Demokrates und Idiotes

Im Jahr 2000 erschien eine von der EU in Auftrag gegebene Vergleichsstudie, die untersucht hat, in welchem Ausmaß die EU-Mitgliedsstaaten bereit waren, die nationale Lohnanpassung den neuen Anforderungen der EMU (Währungsunion) unterzuordnen. Die Verfasser der Studie betonen, dass durch den Euro

„neue makroökonomische Bedingungen geschaffen wurden, die eine erhebliche Auswirkung auf die Lohnpolitik haben.

Weil die Währungsunion den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit nimmt, durch Anpassungen der Wechselkurse und Zinssätze die wirtschaftliche Situation zu stabilisieren, wird wahrscheinlich die Lohnpolitik die Hauptlast für die Kompensation solcher Ungleichgewichte tragen müssen.“

Ergebnis:

Praktisch alle EU-Staaten haben seit den 1980er Jahren eine erhebliche „Lohnzurückhaltung“ der arbeitenden Bevölkerung erreicht. Bemerkenswert ist, dass besonders folgende Länder für ihre große “Bescheidenheit” bei den Lohnabschlüssen gelobt werden: Irland, Finnland, Italien und Griechenland (!) während Portugal, Belgien, die Niederlande und Großbritannien die höchsten Zuwächse bei den Reallöhnen hatten (im Verhältnis zur Entwicklung der Arbeitsproduktivität).

Da muss man sich zwangsläufig fragen: Wer hat denn hier „über seine Verhältnisse gelebt“? Die Arbeiter und Angestellten offenbar nicht, trotzdem müssen sie jetzt für die systemische Fehlkonstruktion der Eurozone büßen …

Wenn die Reallohnzuwächse geringer sind als die Produktivitätssteigerung, fällt der Lohnanteil am BIP, das heißt, es findet eine systemische Umverteilung von den Arbeitseinkommen zu den Profiten statt und genau das war auch das Ziel der neoliberalen Politik, die in den EU Verträgen in Stein gemeißelt wurde. Die Autoren schreiben ja auch „ […] die Entwicklung des Lohnanteils ist ein Indikator für die relative politische Macht von Kapital und Arbeit“.

Der Champion in der Umverteilungspolitik war zweifellos Deutschland, wie diese Graphik eindrucksvoll beweist:

Die Hartz-Gesetze und die dauerhafte Schaffung „prekärer Arbeitsverhältnisse“, bis hin zu den perversen „1 Euro-Jobs“ haben es geschafft, die Arbeitsleistung zu entwerten und gleichzeitig die Arbeitslosen zu stigmatisieren.

Doch diese Politik zugunsten der Unternehmer (Kapitalbesitzer und Aktionäre) ist nicht nur ungerecht, sondern hat auch negative wirtschaftliche Folgen: denn die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt kontinuierlich, es fehlt also die „Gesamtnachfrage“. Deutschland konnte dies zwar durch steigende Exporte kompensieren, doch auch das ist auf Dauer keine Lösung, denn diese Zunahme wurde ja wieder mit mehr Schulden (der Importländer) erkauft und durch rigorose „Sparpakete“ gehen natürlich auch die Exporte zurück (Europa befindet sich ja bereits in einer Rezession).

Die Fehlkonstruktion des Euroraumes war nicht sofort sichtbar – auch weil die von den Banken generierten Immobilienblasen anfangs eine Vermögenszunahme und deshalb höhere Steuereinnahmen vorgaukelten – doch ein zusätzlicher „demand shock“ wie er 2008 dank des globalen Banken-Betrug-Netzwerkes eintrat, offenbart die Schwäche des Systems und lässt das ganze  entgleisen.

Die systemische Umverteilung des Einkommens von der Arbeit zum „Profit“ (der kaum noch Steuern zahlt) und die fallende Investitionsrate (Profite werden ins globale Finanzcasino, nicht in die Realwirtschaft investiert) sind der Schlüssel der Krise –nicht „faule Griechen“ oder anderer Blödsinn, der uns eingetrichtert wurde.

