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Grass und die ThinkPol (Teil 2)

Ich muss noch einmal auf das Interview zurückkommen, dass Tom Buhrow für die ARD mit Günter Grass geführt hat, weil es einige, sehr aufschlussreiche (für ThinkPol „verräterische“) Passagen enthält:

Buhrow wirft Grass Anmaßung vor, denn er tue „ein bisschen“ so, als ob er der einzige sei, der „das Tabu des Schweigens [über die Atomwaffen Israels] bricht“. Grass antwortet darauf so:

Vielleicht irre ich mich, aber dass ich die Atommacht [Israel] so beim Namen nenne,  [glaube ich] das kommt nicht sehr häufig vor …. das wird in Israel verschwiegen. Hier wird das Schweigen darüber „nachgeplappert“.

Buhrow:Die Regierung bestätigt es nicht in Israel, aber die Bevölkerung redet darüber …  Wir hatten gestern ..äh ..   eine Stimme aus einer Redaktion in den Tagesthemen, der sagte: Wir sind seit langer Zeit Atommacht, aber wir haben das aber nie eingesetzt, da sieht man doch, dass wir das wirklich nur zur Abschreckung haben“.

Dieses Statement von Buhrow ist äußerst bemerkenswert, aus zwei Gründen:

1) Die Wortwahl:

Er spricht (nach kurzem Zögern) von „einer Stimme“ in der Redaktion (wem gehörte diese?), die uns wieder einmal demonstrieren soll, dass Israel doch nur seine „Sicherheit“ verteidigen muss. Der Besitz von Atomwaffen (ohne jegliche Kontrolle durch die IAEA) diene doch nur der „Abschreckung“. Buhrow zitierte diese „Stimme“ so:

Wir haben das nie eingesetzt […]“. Stellt man sich eine Runde unabhängiger Journalisten an einem Tisch vor, die über Israel diskutieren, so kommt man wohl kaum auf die Idee, einer von ihnen würde einen Satz mit „wir“ beginnen. Die Person, die dieses Statement gemacht hat, muss also entweder aus Israel stammen (unwahrscheinlich) oder für die israelische Regierung argumentieren, also z.B. einer pro-israelischen Lobbygroup angehören.

Frage: Was macht eine solche Person in der Tagesthemen-Redaktion? Wieso nennt Buhrow nicht ihren Namen, wenn es nichts zu verheimlichen gibt? Wer nimmt hier Einfluss auf die Redaktion und soll anonym bleiben?

2) Die „Logik“ der Abschreckung  („Framing“ für Fortgeschrittene …)

Buhrow präsentiert hier also den Besitz von Atomwaffen als Notwendigkeit, um sich vor aggressiven Feinden zu schützen. Damit festigt er wieder das (falsche) Bild vom armen, keinen Israel, das von bösen Nachbarn [Iran] bedroht wird.

Frage 1: Wenn meine Atomwaffen (nur) der Abschreckung dienen, warum halte ich das Programm dann offiziell geheim? Ja ich gehe sogar soweit, Israelis, die darüber sprechen, jahrelang ins Gefängnis zu werfen? Das macht doch keinen Sinn, wenn ich will, dass meine „Feinde“ vor mir zittern sollen? (Was viele ohnehin schon wegen meiner Skrupellosigkeit und Selbstgerechtigkeit tun)

Frage 2: Wer (welche Regierung) ist so dämlich, ein Land anzugreifen, das extrem militarisiert ist, von fanatischen Zionisten regiert wird und Atomwaffen hat?

Ein Land, das noch dazu unter dem Schutz des „großen Satans“ steht (der gewaltigen Militärmacht der USA). Ein Land, das sich seit Jahren systematisch Verbrechen begeht, aber nie von der „internationalen Gemeinschaft“ zur Rechenschaft gezogen wird?

Jede Regierung, die ein solches Land angreifen würde, hätte damit automatisch ihr eigenes Todesurteil unterschrieben und wohl auch das (eines Großteils) ihrer Bevölkerung.

Hier zeigt sich bereits, wie absurd die „Israel muss sich vor Iran fürchten“ Inszenierung ist, die man in den Medien seit Jahren aufgebaut hat um uns die Führung in Teheran als „Bedrohung für den Weltfrieden“ einzuhämmern.

Wenn man sich die realen geopolitischen Verhältnisse anschaut, wird klar, dass hier eine gigantische Gehirnwäsche stattgefunden hat und unsere Medienschafe auf die gleichen Tricks hereinfallen (ja sich selbst dafür instrumentalisieren lassen), die man anwendete, um den Irakkrieg zu legitimieren.

Ein Mann (damals Saddam Hussein, heute Ahmadinejad bzw. Assad ) wird als Personifizierung des Bösen in den Köpfen etabliert, laufend werden „Greueltaten“ oder „brutales Niederschlagen friedlicher Demonstrationen“ in den Nachrichten erwähnt, die unseren edlen NATO-Ritter nicht mehr ruhig schlafen lassen (während sie selbst zur Destabilisierung dieser Länder aktiv beitragen): da müssen wir doch wieder einmal einem unterdrückten Volk „zu Hilfe kommen“ und wenn dieses Monsterregime dann auch noch Israel „bedroht“ (eine eklatante Verdrehung der Tatsachen), dann werden alle Register gezogen, um der schon lange geplanten „regime change“ Orgie im Nahen Osten bzw. in strategisch wichtigen Ländern Afrikas (Libyen, Somalia, Mali, Sudan, etc.) zur  endgültigen Umsetzung zu verhelfen.

Aber dieser Ahmadinejad ist doch irre, oder nicht? Diese Ayatollahs, diese wahnsinnigen „Islamisten“ sind doch zu allem fähig, das will man uns doch seit „9/11“ ins Hirn brennen, damit wir, ähnlich wie die Pawlow‘schen Hunde, schon beim Konsum der „Nachrichten“ stressauslösende Drüsensekrete produzieren, anstatt darüber nachzudenken, welche Form des „Wahrnehmungs-Managements“ uns hier aufs Auge gedrückt wird.

Gut informierte Leute, die sich beruflich mit Staatssicherheit beschäftigen, sind da anderer Ansicht: So sagte General Martin Dempsey, der ranghöchste Offizier der USA in einem Interview :

We believe we know that the Iranian regime has not decided that they will embark on the effort to weaponize their nuclear capability. […] . And we are of the opinion that the Iranian regime is a rational actor. And it’s for that reason, [..]  that we think the current path we’re on is the most prudent at this point.”

Dempsey und sein Expertenstab glauben also, dass die iranische Führung ein “rationaler Akteur” ist, nicht jene groteske Karikatur des wütenden Demagogen, der mit Schaum vor dem Mund nur darauf wartet, Israel „von der Landkarte zu fegen“. Dieses absurde Bild von Ahmadinejad haben die Medien ja seit Jahren mittels „framing“  und „confirmation bias“ in die Köpfe der Zuschauer eingepflanzt, damit die „Unberechenbarkeit“ des Regimes in Teheran als Kontrast zum „vernünftigen“ Israel dargestellt werden kann (das sich – natürlich wieder nur – „verteidigen“ muss).

Die Reaktion Israels auf diese non-compliance des US-Generals? Barak und Netanyahu beschimpften Dempsey  und nannten ihn „einen Diener“ des Irans (womit man ihn implizit als „Verräter“ hinstellte). Doch statt Empörung über diese Beleidigung eines verdienten Offiziers (in den USA) wurde Dempsey nach Israel geschickt: Dort folgte die übliche Mea Culpa Show: Dempsey musste nach Israel reisen und in Yad Vashem feierlich geloben, dass er einen „zweiten Holocaust“ [durch den Iran] niemals zulassen werde.

Doch Dempsey steht nicht alleine da: alle  Nachrichtendienste der USA haben in ihren „NIEs“ (National Intelligence Estimates) wiederholt den Schluss gezogen, dass der Iran seine Bemühungen für ein  Atomwaffenprogramm eingestellt hat und auch der langjährige Verteidigungsminister der USA, Robert Gates war überzeugt, dass Iran keine „Gefahr für den Weltfrieden“ darstellt, selbst wenn er nach Atomwaffen trachten sollte:

(Auszug aus dem Confirmation Hearing  – Fragen von Republican Senator Lindsay Graham (am Ende) – zuerst in deutsch, dann engl. Originalfassung)

(Gates antwortet auf die Fragen von Senator Byrd, ob er einen Angriff der USA auf Syrien oder Iran befürworte, mit Nein und warnt vor den verheerenden Folgen in der ganzen Region …)

GRAHAM: „Glauben Sie, dass die Iraner diese Nuklearwaffen [für einen Erstschlag] gegen Israel in Erwägung ziehen würden?“

Do you believe the Iranians would consider using that nuclear weapons capability against the nation of Israel?

GATES:Nein, das glaube ich nicht, Senator. Ich denke, die damit für Sie verbundenen Risiken sind enorm hoch. Ich denke, Sie sehen den Wert ….“ (wird von Graham mitten im Satz unterbrochen)

I don’t know that they would do that, Senator. I think that the risks for them obviously are enormously high. I think that they see value—

GRAHAM: „Wenn Sie erlauben? Der Präsident des Iran hat öffentlich die Existenz des Holocaust geleugnet, er hat öffentlich gesagt, er wolle “Israel von der Landkarte fegen”. Glauben Sie, er scherzt nur?“ [es ist offensichtlich, dass Lindsay über die Antwort von Gates nicht erfreut ist …und ihn in die Defensive treiben will]

If I may? .. The president of Iran has publicly disavowed the existence of the Holocaust, he has publicly stated that he would like to wipe Israel off the map. [unwahre Behauptung]  Do you think he’s kidding?

GATES: „Nein, ich glaube nicht, dass er nur scherzt, aber ich glaube, dass es in der Tat höhere Mächte im Iran gibt, als ihn, den Präsidenten. Und ich denke, … obwohl sie nach meiner Ansicht danach trachten, eine Atommacht zu werden, so geschieht das doch in erster Linie zur Abschreckung. Sie sind umzingelt von Staaten mit Atomwaffen – Pakistan im Osten, die Russen im Norden, die Israelis im Westen und uns im  Persischen Golf …“

US Militärbasen umzingeln Iran

(Graham unterbricht noch mal, weil Gates Argumentation (die völlig rational, ehrlich und realistisch ist) ihm gar nicht gefällt: sein Job ist es offenbar, sich als „Freund Israels“ (Spenden für Wahlkampf) dadurch zu profilieren, dass er den Iran als „unberechenbare existentielle Gefahr“ für Israel darstellt und damit einen Präventivschlag rechtfertigen soll. Also darf das Wortgefecht nur so ausgehen:

Graham: Können Sie den Israelis garantieren, dass ein Iran mit Atomwaffen sie  nicht angreifen wird?

Gates: Nein, Senator, das kann wohl niemand.

Halten wir also nochmal fest:  Es gibt keinerlei Beweis, nicht einmal echte Indizien dafür, dass Iran tatsächlich ein Atomwaffenprogramm hat.

Die Entscheidung über ein solches Programm würde aber in jedem Fall  nicht der „Bösewicht“ Ahmadinejad treffen, sondern der Supreme Leader Ali Khamenei, der auch die militärische Führung des Landes ernennt. Doch die geistliche Führung des Landes sprach sich schon in der Vergangenheit vehement gegen Atomwaffen alsWerk des Teufelsaus.

Nehmen wir aber trotzdem an, die iranische Führung sei zu dem Schluss gekommen, dass nur der Besitz eigener Atomwaffen verhindern kann, dass der globale Hegemon, die USA und seine ehrlosen Verbündeten im Nahen Osten (Israel, Saudi Arabien, Bahrein, Qatar, und „client states“ wie Irak, Jordanien und Ägypten, etc.) das Land unter einem Vorwand überfällt und ebenso zerstört wie Libyen oder Irak. (Wer strategisch wichtige Ressourcen hat und sich weigert, nach der Pfeife Washingtons zu tanzen (siehe meine Beiträge THE BIG LIE), kann schon mal den Sarg bestellen.

Das hat ja auch Gates klar gesagt: Iran ist von Atommächten umzingelt. Es wäre also eine Art „Lebensversicherung“, wenn sich Teheran Nuklearwaffen als „Abschreckung“ zulegte.

Noam Chomsky zitierte unlängst auch den CIA-Veteran Bruce Riedel mit den Worten „ Wenn ich ein Planer für die Nationale Sicherheit Irans wäre, würde ich auch Atomwaffen zur Abschreckung wollen“.

Damit kommen wir zur “Logik” Israels zurück, auf die sich Buhrow wohl berief, als er das israelische Atomwaffenprogramm verharmlosen und – eben als „Abschreckung“ legitimieren wollte.

Doch warum darf Iran nicht das gleiche Argument benutzen?

Warum spielen sich ausgerechnet jene Länder als Moralapostel auf, die selbst Atomwaffen haben, sie aber anderen verbieten wollen?

Die Antwort liegt wohl auf der Hand: es geht um regionale Macht, nicht darum, die Welt vor einer iranischen „Bedrohung“ zu retten (mehr zu den geopolitischen Hintergründen im nächsten Teil).

Wir haben ja gesehen, dass hochrangige US-Politiker und Generäle (die über mehr Informationen verfügen als wir), Iran nicht als Aggressor einstufen, was ja auch die Geschichte beweist.

Auf einer Liste aller Staaten, die nach ihrer militärischen Aggression (Neigung, Kriege zu beginnen) bewertet werden, steht Iran ganz unten, die USA und Israel jedoch ganz oben …)

Dass Grass Israel als „Bedrohung für den Frieden“ hinstellt, hat viele wütende Kommentare hervorgerufen. Doch er ist damit in bester Gesellschaft, denn die Mehrzahl der Europäer (und der Menschen in der arabischen / muslimischen Welt ) ist der gleichen Meinung, wie eine Umfrage der EU-Kommission aus dem Jahr 2003 ergab.

59% der Europäer (66% wenn man höhere Schulbildung als Kriterium miteinbezieht) antworteten auf die Frage:

Stellen die folgenden Länder eine Bedrohung für den Weltfrieden dar (oder nicht)?

The chickens have come home to roost

Die Empörung der „Freunde Israels“ war natürlich gewaltig: So etwa vom Simon Wiesenthal Center, das sich „geschockt“ über die „Dämonisierungskampagne der EU-Führung und der Medien gegen den Staat Israel und seine Unterstützer beschwerte und eine scharfe Protestnote bei Romano Prodi einreichte (mit gleichzeitiger Aufforderung an die anderen „Empörten“, das Gleiche zu tun)

„Diese schockierenden Ergebnisse, dass Israel die größte Bedrohung für den Weltfrieden sei, schlimmer als Nordkorea, Iran und Afghanistan, entziehen sich jeder Logik und zeigt als rassistisches Hirngespinst, wie tief der Antisemitismus in der europäischen Gesellschaft eingebettet ist … heute mehr als in jeder Periode nach dem Krieg“

sagte Rabbi Marvin Hier, der Gründer des Zentrums.

Die Schlussfolgerung: Die EU solle in Zukunft keine Rolle mehr im „Friedensprozess“ des Nahen Ostens spielen …“

Da der “peace process” ohnehin nur eine Farce ist, und die EU nicht den Mumm hat, Israel mit Sanktionen zu drohen, stattdessen kriecht man der israelischen Regierung in den ….. …. (wegen der “moralischen Verpflichtung), kann man über diese “Forderung” nur lachen …

Alte Weisheiten .. wieder aufgewärmt … Juni 1948 (wenige Wochen nach der Staatsgründung Israels):

” the Americans are responsible for the creation of a gangster state headed by “an utterly unscrupulous set of leaders …”.

Sir John Troutbeck (Brief an den britischen Außenminister Ernest Bevin)

Fortsetzung folgt …

Grass und die Denkpolizei (Teil 1)

1)      Der Zionismus war niemals an Friedensbedingungen interessiert, die die Palästinenser wirklich akzeptieren konnten.

2)      Die westlichen Regierungen werden NIEMALS Druck auf die zionistische Führung ausüben, sie für ihre Verbrechen zur Rechenschaft ziehen, es sei denn, sie werden von informierten Bürgern dazu gedrängt, durch eine aktive Demokratie.

3)      Die Bürger sind falsch informiert, einer Gehirnwäsche unterzogen worden, Presse und Politik haben nicht den Mut, sich mit den Zionisten anzulegen [der Schuldkomplex aus dem Holocaust wird dazu missbraucht, ihr Schweigen sicherzustellen]

(Politische Realitäten lt. Historiker Ilan Pappe bei einem Vortrag über die Geschichte Israels)

 

Günter Grass befindet sich also im Visier der zionistischen Sprachpolizei, die seit Jahren die deutschen Medien beherrscht. „Thinkpol“, die Denkpolizei, so nannte es George Orwell in seinem Buch „1984“.

Diese Variante von Thinkpol arbeitet nicht mit sichtbarer Gewalt, wie man es aus autoritären Regimen kennt, sondern wesentlich effektiver, weil viele Akteure (vor allem in den Medien) gar nicht merken, dass ihre Wahrnehmung über die Absichten des Staates Israel erfolgreich manipuliert wurde. Andere nehmen zwar die Einschüchterung wahr, haben aber nicht den Mut, über den „electrical fence“ (Nick Davies) zu steigen.

Dank ThinkPol muss Günter Grass einem prominenten ARD-Journalisten wie Tom Buhrow erklären, welche Bedeutung das Weglassen des historischen Kontexts bzw. wichtiger Fakten hat, wenn Medien die „öffentliche Meinung“ über die Rolle Israels oder Irans in der Nahost-Region (zugunsten Israels) formen. (Buhrow hat es aber noch immer nicht begriffen oder er ist unglaublich naiv)

Dank ThinkPol muss sich ein Nobelpreisträger für Literatur von den selbstherrlichen Sumpfdotterblumen des Feuilletons verunglimpfen lassen, die ihm „Selbsthass“, „Verdrehung von Ursache und Wirkung“, „Feigheit“, „Selbstgerechtigkeit“ und „Kälte“ vorwerfen, nur weil er es gewagt hat, einige unliebsame Wahrheiten auszusprechen. (mehr dazu später)

Dank ThinkPol wird Grass zur persona non grata  in  Israel erklärt, weil er es gewagt hat, die Politik des Staates Israel [speziell sein Atomprogramm]als Gefahr für den Weltfrieden zu bezeichnen. Talk about Chuzpah. Riesige Empörung wird laut, denn damit werde suggeriert, Israel und Iran stünden moralisch auf der gleichen Stufe  (Bottom line: It’s not the nuclear weapons, stupid: it’s who has them …)

Versuchen wir doch einmal, der zionistischen Denk- und Sprachpolizei auf die Schliche zu kommen und die Debatte zu analysieren. Zunächst werden drei Fragen gestellt:

1.       Was hat Grass wirklich gemeint?

2.       Wieso die große Aufregung? Worauf zielt die massive Kritik an seinem „Gedicht“?

3.       Handelt es sich um eine „Scheindebatte“? Soll von den wirklich wichtigen Themen abgelenkt werden?

 „Und das Motto vom Gedicht:  Israel darf und andere nicht“. (aus: Spiegel Online Forum)

 1. WAS WOLLTE GRASS WIRKLICH SAGEN?

Im Interview mit Tom Buhrow sagt er zu den Reaktionen auf sein Gedicht:

„Was auffällt, ist das Sich-Nicht-Einlassen auf den Inhalt, auf die Fakten … die müssen ja dann widerlegt werden. Z.B. das tabuisierte Thema, dass außerhalb jeder Kontrolle der Staat Israel eine Atommacht ist und zwar seit längerer Zeit.“

Das Thema des Schweigens als Ausdruck einer Mittäterschaft ist Grass wichtig: er stellt einen wichtigen Kontext zur „deutschen Geschichte“ her: Der  pauschale Vorwurf an „die Deutschen“ lautet ja, sie hätten sich in die eigene Tasche gelogen, wenn es hieß „wir haben es ja nicht gewusst“. Das sei eine Schutzbehauptung, um sich vor der Mitverantwortung für die Nazi-Verbrechen zu drücken. (Diese Mitverantwortung oder „Schuld“ kann aber nicht auf die nachkommenden Generationen übertragen werden, das wäre „Sippenhaftung“. Doch genau das wollen die Zionisten: Deutsche sollen sich für immer und ewig schuldig fühlen und die „moralische Pflicht“ (Mund halten) gegenüber dem Staat Israel wahrnehmen. Ich komme später noch darauf zurück)

Deshalb gehöre es „zu den Pflichten eines Schriftstellers, eines Bürgers diese Dinge anzusprechen“. Ein Angriff auf den Iran hätte schwerwiegende Folgen für die ganze Region und auch für die Welt (man denke nur an die explodierenden Ölpreise).

Dass Buhrow und die meisten anderen ThinkPol Geschädigten, schon den Titel „Was gesagt werden musste“ –als Provokation bezeichnen, spricht für sich. Dass Grass dadurch Arroganz (Aufspielen zur moralischen Instanz) unterstellt wird, gehört zum normalen Repertoire der zionistischen character assassination: Grass hat in der Sache absolut Recht, aber seine Motive (das Schweigen über Israels Verbrechen und Lügen zu brechen) werden in den Dreck gezogen, um ihn zu diskreditieren. Die Presse-Meute überbietet sich anschließend darin, seine Person, seinen Charakter zu attackieren, der Inhalt der Kritik gerät so immer mehr in den Hintergrund.

Grass macht klar, dass er die Androhung eines israelischen Präventivschlages durch die gegenwärtige Regierung als sehr besorgniserregend einstuft, auch weil der Kontext (die militärischen Kräfteverhältnisse und die historischen Fakten zu Israel und Iran) weggelassen wird. Dass die Atommacht Israel (mit dem viertstärksten Militär der Welt) sich immer als armes, kleines Land präsentiert, das sich doch nur gegen die bösen, islamischen Horden wehren muss, wird von den Medien kritiklos übernommen.

Doch Buhrow und die anderen Medienschafe begreifen nicht, dass sie selbst die größten Versager sind, wenn es darum geht, bittere Wahrheiten (hier über Israel und die heuchlerische EU) unters Volk zu bringen.

Man ist empört, weil Grass von einem „Erstschlag“ spricht, der „das iranische Volk auslöschen könnte“. Grass erläutert, dass er nicht wisse, ob Israel Atomwaffen einsetzen würde, er aber eine Bombardierung atomarer Anlagen auch für eine Katastrophe halte, die durch radioaktive Verseuchung entstünde. (Der Einsatz von Uranmunition im Libanon und im Irak, sowie „novel weapons“ in Gaza sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, davon weiß Herr Buhrow natürlich nichts …Ignorance is Strength ) BILDER

Wie sehr Buhrow zum Vorteil Israels durch ThinkPol indoktriniert ist, zeigt sich in folgender Frage:

„Machen Sie da nicht den Staat, der aus dem Holocaust hervorgegangen ist, das Volk der Opfer zu einem potentiellen Täter in einem regelrechten Völkermord? … das ist eine starke Sprache“

Vielleicht kann man die Wortwahl von Grass als zu extrem kritisieren, einige unterstellen ihm sogar, „Auslöschen“ sei ein verräterischer Hinweis darauf, dass er seine eigene Vergangenheit durch „Schuldprojektion“ bewältigen wolle. Doch welche Schuld hat ein 17-jähriger, der vom NS-Regime eingezogen wird, auf sich geladen?

Doch die Reaktion Buhrows ist wirklich sehr aufschlussreich und zeigt seine Naivität bzw. pro-israelische Haltung:

das „Volk der Opfer“ bzw. seine politische Führung wurde bereits seit 1948 (durch ethnische Säuberungen und Terrorkampagnen) zum Täter, wie Ilan Pappe, Avi Shlaim, Noam Chomsky und viele andere seit Jahren analysieren bzw. dazu kommentieren.

