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EHEC … die große Verarschung

„Die Bedrohung durch mehrfach resistente Bakterien war noch nie so groß wie heute. Die Schlüsselfaktoren für diese bedrohliche Entwicklung sind der unkritische Einsatz von Antibiotika (bei Mensch und Tier), die enorme Mobilität [Reisen und globaler Handel] und die zunehmende Industrialisierung.“

Peter M. Hawkey, Professor für Mikrobiologie, Experte für Molekulare Epidemiologie und Diagnostik von (zunehmend) resistenten Krankheitserregern

Was hat denn das nun mit dem „EHEC“-Theater in Deutschland zu tun?

Wir kennen wohl alle den Begriff „genetischer Fingerabdruck“ oder „DNA-Analyse“, obwohl die meisten von uns sich eher selten mit Molekularbiologie beschäftigen. Diese Begriffe tauchen aber sehr oft in TV-Krimis auf und erleichtern (natürlich auch in der realen Welt) die Aufklärung eines Gewaltverbrechens enorm, denn die DNA jedes Menschen ist einzigartig.

Doch auch Bakterien haben eine spezifische molekulare „Visitenkarte“ und somit kann die Genanalyse sehr wichtige Hinweise auf die Herkunft und Entwicklung des Bakterientyps geben. Ich frage mich nur, warum das – trotz endloser Debatten in Talk-Shows – niemand den Leuten erklärt.

Der Wahnsinn, tausende Tonnen Gemüse zu vernichten, eine Gurken-Salat-Tomaten-Panik auszulösen und jetzt die „Sprossen“ als nationale Bedrohung auszurufen, kann zwar als Vorsichtsmaßnahme legitimiert werden, lenkt aber davon ab, was alle Experten wissen, aber in den Medien kaum erwähnt wird:

Der Begriff „EHEC“ hält sich hartnäckig, ist hier aber eigentlich fehl am Platz, denn es handelt sich um einen „EAEC“ (ein Darmkeim, der quasi seinen eigenen „Superkleber“ produziert und sich noch dazu durch einen so genannten Biofilm schützt) , der mit Hilfe eines Bakteriophagen ein einziges EHEC (oder auch STEC) Gen „eingefangen“ hat, das das gefährliche Shigella-Toxin produzieren kann. Sie denken jetzt vielleicht „Na und? Kann doch mir egal sein, ob EHEC oder EAEC …Was ist daran so interessant?

EAEC sind Bakterien, deren häufigstes „Reservoir“ seit vielen Jahren bekannt ist:  der Mensch, vor allem in „ärmeren“ Ländern des Südens.  Es gibt also klare Hinweise darauf, dass die „Quelle“ in diesem Fall nicht bei Tieren (Rindermist, Gülle,  etc.) zu suchen ist.

Was die Sprossen betrifft, ist die Sache völlig absurd: Nichts wird keimfreier hergestellt als Sprossen: sie wachsen ohne Erde, ohne Dünger, ohne Pestizide.  Als Quelle der Kontamination kommt nur das Wasser, mit dem sie gegossen werden in Frage, oder eben Menschen, die damit hantieren (zB bei der Verpackung).

Schwedische Forscher haben sich das Genom des deutschen EAEC Stamms genauer angesehen und ihre Erkenntnisse online in EUROSURVEILLANCE veröffentlicht. Im fünften Absatz finden wir folgendes Statement:

So what do the findings tell us about the reservoir and origin of the pathogen causing this outbreak? …”

(Was sagen uns diese Ergebnisse über den Ursprung dieses Erregers?)

„EaggEC (oder EAEC)  ist ein weit verbreiteter Krankheitserreger, der bei Reisenden oft Durchfallerkrankungen hervorruft und in Entwicklungsländern dauerhaften Durchfall bei Kleinkindern verursacht (6,7]. Im Gegensatz zu STEC (EHEC), haben EAEC Stämme kein tierisches Reservoir, sondern ein menschliches.“

 

Der Stamm 0 104: H4  ist auch nicht “völlig neu”, wie man oft lesen konnte, sondern in weiten Teilen ein „alter Bekannter“: Er ist zu 93% gleich mit dem EAEC 55989, der erstmals 2002 in Zentralafrika bei einem HIV-infizierten Patienten gefunden wurde und beinahe völlig identisch mit einem Stamm, der 2001 in Köln identifiziert wurde und in der „HUSEC“ Sammlung der Universität Münster zu finden ist: „HUSEC041/01-09591“ hatte schon damals zwei bemerkenswerte Mutationen (gegenüber dem afrikanischen Stamm): je ein Gen für die Produktion des Shigella-Toxins (stx 2) bzw. für die Resistenz gegenüber Tellurium (terE). Woher das kommt, ist auch eine äußerst interessante Frage, die niemand stellt…

Der aktuelle Stamm unterscheidet sich, soweit bekannt, von dem aus 2001 nur dadurch, dass die Resistenz gegen Antibiotika ausgeweitet wurde (gegen 8 Klassen resistent- siehe dazu das  genetische Profil (RKI) Auf Seite 2  (ganz unten) dieser Information des Robert-Koch-Institutes finden wir folgenden Satz:

 „Der ESBL-Typ CTX-M-15 ist der häufigste ESBL-Typ bei nosokomialen ESBL-E. coli.“

Das sagt den meisten Leuten wohl zunächst gar nichts, doch dieser wissenschaftliche Jargon kann relativ leicht in normale Sprache übersetzt werden, die jeder versteht. Die Schlüsselwörter in dem o.a. Satz sind „ESBL“ (CTX-M-15) und „nosokomial“:

ESBL steht für Extended-Spektrum Beta-Laktamase, das ist ein sehr potentes bakterielles Enzym, das fast alle „modernen“ Antibiotika, vor allem die Cephalosporine der 3. Generation ausschalten kann. Es gibt davon mehr als 200 verschiedene Formen, die je nach geographischer Herkunft des Bakterienstamms variieren. Das Gen, das die Herstellung dieses Enzyms ermöglicht, befindet sich nicht direkt im bakteriellen Chromosom, sondern in einem Plasmid. Plasmide können leicht Genmaterial austauschen und sich selbständig vervielfältigen (deshalb werden sie auch in großem Stil in der Gentechnik verwendet).

Nosokomial“ bedeutet, der Ursprung der Infektion liegt in einem medizinischen Behandlungsort – sprich: Krankenhaus.

Und jetzt wird es richtig interessant: während die ganze mediale Aufmerksamkeit auf Gemüse gerichtet ist, verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Quelle eine ganz andere ist …

Schauen wir mal, was erfahrene Experten dazu sagen:

Wie erfolgt die Infektion mit ESBL-bildenden Keimen?

„Infektionsquelle ist der infizierte Patient oder Keimträger. Erregerreservoir sind meist der Darm und die Harnwege, in selteneren Fällen auch die Atemwege. Die Übertragung erfolgt überwiegend über kontaminierte Hände. Ziel ist es, den direkten und indirekten Kontakt mit … erregerhaltigen Sekreten und kontaminierten Gegenständen zu vermeiden.“

(Interview mit Univ.-Prof. DDr. Wolfgang Graninger, Leiter der Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin, Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien)

Hier gibt es eine ganze Powerpoint-Präsentation zum Thema (Ausbreitung der ESBL bildenden Bakterien in Krankenhäusern). Daraus nur ein paar Bilder:

ESBL Ausbreitung in Intensivstationen

Bemerkenswert: ESBL Fälle haben sich in nur  drei Jahren versechsfacht; Antibiotika wirken nur mehr in 27 % der Fälle …

  • 64 % der ESBL Bildner sind E.Coli (EC)
  • 60% im Harn;  11% Wunden; 8 % Sputum; 7 % Stuhl
  • INTERNE / INTENSIV / CHIRURGIE (wo am häufigsten gefunden)

Die Ausbreitung der ESBL bildenden (MDR) Krankheitserreger ist so dramatisch, dass man internationale Online-Datenbanken eingerichtet hat. Zuerst war vor allem Osteuropa betroffen (Bulgarien, Rumänien, dann Griechenland u. Türkei), während Nordeuropa bis heute am wenigsten ESBL Probleme hat. Einzige Ausnahme: Großbritannien, dass seit Jahren massiv betroffen ist.

2001 waren 45% der E.Coli ESBL-Bilder, 2005 waren es bereits 80%, und 2011 ?

Extended-spectrum [beta]-lactamase producing Escherichia coli: changing epidemiology and clinical impact.

In dieser Studie wird festgestellt, dass ESBL-EC Stämme sich weltweit immer mehr ausbreiten und ein zentraler Faktor für Krankenhaus- und mittlerweile auch Community-Infektionen  werden. Wörtlich heißt es:

Die am häufigsten ermittelten Risikofaktoren für ESBL-EC Infektionen  sind Kontakt mit Krankenhäusern, kürzliche Einnahme von Antibiotika (AB) und das Vorhandensein einer anderen Krankheit / Gesundheitsstörung.“

Doch es wird noch komplizierter, denn die Erreger können auch von Menschen übertragen werden, die keine Krankheitssymptome haben (sie sind nicht „infiziert“ sondern nur „kolonisiert“)

Was das für Folgen  haben kann, zeigt das folgende Beispiel:

Eine Frau liegt auf der Entbindungsstation, sie ist mit Zwillingen schwanger. Durch die  vaginale Geburt werden die beiden Neugeborenen mit einem ESBL-Erreger infiziert. Die Krankenschwestern übertragen die Infektion auf andere  Babys und dann fragen sich alle – woher kommen die Bakterien?

Increasing Prevalence of ESBL Producing Enterobacteriaceae in Europe

Auch diese EUROSURVEILLANCE Studie kommt zu den gleichen Schlüssen:

„Zu häufiger Einsatz von AB, Kreuzinfektion in Krankenhäusern, der globale Handel, Tourismus, Migrationen, etc. haben wohl alle zur Weiterverbreitung dieser gefährlichen Erreger beigetragen“.

ESBLs wurden erstmals in den 1980er Jahren in Europa gemeldet und bis zur Mitte der 1990er Jahre waren es hauptsächlich die Typen TEM und SHV, die vom Bakterium Klebsiella pneumoniae (kann Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündung hervorrufen) produziert wurden.

Zunächst interessierte sich die breite Öffentlichkeit wenig für diese Problem, weil es anfangs nur auf Intensivstationen beschränkt war. Aber nach 2001 traten diese resistenten Bakterien plötzlich auch immer öfter in der „Community“ (nicht nur bei Kranken) auf (sie hatten sich mit den harmlosen E.Coli im Darm „verbrüdert“, ihre Plasmide ausgetauscht).

E.Coli wandern immer mal wieder auch in den Harntrakt ein (besonders bei Frauen, weil die ja durch ihre Anatomie mehr „exponiert“ sind). Diese Harnwegsinfektionen (med. abgekürzt  „UTI“) wurden in England ab dem Jahr 2000 auf einmal sehr problematisch, weil sie schwer zu therapieren waren und immer wieder auftraten.

Resistenzen sind bei Bakterien ein ganz normaler Teil der Evolution: sie sichern damit ihr Überleben (wir dürfen nicht vergessen, dass Bakterien eine wichtige  bio- bzw. ökologische Funktion haben). Doch der exzessive und leichtfertige Einsatz von Breitbandantibiotika führte dazu, dass das Tempo dieser Anpassung massiv  beschleunigt wird (Hypermutationen). Wie ich bereits sagte, es ist illusorisch, Bakterien ausrotten zu wollen, je mehr sie bekämpft werden, desto stärker werden sie – und sie tauschen ihre Waffen untereinander aus. Die zunehmende Umweltvergiftung (zB industrielle Abwässer bzw. Abfälle) sorgt auch dafür, dass immer leichter und immer schneller artübergreifend Resistenzen gebildet werden.

Dabei gibt es Zusammhänge, auf die wohl niemand gekommen wäre und die zeigen, dass die Industrialisierung (vor allem die große Freiheit der chemischen Industrie) einen hohen Preis hat: unsere Gesundheit…):

Anfang der 1990er  Jahre wurden in großen Mengen Chemikalien freigesetzt, deren Wirkung auf Bakterien niemand untersucht hatte: Kationische Tenside wie DSDMAC – wir kennen sie besser als Hauptwirkstoffe in “Weichspülern“.

Als man die Auswirkungen dieser Substanzen auf eine Pflanzenkläranlage untersuchte, fand man heraus, dass die darin lebenden Bakterien dadurch verstärkt ein so genanntes  Klasse I integron aufnahmen. Das ist ein genetischer Schlüsselmechanismus für die Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen durch horizontalen Gentransfer.

Seit 1993 (Zufall?) haben sich die ESBL Enzyme rasant verändert und die E.Coli Bakterien sind die häufigsten Träger dieser Resistenzgene geworden. Vor allem die Ausbreitung von CTX-M-15  (braun in der Graphik unten) macht den Wissenschaftlern große Sorgen.

Hier finden wir auch den Begriff  CTX-M-15 “Pandemie”, denn mittlerweile wurde diese Enzymgruppe, in fast allen europäischen Ländern nachgewiesen. Spanische Studien zeigten, dass Menschen, die eine Infektion der Harnwege durch ESBL-EC  hinter sich hatten, zu 70% diese gefährlichen Erreger ausscheiden, Die dauerhafte „Darmbesiedelung“ mit ESBL-EC wird deshalb als Risiko für eine Harnwegsinfektion gesehen und als Übertragungsquelle in Haushalten.

In Ungarn wurde in den Intensivstationen von 35 Krankenhäusern eine zunehmende Verbreitung von CTX-M-15 gemeldet. Noch unheimlicher wird es, wenn man liest, dass es aber auch Plasmide gibt, die ihre Resistenzgene vorübergehend „stillgelegt“ haben (silenced), wodurch ihre Aufdeckung als ESBL-Produzenten – und damit die richtige Behandlung -noch schwieriger wird.

Wie komplex die Beziehungen zwischen den Infektionsquellen und Übertragungswegen beim Horizontalen Gentransfer sind, zeigt diese Graphik:

Bewegung der resistenten Gene in E. coli in der Biosphäre.

(Dicke Pfeile zeigen die drei größten Auslöser für die Selektion der Resistenzgene:

1) vom Menschen erzeugte Chemikalien “Xenobiotics”- die in der Natur nicht vorkommen und nicht biologisch abbaubar sind

2) unkritischer Einsatz von Antibiotika in der Veterinär- und 3)  in der Humanmedizin

Ich würde noch radioaktive Spaltprodukte aus AKW (Normal- und Störbetrieb) dazunehmen!

(Dünne Pfeile zeigen die Hauptrichtungen des Genflusses)

Lautder o.a. schwedischen Studie (Eurosurveillance) wurden Infektionen mit dem EAEC O 104:H4  in den letzten Jahren   in mehreren Ländern gemeldet:

Deutschland 2001, Frankreich 2004, Süd-Korea 2005, Georgien 2009  und Finnland 2010 [9,10].

„Auffällig ist, dass innerhalb dieses Serotyps, der bekanntermaßen durch eine große genetische Vielfalt charakterisiert ist, die Isolate aus dem jetzigen Ausbruch, eine genetische Ähnlichkeit aufweisen, die auch in dem Stamm aus Georgien auftraten (… wurde damals nicht veröffentlicht – warum nicht? Aber gemeinsam mit dem amerikanischen CDC untersucht …?)

ECDC: latest figures

So far, the EHEC pathogen O104:H4 was not detected in any food product from the retail Market”

Sehr Interessant auch die Aussage des ECDC:

Auf keinem einzigen Lebensmittel im Einzelhandel  wurde bisher dieser Erreger nachgewiesen”

Noch mehr Info:

Multiresistente Erreger im klinischen Alltag (dt. Ärzteblatt 2005)

 The changing epidemiology of resistance

 

GENial Daneben: (Shit Happens, die 4.)

Schon als „besiegt“ geglaubte Infektionskrankheiten wie zB die Tuberkulose sind wieder stark im Kommen, besonders in Osteuropa. Aber auch „neue“ Virenarten (SARS, AIDS, „Schweinegrippe“, etc.)  und extrem widerstandsfähige Bakterienstämme (z,B. MRSA) machen den Ärzten und Gesundheitspolitikern Kopfzerbrechen.  In Deutschland ist es zur Zeit der EHEC (oder STEC), ein gefährlicher  E.Coli Mutant: H 104: H4.

Es gibt immer zwei Hauptfaktoren, die entscheidend sind für die Bewertung der Gesundheitsgefahr:

1)      Die Virulenz des Erregers  der Infektion

2)      Der Immunstatus des Menschen, der infiziert wurde (wie stark ist das Immunsystem; es gibt Menschen, die Erreger in sich tragen, aber nicht krank werden)

Armut, Mangelernährung, Belastung durch Umweltgifte, etc. und andere soziale Ursachen müssen in diesem Zusammenhang natürlich berücksichtigt werden. In den letzten 20 Jahren wurde aber auch die kommerzielle Biotechnologie als „innovative Zukunftstechnologie“ stark gefördert. Die dringende Frage, die gestellt werden muss, ist also:

In welchem Ausmaß trägt die unkritische Anwendung Gentechnik  dazu bei, dass immer mehr Krankheitserreger Therapie- bzw. Antibiotika resistent werden und dass neue „Superkeime“ entstehen, gegen die die Medizin mehr oder weniger machtlos ist?

(siehe dazu auch meine Beiträge zum Thema „Schweingrippe“ bzw. „Impfen“)

Dieses Problem wird umso dringender, als sich die Hinweise darauf verdichten, dass gentechnisch hergestellte Erreger, die angeblich „entschärft“ sind, doch einen Weg finden, sich zu vermehren bzw. ihre krankmachenden Eigenschaften mit denen anderer Mikroben zu kombinieren, wodurch sie natürlich immer gefährlicher werden.

Vorkommen bzw. Infektionen mit pathogenen Keimen wie Salmonellen oder Escherichia Coli (aber auch Noro- und Rotavirus) weiten sich seit Jahren weltweit aus. Besonders in Tieren bzw. tierischen Produkten finden sich immer häufiger krankmachende Mikroben. Doch nicht nur die „Durchfallbakterien“ werden zum Problem:

Seit den 1990er Jahren hat beinahe jede weit verbreitete Bakterienart Resistenz gegen Antibiotika entwickelt, viele davon sogar Mehrfachresistenzen (MR): dazu gehört Staphylococcus aureus (verursacht Toxisches Schock Syndrom, schwere Infektionen nach Operationen), Streptococcus aureus (Toxic Shock-like Syndrom);  S. pneumoniae (Erreger der Lungenentzündung);  S. pyogenes – Erreger des Rheumatischen Fiebers; Haemophilus influenzae (Erreger der Gehirnhautentzündung)

Die Entdeckung bzw. Entwicklung der Antibiotika war ein Meilenstein in der Medizingeschichte und hat Millionen das Leben gerettet, doch die Zahl der resistenten Bakterienstämme steigt seit Jahren dramatisch an. So zB bei den pathogenen E.Coli (wie EHEC),. Zwei E.Coli Stämme, die in einem Transplantationszentrum in Cambridge isoliert wurden, waren gegen 21 Medikamente resistent.

Forscher untersuchen seit Jahren, warum diese Stämme (wie EHEC bzw. STEC) immer aggressiver werden und haben festgestellt, dass es die Aufnahme und Aktivierung bestimmter Gene ist, die für die zunehmend gesundheitsschädliche Wirkung verantwortlich sind. Diese Gene werden als „Virulenzgene“ bezeichnet.

Dazu gehören zB Gene, die es dem Bakterium erleichtern, sich in die Darmschleimhaut einzunisten (bei STEC/ EHEC ist das z.B. eae (codiert intimin), doch der jetzt eruierte Erregerstamm hat dieses Gen überraschenderweise nicht) oder Gene, durch die das Bakterium ein starkes Zellgift produzieren kann (hier:  stx2). (Antibiotika verschlimmern die Giftwirkung in diesem Fall!)

Doch selbst wenn man diese Gene identifiziert und damit ein wichtiges Tool hat, die verschiedenen Unterarten zu unterscheiden, bleibt doch die wichtigste Fragen: Wieso nehmen (ursprünglich) harmlose Bakterien diese Gene auf? Welche Faktoren in der Umwelt beschleunigen diesen Prozess? Diese und andere Fragen versucht die Gen-Ökologie zu beantworten.

Diese wissenschaftliche Disziplin ist umso wichtiger, seit dem man weiß, dass genetisches Material (DNA oder RNA) von einem Organismus zu einem anderen übertragen werden kann. Dies nennt man Horizontalen Gen-Transfer (HGT). Während die normale “Vermehrung” (durch Zellteilung bzw. Paarung)  innerhalb einer Art als „vertikal“ bezeichnet wird.

Gen-Ökologie untersucht wie Gene funktionieren, wie und warum sie sich bewegen, wie sie übertragen werden können und wie ihr Verhalten durch Feedback aus der Umgebung (aus der jeweiligen Zelle, dem ganzen Lebewesen -Kommunikation der Zellen untereinander – und der äußeren Umwelt) geregelt wird.

An dieser Stelle ist es notwendig ganz klar zu sagen, dass die in den Medien kolportierte Vorstellung von der Funktion der „Gene“ völlig falsch ist: Gene sind NICHT die großen Diktatoren, die alles im Körper steuern, sie sind kein „Programm“, nach dem alles (immer automatisch) abläuft, sondern als Segmente der DNA eher eine „Datenbank“, aus der bestimmte „Ausführungsbefehle“ – je nach Bedarf – ausgewählt, verändert, neu geschrieben oder gelöscht (bzw. still gelegt) werden können. Sie sind Teil der komplexen Zellbiologie und keine Einbahnstraße“, wie es das klassische Dogma der Genetik vorgab:

Ein Gen erzeugt ein Protein und das wiederum ist für eine bestimmte Eigenschaft zuständig. Die DNA (und auch die Zellen und der Organismus an sich) ist nach dieser Auffassung eine biochemische Maschine. Demnach kann man, wenn man die Funktion eines Gens kennt, dieses ausschneiden, klonen, in ein anderes Genom einschleusen und somit Organismen produzieren, die bestimmte „erwünschte“ Eigenschaften haben. Wie zB Mais, dem man ein Gen für ein bakterielles Gift eingebaut hat (bt-Mais), das Schadinsekten vernichten soll. Klingt alles wunderbar einfach ist aber  gefährlicher  (wishful thinking) Bullshit.

