Der große Schwindel: „Banken in Not“ (Teil 1)

„Fanny Mae“ und „Freddie Mac“ – Subventionierte Hypothekenbanken an der Börse oder das Märchen von der „freien US-Marktwirtschaft“ die es nie gab:

1938 als staatliche „National Mortgage Association“ gegründet, sollte Fanny Mae der breiten Mittelklasse durch günstige Kredite Zugang zu Eigenheimen verschaffen. 1968 wurde sie aber im Zuge einer Privatisierungswelle and die Börse gebracht, behielt jedoch ihre Steuervorteile und Sonderkonditionen. Das gleiche passierte mit Freddie Mac (1970 gegründet, 1989 Börsengang).

Wir haben also ein privates Unternehmen, aber mit einem staatlichen Schutzschirm, die klassische Form von „corporate welfare“.  Es gab zwar keine explizite Staatsgarantie, aber die Tatsache, dass es sich um ein GSE (government sponsored enterprise) handelte, führte dazu, dass Raten für eigene Kredite wesentlich niedriger waren, als die anderer Banken. Man konnte also einmal als „öffentlicher“ Darlehensnehmer posieren (niedrige Zinsen für Fremdkapital) und ein anderes Mal als privater Arbitrageur agieren.

Diese GSE hatten den Zweck, den Hypothekenmarkt in den Kapitalmarkt zu integrieren. Dies erhöhte die Liquidität beträchtlich und eröffnete den Investoren neue Gewinnmöglichkeiten. Welche fatale Wirkung diese Infusion mit räuberischem Kapital (und immer mehr billigen Krediten)auf die beiden „FM“ hatte, zeigt sich in dem explodierenden Kreditvolumen, das vor Ausbruch der „Krise“ rund die Hälfte aller amerikanischen Immobilienkredite ausmachte:

1995 betrug das Kreditvolumen etwa 700 Milliarden Dollar, 15 Jahre später waren es über 5.000 Milliarden.

Die ursprüngliche gute Absicht, durch staatlich geförderte, günstige Darlehen den kleinen Leuten ein eigenes Haus zu ermöglichen, wurde dadurch jedoch pervertiert, denn die Hausbaukredite wurden jetzt vermehrt Gegenstand von Spekulationen, selbst die Risikoversicherungen wurden zum Spielball der Finanzindustrie. Eine riesige Spekulationsblase sorgte also für scheinbar steigende Immobilienpreise, während zur gleichen Zeit die Realeinkommen der Kreditnehmer sanken, was sie noch anfälliger für „predatory lending“ (hinterhältige Praktiken bei der Kreditanbahnung und -vergabe) machte.

Das ganze absurde („Waffen“) Arsenal von Akronymen MBS, ABS, ARM, CDO, CLO um nur einige zu nennen, konnte unkontrolliert seine langfristig zerstörerische Wirkung entfalten, wurde aber unter dem Decknamen „innovative Finanzinstrumente“ als  Wundermittel für gigantische Wettgewinne vermarktet.  Ein auf den ersten Blick genialer Coup waren die so genannten Credit Default Swaps (CDS) , die diesen irreführenden Namen wohl deshalb erhielten, damit die Finanzaufsicht für die Versicherungsbranche nicht mitkriegt, worum es sich in Wahrheit handelt.

CDS wurden Anfang der 90er Jahre von JP Morgan erfunden, um Darlehensrisiken abzusichern und entwickelte sich zu einem  Markt von mehr als  $60.000.000.000.000.

Das ganze Theater um „in Not geratene  Banken“ und die „weltweite Finanzkrise“ wird umso absurder, wenn man begreift, dass es ja eigentlich eine Absicherung für die Kreditrisiken gab, diese aber letztendlich selbst zu Spekulationsinstrumenten wurden und man gegenseitig darauf gewettet hat, dass der „credit event“ eintritt oder dass er eben nicht eintritt (dank solcher Gestalten wie Merkel und Steinbrück)

Dieser gigantische Markt war (und ist) völlig unreguliert und es gab keine öffentlichen Informationen darüber, ob die Anbieter überhaupt genug Rücklagen haben, wenn der Ernstfall eintritt und auch über den wahren Wert der Swaps, also mussten Investoren sich auf die Angebote der Banken verlassen. Dieses enorme „counterparty“ Risiko wurde von niemand überwacht, was angesichts der astronomischen Summen nur als kriminell fahrlässig bezeichnet werden kann.

