Rauchen: Die Freiheit, Sich Für Dumm Verkaufen Zu Lassen

Anmerkung: Dies ist eine Replik auf eine Sendung in Bayern 2, die vor einigen Monaten augestrahlt wurde: (RadioWissen)

Heute wurde in der Sendung über Simone de Beauvoir und Sartre (sinngemäß) behauptet, „Sartre habe das Glück gehabt, im verrauchten 20. Jahrhundert zu leben“, denn jetzt, wo auch in Frankreich  strenge Rauchverbote in der Gastronomie gelten, könnte er nicht mehr in seinen geliebten Cafés sitzen und dem Tabakrauch frönen. Diese „Gesundheitsdiktatur“ hätte sich wohl sehr negativ auf sein künstlerisches Schaffen ausgewirkt. (!!!)

Wenn jemand in einer Debatte seine Meinung äußert, ist das natürlich OK. aber in einem Wissensmagazin hat subjektive Polemik gegen ein Schutzgesetz, die nur dazu dient, Stimmungen im Sinne der Tabaklobby zu schüren, nichts zu suchen. Was hier transportiert wird, ist die PR-Strategie der Tabakkonzerne, die natürlich mit allen Mitteln umfassende Rauchverbote verhindern will, weil damit die Umsätze gefährdet werden.

Dass man hier im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, um seine Profite zu sichern, scheint der Redaktion dieser Sendung nicht klar zu sein. Die Zahlen sind ja bekannt: laut WHO sterben weltweit 5.000.000 Menschen an dem krebserregenden, hoch toxischen Giftcocktail, aus dem Tabakrauch besteht.

Seit den 1980er Jahren verdichteten sich auch die wissenschaftlichen Ergebnisse über die Schädlichkeit des Passivrauchens, ironischerweise waren es gerade die eigenen, geheimen Forschungsergebnisse (z.B. des INBIFO in Köln, das von Philip Morris bezahlt wurde) der Tabakindustrie, die erste Hinweise auf die Giftigkeit des ETS (Nebenstromrauch + ausgeatmeter Hauptstromrauch) lieferten und die betroffenen Wissenschaftler waren entsetzt, als sie erkannten, dass bei gewissen Stoffen, ETS noch gefährlicher ist, als der inhalierte Rauch (das hängt mit der niedrigeren Verbrennungs-temperatur einer glimmenden Zigarette zusammen, wodurch noch mehr giftige Verbindungen entstehen).

Außerdem hat die Tabakindustrie eine Vielzahl von Chemikalien zugesetzt, deren Verbrennungsprodukte die Toxizität noch erhöhen. Woher man das weiß? Durch die Schadenersatzprozesse in den USA, die öffentlich dokumentiert und online zugänglich sind. Kürzlich wurden die Prozessakten erstmals in Deutsch publiziert, von Prof. Dr. Michael Adams. Vom Anfang des „Endes der Tabakindustrie“ kann natürlich keine Rede sein, hier war Herr Adams viel zu optimistisch…

Die gesundheitliche Debatte ist abgeschlossen: die Schädlichkeit von Rauch und Passivrauch ist nicht von der Hand zu weisen (das hat selbst die Tabaklobby weitgehend aufgegeben). Man musste vom Gesundheitsthema ablenken und stattdessen die Debatte auf eine ganz andere Ebene verlagern: Die persönliche Freiheit, die Toleranz, die Esskultur, die Gemütlichkeit, etc. Diese PR-Strategie war sehr effektiv und ist es – z.B. hier in Österreich und natürlich in der PR- „Hochburg“ der Tabakindustrie, Deutschland noch heute.

Die Zigarette wird als untrennbarer Bestandteil der „Wirtshauskultur“ verkauft, als Ausdruck von Genuss und Lebensfreude, ohne die die Gastronomie pleite gehen würde und unser gesellschaftliches Leben trostlos wäre. Die Befürworter von Rauchverboten werden als intolerante, genussfeindliche Fanatiker diffamiert, die die „persönliche Freiheit“ der Raucher untergraben und als „Gesundheitsfaschisten“ eine Diktatur der Vernunft errichten wollen, in der bald alles, was nicht gesund ist verboten werden soll.

Das grauenhafte Bild links ist ein Kehlkopfkarzinom im fortgeschrittenen Stadium.  Natürlich kann man niemand verbieten, sich selbst zu vergiften, aber dass die anderen unfreiwillig mitrauchen müssen, den Giftcocktail und den ekligen Gestank einfach hinnehmen sollen, ist ein Diktat der Tabakindustrie, das völlig inakzeptabel ist. Dass Raucher auch noch dafür zahlen, dass man sie langsam vergiftet, soll hier nicht weiter kommentiert werden…..

DAS IST NATÜRLICH ALLES BLÖDSINN. Diese Polarisierung hat nur einen Zweck: die Debatte in eine bestimmte Richtung zu lenken und die Rauchgegner in die Defensive zu treiben. Nicht die Giftigkeit des Tabakrauches, der Ekel erregende Gestank, die (gerichtlich bewiesene) gezielte Verstärkung der Suchtwirkung des Nikotins durch die Zigarettenhersteller sind das Thema, nicht die tausenden Krebserkrankungen, nicht das erhöhte Krankheitsrisiko bei Kindern, sondern die Toleranz und Freiheit?!