Dieses mechanistische, reduktionistische Denken  ist ein Relikt von Newton und Descartes und wurde von der Realität schon längst überholt. Biologische Netzwerke sind viel komplexer als Physiker und Mathematiker wahrhaben wollen. Erstens kann ein Gen auch mehrere Eiweiße produzieren (aber auch mehrere Gene dasselbe Protein), es gibt also verschiedene Beziehungen. Zweitens hat der Mensch nur 30.000 Gene (es gibt Pflanzen, die mehr haben; Bakterien haben ca. 500 – 4000), es können aber Millionen verschiedener Eiweiße hergestellt werden. Die Gene sind natürlich keine technischen Komponenten, die nach Belieben ausgetauscht werden können, sondern alle miteinander vernetzt. Manipuliert man nur eines, ändert man die Beziehungen aller Gene zueinander mit unvorhersehbaren Folgen. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Mutationen finden auch meistens nicht „zufällig“ statt, wie oft immer noch behauptet wird (siehe dazu auch Epigenetik).

Und vor allem: Gene reagieren auf die Umwelt und die “Antwort” verändert sich entsprechend. Welches Gen aktiviert wird, wie lange, welche anderen stillgelegt werden, hängt also von der zellulären und äußeren Umgebung ab. Deshalb wurde auch der Begriff „Fluid Genome“ geprägt: es ist ein dynamisches System, kein mechanisches, das in ein komplexes biologisches Netzwerk eingebettet ist, und von dem die Wissenschaft nur sehr wenig versteht. Je tiefer sie gräbt, desto komplizierter wird es. Die Gefahr dabei ist, dass man sich in Details verliert und dabei der Blick auf das Ganze verloren geht.

Doch die Gentechniker wollen das nicht wahrhaben, denn dann müsste ihnen klar werden, wie gefährlich und verantwortungslos ihre Manipulationen im Labor sind. Erstens verhalten sich Zellen in einer „Laborkultur“ immer anders als in einem Zellverband bzw. in einem lebenden Organismus, eben weil die biochemischen Signale aus der Umgebung fehlen. Die Zellkommunikation ist eines der faszinierendsten Themen in der Molekularbiologie und auch hier liegt noch vieles im Dunkeln. Doch die „Techniker“ verändern ein System, das sie kaum verstehen, weil sie berauscht sind von dem Gedanken, neue Lebewesen zu erschaffen und damit am besten auch noch viel Ruhm zu ernten und / oder Geld zu verdienen.

Ich kriege eine Gänsehaut, wenn ich Texte wie diesen lese:

Für ihn ist E. coli redux nur ein erster Schritt auf dem Weg zur „synthetischen Biologie“, die vor allem US-Forscher seit zwei Jahren propagieren. So wie aus der Elektrizitätslehre die Elektrotechnik, aus der Mechanik der Maschinenbau hervorging, ist die synthetische Biologie für sie die logische Weiterentwicklung der Wissenschaft vom Leben hin zu einer Ingenieursdisziplin.

[…] Die Grundlage für diese Entwicklungen legten James Watson und Francis Crick 1953, als sie die molekulare Struktur der DNS aufklärten. Schon der Terminus „Bauplan” für das Erbgut deutet darauf hin, dass die Biologie dazu überging, die Zelle in den Metaphern des Industriezeitalters zu beschreiben. Die zwischen einem und zehn Mikrometer großen Gebilde werden als winzige Fabriken gesehen. Aber da ist niemand, der die Moleküle in Bewegung setzt, um die Lebensprozesse der Zelle zu starten und am Laufen zu halten. Permanent werden im Zellkern Abschnitte des langen DNS-Moleküls kopiert. Die Kopien werden dann im Zellinneren verteilt. Ein kleiner Teil der Kopien, etwa fünf Prozent, wird in eiförmige Ribosomen gesteckt, in diesen werden aus herbeigeschafften Aminosäure-Molekülen die Eiweiße gefertigt. Die Eiweiße wiederum transportieren andere chemische Verbindungen, bereiten sie auf oder versorgen die Zelle mit Energie.

Wie diese ungeheure Aktivität im Detail abläuft, verstehen die Biologen zwar noch nicht. Aber seit die Biotechnik die Grundbausteine des genetischen Codes aufschlüsseln kann, wächst das Wissen, welche Genabschnitte welche Proteine kodieren. Genau hier setzt die junge Zunft der synthetischen Biologen an. Dem Maschinenparadigma folgend, werden Proteine und Botenmoleküle als Bauteile begriffen, die der Mensch beliebig verändern oder einfügen kann.

Während [diese Forscher] natürlich nur nützliche Biomaschinen im Sinn haben, könnten solch künstliche Organismen auch zu unschönen Zwecken designt [sic] werden. Im Prinzip sei es vorstellbar, hoch infektiöse Bakterien zu entwickeln, die etwa die Proteinfaltung von Menschen verändern und auf diese Weise tödlich wirken, warnt Nediljko Budisa, Biologe am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Das Ergebnis wäre eine ganz neue Klasse biologischer Waffen“

[…] “Die dreißigjährige Erfahrung mit genetisch veränderten Organismen hat gezeigt, dass sie im Vergleich zu ihren natürlichen Gegenstücken in natürlichen Umgebungen weniger fit sind.Aber die Biomaschinenbauer wären keine guten Ingenieure, wenn sie diesen kleinen Konstruktionsfehler ihrer Geschöpfe nicht beseitigen wollten. …“

Wahnsinn: Die ungeheuerliche Komplexität und Faszination des Lebens wird also reduziert auf das Niveau einer Maschine und man maßt sich allen Ernstes an, Lebewesen (für Profit und Größenwahn) konstruieren zu wollen, die besser sind als die aus der Natur, obwohl die Natur 4 Milliarden Jahre Erfahrung hat. Angesichts dieser Hybris, wird mir Angst und Bange, wenn ich daran denke, was sich in diesen Biotechnologie-Labors täglich abspielt (kein Politiker versteht das, fördert aber diesen Irrsinn als „Innovation“ …).

Bakterien sind das Lieblingsspielzeug der Gentechniker, weil sie von Natur aus die Fähigkeit haben, Genmaterial zu tauschen bzw. aufzunehmen und außerhalb des Chromosoms zu vermehren.  Das ist ja auch Teil ihrer Überlebensstrategie.

In Viren befindet sich das Erbmaterial in einer Proteinhülle. Das gilt zwar auch für Bakterien (die aber nicht in den Zellkern des „Opfers“ eindringen müssen, um ihr Erbmaterial in der Wirtszelle zu vermehren), doch diese beherbergen zusätzlich Plasmide (P), die sich im Zytoplasma vermehren können. Dann gibt es noch Transposone (T), die zwar in das Chromosom integriert werden, aber sich bewegen können (innerhalb eines Chromosoms bzw. zu einem anderen,  oder vom Chromosom zum Plasmid und umgekehrt). P und T  tragen typischerweise die o. a. Virulenzgene.

Künstliche Vektoren, die in Gen-Labors hergestellt werden, werden aus jenen Teilen der natürlichen Vektoren zusammengebastelt, die am infektiösesten sind, eben weil man den HGT beschleunigen will. Diese Konstrukte aus Bakterien und Viren werden zwar „deaktiviert“ (Virulenzgene entfernt oder stillgelegt), doch diese fehlenden „Kollegen“ im Genorchester können anderweitig rekrutiert werden: Aus Viren und andere parasitäre Agenten, die in der Umwelt bzw. den Zellen aller Organismen vorhanden sind.

Um ein transgenes Lebewesen herzustellen, muss also der Vektor in die Zelle eindringen und sich dort vermehren (er trägt also die Kopiereinheit in sich oder wird in das Genom der Zelle integriert). Um festzustellen, ob dies tatsächlich gelungen ist – man sieht ja nichts – werden so genannte Antibiotische Resistenz-Marker (ABM) eingebaut. Es wird also ein Geninsert eingefügt, dass diese Resistenz vermittelt. Dann werden alle Zellen mit diesem Antibiotikum behandelt, nur jene, die den Vektor (und damit das Gen) integriert haben, überleben, die anderen sterben. Doch was ist, wenn diese Antibiotikaresistenz weitergegeben und durch Kombination potenziert wird?

E.Coli gehört zu den gram-negativen Bakterien und wird seit Jahrzehnten als das Haustier der Molekularbiologen im Labor gezüchtet…. Unter idealen Bedingungen verdoppelt sich E.Coli alle 20 Minuten. Diese … Laborstämme sind genetisch derart beschaffen, dass sie außerhalb der Laborbedingungen nicht lebensfähig sind.“

 (Zitat aus: Grundzüge der Gentechnik, Birkhäuser Verlag, 2005; Seite 47)

Sind sie das wirklich nicht?

E. Coli ist das am intensivsten manipulierte Lebewesen der Welt. Gene von fast allen Arten  wurden hineingeschleust und darin millionenfach kopiert, seine Plasmide als „Genfähren“ benutzt. Mittlerweile werden ja auch Impfstoffe und Antikörper gentechnisch hergestellt. (Siehe dazu auch meine Beiträge zu „Impfen“ und „Schweinegrippe“)

Ist hier wirklich alles unter Kontrolle?

Hier haben wir einen Fall aus England, wo 2007 aus einem Biotech-Labor, das gentechnisch Impfstoffe herstellt, Erreger der Maul und Klauen-Seuche entwichen sind (man konnte den Stamm anhand der typischen Genmerkmale eindeutig  als Laborstamm identifizieren). Kommentar des britischen Umweltministers: „Das hätte nicht passieren dürfen“

2005 wurden von einem privaten Unternehmen „irrtümlich“ an über 6.000  Labors (weltweit) ein Päckchen geschickt, das den gefährlichen Erreger der „Hong Kong Grippe“ (Asian Flu) enthielt, an dem 1957 Millionen Menschen gestorben waren. Aber es passieren noch ganz andere „Pannen“:

„Versehentlich“  und absichtlich wurden auch schon neue Viren geschaffen:

Vor einigen Jahren gelang es Genetikern in Spanien (!) einen Coronavirus zu klonen: den TEGV. Das ist ein Virus, der neugeborene Ferkel befällt, von denen 80% an einer Darminfektion sterben. Zu den Coronoaviren gehören aber auch viele andere Unterarten, die grippeähnliche Infekte und möglicherweise auch neurologische Krankheiten auslösen. Diese Viren haben ein sehr großes Genom (mehr als doppelt so groß wie konventionelle RNA-Viren. (Die virale RNA wird im Zytoplasma vermehrt, nicht im Zellkern, der die eigene DNA der Zelle enthält.) Diese cDNA  wurde gemeinsam mit einem Promoter des CMV in E.Coli Bakterien eingebaut, der sie „kloniert“, also vervielfältigt hat.

Als man diese cDNA in Schweine injiziert hat, wurden RNA Viren produziert. Das kam sehr überraschend, weil die cDNA zuerst in den Zellkern der Schweinezellen gelangen musste, um dann wieder zu RNA umgeschrieben zu werden und anschließend zurück ins Zytoplasma transportiert wurde, damit sie sich replizieren konnte. Aber das tun normale Viren eben nicht. Die Forscher haben also einen völlig neuartigen Virus erschaffen.

Ein anderes, gentechnisches Experiment sorgte schon 2001  für Aufregung:

Es wurde hier über die Versuche australischer Wissenschaftler berichtet [20, 21], die mit einer Verstärkung der Antikörperproduktion durch die Überproduktion des Cytokins Interleukin 4 (IL-4) die Schwangerschaft bei Mäusen zu verhindern suchten. [Warum?]

Ein Gen für die Produktion von IL-4 wurde in das Genom eines Mauspockenvirus eingesetzt. Das Virusgenom enthielt auch ein Gen für die Produktion eines Proteins, das auf Eizellen der Maus zu finden ist. Nach der Infektion von Mäusen mit diesem Virus sollte das Eizellenprotein produziert und Antikörper dagegen hervorgerufen werden. Gleichzeitig sollte das IL-4-Gen in Mäusezellen exprimiert und eine größere Menge des IL-4-Cytokins als sonst produziert werden. Diese Überproduktion an IL-4 sollte dann eine Verstärkung der Antikörperproduktion gegen das Eizellenprotein verursachen. Ungeplant  hat IL-4 aber auch die Aktivität einer bestimmten Klasse von Immunzellen (cytotoxische T-Lymphozyten, Tc-Zellen oder auch Killerzellen genannt) unterdrückt, die normalerweise virusinfiziete Zellen attackieren, abtöten, und eine Virusinfektion dadurch beseitigen.

Und jetzt kommt der Hammer: Die Mäuse waren eigentlich gegen diesen Mäusepockenvirus resistent, es müsste also harmlos gewesen sein. Doch die Mäuse wurden vom Virus getötet.  Die Einfügung des IL-4-Gens hat dadurch ein “Killervirus” erzeugt, das auch in resistenten Mäusen das Immunsystem lahm legte (unterdrückt die Primärantwort und das „Immungedächntnis“).

Hier stoßen wir auch an die schwammige Grenze zwischen Gen-Forschung und Entwicklung von Bio-Waffen. (Es gibt auch Stimmen, die glauben, der EHEC Keim sei absichtlich in Deutschland freigesetzt worden …. Weil er so ungewöhnlich sei, nämlich eine HGT Chimäre: er hat Gene von EHEC, EAEC (besonders gefährlich für Leute, deren Immunsystem unterdrückt ist) und von Viren …kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor?) Äußerst interessant ist auch die Frage, WIE den die Patienten behandelt werden? Sie werden es nicht glauben: mit gentechnisch hergestellten Antikörpern …(Fortsetzung folgt)

Die spannende Suche nach der Wahrheit  geht weiter …

 

Die Ergebnisse zeigen, dass es sich bei bei dem HUSEC041-Ausbruchsstamm um einen Erreger mit erweiterten Virulenz-, Schwermetall- und Antibiotikaresistenz-Eigenschaften handelt.

Dieser Stamm kann als Hybrid oder Chimäre bezeichnet werden, da er Virulenzeigenschaften unterschiedlicher Erreger vereint.“

Prof. Karch; Institut für Hygiene, Uni Münster

 

SHIT HAPPENS (3): Falsche Fährten?

Unfassbar: Obwohl bestätigt wurde, dass die Keime auf den spanischen Gurken nicht die Erreger der EHEC / HUS Infektion sind, geht die Gemüsehysterie weiter und es werden Tonnen von gesundem Gemüse nicht gegessen, sondern vernichtet. Die Dummheit kennt anscheinend keine Grenzen, denn was isst der in Spanien urlaubende Deutsche stattdessen?  Fast Food! (laut n-tv)

Es ist zwar bekannt, dass unhygienisch zubereitetes Rinderhack eine der Hauptquellen für Darminfektionen darstellt, doch man greift lieber zum – auch sonst ungesunden – Hamburger und entfernt dann auch noch die Tomate und das Salatblatt. Was soll man dazu noch sagen? How stupid can you get? 

Es muss noch einmal betont werden: das größte und gefährlichste Reservoir für diese EHEC Keime sind Wiederkäuer, vor allem Rinder (deren Verdauungssystem bzw. deren Ausscheidungen). Die Quelle ist also die (vor allem industrielle) Tierhaltung und hat nichts mit Gemüse- bzw. Bioanbau zu tun. Irgendwelche unsichtbaren Mikroben sind immer auf unserem Gemüse, doch durch gründliches Waschen werden diese entfernt (sonst müssten wir ja dauernd  Verdauungsstörungen haben).

Wie übertrieben und kurzsichtig es ist, sich nur auf Gemüse zu konzentrieren, zeigt auch folgende Geschichte:

In einer Wurstfabrik in Deutschland wurden im Rahmen einer Studie fast zwei Jahre lang die Arbeiter untersucht, um eventuelle Keimträger zu ermitteln. Zwei der Arbeiterdie überhaupt keine Symptome hatten – hatten wochenlang den gefährlichen EHEC-Erreger ausgeschieden, und niemand wäre (nur durch Befragungen, wie sie das Robert-Koch Institut jetzt durchführt) je darauf gekommen.

In diesem Zusammenhang scheint es auch wichtig, hervorzuheben, dass die Übertragung von Mensch zu Mensch weit häufiger vorkommt, als es die Medienberichte vermuten  ließen. Aus einer amerikanischen Studie stammt folgendes Diagramm:

Daraus ist zu ersehen, dass 38% der STEC Infektionen durch Übertragung von infizierten Personen zustande kamen, 15 % durch Fleischkonsum, gefolgt von Milchprodukten und belastetem Wasser, aber nur 6% durch Obst und Gemüse.

Da muss man fragen: Wie wird diese Übertragung in Deutschland verhindert? Noch dazu gibt es nicht wenig Menschen, die sich nach dem Besuch einer Toilette nicht die Hände waschen ….

Bakterienangst: Immer auf die Kleinen …

Bakterien sind um uns herum, leben auf und in uns und das ist auch ganz normal so. Es besteht kein Grund, deswegen hysterisch zu werden oder gar zu anti-bakteriellen Chemikalien zu greifen. Der Kauf dieser Produkte (anti-bakterieller Seifen und Waschlotionen, Produkte wie Danchlor, etc.) ist immer kontraproduktiv, d.h. wenn Sie solche aggressiven Chemikalien verwenden, steigt die Chance dramatisch an, dass die Bakterien in ihrem Haushalt (bzw. auf Ihrer Haut) mutieren und früher oder später resistent werden. Bakterien „ausrotten“ zu wollen, ist eine Illusion, je mehr man sie unter Druck setzt, desto stärker werden sie.

Gesunde Lebensweise (dazu gehört viel Obst und Gemüse!), ein starkes Immunsystem und ein gewisses Maß an Sauberkeit sind die beste Voraussetzung für eine problemlose Koexistenz mit den zahlreichen Mikroben, die uns umgeben.

Aber zurück zu den E.Coli bzw. EHEC Infektionen:

Während hier also – bewusst – die ganze Aufmerksamkeit auf Gemüse gelenkt wird, muss man sich die Frage stellen, will man hier eine falsche Fährte legen?

Im  RASFF Bericht der EU (2009), werden die festgestellten Gesundheitsrisiken in Lebensmitteln festgehalten und evaluiert. Unter der Rubrik „pathogene Mikroorganismen“ gibt es ein Balkendiagramm, das verdeutlichen soll, welche Keime am häufigsten gefunden wurden und in welchen Nahrungsmitteln: (Seite 27). E.Coli ist neben der Listeria der am häufigsten gefundene Keim (gelber Balken). Doch in welchen Nahrungsmitteln wurde er meistens gefunden?

In Meeresfrüchten, vor allem in Muscheln und Tintenfischen, etwa fünf Mal häufiger als in Fleisch, das an zweiter Stelle steht. Da frage ich mich, warum niemand diese Tatsache erwähnt, wenn in einer Stadt wie Hamburg, die natürlich auch ein Umschlagplatz für Fische und andere essbare Meerestiere ist, eine große Zahl von Menschen an diesen Keimen erkrankt.

Doch es gibt noch eine ganz andere mögliche Quelle für die „Evolution“ eines besonders gefährlichen Bakterienstammes, über die man gar nicht spricht, denn das würde einen Sturm der Entrüstung auslösen):

Die Biotechnologie-Firmen in Norddeutschland (mehrere in Hamburg und Bremen) oder ganz allgemein die Gentechnik-Labors, in denen Dinge passieren, die sich der normale Bürger nur schwer vorstellen kann.

So wird tunlichst nicht erwähnt, dass das E. Coli Bakterium seit vielen Jahren in diesen Labors als „Klonapparat“ und als „Modellorganismus“ für eine ganze Reihe anderer biotechnologischer Experimente benutzt wird.

Bakterien können sich in wenigen Stunden explosionsartig vermehren  und ihre „Kompetenz“ (man kann fremdes bzw. künstliches Genmaterial in sie einschleusen, das dann millionenfach geklont wird) als „Bio-Reaktor“ ist in der Biotech-Branche äußerst beliebt. E.Coli ist der Liebling aller Gentechniker, denn er lässt  – scheinbar – alles mit sich machen. Um zu verstehen, worum es hier geht, müssen wir uns etwas näher mit der Vermehrung von Bakterien und ihrem Genom beschäftigen:

Bakterien haben prokaryotische Zellen, in denen die Erbanlagen, (als freier, gekräuselter DNA Strang)  zu finden sind. Zusätzlich können sie aber auch so genannte Plasmide beherbergen, das ist ein Stück kreisrunder DNA, das sich unabhängig vom “Chromosom” (es ist kein echtes, wie beim Menschen) vermehren kann und ohne Hülle auskommt (man nennt das „nackte“ DNA).  Das Fehlen des Hüllenproteins (das „O“ beim EHEC) macht es viel leichter, in andere Zellen einzudringen, deshalb werden Plasmide millionenfach in der Gentechnik zum Einschleusen bestimmter Genkonstrukte verwendet.

Mehr dazu im nächsten Beitrag   

P.S.

Seltsam: Laut ECDC hat Deutschland die ersten HUS Fälle schon am 25. April gemeldet (Bei einer Inkubationszeit von etwa 7-10 Tagen (für EHEC)  hat also die Infektion Mitte April stattgefunden)

Laut Robert-Koch Institut traten die ersten Fälle aber erst Anfang Mai auf. Wer erzählt hier die ganze Wahrheit? Wer hat den Überblick?

RKI: “Der früheste Erkrankungsbeginn mit Durchfall war am 2. Mai 2011.

“Vom 2. bis 8. Mai lag die Fallzahl zwischen 0 und 2 Fällen täglich. Am 9. Mai stieg die Fallzahl auf 6 Fälle an und erhöhte sich seitdem kontinuierlich weiter bis zu einem bisherigen Maximum von 34 Fällen am 19. Mai. Zwischen 13. und 22. Mai lag die tägliche Fallzahl bei mindestens 17 bis maximal 34 Fällen. Seit dem 23. Mai lag die HUS-Fallzahl bei weniger als 15 Fällen pro Tag, wobei sich die Fallzahlen aufgrund eines Melde- und Übermittlungsverzugs wahrscheinlich noch ändern werden.”

 ECDC  Reported HUS Cases / Deaths                          Update 1 06 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SHIT HAPPENS (2): Das Kommt Mir Spanisch Vor …

SPIN ALARM! (Mein angekündigter Beitrag zum Thema Gentechnik -Was hat die mit der Gefährlichkeit von Bakterien zu tun? – folgt  deshalb später)

Während die Gemüse-Panik also, wie erwartet, immer mehr um sich greift, betätigt sich die Presse, wie immer, als Wiederkäuer der  monoklonalen Agenturmeldungen, deshalb schreiben auch alle, mit kleinen Variationen, das gleiche.

