Monster, Mörder & Moralapostel (3): Terror’r Us

Seymour Hersh, ein hoch dekorierter,  investigativer Journalist in New York, dem hier niemand das Wasser reichen kann, hat 2007 einen enorm wichtigen Artikel verfasst. Warum? Weil er nicht nur wichtige Hintergrundinformationen über die außenpolitischen und geostrategischen Pläne der USA liefert, sondern zeigt, dass unsere „Nachrichten“, Talkshows und andere Medienberichte weit entfernt von der politischen Realität sind. Wir bekommen hier mehr oder weniger eine Kindergartenversion dessen vorgesetzt, was Außenpolitik wirklich ist, besonders, wenn es um den Nahen Osten geht und die USA und / oder Israel involviert ist.

Wir sehen Diplomaten, Regierungschefs und Außenminister, die sich die Hände schütteln, lächelnd in die Kamera blicken und dann einige PR-statements von sich geben, die mit der Wirklichkeit relativ wenig zu tun haben. Die Diplomatensprache ist eigentlich nichts anderes, als eine schön verpackte Form der Heuchelei. Wenn aber niemand sagen kann, was er wirklich denkt und worum es wirklich geht (schon gar nicht in der Öffentlichkeit), dann gibt es keine echte Kommunikation, sondern nur leere Phrasen, hinterhältige Absichtserklärungen und Scheindebatten.  Die großen Entscheidungen fallen hinter verschlossenen Türen, ohne Transparenz und demokratische Kontrolle. Die Parlamente (und auch die Journalisten) werden mit Informationen „gefüttert“, die den tatsächlichen Absichten oft diametral entgegenstehen.

Umso wichtiger ist es für eine demokratische Gesellschaft, dass es Journalisten wie Hersh gibt. Schauen wir uns deshalb an, was wir aus seinen Ausführungen lernen können: (warum dieser Text für die aktuelle Eskalation in Syrien relevant ist, wird im Laufe dieses Blogs klar)

Zuvor noch einige Bemerkungen  über den politischen Kontext im Jahr 2007:

Die Situation im besetzten Irak ist katastrophal: fast täglich Bombenanschläge, die Gewalt sunnitischer und schiitischer Milizen eskaliert zusehends, auch „Al Qaeda“ treibt ihr Unwesen. Offiziell heißt es, man wolle so schnell wie möglich die Kontrolle über das Land an die Iraker abgeben, was die prekäre Sicherheitslage aber nicht  zulasse. Zigtausende, private „Security“-Firmen müssen. Berichte von Massakern an Zivilisten tauchen auf, von Soldaten, die in Häuser eindringen und ganze Familien umbringen, dann Waffen deponieren, damit es aussieht, als ob es sich um „Aufständische“ handle. Die US-Regierung gerät zuhause unter Druck,  nicht wenige Soldaten (daheim auf Urlaub) desertieren oder nehmen sich das Leben, weil sie nicht mehr in den Irak  zurückwollen.

Wikileaks veröffentlicht ein Video des US-Militärs, in dem man sieht, wie unbewaffnete Zivilisten (darunter auch ein  Journalist von Reuters, der eine Kameratasche umgehängt hat) kaltblütig durch einen Kampfhubschrauber ermordet werden. Der Gipfel der Barbarei ist die Szene, in der Passanten, die Verletzten zu Hilfe kommen wollen, auch noch getötet werden:

Dazu die Analyse von Hersh: (Auszüge daraus und meine Kommentare – Hervorhebungen sind von mir)

Während  die Situation im Irak in den letzten Monaten immer schlimmer wurde, hat die Bush Regierung ihre Strategie für den Nahen Osten neu ausgerichtet. Diese „redirection“ führt dazu, dass die USA immer stärker auf einen Konfrontationskurs mit Iran steuert und immer mehr in den Strudel eines konfessionellen Konfliktes zwischen Sunni und Shia Muslimen verwickelt wird. [Die USA und andere schüren diesen Konflikt absichtlich, wie bald deutlich wird – das Prinzip „teile und herrsche“ im dritten Jahrtausend]

Um den schiitischen Iran zu unterminieren, hat die Bush Administration entschieden, neue Prioritäten im Nahen Osten zu setzen.  Im Libanon hat man bei geheimen Operationen mit der saudischen Regierung kooperiert (Sunni), um Hisbollah zu schwächen, und damit indirekt auch die Achse Hisbollah-Teheran.

Als erwünschte „Nebenwirkung“ dieser subversiven Aktivitäten wurden sunnitische Extremistengruppen gestärkt, die eine militante Form des Islam praktizieren, mit Al Qaeda sympathisieren und Amerika eigentlich sehr feindselig gegenüberstehen. [Es sind also genau jene fanatischen Krieger, die in den Nachrichten „radikal-islamische Terrorgruppen“ genannt werden und die offenbar nicht wissen, WER ihr „Master“ ist, da die Saudis als Geldgeber auftreten).

