Haiti: Vom Paradies in die Hölle (Teil 1)

oder was Sie schon immer (nicht) über Haiti wissen sollten ….

„Armut ist die schlimmste Form von Gewalt

(Mohandas K. Ghandi)

„Did you know Freedom exists in a schoolbook?

(Jim Morrisson, An American Prayer)

Die Medien zeigen großes Interesse daran, wenn viele Menschen in einem armen Land plötzlich durch eine Katastrophe  ums Leben kommen. Wie sie leben (müssen), interessiert in den meisten Fällen nicht.

Das Erdbeben in Haiti war ein tolles „News-Event“ für die Nachrichtenredaktionen, denn nichts generiert mehr Aufmerksamkeit im Publikum, als Bilder der Zerstörung und des Elends, noch dazu wenn es tausende Tote gibt.  Dies mag zynisch klingen, ist jedoch angesichts der dümmlichen Kommentare und einseitigen „Analysen“ über das „ärmste Land der westlichen Hemisphäre“ eine durchaus  angebrachte Kritik.  Gegen die zahlreichen Spendenaufrufe und Promi-Galas etc. ist ja im  Prinzip nichts zu sagen, in einer akuten Notsituation ist die finanzielle Unterstützung eine gute Sache. Doch staatliche Geldflüsse aus dem Ausland, die oft als „Entwicklungshilfe“ bezeichnet werden,  können die Ursachen der Armut in Haiti nicht beseitigen.  Dazu müsste die Öffentlichkeit endlich darüber informiert werden, welche Kräfte eine echte Entwicklung Haitis  (wirtschaftliche Selbstbestimmung) verhindern, aber in dieser Hinsicht haben die meisten Medien versagt, stattdessen immer dieselben Sprüche:

„ Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Etwa 80 Prozent der Haitianer müssen von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben, die Hälfte der Bevölkerung hat sogar weniger als einen Dollar am Tag zur Verfügung. Trotz internationaler Hilfen liegt die Wirtschaft des Staates am Boden. 80 Prozent der staatlichen Investitionen und 40 Prozent des Staatsetats werden international finanziert. Misswirtschaft und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Zyklone haben aus der einst reichen französischen Kolonie Haiti das Armenhaus Amerikas gemacht (DER SPIEGEL Online, „Hintergrund“ zu Haiti)

Als konkretes Beispiel für die Verdummung der Leser soll hier ein Artikel der österreichischen Zeitschrift PROFIL dienen, der HIER auch nachgehört  werden kann. Er besteht aus dem Reportageteil „Stunde Null“ (Robert Treichler) und aus einem kurzen Rückblick auf die Geschichte Haitis, der den genialen Titel „Verspielte Freiheit“ (Gunther Müller) trägt.

Anhand  einiger ausgewählter  Textstellen (als Zitate dargestellt) möchte ich zeigen, wie verzerrt die Darstellung der Probleme Haitis in den Medien ist und vor allem, wie der größere, wirtschaftliche Kontext  und die damit verbundene, strukturelle Gewalt völlig ausgeklammert wird.

„Die UN, die USA und die gesamte westliche Welt hatten beschlossen, Haiti, dem ärmsten Staat der westlichen Hemisphäre, auf die Beine zu helfen.“

Schauen wir doch einmal, wie die USA Haiti in der Vergangenheit „auf die Beine geholfen haben“: (eine ausführlichere Erklärung gibt es im dritten Teil („Mickey Mouse und Menschenwürde“), wo die Sweatshops in Haiti näher beleuchtet werden)

Wenn die USA von „Aid“, sprechen,  meinen sie etwas anderes, als viele Betrachter glauben, denn die „Hilfe“ kommt zum Großteil der eigenen Wirtschaftselite zugute, nicht den Armen, die scheinbar davon profitieren. In den 1980er Jahren bestand der Plan für Haiti darin, es in eine Art  „Taiwan der Karibik“ umzuformen, was im Klartext folgendes hieß:

Die US-Farmer exportieren ihre hoch subventionierten Produkte (vor allem Reis) ungehindert nach Haiti und ruinieren damit die dortige Landwirtschaft, die natürlich mit diesen Dumpingpreisen nicht konkurrieren kann.

