Keep Dreaming: Illusionen aus Kopenhagen

NASA Wissenschaftler James Hansen schrieb kürzlich ein op-ed über den Emissionshandel als angebliche  „Klimaschutzmaßnahme“  in der New York Times. Darin hieß es u. a.:

„Weil  das “cap & trade System” durch den Handel mit Emissionsberechtigungen funktioniert, perpetuiert man in Wahrheit die Umweltbelastung, die angeblich dadurch reduziert wird. Wenn die Emissionen aller Verursacher unter die (kontinuierlich sinkende) Obergrenze fielen, würde der Preis der Emissionskredite kollabieren und die wirtschaftlichen Gründe für die Reduzierung der Emissionen würden verschwinden.“

Damit nicht genug, wird auch das so genannte „Offsetting“ (Aufrechnen oder „Neutralisieren“ von Emissionen) als Alternative zu echten Emissionssenkungen gefördert. Dazu gehören z.B. das Pflanzen von Bäumen auf brachliegendem Land oder das Verhindern der Abholzung eines bestehenden Waldes, wobei diese Aktionen in erster Linie in den Entwicklungsländern passieren. Doch es ist kaum zu überprüfen, ob diese tatsächlich stattgefunden haben und die große Armut und Verteilungsungerechtigkeit in den betreffenden Ländern lässt wenig Hoffnung, dass diese „Verrechnung“ mit ökologisch positiven Aktionen ohne gewaltige Korruption stattfinden wird. Außerdem stellt Hansen zu Recht fest, dass das Verzichten auf eine Waldrodung an einer Stelle ja den Bedarf an Holz nicht reduziert, so dass der Wald eben an einer anderen Stelle  abgeholzt wird.

Das ganze ist also eine Charade, ein riesiger Betrug. Ein Urteil, zu dem auch Johan Hari (hervorragender Journalist der britischen Zeitung THE INDEPENDENT) kommt:

Leaders of the rich world are enacting a giant fraud

Hansen weist auch darauf hin, dass die echte Führungsrolle bei der Gestaltung von Klimaschutzgesetzen (gemeint sind hier die USA, doch das gilt auch für die EU)  wieder einmal von den Lobbyisten übernommen wird, denn sie sorgen dafür, dass die Emissionsberechtigungen GRATIS verteilt werden und dass ein Großteil des Geldes, das mit dem Emissionshandel eingenommen wird, für absurde Projekte wie die Erforschung der „sauberen Kohle“ aufgewendet und so wieder die Verwendung fossiler Brennstoffe weitergetrieben wird.

BET AND WIN“ – MIT INDUSTRIEABGASEN

Der Gipfel des Wahnsinns ist aber, dass die Wall Street Spekulanten schon ganz scharf darauf sind, eine neue, gigantische  Blase aus Derivaten zu erzeugen, diesmal ist die Wertbasis eben nicht eine Immobilie (bzw. das aufgeblasene Darlehen dafür) sondern das Kohlendioxid (je Tonne)  wird als solche  gehandelt. Man kann sich vorstellen, wie sich perverse Praktiken wie „naked short selling“ (Verleih bzw. Verkauf von Phantompapieren)  auf diese Preise auswirken werden …

Diesen Irrsinn beklagt auch ein Report der Umweltorganisation „Friends of the Earth mit dem passenden Titel: A Dangerous Obsession: Man muss sich vorstellen, dass die ursprüngliche Idee davon ausgeht, dass nur Betroffene diese Emissionsrechte kaufen bzw. verkaufen.

In der realen (perfiden) Welt der Finanzmärkte und Terminbörsen läuft das Spiel natürlich völlig anders: Die Zertifikate werden selbst zur begehrten Handelsware, denn ihre Preise (fiktiven Werte) können natürlich manipuliert werden (z.B. durch Leerverkäufe, betrügerisches Offsetting, etc.). Das Handeln mit diesen Papieren wird also nicht von den betroffenen Emittern oder unabhängigen Prüfstellen kontrolliert, sondern von Akteuren beherrscht, die nur zum Zweck der Bereicherung daran teilnehmen.  Bereits jetzt gibt es mehr als 80 „Kohlenstoff-Investment“ Fonds, die mehr als 13 Milliarden Dollar verwalten und täglich Transaktionen von Millionen Dollar abwickeln. Wie bei den existierenden Derivaten, ist auch hier Transparenz und Kontrolle reines Wunschdenken, denn die Banklobbyisten sorgen stets dafür, dass jeder Versuch, sie zu kontrollieren, im Keim erstickt wird.

