Mali: Les Fleurs du Mal (1)

statoflibertyChurnalism is alive and well. Der Papageien- und Fließbandjournalismus erfreut sich auch 2013 bester Gesundheit und nicht nur das, die  Informationssendungen der „öffentlich-rechtlichen“ TV Sender ARD und ZDF werden jetzt auch noch mit Self-Promotion Spots beweihräuchert. Smart aussehende, wie Models gefilmte Moderatoren (Kleber, Illner, Buhrow & Co.) erklären dem staunenden Zuschauer, wie toll ihre eigenen Programme doch seien, wie „gründlich die Fakten gecheckt“ würden, usw. Keep dreaming.

Herr Kleber hat schon wieder einen Preis für seine „Moderation“ gewonnen, doch man könnte auch denken, eine Auszeichnung des Springer Verlages sei für einen wirklich seriösen und unabhängigen Journalisten eher ein Problem als ein Grund zum Feiern. Klebers „Leistung“ besteht darin, auf elegante Weise dafür zu sorgen, dass die Zuschauer ignorant bleiben – Sie wissen ja „mit dem Zweiten sieht man besser“ –  … aber nur, was man sehen soll.

Frau Schavan hat also zur Erlangung der Doktorwürde „abgeschrieben“, wie man in Schülerkreisen zu sagen pflegte. Das ist doppelt peinlich für die Bildungsministerin einer Partei, die fehlende „Leistungsbereitschaft“ und „Bildungsdefizite“  bei Arbeitslosen ortet. Doch es gibt ja eine Branche, wo „abschreiben“ (gegen Entgelt und mit kleinen Modifikationen veröffentlicht) durchaus nicht verpönt ist: der moderne Fließbandjournalismus.

Ich möchte am Beispiel der „Berichte“ über die Vorgänge in Mali zeigen, welch gewaltigen Beitrag dieses System zur Verdummung der Öffentlichkeit leistet. Zum Einstieg kann man eine ganz einfache Übung im Internet machen: man googelt eine aktuelle Schlagzeile „Frankreich will Truppen abziehen“ oder einfach nur „Mali“, dann findet man folgende Ergebnisse (nur eine kleine Auswahl):

2 papageien presse

Sie schreiben alle im Wesentlichen das gleiche, weil sie nur die „news feeds“ der dominanten Presseagenturen verarbeiten (APA, Reuters, dpa, AFP, etc.). Während die Printmedien eventuell noch finanzielle Beweggründe für dieses Fließbandsystem vorbringen können, tut sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk schon schwerer, weil dieser ja von uns Gebühren einhebt. (Bei kolportierten 450.000 Euro Jahresgage alleine für Klaus Kleber, hat die Gebührenfinanzierung wohl kaum eine Chance …) Trotzdem liefern ARD, ZDF und ORF ebenfalls eine homogenisierte Version der Ereignisse, wie ein kleiner Test zeigt: ZDF- heute

1 Mali speak ZDF heute

„Ich denke, wenn alles wie geplant klappt, sollte die Zahl der französischen Truppen von März an sinken“, sagte Außenminister Laurent Fabius der Zeitung „Metro“. Derzeit sind etwa 4.000 französische Soldaten in Mali im Einsatz. Frankreich beabsichtige nicht, dauerhaft in Mali zu bleiben. „Die Afrikaner und Malier selbst sollen die Garanten für die Sicherheit, territoriale Integrität und Souveränität des Landes sein“, sagte Fabius. Deshalb werde man die Verantwortung schrittweise an die westafrikanische Militärmission Misma übergeben.

ARD – Tagesschau:

1 Mali RZ ARD Tagesschau

„Ob die Luftangriffe auf die Rebellen fortgesetzt würden, sagte der Minister nicht. „Die Afrikaner und Malier selbst sollen die Garanten für die Sicherheit, territoriale Integrität und Souveränität des Landes sein“, sagte Fabius. Schritt für Schritt sollten sie die Verantwortung übernehmen und für die Sicherheit und die Stabilität im Land sorgen.