In der Folge wandern zigtausende Bauern und Landarbeiter in die Städte, wo sie dann in Sweatshops für etwa 1,50 Euro am Tag, 10 oder mehr Stunden für die amerikanische Textilindustrie schuften dürfen. Arbeitsrecht, Krankenversicherung, Beschwerden aller Art sind natürlich ausgeschlossen. Das heißt dann offiziell „ einen robusten, exportorientierten Verarbeitungssektor aufbauen“,  und wird von solch renommierten Experten wie der Weltbank als der beste Weg für eine „wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung“ bezeichnet.

Wie diese „Entwicklung“ in der Praxis aussieht, hat John Pilger in einer ergreifenden Dokumentation, am Beispiel Indonesiens ,gezeigt: (Um das Video anzusehen, klicken Sie auf das Bild)

Die Verschärfung von Armut und Importabhängigkeit durch Zerstörung der eigenen Nahrungsmittelversorgung ist ja ein erprobtes Mittel der neoliberalen „Erziehung“, die klarstellen soll, dass die wichtigste Aufgabe der Regierungen darin besteht, die Investoren und Gläubiger dieser Welt zu bedienen und nicht der eigenen Bevölkerung ein Leben in Würde zu ermöglichen. Deshalb sind auch das explosionsartige Wachsen der Slums rund um Port-au-Prince, die Mangelernährung der Kinder, die fehlenden Versorgungsleistungen, ja das Fehlen eines öffentlichen Sektors überhaupt,  kein Grund zur Besorgnis für diese Leute, wie ein besonders widerliches Beispiel (Jean Kirkpatrick) aus der Reagan-Ära zeigt: (zitiert von Noam Chomsky)

„Weil sie mit dem Elend so vertraut sind, ist es für die einfachen Leute auch erträglich.  Während sie … aufwachsen, lernen Sie damit fertig zu werden und akzeptieren daher die Tatsache, dass Reichtum, Macht und Status eine wohlhabende Minderheit begünstigen, während die traditionellen Autokraten die Massen im Elend halten. Deshalb ist unsere fehlende Betroffenheit durchaus angemessen, …, denn die unteren Klassen spüren keinen Schmerz.(!)

Doch der österreichische Journautist kriegt davon nichts mit, stattdessen berichtet er über „erstaunliche Initiative[n]“ und entblödet sich nicht, eine Story über Haiti mit dem Titel „Das Auserwählte Land“ zu versehen, um dann enttäuscht einzuräumen „tatsächlich war damals noch nicht viel zu sehen“ (von segensreichen Investitionen), wer hätte das gedacht?

Die möglichen Kooperationen zwischen internationale Investoren und haitianischen Unternehmern haben doch bereits zu solch wunderbaren Projekten, wie dem Superior Hotel Montana geführt, dass in seinem Trakt mit Luxusboutiquen und Cafes“ den Profiteuren des neo-feudalen Systems eine tolle Gelegenheit bietet,  jenes Geld auszugeben, dass 80% der Haitianer nicht haben, weil man ihr Land – auch nach dem Sklavenaufstand –  systematisch ausgebeutet hat. Die Sklaverei hat nur ihre äußere Form geändert und heißt jetzt „Globalisierung“ und „Freihandel, was Orwell sehr gefallen hätte.

