Es ist angerichtet: Churnalism 2012

Die Pressemeldungen über die Kämpfe in Syrien, die man uns seit Monaten auftischt, sind extrem einseitig und voreingenommen. Jeden Tag hören wir, dass Menschen getötet werden und immer ist es die syrische Armee bzw. das „Assad-Regime“, das als „brutaler Unterdrücker“ einer „legitimen Opposition“ dafür  verantwortlich gemacht wird, während die „Rebellen“ immer nur auf syrische Soldaten schießen. Ihre Gewalt wird also als defensiv und moralisch legitimiert dargestellt.

Dass diese „Meldungen“ immer von den „Rebellen“ selbst stammen bzw. von edel klingenden PR-Frontgroups (wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“, die aus einem Mann besteht, der in England residiert), stört unsere „Churnalists“ nicht. Auch die laufend wiederholte Lüge, dass eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes unmöglich sei, weil ausländische Journalisten nicht ins Land dürfen, findet man nicht anstößig.

RELOAD: „AB HEUTE WIRD ZURÜCKGESCHOSSEN“ (Hitler 1939)

Die jüngste PR-Meldung über die Entscheidung des türkischen Parlaments (man hat sich selbst das Recht verliehen, militärische Gewalt gegen Syrien anzuwenden, weil 5 türkische Zivilisten in der Grenzregion getötet wurden, was natürlich sofort wieder der syrischen Armee angelastet wurde) ist ein weiteres Indiz für diese Voreingenommenheit und letztlich auch Komplizenschaft der Medien in einer massiven Desinformationskampagne, mit der ein offener Krieg gegen Syrien legitimiert werden soll (der verdeckte Destabilisierungskrieg ist ja bereits seit Monaten im Gang, was die Presse aber weitgehend ignoriert).

Die gespielte moralische Empörung Erdogans (und seiner  NATO-Waffenbrüder) wird als unerträgliche Doppelmoral entlarvt, sobald erwähnt wird, dass die bewaffneten Terrorbanden („FSA“: fanatisch-islamistische Takfiris und Söldner aus dem Ausland) von Anfang an über die türkische Grenze (sowie über Jordanien und Libanon) nach Syrien eingeschleust wurden, die Türkei als Basis und Nachschub für diese  gezüchteten “Rebellen“ dient und auch westliche Geheimdienste, die in Syrien für „Murder & Mayhem“ sorgen,  dort herzlich willkommen sind (vor allem die CIA).

Die kurz darauf in den Medien kolportierte „Entschuldigung Syriens“ für den Zwischenfall ist ebenfalls eine Erfindung der  „strategic communications“, denn tatsächlich hat Syrien nur Bedauern über den Tod der Türken ausgedrückt, während das ZDF sogar berichtete, die Rebellen hätten die Verantwortung dafür übernommen.

Jeder, der noch denken kann, versteht, dass seit Monaten eine Hetzkampagne gegen Syrien in den Medien läuft, die sich wöchentlich steigert und als großes Crescendo einen Vorwand für einen offiziellen Krieg liefern soll. Selbst organisierte „Grenzzwischenfälle“ als Vorspiel für eine militärische Aggression, die dann als notwendige „Verteidigung der eigenen Sicherheit“ präsentiert wird, das ist ja nicht neu.

DIE FLIESSBANDJOURNALISTEN

Im Mai dieses Jahres wurde ein renommierter österreichischer Journalist von einem Radiohörer gefragt, ob er die starke Filterung der Meldungen durch die Presseagenturen nicht als Gefahr  für  einen freien Journalismus (also eine Art versteckte Zensur) ansehe. Seine Antwort (sinngemäß):

Ja, es stimmt, dass die wenigen Presseagenturen eine Art Monopolstellung haben – insbesondere bei den Auslandsmeldungen – weil Auslandskorrespondenten sehr teuer sind, die Medien auch immer mehr unter Kostendruck geraten und deshalb lieber auf den Service von AP, Reuters, etc. zurückgreifen.

