TODESURTEIL FÜR KINDER: VERSAGEN DER MEDIEN?

Licensing a nuclear power plant is, in my view, licensing random premeditated murder,“

Dr. John Gofman / Nuclear Witnesses: Insiders Speak Out (1982)

Welche Gefahren bergen der „Normalbetrieb“ eines AKWs, die Zwischen- und „Endlagerung“ (falls überhaupt möglich) des strahlenden Abfalls und was passiert bei einem „Störfall“? Konzentrieren wir uns hier auf den „Normalbetrieb“, da dieser von der Pro-Atom-Lobby als völlig gefahrlos dargestellt wird. Die zahlreichen Studien über erhöhte Leukämieraten bei Kindern im Umkreis von Atomanlagen machen natürlich Angst, also ist es unabdingbar, dass man hinterfragt, welche Risiken tatsächlich bestehen.

Konkret geht es darum, den Leuten zu erklären, welche Folgen ionisierende Strahlung in unseren Körperzellen hat. Eine Sendung, die echten Informationswert haben soll, muss also Menschen zu Wort kommen lassen, die sich mit den Themen Strahlenbiologie, Biochemie / Biophysik, Molekularbiologie und Genetik beschäftigt haben.

Viele Wissenschaftler, die mit ionisierenden Strahlen arbeiten oder sie verharmlosen, sind weder unparteiisch, noch unabhängig und da immer kommerzielle Interessen auf dem Spiel stehen, ist es besonders wichtig, dass die Medien kritische Recherchen betreiben, bevor sie einen „Experten“ im Studio haben, dem man alles glaubt, was er sagt, weil man zuwenig von der Thematik versteht, um die Statements zu hinterfragen….

Ich denke, Sie stimmen mir zu, dass die Medien hier eine große Verantwortung tragen, die Menschen über solche Risiken aufzuklären, denn schließlich geht es hier – im wahrsten Sinn des Wortes – um Leben und Tod (wegen der mutagenen Effekte) für Generationen. Als vor ziemlich genau einem Jahr wieder einmal eine Leukämiestudie herauskam, gab es zahlreiche Presseberichte und natürlich auch Debatten im Fernsehen (z.B. bei ANNE WILL, die schon alleine durch die Auswahl der Gäste dafür sorgte, dass die Ergebnisse der Studie nicht im richtigen Kontext präsentiert wurden und somit das „Mysterium“ weiter propagiert wurde….).

Leider hat auch die Notizbuchredaktion (Bayern 2) die absurden Behauptungen der Atomlobby nicht widerlegt (die Nähe zu den AKWs sei nicht die Ursache für die erhöhten Leukämieraten, weil die emittierten Strahlendosen dafür zu gering seien (lt.  Rechenmodellen)

2) WISSEN IST MACHT

Unfassbar, was hier den Menschen seit Jahrzehnten an Desinformation aufgetischt wird und dass die Medienvertreter (mit sehr wenigen Ausnahmen), sich nicht die Mühe machen, der Sache auf den Grund zu gehen. Wenn man recherchiert, wird schnell klar, was hier gespielt wird:   Erhöhte Leukämieraten bei Kindern in der Umgebung von AKWs sind  weder überraschend, noch unerklärbar, sondern völlig logisch, wenn man sich mit den Erkenntnissen kritischer, unabhängiger Wissenschaftler auseinandersetzt, die seit vielen Jahren vorliegen und zu dem Schluss kommen, dass die Risikoeinschätzungen des ICRP (Int.  Strahlenschutzkommission, die alles andere als unabhängig ist) unhaltbar sind:

  • Weil sie auf der Grundlage einmaliger, akuter externer Strahlungsdosen (Studien über Hiroshima) gemacht wurden, die aber nicht für chronische, interne niedrige Strahlung gelten können. Der Beschuss einer Zelle z.B. mit Alphateilchen (Ingestion verstrahlter Nahrung, Einatmen radioaktiver Mikropartikel, die sich im Gewebe festsetzen) führt zu einer sehr hohen Ionisierungsdichte in einem begrenzten Zellareal und richtet dort großen Schaden an, obwohl die Dosis für den gesamten Körper oder ein bestimmtes Organ niedrig ist. Bei irreparablen Schäden an der DNA kommt es zu einer genetischen Instabilität, die zu Krebs oder teratogenen Schäden führt. Zum Vergleich: Gammastrahlung (Hiroshima) führt zu etwa 70 Ionisationen in einem Zellkern bestimmter Größe, Alphastrahlung führt zu etwa 23.000 Ionisationen. (= Die Zellen (Atome / Moleküle) werden von geladenen Teilchen, z.B. Elektronen, Photonen, oder schweren Kernen (bei Alphateilchen) getroffen, wodurch andere Elektronen herausgeschlagen werden können, die ihrerseits wieder „radiation track events“  auslösen…
  • Weil sie auf simplifizierten, physikalischen Modellen beruhen, die dem komplexen, biologischen Zellgeschehen in keiner Weise entsprechen. Die Strahlendosis wird als deponierte Energie pro Masseneinheit angegeben (Joule pro Kilogramm), 1 Gray (Gy) ist also jene Energie, die von 1kg Masse absorbiert wird. Die Dosis wird pro Organ (das als “ Gewebsmasse „ definiert ist) oder als Ganzkörperdosis berechnet. Die gleiche Dosis kann je nach Strahlungsart unterschiedliche biologische Wirkung (Wahrscheinlichkeit von Effekten: RBE) haben, was mit der unterschiedlichen Ionisationsdichte zusammenhängt. Deshalb hat man – um ein einheitliches, simples Modell zu ermöglichen, den W/R – Faktor eingeführt, um zu einer „Äquivalenzdosis“ (für die angenommene biologische Wirkung) zu kommen, die in Sievert angegeben wird, bei Alphateilchen ist der Faktor z.B. 20, also 1 Gy = 20 Sv. Dieser W/R Faktor ist aber keine physikalische Größe, sondern ein willkürlicher, politisch motivierter Umrechnungswert.

