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A Whiter Shade of Pale: Plutonium für Alle

Fukushima? Schnee von gestern? Schön wär’s … doch ein Problem geht nicht weg, nur weil man es bagatellisiert.

Noch immer hören wir Phrasen wie „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Atomanlage unter Kontrolle bringt …“ Doch das ist 100% Bullshit. Die „Kontrolle“  über dieses nukleare Trümmerfeld kann nie wieder hergestellt werden und das Ausmaß der Katastrophe wird noch immer heruntergespielt:

  • Kernschmelze in Reaktor 1
  • Grundwasser verseucht (Anlagen 1-3 haben „Lecks“; Anlage 4 „neigt sich“)
  • Massive Explosion im Reaktor 3 (Abklingbecken samt Brennstäben in die Luft geflogen)
  • Folgen: Land, Lebensmittel und Wasser mit Uran und Plutonium verseucht (weltweit messbar)

Die Explosion im Reaktor 3 wurde mit der Kamera festgehalten: Die gewaltige Sprengkraft war sichtbar, denn Material aus dem Reaktor wurde so hoch in die Luft geschossen, dass man es gerade noch im Videoframe sehen konnte. Auf dem Video sieht man auch einen „rot-gelben Blitz“, also eine Explosionsflamme, die nur bei diesem Reaktor gebildet wurde:

Obwohl es noch Debatten darüber gibt, ob das Reaktordruckgebäude noch intakt ist, besteht kein Zweifel daran, dass vom Abklingbecken Nr. 3 nicht mehr viel übrig ist: (Klicken sie auf das Bild – wo “SFP” in grün steht, war mal das Abklingbecken …)

Dieser Pool enthielt mehrere hundert Tonnen ausgelagerten MOX Brennstoff. Das Material (Uran und Plutonium)  wurde durch die enorme Explosion (zumindest teilweise) pulverisiert und als giftiger „Feinstaub“ (Nanopartikel, die so winzig sind, dass sie alle Barrieren des Immunsystems durchdringen)  rund um Fukushima großflächig verteilt, und zwar in einem wesentlich größeren Radius als im Falle von Tschernobyl. Das ergibt sich aus den Strahlungswerten, die noch in einer Entfernung von 60 km gemessen wurden. Die Dosisraten waren höher als 20 micro Sievert pro Stunde und trotzdem wurde niemand evakuiert. Warum nicht?

Damit keine „Panik“ ausbricht – nicht in der Bevölkerung, die wird sowieso in Japan seit Jahren für dumm verkauft, sondern bei den „Investoren“, den „Börsianern“, der Finanzoligarchie, den Währungsspekulanten. Wenn die das „Vertrauen“ in die japanische Wirtschaft verlieren, weil die wahren, astronomischen Kosten dieser nuklearen Katastrophe ans Tageslicht kommen – das wäre ein Super-GAU der finanziellen Art, der um jeden Preis verhindert werden muss. Da kann man Kindern doch ruhig die 20- oder 50-fache Strahlungsdosis zumuten ohne mit der Wimper zu zucken, oder?

Dr. Chris Busby, ein engagierter Wissenschaftler, der sich seit Jahren für eine Aufklärung der Bevölkerung bzw. ein Ende der Vertuschung der enormen Gefahren der Atomkraft (auch im “Normalbetrieb”!) engagiert, sieht die Erklärung für die enorme Wucht der Explosion in einer „spontanen“ Kernspaltung, Nuklearexperten sprechen von “instant criticality”: d.h. es kommt auch nach “Abschaltung” zu einer Kettenreaktion …

Wie das im Reaktor 3 passieren konnte, erklärt Dr. Busby so:

Die Schmelz- bzw. Siedepunkte  von Plutonium und Uran sind nicht gleich. Der Schmelzpunkt von Plutoniumoxid (im MOX Brennstoff) ist 2701 Grad Celsius, aber der von Uranoxid 3120 Grad. Wenn also eine Mischung dieser beiden zu sieden  beginnt, kommt es zu einer fraktionierten Destillation des Plutoniumoxids, also zu einer chemischen Abscheidung (Wasser <> Dampf), so wie bei der Destillation von Alkohol.

Das Plutonium wird daher im Dampf bzw. dort örtlich konzentriert, wo sich der Dampf als Kondensat niederschlägt (wo es also am kühlsten ist). Dies führt unweigerlich zu einer nuklearen Explosion, wenn die Konzentration des Plutoniums den kritischen Punkt für eine Kettenreaktion erreicht hat.

Dabei ist auch zu bedenken, dass Plutonium nicht nur in Reaktoren  vorhanden ist, die mit MOX-Brennstoff betrieben werden, sondern in jedem AKW  durch den Neutronenbeschuss des Uranbrennstoffs entsteht.

Auch in Tschernobyl wurde von einer „Wasserstoffexplosion“ gesprochen, doch neuere Forschungsergebnisse liefern starke Indizien dafür, dass diese Version nicht der Wahrheit entspricht: Jeder „Vorfall“ in einem AKW, bei dem Radioaktivität freigesetzt wird, hinterlässt eine eigene „Isotopen-Signatur“. Kernphysiker können also in der Zusammensetzung des radioaktiven Giftcocktails (und Kenntnis der „Historie“ des Reaktors) Informationen erkennen, die auf die Ursache der Freisetzung schließen lassen.

So haben zwei russische Forschungsteams das Spektrum der Gammastrahlen untersucht, die das herausgeschleuderte Material aus dem Reaktorkern Nr. 4 freigesetzt hat. Eine Gruppe hat sich auf die Isotopen Xenon 133 und 133 m konzentriert, die eine Halbwertszeit von 5,24 bzw. 2,19 Tagen haben. Das Vorkommen bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser beiden Spaltprodukte (22,4) ist ein klarer Hinweis darauf, dass eine nukleare Explosion stattgefunden  hat.

Die radioaktive Milch wird "entsorgt" ...

Der Grund, warum sowohl in Tschernobyl als auch in Fukushima der Eindruck erweckt wurde, es handle sich (nur) um eine Wasserstoffexplosion, liegt auf der Hand:

Wenn den Leuten klar wird, dass Atomreaktoren,  bei denen die Kühlung versagt, auch nach der „Abschaltung“ wieder einen kritischen Status erreichen können (es also wieder zu einer Kernspaltung bzw. Kettenreaktion kommen kann), dann ist das Märchen von der „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ endgültig erledigt.