Doch das sei eigentlich kein Problem, denn es gäbe ja noch das Internet: dort gäbe es „sehr gut informierte Blogger“, deren Beiträge eben nicht aus den gleichen Quellen gespeist werden, wie jene der „Mainstream“ Presse.  [Das garantiere quasi eine Vielfalt an  Perspektiven und Themen, die einer Mediendemokratie angemessen seien …]

Das ist eine ungeheuerliche Aussage, denn sie impliziert, dass ein hochdekorierter „Qualitätsjournalist“  eine Präselektion und Homogenisierung der Auslandsmeldungen durch Presseagenturen als akzeptabel und „normal“ erachtet. Wer ein vollständigeres Bild der Welt haben möchte, der kann ja ins Internet gehen.

Dass dieser Journalist „in Österreich als Instanz im Kampf um journalistische Unabhängigkeit“ gilt, macht die Sache noch schlimmer.  Seine „inquisitorischen Interviews“ mit Politikern liefern angeblich „gesellschaftlichen Mehrwert, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ legitimiert. Dass er mit einer solchen Einstellung an der Uni Wien als Dozent für Journalismus agiert,  lässt noch Schlimmeres befürchten und warum die Zuschauer (nicht nur in Österreich) für diese Form von „Nachrichten“ auch noch Gebühren bezahlen müssen, lässt sich auch schwer legitimieren.

Was nützt es, wenn man im direkten Interview einem Politiker auf den Zahn fühlt, aber die Themen selbst (und wie sie präsentiert werden) von anderen, intransparenten Institutionen bestimmt werden? Die Journalisten werden heute ja geradezu mit Informationen „gefüttert“ – die Agenturmeldungen heißen nicht umsonst „newsfeeds“. Auch die Auswahl der Interviewpartner stellt eine Selektion dar (z.B. bei Wirtschaftsthemen („Eurokrise“) kommen immer die gleichen Leute aus den gleichen etablierten Zirkeln der Macht: Wirtschafts-/Finanzminister, Präsident der Nationalbank, „Experten“ aus den (neoliberal indoktrinierten) WIFOs, „Stiftungen“, etc.)

Doch wer sind die Leute in den Presseagenturen? Wer nimmt Einfluss auf die Auswahl der Themen und natürlich auch auf die Gestaltung der Texte, die dann von den Empfängern der „Feeds“  (also der Presse und den elektronischen Medien) multipliziert werden (sie  heißen deshalb auch im Medienjargon „Multiplikatoren“). Kann ein „Top-Journalist“ sich mit dieser Rolle abfinden?

CHURNALISM“  STATT  JOURNALISMUS

Im Jahr 2008 erschien ein Buch zum Thema, das in der Medienwelt großes Aufsehen erregte:

 „Die-Erde-ist-eine-Scheibe – Nachrichten“ (Originaltitel: „Flat Earth News“ von Nick Davies) – dieser Titel sagt ja schon, worum es geht:

Die massenhafte Produktion von Ignoranz und das im Zeitalter der „Informationsgesellschaft“, der „Bildungsinitiativen“ und des „Wissensmanagements“.  Während wir ständig hören, wie wichtig „Bildung“ sei und Messlatten wie die „Pisa-Studie“ hochgehalten werden, ist eine ganze Armee hochbezahlter Experten damit beschäftigt, uns systematisch zu verblöden, unsere Denkfähigkeit einzuschränken, uns abzulenken, uns zu folgsamen „Verbrauchern“ zu degradieren.

Diese Experten arbeiten natürlich hinter den Kulissen: für Geheimdienste, Ministerien, „Think-Tanks“ und „Stiftungen“ (selbst ein hoch-manipulativer Begriff, der suggeriert, hier werde „wertfrei“ wissenschaftlich gearbeitet, während die mehr oder weniger heimlichen Sponsoren dieser „Institute“  nur einen Wertmaßstab anerkennen: Erhalt und Ausweitung der eigenen wirtschaftlichen (und somit auch politischen) Macht.