Der größte Umschlagplatz für Emissionspapiere ist natürlich die EU. Mehr als 80% der „Kohlenstoff-Kredite“ und ca. 75% des globalen Wertvolumens werden hier gehandelt. In den USA gibt es bisher nur ein kleines Schema, an dem 10 Bundesstaaten teilnehmen, doch ein Gesetz für eine bundesweite Regelung hat schon die erste Hürde (Repräsentantenhaus) genommen (Waxman-Markey American Clean Energy and Security Act)

International gilt das IET: (International Emissions Trading) für alle Unterzeichner des Kyoto Protokolls, doch die „Vereinbarung“ enthält viele Schlupflöcher, die die Verantwortung für Kohlenstoffemissionen teilweise ad absurdum führen.

Jedes Land bekommt eine „Menge“ an CO² zugeteilt, die es nicht überschreiten darf. Erreicht man weniger Emissionen, kann man die überschüssigen Papiere an andere Länder verkaufen. Überschreitet man die zugewiesene Menge in einem Jahr, wird erwartet, dass dies im nächsten Jahr ausgeglichen wird und man muss eine „Strafe“ zahlen.

WIE FUNKTIONIERT DAS EU ETS?

Das im Jahr 2005 unterzeichnete Abkommen betrifft mehr als 11.500 energieintensive Unternehmen innerhalb der EU. Darunter sind Kraftwerke, Ölraffinerien, Kokereien, Stahlproduktion bzw. Metallindustrie, Fabriken für Zement, Glass, Ziegel, Keramik, Papier und Pappe, etc. Zusammen stellen diese Betriebe etwa 42 % der EU Emissionen dar, die insgesamt rund 4 Milliarden Tonnen CO²  pro Jahr ausmachen.

Rund 800 Unternehmen sind für mehr als 60% der Emissionen verantwortlich und man schätzt, dass etwa 55% der Emissionsrechte von den Energieversorgern gehalten werden.

Das Kyoto-Abkommen wurde von der EU (als Einheit) unterzeichnet und damit sind die Mitgliedsländer verpflichtet, insgesamt 8% weniger CO² zu produzieren als 1990 und zwar im Zeitraum von 2008-2012 (durchschnittlich ca. 5% pro Land)

Die Verantwortung für die Erreichung dieses Ziels ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt, sondern im so genannten „Burden-Sharing agreement“ geregelt. Jedes Land bekommt eine bestimmte Menge (AAUs) Emissionen zugeteilt, jeweils für eine Tonne CO² bzw. ein Äquivalent. Jedes Mitgliedsland kann einen Teil der Zertifikate als handelbare „allowances“ (EUA) an energieintensive Betriebe übergeben (diese Zuteilung wird von der EU Kommission abgesegnet).

Einmal im Jahr (im März) werden die beteiligten Unternehmen überprüft: Haben sie ihre Emissionen gesenkt oder nicht? Die große Frage ist natürlich, wer kontrolliert das und wie stellt man sicher, dass diese Prüfer unabhängig sind? Woher kommen diese „Auditoren“ (IAV)?

Wurde der Ausstoß reduziert, kann der Betrieb überschüssige EUA verkaufen oder auf „Lager“ halten, bis der höchste Preis erzielt wird. Dann gibt es noch „zertifizierte Emissionsreduzierungen“ (CER) und Kredite für „Offsetting“, also ein Aufrechnen von klimafreundlichen Maßnahmen (oft tausende km entfernt und kaum überprüfbar) an einem anderen Ort. Wie man berechnen, geschweige denn beweisen kann, dass diese Maßnahmen (so sie denn wirklich stattfinden) einer bestimmten CO² Reduzierung  (in % oder Tonnen) entsprechen, ist an sich eine sehr dubiose Sache. Das ganze ist wohl nur eine PR-Inszenierung, die vorgaukeln soll, man tue wirklich etwas …

Nach Angaben der FSA (UK) wurden Anfang 2008 täglich etwa  7,6 Millionen Tonnen an der ECE (Klimabörse) gehandelt (in Form von Optionen, Futures, etc.), das ist ein Anstieg um fast 200% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt wurden 2008  mehr als 3 Milliarden EUA gehandelt, was einem Gesamtwert von etwa 67 Milliarden Euro entspricht.