Frankreich war seiner früheren Kolonie Mali am 11. Januar im Kampf gegen die Islamisten zu Hilfe geeilt, nachdem diese immer weiter auf den von Regierungstruppen gehaltenen Süden vorgerückt waren. Gemeinsam mit malischen Truppen drängten die französischen Soldaten die Extremisten in das Grenzgebiet zu Algerien zurück. Derzeit sind 4000 französische Soldaten in Mali im Einsatz.“

Der Originaltext stammt von der dpa (Deutsche Presseagentur) und wird von den Redaktionen an manchen Stellen nur ein wenig anders formuliert bzw. mit einigen Banalitäten ergänzt. Kein größerer Kontext, keine abweichende Perspektive – was die französische Regierung sagt, wird einfach so stehengelassen, der Wahrheitsgehalt wird nicht überprüft. Stattdessen andere Sprechblasen von Politikern, die die Darstellung der französischen Regierung untermauern sollen. Die tausendfache Wiederholung dieser Textstellen in allen Mainstream Medien hat natürlich einen gewissen brainwashing Effekt, der durchaus gewünscht ist.

Wie groß der Beitrag zur Volksverblödung ist, zeigt auch ein Video, dass den französischen Präsidenten Hollande beim Empfang in Timbuktu zeigt, wo er wie ein Held gefeiert wird. In tiefer Dankbarkeit für die „Befreiung“ von den bösen Islamisten, die dank der Entsendung von tausenden französischen Soldaten samt High-Tech Ausrüstung gelungen war.

Das entsprechende Video stammt natürlich auch von einer Presseagentur (Reuters) und wird ebenfalls mit tausendfachem Echo in den Medien verbreitet. Die einzig authentische Stimme aus Mali darin scheint jene des jungen Kamels (anhaltendes Schreien)  zu sein, das man Hollande als Geschenk überreicht hat.

Les Maliens sind also dankbar für die uneigennützige „Hilfe“ Frankreichs im Kampf gegen den islamistischen Terror. Wahr ist, dass die Menschen natürlich froh sind, wenn eine Bande von Verbrechern ihnen nicht länger das Leben zur Hölle macht. Doch die große Frage

Wer sind diese Leute, wer finanziert und organisiert sie, wer liefert ihnen die Waffen? Und warum sprießen diese „fanatischen Islamisten“ (nicht nur) in Afrika wie Pilze aus dem Boden?

wird von den Fließbandjournalisten erst gar nicht gestellt. Stattdessen fungieren sie nur als Werkzeug für „story-telling“ und „strategic information“, vor allem um die Schwarz-Weiß Malerei in den Köpfen der Zuschauer zu verstärken: dort die bösen Terroristen, hier die guten Befreier von Geiseln und terrorisierten Menschen in Mali (Die „dramatische“ Rettung von Jessica Lynch (komplette Erfindung) im Irak –  schon vergessen?)

Die Rolle Frankreichs als barmherziger Samariter, der den ehemaligen Kolonien zu Hilfe kommt, ist lachhaft, was die Medien aber nicht davon abhält, diese Beiträge kritiklos zu übernehmen. Die Realität ist wesentlich komplizierter. Wo soll man anfangen?

1 FRANKREICHS SCHÄBIGE ROLLE IN LIBYEN

Versuchen wir es zunächst im Jahr 2011, als die Zerstörung des libyschen Staates unter Gaddafi in vollem Gang war. Im März dieses Jahres fanden deshalb Protestmärsche in der Hauptstadt Malis, Bamako statt. Dazu findet man bei YouTube zwei Amateurvideos, eines aufgenommen im März 2011 und ein weiteres, das am 16.Oktober 2011 hochgeladen wurde.

Beide Videos zeigen (trotz schlechter Bildqualität) ganz deutlich, wo die Sympathien der Menschen in Mali (jedenfalls des südlichen Teils, wo die meisten Menschen leben) liegen: „Gaddafi is loved“ ist der Titel, mit dem das erste Video ins Internet gestellt wurde und es zeigt, wie die Menschen „Nieder mit Sarkozy und ein Hoch auf Gaddafi“ rufend durch die Straßen ziehen.

Dieser Screenshot zeigt ein Schild mit folgendem Text: „Mouhamar Kadhafi, les Maliens te soutient jusqu‘à la mort …“  was bedeutet: Gaddafi, die Bevölkerung Malis steht zu Dir bis zum Tod

1a Bamako pro-Gaddafi demo

Ein anderes Bild zeigt die Demonstranten mit folgendem Spruchband: „Sarkozy et ses complices veulent piller notre continent“ also Sarkozy und seine Komplizen wollen unseren Kontinent plündern.

