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A Whiter Shade of Pale: Plutonium für Alle

Fukushima? Schnee von gestern? Schön wär’s … doch ein Problem geht nicht weg, nur weil man es bagatellisiert.

Noch immer hören wir Phrasen wie „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Atomanlage unter Kontrolle bringt …“ Doch das ist 100% Bullshit. Die „Kontrolle“  über dieses nukleare Trümmerfeld kann nie wieder hergestellt werden und das Ausmaß der Katastrophe wird noch immer heruntergespielt:

  • Kernschmelze in Reaktor 1
  • Grundwasser verseucht (Anlagen 1-3 haben „Lecks“; Anlage 4 „neigt sich“)
  • Massive Explosion im Reaktor 3 (Abklingbecken samt Brennstäben in die Luft geflogen)
  • Folgen: Land, Lebensmittel und Wasser mit Uran und Plutonium verseucht (weltweit messbar)

Die Explosion im Reaktor 3 wurde mit der Kamera festgehalten: Die gewaltige Sprengkraft war sichtbar, denn Material aus dem Reaktor wurde so hoch in die Luft geschossen, dass man es gerade noch im Videoframe sehen konnte. Auf dem Video sieht man auch einen „rot-gelben Blitz“, also eine Explosionsflamme, die nur bei diesem Reaktor gebildet wurde:

Obwohl es noch Debatten darüber gibt, ob das Reaktordruckgebäude noch intakt ist, besteht kein Zweifel daran, dass vom Abklingbecken Nr. 3 nicht mehr viel übrig ist: (Klicken sie auf das Bild – wo “SFP” in grün steht, war mal das Abklingbecken …)

Dieser Pool enthielt mehrere hundert Tonnen ausgelagerten MOX Brennstoff. Das Material (Uran und Plutonium)  wurde durch die enorme Explosion (zumindest teilweise) pulverisiert und als giftiger „Feinstaub“ (Nanopartikel, die so winzig sind, dass sie alle Barrieren des Immunsystems durchdringen)  rund um Fukushima großflächig verteilt, und zwar in einem wesentlich größeren Radius als im Falle von Tschernobyl. Das ergibt sich aus den Strahlungswerten, die noch in einer Entfernung von 60 km gemessen wurden. Die Dosisraten waren höher als 20 micro Sievert pro Stunde und trotzdem wurde niemand evakuiert. Warum nicht?

Damit keine „Panik“ ausbricht – nicht in der Bevölkerung, die wird sowieso in Japan seit Jahren für dumm verkauft, sondern bei den „Investoren“, den „Börsianern“, der Finanzoligarchie, den Währungsspekulanten. Wenn die das „Vertrauen“ in die japanische Wirtschaft verlieren, weil die wahren, astronomischen Kosten dieser nuklearen Katastrophe ans Tageslicht kommen – das wäre ein Super-GAU der finanziellen Art, der um jeden Preis verhindert werden muss. Da kann man Kindern doch ruhig die 20- oder 50-fache Strahlungsdosis zumuten ohne mit der Wimper zu zucken, oder?

Dr. Chris Busby, ein engagierter Wissenschaftler, der sich seit Jahren für eine Aufklärung der Bevölkerung bzw. ein Ende der Vertuschung der enormen Gefahren der Atomkraft (auch im “Normalbetrieb”!) engagiert, sieht die Erklärung für die enorme Wucht der Explosion in einer „spontanen“ Kernspaltung, Nuklearexperten sprechen von “instant criticality”: d.h. es kommt auch nach “Abschaltung” zu einer Kettenreaktion …

Wie das im Reaktor 3 passieren konnte, erklärt Dr. Busby so:

Die Schmelz- bzw. Siedepunkte  von Plutonium und Uran sind nicht gleich. Der Schmelzpunkt von Plutoniumoxid (im MOX Brennstoff) ist 2701 Grad Celsius, aber der von Uranoxid 3120 Grad. Wenn also eine Mischung dieser beiden zu sieden  beginnt, kommt es zu einer fraktionierten Destillation des Plutoniumoxids, also zu einer chemischen Abscheidung (Wasser <> Dampf), so wie bei der Destillation von Alkohol.

Das Plutonium wird daher im Dampf bzw. dort örtlich konzentriert, wo sich der Dampf als Kondensat niederschlägt (wo es also am kühlsten ist). Dies führt unweigerlich zu einer nuklearen Explosion, wenn die Konzentration des Plutoniums den kritischen Punkt für eine Kettenreaktion erreicht hat.

Dabei ist auch zu bedenken, dass Plutonium nicht nur in Reaktoren  vorhanden ist, die mit MOX-Brennstoff betrieben werden, sondern in jedem AKW  durch den Neutronenbeschuss des Uranbrennstoffs entsteht.

Auch in Tschernobyl wurde von einer „Wasserstoffexplosion“ gesprochen, doch neuere Forschungsergebnisse liefern starke Indizien dafür, dass diese Version nicht der Wahrheit entspricht: Jeder „Vorfall“ in einem AKW, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird, hinterlässt eine eigene „Isotopen-Signatur“. Kernphysiker können also in der Zusammensetzung des radioaktiven Giftcocktails (und Kenntnis der „Historie“ des Reaktors) Informationen erkennen, die auf die Ursache der Freisetzung schließen lassen.

So haben zwei russische Forschungsteams das Spektrum der Gammastrahlen untersucht, die das herausgeschleuderte Material aus dem Reaktorkern Nr. 4 freigesetzt hat. Eine Gruppe hat sich auf die Isotopen Xenon 133 und 133 m konzentriert, die eine Halbwertszeit von 5,24 bzw. 2,19 Tagen haben. Das Vorkommen bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser beiden Spaltprodukte (22,4) ist ein klarer Hinweis darauf, dass eine nukleare Explosion stattgefunden  hat.

Die radioaktive Milch wird "entsorgt" ...

Der Grund, warum sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima der Eindruck erweckt wurde, es handle sich (nur) um eine Wasserstoffexplosion, liegt auf der Hand:

Wenn den Leuten klar wird, dass Atomreaktoren,  bei denen die Kühlung versagt, auch nach der „Abschaltung“ wieder einen kritischen Status erreichen können (es also wieder zu einer Kernspaltung bzw. Kettenreaktion kommen kann), dann ist das Märchen von der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ endgültig erledigt.

Dieser Vorgang der „spontanen Fission“ wird von Fachleuten als „prompt criticality“ bezeichnet und Dr. Chris Busby ist nicht der einzige, der dieses Szenario in Fukushima als sehr wahrscheinlich ansieht.

Auch der amerikanische Nuklearingenieur Arnold Gundersen, der jahrzehntelang in der Atomindustrie tätig war und auch im Untersuchungsverfahren nach dem „Unfall“ von Three Mile Island als Experte aussagte, ist überzeugt, dass hier eine “moderate” atomare Explosion stattgefunden hat:

Gundersen erklärt hier auch den Unterschied zwischen einer “Detonation” (Schockwelle  ist schneller als der Schall) und “Deflagration” (Schockwelle breitet sich mit Schallgeschwindigkeit aus). Das Video zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Detonation gehandelt hat und auch der Umstand, dass Teile der Brennstäbe noch in zwei Meilen Entfernung vom Reaktor gefunden wurden …)

Ein wissenschaftlicher Beweis für die Hypothese der nuklearen Explosion wäre leicht zu erbringen, man muss nur das Gammaspektrum untersuchen bzw. die radioaktive „Signatur“ der  Freisetzungswolke nach der Explosion im Reaktor 3. Vermutlich hat man das auch gemacht, doch die Ergebnisse werden natürlich geheim gehalten, sonst wäre nicht nur TEPCO erledigt, sondern auch der Mutterkonzern Toshiba, die Atomlobby in Japan (und wohl auch weltweit) , von der japanischen Regierung – die das Volk seit Jahrzehnten belügt, ganz zu schweigen.

Man liest, dass die Reaktoren  pro Tag 100.000.000.000.000 Becquerel freisetzen. ( 1 Becquerel ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde). Das ist schon schlimm genug, sagt den Leuten jedoch wenig. Was das für die “Gesundheit” der Chromosomen bedeuten kann, sehen sie hier (am Beispiel eines Hundes, der auch ein Opfer von Tschernobyl wurde:

Wir hören aber immer nur von Cäsium und radioaktivem Jod 131, dessen Halbwertszeit nur wenige Tage beträgt. Man kann also „Informationen“ herausgeben und gleichzeitig beruhigen, da die kurze Zeitspanne keine Panik in der Bevölkerung auslöst.

Doch von den anderen “verräterischen” Nukliden hört man nichts – eben weil ihre Veröffentlichung die “Isotopen-Signatur” der Katastrophe offen legen würde, also eine Art radioaktiver “Fingerabdruck” wäre, der die Vorgänge in Fukushima transparenter machen könnte.

Und das geht nicht nur Japan etwas an.

In den USA (zB Americium, ein Zerfallsprodukt von Plutonium,  in New England) und auch in Europa sind Isotope aus Fukushima bereits gemessen worden  – tausende Kilometer weit weg und mögen die Werte auch „niedrig“ sein, unbedenklich sind sie garantiert nicht, denn wir wissen, dass diese geladenen Teilchen sich mit organischem Material verbinden und in der Nahrungskette konzentrieren.

Nicht zufällig hat die EU die Grenzwerte in Lebensmitteln dramatisch erhöht– doch die Medien interessieren sich mehr für den „Euro-Schutzschirm“, schließlich sind sie konditioniert worden, ihre Aufmerksamkeit auf finanzielle Dinge zu konzentrieren, nicht auf die Erhaltung bzw. Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch eine pathologische und fanatische Wirtschaftsideologie, die mehr Zerstörung und Elend auf der Erde anrichtet, als jeder angebliche „Terrorist“.

Dr. Busby fragt weiter: Was ist mit Strontium 90, Barium 140 und Uran, die sich in der Milch konzentrieren? Dringend benötigt werden Informationen über  folgende Radionuklide:

  • Tritium; Carbon-14; Plutonium 239, 238 u. 241
  • Uran 238 u. 235; Americium 241
  • Strontium 89 /90; Yttrium 90
  • Barium 140; Cobalt 60
  • Zirconium 95;  Niobium 95
  • Zink 65; Ruthenium 106
  • Silber 110m; Cerium 144
  • Mangan 54; Schwefel 35
  • Xenon 133 / 133 m / 135
  • Argon 41; Krypton 85

Erst wenn Informationen über die Häufigkeit bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser Isotope veröffentlicht werden, wird sich die Vernebelungstaktik der japanischen Regierung und der weltweiten Atomlobby bekämpfen lassen.

Doch kein Journalist drängt darauf und fragt danach, denn sie haben keine Ahnung von der Materie (… auf dem gleichen, bestürzend niedrigen Niveau werden auch Interviews über Gentechnik oder Nanotechnologie abgewickelt …). Es reicht doch, einen „Experten“ zu fragen – von wem der bezahlt wird, im Kontext von „Science for Sale“  (Privatisierung und Dominanz der staatlichen Forschung durch potente „Partner“ aus der Wirtschaft) hat auch nicht weiter zu interessieren.