Seit 1967 existiert der Horror einer brutalen Besatzung, die sich über jedes Völkerrecht bzw. über die Menschenrechte der Palästinenser hinwegsetzt. Doch da diese Besatzung in den Medien nie gezeigt, nie kritisiert wird, ist sie für Buhrow und seine Gesinnungsgenossen kein Thema. (siehe dazu meine früheren Blog-Beiträge zum Thema Israel)

Dass es in Israel eine Gruppe von Dissidenten (ehemaligen IDF-Soldaten) mit dem Titel „Breaking the Silence“ gibt, die über die Brutalitäten der Besatzung aufklären will, interessiert diese „Journalisten“ ebensowenig.

Der Staat Israel ist auch nicht „aus dem Holocaust hervorgegangen“, sondern war ein zionistisches Siedler-Kolonialprojekt, das schon Ende des 19. Jahrhunderts geplant wurde. Die brutalen Methoden, die die Zionisten (in den Lagern der Holocaust-Überlebenden und Flüchtlingen) anwendeten, um  „Freiwillige“ für Palästina zu rekrutieren, sind Herrn Buhrow wohl auch fremd. Er hat den ganzen Gründungsmythos der zionistischen ThinkPol geschluckt: hook, line and sinker.

Grass warnt davor, dass sich der Konflikt mit dem Iran ausweiten könnte (andere Länder werden mit hineingezogen), dass die Situation sehr gefährlich sei, in einer so instabilen Region. Damit ist er in bester Gesellschaft: US-Generäle warnen ebenfalls vor einem Präventivschlag auf Iran und selbst hochrangige, ehemalige Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes teilen diese Einschätzung.

Schließlich kommt Grass auf die „Siedlungen“ und die Besatzung zu sprechen:

„ Die Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten ist illegal  … es gibt nur wenige Länder, die UN-Resolutionen so missachten, wie Israel Enteignungsprozesse, die dort stattfinden, sind das Ergebnis einer Besatzungspolitik und damit auch der Kritik würdig. Dieses Aussparen, dieses feige Sich- Weg-Ducken [muss aufhören)…“

Buhrow geht auf das Schlüsselthema (als Ursache des Nahost-Konfliktes) der illegalen, seit Jahrzehnten andauernden Besatzung nicht ein. Der Terror, dem die Palästinenser dort täglich ausgesetzt sind, (weil sie im Endeffekt entrechtet werden) interessiert ihn nicht. Die palästinensischen Gewaltausbrüche (Intifada) als Antwort auf diesen Besatzungsterror zu sehen, dafür hat er auch kein Interesse. Er konzidiert nur, dass Grass „legitime politische Anliegen“ vorbringe.

Dann die nächste ThinkPol Frage von Buhrow:

„Was haben denn die Palästinenser mit dem iranisch-israelischen Konflikt zu tun?“

Mein Gott. Solche Leute zählen sich heute zu den „Intellektuellen“ in Deutschland. Zu den „Top-Journalisten“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, für die deutsche Bürger Gebühren zahlen müssen.

Wie jeder halbwegs gebildete EU-Bürger weiß, zeigt das iranische Volk eine große Solidarität mit seinen muslimischen Brüdern in Gaza und der West Bank (auch in anderen Ländern, wie dem Irak oder Afghanistan, wo Muslime reihenweise von westlichen „Demokratien“ umgebracht werden;).

“The Imam said this regime occupying Jerusalem must vanish from the page of time".

Der Iran unterstützt (ebenso wie Syrien) den Freiheitskampf der Palästinenser und wird nicht müde, „das zionistische Regime in Jerusalem“ zu kritisieren, das „aus den Geschichtsbüchern verschwinden wird“, wie es der verstorbene Ayatollah Khomenei formulierte. Daraus wurde dann der unglaubliche Spin: „Israel müsse von der Landkarte verschwinden“, ein Satz, den Ahamdinejad so nie gesagt hat, den aber ARD, ZDF, und alle anderen Medienschafe seither ständig wiederholen … deshalb wird die Lüge auch nicht wahr… aber sie wirkt in den Köpfen, um Iran zu dämonisieren …)

Also: Iran und Syrien unterstützen Hamas bzw. Hisbollah. Beide Gruppen waren, trotz des enormen Ungleichgewichtes der Kräfte (zum hochgerüsteten Israel) relativ erfolgreich, besonders Hisbollah, die es schaffte, das sich Israel aus dem Südlibanon zurückzog. Beide sind eben nicht nur „Terroristen“, sondern politische Parteien, die – trotz mancher Kritik – hohes Ansehen in der arabischen Welt genießen. Weil sie nicht korrupt sind (im Gegensatz zur Fatah, Israels „partner for peace“(!) und weil sie für die Selbstbestimmung der Palästinenser und gegen die regionale Hegemonie Israels (und der USA) kämpfen.

Israel hat also ein starkes Interesse daran, diese beiden Länder zu dämonisieren, durch Sanktionen zu schwächen und schließlich durch Bomben zu zerstören. Alles natürlich nur als „Selbstverteidigung" des armen, kleinen, bedrohten Landes.

Buhrow und seinesgleichen sind entweder extrem dumm oder von ThinkPol schon  intellektuell „neutralisiert“ worden.

Video: Wie die Medien sich für die zionistische Propaganda einspannen lassen …

Fortsetzung folgt … (darin u.a.)

  • Iran: der historische Kontext – Wer ist hier Opfer, wer Täter?
  • NPT:  Wer darf Atomwaffen haben, wer nicht und warum?
  • Wer ist die größte Bedrohung für den Weltfrieden? (EU-Umfrage)

Shalit und die 1000 “Terroristen”

Aus Terroristen wurden Premierminister (in Israel)

 „Der größte Erfolg der Zionisten ist, dass nach 41 Jahren die israelischen Lügen* immer noch in den Medien wiederholt und von den politischen Eliten akzeptiert werden

Prof. Ilan Pappe, israelischer Historiker (emigrierte nach England, nachdem seine Familie bedroht wurde)

(*Fast alle brutalen Maßnahmen, die uns als „notwendige“ Reaktion auf die palästinensische Gewalt verkauft werden, wurden schon 1967 beschlossen, einige Formen der Repression gehen sogar auf „Sondergesetze“ der britischen Mandatszeit zurück, die damals als Antwort auf jüdisch-zionistische Terroranschläge erlassen wurden – siehe das Bild oben, der eingekreiste “Terrorist” ist Menachem Begin …)

Die Meldung, dass „Präsident“ Abbas bei der UN einen Antrag auf Anerkennung eines palästinensischen Staates eingereicht hat, diente bei den meisten Kommentatoren eher der Belustigung, denn jeder weiß, dass er damit nicht durchkommen wird. Die USA werden das natürlich verhindern, ganz zu schweigen davon, dass kaum noch Land für einen Palästinenserstaat übrig ist (der „Siedlungsbau“, sprich die Enteignung der einheimischen Palästinenser in der West Bank und in Ost-Jerusalem geht ja munter weiter).

Was im „Heiligen Land“ seit Jahrzehnten vor sich geht, davon haben wir so gut wie keine Ahnung und das, was man uns als sachliche „Information“ in den Nachrichten vorsetzt, hätte selbst George Orwell beeindruckt.

Nehmen wir die aktuellen Meldungen über den Gefangenenaustausch zwischen Hamas und Israel: Die Medienaufmerksamkeit konzentriert sich auf die Freilassung von Corporal Gilat Shalit, der nach fünf Jahren Gefangenschaft endlich wieder nach Hause zu seiner Familie kommt. Er sei von Hamas „verschleppt“ oder „entführt“ worden, hieß es, als ob hier eine Zivilperson gekidnappt worden wäre. Shalit ist Soldat der israelischen Armee (IDF), die seit Jahren brutal und rechtswidrig gegen die Palästinenser vorgeht (auch bei friedlichen Protesten). Es gehört also zu seinem Berufsrisiko, dass er verletzt, getötet oder in Gefangenschaft geraten kann, wobei dieses Risiko für die Zivilisten der Gegenseite um ein Vielfaches höher ist. Das ergibt sich aus der enormen militärischen Übermacht der IDF und des staatlich abgesegneten Terrorregimes, das die militärische Besatzung ja darstellt.

Die „Entführung“ Shalits im Juni 2006 wurde in den Medien ohne Kontext dargestellt, stattdessen the- same- procedure- as- every year –framing:  Scheinbar wieder einmal ein „Beweis“ für die „Bösartigkeit“ der radikalen Hamas – doch seine Gefangennahme war eine Reaktion auf die Entführung zweier Palästinenser (aus ihrer Wohnung) durch Israel am Tag davor , von denen man seither nichts mehr gehört hat und für die sich auch hier niemand interessiert. Niemand beherrscht die Kunst der Medienmanipulation so gut wie die israelische („radikal-zionistische“) Regierung.

(Siehe dazu  frühere Beiträge mit dem tag “Gaza” und “Israel”)

Wie „neutral“ unsere – von uns zwangsweise finanzierten – Medien im Hinblick auf Israel sind, zeigt auch ein Interview der Tagesschau mit Torsten Teichmann, dem „Korrespondenten“ aus Israel:

tagesschau.de: Wird die Hamas in Israel nach diesem Abkommen nun als möglicher Gesprächspartner gesehen – oder überwiegt die Abscheu über das Vorgehen, eine Geisel zu benutzen, um Häftlinge freizupressen?

Teichmann: Bei aller Freude über die Freilassung von Schalit – die Abscheu überwiegt in Israel eindeutig darüber, jemanden zu verschleppen um Gefangene freizupressen. Ich glaube auch nicht, dass dies der Auftakt zu Verhandlungen ist..[…]

Wie wir hier sehen, ist Israels effektivste Waffe in der Schlacht um die Manipulation der öffentlichen Meinung  die clever eingesetzte  „moralische Empörung“  (über die palästinensischen „Terroristen“ natürlich) im Kontext des armen, kleinen Landes, das doch nur in Frieden leben will und von fanatischen Islamisten  ( präsentiert als Anti-Semiten) daran gehindert wird. Daraus ergibt sich zwangsläufig eine “moralische Überlegenheit” der israelischen Regierung (das soll man jedenfalls glauben).

Auf die Frage, warum man nicht schon 2006 auf den von Hamas angebotenen Gefangenenaustausch einging,  antwortete die israelische Regierung:

 „There  is no moral equivalence between a convicted terrorist murderer and an Israeli hostage.” (Und natürlich das Standard-Argument: man verhandelt nicht mit “Terroristen” …)

Die zentrale PR-Message: Israel „wehrt“ sich doch nur gegen die bösen Widersacher und – egal wie grauenhaft und verlogen das Vorgehen – man handelt doch immer nach moralischen Prinzipien …. Man ist doch immer das Opfer der unmoralischen Aktionen der bösen „Araber“ (das Wort Palästinenser wird in Israel offiziell eher nicht verwendet). Die „Raketen“ aus Gaza seien doch ohne jede Provokation Israels abgefeuert worden, immer die gleiche Leier.

Doch wenn unsere Journalisten ihren Job machen würden (oberstes Gebot: der Wahrheit die Ehre geben), müssten sie zugeben, dass die moralische Empörung („Abscheu“ im ARD-Interview oben) hier als XXL-Bumerang wieder nach Israel zurückfliegt, denn was hat die israelische Regierung in der Folge gemacht, um  – angeblich – Shalits Freilassung zu erzwingen?

Das Militär (IDF) bzw. der Geheimdienst drang in die „unter palästinensischer Kontrolle“ stehenden Gebiete ein, terrorisierte die Bevölkerung mit Bomben   und kidnappte Dutzende der gewählten Parlamentarier sowie einige Minister.

Die Familie von Bildungsminister Nasser Al-Dien Al-Sha’er, der ohne rechtliche Grundlage"festgenommen" wurde

Die Hamas hatte ja (die einzig demokratische und faire) Wahl im Nahen Osten kurz vorher gewonnen. Doch die „Demokratie-Promotion“, die der Westen in den arabischen Ländern angeblich betreibt, wurde von den Palästinensern falsch verstanden: wählen dürft ihr schon, aber bitte nur die richtige Partei …

Die mutige israelische Zeitung Haaretz veröffentlichte dazu am 2. Juli 2006 einen Kommentar von Gideon Levy. Darin heißt es u.a.:

Ein Staat, der solche Schritte [kollektive Bestrafung durch Bombenterror, Verhaftung von palästinensischen Parlamentariern ohne rechtliche Befugnis, etc.] unternimmt, ist nicht länger von einer Terrororganisation zu unterscheiden. Je brutaler die Maßnahmen, desto dummer und monströser werden sie, desto schlimmer wird der Verlust der moralischen Legitimation […]

Es muss alles getan werden, um die Freilassung Gilad Shalits zu erwirken. Was wir jetzt in Gaza machen, hat aber nichts mit der Erreichung dieses Ziels zu tun. Es ist ein weitreichender Racheakt jener Sorte, die der IDF und Shin Bet schon seit einiger Zeit ins Auge gefasst haben, um der Frustration der Armeeführer über ihre Impotenz gegenüber den Qassams und den wagemutigen Guerilla-Attacken der Palästinenser ein Ventil zu geben ..[…]

Levy schreibt weiter, dass die Operation „Summer Rain“ keinerlei Legitimation hätte, weil Ursache und Wirkung vertauscht wurden und die Provokation (zu einer „Vergeltung“) durch Israel stattfand, nicht durch Hamas :

Es ist kein Zufall, dass niemand davon spricht, dass vor dem Angriff auf den Grenzposten Kerem Shalom, die IDF zwei Zivilisten aus Gaza entführt hat, (ein Arzt und sein Bruder wurden in der Nacht aus ihren Wohnungen in Gaza gezerrt und sind seither verschwunden)

Der Unterschied zwischen ihnen und uns? Wir haben Zivilisten entführt und sie haben einen Soldaten gefangengenommen, wir sind ein Staat und sie sind eine „Terrororganisation“. Wie lächerlich pathetisch Amos Gilad  klingt, wenn er sagt, die Gefangennahme Shalits sei „illegitim und illegal“, doch wenn die IDF  Zivilisten aus ihren Häusern  verschleppt, ist keine Rede davon.[…]

Manchmal werden sie auch vor ihrer Haustür getötet, obwohl es keinen Grund dafür gibt und manchmal werden sie geschnappt um als Druckmittel für Verhandlungen benutzt zu werden, wie im Libanon und jetzt, mit den palästinensischen Regierungsmitgliedern. Was für einen Aufschrei würde es geben, wenn die Palästinenser die Hälfte der israelischen Regierung gekidnappt hätten. Wie würden wir sie dann nennen?”

Vielleicht sollte die ARD (u.a.) mal die Fakten prüfen, bevor sie israelische Propaganda verbreiten (die Abscheu vor der „amoralischen“ Hamas schüren, also konditionierte Emotionen statt kritisches Denken fördern)?

Gideon Levy endet seine Anklage mit einem Aufschrei der Empörung über die  Verbrechen seiner Regierung, die unsere „Journaille“ achselzuckend ignoriert oder schön redet: (selbst nach Cast Lead)

“We are bombing and shelling, darkening and destroying, imposing a siege and kidnapping like the worst of terrorists and nobody breaks the silence to ask, what the hell for, and according to what right?

Professor Noam Chomsky fasst die mediale Desinformation und Vertuschungskampagne so zusammen:

„Die Präsentation der Vorfälle in der richtigen Reihenfolge, ihr kausaler Zusammenhang ist von ungeheurer Bedeutung: sie enthüllen, dass die Show der Empörung über die „Entführung“ von Shalit und die Unterstützung für die grausamen israelischen Vergeltungsschläge  ein zynischer Betrug waren.“

Eine aktuelle Stellungnahme von Prof. Chomsky zum Gefangenenaustausch:

“The Palestinians are (among others) “Un-People” …. so their suffering and death is of no interest, the crimes USrael commits of no consequence ...)

Während unsere Medien von einem „Triumph für Hamas“ sprechen, weil für nur einen israelischen Gefangenen mehr als 1000 palästinensische Häftlinge freigelassen wurden, wird eine andere (zionistisch-rassistische) Sichtweise völlig ausgeblendet:

Ein einziger jüdischer Soldat ist mehr wert als 1000 Araber ….

Davon abgesehen: etliche Gefangene werden eben nicht „freigelassen“, sondern nach Syrien, Jordanien, in die Türkei und andere Länder deportiert (sie dürfen also nicht selbst bestimmen, wo sie leben wollen). Und die anderen werden nach Gaza gebracht, das größte Open-Air Gefängnis der Welt, eine Hölle auf Erden nach unseren Maßstäben. Während man verständlicherweise Mitgefühl mit Shalit hat, werden die Schicksale der palästinensischen Gefangenen nicht hinterfragt:

Wie viele der 1000 Gefangenen (insgesamt sind es über 5000) waren (sind) rechtskräftig und nach rechtsstaatlichen  Prinzipien verurteilt? Gewalt gegen eine illegale und brutale Besatzung ist ja grundsätzlich legitim, solange dabei nicht Zivilpersonen zu Schaden kommen. Doch angesichts des Terrors, der durch den Ausbau der illegalen Siedlungen, das Apartheid-System und die gewalttätigen, extremistischen „Siedler“ seit Jahren auf die Palästinenser einregnet, bräuchte man eine übermenschliche Selbstbeherrschung, um Gegengewalt zu verhindern, die man durchaus als Form der Selbstverteidigung  bewerten kann.

Wir dürfen ja nicht vergessen, dass in Israel zwei parallele Rechtssysteme existieren: das Zivilrecht für israelische Staatsbürger und das Militärrecht für die Palästinenser in den besetzten Gebieten, wobei das Militär eigene Befugnisse hat, um Festnahmen und „Verurteilungen“ durch Sondergerichte durchzuführen, die einer rechtstaatlichen, zivilrechtlichen Prüfung nicht standhalten würden.

B‘tSelem erstellt regelmäßig Berichte über die Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten und untersucht auch die Haftbedingungen der politischen Gefangenen (die alle als „Terroristen“ gelten). Erniedrigende Misshandlungen sind an der Tagesordnung, die Grenze zur Folter ist fließend.  Besonders furchtbar sind die Zustände und Verhörmethoden der ISA, des israelischen Geheimdienstes, wie in diesem Bericht dokumentiert wurde. Das traurige Fazit:

The measures depicted in the report constitute cruel, inhuman, and degrading treatment, at times amounting to torture.  All are prohibited, absolutely and without exception.  International law unequivocally stipulates that no state of emergency may be invoked to justify such acts.”

 

Wir sehen nicht, wie sehr die Palästinenser täglich leiden, was es heißt, in einem Mega-Gefängnis zu leben, von der Gnade der israelischen Soldaten abhängig zu sein. Die Brutalität der 40-jährigen Besatzung wird in den Medien völlig ausgeblendet.

Wir hören aber immer und immer wieder die israelische Propaganda, die unsere Journalisten kritiklos übernehmen und die unsere Sichtweise des Konflikts massiv beeinflusst. Wer seine Informationen über die „Nahostkrise“ nur aus den Nachrichten bzw. aus den Mainstream-Zeitungen bezieht, hat keine Chance zu erkennen, welche unglaublichen Lügen uns hier seit Jahrzehnten aufgetischt werden, wie sehr die Verzerrung der Wirklichkeit unsere Wahrnehmung beeinflusst.

Es sind keine „Extremisten“, gegen die Israel sich wehren muss, der Feind ist seine eigene Doppelmoral, seine Unfähigkeit, Verantwortung für Unrecht einzugestehen. Mit dem Hinweis auf den Holocaust hat man sich für immer und ewig die ultimative Opferrolle gepachtet.

Damit der große Selbstbetrug weiter funktioniert, muss die Schuld (Verantwortung für den Konflikt) auf den Gegner projiziert und schließlich seine Menschlichkeit (Gleichwertigkeit) aberkannt werden, damit man die systematische Grausamkeit vor sich und der Welt legitimieren und rationalisieren kann.

Das Wort “Zionismus” wird in unseren Medien nie erwähnt, geschweige denn seine Bedeutung für den Nahostkonflikt erklärt. Stattdessen wird das sorgsam gepflegte Image des isarelischen Staates als sekular, vernünftig, modern, westlich, aufgeklärt etc. präsentiert, doch auch hier waren und sind “radikale” und “fanatische” pseudo-religiöse Kräfte am Werk, wie dieser Film zeigt:

 

 

Mörder Ohne Grenzen (2): Psychoterror

Israel: National Identity?

Sie haben überall Gewalt angewendet, nicht nur auf der Mavi Marmara. Zu behaupten, die Todesfälle auf der  Mavi Marmara und die massive Gewalt gegen die Passagiere, sei das Resultat des Empfangs, den man ihnen dort bereitet hat, ist eine absolute Lüge.“

Alex Harrisson, britische Staatsbürgerin, Aktivistin für „Free Gaza“

war nicht an Bord der Mavi Marmara, sondern auf einem der kleinen Schiffe, (Samoud) sagte aus, dass sie Witwe des ermordeten Çetin Topçuoglu ….  ohne jedes Mitgefühl behandelt wurde, ohne Rücksicht auf ihre Trauer; sie wurde von ihrem Mann getrennt, gefesselt, in eine Zelle gebracht, wie alle anderen. Am zweiten Tag zeigte man ihr ein Bild ihres getöteten Mannes, sie sollte ihn identifizieren.

Sein Gesicht war völlig entstellt, “Ich erkannte ihn nur an seinem Mund“

„Einige der Frauen weigerten sich, das Dokument („illegale Einreise“) zu unterschreiben und protestierten auch gegen die (wirklich illegale) Deportation, weil man ihnen all ihren Besitz  abgenommen  hatte.  Ich wollte auch nicht völlig mittellos in ein anders Land reisen, nur mit meinen Kleidern am Leib und wollte versuchen zu bleiben, um ein Gerichtsverfahren in Israel einzuleiten (die Abschiebung war auch nach israelischem Recht illegal)

Der britische Konsularbeamte sagte, auf die Feststellung, dass Israel sich einen Dreck um internationales Recht scherte, lapidar „ …Ja, ich weiß, aber sie machen es eben so“

„Die Rohheit und Unmenschlichkeit, die sie an den Tag legten, geht mir nicht aus dem Kopf“.

Die 15 Frauen wurden zuerst für sechs Stunden in einen Gefängniswagen (Metallgehäuse, damit es schön heiß wurde) gesperrt, ohne Wasser und Toiletten. Dann brachte man sie  in eine Art eingezäunten „Laufstall“, wo sie von Soldaten weiter gedemütigt wurden (sie machten gegen ihren Willen Fotos, sexistische Zurufe, hämisches Gelächter, Pfiffe, etc.). Zweimal kamen Soldaten herein und begannen die Frauen zu schlagen (ohne Provokation).

Wir konnten sehen wie kleine Gruppen von Männern hereingeführt wurden, von denen mindestens drei völlig verprügelt wurden (einer davon war Kevin O’Keefe – siehe Teil 1) Einer wurde so schwer verletzt, dass er nicht fliegen konnte.

Aber das traurigste und unmenschlichste was ich dort sah, waren die verletzten Türken, die zum Flugzeug gehen wollten.

Sie hatten immer noch die blutverschmierten Sachen an, die sie auf der Mavi Marmara getragen hatten.  Die Israelis haben ihnen nicht erlaubt zu duschen, oder ihnen frische Kleidung gegeben.

Ich sah, dass viele von Ihnen bandagierte Füße hatten und fragte warum. Sie antworteten, man habe vom Helikopter aus auf ihre Füße gezielt, deshalb hatten sie alle Schmerzen beim Gehen, konnten nicht auftreten. Doch man gab ihnen keinerlei Gehhilfe, Krücken oder Rollstühle, nichts. Und als andere versuchten, ihnen zu helfen, sie zu stützen, ihnen den Arm anboten, wurden sie weggezogen, angeschrieen und geschlagen.