Die Vermögensbesitzer und die Finanzwelt profitieren zwar kurzfristig von diesem System, doch langfristig zerstören sie damit die Wirtschaft (wie wir sie kennen), plakativ formuliert heißt das: sie plündern uns aus mit ihrem Insiderwissen (die größten Spekulanten wie Goldman Sachs u.a. fungieren gleichzeitig als Berater jener Regierungen, die sie dank der Derivate ausplündern …) und das alles im Namen der „liberalisierten Finanzmärkte“.

Wie versessen man darauf war, dass der Euro ein Erfolg werden muss, zeigt der folgende Satz, der ebenfalls aus der o.a. Studie stammt:

„Darüber hinausgehend hat die Lohnpolitik [jetzt auch] eine große Verantwortung für ein reibungsloses Funktionieren der EMU.“

Sollte der Maßstab für Lohn- u. Steuerpolitik in einem Land nicht Streben nach sozialer Gerechtigkeit sein? Das gab es ja mal in der Sozialdemokratie, doch die wurde ja zur Zielscheibe der neoliberalen Konterrevolution, die jetzt triumphiert.

Muss sich die Lohnpolitik nicht danach orientieren, dass eine immer größere Konzentration von Vermögen (und damit Macht) an der Spitze (die dem Kapitalismus ja eigen ist) letztlich mit Demokratie unvereinbar ist?

Sollte nicht das Wohl der Menschen der Maßstab für eine politische Entscheidung, für ein politisches System sein? Stattdessen muss jetzt die Lohnpolitik (u.a.) so gestaltet werden, dass das System „reibungslos funktioniert“?

Was sagt uns das über die EU und ihre „Ziele“, die ihre neoliberalen Wurzeln nicht verbergen können? (eine genauere Betrachtung des Neoliberalismus erscheint notwendig – ich gehe in einem der nächsten Beiträge darauf ein)

Das Märchen, das in den Verblödungsmedien verbreitet wird, ist: Deutschland ist der Wirtschafts-Superstar, wenn alle Länder sich so verhalten würden, gäbe es kein Schuldenproblem in der EU. Ich habe ja bereits in früheren Blogs erklärt, dass das deutsche „Exportwunder“ nur zustande kam, weil sich die Importländer verschuldet haben, um diese deutschen Exporte zu bezahlen und dass Deutschland (und auch Frankreich) diese Finanzierung durch Kapitalexport bzw. „vendor financing“ ermöglicht hat. Es gibt keinen Ausgleichsmechanismus in diesem System, deshalb ist es unmöglich für die Peripherieländer, aus diesem Dilemma aus eigener Kraft herauszukommen.

Die Wahrheit ist also, dass der Handel in diesem Wirtschaftssystem ein Nullsummenspiel ist: jeder „Gewinner“ beim Exportwettbewerb erzeugt automatisch einen (oder mehrere) Verlierer. Der Euro hat die Schuldendisziplin natürlich nicht verbessert, sondern verschlimmert, weil die schwachen Staaten viel niedrigere Zinsen zahlen mussten als vorher: ein große Illusion, denn das war wie eine künstliche Aufwertung der Währung (gegenüber der Drachme oder der Lira). Die Banken wussten natürlich, dass die Schulden zunehmen würden und das wollten sie ja auch – Schulden verkaufen ist ja ihr Geschäft, je mehr desto besser.

Früher einmal war es die oberste Pflicht der Banken, die Bonität des Schuldners zu prüfen. Also das Risiko eines Zahlungsausfalles einzuschätzen und deshalb mit Vorsicht und Verantwortung zu handeln. Doch die Deregulierung der Kapital- und Finanzmärkte setzte dem ein Ende: die finanziellen „Innovationen“ brachten nicht nur die Möglichkeit dieses Risiko auf andere abzuwälzen, sondern damit auch noch gewaltige Gewinne zu machen. Wenn die Blasen platzen, zahlt doch immer der Staat (also wir) … das wissen die Banker spätestens seit 2008 und haben deshalb das „Endspiel“ eingeleitet: aus der (noch immer anhaltenden) Bankenkrise, die durch kriminellen Leichtsinn und organisierten Betrug entstand, wurde eine künstliche „Staatsschuldenkrise“ gemacht, damit die Zombie-Banken ihre wertlosen Schrottpapiere den Zentralbanken andrehen bzw. gegen echte Werte austauschen können. Zugriff auf das „Familiensilber“ der Staaten (Privatisierung des Volksvermögens (ohne Beteiligung des Parlaments!) wie Infrastruktur, Bildungssystem, Land und Wasser, etc.) und letztlich Zugriff auf die Steuereinnahmen und die Goldreserven.