Dieser Vorgang der „spontanen Fission“ wird von Fachleuten als „prompt criticality“ bezeichnet und Dr. Chris Busby ist nicht der einzige, der dieses Szenario in Fukushima als sehr wahrscheinlich ansieht.

Auch der amerikanische Nuklearingenieur Arnold Gundersen, der jahrzehntelang in der Atomindustrie tätig war und auch im Untersuchungsverfahren nach dem „Unfall“ von Three Mile Island als Experte aussagte, ist überzeugt, dass hier eine “moderate” atomare Explosion stattgefunden hat:

Gundersen erklärt hier auch den Unterschied zwischen einer “Detonation” (Schockwelle  ist schneller als der Schall) und “Deflagration” (Schockwelle breitet sich mit Schallgeschwindigkeit aus). Das Video zeigt deutlich, dass es sich hier um eine Detonation gehandelt hat und auch der Umstand, dass Teile der Brennstäbe noch in zwei Meilen Entfernung vom Reaktor gefunden wurden …)

Ein wissenschaftlicher Beweis für die Hypothese der nuklearen Explosion wäre leicht zu erbringen, man muss nur das Gammaspektrum untersuchen bzw. die radioaktive „Signatur“ der  Freisetzungswolke nach der Explosion im Reaktor 3. Vermutlich hat man das auch gemacht, doch die Ergebnisse werden natürlich geheim gehalten, sonst wäre nicht nur TEPCO erledigt, sondern auch der Mutterkonzern Toshiba, die Atomlobby in Japan (und wohl auch weltweit) , von der japanischen Regierung – die das Volk seit Jahrzehnten belügt, ganz zu schweigen.

Man liest, dass die Reaktoren  pro Tag 100.000.000.000.000 Becquerel freisetzen. ( 1 Becquerel ist ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde). Das ist schon schlimm genug, sagt den Leuten jedoch wenig. Was das für die “Gesundheit” der Chromosomen bedeuten kann, sehen sie hier (am Beispiel eines Hundes, der auch ein Opfer von Tschernobyl wurde:

Wir hören aber immer nur von Cäsium und radioaktivem Jod 131, dessen Halbwertszeit nur wenige Tage beträgt. Man kann also „Informationen“ herausgeben und gleichzeitig beruhigen, da die kurze Zeitspanne keine Panik in der Bevölkerung auslöst.

Doch von den anderen “verräterischen” Nukliden hört man nichts – eben weil ihre Veröffentlichung die “Isotopen-Signatur” der Katastrophe offen legen würde, also eine Art radioaktiver “Fingerabdruck” wäre, der die Vorgänge in Fukushima transparenter machen könnte.

Und das geht nicht nur Japan etwas an.

In den USA (zB Americium, ein Zerfallsprodukt von Plutonium,  in New England) und auch in Europa sind Isotope aus Fukushima bereits gemessen worden  – tausende Kilometer weit weg und mögen die Werte auch „niedrig“ sein, unbedenklich sind sie garantiert nicht, denn wir wissen, dass diese geladenen Teilchen sich mit organischem Material verbinden und in der Nahrungskette konzentrieren.

Nicht zufällig hat die EU die Grenzwerte in Lebensmitteln dramatisch erhöht– doch die Medien interessieren sich mehr für den „Euro-Schutzschirm“, schließlich sind sie konditioniert worden, ihre Aufmerksamkeit auf finanzielle Dinge zu konzentrieren, nicht auf die Erhaltung bzw. Bedrohung unserer Lebensgrundlagen durch eine pathologische und fanatische Wirtschaftsideologie, die mehr Zerstörung und Elend auf der Erde anrichtet, als jeder angebliche „Terrorist“.

Dr. Busby fragt weiter: Was ist mit Strontium 90, Barium 140 und Uran, die sich in der Milch konzentrieren? Dringend benötigt werden Informationen über  folgende Radionuklide:

  • Tritium; Carbon-14; Plutonium 239, 238 u. 241
  • Uran 238 u. 235; Americium 241
  • Strontium 89 /90; Yttrium 90
  • Barium 140; Cobalt 60
  • Zirconium 95;  Niobium 95
  • Zink 65; Ruthenium 106
  • Silber 110m; Cerium 144
  • Mangan 54; Schwefel 35
  • Xenon 133 / 133 m / 135
  • Argon 41; Krypton 85

Erst wenn Informationen über die Häufigkeit bzw. das mengenmäßige Verhältnis dieser Isotope veröffentlicht werden, wird sich die Vernebelungstaktik der japanischen Regierung und der weltweiten Atomlobby bekämpfen lassen.

Doch kein Journalist drängt darauf und fragt danach, denn sie haben keine Ahnung von der Materie (… auf dem gleichen, bestürzend niedrigen Niveau werden auch Interviews über Gentechnik oder Nanotechnologie abgewickelt …). Es reicht doch, einen „Experten“ zu fragen – von wem der bezahlt wird, im Kontext von „Science for Sale“  (Privatisierung und Dominanz der staatlichen Forschung durch potente „Partner“ aus der Wirtschaft) hat auch nicht weiter zu interessieren.

Unsere Medienschafe sind darauf trainiert, die Presseaussendungen und Desinformation wiederzukäuen, die ihnen die Agenturen liefern und blöken harmonisch im Chor … „es wird noch einige Monate dauern, bis man die Anlage wieder  unter Kontrolle hat“ …  Schauen wir uns doch die Bilder noch mal an, was gibt es da noch zu „kontrollieren“?

Ja, die mediale Blödheit kennt wirklich keine Grenzen, denn man meldet auch solchen Schwachsinn:

Tepco hat angekündigt, ein Gerät zu entwickeln,

um die Radioaktivität aus dem Meerwasser zu entfernen“ (!)

(Österreichischer Rundfunk, vor einer Woche)

Einziger Lichtblick im “öffentlich-rechtlichen” Rundfunk: Die „Monitor“-Redaktion  … Doch leider ist die Sendezeit sehr kurz und garantiert nicht in der „Prime-Time“ (damit die Einschaltquoten ja nicht zu hoch werden …).

Volker Pispers sagte neulich, die „Nachrichten“ seien doch nur mehr „organisierte Verblödung“ der Zuschauer.

