FROM HELL: Atomterror & Medienalbtraum ….

Die Ereignisse in Japan, unmittelbar vor dem  25-jährigen Jahrestag nach Tschernobyl, müssten nun wirklich der ultimative Beweis dafür sein, dass diese Technologie ein organisierter Wahnsinn ist und nur durch ein systematisches Netz aus Lügen, Verharmlosen und Vertuschen überhaupt eine „Atomwirtschaft“ entstehen konnte (siehe dazu auch meine vorhergehenden Artikel zum Thema „Atompolitik“)

Der atomare Horror (Krebsepidemien, Tschernobyl, Uranwaffen und jetzt Japan) wird aber noch verschärft durch den medialen Albtraum, den wir seit Jahren erleben, denn – mit sehr wenigen Ausnahmen – hat sich die „Journaille“ als williger Helfer der Atomindustrie zur Verfügung gestellt. Das konnten wir ja gestern wieder bei „Anne Will“ mit Schaudern erleben – nur Ranga Yogeshwar  hat während der Sendung dagegen protestiert – „wir führen immer die gleichen Debatten“ (mehr dazu im nächsten Beitrag  zum Thema).

Doch bevor die Rolle der Medien bei der Ausbreitung der Atomwirtschaft untersucht werden soll, möchte ich einen wichtigen Punkt zu der aktuellen Gefahr in Japan hervorheben:

Während die ganze Medienlandschaft (verständlicherweise aber eben) nur darauf schaut, ob eine Kernschmelze eintritt und das Containment hält, gibt es eine Gefahr, die hier im deutschen Sprachraum völlig ignoriert wird, obwohl sie eigentlich viel größer ist, als die Kernschmelze: die Wasserbecken, in denen die „abgebrannten“ (sehr irreführend!) Brennstäbe gelagert werden, die so genannten „spent fuel pools“ (SFP):

DER TOD KOMMT AUS DEM WASSER …

…nicht „nur“, weil die Betreiber laufend hoch radioaktiven Dampf aus dem Reaktorgebäude ablassen (“ ventilieren“) müssen, um eine Explosion zu verhindern …

(Kontext: Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung des AKW-Komplexes  in Fukushima lahm gelegt. Für diesen Fall soll ein Dieselgenerator einspringen.  Doch der Tsunami sorgte für eine Überschwemmung des Raumes (und der Infrastruktur), in dem sich der Generator befand, sodass auch ein herbeigeschaffter Ersatzgenerator nicht einsetzbar war. Bei Ausfall des Generators gibt es noch eine dritte Redundanz, nämlich ein Batteriesystem, das jedoch nur wenige Stunden laufen kann und auch das nicht mit der vollen Leistung, sodass die Pumpen für das Kühlwassersystem nicht voll einsatzfähig waren. Nach  relativ kurzer Zeit gab es also keine Stromversorgung mehr und die Pumpen fielen vollständig aus.

Was bedeutet das nun für die SFP (die Wasserbecken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe gelagert werden)?

Etwa alle 4-6 Jahre müssen die Brennstäbe eines AKW ausgetauscht werden, nicht weil sie wirklich „abgebrannt“ sind, sondern weil sie als Wärmeerzeuger „unwirtschaftlich“ geworden sind. Ungefähr ein Drittel der Brennstäbe wird alle 18-24 Monate ausgetauscht, manchmal aber auch alle. Wichtig ist auch festzuhalten, dass – wenn es heißt, der Reaktor sei „abgeschaltet“, die Brennstäbe ständig gekühlt werden müssen. (Selbst wenn die Reaktoren also nicht mehr Strom erzeugen, sind sie weiterhin für Jahre gefährlich …)

Die Brennstäbe sind hoch radioaktiv und produzieren auch außerhalb des Reaktors große Hitze, die durch den radioaktiven Zerfall entsteht. Damit diese  in Schach gehalten wird, werden die Brennelemente in einem Wasserbecken gelagert, das ein aktives Kühlsystem hat (Wasserpumpen und Wärmetauscher)

Das Wasser schützt auch die Arbeiter vor der ernormen Strahlung der Brennstäbe (siehe Foto)

Kann der Wasserspiegel nicht konstant gehalten werden (zB  durch  Stromausfall), verringert sich die Kühlwirkung immer mehr und fällt schließlich ganz aus.