Man ließ die Türken mit ihren Fußverletzungen auf einem Bein zum Flugzeug hüpfen … das war pure Demütigung.

Aber was wir erlebten, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was den Palästinensern jeden Tag angetan wird … wird dürfen nicht aufhören, Druck auf unsere Regierungen zu machen ….wir müssen laut und ständig für Sanktionen gegen Israel lobbyieren .. sie müssen die diplomatischen Beziehungen zu Israel auf Eis legen, die Blockade stoppen, mit Gaza Handel treiben

Hier geht es nicht um „Hilfsgüter“. Gaza ist keine Naturkatastrophe. Hier geht es um Menschenrechte. Freiheit. Würde.


Das Märchen, dass die Gewaltexzesse auf der Mavi Marmara von den Aktivisten ausgingen ist an sich schon durch die vielen übereinstimmenden Zeugenaussagen widerlegt. Doch auch die Berichte von den anderen Booten bestätigen, dass die israelische Darstellung eine unverschämte Lüge ist:

Griechische Aktivisten sagten nach ihrer Ankunft in Athen, die israelischen Soldaten hätten jeden brutal geschlagen, der versucht hatte, Widerstand zu leisten. „Sie hatten Gummigeschosse, Tränengas, Elektroschock-Waffen um die Passagiere einzuschüchtern und kleinzukriegen.”

Die vier Griechen gaben an, dass alle, die sich weigerten, das vorgelegte Dokument zu unterschreiben (illegale Einreise und Deportation), geschlagen wurden. (deckt sich mit der Aussage von Alex) Als sie zu zittern begannen, erhielten sie Injektionen. Dann wurden sie wieder geschlagen … Dann haben sie uns in Zellen gebracht, ohne Fenster, ohne Licht für 24 Stunden … totale Isolation ..

Ahmed Brahimi,  koordinierte die Flotten- Teilnehmer aus Algerien;

„Sie haben uns gedemütigt. Wir waren unbewaffnet, wir wollten nicht  kämpfen.”

„Wir haben gerade unsere Morgengebete gesprochen, als die Israelis den ersten Versuch machten, das Schiff zu entern. Wir holten uns Holzstecken und was wir sonst noch an Bord finden konnten, um uns zu verteidigen…. Sie haben uns die  Mobiltelefone abgenommen, haben uns nicht erlaubt, die Toilette zu benutzen, unsere Hände waren gefesselt und einige mussten auf dem Bauch liegen.

Sie sagten uns, wir müssten ein Dokument unterschreiben, das wir nicht verstanden, doch wir haben uns geweigert, weil wir Hebräisch nicht verstehen und weil wir Israel nicht anerkennen!

Paveen Yaqub, 39, eine pakistanisch-englische Aktivistin aus Yorkshire

„Sie waren brutal und emotionslos, während wir zusammen getrieben und gefesselt wurden und haben die ganze Zeit Maschinengewehre auf uns gerichtet, mit dem Finger am Abzug. Als ich versuchte, ihnen klar zu machen, dass wir Hilfe für die Verletzten brauchen, haben sie nur gelacht.“

„Bei der Ankunft in Ashdod jubelten die dort versammelten Leute, als ob es einen Grund zum Feiern gäbe.  Sie haben uns vorbei getrieben, wie eine Herde. Es war so bizarr, wir fühlten uns wie Tiere im Zoo.“

(N.B: Die Genfer Konvention verbietet das „Vorführen“ von Gefangenen als erniedrigende Prozedur)

Als sie sich weigerte, ein Dokument zu unterschreiben, das sie nicht verstand, wurde sie sechs  Stunden lang in einem Gefängniswagen eingesperrt, ohne Wasser und Nahrung, ohne Toilette.  (bestätigt Aussagen von Alex Harrisson)

Wenn ich gehen musste, „haben Sie  gegen meine Beine getreten, damit ich hinfalle und sich über mich lustig gemacht. Manche wollten Fotos von dieser Demütigung machen, eine Art „Trophäe“ für die Polizisten. Sie haben mich auch durchsucht (body search), aber darüber möchte ich nicht sprechen. Sie hatten Spaß daran, uns zu demütigen.“

„Es war ein Albtraum. Sie haben uns (psychisch) terrorisiert, während wir festgehalten wurden. Ich habe seit Tagen nicht geschlafen. Ich musste einen Hungerstreik anfangen, damit ich telefonieren durfte.“

„Mir wurde klar – wenn selbst internationale Hilfsorganisationen so erniedrigend behandelt werden, was müssen dann erst die Palästinenser erleiden, die ständig solchen Repressalien ausgesetzt sind?“

Paveen sagt, sie will trotz der schockierenden Erlebnisse wieder an einem Konvoi teilnehmen. … „Das große Problem ist, nur wenig Leute wissen, was dort wirklich los ist.“

Sarah Colborne, leitende Direktorin der Palestine Solidarity Campaign

„Der Angriff war ein Akt der Piraterie und ein Massaker. Ich sah, wie ein Mann von einem Soldaten erschossen wurde (durch Kopfschuss) .“

Als ich auf das oberste Deck kam, sah ich die Dinghies der Israelis, voll gestopft mit Waffen. Ich konnte nicht einmal zählen, wie viele Boote es waren.  Schiffe, Helikopter, Schüsse … es war einfach ein Horror.

Sie haben unser gesamtes Equipment konfisziert, unsere Handies, die Kameras, alles, damit die Welt nicht erfährt, was wirklich passiert ist.“

Hier ist das ganze Interview

Jamal El Shayyal, britischer Staatsbürger und Al Jazeera Reporter

Die Pressefreiheit wurde, ganz zu schweigen von der Verletzung anderer zivilen Rechte, bei dem Überfall auf die Schiffe ebenfalls mit Füßen getreten. „

“Jeder, der die barbarischen Methoden und die kriminelle Politik Israels kritisiert oder dagegen Widerstand leistet, wird mit totaler Verachtung  behandelt.“

Shamal sagte aus, dass ihm die Organisatoren der IHH uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen des Schiffes ermöglicht hatten ( „I was able to inspect every cm of the ship“) und dass er alles gefilmt hat. Es gab keine Waffen. Er hatte vorher noch darüber Witze gemacht, dass die „gefährlichsten“ Dinge an Bord, Obst und Gemüse seien (Dinge, die man werfen kann, z.B. Kohlköpfe, etc.)

„Der Kapitän hatte vorher sogar angeordnet, den Kurs zu ändern – weiter weg von der Küste, in internationalen Gewässern, um jede Konfrontation in der Nacht zu vermeiden. … Dann sahen wir die großen Schlauchboote („Zodiacs“) an beiden Seiten des Schiffes … zwei Helikopter tauchten über uns auf (ohne Licht) … einer davon versuchte die Satellitenschüssel zu zerstören …(was auch gelang)

Dann kam der Schuss vom Helikopter –  .. ein türkischer Aktivist, [Cevdet Kiliçlar ] der filmte, wurde von oben am Kopf getroffen … das passierte noch bevor ein einziger Soldat an Bord gekommen war ein anderer Türke zog sein weißes T-Shirt aus und hielt es als Weiße Flagge hoch, ein klares Zeichen der Kapitulation .. aber sie feuerten weiter Schüsse auf unsere Leute … dann hielten wir ein Schild hoch, auf dem in Hebräisch stand, dass wir uns ergeben … wieder kein Effekt …

Es waren surreale Szenen —  Schock, Horror, überall Blut, Angst und Chaos … Die Ärzte hatten alle Hände voll zu tun (waren auf solche schweren Wunden nicht eingestellt);

Hanin Zouabi, die arabische Abgeordnete der Knesset, versuchte, Hilfe zu bekommen: Sie sagte zu ihnen  in drei Sprachen (Hebräisch / Arabisch / Englisch) Bitte Helfen Sie uns!, Wir haben Schwerverletzte und brauchen medizinische Hilfe!

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…  das ist die “einzige Demokratie im Nahen Osten” …

HANIN ZOUABI erhielt MORDDROHUNGEN I in Israel und wurde im Parlament, der  KNESSET beschimpft (“terroristin!”) und eingeschüchtert;  ihre Privilegien  als Parlamentarier teilweise aberkannt

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(Fortsetzung der Zeugenaussagen):

Keine Reaktion.  Dann nahm sie ein Stück Karton und schrieb darauf: BITTE HELFEN SIE UNS! …dann sahen wir den roten Laser-punkt auf ihrer Stirn [Zielmarkierer der Waffen, die das Überfallkommando benutzte, auf dem Video im vorhergehenden Beitrag zu erkennen] ..

Inzwischen starb einer der Verletzten. Hanan versuchte weiter, medizinische Hilfe zu bekommen … aber sie waren taub für unsere Verzweiflung … die Türken starben innerhalb von drei Stunden … sie sind verblutet wir hatten ja keine Ausrüstung für Transfusionen…. Man hat sie  quasi zweimal umgebracht: zuerst durch die Schussverletzung und dann durch unterlassene Hilfeleistung …

Schließlich haben sie erlaubt, die Verletzten zu evakuieren,  (etwa 40) doch ca. 15 waren so schwer verletzt, dass sie nicht gehen konnten, sie konnten nur liegend transportiert werden und auch dass nur mit größter Vorsicht…aber sie weigerten sich, uns Tragen zu geben … man hat ihnen die Infusionsschläuche herausgerissen und sie wie Kartoffelsäcke behandelt … einige haben geschrieen … es war furchtbar“

Nachdem die Verletzten weggebracht wurden, durften wir an Deck gehen; sie haben (Hände hinter dem Rücken) gefesselt; wir mussten stundenlang auf dem Boden kniendurften nicht miteinander sprechen, nicht auf die Toilette gehen … währenddessen haben sie unten alles durchwühlt, Hunde eingesetzt, es war eine einzige Verwüstung …

Ein Palästinenser war an Bord, um zu seiner Familie zurückzukehren: er hatte Gaza verlassen, um medizinische Behandlung für seine krebskranke Frau zu organisieren, durfte dann aber nicht mehr zurückkehren …er hatte Diabetes und musste zur Toilette, doch sie verboten es und lachten … er musste (wie viele andere)  in die Hose machen ….

Ein Aktivist aus Malaysia flehte sie an, seine Handfesseln etwas zu lockern, einmal, zweimal, dreimal .. ein Soldat ging zu ihm und zog sie noch fester an, den Schrei werde ich nie vergessen …..

In Ashdod erwartete uns ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to Israel“ … welche Ironie … wir waren immer noch gefesselt .. man sagte uns, wir müssten unterschreiben, dass wir illegal nach Israel eingereist seien und deswegen deportiert werden ….  Ich weigerte mich, denn … um das ganz klar zu machen:

Wir wurden GEKIDNAPPED – nicht „festgenommen“, nicht „verhaftet“, das ganze war illegal

man nahm uns die Pässe ab … ich wurde von den anderen Journalisten abgesondert … Ich durfte keinen Kontakt mit dem Konsulat aufnehmen, kein Telefonat führen, gar nichts  [eine klare Verletzung  ziviler Rechte} ich habe 24 Stunden lang nichts zu essen gehabt, als es dann eine Mahlzeit gab, war die Menge so gering bemessen, dass einige leer ausgingen … ich wurde in eine winzige Zelle gebracht .. Am Dienstag kam eine Gruppe palästinensischer Rechtsanwälte …

Die türkische Regierung machte großen Druck und so sollten die türkischen Teilnehmer als erstes freigelassen werden, doch die IHH Organisatoren weigerten sich, sie wollten erst gehen, wenn ALLE Aktivisten wieder frei waren ….

Am Ben-Gurion Flughafen drückten sie mir einen fremden Pass in die Hand und sagten: „Gratulation! Das ist Dein neuer Pass!“ (DUBAI!) Das ganze war natürlich auch ein Schlag in Gesicht für Großbritannien – sie zeigten ihre völlige Verachtung für internationales Recht und alle, die sich gegen ihre Verbrechen zur Wehr setzen …

Osama Qashoo, Exil- Palästinenser, Filmemacher (seine Familie lebt in der West Bank)

Auch er bestätigt, dass vom Helikopter geschossen wurde, bevor das Boot geentert wurde, (also massive Gewaltanwendung des Überfallkommandos, zwei Schwerverletzte, bzw. Tote,  bevor die Aktivisten sich wehrten – keine Rede von Selbstverteidigung).

„Ich sah unseren türkischen Webmaster, Cevdet Kiliçlar (38) der filmte, als er plötzlich zusammensackte. Ich wollte ihn wegbringen, zur medizinischen Ambulanz, .. plötzlich spürte ich etwas warmes in meiner Hand … es war sein Gehirn … alles war voller Blut, Chaos, Entsetzen, ein Wahnsinn …“

Die Kugeln kamen von überall (anfangs dachte man, es seien nur „Gummigeschoße“ (Metallkern mit Gummimantel), doch es war scharfe Munition …Kurze Zeit später gab es einen zweiten Türken, der angeschossen wurde und bald starb , Ali Haydar Bengi (39) …

Später baten wir um Tragen für die Schwerverletzten, doch sie weigerten sich, uns welche zu geben …einer schrie vor Schmerzen, als sie ihn wegbrachten ….

… Sie haben alles gefilmt … (unsere Kameras, Handies, etc. wurden uns abgenommen)

(Später, nachdem die Verletzten evakuiert waren) „… ein 84-jähriger Mann musste auf die Toilette, er bettelte … sie sagten ihm, er sollte sich doch anpinkeln, der alte Mann saß dann in seinem eigenen Urin,  … ich konnte diese Demütigung nicht ertragen und rastete aus … schrie sie an

.. dann haben sie zwei meiner Finger miteinander verhakt (einen von jeder Hand) und dann die Hände gefesselt, ich habe so etwas noch nie gesehen (vier meiner Finger sind seitdem gefühllos) … dann musste ich mich hinknien …vorher haben sie zwei Metallrohre unter meine Beine gelegt .. ich war eine Art lebender „Trolley“, dann setzen sich zwei Soldaten auf mich .. andere kamen, traten mich, spuckten auf mich, schütteten Wasser über meinen Kopf..“

Einer der türkischen Crew  hatte seine Frau und seinen einjährigen Sohn mitgenommen … sie schlugen ihn vor dem Kind, dass dann immer laut zu schreien anfing ….

In Ashdod wurden wir von Typen betreut, die sich „social services“ nannten (!) … auf Fragen, antworteten sie, wie Roboter: „..wir haben das Recht, uns zu verteidigen …“

(Originalaussagen in Englisch: siehe HIER)

Um die Pathologie des Zionismus zu erfassen, und den wahnsinnigen Staat, (“lunatic state”, Norman Finkelstein) den er hervorgebracht hat, hilft ein Zitat von Golda Meir :

” I will never forgive the Arabs for forcing us to kill them”

In diesem Fall würde sie, das Wort “Araber” durch “Türken” oder “Aktivisten” ersetzen …

Wer begreifen will, wie gefährlich der Zionismus ist, und wie künstlich  die ” nationale Identität” Israels ist, dem sei dieses Buch empfohlen:

(Klicken Sie auf das Bild, um den Autor zu hören)

Wie lange schaut die Welt noch tatenlos zu, wie dieser Schurkenstaat systematischVerbrechen begeht und sich für immer und ewig hinter dem Schutzschild des Holocaust versteckt?  Haben nicht gerade die Europäer, besonders die Deutschen eine moralische Verpflichtung, den Entrechteten und Gedemütigten zu helfen,  nicht die Unterdrücker und Mörder durch Stillschweigen zu decken?

Was für eine erbärmliche Rolle spielen unsere Journalisten in dieser Farce?

Die Türkei darf nicht in die EU wegen “Demokratiedefiziten” – aber  Israel ist ein bevorzugter Handelspartner, soll das ein Witz sein?

Fortsetzung folgt ….

Mörder Ohne Grenzen

Was passierte auf der MAVI MARMARA?

Die PR-Maschinerie Israels läuft auf Hochtouren und soll verhindern, dass die “Zuschauer” noch selbständig denken können. Aus Angreifern und Mördern werden Opfer, die sich – wie immer – nur gegen böse “Terroristen” verteidigen müssen. Eigentlich wäre es eine lächerliche Farce, wenn es nicht neun Tote und -zig Verletzte gäbe und ein Mantel des Schweigens von den Medien über die systematischen Lügen Israels gelegt würde.

Ein Vergleich der – in weiten Teilen übereinstimmenden – Zeugenaussagen zeigt, dass sie die Wahrheit sagen und das ungeschnittene Video (siehe ganz unten)  bringt den endgültigen Beweis dafür. Ganz zu schweigen davon, dass die israelische Regierung bzw. die IDF (israelisches Militär)  NULL Glaubwürdigkeit hat, wenn man die historischen Fakten kennt.

Hier ist der erste Teil der relevanten Zeugenaussagen:

Das war absolut KEIN Akt der Selbstverteidigung. Es war ein Angriff in internationalen Gewässern, auf eine friedliche Mission und ein klarer  Akt der Piraterie“. Wir wollten zeigen, dass wir friedlich sind, hatten keine Waffen … und außerdem wussten wir ja, das wir gegen solche Einheiten keine Chance hätten.“

Norman Paech, Die Linke

„Wir fühlten uns wie in einem Krieg, wie bei einem Kidnapping.“ Wir wollten Hilfsgüter bringen und niemand hatte eine Waffe“.

Inge Hoeger und Annette Groth, MDB für Die Linke

Mattias Gardell , Professor für vergleichende Religionswissenschaften an der Universität Uppsala in Schweden

“Wir waren Zeugen vorsätzlich geplanter  Morde”

Die Soldaten kamen mit scharfen Waffen an Bord, die  mit Laser-Zielmarkern ausgestattet waren und es wurden mindestens vier Menschen durch gezielte Exekutionen getötet.

Das war ein militärischer Angriff auf eine humanitäre Hilfsaktion weit draußen in internationalen Gewässern. Es war eine sehr überraschende und aggressive Überreaktion Israels. …Wenn sie von einem Überfallkommando attackiert werden, haben Sie natürlich das Recht, sich zu verteidigen. Es ist doch nicht so, dass Israel eine Art Superpolizist ist, gegen den sich kein menschliches Wesen verteidigen darf … Viele Leute auf diesem Schiff  hatten sehr große Angst,  befürchteten,  sie könnten uns alle umbringen … Sollten wir nur da sitzen quasi  nach dem Motto: schießen Sie nur ….

Kevin Ovenden,  UK, für Viva Palestina (Auszüge aus Interviews)

„Zuerst warfen sie Handgranaten mit Aufschlagzündern (explodieren beim Aufprall), die schwere Verletzungen hervorrufen, wenn Menschen in der Nähe sind. Mitten in der Nacht auf einem Boot mit über 500 Leuten durch diese Granaten Panik zu provozieren, ist an sich schon skandalös. Dann kamen die „Zodiacs“, militärische Schlauchboote an unsere Seite, mit  schwer bewaffneten Spezialkommandos [staatlich trainierte Mörder in Uniform], so wie sie oft in den amerikanischen Filmen verherrlicht werden

Ein Helikopter bezog Stellung über dem Schiff und Soldaten wurden abgeseilt. Inzwischen gab es natürlich große Aufruhr auf dem Schiff. Viele versuchten, mit ihrem Körper die Enterung des Schiffes zu verhindern, sie wegzuschieben, den Weg zu blockieren, etc.

Zwei Soldaten wurden so bedrängt, dass sie vom Oberdeck auf das darunter liegende fielen. Es hatte bereits Schüsse gegeben und wir dachten, es seien mit Gummi ummantelte Stahlkugeln, die allerdings auch tödlich sein können. Unmittelbar darauf hörten wir aber das eindeutige Geräusch von scharfer Munition, aber nicht wild drauflos, sondern gezielt von beiden Seiten (der Zodiacs, die das Schiff umgaben).

Nicci Enchmarch (Fotografin, für Viva Palästina) stand direkt neben einem türkischen Journalisten, als er mit einem gezielten Schuss in die Stirn getötet wurde. Die Schlagkraft war so groß, dass ein Drittel des Hinterkopfes samt Gehirnmasse herausgerissen wurde …

Nachdem sie das Schiff unter ihre Kontrolle gebracht hatten und die Leute brutal zusammen getrieben wurden, haben sie alles auf den Kopf gestellt, um nach “Waffen” zu suchen. Dann wurde das Ergebnis präsentiert: sie haben alle Küchenmesser geholt, andere Objekte, die Teil der normalen Schiffsausrüstung sind, usw. Die wurden aber garantiert nicht als Waffen benutzt. Der Beweis dafür sind ja die beiden israelischen Soldaten, die entwaffnet wurden. Sie wurden zwar dabei leicht verletzt, (sie konnten noch gehen) aber medizinisch versorgt und dann an ihre Einheit übergeben. Man hat sie sogar „bewacht“, damit niemand, seine Empörung und Wut über den Angriff an ihnen auslassen konnte.

Die Gewaltbilanz ist ganz eindeutig, egal auf welchen Hochtouren die israelische Lügenmaschine läuft: neun getötete Aktivisten (30 Schüsse!), und zwei, drei israelische Soldaten, die eins auf die Nase gekriegt haben, um sie zu entwaffnen. (siehe dazu die Aussagen von Ex-Marine Kevin O’Keefe weiter unten)

Unsere Leute wurden an verschiedenen Stellen an Deck getötet. Der Angriff dauerte etwa eine halbe Stunde. Dann wurde über Lautsprecher verkündet, dass wir in der Gewalt der Soldaten sind. Der Captain sagte, wir sollten keinen Widerstand leisten. Viele dachten, sie könnten einfach durch ihre körperliche Präsenz die Übernahme hinauszögern bzw. das Leben der anderen Passagiere schützen. Was würde passieren, wenn sie ins Innere des Schiffes vordrängen? Wir gingen also dann zu den Schlafräumen und die Israelis verteilten sich auf den Gängen und besetzten die Brücke, den Maschinenraum, etc.

Über den Lautsprecher baten wir die Soldaten um Hilfe für die vielen Verletzten und Hanin Souabi, arabische Knesset-Abgeordnete, die fließend Hebräisch spricht, zeigte Ihnen ein Schild mit der Bitte um medizinische Hilfe, weil unsere Ambulanz für solche schweren Wunden und so viele Verwundete nicht ausgerüstet war. Außerdem waren immer noch einige Opfer auf Deck, wir konnten sie in all dem Chaos nicht bergen, wir wussten damals auch noch nicht, wie viele es wirklich waren.

Die Antwort kam prompt: Geh zurück oder wir schießen! Das galt für jeden, der versuchte, mit den Israelis Kontakt aufzunehmen.

Währenddessen verbluteten die Schwerverletzten, die mehrere Schusswunden hatten

Erst nach mehr als einer Stunde wurde uns gestattet, die Verletzten (bzw. Toten) zu evakuieren. Danach wurden wird mit einer Mischung aus Verachtung, Demütigung und bewusster  Erniedrigung behandelt. Selbst vor den Verwundeten zeigten die Israelis keinen Funken Menschlichkeit: wir übergaben sie auf Tragen, mit Bauchschüssen und schweren Beinverletzungen. Doch die Soldaten haben sie wie einen Sack Kartoffeln behandelt und nach oben befördert. Wir schickten erfahrene Sanitäter mit, doch sie wurden gefilzt, gefesselt und daran gehindert, die Verletzten zu begleiten.

Wir durften nicht nach oben gehen, wo die meisten der Verletzten waren. Daher dauerte es einige Zeit, bis wir wussten, was los war. Es sind immer noch zwei Verletzte in kritischem Zustand (in Israel) und sechs in einem Krankenhaus in Ankara. Es kann daher durchaus sein, dass es noch mehr Tote geben wird.