Unsere Medienschafe sind darauf trainiert, die Presseaussendungen und Desinformation wiederzukäuen, die ihnen die Agenturen liefern und blöken harmonisch im Chor … „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Anlage wieder  unter Kontrolle hat“ …  Schauen wir uns doch die Bilder noch mal an, was gibt es da noch zu „kontrollieren“?

Ja, die mediale Blödheit kennt wirklich keine Grenzen, denn man meldet auch solchen Schwachsinn:

Tepco hat angekündigt, ein Gerät zu entwickeln,

um die Radioaktivität aus dem Meerwasser zu entfernen“ (!)

(Österreichischer Rundfunk, vor einer Woche)

Einziger Lichtblick im “öffentlich-rechtlichen” Rundfunk: Die „Monitor“-Redaktion  … Doch leider ist die Sendezeit sehr kurz und garantiert nicht in der „Prime-Time“ (damit die Einschaltquoten ja nicht zu hoch werden …).

Volker Pispers sagte neulich, die „Nachrichten“ seien doch nur mehr „organisierte Verblödung“ der Zuschauer.

Der Mann hat ja so Recht …. (das gilt nicht nur für Atomkraft, sondern auch für den moralischen Mega-Scam der Bombardierung anderer Länder zur Durchsetzung neoliberaler Programme, präsentiert als „humanitäre Intervention“, die absurde Darstellung des IWF als „Hilfsorganisation für in Finanznot geratene Länder“ (Tagesschau, Sonntag 15.5.) (Fakt: der IWF ist ein US/europäisches Bankenkartell unter Führung des US-Finanzministeriums, das erheblich an der Entstehung der  “Finanzkrisen” mitgearbeitet hat ) usw.

Die Journalisten sind doch nur mehr für die mächtigen „Player“ dieser Welt nützliche Idioten, die als „Multiplikatoren“ bewusst lancierter Falschmeldungen und vorgegebener Deutungsrahmen („framing“)  ihren Zweck erfüllen und sich auch noch etwas darauf einbilden …

Die vierte Säule der Demokratie?  Ein guter Witz …

Warum die Atomindustrie eine terroristische Vereinigung ist (die das Leben auf der Erde für hunderte Generationen bedroht und bleibenden – weil genetischen – Schaden hinterlässt), zeigen diese erschütternden Videos:

 

 Nuclear Controversies

Das letzte Wort geht an Albert Einstein, an dessen … Geburtstag der Reaktor 3 explodierte:

“It is not enough for a handful of experts
to attempt the solution of a problem,
to solve it and then to apply it.

The restriction of knowledge to an elite group
destroys the spirit of society
and leads to its intellectual impoverishment.”

Albert Einstein

P.S. Was ein erfahrener Atomphysiker von den „Wasserspielen“ „feed and bleed“) in Fukushima hält, sehen und hören wir hier:

Dr. Michio Kaku kommentiert die Kühlungsversuche von  TEPCO damit, dass sie ebenso effektiv seien, wie der Versuch einen Waldbrand mit Wasserspritzpistolen zu löschen … Das ganze Theater soll nur vortäuschen, dass man noch Optionen oder irgend einen Plan hat, die Lage „unter Kontrolle“ zu bringen.

Die Realität  beschreibt Dr. Kaku in einem Interview mit ABC News am 31/3 so:

„Das ist eine ganz große Sache. Zum ersten Mal hat man das Word „Breach“ verwendet, das bedeutet unkontrollierbare Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt … und denken Sie daran, dass der Reaktor 3, wo das Leck vermutet wird, mit MOX Brennstoff arbeitet, also Plutonium enthält, das giftigste, chemische Element, dass die Wissenschaft kennt.

Ein Millionstel Gramm kann Krebs auszulösen, wenn es in den Körper gelangt (durch Einatmen oder durch Nahrungsmittel). Man muss sich das sehr genau ansehen.

[Auf die Frage des Journalisten, ob Stufe 4 bzw. ein Vergleich mit dem Unfall von Three Mile Island (TMI) zulässig sei  (zum Zeitpunkt des Interviews war es ja noch nicht Stufe 7):]

„In wissenschaftlichen Zirkeln ist das ganze Theater Anlass für große Erheiterung – es ist doch offensichtlich, dass die Lage in Fukushima viel schlimmer ist, als TMI.  Dort hatten wir nur einen Reaktor, der zwar 90% Kernschaden hatte, aber eben nur eine kleine Menge Radioaktivität ins Freie gelangte. Es gab auch kein „Leck“ im Containment.

Hier haben wir drei wütende Kernschmelzen (noch im Gange), ein freiliegendes Abklingbecken [ohne schützenden Wassermantel schaukeln sich Hitze und Oxidation auf] … Wasserstoffexplosionen –jedes dieser Ereignisse für sich genommen, ist  schon schlimmer ist als TMI;

….Wenn Sie erst einmal die Anlage evakuieren müssen, weil die Radioaktivität tödliche Werte erreicht hat, dann haben wir keine Chance mehr, und drei Kernschmelzen werden parallel stattfinden, eine Tragödie, die weit über jene von Tschernobyl hinausgeht …und eine dauerhafte Todeszone in Japan schaffen wird.“

Reaktordaten:

http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/outline_f1/index-e.html   Plant Overview

Wunschloses Unglück: Was aus den “Tschernobyl-Babys” geworden ist …

Wunschloses Unglück

Ich habe zufällig diese Bilder bzw. den Bilder-Essay im Internet gefunden ….

Der “Krieg gegen die DNA” (wie ich die Atomenergie schon öfter genannt habe)  ist REAL…. so sehen seine Opfer aus ….

Mein Gott …… ist alles was ich noch sagen kann .. .. ich habe keine Worte mehr, um mein Entsetzen, mein Mitgefühl und meine Trauer auszudrücken.. angesichts dessen, was man diesen Kindern angetan hat…  doch eine Frage schreit  zum Himmel:

Wie können wir zulassen, dass dafür niemand zur Rechenschaft gezogen wird, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren?

Nur noch eines:  Unsere gewählten Regierungen  lügen und lügen und lügen … (oder haben keine Ahnung wie die Journalisten, die sich mit absurden “Meldungen” aus Japan füttern lassen und sie brav wiederkäuen; bis heute haben sie die Dimension dieser Katastrophe nicht erkannt …

Vier Jahre alt und multiple Sklerose …

Fukushima ist 10 x schlimmer als Tschernobyl: 1760 t Uranbrennstoff  gegenüber  180 t …. (+ Plutonium ….)..

Hier ist der ganze Foto-Essay .….(narrated in English)

( …holen Sie sich vorher Taschentücher …ich konnte die Tränen nicht zurückhalten …

Hier noch einmal der Link über die Geschichte  des “Strahlenschutzmodels” (das die schützt, die die Strahlen produzieren, aber nicht uns!)

P.S. Geld (food business)  schützen oder unser Leben? Da hat die EU klare Prioritäten

Strahlende Zukunft: AKW als Massenvernichtungswaffen?

Ein Kindergarten in Tschernobyl ...

„Die Zahl der Kinder und Enkel mit Krebs in ihren Knochen, mit Leukämie in ihrem Blut oder mit Gift in ihren Lungen, scheint für manche statistisch unbedeutend zu sein, im Vergleich mit natürlichen Gesundheitsgefahren.

Aber das ist kein natürliches Risiko und es ist keine statistische Angelegenheit.

Der Verlust nur eines einzigen Lebens, die Missbildungen auch nur eines einzigen Babys, die vielleicht lange nach uns geboren werden, sollten uns alle betroffen machen Unsere Kinder und Enkel sind nicht nur „Statistiken“, die uns egal sein können …“

Präsident John F.Kennedy, 1962

Spätestens nach Tschernobyl gab es ein dringendes Bedürfnis aller Menschen, zu verstehen, wie gefährlich der radioaktive Fallout eines schweren „Reaktorunfalls“ eigentlich für unsere Gesundheit ist. Doch obwohl sich die mediale Aufmerksamkeit natürlich auf diesen Aspekt richtete, und es in der Folge zahllose Diskussionen und „Expertengespräche“ gab, tappen viele Menschen immer noch im Dunkeln und verstehen nicht, was hier eigentlich passiert.

Die dramatischen Ereignisse in Fukushima haben die ganze Problematik wieder hoch aktuell gemacht. So hat z.B. das ZDF in einer Sondersendung („ZDF-Spezial“ am 15.3). die Frage gestellt  „Ab wann ist Strahlung gefährlich?“

Dann hörten wir, dass „Sievert“ die biologische Wirksamkeit bezeichnet, mit der Strahlung auf den Menschen einwirkt“, dass die „natürliche Hintergrundstrahlung (in unterschiedlicher Intensität) weltweit besteht“, und dass auf dem Gelände der Atomanlage in Fukushima schon 400 mS pro Stunde gemessen wurden, etc.

Welche Erkenntnisse haben wir daraus gewonnen?  Verstehen wir jetzt, warum radioaktive Strahlung so gefährlich ist? Ich denke nicht.

Bevor man über „Strahlendosen“ und verwirrende Maßeinheiten spricht (es gibt Gray, Sievert, Bequerel, oft findet man auch noch Curie, Rad und Rem) muss man erst einmal folgende Fragen beantworten:

  • Was ist radioaktive Strahlung (RS)? (physikalische Grundlagen verstehen)
  • Was bewirkt die Strahlung in unserem Körper? (bei niedrigen Dosen sehr schwer zu erkennen)
  • Welche Dosen sind gefährlich? Wie entstand das „Strahlenschutzmodell“ und ist es wirklich streng wissenschaftlich fundiert (kann man sich auf die Werte verlassen, oder dienen sie eher der Verharmlosung, damit die Atomindustrie nicht unter Druck gerät?

Eines kann man jedenfalls bereits vorwegnehmen: es gibt keine wirklich harmlose Strahlendosis, also keinen Schwellenwert, unterhalb dessen „nichts“ passiert. Jeder, der uns das erzählt, hat entweder keine Ahnung oder steht im Dienst der Atomlobby.

Der Versuch, über dieses komplexe Thema zu schreiben, damit die Leser besser verstehen, was hier passiert, ist natürlich von Selbstkritik begleitet:

Kann man komplexe Zusammenhänge und Erkenntnisse der Strahlenbiologie (und damit verbundene Kontroversen) so darstellen, dass die Zusammenhänge verständlich werden und Leser sich selbst ein Urteil über die Gefährlichkeit bilden können?  (Ist das „Dumbing Down of Science“ erlaubt?)

Muss man selbst ein Experte sein, um dieses brisante Thema überhaupt diskutieren zu können? Ich glaube nicht, aber man muss natürlich Informationen verwenden, die von Fachleuten stammen und dabei wird – was unvermeidlich ist – selektiert. Entscheidend dabei ist, Material aus unabhängigen Quellen zu finden – kein leichtes Vorhaben.

Ich hoffe trotzdem, dass ich ein bisschen dazu beitragen kann, die „Atomdebatte“ in die richtigen Bahnen zu lenken, weg von der Propagandaschiene und gegen das Motto: „Wer nichts versteht, muss alles glauben“ … (was leider auch auf manche Journalisten anzuwenden ist).

WAS IST STRAHLUNG bzw. RADIOAKTIVE STAHLUNG (RS)?

