahlergebnisse überprüfen sollte mit der Vorbedingung, dass beide Politiker dieses Ergebnis akzeptieren müssen. Dieser Vorschlag wurde von der „internationalen Gemeinschaft“ abgelehnt – obwohl er den Streit ohne Gewalteskalation  hätte beendet werden können und trotz der Tatsache, dass einige Wahlbeobachter ebenfalls die Fairness der Wahlen in Frage gestellt hatten, besonders im Norden des Landes [also wo die bewaffneten Rebellen herkommen].

So haben folgende Wahlbeobachter, die im Norden stationiert waren, die Alarmglocken geläutet:  für die

  • Afrikanische Union (AU): Joseph Kokou Kofigoh, ehemaliger Premierminister von Togo
  • Societé Chile Africaine pour la Democratie et l’assistance Electoral: geleitet von Seynabou Indiequene aus Senegal
  • Coordination of African Election Experts (CAEE): geleitet von Jean-Marie Ongjibangte aus Cameroon

So meldete z.B. die CAEE: „ Nachdem Austausch von Informationen mit anderen nationalen und internationalen Wahlbeobachtern, stellen wir hiermit fest, dass in der zweiten Runde der Präsidentenwahlen in Cote d’Ivoire große Probleme in mehreren Regionen des Nordens auftraten … dazu gehörten:

Das Stehlen von Wahlurnen, Festnahme von Repräsentanten der Kandidaten, mehrfache Stimmenabgabe, die Weigerung, internationale Wahlbeobachter bei der Stimmenauszählung zuzulassen  und die Ermordnung von Vertrauenspersonen der Kandidaten. Demgemäß erklären wir hiermit, dass die zweite Runde der Wahlen in diesen nördlichen Bezirken weder frei, fair noch transparent waren.“

Bis zum heutigen Tag hat die ECOWAS Wahlbeobachter Mission keinen Bericht über den zweiten Wahlgang abgeben, warum nicht?

(Seite 55:) Die unabhängige, internationale Kommission, die Laurent Gbagbo gefordert hat, hätte ein für alle Mal klären können, was wirklich passiert ist. Vielleicht wird die Zukunft zeigen, warum das nicht geschah!

Darüberhinaus hat der UN Sonderbeauftragte eigenmächtig sein Mandat erweitert, in dem er selbst erklärte, wer die Präsidentenwahlen gewonnen hatte, im Widerspruch zu seinen (durch den UN Sicherheitsrat) klar definierten Aufgaben.

Damit hat sich die UN als parteiisch positioniert und  nicht als neutraler Friedensstifter, wie die UNOCI offiziell gesehen wird. Seit diesem Zeitpunkt hatte UNOCI keine andere Wahl mehr, als sich aktiv für die Amtsübernahme durch Ouattara und damit für die Entfernung Gbagbos einzusetzen. Dies wurde schließlich durch den unverhohlene Einsatz ihrer militärischen Kapazität  zum Ausdruck gebracht, der den Weg für den Sieg der FN gegenüber den Gbagbo Truppen geöffnet hat – und das unter dem schamlosen Vorwand, Zivilisten zu beschützen.

massacre-duekoue_femmes_enfantsObwohl das Mandat der „Friedenssicherung“  die UNOCI dazu verpflichtete, die Kriegsparteien von einander fernzuhalten, tat sie nichts um den Vorstoß der FN nach Süden zu verhindern, das Vorrücken nach Abidjan miteingeschlossen. Noch haben UNOCI oder die Franzosen (Operation Licorne), gehandelt, um die Zivilisten in der Region von Duekoué zu beschützen, wo offensichtlich das größte Massaker [durch Ouattara Milizen] stattgefunden hat. Das erinnert an das enorme Versagen der UN, Massenmord und Folter an Zivilisten im Kongo zu beenden.

Zusammenfassung der unbestreitbaren Schlussfolgerungen:

  • Die vereinbarten Voraussetzungen für das Abhalten demokratischer Wahlen waren nicht gegeben
  • Obwohl es massive Anschuldigungen für Wahlbetrug gab, hat sich die „Staatengemeinschaft“ geweigert, den ganzen Prozess zu untersuchen
  • Die UN hat ihre Neutralität verraten und sich als parteiischer Kriegsteilnehmer geoutet
  • Frankreich hat seine priviligierte Stellung im Sicherheitsrat (Vetorecht) dazu mißbraucht, die Zukunft der ehemaligen Kolonie nach eigenem Gutdünken zu gestalten, wobei die erheblichen ökonomischen Interessen eine maßgebliche Rolle spielen

„Ohne Africa hat Frankreich keine Zukunft im 21. Jahrhundert“

(Francois Mitterand)

Bedeutet „Demokratie“ auch ein Recht, gehört zu werden?