Nachdem das Schiff gestoppt war und die Verwundeten weggebracht worden waren, wurden wir einer nach dem anderen an Deck gebracht, gründlich durchsucht und  dann wurde uns so gut wie alles abgenommen (einige mussten ihre Pässe abgeben). Dann wurden wir mit Plastikbändern, die Hände auf dem Rücken, gefesselt. (nur Journalisten und MPs waren von den Handfesseln ausgenommen) und auf den Decks verteilt. Viele mussten in Stresspositionen sitzen und wir durften nicht sprechen. Wer etwas fragte, wurde niedergedrückt. [wer auf die Toilette wollte, musste darum betteln und auch das nur mit gefesselten Händen] Jeder, der versuchte aufzustehen, wurde mit dem Gewehr vor der Nase zu Boden geworfen, es waren all diese demütigenden, „counter-insurgency“ Taktiken, die man aus dem Irakkrieg oder aus Afghanistan kennt – wo „anti-terror“ Einheiten die Bevölkerung einschüchtern, damit sie keinen Widerstand mehr leisten ….

Ich sah einen Engländer, der auf den Knien sitzen musste, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, der dreimal ins Gesicht geschlagen wurde. Drei palästinensische Männer wurden die Augen verbunden, dann wurden sie so getreten, dass sie, gefesselt zu Boden fielen.

Sheikh Raed Salam—der Führer der islamischen Bewegung, aus Jerusalem wurde massiv eingeschüchtert, hat aber immer die Haltung bewahrt.

Die ganze Atmosphäre war so bedrohlich, dass man berechtigte Angst haben musste, jemand könnte erschossen werden, obwohl er gefesselt war. In Ashdod wurden wir verhört und dabei wurden Methoden der Demütigung, Erniedrigung und Einschüchterung praktiziert. Doch man sagte uns, wir würden eben nur deportiert werden und nach der behördlichen „Erfassung“ würde man unsere beschlagnahmten Sachen wieder zurückgeben. Danach wurden wir aber in Gefängnisfahrzeuge geführt, nicht „gleich zum Flughafen gebracht“, wie man uns versprochen hatte.

Das war alles ein Spiel mit unseren Nerven, um uns Angst zu machen. Schließlich wurden wir in eine, eigens für diesen Zweck eingerichtete Gefängnisanlage in der Negev Wüste gebracht. Ich kam in der Nacht von Sonntag auf Montag dort an und wurde am Mittwoch, den 2.Juni wieder freigelassen.

Die Behandlung war völlig inakzeptabel. Wir wurden völlig isoliert (kein Anruf, kein Kontakt zum Konsulat, keine Kommunikation für 48 Stunden) Es gab kaum etwas zu essen, erst am Dienstag Nachmittag gab es  eine Mahlzeit, als die Diplomaten uns besuchen durften. Die Beamten des Konsulates wurden auch entwürdigend behandelt: ich geben ein Beispiel: der Vertreter der Britischen Botschaft wollte ein privates Gespräch durch eine Gefängnistür führen – wir durften uns nicht Angesicht zu Angesicht treffen – mit zwei britischen Staatsbürgern. Der Aufseher weigerte sich, der Aufforderung nachzukommen.

Als man ihm mit Nachdruck sagte, er solle hinausgehen, holte er zwei andere Aufseher. Als ihm der Diplomat erklärte, dass nach allen internationalen Verträgen und anzuwendenden Gesetzen, ein privates Gespräch mit dem Festgehaltenen ermöglicht werden müsse, antwortete der israelische Aufseher:

Go to your international tribunals, go to your law, we don’t care.”

In gewisse Weise hatte der Mann ja recht: seit Jahrzehnten wissen israelische Regierungsvertreter, dass auf die großen Worte der Diplomaten eben keine Taten folgen: Israel kann machen, was es will ….

Erst durch diesen Kontakt erfuhr ich, was eigentlich passiert war und dass viele Regierungen den Angriff verurteilten und eine Untersuchung fordern. Als wir – im rollenden Gefängnis – zum Flughafen gebracht wurden, sahen wir durch die Fenster die Gesichter der Israelischen Polizei, des Militärs und der Zivilbevölkerung. Ich hatte mich auf Spott und gehässige Bemerkungen eingestellt, aber was ich sah, waren hasserfüllte Blicke und aggressive Gesten. Die Erklärung dafür suchte ich darin, dass das Ansehen Israels trotz „erfolgreicher Operation“ sehr gelitten hatte.

Eines ist sicher. Das war ein gezielter Versuch, Angst zu erzeugen, also um ein politisches Ziel zu erreichen. Das ist die Definition von Terrorismus schlechthin. Wie aus dem Wörterbuch: echter Terrorismus, Staatsterrorismus durch Israel.“

Die vollständigen Interviews gibt es HIER (Englisch) und HIER

KEVIN NEISH, Kanada für  Coalition Against Israeli Apartheid

Bestätigt die Aussagen von Kevin Ogenden:

„Ich hatte gerade ein wenig geschlafen, als ich den Lärm von Granaten und Tränengas hörte, die auf unser Schiff nieder regneten und die Leute in Aufruhr versetzen. Ich war noch im Inneren des Schiffs. Durch das Fenster sah ich das ganze Chaos. … Ich ging dann ganz nach oben, um zu sehen, was dort los war. Ich sah, wie sie (Aktivisten) zwei israelische Soldaten überwältigten, ihnen die Waffen abnahmen und sie dann die Treppe runter stießen … und dann die Verwundeten  und die Toten … die Treppe war voller Blut auf einer Seite, Blut spritzte auf meine Kleidung…

Ich war auf dem hinteren Deck No.2 als der Kapitän über Lautsprecher durchsagte, dass wir das Schiff verloren hatten …sie hatten die Brücke übernommen.. das ganze dauerte etwa eine halbe Stunde, wurde mir später gesagt …

Wir sind alle auf unsere üblichen Plätze gegangen, wo wir ansonsten saßen oder schliefen und warteten, was die Israelis jetzt tun würden.  Sie waren alle noch draußen, auf dem Achterdeck und beobachteten uns durch die Fenster. Sobald jemand nur versuchte, aufzustehen, tauchten die roten Laserpunkte der Zielmarkierer auf und sie schrien uns an, wir sollten gefälligst sitzen bleiben.

Nachem sie das Schiff unter Kontrolle hatten, wurde ich mit Plastikbändern gefesselt – für 25 Stunden und durfte 15 Stunden lang nicht auf die Toilette gehen. Man musste betteln, vor den Typen zu Kreuze kriechen, damit man  aufs Klo gehen durfte. Ich pinkelte daher – irgendwie – auf den Boden,  Denn wenn man versuchte, ausfzustehen, wurde man bedroht mit Hunden, mit Schlägen oder mit einer Waffe an den Kopf …

Dann haben sie die Toten und die Verletzen weggebracht. Hanin war sehr tapfer. Sie setzte sich dafür ein, dass die verwundeten Türken und Araber, und alle die großen Durst hatten, aus der viel zu kleinen Ambulanz herauskamen. Eigentlich gab es dort nur Platz für zwei Leute, doch jetzt war der Raum völlig überfüllt.  Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, denn ich habe seit vier Tagen nicht geschlafen. Als ich im Gefängnis war, ließen sie mich nicht schlafen.

Ken O’Keefe kam in Ankara mit blutverschmiertem Gesicht und Hämatomen am Kopf an;  

„Die Israelis haben mich am Flughafen verprügelt und letzte Nacht im Detentioncenter in Tel Aviv nochmals. Aber das ist nichts, verglichen mit dem, was andere durchgemacht haben. Die Palästinenser kriegen das jeden Tag ab. Das ist alles, was ich habe. Diese blutigen Kleider, das ist alles, was ich habe.

Der US-Journalist Max Blumenthal schreibt dazu:

“Eine der bizarrsten Anschuldigungen die die IDF gegen den früheren US-Amerikaner erheben, ist, er habe geplant, eine Kommandoeinheit in Gaza zu trainieren. Das ist der gleiche Ken O’Keefe, der eine Schiffverbindung mit Hilfslieferungen für Gaza organisierte Aloha Palestine, gemeinsam mit der Schwägerin Tony Blairs, Lauren Booth.“

Warum sollte die Hamas einen Typen engagieren, der gar keine Erfahrung im Guerillakrieg hat, um ihre Elitetruppen auszubilden?

Das macht doch keinen Sinn. Das ganze ist wohl ein Versuch, einen aufrechten Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit so durch den Dreck zu ziehen, dass von seinem Charakter nichts mehr übrig bleibt.  Wodurch sich Kevin O’Keefe den Zorn der IDF zugezogen hat?  Ihm war es gelungen, die beiden Soldaten auf der Mavi Marmara zu entwaffnen und sein Statement zum Verhalten der „Elite-Einheit“ ist auch eindeutig:

„Alles, was ich sah, waren Feiglinge mit Waffen in der Hand.“

Hier sind Auszüge aus seiner Erklärung dazu:

Als man mich fragte, ob ich im Falle eines Angriffs das Schiff verteidigen würde, sagte ich begeistert, ja. Ich bin ein großer Befürworter der Gewaltfreiheit, sie muss immer die erste Option sein. Trotzdem beteiligte ich mich an der Verteidigung der Mavi Marmara, weil uns ja gar nichts anderes übrigblieb. Ich sagte das direkt zwei israelischen Agenten, wahrscheinlich Mossad oder Shin Bet und ich sage es jetzt wieder.

Am Morgen des Angriffs war ich direkt involviert bei der Entwaffnung zweier Soldaten. Das war eine gewaltsame, nicht diskutierbare Aktion, denn die beiden hatten bereits zwei Brüder ermordet. Einer davon starb durch eine Kugel mitten in die Stirn, eine offensichtliche Exekution. Ich wusste, die Kommandos waren darauf aus, zu töten, als ich ihnen eine 9mm Pistole abnahm.

Ich hatte die Waffe in meiner Hand und als Ex-Marine, der im Umgang mit Waffen ausgebildet wurde, hatte ich es in meiner Macht, diese Mordwaffe auch auf den Soldaten zu richten, der an diesem Verbrechen beteiligt war. Aber wir taten es eben nicht. Ich nahm ihm die Waffe ab, entfernte die Kugeln und versteckte die Waffe. Ich hoffte, wir könnten die Waffe später als Beweis in einem Strafverfahren vorlegen, in dem die Israelischen Behörden wegen vielfachem Mord angeklagt würden.

Ich war auch daran beteiligt, einem anderen Soldaten sein  Sturmgewehr abzunehmen, das dann  jemand ins Meer geworfen hat. Ich und viele andere kennen die Wahrheit, die das angeblich „mutige und moralische israelische Militär“  zum Gespött macht. Wir hatten drei komplett entwaffnete Soldaten in unserer Gewalt. Sie waren unserer Gnade ausgeliefert, im Inneren des Schiffs, umzingelt von mehr als 100 Männern. Sie hatten die Hosen gestrichen voll und glaubten wohl nicht, dass sie den Tag überleben würden.

Doch sie sahen sich eben nicht einem Feind gegenüber, der ebenso skrupellos ist, wie sie selbst. Stattdessen wurden sie verarztet und schließlich freigelassen. Zwar mit Schrammen und blauen Flecken, aber am Leben. Sie konnten noch die Sonne spüren und die Umarmung ihrer Liebsten. Nicht wie jene, die sie ermordet hatten.  Obwohl wir um unsere Brüder trauerten und voller Wut über ihren Tod waren, ließen wir sie gehen.

Die israelischen Propagandahuren können ihren widerlichen Dreck ausspeien so viel sie wollen, die Soldaten sind die Mörder, wir sind die Verteidiger und wir kämpften nicht nur für unsere Mission, nicht nur für die Menschen in Palästina, wir kämpften im Namen der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Wir taten das richtige.

Währen ich von den Israelis  [auf dem Schiff] festgehalten wurde, wurde ich auch gedemütigt und beschimpft. Sogar die Frauen und die Alten haben sie physisch und psychisch angegriffen. Man hat uns den Gang zur Toilette ebenso verweigert, wie das Trinken von Wasser, um den Durst zu löschen (Hitze in der Sonne). Hunde wurden nicht nur auf uns gehetzt, wir wurden selbst wie Hunde behandelt.

Wir wurden in Stresspositionen in die volle Sonne gesetzt, mit gefesselten Händen, die so stark einschnürten, dass fast die Durchblutung abgewürgt wurde. Man hat uns ständig angelogen. Wirklich, ich bin sehr beeindruckt von der Routine und Leichtigkeit, mit der sie lügen. Wir wurden auf verschiedenste Weise gedemütigt und ich wurde geschlagen und gewürgt, bis ich fast ohnmächtig wurde. Dann wurde ich, in meiner Zelle wieder geschlagen.”

O’Keefe hat auf seiner Website Zitate, die ihm sehr viel bedeuten, darunter das folgende von Mahatma Ghandi:

I do believe that, where there is only a choice between cowardice and violence, I would advise violence…. I would rather have India resort to arms in order to defend her honour than that she should, in a cowardly manner, become or remain a helpless witness to her own dishonour.”

Kevin O’Keefe  war sicher ein Katalysator für den Widerstand der Aktivisten gegen den brutalen Überfall mitten in der Nacht. Das wussten die Israelis genau. Hier wurde gezielt „shock and awe“ ausgeübt, um Gegengewalt zu provozieren und damit die eigene, kriminelle Gewalt  scheinbar zu legitimieren.

Bestätigt werden viele diese Aussagen durch ein Video, dass die New Yorker Filmemacherin und politische Aktivistin  Iara Lee herausschmuggeln konnte Sie ist Leiterin des „Cultures of Resistance“ Netzwerks und war mit drei anderen US-Bürgern an Bord der Mavi Marmara.

Mehr dazu im zweiten Teil der Zeugenaussagen:

We are civilians. Don’t use violence. And we have extremely injured people. We need medical help,” because we were not prepared medically to take care of, like, dead people. But we were ignored, and a lot of people who were injured actually ended up bleeding to death and died.

Crying and Shooting – Wie Israel die Medien an der Nase herumführt

“I think the Israeli military went out to commit murder, if they had wanted to stop us they could have attacked our rudder and propeller, instead they preferred to send masked commando soldiers to attack us. It was Israel’s choice to do this.

HENNING MANKELL im Interview für den Guardian

The amazing thing in all this is that so many Western journalists – [...] – are writing like Israeli journalists, while many Israeli journalists are writing about the killings with the courage that Western journalists should demonstrate.“

ROBERT FISK, The Independent

HASBARA – ODER WIE MAN DIE „FREIE PRESSE“ AN DER NASE HERUMFÜHRT

Wenn man im deutschen Sprachraum Reportagen und Kommentare über Gewaltaktionen (die eben nicht „Verbrechen“ genannt werden dürfen) der israelischen Regierung liest und sich vorher jahrelang mit dem historischen und politischen Kontext der „Nahostkrise“ beschäftigt hat, stellt sich das unangenehme Gefühl ein, man lebe in zwei Parallelwelten.

Spätestens seit „Operation Cast Lead“ und deren medialer Verarbeitung fühlt man sich wie eine Figur in einem Kafka Roman, die sich in einer Art „weird reality“ wiederfindet, in der der normale Alltag mit albtraumhaften Szenen verschmilzt. Unfassbare, beängstigende Vorgänge werden quasi normalisiert, und damit verharmlost, weil die Umgebung eben nicht so darauf reagiert, wie man es erwarten würde.

In der einen Welt treten Wissenschaftler, unbequeme Journalisten und andere politische Akteure auf, die in der anderen Medienwelt nicht existieren, weil sie nie erwähnt werden. Diese Dissidenten gefährden den allgemein akzeptierten Interpretationsrahmen für die „Spannungen“ im Nahen Osten, den auch österreichische und deutsche Journalisten praktisch unisono übernommen haben. Am Beispiel des Angriffs auf den Schiffskonvoi für Gaza lässt sich das verdeutlichen:

THE SAME PROCEDURE AS EVERY YEAR

Ben Segenreich „berichtete“ aus Tel Aviv über Vermutungen und Behauptungen, was den nun dabei „falsch gelaufen“ sei, wie die Einheit den Aktivisten „in die Falle gehen konnte“, etc. und übernahm damit gewissermaßen den Ball, den ihm die israelische PR zugeworfen hat (mehr dazu später) so etwa: … „man hätte die Soldaten nicht bloß mit Paintball-Gewehren bewaffnet auf dem Deck absetzen dürfen“ (Pressezitat aus Israel)

Diese Meldung wurde auch in den deutschen Medien kolportiert, doch wer hat sich die Mühe gemacht, sie zu überprüfen? Israel behauptete einerseits, das Kommando sei nur mit diesen harmlosen Waffen ausgestattet gewesen, also ein Beweis für die geplante „friedliche Erstürmung“ [Newspeak does not get any better!] (Quelle: ZDF ) andererseits wurde aber verbreitet, ein israelischer Soldat sei durch eine Waffe verwundet worden, die ein „gewaltbereiter“ Aktivist einem anderen Soldaten (Elitetruppe?) abgenommen hatte. ( Quelle wie vor)

A VISIT TO THE REAL WORLD

Die amerikanische Nachrichtensendung DEMOCRACY NOW! brachte am 2.Juni ein Interview mit Edward Peck, einem pensionierten US-Botschafter, der sich zwar nicht auf der Mavi Marmara befand, sondern auf einem anderen Boot, aber eindeutige Aussagen über die Bewaffnung der Soldaten machte (die sich mittlerweile mit anderen Zeugenaussagen decken) und die Darstellung Israels als „twisted reality“ kommentierte:

So the first thing we knew was the sound of footsteps, …, and there they were, heavily armed. And I notice the Israeli government keeps referring to the paint guns, but the paint guns were attached to the automatic weapons and the stun grenades and the pepper spray and the tasers and everything else that these guys carry. You know, paint guns are for fun.

Update: Inzwischen wurde die brutale, nicht provozierte Gewalt der Truppen mehrfach durch Zeugenaussagen bestätigt:

Das Märchen von der Harmlosigkeit der Truppe, die sich „unerwartet“ einem „Lynchmob“ gegenüber sah, lässt sich somit leicht widerlegen. Dass angesichts der Brutalität des Vorgehens des Kommandos, einige Aktivisten (trotz geplantem Gewaltverzicht) ihr Recht auf Selbstverteidigung ausübten , kann wohl niemand verurteilen, der noch die Fähigkeit besitzt, selbständig zu denken.

Dass man das übliche Agenturmaterial veröffentlicht ( Sicherheitsrat verurteilt Angriff“ ) ist kein Grund für Kritik, aber unerträglich, weil in allen Zeitungen die gleichen Platitüden stehen: So z.B. dass die UN eine „sofortige, unparteiische, glaubwürdige, transparente Untersuchung fordert“ und das Vorgehen Israels scharf „verurteilt“.

Auf welch erbärmliches Niveau (der Handlungsfähigkeit) die UN von Washington reduziert wurde, hat der deutsche Nachrichtenmoderator Klaus Kleber mit unfreiwilliger Komik bzw. Direktheit zum Besten gegeben.

Die USA erlaubten der UN [diesmal] sogar, eine Erklärung abzugeben“ (!)

Wittgenstein verstand, dass die Bedeutung von Worten durch die Art ihrer Verwendung ensteht bzw. verändert werden kann. Das Wort „Verurteilung“ oder „Kritik“ ist in diesem Kontext zu einer leeren Hülse geworden, es löst nur mehr Zynismus aus. Was hat es noch für einen Sinn darüber zu berichten, was Diplomaten sagen, wenn – Worte und Taten immer mehr auseinander klaffen? Was hat Journalismus noch für einen Sinn, wenn er nur die „offizielle“ Version der Geschehnisse abbildet („we write what they say“) und nicht mehr zwischen PR, Desinformation und „Reporting“ unterschieden wird ?

HASBARA: MANAGING PERCEPTIONS

Aktivisten erheben schwere Vorwürfe gegen Israel“ – Israel dementiert – Wem soll man glauben?

Formulierungen wie „Ankara beschuldigte Israel eines schweren Verbrechens“ oder „Der Sicherheitsrat ist kein Gericht“ suggerieren, dass es Ansichtssache sei, ob hier ein Verbrechen begangen wurde oder nicht. Doch das stimmt eben nicht: wie Mankell, die Parlamentarier aus Deutschland und Israel, etc. und der UN-Experte für internatonales Recht, Professor Richard Falk übereinstimmend feststellten, und jeder intelligente Mensch leicht nachvollziehen kann, handelt es sich hier um „einen Akt nackter Aggression“ bei dem folgende Verbrechen begangen wurden.

  • PIRATERIE: Ein ziviles Schiff wurde internationalen Gewässern gekapert
  • KIDNAPPING: die Passagiere wurden gewaltsam nach Israel gebracht
  • ENTEIGNUNG: Israel hat den Leuten alles abgenommen, sie durften nur ihre Pässe behalten
  • MORD: der 19-jährige Furkan Dogan starb durch vier Kopfschüsse und einen Schuss in die Brust – das ist keine Notwehr, das ist eine HINRICHTUNG und zeigt, dass die Aktion GEPLANT WAR
  • VERLETZUNG ZIVILER RECHTE: keine Information über Rechte
  • ungerechtfertigte Festnahme / 18 Stunden kein Zugang zu Rechtsanwalt / Isolation / Kommunikationsblackout / keine rechtliche Grundlage für Abschiebung /
  • EINSCHÜCHTERUNG / NÖTIGUNG (um schriftlich zu bestätigen, dass man „illegal eingereist“ und mit der Abschiebung einverstanden sei … )
  • BLOCKADE IST ILLEGAL (Kollektivbestrafung / Verletzung Art. 33 der Genfer Konvention) demnach ist auch ihr „enforcement“ auf hoher See ein VERBRECHEN (Navi Pillay, UNHC Human Rights)

Wie Falk weiter betont, muss die Berufung auf Selbstverteidigung natürlich den Passagieren zugestanden werden, nicht den Angreifern!

Doch in der Orwellschen Welt der Hasbara ist das Denken selbst manipuliert sonst hätten die Journalisten folgende Fragen gestellt:

  • Wenn Israel nichts zu verbergen hat und die Wahrheit sagt, wieso hat man dann sämtliche Aufzeichnungen der Aktivisten konfisziert (verschwinden lassen) und über die Festgenommenen stundenlang eine totale Informationssperre verhängt?
  • Wieso hat man klassische „information dominance“ in den Medien praktiziert und die Betroffenen so lange geknebelt, bis die Bilder und „Stigma“-Phrasen („Hamas“, Kontakte zu Terroristen“, und „Waffen gefunden*“ der übliche PR-Bullshit eben) über die Agenturen und den Echo-Effekt etabliert waren? (*genau betrachtet: Küchenmesser und ein zentral platzierter Krummdolch auf grüner Hamasfahne – ein filmreifes Set-up, zu gut,um wahr zu sein!
  • Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass diese Messer als Waffen benutzt wurden?
  • (Mankell sagte aus, man habe auf seinem Schiff stolz einen Einwegrasierer und ein Tapetenmesser als „“Waffenfunde“ deklariert – hat man nicht die Unterhose vergessen?!)
  • Wieso waren die „braven“ Soldaten eigentlich vermummt, wenn sie nichts zu verbergen haben?
  • Wieso ist der „Verletzte“ Soldat nur von hinten gefilmt worden? Wieso steht am Fußende des Bettes ein „Aufpasser“ (Militäruniform erkennbar)?