Ein sehr kontroverser Aspekt dieser Strategie ist die Tatsache, dass praktisch alle Terroranschläge auf das US-Militär im Irak eben von solchen radikalisierten sunnitischen Gruppen verübt wurden und NICHT von Shiiten.  [Warum also besteht Washington darauf, den Iran zur „Achse des Bösen“ zu  zählen? Wir kommen darauf noch zurück]

Aus Sicht der Bush Administration ist eine Konsequenz des Irakkrieges wohl gar nicht erwünscht gewesen: durch die Beseitigung Saddam Husseins (der die schiitische Mehrheit im Irak unterdrückte) wurden die Shiiten politisch gestärkt und damit auch Iran. […]

Nach der iranischen Revolution brach die USA ihre Beziehungen zum Iran ab und wandte sich den sunnitischen arabischen Staaten zu wie Jordanien, Ägypten und Saudi Arabien. Nach den Anschlägen vom 11.September wurden diese Beziehungen stark belastet, besonders zu den Saudis (fast alle der „Entführer“ kamen ja angeblich aus Saudi Arabien – deshalb hat man dann Afghanistan bombardiert?!). Al Qaeda ist eine sunnitische Gruppierung und vieler ihrer Mitgliederkamen aus den religiös-extremen Zirkeln in Saudi Arabien. [Salafismus]

Vor der Irak-Invasion im Jahr 2003 nahm die von den neokonservativen Ideologen stark beeinflusste Bush-Regierung an, dass ein schiitisch regierter Irak einen pro-amerikanischen Ausgleich zu den sunnitischen Extremisten in der Region darstellen könnte. Sie ignorierten Warnungen der Geheimdienste, über die engen Bindungen zwischen irakischen Schiitenführern und Iran, wo viele seit Jahren im Exil gelebt hatten. Jetzt hat Iran, zur großen Verärgerung des Weißen Hauses, eine enge Beziehung mit der Regierung von Premierminister Nuri-Al-Maliki aufgebaut.

Vor dem zuständigen US- Kongressausschuss sagte Außenministerin Condoleeza Rice nur, es gäbe eine neue strategische Ausrichtung im Nahen Osten, die „Reformer“ von „Extremisten“ trennen will. Sie stellte die sunnitischen Staaten als Zentren der Mäßigung [!] dar, während Iran, Syrien und Hisbollah „auf der anderen Seite“ der Kluft stünden. Iran und Syrien „hätten ihre Wahl getroffen“ und diese sei „zu destabiliseren“. *

[*Ein sehr weiser Philosophieprofessor aus Kanada schrieb vor einiger Zeit, man könne die wahren Absichten der USA am leichtesten daran erkennen, dass sie ihre eigenen, unmoralischen Absichten, ihren „Gegnern“  unterstellten. Psychologen nennen dasProjektion“. Probieren Sie es aus, es funktioniert …]

Einige der zentralen Taktiken der „redirection“ werden allerdings nicht der Öffentlichkeit preisgegeben. Die geheimen Operationen wurden noch geheimer, weil man ihre Ausführung oder Finanzierung in manchen Fällen den Saudis überlassen oder andere Wege gefunden hat, die Aufsicht des Kongresses zu umgehen.

Ein langjähriges Mitglied des Kongressausschusses sagte Hersh, er habe zwar von dieser Strategie gehört, hätte aber das Gefühl, man habe ihnen einiges verschwiegen. Auf Fragen gäbe es nur ausweichende Antworten, es sei wirklich frustrierend. [Dass der Kongress bei geheimen Aktionen im Ausland für dumm verkauft wird, ist ja nichts neues ..]

DIE REGISSEURE DES  ACTION-FILMS FÜR DIE MASSEN

Prinz Bandar

Die Schlüsselfiguren der „redirection“ sind Vizepräsident Dick Cheney, der stellvertretende nationale Sicherheitsberater Elliot Abrams, der scheidende Botschafter im Irak Zalmay Khalilzad und Prinz Bandar bin Sultan, der Berater für nationale Sicherheit in Saudi Arabien. […]

Die Neuausrichtung der Nahost-Politik hat zwei „seltsame Bettgenossen“ zusammengeführt: Israel und Saudi Arabien. Nach dem Motto „der Feind meines Feindes ist mein Freund“ sehen beiden Länder im Iran einen Erzfeind, eine „existenzielle Bedrohung“.

Die neue Strategie sei eine „Kehrtwende der amerikanischen Politik“ meinte ein Berater der US-Regierung zu Hersh, der enge Beziehungen zu Israel hat. Die Sunni-Staaten hätten „panische Angst vor einem schiitischen Wiedererstarken gehabt, und mit steigendem Unmut, „unser Spiel mit den moderaten Schiiten im Irak“ beobachtet. Man könne den Machtzuwachs der Schiiten im Irak nicht ungeschehen machen, aber man könne ihn eindämmen.

Es gab eine Debatte innerhalb der Regierung darüber, was die größere Gefahr sei – Iran oder die radikalen Sunnis [inlusive Al Qaeda] sagte Vali Nasr,  ein Mitglied des CFR zu Hersh, der sich seit Jahren mit den Schiiten befasst und viele Analysen über Iran und Irak publiziert hat. Die Saudis hätten schließlich „gewonnen“ und den Iran als schlimmsten Feind hingestellt.

Martin Indyk, ein ranghohes Mitglied des Außenministeriums unter Clinton, der auch als Botschafter in Israel tätig war und heute Direktor des Middle East Saban Centers der Brookings Institution ist, meinte dazu:

„Der Nahe Osten driftet in Richtung eines gefährlichen kalten Krieges zwischen Sunnis und Schiiten. Das Weiße Haus verdoppelt nicht nur den Wetteinsatz im Irak, sondern auch jene in der ganzen Region. Das könnte sehr kompliziert werden. Alles wird auf den Kopf gestellt.“

Indyk befürchtete, dass man sich in Washington wohl nicht über die strategischen Auswirkungen dieser neuen Politik im Klaren sei.