1 Bamako pro Gaddafi demo PILLERDie Menschen haben also durchaus begriffen, wie verlogen die Beteuerungen der französischen Regierung sind und die Rolle Frankreichs als Kolonialmacht in Nord-Westafrika hat man auch nicht vergessen. Und jetzt auf einmal wird der  französische Präsident als „Papa Hollande“ bezeichnet? Wer soll das glauben?

Dass Gaddafi auch deshalb weggeräumt wurde, weil er eine pan-afrikanische Vision hatte, die die Abhängigkeit des Kontinents von westlichem Kapital (und dessen Bevormundung) beenden sollte, habe ich ja bereits in den Beiträgen über Libyen skizziert. Dieser Hintergrund erklärt, warum seine Ermordung durch die NATO eine „Neuordnung“ in Afrika nach sich zog. Gaddafi hatte auch erhebliche Investitionen in Malis getätigt (und zwar ohne die Erpressermethoden bzw. die „Schuldenfalle“, für die der IMF und andere westliche Kapitalgeber bekannt sind), was den wirtschaftlichen Aufschwung gefördert hat und erklärt, warum die Menschen in Bamako gegen die Bombardierung Libyens protestierten.

Bei aller gerechtfertigten Kritik an Gaddafi war er doch der einzige Staatschef, der sich wirklich für ein unabhängiges und selbstbestimmendes Afrika engagiert hat und genau deshalb  musste er sterben. Genau deshalb wurden ein „Bürgerkrieg“ inszeniert, Terrorgruppen eingeschleust, ein grausames Massaker an der Zivilbevölkerung und den treuen Anhängern Gaddafis begangen.

1 Merkel & Abdullah„Der Westen“ griff nicht ein, um das Morden zu beenden, der Westen hat es von Anfang an organisiert um die Notwendigkeit einer „militärische Intervention“ zu legitimieren.

Bevor wir uns näher mit den „terror threat“ befassen,  der im Fokus der Medien steht, muss natürlich der  wirtschaftspolitische und geostrategische Kontext beleuchtet werden, um die Aktionen bzw. Aussagen Frankreichs überhaupt beurteilen zu können.

In Afrika wurden in den letzten Jahren laufend neue Energiequellen entdeckt (Öl und Gasvorkommen) und in den strategischen Plänen der USA für die „energy security („ensure the free flow of global energy resources“) ist zu lesen, dass Afrika schon 2015 „25% des Erdölbedarfes der USA decken könnte“. Mali verfügt darüber hinaus über unerschlossene Vorkommen von Uran, Silber, Gold und Kupfer, was transnationale Konzerne durchaus nicht übersehen haben:

1 Rockgate Ag and U mining

Das Nachbarland Niger verfügt ebenfalls über erhebliche Uranvorkommen (im Grenzgebiet zu Mali), was für den Atomstaat Frankreich eine große Rolle spielt, denn mehr als 30% des Urans werden aus Niger bezogen. Europa und die USA beanspruchen also gewissermaßen ein Vorkaufs- und Kontrollrecht für strategisch wichtige Rohstoffe, doch in den letzten Jahren trat China immer mehr in Erscheinung und bot den afrikanischen Staaten eine echte Alternative zu dem „Hegemon“ USA und seinem lapdog EU.

Während unsere offenbar autistische Presse Vizepräsident Biden (auf die Frage der Rivalität zu China) „grinsend“ mit den Worten zitiert: „Ich bin Amerikaner, ich freue mich über Wettbewerb.“  ziehen die USA natürlich alle (kriminellen) Register, um die guten Wirtschaftsbeziehungen Chinas zu den afrikanischen Staaten zu torpedieren und sich den Zugriff auf wichtige Ressourcen zu sichern. „Full Spectrum Dominance“, das ist die Essenz der US-Politik und Hollande ist offenbar dumm genug, zu glauben er könne längerfristig in diesem Spiel mit dem Hegemon auch etwas gewinnen (De Gaulle dreht sich im Grabe um …).