  • Wieso ist das Geschehen auf dem Deck so gut erkennbar, wenn es draußen noch dunkel war? (Night-vision Filme sehen anders aus; ich persönlich glaube, der ganze Film ist ein „Fake“, produziert zur „Fütterung“ der Medien, die die Propaganda dann „multiplizieren“)
  • Man sieht nicht, auf wen oder was sie „schlagen“, denn die Kamera befindet sich außerhalb des Schiffes und die Schiffswand blockiert die Sicht ? Was für ein „Beweis“ soll das sein?
  • Man sieht auf dem Video einen der angeblichen schlagenden (vermummten) „Aktivisten“ mit einer Gasmaske, wie erklärt man das?
  • Wieso hat man die Namen der Toten und Verletzten (so lange) nicht veröffentlicht?
  • Wieso wurden den Sanitätern des Schiffes verweigert, die Verletzten zu begleiten?
  • Wieso hat man erst so spät medizinische Hilfe geleistet? (Sarah Colborne)
  • Wieso hat die  Presse “vergessen” to erwähnen, dass alle Passagiere und die Crew von den türkischen Behörden auf Waffen gescannt wurden, BEVOR das Schiff ablegen durfte?
  • Wieso hat hier niemand erwähnt, dass die Organisatoren (Israel gegenüber) angeboten hatten, das Schiff noch einmal auf See von einer neutralen Organisation überprüfen zu lassen (UN / IRC)?

Während sich Journalisten mit dem „PR-Desaster“ für Israel oder „Kritik an Israel an unzureichendem Einsatz“ befassen, gerät die bittere Realität und das eigentliche Thema immer mehr ins Abseits. Sich um das „Ansehen“ der Täter zu kümmern, sich zu wundern, warum solche „Pannen“ passieren, all das ist noch nur gezielte Ablenkung (Hasbara für die „israelische“ Zielgrupp, die unsere Medien übernehmen) von dem „großen Elefanten im Raum“, über den niemand hier sprechen will:

Israel praktiziert seit seiner Gründung Staatsterror und ist – dank Holocaust und US-“Rechtsschutzversicherung“, aber auch durch unglaublichen Gleichklang / Einfalt / Kontrolle der Medien – de facto rechtlich unantastbar.

Jeder der die umfangreiche „Dissidentenliteratur“ kennt (Norman Finkelstein, Noam Chomsky, Ilan Pappe, Avi Shlaim, Neve Gordon, Robert Fisk, John Pilger, Amira Hass, etc. aber auch Berichte von HRW, der OCHA, , ICAH,D B’tSelem, etc. der Goldstone Report, und israelische Soldaten selbst) die ein ganz eindeutiges Bild des wahren Israels zeigt (als Staat), ist keinesfalls überrascht über das, was Henning Mankell und die anderen Zeugen (aus allen Bereichen der Gesellschaft) aussagen und es gibt deshalb keinen Grund, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen.

Im Gegenteil, deren Schilderungen bzw. die absurden Behauptungen Israels passen genau zu diesem Verhaltensmuster, das als

BOKHIM YE YORIM“(Jammern und Schießen)

bekannt ist. Professor Avi Shlaim wies auf dieses „Crying and Shooting“ -Syndrom bereits während des Massakers von „Operation Cast Lead“ hin:

“The resort to brute military force is accompanied, as always, by the shrill rhetoric of victimhood and a farrago of self-pity overlaid with self-righteousness,”

Den Begriff gibt es nur in der hebräischen Sprache und er bedeutet, dass man es schafft, seine Macht durch brutale Gewalt zu demonstrieren und sich gleichzeitig selbst als Opfer darzustellen, das durch unglückliche Umstände dazu genötigt wird. Das ganze Theater wird dann noch durch eine Garnitur aus Selbstmitleid und Selbstgerechtigkeit abgerundet, die ihresgleichen sucht.

Sowohl Ex-Botschafter Peck als auch Henning Mankell sagten aus, dass sie wissen wollten, was man Ihnen als Rechtsbruch vorwerfe, wodurch also Festnahme und Abschiebung gerechtfertigt wären.

Antwort: Sie hätten Israel ILLEGAL betreten. Über diese Chutzpah ist man ebenso baff wie die Betroffenen, denn sie wurden ja GEWALTSAM nach Israel gebracht und GAZA ist eben KEIN TEIL VON ISRAEL!

Während sich Sharon für seine scheinbar noble Geste feiern ließ, weil er den „Rückzug“ von Gaza durchsetzte und man uns tagelang die ergreifenden Szenen der deportierten Israelis vorspielte, hat Israel de facto nie die Kontrolle über Gaza aufgegeben, wofür es aber keine rechtliche Grundlage gibt. ISRAEL HAT KEIN RECHT, Gaza ist ein Gefängnis zu verwandeln und der Hinweis auf die Bedrohung durch (lächerlichen) „Raketen“, hat Noam Chomsky (siehe unten) auf den Punkt gebracht: „Stop committing crimes, then the rockets will stop.“ Aber Ursache und Wirkung sind eben in unserer Medienwelt auf den Kopf gestellt.

Man ließ die Leute also unterschreiben, sie hätten Israel illegal betreten und seien mit der Abschiebung einverstanden! Das ist also die einzige „Demokratie“ im Nahen Osten – Carl Schmitt lässt grüßen ….

Wie es im „ausgewogenen“ Journalismus üblich ist, berichtet man, was die einen (Aktivisten) und die anderen sagen (Israelische Regierung bzw. IDF) und der Leser kann sich dann entscheiden, wem er glauben will. Doch ist das wirklich der Sinn von Journalismus? Gibt es keine Verpflichtung mehr, die Wahrheit herauszufinden, anstatt die etablierten „Frames“ und Interpretationsmuster zu bedienen?

(siehe dazu Nick Davies: FLAT EARTH NEWS , der auch die publizistischen “rules of production” an den Pranger stellt)

TO SEE WHAT’S IN FRONT OF YOU NEEDS A CONSTANT STRUGGLE (George Orwell)

Der unbequeme Veteran unter den „Dissidenten“ und scharfen Kritikern der imperialen US-Politik und ihrer „client states“ im Nahen Osten, Noam Chomsky, findet klare, berechtigte wenn auch zynische Worte, für die ewig in Anspruch genommene „Selbstverteidigung“ Israels im Zusammenhang mit dem Angriff auf ein anderes Schiff, die „Dignity“ (2009) die auch heute zutreffen: „Israel issued the routine lies“.

Der größte Witz ist natürlich, dass das Wort „Self-defense“ durch ständige Wiederholung in den Medien sich schon lange verselbständigt hat und ein „buzz-word“ geworden ist, ebenso wie der hoch inflationäre verdummende Gebrauch des Wortes „Terror“. Dank der effektiven israelischen „information dominance“ in den Medien, werden diese Begriffe, vor allem ihr Missbrauch, nicht mehr rational hinterfragt, sondern lösen emotionale Reaktionen aus, was ja auch erwünscht ist . Die Presse übernimmt kritiklos viele eingefahrene Formulierungen, obwohl sie schon lange sinnlos geworden sind: so z.B.

  • der französische Präsident kündigte eine Initiative mit den USA an, um die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen

Es gibt KEINEN Friedensprozess – das ganze ist eine unerträgliche Farce, eine PR-Inszenierung für die Medien, wie unzählige Analysen von Chomsky, Finkelstein, und anderen „revisionistischen“ und aufmüpfigen Historikern und politischen Analysten, die sich nicht das Denken verbieten lassen, klar beweisen.

Die historischen Fakten sind klar: Israel hatte mehrmals Gelegenheit, Frieden zu schließen, doch es entschied sich stattdessen für kontinuierliche Expansion (siehe o.a. Berichte) (der „Rückzug“ von Gaza war kein Akt von Good-Will, sondern beinhartes, perfides Kalkül – siehe Dov Weissglas von Chomsky zitiert) und brutale Besatzung, die Ursachen des „Terrors“ (der gewaltlosen Widerstand, z.B. Demos in der West Bank, wird hier völlig verschwiegen)

Die ganze künstliche „nationale Identität“ Israels wird nur durch das Heraufbeschwören einer ewigen „Bedrohung“ zusammengehalten, gegen die sich dann Regierung und Militär (eine Kategorie, nicht zwei) als Beschützer des auserwählten Volkes (in Gottes Auftrag auch als „Rückerstatter“ des Heiligen Landes) in Stellung bringen können. (Eine exzellente Analyse der Psycho- und Soziopathologie des Zionismus und des israelischen Staates bietet Joel Kovel in OVERCOMING ZIONISM)

Doch offenbar sind die „Korrespondenten in Washington“ die letzten, die das immer noch nicht begriffen haben, und eben noch nicht „in der Realität angelangt“ sind.

Dürfen US-Korrespondenten Chomsky lesen oder gar darüber schreiben? Wie naiv oder indoktriniert sind diese Leute?

Es ist unfassbar, dass man nach der Ermordung von mindestens 10 Menschen (es werden offenbar immer noch Menschen vermisst!) immer öfter Sätze wie „das hat Israel schweren Schaden gefügt“ lesen muss. Schon wieder die Sorge um das „Ansehen“ eines Staates, der schon lange keines mehr hat, weil die Doppelmoral und Selbstgerechtigkeit unerträglich und nach „Cast Lead“ klar ist, das man vor nichts zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen (den Palästinensern wurde bereits jede Menschlichkeit aberkannt, siehe die Aussagen von „Breaking the Silence“ , aber die darf der Korrespondent wohl auch nicht lesen?)

Ein weiteres semantisches „prefabricated henhouse“ (Aldous Huxley) ist auch der häufige, aber hirnlose Gebrauch des Ausdrucks „ das Existenzrecht Israels“, der natürlich vorzugsweise im Kontext der dämonischen Hamas zu verwenden ist. Erstens hat kein Staat ein solches, schon gar nicht einer, der mehr als 60 Jahre nach seiner Gründung noch immer keine Verfassung und keine festgelegten Grenzen hat und zweitens, gemeint ist natürlich die ANERKENNUNG eines Staates, die normalerweise dann erfolgt, wenn er grundlegende ethische Normen, Menschenrechte und entsprechende Gesetze respektiert. Das alles ist jedoch im Falle Israels (schon alleine als ethnozentrischer Staat) nur sehr begrenzt der Fall, trotzdem wird das Land so behandelt, als wäre es eine „Demokratie“, die den Namen verdient.

SURROUNDED BY A TAPESTRY OF LIES (Harold Pinter, Nobel Speech 2005)

Der Kommentar von Hans Rauscher (Der Standard) ist ein Paradebeispiel für die Effektivität der Mythen und der PR, die Israel seit seiner Gründung verbreitet hat. Schon der Titel „Schwere Zeiten für die Freunde Israels“ ist ein schwaches Echo von „crying and shooting“ und der erste Absatz führt uns wieder in die Welt der Hasbara, denn Rauscher beklagt allen Ernstes, dass die „

  • Effizienz, Disziplin und Präzision, für die die israelische Armee berühmt war, [neuerlich, nach Libanoneinsatz] stark in Zweifel gezogen werden muss“ und dass
  • Berichte über unangemessene Gewaltanwendung gegen Zivilisten, ungerechtfertigte Tötungen und sogar über Plünderungen die moralische Autorität des Vorgehens gegen die Terroristen von Hizbollah und Hamas untergraben“

Die historische Evidenz für die systematische Brutalität und Ermunterung zu Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrrechen in der IDF ist so überwältigend (von den Tagen der Haganah bis heute – siehe Tagebücher Ben Gurion, u.a. Politiker, etc. bis Breaking the Silence, B’tselem, u.a.), dass man sich fragen muss, wie ein intelligenter Journalist diesen Propaganda-Märchen auf den Leim gehen kann. „Moralische Autorität“ ist inkompatibel mit „israelische Regierung / IDF“ (egal wer an der Macht ist) und die primitive Dämonisierung von Hamas und Hisbollah wäre lächerlich, wenn damit nicht eine Dehumaniserung verbunden wäre, die durchaus an Nazi-Zeiten erinnert („Staatsfeinde“ haben keine Rechte).

Dass sowohl Hamas als auch Hizbollah „Kreaturen Israels“ sind, also das Resultat der schweren Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzung und Unterdrückung des legitimen Widestandes, (bzw. der jahrelangen Grenzverletzungen und wiederholten Massaker im Libanon) braucht man hier ja nicht erwähnen, das wäre ja Kontext – um Gottes Willen. Dass anfangs Hamas sogar von Israel gefört wurde, als Gegenspieler zur PLO / Fatah, tut auch nichts zur Sache:

Ironically, it was senior officers of the “old” Israeli army who first encouraged the “terrorist” Hamas to build mosques in Gaza – as a counterbalance to the “terrorist” Yasser Arafat up in Beirut – and I was a witness to one of their meetings“

Robert Fisk, The Independent

Dass Hamas eine demokratisch gewählte Partei, und auch eine soziale Organisation ist (weshalb sie ja so populär wurde), die nach dem Wahlsieg mehrfach Angebote für ein „unity government“ und Waffenstillstand machte, was dann von US / Israel durch Schüren eines Bruderkrieges bzw. clandestine Übergriffe, Verschleppungen und Morde in Gaza vereitelt wurde, braucht auch keiner zu wissen.

Und wie definiert Herr Rauscher dann die komplementäre Kategorie der „gerechtfertigten Tötungen“ (von Zivilisten) und warum setzt er das Wort „SOGAR“ (nur) vor „Plünderungen“? Kennt Herr Rauscher nicht John Pilger’s „Palestine is still the Issue? Oder die Dokumentation „The Iron Wall“?

Dieses Verhalten der Soldaten ist keinesfalls eine Ausfallserscheinung, sie ist seit Jahren bekannt und wird von „ganz oben“ gutgeheißen (siehe auch Haaretz Berichte über Militärrabbis, die vor dem Gazamassaker betonen, man müsse kein schlechtes Gewissen haben, schließlich seien die Araber, als Nicht-Juden keine (wirklichen) Menschen … und „Burning Conscience“ (IDF- Soldaten))

Leider geht Herr Rauscher, wie fast alle seiner Kollegen, dem Hasbara-Spin voll auf den Leim: die Tötung der Aktivisten (wie viele es tatsächlich waren ist unklar, es werden noch Menschen vermisst) war keinesfalls das Resultat einer „Panne“, oder Fehlreaktion. Vier Schüsse in den Kopf und eine in die Brust – das ist kein „unkontrolliertes Drauflosknallen“, das ist eine Exekution. Dass alle getöteten Muslime und keine EU-Bürger (sondern Türken,) waren, ist natürlich auch kein Zufall – eine Message an Erdogan, die Mafianiveau hatte. Außerdem ist auch bekannt, dass Israel solche Einsätze gerne als Test für „counterinsurgency“-Taktiken oder neue Waffen benutzt (wie Taser, Mikrowellen, neuartige Gase zur Crowd-Control, etc.)

Wer heute noch (spätestens nach dem Goldstone-Report) Israel „legitime Selbsverteidigung“ abnimmt“ und vom „internationalen Ansehen“ spricht (Welches Ansehen?), müsste eigentlich wegen Verdacht auf politischen Autismus und chronischer Naivität untersucht werden.

Herr Rauscher beklagt weiters, dass besonders bei den „jüngeren, gebildeten Menschen“, Israel seinen

moralischen Bonus“ verloren habe, ja sogar „als Aggressor und rücksichtlose Besatzungsmacht …. empfunden werde… und zwar „nicht nur von Anti-Semiten“.

Das "Wahrheitsministerium" informiert

Woher kam denn dieser angeblichemoralische Bonus“, Herr Rauscher? Durch die Instrumentalisierung des Holocaust? Ist ein erlittenes, ungeheures Unrecht ein Blankoscheck für ein selbst ausgeübtes gegenüber anderen „Untermenschen“ („Arabushim“? Und das Word „empfunden“ ist zu verharmlosend, weil es eine persönliche Einschätzung impliziert. Doch die Besatzung und Aggression sind dokumentierte Tatsachen, eine Form von Staatsterror und kein subjektives Gefühl.

Die Doppelmoral des Zionismus, die Terroranschläge während der britischen Mandantszeit, die Aufzeichnungen Ben-Gurions und die dokumentierte ethnischen Säuberungen der Nakba lassen keinen Zweifel daran, dass dieser „Bonus“ eine gewaltiger Betrug ist, die nur durch bewußt geförderte Ignoranz der historischen Tatsachen aufrecht erhalten werden kann.

Der Autor hat völlig Recht, wenn er konstatiert, besonders die „Freunde Israels“ müssten sich ein realistisches Bild von der Israelischen Politik machen. Doch was tragen die Medien dazu bei und wie definiert sich denn „ein Freund“ Israels? Einer, der die zahlreichen Verbrechen nie erwähnt und völlig verzerrte Selbstwahrnehmung des Zionismus einfach übersieht?

Denken wir an Kissinger : „states don’t have friends, they have interests“

Sind Menschen, die Respekt vor den Rechten der Palästinenser fordern, „Feinde“ Israels? Die sich für ein Ende der unmenschlichen Gaza-Blockade einsetzen, dessen „Gegner“?

Herr Rauscher stellt auch richtig fest, dass die „jetzige Regierung an echtem Friedensprozess nicht wirklich interessiert“ sei. Eine kleine Korrektur ist nötig: die anderen Regierungen waren es auch nicht, sie haben alle den Siedlungsbau vorangetrieben und das Leben unter der brutalen, scheinbar endlosen Besatzung zur Hölle gemacht (siehe dazu die Berichte von B’tselem, UNHRC, u.a.)

Warum machen sich Kommentatoren so viele Gedanken über Israel’s Befindlichkeit und so wenig darüber, wie die Palästinenser seit mehr als 40 Jahren leben müssen? Warum wird die NAKBA einfach totgeschwiegen? Warum wird nie gezeigt, was es heißt, in der West Bank oder in Gaza zu leben „wie Hunde“ (Moshe Dayan) oder wie benommene Küchenschaben, die wie verrückt in einer Flasche herumkrabbeln“ (Rafael Eitan)?

DIE BITTERE REALITÄT, also DIE URSACHEN FÜR DEN „Terror“, den Israel vor sich her trägt, wie ein Schutzschild gegen Kritik und eine Ermächtigung für systematische Verbrechen, die man dann als „Selbstverteidigung“ verkauft, lässt sich wunderbar an einem Vortag zweier Israelis demonstrieren, die 2007 im MIT zum Thema „“Human Rights and Politics in Palestinereferiert haben: Jeff Halper, Anthropologe für IAHD, und die Philosophie-Professorin und B’tselem Aktivistin Anat Biletzki.

Während Biletzki verdeutlich, was die Besatzung wirklich bedeutet („life as we all know it, does not exist in Palestine“) geht Halper auf das – für die Medien – zentrale Thema ein: REFRAME THE DEBATE: „Israel hat es geschafft, sich selbst als diese kleine, ständig bedrohte Land hinzustellen , das sich nur gegen „Terror“ schützen will …wir wollen ja Frieden, aber diese verrückten Araber lassen das einfach nicht zu.“

DAS IST NAÜRLICH ALLES BULLSHIT, was sich leicht anhand der historischen Fakten beweisen lässt, aber warum traut sich hier kein Journalist, das hier auszusprechen?

Durch welche Methoden die israelische PR-Maschinerie die Öffentlichkeit für dumm verkauft, hat dieser Film analysiert:

Peace, Propaganda and the Promised Land: (Link zum Google-Video wird öfter gestört!

  1. DIE BRUTALE BESATZUNG WIRD „UNSICHTBAR“ GEMACHT (man darf keine Empathie für die Opfer zulassen ebensowenig die Einsicht, dass es die Palästinenser sind, die sich verteidigen, nicht Israel)
  2. DIE WEITERGEHENDE KOLONISATION EBENSO (desinfizierte Sprache „Siedlungen ausgebaut“)
  3. GEWALT IM VAKUUM (Widerstand gegen Besatzung aus dem historisch-politischen Kontext isoliert)
  4. WIRKUNG ALS URSACHE PRÄSENTIERT ( ,,,Terror“ ist da, wir müssen uns davor schützen …)
  5. MEDIEN ALS WILLIGE HELFER (Themenauswahl, Blickwinkel, vom israelischen Framing definiert)
  6. MYTHOS DER USA als GUTMEINENDER „VERMITTLER“
  7. MYTHOS VOM GROSSZÜGIGEN ANGEBOT: Camp David und die Oslo-Lüge
  8. AN DEN RAND GEDRÄNGTE STIMMEN („control of content“ : Akteure, die das offizielle Bild in Frage stellen würden, komen nie vor (CENSORSHIP BY OMMISSION)

Aldous Huxley schrieb in seinen Gedanken über Propaganda, dass Hitler es geschafft habe, die Deutschen am „unabhängigen, selbständigen Denken zu hindern“, unter Ausnutzung von damals neuartigen Massenmedien wie Radio und Film.

Angesichts dessen, was man heute in unserer „Demokratie“ in den Zeitungen liest – bzw. was man VERMISST, NÄMLICH DIE DEMASKIERUNG EINER UNGLAUBLICHEN PR-MASCHINERIE, die das ETABLIERTE PUBLIZISTISCHE SYSTEM AUSNUTZT, UM IHRE LÜGEN ZU VERBREITEN ( vor allem durch die PRESSEAGENTUREN) kann man nur zu dem traurigen Schluss kommen, dass die „Pressefreiheit“ auch nur mehr ein sinnentleerter Begriff ist.

Aldous Huxley, George Orwell, Harold Pinter u.a. erkannten, wie die Sprache als politische Waffe eingesetzt wird und unsere Denkfähigkeit einschränkt.

Wenn Journalisten (bei uns) dem nichts mehr entgegenzusetzen haben, ist die Demokratie erledigt. Man braucht keine Gestapo mehr, keine Stasi, keine Schlägertruppen, die Presse selbst wird zum Instrument der Mächtigen, die „Zensur“ erfolgt freiwillig durch die „Produktionsmethoden“, die die Sprache selbst zu einer PR-Waffe verkommen lässt.

“The great crimes against most of humanity are justified by a corrosive debasement of language and thought… [that] have fabricated a linguistic world of terror, of demons and saviours, of axes of good and evil, of euphemisms” designed to disguise a state terror that is “a gross perversion” of democracy, liberation, reform, justice.

James Petras

„New Hasbara effort to blame victims for their murder. IDF claims activists attempted to wrestle IDF arms away from soldiers. I urge every journalist who reports this story to remember the history of lies for which the IDF is known in such embarrassing situations. This report is NOT verified or authenticated and should not be treated as such.“

Tikun Olam (Jewish-American Blog)

Fortsetzung folgt ….

Evil News: Das Böse der selektiven Nachrichten

Am 26. Dezember 2009 wurden sechs Palästinenser durch israelische Staatsgewalt getötet.

Drei Männer starben im belagerten Gaza in der Nähe des Grenzüberganges Eretz durch einen Luftangriff der IDF.

„Nach Angaben einer israelischen Militärsprecherin hatte eine Streife beobachtet, wie sich mehrere Verdächtige am Boden kriechend dem Grenzzaun näherten. Daraufhin hätten die Soldaten das Feuer eröffnet. Als die Verdächtigen dennoch weiter auf den Zaun vorgerückt seien, hätten die Soldaten Luftunterstützung angefordert. Ein Kampfflugzeug habe die Palästinenser dann unter Beschuss genommen und direkt getroffen. Nach Angaben der Sprecherin seien später Beweise gefunden worden, die belegten, dass die Getöteten bewaffnet und in feindlicher Absicht unterwegs waren.“

Quelle: Die Zeit Online

Nach Angaben der Hamas hatten die Männer aber nur nach Schrott gesucht, den man noch verwerten könne. Andere Meldungen sprechen davon, sie hätten die Grenze überqueren wollen, um  Arbeit in Israel zu suchen.