Dass diese “redirection” die Situation im Irak noch schwieriger machte,  liegt nahe. Wenn die Schiiten merken, dass Washington in Wahrheit die Sunniten als ihre (neuen) Verbündeten sieht – noch dazu mit starkem Einfluss der Saudis, die die Schiiten hassen und verachten – könnte das Befürchtungen stärken, die Schiiten würden wieder den Kürzeren ziehen, man hätte sie nur benutzt, um Saddam loszuwerden, aber jetzt würden sie „auf der falschen Seite“ (Iran) stehe.

 Schließlich könnte ein Bürgerkrieg ausbrechen, in dem sich beide Fraktionen gegenseitig „den Schädel einschlagen“ (schöner formuliert „divide et impera“). Man muss dazu wissen, dass die Schiiten unter Saddam zwar politisch machtlos waren, es aber keine Segregation der beiden Religionsgruppen gab: weder Ghettobildung noch Gewalt auf den Straßen (wie z.B.in Nordirland); Sunni und Schiiten heirateten auch untereinander und das Zusammenleben war im Großen und Ganzen friedlich. Die wichtigste Frage ist aber:

Wer profitiert davon, dass heute eine extreme „Lagermentalität“ herrscht,  Bagdad in Ghettos aufgeteilt ist und beide Religionsgruppen sich spinnefeind sind? Ein friedliches Zusammenleben scheint unmöglich geworden zu sein.

Ein weiterer Grund, warum die Schiiten in Washington schlechte Karten haben, ist die Tatsache, dass ihre religiösen Führer zwar “radikal”  und für uns schwer akzeptabel sein mögen, aber eines sind sie sicher nicht: dumm, korrupt und unterwürfig. So erwies sich z.B.  Moqtada al-Sadr’ als formidabler Gegner (im intellektuellen Sinn) und seine “Mahdi“ Kämpfer machten den US-Truppen auch schwer zu schaffen.

Flynt Leverett, ehenmaliges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates unter Busch stellt dazu fest:

„Die Bush-Regierung argumentiert, dass Iran gefährlicher ist und im Irak mehr Gewalt provoziert als die aufständischen Sunnis, obwohl – wenn man die tatsächlichen Opferzahlen betrachtet – die Anschläge auf US-Truppen fast ausschließlich von sunnitischen Gruppen verübt wurden“ .

Das sei  alles Teil einer Kampagne von Provokationen, die  den Druck auf Iran Schritt für Schritt erhöhen sollen. Die Idee dahinter sei, dass die Iraner früher oder später reagieren werden und dann hätte man einen Vorwand für einen Militärschlag gegen Teheran.

„Diese zwei Regime – Iran und Syrien – erlauben Terroristen und Aufständischen von ihrem Staatsgebiet in den Irak einzudringen. Iran liefert materielle Unterstützung für Angriffe auf amerikanische Truppen. Wir werden diese stoppen. Wir werden den Nachschub aus Iran und Syrien unterbinden. Und wir werden die Netzwerke ausforschen und zerstören, die unseren Feinden im Irak modernste Waffen  und Training zur Verfügung stellen.

Präsident George W. Bush im Jänner 2007 [schon wieder Projektion]

In den folgenden Monaten regnete es ständig neue Vorwürfe aus Washington, wonach Iran in den Irakkrieg verwickelt sei. Im Februar zeigt man Reportern technisch hochentwickelte Bomben, die angeblich iranischer Herkunft waren. Der Zweck der Übung war klar: die chaotischen Verhältnisse im Irak, die Bush immer mehr unter Druck setzten, sollte nicht den  militärischen Planern im Pentagon und den dahinter stehenden, größenwahnsinnigen „Neocons“  angelastet werden. Stattdessen wurde die Verantwortung für dieses Desaster [nach unseren moralischen Begriffen] dem Iran in die Schuhe geschoben. Hunderte iranische Staatsbürger wurden im Irak festgenommen und brutalen Verhörmethoden unterzogen, darunter viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die aber letztlich wieder freigelassen wurden.

Ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter sagte Hersh in einem Interview, die klare Botschaft an das Militär laute seit August 2006  „so viele Iraner wie möglich zu schnappen“. Das Weiße Haus wolle unbedingt den Eindruck verstärken, dass die Iraner die Rebellion im Irak anfachen und das Töten von Amerikanern von Anfang an unterstützt haben.

Verteidigungsminister Robert Gates verkündete zwar im Februar 2007, dass man keinen Krieg mit dem Iran plane, doch die Atmosphäre der Feindseligkeit und ein aggressiver Konfrontationskurs aus Washington waren nicht zu übersehen. Geheime Operationen fanden nicht nur im Libanon statt, sondern bereits innerhalb des iranischen Staatsgebietes. Amerikanische „Spezialkräfte“ haben ihre verdeckten Aktivitäten ausgeweitet, um das Land noch besser ausspionieren und destabilisieren zu können. (Siehe dazu auch diesen Beitrag)

Eine zweite gezielte Angriffslinie gegen den Iran, ist natürlich das angebliche Atomwaffenprogramm, (das hier nicht weiter behandelt wird, siehe dazu frühere Beiträge mit dem tag „Iran“). Die Glaubwürdigkeit Teherans soll durch bewusste Verbreitung von Falschmeldungen so weit zerstört werden, dass man der Regierung schließlich alles zutraut. Auch wenn es gar keine Beweise für ein Waffenprogramm gibt, wird das Land weiter dämonisiert, mit harten Wirtschaftssanktionen belegt und international isoliert. Übrigens die „Informationen“ über geheime Atomwaffeneinrichtungen kommen zu 99% von israelischen Geheimdiensten.