FUNKTIONIERT DER „KOHLENSTOFF-MARKT“ WIRKLICH?

Dazu eine klare Antwort: NEIN. Die Architekten des bestehenden „Cap & Trade“ Systems können ihre Versprechungen nicht halten. Die effektive Senkung der Emissionen ist eine Fiktion (was man ja wohl auch schon vorher wusste, das ganze Theater ist eine PR-Show und könnte unter dem Titel „The Great Reduction Hoax“ laufen – siehe dazu auch den o.a. Artikel von Johan Hari)

Ohne den Emissionshandel wäre wohl gar keine „Reduktion“ (die ohnehin nur auf dem Papier existiert) erkennbar und damit steht Europe fast auf gleicher Stufe wie die USA: messbarer Erfolg praktisch Null.

Zwar gab es 2008 eine leichte Abnahme bei den Emissionen, aber die ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen und nicht auf die Effektivität des Emissionshandels.

Woran liegt es?

(1)    Die Grenzwerte sind zu hoch, wodurch automatisch zu viele Emissionsrechte vergeben wurden, das zeigte sich auch in einem dramatischen Preisverfall in der „Phase I“  zwischen 2005 – 2007.  (siehe dazu auch Hari über die der UDSSR zugeteilten Rechte und ihr anschließender Kollaps in den Anarchokapitalismus unter Jelzin, wodurch natürlich die industrielle Produktion zusammenbrach, die Emissionsrechte hätten also reduziert werden müssen, stattdessen wurden sie verscherbelt …)

Obwohl die Grenzwerte in der Phase II gesenkt wurden, gibt es noch immer zu viele Zertifikate auf dem Markt. Dies sorgte zusammen mit der Kontraktion der Wirtschaft durch die Finanzkrise für einen weiteren Preisverfall (Februar 2009: 8 Euro pro Tonne, das ist ein Verlust von 70% gegenüber dem Höchststand im Juli 2008) Es gibt Schätzungen, wonach mehr als 700 Millionen (Tonnen) überschüssige Emissionsrechte vorhanden sind. Diese „heiße Luft“  im System sorgt dafür, dass man sie billig kaufen kann, ohne echte Anstrengung, die eigenen Emissionen zu senken.

(2) Das „Offsetting“ (Neutralisieren) ist ein gigantischer Betrug.

Im Rahmen des „Clean Development Mechanisms“ (CDM) dürfen nur solche Maßnahmen (hauptsächlich in Entwicklungsländern) eingerechnet werden, die zusätzlich ergriffen werden (nicht ohnehin von der Regierung geplant waren). Doch wie kann man das überprüfen?

Der CDM Ausschuss ist stark unterbesetzt und deshalb auf Dritte angewiesen, wenn es um die Prüfung des behaupteten klimafreundlichen Projekts geht.  In der Praxis heißt das, dass die Kontrolleure von den Projektbetreibern bezahlt werden, was natürlich ein massiver Interessenkonflikt ist. CDM Investoren drängen auf rasche Abwicklung um die Transaktionskosten zu minimieren und so gibt es so gut wie keine neutrale Kontrollinstanz.  Aber damit nicht genug, führen solche Systeme natürlich auch zu „Anreizen“, die kriminelle Energien befördern, also ein Betrug lukrativ ist.

International ist die Lage noch schlimmer: Die Kohlendioxidemissionen nehmen weltweit zu, die Zuwachsrate  betrug seit 2000 mehr als  3%, während sie in den 1990er Jahr etwas mehr als 1% ausmachte., der Trend ist also eindeutig steigend. Das kann niemand verwundern, angesichts des immer noch vorherrschenden Wachstumskultes.  Diese Entwicklung hat selbst  die intensivsten Berechnungen des IPCC noch übertroffen, (A1F1 Scenario) das von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2,4 – 6 Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts ausgeht.