  • weil biologische Parameter für die Auswirkung interner Strahlung zu wenig beachtet werden z.B. örtliche Dosisverteilung / Ionisationsdichte / spezifisches biokinetisches Verhalten unterschiedlicher Partikelgrößen (Bewegung und Verteilung im Körper)
  • weil die Dosimetrie auf einfachen,  völlig überholten Grundlagen beruht

Organe werden als  eine Art „Wasserbeutel“ physikalisch so modelliert, dass sich die Energie darin einheitlich und homogen verteilt; Mikrodosen, die Organellen erhalten (Elemente der Zelle außerhalb des Zellkerns) werden ignoriert; der Zellstatus wird ignoriert (es wird angenommen, dass alle Zellen gleich empfindlich sind, was nicht stimmt; während der Zellteilung / Repairphase ist die Sensitivität enorm, weshalb auch Kinder ein viel höheres Risiko haben, von Embryonen / Föten ganz zu schweigen)

FAZIT: DAS ICRP- Modell ist fehlerhaft, weil es individuelle Zelldosen sind, die das Ausmaß des biologischen Effekts bestimmen, nicht die durchschnittliche Dosis pro ORGANMASSE oder die GANZKÖRPERDOSIS. bei internen Emittern (wie z.B. Alphateilchen), die punktförmige Strahlenquellen sind, werden einige Zellen (es reicht eine einzige, um Krebs auszulösen) von sehr hohen Dosen getroffen, während andere gar keine Strahlung abbekommen.

Es gibt hervorragende Wissenschaftler in Deutschland, die kompetent und UNABHÄNGIG Fragen der Dosimetrie und des Strahlenrisikos wissenschaftlich untersucht haben, z.B. Frau Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake von der Uni Bremen oder Dr. Sebastian Pflugbeil.  Warum werden solche Experten nicht zu Radio / TV-Debatten eingeladen?  Wie unabhängig sind die Redaktionen eigentlich? Wollen oder können Sie nicht  einen seriösen Beitrag zu einer informierten Meinungsbildung der Zuschauer über die Gefahren der Atomwirtschaft liefern?

Wenn sich die Journalisten weiterhin so an der Nase herumführen lassen, haben sie – indirekt- auch dazu beigetragen, dass tausende Kinder in Deutschland an Leukämie erkranken, weil sich in den Medien niemand findet, der den Mut hat, das herrschende Meinungsdogma zu entlarven:

Das Strahlenschutzmodell ist politisch fundiert, nicht wissenschaftlich. Die Gefährlichkeit ionisierender Strahlen für die menschliche Gesundheit – in jeder Dosis – musste bagatellisiert werden, denn sonst hätte die Atomindustrie (in allen Facetten: Atomenergie, Nuklearmedizin, Radiologie, etc.) keine Chance gehabt,  sich auszubreiten.

(Der größte Witz ist wohl „Atoms for Peace“ oder die friedliche Nutzung der Kernenergie- mehr dazu im nächsten Kommentar)

Dass man jetzt auch noch – ebenso unkritisch – die herbei geredete „Renaissance der Atomenergie“ (wegen CO2– Debatte und Klimawandel)  in den Redaktionen als Argument gelten lässt, um den Bau weiterer AKWs als sinnvoll und notwendig darzustellen, bzw. den Atomausstieg rückgängig zu machen, ist unerträglich.

Ohne Erfurcht vor dem Leben hat die Menschheit keine Zukunft“.

Albert Schweizer

Mehr über die politischen Hintergründe der Atomlobby und das Totschweigen der Opfer von Tschernobyl im nächsten Beitrag.

Für mehr Information – einige Links:

http://www.cerrie.org/people/busby.php http://www.greenaudit.org/Papers.htm

http://www.umrc.net/radiation_and_the_human_body.aspx

http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?tool=pmcentrez&artid=64695&rendertype=abstract

http://www.ratical.org/radiation/overviews.html#NRBE

http://www.ratical.org/radiation/CNR/NoSafeThresh.html

http://www.ratical.org/radiation/CNR/GenomicInst.html

http://www.independentwho.info/spip.php?article30#nb5

http://www.foe.arc.net.au/kohnlein/kohnpaper4.html

http://www.ehponline.org/members/1994/102-8/nussbaum-full.html

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/en/consleg/1996/L/01996L0029-20000513-en.pdf

http://www.atomkraftfrei-leben.at/euratom/downloads/Hintergrundpapier_EURATOM.pdf

http://www.global2000.at/pages/irrtum_euratom.htm&siteid=2

http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/atomkraft/20070300_atomkraft_euratomvertrag_hintergrund.pdf

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