Es sieht so aus, als wäre dem Land nicht zu helfen, jedenfalls nicht dauerhaft. Fast könnte man glauben, dass Haiti ein verwunschener Staat sei und seine Bevölkerung dazu verdammt, von einer Naturkatastrophe zur nächsten dahinzuvegetieren.“

Spätestens jetzt wird klar, auf welch niedrigem (intellektuellem) Niveau hier operiert wird: Man ist es ja gewohnt, dass der politisch-historische Kontext in der Armutsdebatte verzerrt oder durch den Filter einer sehr selektiven Amnesie präsentiert wird, doch die Flucht in die Märchenwelt stellt einen neuen Höhepunkt  im Spiel der  „mass production of ignorance“  dar, für das sich die Mehrheit der Mainstream Medien gerne hergibt, um die Rolle der USA, der EU  oder der „Finanzinstitutionen“ in der Erhaltung des Elends dieser Welt zu verschleiern.

In den letzten Monaten musste man mehrere – dilettantisch bis schwachsinnig – mediale Diskussionen über sich ergehen lassen, die alle vorgaben, die Ursachen für anhaltende, ja sogar zunehmende Armut auf der Welt ergründen zu wollen. Von der „Hungerkonferenz“ in Rom über das Migrantenproblem aus Afrika bis zum Elend in Haiti, stets wurden die gleichen Stereotype genannt: Korruption, Faulheit, Rückständigkeit, Unwissenheit, das ganze koloniale Denkschema nur mit etwas christlicher Betroffenheit gestreckt, die aber bald vor Malthus primitiver Logik kapituliert: „Die vermehren sich einfach zu stark“

Doch immerhin, der Journalist hat bei einem Lokalaugenschein bemerkt, dass dieUnterernährung, vor allem bei Kindern weit verbreitet[ist] was zu  „unaufholbaren Entwicklungsstörungen führen kann. Die Unterversorgung mit Lebensmitteln wird hier primär als logistisches Problem dargestellt und mündet in den Fragen: Wer wird in den kommenden Monaten Geld für bessere Straßen bereitstellen?

„Wer außerhalb Haitis wird verstehen wollen, dass hunderttausende Menschen (nicht direkt vom Erdbeben getroffen), indirekt doch darunter leiden (ihm nachträglich zum Opfer fallen)?“

Gegenfrage: Wer von den Journautisten will verstehen, WARUM Haiti aus dem Elend nicht herauskommt, warum es bis heute keine funktionierende Infrastruktur (wie z.B. asphaltierte Straßen, aber viel wichtiger Wasser, Kanalisation, Bildung, Gesundheit, etc.) gibt, und wer von dieser Armut profitiert?

Die „Ansiedelung von Textilfabriken“ und den Bau von Hotels als Anfänge der „großen Chance“ hinzustellen, soll wohl ein Witz sein. Das ist keine „echte“ Infrastruktur, sondern nur die Basis für eine Weiterführung der Ausbeutung durch unqualifizierte Niedriglohnjobs, während die Kapital- und Immobilienbesitzer aus dem Ausland kommen oder zu den etwa 4.000 reichen Familien Haitis gehören. Dazu muss man anführen, dass es in Haiti KEIN Grundbuch gibt, also der Landbesitz nach dem Recht des Stärkeren geregelt wird.

Während wir in den Nachrichten immer nur die Armen sehen, gibt es in Haiti auch eine Minderheit sehr reicher Leute. Die reichsten 10% der Bevölkerung verfügen über 50% des Einkommens, die ärmsten 10% über 0,7% (Quelle: CIA Factbook). Die Einkommensverteilung ist also extrem ungleich (Ginni Koeffizient: 0,60 zum Vergleich Österreich: 0,26) und zeigt, welche feudalen Strukturen hier erhalten werden sollen. Jeder, der versucht, an diesem System zu rütteln (wie Aristide), muss mit schweren Sanktionen rechnen, denn die herrschende Klasse in Haiti ist natürlich mit ihren Gleichgesinnten in den USA eine für beiden Seiten nützliche Liaison eingegangen, wie die Geschichte zeigt.

