Read My Lips: Livni – Terror mit Tradition

r162595_597941Nach dem Sieg der Hamas (2006) –  in einer fairen und demokratischen Wahl (auf die Präsident Bush bestanden hatte) gab es in Washington und Jerusalem lange Gesichter. So war das nicht geplant gewesen.  Hamas – was immer man ihr an Schlechtigkeiten unterstellt – ist die einzige Führung der Palästinenser, die sich nie korrumpieren ließ und die nicht von ihren „teuflischen“ Zielen abrückt: Nämlich dass Israel sich endlich an die UN-Resolutionen hält, die es seit mehr als 40 Jahren ignoriert hat und die Palästinenser wenigstens noch 20% (!) des Gebietes erhalten, dass ihnen die UN 1948 zugeteilt hatte.

Aber die „Middle East“ Experten des Weißen Hauses und die israelische Regierung hatten natürlich auch dieses Outcome bedacht und so musste Plan B aus der Schublade geholt werden:  Die bewusste Inszenierung eines „Bruderkrieges“ zwischen Fatah und Hamas, der die Hamas entmachten und der Welt zeigen sollte, dass diese „primitiven“ Palästinenser zwar immer von einem „eigenen Staat“ faseln, aber sich doch offenbar nur gegenseitig an die Gurgel gehen, anstatt für ihre Bevölkerung zu sorgen.

Im März 2006 wusste die Welt aber nichts von diesen Plänen. Die offizielle Version sah natürlich ganz anders aus: Tzipi Livni reiste in der Welt herum um die PR-Slogans zu verbreiten, die zur „Meinungsbildung“ in den Medien verstreut werden, die sie dann so lange vervielfältigen, bis die „öffentliche Meinung“ die israelische Propaganda  übernommen hat.

Die wichtigste Aufgabe war, der Weltöffentlichkeit klar zu machen, welche fanatischen „Bestien“ (sprich: Terroristen) hier an die politische Macht gelangt waren und dass man diese natürlich erledigen müsse – entweder mit Gewalt oder durch aushungern. Der erste Akt dieser „Hungerkampagne“ war, die EU davon zu überzeugen, dass sie keine finanziellen Mittel mehr für die Palästinenser bereitstellt, also ein finanzielles Embargo einsetzt. Die „Wertegemeinschaft“ EU brauchte nicht viel Überredung, um diesem Wunsch Israels nachzukommen.

Ein israelischer Pressesprecher  fand dafür (in London) die passenden Worte:

Wir müssen die Palästinenser auf Diät setzen, sie sollen abmagern, aber nicht an Hunger sterben.

(Quelle BBC)

Der damals noch amtierende  Bush-„Pudel“ Tony Blair stimmte begeistert zu und erklärte, dass England selbstverständlich keine „Terroristen“ unterstütze. Wie sich dieses  finanzielle „Starving“ auf die 1,5 Millionen Menschen in Gaza (und auch auf die West Bank, die ja auch Hamas gewählt hatte) auswirken würde,  die ohne externe Hilfe nicht überleben können, darüber machte sich Blair keine Gedanken. Schließlich ist alles recht, wenn es der „Sicherheit“ Israels dient. Auch hungernde Kinder.

Äußerst interessant sind die Statements von  Livni im März 2006:

Mahmoud Abbas ist irrelevant und es darf ihm nicht erlaubt werden, als Feigenblatt für eine Terroristische Vereinigung zu dienen.

Die US (und ihre korrupten Verbündeten in der Region wie Präsident Hosni Mubarak) klammern sich aber an Abbas, denn ihm ist die große Ehre zuteil geworden, der Nachfolger von Arafat zu werden (als „Polizist“ darf er für „Sicherheit“ sorgen und Spielball ihrer Interessen sein). Ehud Olmert beeilte sich, Lipnis Kommentar zu relativieren und drückte seine Zuversicht aus, dass der „Palästinensische Präsident“ (ohne Staat) im Amt bleiben würde.

Livni galt schon damals als ehrgeizig und „integer“ (im Gegensatz zu ihren Kollegen der Likudpartei, die wegen Korruption, sexueller Belästigung u. a. Schweinereien in ein schiefes Licht gerieten (selbst der Staatspräsident Katsav). Sie galt als treue Weggefährtin Ariel Sharons und wechselte mit ihm zur neu gegründeten Kadimapartei.