Der Mann hat ja so Recht …. (das gilt nicht nur für Atomkraft, sondern auch für den moralischen Mega-Scam der Bombardierung anderer Länder zur Durchsetzung neoliberaler Programme, präsentiert als „humanitäre Intervention“, die absurde Darstellung des IWF als „Hilfsorganisation für in Finanznot geratene Länder“ (Tagesschau, Sonntag 15.5.) (Fakt: der IWF ist ein US/europäisches Bankenkartell unter Führung des US-Finanzministeriums, das erheblich an der Entstehung der  “Finanzkrisen” mitgearbeitet hat ) usw.

Die Journalisten sind doch nur mehr für die mächtigen „Player“ dieser Welt nützliche Idioten, die als „Multiplikatoren“ bewusst lancierter Falschmeldungen und vorgegebener Deutungsrahmen („framing“)  ihren Zweck erfüllen und sich auch noch etwas darauf einbilden …

Die vierte Säule der Demokratie?  Ein guter Witz …

Warum die Atomindustrie eine terroristische Vereinigung ist (die das Leben auf der Erde für hunderte Generationen bedroht und bleibenden – weil genetischen – Schaden hinterlässt), zeigen diese erschütternden Videos:

 

 Nuclear Controversies

Das letzte Wort geht an Albert Einstein, an dessen … Geburtstag der Reaktor 3 explodierte:

“It is not enough for a handful of experts
to attempt the solution of a problem,
to solve it and then to apply it.

The restriction of knowledge to an elite group
destroys the spirit of society
and leads to its intellectual impoverishment.”

Albert Einstein

P.S. Was ein erfahrener Atomphysiker von den „Wasserspielen“ „feed and bleed“) in Fukushima hält, sehen und hören wir hier:

Dr. Michio Kaku kommentiert die Kühlungsversuche von  TEPCO damit, dass sie ebenso effektiv seien, wie der Versuch einen Waldbrand mit Wasserspritzpistolen zu löschen … Das ganze Theater soll nur vortäuschen, dass man noch Optionen oder irgend einen Plan hat, die Lage „unter Kontrolle“ zu bringen.

Die Realität  beschreibt Dr. Kaku in einem Interview mit ABC News am 31/3 so:

„Das ist eine ganz große Sache. Zum ersten Mal hat man das Word „Breach“ verwendet, das bedeutet unkontrollierbare Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt … und denken Sie daran, dass der Reaktor 3, wo das Leck vermutet wird, mit MOX Brennstoff arbeitet, also Plutonium enthält, das giftigste, chemische Element, dass die Wissenschaft kennt.

Ein Millionstel Gramm kann Krebs auszulösen, wenn es in den Körper gelangt (durch Einatmen oder durch Nahrungsmittel). Man muss sich das sehr genau ansehen.

[Auf die Frage des Journalisten, ob Stufe 4 bzw. ein Vergleich mit dem Unfall von Three Mile Island (TMI) zulässig sei  (zum Zeitpunkt des Interviews war es ja noch nicht Stufe 7):]

„In wissenschaftlichen Zirkeln ist das ganze Theater Anlass für große Erheiterung – es ist doch offensichtlich, dass die Lage in Fukushima viel schlimmer ist, als TMI.  Dort hatten wir nur einen Reaktor, der zwar 90% Kernschaden hatte, aber eben nur eine kleine Menge Radioaktivität ins Freie gelangte. Es gab auch kein „Leck“ im Containment.

Hier haben wir drei wütende Kernschmelzen (noch im Gange), ein freiliegendes Abklingbecken [ohne schützenden Wassermantel schaukeln sich Hitze und Oxidation auf] … Wasserstoffexplosionen –jedes dieser Ereignisse für sich genommen, ist  schon schlimmer ist als TMI;

….Wenn Sie erst einmal die Anlage evakuieren müssen, weil die Radioaktivität tödliche Werte erreicht hat, dann haben wir keine Chance mehr, und drei Kernschmelzen werden parallel stattfinden, eine Tragödie, die weit über jene von Tschernobyl hinausgeht …und eine dauerhafte Todeszone in Japan schaffen wird.“

Reaktordaten:

http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/outline_f1/index-e.html   Plant Overview

Wunschloses Unglück: Was aus den “Tschernobyl-Babys” geworden ist …

Wunschloses Unglück

Ich habe zufällig diese Bilder bzw. den Bilder-Essay im Internet gefunden ….

Der “Krieg gegen die DNA” (wie ich die Atomenergie schon öfter genannt habe)  ist REAL…. so sehen seine Opfer aus ….

Mein Gott …… ist alles was ich noch sagen kann .. .. ich habe keine Worte mehr, um mein Entsetzen, mein Mitgefühl und meine Trauer auszudrücken.. angesichts dessen, was man diesen Kindern angetan hat…  doch eine Frage schreit  zum Himmel:

Wie können wir zulassen, dass dafür niemand zur Rechenschaft gezogen wird, ohne unsere Menschlichkeit zu verlieren?

Nur noch eines:  Unsere gewählten Regierungen  lügen und lügen und lügen … (oder haben keine Ahnung wie die Journalisten, die sich mit absurden “Meldungen” aus Japan füttern lassen und sie brav wiederkäuen; bis heute haben sie die Dimension dieser Katastrophe nicht erkannt …

Vier Jahre alt und multiple Sklerose …

Fukushima ist 10 x schlimmer als Tschernobyl: 1760 t Uranbrennstoff  gegenüber  180 t …. (+ Plutonium ….)..

Hier ist der ganze Foto-Essay .….(narrated in English)

( …holen Sie sich vorher Taschentücher …ich konnte die Tränen nicht zurückhalten …

Hier noch einmal der Link über die Geschichte  des “Strahlenschutzmodels” (das die schützt, die die Strahlen produzieren, aber nicht uns!)