Vorwegnehmen kann man, dass natürlich nicht die Waldrodung das größte Problem war, sondern die Einmischung ausländischer Imperialmächte, (allen voran die USA, gefolgt von Frankreich und auch der EU) die immer verhindert haben, dass das Land wirtschaftliche Souveränität erlangt und seine Ressourcen zum Nutzen der eigenen Bevölkerung eingesetzt werden. Deshalb sind die Folgen von Naturkatastrophen in Haite viel schlimmer, als in anderen Ländern.

Im Folgenden werden einige Zitate aus dem Profil Beitrag „Verspielte Freiheit“ der über die Geschichte Haitis Auskunft geben soll, mit der unerwähnten historischen Realität konfrontiert:

„..eine einzige Abfolge von Krisen und Katastrophen, obwohl Haiti die besten Voraussetzungen hatte, ein hoch entwickeltes Land  zu werden“

„1804 erklärte der Nationalheld Jean-Jacques Dessalines die Unabhängigkeit des Inselstaats  …„…Frankreich verlangte hohe Reparationen … meist in Form von Holz …Der Boden erodierte und wurde unfruchtbar.“

Auch in seiner jüngeren Geschichte hatte Haiti kein Glück. (US-Besatzung von 1915-1934)

„1957 gelang es dem ehemaligen Landarzt Francois Duvalier, die Macht zu ergreifen (… Einschüchterung, Ausbeutung, Korruption…) …1971 übernahm sein Sohn „Baby Doc“ … die Amtsgeschäfte … [auch er führte das Land weiter in den Abgrund]

1990 wurde der ehemalige Armenpriester Bertrand Aristide mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt, nach einem Staatsstreich …. jedoch zur Flucht gezwungen …1994 kehrte er auf Intervention der USA zurück ….seine zweite Amtszeit ab 2001 war durch Misswirtschaft und Korruption gekennzeichnet. Nach schweren Unruhen ging er 2004 endgültig ins Exil“ …. Das Land gilt als „failed state“, als gescheiterter Staat.“

Die geschichtlichen Ereignisse, die nicht erwähnt wurden, ergeben jedoch ein ganz anderes Bild bzw. erklären, warum Haiti (und andere Länder), nicht „auf die Beine kommen“ konnte und es auch nicht sollte:

Kurzer HISTORISCHER RÜCKBLICK

1. Kolonialismus: Vom Paradies in die Hölle

Um 1650 wurden jährlich etwa 7000 Sklaven von Afrika über den Atlantik geschafft, diese Zahl erhöhte sich bis zur Jahrhundertwende auf rund 25.000. In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts waren es fast 80.000 Menschen, die unter grausamen Bedingungen in die „Kolonien“ transportiert wurden. (Man kann erahnen, wie es dabei zuging in dem Film „AMISTAD“ von Steven Spielberg).

Bis zum Verbot der Sklavenhandels 1848 hatte Frankreich mehr als eine Million Menschen in seine Kolonien verschleppt.

Frankreich erlangte 1697 die Kontrolle über den westlichen Teil der Insel Hispaniola, (das heutige Haiti) und durch den Anbau von Kaffee und Zucker wurde „Saint Dominique“ (auch St. Domingue) zur lukrativsten Kolonie ihrer Zeit: sie warf mehr Profite ab, als alle dreizehn amerikanischen Kolonien dem britischen Empire einbrachten. Mehr als die Hälfte des für Europa bestimmten Zuckers und 75% des Kaffees kamen aus Haiti, der „Perle der Antillen“, die wesentlich zum Reichtum und Ruhm Frankreichs im 18. Jahrhundert beigetragen hat, aber für die Sklaven eine veritable Hölle war.

Die Arbeit auf den Zuckerplantagen war so ziemlich das schlimmste, was man sich vorstellen konnte, deshalb überlebten die meisten Sklaven nicht  länger als fünf Jahre. Die „hohe Produktivität“ wurde also durch extreme Grausamkeit und hohe Todesraten erkauft, die jedes Jahr den „Nachschub“ von 40.000 neuen Sklaven erforderten.

