USrael: Ein Gobelin aus Lügen

Anmerkung: Vor kurzem starb der große  englische  Dramatiker Harold Pinter, der 2005 den Nobel Preis für Literatur erhalten hat.  Zuletzt sorgte er für Furore wegen seiner inflammatorischen Rede anlässlich der Preisverleihung, in der er  massive Kritik an der verheerenden Außenpolitik der USA und ihrer Rolle in der Welt übte.  Zur  Politik sagte Pinter u.a.

Damit diese (politische)  Macht erhalten bleibt, ist es unabdingbar, dass die Menschen unwissend bleiben, dass sie in Unkenntnis der Wahrheit leben, sogar der Wahrheit ihres eigenen Lebens. Es umgibt uns deshalb ein weitverzweigtes Lügengespinst, von dem wir uns nähren.

Das Thema, das Pinter so am Herzen lag „Was ist wahr und was ist unwahr?“ ist natürlich auch DAS zentrale Thema im Nahostkonflikt bzw. dessen medialer Darstellung. Die „public diplomacy“, also die Manipulation der Wahrnehmung und Meinungen ist hier so effektiv, dass man USrael eigentlich bewundern müsste, wenn die Folgen nicht so verheerend wären und das Leid der Palästinenser nicht scheinbar endlos….

Deshalb hier ein Versuch, die verzerrte Wahrnehmung zu korrigieren und immer wieder verbreitete Märchen zu entlarven:

1: Israel hat den Gazastreifen zurückgegeben

Israel ist seit mehr als 40 Jahren Besatzungsmacht in Palästina und hat damit alle rechtlichen Verpflichtungen, dies sich aus diesem Status ergeben (Internationaler Gerichtshof, 2004)  insbesondere betreffend die Vierte Genfer Konvention.  Der Abbau der israelischen Siedlungen und der permanenten militärischen Einrichtungen in Gaza im Jahr 2005 wurde als „Rückzug“ Israels aus diesem besetzten Gebiet (mit großem PR-Aufwand) präsentiert und die meisten Medien haben  kritiklos übernommen, dass damit Israel nicht mehr länger für die Zustände in Gaza verantwortlich sei. Ein im Jänner 2008 veröffentlichter BERICHT der UN und andere Völkerrechtler widersprechen dieser Darstellung jedoch energisch:

Ob ein Gebiet nach internationalem Recht besetzt ist, hängt davon ab, wer es tatsächlich kontrolliert, nicht von der Präsenz militärischer Kräfte in diesem Gebiet.

Fakt ist, dass Gaza in ein Freiluftgefängnis verwandelt wurde, ein riesiges Ghetto, das von Israel in praktisch allen Lebensbereichen kontrolliert wird und sich in einem permanenten Belagerungszustand befindet.  Israel kontrolliert die Grenzübergänge, den Luftraum, die Küstengewässer, die Ein- u. Ausfuhr von Waren, inklusive Treibstoff und Medikamenten  und die Ein- u. Ausreise aller Personen. Israel hat wiederholt die Umsatzsteuereinnahmen zurückgehalten, die Einreise palästinensischer Arbeiter nach Israel untersagt, den Fischern strenge Auflagen erteilt, die Ausfuhr von landwirtschaftlichen Produkten verhindert und dadurch die ohnehin wirtschaftlich prekäre Lage noch verschärft. Durch Sperren der Grenzübergänge konnte Gaza wirtschaftlich stranguliert werden und die Zivilbevölkerung (die Hälfte davon Kinder) lebt unter unvorstellbaren Bedingungen.

Überlebende des Holocaust waren entsetzt, dass ausgerechnet ein Staat wie Israel ein solches Elendsghetto für fast 1,5 Millionen Menschen eingerichtet hat und die UN findet klare Worte für diese Politik: Das Recht, sich zu verteidigen, inkludiert nicht  nicht kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung, in dem man ihr Leben zur Hölle macht. Diese Maßnahmen sind schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht, ganz zu schweigen von Israels jahrzehntelanger Missachtung der UNSC-Resolutionen, die den Rückzug aus den besetzten Gebieten fordern und den Schikanen und Demütigungen in der West Bank und Ost-Jerusalem, die zeigen, dass man den Palästinensern keine zivilen, humanitären und politischen Rechte zubilligt.