Livni hat den Medien ein außerordentliches volte-face präsentiert: Ein Wechsel von der Hardlinerin zur gemäßigten Politikerin, die schweren Herzens auf Teile „Eretz Israels“ (West Bank) verzichtet, weil sonst ihre „demokratischen Prinzipien“ verletzt würden.

Sie sagte in einem New York Times Interview:  „Ich glaube, wie meine Eltern, an das Recht des Jüdischen Volkes auf Eretz Israel . Ich würde auch dazu erzogen, Israel als Heimatland für das Jüdische Volk zu erhalten und ebenso demokratische Werte. O-Ton:

So choosing between my dreams, and my need to live in democracy, I prefer to give up some of the land.“

Wer waren denn nun die Eltern von Livni, die ihr solche „noblen“ Prinzipien eingeimpft hatten? Surprise, surprise – beide waren Mitglieder der IRGUN, einer  gewalttätigen Untergrundorganisation, die durch Terroranschläge gegen die Briten und später auch gegen die einheimische Bevölkerung berühmt und berüchtigt wurde.

Ihr Vater Eitan Livni ist eine Legende unter den „Widerstandskämpfern“ (wie sich die jüdischen Terroristen selber nennen, ein Titel, den man aber der Hamas nicht erlaubt). Er trat 1938 in die IRGUN ein und wurde bald der oberste Einsatzleiter. Man kann hier nicht auf alle Terroranschläge der IRGUN eingehen, aber zwei der berühmtesten waren der Bombenanschlag auf das King David Hotel 1946, wobei 91 Menschen starben (Briten, Juden und Araber) und die Sabotageakte gegen die Eisenbahnlinien im Jahr 1945, wobei zur gleichen Zeit auch britische Patrouillenboote in Haifa und Jaffa versenkt wurden und ein Sprengstoffanschlag auf einen Bahnhof in Lod stattfand.

Livni  wurde 1946 von einem Gericht zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, konnte aber schon nach kurzer Zeit wieder ausbrechen und wurde dann nach England geschickt, um auch dort Anschläge zu organisieren.

N.B. All diese Aktionen wurden alslegitimer Widerstand gegen die „britische Besatzung“ deklariert (die ja eigentlich ein legales Mandat war und es waren ja die Briten, die durch die Balfour Declaration den „Judenstaat“ erst möglich machten).

Hier ist ein Originaltext der IRGUN, der zeigt, mit welcher ungeheuren Selbstgerechtigkeit man hier Gewalt ausübte (gegen die legitime britische Verwaltung – hier die Polizei – wohlgemerkt, deren Pflicht es war, für Ruhe und Ordnung zu sorgen)

NOTICE

Any British Constable who will commit acts of violence near the Western Wall on the Day of Atonement and, in defiance of the moral law of civilized people, will disturb the worshippers assembled there and will desecrate the sanctity of prayer will be regarded and LISTED by the HEBREW Youth as a CRIMINAL OFFENDER.

IRGUN ZVAI LE’UMI IN ERETZ ISRAEL (<Mausklick)

Auch die Mutter Sarah, war Mitglied der Irgun und hat den Kindern schon mit der Muttermilch den Zionismus verabreicht, der ein absolutes Recht auf „Judäa“ und „Samaria“  inkludiert.

Eine ganze Welle von Terroranschlägen (auch in anderen Ländern, wie die Ermordung von Lord Moyne in Kairo) führte schließlich dazu, dass sie Engländer das Handtuch warfen und die Sache der UN übergaben.

Churchill kommentierte das Attentat auf Lord Moyne (mit dem er befreundet gewesen war) so:

„If our dreams of Zionism should be dissolved in the smoke of revolvers of assassins and if our efforts for its future should provoke a new wave of banditry worthy of the Nazi Germans, many persons like myself will have to reconsider the position that we have maintained so firmly for such a long time.“

(Die beiden Mörder sagten bei ihrer Gerichtsverhandlung, dass dieser Mord eine „Notwendigkeit“ gewesen sei (sie wurden von den Briten gehenkt) erhielten 1975 ein (nachträgliches) Staatsbegräbnis. Übrigens Menachem Begin, der auch ein ranghohes Mitglied der IRGUN war,wurde später Premierminister)

Welche Werte können solche Eltern ihren Kindern mitgeben? Livnis Vater bestand darauf, dass das Emblem der IRGUN (gekreuzte Waffen) auf dem GRABSTEIN verewigt wurde. Das „Terrorlogo“, auf dass er so stolz war, wurde dann auch noch von einer Karte „Groß-Israels“ umgeben.