Das ganze widerliche Schmierentheater gab es ja auch bei Saddam Hussein: die „unmittelbare Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen aus dem Irak“ hat natürlich (2003) nicht existiert, und davor war Saddam ja ein wichtiger Verbündeter der USA, die ihm Geld und Waffen geliefert haben. Doch die Medien haben anscheinend nichts daraus gelernt …

Die USA wollen den iranischen Staat  zerstören, das steht völlig außer Zweifel. Sie wollen eine politische Fragmentierung aller arabischen Länder), die sich ihrer hegemonialen Ordnung widersetzen: Libyen, Irak, Syrien, Iran sind die wichtigsten Ziele dieser größenwahnsinnigen Politik.

Hersh schreibt, dass bereits seit 2006 konkrete Pläne für einen Bombenangriff auf Iran im Pentagon vorliegen. Eine spezielle Planungsgruppe wurde dafür eingesetzt, die sicherstellen soll, dass „bei Bedarf“, also nach Anordnung des Präsidenten innerhalb von 24 Stunden diese Bomben an ihr Ziel gebracht werden.

Auch zwei Flugzeugträger wurden in der Region stationiert, was natürlich auch eine militärische Provokation darstellt. Die freie Passage der Straße von Hormuz ist unverzichtbar für den Öltransport und man befürchtet, Iran werde sie blockieren, wenn das Land angegriffen wird (die Ölpreise würden natürlich explodieren, was unsere Wirtschaft noch weiter in die Depression treiben würde).

DER  FIESE  PRINZ  AUS  1001  NACHT

Die Bemühungen der Bush-Regierung, die Position Irans im Nahen Osten zu schwächen, stützen sich zu großen Teilen auf Initiativen aus Saudi Arabien, besonders den korrupten, skrupellosen Prinz Bandar, den saudischen nationalen Sicherheitsberater. Dazu Hersh:

Bandar war bis 2005 saudischer Botschafter in den USA und ist [immer noch] mit Bush und Cheney eng befreundet [deranged minds think alike ..]. Im November 2006 flog Cheney überraschend nach Saudi Arabien um sich mit König Abdullah und Bandar zu treffen. Die Saudis machten klar, dass sie die Sunni-Gruppen im Irak unterstützen werden, wenn die US-Truppen abziehen. Die Saudis wollen um jeden Preis verhindern, dass die Schiiten in der Region mehr Macht erhalten. Im Osten ihres eigenen Landes gibt es auch eine schiitische Minderheit, noch dazu in einem Gebiet wichtiger Ölfelder.

Irans größter und stärkster  Widersacher in der Region, Irak unter Saddam, wurde ja zerstört und der Gedanke, Teheran könnte sich tatsächlich Atomwaffen beschaffen bereitet den Saudis angeblich schlaflose Nächte. [Dass ihre eigenen, finsteren Machenschaften (von den USA ganz zu schweigen) ja gerade die Motivation für Iran liefern, nach Nuklearwaffen zu trachten, als „Lebensversicherung“,das sehen die Saudis in ihrer Blindheit nicht …]

Saudi Arabien verfügt über sehr viel Geld, hat enge Beziehungen zur Muslimbruderschaft und fördert die Salafisten, eine extreme Sunnifraktion, aus der auch „Al Qaeda“ – mit saudischer Hilfe – rekrutiert wurde. Hunderte junger Saudis, die in Koranschulen extrem indoktriniert wurden, schickte man Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre nach Afghanistan um gegen die Russen zu kämpfen. Sie nahmen teil an einem Stellvertreter Krieg der CIA, die hunderte Millionen Dollar für Waffen und Terrortraining (in liason mit dem pakistanischen Geheimdienst) lieferte. Unter diesen Rekruten befand sich auch Osama bin Laden.

Diese fanatischen, indoktrinierten Kämpfer schrecken auch vor Massakern nicht zurück und genau das macht sie für diese intriganten „Strategen“ der „redirection“ so interessant und nützlich. Die Saudis glauben, solange sie die Salafisten (auch Koranschulen] finanziell fördern, werden sie selbst nicht zu deren Angriffsziel (sie lassen eine „Religionspolizei“ auf die Bevölkerung los, leben aber selbst exzessiv, wie lange kann das gutgehen?)

Prinz Bandar hat dem Weißen Haus versichert, man werde “diesen religiösen Fundamentalisten streng über die Schulter schauen“ Sie hätten diese Bewegung erschaffen und könnten sie auch kontrollieren. Was aber meint Bandar damit wirklich?

„ Es ist ja nicht so, dass wir nicht wollen, dass die Salafis Bomben hochgehen lassen. Es geht doch nur darum, wen sie damit umbringen sollen: Hisbollah, Al-Sadr, Iraner – und Syrer – wenn sie weiterhin mit Hisbollah und dem Iran zusammenarbeiten.“

Die guten Beziehungen zwischen den USA und Saudi Arabien sorgen ohnehin schon bei vielen Arabern für Kritik, deshalb ziehen es Bandar und seine korrupten Kollegen vor, dass Israel den Iran angreift, nicht die USA andernfalls fürchten sie, man werde ihnen die Schuld am Krieg geben.