Die Politik ist der Finanzbande voll auf den Leim gegangen

Nicht nur wegen der günstigen Zinsen, sondern vor allem deshalb, weil diese ihnen – dank sogenannter „finanzieller Innovationen“ zeigten, wie man das Budget so frisieren kann, dass der wahre Zustand des Haushalts und der Staatsverschuldung verschleiert wird. Die gleichen „Finanzinstrumente“ (des Betruges: derivatives and securitization) nutzen die Banker  und auch viele Konzerne bereits seit Jahren, um im  irrsinnigen „Wettbewerb“ der vom Markt geforderten – immer höheren – Profite zu glänzen. Die Bilanzen müssen künstlich aufgeblasen werden, Schulden werden versteckt, oder scheinbare „Einnahmen“ generiert, damit die Gewinne, der Aktienkurs und damit das „Rating“ (und die Boni) steigen und die „Anleger“ zufrieden sein können.

Ich glaube nicht, dass „Banker“ schlechtere Menschen sind, auch das Gerede von der „Gier“ ist irreführend: das Problem ist, das diese „Gier“ durch die Institutionen selbst erzeugt und belohnt wirdes entsteht ein „dominanter GesellschaftsCharakter“ aber das ist eben nicht die „menschliche Natur“ – siehe dazu auch die Bücher von Erich Fromm: Wege aus einer kranken Gesellschaft u. Haben oder Sein).

Mit Ökonomieder eigentlichen Bedeutung dieses griechischen Worteshat das aber nichts mehr zu tun. Das ist Chrematistik – wie Aristoteles so weise unterschieden hat: grenzenloses Streben nach Bereicherung sei „widernatürlich“, also eigentlich ein Fall für den Psychiater- doch heute wird das als normal, ja wünschenswert erachtet – auf dieser Basis kann kein System dauerhaft funktionieren, es zerstört sich letztendlich selbst (fehlendes Prinzip der Selbstbeschränkung und negativer Rückkopplung)

Übrigens bei den alten Griechen hießen Leute, die sich um das Gemeinwohl kümmerten (sich aktiv an der Gestaltung der Politik beteiligten) DEMOKRATES, Menschen, die sich nur um das eigene Wohl kümmerten IDIOTES …

Zu welcher Gruppe wollen wir gehören?

Dass dieser Betrug nicht nur in Griechenland sondern in fast allen späteren Euro-Ländern gang und gäbe war, zeigt z.B. diese Studie von Professor Gustavo Piga, die 2002 erschienen ist.

Schlimm genug, dass der Euro also nur dank frisierter Bilanzen eingeführt werden konnte, doch man könnte doch wenigstens erwarten, dass die EZB alles tut, um Transparenz und Aufklärung zu ermöglichen. Weit gefehlt. Als der amerikanische Wirtschaftssender Bloomberg im Oktober 2010 einen Antrag auf Herausgabe von Dokumenten stellte, lehnte die EZB dies mit folgender Begründung ab:

“Die Information, die in diesen Dokumenten enthalten ist, würde das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Effektivität der Wirtschaftspolitik unterminieren.“

Trichets (damals noch EZB Präsident) Argumentation ist äußerst verräterisch, denn sie bedeutet, dass die Politik, die er und seine Gesinnungsgenossen vertreten, eben nicht vertrauenswürdig ist –  und dass das ganze Euro-Projekt ein großer Selbstbetrug war, nach dem Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein. Geheimniskrämerei  als Antwort auf Missstände, die europäischen Bürger dürfen  zwar für die Milliarden der „Rettungspakete“ haften, aber nicht erfahren, was hier wirklich gespielt wird? Was hat das noch mit Demokratie zu tun?  Das Regime der EZB muss beendet werden, je früher, desto besser.