Quelle: Raupach, M R et al 2007: Global and regional drivers of accelerating CO2 emissions. PNAS, vol. 104:24, p.10288-10293.

Hansen schlägt eine bessere Alternative vor: „Gebühr und Dividende“. Bei dieser Variante würde eine langsam steigende „Kohlenstoffabgabe für jede eingeführte Einheit Kohl, Öl oder Gas anfallen (eine Art Einfuhrzoll bzw. Karbon-Strafsteuer bei eigener Erzeugung). Dadurch würden natürlich die Preise (fast) aller Produkte steigen und zwar umso mehr, als Kohlenstoffemissionen bei ihrer Erzeugung anfallen.

Diese Einnahmen müssten (nach meiner Ansicht) natürlich in den Ausbau der alternativen Energiesysteme fließen und jegliche Subventionen für die fossilen und atomaren Energieträger müssen gestoppt werden. Damit würde die Wettbewerbsverzerrung im Energiesektor endlich zugunsten klimafreundlicher und ökologisch akzeptabler Systeme umschwenken und nicht länger den Status Quo der etablierten „Fossilien“ (gemeint sind die CEOs der Energieunternehmen  und ihre politischen Freunde) erhalten.

Hansen weist auch an einem praktischen Beispiel darauf hin, wie unsinnig  „cap & trade“ ist: Sagen wir mal, Sie kaufen ein kleines, sparsames Auto. Das reduziert natürlich ihre persönlichen CO²-Emissionen, aber nicht die Ihres Landes. Stattdessen erlaubt es jemand anderem,  ein größeres Auto zu kaufen, weil die Grenze der Emissionen ja schon festgelegt ist und ein Unterschreiten nicht belohnt wird. In einem „Gebühr und Dividende“ System würde jede Aktion, die der Reduzierung von Emissionen dient, belohnt und damit attraktiv für die Nachahmung, wodurch die Werte immer weiter nach unten gingen. Die Vermeidung von Kohlenstoffemissionen würde sich also lohnen und so würden die fossilen Energieträger sich Schritt für Schritt selbst als unrentabel eliminieren.

Doch das allein ist natürlich keine Lösung für das viel größere Problem: Wer steuert die industrielle Produktion insgesamt? Wer bestimmt also, was produziert wird? (Diese Frage stellte auch schon E.F. Schumacher in seinem Klassiker „Small is Beautiful“)

Der „Markt“ hat sich als 100%iger Flop erwiesen, da er  (vor allem seine dominanten Akteure) jegliche Verantwortung für soziale und ökologische Schäden ignoriert (bzw. „externalisiert“) und die „Leistung“ der Führungsetagen nur am erzielten (kurzfristigen) finanziellen Profit gemessen wird.

In einer Gesellschaft,

  • die von Kapitalinteressen beherrscht wird, ist es die höchste Pflicht jedes Managers oder Vorstandsvorsitzenden, die „Anleger“ zufrieden zu stellen, sprich die Dividenden und Gewinne  jährlich zu steigern. Wie es z.B. der Deutschen Bank gelingen konnte, zweistellige Renditen zu erzielen, während die reale Wirtschaft bei 1,2 oder 3% dahindümpelte, hat sich offenbar niemand gefragt, und der Betrug geht weiter …. (dank AIG bailout money und neuen Bilanzierungsregeln…)
  • die vom Kult des ewigen „Wachstums beherrscht wird, ist es absurd über „Klimaschutz“ zu diskutieren, denn die Klimaproblematik ist ja nur ein Symptom dieser „Krankheit“; Wachstum ist ein Begriff aus der Biologie und hat in der Wirtschaft eigentlich nichts verloren. Wachstum bedeutet einen Zyklus von Geburt, Reife, Alter und Tod, wobei ein Fließgleichgewicht im System erhalten werden muss. Alle lebenden Systeme haben ein Prinzip der Selbstbeschränkung und Selbstkontrolle, das notwendig ist, damit das übergeordnete System (als Lebensgrundlage) erhalten werden kann (Mehr zum ökologischen Aspekt im nächsten Beitrag )

