Endlich keine Angst mehr

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Muhammad Hamli al-Samuni starb am 5. Jänner 2009, getötet durch israelische Panzergranaten in Gaza City. Er war 5 Monate alt. Sein Kopf ist bandagiert, weil die Verletzung so schwer war, dass Teile des Gehirns ausgetreten sind (Quellen: EI, Bt’selem)

Meysa Fawzi al-Samuni, 19, verlor am selben Tag ihren Mann, ihre Schwiegereltern, den Bruder ihres Schwiegervaters und dessen Frau, deren Schwiegertochter , Maha Muhammad al-Samuni (19), die Mutter des kleinen  Muhammad und drei weitere Verwandte.

Sieht so die „Selbstverteidigung“ aus, die Israel praktiziert? Was muss noch passieren, damit Israel endlich für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wird? Wieviele Palästinenser müssen denn noch sterben, bevor man ihren Tod als „Massaker“ einstufen kann, das als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft wird? Noch 500, 1000 oder mehr?

Siehe dazu auch den  Kommentar von Gideon Levy in Ha’aretz über die unglaubliche Selbstgerechtigkeit Israels und all jener, die diesen Krieg rechtfertigen.

Suzanne Baroud hat eine sehr berührende Schilderung der Zustände in Gaza verfasst, aus der ich Auszüge übersetzt habe:

DIE KINDER VON GAZA…unterwegs zu den Engeln

„Eingesperrt, ausgehungert, erstickt. Sie werden abgeschlachtet wie Schafe, aber die Führer der „freien Welt“ scheinen keine Zeit zu finden, sich dazu zu äußern. Obama, Bush, sogar die EU…. sie sind einfach nicht wichtig genug.“

„Ich rufe nach Ihnen, diesen kleinen, zerbrochenen Körpern, die ja noch gar kein Leben hatten. Der einzige Trost ist, dass sie jetzt im Tod endlich Ruhe gefunden haben.“

„Eine Menschengruppe versammelt sich, eingehüllt in eine Wolke aus Gas, Rauch und Staub. Vorne stehen acht junge Väter, von denen jeder eine kleines weißes Bündel im Arm hält, das einmal ein Sohn oder eine Tochter war. Für einige Momente ist es ganz ruhig, man hört keine Schreie, keine Sprechchöre, nur einen Augenblick der Stille, der einen dazu bringt, darüber nachzudenken, wem eigentlich die größere Gnade zuteil wurde: Dem Kleinkind, das die Kugel des Scharfschützen traf, oder dem  jungen Vater, der einen Weg finden muss, weiterzuleben?“

Die kleinsten Opfer in Gaza....

„Ein kleiner Junge sitzt auf dem Gehsteig neben seiner Mutter. Ihr Oberkörper lehnt an den Resten der  Wand eines eingestürzten Hause und ihr Blut rinnt in Strömen über den Fußweg. Er hat Blutspritzer  in seinem Gesicht und das Blut seiner Mutter hat sein T-Shirt verschmiert. Mit letzter Kraft hebt sie ihren Arm und berührt seine Wangen mit ihrer Hand, dann ist sie tot. Der Junge legt seinen Kopf zwischen die Hände und weint. Er ist ganz allein.“

Die Kamera nähert sich der Szenerie eines gerade in die Luft gesprengten Hauses, es ist ein Wohnhaus. Die braunen, lockigen Haare eines kleinen Mädchens und ihre  weit aufgerissenen Augen werden sichtbar. Der Rest ihres Körpers ist unauffindbar. Ihre Mutter schreit auf und zieht an den Haaren, während der Vater verzweifelt in den Trümmern nach den Überresten seiner Tochter sucht? Wo kann sie nur sein? Ich flüstere ganz leise:  Im Paradies wirst du wieder ganz sein, flieg  zu den Engeln….“

“ Ein alter, verrunzelter Imam hält den toten Körper eines kleinen Mädchens so liebevoll im Arm, als ob eine unsanfte Behandlung ihm noch mehr Schmerzen zufügen könnte. Er murmelt eine Segnung und legt sie vorsichtig neben ihre toten Schwestern und Brüder in ein Massengrab. Ich versuche, Worte des Trostes zu sagen:

Endlich in Sicherheit. Ruhe neben deiner Schwester. Deinem Bruder. Endlich brauchst du keine Angst mehr haben und wirst den Propheten treffen und viele deiner kleinen Freunde, die vor dir gestorben sind.“

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Warum ist das Leben von 10, 20 oder 50 palästinensischen Kindern weniger Wert als das eines Israelis? Warum sehen wir jeden Tag Bilder von Israelis, die „in Angst und Schrecken“ versetzt werden durch den „ständigen Raketenbeschuss“ aus Gaza, aber das massenhafte Sterben in Gaza, die grauenvollen Verletzungen, die verbrannten, verstümmelten Leichen und der unvorstellbare Horror der Überlebenden, die den Großteil ihrer Familie verloren haben und die Überreste ihrer Kinder beerdigen müssen, wird ausgeblendet? So  wie das Leiden in den letzten 40 Jahren auch?