Jeder von uns kennt Röntgenstrahlung. Wir wissen, dass hier ein Apparat steht, der uns „durchleuchtet“, wie man früher sagte. Er sendet also geladene Teilchen aus, die in unseren Körper eindringen, damit die Ärzte mit Hilfe der Röntgenbilder bessere Diagnosen stellen können. Die Strahlungsquelle ist hier leicht zu identifizieren, weil sie ja im Röntgenlabor sichtbar ist, und auch die Intensität der Strahlung kann eingestellt und überwacht werden.

Schon wesentlich schwieriger wird es, wenn die Strahlungsquelle (sie „ist“ nicht selbst radioaktiv, sondern sendet Strahlung aus) unvorstellbar winzig ist, und sich in unserem Körper befindet, weil wir diese Teilchen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen haben. Um diese Vorgänge besser zu verstehen, ein kleiner Ausflug in die Physik:

 

Beispiel Helium Atom

Wie ein Atom aufgebaut ist, kann man ja bei Wikipedia oder vielen anderen Quellen nachlesen. Im Atomkern befinden sich die positiv geladenen  Protonen und die ungeladenen Neutronen,während die negativ geladenen Elektronen um ihn kreisen. Die Balance der elektrischen Ladungen (zwischen Protonen und Elektronen) hält das Atom zusammen. (Bild: Helium Atom)

Wichtig für das Verstehen der Radioaktivität, ist, dass die Zahl der Neutronen im Kern (bei gleich vielen Protonen) unterschiedlich sein kann, dadurch werden Isotope (des gleichen Elements) definiert. Chemisch verhalten sich diese Isotope gleich (denn hier sind die Elektronen entscheidend), doch in physikalischer Hinsicht gibt es wichtige Unterschiede.

Im Gegensatz zu den meisten natürlichen Isotopen sind die (künstlich produzierten) radioaktiven Isotope sehr instabil – das bewirkt den „Zerfall“ zu Isotopen anderer Elemente, (bis ein stabiler Zustand entsteht, das kann Sekunden, aber auch tausende Jahre dauern) wobei RS freigesetzt wird.

Bei diesem radioaktiven Zerfall geht Masse verloren,  (Masse wird in Energie umgewandelt – siehe Einstein), die in Form von Alpha-, Betateilchen oder Gammastrahlen abgegeben wird.

Was ist Ionisation?

Atome verbinden sich über die äußeren Elektronen zu Molekülen, sie werden also durch diese „Bindungsenergie“ zusammengehalten. Jede Strahlung, die energiereich genug ist, eines dieser Elektronen zu „vertreiben“, und damit die Molekülbindung zu brechen, wirkt „ionisierend“.

Weil ein Atom oder Molekül elektrisch neutral ist, wird es durch den Verlust des Elektrons elektrisch (+ oder -)  geladen, das nennt man Ionisation.

Bei biologischen Molekülen (also in Lebewesen) führt diese Ionisation zu biochemischen Veränderungen, die große Probleme auslösen und tödlich sein können – anfangs nur auf zellulärer Ebene. (Stellen Sie sich vor, die Zelle wird immer wieder von einem kleinen Blitz getroffen und kann irgendwann den Schaden nicht mehr reparieren)

Die Antwort auf die Frage „Was ist Strahlung? lautet also:

Die elektromagnetische (rasante) Übertragung von Energie im Raum in Form einer Welle (wobei manche Strahlen auch problemlos Materie durchdringen können)

Wellenlänge und Frequenz (Schwingungen pro Sekunde) bestimmen die Art der Strahlung

Gamma-, Röntgenstrahlen (kurzwellig / hohe Frequenz) – sehr hohe Energie

Dazwischen: UV-Licht, Licht, Infrarot

Mikrowelle, Radiowelle (sehr langwellig, niedrige Frequenz)

Leider ist es in erster Linie der unsichtbare Teil des Elektromagnetischen Spektrums, der genug Energie hat, eine Ionisation auszulösen. Das können aber auch Teilchen, die mit hoher Geschwindigkeit direkt mit Atomen kollidieren, wobei die Elektronen und Atome quasi in alle Richtungen fliegen.

Durch die Energieübertragung entsteht Wärme, deshalb müssen auch die Brennstäbe immer gekühlt werden, weil durch die Kettenreaktion ja die Hitze immer größer wird.

Wichtig ist, zu verstehen, dass die Strahlendosis-Werte grundsätzlich auf diesem Prinzip beruhen – also wie viel Energie wird übertragen (eine rein physikalische Betrachtungsweise, kein Wunder, waren es doch die Physiker die die Atomenergie forciert haben). Diese aufgenommene Energie  wird in Gray gemessen, das heißt:

1 Gray ist  absorbierte Energie von einem Joule pro kg Masse (bei Menschen ist das die Gewebsmasse eines Organs, bzw. es wird die „Ganzkörperdosis“ errechnet, (mehr dazu im zweiten Teil).

Seit der ersten Atomspaltung vor 70 Jahren, wurden hunderte dieser künstlichen Isotopen hergestellt und freigesetzt: in Labors, durch AKW oder Atombomben. Einige dieser Radioisotope haben natürliche „Geschwister“, die in der Natur vorkommen und manche befinden sich aus gutem Grund in unserem Körper (viele dieser Isotope haben quasi ein „Zielorgan“): z.B. Kalium (Herz), Calcium (Knochen) oder Jod (Schilddrüse).

Der Körper kann zwischen den ungefährlichen und radioaktiven Isotopen nicht unterscheiden und lagert z.B. radioaktives Jod genauso in die Schilddrüse ein, wie normales Jod (die Jodtabletten helfen aber nur bedingt und sollten keinesfalls „vorbeugend“ eingenommen werden)

Am Beispiel von Strontium 90 kann man die massive gesundheitliche Gefahr illustrieren: (wir kommen im nächsten Artikel noch einmal darauf zurück, um die Effekte genauer zu untersuchen.

Es wird vom Körper wie Calcium behandelt deshalb kann es sich ungehindert in den Knochen (und Zähnen) einlagern und ansammeln – das ist besonders für Kinder sehr gefährlich (weil ihre Knochen ja noch wachsen müssen und deswegen häufiger Zellteilungen stattfinden; während der Teilungsphase ist die Zelle besonders anfällig für radioaktive Strahlung:

Strontium (in der Natur) ist ein Gemisch aus vier stabilen Isotopen: Sr-84 (0,6%), Sr-86 (9,9%), Sr-87 (7,0%) und Sr-88 (82,6%). [In der radioaktiven Form] hat Sr-90 mit einer Halbwertszeit von 28,8 Jahren die längste Zerfallsrate. Sr-90 ist ein ß-Strahler, der während der oberirdischen Kernwaffenversuche in 50er und 60er Jahre in größeren Mengen freigesetzt wurde. Durch Inhalation verseuchter Luft oder die Aufnahme kontaminierter Nahrungsmittel, gelangt das gefährliche Radionuklid in den menschlichen Körper. Dort kann es Calcium bei der Knochenbildung ersetzen. Dies gefährdet in besonderem Maße Kinder. Ist Strontium-90 erst einmal in den Knochen eingebaut, ist es dort eine gefährliche Strahlenquelle, die Krebs erzeugen kann. Inzwischen kommt im menschlichen Knochengerüst durchschnittlich auf 4000 Calciumatome ein Strontiumatom!“

Erschreckend waren auch Studien aus den 1960er Jahren, wo untersucht werden sollte, wie sich nach den zahlreichen Atombombentests (USA und UDSSR), die Freisetzung von großen Mengen Strontium 90 auf die Kleinkinder ausgewirkt hatte. Dazu wurden mehr als 300.00o Milchzähne untersucht (die ja auch viel Calcium bzw. Strontium aufnehmen)

Ergebnis: Kinder, die nach 1963 geboren wurden, hatten 50 mal mehr Strontium in den Zähnen als jene, die vor den Atomtests geboren wurden (und damit auch große Mengen in den Knochen). Diese schockierenden Zahlen führten u.a. dazu, dass Präsident John F. Kennedy am 25. Juli 1963 das Abkommen zur Einstellung atmosphärischer Atombombentest unterzeichnete.

Seine mahnenden Worte über die Atomwaffen sind auch heute noch von großer Relevanz … (vier Monate später wurde er ermordet)

“ [...] I speak of peace because of the new face of war. Total war [...] makes no sense in an age when a single nuclear weapon contains almost ten times the explosive force delivered by all of the allied air forces in the Second World War. It makes no sense in an age when the deadly poisons produced by a nuclear exchange would be carried by the wind and water and soil and seed to the far corners of the globe and to generations unborn.[...]

And is not peace, in the last analysis, basically a matter of human rights – - the right to live out our lives without fear of devastation – - the right to breathe air as nature provided it – - the right of future generations to a healthy existence?

While we proceed to safeguard our national interests, let us also safeguard human interests. And the elimination of war and arms is clearly in the interest of both.”

(Commencement address, June 10, 1963, den vollständigen Text der Ansprache gibt es hier )

ES GIBT KEINE FRIEDLICHE NUTZUNG DER ATOMENERGIE

Leider hat sich kein Kennedy nichts gebessert – im Gegenteil: (die Atombombentests wurden zwar beendet, aber alleine Tschernobyl hat die Erde hundertmal mehr radioaktiv verseucht, als die Bomben von Hiroshima und Nagasaki.

Die Atomwirtschaft hat uns bis heute mehr als 1000 (Arten) dieser gefährlichen Radioisotope zugemutet. Ihre Zahl steigt ständig an – auch durch den „Normalbetrieb“ eines Reaktors und wenn es, wie in Tschernobyl zu einer Katastrophe kommt, werden natürlich riesige Mengen dieser krankmachenden und todbringenden, unsichtbaren Teilchen freigesetzt, die sich auf der ganzen Erde verteilen. Wie sich diese Verteilung gestaltet, hängt natürlich von den Wetterbedingungen ab, der Windrichtung, der Niederschlagmuster, etc. Aus den neuesten Studien über Tschernobyl wissen wir, dass Europa (global gesehen) den Großsteil des Fallouts abgekriegt hat: fast 60%. Was heißt das für die Gesundheit?

Die internationale Organisation Ärzte gegen den Atomkrieg (IPPNW) hat in ihrer Broschüre zum 25. Jahrestag von Tschernobyl folgende Daten (aus der aktuellen Tschernobyl Studie, die sie auf ihrer Website als pdf-Download zur Verfügung stellen) veröffentlicht:

Welche Krankheiten haben auffällig zugenommen?

  • Neurologische Erkrankungen
  • Chromosomenschäden (werden immer schlimmer für jede weitere Generation)
  • Krebs (+100.000) – besonders Schilddrüsenkrebs, Brustkrebs, und Gehirntumore bei Kindern (!)
  • Schwere Missbildungen bei  Neugeborenen (+ 10.000 in Europa)
  • Hohe Perinatalsterblichkeit (Totgeburten und Tod bei Säuglingen: + 5000)
  • Schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten (Herz-Infarkte bei 25-jährigen, Gehirnblutungen, etc.)
  • Vaskuläre, vegetative Dystonie („Tschernobyl-Syndrom“)
  • Schwere Störungen des Immunsystems
  • Vorzeitige biologische Alterung (auch sichtbar: die Leute sehen 1o Jahre älter aus)
  • Katarakte („Strahlenstar“ – Augenerkrankung)

Man kann sich dem vernichtenden Urteil der IPPNW nur anschließen:

“Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Tschernobyl-GAU werden die Folgen dieser Katastrophe verdrängt, vertuscht, verharmlost und bagatellisiert .”