Dass die Medien unentbehrlich sind für die Infizierung der Gesellschaft mit diesen ideologischen „Viren“ liegt wohl auf der Hand. Die Entscheidung, Journalist zu werden, sollte man sich deshalb besonders gut überlegen. Der Beruf genießt hohes Ansehen, man fühlt sich als zugehörig zur „intellektuellen Elite“, doch die Verantwortung ist enorm und wie viele „unabhängige“ Journalisten gibt es noch?

The conscious and intelligent manipulationof the opinions of the masses is an important element in democratic society. Those who manipulate this unseen mechanism of society constitute an invisible government which is the true ruling power of our country.

Dieses enorm wichtige Statement von Edward Bernays, dem Altmeister der  Propagandatechnik, kann gar nicht oft genug betont werden:

„Die bewusste und intelligente Manipulation der öffentlichen Meinung ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Jene, die diesen unsichtbaren Mechanismus kontrollieren, stellen eine unsichtbare Regierung dar, die die wirklich herrschende Macht im Lande ist.“

Dass das Mediensystem insgesamt zu einem Propagandainstrument geformt wurde, haben ja Noam Chomsky und Edward S. Herman ja schon vor Jahren in „Manufacturing Consent“ diagnostiziert. Ein zentraler Punkt dabei ist:

Wer ist in der Lage, zu bestimmen (darauf Einfluss zu nehmen), wie eine Gesellschaft funktioniert (Rahmenbedingungen für Produktion, Finanzierung & Investment, Handelsarchitektur, Verteilung, Steuersystem, Sozialsystem, Bildung, etc.)?  Hier finden wir ein Netzwerk aus transnationalen Konzernen, einer Finanzoligarchie und politischen Planern (die oft als „trojanische Pferde“ in „Instituten“ agieren). Die Medien befinden sich entweder bereits im Eigentum dieser „unsichtbaren Regierung“ oder sie werden von ihr gelenkt, ohne dass es offenkundig wird.

Die Dominanz dieser Leute in der Wirtschaft ist beinahe total und auch die Politik kann sich dem ideologischen Würgegriff offenbar nicht entziehen (siehe  aktuelles Verhalten in der  Finanz- bzw. „Eurokrise“).

Auf die Frage, wessen Zustimmung denn hier geformt wird, antwortete Noam Chomsky:

„Es gibt zwei verschiedene Gruppen, also zwei Propagandaziele: das eine ist die politische Klasse, vielleicht 20% der Bevölkerung, die einen hohen Bildungsgrad hat, sich artikulieren kann, am politischen Leben teilnimmt, sich mit wirtschaftlichen und kulturellen Fragen befasst. Deren Zustimmung ist entscheidend, daher muss diese Gruppe sehr stark indoktriniert werden. [das erledigt z.B. die „Bertelsmann-Stiftung“ und andere „Institute“ für Politik, Wirtschaft, etc.]

Der Rest der Bevölkerung (die große Mehrheit) hat die Funktion Anordnungen zu folgen [wobei man ihnen die Illusion der „Meinungsfreiheit“ lässt und sie mit Banalitäten wie Sport als Unterhaltung, ablenkt ] und nicht selbständig zu denken, sie sind diejenigen, die den Preis für die Entscheidungen der ersten Gruppe zahlen …“

Das kann man durchaus wörtlich nehmen, wer bezahlt für die Euromanie, die Narrenfreiheit der kriminellen Finanzindustrie, die Schuldenexplosion (als Folge einer dysfunktionalen, irrationalen Wirtschaftsideologie)?  Wir natürlich, die Demontage der Sozialsysteme, der parlamentarischen Kontrolle über Haushalte, der Entmachtung der nationalen Regierungen hat ja erst begonnen …

Die Rolle der Medien bei der Produktion von Ignoranz (und somit Akzeptanz einer „Zuschauerdemokratie“) hat Nick Davies in seinem Buch anhand seiner eigenen Erfahrungen als britischer Journalist kritisch analysiert. Hier einige wichtige Punkte der Kritik:

Nachrichtenfabriken“: Recycling vorgefertigter Stories

80% der Meldungen und Geschichten sind „Second-Hand“ Material aus  Presseagenturen /  PR-Firmen, man schreibt worüber alle anderen auch schreiben (Echo-Effekt).

