SHIT HAPPENS (3): Falsche Fährten?

Unfassbar: Obwohl bestätigt wurde, dass die Keime auf den spanischen Gurken nicht die Erreger der EHEC / HUS Infektion sind, geht die Gemüsehysterie weiter und es werden Tonnen von gesundem Gemüse nicht gegessen, sondern vernichtet. Die Dummheit kennt anscheinend keine Grenzen, denn was isst der in Spanien urlaubende Deutsche stattdessen?  Fast Food! (laut n-tv)

Es ist zwar bekannt, dass unhygienisch zubereitetes Rinderhack eine der Hauptquellen für Darminfektionen darstellt, doch man greift lieber zum – auch sonst ungesunden – Hamburger und entfernt dann auch noch die Tomate und das Salatblatt. Was soll man dazu noch sagen? How stupid can you get? 

Es muss noch einmal betont werden: das größte und gefährlichste Reservoir für diese EHEC Keime sind Wiederkäuer, vor allem Rinder (deren Verdauungssystem bzw. deren Ausscheidungen). Die Quelle ist also die (vor allem industrielle) Tierhaltung und hat nichts mit Gemüse- bzw. Bioanbau zu tun. Irgendwelche unsichtbaren Mikroben sind immer auf unserem Gemüse, doch durch gründliches Waschen werden diese entfernt (sonst müssten wir ja dauernd  Verdauungsstörungen haben).

Wie übertrieben und kurzsichtig es ist, sich nur auf Gemüse zu konzentrieren, zeigt auch folgende Geschichte:

In einer Wurstfabrik in Deutschland wurden im Rahmen einer Studie fast zwei Jahre lang die Arbeiter untersucht, um eventuelle Keimträger zu ermitteln. Zwei der Arbeiterdie überhaupt keine Symptome hatten – hatten wochenlang den gefährlichen EHEC-Erreger ausgeschieden, und niemand wäre (nur durch Befragungen, wie sie das Robert-Koch Institut jetzt durchführt) je darauf gekommen.

In diesem Zusammenhang scheint es auch wichtig, hervorzuheben, dass die Übertragung von Mensch zu Mensch weit häufiger vorkommt, als es die Medienberichte vermuten  ließen. Aus einer amerikanischen Studie stammt folgendes Diagramm:

Daraus ist zu ersehen, dass 38% der STEC Infektionen durch Übertragung von infizierten Personen zustande kamen, 15 % durch Fleischkonsum, gefolgt von Milchprodukten und belastetem Wasser, aber nur 6% durch Obst und Gemüse.

Da muss man fragen: Wie wird diese Übertragung in Deutschland verhindert? Noch dazu gibt es nicht wenig Menschen, die sich nach dem Besuch einer Toilette nicht die Hände waschen ….

Bakterienangst: Immer auf die Kleinen …

Bakterien sind um uns herum, leben auf und in uns und das ist auch ganz normal so. Es besteht kein Grund, deswegen hysterisch zu werden oder gar zu anti-bakteriellen Chemikalien zu greifen. Der Kauf dieser Produkte (anti-bakterieller Seifen und Waschlotionen, Produkte wie Danchlor, etc.) ist immer kontraproduktiv, d.h. wenn Sie solche aggressiven Chemikalien verwenden, steigt die Chance dramatisch an, dass die Bakterien in ihrem Haushalt (bzw. auf Ihrer Haut) mutieren und früher oder später resistent werden. Bakterien „ausrotten“ zu wollen, ist eine Illusion, je mehr man sie unter Druck setzt, desto stärker werden sie.

Gesunde Lebensweise (dazu gehört viel Obst und Gemüse!), ein starkes Immunsystem und ein gewisses Maß an Sauberkeit sind die beste Voraussetzung für eine problemlose Koexistenz mit den zahlreichen Mikroben, die uns umgeben.

Aber zurück zu den E.Coli bzw. EHEC Infektionen:

Während hier also – bewusst – die ganze Aufmerksamkeit auf Gemüse gelenkt wird, muss man sich die Frage stellen, will man hier eine falsche Fährte legen?