Douoguih legal adv prez

Der Rechtsberater von Präsident Gbagbo durfte im März 2011 (nur) auf Al Jazeera zu Wort kommen, wo er folgendes bekräftigte:

  • Der wahre Grund für die mediale Hetzkampagne gegen Gbagbo ist „seine Vision für eine echte Emanzipation der IC“ und die Befürchtung, dass andere ehemalige Kolonien seinem Beispiel folgen könnten [vor allem jene die über wertvolle Bodenschätze verfügen, auf den westliche Konzerne und Regierungen ein besitzergreifendes Auge geworfen haben]
  • Die UN-Truppen sind nicht bloß „Beobachter“, sie kämpfen zugunsten der Rebellen.
  • Warum ist der Entscheid des CC (entspricht dem Obersten Gerichtshof) für den Westen nicht akzeptabel? Er entspricht der ivorianischen Verfassung und sollte von ausländischen Politikern akzeptiert werden [bei G Bush war das kein Problem]
  • Bilder von „sieben toten Frauen“ wurden in den Medien verbreitet, die zeigen sollen, wie brutal die Regierung Gbagbo gegen Demonstranten vorgeht (same procedure as in Syria, etc.) um das militärische Eingreifen von außen zu legitimieren; das Problem: die Frauen sind nicht tot, es handelte sich um eine PR-Inszenierung* für die Medien
  • Als ebenso falsch haben sich Vorwürfe herausgestellt, wonach Weißrussland das UN Waffenembargo gebrochen habe, indem Kampfhubschrauber an Gbagbo geliefert wurden [woher haben die Rebellen denn die Waffen?]

1 Le Monde erreur ONU Belarus

  • diese falschen Anschuldigungen wurden von Ban Ki-Moon persönlich vorgetragen, mussten aber nach heftigen Protesten der weißrussischen Regierung zurückgenommen werden. (Alain Roy, der Leiter der französischen „Friedensmission“ räumte einen „Irrtum“ ein – siehe Le Monde Artikel oben) „doch der Schaden war bereits angerichtet“ – man hatte einen Vorwand, noch mehr fremde Truppen ins Land zu schicken.
  • Diese Soldaten sind keine „Friedenssicherer“, sie wollen, dass Ouattara Präsident ist .. weil das der Wille Frankreichs ist ..und auch der USA …
  • „Schauen Sie doch die Macht dieser Leute an: Die USA und Frankreich, sie haben alle großen Zeitungen Europas im Griff .. sie alle stellen sich auf die Seite von Ouattara [indem sie die Behauptungen über Gbagbo einfach als wahr hinnehmen und ihn so weiter dämonisieren]
  • Totale Emanzipation, die Freiheit, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, Frankreich akzeptiert das einfach nicht …Ouattara kam mit einem Stipendium nach Ivory Coast …ihm sind die Leute hier egal … und die Leute (aus dem Ausland), die hinter ihm stehen, können dafür machen, was sie wollen in unserem Land“

Zu den „sieben toten Frauen“, die  oben als „PR-Inszenierung“ erwähnt werden und angeblich auf Präsident Gbagbos Konto gehen, finden wir auch folgenden Kommentar zu einer Sendung im französischen Fernsehen:

Forum Video seven women killed

“Die sieben Frauen, die während einer Pro-Ouattara Demonstration von den Gbagbo Milizen getötet wurden“, war eine geschmacklose Inszenierung, verraten durch das schlechte Spiel der Schauspielerin „in gelb“ (Sie können sie im Video nicht übersehen, sie ist eine von den „Toten“, und  durch die Anweisungen an die Schauspielerin in Malinkè (eine lokale Sprache im Norden, ), sich wieder hinzulegen“.

1 the living dead woman

„Warum die Medien bei uns, Itélé an der Spitze, in diesem Konflikt vollkommen ihre Objektivität verlieren und quasi auch noch eine Rebellion auf Kosten einer Verfassung unterstützen“ .. (fragt sich der Zuschauer nicht ohne Grund)

doch die Antwort dürfte klar sein: sie sind weder „unabhängig“, noch „objektiv“ sondern nur Instrumente der Verdummung … die uns jeden Tag in „Nachrichten-Sendungen“ und „Zeitungsberichten“  eine Version der Welt  präsentieren, die mit der Realität sehr wenig zu tun hat. Damit sie die dumme „Herde“ in die gewünschte Richtung treiben können …

Das letzte Wort in dieser Sache für heute: Tribut an den Hegemon …

„Les Français sont tombés dan un piége à double détente. Les Ivoiriens aussi. Dans les deux camps, les Américains se sont servis d’eux comme de marionnettes. Pour semer la désordre et récupérer la mise.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s