P.S. Geld (food business)  schützen oder unser Leben? Da hat die EU klare Prioritäten

SPIN oder “The Nuclear Thought Police …”

Der Info-War (man könnte auch gewaltige Verarschung der Öffentlichkeit sagen, aber das klingt weniger gut) aus Japan geht unvermindert weiter und nimmt immer absurdere Dimensionen an:

IGNORANCE IS STRENGTH

Gestern erreichte die semantische, bitterböse Farce bereits  Orwell’schen Level, als Premierminister Kan die Menschen, die innerhalb eines Radius von 20-30 km um den Reaktorkomplex wohnen, zu einer „freiwilligen Evakuierung“ aufforderte und gleichzeitig versicherte, man werde ihnen dabei „assistieren“. (Im Umkreis bis 20 km war das Gebiet ja bereits  seit 15. März evakuiert worden). Schon eine Woche vorher hatte aber der Vorsitzende der NRC (US-amerikanische Atomaufsichtsbehörde) vor einem Kongressausschuss erklärt, die Zone  sei viel zu klein und müsse auf 80 km (50 Meilen) ausgeweitet werden.

Das Wort „Evakuierung“  bedeutet die zwangsweise Räumung eines Gebietes wegen drohender Gefahr für Leib und Leben. Die „freiwillige“ Evakuierung ist also  ein Widerspruch in sich, aber auch ein rhetorischer Trick  zur Manipulation des Publikums, weil dadurch suggeriert wird, es handle sich nur um eine „Vorsichtsmaßnahme“. Die Gefahr der Strahlenbelastung wird dadurch verharmlost, weil die Leute ja „freiwillig“ weggehen.

Der unglaubliche Spin um die „Strahlenwerte“ die immer höher werden, aber trotz allem stets „keine Gefahr für die Gesundheit“ bedeuten, geht auch in die nächste Runde.  Da alle Redaktionen den gleichen „agency-feed“ (also den jeweiligen Text der „Top-News“ der Nachrichten-Agenturen) herunterleiern, kommt man sich vor, wie einem echo-chamber:

ZDF heute (online-magazin) 27.03.2011:

„Nachdem sie eine um zehn Millionen mal erhöhte Strahlenbelastung des Wassers gemessen hatten, verließen Techniker am Sonntag fluchtartig das Gebäude ([Turbinenraum von Reaktor 2]. Stunden später erklärte Kraftwerksbetreiber Tepco, man habe sich vermessen….. Das Wasser im Reaktor sei zwar radioaktiv verseucht, der zuvor gemessene Extremwert von millionenfach erhöhter Strahlung sei aber ein Fehler gewesen, erklärte Tepco am Sonntagabend.“

Das ZDF arbeitet hart daran, doch diese Meldung aus England gewinnt – nach meiner Ansicht – den ersten Preis im Wettbewerb, „wer bringt die dämlichste Meldung“ über Fukushima (die Presse unterstützt den Spin, indem sie ihr Hirn ausschaltet …)

Tokyo Electric Power (Tepco) said initial reports of levels 10m times higher than normal in parts of the No 2 reactor were inaccurate, although it was unable to say by how much.”

Wie schon das ZDF, die ARD und viele andere, berichtet also der Guardian, „dass die ursprünglichen Berichte vom „10-Millionen-fachen Strahlenwert laut TEPCO falsch waren“…,  fügt dann aber noch hinzu:  …“ TEPCO aber nicht in der Lage sei, zu sagen, um welche Größenordnung es sich dabei handle“ ….

Was für ein absoluter Schwachsinn ist das denn? Wie kann sich ein Dosimeter  denn „vermessen“? Und woher weiß man, dass der Wert „falsch“ ist, wenn man den richtigen Messwert noch gar nicht kennt? Der wichtigste Punkt aber ist: der angeblich falsche Messwert (in Becquerel oder Sievert) wurde gar nicht erwähnt ….

Doch heute Abend kam dann die Meldung, dass man sich um den Faktor 1000 “geirrt” habe:

ARD Tagesschau 20 Uhr:

„…am Abend hieß es dann, die Strahlung sei 100.000 höher als normal“

ZDF heute: …

Mehrere Stunden später lieferte Tepco die Werte nach: Danach ist die Strahlung im Wasser des Reaktors 100.000 Mal höher als normal“

Doch was heißt denn das „höher als normal“?  Der Vergleich wird nicht mit der Hintergrundstrahlung gemacht, der wir alle ausgesetzt sind (also 1-2 mS (milli Sievert) pro Jahr, die normal, weil harmlos ist, sondern mit der eher wenig „normalen“ Radioaktivität des Kühlwassers –wobei wieder der gemessene Wert selbst GAR NICHT ERWÄHNT WIRD. Und von welchem Radio-Isotop reden wir überhaupt? Natürlich Jod-131, was sonst? Alle anderen – langlebigen -Isotope werden gar nicht erwähnt, auch das ist eine effektive Steuerung der Medien. Denn selbst bei hohen Jodwerten kann man sofort damit beruhigen, dass ja aufgrund der sehr kurzen Halbwertszeit von 8 Stunden überhaupt keine Gefahr bestünde …

Doch es gibt noch mehr radioaktive Jod-Istope, z.B.  Jod 129 mit einer Halbwertszeit von 15,7 MILLIONEN Jahren.

Radioaktives Jod verschwindet aber nicht so schnell, wie man uns weismachen will. Durch Niederschläge gelangt es in den Wasserkreislauf und in den Boden, wo es sich mit großer „Begeisterung“ (chemische Affinität) mit organischem Material verbindet, also „organisch fixiert“ oder von Erdmineralien absorbiert wird. Radioaktives Jod ist leicht wasserlöslich – das klingt gut, wenn man ständig hört, es „wird dadurch verdünnt“ – doch auch unser Körper enthält große Mengen Wasser und Wasser hat eine Schlüsselfunktion in vielen Stoffwechselprozessen. Obwohl radioaktives Jod normalerweise als Gas emittiert wird, kann es auch Flüssigkeiten und feste Stoffe kontaminieren. Es kann also in grünem Gemüse ebenso angereichert werden, wie in Fischen und landet es sozusagen „auf der Wiese“ endet es natürlich im Magen der Kuh oder des Schafes  und dann bei uns …

Haben wir das radioaktive Jod  im Körper, ist sein „Zielorgan“ die Schilddrüse, weil diese Jod braucht, um das Hormon Thyroxin zu produzieren. Die biologische Halbwertszeit ist etwa 100 Tage (für den ganzen Körper)

Aus Japan kamen auch erschreckende Meldungen über die Werte von radioaktivem Jod im Meerwasser:

Eine Wasserprobe, die am vergangenen Freitag untersucht wurde, ergab demnach einen Messwert für Jod 131  von:

„50 Becquerel pro cm³ – das 1.250-fache des legalen Grenzwerts (Die Frage, die nie gestellt wird – werden soll) Wieso darf radioaktives Jod überhaupt im Meerwasser sein?) (Quelle: NYT)

Die Zahl 50 ist nicht besonders beeindruckend, und außerdem wird sofort danach wieder – hier auf äußerst absurde Weise -beschwichtigt:

Wenn man einen halben Liter Wasser trinken würde, entspräche das einer Dosis von 1 mS, das sei ungefähr jener Wert, den eine Person pro Jahr aus natürlichen Quellen erhalte.