(Mehr über die seit Jahren andauernde Vertuschung im nächsten Beitrag)

Bilder – 20 Jahre nach Tschernobyl – sagen mehr als tausend Worte (darunter ein 6-jähriges Mädchen, dass seit drei Jahren nicht mehr gewachsen ist ….)

 

 

RISIKOWAHRNEHMUNG AUF DEN KOPF GESTELLT

Bei anderen Katastrophen (Erdbeben, Brände, Überschwemmungen) muss man zwar auch unmittelbare Opfer beklagen, aber für die Überlebenden gibt es begründete Hoffnung. Häuser kann man wieder aufbauen, Straßen wieder passierbar machen, Maschinen reparieren, Bäume pflanzen und wieder neu anfangen. Doch der schöne Spruch „Die Zeit heilt alle Wunden“ gilt eben für die Atomenergie nicht.

Im Gegenteil, es ist möglich, dass es nach vielen Jahren (wo der Mensch sich daran klammert, es sei irgendwie alles wieder „normal“) noch schlimmer wird.

So kann es sein, dass nach 10, 15 oder mehr Jahren nach dem „Unglück“ ein neues Isotop entsteht, das noch gefährlicher ist, als das ursprüngliche:

Americium 241 als Zerfallsprodukt von Plutonium 241 entsteht nach 14 Jahren. Es emittiert  Alphateilchen mit fünf verschiedenen Energieladungen und Gammastrahlung und hat eine Halbwertszeit von 432 Jahren. Wenn es in unseren Körper gelangt, wird es mit einer biologischen Halbwertszeit von 20 Jahren in der Leber, bzw. 50 Jahren in den Knochen eingelagert. Aber in den Keimzellen – also im Hoden beim Mann bzw. in den Eierstöcken der Frau – bleibt es für immer … (was das für die DNA in den Chromosomen bedeutet, kann man sich vorstellen)

Wer also  eine Partei gewählt hat, die die Atomwirtschaft seit Jahren unterstützt und die Laufzeiten der AKW verlängert, hat indirekt auch zu diesem Wahnsinn (eine Art Massenmord auf Raten) beigetragen und muss das mit seinem Gewissen ausmachen … (wie erklärt man das seinen Kindern?)

Fortsetzung folgt … (dabei geht es  um folgende Fragen):

  • Welche Strahlenarten gibt es?
  • Wirken alle Strahlenarten gleich auf den Körper? (Nein, deshalb ist die Angabe von „Milli-Sievert“als Dosis, (wie man sie in den Medien öfter hört)  an sich wenig aussagekräftig…)
  • Was ist die „natürliche“ Hintergrundstrahlung? Ist deren Wirkung wirklich gleichzusetzen mit der Strahlung aus AKW?
  • Wie entstand das „Strahlenschutzmodell“? Wer setzt die „Grenzwerte“ fest?  …usw…

NOCHMAL: die „friedliche Nutzung der Atomenergie“ hat es nie gegeben …wer diesen Orwell’schen “Doublespeak” benutzt, entlarvt sich als Diener der Atomlobby … (oder plappert nur PR-Slogans nach)

Die Auswirkungen von Uranwaffen im Irak (DU-Waffen – die  aus dem „Abfall“ von AKW erzeugt werden) EIN VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT werden in diesem Video gezeigt:

sehr erschütternd … das „uranium oxide“ von dem hier die Rede ist, wird auch durch die Katastrophe von Fukushima freigesetzt .. Uran hat eine große Affinität (Neigung sich an DNA zu binden) gegenüber der DNA in unseren Zellen …)

Den ganzen Film können Sie hier sehen.

Wir müssen verstehen, dass die Spaltprodukte aus den AKW  auch eine Art von Waffe darstellen; …  die Atomwirtschaft führt  – ohne Übertreibung – einen Krieg gegen das Leben selbst … (Uran 238  hat eine Halbwertszeit von 4,5  Milliarden Jahren – das ist für die Ewigkeit ….)

FROM HELL (2): Nuklearer Holocaust in Japan

Auf den ersten Blick würde wohl jeder sagen, die Ursache dieser Katastrophe war das gewaltige Erdbeben (gefolgt von einem Tsunami und mehreren Nachbeben). Doch das ist natürlich falsch, denn die japanische Regierung wusste – wie niemand sonst – dass sie quasi auf einem Vulkan (hunderte Beben pro Jahr) 50 Atomkraftwerke baut, also eine Hochrisikotechnologie in großem Stil verbreitet, die für Jahrtausende eine  lebensbedrohliche Gefahr für die gesamte Biosphäre darstellt und im dicht besiedelten Japan – im Falle einer radioaktiven Verseuchung – zum dauerhaften Albtraum wird.

An diesem Punkt stehen wir jetzt …. Während die Medien (jedenfalls ARD und ZDF) noch immer auf die sichtbare , also totale Kernschmelze fokussiert sind und – nach meiner Wahrnehmung – so gut wie keine Ahnung haben, was hier wirklich abläuft – ist das noch schlimmere Ereignis bereits eingetreten – der Brand in den Kühlbecken (SFP-Fire) die ein Vielfaches an Radioaktivität abgeben als bei einer Kernschmelze freigesetzt wird (siehe dazu den vorhergehenden Beitrag – … manchmal ist es furchtbar, Recht zu haben…)

Führende englische  und amerikanische Printmedien (New York Times und Washington Post) sind da schon wesentlich weiter, kein Wunder, denn die US Marine war selbst der gefährlichen Strahlung ausgesetzt: eine amerikanische Helikoptercrew, die  60 km von Fukushima entfernt war, musste dekontaminiert werden und selbst auf dem Flugzeugträger USS Ronald Reagan wurden erhöhte Strahlungswerte gemessen – in 10o km Entfernung. Die US Navy hat deshalb ihre siebte Flotte schleunigst aus diesem Gebiet entfernt und Jodtabletten verteilt-

Der Abzug der AKW-Belegschaft – bzw. die Reduzierung des Personals  von 800 auf 50 lässt trotz aller Verharmlosung und Vertuschung keinen anderen Schluss zu, als the game is over.

Die fehlende Wasserkühlung (wegen des kompletten, seit Tagen andauernden Stromausfalls), der weitgehende Ausfall  der Mess- und Kontrollsysteme  durch Beben & Tsunami mit anschließenden Wasserstoffexplosionen und „Pool-Bränden“ haben die Anlage völlig unkontrollierbar gemacht.

Man kann eben in eine solche Wahnsinnsanlage nicht einfach hineingehen und nachsehen, was los ist, und notwendige Reparaturen durchführen.

6- 1o AKW (wenn nicht mehr) … die außer Kontrolle geraten …das ist der atomare Holocaust … ein wirkliches „Brandopfer“ für eine Wirtschaftsreligion, die uns – in the long run – alle umbringen wird

Wie ich bereits im ersten Beitrag erwähnt habe, wusste die Atomindustrie schon seit langem, wie gefährlich dieser Reaktortyp ist und welche furchtbaren Folgen ein SFP-Brand haben würde.

Dazu noch mehr Hintergrundinformationen:

Mehrere Studien haben die Auswirkungen eines solchen Brandes,  den „Worst Case“  – am Beispiel der USA – untersucht, das Ergebnis ist ein Albtraum:

  • Geschätzte unmittelbare Todesfälle: etwa 800 – 1000 …
  • Geschätzte langfristige Todesfälle: mehr als  100.000 …
  • Geschätzte Kosten: 500 Milliarden Dollar …

Diese Werte gelten für EINEN Reaktor– wir haben hier SECHS oder sogar ZEHN … rechnen Sie mal …

Der Reaktortyp in Fukushima ist 40 Jahre alt und wurde von General Electric gebaut, er gehört zum Typ „GE Mark 1“ aus den 1970er Jahren. Doch schon vor Jahren hat man vor der Designschwäche und dem darauf folgenden, hohen Risiko im Fall einer Kernschmelze gewarnt, denn die Schutzhülle ist viel kleiner und schwächer, als vergleichbare Modelle anderer Firmen.

Die Times weiß auch folgendes zu berichten:

„Ein Sprecher der TEPCO sagte (schon am Montag) dass die Kühlung der Becken (SFP) – in beiden Blöcken Fukushima Daiichi and Daini schon kurz nach dem Beben ausgefallen sei (ich habe ja auch die Pressemeldung des Betreibers in meinem ersten Beitrag hervorgehoben – doch fast alle unserer „Journalisten“ kriegen das anscheinend nicht mit, sie beten brav die Agenturmeldungen herunter …

Die Bedrohung wurde als so hoch eingeschätzt, dass man unmittelbar nach dem Beben am Freitag, sofort die größte Aufmerksamkeit den SFP gewidmet hat und auch die noch funktionierenden Pumpen für die Kühlung des beschädigten Beckens  beim Reaktor Unit 2  (Daiichi) einsetzte“ (der Reaktor selbst war ja, wegen Wartungsarbeiten „abgeschaltet“ – gut für das Risiko einer Kernschmelze, aber extrem schlecht für das Risiko eines SF-Poolbrandes – weil noch mehr „heiße“, Brennelemente im Pool lagen als sonst)

„Das „Herunterfahren“ der aktiven Reaktoren lief auch nicht nach Plan und die Probleme begannen zu eskalieren. Ein Sprecher von Tokyo Electric sagte, dass zusätzlich zum Ausfall von Stromversorgung und Wasserkühlung auch noch Wasser (hochradioaktiv) aus den Becken austrat. Diese Becken sind meistens würfelförmig (etwa   12 m lang und breit und ca 14 m tief). Die ausgelagerten Brennelemente liegen unten (bis ca 4,5 m hoch) und das Wasser liegt doppelt so hoch darüber (also etwa 9 m – zumindest sollte es so sein ….)“.

 

Abklingbecken (re) im AKW Krümmel

WO ABER BEFINDEN SICH DIESE BECKEN?

Die Becken sitzen direkt über dem Reaktorgebäude (unten in der Grafik als blaues Rechteck über dem orangen Reaktorbehälter zu sehen, anklicken zum Vergrößern) gemeinsam mit dem “refuelling deck”)

Das klingt zwar auf den ersten Blick logisch, weil ja die Brennelemente von einem Kran aus dem Reaktorkern in die Kühlbecken gehievt werden müssen, (und für Re-fueling wieder frische Brennelemente in den Kern eingeseetzt werden) und es daher Sinn macht, die Becken möglichst nahe beim Reaktor zu lagern.

GE Mark 1 BWR Reaktor

Doch wenn sich bei einem Ausfall der Kühlung  ein Druck im Reaktorgebäude aufbaut oder – wie ja bereits passiert – eine chemische Wasserstoffexplosion eintritt – ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Becken intakt bleiben, gleich null.

 

DaiIchi 1: Was passierte mit dem Becken (SFP)?

Um den ganzen Wahnsinn zu verstehen, müssen wir uns den Aufbau dieses Reaktortyps (Siedewasserreaktor – siehe auch Graphik oben) ein bisschen näher ansehen 

WIR BASTELN UNS EINEN RADIOAKTIVEN KELOMAT

(bitte um Nachsicht für den Galgenhumor, aber ohne  Satire  kann man das Thema psychologisch nicht mehr verarbeiten ….)