Wenn die Beschränkung des Wachstums gestört ist, kommt es zu Wucherungen: die Krebszelle zeigt klar, dass diese scheinbare „Überlegenheit“ im Wettbewerb mit anderen Zellen, zum bitteren Ende führt: der Organismus wird schließlich zerstört und somit auch die „erfolgreiche“ Krebszelle. Da die wirtschaftliche Produktion in den natürlichen Produktionskreis eingebettet ist, kann sie die ökologischen Regelkreise nicht einfach ignorieren bzw. längerfristig sabotieren, ohne dass am Ende die Rechnung präsentiert wird.  Kurz gesagt:  endloses Wachstum IST das Problem, nicht die Lösung. Wie Frederic Vester („Wer steuert den Steuermann?“) so beeindruckend in seinen Büchern gezeigt hat, ist der Mensch ein ziemlicher Idiot, wenn es darum geht, systemisch zu denken. Ein ähnliches Zeugnis stellten auch Herbert Gruhl und Erich Fromm schon vor dreißig Jahren aus. Doch die Politik hat nichts dazu gelernt, im Gegenteil (siehe das bekloppte  „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“….)

  • in der die klassischen Wirtschaftstheorien wenig mit beweisbarer Wissenschaft zu tun haben, sondern mehr mit Ideologie und Festhalten an einem Dogma, kann man nicht erwarten, dass „führende“ Wirtschaftsinstitute der „Religion“ abschwören und das Dogma der market society stürzen. Im Gegenteil, selbst nach mehreren schweren Finanz- u. Wirtschaftskrisen hält man an der heiligen Dreifaltigkeit fest und versucht mit der selben Denkweise, die uns in den Abgrund führt, die gewaltigen Probleme zu lösen. Das kann nicht funktionieren.

Deshalb ist es auch sinnlos, Leute wie Herrn Sinn ständig in Talk-Shows einzuladen. Wir brauchen Dissidenten, wirtschaftliche Häretiker wie Gruhl, die endlich klarstellen, dass der bisherige Kurs ein völliger Schwachsinn ist, wenn man endlich die überlebenswichtigen systemisch relevanten Parameter  bei der wirtschaftlichen Erfolgsbilanz  mit einbezieht.

Dass Unternehmen auch Teil eines sozialen und ökologischen Systems sind, wird völlig ausgeblendet. Man spricht nur von „Wettbewerb“ (der Skrupellosigkeit) und „Wachstum“.  Doch worum dreht sich der Wettbewerb? Wer bestimmt, welche Kriterien den Erfolg eines Unternehmens ausmachen? Die Finanzoligarchen (à la Deutsche Bank), die ihre „giftigen“ fiktiven Vermögenswerte auslagern und in großem Stil die Bücher manipulieren („mark to myth„)?

Bereits im alten Griechenland wusste man zu unterscheiden zwischen einer Ökonomie für den Gebrauch (die nützliche Dinge produziert) und einer „Bereicherungskunst“, also Wirtschaften für den Profit, die als „widernatürlich“ angesehen wurde (jedenfalls bei Aristoteles). So gesehen gibt es heute keine echten Ökonomen, die „haushalten“, sondern „Chrematisten“, besonders seit der Übernahme der Welt durch das Wirtschaftscredo der „Chicago Boys bzw. die „Liberalisierung“ der Finanz- und Kapitalmärkte haben sie die Oberhand gewonnen und selbst wenn ihre perfiden Wett-Spiele die ganze Welt in Gefahr bringen, werden sie von der Gesellschaft „als systemrelevant  gerettet“.  Das ist eine Farce der besonderen Art.

Haben unsere Medien eigentlich schon begriffen, was hier gespielt wird? Die Billionen, die man zur „Rettung der Banken“ aufgewendet hat, kommen ja gleichzeitig von den Banken, denn der Staat hat ja das Geld nicht (und kann auch selbst keines „drucken“, wie viele glauben). Er muss also seine bereits hohen Schulden bei den Banken in astronomische Höhen treiben, damit er sie dann damit „retten“ kann. Einfach genial, oder?