Aber nicht nur Staaten, auch auf regionaler und kommunaler Ebene wurden fleißig „Swaps“ an naive Politiker verkauft, um die angespannte Finanzsituation zu beschönigen oder weil man ihnen einredete, das sei „effizientes Schuldenmanagement“, die Haushaltszahlen können durch „kreative Lösungen optimiert“ werden usw.

Hier wurde effektiv die Fähigkeit der Politik, selbständig zu denken, ausgeschaltet und der Irrsinn der Finanzbranche als normal akzeptiert. Das gelingt unter anderem auch deshalb, weil die Sprache der Finanzwelt extrem manipulativ ist, so werden auch die Medien erfolgreich hinters Licht geführt.

Das fatale an diesen „Swaps“ ist: kurzfristig steht der verantwortliche Politiker gut da – die Zahlen werden scheinbar besser, der Druck der Defizit-Inquisition lässt nach, die EU-Kommission erspart sich die Peinlichkeit, den Euro abblasen zu müssen, weil niemand die Kriterien erfüllt. Doch das dicke Ende kommt später: Der Budgetbetrug wird offensichtlich, wenn die Swap-Verträge auslaufen (dann muss eine große Summe zurückgezahlt werden, die man vorher über Jahre als „Zinszahlung“ scheinbar eingenommen hat)  bzw. wenn die Bilanzierungsregeln geändert werden und das kann 10 Jahre später sein, wie es ja auch in Griechenland der Fall war. Die Regierung, die zu diesem Zeitpunkt im Amt ist, war aber gar nicht für den Betrug verantwortlich – doch es ist ein besonderes Vergnügen für die Monetaristen, wenn es dadurch eine sozialdemokratische Partei trifft – wie in Griechenland und Spanien.

Im letzten Akt des tragikomischen Theaterstücks werden die Regierungen selbst Opfer der neoliberalen Marktlogik (wobei wenige Akteure den manipulierten Markt beherrschen). Durch die Aufgabe der Währungssouveränität haben sich die Staaten zum Spielball der Finanzmärkte gemacht. Um in die Währungsunion zu kommen, haben sie ihre politische Autonomie aufgegeben, durch die „Liberalisierung der Finanzmärkte“ haben sie sich ihr eigenes, politisches Grab geschaufelt.

Die Regeln der Eurozone waren so angelegt, dass der Handlungsspielraum der Politik immer kleiner wurde und stattdessen die „Märkte“ immer mehr Macht bekamen. Doch diese angebliche Selbstregulierung funktioniert eben nicht, Märkte müssen kontrolliert und sanktioniert werden, nicht Regierungen von Institutionen wie IWF oder EU Kommission (dazu gibt es ja das Parlament und eigentlich auch die Medien …).

Die neoliberale Wirtschaftsreligion hat zwei oberste Gebote: Budgetdisziplin und niedrige Inflationsrate. Die Budgetzahlen, effektive Lohn-Umverteilung nach oben und vermögensfreundliche Gesetze dienen daher als Grundlage für das „Rating“ der Finanzmärkte. Wehe dem, der ein Defizit hat (Merke: obwohl der Nationalstaat die globalisierte und finanzialisierte Wirtschaft immer weniger beeinflussen kann, wird er für alles verantwortlich gemacht) …  Die Folge?

Die Budgetzahlen wurden und werden dank der geschürten Defizit-Hysterie manipuliert, um die Märkte zu beruhigen und bessere Konditionen für Kredite zu bekommen … die Katze beißt sich also in den Schwanz …

PONZI FINANCE > PONZI GOVERNMENT

Die Ironie: Während die Regierungen und Parlamente strenge Auflagen erfüllen sollten, damit das „Budget nach Vorschrift“ funktioniert, wurden durch die „Hintertür“ (die Narrenfreiheit der Finanzbranche) die Budgetzahlen selber ad absurdum geführt:

Die gleichen Leute, die den Griechen, Italienern u.a. gezeigt haben, wie man die Zahlen „schönt“, sind jetzt dafür zuständig, dass die „strengen Auflagen“ und „Reformen“ von IWF und EU erfüllt werden?

EFSF: Welcher Rettungsschirm?????