Das System, das einen Überdruck im Reaktorraum verhindern soll, befindet sich quasi “im Untergeschoß” ebenfalls im Reaktorgebäude.

Es besteht aus einer Druckkammer („Drywell) und dem „Torus“(auf der Graphik links das runde Gebilde unten, das wie ein großer Doughnut aussieht). Der Drywell, in dem sich der Reaktorbehälter befindet,  hat die Form einer Birne,  ist etwa 3 Meter hoch und hat eine Wandstärke von etwa 6 cm.

Im Fall einer beginnenden Kernschmelze, die mit hoher Temperatur und hohem Druck einhergeht, soll der hochradioaktive Dampf (der unter Druck steht) zuerst in den Drywell und dann durch große Rohrleitungen in den Torus  geleitet werden (der einen Durchmesser von etwa fünf Meter hat und wie ein großer Rettungsring den Drywell umgibt. Der Torus enthält an die 4 Millionen Liter Wasser und soll in diesem Fall den radioaktiven Dampf aufnehmen, wobei der Druck (durch Kondensation) auf einen ungefährlichen  Level   reduziert  werden soll.

Doch schon im Jahr 1972, also nicht lange nachdem dieser Typ des Siedewasserreaktors von GE auf den Markt gebracht wurde, warnten Experten (auch Mitarbeiter von GE) vor den Designschwächen und den verheerenden Folgen bei einem Unfall. Deshalb dürfe dieser Reaktortyp nicht mehr die erforderlichen Genehmigungen erhalten.

Doch in der Atomwirtschaft herrscht weder Vernunft noch Verantwortung, sondern „Unternehmergeist“ und Fortschrittsgläubigkeit gekoppelt mit Allmachtsphantasien und der perversen Idee, dass Atomenergie in der Marktwirtschaft eben auch nur eine Ware sei, von der man möglichst viel verkaufen will, um damit Profite und Marktmacht zu generieren. (Die militärische „Nutzung“ ist ein anderes, noch dunkleres Kapitel)

Die NRC kam 1986 zu dem Schluss, dass die Schutzhülle des Mark 1 Rektortyps schon wenige Stunden nach Beginn der Kernschmelze mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% nicht mehr halten würde – eben weil das Gebäude zu klein dimensioniert sei und der „design pressure“ (der maximale Druck, auf den die Infrastruktur ausgelegt wurde) zu niedrig bemessen wurde (weil man eben dachte, durch den Torus (als Teil eines automatischen Druckentlastungssystems) würde der Druck nie so stark ansteigen).

Doch anstatt das Design grundlegend zu ändern – was natürlich die Kosten erhöht hätte, befand man, dass im Fall eines kritischen Druckaufbaus einfach der hoch radioaktive Dampf ins Freie zu lassen sei .. (was ja in Fukushima ja auch – mehrfach – gemacht wurde). Das heißt, die Reaktorcrew soll im Endeffekt eine „notwendige“ radioaktive Verseuchung der Umgebung einleiten, um das „Containment“ zu erhalten …

Hier wird die Sache endgültig zur absurden Farce … eine Performance mit Elementen aus „Warten auf Godot“ und der unheimlichen, bedrohlichen  „Normalität“ Franz Kafkas …

Wie wir aufgrund der Bilder wissen, sind in der Daiichi Anlage mindestens zwei dieser Becken, mit hoch radioaktivem Inhalt – durch die Wasserstoff-Explosion „im Freien“ und höchstwahrscheinlich beschädigt . Sie haben eben – im Gegensatz zum Rektor – keine Schutzhülle und durch den  Ausfall der Kühlung (das Wasser im Becken muss zirkulieren, damit es nicht  zu heiß wird) erhitzt sich das Wasser bis zum Siedepunkt, wobei hoch radioaktive Dampfwolken freiwerden – die jetzt natürlich die Umgebung verseuchen

Die Medien meldeten “weißer Rauch aus dem Reaktorblock steigt auf”  – was niemand versteht -, in Wahrheit sind es die radioaktiven Dampfwolken der “Abklingbecken” (SFP – spent fuel pools), die ungehindert die Umgebung  verseuchen (wir sprechen hier von tödlichen Dosen) …

Ist das Wasser ganz weg, wird die Hitze so groß, dass die Brennstäbe sich in einem autokatalytischen Prozess selbst entzünden, wobei noch mehr Radioaktivität frei wird. (Mehr  Details siehe mein erster Artikel über Fukushima)

Es ist wichtig, folgendes zu verstehen (deshalb der Totenkopf am Anfang für die tödliche “Umarmung” von Regierung und Atomindustrie):

Die Regulierungsbehörden schreiben NICHT VOR, dass Atomkraftwerke  gegen alle möglichen Unfälle GESICHERT sein müssen, auch nicht gegen den „non-design event“ einer  totalen Kernschmelze. (Das Containment kann daher nicht unter allen Umständen halten).

In allen AKWs können daher „Pannen“ und „Störfälle“ auftreten, die im “Design Basis Accident” (DBA) nicht enthalten sind  (das Konstruktions- und Sicherheitskonzept innerhalb willkürlich bestimmter Parameter – zB keine  sicherheitsrelevanten Schäden  bis Erdbebenstärke  7,5 … Was machen wir , wenn das Erdbeben stärker ist, bei 9,0  (wie in Japan) ?  Was, wenn eine Flutwelle nachkommt? Beten und so tun, als könnten wir die Katastrophe noch verhindern ….

Der “DBA” ist also nicht das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, sondern eine bestimmte, genau definierte Gefahrensituation, mit der die Sicherheitssysteme -angeblich -fertig werden. Alles was darüber  hinaus geht, wird als “Restrisiko” in Kauf genommen … Schließlich kostet jede zusätzliche Sicherheitsmaßnahme viel Geld und man will “kostenattraktive” Lösungen (für die Aktionäre und Investoren …)

1979 konnte eine totale Kernschmelze im AKW Three Mile Island gerade noch verhindert werden  – doch hat man etwas daraus gelernt?

 

 

 

Brüchiger Stahl aus AKW

Der dritte Wahnsinn ist die Bagatellisierung der Materialermüdung bei älteren AKW (weswegen ja die Laufzeiten begrenzt wurden):

Ich habe ja bereits darüber geschrieben, wie gefährlich ältere AKWs sind, weil das Material durch den enormen Umgebungsstress brüchig wird bzw. sich durch die beeinträchtigte Mikro- bzw. Nanostruktur die Materialeigenschaften verändern und somit unberechenbar werden … Werden diese Komponenten nicht ständig überprüft (was ja im AKW nicht so einfach und sehr teuer ist) und rechtzeitig – unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards -ausgetauscht, steigt das Risiko einer Katastrophe mit zunehmendem Alter massiv an (auch ohne Erdbeben)

WIE GEFÄHRLICH SIND DIESE BRENNSTÄBE AUS DEM „ABKLINGBECKEN“ (SFP) Wie hoch ist die Radioaktivität, die sie abgeben?

Nach meinen Recherchen beträgt die Oberflächenstrahlung für eine typische  Brennelement-Anordnung – noch  Jahre nach der Entfernung aus dem Reaktorkern mehr als 10.000 REM (100 Sievert) pro Stunde …das ist die zwanzigfache tödliche (akute = die ganze Strahlung auf einmal abbekommen) Dosis für Erwachsene …

Gelangen diese radioaktiven Spaltprodukte (vor allem Cäsium 137 und Strontium 90) in die Nahrungskette  (über Boden, Grundwasser, Oberflächenwasser) … dann gute Nacht …

Die Wahrscheinlichkeit, durch „niedrige“, aber chronische Strahlenexposition an Krebs  zu erkranken, steigt dramatisch an …weil besonders die DNA sehr empfindlich auf ionisierende Strahlung reagiert …

Nach den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat Tschernobyl bis heute rund 1.000.000 Todesopfer (zunehmende Krebs-häufigkeit, vor allem bei Kindern) gefordert …

(Davon sollen wir aber nichts wissen …. )

Wenn in Japan die 10, 20, 50 oder sogar 100-fache Menge an Radioaktivität freigesetzt wird (was durchaus wahrscheinlich ist) … dann kann man wirklich von einem atomaren Holocaust sprechen

Mehr über die Strahlenbelastung und ihre biologischen Effekte, Entstehung des  „Strahlenschutzmodells“ und den Blödsinn, den ARD und ZDF (zB gestern im ZDF Spezial) darüber erzählen im nächsten Beitrag …

 

 

 

 

 

FROM HELL: Atomterror & Medienalbtraum ….

Die Ereignisse in Japan, unmittelbar vor dem  25-jährigen Jahrestag nach Tschernobyl, müssten nun wirklich der ultimative Beweis dafür sein, dass diese Technologie ein organisierter Wahnsinn ist und nur durch ein systematisches Netz aus Lügen, Verharmlosen und Vertuschen überhaupt eine „Atomwirtschaft“ entstehen konnte (siehe dazu auch meine vorhergehenden Artikel zum Thema „Atompolitik“)

Der atomare Horror (Krebsepidemien, Tschernobyl, Uranwaffen und jetzt Japan) wird aber noch verschärft durch den medialen Albtraum, den wir seit Jahren erleben, denn – mit sehr wenigen Ausnahmen – hat sich die „Journaille“ als williger Helfer der Atomindustrie zur Verfügung gestellt. Das konnten wir ja gestern wieder bei „Anne Will“ mit Schaudern erleben – nur Ranga Yogeshwar  hat während der Sendung dagegen protestiert – „wir führen immer die gleichen Debatten“ (mehr dazu im nächsten Beitrag  zum Thema).

Doch bevor die Rolle der Medien bei der Ausbreitung der Atomwirtschaft untersucht werden soll, möchte ich einen wichtigen Punkt zu der aktuellen Gefahr in Japan hervorheben:

Während die ganze Medienlandschaft (verständlicherweise aber eben) nur darauf schaut, ob eine Kernschmelze eintritt und das Containment hält, gibt es eine Gefahr, die hier im deutschen Sprachraum völlig ignoriert wird, obwohl sie eigentlich viel größer ist, als die Kernschmelze: die Wasserbecken, in denen die „abgebrannten“ (sehr irreführend!) Brennstäbe gelagert werden, die so genannten „spent fuel pools“ (SFP):

DER TOD KOMMT AUS DEM WASSER …

…nicht “nur”, weil die Betreiber laufend hoch radioaktiven Dampf aus dem Reaktorgebäude ablassen (” ventilieren”) müssen, um eine Explosion zu verhindern …

(Kontext: Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung des AKW-Komplexes  in Fukushima lahm gelegt. Für diesen Fall soll ein Dieselgenerator einspringen.  Doch der Tsunami sorgte für eine Überschwemmung des Raumes (und der Infrastruktur), in dem sich der Generator befand, sodass auch ein herbeigeschaffter Ersatzgenerator nicht einsetzbar war. Bei Ausfall des Generators gibt es noch eine dritte Redundanz, nämlich ein Batteriesystem, das jedoch nur wenige Stunden laufen kann und auch das nicht mit der vollen Leistung, sodass die Pumpen für das Kühlwassersystem nicht voll einsatzfähig waren. Nach  relativ kurzer Zeit gab es also keine Stromversorgung mehr und die Pumpen fielen vollständig aus.