Die vier Grundelemente der neuen „Strategie“ sind:

  1. Israels Sicherheit ist vorrangig und Saudi Arabien teilt die Befürchtungen über die „iranische Gefahr“
  2. Die Saudis würden auf Hamas einwirken, sich mit der gemäßigten Fatah zu einigen
  3. Die USA arbeitet direkt mit sunnitischen Staaten zusammen, um die Schiiten unter Kontrolle zu halten
  4. Die saudische Regierung übernimmt die Finanzierung und logistische Maßnahmen zur Schwächung Assads

Syrien spielt eine wichtige Rolle für Waffenlieferungen an Hisbollah und die Hamas hat in Damaskus ihre Zentrale. Die Saudis glauben auch, dass Syrien im Jahr 2005 die Ermordung des libanesischen Premierministers Rafik Hariri in Auftrag gegeben hat, der enge Beziehungen zu den Saudis und Prinz Bandar hatte. Dafür gibt es aber bis heute keine eindeutigen Beweise.

Andere sprechen davon, dass Israel hinter dem Mordanschlag steckt – welcher Journalist versucht, die Wahrheit herauszufinden?

 

LIBANON 2007

Neben dem Iran steht Libanon im Zentrum der neuen Strategie. Die Saudis und Bush unterstützen die wackelige Regierung von Premierminister Siniora, während Hisbollah immer mehr Anhänger gewinnt. Hisbollah gilt in den USA seit 1997 als „Terror-Organisation“, weil ihr mehrere Anschläge auf amerikanische Einrichtungen und andere Verbrechen vorgeworfen werden. Ihr Anführer Sheik Nasrallah bestreitet diese Vorwürfe, macht aber keinen Hehl daraus, dass nach seiner Ansicht, der heutige Staat Israel  kein „Existenzrecht“ hat.

Die USA finanzieren aber auch geheime Operationen und dubiose Akteure im Libanon, die für ihre Zwecke nützlich erscheinen. „Man könne eben nicht kontrollieren, wohin das Geld schließlich fließe“, sagte ein Berater der US-Regierung zu Hersh. „Wir finanzieren auf diese Weise auch  kriminelles Gesindel, was zu unerwünschten Konsequenzen führen kann. Wir riskieren viel dabei.“

TERROR ‚R US: DIE  USA &  SAUDI   ARABIEN  ALS  GRÖSSTE SPONSOREN FANATISCHER  MILITANTER  MUSLIME :

Dieses politische “Trio Infernal” unterstützt und fördert also genau jene “fanatischen und radikalen Islamisten”, die uns in den Medien immer als gefährliche “Terroristen”, als Bedrohung für die Welt präsentiert werden.

Alastair Crooke, ein Mann, der fast 30 Jahre im britischen Auslandsgeheimdienst MI6 verbrachte, und heute für einen ThinkTank in Beirut arbeitet sagte Hersh dazu folgendes:

„Die libanesische Regierung lässt diese Banden ins Land [bzw. lässt ihnen weitgehend freie Hand], das könnte sehr gefährlich werden. Mitglieder einer sunnitischen Extremistengruppe mit dem Namen Fatah al-Islam, eine ganz neue Splittergruppe von Fatah al-Intifada, erzählten ihm:

Innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Abspaltung bot man ihnen bereits Waffen und Geld an. Das waren Leute, die sich als Vertreter der libanesischen Regierung vorstellten. Ihre Absicht war wohl, dass damit gegen die Hisbollah gekämpft wird.“

2005 berichtete die  ICG (International Crisis Group), dass der Sohn des ermordeten Rafik Hariri,  Saad, der Anführer der sunnitischen Mehrheitsfraktion im libanesischen Parlament, 48.000 US-Dollar Kaution für vier Mitglieder eine militanten Islamistengruppe aus Dinniyeh bezahlt hat (er erbte vier Milliarden Dollar von seinem Vater). Die Männer waren verhaftet worden, weil sie versuchten, einen islamistischen Mini-Staat im Norden Libanons zu errichten.

Saad Hariri nutzte später auch seine Mehrheit im Parlament dazu, für 22 dieser Islamisten und sieben weitere Rebellen, denen u.a. ein geplanter Bombenanschlag auf die italienische Botschaft in Beirut zur Last gelegt wurde,  eine Amnestie zu erwirken. Samir Geagea, ein Führer der Maronitisch-christlichen Miliz, der wegen vier politischer Morde – darunter auch die Ermordung eines früheren Premierministers) verurteilt worden war, wurde auf Betreiben Hariris die Strafe erlassen. Er bezeichnete diese Eingriffe in das Justizsystem als „humanitär“.

Ein ranghoher Beamter der Siniora-Regierung gab in einem Interview zu, dass Jihadisten im Libanon ungestraft operieren dürfen (so lange sie die „richtigen Leute“ umbringen). „Wir haben eine liberale Einstellung, die es gestattet, dass Al Qaeda-Typen hier eine Präsenz haben …“ Die Begründung dafür sah man in Befürchtungen, dass Iran oder Syrien den Libanon „in einen Konflikt hineinziehen“ könnten.