Im  RASFF Bericht der EU (2009), werden die festgestellten Gesundheitsrisiken in Lebensmitteln festgehalten und evaluiert. Unter der Rubrik „pathogene Mikroorganismen“ gibt es ein Balkendiagramm, das verdeutlichen soll, welche Keime am häufigsten gefunden wurden und in welchen Nahrungsmitteln: (Seite 27). E.Coli ist neben der Listeria der am häufigsten gefundene Keim (gelber Balken). Doch in welchen Nahrungsmitteln wurde er meistens gefunden?

In Meeresfrüchten, vor allem in Muscheln und Tintenfischen, etwa fünf Mal häufiger als in Fleisch, das an zweiter Stelle steht. Da frage ich mich, warum niemand diese Tatsache erwähnt, wenn in einer Stadt wie Hamburg, die natürlich auch ein Umschlagplatz für Fische und andere essbare Meerestiere ist, eine große Zahl von Menschen an diesen Keimen erkrankt.

Doch es gibt noch eine ganz andere mögliche Quelle für die „Evolution“ eines besonders gefährlichen Bakterienstammes, über die man gar nicht spricht, denn das würde einen Sturm der Entrüstung auslösen):

Die Biotechnologie-Firmen in Norddeutschland (mehrere in Hamburg und Bremen) oder ganz allgemein die Gentechnik-Labors, in denen Dinge passieren, die sich der normale Bürger nur schwer vorstellen kann.

So wird tunlichst nicht erwähnt, dass das E. Coli Bakterium seit vielen Jahren in diesen Labors als „Klonapparat“ und als „Modellorganismus“ für eine ganze Reihe anderer biotechnologischer Experimente benutzt wird.

Bakterien können sich in wenigen Stunden explosionsartig vermehren  und ihre „Kompetenz“ (man kann fremdes bzw. künstliches Genmaterial in sie einschleusen, das dann millionenfach geklont wird) als „Bio-Reaktor“ ist in der Biotech-Branche äußerst beliebt. E.Coli ist der Liebling aller Gentechniker, denn er lässt  – scheinbar – alles mit sich machen. Um zu verstehen, worum es hier geht, müssen wir uns etwas näher mit der Vermehrung von Bakterien und ihrem Genom beschäftigen:

Bakterien haben prokaryotische Zellen, in denen die Erbanlagen, (als freier, gekräuselter DNA Strang)  zu finden sind. Zusätzlich können sie aber auch so genannte Plasmide beherbergen, das ist ein Stück kreisrunder DNA, das sich unabhängig vom „Chromosom“ (es ist kein echtes, wie beim Menschen) vermehren kann und ohne Hülle auskommt (man nennt das „nackte“ DNA).  Das Fehlen des Hüllenproteins (das „O“ beim EHEC) macht es viel leichter, in andere Zellen einzudringen, deshalb werden Plasmide millionenfach in der Gentechnik zum Einschleusen bestimmter Genkonstrukte verwendet.

Mehr dazu im nächsten Beitrag   

P.S.

Seltsam: Laut ECDC hat Deutschland die ersten HUS Fälle schon am 25. April gemeldet (Bei einer Inkubationszeit von etwa 7-10 Tagen (für EHEC)  hat also die Infektion Mitte April stattgefunden)

Laut Robert-Koch Institut traten die ersten Fälle aber erst Anfang Mai auf. Wer erzählt hier die ganze Wahrheit? Wer hat den Überblick?

RKI: „Der früheste Erkrankungsbeginn mit Durchfall war am 2. Mai 2011.

„Vom 2. bis 8. Mai lag die Fallzahl zwischen 0 und 2 Fällen täglich. Am 9. Mai stieg die Fallzahl auf 6 Fälle an und erhöhte sich seitdem kontinuierlich weiter bis zu einem bisherigen Maximum von 34 Fällen am 19. Mai. Zwischen 13. und 22. Mai lag die tägliche Fallzahl bei mindestens 17 bis maximal 34 Fällen. Seit dem 23. Mai lag die HUS-Fallzahl bei weniger als 15 Fällen pro Tag, wobei sich die Fallzahlen aufgrund eines Melde- und Übermittlungsverzugs wahrscheinlich noch ändern werden.“

 ECDC  Reported HUS Cases / Deaths                          Update 1 06 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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