Was bedeutet das nun für die SFP (die Wasserbecken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe gelagert werden)?

Etwa alle 4-6 Jahre müssen die Brennstäbe eines AKW ausgetauscht werden, nicht weil sie wirklich „abgebrannt“ sind, sondern weil sie als Wärmeerzeuger „unwirtschaftlich“ geworden sind. Ungefähr ein Drittel der Brennstäbe wird alle 18-24 Monate ausgetauscht, manchmal aber auch alle. Wichtig ist auch festzuhalten, dass – wenn es heißt, der Reaktor sei „abgeschaltet“, die Brennstäbe ständig gekühlt werden müssen. (Selbst wenn die Reaktoren also nicht mehr Strom erzeugen, sind sie weiterhin für Jahre gefährlich …)

Die Brennstäbe sind hoch radioaktiv und produzieren auch außerhalb des Reaktors große Hitze, die durch den radioaktiven Zerfall entsteht. Damit diese  in Schach gehalten wird, werden die Brennelemente in einem Wasserbecken gelagert, das ein aktives Kühlsystem hat (Wasserpumpen und Wärmetauscher)

Das Wasser schützt auch die Arbeiter vor der ernormen Strahlung der Brennstäbe (siehe Foto)

Kann der Wasserspiegel nicht konstant gehalten werden (zB  durch  Stromausfall), verringert sich die Kühlwirkung immer mehr und fällt schließlich ganz aus.

Sobald der Wasserspiegel auf etwa 1,50 m über den Brennelementen abgesunken ist, ist diese Schutzwirkung nicht mehr gegeben und die Werte werden lebensbedrohlich (Wer will / kann dann noch hier etwas „reparieren“)?

Die Temperatur beginnt also zu steigen, wodurch das Wasser verdampft und damit beginnt ein Teufelskreis:

Die steigende Temperatur beschleunigt die Oxidation der Brennstoffumhüllung (die aus einer Zirkoniumlegierung besteht, die hoch- und selbstentzündlich ist, wenn sie mit Sauerstoff oder Dampf in Berührung kommt) wobei wieder große Mengen Hitze generiert werden:

·   Reaktion mit Luft:                        12 Millionen Joule / Kilogramm

·   Reaktion mit Wasserdampf:    5,8 Millionen Joule / Kilogramm

wodurch wieder die Oxidation beschleunigt wird usw. Diese autokatalytische Reaktion (die sich sozusagen selbst befeuert) findet bei hohen Temperaturen statt und wenn genug Sauerstoff vorhanden ist. Das Resultat ist verheerend: die Hülle aus Zirkonium gerät in Brand , man spricht von einem „zirconium cladding fire“. Die Hitze, die dabei freigesetzt wird, kann größer sein, als die Zerfallswärme, die von frisch ausgelagerten Brennstäben ausgeht.

Während sich also die Brennstäbe weiter aufheizen, steigt der Gasdruck innerhalb der Brennstäbe so lange, bis sich die Hülle aufbläht und schließlich platzt. Bei mehr als  1800 Grad Celsius reagiert das Zirkonium mit dem Brennstoff (Uranoxid) und so verschmelzen beide in einem komplexen Prozess zu  Zirkonium-Uranoxid.

Nach dem Platzen der Hülle werden gasförmige, radioaktive Spaltprodukte freigesetzt und auch Teile des radioaktiven Brennmaterials in Form von Aerosolen. Wenn die Hitze, die vom Brand eines Kernelements ausgeht, nicht abgeleitet werden kann, breitet sich das Feuer auf alle Brennelemente aus.

 

Blick in den Reaktorkern

WARUM SIND DIESE BECKEN BEI STROMAUSFALL GEFÄHRLICHER ALS DER MELTDOWN?

Weil die Brennelemente, die darin gelagert werden, 5-10 mal mehr  Radioaktivität freisetzen, als der Reaktorkern (die Becken enthalten mehrere hundert metrische Tonnen an Brennelementen, was im Schnitt etwa dem Inhalt von  7 Reaktorkernen  entspricht; die Hitze in diesen Becken beträgt mehrere MegaWatt; die („verstrahlte“) Wassermenge in einem Becken ist ca. 1,5 Millionen Liter… das aber ständig mit  Frischwasser versorgt werden muss ..)

Besonders beunruhigend sind die riesigen Mengen von Cäsium 137, die sich in diesen Becken befinden: wir sprechen hier von 20 bis 50 MILLIONEN CURIE ( 1 curie = 37 Milliarden Bequerel / 1 Bequerel bedeutet (im Mittel) ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde …)

Zum Vergleich: bei der Katastrophe in Tschernobyl wurden etwa 2,5 Millionen Curie freigesetzt, das sind ca. 40% der Radioaktivität des Reaktorkerns. Bei einem Brand in den SFP können 100% der Radioaktivität freigesetzt werden …

Ende der 1990 Jahre veröffentlichte die NRC (amerikanische Atomenergie-Regulierungsbehörde) eine Studie über die Auswirkungen eines solchen „pool fires“ (bei einem Reaktor):

  • Ein Gebiet von fast 500 km² wäre unbewohnbar ….
  • Zusätzliche Krebserkrankungen (lokal): 30.000
  • Geschätzter finanzieller Schaden: 60 Milliarden Dollar

Geschätzter ökologischer Schaden: unermesslich …

WAS MELDET DIE BETREIBERFIRMA TEPCO ÜBER DIESE BECKEN (Presseaussendung vom 13.März) unter “Others” auf Seite 2

We are currently coordinating with the relevant authorities and departments as to
how to cool down the water in the spent nuclear fuel pool.

Klartext: Sie haben keine Ahnung wie sie  – ohne Strom – verhindern sollen, dass die Wassertemperatur in den Becken weiter steigt und schließlich das ganze Wasser verdampft

Es gibt auch nach menschlichem Ermessen keine Möglichkeit mehr, dies zu verhindern … Ohne Strom, ohne ständige Zirkulation des Kühlwassers ist es nur eine Frage von Tagen, bis das Wasser völlig verdampft ist und dann dauert es nur Stunden, bis sich die Brennelemente selbst entzünden (die ja – im Gegensatz zum Reaktor  keine „Schutzhülle“ haben)

Dann hätten wir Tschernobyl hoch 10 …. Ein veritables  Höllenfeuer ..

Das ist also der Offenbarungseid einer Technologie, die uns seit Jahrzehnten terrorisiert …

Die verheerenden Folgen eines  „Loss of coolant“ Ereignisses für die Becken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe lagern, sind den Atomaufsichtsbehörden (soferne diese noch existieren – man setzt ja immer mehr auf „Eigenverantwortung“ und „Selbstkontrolle“ – ganz nach dem neoliberalen Mantra) seit langem bekannt.

Im Internet finden sich sogar ein Wissenstest zum Thema „Sicherheitsrisiken von Kühlbecken (in denen die ausgelagerten Brennstäbe liegen), und zwar von einer Firma, die Monitoring bzw. Visualisierungssysteme dazu anbietet:


Quiz on Spent Fuel Pool Safety/Security

Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass dieses „event“ zu dem oben beschriebenen, verheerenden Brand führen würde, wenn die Brennelemente nicht mehr gekühlt werden können.

Doch die Kontrollbehörde – ganz im Dienste der Atomwirtschaft – kam zu dem Schluss, dass zwar die Konsequenzen dieses „Ereignisses“ furchtbar wären, aber die Wahrscheinlichkeit dass es eintritt, so gering sei, dass man keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen müsse. ..

WAS KANN MAN DEN JAPANERN NUR RATEN?

So schnell wie möglich, das Land zu verlassen – besonders schwangere Frauen und Kinder sollten umgehend den nächsten Flughafen aufsuchen …

WAS SOLLTE MAN MIT LEUTEN WIE RÖTTGEN MACHEN (die aus dem Umweltministerium eine Farce  machen  und allen Ernstes argumentieren – siehe Anne Will – man müsse erst „Erfahrungen“  (Angst, Horror, Meltdown in „high-tech“ Land wie Japan, Kontrollverlust, etc. Folge: Zunahme von Krebserkrankungen, etc.) durchmachen“, um die Risiken (vor denen Umweltschützer und unabhängige Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen!) „neu zu bewerten“)?

Antwort: (nicht druckreif!) – aber zumindest verbal kann man Dampf ablassen: F&CK YO&, Mr. Röttgen! ..und alle anderen, die die „Kernenergie“ schön geredet und verharmlost haben,  sich in den Dienst der Atomlobby stellen, die eigentlich mit Zwangsjacken ausgestattet werden müsste …

(Fortsetzung folgt  …)

 

 

 

 

 

 

RADIATION CREEP: Länger Laufen. Kürzer Leben. Krebs ist Gratis.

Im August 2009 veröffentlichte der BUND eine Studie über die Risiken einer Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken. Ergebnis: deutlich höheres Störfallrisiko. Dies gelte besonders für:  Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Krümmel, Neckarwestheim, Unterweser, Biblis A und Biblis B. Diese Reaktoren erfüllten nicht die modernen Sicherheitsstandards, auch dann nicht, wenn sie nachgerüstet würden.

WO LASSEN SIE DENKEN? In der Denkfabrik? In der PR-Agentur?

Bei der ganzen vorgefertigten, medialen Auseinandersetzung über die Verlängerung der Laufzeiten, wird ein Punkt völlig ignoriert: Es gibt ja einen triftigen Grund, warum die Laufzeiten der AKWs von Anfang an begrenzt waren: die Materialermüdung  bzw. das Materialversagen.

Bei Anfangsinvestitionen von zweistelligen Milliardenbeträgen für ein einzelnes Kraftwerk, könnte man eigentlich erwarten, dass dieses sündteure  System lange funktionsfähig (ohne Sicherheitsverlust) ist. Doch schon hier zeigt sich, wie schwachsinnig und ineffizient das Konzept der “Kernkraft” eigentlich ist. Verglichen mit der Effizienz, dem genialen Stoffkreislauf und der “Haltbarkeit” biologischer Systeme ist ein Kernreaktor (und das Energieverteilersystem an sich) ein großer Haufen Mist.

Um das verdeutlichen, könnte man folgendes Bild wählen:

Stellen Sie sich vor, sie kaufen ein Auto, dass zwei Millionen Euro kostet, zwei Jahre zur Produktion braucht, enorme Wartungskosten und ein hohes Unfallrisiko hat, aber nur maximal 6 Jahre gefahren werden kann (mit Schutzanzug und Feuerwehr auf Stand-By). Quasi eine tickende Zeitbombe auf Rädern. Danach müsste es als langlebiger, giftiger Sondermüll teuer entsorgt werden. Sie können das Auto aber nicht einfach stehen lassen und die Schlüssel abgeben, sondern müssten Jahre warten, bis ein Mechaniker es wagen kann, das Auto  zu zerlegen, weil jeder Kontakt mit dem Material eine erhebliche Gesundheitsgefahr darstellt.

Wer wäre so blöd, die Produktion dieses Autos zu forcieren? Wer wäre so blöd, dieses Auto zu kaufen?