Ein bisschen Panikmache fördert die Auflage, das ist ja normal, aber es wird gefährlich – im demokratischen Sinn – wenn die Medien eine Stimmung erzeugen, die auf Schüren von Emotionen und nicht auf Fakten beruht. Niemand von uns möchte gerne an einer blutigen Durchfallerkrankung leiden oder gar an Nierenversagen sterben, doch Vorsicht und Hygiene ist eine Sache, Verdummung und Irreführung eine andere. Was ist damit gemeint?

Wenn  man sich die Presseberichte ansieht, fällt bereits auf, dass sich niemand die Mühe macht, einmal die Quellen der Information näher zu untersuchen bzw. die Übereinstimmung ihrer Aussagen zu überprüfen (wir kennen das ja aus den zahllosen Krimisendungen im Fernsehen …). Das ist aber sehr aufschlussreich und hilft, zu erkennen, was wahr und was Stimmungsmache bzw. Propaganda ist.

1-„BIO-BASHING“  STATT ECHTER AUFKLÄRUNG

Der ORF (österreichische Rundfunk)  meldete heute folgendes:

 „Nun ist wegen des EHEC-Keims, der eine Durchfallepidemie insbesondere in Deutschland auslöste, auch in Österreich eine Rückrufaktion gestartet worden […]

Das Gesundheitsministerium  fordert nun die Konsumenten auf, aus diesen Geschäften bezogene spanische Gurken, Paradeiser und Melanzani auf keinen Fall zu verzehren, sondern zu vernichten. …“

Sucht man die Quelle dieser Meldung im Internet, findet man folgendes:

Die AGES [privatwirtschaftlich orientierte Agentur mit Verbindung zu öffentlichen Stellen; getarnt als „Public Private Partnership“ ] gibt im Auftrag des  Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) bekannt, dass geringe Mengen von spanischen Gurken, die im Verdacht stehen, mit EHEC-Keimen belastet zu sein können, über deutsche Großhändler auch nach Österreich gelangt sind.

Wie über das Europäische Schnellwarnsystem RASFF am 28.05.2011 um 21.30 Uhr gemeldet wurde,  wurden spanische Bio-Schlangengurken des Erzeugers Frunet S.L. von den Firmen Dennree GmbH und Ökoring Handels GmbH, Deutschland, an Einzelhändler in Österreich geliefert.“

Auf der Website des österreichischen Gesundheitsministeriums findet man jedoch bei genauerem Hinsehen Informationen, die weniger geeignet sind, wieder einmal auf „Bio“ hinzuhauen und vom eigentlichen Problem (der industriellen Landwirtschaft) abzulenken:

EHEC in spanischen Gurken nachgewiesen

„Am 26.5. teilten die deutschen Behörden über das RASFF-System mit, dass bei zwei Gurken aus Spanien von zwei verschiedenen Erzeugerfirmen (ein Bioprodukt, ein herkömmliches) EHEC-Bakterien festgestellt wurden. In dieser Meldung war keine Lieferung nach Österreich angegeben. Noch ist nicht eindeutig klar, ob es sich um denselben Keim handelt, der bei Erkrankten auftritt.

Auch wurde über RASFF mitgeteilt, dass bei einer Gurke eines holländischen Vertreibers EHEC-Bakterien festgestellt wurden. Die Herkunft des Produktes ist derzeit noch unklar. Die holländischen Lebensmittelbehörden ermitteln.

Am späten Abend des 28.5. wurde über das RASFF-Schnellwarnsystem gemeldet, dass geringe Mengen der spanischen Biogurken, bei denen EHEC-Keime nachgewiesen wurden, über zwei deutsche Großhändler auch nach Österreich gelangt sind. …Beide Großhändler haben gleich nach Bekanntwerden des positiven Ergebnisses einen Lieferstopp und Rückruf durchgeführt. Der Rückruf betrifft auch Tomaten und Melanzani, sodass insgesamt 33 Betriebe in Österreich betroffen sind..  Die Produkte sollen keinesfalls verzehrt werden. „

Das klingt ziemlich dramatisch. Doch etwas weiter unten steht dann:

Diese Information erfolgt vorsorglich und besagt weder, dass die in Österreich vertriebenen Gurken tatsächlich mit EHEC-Keimen belastet sind noch dass diese Gurken die Ursache für die Erkrankungswelle in Deutschland sind.“

Was in der „RASFF“ Notifikation  wirklich stand, können sie hier lesen:(nur eine einzige Bio-Probe wurde gezogen, die zweite konventionelle – verschwand die und was ist mit der Ware aus Holland?)

2- DIE GRÖSSERE (?) GEFAHR: EHC

Die „EHC“ ist meine Abkürzung für „Europäische Heuchler Commission, die normalerweise mit „EUC“ abgekürzt wird (ohne Heuchler natürlich). Wenn ich Herrn Barroso nur sehe, kommt mehr Übelkeit auf, als  ein Bakterium je auslösen kann .. . Aber Schluss mit der Polemik und zurück zu den Fakten:

Auch die EU-Kommission (unsere obersten, ungewählten Herrscher) hat natürlich ihren Senf zum EHEC Drama dazugegeben und eine Pressemeldung lanciert, darin heißt es erstaunlicherweise:

Die deutschen Behörden haben … die Kommission darüber informiert, dass sie Gurken aus biologischer Landwirtschaft (original: organic cucumbers) aus zwei spanischen Provinzen … als eine der (Infektions-)Quellen identifiziert haben. Es sind weitere Untersuchungen im Gange, um andere potentielle Quellen zu ermitteln, während eine dritte Charge von Gurken, die aus den Niederlanden kommt, auch untersucht wird.“

Wenn wir diese Meldung mit der oben angeführten des österreichischen BMG vergleichen, fällt auf, dass die „konventionelle“ oder „herkömmliche“ Gurke jetzt verschwunden ist  und nur mehr die „Biogurke“ am Pranger steht. Das ist doch äußerst interessant, oder?

Und mittlerweile kümmert sich auch niemand mehr um die Gurken aus Holland, während Spanien als „Bösewicht” gebrandmarkt wird und die spanischen Gemüsebauern vor dem Ruin stehen. Ist das alles Zufall oder Inkompetenz?

Wer immer diese Pressemeldung lanciert hat, ist jedenfalls nicht besonders intelligent, oder sehr nachlässig, denn es geht so weiter:

The E. Coli outbreak is responsible for two deaths in Germany, while a total number of 214 cases have been recorded therealmost seven out of 10 (68%) concern women. …..

Die 214 Fälle, die hier zitiert werden, ist aber nicht die Zahl der EHEC-Infektionen, (die natürlich bei mehreren hundert, inzwischen bei tausend liegt) sondern die Zahl der HUS-Fälle (inzwischen 276), also jener schweren Komplikation, die in Deutschland viel häufiger aufgetreten ist, als sonst üblich. Das Robert-Koch Institut dazu:

„Das hämolytisch-urämische Syndrom (kurz: HUS) ist eine schwere, manchmal todliche Komplikation, die u. a. bei bakteriellen Darminfektionen mit enterohamorrhagischen Escherichia coli (EHEC) auftreten kann. Das Vollbild des HUS ist charakterisiert durch akutes Nierenversagen, hamolytische Anamie (Blutarmut) und Thrombozytopenie (Mangel an Blutblattchen). Typischerweise gehen dem enteropathischen HUS blutige Durchfälle voraus. Pro Jahr werden dem RKI durchschnittlich etwa 1.000 symptomatische EHEC-Infektionen und etwa 60 HUS-Falle, zum größten Teil Kinder betreffend, übermittelt.

Ein Grund, warum diese Erreger so gefährlich sind, ist auch, dass diese sehr und mehrfach-resistent gegen Antibiotika (AB) sind; eine Behandlung mit Antibiotika würde die Ausschüttung der Toxine (Giftstoffe) sogar noch verstärken!

Hier eine beeindruckende Liste von AB, die der aktuelle Erreger O 104:H4 problemlos ausschaltet:

Ampicillin, Amoxicillin/Clavulansäure, Piperacillin/Sulbactam, Piperacillin/Tazobactam, Cefuroxim, Cefuroxim-Axetil, Cefoxitin, Cefotaxim, Cetfazidim, Cefpodoxim, Imipenem, Meropenem, Amikacin, Getamicin, Kanamycin, Tobramycin, Streptomycin, Nalidixinsäure, Ciprofloxacin, Norfloxacin, Tetracyclin, Nitrofurantoin, Trimethoprim/Sulfamethoxazol, Chloramphenicol, Trimethoprim/Sulfamethoxazol-Kombination, Tetracyclin

Ob die Pharmaindustrie wirklich weiß, mit wem sie es hier zu tun hat? Wenn es ein Lebewesen gibt, für das der Satz “Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter” gilt, dann sind es (E.Coli) Bakterien, die der Mensch gewaltig unterschätzt und als “Klonmaschine” für künstliche Genkonstrukte verwendet (mehr dazu folgt)

Der Bakterienstamm ist also wirklich ein formidabler „Gegner“, umso wichtiger ist es festzustellen, woher er wirklich kommt (wieso sich die gefährlichen  E.Coli Bakterien im Darm der Rinder so vermehren, habe ich ja in meinem ersten Beitrag erläutert…), anstatt Tonnen von Gemüse zu vernichten, während andere Menschen hungern.

FAKTEN ÖSTERREICH

  • ·   Bei keiner einzigen Gemüsesorte aus Spanien  wurde in Österreich  das EHEC Bakterium nachgewiesen. Alle bisher gezogenen Proben von Lebensmitteln waren nicht zu beanstanden. 2010 wurden Erreger nur in Rohwürsten gefunden.
  • ·   Bei keinem einzigen Bioprodukt wurde EHEC nachgewiesen.
  • ·   Es gibt keine Erkrankungsfälle in Österreich (2 Fälle von deutschen Radtouristen, die sich in Österreich aufhalten, aber vor kurzem in Norddeutschland waren; sie sind beide schon wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden).
  • ·   Der in Deutschland als (ein) Auslöser identifizierte Bakterienstamm (STEC O104:H4) wurde in Österreich heuer weder bei Menschen noch bei Tieren oder Lebensmitteln nachgewiesen.

 

 

 

 

FAKTEN ALLGEMEIN

1- Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass die Quelle der Kontamination in Spanien liegt.

Die Firma Frunet liefert hunderte Tonnen von Gemüse nach Deutschland und Skandinavien, nur ein kleiner Teil davon wird in Hamburg bzw. Schleswig-Holstein konsumiert. Der Bio-Anteil ist vergleichsweise winzig. Wieso werden nur Leute aus Norddeutschland krank bzw. Leute, die kürzlich dort waren?

„… Auch im Ausland verbreitet sich der Erreger. Schweden hatte 25 nachgewiesene Ehec-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.“ (Quelle: Stern)

Gefährlicher Keim breitet sich in Europa aus

Meldungen, wie diese sind falsch und sehr irreführend. Die FAZ relativiert zwar im Artikel u.a.:

SCHWEDEN: Zum Wochenauftakt war eine Reisegruppe von zwölf Golfspielern nach der Rückkehr aus Norddeutschland an den typischen Symptomen erkrankt.“

Doch die Schlagzeile suggeriert, hier bahne sich eine Epidemie an und ist somit auch eine Form von Panikmache. Die Europäische Behörde für Seuchenkontrolle ECDC  klärt auf:

„Other Member States have also reported HUS cases: UK (2), Denmark (3) and Netherlands (1). One of the UK cases has been confirmed as STEC O104. Both of the UK cases are German nationals. The Danish HUS cases have yielded isolation of STEC strain, which is eae-negative and Stx1/Stx2-positive. One of the Danish cases is a German national, and both cases have travelled to Germany. The Dutch case had been visiting Hamburg on 15 May, three days before the onset of illness.”

Alle Erkrankten im Ausland waren kürzlich in Norddeutschland, einige davon sind Deutsche (Menschen können sich natürlich auch untereinander anstecken, wenn es an Hygiene mangelt).

Das ECDC hat weiters diese  Informationen veröffentlicht:

„Der STEC Ausbruch, der aus Deutschland berichtet wird, ist deshalb auffällig, weil binnen kurzer Zeit so viele  schwere Fälle gemeldet wurden: 276 HUS Patienten und zwei Tote in nur wenigen Wochen. Eine große Mehrheit der Fälle sind erwachsene Frauen. Das bedeutet, dass mehrere hundert schwere Erkrankungen noch zu erwarten sind.

Weitere 15 HUS-Fälle sind außerhalb Deutschlands aufgetreten. Alle sind mit Reisen nach Norddeutschland verbunden. Das wahre Ausmaß dieses Ausbruchs an Darminfektionen wird sich in den nächsten Wochen zeigen, wenn die Falldefinitionen harmonisiert wurden und die Dokumentationsprobleme gelöst wurden.“

2 -Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass Biogurken (oder andere Biogemüse durch den Anbau an sich) für Infektionen in Deutschland verantwortlich sind.

Zwei Gurken zu untersuchen, und daraus eine Gefahr für alle Gurken (oder gar Gemüse) aus Spanien zu machen, ist absurd und wissenschaftlich unhaltbar. So schreibt auch das Robert-Koch-Institut in einer Aussendung:

… ist nicht auszuschließen, dass auch … andere Lebensmittel als mögliche Infektionsquelle in Frage kommen. Die Studie war darüber hinaus auf Hamburg begrenzt, sodass die Ergebnisse nicht mit Sicherheit auf das Gesamtgeschehen übertragen werden können. Fragen nach den Bezugsquellen der Lebensmittel ergaben bislang ein uneinheitliches Bild.“

Auch das ECDC weist darauf hin, dass weder Zeitpunkt noch Ort der Kontamination mit den gefährlichen Bakterien  geklärt wurden und dass es zweifelhaft sei, dass die Ergebnisse der kleinen Probe aus Hamburg auf ganz Deutschland übertragen werden können. Die definitive Quelle der Infektion muss erst noch gefunden und bewiesen werden.

…Samples of fresh cucumbers taken in Hamburg tested positive for STEC, however, the exact time and place of contamination remains unclear.

It is unclear whether the results from Hamburg can be extrapolated to the whole of Germany. Furthermore, it cannot be excluded that an alternative food item is the vehicle of infection. The definite source of the infection remains to be confirmed.

Die Schlussfolgerung der ECDC lautet:

Der Ausbruch von STEC / HUS Erkrankungen ist (für diesen Kurzen Zeitraum) bedenklich hoch, mit einer untypischen Verteilung nach Alter und Geschlecht, doch es gibt bis dato keine Beweise dafür, dass irgendein potentiell kontaminiertes Nahrungsmittel außerhalb Deutschlands vertrieben wurde (was sehr interessant  ist ..) und dass der  Wirkungsbereich des Erregers  auf Deutschland beschränkt sei.

Gründliche Untersuchungen seien im Gange um die Quelle der Infektion zu finden und um die Dimension des Risikos richtig beurteilen zu können.

Quelle: Outbreak of Shiga-Toxin Producing E-Coli (STEC) in Germany

Es besteht also überhaupt kein Grund, sämtliches Gemüse aus Spanien unter Generalverdacht zu stellen, oder kein rohes Gemüse mehr zu essen (gründliches Waschen ist ja wohl üblich), schon gar nicht Biogemüse zu meiden.  Einfach deshalb, weil diese auch sehr viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe enthalten, die unser Immunsystem stärken und wenn sie – mit der und nicht gegen die Natur – angebaut wurden, umso besser. (Vergessen wir nicht, bevor die chemische Industrie ihre ehemaligen Kriegschemikalien in die Landwirtschaft umgelenkt hat, war alles „Bio“ – siehe dazu auch die wunderbare  Vandana Shiva )

(Übrigens, ich esse nur Biogemüse (täglich Salat, Gurken, Tomaten- auch heute) und es geht mir und meiner Familie prima)

Die Quelle des Problems ist die industrielle Tierhaltung (siehe dazu Teil 1 von SHIT HAPPENS), der globale undurchsichtige Handel mit Lebensmitteln über tausende Kilometer; brutale Preiskonkurrenz, die zu Qualitätsverlust und höherem Risiko führt (für Gesundheit und Umwelt) und eine irrsinniges Wirtschaftsdogma, das „Wachstum und Wettbewerb“ zum quasi-religiösen Status erhoben hat, dem sich alles unterordnen muss (Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mitgefühl, Tiere als gleichwertige Lebewesen zu betrachten, etc.)

Zum Abschluss noch eine schöne Animation, in der gezeigt wird, wie es die Bakterien schaffen, in die Zellen der Darmschleimhaut einzudringen (die ja- wie alle Zellen, eigentlich „zu“ sind, und nur durch Freisetzung bestimmter Proteine ein Andocken bzw. Eindringen fremder Organismen zulassen)

 

(Die Untertitel sind in Englisch und für Menschen, die sich gar nicht mit Molekularbiologie befasst haben, schwer  zu verstehen, aber trotzdem interessante Bilder…)

Leichter verständlich, ein Video aus Österreich, dass über die Risiken und Gefahrenquellen  aufklärt:

VIDEO über Ansteckung und Vermeidung (AGES)

 

 

 

 

A Whiter Shade of Pale: Plutonium für Alle

Fukushima? Schnee von gestern? Schön wär’s … doch ein Problem geht nicht weg, nur weil man es bagatellisiert.

Noch immer hören wir Phrasen wie „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Atomanlage unter Kontrolle bringt …“ Doch das ist 100% Bullshit. Die „Kontrolle“  über dieses nukleare Trümmerfeld kann nie wieder hergestellt werden und das Ausmaß der Katastrophe wird noch immer heruntergespielt:

  • Kernschmelze in Reaktor 1
  • Grundwasser verseucht (Anlagen 1-3 haben „Lecks“; Anlage 4 „neigt sich“)
  • Massive Explosion im Reaktor 3 (Abklingbecken samt Brennstäben in die Luft geflogen)
  • Folgen: Land, Lebensmittel und Wasser mit Uran und Plutonium verseucht (weltweit messbar)

Die Explosion im Reaktor 3 wurde mit der Kamera festgehalten: Die gewaltige Sprengkraft war sichtbar, denn Material aus dem Reaktor wurde so hoch in die Luft geschossen, dass man es gerade noch im Videoframe sehen konnte. Auf dem Video sieht man auch einen „rot-gelben Blitz“, also eine Explosionsflamme, die nur bei diesem Reaktor gebildet wurde:

Obwohl es noch Debatten darüber gibt, ob das Reaktordruckgebäude noch intakt ist, besteht kein Zweifel daran, dass vom Abklingbecken Nr. 3 nicht mehr viel übrig ist: (Klicken sie auf das Bild – wo “SFP” in grün steht, war mal das Abklingbecken …)

Dieser Pool enthielt mehrere hundert Tonnen ausgelagerten MOX Brennstoff. Das Material (Uran und Plutonium)  wurde durch die enorme Explosion (zumindest teilweise) pulverisiert und als giftiger „Feinstaub“ (Nanopartikel, die so winzig sind, dass sie alle Barrieren des Immunsystems durchdringen)  rund um Fukushima großflächig verteilt, und zwar in einem wesentlich größeren Radius als im Falle von Tschernobyl. Das ergibt sich aus den Strahlungswerten, die noch in einer Entfernung von 60 km gemessen wurden. Die Dosisraten waren höher als 20 micro Sievert pro Stunde und trotzdem wurde niemand evakuiert. Warum nicht?

Damit keine „Panik“ ausbricht – nicht in der Bevölkerung, die wird sowieso in Japan seit Jahren für dumm verkauft, sondern bei den „Investoren“, den „Börsianern“, der Finanzoligarchie, den Währungsspekulanten. Wenn die das „Vertrauen“ in die japanische Wirtschaft verlieren, weil die wahren, astronomischen Kosten dieser nuklearen Katastrophe ans Tageslicht kommen – das wäre ein Super-GAU der finanziellen Art, der um jeden Preis verhindert werden muss. Da kann man Kindern doch ruhig die 20- oder 50-fache Strahlungsdosis zumuten ohne mit der Wimper zu zucken, oder?

Dr. Chris Busby, ein engagierter Wissenschaftler, der sich seit Jahren für eine Aufklärung der Bevölkerung bzw. ein Ende der Vertuschung der enormen Gefahren der Atomkraft (auch im “Normalbetrieb”!) engagiert, sieht die Erklärung für die enorme Wucht der Explosion in einer „spontanen“ Kernspaltung, Nuklearexperten sprechen von “instant criticality”: d.h. es kommt auch nach “Abschaltung” zu einer Kettenreaktion …

Wie das im Reaktor 3 passieren konnte, erklärt Dr. Busby so:

Die Schmelz- bzw. Siedepunkte  von Plutonium und Uran sind nicht gleich. Der Schmelzpunkt von Plutoniumoxid (im MOX Brennstoff) ist 2701 Grad Celsius, aber der von Uranoxid 3120 Grad. Wenn also eine Mischung dieser beiden zu sieden  beginnt, kommt es zu einer fraktionierten Destillation des Plutoniumoxids, also zu einer chemischen Abscheidung (Wasser <> Dampf), so wie bei der Destillation von Alkohol.

Das Plutonium wird daher im Dampf bzw. dort örtlich konzentriert, wo sich der Dampf als Kondensat niederschlägt (wo es also am kühlsten ist). Dies führt unweigerlich zu einer nuklearen Explosion, wenn die Konzentration des Plutoniums den kritischen Punkt für eine Kettenreaktion erreicht hat.

Dabei ist auch zu bedenken, dass Plutonium nicht nur in Reaktoren  vorhanden ist, die mit MOX-Brennstoff betrieben werden, sondern in jedem AKW  durch den Neutronenbeschuss des Uranbrennstoffs entsteht.

Auch in Tschernobyl wurde von einer „Wasserstoffexplosion“ gesprochen, doch neuere Forschungsergebnisse liefern starke Indizien dafür, dass diese Version nicht der Wahrheit entspricht: Jeder „Vorfall“ in einem AKW, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird, hinterlässt eine eigene „Isotopen-Signatur“. Kernphysiker können also in der Zusammensetzung des radioaktiven Giftcocktails (und Kenntnis der „Historie“ des Reaktors) Informationen erkennen, die auf die Ursache der Freisetzung schließen lassen.