Mehr Informationen über die schrecklichen Zustände in Gaza (an der die EU, durch Unterstützung des finanziellen Embargos auch indirekt beteiligt ist) bieten diese Links:

UNICEF ALERT

DIE HUMANITÄRE KATASTROPHE


2: IDF – Terror für den Guten Zweck

Luftangriffe auf lebensnotwendige Infrastruktur (wie der Angriff auf das einzige Elektrizitätswerk in Gaza im Sommer 2006 sind Kriegsverbrechen) und hohe „Kollateralschäden“ in dicht besiedeltem Wohngebiet sind für das israelische Militär und die Regierung kein Grund für Gewissensnöte, ebensowenig die „gezielten Tötungen“,  also Morde an Hamas Mitgliedern, bei denen meistens auch Unschuldige sterben, die zufällig am selben Ort waren. Aber darüber berichtet man nicht, und wenn, dann nur als legitimes Recht Israels, „sich zu verteidigen“ gegnüber den  „völlig grundlosen“ und „provokanten“ Angriffen der ultrabösen Hamas.

Auch der regelmäßige Einsatz von „Geräuschbomben“ („Sonic booms“ / Überschall-Knall) um die Bevölkerung nachts zu terrorisieren ist Routine. (UN-Bericht, Seite 8, Punkt 9). Während jede Gewalt gegen Zivilisten zu verurteilen ist, natürlich auch die der Palästinenser, lässt jedoch die Schreckensbilanz keinen Zweifel daran, wer hier wem das Leben zur Hölle macht und wessen Sicherheit mehr gefährdet ist:(Quelle: B`Tselem)

Palästinenser, die von israelischem Militär

getötet wurden:   4781

davon 2990 in Gaza;

von den 4781 haben 2222

nicht an Kampfhandlungen teilgenommen;

fast 1000 der Opfer sind Kinder….

Israelische Zivilisten, die

von Palästinensern getötet wurden:  490

davon 20 durch Raketen aus dem Gazastreifen (in 8 Jahren)

Jeder Toter ist einer zuviel aber die die perverse Suggestion, dass hier ein Gleichgewicht des Schreckens herrsche, also die Hamas eine echte Bedrohung für Israel sei, das sich – als armes und unschuldiges Opfer – eben  wehren müsse, um seine Bevölkerung (im Süden) zu beschützen, wird von unseren Medien praktisch kritiklos übernommen und zeigt, wie voreingenommen sie sind bzw. wie sehr von der israelischen PR-Strategie beeinflusst. Denn die Disparität der militärischen Kräfteverhältnisse ist so groß (Mücke gegen Elefant), dass die unverhältnismäßigen und mit exzessiver Gewalt durchgeführten Angriffe der IDF auf den dicht besiedelten Gazastreifen in keiner Weise zu rechtfertigen sind.

Israels Militär ist das viertstärkste der Welt und das mächtigste im Nahen Osten, dafür sorgen schon die großzügigen Spenden aus Washington, die der amerikanische Steuerzahler (ohne Mitspracherecht beim Verwendungszweck) zur Verfügung stellt. Dass man den Terror der F16-Kampfflugzeuge, der Apachehubschrauer, der Missiles und Bunker-Buster-Bomben und auch gerne mal neue US-Waffensysteme (die an den Palästinensern quasi „getestet “ werden) allen Ernstes als legitime Vergeltung auf die selbstgebastelten Quassamraketen aus Gaza verkauft, und viele Medien diesen Unsinn widerspruchslos hinnehmen, ist ein Skandal.

Die Dämonisierung der Hamas durch die USraelische PR ist so erfolgreich, dass sich fast alle Journalisten dafür als Megaphon instrumentalisieren lassen und anscheinend den kritischen Verstand ausgeschaltet haben. So ist es natürlich offiziell immer die Hamas, die die Gewalt auslöst und Israel muss dann – schweren Herzens – reagieren. Dass diese Darstellung falsch ist lässt sich aber beweisen, wenn man internationale Quellen untersucht.

Ein eklatantes Beispiel für diese Manipulation der Wahrnehmung war die mediale Präsentation der „Entführung“ von Gilad Shalit im Sommer 2006:

Mehr dazu im nächsten Beitrag.

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