Die Bush-Regierung hat ihre Unterstützung für Siniora als Beispiel für Demokratieförderung hingestellt und für sein Bemühen “die Einmischung anderer Länder zu verhindern”. Als es in Beirut zu Demonstrationen kam, die von Hisbollah angeführt wurden, sagte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton, das sei Teil eines „von Iran und Syrien angefeuerten Staatsstreiches“ (Projektion)

Der korrupte und intrigante Prince Bandar ist auch damit beauftragt, Spannungen zwischen Iran und Syrien zu produzieren. So versuchte er, über die Palästinenserfrage einen Keil zwischen die beiden Regierungen zu treiben, was aber misslang. Ein Ex-Diplomat aus der Region erzählte Hersh: „Sie sind loyal zueinander, einer wird den anderen nicht verraten. Seine Mission hat geringe Erfolgschancen“.

Auch der politische Anführer der Drusen im Libanon, Walid Jumblatt,  der die Hisbollah und Assad hasst, spielte beim Komplott gegen Syrien eine Rolle: Er sagte Hersh in einem Interview, er habe Vizepräsident Cheney im Herbst 2006 getroffen. Dabei sei es unter anderem auch darum gegangen, wie man Assad unterminieren könne. Er riet Cheney damals, für diese Zweck am besten die Muslimbruderschaft in Syrien als Ansprechpartner zu suchen.

Die SMB ist ein Ableger einer radikalen sunnitischen Bewegung, die 1928 in Ägypten gegründet wurde und seit mehr als einem Jahrzehnt gewaltsamen Widerstand gegen das Regime von Hafez Assad (dem Vater des jetzigen Präsidenten)leistete. 1982 gelang es ihr, die Stadt Hama unter Kontrolle zu bringen. Assad senior bombardierte die Stadt eine Woche lang, wodurch tausende Menschen starben. Die Mitgliedschaft in dieser Gruppe wird in Syrien mit dem Tod bestraft. Die MB (zu deren Ablegern auch Hamas zählt) gilt auch als Todfeind der USA und Israels.

Trotzdem sagte Jumblatt:

„Wir sagten Cheney, dass Syrien ein elementares Band zwischen Iran und Libanon ist, und um Iran zu schwächen, müssen Sie eine effektive Opposition in Syrien schaffen.“

Es gibt bereits starke Hinweise darauf, dass die „redirection“ große Vorteile für die Muslimbruderschaft gebracht hat. Die Syrische Nationale Salvation Front (SNSF) ist eine Koalition von Oppositionsgruppen, deren Führer Abdul Halim Khaddam, ein ehemaliger syrischer Vizepräsident ist. Ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter erzählte Hersh dazu:

„Amerika hat sie politisch und finanziell unterstützt. Die Saudis sind führend bei der Finanzierung, aber die US ist auch involviert. Khaddam, der (2007) in Paris lebte, bekam Geld von den Saudis und Washington wusste davon. Nach Presseberichten  traf sich eine Delegation der SNSF schon 2005 mit Beamten des Nationalen Sicherheitsrates in Washington. Die Saudis hatten ihnen die  notwendigen Pässe und Visa für die Reise besorgt.“

Dazu noch einmal Jumblat: „Manche in der arabischen Welt, vor allem die Ägypter, deren moderate Sunni-Führung die Muslimbruderschaft seit Jahrzehnten bekämpft hat, werden gar nicht erfreut sein, wenn die USA jetzt ihre Erzfeinde unterstützt. Doch wir sagten zu Cheney – wenn ihr Syrien nicht angreift, werden wir in einem langen Kampf mit Hisbollah stehen, und zwar einen, den wir verlieren könnten.“

[Jetzt wird klar, warum Mubarak plötzlich entmachtet werden musste…der „arabische Frühling“ ist nur ein schönes Theaterstück für die Medienschafe und ihr Publikum …]

DIE CHARADE VON GUT GEGEN BÖSE:  Sheik Hassan NASRALLAH

Im Dezember 2006 flog Seymour Hersh nach Beirut für ein Interview (unter enormen Sicherheitsvorkehrungen), mit Sheik Nasrallah, den Führer der Hisbollah (ein eher seltenes Ereignis und aus Sicht der Schiiten eine Art „Auszeichnung“ für westliche Journalisten, denn es bedeutet, dass sie als vertrauenswürdig erachtet werden)

Nasrallahs Aufenthaltsort ist geheim, weil sein Leben massiv bedroht ist, nicht nur von israelischen Geheimdiensten, sondern auch von arabischen Akteuren: Seine Mitarbeiter erzählten Hersh, jordanische Agenten und auch sunnitische Jihadisten wären hinter ihm her, letztere seien mit Al Qaeda verbündet.

Diese Version  bestätigte auch ein pensionierter US-General und ein Regierungsbeamter gegenüber Hersh: der jordanische Geheimdienst habe mit israelischer und amerikanischer Unterstützung versucht, schiitische Gruppen zu infiltrieren und Hisbollah zu unterminieren. König Abdullah von Jordanien hätte davor gewarnt, dass eine schiitische Regierung im Irak, die Iran nahesteht, das Aufkommen einer gefährlichen schiitischen Machtkonfiguration bedeuten würde.

Darin liegt eine bemerkenswerte Ironie: der tapfere und siegreiche Kampf der Hisbollah im Südlibanon gegen die gewaltige israelische Militär-Übermacht ließ Nasrallahs Ansehen in der muslimischen Welt stark ansteigen, egal ob Sunni oder Shia. Diese Wahrnehmung wurde aber in den letzten Monaten dank „redirection“ umgedreht und er wird jetzt von vielen Sunnis nicht mehr als Symbol für arabische Einheit, sondern als Akteur in einem Religionskrieg wahrgenommen.