So haben zwei russische Forschungsteams das Spektrum der Gammastrahlen untersucht, die das herausgeschleuderte Material aus dem Reaktorkern Nr. 4 freigesetzt hat. Eine Gruppe hat sich auf die Isotopen Xenon 133 und 133 m konzentriert, die eine Halbwertszeit von 5,24 bzw. 2,19 Tagen haben. Das Vorkommen bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser beiden Spaltprodukte (22,4) ist ein klarer Hinweis darauf, dass eine nukleare Explosion stattgefunden  hat.

Die radioaktive Milch wird "entsorgt" ...

Der Grund, warum sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima der Eindruck erweckt wurde, es handle sich (nur) um eine Wasserstoffexplosion, liegt auf der Hand:

Wenn den Leuten klar wird, dass Atomreaktoren,  bei denen die Kühlung versagt, auch nach der „Abschaltung“ wieder einen kritischen Status erreichen können (es also wieder zu einer Kernspaltung bzw. Kettenreaktion kommen kann), dann ist das Märchen von der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ endgültig erledigt.

Dieser Vorgang der „spontanen Fission“ wird von Fachleuten als „prompt criticality“ bezeichnet und Dr. Chris Busby ist nicht der einzige, der dieses Szenario in Fukushima als sehr wahrscheinlich ansieht.

Auch der amerikanische Nuklearingenieur Arnold Gundersen, der jahrzehntelang in der Atomindustrie tätig war und auch im Untersuchungsverfahren nach dem „Unfall“ von Three Mile Island als Experte aussagte, ist überzeugt, dass hier eine “moderate” atomare Explosion stattgefunden hat:

Gundersen erklärt hier auch den Unterschied zwischen einer “Detonation” (Schockwelle  ist schneller als der Schall) und “Deflagration” (Schockwelle breitet sich mit Schallgeschwindigkeit aus). Das Video zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Detonation gehandelt hat und auch der Umstand, dass Teile der Brennstäbe noch in zwei Meilen Entfernung vom Reaktor gefunden wurden …)

Ein wissenschaftlicher Beweis für die Hypothese der nuklearen Explosion wäre leicht zu erbringen, man muss nur das Gammaspektrum untersuchen bzw. die radioaktive „Signatur“ der  Freisetzungswolke nach der Explosion im Reaktor 3. Vermutlich hat man das auch gemacht, doch die Ergebnisse werden natürlich geheim gehalten, sonst wäre nicht nur TEPCO erledigt, sondern auch der Mutterkonzern Toshiba, die Atomlobby in Japan (und wohl auch weltweit) , von der japanischen Regierung – die das Volk seit Jahrzehnten belügt, ganz zu schweigen.

Man liest, dass die Reaktoren  pro Tag 100.000.000.000.000 Becquerel freisetzen. ( 1 Becquerel ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde). Das ist schon schlimm genug, sagt den Leuten jedoch wenig. Was das für die “Gesundheit” der Chromosomen bedeuten kann, sehen sie hier (am Beispiel eines Hundes, der auch ein Opfer von Tschernobyl wurde:

Wir hören aber immer nur von Cäsium und radioaktivem Jod 131, dessen Halbwertszeit nur wenige Tage beträgt. Man kann also „Informationen“ herausgeben und gleichzeitig beruhigen, da die kurze Zeitspanne keine Panik in der Bevölkerung auslöst.

Doch von den anderen “verräterischen” Nukliden hört man nichts – eben weil ihre Veröffentlichung die “Isotopen-Signatur” der Katastrophe offen legen würde, also eine Art radioaktiver “Fingerabdruck” wäre, der die Vorgänge in Fukushima transparenter machen könnte.

Und das geht nicht nur Japan etwas an.

In den USA (zB Americium, ein Zerfallsprodukt von Plutonium,  in New England) und auch in Europa sind Isotope aus Fukushima bereits gemessen worden  – tausende Kilometer weit weg und mögen die Werte auch „niedrig“ sein, unbedenklich sind sie garantiert nicht, denn wir wissen, dass diese geladenen Teilchen sich mit organischem Material verbinden und in der Nahrungskette konzentrieren.

Nicht zufällig hat die EU die Grenzwerte in Lebensmitteln dramatisch erhöht– doch die Medien interessieren sich mehr für den „Euro-Schutzschirm“, schließlich sind sie konditioniert worden, ihre Aufmerksamkeit auf finanzielle Dinge zu konzentrieren, nicht auf die Erhaltung bzw. Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch eine pathologische und fanatische Wirtschaftsideologie, die mehr Zerstörung und Elend auf der Erde anrichtet, als jeder angebliche „Terrorist“.

Dr. Busby fragt weiter: Was ist mit Strontium 90, Barium 140 und Uran, die sich in der Milch konzentrieren? Dringend benötigt werden Informationen über  folgende Radionuklide:

  • Tritium; Carbon-14; Plutonium 239, 238 u. 241
  • Uran 238 u. 235; Americium 241
  • Strontium 89 /90; Yttrium 90
  • Barium 140; Cobalt 60
  • Zirconium 95;  Niobium 95
  • Zink 65; Ruthenium 106
  • Silber 110m; Cerium 144
  • Mangan 54; Schwefel 35
  • Xenon 133 / 133 m / 135
  • Argon 41; Krypton 85

Erst wenn Informationen über die Häufigkeit bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser Isotope veröffentlicht werden, wird sich die Vernebelungstaktik der japanischen Regierung und der weltweiten Atomlobby bekämpfen lassen.

Doch kein Journalist drängt darauf und fragt danach, denn sie haben keine Ahnung von der Materie (… auf dem gleichen, bestürzend niedrigen Niveau werden auch Interviews über Gentechnik oder Nanotechnologie abgewickelt …). Es reicht doch, einen „Experten“ zu fragen – von wem der bezahlt wird, im Kontext von „Science for Sale“  (Privatisierung und Dominanz der staatlichen Forschung durch potente „Partner“ aus der Wirtschaft) hat auch nicht weiter zu interessieren.

Unsere Medienschafe sind darauf trainiert, die Presseaussendungen und Desinformation wiederzukäuen, die ihnen die Agenturen liefern und blöken harmonisch im Chor … „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Anlage wieder  unter Kontrolle hat“ …  Schauen wir uns doch die Bilder noch mal an, was gibt es da noch zu „kontrollieren“?

Ja, die mediale Blödheit kennt wirklich keine Grenzen, denn man meldet auch solchen Schwachsinn:

Tepco hat angekündigt, ein Gerät zu entwickeln,

um die Radioaktivität aus dem Meerwasser zu entfernen“ (!)

(Österreichischer Rundfunk, vor einer Woche)

Einziger Lichtblick im “öffentlich-rechtlichen” Rundfunk: Die „Monitor“-Redaktion  … Doch leider ist die Sendezeit sehr kurz und garantiert nicht in der „Prime-Time“ (damit die Einschaltquoten ja nicht zu hoch werden …).

Volker Pispers sagte neulich, die „Nachrichten“ seien doch nur mehr „organisierte Verblödung“ der Zuschauer.

Der Mann hat ja so Recht …. (das gilt nicht nur für Atomkraft, sondern auch für den moralischen Mega-Scam der Bombardierung anderer Länder zur Durchsetzung neoliberaler Programme, präsentiert als „humanitäre Intervention“, die absurde Darstellung des IWF als „Hilfsorganisation für in Finanznot geratene Länder“ (Tagesschau, Sonntag 15.5.) (Fakt: der IWF ist ein US/europäisches Bankenkartell unter Führung des US-Finanzministeriums, das erheblich an der Entstehung der  “Finanzkrisen” mitgearbeitet hat ) usw.

Die Journalisten sind doch nur mehr für die mächtigen „Player“ dieser Welt nützliche Idioten, die als „Multiplikatoren“ bewusst lancierter Falschmeldungen und vorgegebener Deutungsrahmen („framing“)  ihren Zweck erfüllen und sich auch noch etwas darauf einbilden …

Die vierte Säule der Demokratie?  Ein guter Witz …

Warum die Atomindustrie eine terroristische Vereinigung ist (die das Leben auf der Erde für hunderte Generationen bedroht und bleibenden – weil genetischen – Schaden hinterlässt), zeigen diese erschütternden Videos:

 

 Nuclear Controversies

Das letzte Wort geht an Albert Einstein, an dessen … Geburtstag der Reaktor 3 explodierte:

“It is not enough for a handful of experts
to attempt the solution of a problem,
to solve it and then to apply it.

The restriction of knowledge to an elite group
destroys the spirit of society
and leads to its intellectual impoverishment.”

Albert Einstein

P.S. Was ein erfahrener Atomphysiker von den „Wasserspielen“ „feed and bleed“) in Fukushima hält, sehen und hören wir hier:

Dr. Michio Kaku kommentiert die Kühlungsversuche von  TEPCO damit, dass sie ebenso effektiv seien, wie der Versuch einen Waldbrand mit Wasserspritzpistolen zu löschen … Das ganze Theater soll nur vortäuschen, dass man noch Optionen oder irgend einen Plan hat, die Lage „unter Kontrolle“ zu bringen.

Die Realität  beschreibt Dr. Kaku in einem Interview mit ABC News am 31/3 so:

„Das ist eine ganz große Sache. Zum ersten Mal hat man das Word „Breach“ verwendet, das bedeutet unkontrollierbare Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt … und denken Sie daran, dass der Reaktor 3, wo das Leck vermutet wird, mit MOX Brennstoff arbeitet, also Plutonium enthält, das giftigste, chemische Element, dass die Wissenschaft kennt.

Ein Millionstel Gramm kann Krebs auszulösen, wenn es in den Körper gelangt (durch Einatmen oder durch Nahrungsmittel). Man muss sich das sehr genau ansehen.

[Auf die Frage des Journalisten, ob Stufe 4 bzw. ein Vergleich mit dem Unfall von Three Mile Island (TMI) zulässig sei  (zum Zeitpunkt des Interviews war es ja noch nicht Stufe 7):]

„In wissenschaftlichen Zirkeln ist das ganze Theater Anlass für große Erheiterung – es ist doch offensichtlich, dass die Lage in Fukushima viel schlimmer ist, als TMI.  Dort hatten wir nur einen Reaktor, der zwar 90% Kernschaden hatte, aber eben nur eine kleine Menge Radioaktivität ins Freie gelangte. Es gab auch kein „Leck“ im Containment.

Hier haben wir drei wütende Kernschmelzen (noch im Gange), ein freiliegendes Abklingbecken [ohne schützenden Wassermantel schaukeln sich Hitze und Oxidation auf] … Wasserstoffexplosionen –jedes dieser Ereignisse für sich genommen, ist  schon schlimmer ist als TMI;

….Wenn Sie erst einmal die Anlage evakuieren müssen, weil die Radioaktivität tödliche Werte erreicht hat, dann haben wir keine Chance mehr, und drei Kernschmelzen werden parallel stattfinden, eine Tragödie, die weit über jene von Tschernobyl hinausgeht …und eine dauerhafte Todeszone in Japan schaffen wird.“

Reaktordaten:

http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/outline_f1/index-e.html   Plant Overview

FROM HELL: Atomterror & Medienalbtraum ….

Die Ereignisse in Japan, unmittelbar vor dem  25-jährigen Jahrestag nach Tschernobyl, müssten nun wirklich der ultimative Beweis dafür sein, dass diese Technologie ein organisierter Wahnsinn ist und nur durch ein systematisches Netz aus Lügen, Verharmlosen und Vertuschen überhaupt eine „Atomwirtschaft“ entstehen konnte (siehe dazu auch meine vorhergehenden Artikel zum Thema „Atompolitik“)

Der atomare Horror (Krebsepidemien, Tschernobyl, Uranwaffen und jetzt Japan) wird aber noch verschärft durch den medialen Albtraum, den wir seit Jahren erleben, denn – mit sehr wenigen Ausnahmen – hat sich die „Journaille“ als williger Helfer der Atomindustrie zur Verfügung gestellt. Das konnten wir ja gestern wieder bei „Anne Will“ mit Schaudern erleben – nur Ranga Yogeshwar  hat während der Sendung dagegen protestiert – „wir führen immer die gleichen Debatten“ (mehr dazu im nächsten Beitrag  zum Thema).

Doch bevor die Rolle der Medien bei der Ausbreitung der Atomwirtschaft untersucht werden soll, möchte ich einen wichtigen Punkt zu der aktuellen Gefahr in Japan hervorheben:

Während die ganze Medienlandschaft (verständlicherweise aber eben) nur darauf schaut, ob eine Kernschmelze eintritt und das Containment hält, gibt es eine Gefahr, die hier im deutschen Sprachraum völlig ignoriert wird, obwohl sie eigentlich viel größer ist, als die Kernschmelze: die Wasserbecken, in denen die „abgebrannten“ (sehr irreführend!) Brennstäbe gelagert werden, die so genannten „spent fuel pools“ (SFP):

DER TOD KOMMT AUS DEM WASSER …

…nicht “nur”, weil die Betreiber laufend hoch radioaktiven Dampf aus dem Reaktorgebäude ablassen (” ventilieren”) müssen, um eine Explosion zu verhindern …

(Kontext: Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung des AKW-Komplexes  in Fukushima lahm gelegt. Für diesen Fall soll ein Dieselgenerator einspringen.  Doch der Tsunami sorgte für eine Überschwemmung des Raumes (und der Infrastruktur), in dem sich der Generator befand, sodass auch ein herbeigeschaffter Ersatzgenerator nicht einsetzbar war. Bei Ausfall des Generators gibt es noch eine dritte Redundanz, nämlich ein Batteriesystem, das jedoch nur wenige Stunden laufen kann und auch das nicht mit der vollen Leistung, sodass die Pumpen für das Kühlwassersystem nicht voll einsatzfähig waren. Nach  relativ kurzer Zeit gab es also keine Stromversorgung mehr und die Pumpen fielen vollständig aus.

Was bedeutet das nun für die SFP (die Wasserbecken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe gelagert werden)?

Etwa alle 4-6 Jahre müssen die Brennstäbe eines AKW ausgetauscht werden, nicht weil sie wirklich „abgebrannt“ sind, sondern weil sie als Wärmeerzeuger „unwirtschaftlich“ geworden sind. Ungefähr ein Drittel der Brennstäbe wird alle 18-24 Monate ausgetauscht, manchmal aber auch alle. Wichtig ist auch festzuhalten, dass – wenn es heißt, der Reaktor sei „abgeschaltet“, die Brennstäbe ständig gekühlt werden müssen. (Selbst wenn die Reaktoren also nicht mehr Strom erzeugen, sind sie weiterhin für Jahre gefährlich …)

Die Brennstäbe sind hoch radioaktiv und produzieren auch außerhalb des Reaktors große Hitze, die durch den radioaktiven Zerfall entsteht. Damit diese  in Schach gehalten wird, werden die Brennelemente in einem Wasserbecken gelagert, das ein aktives Kühlsystem hat (Wasserpumpen und Wärmetauscher)

Das Wasser schützt auch die Arbeiter vor der ernormen Strahlung der Brennstäbe (siehe Foto)

Kann der Wasserspiegel nicht konstant gehalten werden (zB  durch  Stromausfall), verringert sich die Kühlwirkung immer mehr und fällt schließlich ganz aus.

Sobald der Wasserspiegel auf etwa 1,50 m über den Brennelementen abgesunken ist, ist diese Schutzwirkung nicht mehr gegeben und die Werte werden lebensbedrohlich (Wer will / kann dann noch hier etwas „reparieren“)?

Die Temperatur beginnt also zu steigen, wodurch das Wasser verdampft und damit beginnt ein Teufelskreis:

Die steigende Temperatur beschleunigt die Oxidation der Brennstoffumhüllung (die aus einer Zirkoniumlegierung besteht, die hoch- und selbstentzündlich ist, wenn sie mit Sauerstoff oder Dampf in Berührung kommt) wobei wieder große Mengen Hitze generiert werden:

·   Reaktion mit Luft:                        12 Millionen Joule / Kilogramm

·   Reaktion mit Wasserdampf:    5,8 Millionen Joule / Kilogramm

wodurch wieder die Oxidation beschleunigt wird usw. Diese autokatalytische Reaktion (die sich sozusagen selbst befeuert) findet bei hohen Temperaturen statt und wenn genug Sauerstoff vorhanden ist. Das Resultat ist verheerend: die Hülle aus Zirkonium gerät in Brand , man spricht von einem „zirconium cladding fire“. Die Hitze, die dabei freigesetzt wird, kann größer sein, als die Zerfallswärme, die von frisch ausgelagerten Brennstäben ausgeht.

Während sich also die Brennstäbe weiter aufheizen, steigt der Gasdruck innerhalb der Brennstäbe so lange, bis sich die Hülle aufbläht und schließlich platzt. Bei mehr als  1800 Grad Celsius reagiert das Zirkonium mit dem Brennstoff (Uranoxid) und so verschmelzen beide in einem komplexen Prozess zu  Zirkonium-Uranoxid.

Nach dem Platzen der Hülle werden gasförmige, radioaktive Spaltprodukte freigesetzt und auch Teile des radioaktiven Brennmaterials in Form von Aerosolen. Wenn die Hitze, die vom Brand eines Kernelements ausgeht, nicht abgeleitet werden kann, breitet sich das Feuer auf alle Brennelemente aus.

 

Blick in den Reaktorkern

WARUM SIND DIESE BECKEN BEI STROMAUSFALL GEFÄHRLICHER ALS DER MELTDOWN?

Weil die Brennelemente, die darin gelagert werden, 5-10 mal mehr  Radioaktivität freisetzen, als der Reaktorkern (die Becken enthalten mehrere hundert metrische Tonnen an Brennelementen, was im Schnitt etwa dem Inhalt von  7 Reaktorkernen  entspricht; die Hitze in diesen Becken beträgt mehrere MegaWatt; die („verstrahlte“) Wassermenge in einem Becken ist ca. 1,5 Millionen Liter… das aber ständig mit  Frischwasser versorgt werden muss ..)

Besonders beunruhigend sind die riesigen Mengen von Cäsium 137, die sich in diesen Becken befinden: wir sprechen hier von 20 bis 50 MILLIONEN CURIE ( 1 curie = 37 Milliarden Bequerel / 1 Bequerel bedeutet (im Mittel) ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde …)

Zum Vergleich: bei der Katastrophe in Tschernobyl wurden etwa 2,5 Millionen Curie freigesetzt, das sind ca. 40% der Radioaktivität des Reaktorkerns. Bei einem Brand in den SFP können 100% der Radioaktivität freigesetzt werden …

Ende der 1990 Jahre veröffentlichte die NRC (amerikanische Atomenergie-Regulierungsbehörde) eine Studie über die Auswirkungen eines solchen „pool fires“ (bei einem Reaktor):

  • Ein Gebiet von fast 500 km² wäre unbewohnbar ….
  • Zusätzliche Krebserkrankungen (lokal): 30.000
  • Geschätzter finanzieller Schaden: 60 Milliarden Dollar

Geschätzter ökologischer Schaden: unermesslich …

WAS MELDET DIE BETREIBERFIRMA TEPCO ÜBER DIESE BECKEN (Presseaussendung vom 13.März) unter “Others” auf Seite 2

We are currently coordinating with the relevant authorities and departments as to
how to cool down the water in the spent nuclear fuel pool.

Klartext: Sie haben keine Ahnung wie sie  – ohne Strom – verhindern sollen, dass die Wassertemperatur in den Becken weiter steigt und schließlich das ganze Wasser verdampft

Es gibt auch nach menschlichem Ermessen keine Möglichkeit mehr, dies zu verhindern … Ohne Strom, ohne ständige Zirkulation des Kühlwassers ist es nur eine Frage von Tagen, bis das Wasser völlig verdampft ist und dann dauert es nur Stunden, bis sich die Brennelemente selbst entzünden (die ja – im Gegensatz zum Reaktor  keine „Schutzhülle“ haben)

Dann hätten wir Tschernobyl hoch 10 …. Ein veritables  Höllenfeuer ..

Das ist also der Offenbarungseid einer Technologie, die uns seit Jahrzehnten terrorisiert …

Die verheerenden Folgen eines  „Loss of coolant“ Ereignisses für die Becken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe lagern, sind den Atomaufsichtsbehörden (soferne diese noch existieren – man setzt ja immer mehr auf „Eigenverantwortung“ und „Selbstkontrolle“ – ganz nach dem neoliberalen Mantra) seit langem bekannt.

Im Internet finden sich sogar ein Wissenstest zum Thema „Sicherheitsrisiken von Kühlbecken (in denen die ausgelagerten Brennstäbe liegen), und zwar von einer Firma, die Monitoring bzw. Visualisierungssysteme dazu anbietet:


Quiz on Spent Fuel Pool Safety/Security

Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass dieses „event“ zu dem oben beschriebenen, verheerenden Brand führen würde, wenn die Brennelemente nicht mehr gekühlt werden können.

Doch die Kontrollbehörde – ganz im Dienste der Atomwirtschaft – kam zu dem Schluss, dass zwar die Konsequenzen dieses „Ereignisses“ furchtbar wären, aber die Wahrscheinlichkeit dass es eintritt, so gering sei, dass man keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen müsse. ..

WAS KANN MAN DEN JAPANERN NUR RATEN?

So schnell wie möglich, das Land zu verlassen – besonders schwangere Frauen und Kinder sollten umgehend den nächsten Flughafen aufsuchen …

WAS SOLLTE MAN MIT LEUTEN WIE RÖTTGEN MACHEN (die aus dem Umweltministerium eine Farce  machen  und allen Ernstes argumentieren – siehe Anne Will – man müsse erst „Erfahrungen“  (Angst, Horror, Meltdown in „high-tech“ Land wie Japan, Kontrollverlust, etc. Folge: Zunahme von Krebserkrankungen, etc.) durchmachen“, um die Risiken (vor denen Umweltschützer und unabhängige Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen!) „neu zu bewerten“)?

Antwort: (nicht druckreif!) – aber zumindest verbal kann man Dampf ablassen: F&CK YO&, Mr. Röttgen! ..und alle anderen, die die „Kernenergie“ schön geredet und verharmlost haben,  sich in den Dienst der Atomlobby stellen, die eigentlich mit Zwangsjacken ausgestattet werden müsste …

(Fortsetzung folgt  …)

 

 

 

 

 

 

Terror In Utero (der stille Genozid)

Fatima: geboren im Irak mit zwei Köpfen

„Der Iran wird vom Westen verdächtigt, Atomwaffen entwickeln zu wollen“.