In dem Klassiker von Hyman P.Minsky (Stabilizing An Unstable Economy) steht ein sehr simpler, aber fundamentaler Satz:

Banks are not money-lenders. They lend money they do not have.“ (Geld, das gar nicht existiert, sondern erst in Form von „Schulden“ generiert wird …)

Dazu gibt es ein sehr anschauliches Video (eigentlich zwei): Money as Debt (I und II (in Englisch))

Die hiesigen, banalen Medienkommentare zu Kopenhagen sind ein weiteres Indiz für den zunehmenden Trend des „Kindergarten-Journalismus“. Man arbeitet die üblichen „Talking Points“ ab (z.B. Platitüden über China, USA, Frust der ärmeren Länder, Obama’ Rolle, etc.) aber der größere Kontext fehlt völlig.

Die Wirtschaftspolitik muss so radikal umgekrempelt werden, dass ein „Paradigmenwechsel“ schon ein Understatement ist. Wachstum und Wettbewerb sind gefährliche und dumme Schlagwörter, deren Sinn und Auswirkungen kein Journalist mehr hinterfragt, doch darin liegt die Wurzel der großen Probleme (bei Verharren im bisherigen Kurs eine Art kollektiver Selbstmord in Raten), die wir bewältigen müssen.

Normalizing the Abnormal:

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Darstellung der gegenwärtigen „Wirtschaftspolitik“ nichts anderes ist, als die Präsentation des Irrationalen, des Irrsinnigen und Krankhaften als vernünftiges Verhalten, das auch noch„Dividende“ abwirft und sich Wörter wie „zukunftsfähig“ gestattet.

Ein schönes Beispiel dafür gab es kürzlich im deutschen Fernsehen. Zuerst zeigte man in der Sendung „Kontraste(ARD), dass der neue „Umweltminister“ Jürgen Röttgen dem gefährlichen, alten Atomreaktor in Biblis einen Persilschein erteilte, obwohl die Probleme mit den minderwertigen Stahlrohren im Kühlwassersystem nicht gelöst wurden und ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

(Anmerkung:  der Link zum Video auf der Homepage von „Kontraste“, ja der ganze Beitrag („Röttgen verhindert Aufklärung“ -Sendung vom 3.12. als Follow-Up)  ist verschwunden – interessant, nicht?)

Wenn man kurz darauf zum ZDF „zappte“, sah man Herrn „Röntgen“  bei Maybrit Illner sitzen, lächelnd, gutmütig dreinschauend,  der „Schwiegersohn“-Typ eben, wo er vom „Energieberater“ der Bundesregierung als Ausnahmepolitiker bezeichnet wurde, weil er sich (im „Gegensatz zu normalen Politikern“) um das Schicksal zukünftiger Generationen Sorgen mache, weil er eben weiter denke als andere, also ein hohes Verantwortungsbewusstsein habe, etc. (weshalb er wohl auch einen der berüchtigtsten Atomlobbyisten als zuständigen Leiter des Bereichs  „Reaktorsicherheit“ ernannte …)

Das war einer der seltenen Momente, wo politische Heuchelei  zur Realsatire wird.

Aber auch der „mündige Bürger“ bietet sich als großartiger Satirestoff an,  so wie heute in Bayern 2, als ein Hörer in der Sendung „Notizbuch“ anrief (Thema: Wechsel des Stromanbieters. Er erkundigte sich nach einem „Tarif“, in dem der Strom ausdrücklich nicht aus „alternativen“Energiequellen stamme (er wollte also nur Kohle und Atom), denn diese seien doch „nur hoch subventionierte Arbeitsplatzbeschaffung“  die nur die Stromkosten verteuerten …

Angesichts der Tatsache, dass die Subventionen für Kohle und Atom etwa fünf mal so hoch sind, als jene für erneuerbare Energien, und die gesundheitlichen und ökologischen Schäden dieser Energiegewinnung enorm, kann man nur mehr George Orwell anrufen:

Ignorance is Strength. Freedom is Slavery.

Oder lassen wir doch Albert Einstein auch  das Schlusswort:

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.



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