Kennen Sie irgendjemand der Meerwasser trinkt? Ich nicht. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass man schon wieder mit der “natürlichen Strahlung” vergleicht, was hier nicht zulässig ist, weil externe Strahlung (von außen, aus der Umgebung) mit interner Strahlung (die Radionuklide sind in meinem Körper, zB durch Trinkwasser oder Nahrung) verglichen wird.

Außerdem: Berechnet man die radioaktive Belastung des Meerwassers PRO LITER, sieht das Ergebnis schon ganz anders aus: Wir kommen auf 50.000 Becquerel, das sind 50.000 Atomkerne die (im Mittel) pro Sekunde zerfallen und durch die Isotope ihre Energie abgeben. Gelangen diese Emittenten in unseren Körper, kann man sich vorstellen, dass dies schwerwiegende Folgen hat …. Doch die Medienschafe blöken weiter brav im Chor:

Tagesschau vom 27.3.2011, 20 Uhr:

“[1850-fache Überschreitung der Grenzwerte in 20 km Entfernung von der Küste]Experten gehen aber nicht davon aus, dass eine größere Gefahr für die Umwelt besteht. Die Strömung würde die strahlenden Partikel schnell verdünnen…

Bei Tschernobyl betrug das radioaktive „Inventar“ des Reaktorkerns ca. 180 t bei Fukushima liegen alleine in den Abklingbecken 1-4  schon 354 Tonnen fuel“, für alle sechs sogar 647 Tonnen, das sind fast 300.000 Brennstäbe (oder 4546 assemblies lt. NYT) ….(dazu kommen noch die Brennstäbe im jeweiligen Reaktorkern (1-3, 5 und 6 – 4 war ausgeräumt wegen Wartungsarbeiten) Insgesamt sind es 1.760 Tonnen Uran … In den Reaktoren 1-3 ist bereits die Kernschmelze im Gange…

1 kg Uran hat eine thermische Energie von 7,2 x 1013 Joule … anders gesagt, 1 kg Uran hat soviel Heizenergie wie ca. 15.000 Tonnen Öl oder 22.000 Tonnen Steinkohle … oder noch mal anders formuliert: 1 kg radioaktives Uran erzeugt  etwa die dreimillionenfache Hitze von 1 kg Kohle, die verbrannt wird … Deshalb ist es einfach lächerlich, zu suggerieren, man könnte mit Feuerwehrschläuchen die enorme Hitze der freiliegenden Brennstäbe unter Kontrolle bringen (besonders, wenn sie schon brennen ….)

Übrigens, um noch einmal auf den „100.000-fach erhöhten Wert“ (in der Wasserpfütze)  zurückzukommen: Das ZDF heute.de magazin schreibt (weiter unten auf der Seite / homepage):

„Die Agentur Jiji berichtete von einer Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde im Wasser von Block 2. […]“

Vergleichen wir diesen Wert aber mit dem wirklich relevanten, der normalen Hintergrundstrahlung (in beiden Fällen ist die Strahlung extern), sieht die Sache schon wieder ganz anders aus:

2 mS pro Jahr – das Jahr hat 8760 Stunden, wir dividieren also und rechnen in Mikrosievert um:

2000 µS: 8760 = 0,2283 µ /h

1000 mS / h  = 1.000.000 µS / h

1.000.000 : 0,22 = 4.380.201,40

Die Strahlung in den Wasserpfützen des Blocks 2 beträgt also mehr als das VIER-MILLIONEN-FACHE der „normalen“ Hintergrundstrahlung …Die „10-Millionen“ Meldung war also gar nicht so falsch, wie behauptet wurde …

Fortsetzung folgt …(Kommentar zum Spiegel Titel Fukushima und der ongoing Volksverblödung über die „Grenzwerte“ und „Dosen“ …PARADOX: warum Atomreaktoren aus globaler public health Sicht viel gefährlicher sind Atombomben…)

FROM HELL (2): Nuklearer Holocaust in Japan

Auf den ersten Blick würde wohl jeder sagen, die Ursache dieser Katastrophe war das gewaltige Erdbeben (gefolgt von einem Tsunami und mehreren Nachbeben). Doch das ist natürlich falsch, denn die japanische Regierung wusste – wie niemand sonst – dass sie quasi auf einem Vulkan (hunderte Beben pro Jahr) 50 Atomkraftwerke baut, also eine Hochrisikotechnologie in großem Stil verbreitet, die für Jahrtausende eine  lebensbedrohliche Gefahr für die gesamte Biosphäre darstellt und im dicht besiedelten Japan – im Falle einer radioaktiven Verseuchung – zum dauerhaften Albtraum wird.

An diesem Punkt stehen wir jetzt …. Während die Medien (jedenfalls ARD und ZDF) noch immer auf die sichtbare , also totale Kernschmelze fokussiert sind und – nach meiner Wahrnehmung – so gut wie keine Ahnung haben, was hier wirklich abläuft – ist das noch schlimmere Ereignis bereits eingetreten – der Brand in den Kühlbecken (SFP-Fire) die ein Vielfaches an Radioaktivität abgeben als bei einer Kernschmelze freigesetzt wird (siehe dazu den vorhergehenden Beitrag – … manchmal ist es furchtbar, Recht zu haben…)

Führende englische  und amerikanische Printmedien (New York Times und Washington Post) sind da schon wesentlich weiter, kein Wunder, denn die US Marine war selbst der gefährlichen Strahlung ausgesetzt: eine amerikanische Helikoptercrew, die  60 km von Fukushima entfernt war, musste dekontaminiert werden und selbst auf dem Flugzeugträger USS Ronald Reagan wurden erhöhte Strahlungswerte gemessen – in 10o km Entfernung. Die US Navy hat deshalb ihre siebte Flotte schleunigst aus diesem Gebiet entfernt und Jodtabletten verteilt-

Der Abzug der AKW-Belegschaft – bzw. die Reduzierung des Personals  von 800 auf 50 lässt trotz aller Verharmlosung und Vertuschung keinen anderen Schluss zu, als the game is over.