Tagesschau vom 27.07. (2o Uhr)

WARNUNG! Dieser Beitrag enthält schockierende Bilder! Nichts für empfindliche Gemüter!

Wir erinnern uns noch: als Vorwand  für die Invasion des Irak wurde angegeben, man müsse die Menschheit vor Saddams Massenvernichtungswaffen (WMD) schützen, die er in „45 Minuten“ (Tony Blair) einsatzbereit machen könne und die dann hunderttausende Menschen mit gefährlichen Krankheitserregern oder giftigen Gasen umbringen würden. Natürlich war das alles gelogen, denn die Gründe für den Irakkrieg waren völlig andere (siehe dazu u.a. „The Grand Chessboard)

Seit geraumer Zeit ist nun der Iran ins Fadenkreuz der USA „Außenpolitik“ geraten, weil er sich einfach nicht damit abfinden will, dass seine Politik kompatibel mit geostrategischen  „US-Interessen“ sein muss, was natürlich auch den Schurkenstaat Israel einschließt. Wieder werden die gleichen  Methoden eingesetzt, um die öffentliche Wahrnehmung zu manipulieren und die gewünschte „Meinung“ zu erzeugen. Wieder ein neuer „Hitler“, der die Welt mit Phantom-Atomwaffen bedroht und weggeräumt werden muss ….

Während also der Iran – ohne jeden Beweis für rechtswidriges Handeln – weiter unter Druck gesetzt, also wirtschaftlich immer mehr stranguliert wird und unsere Medienschafe schön brav die Agenturmeldungen über „verschärfte EU-Sanktionen“  herunterbeten, spielt sich im Nahen Osten, in Afghanistan, im ehemaligen Jugoslawien und im Kosovo (u. a.)  ein ungeheuerliches Drama ab, das die Medien fast völlig ignorieren.

Hier handelt es sich um einen besonders schwerwiegenden Fall von „agenda-setting“, (Wer steuert eigentlich, welche Themen in den Nachrichten ständig präsent sind, also worüber die Leute überhaupt nachdenken?), denn wir sprechen hier von einem Vorgehen, das eine unfassbare Grausamkeit darstellt und alle bisherigen Dimensionen von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sprengt.

Das Grauen angesichts der furchtbaren Bilder mischt sich mit dem Entsetzen darüber, dass sich hierzulande anscheinend niemand für diesen lautlosen Genozid auf Raten interessiert. Wenn ein deutscher Soldat in Afghanistan getötet wird, gibt es sofort öffentliche Debatten, Minister müssen in Talk-Shows Rede und Antwort stehen, ob der „Einsatz“ der Bundeswehr legitim sei, ob die Ausrüstung der Truppen ausreiche  und ob die „counter-insurgency“ (sprich: Terror gegen die Zivilbevölkerung) Strategie der Amerikaner richtig sei.

Doch seit mehr als 10 Jahren sterben Jahr für Jahr tausende Menschen (vor allem Kinder) im Irak, in Afghanistan, in Serbien und im Kosovo einen gewaltsamen, furchtbaren und frühzeitigen Tod, der aber so gut wie kein Medieninteresse hervorruft.

Sie sind Opfer eines institutionellen Terrors, der alles übertrifft, was „Al Qaeda“, die „Taliban“ oder irgendwelchen anderen „radikal-islamistischen“ Gruppen  je verbrochen haben.

Eine neue Dimension des Kriegsverbrechens tut sich auf, ein endloser Horror, der über Generationen hinweg andauert und selbst Nazi-Gräuel und den Holocaust in den Schatten stellt: die Rede ist von einem totalen, aber zunächst unsichtbaren Krieg gegen das Leben selbst: Der dauerhafte  „Kollateralschaden“ manifestiert sich in einer  dramatisch zunehmenden Krebshäufigkeit bzw. Mortalität  und den „vergifteten“ Chromosomen der Zivilbevölkerung.

Die Keimzellen der Opfer bringen keine gesunden Kinder mehr hervor, sondern grauenhaft entstellte Monster, oder Babys mit bösartigen Tumoren, die im besten Fall nach wenigen Wochen sterben und ihr Leiden dann wenigstens ein Ende hat. Das Grauen und der Schmerz von Eltern und Angehörigen wird jedoch nie aufhören, denn die genetischen Schäden bleiben und werden (falls Nachkommen überleben, keine sichtbaren Missbildungen haben und fortpflanzungsfähig sind)  bei jeder nachfolgenden Generation immer schlimmer…

Die Rede ist natürlich von Uranwaffen, die in beiden Irakkriegen, in Afghanistan und in der „humanitären Intervention“ der NATO in Ex-Jugoslawien bzw. im Kosovo eingesetzt wurden. Vorher wurden sie schon in Somalia (von den USA) und im Libanon sowie vermutlich auch in Gaza (von Israel) „in vivo“ getestet.

Im Kosovo wurden etwa 10 Tonnen „DU“ freigesetzt, im Golfkrieg schon 350 Tonnen und im Irakkrieg sagenhafte 1700 Tonnen. In Afghanistan wird weiterhin DU-Munition eingesetzt, die für die Soldaten und vor allem für die Zivilbevölkerung eine beträchtliche  Gesundheits- und Lebensgefahr darstellt. Diese Kriege haben aber auch für uns das Krebsrisiko erhöht (mehr dazu später) …

Warum sind Uranwaffen militärisch von Vorteil?

(Bitte hier klicken)

Uran hat als Material wegen seiner großen Härte und extrem hohen Dichte einen riesigen Vorteil: als Flugobjekt mit schlanker Spitze entwickelt es eine gewaltige kinetische Energie und somit eine enorme Durchschlagskraft (mehrere Meter Stahlbeton werden in Sekunden durchdrungen).  Dazu kommen noch die Selbstentzündung bei > 500o C (die beim Einschlag problemlos erreicht werden) und die Tatsache, dass die Spitze während der Penetration immer „schärfer“ wird, ein großer Vorteil („self-sharpening“) gegenüber Wolfram. Der Nutzen für militärische Zwecke besteht daher einerseits als Material zur Auskleidung von Panzern und anderen Fahrzeugen  (die somit von herkömmlicher Munition nicht mehr beschädigt werden) und andererseits als Projektile (armor piercing penetrators) panzerbrechender Waffen und Lenkwaffen.

Die US Nuklearexperimente während des zweiten Weltkriegs, die zu den Bomben von Hiroshima und Nagasaki führten, inkludierten auch erste Versuche mit Uranmunition. Das so genannte „Manhattan Project“ gibt bereits im Jahr 1943 Hinweise auf den Einsatz von DU-Munition: In einem freigegebenen Memo an General Leslie R.Groves (vom 30.Oktober 1943) geben drei der führenden Physiker (Conant, Compton and Urey) des Komitees „Über die Verwendung radioaktiven Materials als militärische Waffe“ folgende Empfehlung: (Originaltext)

As a gas warfare instrument the material would be ground into particles of microscopic size  to form dust and smoke and distributed by a ground-fired projectile, land vehicles, or aerial bombs. In this form it would be inhaled by personnel. The amount necessary to cause death to a person inhaling the material is extremely small … There are no known methods of treatment for such a casualty … it will permeate a standard gas mask filter in quantities large enough to be extremely damaging.”

„DU“ steht für „depleted uranium“, also „abgereichertes Uran“ und soll natürlich die Harmlosigkeit  dieser Waffen suggerieren. Doch davon kann keine Rede sein.

Uran ist einerseits ein radioaktives Element, andererseits ein giftiges Schwermetall. Die Kombination dieser beiden Faktoren verschärft die Gefahr für die Gesundheit.  Für die Risikobewertung von freigesetzten radioaktiven Stoffen aus AKWs  und eben auch für den Einsatz von Uranmunition werden generell immer Vergleiche mit natürlichem Uran herangezogen, wodurch eine Verharmlosung erreicht wird. Uran ist als uraltes Element der Erdgeschichte sehr weit verbreitet, vor allem im Boden, im Gestein (z.B. Granit, Phosphat) als gasförmiges Tochterelement (Radon), etc. und man spricht von der „natürlichen Hintergrundstrahlung“ auf der Erde. Jeder von uns nimmt täglich winzige Mengen Uran auf, durch Wasser u. Nahrung (durch den massiven Einsatz von Phosphatdünger verstärkt), die relativ schnell über die Nieren und den Darm ausgeschieden werden.

DU ist deshalb nicht mit natürlichem Uran vergleichbar, weil es in anderer Form vorliegt: durch die Verbrennung (über 1000 Grad) entsteht nach Abkühlung des Metallgases keramisierter Uranstaub, ultrafeine Uranoxidpartikel, die sich im Körper anders verhalten als natürliches Uran. Es gibt so gut wie keine unabhängigen, epidemiologischen Studien über diese Form der DU-Exposition, außer vom Militär selbst (bzw. vom Militär in Auftrag gegebene Studien).

Die chemische Form, die Löslichkeit und die Art des Eindringens in den Körper spielen eine große Rolle für die Auswirkungen der Giftigkeit. Bei militärischen Einsätzen sind es einerseits eingedrungene Metallsplitter, die durch den Einschlag freigesetzt werden, andererseits winzige Staubteilchen der Uranoxide, die durch die Verbrennung entstehen. Ihre Größe variiert zwischen Mikrometern (1/1000 mm) und Nanometern (1/1.000.000 mm), dadurch ist es unmöglich, sich davor zu schützen. Der ultrafeine Staub schwebt lange in der Luft und wird vom Wind kilometerweit getragen. Er lagert sich auf der Kleidung ab und kann durch Waschen nicht entfernt werden. Entgegen der landläufigen Meinung kann dieser feine Staub auch in die Haut eindringen (Schweißporen), aber das größte Risiko ist die Inhalation.

Auswirkungen der ionisierenden Strahlung auf der zellulären Ebene)

Durch den Zerfall radioaktiver Elemente wird erhebliche Energie freigesetzt, diese bewirkt im Inneren des Körpers  die Ionisation der Zellen ), es kommt zu verheerenden molekularen Veränderungen. Früher dachte man, nur direkt getroffene Zellen (im Zellkern) zeigen Schäden, aber neueste Erkenntnisse zeigen, dass auch Zellen in der Umgebung einer einzigen getroffenen Zelle, genetisch instabil werden (man nennt dies den „Bystander-Effekt“: die geschädigte Zelle kommuniziert also mit den „Nachbarn“, wodurch auch diese quasi „genetischen Alarm“ auslösen.

DU setzt Energie u.a. in Form von Alphastrahlung frei. Alphastrahlung ist kurzwellig, reicht nur wenige cm, ist aber sehr energiereich (4,5 MeV). Z.B. ein 2 Mikrometer kleines Uranoxidpellet enthält rund 200 Milliarden Atome U 238. (Stellen Sie sich vor, die Zelle wird immer wieder von einem kleinen „Blitz“ getroffen) Das betroffene Gewebe erhält somit eine jährliche Strahlendosis von ca. 1500 mSv. Damit wäre der Grenzwert für die allgemeine Bevölkerung um das 1500 fache überschritten.

Woher kommt DU?

Das natürlich vorkommende Uran  besteht zu mehr als 99% aus U-238, der Rest sind Spuren von U-235 (etwa 0,7%)  und U-234 (weniger als 0,1%). Uran hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren.

Für die Kernspaltung muss das Uran angereichert werden. Dabei entstehen so genannte Transurane, also vom Menschen erzeugte Isotope, die in der Natur nicht vorkommen. Dazu gehören z.B. U236 und Pu 239 (Plutonium). Diese sind auch in DU vorhanden. Plutonium ist schon in winzigen Mengen extrem gefährlich und hat ein enormes, krebserregendes Potential.

Bei DU ist also nur der Gehalt von U-235 und U-234 reduziert, der aber weniger als 1% ausmacht, von harmlos kann also keine Rede sein. Die Verunreinigung mit Plutonium oder anderen Elementen aus der Wiederaufarbeitung  macht das Material noch gefährlicher.

Das Märchen von der „friedlichen Nutzung“ der Atomkraft

Für jedes Gramm angereichertes Uran werden 7 Gramm DU als Abfall erzeugt.

Dieser müsste teuer „entsorgt“ werden, doch da kam das US-Militär zu Hilfe: Die extreme Dichte von Uran und seine Fähigkeit, sich selbst zu entzünden ermöglichen es, eine Waffe mit enormer Durchschlagskraft zu erzeugen, die einen Panzer wie Butter durchschneidet und die Insassen in einer Art Höllenfeuer zu „crispy critters“ (die Leichen sehen etwa  aus wie angebrannter, geschrumpelter Speck) verkohlt. Nicht umsonst werden diese  Waffen mit dem Beinamen „Hellfire versehen …

Ein wahrhaft faustischer Pakt wurde geschlossen: die Atomindustrie kann tausende Tonnen radioaktiven Abfall loswerden (bei weitem nicht alles) und das US-Militär bekommt gratis Material für eine infernalische Waffe. Doch der Einsatz dieser Waffen sind ein eindeutiges Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Warum?

Der Krieg gegen die DNA ist endlos

Weil ihre lebensbedrohliche Wirkung auch nach Kriegsende nicht aufhört und die gesamte Zivilbevölkerung gefährdet, besonders Kinder und Föten im Mutterleib. Der Einsatz dieser Munition kann also niemals „gezielt“ (auf  legitime Kriegsziele beschränkt) sein, weil die Gesundheits- und Umweltschäden weder örtlich noch zeitlich eingegrenzt werden können und die Bevölkerung nicht einmal über die enormen, dauerhaften  Gefahren informiert wurde. Bei einer Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren sind diese Menschen verdammt in alle Ewigkeit ….

Krieg gegen die DNA: Grenzenlose Grausamkeit

Diese erschreckende Tatsache ist auch der UN klar und man hat natürlich Versuche unternommen, diese Waffen (Produktion, Einsatz und Verbreitung) zu verbieten. Aber vier Länder haben dagegen gestimmt: USA, Israel, Großbritannien und Frankreich

Die USA setzen solche Waffen aber nicht nur ein, sie exportieren sie auch! Damit nicht genug, wurde auch noch Exportförderung dafür genehmigt, dazu Präsident Clinton 1994:

“I hereby determine that it is in the national security interest of the United States to allow funds provided in that Act or any other Act to be made available to facilitate the sale of the M-833 depleted uranium anti-tank ammunition to Bahrain and Saudi Arabia, and M-829 depleted uranium anti-tank ammunition to Saudi Arabia and Kuwait.”

Die Umgehung jeglicher Ethik  wurde mit einer simplen Feststellung erreicht:

Sie betont, dass diese Waffen ja wegen ihrer physikalischen Eigenschaften (hohe Penetrationskraft) und nicht wegen ihrer Radioaktivität eingesetzt werden. Damit wurde das moralische Dilemma als erledigt angesehen. Doch die freigesetzte Radioaktivität ist natürlich nicht weniger schädlich, wenn sie „unabsichtlich“ entsteht.

DU: Die Strahlung ist ungefährlich“  (Scharping, Fischer et al.)

Über die absurde Logik der „Strahlenschutz-Modelle“ (die politisch motiviert sind, nicht wissenschaftlich) habe ich ja bereits geschrieben. Hier noch einmal eine sehr kurze, auf den Punkt gebrachte,  vereinfachte Zusammenfassung:

Ob DU oder die erhöhten Leukämieraten bei Kindern in der Nähe von AKWs, jedes Mal heißt es: das gibt es nicht, die Dosis ist zu niedrig, davon kann man keinen Krebs kriegen.

Es gibt also wieder einmal keine „eindeutigen Beweise“ für den kausalen Zusammenhang von radioaktiven Spaltprodukten und schwerer Krankheit. Doch die Dosis-Wirkung-Modelle sind im Grund ein Schwachsinn, denn sie basieren auf primitiven, physikalischen Zusammenhängen und stammen aus einer Zeit, in der die Genetik noch in den Kinderschuhen steckte: eine bestimmte Menge Energie wird von einer bestimmten Menge Körpermasse absorbiert (J / kg), dann werden noch die Art der Strahlung und die Affinität für ein  „Zielorgan“ berücksichtigt,  usw.

Doch diese Modelle basieren auf den Untersuchungen nach Hiroshima (externe, hoch dosierte Strahlung) und sind zur Bewertung von Risiken auf zellulärer Ebene völlig ungeeignet. Wenn in unmittelbarer Nähe einer Zelle ein Alphateilchen immer wieder die Zellen „beschießt“  (also Energie abgibt), und die Zelle dadurch stark ionisiert wird, dann genügt auch eine sehr geringe „Dosis“, um genetische Schäden zu erzeugen, eben weil die Zelle selbst so winzig ist. (Krebs entsteht aus einer einzigen Zelle, die entstandene Fehler im Zuge der Zellteilung nicht mehr reparieren kann, die Zelle wird genetisch instabil)

DU ist nicht vergleichbar mit natürlichem Uran oder Transuranen aus AKWs – Warum?

Bei den hohen Verbrennungs-Temperaturen von bis zu 5000 Grad Celsius verbrennt das Urangeschoss zu keramisierten, wasserunlöslichen Nanopartikeln, die 100 Mal kleiner sind als ein rotes Blutkörperchen. Das heißt, es entsteht praktisch ein radioaktives Metallgas, das hoch giftig ist.

Wenn Sie also ständig hören, DU sei harmlos, weil die Alphastrahlung schon von Papier aufgehalten wird und schon gar nicht durch die Haut eindringen kann, dann ist das völlig irreführend, denn die Gefahr besteht durch Einatmen dieser winzigen Partikel, bzw. durch die Aufnahme in den Körper mit dem Trinkwasser oder in Nahrungsmitteln. Auch sehr geringe Strahlendosen (von außen betrachtet) werden gefährlich, wenn die Emitter im Körper sitzen und (jahrelang) nicht entfernt werden können.

„Feinstaub“ als heimtückischer Killer

Wir alle kennen das Schlagwort „Feinstaub“, das im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie bzw. durch Tabakrauch in letzter Zeit häufig in den Medien erwähnt wurde. Die EU hat Grenzwerte eingeführt und drängt auf ein EU-weites Rauchverbot in öffentlichen Räumen.  Staub“ klingt doch harmlos, warum sind „Feinstäube“ (TPM) so gefährlich?

Weil sie so winzig sind und deshalb die Abwehrmechanismen des Körpers weitgehend umgehen können und dadurch als unerwünschte Fremdkörper zum immunologischen Dauerstress werden: chronische Entzündungen, Gewebewucherungen sind die Folge und die Krebswahrscheinlichkeit steigt. Das eklatanteste Beispiel war bisher die nadelförmige, winzig kleine, unsichtbare Asbestfaser, (als harmloses „Naturprodukt“ angepriesen und weltweit eingesetzt) die ihre verheerende Wirkung über Jahre im Lungengewebe bzw. als  Mesotheliom entfaltet und oft erst sichtbar wird, wenn es schon zu spät ist. Wenn diese Nanopartikel auch noch radioaktiv und chemisch toxisch sind und jahrelang im Körper bleiben, kann man sich ausmalen, was passiert …

Nanopartikel können im menschlichen und tierischen Körper überall hinwandern, in alle Organe, ins Gehirn, in die weiblichen Eizellen und in den männlichen Samen. Schon nach dem ersten Golfkrieg wurde bei Kriegsveteranen, abgereichertes Uran 238 im Sperma festgestellt. Die Ehefrauen klagten über ein unerträgliches Brennen (Hitze) und versuchten, mit eisgekühlten Kondomen Abhilfe zu schaffen. Doch was auf den ersten Blick erheiternd klingt, ist  bitter ernst: Die Soldaten, die eine Familie gründen wollten, haben die Eizellen ihrer Partnerinnen kontaminiert und die daraus entstandenen Kinder zahlten einen furchtbaren Preis für die bewusste Verharmlosung des Strahlungsrisikos, das den Soldaten (ganz zu schweigen von der Zivilbevölkerung)  im Irak aufgebürdet wurde.

Die ansonsten sehr effektiven Kommandotruppen des Immunsystems werden mit solchen – vom Menschen gemachten – Eindringlingen nicht fertig, weil sie sich anders verhalten als die „üblichen Verdächtigen“ und deshalb keine adäquate Abwehrstrategie entwickelt werden konnte.  Italienische Forscher haben Nanoteilchen sogar in roten Blutkörperchen nachgewiesen, wo sie unerkannt, wie ein trojanisches Pferd, im ganzen Körper herumreisen und Schaden anrichten können. Werden sie über die Nahrung aufgenommen, können sie unbeschadet ins Verdauungsystem gelangen und dort schwere Krankheiten auslösen:   (Foto unten:  in Leberzellen)

Dass das Pentagon bzw. der „militärisch-industrielle Komplex“ [zu dem auch der US-Kongress gehört!], vor dem Eisenhower gewarnt hat, keine moralischen Skrupel hat, wenn es um die Interessen des US-Imperiums geht, überrascht uns wohl nicht. (Ich erinnere wieder einmal an die Nobel-Rede von Harold Pinter, der den imperialen Terrorapparat der USA (bekannt als „US-Außenpolitik“)  angeprangert hat)

Doch man sollte auch vor der eigenen Türe kehren: DU-Waffen wurden von deutschen Unternehmen entwickelt, wie der Spiegel im Jahr 2001 recherchierte. Im zweiten Weltkrieg experimentierte die Wehrmacht mit Uranmunition, weil Wolfram nicht mehr importiert werden konnte. Rheinmetall entwickelte  schon in den 1970er Jahren solche Waffen und diese wurde auch in deutschen US-Militärbasen getestet. Dass man dabei „vergaß“, die deutsche Öffentlichkeit über etwaige Gefahren zu informieren,  ist aus Sicht des Militärs auch nur „business as usual“.

Krieg als Ewiger Terror ...

WAS HAT MAN DIESEN MENSCHEN ANGETAN?

Doch nicht nur das Militär hat eine riesige moralische Schuld auf sich geladen, sondern vor allem die Politik. Die gesamte Atomindustrie wäre nie entstanden, wenn deutsche Politiker nicht von  Anfang an einer Geheimhaltung bzw. Desinformation zugestimmt hätten, die mit demokratischen Grundsätzen völlig unvereinbar ist. Dr. Chris Busby, ein britischer Biochemiker und Epidemiologe hat dazu (der Cover-up gilt natürlich auch für andere Länder) folgendes geschrieben:

„Die Wahrheit über die Gesundheitsschäden niedriger Strahlung wird von der Nuklearlobby seit mehr als 50 Jahren unterdrückt. In meinem Buch „Wings of Death“ erkläre ich, wie auf verschiedenen Kontrollebenen die Erkenntnis verhindert wurde, dass die Menschen  systematisch durch Radioaktivität vergiftet werden.