Sobald der Wasserspiegel auf etwa 1,50 m über den Brennelementen abgesunken ist, ist diese Schutzwirkung nicht mehr gegeben und die Werte werden lebensbedrohlich (Wer will / kann dann noch hier etwas „reparieren“)?

Die Temperatur beginnt also zu steigen, wodurch das Wasser verdampft und damit beginnt ein Teufelskreis:

Die steigende Temperatur beschleunigt die Oxidation der Brennstoffumhüllung (die aus einer Zirkoniumlegierung besteht, die hoch- und selbstentzündlich ist, wenn sie mit Sauerstoff oder Dampf in Berührung kommt) wobei wieder große Mengen Hitze generiert werden:

·   Reaktion mit Luft:                        12 Millionen Joule / Kilogramm

·   Reaktion mit Wasserdampf:    5,8 Millionen Joule / Kilogramm

wodurch wieder die Oxidation beschleunigt wird usw. Diese autokatalytische Reaktion (die sich sozusagen selbst befeuert) findet bei hohen Temperaturen statt und wenn genug Sauerstoff vorhanden ist. Das Resultat ist verheerend: die Hülle aus Zirkonium gerät in Brand , man spricht von einem „zirconium cladding fire“. Die Hitze, die dabei freigesetzt wird, kann größer sein, als die Zerfallswärme, die von frisch ausgelagerten Brennstäben ausgeht.

Während sich also die Brennstäbe weiter aufheizen, steigt der Gasdruck innerhalb der Brennstäbe so lange, bis sich die Hülle aufbläht und schließlich platzt. Bei mehr als  1800 Grad Celsius reagiert das Zirkonium mit dem Brennstoff (Uranoxid) und so verschmelzen beide in einem komplexen Prozess zu  Zirkonium-Uranoxid.

Nach dem Platzen der Hülle werden gasförmige, radioaktive Spaltprodukte freigesetzt und auch Teile des radioaktiven Brennmaterials in Form von Aerosolen. Wenn die Hitze, die vom Brand eines Kernelements ausgeht, nicht abgeleitet werden kann, breitet sich das Feuer auf alle Brennelemente aus.

 

Blick in den Reaktorkern

WARUM SIND DIESE BECKEN BEI STROMAUSFALL GEFÄHRLICHER ALS DER MELTDOWN?

Weil die Brennelemente, die darin gelagert werden, 5-10 mal mehr  Radioaktivität freisetzen, als der Reaktorkern (die Becken enthalten mehrere hundert metrische Tonnen an Brennelementen, was im Schnitt etwa dem Inhalt von  7 Reaktorkernen  entspricht; die Hitze in diesen Becken beträgt mehrere MegaWatt; die („verstrahlte“) Wassermenge in einem Becken ist ca. 1,5 Millionen Liter… das aber ständig mit  Frischwasser versorgt werden muss ..)

Besonders beunruhigend sind die riesigen Mengen von Cäsium 137, die sich in diesen Becken befinden: wir sprechen hier von 20 bis 50 MILLIONEN CURIE ( 1 curie = 37 Milliarden Bequerel / 1 Bequerel bedeutet (im Mittel) ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde …)

Zum Vergleich: bei der Katastrophe in Tschernobyl wurden etwa 2,5 Millionen Curie freigesetzt, das sind ca. 40% der Radioaktivität des Reaktorkerns. Bei einem Brand in den SFP können 100% der Radioaktivität freigesetzt werden …

Ende der 1990 Jahre veröffentlichte die NRC (amerikanische Atomenergie-Regulierungsbehörde) eine Studie über die Auswirkungen eines solchen „pool fires“ (bei einem Reaktor):

  • Ein Gebiet von fast 500 km² wäre unbewohnbar ….
  • Zusätzliche Krebserkrankungen (lokal): 30.000
  • Geschätzter finanzieller Schaden: 60 Milliarden Dollar

Geschätzter ökologischer Schaden: unermesslich …

WAS MELDET DIE BETREIBERFIRMA TEPCO ÜBER DIESE BECKEN (Presseaussendung vom 13.März) unter „Others“ auf Seite 2

We are currently coordinating with the relevant authorities and departments as to
how to cool down the water in the spent nuclear fuel pool.