Die fehlende Wasserkühlung (wegen des kompletten, seit Tagen andauernden Stromausfalls), der weitgehende Ausfall  der Mess- und Kontrollsysteme  durch Beben & Tsunami mit anschließenden Wasserstoffexplosionen und „Pool-Bränden“ haben die Anlage völlig unkontrollierbar gemacht.

Man kann eben in eine solche Wahnsinnsanlage nicht einfach hineingehen und nachsehen, was los ist, und notwendige Reparaturen durchführen.

6- 1o AKW (wenn nicht mehr) … die außer Kontrolle geraten …das ist der atomare Holocaust … ein wirkliches „Brandopfer“ für eine Wirtschaftsreligion, die uns – in the long run – alle umbringen wird

Wie ich bereits im ersten Beitrag erwähnt habe, wusste die Atomindustrie schon seit langem, wie gefährlich dieser Reaktortyp ist und welche furchtbaren Folgen ein SFP-Brand haben würde.

Dazu noch mehr Hintergrundinformationen:

Mehrere Studien haben die Auswirkungen eines solchen Brandes,  den „Worst Case“  – am Beispiel der USA – untersucht, das Ergebnis ist ein Albtraum:

  • Geschätzte unmittelbare Todesfälle: etwa 800 – 1000 …
  • Geschätzte langfristige Todesfälle: mehr als  100.000 …
  • Geschätzte Kosten: 500 Milliarden Dollar …

Diese Werte gelten für EINEN Reaktor– wir haben hier SECHS oder sogar ZEHN … rechnen Sie mal …

Der Reaktortyp in Fukushima ist 40 Jahre alt und wurde von General Electric gebaut, er gehört zum Typ „GE Mark 1“ aus den 1970er Jahren. Doch schon vor Jahren hat man vor der Designschwäche und dem darauf folgenden, hohen Risiko im Fall einer Kernschmelze gewarnt, denn die Schutzhülle ist viel kleiner und schwächer, als vergleichbare Modelle anderer Firmen.

Die Times weiß auch folgendes zu berichten:

„Ein Sprecher der TEPCO sagte (schon am Montag) dass die Kühlung der Becken (SFP) – in beiden Blöcken Fukushima Daiichi and Daini schon kurz nach dem Beben ausgefallen sei (ich habe ja auch die Pressemeldung des Betreibers in meinem ersten Beitrag hervorgehoben – doch fast alle unserer „Journalisten“ kriegen das anscheinend nicht mit, sie beten brav die Agenturmeldungen herunter …

Die Bedrohung wurde als so hoch eingeschätzt, dass man unmittelbar nach dem Beben am Freitag, sofort die größte Aufmerksamkeit den SFP gewidmet hat und auch die noch funktionierenden Pumpen für die Kühlung des beschädigten Beckens  beim Reaktor Unit 2  (Daiichi) einsetzte“ (der Reaktor selbst war ja, wegen Wartungsarbeiten „abgeschaltet“ – gut für das Risiko einer Kernschmelze, aber extrem schlecht für das Risiko eines SF-Poolbrandes – weil noch mehr „heiße“, Brennelemente im Pool lagen als sonst)

„Das „Herunterfahren“ der aktiven Reaktoren lief auch nicht nach Plan und die Probleme begannen zu eskalieren. Ein Sprecher von Tokyo Electric sagte, dass zusätzlich zum Ausfall von Stromversorgung und Wasserkühlung auch noch Wasser (hochradioaktiv) aus den Becken austrat. Diese Becken sind meistens würfelförmig (etwa   12 m lang und breit und ca 14 m tief). Die ausgelagerten Brennelemente liegen unten (bis ca 4,5 m hoch) und das Wasser liegt doppelt so hoch darüber (also etwa 9 m – zumindest sollte es so sein ….)“.

 

Abklingbecken (re) im AKW Krümmel

WO ABER BEFINDEN SICH DIESE BECKEN?

Die Becken sitzen direkt über dem Reaktorgebäude (unten in der Grafik als blaues Rechteck über dem orangen Reaktorbehälter zu sehen, anklicken zum Vergrößern) gemeinsam mit dem “refuelling deck”)

Das klingt zwar auf den ersten Blick logisch, weil ja die Brennelemente von einem Kran aus dem Reaktorkern in die Kühlbecken gehievt werden müssen, (und für Re-fueling wieder frische Brennelemente in den Kern eingeseetzt werden) und es daher Sinn macht, die Becken möglichst nahe beim Reaktor zu lagern.

GE Mark 1 BWR Reaktor

Doch wenn sich bei einem Ausfall der Kühlung  ein Druck im Reaktorgebäude aufbaut oder – wie ja bereits passiert – eine chemische Wasserstoffexplosion eintritt – ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Becken intakt bleiben, gleich null.

 

DaiIchi 1: Was passierte mit dem Becken (SFP)?

Um den ganzen Wahnsinn zu verstehen, müssen wir uns den Aufbau dieses Reaktortyps (Siedewasserreaktor – siehe auch Graphik oben) ein bisschen näher ansehen 

WIR BASTELN UNS EINEN RADIOAKTIVEN KELOMAT

(bitte um Nachsicht für den Galgenhumor, aber ohne  Satire  kann man das Thema psychologisch nicht mehr verarbeiten ….)

Das System, das einen Überdruck im Reaktorraum verhindern soll, befindet sich quasi “im Untergeschoß” ebenfalls im Reaktorgebäude.

Es besteht aus einer Druckkammer („Drywell) und dem „Torus“(auf der Graphik links das runde Gebilde unten, das wie ein großer Doughnut aussieht). Der Drywell, in dem sich der Reaktorbehälter befindet,  hat die Form einer Birne,  ist etwa 3 Meter hoch und hat eine Wandstärke von etwa 6 cm.

Im Fall einer beginnenden Kernschmelze, die mit hoher Temperatur und hohem Druck einhergeht, soll der hochradioaktive Dampf (der unter Druck steht) zuerst in den Drywell und dann durch große Rohrleitungen in den Torus  geleitet werden (der einen Durchmesser von etwa fünf Meter hat und wie ein großer Rettungsring den Drywell umgibt. Der Torus enthält an die 4 Millionen Liter Wasser und soll in diesem Fall den radioaktiven Dampf aufnehmen, wobei der Druck (durch Kondensation) auf einen ungefährlichen  Level   reduziert  werden soll.