Und welcher Idiotenverein würde dieses Auto versichern? (Wir offenbar ….)

Durch die radioaktive Strahlung in Verbindung mit anderen Faktoren werden die Komponenten eines AKWs einer hohen  Dauerbelastung ausgesetzt, sodass sich die Materialeigenschaften negativ verändern und damit die Haltbarkeit bzw. die Erfüllung der jeweiligen technischen Anforderungen nicht mehr gewährleistet ist (wir kommen darauf später  noch zurück).

Hier sind zunächst nur einige Beispiele aus dem gut sortierten Problemkasten der Atomindustrie, die dadurch entstehen:

“WANDVERDÜNNUNG” (wall thinning)

Aus nur unzureichend verstandenen Gründen werden die Wände von Rohrleitungen in AKWs mit der Zeit immer dünner. Ja, Sie haben richtig gelesen – das ist kein Witz und keine grüne Propaganda, sondern bitterer Ernst. Man erklärt sich das durch die ” kombinierten Effekte der Fließgeschwindigkeit, ungünstiger Materialien und der Wasserchemie”.

THERMISCHE ERMÜDUNG” (thermal fatigue)

Plötzliche Temperaturänderungen führen zu Problemen, wenn die dadurch ausgelösten Spannungen im Material eine hohe plastische Verformung bewirken, und so Risse entstehen (in Abhängigkeit von physikalischen Größen wie Elastizität, Wärmeleitfähigkeit, Festigkeit, etc.).  Die Fähigkeit eines Materials, sich gegen diese “Ermüdung” zur Wehr zu setzen, nennt man “Temperaturwechselbeständigkeit” (TWB) und diese spielt natürlich auch bei Materialien eine Rolle, die in Kraftwerken eingesetzt werden.

Doch mit der TWB  in AKWs sieht es gar nicht gut aus: Defekte Rohrleitungen”  durch “Wandverdünnung” und “thermische Ermüdung” sind regelmäßige Vorkommen. Es gibt sogar Fälle, in denen die Wände so dünn geworden sind, (was vorher kaum bemerkt wurde) dass das Rohr plötzlich auseinanderbrach. Andere Inspektionsberichte erwähnen Risse und Lecks, die (nur) durch abwechselnd kaltes und heißes Wasser entstanden. Wenn das schon Probleme verursacht, was soll man dann von den “Sicherheitsstandards” halten?

Ein besonders schwerer Fall war z.B. die Entstehung eines Lecks durch thermische Ermüdung   in einem Rohrbogen, der zum Notfallsystem eines Druckwasserreaktors gehörte (das sich natürlich einschalten soll, wenn das Kühlsystem des Reaktors ausfällt!)

Die IAEA  meint dazu unter “Bedeutung für die Sicherheit“:

“Ein Defekt im Rohrleitungssystem eines Anlagenteils sollte (eigentlich) nicht zu einem Schaden am Reaktor oder zur Freisetzung von Spaltprodukten führen, weil es ja ein Redundanzprinzip gibt. Solch ein Defekt stellt jedoch ein viel höheres Risiko dar, als wünschenswert ist. Darüber hinaus kommen manche dieser Pannen auf Systemebene vor, was bedeutet, dass die Integrität des ganzen Systems in Gefahr ist.”

Unter “Was man daraus gelernt hat” heißt es dann u.a.:

“…es gibt mittlerweile neue Bemühungen, um den tatsächlichen Mechanismus der Verdünnung verstehen und um adäquate Inspektionsintervalle festlegen zu können. Es könnten Veränderungen in der Prozesskontrolle und der Überwachung der chemischen Eigenschaften notwendig werden.”

Man kennt zwar die Materialprobleme, die durch die spezielle Umgebung (eben den Atomreaktor) entstehen,  versteht aber nicht wirklich, auf welche Weise sie entstehen. Zwar ist bekannt, dass sich die Materialstruktur (auf Mikro- bzw. Nano-Ebene) verändert, aber das Zusammenspiel der physikalischen und chemischen Kräfte ist so komplex, dass man mit den verwendeten Formeln und Modellen immer nur ein unvollständiges Puzzle   abbilden kann.

THERMISCHES VERKLEBEN (thermal bonding)

Ein Atomkraftwerk kann tausende Ventile haben, die einerseits für die Fließkontrolle und andererseits zur Abtrennung wichtig sind. Defekte an Ventilen werden laufend gemeldet. In vielen Fällen, konnten Sicherheitsventile nicht ihre Funktion erfüllen, weil warmes Wasser, das innerhalb des Ventilkörpers gefangen war, sich erhitzte und dadurch den Druck auf die Ventilteile erhöhte. Dieses technische Versagen wurde in vielen Anlagen im Laufe der letzten Jahre festgestellt.

Äußerst bedenklich ist deshalb, dass in diesen Fällen, die Betriebsvorschriften keinen Funktionstest unter Heißwasser-Bedingungen vorsahen, sodass das Versagen der Ventile erst festgestellt wurde, als eine Inspektion der Aufsichtsbehörde stattfand (die nur alle heiligen Zeiten erscheint).

Besonders kritisch wird es, wenn dieser spezielle Defekt bei allen gleichartigen Ventilen auftritt, denn dann würde ein Dominoeffekt auf  der Systemebene eintreten … das wollen wir uns gar nicht erst vorstellen ..

Defekter Unterbrechungsschalter

Ein Unterbrecher öffnete sich nicht so, wie er sollte, deshalb überhitzte sich das Gehäuse. Der Ausfall des Schutzschalters führte zu einer Explosion eines Luft-Öl-Gemischs.  Durch diesen Vorfall wurde wieder einmal klar, dass mit unerwarteten Interaktionen auf  der Systemebene zu rechnen ist.

Das Versagen eines einzelnen Schutzschalters ist natürlich im Design der Anlage einkalkuliert. Doch die Möglichkeit, dass der Unterbrecher auf diese Weise defekt werden könnte, wurde vorher gar nicht in Betracht gezogen.

Wie lange waren Sie Sicherheitsbeauftragter im AKW?

Fazit des IAEA-Berichts zu diesem Punkt:

“Eine solche Explosion stellt eine Herausforderung für das Brandschutzsystem jedes Kraftwerks dar. Die Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb zeigen, wie wichtig es ist, unerwartete Phänomene zu evaluieren, um die Sicherheitsrisiken für ein Kraftwerk abschätzen zu können.

Das Wort “unerwartet” im Zusammenhang mit “sicheren” Atomkraftwerken, lässt aufhorchen und verdeutlicht, dass hier bei weitem nicht “alles unter Kontrolle” ist.

Damit wir beurteilen können, worum es bei  “Ermüdung” und “Materialversagen” eigentlich geht, machen wir einen kurzen Ausflug in die Materialkunde und konzentrieren uns dabei auf Metalle (die natürlich in AKWs eine große Rolle spielen):

Dank der modernen Metallurgie können heute z.B. Stähle hergestellt werden, die höchsten Ansprüchen gerecht werden. Je nach Einsatzgebiet werden sie so produziert, dass die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften spezifische Anforderungen erfüllen, wie z.B. die Zugfestigkeit, die Streckgrenze, etc. Doch es gibt natürlich Faktoren in der Umgebung, die das Material einem ständigen Stress aussetzen. Dazu gehören z.B. hohe Temperaturen und  wechselnde, mechanische Beanspruchung. Wenn z.B. ein Material bei gleich bleibender Beanspruchung nach 1.000 Betriebsstunden ausgetauscht werden muss, kann es sein, dass bei wechselnder Beanspruchung dies schon viel früher notwendig ist. Man kann also (mehr oder weniger genau) berechnen, nach wie vielen Stress-Zyklen das Material so ermüdet ist, dass es ausgetauscht werden muss.

Dieser “Fatigue Stress” (Dauerbeanspruchung oder Ermüdungsbelastung)  ist insoweit sehr gefährlich, weil das endgültige Materialversagen oft lange nicht erkennbar ist und dann plötzlich, quasi ohne Warnung, auftritt. Zuerst entstehen winzige Risse, die dann ihrerseits als Stressverstärker wirken (wie auch z.B. Schweißnähte, Lötstellen, etc.), bis es schließlich zum Bruch kommt. Eine korrosive Umgebung – wie sie eben in Atomkraftwerken durch die radioaktive Strahlung vorhanden ist – fördert die Entstehung und Ausdehnung dieser Ermüdungsrisse.

Je höher die Temperatur (Nähe zum Schmelzpunkt des jeweiligen Metalls) und je länger die mechanischen Belastungen dauern desto größer ist der so genannte “creep stress” (die Zeitdehnspannung): das Kriechverhalten ändert sich, durch diese Kriechdehnung verringert sich die Lebensdauer und die Wahrscheinlichkeit eines “Störfalls” erhöht sich.

Natürlich können diese beiden Effekte auch in Kombination auftreten, und dann wird es wirklich kompliziert, denn die genauen Mechanismen dieser Synergien versteht man nicht. Tatsache ist aber, dass die Strahlungseffekte die Kristallstruktur der Metalle verändern. Es entstehen so genannte Gitterfehler: es bilden sich Hohlräume, Blasen, “Schwellungen”,  es kommt zu Abscheidungen, etc. und die Mikro- bzw. Nanostruktur des Materials verändert sich so, dass Berechnungen über das Stressverhalten (ohne radioaktive Umgebung) nicht länger verlässliche Aussagen über die effektive Lebensdauer ermöglichen (also wie lange das Material tatsächlich noch seine Funktion erfüllen kann)

Dieser “Radiation Creep” entsteht z.B. durch die Bildung von Transmutationsgasen wie z.B. Helium, die die Brüchigkeit des Materials erhöhen, und damit den Verlust der Zähigkeit bei niedrigen Temperaturen (unter 350 Grad C) bewirken.

Die Veränderungen der mechanischen Eigenschaften und der dimensionalen Stabilität von Reaktorkomponenten, als Folgen der Strahlenbelastung  sind natürlich ein großes Problem für die Sicherheit.

Es besteht eine sehr komplexe Wechselwirkung zwischen diesen Mikrostrukturen und den physikalischen Eigenschaften. Hohe Strahlenbelastung im Reaktorkern führt zu Veränderungen in Stahllegierungen, die sich in extensiver Verhärtung, einer Reduktion der Dehnvermögens und einer erhöhten Anfälligkeit für IASCC (durch radioaktive Strahlung induzierte  Stress-Korrosions-Brüche) bemerkbar machen.

Komponenten aus rostfreiem Stahl können so bei Strahlendosen, die weniger als 10% der erwarteten “Ende-der-Lebenszeit-Dosis” ausmachen, anfällig für Brüche werden, und die Wahrscheinlichkeit des Materialversagens wird  mit zunehmender Betriebsdauer immer größer.

Ein fundiertes und genaues Verständnis der Mechanismen, die diese Veränderungsprozesse der Mikro – und Nanostruktur steuern, fehlt bis heute. Aber man tut weiter so, als hätte man alles im Griff …

Die Strahlung bewirkt auch die so genannte RIS (radiation induced segregation), also die Aussonderung chemischer Elemente in Stahllegierungen, was natürlich die chemische Zusammensetzung an sich (und damit die Belastbarkeit) verändert. Während dieser Effekt für die Hauptelemente wie Eisen, Chrom und Nickel einigermaßen erklärbar ist und es dafür realistische “Modelle” gibt, wird das Verhalten der  sekundären Elemente (die  vermutlich als Zwischengitteratome wirken) kaum verstanden.