Da trifft es sich gut, dass man jetzt einen Vorwand  hat, die AREVA Förderanlagen für Uran mit französischen Soldaten zu „schützen“. Dann und wann eine medial wunderbar in Szene gesetzte „Entführung“ von Mitarbeitern westlicher Firmen, das ganze verkauft mit dem „Al Kaida“ Terror-Logo, bzw. deren Filiale im Maghreb „AQIM“ und schon reagieren die Medien wie die Pawlow’schen  Hunde beim Läuten der Glocke: die Speicheldrüsen arbeiten automatisch, auch wenn es gar kein echtes Futter gibt. Bloß die Erwähnung von „Al Kaida“ und ihren afrikanischen Ablegern schaltet das kritische Denken aus und bald wird jede Gewalttat in diesem primitiven Deutungsrahmen gesehen – aha, die bösen Islamisten haben wieder zugeschlagen.

Dann folgt eine Reihe von Pressemeldungen, wonach die „Staatengemeinschaft“ ihren „Beitrag zum Kampf gegen den islamistischen Terror“ leisten müsse. Wer zögert, ist eine Mischung aus Feigling und Verräter, der sich nicht länger auf die USA „als Weltpolizist“ berufen darf. Europa muss militarisiert werden, die EU braucht rasche „Eingreiftruppen“, da geht kein Weg daran vorbei, usw. Horst Köhler musste gehen, weil offen darüber redete, dass man auch Kriege führen müsse, wenn dies zur Sicherung der Rohstoffversorgung „nötig“ sei. Westerwelle hat im Falle Libyens noch Rückgrat gezeigt („Deutschland wird sich an diesem Krieg nicht beteiligen“), doch das hat man ihm inzwischen ja ausgetrieben.

Die UN fungiert nur mehr als moralisches Feigenblatt für  das „notwendige Eingreifen“ des Westens … gegen die Terroristen, die er selbst  gezüchtet hat, um einen casus belli zu konstruieren …

Serval 12  VIVE LA FRANCE?

Das französische Eingreifen in Mali („Operation Serval“ -Namensgeber war die afrikanische Buschkatze) war äußerst effektiv und extrem gut vorbereitet. Ungeachtet dessen, dass der amtierende Präsident eigentlich keiner ist (er kam durch einen Militärputsch an die Macht – wir kommen noch darauf zurück) hat Frankreich natürlich nicht gezögert, der ehemaligen Kolonie unter die Arme zu greifen. Das Mittel der Wahl in solchen Fällen sind natürlich Luftangriffe und „Spezialkräfte“ am Boden.

Im Dezember 2012 berichtete Al Jazeera noch, die Rebellen hätten geschworen, auf weitere Gewalt zu verzichten. Doch als am 10. Jänner  2013 die Stadt Konna von Ansar Dine  „mit Geländefahrzeugen“  überfallen wurde, war die Geduld der „westlichen Staatengemeinschaft“ am Ende und Frankreich durfte die Rolle des glorreichen Retters übernehmen.

  • Seltsam dabei war, dass die angeblich zu den Touareg (Wüstenomaden) zählenden „Terroristen“ sich dazu aus ihrem angestammten Territorium entfernten (im Nord-Westen Malis und über die Grenze zu Niger) um relativ weit nach Süden vorzustoßen. Die Touareg wollen ja nicht Mali erobern, sondern nur Autonomie in ihren Stammesgebieten (die durch willkürliche Grenzziehungen zerschnitten wurden und unter die Kontrolle von vier Staaten gerieten:, Mali, Algerien Niger und Libyen.
  • Seltsam ist auch, wie es möglich war, dass ein überschaubares Überfallkommando (einige Dutzend Kämpfer mit Geländewagen) eine Gebiet von hunderten Quadratkilometern durchqueren konnte, das unter ständiger Beobachtung der algerischen Armee steht, um im Erdgasfeld Amenas am 16. Jänner Geiseln zu nehmen. Seit „9/11“ wird ein enormes Geschäft mit „Security“-Firmen gemacht, die von ausländischen Unternehmen in islamischen Ländern zum Schutz ihrer Mitarbeiter  und Anlagen angeheuert werden. Wer war für die Security in Amenas zuständig?
  • Noch seltsamer wird es, wenn man liest, dass Augenzeugen berichten, ein Mitglied der „islamischen Terroristen“ habe mit nordamerikanischem Akzent „Open the door“ gerufen und offensichtlich hätte die Bande sich sehr gut auf dem riesigen Gelände orientiert. Das Überfallkommando hat Gerüchten zufolge, über Satellitentelefon die Anweisung für die Geiselnahme von Emir Mokhtar Belmokhtar erhalten (zufällig genau zu jenem Zeitpunkt, als Frankreich eine militärische Intervention ins Auge fasst und die EU rund 500 Experten für eine „Ausbildungsmission“ nach Mali schicken will.
  • Sehr seltsam ist auch, dass eine relativ kleine Gruppe gewalttätiger Islamisten die Armee von Mali besiegen kann, obwohl diese (und andere afrikanische Truppen) angeblich seit acht Jahren von den Elitetruppen der NATO bzw. der USA gerade für solche „Counter-Insurgency“ Operationen ausgebildet wurden und Millionen an „military aid“ dorthin fließen.