Wie kann es sein, dass wegen 4 toter Zivilisten im Süden Israels, (20 in 10 Jahren) 800 Menschen getötet und tausende verletzt werden, die seit Monaten einem Ghetto eingesperrt sind und das alles als „Selbstverteidigung“ durchgeht?

Wie kann es sein, dass sich niemand für die 10 in Gaza getöteten Menschen interessiert hat, die Israel während des von der Hamas eingehaltenen Waffenstillstandes umgebracht hat?

Natürlich ist die Antwort klar: Weil unsere Medien sich nur mehr als Wiederkäuer betätigen und die Rollenverteilung (Opfer: Israel – Täter: Hamas) sich dank exzellenter PR und bequemem „Armchair-Journalism“ in die Köpfe eingebrannt hat.

Ich zitiere nochmal Robert Parry, denn man kann es gar nicht oft genug wiederholen:

Yet it is now clear that acquiescence to a double standard on terrorism is not just a violation of journalistic ethics or an act of political cowardice; it is complicity in mass murder. Without the double standard, it is hard to envision how the bloodbaths – in Iraq (since 2003), in Lebanon (in 2006) and in Gaza (today) – would be possible.

Hypocrisy over the word „terrorism“ is not an innocent dispute over semantics; it kills.

(Deutsche Übersetzung: (am Ende des Textes)

Dieses Zitat sollte man auch in Brüssel aufhängen. denn die Heuchler in der EU sind unerträglich. Was ist denn das für eine „Wertegemeinschaft“, die außer leeren Phrasen („rufen zur Zurückhaltung auf“, „verurteilen die exzessive Gewalt“ etc. nichts Wirksames unternimmt, um dem Massaker ein Ende zu bereiten?

Wieso steht Israel über dem Völkerrecht und kann 1,5 Millionen Menschen in Sippenhaftung nehmen?

Haben weder Journalisten noch Politiker noch ein Gewissen und ein Verantwortungsgefühl?

Robert Fisk, der grand seigneur der Nahost-Korrespondenten, dessen Buch „The Great War for Civilization“ jeder lesen sollte, der wirklich wissen will, was dort passiert ist (- neben anderen Quellen natürlich -) hat es auf den  Punkt gebracht: – Zur Argumentation unserer Medien, man müsse beide Seiten zu Wort kommen lassen, „ausgewogen“ berichten –

…..My favorite moment came when I pointed out that journalists should be on the side of those who suffer. If we were reporting the 18th-century slave trade, I said, we wouldn’t give equal time to the slave ship captain in our dispatches. If we were reporting the liberation of a Nazi concentration camp, we wouldn’t give equal time to the SS spokesman.

Fisk hat nur eins übersehen: Die Rolle des „Sklavenhändlers bzw. dess SS-Anführers  (also des unmoralischen Verbrechers) hat man inzwischen der Hamas zugeteilt…. Sie darf überhaupt nicht zu Wort kommen, weil man ja ohnehin schon „weiß“, was sie denkt oder will…..

Fisk zitiert auch einen Journalisten der Irish Times mit dem -vielleicht wichtigsten Satz zum Thema – Wieso kommt Israel damit durch,  über Jahre hinweg tausende Palästinenser umzubringen und keiner interessiert sich dafür .. (sehr salopp formuliert)

When does the mandate of victimhood expire?“ he asked. „At what point does the Nazi genocide of Europe’s Jews cease to excuse the state of Israel from the demands of international law and of common humanity?“

Deutsche Übersetzung:

Wann endet das Mandat des  „ewigen Opfers“?

Wie lange noch kann sich Israel hinter dem Holocaust verstecken und den Genozid der europäischen Juden durch die Nazis dazu benutzen, sich von den Forderungen des internationalen Rechts und der Menschlichkeit auszunehmen?





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