[Dass dabei die eigene Denkfähigkeit weitgehend ausgeschaltet wird, zeigt z.B. die jüngste Gratis-Werbung für Red Bull, durch Meldung eines völlig unsinnigen „Rekordversuches“ in den Nachrichten, das Triviale, Unwichtige wird scheinbar aufgewertet, Aufmerksamkeit für etwas generiert, das völlig unwichtig ist (wie auch alle Sportmeldungen in den Nachrichten sowie der unerträgliche Hype über die völlig kommerzialisierten „Olympischen Spiele“ die in jeder Stadt einen Schuldenberg hinterlassen).

Zitate statt Hintergrundinformation, Kontext und Analyse

Es gehört zur Routine ein “Originalzitat” zu bringen: Merkel zum Euro, Obama zu Syrien, „Experten“ der jeweiligen Fachrichtung, usw. Ist diese Aussage wahr oder falsch, nur Teil einer PR-Strategie, deren Ziele man enthüllen müsste?  Who cares? Die Reporter der Presseagenturen sind nicht verpflichtet, die Gültigkeit dieser Statements zu überprüfen … Wer sagt die Wahrheit, wer nicht? Das ist nicht unser Job und die „Multiplikatoren“ suchen auch keine zweite „unabhängige Quelle“, es kommt aus der „Agentur“, das genügt als Qualitätsbeweis. Wenn Merkel das sagt, müssen wir das doch bringen, oder nicht?

„Die Presseagenturen sind kein verlässliches Instrument um wirklich wichtige Ereignisse auszugraben, ganz zu schweigen davon, dass diese in einem größeren Kontext präsentiert werden, damit ihre wahre Bedeutung nicht verschleiert wird.“

Stenographenjournalismus

Sie schreiben, was man ihnen gibt“. Jede Geschichte wird immer aus seiner bestimmten Perspektive erzählt, zum Vorteil einer bestimmten Gruppe, doch das zu hinterfragen, also die Kontrollfunktion der Medien ernst zu nehmen, davon ist nichts zu merken. Es reicht, dass der Aussender der Meldung einen gesellschaftlichen Stellenwert hat … man beruft sich auf „Autoritäten“, das ist genug.

Die Presseagenturen sind heute die Fließbänder für die „Nachrichten“. Weil das so ist, werden immer mehr PR-Stories dort platziert …(auch die Geheimdienste  sind sehr aktiv, wie die „Meldungen“ über die Vorfälle in Syrien klarmachen), doch alle tun so, als wären die PA immer „seriöse Quellen“ (Wahrheitsministerium Reuters & Co.?)

„Meinungen“ und „Einschätzungen“ einholen – zu welchen Fragen? Wer bestimmt die Agenda?

Welches Thema behandelt wird, welche Fragen zu stellen sind und an wen, das sind wichtige Punkte, die eine Bewertung notwendig machen, ein moralisches Urteil ist also nicht zu umgehen (wer ist glaubwürdig, wer nicht und warum?)

Ist es akzeptabel, dass immer die gleichen Leute in den Talkshows auftauchen, zu aktuellen Themen interviewt werden und deshalb deren Perspektiven dominieren, während andere gar nicht vorkommen? (z.B. jene aufmüpfigen Ökonomen, die die neoliberale Wirtschaftsreligion und den daraus resultierenden Eurowahn scharf kritisieren)

Das Ergebnis: eine „pasteurisierte“ Version der Welt …

Der große Mythos: Objektivität und Ausgewogenheit

Was uns alle Journalisten demonstrieren wollen (und was sie auch selber glauben) ist ihre „Objektivität“, das hat man ihnen schließlich auf der Journalistenschule beigebracht: keinesfalls Partei ergreifen, das ist das Wichtigste.

Doch wie Nick Davies richtig feststellt, kann es keine wirkliche Objektivität geben, das liegt in der Natur der Sache – nämlich unserer menschlichen Sprache und unserer Wahrnehmung. Jede Formulierung eines Satzes, jede Wortwahl, jede Darstellung eines „Sachverhaltes“ in narrativer Form ist bereits ein „Kommentar“.