Die Perversion des Begriffes „Versicherung“ wird noch eklatanter, wenn man weiß, dass Banken sowohl als Anbieter, Käufer  und Händler solcher CDS auftraten, wobei es durchaus möglich ist, dass ein CDS im Kreis gehandelt wird und der gehandelte Preis mit dem realen Wert nur sehr wenig zu tun hat….

Eine besondere Art des Pyramidenspiels also, wobei „Versicherungen“ für  (der Höhe nach unvorstellbare) Kreditrisiken gehandelt werden, ohne dass dieses Geld (bzw. angemessene prozentuelle Kapitaldeckung irgendwo vorhanden gewesen wären. Der gehandelte Wert dieser Papiere ist also völlig fiktiv: eine Illusion, die nur dadurch aufrechterhalten wird, dass es Käufer dafür gibt, die sie ihrerseits wieder zum „Marktpreis“ weiterverkaufen usw. Übrigens, einer der größten  US Player in diesem Geschäft ist JP Morgan, der enorm von dem Krisentheater profitiert hat (seine Konkurrenten sind ja dabei weitgehend vernichtet worden)….

Erschreckend ist auch, dass gerade die Hedge Fonds immer mehr als „Versicherer“ auftraten, Leute, die den Begriff der sozialen Verantwortung aus ihrem Vokabular völlig gestrichen haben…. Aber eigentlich haben sich viele Banken auch schon wie Hedge Fonds benommen – nach dem Motto : No Risk – No Fun.  Warum sollten Sie auch irgendwelche Skrupel haben, wenn die Panikmaschine anläuft, kommt der Staat den hochbezahlten „Risikomanagern“ zu Hilfe….

Für jeden normalen Menschen ein Irrsinn, der uns klar machen sollte, dass Finanzkapitalismus mit rationalem Denken relativ wenig zu tun hat, es sei denn, man setzt „vernünftig“ mit dem kurzfristigen, eigenen Vorteil gleich und schert sich einen Dreck darum, welche Konsequenzen diese Praktiken für die anderen haben.

Die von unseren Medienschafen ständig wiederholte Behauptung, es handle sich hier um „in Not geratene Banken“ oder einen „finanziellen Tsunami“, also ein unvorhersehbares quasi unabwendbares Ereignis,  ist also völlig falsch. Diese Krise ist nicht vom Himmel gefallen, sondern hat sich schon vor langer Zeit abgezeichnet.

So wurden z.B. die Manager von Fanny Mae und Freddy Mac  2006 wegen Bilanzfälschung und Betrug zu einer Strafzahlung von 400 Millionen US-Dollar verdonnert, weil sie die Gewinne um 11 Milliarden Dollar aufgebläht hatten, um mehr Prämien zu erhalten (und das bei einem Jahresgehalt von rund 65 Millionen Dollar). Die staatliche Untersuchung ergab,

„dass hier eine Unternehmenskultur existiert, in der die Mittel den Zweck heiligen; das Management manipulierte die Bücher um maximale, unverdiente Boni zu kassieren und sorgte dafür, dass der Rest der Welt nichts davon mitbekam…“

Diese Geschäftsgebarung ist in jedem Fall bedenklich, aber für den größten Käufer und Bürgen von Hauskrediten ein unerhörter Skandal, der noch größer wird, weil er nur mit Geldstrafen beantwortet wurde. Diese Leute müssten zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, damit solche Praktiken wirklich aufhören und auch die Politiker, die die „angenehmen“ Rahmenbedingungen (Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren) geschaffen haben, sollte das gleiche Schicksal ereilen….

Mehr über die politische Intervention (Sie wünschen, wir spielen…) , die dieses System möglich machte im nächsten Artikel….

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