Wenn Betrüger (die sich auch in die eigene Tasche lügen) das geistige Kommando übernehmen, was kann dabei herauskommen? „Stabilität?“ Soll das ein Witz sein?

Was für Menschen mit demokratischer Gesinnung ein Albtraum ist, scheinen viele Politiker nicht zu begreifen: Die politische Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, ja des Systems an sich, richtet sich nicht mehr nach den Bedürfnissen der Menschen, sondern nach den Regeln der neoliberalen Theorie die – so wurden unsere Politiker und Medien konditioniert – wie ein Naturgesetz befolgt werden müssen – no matter what.

Doch weil diese Regeln eine sehr ungerechte und brutale Gesellschaft erzeugen, in der eine kleine Minderheit auf Kosten der Mehrheit „absahnt“ und dabei die Demokratie immer weiter unterminiert, wehren sich die Menschen dagegen.

Deshalb die Verträge von Maastricht und Lissabon (ablehnende Volksabstimmungen wurden einfach ignoriert), deshalb der „Stabilitätspakt“, die Sanktionsdrohungen bei „fehlender Disziplin“ und jetzt sogar die Entmündigung der nationalen Parlamente: die Budgetentwürfe müssen ab sofort in Brüssel zur Begutachtung eingereicht und von der Kommission abgesegnet werden, sonst werden „Strafen“ verhängt – wie bei ungezogenen Kindern, die sich daneben benommen haben. Unglaublich, was uns hier an Schmierentheater geboten wird.

Als ob die Höhe der Verschuldung nur von der Erfüllung bestimmter Regeln abhinge, also von der Folgsamkeit der Regierung gegenüber dem neoliberalen Kanon– das ist doch eine völlig absurde Vereinfachung. Obwohl die Nationalstaaten immer weniger die makroökonomischen Bedingungen gestalten können (dank EU, Euro und WTO: Stichwort „Globalisierung“), werden sie für alle Probleme verantwortlich gemacht.

Doch jetzt wird klar, dass diese „Schuldenkrise“ bzw. die seit Monaten durch die Medien erzeugte Panikstimmung bewusst herbeigeführt wurde – denn der neoliberale class war befindet sich in der letzten Phase: jetzt geht es ans Eingemachte: wer das Budget kontrolliert, kontrolliert den Staat und die Ernennung neoliberaler Technokraten (siehe dazu den letzten Beitrag) als Regierungschefs stellt sicher, dass das Endgame nach Plan verläuft.

Das Geniale (nach Machiavelli) dieser Farce besteht darin, dass die wahren Urheber der Krisen (die Finanzoligarchie und ihre neoliberalen Gesinnungsgenossen, die hinter den Kulissen agieren) nicht am Pranger stehen, sondern die ganze Misere jetzt den Politikern – und letztlich uns – angehängt wird: der ineffiziente Staat, die leichtsinnigen Regierungen, das dumme Volk, das „über seine Verhältnisse“ gelebt hat, usw.

Natürlich gibt es an den Parteien und Politikern genug zu kritisieren und auch „Reformbedarf“ ist immer vorhanden. Doch was hier abgeht, ist dass die „Richter“ und „Vollstrecker“ des neuen Wirtschaftsdiktates eigentlich die Täter sind (geistige Urheber). Die Politiker waren für sie nur nützliche  Idioten (besonders Gerhard Schröder), um die neoliberale Agenda durchzusetzen.

GOLD ist die Währung der Könige

SILBER ist die Währung der Kaufleute

SCHULD-GELD Ist  die Währung der Sklaven

DIE NEUE ORDNUNG

WER GEHORCHT?

Die Staaten bekommen jetzt nur mehr Geld, wenn sie bestimmte Regeln und drakonische Reformen einhalten – die nicht demokratisch legitimiert sind, sondern von jenen Leuten stammen, deren fanatische  Ideologie uns ja in diese Situation gebracht hat. Sie werden von den „Märkten“ mit hohen Zinsen bestraft, also erpresst – wenn sie nicht das tun, was diese Wirtschaftsorthodoxie vorschreibt.

WER SCHAFFT AN?