Doch schon im Jahr 1972, also nicht lange nachdem dieser Typ des Siedewasserreaktors von GE auf den Markt gebracht wurde, warnten Experten (auch Mitarbeiter von GE) vor den Designschwächen und den verheerenden Folgen bei einem Unfall. Deshalb dürfe dieser Reaktortyp nicht mehr die erforderlichen Genehmigungen erhalten.

Doch in der Atomwirtschaft herrscht weder Vernunft noch Verantwortung, sondern „Unternehmergeist“ und Fortschrittsgläubigkeit gekoppelt mit Allmachtsphantasien und der perversen Idee, dass Atomenergie in der Marktwirtschaft eben auch nur eine Ware sei, von der man möglichst viel verkaufen will, um damit Profite und Marktmacht zu generieren. (Die militärische „Nutzung“ ist ein anderes, noch dunkleres Kapitel)

Die NRC kam 1986 zu dem Schluss, dass die Schutzhülle des Mark 1 Rektortyps schon wenige Stunden nach Beginn der Kernschmelze mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% nicht mehr halten würde – eben weil das Gebäude zu klein dimensioniert sei und der „design pressure“ (der maximale Druck, auf den die Infrastruktur ausgelegt wurde) zu niedrig bemessen wurde (weil man eben dachte, durch den Torus (als Teil eines automatischen Druckentlastungssystems) würde der Druck nie so stark ansteigen).

Doch anstatt das Design grundlegend zu ändern – was natürlich die Kosten erhöht hätte, befand man, dass im Fall eines kritischen Druckaufbaus einfach der hoch radioaktive Dampf ins Freie zu lassen sei .. (was ja in Fukushima ja auch – mehrfach – gemacht wurde). Das heißt, die Reaktorcrew soll im Endeffekt eine „notwendige“ radioaktive Verseuchung der Umgebung einleiten, um das „Containment“ zu erhalten …

Hier wird die Sache endgültig zur absurden Farce … eine Performance mit Elementen aus „Warten auf Godot“ und der unheimlichen, bedrohlichen  „Normalität“ Franz Kafkas …

Wie wir aufgrund der Bilder wissen, sind in der Daiichi Anlage mindestens zwei dieser Becken, mit hoch radioaktivem Inhalt – durch die Wasserstoff-Explosion „im Freien“ und höchstwahrscheinlich beschädigt . Sie haben eben – im Gegensatz zum Rektor – keine Schutzhülle und durch den  Ausfall der Kühlung (das Wasser im Becken muss zirkulieren, damit es nicht  zu heiß wird) erhitzt sich das Wasser bis zum Siedepunkt, wobei hoch radioaktive Dampfwolken freiwerden – die jetzt natürlich die Umgebung verseuchen

Die Medien meldeten “weißer Rauch aus dem Reaktorblock steigt auf”  – was niemand versteht -, in Wahrheit sind es die radioaktiven Dampfwolken der “Abklingbecken” (SFP – spent fuel pools), die ungehindert die Umgebung  verseuchen (wir sprechen hier von tödlichen Dosen) …

Ist das Wasser ganz weg, wird die Hitze so groß, dass die Brennstäbe sich in einem autokatalytischen Prozess selbst entzünden, wobei noch mehr Radioaktivität frei wird. (Mehr  Details siehe mein erster Artikel über Fukushima)

Es ist wichtig, folgendes zu verstehen (deshalb der Totenkopf am Anfang für die tödliche “Umarmung” von Regierung und Atomindustrie):

Die Regulierungsbehörden schreiben NICHT VOR, dass Atomkraftwerke  gegen alle möglichen Unfälle GESICHERT sein müssen, auch nicht gegen den „non-design event“ einer  totalen Kernschmelze. (Das Containment kann daher nicht unter allen Umständen halten).

In allen AKWs können daher „Pannen“ und „Störfälle“ auftreten, die im “Design Basis Accident” (DBA) nicht enthalten sind  (das Konstruktions- und Sicherheitskonzept innerhalb willkürlich bestimmter Parameter – zB keine  sicherheitsrelevanten Schäden  bis Erdbebenstärke  7,5 … Was machen wir , wenn das Erdbeben stärker ist, bei 9,0  (wie in Japan) ?  Was, wenn eine Flutwelle nachkommt? Beten und so tun, als könnten wir die Katastrophe noch verhindern ….

Der “DBA” ist also nicht das Schlimmste, was man sich vorstellen kann, sondern eine bestimmte, genau definierte Gefahrensituation, mit der die Sicherheitssysteme -angeblich -fertig werden. Alles was darüber  hinaus geht, wird als “Restrisiko” in Kauf genommen … Schließlich kostet jede zusätzliche Sicherheitsmaßnahme viel Geld und man will “kostenattraktive” Lösungen (für die Aktionäre und Investoren …)

1979 konnte eine totale Kernschmelze im AKW Three Mile Island gerade noch verhindert werden  – doch hat man etwas daraus gelernt?

 

 

 

Brüchiger Stahl aus AKW

Der dritte Wahnsinn ist die Bagatellisierung der Materialermüdung bei älteren AKW (weswegen ja die Laufzeiten begrenzt wurden):

Ich habe ja bereits darüber geschrieben, wie gefährlich ältere AKWs sind, weil das Material durch den enormen Umgebungsstress brüchig wird bzw. sich durch die beeinträchtigte Mikro- bzw. Nanostruktur die Materialeigenschaften verändern und somit unberechenbar werden … Werden diese Komponenten nicht ständig überprüft (was ja im AKW nicht so einfach und sehr teuer ist) und rechtzeitig – unter Einhaltung höchster Qualitätsstandards -ausgetauscht, steigt das Risiko einer Katastrophe mit zunehmendem Alter massiv an (auch ohne Erdbeben)

WIE GEFÄHRLICH SIND DIESE BRENNSTÄBE AUS DEM „ABKLINGBECKEN“ (SFP) Wie hoch ist die Radioaktivität, die sie abgeben?