Schon wieder müssen wir erkennen, dass hier die Zauberlehrlinge am Werk sind, denn immer wieder trifft man auf die  Formulierung: dieser  komplexe Prozess wird eigentlich nicht verstanden, man müsste noch viel mehr (teure) Grundlagenforschung betreiben, aber trotzdem wird die Atomenergie als “sicher, umweltfreundlich und zukunftsfähig” propagiert. Trotzdem sollen die Laufzeiten verlängert werden, nur damit die Profite der Energiekonzerne nicht abnehmen?

Wer kann für diesen Irrsinn die Verantwortung übernehmen? Es gibt kein Material auf der Erde, dass dauerhaft solchen Belastungen standhält, schon gar nicht über tausende Jahre, die für ein “Endlager” ins Auge gefasst werden müssen. Das “lineare Denken” führt hier in gefährliche Abgründe, denn wenn ein Modell z.B. eine Lebensdauer von 30 Jahren für ein Material errechnet, dann können diese Werte nicht einfach immer weiter extrapoliert werden ….

Die Hybris der Atomlobby und ihrer politischen Lakaien, die aus dem geistigen Gefängnis des Wachstum-& Wettbewerbs-Dogmas nicht ausbrechen können,  ist unerträglich und die Art, wie über diese verhängnisvolle Energiepolitik entschieden wird, ist absolut unvereinbar mit demokratischen Grundsätzen. Die Mehrzahl der Bevölkerung lehnt die Atomenergie als Hochrisikotechnologie ab, wird aber ständig mit Desinformation gefüttert, damit die öffentliche Wahrnehmung des Problems “zugunsten der Unternehmensinteressen” (der Atomlobby, zu der auch der militärischer Einsatz  gehört)  gesteuert wird.

Konkret heißt das, man nutzt die Klimadebatte und die Schwachpunkte der bewusst jahrelang benachteiligten, alternativen Energiekonzepte  (für erneuerbare und dezentral verwaltete Energien), um für die “Renaissance” einer Technologie zu plädieren, die man nur als Showcase für grenzenlose Dummheit und blinde Arroganz der Macht bezeichnen kann.

Von allen Seiten wird der “Konsument” (Staatsbürger gibt es ja nicht mehr) mit der Weisheit beschallt, es gäbe einfach (noch) keine Alternative zur Nutzung der Atomenergie, man müsse die Verlängerung der Laufzeiten also in Kauf nehmen, denn obwohl man grundsätzlich ein Freund der erneuerbaren Energien sei, könnten diese frühestens in …zig Jahren genug Kapazitäten liefern, technisch ausgereift seien, etc.

Dass man schon vor dreißig Jahren über das CO2-Problem und das Ende des fossilen Energie diskutierte und demnach genug Zeit hatte, die erneuerbaren Energien großflächig auszubauen und somit auch weniger von ausländischen Mächten abhängig wäre, die die (auch geostrategisch wichtigen) Rohstoffe kontrollieren (wenn nötig auch durch militärische Gewalt, siehe Afghanistan und Irak), wird tunlichst nicht erwähnt.

Der Gipfel an Idiotie und Volksverdummung  ist wohl der  Begriff der “Übergangslösung” oder “Brückentechnologie“, der sich ja auch als medialer  Talking-Point eingeprägt hat. Jeder Cent, der jetzt noch in das alte System der Energieoligarchie gesteckt wird, fehlt den Zukunftstechnologien und zementiert weiter den unhaltbaren Status Quo.

Das Grundprodukt für die zivile Atomenergie ist das Element Uran. Uran hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Es handelt sich hier also um ein veritables Langzeitproblem (eigentlich für die Ewigkeit, nach menschlichen Dimensionen). In diesem Zusammenhang von einer “Übergangslösung” zu sprechen, ist absoluter Blödsinn und dient nur der Verschleierung der wahren Absichten und unlösbaren Probleme.

Jedes kg neuer radioaktiver Abfall, jede Freisetzung zusätzlicher Spaltprodukte bedeutet mehr Krankheit, mehr Leiden und oft das Todesurteil für  viele Menschen irgendwo auf der Welt.  Die Krebshäufigkeit nimmt weiter zu (siehe dazu alle Beiträge zum Thema Atom), besonders bei Kindern. (Foto: ein Leukämie-Opfer: der kleine Alexei wurde nur sechs Jahre alt)

Übrigens, die oben geschilderten Probleme verschärfen sich noch erheblich, wenn eine neue Generation von Reaktoren eingesetzt wird, die nicht nur auf Grundlast ausgerichtet sind, sondern nach Nutzlast (also der Output nach dem Bedarf geändert wird) betrieben werden.

Dieses so genannte “load following“  bewirkt natürlich einen dramatischen Anstieg der  thermo-mechanischen Stress-Zyklen (durch häufigeres  Hoch- und Runterfahren) und somit spielen die Materialeigenschaften eine noch größere Rolle. Sie müssen noch mehr aushalten … Das ganze soll aber natürlich “kostengünstig”  (Ethisches Handeln ist teuer ….) ablaufen …

Ironie am Rande: Die mathematische Gleichung, die man zur Berechnung der Materialermüdung (im niedrigen Belastungszyklus) bzw. zur Berechnung der “Lebensdauer”  verwendet heißt

COFFIN-MANSON Modell

coffin = engl. Wort für Sarg; Manson war ein irrer Sektenführer, der Morde angeordnet hat …

… Besser kann man den bedrohlichen  Kontext der Atomwirtschaft nicht in kürze wiedergeben ….

Halten wir also fest: wie lange ein Werkstoff bzw. eine Komponente in einem AKW tatsächlich “durchhält”, bevor ein Schaden eintritt, der unter Umständen das ganze System bedroht, und katastrophale Folgen haben kann, beruht letztlich nur auf Schätzungen und mathematischen Modellen, die nur bedingt der Realität entsprechen.

Da trifft es sich gut, dass Menschen kein Sensorium für Strahlenbelastung haben. Bei “niedrigen” Dosen merkt es keiner, wenn wieder einmal etwas “austritt” und selbst wenn (siehe z.B. in Frankreich, wenn radioaktives Kühlwasser unkontrolliert in Flüsse gelangt), heißt es immer: es besteht keine akute Gefahr für die Gesundheit. Das ist ja auch so nicht falsch, die Betonung liegt aber auf dem Wort “akut”. Denn die Gefahr ist natürlich langfristig zu sehen: selbst kleine Mengen über einen längeren Zeitraum stellen eine chronische, schleichende Belastung dar, die unter Umständen viel gefährlicher sein kann, als eine hohe  Dosis, die nur sehr kurz wirkt (z.B. Röntgen). (Siehe dazu meine anderen Beiträge zum Thema Atom)

Von Sicherheit und wissenschaftlicher Beweisführung ist man  bei der Abschätzung der Lebensdauer jedenfalls  weit entfernt, denn die Zusammenhänge sind sehr komplex und ihre Erforschung teuer und langwierig.

Sicher ist jedoch, dass gegen Ende des prognostizierten Lebenszyklus (also für jene Kraftwerke, die bald  abgeschaltet werden müssten) das Risiko eines Versagens (mit verheerenden Folgen) immer größer wird.

Doch der “Markt” hat keine Zeit für solche Überlegungen, er fordert, dass abgeschriebene AKWs nach der Logik des Profits behandelt werden, nicht nach der Logik der Vernunft oder  im  Sinne einer ethischen Verantwortung für Millionen Menschen und andere Lebewesen, die diesen Planet mit uns teilen.

Bei einem “Spezialisten-Workshop” zu diesem Thema wurden folgende Schlüsse gezogen:

  • Es besteht ein Bedarf für mehr  Sicherheitstests, detaillierte Analysen und Kontrollen der Aufsichtsbehörden [die bald auch privatisiert sind?].
  • Die Betriebsbedingungen werden angesichts des hohen  Alters immer schwieriger.
  • das Verhalten des Brennstoffs unter diesen erschwerten Bedingungen kann nicht mehr mit Sicherheit vorhergesagt werden

  • Unerwünschte Effekte sind z.B. exzessive Bildung von Korrosionsprodukten, Verformung von Komponenten und Interferenz der Steuerelemente  (diese Stangen bestehen aus chemischen Elementen, die in der Lage sind, Neutronen aufzunehmen, ohne selbst gespalten zu werden. Sie werden in Kernreaktoren verwendet, um die Kettenreaktion (der Spaltung von Uran) zu  kontrollieren

  • Langfristige Korrekturmaßnahmen sind nicht definiert

Na dann ist ja alles klar, oder?

Fazit von Greenpeace:

“Jeder Kabelbrand, jedes geplatzte Rohr kann aus einem Atomkraftwerk innerhalb von Minuten eine Bombe machen. Je komplexer das System, desto anfälliger ist es für Störungen. Überdies steigt mit zunehmender Betriebsdauer das Unfallrisiko. Das Restrisiko existiert weltweit in jeder einzelnen Atomanlage. Trotz des angeblich so hohen Sicherheitsstandards ist es in allen Ländern, die auf die Atomenergie zur Stromerzeugung setzen, wiederholt zu Störfällen gekommen.”

Mehr Info und interessante Links:

Größter bekannt gewordener Störfall in Deutschland (2002)

Nach dem jüngsten und vermutlich bisher gravierendsten Störfall in der Bundesrepublik bleibt das Atomkraftwerk Brunsbüttel auf unbestimmte Zeit abgeschaltet…

Störfall Nummer 65 im tschechischen AKW Temelin (2004)

Wie erst am Montag bekannt wurde, ist im tschechischen Atomkraftwerk Temelin bereits Sonntag am frühen Morgen ein Leck im Primärkreislauf entdeckt worden.…

Rätselraten um Notstrom-Aggregat (2006)

Nicht einmal der Hersteller AEG weiß, warum die Notstrom-Aggregate im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark versagt haben …

Schwerer Störfall in einem europäischen Atomkraftwerk (2008)

Die EU-Kommission in Brüssel hat am Mittwoch europaweiten Alarm wegen eines Zwischenfalls im AKW Krsko ausgelöst …

Vattenfall nach AKW-Panne in Erklärungsnot (2009)

Nicht der Betreiber alarmierte die Atomaufsicht, sondern die Polizei:

Wohnen Sie vielleicht in der Nähe eines radioaktiven  “Zwischenlagers” ohne es zu wissen?

8,5 x 1019 Bequerel Strahlenbelastung? Eine Zahl mit 19 Nullen – Ist doch ein Klacks, oder?

Denken Sie daran, dass natürlich auch das Material der Behälter “ermüdet” und seine Schutzfunktion nur zeitlich begrenzt erfüllen kann ….

Der AKW-Gefährdungsatlas

THE BIG LIE No.1: Abschalten macht Strom teurer …

THE BIG LIE No. 2: Atomstrom ist billig

P.S. In Ergänzung zu meinem Beitrag über schweren Geburtsdefekte bei Kindern im Irak: EIN MUST-SEE VIDEO … auch das sind die Folgen der Atomwirtschaft (ohne AKWs  gäbe es auch keine Uranwaffen (DU-Waffen)



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