Ein Grund für den Erfolg dieser Vertuschungskampagne ist die Verknüpfung mit „Sicherheitsinteressen“. Sogar die WHO lässt sich dafür instrumentalisieren. Ein 1959 geschlossenes Abkommen mit der IAEA verbietet es der Weltgesundheitsorganisation, ohne Zustimmung der IAEA Forschung über Gesundheitsschäden durch radioaktive Strahlung  durchzuführen oder zu veröffentlichen.

Das ist der Grund,

  • warum wir ständig hören, Tschernobyl habe die Zahl der Krebsfälle nur unwesentlich erhöht
  • warum die WHO einfach behauptet, DU sei kein Gesundheitsproblem
  • warum die Europäische Kommission die EURATOM Sicherheitsstandards übernimmt …
  • warum die Sicherheitsregeln durch Empfehlung des ICRP zustande kommen, eine von der Atomlobby selektierte und nicht rechenschaftspflichtige Organisation, die Teil eines Netzwerks von „Drehtüren“ ist, in dem die gleichen Leute  hier raus (Politik) und dort (E-Wirtschaft) reingehen, immer dasselbe behaupten und sich stets gegenseitig zustimmen.

Ich kam deshalb zu dem Schluss, dass wissenschaftliche Analyse nicht ausreicht, es muss auch eine politische Analyse stattfinden, um das System des Machtmissbrauchs zu entlarven. Es ist nicht so sehr das Geld, sondern der Missbrauch von Institutionen, die Glaubwürdigkeit suggerieren und die Menschen in die Irre führen.  Die zunehmende Privatisierung der Forschung und die chronischen Finanzprobleme der Universitäten eignen sich hervorragend, um subversive, neue wissenschaftliche Perspektiven zu unterdrücken. Wir müssen also selbst neue Institutionen gründen, die nicht von diesem System abhängig sind.“

Diesen Aussagen kann man nur zustimmen.

Übrigens, DU darf auch für zivile Zwecke “Recycelt” werden: Nach Angaben des US-Army Institutes für Umweltpolitik wird das Uran auch in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt, sowie für Erdölbohrungen.

“Particular applications include radiation shielding for the medical field and industry; counterweight components of aircraft elevators, landing gear, rotor blades and radar antennae; ballast in satellites, missiles and other crafts; and drilling equipment used in petroleum exploration.”

Wenn Sie also das nächste Mal mit einer Boing 747  fliegen, reist wahrscheinlich  Uran “als blinder Passagier” mit ….

Fortsetzung folgt …

“Die Atomindustrie führt einen Krieg gegen die gesamte Menscheheit” John Gofman


(Video: Teilweise deutsch /englisch)



Todesanzeige

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unsere liebe Mutter, Schwester, Tochter, Tante und Cousine, „Hope“  (Hoffnung auf bessere Politik) nach langem, schweren Leiden letztes Wochenende von uns gegangen ist.

Hope war seit Jahren eine schwer kranke Frau und lag seit 9. September 2001 längere Zeit im Wachkoma, doch die zahlreichen Angehörigen und Sympathisanten, die im politischen Verein „Sehnsucht nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Weitsicht und politischer Verantwortung“ engagiert sind, ließen nichts unversucht, um  sie wieder ins Leben zurückzurufen.

Doch alle Bemühungen wurden durch harte politische Rückschläge zunichte gemacht.

Seit jenem schicksalsschweren Tag im September 2001 wurde Hope massiv unter Druck gesetzt. Die massive Verblödung der Öffentlichkeit durch absurde Szenarien und Begründungen für diese „Attacke auf unsere Freiheit“, herausgegeben vom „Wahrheitsministerium“ in Washington und willfährig verstärkt durch die blökenden Medienschafe, hatten ihre ohnehin schon angeschlagene Gesundheit schwer geschädigt. Der Blutdruck stieg in gefährliche Höhen, Herzrhythmusstörungen setzten immer häufiger ein. Der Arzt verordnete Tranquilizer und Stimmungsaufheller, doch selbst die medikamentöse Ankurbelung des Serotoninspiegels im Gehirn konnte keine Besserung bewirken.

Die unter dem Deckmantel des „War on Terror“  weltweit durchgesetzten, schweren Eingriffe in die Menschen- und Bürgerrechte, der Anblick von „Big Brother on wheels“ (ehemaliger Innenminister Schäuble) als Verkörperung des vordergründig staatlichen Ringens nach mehr „Sicherheit“ – ganz zu schweigen von Darth Vader Klon Dick Cheney seinem Depputy (?#!) „Dschortsch Dubya“ Bush und „stuff happens“ Donald Rumsfeld -  versetzten Hope in einen Zustand, den die Medizin als „posttraumatisches Stresssyndrom“ bezeichnet.

Dank Glasnost, Perestroika, dem Mauerfall 1989 und dem Ende des kalten Krieges hatte sich Hope damals noch in sehr guter Verfassung befunden. Die Aussichten auf eine neue Sicht der Weltordnung, eine mögliche Form der echten Kooperation zur Lösung globaler Probleme schienen gut: Wer brauchte jetzt noch Atomwaffen? Das „Gleichgewicht des Schreckens“, dass Milliarden verschlang, war es nicht obsolet geworden? Die Sowjetunion war pleite, Gorbatschow hatte der Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt, den eisernen Vorhang über Osteuropa gelüftet und als Gegenleistung wurde ihm vom Westen zugesagt, dass die NATO nicht nach Osten, in „den russischen Hinterhof“ erweitert würde.

Doch die USA hatten nie vor, diese Versprechen zu halten. Im Gegenteil, ihre  geostrategischen Ziele, die ein gewisser Herr Brzesinski in seinem Buch „The Grand Chessboard“ für Eurasien formuliert hatte, wurden Schritt für Schritt umgesetzt. Die „bunten“ PR-Revolutionen in Ländern wie Georgien, der Ukraine, etc. der starke wirtschaftspolitische „Washington Consensus“ Einfluss in Osteuropa waren ein klares Signal, wohin die Reise geht. Unter dem Deckmantel der „Demokratieförderung“ wurden diese Länder vom vermeintlichen „Führer der freien Welt“ in die nächste  ideologische „Falle“  gelockt: der Albtraum der Marktherrschaft …(ein totalitäres Gedankenregime der autistischen Ökonomie, das scheinbar „Freiheit“ als oberstes Prinzip verfolgt, doch wessen Handlungsfreiheit hier verteidigt wird, erkennt man erst zu spät …)

Die irreführende Präsentation der völkerrechtswidrigen Aggression in Afghanistan als legitime Jagd nach dem Oberschurken Bin Laden bzw. später als Kampf gegen die Taliban (die auch gerne mit der phantomartigen „Al Kaeda“ gleichgesetzt werden), die ehemaligen „Freiheitskämpfer“ (so damals Präsident Reagan), versetzten Hope einen weiteren Schlag.  Die Taliban hatten die unglaubliche Frechheit besessen, ihre terroristische „Spezialausbildung“  zur Vertreibung der Russen jetzt gegen die ehemaligen US-Sponsoren zu richten, die ihre Landsleute im „Krieg gegen den Terror“ mit staatlichem Bombenterror beglückten. Die Geister, die ich rief …?

(Die ganze Geschichte ist nachzulesen in dem hervorragenden Buch „Ghost Wars“ von Pulitzerpreisträger Steve Coll), kritische  aktuelle Kommentare gibt es HIER.

Ein weiterer, schwerer Schlag für Hope war  auch die Situation im Nahen Osten:

Einen historischen Überblick  bietet dieses erschütternde VIDEO (Englisch)

"Palästina" das gestohlene Land

Die unglaubliche politische Farce, die uns seit Jahren unter dem Orwellschen Begriff „Friedensprozess“ vorgeführt wird, löste bei Hope schwere Depressionen aus. Obwohl völlig klar ist, wer hier seit mehr als 60 Jahren „monumentales Unrecht“ begangen hat, wird die Debatte in den Medien so dargestellt, als ob Täter und Opfer gleichwertige, legitime und akzeptable Argumente vorzubringen hätten.  Journalismus als eine Form des moralischen Autismus?

Der  legitime, gewalttätige Widerstand der Palästinenser gegen eine brutale Besatzung, gegen Vertreibung und schrittweise Annektierung des  verbliebenen Restes des eigenen Landes, gegen die fanatische Gewalt der  orthodoxen „Siedler“, gegen tägliche Menschenrechtsverletzungen und Demütigungen wurde im Kontext des „War on Terror“ natürlich umgemünzt zu einem Kampf zwischen Gut und Böse: „westliche Zivilisation“ („verkörpert“ durch Israel) gegen den rückständigen, unbelehrbaren Islam („verkörpert“ durch Hamas).

Dass Hamas durch demokratische Wahlen (die einzigen im Nahen Osten!) an die politische Macht kam und sogleich eine Einheitsregierung („unity government“) angestrebt hat , wurde  dem historischen Mülleimer zugeführt, stattdessen hieß es immer „Hamas, die im Juni 2007 im Gazastreifen die Macht an sich riss“. [Was sich hier wirklich abspielte? Siehe dazu meine früheren Beiträge zum Thema Israel - Divide et impera in action - und die hervorragend recherchierte Background-Story THE GAZA BOMBSHELL]

Das eiskalte Kalkül der israelischen Regierung, den Gazastreifen in eine Art Freiluftgefängnis bzw. ein von Israel kontrolliertes Riesen-Ghetto zu verwandeln, hat Hope schwer zu schaffen gemacht. Erste Kreislaufzusammenbrüche waren die Folge.  Die mediale Darstellung dieser Unmenschlichkeit ersten Ranges als „großzügige Geste“ Israels, das „den Gazastreifen zurückgegeben hat“,  hat dann zum ersten Herzinfarkt geführt. Der unkritische Papageienjournalismus, der hierzulande ungestraft praktiziert wird, machte es möglich, dass die israelische PR die Wahrnehmung der Öffentlichkeit weitgehend steuern konnte.  Es kamen immer die gleichen Leute zu Wort, die immer die gleichen „Talking Points“ vorbrachten, so lange, bis man sie für wahr hält.  Propaganda durch Totschweigen, durch Weglassen (der wahren Umstände), durch „information dominance“ der Fiktion ist eben sehr effektiv.

Das IDF-Massaker an 1.400 Menschen vor einem Jahr – exakt geplant – bis zur Amtseinführung Präsident Obamas am 20. Jänner 2009, das unter dem Namen „Operation Gegossenes Blei“ als „Krieg“ (Suggestion eines ebenbürtigen militärischen Gegners) gegen Gaza verkauft wurde, führte dazu, dass Hope in die Intensivstation gebracht werden musste.  Der Einsatz abscheulicher Waffen wie weißer Phosphor, DU und Uranmunition in einem extrem dicht besiedelten Ghetto, das zu 99% aus Zivilisten (davon die Mehrheit jünger als 15) besteht, die gezielte Bombardierung von UN-Lagerräumen, Schulen und anderen Gebäuden, die man nur als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen kann, zeigte klar, mit welcher Arroganz und Brutalität ein Staat vorgehen kann, der nichts zu befürchten hat, weil er außerhalb des Rechts steht. Weil er Dank des ständig geschürten „Gedenkens“ an den Holocaust (dessen politischen Missbrauch),  als ewiges Opfer auftreten kann und, egal, welche Verbrechen er begeht, immer auf die schützende Hand – oder sollte man nicht sagen Faust? – Washingtons zählen kann.

Die besten Worte zu dieser unheilvollen, politischen Symbiose zweier Schurkenstaaten, die sich als Verkörperung des Guten und Edlen selbst betrügen und parodieren,  während sie morden und Intrigen schmieden, findet man bei Harold Pinter, der in seiner Dankesrede zum Literaturnobelpreis (2005) über das Totschweigen der zahlreichen, skrupellosen politischen Verbrechen der USA (im Rahmen der  imperialen  „Außenpolitik“) sagte:

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen [...] waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen.

Das gleiche gilt natürlich für Israel. Das Erscheinen (und  umgehende Versenken) des „Goldstone-Reportes“ vor wenigen Wochen war ein weiteres Signal dafür, dass die Gerechtigkeit auf der Welt keine Chance hat, wenn die Medien von Idioten, Lobbyisten und Lohnschreibern besetzt sind, wenn die Presseagenturen zionistische PR verteilen und niemand sich darüber aufregt (jedenfalls nicht bei uns).

Die so genannten politischen Führer der EU, vor allem Deutschlands, lassen sich seit Jahren von Israel an der Hundeleine führen. Sie wissen schon, eine von denen, die man durch Betätigen eines Hebels, automatisch verkürzen kann … Dieser Hebel ist hier natürlich ein semantischer und heißt „Holocaust“.  Die Gaskammern von Auschwitz wurden nicht von Palästinensern betrieben, auch Herr Hitler kam nicht aus Ramallah und dennoch hat man sich damit abgefunden, dass dieses Volk für die Verbrechen des Dritten Reiches bzw. des britischen Empires büßen muss.

Herr Westerwelle, die Karikatur eines Diplomaten, fuhr also schön brav nach Yad Vashem und machte dort seine Verbeugung, business as usual. Diese Form des „Conditioning“ muss jeder deutsche Politiker durchlaufen, damit sein Auftritt in Israel  immer nur im Kontext der  „ewigen Verantwortung“ Deutschlands für Israel gesehen wird. Westerwelle wiederholte zum 100sten Mal die abgedroschene Phrase, dass „Israel das Recht habe, in sicheren Grenzen zu leben“ aber „ auch die Palästinenser hätten Anspruch auf einen eigenen Staat“.

Dass die Grenzen Israels bis heute nicht endgültig festgelegt wurden, ist an sich ein Witz, dass man seit Jahren das Westjordanland zu einem Puzzle aus voneinander getrennten Bantustans zerlegt hat, das von „araberreinen“ Straßen und Siedlungen durchzogen, und durch den Bau der illegalen Mauer weiteres Land annektiert wurde, braucht ja einen Außenminister nicht weiter zu interessieren. Dass es ohne Gerechtigkeit weder Frieden, noch Sicherheit geben kann, sondern nur brutale Unterdrückung und totale Ausgrenzung, dass der „jüdische Staat“ eine Form systemischer, rassistischer Diskriminierung ist und deshalb mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar,  stört Herrn Westerwelle auch nicht. Die „Freiheitsliebe“ der Liberalen ist eben nur selektiv anzuwenden … [siehe dazu Beiträge unter Stichwort Zionismus)

Dass der angesehen Richter Richard Goldstone, obwohl er selbst Jude ist und dem Zionismus wohlwollend gegenüber steht, von Israel wie ein Scharlatan und übler Betrüger behandelt wird, der aus unerfindlichen Gründen, (ebenso wie der UN insgesamt unterstellt wird,) nur das Ziel verfolge, Israel zu schaden und die Unwahrheit zu verbreiten, war ein weiterer dramatischer Höhepunkt in diesem Theaterstück des Absurden. Zu befürchten ist nur, dass der „Palästinenserstaat“ (der kein lebensfähiges Land mehr zur Verfügung hat) das gleiche Schicksal erleidet, wie jene, die auf „Godot“ warten.

Bald ist es genau ein Jahr her, dass die letzten Bomben auf den Gazastreifen gefallen sind. Die rechtswidrige Blockade Israels geht weiter, die „humanitäre Situation“ ist weiterhin katastrophal, das Leben in Gaza ist nur mehr ein Existieren zwischen zerstörten Häusern,  kontaminierten Feldern, traumatisierten Kindern und einer grenzenlosen Hoffnungslosigkeit. Warum hilft uns niemand? Warum lässt die „Weltgemeinschaft“ zu, dass wir so leiden müssen? Warum haben wir kein Recht, in Frieden und in Würde zu leben? Warum ist unser Leben weniger wert, als das eines Israeli oder Deutschen?   Warum interessieren sich die internationalen Medien nur für uns, wenn es wieder Tote gibt? Warum kann Israel die Blockade (ein kriegerischer Akt nach dem Völkerrecht) ungestraft weiter führen?

Einen kurzen Einblick in das trostlose Leben in Gaza gibt es in diesem

VIDEO

(Mehr von Richard Falk finden Sie hier)

Was kann man darauf antworten?  Wie kann man die Scham bewältigen?

Die Scheinheiligkeit der EU bei der Weiterverfolgung des Goldstone Reportes im Rahmen der UN ist eine Schande für die angebliche „Wertegemeinschaft“. Ebenso die Tatsache, dass Israel als bevorzugter Handelspartner behandelt wird und Deutschland auch noch mit Steuergeldern subventionierte U-Boote liefert.

Hope begann zu halluzinieren. Sie sagte immer wieder, sie befände sich in einem Irrenhaus, in dem das Krankhafte als normal präsentiert werde, und politische Verbrechen als akzeptabel (es käme eben nur darauf an, WER der Verbrecher sei …. Manche "Auserwählten" mordeten doch „für den guten Zweck“, oder nicht?

Man versuchte, ihr klarzumachen, dass die Vernunft es manchmal sehr schwer in der Politik hätte und dass es trotz allem doch Bemühungen gäbe, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen …

Und dann kam die „Bankenkrise“ ….

Dazu ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden, deshalb hier nur ein Hinweis auf ein Video, das in Kürze die wesentlichen Punkte erklärt … (hier handelt es sich nicht um „Fehler“, die jemand gemacht hat, sondern um organisierte Kriminalität:  Unmoralische Handlungen, [modernes „Investmentbanking“ ist mehr oder weniger eine Form des bandenmäßigen Betrugs] die  eben nur deshalb nicht illegal sind, weil man vorher alle Gesetze abgeschafft bzw. verhindert hat, die sie mit strafrechtlichen Konsequenzen belegt hätten …

Das wirtschafts- und monetärpolitische Analphabetentum der Bevölkerung (wozu auch weite Teile der Journalisten zählen) hat sich als stärkste Waffe für die Finanzoligarchie erwiesen: Ignorance is Strength after all!

Als letzter Sargnagel für Hope  erwies sich die mediale und politische  Auseinandersetzung mit dem  „Klimawandel“ (der ja eigentlich nur Symptom für die zugrunde liegende Geisteskrankheit ist, die man „Wirtschaftswissenschaften“ nennt)

[Siehe dazu auch meine vorherigen Beiträge zum Thema Wirtschaft bzw. "Klimawandel" insbesondere die Hinweise zu Herbert Gruhl und Frederic Vester]

Ein sehr aufschlußreiches Interview mit dem von mir zitierten NASA Wissenschaftler James Hansen gibt es

HIER

Hier nur ein kleiner Auszug: (Auf die Frage, warum er nicht nach Kopenhagen gereist sei, antwortete  Herr Dr. Hansen:

Sie verhandelten dort über ein “Cap & Trade” System mit “Offsets” [- meistens fälschlich als "Neutralisierung" übersetzt], was analog zum Kyoto Protokoll ist, das ein Disaster war. Vor Kyoto stiegendie globalen Co2-Emissionen um 1,5% jährlich, danach sind sie um 3% jährlich gestiegen. Dieser Ansatz funktioniert auf keinen Fall.”

[...] so lange fossile Brennstoffe die billigste Form der Energie sind, werden sie irgendwo verbrannt werden. Die Europäer dachten, sie hätten tatsächlich ihre Emissionen nach Kyoto reduziert, aber was wirklich passierte war, dass ihre Produkte einfach woanders [außerhalb der EU] produziert wurden und zwar in Ländern, in denen die fossilen Brennstoffe am billigsten sind [wie China], also sind die Gesamtemissionen in Wahrheit gestiegen.”

Unsere politische Führungsmannschaft kann das Problem nicht lösen, da sie selbst Teil des Problems sind …

Wie Frederic Vester schon vor 30 Jahren richtig erkannte, ist dazu ein “Neuland des Denkens” erforderlich, die Fähigkeit  “systemisch” zu denken, die Welt nicht länger in Schubladen mit Ressorts und Zuständigkeiten zu zerlegen, die sich immer weiter spezialisieren (und immer weniger miteinander kommunizieren können), sondern die unglaubliche Vernetzung aller Prozesse auf diesem Planeten zu erkennen.

Deutschland hat wunderbare visionäre Denker  wie Vester, Gruhl, Erich Fromm, u.a. hevorgebracht, doch was hat es genutzt?

Wenn ich die traurige Gestalt von Herrn Röttgen vor mir sehe, (den laut einer Spiegel Umfrage, mehr als 40% der Befragten gar nicht kennen!), dessen geistiger Horizont sich im Thema “Wirtschaftswachstum” erschöpft, verstehe ich, warum Hope jetzt endgültig das Handtuch geworfen hat ….

Röttgen hat zwar noch immer nicht verstanden, dass dieses “Wachstum” das eigentliche Problem ist, aber er arbeitet bereits an der Quadratur des Kreises: Wachstum ohne steigenden Energieverbrauch! Wachstum ohne steigenden Ressourcenverbrauch! Wachstum ohne Zerstörung der Lebensgrundlagen, usw. Wachstum, Wachstum, Wachstum!

Vielleicht könnte man eine neue Krebsart nach ihm benennen? “Morbus Röttgen” klingt doch beeindruckend, oder? Immerhin verlängert der Mann die Laufzeiten lebensbedrohlicher, maroder Atomkraftwerke [siehe dazu meine letzten Beiträge zum Thema Klimawandel), die übrigens AUCH ZUM KLIMAWANDEL beitragen (s. pdf-Seite 10) und wird sicherlich auch den Schwachsinn von “Clean Coal” befürworten (obwohl die Umweltschäden ja nicht nur bei der Verbrennung, sondern auch beim Abbau der Kohle entstehen).

Das CDU “Führungspersonal” bzw. seine angebliche “Wirtschaftskompetenz” erinnerte Hope immer an die Ingenieure der Titanic, der fast bis zum bitteren Ende behauptet hatten, das Schiff  sei unsinkbar…

So sehen die “Titanics” des dritten Jahrtausends aus, die dann auch noch als “Innovation” und “Arbeitsplatzbeschaffer” gefeiert werden. Umweltverträglichkeitsprüfung? Wer braucht die? War doch nur eine “Umwidmung”?