Der Katalysator für den Sklavenaufstand war natürlich die französische Revolution im Jahr 1789. Die Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit klangen wunderbar und edel, doch wollte man sie wirklich als universelle Rechte bzw. Grundsätze realisieren, egal mit welchen wirtschaftlichen Folgen?

Zunächst wurden die „schwarzen Jakobiner“ als Freiheitskämpfer im Geist der Revolution wohlwollend aufgenommen, als jedoch der französische Commissaire Sonthonx 1791 auf der Insel eintraf, sah er sich mit einer Rebellion der weißen Aristokratie gegen die neue Ordnung konfrontiert und musste eine Armee von Sklaven einsetzen, um sie niederzuschlagen. Der führende Kämpfer dieser Armee war Toussaint L’ouverture.

Eine winzige Minderheit der schwarzen Gefangenen landete damals nicht als Sklaven auf den Plantagen, sondern durfte als Dienstboten, Kutscher, Küchenhilfen, etc. für die feinen Herren und Damen arbeiten. Einige von Ihnen hatten sogar die Chance, lesen und schreiben zu lernen. So auch Toussaint Breda (wie er ursprünglich hieß), der dadurch in die Lage versetzt wurde, die Schriften der Aufklärung zu studieren, darunter natürlich auch Aufrufe zum Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung.

1798 besiegte seine Armee aus Sklaven auch die britische Royal Navy  (zehntausende Tote), die das Empire entsandt hatte, um aus der Niederlage der Franzosen einen Vorteil zu ziehen und ein Übergreifen auf die anderen „West Indies“ zu verhindern.

Inzwischen war die große Revolution in Frankreich von reaktionären Kräften in andere Bahnen gelenkt worden und man kam zu dem Schluss, dass die Sklaverei doch nicht abgeschafft werden sollte. Das aufstrebende Bürgertum war zwar für die Entmachtung des Adels, an dem ausbeuterischen Handelssystem hatte man jedoch selbst gut verdient, wer wollte also diese Profite durch  Umsetzung hoher Ideale gefährden? Man ging also daran, die bewährte Formel „divide et impera“ anzuwenden und alles zu tun, um die Spannungen zwischen den ehemaligen Sklaven und den Mulatten zu schüren, damit sich die Kräfte gegenseitig aufrieben. Die „schwarzen Jakobiner“ wurden dadurch geschwächt, aber nicht besiegt. Schließlich schickte Napoleon seine Truppen, die den Aufstand ein für alle Mal niederschlagen wollte. Das Gelbfieber und der Kampfgeist der ehemaligen Sklaven zwangen auch seine Soldaten in die Knie.

Im Juni 1802 boten die französischen Generäle Toussaint einen Friedensvertrag, wenn er persönlich erscheinen würde. Als er tatsächlich darauf einging, wurde er in Ketten gelegt und nach Paris verschleppt, wo er 1803 starb. Doch die Tage der französischen Herrschaft waren gezählt: 1804 wurde die erste schwarze, freie Republik Haiti von Jean-Jacques Dessalines ausgerufen, der zwei Jahre später ermordet wurde. US-Präsident Thomas Jefferson, der selbst ein Sklavenhalter war, hatte von der Niederlage Napoleons profitiert, denn dadurch kam der Verkauf von Louisiana zustande, der die Fläche der USA beinahe verdoppelte und die Expansion nach Westen einleitete.

Die vermeintliche „Freiheit“ Haitis hatte allerdings einen hohen Preis: St. Domingue war das Juwel in der Krone des französischen Kolonialreichs gewesen und der Exportwert seiner Waren machte fast zwei Drittel des französisches GNP aus. Darauf wollte Frankreich nicht einfach verzichten, egal durch welches Unrecht und welche Verbrechen diese Profite entstanden waren. Auch die anderen imperialen Mächte gaben natürlich nicht auf, sondern spielten die Trumpfkarte aus: ein Handelsembargo und die politische Isolation, denen sich auch die USA anschlossen, um den „Virus“ des Freiheitskampfes und der Selbstbestimmung im Keim zu ersticken.