Nasrallah musste seit Juli 2006 ständig seinen Aufenthaltsort wechseln: Auslöser dafür war die Gefangennahme zweier israelischer Soldaten im Grenzgebiet. Die Hisbollah wollte sie nur für einen Gefangenenaustausch benutzen, was eigentlich keine große Sache ist, doch die Reaktion Israels war völlig überzogen: ein Bombenkrieg, der 33 Tage dauerte und hunderte Tote forderte, auch die UN wurde bombardiert.]

Nasrallah sagte zu Hersh, er habe die Reaktion Israels falsch eingeschätzt und es sei nicht seine Absicht gewesen, die Region in einen Krieg zu verwickeln.

Nasrallah beschuldigt die Busch-Regierung, gemeinsam mit Israel, absichtlich eine Rebellion und Fragmentierung innerhalb der arabischen (und persischen) Muslime herbeizuführen: FITNA heißt dieser Begriff in der arabischen Sprache.

„Nach meiner Ansicht ist eine gewaltige Medienkampagne im Gange, damit wir uns gegenseitig an die Gurgel gehen [meine Formulierung] und all das wird von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten koordiniert.“

Nasrallah versteht, dass der Krieg im Irak religiöse Spannungen vergrößert hat, aber Hisbollah habe versucht, deren Ausbreitung in den Libanon zu verhindern. (In den Wochen nach dem Interview nahmen die Konfrontationen zu)

Der Hisbollah-Führer sagte weiter zu Hersh, er sei überzeugt, dass Bush “eine neue Landkarte” der Region erschaffen wolle:

„Sie wollen eine Teilung des Irak – dort ist bereits ein Bürgerkrieg im Gange. Es gibt ethnische Säuberungen. Die täglichen Anschläge und Vertreibungen sollen dazu führen, dass das Land in drei religiös und ethnisch getrennte  Enklaven zerfällt, der Auftakt für den Zerfall des Staates. Innerhalb der nächsten Jahre wird es eine totale Trennung zwischen Sunni, Schia und Kurden geben. Sogar in Baghdad fürchtet man, dass es eine geteilte Stadt geben wird.

Ich kann sagen, dass Präsident Bush lügt, wenn er sagt, er will keine Teilung des Irak. Die faktische Situation veranlasst mich aber zu sagen, ich schwöre dir, er reißt das Land in Stücke. Und eines Tages wird er [heuchlerisch] behaupten „Ich kann nichts dagegen tun, die Iraker wollen diese Teilung und ich respektiere ihre Wünsche“.

Nasrallah glaubt auch, dass Amerika die Teilung von Libanon und Syrien herbeiführen will.  Syrien würde dadurch im Chaos und im Bürgerkrieg versinken, ähnlich wie im Irak. Im Libanon wird es je einen Ministaat für die Sunnis, , die Alawiten, die Drusen, usw. geben. Das Schicksal der Schiiten sei aber ungewiss. Die Bombardierung durch Israel 2006 sei der erste Schritt gewesen, die Vertreibung von Schiiten (zuerst im Libanon, dann auch aus Syrien) anzufachen. Sie sollten in den Süden des Irak fliehen, wo ohnehin schon viele Schiiten leben.

[Der Profiteur dieses von außen geplanten Zerfalls ganzer Staaten und Gesellschaften sei in erster Linie Israel. Das Ergebnis dieser „Teile und Herrsche“ Strategie:]

Israel wäre dann von kleinen, schwachen Staaten umgeben, die keinen Widerstand mehr gegen eine regionale Hegemonie Israels leisten können. Nasrallah ist auch überzeugt davon, dass Saudi Arabien ebenso wenig  von der Teilung verschont bleiben würde, wie die nordafrikanischen Staaten.

[Er hatte Recht: das Schicksal von Libyen, Somalia, Sudan, etc. beweist das]

Die Frage, die man sich stellen muss: Ist diese Konsequenz die bedauerliche Folge einer „neuen Strategie“ oder steckt eine Absicht dahinter, wie Nasrallah glaubt?  Die Antwort ist nicht schwer …

Nasrallah betonte, die Hisbollah würde nur innerhalb der libanesischen Grenzen aktiv sein (außer sie werde angegriffen und müsse sich wehren) und würde sich zurückziehen, sobald eine libanesische Armee die Verteidigung des Landes übernehmen könne. Er wolle keinen Krieg mit Israel, rechne aber mit weiteren Angriffen. Die Siniora-Regierung habe keinen Rückhalt bei der Bevölkerung und werde nur durch ausländische Unterstützung an der Macht gehalten [auch damit hatte er Recht].

Die Bush-Regierung war sich nicht einig darüber, wie man mit Hisbollah verfahren solle.