Gigantischer Energieverbrauch für hirnloses Vergnügen am künstlichen Palmenstrand, die Umweltschäden muss der “Investor” ja nicht bezahlen, da kommt das Land Brandenburg mit Millionen zu Hilfe …

Gegen die organisierte Idiotie kommt man mit Vernunft nicht an …

In diesem Sinne bitten wir, von Kranzspenden Abstand zu nehmen.( Hope liegt auf dem ehemaligen  Hugenottenfriedhof in Berlin-Wedding…)

Da bleibt einem nur noch der bittere Humor:

Seitdem ich die Hoffnung aufgegeben habe, geht es mir viel besser.

Woody Allen




Bodenlose Dummheit oder Fortschritt am Acker?

DIE GRÜNE REVOLUTION IST BANKROTT

Die meisten Menschen halten die „moderne“ Landwirtschaft für eine Erfolgsstory und so sieht sie auf den ersten Blick auch aus: Eine winzige Zahl von Bauern (gemessen an der Gesamtbevölkerung) ernährt heute etwa 2o0 Millionen mehr Menschen in Europa als 1950 und dazu wird natürlich noch für den Export in außereuropäische Länder produziert. Doch trotz dieses Überflusses macht sich Unbehagen breit: Ernährungsbedingte Krankheiten nehmen zu, Nahrungsmittelallergien steigen stark an;  Verunsicherung durch „Fleischskandale“, BSE, zunehmende Tierseuchen, vermehrter Einsatz von Antibiotika; gesundheitsschädliche Rückstände von Agrargiften in Obst, Gemüse und Gewürzen, usw.

Die extrem wichtige Rolle der Landwirtschaft zur Erhaltung der Volksgesundheit und der Ökosysteme als unsere Lebensgrundlagen wird selten erwähnt und auch im Kontext des „Klimawandels“ wird die industrielle Landwirtschaft ziemlich ignoriert.  Doch diese Bagatellisierung können wir uns nicht mehr leisten:

Ein großes Problem ist etwa der rasant  steigende Einsatz synthetischer Düngemittel, der sich seit 1961 mehr als verfünffacht hat: Bei Stickstoffdünger stieg der Verbrauch von etwa  8 kg pro Hektar auf heute mehr als 60 kg pro Hektar, also um mehr als  700%. Doch dieser exorbitante Stickstoffeintrag endet nicht zur Gänze in der Pflanze, sondern ein Teil davon landet im Grundwasser bzw. in der Luft (man könnte sagen, der Stickstoff wird vom Boden wieder „ ausgeatmet“)

Wozu die Aufregung,  könnte so mancher jetzt denken, deshalb sind ja auch die Erträge pro Hektar  stark gestiegen und man konnte „mehr Menschen satt machen“. War das nicht die Essenz der mit großem Medienecho propagierten „Grünen Revolution“, für die Norman Borlaug den Friedensnobelpreis erhielt?

Ein Siegeszug des wissenschaftlichen „Fortschrittes“ (dank Justus von Liebig), der sich in diesem Fall durch massiven Einsatz von Düngern und Pestiziden manifestierte? Leider ist auch diese „Erfolgsgeschichte“ menschlicher Innovation bei näherem Hinsehen ein Flop und langfristig sogar eine Katastrophe. Warum, das zeigen folgende Zahlen:

Die vier wichtigsten Grundnahrungsmittel auf diesem Planeten sind Weizen, Soja, Mais und Reis.  Sie alleine benötigen etwa ein Drittel der weltweiten  Ackerflächen. Bei allen vier Getreidearten ist der heutige Ertrag, gemessen am Düngereinsatz und im Vergleich zu 1961 um mehr als 70% gesunken:

Per  Kilo Stickstoff wurden folgende Erträge erzielt:

1961 2006
Weizen 126 kg 45 kg
Soja 131 36 kg
Reis 217 kg 66 kg
Mais 226 kg 76 kg

Dass die anfänglich gefeierte Ertragssteigerung durch synthetische Dünger langfristig nicht haltbar ist, weil das Verhältnis zwischen Input und Output eben nur scheinbar linear ist, ist ja nichts Neues. Schon Ende der 1970er Jahre gab es erste Warnungen über die „Grenzen des Wachstums bzw. über die missachteten ökologischen Regelkreise der Natur und das fehlende systemische Denken.

Einer dieser Propheten war Herbert Gruhl, der mit seinem Buch Ein Planet Wird Geplündert“ (1978) für große Furore sorgte, weil er als CDU-Politiker den Wahnsinn des Wachstumsparadigmas anprangerte und dafür wie ein Häretiker und Spinner von seiner Partei und den vermeintlichen „Wirtschaftsexperten“  behandelt wurde.

Doch Gruhl hatte mit allem, was er kritisierte, recht (mehr dazu später) und so zeigte er schon 1978 auf, dass die Erfolgsstory der industriellen Landwirtschaft in Wahrheit ein Märchen ist. Als praktisches Beispiel diente u. a. eine Tabelle über den steigenden Energieaufwand beim Maisanbau:

Aus einer Statistik des Wissenschaftsmagazins Science (Vol. 182, Nov. 1973, 445) ergab sich folgendes Bild:  Die gesamte Aufwandsenergie für Arbeit, Maschinen, Strom, Treibstoff, Dünger (N, P, K) Samen, Bewässerung, Pestizide, Trocknung, Transport wird dem Maisertrag (in Kilokalorien) gegenüber gestellt:  Daraus ergeben sich folgende Verhältnisse:

1945 925.500 kcal Aufwand für     3.427.000 kcal  Ertrag

Verhältnis:        1: 3,7 0

1964 2.242.000 kcal  Aufwand für    6.854.000 kcal Ertrag

Verhältnis:        1: 3,06

1970 2,896.000 kcal Aufwand für     8.165.000 kcal Ertrag

Verhältnis:        1: 2,82

2009: Verhältnis:        2: 1?

Das heutige Verhältnis ist mit Sicherheit inzwischen negativ, man muss also mehr Energie investieren, als im Endeffekt dabei herauskommt.  Soviel zum Thema „Effizienzsteigerung“ in der Landwirtschaft durch „moderne“ Anbaumethoden, die man inzwischen vermehrt den Entwicklungsländern aufs Auge gedrückt hat und die kleinräumige, traditionelle Landwirtschaft als Auslaufmodell  lächerlich macht.

Doch – big surprise – die Hungernden bzw. Unter- oder Mangelernährten auf der Welt werden nicht weniger, der Zugang zu erschwinglichen Nahrungsmitteln wird immer mehr zum Privileg einer wohlhabenden Minderheit, wie auch kürzlich beim „Hungergipfel“ in Rom beklagt wurde (siehe dazu meinen Beitrag Papst, Hunger, Kaffee etc. wo es natürlich auch um Handelspolitik geht)

Aber auch der exponentiell steigende Verbrauch von synthetischen Düngern war bereits damals ein Thema. Gruhl griff noch weiter zurück, bis 1949. Damals wurden weltweit 3,10 Millionen Tonnen Stickstoffdünger verbraucht. Bis 1961 hatte sich dieser Bedarf mehr als verdreifacht, bis 1978  auf  rund 48 Millionen Tonnen gesteigert, das entspricht einer Steigerung von 1.548% in 29 Jahren.

Zum Vergleich, die Weltgetreideernte stieg zwischen 1950 und 1984 um 250%, bis 1994 hatte sie sich verdreifacht. Der Energieeinsatz hatte sich bereits vervierfacht. Seitdem stiegen sowohl der Energieeinsatz als auch der Einsatz von Düngern und Pestiziden, doch die Erträge können nur mehr marginal gesteigert werden und sinken weiter im Verhältnis zum Input wie oben bereits ausgeführt.

Da die fossile Energie immer teurer wird und gleichzeitig die Erzeugerpreise systematisch nach unten getrieben werden (davon profitieren natürlich die großen Food Multis, die sie verarbeiten -siehe dazu meine älteren Beiträge unter „Landwirtschaft“) haben die Bauern keine Chance in diesem System, es sei denn, sie werden zu „Unternehmern“ (die Familie muss durch andere „Projekte“ ernährt werden)  oder Agrarfabriken, die mit „Agrikultur“ nichts mehr zu tun haben und die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit noch mehr beschleunigen.

Heute liegt der N-Düngerverbrauch bei mehr als 90 Millionen Tonnen pro Jahr. Solche Steigerungsraten kann kein System auf Dauer aushalten, weder das komplexe Ökosystem des Ackerbodens, noch die übergeordneten Systeme und natürlich führt diese exorbitante Ausbeutung der Rohstoffe (z.B. Rohphosphat) dazu, dass sie nicht mehr lange vorhanden sein werden.  Den beschränkten, weil viel zu kurzen  Planungshorizont der Politik beklagte Gruhl schon 1978: „Die Bodenschätze sind unser Kapital, nicht unser Einkommen“, (sie werden aber weiter so behandelt)  und schüttelt den Kopf darüber, dass in der ökonomischen Theorie nur die Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit Beachtung finden, aber weder „Natur“ noch „Energie“. Dazu kommt noch der Irrsinn, dass industrielle Großverbraucher von Energie durch besonders niedrige Preise belohnt werden.

Graphik 3.17:   Globaler Verbrauchstrend für Stickstoffdünger, 1961–2001 ( in Millionen Tonnen)

Die so genannte gewaltige  “Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft ist also in Wahrheit ein gewaltiger Selbstbetrug, denn der Einsatz der Arbeitskraft ist zwar dramatisch verringert worden und der Ertrag gesteigert, dafür wurde eben immer mehr Energie eingesetzt, wobei das Verhältnis zwischen Input und Output mittlerweile negativ ist! Worin besteht der Fortschritt, wenn man die Ernten vervierfacht, aber den Energieeinsatz verzehnfacht und dabei noch die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität schrittweise ruiniert?

Man könnte auch sagen, wir „essen“  mit jedem Weizenkorn fossile Energien.  Es gibt Berechnungen, wonach in einem Kilogramm Stickstoffdünger das Energieäquivalent von  etwa 1,4 – 1,8 l Diesel steckt. Für eine Tonne wären das (Mittelwert 1,6) dann 1.600 l Diesel, für die 100 Millionen Tonnen Jahresverbrauch (die wir bald haben) sind das

160. 000. 000. 000 Liter Diesel pro Jahr

nur für Stickstoffdünger

Wenn man noch die Prozessenergie der industriellen Lebensmittelverarbeitung dazurechnet, ist das ganze endgültig ein Irrsinn, weil für jede Nahrungskalorie, die vor allem in  Form diverser Convenience Produkte auf unserem Tisch landet, insgesamt etwa 10 Kalorien Energie verbraucht wurden.

Der Konsum tierischer Produkte (vor allem Fleisch) ist natürlich an sich energieintensiver, denn für eine Fleischkalorie muss man zwischen 3 und 10 Pflanzenkalorien einsetzen.

(Die Tiere bewegungsunfähig zu machen, um Futter zu sparen, ist die perverse Folge einer irrationalen Sichtweise, die Lebewesen (weil sie essbar sind) wie Maschinen behandelt, deren „Effizienz“ dadurch gesteigert wird. Dass diese Form der Tierquälerei als biologischer Bumerang zu uns zurückkommt (Geflügelpest, pardon „Vogelgrippe“ etc.), ist klar, wenn man das Ausbrechen von Tierseuchen  als negatives Feedback erkennt. Diese Rückkopplung sollte ein starkes Indiz dafür sein,  einen unhaltbaren Zustand (Massentierhaltung) zu beenden, doch dazu reicht das Denkvermögen offenbar nicht aus. Stattdessen werden Millionen Tiere getötet und dann macht man weiter, wie bisher ….)

Dass für die Produktion von synthetischen Düngern Energie aus fossilen Quellen verbraucht wird (vor allem Erdöl und Erdgas), macht die Sache noch schlimmer, besonders im Kontext der aktuellen Klimadebatte. Dabei fällt auf, dass die Landwirtschaft in Kopenhagen so gut wie gar nicht erwähnt wird (jedenfalls nicht in den Medien).

Der Energieeinsatz in der „modernen“ Landwirtschaft lässt sich wie folgt aufteilen: (am Beispiel der USA)

  • 31% für die Düngerherstellung
  • 19% für landwirtschaftliche Maschinen (Feldbearbeitung)
  • 17% für Transport
  • 13% für Bewässerung
  • 8% für Tierhaltung (ohne Futter)
  • 5% für Trocknen der Ernte
  • 6 % für Pestizidherstellung

Der Einsatz von organischen Düngern in der biologischen Landwirtschaft, die quasi als Nebenprodukt ohne zusätzlichen Energieeinsatz in einer Kreislaufwirtschaft entstehen,  ist also schon für sich alleine eine gewaltige Verbesserung der Energie- und Stoffbilanz und ein Beitrag zum „Klimaschutz“.

Dass durch den intensiven Einsatz von Agrochemie aber langfristig auch die Bodenfruchtbarkeit abnimmt ist ein Riesenproblem, das viel zu wenig beachtet wird. Die leichte Verfügbarkeit der Nährstoffe wirkt wie ein „Doping“ im komplexen Bodenleben. Die Mikroben vermehren sich explosionsartig, was wiederum den Abbau der organischen Substanz beschleunigt, wodurch vermehrt Kohlendioxid freigesetzt wird. Der ganze Stoffkreislauf wird also auf „Turbo“ gesetzt, was damit endet, dass die organische Substanz immer weniger wird und auch die Bodenorganismen abnehmen, weil der natürliche Regulationsprozess nicht mehr funktioniert. Es kommt zu Bodenverdichtung (auch die Folge schwerer Maschinen), der Boden kann weniger Wasser und Nährstoffe  speichern, die Wurzeln der Pflanzen verkümmern (u.a. auch weil die Symbiose mit Wurzelpilzen gehemmt ist) usw.

Ohne ein ausgewogenes Verhältnis zwischen organischer Masse, Bodenlebewesen und Verfügbarkeit von Mikro-Nährstoffen (die sich alle gegenseitig beeinflussen, dazu kommen natürlich noch andere Faktoren wie das Wetter, die Bodenbearbeitung /  Pflege, negative Umwelteinflüsse (z.B. Industriegifte) u.v.a. nimmt die Bodenfruchtbarkeit ständig ab.  Das „lineare“ Denken, das Frederic Vester schon vor dreißig Jahren angeprangert hat, ist aber immer noch vorherrschend, weshalb die Reaktion auf diese Probleme  völlig falsch ist und den Prozess der Bodendegradierung noch beschleunigt (positive Rückkopplung).

Man bringt noch mehr Dünger aus und wundert sich dann, warum die Erträge nicht mehr gesteigert werden können, während die Produktionskosten weiter nach oben gehen. Nicht selten ist es an diesem Punkt, dass Bauern erkennen, in welche Sackgasse die industrielle Landwirtschaft führt und dass die Kosten – Nutzenbilanz eindeutig negativ ausfällt.

Der hohe Einsatz von Stickstoffdünger hat aber auch für den „Klimawandel“ verheerende Folgen, denn aus dem Ackerboden entweichen Stickoxide, die im Vergleich zum Kohlendioxid   200 mal effektiver sind). Diese Stickoxide sind für  mehr als 40% der Treibhausgase verantwortlich, die die Landwirtschaft erzeugt.

Doch wie oft in einem komplexen System, dessen Selbststeuerung durch menschliche Eingriffe unterminiert wird, kommt es zum Aufschaukeln ungewollter Effekte: Denn die Abnahme organischer Masse behindert nicht nur die Nährstoffaufnahme der Pflanzen sondern reduziert auch die Kapazität des Bodens als Kohlenstoffspeicher. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Stickstoff und Kohlenstoff kann nicht mehr gewährleistet werden.

Nach konservativen Schätzungen hat die organische Masse um etwa 1-2% abgenommen (in der etwa 30 cm dicken Humusschicht). Das klingt ziemlich mickrig. Doch hochgerechnet auf die gesamte Ackerfläche sind das etwa 200 Millionen Tonnen. Ohne diesen Verlust könnten etwa  330 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus der Luft gefiltert und im Boden gespeichert werden.

Versuchen wir nun, den Einsatz von synthetischen Düngern als Paradebeispiel für lineares Denken (man fokussiert auf  eine Ursache  und  eine Wirkung) und die Missachtung des Systemcharakters darzustellen:

Logik für Simple Minds: (die reduktionistische Betrachtung der Natur als Maschine….)

  • Prämisse: Pflanzen brauchen Nährstoffe, die sie dem Boden während des Wachstums entziehen
  • Schlussfolgerung:  ersetzt man diese Nährstoffe durch Dünger, (N, P, K), ist ewige Fruchtbarkeit garantiert; je mehr Dünger, desto größer die Ernte, oder wie?

Völlig ignoriert:

  • Welche anderen Faktoren  beeinflussen die Bodenfruchtbarkeit?
  • Welche Effekte hat der Dünger- und Pestizideinsatz auf diese Faktoren (und damit die Bodenfruchtbarkeit)?
  • Welche Regelkreise werden durch den menschlichen Eingriff  gestört?
  • Welche schädlichen Wirkungen entstehen dadurch (oft zeitverzögert )?
  • Welche „Führungsgröße“ (Ziel) bestimmt das menschliche Verhalten (der Produzenten)?  Maximierung des Ertrags >> Profitstreben
  • Von welchen Zielen werden die ökologischen Regelkreise gesteuert?
  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt, Stabilität der Ökosysteme, Stabilität des Mikroklimas,  des Wasserhaushaltes, etc.

Doch die Steigerung der Erntemengen ist noch aus anderer Sicht eine Illusion:  Die Pflanzen mögen schneller wachsen, doch die neuen „Hochleistungssorten“ sind weniger wert, als die alten, lokal angepassten Sorten. Warum? Weil sie  weniger Mineral- und Nährstoffe enthalten als früher und weil sie weniger aushalten (an Umweltstress).

In einer Dokumentation („Je suis mal à la terre“) von ARTE, die schon vor einiger Zeit gezeigt wurde, konnte man sehen, dass der angebliche „Fortschritt“ keiner ist: Ein Getreidebauer in Frankreich hat sich auf den Anbau alter Weizensorten (nach „alten“ Methoden, also eigentlich biologisch, spezialisiert (man könnte auch sagen, er hat damit experimentiert, denn offiziell ist dieser Anbau sogar verboten!). Diese sind rein optisch sofort von den modernen Sorten zu unterscheiden: Die Getreidehalme sind sehr hoch (1,50 – 1,70 m), knicken aber trotzdem nicht so leicht um und sind resistenter gegen Pilzkrankheiten.

Sie sind für die maschinelle Verarbeitung in Großbäckereien nicht geeignet, weil sie einen höheren Eiweißanteil haben. „Moderne“ Sorten wurden ja für diese Erfordernisse gezüchtet:

  • durch das Düngerdoping schossen die Halme zunächst in die Höhe, wodurch sie bei Wind leicht umknickten. Deshalb mussten auch „Wachstumshemmer“ eingebaut werden.
  • durch das Ammoniumnitrat (Stickstoff) werden die Wände der Pflanzenzellen aufgedunsen und dünn. Die Pflanze ist durch das „Turbowachstum“ geschwächt und anfällig für Krankheiten.
  • Durch die kurzen, sehr dicht beieinander stehenden Ähren wird zusätzlich die Entstehung von Pilzkrankheiten gefördert. Also mussten Fungizide her.
  • Durch die „modernen“ Monokulturen hatten Schädlinge ein Festmahl (ohne Feinde) vor sich, also mussten Insektizide her, usw.

Das Ende vom Lied sind Weizensorten, die sich prima von und in Maschinen verarbeiten lassen, aber weniger Eiweiß enthalten, als die alten Arten und auch der Mineralstoffgehalt ist gegenüber ökologisch intakten Böden reduziert.  Das heißt also, wir müssen mehr Weizen essen, um die gleiche Menge der Nährstoffe zu bekommen, die in den alten Sorten enthalten waren. Dafür bekommen wir aber Pestizidrückstände „gratis“ dazu ….

Ähnliche Zustände gelten für Gemüse und Obst:  2003 wurde in England ein Bericht veröffentlicht, der zu folgenden Ergebnissen kam: Zwischen 1940 und 1990 betrug der Verlust an Mineralstoffen bei Gemüse im Durchschnitt:  (die Vergleichswerte stammten aus einer Studie aus dem Jahr 1940  des Medical Research Councils, dessen Forschung später vom  britischen Landwirtschaftsministerium fortgeführt wurde)

  • -24% Magnesium
  • -46% Calcium
  • -27% Eisen
  • -76% Kupfer

Nach diesen Untersuchungen müsste man heute  z.B.  8-10 Tomaten essen, um die  gleiche Menge Kupfer aufzunehmen, als mit einer Tomate aus dem Jahr  1940*Das ist doch “Fortschritt”, oder nicht?

(* Quelle: „We Want Real Food“ / Graham Harvey, Chapter 4, page 52)

Fortsetzung folgt ….

Quellen: 

Earth Matters (GRAIN Report)

Millenium Assessment

Agroecology and the Search for a Sustainable Agriculture


Keep Dreaming: Illusionen aus Kopenhagen

NASA Wissenschaftler James Hansen schrieb kürzlich ein op-ed über den Emissionshandel als angebliche  “Klimaschutzmaßnahme”  in der New York Times. Darin hieß es u. a.:

„Weil  das “cap & trade System” durch den Handel mit Emissionsberechtigungen funktioniert, perpetuiert man in Wahrheit die Umweltbelastung, die angeblich dadurch reduziert wird. Wenn die Emissionen aller Verursacher unter die (kontinuierlich sinkende) Obergrenze fielen, würde der Preis der Emissionskredite kollabieren und die wirtschaftlichen Gründe für die Reduzierung der Emissionen würden verschwinden.“

Damit nicht genug, wird auch das so genannte „Offsetting“ (Aufrechnen oder „Neutralisieren“ von Emissionen) als Alternative zu echten Emissionssenkungen gefördert. Dazu gehören z.B. das Pflanzen von Bäumen auf brachliegendem Land oder das Verhindern der Abholzung eines bestehenden Waldes, wobei diese Aktionen in erster Linie in den Entwicklungsländern passieren. Doch es ist kaum zu überprüfen, ob diese tatsächlich stattgefunden haben und die große Armut und Verteilungsungerechtigkeit in den betreffenden Ländern lässt wenig Hoffnung, dass diese „Verrechnung“ mit ökologisch positiven Aktionen ohne gewaltige Korruption stattfinden wird. Außerdem stellt Hansen zu Recht fest, dass das Verzichten auf eine Waldrodung an einer Stelle ja den Bedarf an Holz nicht reduziert, so dass der Wald eben an einer anderen Stelle  abgeholzt wird.