2. Die „Früchte“ der Französischen Revolution (1804 – 1914)

Um den internationalen Würgegriff zu beenden, willigte man schließlich ein, Reparationen an Frankreich zu bezahlen, wobei der Begriff eigentlich völlig unpassend ist, denn wofür wurde denn hier eine „Entschädigung“ verlangt? Für entgangene Gewinne durch brutale Sklaverei und Entrechtung? Die (nicht existenten) „Rechte“ des Kapitals waren und sind im Kapitalismus letztlich  mehr wert, als die Rechte von Menschen … Das haben wir ja gerade anlässlich der „Finanzkrise“ wieder gesehen.

1825 musste Haiti 125 Millionen Franc an den ehemaligen Peiniger bezahlen und sich dafür enorm verschulden. Zum Vergleich: als Napoleon die  Kolonie Louisiana an die USA verkaufte, die wesentlich größer ist, zahlten diese 80 Millionen Dollar dafür. Die Banken aus Frankreich und den USA nutzten die Notlage aus und verlangten hohe Zinssätze, sodass dieser Schuldenberg erst 1947 abgetragen werden konnte und auch das nur, weil man zwischenzeitig eine Reduzierung vorgenommen hatte.  (Die gesamte Summe entspricht etwa 23 Milliarden Dollar in heutiger Währung)

Trauriges Resumé: Die Sklaverei hatte nur ihren Namen geändert und hieß jetzt: Kapitalismus. Die Ketten waren jetzt unsichtbar und hießen Zinsen und Zinsenzinsen …. Man konnte die Schuldsklaven jetzt aus weiter Ferne ausbeuten, ohne sich  persönlich die Finger schmutzig zu machen, es sei denn, die Rückzahlung war gefährdet …

Die militärische Überlegenheit und die Eroberungen lieferten nun (im 19. Jahrhundert) den nachträglichen Beweis für die „moralische“ und „kulturelle“ Überlegenheit des Alten Kontinents.

Man begann fremde Zivilisationen immer öfter als „barbarisch“ oder „zurückgeblieben“ abzuwerten ….es setzte sich die Ansicht durch, dass die Europäer aufgrund der Fortschrittlichkeit ihrer Zivilisation das Recht hatten, in ihren Beziehungen zu nichteuropäischen Gesellschaften die moralischen und politischen Wertmaßstäbe auszuklammern, die sie für sich selbst in Anspruch nahmen.“

Zitat aus: Aufklärer und Barbaren, Le Monde Diplomatique)

Es folgt der zweite Teil:  „Terror und als Entwicklungshilfe“

Auszug:

„Die meiste Zeit meines Militärdienstes habe ich als „Man fürs Grobe“ für die Banker von der Wall Street und für „Big Business“ verbracht. Kurz gesagt, ich war ein Gangster für den Kapitalismus.

Ich half dabei, aus Haiti einen anständigen Ort zu machen, damit die Jungs von der National City Bank in Ruhe ihr Geld eintreiben konnten …

Ich half dabei, ein Dutzend lateinamerikanischer Länder zu vergewaltigen, zum Vorteil der Wall Street..“ ich habe „Licht“ in die Dominikanische Republik gebracht, im Interesse der amerikanischen Zuckerfirmen …. Ich hätte sogar Al Capone noch etwas beibringen können. Er operierte mit seiner Mafia nur in drei Distrikten, ich operierte auf drei Kontinenten.“

General Smedley Butler (US-Streitkräfte besetzen Haiti 1915-1934)

Zitat aus:  „WAR IS A RACKET


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