Texte von anderen zu übernehmen (jedenfalls den Tenor) – besonders wenn es um Formen von Gewalt und deren Ursachen geht – ist noch problematischer, denn damit übernehme ich bereits einen Standpunkt (wenn auch unbewusst) und werde so zum „Verteiler“ einer bestimmten Sichtweise. Das extremste Beispiel ist hier die völlig korrumpierte „Berichterstattung“ über den „Nahost-Konflikt“, wo die pro-zionistische Sichtweise (also jene der israelischen Regierung) dominiert. Nur das bloße Erwähnen dieser „Zensur durch Schweigen“ führt zu massiven ad hominem Attacken, wie Günter Grass ja vor nicht allzu langer Zeit am eigenen Leib erfahren musste.

Die falsch verstandene „Neutralität“ der Journalisten verlangt, dass sich widersprechende Behauptungen so „stehen gelassen“, also vom Journalisten als gleichwertig wiedergegeben werden. So werden etwa reine und dümmliche PR-Statements (Lügen) über die „Harmlosigkeit“ transgener Pflanzen („Alles wurde ja gründlich geprüft“; die Amerikaner essen das schon lange und leben immer noch“; der „Mindestabstand verhindert die Auskreuzung“ etc.) – die man alle als UNWAHR widerlegen kann, wenn man sich mit der Materie befasst hat – trotzdem immer wieder als ebenso wichtige und gleichwertige Informationen dargestellt, wie die Warnungen unabhängiger Wissenschaftler und Umweltschutzgruppen, über die Unbeherrschbarkeit dieser Technologie.

Das ist möglich, weil die wahren Motive für die Promotion der Gentechnik nicht hinterfragt und bloßgestellt werden (man könnte ja sonst als „innovationsfeindlich“ hingestellt werden) und die Tatsache, dass die Firmen SICH SELBST die Unbedenklichkeit ihrer transgenen Pflanzen bescheinigen, selten erwähnt wird. (Lobenswerte Ausnahme: Monique Robins Doku – MIT GIFT UND GENEN)

Doch in den „Nachrichten“ wird dieser Kontext (dass sich die Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen seit Jahren häufen, von den agroökologischen Folgen ganz zu schweigen) einfach weggelassen. Man berichtete zwar kürzlich über eine französische Studie, die ein erhöhtes Krebsrisiko feststellte, doch wenige Tage später hieß es, die EFSA habe die Methodologie der Studie in Frage gestellt. End of Story.

Dass die EFSA mit Wissenschaftlern besetzt wurde, die der Biotech-Industrie nahestehen, wird nicht erwähnt.Dass die eigenen Studien der Hersteller NIE wegen ihre Methodologie und Versuchsanordnung kritisiert werden, NIE  peer-reviewed  bzw. veröffentlicht werden („Geschäftsgeheimnis“)wird ebenfalls nicht erwähnt.  Dass der Skandal darin besteht, dass bereits zugelassene transgene Pflanzen erst jetzt auf langsfristige, negative Folgen untersucht werden, wurde auch nicht weiter diskutiert.

Das Ergebnis dieser Art von „Journalismus“ ist, wie Davies richtig erkennt die konsequente Vermeidung der Wahrheit, denn sonst könnte es unangenehm werden (der „bequeme“, nicht konfrontative Journalismus wird vorgezogen).  Diese Taktik ist nicht immer sofort erkennbar, denn man schlägt den klassischen, „neutralen Ton“ an:

Die „Meldungen“ über ein „Massaker“ an der Zivilbevölkerung eines Landes werden – wenn dieses Land mit unsbefreundet“ ist mit dem offiziellen Dementi der Regierung „balanciert“. Man präsentiert etwas als Anschuldigung und gleichzeitig die Behauptung der Gegenseite, dass diese Anschuldigung nicht zutreffe „dies wurde von  [….]  zurückgewiesen“. Das war’s. Welche Version wahr ist und welche falsch, das kann ja der Leser / Zuschauer dann selbst herausfinden, damit sind wir wieder im Internet.