Das ganze ist also eine Charade, ein riesiger Betrug. Ein Urteil, zu dem auch Johan Hari (hervorragender Journalist der britischen Zeitung THE INDEPENDENT) kommt:

Leaders of the rich world are enacting a giant fraud

Hansen weist auch darauf hin, dass die echte Führungsrolle bei der Gestaltung von Klimaschutzgesetzen (gemeint sind hier die USA, doch das gilt auch für die EU)  wieder einmal von den Lobbyisten übernommen wird, denn sie sorgen dafür, dass die Emissionsberechtigungen GRATIS verteilt werden und dass ein Großteil des Geldes, das mit dem Emissionshandel eingenommen wird, für absurde Projekte wie die Erforschung der „sauberen Kohle“ aufgewendet und so wieder die Verwendung fossiler Brennstoffe weitergetrieben wird.

BET AND WIN“ – MIT INDUSTRIEABGASEN

Der Gipfel des Wahnsinns ist aber, dass die Wall Street Spekulanten schon ganz scharf darauf sind, eine neue, gigantische  Blase aus Derivaten zu erzeugen, diesmal ist die Wertbasis eben nicht eine Immobilie (bzw. das aufgeblasene Darlehen dafür) sondern das Kohlendioxid (je Tonne)  wird als solche  gehandelt. Man kann sich vorstellen, wie sich perverse Praktiken wie „naked short selling“ (Verleih bzw. Verkauf von Phantompapieren)  auf diese Preise auswirken werden …

Diesen Irrsinn beklagt auch ein Report der Umweltorganisation „Friends of the Earth mit dem passenden Titel: A Dangerous Obsession: Man muss sich vorstellen, dass die ursprüngliche Idee davon ausgeht, dass nur Betroffene diese Emissionsrechte kaufen bzw. verkaufen.

In der realen (perfiden) Welt der Finanzmärkte und Terminbörsen läuft das Spiel natürlich völlig anders: Die Zertifikate werden selbst zur begehrten Handelsware, denn ihre Preise (fiktiven Werte) können natürlich manipuliert werden (z.B. durch Leerverkäufe, betrügerisches Offsetting, etc.). Das Handeln mit diesen Papieren wird also nicht von den betroffenen Emittern oder unabhängigen Prüfstellen kontrolliert, sondern von Akteuren beherrscht, die nur zum Zweck der Bereicherung daran teilnehmen.  Bereits jetzt gibt es mehr als 80 „Kohlenstoff-Investment“ Fonds, die mehr als 13 Milliarden Dollar verwalten und täglich Transaktionen von Millionen Dollar abwickeln. Wie bei den existierenden Derivaten, ist auch hier Transparenz und Kontrolle reines Wunschdenken, denn die Banklobbyisten sorgen stets dafür, dass jeder Versuch, sie zu kontrollieren, im Keim erstickt wird.

Der größte Umschlagplatz für Emissionspapiere ist natürlich die EU. Mehr als 80% der „Kohlenstoff-Kredite“ und ca. 75% des globalen Wertvolumens werden hier gehandelt. In den USA gibt es bisher nur ein kleines Schema, an dem 10 Bundesstaaten teilnehmen, doch ein Gesetz für eine bundesweite Regelung hat schon die erste Hürde (Repräsentantenhaus) genommen (Waxman-Markey American Clean Energy and Security Act)

International gilt das IET: (International Emissions Trading) für alle Unterzeichner des Kyoto Protokolls, doch die „Vereinbarung“ enthält viele Schlupflöcher, die die Verantwortung für Kohlenstoffemissionen teilweise ad absurdum führen.

Jedes Land bekommt eine „Menge“ an CO² zugeteilt, die es nicht überschreiten darf. Erreicht man weniger Emissionen, kann man die überschüssigen Papiere an andere Länder verkaufen. Überschreitet man die zugewiesene Menge in einem Jahr, wird erwartet, dass dies im nächsten Jahr ausgeglichen wird und man muss eine „Strafe“ zahlen.

WIE FUNKTIONIERT DAS EU ETS?

Das im Jahr 2005 unterzeichnete Abkommen betrifft mehr als 11.500 energieintensive Unternehmen innerhalb der EU. Darunter sind Kraftwerke, Ölraffinerien, Kokereien, Stahlproduktion bzw. Metallindustrie, Fabriken für Zement, Glass, Ziegel, Keramik, Papier und Pappe, etc. Zusammen stellen diese Betriebe etwa 42 % der EU Emissionen dar, die insgesamt rund 4 Milliarden Tonnen CO²  pro Jahr ausmachen.

Rund 800 Unternehmen sind für mehr als 60% der Emissionen verantwortlich und man schätzt, dass etwa 55% der Emissionsrechte von den Energieversorgern gehalten werden.

Das Kyoto-Abkommen wurde von der EU (als Einheit) unterzeichnet und damit sind die Mitgliedsländer verpflichtet, insgesamt 8% weniger CO² zu produzieren als 1990 und zwar im Zeitraum von 2008-2012 (durchschnittlich ca. 5% pro Land)

Die Verantwortung für die Erreichung dieses Ziels ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt, sondern im so genannten „Burden-Sharing agreement“ geregelt. Jedes Land bekommt eine bestimmte Menge (AAUs) Emissionen zugeteilt, jeweils für eine Tonne CO² bzw. ein Äquivalent. Jedes Mitgliedsland kann einen Teil der Zertifikate als handelbare „allowances“ (EUA) an energieintensive Betriebe übergeben (diese Zuteilung wird von der EU Kommission abgesegnet).

Einmal im Jahr (im März) werden die beteiligten Unternehmen überprüft: Haben sie ihre Emissionen gesenkt oder nicht? Die große Frage ist natürlich, wer kontrolliert das und wie stellt man sicher, dass diese Prüfer unabhängig sind? Woher kommen diese „Auditoren“ (IAV)?

Wurde der Ausstoß reduziert, kann der Betrieb überschüssige EUA verkaufen oder auf „Lager“ halten, bis der höchste Preis erzielt wird. Dann gibt es noch „zertifizierte Emissionsreduzierungen“ (CER) und Kredite für „Offsetting“, also ein Aufrechnen von klimafreundlichen Maßnahmen (oft tausende km entfernt und kaum überprüfbar) an einem anderen Ort. Wie man berechnen, geschweige denn beweisen kann, dass diese Maßnahmen (so sie denn wirklich stattfinden) einer bestimmten CO² Reduzierung  (in % oder Tonnen) entsprechen, ist an sich eine sehr dubiose Sache. Das ganze ist wohl nur eine PR-Inszenierung, die vorgaukeln soll, man tue wirklich etwas …

Nach Angaben der FSA (UK) wurden Anfang 2008 täglich etwa  7,6 Millionen Tonnen an der ECE (Klimabörse) gehandelt (in Form von Optionen, Futures, etc.), das ist ein Anstieg um fast 200% gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt wurden 2008  mehr als 3 Milliarden EUA gehandelt, was einem Gesamtwert von etwa 67 Milliarden Euro entspricht.

FUNKTIONIERT DER „KOHLENSTOFF-MARKT“ WIRKLICH?

Dazu eine klare Antwort: NEIN. Die Architekten des bestehenden „Cap & Trade“ Systems können ihre Versprechungen nicht halten. Die effektive Senkung der Emissionen ist eine Fiktion (was man ja wohl auch schon vorher wusste, das ganze Theater ist eine PR-Show und könnte unter dem Titel „The Great Reduction Hoax“ laufen – siehe dazu auch den o.a. Artikel von Johan Hari)

Ohne den Emissionshandel wäre wohl gar keine „Reduktion“ (die ohnehin nur auf dem Papier existiert) erkennbar und damit steht Europe fast auf gleicher Stufe wie die USA: messbarer Erfolg praktisch Null.

Zwar gab es 2008 eine leichte Abnahme bei den Emissionen, aber die ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen und nicht auf die Effektivität des Emissionshandels.

Woran liegt es?

(1)    Die Grenzwerte sind zu hoch, wodurch automatisch zu viele Emissionsrechte vergeben wurden, das zeigte sich auch in einem dramatischen Preisverfall in der „Phase I“  zwischen 2005 – 2007.  (siehe dazu auch Hari über die der UDSSR zugeteilten Rechte und ihr anschließender Kollaps in den Anarchokapitalismus unter Jelzin, wodurch natürlich die industrielle Produktion zusammenbrach, die Emissionsrechte hätten also reduziert werden müssen, stattdessen wurden sie verscherbelt …)

Obwohl die Grenzwerte in der Phase II gesenkt wurden, gibt es noch immer zu viele Zertifikate auf dem Markt. Dies sorgte zusammen mit der Kontraktion der Wirtschaft durch die Finanzkrise für einen weiteren Preisverfall (Februar 2009: 8 Euro pro Tonne, das ist ein Verlust von 70% gegenüber dem Höchststand im Juli 2008) Es gibt Schätzungen, wonach mehr als 700 Millionen (Tonnen) überschüssige Emissionsrechte vorhanden sind. Diese „heiße Luft“  im System sorgt dafür, dass man sie billig kaufen kann, ohne echte Anstrengung, die eigenen Emissionen zu senken.

(2) Das „Offsetting“ (Neutralisieren) ist ein gigantischer Betrug.

Im Rahmen des „Clean Development Mechanisms“ (CDM) dürfen nur solche Maßnahmen (hauptsächlich in Entwicklungsländern) eingerechnet werden, die zusätzlich ergriffen werden (nicht ohnehin von der Regierung geplant waren). Doch wie kann man das überprüfen?

Der CDM Ausschuss ist stark unterbesetzt und deshalb auf Dritte angewiesen, wenn es um die Prüfung des behaupteten klimafreundlichen Projekts geht.  In der Praxis heißt das, dass die Kontrolleure von den Projektbetreibern bezahlt werden, was natürlich ein massiver Interessenkonflikt ist. CDM Investoren drängen auf rasche Abwicklung um die Transaktionskosten zu minimieren und so gibt es so gut wie keine neutrale Kontrollinstanz.  Aber damit nicht genug, führen solche Systeme natürlich auch zu „Anreizen“, die kriminelle Energien befördern, also ein Betrug lukrativ ist.

International ist die Lage noch schlimmer: Die Kohlendioxidemissionen nehmen weltweit zu, die Zuwachsrate  betrug seit 2000 mehr als  3%, während sie in den 1990er Jahr etwas mehr als 1% ausmachte., der Trend ist also eindeutig steigend. Das kann niemand verwundern, angesichts des immer noch vorherrschenden Wachstumskultes.  Diese Entwicklung hat selbst  die intensivsten Berechnungen des IPCC noch übertroffen, (A1F1 Scenario) das von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2,4 – 6 Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts ausgeht.

Quelle: Raupach, M R et al 2007: Global and regional drivers of accelerating CO2 emissions. PNAS, vol. 104:24, p.10288-10293.

Hansen schlägt eine bessere Alternative vor: „Gebühr und Dividende“. Bei dieser Variante würde eine langsam steigende „Kohlenstoffabgabe für jede eingeführte Einheit Kohl, Öl oder Gas anfallen (eine Art Einfuhrzoll bzw. Karbon-Strafsteuer bei eigener Erzeugung). Dadurch würden natürlich die Preise (fast) aller Produkte steigen und zwar umso mehr, als Kohlenstoffemissionen bei ihrer Erzeugung anfallen.

Diese Einnahmen müssten (nach meiner Ansicht) natürlich in den Ausbau der alternativen Energiesysteme fließen und jegliche Subventionen für die fossilen und atomaren Energieträger müssen gestoppt werden. Damit würde die Wettbewerbsverzerrung im Energiesektor endlich zugunsten klimafreundlicher und ökologisch akzeptabler Systeme umschwenken und nicht länger den Status Quo der etablierten „Fossilien“ (gemeint sind die CEOs der Energieunternehmen  und ihre politischen Freunde) erhalten.

Hansen weist auch an einem praktischen Beispiel darauf hin, wie unsinnig  „cap & trade“ ist: Sagen wir mal, Sie kaufen ein kleines, sparsames Auto. Das reduziert natürlich ihre persönlichen CO²-Emissionen, aber nicht die Ihres Landes. Stattdessen erlaubt es jemand anderem,  ein größeres Auto zu kaufen, weil die Grenze der Emissionen ja schon festgelegt ist und ein Unterschreiten nicht belohnt wird. In einem „Gebühr und Dividende“ System würde jede Aktion, die der Reduzierung von Emissionen dient, belohnt und damit attraktiv für die Nachahmung, wodurch die Werte immer weiter nach unten gingen. Die Vermeidung von Kohlenstoffemissionen würde sich also lohnen und so würden die fossilen Energieträger sich Schritt für Schritt selbst als unrentabel eliminieren.

Doch das allein ist natürlich keine Lösung für das viel größere Problem: Wer steuert die industrielle Produktion insgesamt? Wer bestimmt also, was produziert wird? (Diese Frage stellte auch schon E.F. Schumacher in seinem Klassiker „Small is Beautiful“)

Der „Markt“ hat sich als 100%iger Flop erwiesen, da er  (vor allem seine dominanten Akteure) jegliche Verantwortung für soziale und ökologische Schäden ignoriert (bzw. „externalisiert“) und die „Leistung“ der Führungsetagen nur am erzielten (kurzfristigen) finanziellen Profit gemessen wird.

In einer Gesellschaft,

  • die von Kapitalinteressen beherrscht wird, ist es die höchste Pflicht jedes Managers oder Vorstandsvorsitzenden, die „Anleger“ zufrieden zu stellen, sprich die Dividenden und Gewinne  jährlich zu steigern. Wie es z.B. der Deutschen Bank gelingen konnte, zweistellige Renditen zu erzielen, während die reale Wirtschaft bei 1,2 oder 3% dahindümpelte, hat sich offenbar niemand gefragt, und der Betrug geht weiter …. (dank AIG bailout money und neuen Bilanzierungsregeln…)
  • die vom Kult des ewigen „Wachstums beherrscht wird, ist es absurd über „Klimaschutz“ zu diskutieren, denn die Klimaproblematik ist ja nur ein Symptom dieser „Krankheit“; Wachstum ist ein Begriff aus der Biologie und hat in der Wirtschaft eigentlich nichts verloren. Wachstum bedeutet einen Zyklus von Geburt, Reife, Alter und Tod, wobei ein Fließgleichgewicht im System erhalten werden muss. Alle lebenden Systeme haben ein Prinzip der Selbstbeschränkung und Selbstkontrolle, das notwendig ist, damit das übergeordnete System (als Lebensgrundlage) erhalten werden kann (Mehr zum ökologischen Aspekt im nächsten Beitrag )

Wenn die Beschränkung des Wachstums gestört ist, kommt es zu Wucherungen: die Krebszelle zeigt klar, dass diese scheinbare „Überlegenheit“ im Wettbewerb mit anderen Zellen, zum bitteren Ende führt: der Organismus wird schließlich zerstört und somit auch die „erfolgreiche“ Krebszelle. Da die wirtschaftliche Produktion in den natürlichen Produktionskreis eingebettet ist, kann sie die ökologischen Regelkreise nicht einfach ignorieren bzw. längerfristig sabotieren, ohne dass am Ende die Rechnung präsentiert wird.  Kurz gesagt:  endloses Wachstum IST das Problem, nicht die Lösung. Wie Frederic Vester („Wer steuert den Steuermann?“) so beeindruckend in seinen Büchern gezeigt hat, ist der Mensch ein ziemlicher Idiot, wenn es darum geht, systemisch zu denken. Ein ähnliches Zeugnis stellten auch Herbert Gruhl und Erich Fromm schon vor dreißig Jahren aus. Doch die Politik hat nichts dazu gelernt, im Gegenteil (siehe das bekloppte  „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“….)

  • in der die klassischen Wirtschaftstheorien wenig mit beweisbarer Wissenschaft zu tun haben, sondern mehr mit Ideologie und Festhalten an einem Dogma, kann man nicht erwarten, dass „führende“ Wirtschaftsinstitute der „Religion“ abschwören und das Dogma der market society stürzen. Im Gegenteil, selbst nach mehreren schweren Finanz- u. Wirtschaftskrisen hält man an der heiligen Dreifaltigkeit fest und versucht mit der selben Denkweise, die uns in den Abgrund führt, die gewaltigen Probleme zu lösen. Das kann nicht funktionieren.

Deshalb ist es auch sinnlos, Leute wie Herrn Sinn ständig in Talk-Shows einzuladen. Wir brauchen Dissidenten, wirtschaftliche Häretiker wie Gruhl, die endlich klarstellen, dass der bisherige Kurs ein völliger Schwachsinn ist, wenn man endlich die überlebenswichtigen systemisch relevanten Parameter  bei der wirtschaftlichen Erfolgsbilanz  mit einbezieht.

Dass Unternehmen auch Teil eines sozialen und ökologischen Systems sind, wird völlig ausgeblendet. Man spricht nur von „Wettbewerb“ (der Skrupellosigkeit) und „Wachstum“.  Doch worum dreht sich der Wettbewerb? Wer bestimmt, welche Kriterien den Erfolg eines Unternehmens ausmachen? Die Finanzoligarchen (à la Deutsche Bank), die ihre „giftigen“ fiktiven Vermögenswerte auslagern und in großem Stil die Bücher manipulieren (“mark to myth“)?

Bereits im alten Griechenland wusste man zu unterscheiden zwischen einer Ökonomie für den Gebrauch (die nützliche Dinge produziert) und einer „Bereicherungskunst“, also Wirtschaften für den Profit, die als „widernatürlich“ angesehen wurde (jedenfalls bei Aristoteles). So gesehen gibt es heute keine echten Ökonomen, die „haushalten“, sondern „Chrematisten“, besonders seit der Übernahme der Welt durch das Wirtschaftscredo der „Chicago Boys bzw. die „Liberalisierung“ der Finanz- und Kapitalmärkte haben sie die Oberhand gewonnen und selbst wenn ihre perfiden Wett-Spiele die ganze Welt in Gefahr bringen, werden sie von der Gesellschaft „als systemrelevant  gerettet“.  Das ist eine Farce der besonderen Art.

Haben unsere Medien eigentlich schon begriffen, was hier gespielt wird? Die Billionen, die man zur „Rettung der Banken“ aufgewendet hat, kommen ja gleichzeitig von den Banken, denn der Staat hat ja das Geld nicht (und kann auch selbst keines „drucken“, wie viele glauben). Er muss also seine bereits hohen Schulden bei den Banken in astronomische Höhen treiben, damit er sie dann damit „retten“ kann. Einfach genial, oder?

In dem Klassiker von Hyman P.Minsky (Stabilizing An Unstable Economy) steht ein sehr simpler, aber fundamentaler Satz:

Banks are not money-lenders. They lend money they do not have.“ (Geld, das gar nicht existiert, sondern erst in Form von “Schulden” generiert wird …)

Dazu gibt es ein sehr anschauliches Video (eigentlich zwei): Money as Debt (I und II (in Englisch))

Die hiesigen, banalen Medienkommentare zu Kopenhagen sind ein weiteres Indiz für den zunehmenden Trend des „Kindergarten-Journalismus“. Man arbeitet die üblichen „Talking Points“ ab (z.B. Platitüden über China, USA, Frust der ärmeren Länder, Obama’ Rolle, etc.) aber der größere Kontext fehlt völlig.

Die Wirtschaftspolitik muss so radikal umgekrempelt werden, dass ein „Paradigmenwechsel“ schon ein Understatement ist. Wachstum und Wettbewerb sind gefährliche und dumme Schlagwörter, deren Sinn und Auswirkungen kein Journalist mehr hinterfragt, doch darin liegt die Wurzel der großen Probleme (bei Verharren im bisherigen Kurs eine Art kollektiver Selbstmord in Raten), die wir bewältigen müssen.

Normalizing the Abnormal:

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Darstellung der gegenwärtigen „Wirtschaftspolitik“ nichts anderes ist, als die Präsentation des Irrationalen, des Irrsinnigen und Krankhaften als vernünftiges Verhalten, das auch noch„Dividende“ abwirft und sich Wörter wie „zukunftsfähig“ gestattet.

Ein schönes Beispiel dafür gab es kürzlich im deutschen Fernsehen. Zuerst zeigte man in der Sendung „Kontraste(ARD), dass der neue „Umweltminister“ Jürgen Röttgen dem gefährlichen, alten Atomreaktor in Biblis einen Persilschein erteilte, obwohl die Probleme mit den minderwertigen Stahlrohren im Kühlwassersystem nicht gelöst wurden und ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

(Anmerkung:  der Link zum Video auf der Homepage von „Kontraste“, ja der ganze Beitrag („Röttgen verhindert Aufklärung“ -Sendung vom 3.12. als Follow-Up)  ist verschwunden – interessant, nicht?)

Wenn man kurz darauf zum ZDF „zappte“, sah man Herrn „Röntgen“  bei Maybrit Illner sitzen, lächelnd, gutmütig dreinschauend,  der „Schwiegersohn“-Typ eben, wo er vom „Energieberater“ der Bundesregierung als Ausnahmepolitiker bezeichnet wurde, weil er sich (im „Gegensatz zu normalen Politikern“) um das Schicksal zukünftiger Generationen Sorgen mache, weil er eben weiter denke als andere, also ein hohes Verantwortungsbewusstsein habe, etc. (weshalb er wohl auch einen der berüchtigtsten Atomlobbyisten als zuständigen Leiter des Bereichs  „Reaktorsicherheit“ ernannte …)

Das war einer der seltenen Momente, wo politische Heuchelei  zur Realsatire wird.

Aber auch der „mündige Bürger“ bietet sich als großartiger Satirestoff an,  so wie heute in Bayern 2, als ein Hörer in der Sendung „Notizbuch“ anrief (Thema: Wechsel des Stromanbieters. Er erkundigte sich nach einem „Tarif“, in dem der Strom ausdrücklich nicht aus „alternativen“Energiequellen stamme (er wollte also nur Kohle und Atom), denn diese seien doch „nur hoch subventionierte Arbeitsplatzbeschaffung“  die nur die Stromkosten verteuerten …

Angesichts der Tatsache, dass die Subventionen für Kohle und Atom etwa fünf mal so hoch sind, als jene für erneuerbare Energien, und die gesundheitlichen und ökologischen Schäden dieser Energiegewinnung enorm, kann man nur mehr George Orwell anrufen:

Ignorance is Strength. Freedom is Slavery.

Oder lassen wir doch Albert Einstein auch  das Schlusswort:

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.