Klartext: Sie haben keine Ahnung wie sie  – ohne Strom – verhindern sollen, dass die Wassertemperatur in den Becken weiter steigt und schließlich das ganze Wasser verdampft

Es gibt auch nach menschlichem Ermessen keine Möglichkeit mehr, dies zu verhindern … Ohne Strom, ohne ständige Zirkulation des Kühlwassers ist es nur eine Frage von Tagen, bis das Wasser völlig verdampft ist und dann dauert es nur Stunden, bis sich die Brennelemente selbst entzünden (die ja – im Gegensatz zum Reaktor  keine „Schutzhülle“ haben)

Dann hätten wir Tschernobyl hoch 10 …. Ein veritables  Höllenfeuer ..

Das ist also der Offenbarungseid einer Technologie, die uns seit Jahrzehnten terrorisiert …

Die verheerenden Folgen eines  „Loss of coolant“ Ereignisses für die Becken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe lagern, sind den Atomaufsichtsbehörden (soferne diese noch existieren – man setzt ja immer mehr auf „Eigenverantwortung“ und „Selbstkontrolle“ – ganz nach dem neoliberalen Mantra) seit langem bekannt.

Im Internet finden sich sogar ein Wissenstest zum Thema „Sicherheitsrisiken von Kühlbecken (in denen die ausgelagerten Brennstäbe liegen), und zwar von einer Firma, die Monitoring bzw. Visualisierungssysteme dazu anbietet:


Quiz on Spent Fuel Pool Safety/Security

Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass dieses „event“ zu dem oben beschriebenen, verheerenden Brand führen würde, wenn die Brennelemente nicht mehr gekühlt werden können.

Doch die Kontrollbehörde – ganz im Dienste der Atomwirtschaft – kam zu dem Schluss, dass zwar die Konsequenzen dieses „Ereignisses“ furchtbar wären, aber die Wahrscheinlichkeit dass es eintritt, so gering sei, dass man keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen müsse. ..

WAS KANN MAN DEN JAPANERN NUR RATEN?

So schnell wie möglich, das Land zu verlassen – besonders schwangere Frauen und Kinder sollten umgehend den nächsten Flughafen aufsuchen …

WAS SOLLTE MAN MIT LEUTEN WIE RÖTTGEN MACHEN (die aus dem Umweltministerium eine Farce  machen  und allen Ernstes argumentieren – siehe Anne Will – man müsse erst „Erfahrungen“  (Angst, Horror, Meltdown in „high-tech“ Land wie Japan, Kontrollverlust, etc. Folge: Zunahme von Krebserkrankungen, etc.) durchmachen“, um die Risiken (vor denen Umweltschützer und unabhängige Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen!) „neu zu bewerten“)?

Antwort: (nicht druckreif!) – aber zumindest verbal kann man Dampf ablassen: F&CK YO&, Mr. Röttgen! ..und alle anderen, die die „Kernenergie“ schön geredet und verharmlost haben,  sich in den Dienst der Atomlobby stellen, die eigentlich mit Zwangsjacken ausgestattet werden müsste …

(Fortsetzung folgt  …)

 

 

 

 

 

 

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10 Kommentare zu „FROM HELL: Atomterror & Medienalbtraum ….

  1. Danke; an den Verfasser dieses o.g. Artikels. und an die Aufklärung! Super verständlich erklärt auch für Laien. Mir war die extreme Gefahr der alten abgebrannten Brennstäbe gar nicht so bewusst und vor allem der Aufwand, welcher dafür betrieben werden muß. Ich schlafe jetzt noch schlechter aber wenigstens sterbe ich nicht dumm.
    Danke!

  2. Sehr informativer Text. Ich kann mich ira007 nur anschließen. Eine so sachliche und verständliche Aufklärung würde ich mir von den Verantwortlichen unserer Regierung wünschen.
    Ich war bisher auch der Meinung, dass die Hauptgefahr von der Kernschmelze im Reaktorkern ausgeht. Und weil nach den alten Brennstäben keiner gefragt hat, wurde wohlweislich auch nicht darüber gesprochen.