Schon 2005 wurde die „Trans-Sahara Anti-Terror-Initiative“ gegründet, bei der 1000 US „Spezialkräfte“ (moderne Version der SS) nach Westafrika entsandt wurden, um – so die offizielle Darstellung –  die Armeen von Mali, Algerien, Chad, Mauretanien, Niger, Senegal und Tunesien entsprechend zu trainieren. Tatsächlich ging es wohl darum, diese Spezialeinheiten mit dem Terrain vertraut zu machen und Einsicht in die militärischen Kapazitäten  jener Länder  zu bekommen, die strategisch wichtige Rohstoffe besitzen.

Afrika mil targetInzwischen gehören auch Burkina Faso, Marokko und Nigeria dazu und diese militärischen Übungen Operation Flintlock“  (zufällige Namensgleichheit?) werden jährlich abgehalten. 2006 wurden dann rund um die  Kap Verdischen Inseln  Kriegsspiele (mit deutscher Beteiligung) unter dem Namen Steadfast Jaguar durchgeführt, der Startschuss für die NRF.  Im Februar 2o12 wurde “Flintlock” wegen der Kämpfe im Norden Malis abgesagt doch stattdessen fand die Operation Atlas Accord 12 statt.

Interessanterweise war aber schon lange vor diesem offiziellen Anlass 2013 – die Hauptstadt Bamako könne von den Terroristen eingenommen werden – ein erhebliches Kontingent der französischen Militärmaschinerie im Land: Helikopter der Spezialtruppen COS, Mirage Kampfjets (F1 und 2000D), ein ganzes Fallschirmjägerregiment, Hercules Transporter, etc.

Ende Jänner wurden dann hunderte französische Soldaten mit Flugzeugen der US Air Force  nach Mali gebracht. Insgesamt waren rund 2500 Soldaten im Einsatz. Doch während die deutschen Medien die Wortmeldungen der Politiker, also Vorwände für den Einsatz wiedergaben, sagte der französische Verteidigungsminister Le Drian unverblümt in einem Interview, das Ziel der Intervention sei „die totale Rückeroberung von Mali“. Es dürfe keine „Nischen“ des Widerstandes mehr geben – eine interessante Wortwahl, n’est-ce pas?. Präsident Hollande fügte hinzu, man werde so lange dort bleiben, wie nötig um den „Terrorismus“ zu besiegen, doch diese Aussagen hat man inzwischen wohl vergessen, denn die Fließbänder meldeten jetzt alle unisono (wie anfangs demonstriert) „Frankreich will Truppen ab März wieder abziehen“.

(Leute, die sich noch an Vietnam erinnern können, wissen, dass die Entsendung von militärischen “Beratern” quasi die “warm-up” Phase für den späteren Horror-Krieg war)

Unter dem demokratisch gewählten Präsident Toure wurden erstmals wissenschaftliche Gutachten über die Bodenschätze des Landes erstellt, in denen erhebliche Vorkommen von Uran, Gold und Silber, sowie Öl- und Erdgas gefunden wurden. Da diese Rohstoffe immer knapper werden und das Diktat des ewigen „Wachstums“ (vor allem des Profits) immer noch die Wirtschaft beherrscht, bedeutet diese gute Nachricht eigentlich eine Art Hiobsbotschaft für alle Länder, die über solche Vorkommen verfügen. Sie werden damit zu geopolitischen „Manövriermassen“, was die eigene Bevölkerung will, spielt dabei keine Rolle.