Wie auch immer, wir sehen hier das erschreckende Konzept des staatlich autorisierten Präventiv-Mordes zur angeblichen Verhinderung eines Terrorattentates. Kurzfassung: Zuerst schießen oder bombardieren, dann „Beweise“ finden, die den Mord scheinbar legitimieren. Ich kann mir nicht helfen, irgendwie erinnert das an Nazi-Deutschland und seine „Ermächtigungsgesetze“ zur  vorbeugenden Bekämpfung gefährlicher „Staatsfeinde“ …

In der Stadt Nablus im Westjordanland wurden drei Fatah-Mitglieder nachts in ihren Häusern von maskierten Spezialeinheiten  ermordet. Zumndest einer davon war Mitglied der  Al-Aqsa-Brigaden, des  bewaffneten Widerstandskommandos der Fatah. Die Morde können wohl als Vergeltungsaktion für den Anschlag auf einen jüdischen Rabbi (Meir Hai) gesehen werden, der am Tag zuvor in der Nähe der Siedlung Shavei Shomron – nach Angaben von Haaretz – von Al Aqsa Mitgliedern verübt worden war.

Das ist keine Rechtfertigung für einen Mord, aber der Kontext fehlt bei uns völlig:  Anschläge als Folge systemischer Gewalt durch Israel: Über die tägliche Gewalt der Siedler berichtet hier die UN in einem Factsheet, einen ausführlichen Report über die verheerenden Auswirkungen der “Siedlungen” (die alle nach Völkerrecht illegal sind) auf das Leben der Palästinenser im Westjordanland können sie HIER downloaden -  auf der Seite ganz unten links, Titel:

The Humanitarian Impact on Palestinians of Israeli Settlements and Other Infrastructure in the West Bank | July 200

Nach Angaben von Augenzeugen wurden die Männer ohne Warnung kaltblütig hingerichtet. Das israelische Militär streitet dies – wie immer – ab und behauptet, die Männer hätten einer Aufforderung, sich zu ergeben, nicht Folge geleistet.

KONTEXT

Israelische Anti-Kriegsaktivisten und Menschenrechtsgruppen hatten erst kürzlich schwere Vorwürfe gegen die eigene Regierung erhoben, weil sie verstärkten Repressalien und Verunglimpfungen ausgesetzt seien, die sie – angesichts des Jahrestages des „Gazakrieges“ (Operation Gegossenes Blei) – zum Schweigen bringen sollten. Im Dezember fand die erste große ACRI Demonstration gegen Menschenrechtsverletzungen in Israel und den besetzten Gebieten statt.

Es lohnt sich, den 72-Seiten starken Report von ACRI (Association for Civil Rights in Israel) zu lesen, damit das in unseren Medien immer wieder kolportierte Bild Israels, als „einziger Demokratie im Nahen Osten“ zurecht gerückt wird. Menschenrechtsverletzungen und rassistische Diskriminierung gehören in Israel zur Tagesordnung, besonders die arabischen Staatsbürger können davon ein Lied singen. Israel ist (wie auch die USA) eine „formale“ Demokratie, aber in der Praxis ein „Militärapparat, der sich einen Staat leistet“, wie ein ironischer Kommentar so treffend festgestellt hat.

Seit dem Massaker in Gaza im Jänner 2009, das natürlich auch viele aufrechte Israelis entsetzt hat, werden politische Aktivisten, die das idealisierte Selbstbild  Israels (wir sind die ewig Unschuldigen, unsere Gewalt ist immer gut und nur als Selbstverteidigung zu sehen) durch ihre Aufklärungsarbeit gefährden, besonders angegriffen und denunziert.

Wir erinnern uns an die schockierenden Aussagen von IDF-Soldaten, die die Organisation „Breaking the Silence im vergangenen Sommer veröffentlicht hat [siehe dazu auch meine vorhergehenden Beiträge zum Thema Israel]

Wie hat die Welt darauf reagiert? Gar nicht.

Denn von wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. in der britischen Qualitätspresse oder unabhängigen Radio / TV-Stationen im Internet), hat die Medienherde den Skandal nur kurz erwähnt und dann verschwand er im schwarzen Loch der Nichtbeachtung, im journalistischen Mülleimer. Aus den Augen, aus dem Sinn. Dasselbe passierte mit vielen anderen, kritischen Untersuchungen über die Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen der israelischen Armee (IDF), wie z.B. der kürzlich veröffentliche Goldstone Report der Vereinten Nationen (ein Link dazu findet sich im Beitrag “Todesanzeige”)

Israel tat die schweren Vorwürfe (der eigenen Soldaten, die natürlich anonym bleiben wollten) als lächerlich und unglaubwürdig ab, und wies nur darauf hin, dass die kritischen Organisationen (sprich: Staatsfeinde, die die sakrosankte Armee beschmutzen)  mit Geld aus dem Ausland unterstützt werden, so auch aus der EU.

Da man die Fakten des Staatsterrors nicht widerlegen kann, konzentriert man sich auf das, was jeder Jurist vor Gericht auch attackiert, wenn er sonst nichts Greifbares  hat: den Charakter des Gegners. Man muss die Aufmerksamkeit weg von den Inhalten auf die Persönlichkeit des Gegners lenken. Seine  „niedrige“ Motivation, sein „zweifelhafter“ Charakter, seine “unmoralische Absicht”  müssen in den Mittelpunkt der Debatte rücken, auch wenn diese Anschuldigungen völlig aus der Luft gegriffen sind, es wirkt, weil die Medien nie diese Taktik bloßstellen und sie selbst zum Gegenstand der Kritik machen.

Ob israelische Menschenrechtsgruppen, jüdische Intellektuelle und Wissenschaftler wie Norman Finkelstein oder Joel Kovel, honorige Juristen wie Richard Falk oder Richard Goldstone, sie alle wollen dem Staat Israel nur schaden, weil sie einfach fiese Typen sind oder „self-hating Jews“ (die Absurdität kennt offenbar keine Grenzen, denn das ist der Einsatz des „ Anti-Semitismus“ Vorwurfs bei Leuten, die selbst Juden sind) oder „heimtückischen“ Organisationen angehören wie der UN oder HRW, etc.

Wie lange kommt die israelische PR mit diesem Schwachsinn noch durch?

So lange, wie unsere Medien ihn willfährig und unkritisch verbreiten.  Und sie gehen noch einen Schritt weiter: sie bieten der israelischen Propaganda eine stets zur Verfügung stehende, scheinbar seriöse Platform der subtilen Desinformation, wo voreingenommener Kommentar als „unabhängiger Bericht“ in einer Nachrichtensendung durchgeht.

So etwa gestern das ZDF in der Sendung „heute journal“: (Auszug)

Heute vor einem Jahr begann im Nahen Osten ein furchtbar ungleicher Krieg. Die regionale Supermacht Israel griff mit Artillerie, Panzern und Bomben das Palästinensergebiet Gazastreifen an, eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt und bettelarm. Dort starben wahrscheinlich 1400 Menschen, auf israelischer Seite in den Tagen des Krieges, 13.

„Offizieller Grund für den Angriff waren ständige Terrorattacken aus Gaza, die das Leben in den grenznahen israelischen Siedlungen zur Hölle machten. Die radikal-islamistische Hamas wollte das so. Ihr passte auch der Krieg ins Konzept, weil er auf den Fernsehschirmen der Welt Israel als brutal agierende Übermacht vorführte.“

Vielleicht sollte das ZDF in Zukunft seinen Zuschauern im Anschluss an solche pro-israelische  Propaganda folgendes mitteilen:

„Dieser Beitrag wurde Ihnen vom israelischen Informationsminister gewidmet.“

Erstens ist das ZDF das einzige deutschsprachige TV-Medium, das die Zahl der Toten Einwohner Gazas in Frage stellt („wahrscheinlich“ 1400 Tote, damit wird suggeriert, es könne sich um Propaganda handeln, es könnten doch wesentlich weniger Tote gewesen seien, was Israel  ja auch ursprünglich behauptete).

Zweitens ist es eine Ungeheuerlichkeit ersten Ranges, die Israelis als Leidtragende in den Vordergrund zu stellen, während der tägliche Horror in Gaza einfach ignoriert wird. Der norwegische Arzt Dr. Mads Gilbert, der unter grauenvollen Bedingungen im Al-Shifa Krankenhaus in Gaza Notperationen durchführte, sagte damals in einem Interview:

Das sind Szenen aus Dante’s Inferno“.

Dass Bombenterror ein furchtbares Erlebnis ist, versteht jeder, besonders in einem extrem dicht besiedelten Gebiet, aus dem niemand fliehen kann, weil die Grenzen durch unmenschlichen und völkerrechtswidrigen Missbrauch von Staatsgewalt verriegelt wurden.

Den Gazastreifen einfach als „Palästinensergebiet“ zu bezeichnen, ist an sich eine journalistische Bankrotterklärung, denn es handelt sich ja in Wahrheit um ein Ghetto, ein Freiluftgefängnis, indem mehr als 1,5 Millionen Menschen dahinvegetieren, weil sie als Nicht-Juden (nach den Lehren des Judaismus) quasi Untermenschen sind, und weil sie es gewagt haben, in einer demokratischen Wahl die falsche Partei zu wählen: nämlich jene, die nicht korrupt ist und sich weder von Israel, noch von den USA kaufen oder einschüchtern lässt.

Doch auch das Leben davor war in Gaza eine veritable Hölle, nur hat das ZDF (wie die meisten anderen Medienschafe) es stets verabsäumt, über die wahren Zustände ungeschminkt zu berichten.

Immer wurde und wird die Propaganda verbreitet, dass die Gewalt stets von den Palästinensern ausginge. So etwa die Meldung, die Hamas habe im November 2008 den Waffenstillstand gebrochen. Verschwiegen hat man z.B. die Tatsache, dass israelische Einheiten in der Nacht vom 4. auf den 5. November, als die ganze Welt wegen der Präsidentschaftswahlen nach Washington starrte, in den Gazastreifen einfiel, und sechs Palästinenser töteten. Weggelassen hat man auch, dass im Gegenzug für die Einhaltung bzw. Fortführung des Waffenstillstandes durch Hamas,  Israel verpflichtet war, die verheerende Blockade zu lockern bzw. aufzuheben.  Doch nach dem 5. November war klar, dass Israel erneute Gewalt provozieren wollte. Erst dann wurden die Raketenbeschüsse wieder aufgenommen …

Die zahllosen Terroraktionen Israels in Gaza, die „extrajudiziellen Hinrichtungen“ (Mord  an Hamasmitgliedern am helllichten Tag, wobei oft auch zahlreiche Familienmitglieder und Passanten getötet oder verletzt wurden, die massenweise Verhaftung von gewählten Parlamentariern nach den Wahlen 2006, etc.)

Ich muss schon wieder Pinter zitieren, der die mediale Desinfektion (in meinem Kontext – der Schandtaten Israels) so gut beschreibt:

„It never happened. Even while it was happening, it never happened. It did not matter. Nobody cared.”

Die im Vergleich zur exzellent dokumentieren, seit Jahrzehnten andauernden, systemischen und brutalen Gewalt Israels geradezu lachhafte Bedrohung durch die Qassamraketen als furchtbaren Horror für die Grenzstädte darzustellen, ohne den realen Horror in Gaza auch nur zu erwähnen, zeigt klar und deutlich, wie voreingenommen die ZDF-Redaktion für Israel ist.

Niemals wurde im ZDF so eine emotionalisierende Formulierung wie  „jemand das Leben zur Hölle machen“ für Gaza oder die West Bank  verwendet, obwohl sie dort tausendmal zutreffender wäre, wie alle Berichte der Menschenrechtsorganisationen einhellig belegen. (Ich habe öfter darüber geschrieben, siehe alte Beiträge und die Video-Links im letzten Beitrag “Todesanzeige”)

Bei der systematischen  Dämonisierung der Hamas hat sich auch das ZDF eifrig beteiligt und damit der israelischen PR einen wunderbaren Dienst erwiesen. Mit seriösem Journalismus hat das allerdings nichts mehr zu tun. So auch diese (oben angeführte) Formulierung:

„Die radikal-islamistische Hamas wollte das [den Israelis das „Leben zur Hölle machen] so. Ihr passte auch der Krieg ins Konzept, weil er auf den Fernsehschirmen der Welt Israel als brutal agierende Übermacht vorführte.“

Das ist eine sehr einseitige, die Realität verkehrende Meinung, aber keine unabhängige Präsentation von Fakten. Das brutale Abschlachten eingesperrter Menschen durch eine monströse und selbstgerechte Militärmaschine wird hier auch noch der Hamas angelastet, weil man unterstellt, dieses Massaker der israelischen Armee an den eigenen Landsleuten und Glaubensbrüdern der Hamas  wäre den „radikal-islamischen Herrschern“ sehr recht gewesen, um daraus PR-Kapital zu schlagen.  Dieser perfide Zynismus kann heute als öffentlich-rechter „Journalismus“ durchgehen, ein Affront für jeden intelligenten Zuschauer,  aber vielleicht hat das ZDF davon nicht so viele (für Rosamunde Pilcher und Wetten-Dass reicht es gerade noch…)

Übrigens, Israel ist eine brutal agierende Übermacht! Das wissen alle mit einem IQ über Raumtemperatur, nur das ZDF nicht! Hat man schon solange durch pro-isrealische Brille gesehen, dass man auf einem Auge blind ist? “Mit dem Zweiten sieht man besser?”  Soll das ein Witz sein???

Hier findet  eine unglaubliche Verzerrung der Wirklichkeit statt und das ZDF stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus.

Anstatt die zahlreichen Verbrechen Israels anzuprangern (wie es mutige Israelis und intellektuelle Juden weltweit tun, allen voran Noam Chomsky der in unseren Medien anscheinend persona non grata ist, und  gerade weil man in Deutschland ist und schon einmal „zugeschaut“ hat, wie Menschen unmenschlich behandelt wurden!), wird alles Böse dieser Welt auf die Hamas projiziert, damit Israel das Märchen vom „Recht auf Selbstverteidigung“ weiter verbreiten kann…

“As usual, Israel is depicted as the innocent victim of an evil it did nothing to provoke.”

Ira Chernus

Die Projektion der eigenen Schandtaten auf den Gegner, den man dann wieder als legitimes Ziel für neue Schandtaten ansehen kann, ist ja nichts Neues im Falle Israels, aber die Rolle der Medien in dieser Charade ist so erbärmlich, dass einem schlecht wird …

Die von Herrn Kleber beschworene Gefahr der „Radikalisierung“ junger Palästinenser (man zeigte Kinder bei einer Demonstration mit grünen Hamasbändern) durch die böse Hamas ist ein Witz, denn die ultimative Radikalisierung erfolgt natürlich durch Israel selbst:

Das Leben in einem zerbombten Gefängnis, ohne Bewegungsfreiheit, ohne politische, soziale und bürgerliche Rechte, ja  überhaupt ohne einklagbare Menschenrechte, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist die beste Garantie, dass schon die nächste Generation von „Terroristen“ heranwächst, die das Leid, dass sie erleben musste (häufig auch den gewaltsamen Tod eines Familienmitglieds) so traumatisiert  und verbittert hat, dass sie nur mehr Rachegedanken hegen. (Foto: Beit Hanoun)

Das ZDF ist auch die einzige Redaktion (die ich gefunden habe), deren „Bericht“ über die Ermordung von 6 Palästinensern so endet:

„Aus dem von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen werden immer wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Das Palästinensergebiet wird durch die israelische Armee streng abgeriegelt.“

ZDF heute (text online) , 26. 12.2009

Wieder die gleiche pro-israelische schwarz-weiß Malerei, der erbärmliche Kindergarten-Journalismus: Böse Hamas feuert Raketen nach Israel; Israel hat gar nichts getan (will doch nur in Frieden im „Heiligen Land“ leben, das allerdings nur für Juden „reserviert“ ist); braves Israel muss böse Palästinenser einsperren und töten, um in „Sicherheit“ leben zu können;

ZDF:  Zionistenfreundliches Deutsches Fernsehen? Selektive Amnesie der Redaktion?  Der “Nahost-Korrespondent” als Autist? It makes you sick.

ZURÜCK ZU DEN VORFÄLLEN IM WESTJORDANLAND

Die Al-Aqsa Brigaden haben im Jahr 2007 ein Amnestieabkommen mit Israel unterzeichnet und seitdem wurde ja die Fatah (als deren Mutterorganisation) auf einmal als „vernünftige“ Alternative zur bösen Hamas präsentiert, die man seit dem Wahlsieg im Juni 2006 völlig dämonisiert hatte und nur mehr als „Terrororganisation“ hinstellte. Dass die Hamas gerade deshalb die demokratischen Wahlen gewonnen hatte, weil die Palästinenser von der korrupten Fatah die Nase voll hatten,  muss natürlich aus dem historischen Gedächtnis gestrichen werden. (Über die Vorfälle nach den Wahlen habe ich ja mehrfach geschrieben, siehe Beiträge zum Topic Israel)

Die (von den USA trainierten)  „Sicherheitskräfte“ der Fatah hatten seit mehr als zwei Jahren für „Ruhe und Ordnung“ in der West Bank gesorgt, besonders in ehemaligen „Hochburgen“ des bewaffneten Widerstands wie Nablus,  das eine wesentliche Rolle beim Ausbrechen der ersten Intifada im Jahr 2000 gespielt hatte.

Diese „Ruhe“ wurde als echten Beitrag für den „Friedensprozess“ gewertet, der eine mediale Inszenierung ist, sonst nichts, denn Israel hat noch jeden Vertrag, jede Absprache (unter irgendeinem Vorwand) gebrochen.

Übrigens, die getöteten Palästinenser waren auch Menschen, doch meistens werden nicht einmal ihre Namen erwähnt; In Nablus wurden ermordet:

Raed Abdul Jabbar al-Sarkaji,  38 Jahre alt

Seine  hoch schwangere Ehefrau Tahani musste mitansehen, wie ihr Mann im eigenen Schlafzimmer niedergemäht (von Kugeln durchlöchert) wurde.   Sarakji war erst im Jänner 2009 nach sieben Jahre Haft, im Rahmen eines Amnestieabkommens mit der Fatah, freigelassen worden. Er wollte ein neues Leben anfangen, sagte seine Witwe ….

Die israelische Regierung behauptet hingegen, er sei an der Herstellung von Sprengstoffen beteiligt gewesen. Selbst wenn das wahr sein sollte,  wäre dieser Umstand absolut keine Rechtfertigung für diese bestialische Hinrichtung. In einer Demokratie wird ein Verdächtiger verhaftet,  angeklagt und nach Beweisverfahren verurteilt. Andernfalls ist er freizulassen. Doch Bürgerrechte gelten natürlich nur für Juden, nicht für Araber – schon gar nicht für Widerstandskämpfer, pardon „Terroristen“, die gegen die brutale Unterdrückung und den Landdiebstahl in der West Bank kämpfen.

Ghassan Abu Sharkh, 39 Jahre alt

Diyaa Abu Sharkh, 16 Jahre alt, war Augenzeuge der Ermordung seines älteren Bruders.

“Alles ging sehr schnell. Wir öffneten die Tür und sahen die Soldaten; zwei Kollaborateure zeigten auf meinen Bruder, der gerade die Treppe herunterkam. Er wurde sofort erschossen. Ich war völlig verwirrt. Ein Offizier fragte mich, ob der Tote auch wirklich mein Bruder Ghassan sei und ich sagte Ja, er ist es.

„Sie hätten ihn leicht festnehmen können, wenn sie es gewollt hätten. Ich habe schon einen anderen Bruder, Nayed, verloren, der [als damaliger Chef der lokalen Al Aqsa Gruppe) 2004 von den israelischen Soldaten getötet wurde.“

Ghassan Abu Shark war Besitzer einer kleinen Autoreparaturwerkstätte. Er hinterlässt eine Witwe und vier Kinder. Die Aussendung der IDF enthielt keine konkrete Beschuldigung gegen ihn, nur gegen seinen verstorbenen Bruder.  Das klingt nach Sippenhaftung ….

Adnan Subih, 33 Jahre alt (Al Aqsa-Mitglied)

Sein Bruder Farid sagte folgendes aus:

„Um 3 Uhr nachts wurde unser Gebäude umstellt. Sie sprengten das Haupttor, dann schossen sie wild um sich und warfen Granaten in alle Richtungen. Adnan verlangte, dass alle das Gebäude verlassen, damit sie nicht verletzt würden.  Wir gingen in das Haus der Al Amoudi Familie [von dort aus konnte man das Gebäude beobachten]

Dann kamen Soldaten mit Hunden in das Gebäude, sie warfen mehr Granaten und es brach ein Feuer im Lagerhaus aus, das mit leicht brennbarem Plastikmaterial gefüllt war. Drei Stunden lang wussten wir nicht, was los war. Dann sind die Soldaten gegangen. Wir fanden Adnan – er war tot, von Kugeln durchlöchert. Sie hätten ihn festnehmen können (er war unbewaffnet).  Er starb in dem Glauben, dass man ihm Amnestie gewährt hatte.“

Adnan Subih hinterlässt eine Witwe und fünf Kinder.

Die IDF geben an, sie hätten ihn „im Zuge eines Schusswechsels“ getötet, nachdem man ihn in einem Versteck mit Waffen und Munition gefunden habe.

Quelle: Maan News Agency (Palästinensische Presseagentur)

P.S. Die Schlagzeile des Tages „85-jährige Holocaust-Überlebende (Hedy Epstein) tritt in den Hungerstreik für Gaza (ein Ende der Blockade) werden sie bei im ZDF  (und bei den anderen Medienschafen) auch nicht finden..

Herr Kleber, wie wärs mit etwas Fortbildung statt Megaphon für israelische PR zu spielen?

Todesanzeige

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unsere liebe Mutter, Schwester, Tochter, Tante und Cousine, „Hope“  (Hoffnung auf bessere Politik) nach langem, schweren Leiden letztes Wochenende von uns gegangen ist.

Hope war seit Jahren eine schwer kranke Frau und lag seit 9. September 2001 längere Zeit im Wachkoma, doch die zahlreichen Angehörigen und Sympathisanten, die im politischen Verein „Sehnsucht nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Weitsicht und politischer Verantwortung“ engagiert sind, ließen nichts unversucht, um  sie wieder ins Leben zurückzurufen.

Doch alle Bemühungen wurden durch harte politische Rückschläge zunichte gemacht.

Seit jenem schicksalsschweren Tag im September 2001 wurde Hope massiv unter Druck gesetzt. Die massive Verblödung der Öffentlichkeit durch absurde Szenarien und Begründungen für diese „Attacke auf unsere Freiheit“, herausgegeben vom „Wahrheitsministerium“ in Washington und willfährig verstärkt durch die blökenden Medienschafe, hatten ihre ohnehin schon angeschlagene Gesundheit schwer geschädigt. Der Blutdruck stieg in gefährliche Höhen, Herzrhythmusstörungen setzten immer häufiger ein. Der Arzt verordnete Tranquilizer und Stimmungsaufheller, doch selbst die medikamentöse Ankurbelung des Serotoninspiegels im Gehirn konnte keine Besserung bewirken.

Die unter dem Deckmantel des „War on Terror“  weltweit durchgesetzten, schweren Eingriffe in die Menschen- und Bürgerrechte, der Anblick von „Big Brother on wheels“ (ehemaliger Innenminister Schäuble) als Verkörperung des vordergründig staatlichen Ringens nach mehr „Sicherheit“ – ganz zu schweigen von Darth Vader Klon Dick Cheney seinem Depputy (?#!) „Dschortsch Dubya“ Bush und „stuff happens“ Donald Rumsfeld -  versetzten Hope in einen Zustand, den die Medizin als „posttraumatisches Stresssyndrom“ bezeichnet.