    Danke

  3. Hallo!!!
    Danke für diesen sehr starken,beeindruckenden und verständlichen Beitrag. Wir wissen doch nicht seit heute, wass Atomenergie anrichten kann.
    Das war ebenfalls in Japan mit den zwei Atombomben Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 – schon vergessen!!!
    Und dann kam 1986 Tschernobyl!!!!
    Auch Herr Gabriel war Umweltminister und Grüne waren 8 Jahre an der Macht.
    Ist da der Schalter gefallen??? Nein – es muss erst was passieren um sich eventuell was zu ändern und man zum Nachdenken angeregt wird.
    Alle haben der Wirtschaft gedient und da kommen doch die Leute her.
    Auch mit der Tatsache wenn hier alles weg ist (Atommeiler)und in Frankreich(am Rhein) werden Atommeiler wieder aufgebaut oder im Tschechischen (Stör)Kraftwerk !!!! Und das sind nur ein paar Kilometer von uns entfernt!!!! Wichtig ist jetzt glaube ich, den Leuten zu helfen in Japan und das egal wie denn diese Menschen können nichts dafür.
    Auch nicht zu vergessen ist, dass die Betreiber eine Zivile Firma ist und geschlampt hat.
    Ich möchte auch, dass meine Kinder in eine sorgenlose Zukunft blicken können aber man sollte es mit Verstand angehen und nicht mit brachialer Gewalt.
    In Japan war es das Erdbeben und der Tsunami, eine Verkettung mehrere Umstände auf einmal.
    Nicht nur Herr Röttgen!!!
    Wir brauchen eine Regierung die die Stimme des Volkes hört!!!!

  4. DAS war aufklärung pur!

    es wird zeit, dass wir menschen WACH werden!!!!
    stürzt solche leute wie röttgen
    WIR haben die macht als volk!

    es gibt nur eine erde, die müssen wir retten!!!!

  5. Super Text – leider ist der Radius den er schwingt viel zu klein – wir schauen was passiert, vielleicht ist der Morgen ja demnächst kein Morgen mehr….

  6. Vielen Dank für die Aufklärung! Ich schließe mich 123ichbins an: Die Kernschmelze hatte ich bis eben auch als am schlimmsten angesehen.

    Endlich jemand, der offen spricht. Diese Vertuschungspolitik könnte es wirklich mit China aufnehmen – oh, Moment, ich glaube das muss ich umformulieren, sonst wird es zensiert 😉

    Viele Liebe Grüße und weiter so *auf die Schulter klopf*
    JR117XC

  7. Das ist seit Langem ein äußerst interessanter und brisanter Beitrag, leider wurden und werden die aufgezeigten Gefahren durch die vom Volk gewählten Politiker ignoriert oder kleingeredet.
    Ich hatte auch schon in meinem Bekanntenkreis gefragt, wo haben den die Japaner ihre Brennstäbe, von verbuddelt bis ins Meer gekippt, kamen da die Stellungnahmen.
    Eine riesige Unverantwortlichkeit, dass eine Privatfirma scheinbar tun und lassen kann was es will, Leben von Millionen gefährdet und mit einer Pleite und vielleicht dem Harakiri eines Mitverantwortlichen aus dem Schneider ist.
    Das Elend haben dann die Kleinen.

  8. Endlich mal ein Bericht mit Zahlen statt wischiwaschi, hab lange suchen müssen.danke für Deine Mühe.

  9. @Autor: Sehr gut zusammengefasst.

    Allerdings hast du das größte Problem vergessen – die Nähe der Brennstäbe zueinander. Warum werden die Dinger heiß und müssen gekühlt werden? Weil zwischen ihnen Neutronen fließen, welche Atome spalten, welche Neutronen freisetzen, welche Atome spalten, welche…

    Da sollte man doch meinen die kommen mal auf die Idee, die Dinger weiter auseinander zu stellen. So wie beim Castor Behälter – der sichersten Aufbewahrungsmethode für Brennstäbe – welcher ohne aktive Kühlung auskommt.

    Aber nein, man ist ja zu geizig ein vernünftiges Lager zu bauen wo man die Dinger überwacht. Stattdessen macht man das AKW zum gigantischen Wasserkocher.

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