The Bush-Saudi "Friendship".

The Bush-Saudi „Friendship“.

Vor diesem Hintergrund sind jene Kommentare in den alternativen Medien zu sehen, die die Vorgänge in Mali in einem völlig anderen Licht betrachten und davon ausgehen, dass die islamistischen „Terroristen“ in Afrika (die seit einigen Jahren wie die Pilze aus dem trockenen Boden schießen) nicht das Produkt einer irre geleitenden Religion sind, sondern die Geschöpfe westlicher Geheimdienste (mit tatkräftiger Unterstützung Saudi Arabiens und des Emirs von Qatar, die unter dem Deckmantel des Islam ihre Machtinteressen verfolgen (Investitionen in  Firmen, die in Westafrika durch die Ausbeutung der Bodenschätze Milliarden verdienen sowie Unterdrückung säkularer, demokratischer Bewegungen).

Al Qaeda & Co. füllt mittlerweile in den Medien das Vakuum, das durch das Hinscheiden der Sowjetunion entstanden ist. Die allgegenwärtige Bedrohung „unserer Sicherheit und Werte“ durch den Kommunismus wurde durch die allgegenwärtige Bedrohung durch den „Terrorismus“ ersetzt, der dank seiner erstaunlichen Agilität praktisch in allen Ländern auftreten kann, die eine strategisch wichtige Rolle spielen: sei es wegen ihrer Rohstoffe, wegen ihrer geographischen Lage (Transportwege, Pipelines, etc.) und / oder weil dort die letzten Reste von Widerstand gegen den „freien Kapitalverkehr“ innerhalb der Marktherrschaft bzw. das Festhalten an sozialistischen Konzepten ausgeräuchert werden müssen (wie in Libyen, im Irak und jetzt in Syrien ).

 3  AL QAEDA, AQIM, ALI BABA oder ABRACADABRA?

TerRUSNach dem Tod Bin Ladens hieß es, Al Qaeda sei mittlerweile so geschwächt worden, dass sie keine wirkliche Gefahr mehr darstelle. Doch damit war wohl nur die „Zentrale“ in Afghanistan gemeint, also das Joint Venture von CIA, ISI und dem saudischen Geheimdienst, das ursprünglich zum Kampf gegen die russische Besatzung erschaffen worden war. Doch die terroristischen Pilzsporen haben sich anscheinend inzwischen woanders angesiedelt, nämlich – wie günstig – im rohstoffreichen Afrika.

Eine ganze Buchstabensuppe aus Akronymen wurde gekocht, um die Gefahr regional unterscheiden zu können:

  • in Libyen haben wir die LIFG (ehemals böse Terrorgruppe, aber nach der Ermordung Gaddafis als „nützliche“ Gefahr – vom Typ „our sons of bitches“ einzuordnen)
  • in Nigeria treibt Boku Haram ihr Unwesen
  • im Yemen haben wir AQAP (Al Qaeda in the Arab Peninsula)
  • im islamischen Maghreb (vor allem Mali)  haben wir seit 2006 die AQIM (vormals GSPC in Algerien)
  • aus der AQIM in Mali gingen angeblich Splittergruppen hervor, wie die „Miliz“ Ansar Dine und MUJAO
  • die Befreiungsfront  MLNA (keine Islamisten)

Die  GSPC war vor dem Al Qaeda “Ritterschlag“  (AQIM) eigentlich nur eine gut bewaffnete Bande von Kriminellen, die jede Menge Geld mit dem Drogenhandel verdient (Kokain aus Lateinamerika über Afrika nach Europa) und natürlich auch im Waffengeschäft mitmischt. Besonders interessant ist hier aber die Vorgeschichte in Algerien, die etwa so skizziert werden kann:

4  DAS PHANTOM DER GIA – WIEDER AUFERSTANDEN?

1991 wurden die Wahlergebnisse in Algerien von der Regierung für null und nichtig erklärt (die islamistische Partei FIS hatte die Mehrheit der Stimmen bereits im ersten Wahlgang erreicht), was natürlich eine Radikalisierung der FIS zur Folge hatte. 1993 hatte sich eine Abspaltung  der FIS, die GIA, als äußerst brutale Terrorgruppe einen Namen gemacht. Die GIA verübte Anschläge nicht nur in Algerien, sondern auch (1995)  in Frankreich. In Algerien wurden hunderte Zivilisten getötet, man schreckte auch vor Massenmord nicht  zurück. Die algerische Regierung bzw. der gefürchtete Geheimdienst (DRS) führte daraufhin eine (nicht weniger brutale) „Anti-Terror“ Kampagne, bei der viele GIA-Mitlieder getötet wurden. Die restlichen Mitglieder sammelten sich in der GSPC, die aber keine ernsthafte Bedrohung mehr für die Regierung war, sondern in erster Linie durch Entführungen und Überfälle  Schlagzeilen machte.

Das ist die offizielle Version, die in den meisten Medien verbreitet wurde.

1 GIA und DRS

Doch in Wahrheit war die GIA eine Kreatur des algerischenGeheimdienstes (DRS), die grausamen Verbrechen wurden also im Auftrag der algerischen Regierung begangen, wie auch die britische Zeitung THE OBSERVER schon im November 1997 enthüllte:

„Nicht die FIS begeht die Massaker. Alle Geheimdienste Europas wissen, dass es die Regierung ist, aber sie schweigen, da sie ihre Ölversorgung sichern wollen.“

Während die Weltöffentlichkeit wieder einmal schockiert war über die Brutalität der „radikalen Islamisten“, war es in Wahrheit die algerische Regierung selbst, die die FIS infiltrierte, manipulierte und zu Gewaltexzessen provozierte um die islamistische Bewegung als Ganzes zu diskreditieren.

Klassische SS-Methoden gehörten auch zum Repertoire der DRS: Massaker an Zivilisten wurden der FIS (GIA) in die Schuhe geschoben, indem Spezialeinheiten des Militärs, die als „Gotteskrieger“ verkleidet waren*, Algerier reihenweise abschlachteten. Auch die Bombenanschläge in Frankreich 1995 waren von der DRS organisiert worden. Damit wurde eine so große Abscheu in der Öffentlichkeit erzeugt, dass ein „hartes Durchgreifen“ der Regierung damit salonfähig wurde.

* (Die Spiegelversion davon wird in Syrien angewendet: diesmal sind es wirklich fanatische Islamisten (und ihre handler aus den ausländischen Geheimdiensten bzw. special forces), die Massaker begehen um sie der syrischen Regierung unter Assad in die Schuhe zu schieben. Das Ziel ist aber gleich: einen „humanitären“ Vorwand für ein „notwendiges“ Eingreifen des Westens zu schaffen und das Staatsgebiet durch Schüren ethnischer Konflikte in kleine, ethnisch-religiös „gesäuberte“ Enklaven zu zerteilen)

Die GIA trat ab Ende der 1990er Jahre in Algerien nicht mehr in Erscheinung, doch diese diabolische Allianz aus SS-Methoden und religiöser Indoktrination setzt sich im „Terrornetzwerk Al Kaida bzw. jetzt AQIM“ fort. Dass diese „Terrorgruppen“ in Wahrheit „assets“ also Instrumente verschiedener Geheimdienste (als langer Arm des Militärs bzw. der jeweiligen Regierung sind) sind, steht eigentlich außer Zweifel, kümmert aber weder Kleber noch Buhrow oder irgendeinen anderen der Fließbandjournalisten, die uns „die neuesten Nachrichten“ ins Wohnzimmer liefern.

Sie kolportieren auch die Mär, dass der Strom von Terroristen aus Libyen sich aus ehemaligen Gaddafi Söldnern (vor allem Touaregs) rekrutiert, doch in Wahrheit sind es der NATO dienliche Terroristen, die seit der brutalen Ermordung Gaddafis in alle Richtungen ausschwärmen und dort ihr Unwesen treiben: zuerst in Syrien und jetzt in der Pan-Sahara / Sahelzone bzw. im Maghreb.

(Fortsetzung folgt)

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