Die Banken und Finanzinstitute aber, die ja die gigantischen Kreditblasen erzeugt und ein immer dichteres Netz aus Betrug und Spekulation geknüpft haben, müssen KEINE Reformen durchführen. Sie werden „refinanziert“ (durch noch mehr Schulden für die Staaten) in Milliardenhöhe, weil sie „systemrelevant“ sind. Korrupte Ratingagenturen, die willkürliche und politisch-motivierte Bewertungen vornehmen (die sie selbst nur als „Meinungen“ bezeichnen und deshalb nicht dafür haften) können weiterhin ihr Unwesen treiben, dank unserer Journalisten, von denen nur die wenigsten begriffen haben, was hier eigentlich passiert.

DER TEUFELSKREIS

Übrigens, auch die angebliche „Erhöhung der Eigenkapitalquote“ (auf 9%), die unsere Politiker „durchgesetzt“ haben, wird von den Banken  ad absurdum geführt:

Die Rücklagen werden eben NICHT erhöht (um für Krisen besser gewappnet zu sein), sondern das Risiko (für Kreditausfälle und Derivate)  wird einfach „neu bewertet“, damit sinkt dann auch das erforderliche Eigenkapital. Diese „risikogewichtete Asset-Optimierung“ gestattet den Banken, so weiterzumachen, wie bisher: sie müssen nicht das Kreditvolumen einschränken, Vermögenswerte verkaufen oder sich über die Aktionäre neues Kapital beschaffen.

Es gibt ein englisches Sprichwort, das heißt übersetzt: „ Der Fuchs bewacht den Hühnerstall“ – im Fall von Basel II oder Basel III („Mehr Regulierung der Banken?) heißt es wohl besser: „Die Hühner (Regulierungsbehörden) bewachen den Fuchsbau“ …

Der Euro war das (erste) trojanische Pferd, das man uns vor die Tür gestellt hat. Die „Schuldenbremse“ ist das nächste …

Die Verankerung der „Schuldenbremse“ in der Verfassung ist ein weiterer Schritt zur Entmachtung der Parlamente und bestätigt die These, dass die neoliberale Gesinnung  demokratische Prozesse verabscheut und  stattdessen eine Herrschaft der Experten und Gerichtsentscheidungen bevorzugt.

Die Verfassungsgerichte dafür zu missbrauchen, neoliberale Glaubenssätze unter dem Deckmantel fiskalischer Vernunft einzuzementieren und es damit zukünftigen Regierungen praktisch unmöglich zu machen, einen anderen Weg zu gehen, ist ein Skandal.

Die Fähigkeit der Politik, regulierend in die Wirtschaft einzugreifen und die Rahmenbedingungen zu verändern, wenn es die Lage bzw. das Wohl des Landes erfordert, gehört ja zur  Essenz politischer Macht.

Es muss in bestimmten Situationen möglich sein, durch erhöhte Ausgaben eine anti-zyklische Wirtschaftspolitik zu machen, auch wenn das eine Steigerung des Defizits bedeutet. Wenn die Nachfrage zu niedrig ist und einer dauerhafte Rezession droht, muss der Staat durch Investitionen neue Nachfrage generieren, die sich aber letztlich wieder bezahlt macht.

Mit der „Schuldenbremse“ (die ja eben keine ist), wird der Handlungsspielraum der nationalen Politik weiter eingeschränkt und der endgültigen Entmündigung der nationalen Politik durch die Finanzmärkte Vorschub geleistet.

Wie heißt es so schön in dem Film „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ (grauenvolle Übersetzung des englischen Originaltitels „The Cider House Rules“ nach dem Buch von John Irving:

Sometimes you have to break the rules to make things right

Sinngemäße Übersetzung: Regeln, die unmenschlich  und ungerecht sind, müssen gebrochen werden ….

In diesem Sinne sind die Vorgaben aus Brüssel zu betrachten …

Wir müssen die Souveränität über unser Geld wiedergewinnen …und ein System einführen, dass ohne den Zinsterror der Banken funktiniert … und OHNE Wachstumszwang (der sich ja aus den Zinsen ergibt)

Klingt utopisch?  Was ist die Alternative –  Finanzdiktatur, Depression und der nächste Weltkrieg?

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