Damit werden Journalisten zu passiven Verarbeitern von „Nachrichtenmaterial“ degradiert, das ihnen andere „mundgerecht“ servieren. Sie können zwar die „Speisekarte“ lesen, doch welche Gerichte darauf stehen, bestimmen sie nicht und woher die Zutaten stammen, wissen sie auch nicht. Das „Agenda-Setting“  und „Framing“ bestimmen andere und deren Motive werden weder hinterfragt noch deren illegitimer Einfluss auf die PA und andere Medien jemals erwähnt.

Nick Davies betont, dass dieses „Balancieren“ dann akzeptabel ist, wenn es nicht anders geht, wenn alle Mittel, die Wahrheit herauszufinden, gescheitert sind. Diesen Ansatz jedoch als „Goldene Regel“ zu etablieren,  um einen möglichst reibungslosen Ablauf des „Fließbandsystems“ sicherzustellen, hat verheerende Folgen. Die große Gefahr besteht darin, dass die absichtliche Veröffentlichung von Lügen als Schlagzeile und im Hauptteil eines Artikels erscheint und das (wahre) Dementi der anderen Seite im letzten Absatz eingefügt wird. Was hängen bleibt, ist natürlich die Schlagzeile. Man kann natürlich auch den Spieß umdrehen und die Wahrheit zwar erwähnen, dann aber durch wiederholtes Infrage stellen durch akzeptierte „Autoritäten“ die Glaubwürdigkeit des ehrlichen Akteurs unterminieren.

Dass diese Methode sehr effektiv ist, zeigte ja die Lawine an Falschmeldungen über die „WMD“, also die nicht existierenden Massenvernichtungswaffen des Irak. Dieser „PR-engineered view“ sorgt dafür, dass diese Methode immer nur bei Sachverhalten angewandt wird, die der „akzeptierten Meinung“ widersprechen. So wurden die ehrlichen Beteuerungen des UN-Waffeninspektors Scott Ritter (es gibt keine WMD im Irak) immer mit gegenteiligen Behauptungen aus Washington „balanciert“. Damit wurde die Glaubwürdigkeit Ritters unterminiert und ein brutaler Angriffskrieg durch „framing“ und „strategic communication“ legitimiert. Ohne die feige Mittäterschaft der Medien wäre das nicht möglich gewesen (wozu gibt es bei uns „Presseförderung“ und Rundfunkgebühren – für diesen Mist müssen wir zahlen?)

Das – wahre – Dissidenten-Statement  wird so „neutralisiert“, während die – verlogenen – Behauptungen der Machteliten einfach wiederholt werden, bis sie in den Köpfen eingebrannt sind (so auch  z.B. die ständig wiederholte Meldung, ohne den Euro wäre „Europa“ verloren … Ängste werden geschürt, anstatt eine ehrliche Debatte  zu führen (der bescheuerte, ständig in den Medien präsente „Euro-Rettungsschirm“ ESM – lässt sich etwa so auf den Punkt bringen:

Gigantische, unbezahlbare Schulden (ein Symptom eines unhaltbaren Systems) werden mit noch mehr Schulden therapiert:  der ESM ist eine intransparente, supra-legale Zweckgesellschaft, die „Beiträge“ von hochverschuldeten und bankrotten Staaten verlangt (wieder auf Pump) und gegen strenge Auflagen („Reformen“) neuerlich Kredite vergibt; die „Reformen“ würgen die Wirtschaft ab, Rezession statt Wachstum.

Und jetzt kommt’s: ohne Wachstum keine Kredite (und Abwertung durch die Ratingagenturen) und ohne Kredite kein Wachstum … genial, oder? Na wenigstens können sich die Banken beim ESM und der EZB bedienen …

Aber zurück zu unseren Journalisten und dem Mediensystem, in dem sie arbeiten:

Die Produktionsregeln der Nachrichten-Maschinerie

  • Wer bestimmt, worüber berichtet wird (und worüber nicht)? Die Antwort kennen wir ja bereits, die „feeds“ der Agenturen dominieren, die Grenze zur PR wird immer unschärfer, politische Akteure zeigen immer häufiger nicht ihre wahre Identität, sondern tarnen sich (benutzen „neutrale“ oder positiv besetzte „frontgroups“), damit ihre Glaubwürdigkeit erhöht wird. Das funktioniert sehr gut (siehe Irak, Libyen, Syrien, islamistischer „Terror“ usw.)
  • Die Realität wird durch systemisches Weglassen unerwünschter Fakten verzerrt, stattdessen werden etablierte Denkmuster und Deutungsrahmen laufend wiederholt und damit verstärkt (Nahostkrise, Rolle der USA, EU, NATO, Wirtschaft, etc.)
  • Um Kriege zu legitimieren, werden selbst begangene bzw. in Auftrag gegebene Verbrechen dem Gegner in die Schuhe geschoben, die Medien fungieren als folgsamer „Multiplikator“ – sie sind somit mitschuldig am Leiden und Sterben  der Opfer
  • Die „Meldungen“ sind geprägt vom herrschenden politischen Konsens, der die Interessen der mächtigsten Gruppen in der Gesellschaft befördert
  • Moralische Bewertungen sind nur erlaubt, wenn sie die populäre Meinung (die „geformte“ Meinung) wiederspiegeln
  • „Elektrische Zäune“ werden nicht überwunden (der stärkste ist die Zensur der Israelischen Regierung)
  • Die historischen Fakten sind vorhanden, but der „elektrische Zaun“ wird jedem Reporter wehtun, der sie akkurat wiedergibt …
  • Leichtfertiges Wiederholen nicht verifizierter Behauptungen, Kontext wird ignoriert (zB Pussy Riot, Breivik)
  • Es werden „Pseudo-Events“ generiert, damit sie in den Nachrichten erwähnt werden  (Pussy Riot, Türkische „Reaktion“, etc.))

Die Weigerung, ein Urteil zu fällen (Aussagen und deren Motive zu bewerten) bedeutet nicht, dass man objektiv ist. Im Gegenteil, denn die Kräfteverhältnisse in der Kommunikation (die Fähigkeit und Mittel verschiedener Akteure, die Medien zu den eigenen Gunsten zu beeinflussen) sind ebenso ungleich verteilt, wie Einkommen und Vermögen. Hinter den „Think-Tanks“ und „Stiftungen“ stehen Millionen Dollar von mächtigen Sponsoren, die ihre eigene Suppe kochen, aber deren Einfluss nie erwähnt wird. Stattdessen werden uns „Experten“ präsentiert, die nur der Wissenschaft (und somit der Wahrheit) verpflichtet seien. Schön wär’s.

Noch einmal Nick Davies:

„In demokratischen Gesellschaften verstecken sich die Lügen bequem und unerkannt in sprachlichen Klischees, in akzeptieren „Werten“ und „Fakten“ … die Ideologie liegt verborgen unterhalb der Oberfläche … ökonomische Zensur ersetzt totalitäre Zensur …

Der globale Kollaps des Sammelns von  Informationen und der Wahrhaftigkeit im Journalismus schafft ein neues Chaos … Ignoranz wird als Wissen akzeptiert und Falschheit als Wahrheit … eine Struktur die sehr anfällig für die Infiltrierung durch PR-Stories ist …“

Welche furchtbaren Folgen diese Art von „Churnalism“ hat? In Syrien starben bisher rund 30.000 Menschen, im Irak waren es mehr als hunderttausend, jede Woche werden Menschen in muslimischen Ländern durch Drohnen oder Bombenanschläge getötet … doch der geopolitische, pathologische Kontext wird nie erwähnt …

…. It never happened, even while it was happening …

Frage an alle Journalisten:

Wollen Sie nicht, können Sie nicht oder dürfen Sie nicht? Oder ist Ihnen das alles egal?

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Was sich in den Straßen syrischer Städte abspielt, macht deutlich, mit wem wir es hier zu tun haben.  Für die westliche Presse werden Schilder mit „We want Freedom“ hochgehalten, doch was diese Gruppen tatsächlich wollen, hat mit Freiheit gar nichts zu tun, im Gegenteil:

Sie verbreiten Parolen, die die sunnitische Mehrheit in Syrien zum Hass gegen die Schiiten (wozu auch die Alawiten gehören) aufstacheln soll. Der „spirituelle Führer“ dieser „Rebellen“ ist  der radikal-islamistischeSheik Adnan Al-Arour.