Robert Baer, ein früherer, langjähriger Agent der CIA im Libanon, und einst scharfer Kritiker der Hisbollah, sagte Hersh dazu:

„Wir haben jetzt sunnitische Araber, die sich auf eine katastrophenartige Umwälzung vorbereiten und wir werden jemand brauchen, der die Christen im Libanon beschützt. Früher waren das die Franzosen, heute ist es Nasrallah und die Schiiten. Nasrallah entwickelte sich vom Rebellen zu einer Führungspersönlichkeit, vom Terrorist zum Staatsmann. Er hätte während des Krieges mit Israel Terrorattacken im Ausland in Auftrag geben können, … aber er tat es nicht.“

DEMOKRATIE IM BLINDENVERBAND

Die Vorliebe der Bush-Regierung [die Obama fortführt] für geheime Operationen, (mit Unterstützung fragwürdiger Verbündeter), die vor dem Kongress geheim gehalten werden, erinnern so manchen politischen Veteranen in Washington an frühere Zeiten: Als unter Reagan die (ebenfalls von außen geschürte) Aufruhr in Nicaragua mit illegalen Waffenverkäufen an den Iran [über Israel und mit Einbindung der Saudis] finanziert wurde. Der berüchtigte „Iran-Contra-Skandal“ war die Folge und mindestens zwei Schlüsselfiguren aus diesem Mega-Verbrechen sind auch in die „redirection“ Strategie, also die Neuordnung des Nahen Ostens verwickelt:

Elliot Abrams    und Prinz Bandar [zwei fiesere Charaktere wird man schwer finden und solche Leute sind dann die Bannerträger der „notwendigen Verteidigung gegen die  Bedrohung durch den „bösen“ Iran”]

Abrams, [ein besonders schwerer Fall von krankhafter Selbsttäuschung und Projektion], sprach vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung über Lektionen aus dieser Affäre  (ein Verbrechen, für das er strafrechtlich verurteilt, aber von Bush begnadigt und wieder in Amt und Würden eingesetzt wurde). Dazu Hersh:

Er sei zu dem Schluss gekommen, dass obwohl das „Programm“ letztlich aufgedeckt wurde, man doch in der Lage gewesen sei, es durchzuführen, ohne dass der Kongress etwas davon mitbekommen hätte.

Was sie (die Teilnehmer der Veranstaltung) aus dieser Erfahrung für zukünftige verdeckte Operationen gelernt hätten?

  • man kann seinen Freunden nicht trauen.
  • man muss es ohne die CIA machen
  • man kann dem uniformierten Militär nicht trauen
  • es muss vom Büro des Vizepräsidenten [Cheney] gelenkt werden

[FAZIT: Tja, man kann eigentlich nur mehr jenen „trauen“, die genau solche skrupellosen  A……cher sind, wie man selber …, birds of a feather ...]

Der amerikanische Präsident muss eigentlich für solche geheimen Operationen einen schriftlichen “Befund” erstellen und den Kongress darüber informieren. Nicht zuletzt deshalb, weil – nach der Verfassung – der Kongress auch die Gelder dafür genehmigen muss. Doch man hat schon lange Wege gefunden, diese lästige „Kontrolle“ zu umgehen:

Es gibt deshalb geheime Konten und Geldquellen [die CIA ist selbst in den internationalen Drogenhandel verwickelt], verteilt in der ganzen Welt, über die die CIA und andere „Spezialeinheiten“ verfügen können. Doch durch den Irakkrieg und das „Budgetchaos“ tat sich eine neue, riesige Geldquelle auf:

Von den Dollar-Milliarden an „Aufbauhilfe“, die an den Irak gingen, verschwand ein Großteil auf Nimmerwiedersehen. Es wurden ganze Pakete von Banknoten geliefert, über den Verbleib niemand Auskunft geben konnte.

[Paul Bremer, der zuständige „Konsul“ im Irak, der zu dieser Zeit die Verantwortung trug, erhielt später die „Medal of Freedom“ von Bush. Wahrscheinlich war die „Freiheit“ gemeint, sich hemmungslos an Steuergeldern bedienen zu können, und den Irak auszuplündern … ]

Die Kontakte von Hersh (ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und ein Ex-Vier-Sterne-General] bestätigten, dass dieses Chaos eine perfekte Möglichkeit für Geldwäsche war, die man zur Finanzierung solcher geheimen Aktionen im Ausland verwenden konnte.

Das wäre seit „Iran-Kontra“ eine übliche Vorgangsweise …und selbst die CIA wisse nicht über alles Bescheid …Sie fragt selbst „Was ist hier eigentlich los?

ZUSAMMENFASSUNG

Hersh zeigt auf brilliante Weise, dass seit 2005 eine massive, geheime Operation im Nahen Osten im Gange ist, um eine ständig eskalierende Konfrontation auszulösen, die Sunnis und Schiiten spalten soll und zu einer gewaltsamen Neuordnung der Machtverhältnisse führt – ohne dass die Öffentlichkeit irgendetwas davon mitbekommt … Es soll so aussehen, als wäre man gezwungen einzugreifen, um Schlimmeres zu verhindern, doch in Wahrheit will man genau das erreichen: den politischen Zerfall jener arabischen Staaten, die sich der Hegemonie Israels und der USA (auch des globalen korporativen „Marktes“) nicht unterordnen wollen ..

Die „Massaker“, die steigende Anzahl der Toten und andere Greueltaten sind nicht bedauerliche Exzesse der betreffenden Regierung, sondern lange geplanter „Terror“ der vom „Trio Infernal“  organisiert wurde:

Wir müssen uns von der naiven Vorstellung trennen, dass die US-Machteliten und ihre saudischen und israelischen Kumpane, [aber auch europäische Akteure, mit neokolonialen Ambitionen] auch nur im Geringsten daran interessiert sind, dass diese arabischen Länder in Frieden und Freiheit existieren können. Das Recht auf Selbstbestimmung hat man ihnen schon lange abgesprochen und seit „9/11“ geht es ihnen an den Kragen …

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