Dank Glasnost, Perestroika, dem Mauerfall 1989 und dem Ende des kalten Krieges hatte sich Hope damals noch in sehr guter Verfassung befunden. Die Aussichten auf eine neue Sicht der Weltordnung, eine mögliche Form der echten Kooperation zur Lösung globaler Probleme schienen gut: Wer brauchte jetzt noch Atomwaffen? Das „Gleichgewicht des Schreckens“, dass Milliarden verschlang, war es nicht obsolet geworden? Die Sowjetunion war pleite, Gorbatschow hatte der Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt, den eisernen Vorhang über Osteuropa gelüftet und als Gegenleistung wurde ihm vom Westen zugesagt, dass die NATO nicht nach Osten, in „den russischen Hinterhof“ erweitert würde.

Doch die USA hatten nie vor, diese Versprechen zu halten. Im Gegenteil, ihre  geostrategischen Ziele, die ein gewisser Herr Brzesinski in seinem Buch „The Grand Chessboard“ für Eurasien formuliert hatte, wurden Schritt für Schritt umgesetzt. Die „bunten“ PR-Revolutionen in Ländern wie Georgien, der Ukraine, etc. der starke wirtschaftspolitische „Washington Consensus“ Einfluss in Osteuropa waren ein klares Signal, wohin die Reise geht. Unter dem Deckmantel der „Demokratieförderung“ wurden diese Länder vom vermeintlichen „Führer der freien Welt“ in die nächste  ideologische „Falle“  gelockt: der Albtraum der Marktherrschaft …(ein totalitäres Gedankenregime der autistischen Ökonomie, das scheinbar „Freiheit“ als oberstes Prinzip verfolgt, doch wessen Handlungsfreiheit hier verteidigt wird, erkennt man erst zu spät …)

Die irreführende Präsentation der völkerrechtswidrigen Aggression in Afghanistan als legitime Jagd nach dem Oberschurken Bin Laden bzw. später als Kampf gegen die Taliban (die auch gerne mit der phantomartigen „Al Kaeda“ gleichgesetzt werden), die ehemaligen „Freiheitskämpfer“ (so damals Präsident Reagan), versetzten Hope einen weiteren Schlag.  Die Taliban hatten die unglaubliche Frechheit besessen, ihre terroristische „Spezialausbildung“  zur Vertreibung der Russen jetzt gegen die ehemaligen US-Sponsoren zu richten, die ihre Landsleute im „Krieg gegen den Terror“ mit staatlichem Bombenterror beglückten. Die Geister, die ich rief …?

(Die ganze Geschichte ist nachzulesen in dem hervorragenden Buch „Ghost Wars“ von Pulitzerpreisträger Steve Coll), kritische  aktuelle Kommentare gibt es HIER.

Ein weiterer, schwerer Schlag für Hope war  auch die Situation im Nahen Osten:

Einen historischen Überblick  bietet dieses erschütternde VIDEO (Englisch)

"Palästina" das gestohlene Land

Die unglaubliche politische Farce, die uns seit Jahren unter dem Orwellschen Begriff „Friedensprozess“ vorgeführt wird, löste bei Hope schwere Depressionen aus. Obwohl völlig klar ist, wer hier seit mehr als 60 Jahren „monumentales Unrecht“ begangen hat, wird die Debatte in den Medien so dargestellt, als ob Täter und Opfer gleichwertige, legitime und akzeptable Argumente vorzubringen hätten.  Journalismus als eine Form des moralischen Autismus?

Der  legitime, gewalttätige Widerstand der Palästinenser gegen eine brutale Besatzung, gegen Vertreibung und schrittweise Annektierung des  verbliebenen Restes des eigenen Landes, gegen die fanatische Gewalt der  orthodoxen „Siedler“, gegen tägliche Menschenrechtsverletzungen und Demütigungen wurde im Kontext des „War on Terror“ natürlich umgemünzt zu einem Kampf zwischen Gut und Böse: „westliche Zivilisation“ („verkörpert“ durch Israel) gegen den rückständigen, unbelehrbaren Islam („verkörpert“ durch Hamas).

Dass Hamas durch demokratische Wahlen (die einzigen im Nahen Osten!) an die politische Macht kam und sogleich eine Einheitsregierung („unity government“) angestrebt hat , wurde  dem historischen Mülleimer zugeführt, stattdessen hieß es immer „Hamas, die im Juni 2007 im Gazastreifen die Macht an sich riss“. [Was sich hier wirklich abspielte? Siehe dazu meine früheren Beiträge zum Thema Israel - Divide et impera in action - und die hervorragend recherchierte Background-Story THE GAZA BOMBSHELL]

Das eiskalte Kalkül der israelischen Regierung, den Gazastreifen in eine Art Freiluftgefängnis bzw. ein von Israel kontrolliertes Riesen-Ghetto zu verwandeln, hat Hope schwer zu schaffen gemacht. Erste Kreislaufzusammenbrüche waren die Folge.  Die mediale Darstellung dieser Unmenschlichkeit ersten Ranges als „großzügige Geste“ Israels, das „den Gazastreifen zurückgegeben hat“,  hat dann zum ersten Herzinfarkt geführt. Der unkritische Papageienjournalismus, der hierzulande ungestraft praktiziert wird, machte es möglich, dass die israelische PR die Wahrnehmung der Öffentlichkeit weitgehend steuern konnte.  Es kamen immer die gleichen Leute zu Wort, die immer die gleichen „Talking Points“ vorbrachten, so lange, bis man sie für wahr hält.  Propaganda durch Totschweigen, durch Weglassen (der wahren Umstände), durch „information dominance“ der Fiktion ist eben sehr effektiv.

Das IDF-Massaker an 1.400 Menschen vor einem Jahr – exakt geplant – bis zur Amtseinführung Präsident Obamas am 20. Jänner 2009, das unter dem Namen „Operation Gegossenes Blei“ als „Krieg“ (Suggestion eines ebenbürtigen militärischen Gegners) gegen Gaza verkauft wurde, führte dazu, dass Hope in die Intensivstation gebracht werden musste.  Der Einsatz abscheulicher Waffen wie weißer Phosphor, DU und Uranmunition in einem extrem dicht besiedelten Ghetto, das zu 99% aus Zivilisten (davon die Mehrheit jünger als 15) besteht, die gezielte Bombardierung von UN-Lagerräumen, Schulen und anderen Gebäuden, die man nur als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen kann, zeigte klar, mit welcher Arroganz und Brutalität ein Staat vorgehen kann, der nichts zu befürchten hat, weil er außerhalb des Rechts steht. Weil er Dank des ständig geschürten „Gedenkens“ an den Holocaust (dessen politischen Missbrauch),  als ewiges Opfer auftreten kann und, egal, welche Verbrechen er begeht, immer auf die schützende Hand – oder sollte man nicht sagen Faust? – Washingtons zählen kann.

Die besten Worte zu dieser unheilvollen, politischen Symbiose zweier Schurkenstaaten, die sich als Verkörperung des Guten und Edlen selbst betrügen und parodieren,  während sie morden und Intrigen schmieden, findet man bei Harold Pinter, der in seiner Dankesrede zum Literaturnobelpreis (2005) über das Totschweigen der zahlreichen, skrupellosen politischen Verbrechen der USA (im Rahmen der  imperialen  „Außenpolitik“) sagte:

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen [...] waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen.

Das gleiche gilt natürlich für Israel. Das Erscheinen (und  umgehende Versenken) des „Goldstone-Reportes“ vor wenigen Wochen war ein weiteres Signal dafür, dass die Gerechtigkeit auf der Welt keine Chance hat, wenn die Medien von Idioten, Lobbyisten und Lohnschreibern besetzt sind, wenn die Presseagenturen zionistische PR verteilen und niemand sich darüber aufregt (jedenfalls nicht bei uns).

Die so genannten politischen Führer der EU, vor allem Deutschlands, lassen sich seit Jahren von Israel an der Hundeleine führen. Sie wissen schon, eine von denen, die man durch Betätigen eines Hebels, automatisch verkürzen kann … Dieser Hebel ist hier natürlich ein semantischer und heißt „Holocaust“.  Die Gaskammern von Auschwitz wurden nicht von Palästinensern betrieben, auch Herr Hitler kam nicht aus Ramallah und dennoch hat man sich damit abgefunden, dass dieses Volk für die Verbrechen des Dritten Reiches bzw. des britischen Empires büßen muss.

Herr Westerwelle, die Karikatur eines Diplomaten, fuhr also schön brav nach Yad Vashem und machte dort seine Verbeugung, business as usual. Diese Form des „Conditioning“ muss jeder deutsche Politiker durchlaufen, damit sein Auftritt in Israel  immer nur im Kontext der  „ewigen Verantwortung“ Deutschlands für Israel gesehen wird. Westerwelle wiederholte zum 100sten Mal die abgedroschene Phrase, dass „Israel das Recht habe, in sicheren Grenzen zu leben“ aber „ auch die Palästinenser hätten Anspruch auf einen eigenen Staat“.

Dass die Grenzen Israels bis heute nicht endgültig festgelegt wurden, ist an sich ein Witz, dass man seit Jahren das Westjordanland zu einem Puzzle aus voneinander getrennten Bantustans zerlegt hat, das von „araberreinen“ Straßen und Siedlungen durchzogen, und durch den Bau der illegalen Mauer weiteres Land annektiert wurde, braucht ja einen Außenminister nicht weiter zu interessieren. Dass es ohne Gerechtigkeit weder Frieden, noch Sicherheit geben kann, sondern nur brutale Unterdrückung und totale Ausgrenzung, dass der „jüdische Staat“ eine Form systemischer, rassistischer Diskriminierung ist und deshalb mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar,  stört Herrn Westerwelle auch nicht. Die „Freiheitsliebe“ der Liberalen ist eben nur selektiv anzuwenden … [siehe dazu Beiträge unter Stichwort Zionismus)

Dass der angesehen Richter Richard Goldstone, obwohl er selbst Jude ist und dem Zionismus wohlwollend gegenüber steht, von Israel wie ein Scharlatan und übler Betrüger behandelt wird, der aus unerfindlichen Gründen, (ebenso wie der UN insgesamt unterstellt wird,) nur das Ziel verfolge, Israel zu schaden und die Unwahrheit zu verbreiten, war ein weiterer dramatischer Höhepunkt in diesem Theaterstück des Absurden. Zu befürchten ist nur, dass der „Palästinenserstaat“ (der kein lebensfähiges Land mehr zur Verfügung hat) das gleiche Schicksal erleidet, wie jene, die auf „Godot“ warten.

Bald ist es genau ein Jahr her, dass die letzten Bomben auf den Gazastreifen gefallen sind. Die rechtswidrige Blockade Israels geht weiter, die „humanitäre Situation“ ist weiterhin katastrophal, das Leben in Gaza ist nur mehr ein Existieren zwischen zerstörten Häusern,  kontaminierten Feldern, traumatisierten Kindern und einer grenzenlosen Hoffnungslosigkeit. Warum hilft uns niemand? Warum lässt die „Weltgemeinschaft“ zu, dass wir so leiden müssen? Warum haben wir kein Recht, in Frieden und in Würde zu leben? Warum ist unser Leben weniger wert, als das eines Israeli oder Deutschen?   Warum interessieren sich die internationalen Medien nur für uns, wenn es wieder Tote gibt? Warum kann Israel die Blockade (ein kriegerischer Akt nach dem Völkerrecht) ungestraft weiter führen?

Einen kurzen Einblick in das trostlose Leben in Gaza gibt es in diesem

VIDEO

(Mehr von Richard Falk finden Sie hier)

Was kann man darauf antworten?  Wie kann man die Scham bewältigen?

Die Scheinheiligkeit der EU bei der Weiterverfolgung des Goldstone Reportes im Rahmen der UN ist eine Schande für die angebliche „Wertegemeinschaft“. Ebenso die Tatsache, dass Israel als bevorzugter Handelspartner behandelt wird und Deutschland auch noch mit Steuergeldern subventionierte U-Boote liefert.

Hope begann zu halluzinieren. Sie sagte immer wieder, sie befände sich in einem Irrenhaus, in dem das Krankhafte als normal präsentiert werde, und politische Verbrechen als akzeptabel (es käme eben nur darauf an, WER der Verbrecher sei …. Manche "Auserwählten" mordeten doch „für den guten Zweck“, oder nicht?

Man versuchte, ihr klarzumachen, dass die Vernunft es manchmal sehr schwer in der Politik hätte und dass es trotz allem doch Bemühungen gäbe, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen …

Und dann kam die „Bankenkrise“ ….

Dazu ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden, deshalb hier nur ein Hinweis auf ein Video, das in Kürze die wesentlichen Punkte erklärt … (hier handelt es sich nicht um „Fehler“, die jemand gemacht hat, sondern um organisierte Kriminalität:  Unmoralische Handlungen, [modernes „Investmentbanking“ ist mehr oder weniger eine Form des bandenmäßigen Betrugs] die  eben nur deshalb nicht illegal sind, weil man vorher alle Gesetze abgeschafft bzw. verhindert hat, die sie mit strafrechtlichen Konsequenzen belegt hätten …

Das wirtschafts- und monetärpolitische Analphabetentum der Bevölkerung (wozu auch weite Teile der Journalisten zählen) hat sich als stärkste Waffe für die Finanzoligarchie erwiesen: Ignorance is Strength after all!

Als letzter Sargnagel für Hope  erwies sich die mediale und politische  Auseinandersetzung mit dem  „Klimawandel“ (der ja eigentlich nur Symptom für die zugrunde liegende Geisteskrankheit ist, die man „Wirtschaftswissenschaften“ nennt)

[Siehe dazu auch meine vorherigen Beiträge zum Thema Wirtschaft bzw. "Klimawandel" insbesondere die Hinweise zu Herbert Gruhl und Frederic Vester]

Ein sehr aufschlußreiches Interview mit dem von mir zitierten NASA Wissenschaftler James Hansen gibt es

HIER

Hier nur ein kleiner Auszug: (Auf die Frage, warum er nicht nach Kopenhagen gereist sei, antwortete  Herr Dr. Hansen:

Sie verhandelten dort über ein “Cap & Trade” System mit “Offsets” [- meistens fälschlich als "Neutralisierung" übersetzt], was analog zum Kyoto Protokoll ist, das ein Disaster war. Vor Kyoto stiegendie globalen Co2-Emissionen um 1,5% jährlich, danach sind sie um 3% jährlich gestiegen. Dieser Ansatz funktioniert auf keinen Fall.”

[...] so lange fossile Brennstoffe die billigste Form der Energie sind, werden sie irgendwo verbrannt werden. Die Europäer dachten, sie hätten tatsächlich ihre Emissionen nach Kyoto reduziert, aber was wirklich passierte war, dass ihre Produkte einfach woanders [außerhalb der EU] produziert wurden und zwar in Ländern, in denen die fossilen Brennstoffe am billigsten sind [wie China], also sind die Gesamtemissionen in Wahrheit gestiegen.”

Unsere politische Führungsmannschaft kann das Problem nicht lösen, da sie selbst Teil des Problems sind …

Wie Frederic Vester schon vor 30 Jahren richtig erkannte, ist dazu ein “Neuland des Denkens” erforderlich, die Fähigkeit  “systemisch” zu denken, die Welt nicht länger in Schubladen mit Ressorts und Zuständigkeiten zu zerlegen, die sich immer weiter spezialisieren (und immer weniger miteinander kommunizieren können), sondern die unglaubliche Vernetzung aller Prozesse auf diesem Planeten zu erkennen.

Deutschland hat wunderbare visionäre Denker  wie Vester, Gruhl, Erich Fromm, u.a. hevorgebracht, doch was hat es genutzt?

Wenn ich die traurige Gestalt von Herrn Röttgen vor mir sehe, (den laut einer Spiegel Umfrage, mehr als 40% der Befragten gar nicht kennen!), dessen geistiger Horizont sich im Thema “Wirtschaftswachstum” erschöpft, verstehe ich, warum Hope jetzt endgültig das Handtuch geworfen hat ….

Röttgen hat zwar noch immer nicht verstanden, dass dieses “Wachstum” das eigentliche Problem ist, aber er arbeitet bereits an der Quadratur des Kreises: Wachstum ohne steigenden Energieverbrauch! Wachstum ohne steigenden Ressourcenverbrauch! Wachstum ohne Zerstörung der Lebensgrundlagen, usw. Wachstum, Wachstum, Wachstum!

Vielleicht könnte man eine neue Krebsart nach ihm benennen? “Morbus Röttgen” klingt doch beeindruckend, oder? Immerhin verlängert der Mann die Laufzeiten lebensbedrohlicher, maroder Atomkraftwerke [siehe dazu meine letzten Beiträge zum Thema Klimawandel), die übrigens AUCH ZUM KLIMAWANDEL beitragen (s. pdf-Seite 10) und wird sicherlich auch den Schwachsinn von “Clean Coal” befürworten (obwohl die Umweltschäden ja nicht nur bei der Verbrennung, sondern auch beim Abbau der Kohle entstehen).

Das CDU “Führungspersonal” bzw. seine angebliche “Wirtschaftskompetenz” erinnerte Hope immer an die Ingenieure der Titanic, der fast bis zum bitteren Ende behauptet hatten, das Schiff  sei unsinkbar…

So sehen die “Titanics” des dritten Jahrtausends aus, die dann auch noch als “Innovation” und “Arbeitsplatzbeschaffer” gefeiert werden. Umweltverträglichkeitsprüfung? Wer braucht die? War doch nur eine “Umwidmung”?

Gigantischer Energieverbrauch für hirnloses Vergnügen am künstlichen Palmenstrand, die Umweltschäden muss der “Investor” ja nicht bezahlen, da kommt das Land Brandenburg mit Millionen zu Hilfe …

Gegen die organisierte Idiotie kommt man mit Vernunft nicht an …

In diesem Sinne bitten wir, von Kranzspenden Abstand zu nehmen.( Hope liegt auf dem ehemaligen  Hugenottenfriedhof in Berlin-Wedding…)

Da bleibt einem nur noch der bittere Humor:

Seitdem ich die Hoffnung aufgegeben habe, geht es mir viel besser.

Woody Allen




Some are more equal than others…

Ein aktueller Artikel in Counterpunch- Ethnic Cleansing and Israel – ist ein wichtiger Beitrag zur Rassismus- und Demokratie-in-Israel Debatte bzw. der medialen Inszenierung der Anti-Rassismuskonferenz in Genf.

Hier eine (unvollständige) deutsche Übersetzung von mir:

Eine der besorgniserregendsten Entwicklungen im Nahen Osten ist die zunehmende Akzeptanz der Idee,  die  arabische Bevölkerung zu vertreiben, in den Worten seiner Verfechter sie zu „transferieren”, also in ein Nachbarland wie Jordanien oder Ägypten oder in einen noch nicht formierten Palästinenserstaat.

Solche Empfindungen sind nicht neu unter israelischen Extremisten und wurden seit langem von Jüdischen Organisationen wie Kach, der Partei des verstorbenen Rabbi Meir Kahane ebenso vorangetrieben wie von der „Nationalen Union”, die ihre parlamentarische Präsenz seit der letzten Wahl verdoppeln konnte.

Aber „Transfer” (sprich: die Vertreibung) ist nicht länger die exklusive Politik von Extremisten, weil sie schon längst Teil des politischen Dialoges der Mainstreamparteien geworden ist.

„Meine Lösung um sowohl einen demokratischen als auch einen jüdischen israelischen Staat zu erhalten, ist die Schaffung zweier Nationalstaaten mit gewissen Konzessionen and klaren roten Linien”.

Das erklärte Tzipi Livni, die Parteichefin der Kadima Partei und frühere Außenministerin einer Gruppe von Schülern in Tel Aviv letzten Dezember. „Unter anderem werde ich dann auch den Palästinensischen Einwohnern von Israel sagen können: Eure „nationale Lösung” liegt anderswo.”

Dieses Gerede hat Konsequenzen.

Nach Angaben der Israelischen Bürgerrechtsvereinigung haben anti-arabische Ausschreitungen stark zugenommen.

„Die israelische Gesellschaft hat eine Intensivierung des Rassismus erreicht, die die Meinungsfreiheit und Privatsphäre verletzten” sagt Sami Michael, der Präsident der Organisation. Ihre Untersuchungkam zu folgenden Ergebnissen:

  • Etwa 55 % der jüdischen Israelis sind der Meinung, dass der Staat die Emigration der Araber ermutigen solle.
  • 78% der Israelis sind dagegen, dass arabische Parteien je in die Regierung kommen.
  • 56 % stimmen der Aussage zu, dass „Araber nicht den jüdischen Level and kultureller Entwicklung erreichen können” (!)
  • 75 % stimmen zu, dass Araber eine Neigung zur Gewalttätigkeit haben (!).
  • Unter den arabischen Einwohnern Israels sind 75% der Meinung, dass Israelis dazu neigen.
  • 75% der Israelis sagen, sie würden nicht im selben Gebäude wohnen wie Araber.

Die Spannung zwischen den Anforderungen einer Demokratie und dem jüdischen Charakter des Landes war das Herzstück der Kampagne von Avigdor Lieberman und seiner “Heimat” Partei Yisrael Beiteinu im letzten Wahlkampf. Sie konnte ihre Knesset-Sitze von 11 auf 15 steigern und ist jetzt die drittgrößte Partei im Parlament.

Lieberman, der in einer “Siedlung” in der Nähe Bethlehem’s lebt, verlangt einen “Treueeid” von arabischen Bewohnern Israels und  die Ausweisung jener, die ihn verweigern bzw. den Entzug der Staatsbürgerschaft (der Rechte, die damit verbunden sind).  Während einer Knessetdebatte im März, sagte Liebermann zu den arabischen Abgeordeten:

Ihr seid nur vorübergehend hier. Eines Tages werden wir das regeln.”

Solche Ansichten nehmen zu, besonders unter jungen Israelis, weil eine einseitige historische Darstellung und wachsende Hoffnungslosigkeit für die Zukunft einen starken Rechtsruck befördert haben.

In einem kürzlichen Artikel in Ha’aretz schrieb Yotam Feldman über seine Besuche in israelischen High Schools, wo die Schüler offen zugeben, dass sie die Araber hassen und ihnen die Erosion der Demokratie egal ist.

“Sergei Liebliyanich, ein Schüler der Oberstufe sieht eine Verbindung zwischen der Vorbereitung für den Militärdienst und der Unterstützung der Studenten für die Rechte” schreibt Feldman.

Es motiviert uns gegen die Araber. Man möchte zur Armee gehen, damit man es ihnen geben kann…. Mir gefallen Liebermanns Ansichten über die Araber. Bibi (Netanyahu) geht nicht ganz so weit.”

Feldman befragte 10 höhere Schulen und fand heraus, dass Yisrael Beiteinu die beliebteste Partei ist, gefolgt von Likud. Die Linkspartei Meretz kam an letzter Stelle.

Teilweise ist dafür die Politisierung des Bildungssytems verantwortlich zu machen.

Mariam Darmoni-Sharviot, eine Lehrerin, die dabei mithilft, die Empfehlungen der Kremnitzar Kommission aus 1995 zu implementieren, sagte Feldman:

„Wenn ich in im Sozialkundeunterricht über die arabische Minderheit spreche und die Einmaligkeit des Umstandes, dass aus einer Mehrheit eine Minderheit wurde, erwidern meine Schüler, dass es nicht wahr sei, dass die Araber früher die Mehrheit waren. Als sie die anderen Lehrer darauf ansprach und fragte, warum die Schüler nicht wüssten, dass die Araber 1947 in der Mehrzahl waren, wichen sie aus und antworteten, „das sei nicht Teil des Lehrstoffes.”

Die Schüler sind also in gewisser Weise  ein Spiegelbild der Kultur, die sie umgibt.

„Die israelische Gesellschaft spricht mit zwei Stimmen” sagt Bildungsminister Yuli Tamir.

Wir sehen uns selbst als demokratische Gesellschaft, aber wir vernachlässigen oft Dinge, die grundlegend für eine Demokratie sind…Wenn die Schüler sehen, dass die Knesset arabische Parteien disqualifiziert (ein Vorgang, den ich ablehne), wie können wir dann erwarten, dass sie demokratische Werte aufnehmen?