Tzipi Livni war zuerst Leutnant in der IDF, dann vier Jahre Mitglied des Mossad, des israelischen Geheimdienstes. Ein Verein, der in der britischen Mandatszeit auch unter „Terroristen“ geführt wurde und der natürlich noch heute „gezielte Tötungen“ ausführt, bevorzugt gegen Hamasführer, darunter war auch der an den Rollstuhl gefesselte 80 jährige Greis Sheik Yassin, dessen „Verbrechen“ darin bestand, dass er die Hamas gegründet hat.

Wer – der nur einen Funken Verstand hat – würde einer solchen Frau abnehmen, dass sie auf die Westbank als  strategisches und furchtbares Hinterland von Jerusalem, dem „Hauptpreis“) verzichten würde, damit „Israel nicht seine demokratischen Werte verliert„? Auf der während der ganzen „Roadmap to Peace“ laufend neue – völkerrechtswidrige – Siedlungen gebaut wurden und die ebenso illegale 8m hohe Mauer, die zu einer weiteren Annektierung palästinensischen Landes führte.

Man könnte jetzt argumentieren, sie hätte doch gezeigt, dass sie es ernst meine, mit dem „Verzicht“ auf Land, als sie gemeinsam mit Sharon den „Rückzug“ aus Gaza organisierte (2005). Aber jeder intelligente Mensch weiß, dass die wahre Absicht eine ganz andere war: nämlich den „Friedensprozess (und damit auch die Gründung eines Palästinensischen Staates) in Formaldehyd zu legen“ wie es Dov Weissglas damals so schön ausdrückte.  Man wollte die hohen Kosten der Besatzung in Gaza loswerden, den Streifen in ein Gefängnis verwandeln, dessen Insassen voll und ganz von der Gnade Israels abhängig sind, die Hamas (als eingesperrte Gefängniswärter) bezichtigen, sie „kümmere sich nicht um das Schicksal ihrer Leute“ und vor allem, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nach Gaza lenken, während die illegalen Kolonien in der West Bank mit noch größerem Tempo ausgebaut wurden (besonders während und nach dem „Oslo Agreement“).

Dies geschah auch durch regelmäßige, meistens klandestine militärische Angriffe – gezielte Provokation der Hamas -, bei denen zahlreiche Menschen starben, darunter auch Kinder.  Wenn dann als Reaktion auf diese Verbrechen wieder Raketen nach Israel flogen konnte man der Welt die alten Lügen wieder auftischen: Hamas ist eine Terrorbande, die wollen Israel zerstören, man hat keinen Partner für den Frieden, usw.

Wenn man sich den historischen und realen Hintergrund anschaut, bekommen die roboterartig wiederholten Forderungen Livnis (Israels) einen geradezu kafkaesquen Charakter:

A Palestinian government must fulfil three conditions: renounce terrorism, recognise Israel, and recognise previous agreements including the Road Map.“

2007 sagte Livni einem NYT Reporter:

„Ich möchte, dass die Dinge so stattfinden, wie ich es für richtig halte – wenn es um den Konflikt mit den Palästinensern und Israels Werte geht.“

Shlomo Avineri sagt über sie:

There is an Israeli Authenticity about her„.

(Sie strahlt eine israelische Echtheit (Glaubwürdigkeit) aus.)

Wie es mit dieser „Echtheit“ tatsächlich aussieht, erfahren wir im nächsten Beitrag. Weitere Themen:

DOPPELMORAL OHNE ENDE

  • Wie Livni auf die Frage eines US-Reporters reagierte, der sie darauf ansprach, dass Israel selbst eine Blockade als Grund für den Krieg von 1967 angab, der Hamas aber dieses Argument (die Blockade ist auch eine Form von Gewalt) als Ursache ihrer Gewalt nicht zugestanden wird
  • Warum die Presse nie erwähnt, dass Israel den Waffenstillstand gebrochen hat (am 4.Nov.2008)
  • Was im Sommer 2007 wirklich in Gaza passiert ist (die „Machtübernahme“ der Hamas)
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