Freiheit endet dort, wo man anderen Menschen schadet, das ist die Säule unseres Strafrechts. Selbst wenn man den Nikotinsklaven (sprich: Rauchern) das Recht einräumt, sich selbst langsam zu vergiften, kann die Gefährdung anderer Menschen niemals als Freiheit, etwas zu tun, also als „Recht“ akzeptiert werden. Zitat aus dem Buch „Schwarzbuch Zigarette“: (ehem. Leitung von RJ Reynolds)

„Wir rauchen den Scheiß nicht, wir verkaufen ihn nur. Das Recht zu rauchen behalten wir den Jungen, den Armen, den Schwarzen und den Dummen vor.“

Liebe Raucher, merkt ihr denn nicht wie man euch benutzt, um Millionen mit einem „Drogenbehälter“ zu verdienen, der Zigarette heißt?  „Think of the cigarette as a dispenser for a dose-unit of nicotine. We´re in the nicotine delivery business“.

Das Bild oben ist Teil einer Kampagne in Australien und der Text lautet: Zigaretten bringen jedes Jahr 17.500 mehr Australier um, als Heroin. Warum ist dann Heroin verboten und Nikotin nicht? Das Suchtpotential von Nikotin ist größer als das von Kokain oder Heroin, trotzdem wird so getan, als handle es ich hier um ein „Lifestyle“ Produkt, nicht eine süchtig machende Droge.

Warum gibt es Alkohollimits beim Lenken eines Fahrzeuges? Um die Menschen vor dem höheren Unfallrisiko zu schützen. Auch das ist ein Eingriff in die „persönliche Freiheit“, aber jedes Schutzgesetz muss Freiheiten beschneiden, wie z.B. die Straßenverkehrsordnung. `Der Unterschied ist nur, dass die entsetzlichen Folgen des Rauchens / Passivrauchens oft erst Jahre später sichtbar werden und deshalb kaum abschreckende Wirkung haben. (Zelluläre Schäden z.B. am Endothelium treten bereits nach kurzer Rauchexposition auf)

Wie die WHO richtig feststellt, gibt es kein Recht in der Öffentlichkeit zu rauchen. Rauchen ist ein krankhaftes, rücksichtsloses, destruktives Verhalten, das ebensoviel mit Genusskultur zu tun hat, wie der Konsum anderer Drogen (z.B. Kokain), nämlich gar nichts. Nur weil der Drogenbehälter Zigarette legal verkauft werden darf und man mit einem milliardenschweren PR-Budget den Menschen seit mehr als 5 Jahrzehnten eingeredet hat, Rauchen sei normaler Bestandteil des Lebens und so natürlich wie Essen und Trinken. Das führte dazu, dass man die Möglichkeit,  überall rauchen zu können, als eine Art Dienstleistung ansah, die man den Gästen / Kunden / Mitarbeitern schuldig sei. Selbst auf öffentlichen Klosetts wurden Aschenbecher bereitgestellt!

Diese umfassendste Orwellsche Manipulation der Öffentlichkeit  ist einzigartig in der Zivilisations-geschichte und zeigt in erschreckender Weise wie sehr Menschen von PR-Strategien manipuliert werden können. Dass man den freiwilligen Konsum von krebserregenden, toxischen Substanzen in Gegenwart anderer auch noch als Freiheit verteidigt, während die Freiheit der Menschen, die ohne giftigen Rauch – also GANZ NORMAL – ihr Essen genießen möchten, jahrzehntelang untergraben wurde, ist so absurd, dass man nur den Kopf schütteln kann.

Dass das Suchtgift  Nikotin auch die Gehirnzellen schädigt , ist kaum bekannt, sollte aber auch einmal erwähnt werden. Da Nikotin die Blut-Hirnschranke in Sekunden überwindet, ist die schädliche Wirkung garantiert. Es gibt Studien, die nahelegen, dass Rauchen Demenzerkrankungen fördert (Rauchen fördert auch die Entstehung von Diabetes und Knochenschwund und ist ein Dauerstress für das Immunsystem)

Was Sartre und andere Intellektuelle betrifft: Ohne Zigaretten hätte er wahrscheinlich noch besser geschrieben, weil seine Gehirnzellen ihre volle Kapazität behalten hätten und sein Blut mehr Sauerstoff transportiert hätte, anstatt sich mit dem Kohlenmonoxid der Zigaretten herumzuschlagen…..

Menschen gehen schon seit Jahrhunderten in Gaststätten, lange bevor es Tabak überhaupt gab und sie werden es auch weiterhin tun. Es gibt überwiegende Zustimmung zur rauchfreien Gastronomie in allen Ländern, die sie umgesetzt haben und die Schauermärchen der Tabaklobby über dramatische Umsatzrückgänge haben sich auch als unhaltbar erwiesen. Übrigens, die Nichtraucher  sind eindeutig  in der Mehrheit in der EU – wo ist hier die Demokratie?

Raucher werden nicht „diskriminiert“, sie werden nur gezwungen zu erkennen, was Rauchen in Wahrheit ist: ein asoziales Verhalten, ein Produkt, das Menschen süchtig macht, damit die Tabakindustrie riesige Gewinne ausschütten kann. Jugendliche müssen über Marketing (vor allem Erhaltung der sozialen Akzeptanz, die künstlich geschaffen wurde) als „replacement smokers“ rekrutiert werden, damit die toten Raucher kompensiert werden.

Wer raucht, hat seine Freiheit (selbstbestimmt zu handeln) bereits verspielt.



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