Alle großen israelischen Partein haben zugestimmt, zwei arabische Parteien zu entfernen, weil sie sie gegen den Krieg in Gaza waren. (United Arab List-Ta’al and Balad). Letzere fordert auch gleiche Rechte für alle Israelis. Maya Jacobs, die Sprecerin der Kadima sagte “Balad will den jüdischen Staat eliminieren und ihn in einen Staat für alle Bürger verwandeln”. (Anmerkung von mir: Das wäre ja wirklich eine Demokratie!)

Der Oberste Gerichtshof  Israels hat jedoch den Ausschluss der beiden arabischen Parteien als unzulässig erklärt und sie erhielten in der jüngsten Wahl sieben Sitze im Parlament.

„Das ultimative Ziel hier ist, die wenigen Verbindungen zwischen Juden und Arabern so weit zu kappen” sagt Dominic Moran, der Seniorkorrespondent von INS Security Watch im Nahen Osten, „dass die Idee eines Transfers  der arabischen Bevölkerung in Israel immer mehr Legitimität gewinnt.

Diese Wendung nach rechts ist auch der wirtschaftlichen Krise geschuldet, die eine Zunahme der Armut nach sich zieht und die hohen Kosten der Besatzung reflektiert. „Peace Now” schätzt, dass die Besatzung 1, 4 Milliarden Dollar pro Jahr kostet, ohne die Trennmauer einzurechnen. Das Militärbudget Israels ist unter 10 Milliarden Dollar jährlich. Nach Angaben von Ha’aretz kostete der kurze Krieg in Gaza 374 Millionen Dollar.

Etwa 16 % der jüdischen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, aber 50% der arabischen Einwohner sind betroffen.

„Die israelische Realität lässt sich nicht länger verbergen: Keine Mutter kann heute noch zu Ihrem Kind sagen, dass es nächstes Jahr besser wird” sagt Professor Ilan Gur-Ze’ev. “Die jungen Leute ersetzen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch einen Mythos für ein heroisches Ende. Da passt Liebermann gerade gut.”

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"Vergast die Araber" (Hebron)

Spannungen zwischen den beiden Gruppen sind täglich in den besetzten Gebieten erkennbar: die schonungslose Ausbau der Siedlungen und die andauernde Demütigung durch die Checkpoints und Straßensperren fördern den Zorn der Palästinenser.

Letzten Dezember haben Siedler in Hebron Palästinenser angegriffen, nachdem die israelische Regierung eine illegale Inbesitznahme beendet hatte (jüdische Familien hatten ein palästinensisches Haus besetzt). Als „Vergeltung” wurden Autos angezündet, ein muslimischer Friedhof geschändet und zwei Araber erschossen.

Gewalt der Siedler ist nicht ungewöhnlich, obwohl sie prakitisch in den US Medien ignoriert wird. Aber besorgniserregend ist das Auftauchen von aggressiven Siedlern (Anm: Kolonialisten wäre passender) INNERHALB Israels.

Ende 2008 drohte ein Anhänger von Kahane mit einem Aufmarsch durch Umm al-Fahm, einer größtenteils von arabischen Israelis bewohne Stadt bei Haifa.

Dieser Marzel sagte einer rechten Zeitung  „Wir haben einen Krebs hier, der in der Lage ist, den Körper des Staates Israel von innen heraus zu zerstören. Ich werde den Arabern klarmachen, das diese Land uns gehört.”

Die extremen Siedler wurden teilweise aus Gaza vor drei Jahren umgesiedelt und es gibt Hinweise darauf, dass sie die Unruhen verursacht haben, die am Yom Kippur Tag in Acre entstanden sind und bei denen arabische Familien im Oststeil der Stadt aus ihren Häusern vertrieben wurden. (Sie machen etwa 14% der Bevölkerung dort aus und 20% in Israel ingesamt)

Dazu weitere Informationen (Übergriffe auf arabische Bürger)  aus Le Monde Diplomatique: Anlass zur Unruhe

Rabbi Dov Lior, der Vorsitzende des Westjordan Siedlungsrates hat festgelegt:

Es ist völlig verboten, Araber einzustellen oder ihnen Häuser in Israel zu vermieten.”

Das Adallah Zentrum für die Rechte arabischer Minderheiten drängt den General-Staatsanwalt Mernachem Mazuz dazu, diese Aufrufe zu rassistischen Aktionen gegen die Araber zu untersuchen, allgemein in Israel und in Acre im besonderen.”

[.....] Die zunehmende Rechtlosigkeit im Westjordanland und bei jüdischen Nationalisten macht auch den Behörden in Tel Aviv zu schaffen.

Nachdem rechtsgerichtete Aktivisten versucht hatten, Professor Professor Zeev Sternhell, einen Aktivist für “Peace Now” umzubringen, sagte Shin Bet chief Yuval Diskin, dass der Geheimdienst „sehr besorgt über die estreme Rechte sei und ihre Bereitschaft zur Gewalt”  (Anmerkung: Kann man das glauben?)

Ehud Olmert kritisierte diese Aktionen und nannte die Gewalt in Acre ein Pogrom.

Bis jetzt wurde aber so gut wie nichts unternommen um die Zunahme des rechten Terrors zu beenden, die sich sowohl gegen friedliebende Juden als auch gegen Araber richtet.

[.....]

Kommentar von mir:

Angesichts dieser Verhältnisse können die Meldungen zur „Anti-Rassismus-Konferenz” nur als blanker Hohn und Armutszeugnis unserer Journalisten empfunden werden.

Die „Empörung” über  den angeblichen Missbrauch der Konferenz für „anti-israelische” Propaganda ist absurd, weil der „Eklat” der durch die Einordnung des Zionismus als eine Kategorie des Rassismus  (bei der letzten Konferenz in Durban) entstanden sei,  eben keiner ist.

Rassismus und Apartheid waren von Anfang an Teil des jüdischen Staatskonzeptes und erreichen heute dramatische Ausmaße (auch weil der Geschichtsunterricht in Israel mit der historischen Realität wenig zu tun hat, was auch israelische Wissenschafter kritisieren).

Der Wahlerfolg von Liebermann ist der traurige Höhepunkt einer Entwicklung nach rechts, in der einige Parallelen mit der Diskriminierung der Juden vor dem zweiten Weltkrieg nicht zu übersehen sind.

George Antonius fand (1936) dazu vielleicht die eindringlichsten Worte:

“Kein moralischer Grundsatz kann die Verfolgung eines Volkes damit rechtfertigen, dass dadurch die Leiden eines anderen verfolgten Volkes erleichtert würden.”

Die Benutzung des Wortes „Transfer” (Vertreibung) geht ja schon zurück auf Ben-Gurion… („…Sie müssen weg”…) von Jabotinsky wollen wir hier erst gar nicht anfangen….

Aber der erste Preis an selbstgerechter Realitätsverweigerung gebührt Golda Meir, die die brutale Gewalt Israels gegen die Palästinenser so kommentiert:

I will never forgive the Arabs for forcing us to kill them”

Quelle: JOEL KOVEL (<<< Link zu Video)

Anm: Es gibt hier anscheinend verschiedene Interpretationen: Der israelische Historiker Tom Segev  gibt Golda Meir so wieder:

” I will never forgive the Arabs for forcing us to hate  them”

(Der von Kovel konstantierte “moralische Absolutismus” des Zionismus ist aber auch hier klar zu erkennen…)



Das bringt die mittlerweile kafkaeske Situation der medialen Berichterstattung über ein sakrosanktes Israel auf den Punkt…..

Die Neuen Untermenschen – Teil 2

Dieses Video schildert in Form von Augenzeugenberichten, was es heißt, unter israelischer Besatzung leben zu müssen. Der vollständige Bericht kann

HIER

(in Englisch) verfolgt werden. Das Wort Gaza im Titel ist irreführend, es geht natürlich um das Westjordanland. Ein RSS-Feed zum Palestine-Blog von Anna gibt es rechts unten auf diesem Blog)

“Irgendwie mussten sie die Tatsache auslöschen, dass die Palästinenser gleichwertige, menschliche Wesen sind….

Man konnte es sich nicht leisten, sie als Menschen wahrzunehmen….

Wenn man systematisch ihr Land stehlen, ihre Rechte missachten und sie vertreiben würde…

und gleichzeitig die eigene “Identität” als moralische und zivilisierte Kraft nicht verlieren wollte…. “

Dr. Joel Kovel ( Zionism and its Discontent)

Diese Worte beschreiben vielleicht den Kern des “Nahostkonfliktes”, eine Art moralischer Absolutismus, den sich die zionistischen Gründer des Staates Israel selbst verliehen haben und aus dem ihre Nachfolger noch heute ihre “Rechtfertigung” für jene Verbrechen beziehen, die sie in den letzten 60 Jahren begangen haben.

Aber während die einen für immer und ewig mit ihrer “Schuld”konfrontiert werden (die Schuld ihrer Väter, Großväter und Urgroßväter…) jeder deutsche und österreichische Politiker auf die Knie fallen muss, wenn er nach Israel reist, hat die moralische Schuld der Zionisten und ihrer geistigen Nachfolger keinen Platz in der Geschichte. Ihr wurde nicht nur die Absolution erteilt, sie wurde völlig ausradiert.

Währen die Zahl der Holocaust-Gedenkstätten exponentiell ansteigt, gibt es keine einzige Gedenkminute, keinerlei Reue oder Schuldbekenntnis für die systematischen Verbrechen, die Vertreibungen, die Massaker, den Diebstahl des Landbesitzes und der Aberkennung der Menschenwürde, die den man den Palästinensern angetan hat. Mutige israelische Historiker und Politikwissenschaftler kämpfen gegen diese selektive historische Amnesie an (Ilan Pappe, Avi Shlaim, Norman Finkelstein, etc.), aber sie haben keine Chance, denn die Medien werden von der israelischen “Sicht”  dominiert…..

60 Jahre Landdiebstahl

Israel: 60 Jahre Landdiebstahl (weiß)

Wie die seit mehr als 40 Jahren andauernde Besatzung der restlichen 22% des palästinensischen Landes (das lt. UN-Teilungsplan ein “arabischer” Staat werden sollte) die Menschen demütigt, schikaniert, ihr Leben zur Hölle macht, sie zu “Untermenschen” degradiert, soll hier gezeigt werden. Ein bescheidener Versuch, die Wahrheit der brutalen Besatzung zu verdeutlichen und zu zeigen, wo die Wurzel der Gewaltspirale zu finden ist.

Quelle:  UN (OCHA) Report vom Dezember 2008

Nach dem humanitären Völkerrecht ist Israel als Besatzungsmacht für die öffentliche Sicherheit und den Schutz der Zivilbevölkerung verantwortlich.

Doch Israel ignoriert diese klar definierten, rechtlichen Verpflichtungen, wenn es um die Gewalt der „Siedler” gegenüber den Palästinensern in der West Bank geht.  Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Yesh Din werden mehr als 90% der Untersuchungen über Siedlerübergriffe ohne irgendwelche Konsequenzen für die Täter zu den Akten gelegt. Im scharfen Kontrast dazu stehen Übergriffe auf israelische Zivilisten, die mit aller Härte verfolgt werden. Tausende Palästinenser werden festgenommen und oft ohne ordentliches Verfahren jahrelang inhaftiert (administrative detainees), darunter auch viele Jugendliche unter 18 Jahren.

Die UN stellt fest, dass die Gewalt der Israelis immer mehr zunimmt: In den ersten 10 Monaten des Jahres 2008 wurden 290 Vorfälle registriert (die Dunkelziffer ist natürlich noch größer), was eine erhebliche Zunahme der Gewalt bedeutet, denn in den zwei Jahren davor wurden 182 bzw. 243 Übergriffe gemeldet. Die UN charakterisiert die Gewalt nicht als vereinzelte, kriminelle Straftaten, sondern als ideologisch motivierte, organisierte Gewalt, die die Dominanz der Siedler in dem jeweiligen Gebiet sicherstellen soll.

Ungefähr die Hälfte der Opfer sind Kinder, Frauen und alte Menschen (über 70). Die am stärksten betroffenen Gebiete sind Nablus und Hebron. Als eigentliche Ursache dieser Gewalt bezeichnet die UN (OCHA) die seit Jahrzehnten andauernde stillschweigende Unterstützung dieser illegalen Kolonisation bzw. der damit verbundenen Straftaten durch die israelische Regierung, deren Ziel offensichtlich die vollständige „Judaisierung” des Westjordanlandes ist.

Die Rechte der Palästinenser spielen dabei keine Rolle.

Die menschlichen Folgen dieses systematischen Unrechts sind erheblich: Die Menschen werden gedemütigt, eingeschüchtert, bedroht, ihre Lebensgrundlagen gefährdet (z.B. durch Verseuchen des Trinkwassers mit toten Tieren, durch Ausstreuen von vergifteten Getreidekörnern auf Weiden, etc.) und auch die Zahl der verletzten und getöteten Palästinenser nimmt zu. Für die „Siedler”, die sich selbst als Auserwählte betrachten, die ein „biblisches Recht” auf dieses Land haben, sind die Palästinenser keine Menschen mehr, die man als solche respektieren müsste.

Zum Terror-Repertoire der „Siedler” gehört z. B. auch, palästinensische Kinder auf ihrem Schulweg zu bedrohen und zu demütigen. Die UN schildert einen Fall im Süden der Stadt Hebron. Die Kinder der At Tuwani Grundschule (also 6-10 jährige Kinder) wurden regelmäßig beschimpft, körperlich attackiert, verfolgt und mit Steinen beworfen. Die IDF hat sich verpflichtet, diese Kinder auf ihrem Schulweg zu eskortieren, doch die tägliche Praxis sieht natürlich anders aus…..

Der tägliche Terror führt schließlich dazu, dass ganze Dörfer oder Wohnblöcke in Städten verlassen werden, weil die Einheimischen diese Qual nicht mehr aushalten. So z.B. in Yanoun (2002) im Norden der West Bank. Durch die Solidarität der Friedensaktivisten kamen aber mehr als ein Drittel der Bewohner wieder zurück. (siehe Anna’ Schilderungen im Video).

Insgesamt hat Israel seit Beginn der Besatzung fast eine halbe Million Israelis im Westjordanland angesiedelt, was einen schweren Verstoß gegen humanitäres Völkerrecht darstellt. Doch auch ein Entscheid des Internationalen Gerichtshofs im Jahr 2004 konnte Israels Regierung nicht beeindrucken. Man steht eben über dem Gesetz bzw. wird das Gesetz nur dann angerufen, wenn es die eigenen Interessen bedient…..

Der „Rückzug” aus Gaza (der aber weiterhin Israels totale wirtschaftliche Kontrolle sicherstellt) hat diese Situation natürlich noch verschlimmert, denn die Siedler aus Gaza wurden ja in die West Bank „transferiert”.

Beispiele für die Zerstörung (durch)  und den damit verbundenen Terror der Siedler:

  • Am 1. Jänner 2008 steckten Siedler aus Efrat und El’eazar eine 700 Jahre alte Moschee in der Nähe von Bethlehem in Brand
  • Am 4. Februar zerstörten Siedler aus Havat Gilad 200 neu gepflanzte Olivenbäume in der Nähe des Dorfes Qalqiliya.
  • Am 16. Juni attackierte eine Gruppe Siedler drei jugendliche Schafhirten (12-14 Jahre alt). Als diese flüchteten, töteten sie drei Esel durch Messerstiche.
  • Am 19. Juni legten  Siedler aus Yitzhar einen Flächenbrand auf landwirtschaftlichen Flächen, die Bauern aus Burin, Asira und Urif  (Distrikt Nablus) gehörten. Es wurden mehr als 80 ha Olivenhaine zerstört.
  • Am 14. Juli bedrohten Siedler aus Beit El einen Schafhirten und stahlen 25 Schafe.

Eine andere Kategorie aus der Serie „wie machen wir den Palästinensern das Leben zur Hölle) ist ihnen den Zugang zu bestimmten Orten nach Belieben zu versperren. (Zusätzlich zu den Checkpoints und Roadblocks, die „offiziell” genehmigt wurden). So z.B. den Zugang zu einer Schule; eine „Ausgangssperre” für eine ganze Stadt, damit die Hochzeit eines jüdischen Siedlers ungestört von statten gehen konnte, der Zugang zu einer Moschee oder zum eigenen Ackerland wird verhindert, usw. 2008 hat die OCHA 62 solcher Vorfälle registriert.

**************************

Dass mehr als zwei Millionen Palästinenser zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden, damit knapp 500.000 Israelis ihre Privilegien genießen können, ist für uns kaum vorstellbar. Es gibt für die Palästinenser keine Bewegungsfreiheit: hunderte militärische Checkpoints und Straßensperren (Roadblocks) machen eigentlich kurze Autofahrten ins nächste Dorf, zur Arbeit, ins Krankenhaus oder in die Schule zum Albtraum. Eine Fahrt, die vielleicht nur 10 Minuten dauert, kann so zur endlosen Odysee werden, wobei man oft bei großer Hitze stundenlang am Checkpoint warten muss oder gar nicht passieren darf.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem hat Fälle dokumentiert, wo Menschen gestorben sind, weil sie wegen der Checkpoints nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe erhalten konnten, darunter auch schwangere Frauen und (ungeborene) Babys.

lg_aafle_003Neben den Privilegien der bevorzugten Bewegungsfreiheit (Straßen, Autobahnen auf denen nur Israelis fahren dürfen, staubige (Um-)Wege für die Palästinenser), der bevorzugten Wassernutzung und dem Ausbau der Infrastruktur nur für Israelis,  gibt es noch eine Form der institutionalisierten Diskriminierung gegenüber den Palästinensern:

Für Israelis gilt das Zivilrecht, aber militärisches Recht für die Palästinenser.

Menschlichkeit aberkannt?

Menschlichkeit aberkannt?

Der OCHA-Report beinhaltet auch zwei konkrete Fallstudien: Eine davon ist das Dorf Burin im Distrikt Nablus.

Der Ort hat ungefähr 3.400 Einwohner (Palästinenser). Er ist im Norden und im Süden von jüdischen Siedlungen umgeben (Yitzhar und Bracha), die zusammen etwa 1.600 Bewohner haben und zusätzlich noch illegale Camps auf den umliegenden Hügeln. Schon seit den 1980er Jahren wurden die Einwohner von Burin wiederholt durch Siedlergewalt bedroht, die zu Verletzten und Beschädigung ihrer Lebensgrundlagen führte.

Die Art der Gewalt hat sich aber im Laufe der Jahre geändert: Am Anfang waren es nur begrenzte Attacken in Form spontaner Übergriffe einzelner Siedler. Nach den Oslo Vereinbarungen (1993) nahmen diese Angriffe erheblich zu und konzentrierten sich darauf, Land unter Kontrolle zu bringen. 1995 wurden  500 Olivenbäume und 1.500 Apfelbäume zerstört. Nach 2000 wurde es noch schlimmer: Mehr als 8.000 Bäume wurden seitdem entwurzelt oder verbrannt.

Im vergangen Jahr meldet der Dorfvorstand eine weitere Intensivierung der Angriffe durch die Siedler. Sie rotten sich zu größeren Gruppen zusammen (auch mit Siedlern aus anderen Orten). Von Juni bis Dezember wurden die Dorfbewohner neunmal angegriffen. Unter anderem wurden auch selbst gebastelte Raketen abgefeuert, mehr als 12.000 Olivenbäume verbrannt – wobei die Feuerwehr daran gehindert wurde den Brand zu löschen (N.B. die Siedler sind gut bewaffnet, die Palästinenser dürfen keine Waffen haben).

Am 24. Juli haben Siedler zuerst die Einwohner mit Steinen beworfen, anschließend die Stromversorgung lahm gelegt und dann rund 3.000 Olivenbäume verbrannt. Gleichzeitig wurde die Zufahrt zum Ort für vier Stunden blockiert.

Der Bau der Siedlungen hat auch dazu geführt, dass die Bewohner des Dorfes immer weniger Zugang zu den dorfeigenen landwirtschaftlichen Flächen haben, sodass schon fast die Hälfte der Fläche an die Siedler verloren wurde, was für viele bedeutet, dass sie ihre Tiere verkaufen müssen. Der Tierbestand wurde so von ca. 6000 Weidetieren auf nur 400 reduziert.

Ein „beliebtes” Ziel der Siedler für verstärkte Gewalt und Terrorattacken ist natürlich die Erntezeit. Für die palästinensischen Bauern, die in der Nähe dieser israelischen Kolonien leben müssen, ist das natürlich eine Zeit des Schreckens. Berichte über brutale Übergriffe kamen aus der gesamten West Bank, obwohl die IDF „offiziell” für Ruhe und Ordnung sorgen müsste. Besonders schwere Angriffe wurden im Norden aus Qedumim, Elon Moreh, Yitzhar und Shilo gemeldet, während im Süden die Gegend von Tel Rumeida (nahe Hebron) sowie Kiryat Arba, Nahhalin und Tuqu besonders betroffen waren.

Siedlergraffiti: Vergast die Araber

Auch die seltenen Momente israelischer Gerechtigkeit werden den Palästinensern zum Verhängnis: Nachdem der Oberste Gerichtshof in Israel die Al Rajabi Siedlung als illegal erklärt hat (nahe Hebron) und die Räumung angeordnet wurde, kamen 20.000 „Unterstützer” der illegalen Siedler nach Hebron und terrorisierten die Palästinenser mit Steinen, schändeten ihre Gräber und sprühten rassistische Graffiti an die Wände der Moschee. Als die Siedlung dann letztlich doch im Dezember vom Militär geräumt wurde, wurden die Palästinenser dafür durch massive Vergeltungsaktionen „bestraft”, dafür, dass – die Ausnahme der Regel – rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten wurden….

Dass die Präsenz des israelischen Militärs eigentlich diese Übergriffe und Verbrechen verhindern müsste, braucht wohl nicht näher kommentiert zu werden… Die Siedler genießen Narrenfreiheit und weil sie wissen, dass ihre Straftaten nicht geahndet werden, was sie in ihrem pervertierten „Sendungsbewusstsein” noch bestärkt, besteht wohl kaum Hoffnung auf  eine bessere Zukunft….

Man kann hier nur mehr an die Worte von UN-Berichterstatter Richard Falk erinnern, der gesagt hat, dass jeder, der angesichts dieser Zustände (von dem Massaker und Aushungern der Menschen in Gaza ganz zu schweigen) schweigt oder wegschaut, sich mitschuldig an diesen Verbrechen macht. Dass man die USA und der UNSC („ein Instrument der US-Außenpolitik, sonst nichts” -John Bolton) vergessen kann, ist leider offensichtlich.

Aber was ist mit der EU als „Wertegemeinschaft”, die sich zu den edelsten Idealen in ihrer (ehemaligen) „Verfassung” bekennt?

Was tut man, um das unglaubliche Unrecht, das den Palästinensern angetan wurde, zu bekämpfen?

  • Man schließt Verträge mit Israel und erklärt es zum „bevorzugten Handelspartner”…
  • Man bestrafte die ohnehin schon gedemütigten Palästinenser für die Wahl der „falschen Partei” (Hamas) durch finanzielle Sanktionen….
  • Man war begeistert, dass im Kosovo durch NATO-Bomben ein „humanitäre  Intervention” (gegen Unterdrückung und ethnische Säuberungen) geführt wurde, aber die Unterdrückung der Palästinenser seit mehr als 60 Jahren ist kein Thema.... Man kann sich nicht einmal zu wirtschaftlichen Sanktionen durchringen (wie im Fall des Apartheid-Regimes in Südafrika)

Man sollte die EU vielleicht umbenennen:

EHG - Europäische Heuchler-Gemeinschaft…