Dieser Mann übt quasi das heilige officium für den sunnitischen Islam aus (eine Rolle, die er sich selbst erteilt hat), ähnlich wie es der Vatikan tat, um den „einzig wahren Glauben“ mit Gewalt als solchen zu etablieren.

Dieses Video zeigt, welche unheiligen Allianzen die Urheber der Gewalt in Syrien eingehen, um ihre irrsinnigen Pläne zu realisieren.

Ich verspreche euch, wenn wir den Sieg errungen haben, werden wir die Alawiten (die sich nicht herausgehalten haben), in Stücke hauen und an die Hunde verfüttern“

Das ist der O-Ton von Sheik Al-Arour, der die Parolen für die „Rebellen“ in Syrien ausgibt.

Die „Demonstrationen“ und „Proteste“  in Syrien  (die nie gewaltfrei waren) werden von westlichen Regierungen im Namen der Menschenrechte unterstützt, doch in ihren eigenen Ländern wären sie genau deswegen verboten, da sie die Religionsfreiheit massiv bedrohen.

Es folgen Szenen aus verschiedenen Städten Syriens, in denen eine Menschenmenge zu Hassparolen gegen die Shiiten (darunter auch Alawiten) aufgestachelt wird:

„Nein zu den Shiiten, Nein zu Hisbollah, Nein zum Iran ..“

Frage: Wer hat ein Interesse daran, den Hass auf die Shiiten und den Iran zu schüren?

Antwort: Israel und – dank dem gewaltsamen  amerikanischen „regime change“ im Irak auch die barbarische Herrscherfamilie der Saudis, die eine Zunahme schiitischer Macht in der Region nicht „dulden“ wollen … (im Irak regierte ja vorher die Minderheit der Sunniten über die Mehrheit der Schiiten, durch den illegalen Angriffskrieg der USA haben sich die Machtverhältnisse umgekehrt und der Einfluss des Iran in der Region wurde gestärkt – dafür kann aber der Iran nichts, das war eben die Folge amerikanisch-israelischer „Strategie“ …)

Zurück zum Video: Die „friedliche“ Revolution zeigt ihr wahres Gesicht:  „Lasst uns die Alawiten ausrotten!“

Sprechchöre wiederholen was der Einpeitscher vorgibt

„Lasst es uns sagen: wir wollen die Alawiten nicht mehr!! „Das Volk will Adnan Al-Arour“

Sei froh, Adnan Al-Arour, deine Revolution hat begonnen!

„Sei froh, Adnan Al-Arour, die Männer von Daraa werden rebellieren!“

„Arour, mach dir keine Sorgen, die Männer, die dir folgen, drinken Blut!“

Aber auch die Christen bleiben nicht verschont:

Die Religion Mohammeds ist ehrenvoll, die von Jesus ist für Huren!“

Diese radikalisierten Gruppen sind repräsentativ für die Anhänger der FSA aber nicht für die syrische Gesellschaft.

(Bilder einer Hinrichtung, ein nackter Mann, der nur eine (besudelte) Windel trägt, wird von einer erregten Menge aufgehängt …)

Im Gegenteil: Wie Thierry Meysan feststellt, ist  Syrien seit Jahrhunderten ein Vorbild für religiöse Toleranz und Kooperation in der Region: Ein Modell der Einheit, das die Allianz gegen Syrien nach dem Motto „Teile und Herrsche“ zerstören will.

Die Kultur der Toleranz ist bedroht, doch die „fanatischen Islamisten“, vor denen man uns seit „9/11“ ständig warnt, werden von den Psychopathen in Washington gefördert, von den Saudis aufgehetzt und finanziert, von den Israelis als „Werkzeug“ gegen Syrien und Iran eingesetzt ….

Nach den US-Präsidentenwahlen im November wird es dann richtig losgehen …

Dann gnade uns Gott … dass daraus nicht ein dritter Weltkrieg wird …

 

 

 

 

 

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