Nach meinen Recherchen beträgt die Oberflächenstrahlung für eine typische  Brennelement-Anordnung – noch  Jahre nach der Entfernung aus dem Reaktorkern mehr als 10.000 REM (100 Sievert) pro Stunde …das ist die zwanzigfache tödliche (akute = die ganze Strahlung auf einmal abbekommen) Dosis für Erwachsene …

Gelangen diese radioaktiven Spaltprodukte (vor allem Cäsium 137 und Strontium 90) in die Nahrungskette  (über Boden, Grundwasser, Oberflächenwasser) … dann gute Nacht …

Die Wahrscheinlichkeit, durch „niedrige“, aber chronische Strahlenexposition an Krebs  zu erkranken, steigt dramatisch an …weil besonders die DNA sehr empfindlich auf ionisierende Strahlung reagiert …

Nach den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat Tschernobyl bis heute rund 1.000.000 Todesopfer (zunehmende Krebs-häufigkeit, vor allem bei Kindern) gefordert …

(Davon sollen wir aber nichts wissen …. )

Wenn in Japan die 10, 20, 50 oder sogar 100-fache Menge an Radioaktivität freigesetzt wird (was durchaus wahrscheinlich ist) … dann kann man wirklich von einem atomaren Holocaust sprechen

Mehr über die Strahlenbelastung und ihre biologischen Effekte, Entstehung des  „Strahlenschutzmodells“ und den Blödsinn, den ARD und ZDF (zB gestern im ZDF Spezial) darüber erzählen im nächsten Beitrag …

 

 

 

 

 

FROM HELL: Atomterror & Medienalbtraum ….

Die Ereignisse in Japan, unmittelbar vor dem  25-jährigen Jahrestag nach Tschernobyl, müssten nun wirklich der ultimative Beweis dafür sein, dass diese Technologie ein organisierter Wahnsinn ist und nur durch ein systematisches Netz aus Lügen, Verharmlosen und Vertuschen überhaupt eine „Atomwirtschaft“ entstehen konnte (siehe dazu auch meine vorhergehenden Artikel zum Thema „Atompolitik“)

Der atomare Horror (Krebsepidemien, Tschernobyl, Uranwaffen und jetzt Japan) wird aber noch verschärft durch den medialen Albtraum, den wir seit Jahren erleben, denn – mit sehr wenigen Ausnahmen – hat sich die „Journaille“ als williger Helfer der Atomindustrie zur Verfügung gestellt. Das konnten wir ja gestern wieder bei „Anne Will“ mit Schaudern erleben – nur Ranga Yogeshwar  hat während der Sendung dagegen protestiert – „wir führen immer die gleichen Debatten“ (mehr dazu im nächsten Beitrag  zum Thema).

Doch bevor die Rolle der Medien bei der Ausbreitung der Atomwirtschaft untersucht werden soll, möchte ich einen wichtigen Punkt zu der aktuellen Gefahr in Japan hervorheben:

Während die ganze Medienlandschaft (verständlicherweise aber eben) nur darauf schaut, ob eine Kernschmelze eintritt und das Containment hält, gibt es eine Gefahr, die hier im deutschen Sprachraum völlig ignoriert wird, obwohl sie eigentlich viel größer ist, als die Kernschmelze: die Wasserbecken, in denen die „abgebrannten“ (sehr irreführend!) Brennstäbe gelagert werden, die so genannten „spent fuel pools“ (SFP):

DER TOD KOMMT AUS DEM WASSER …

…nicht “nur”, weil die Betreiber laufend hoch radioaktiven Dampf aus dem Reaktorgebäude ablassen (” ventilieren”) müssen, um eine Explosion zu verhindern …

(Kontext: Durch das Erdbeben wurde die Stromversorgung des AKW-Komplexes  in Fukushima lahm gelegt. Für diesen Fall soll ein Dieselgenerator einspringen.  Doch der Tsunami sorgte für eine Überschwemmung des Raumes (und der Infrastruktur), in dem sich der Generator befand, sodass auch ein herbeigeschaffter Ersatzgenerator nicht einsetzbar war. Bei Ausfall des Generators gibt es noch eine dritte Redundanz, nämlich ein Batteriesystem, das jedoch nur wenige Stunden laufen kann und auch das nicht mit der vollen Leistung, sodass die Pumpen für das Kühlwassersystem nicht voll einsatzfähig waren. Nach  relativ kurzer Zeit gab es also keine Stromversorgung mehr und die Pumpen fielen vollständig aus.

Was bedeutet das nun für die SFP (die Wasserbecken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe gelagert werden)?

Etwa alle 4-6 Jahre müssen die Brennstäbe eines AKW ausgetauscht werden, nicht weil sie wirklich „abgebrannt“ sind, sondern weil sie als Wärmeerzeuger „unwirtschaftlich“ geworden sind. Ungefähr ein Drittel der Brennstäbe wird alle 18-24 Monate ausgetauscht, manchmal aber auch alle. Wichtig ist auch festzuhalten, dass – wenn es heißt, der Reaktor sei „abgeschaltet“, die Brennstäbe ständig gekühlt werden müssen. (Selbst wenn die Reaktoren also nicht mehr Strom erzeugen, sind sie weiterhin für Jahre gefährlich …)

Die Brennstäbe sind hoch radioaktiv und produzieren auch außerhalb des Reaktors große Hitze, die durch den radioaktiven Zerfall entsteht. Damit diese  in Schach gehalten wird, werden die Brennelemente in einem Wasserbecken gelagert, das ein aktives Kühlsystem hat (Wasserpumpen und Wärmetauscher)

Das Wasser schützt auch die Arbeiter vor der ernormen Strahlung der Brennstäbe (siehe Foto)

Kann der Wasserspiegel nicht konstant gehalten werden (zB  durch  Stromausfall), verringert sich die Kühlwirkung immer mehr und fällt schließlich ganz aus.

Sobald der Wasserspiegel auf etwa 1,50 m über den Brennelementen abgesunken ist, ist diese Schutzwirkung nicht mehr gegeben und die Werte werden lebensbedrohlich (Wer will / kann dann noch hier etwas „reparieren“)?

Die Temperatur beginnt also zu steigen, wodurch das Wasser verdampft und damit beginnt ein Teufelskreis:

Die steigende Temperatur beschleunigt die Oxidation der Brennstoffumhüllung (die aus einer Zirkoniumlegierung besteht, die hoch- und selbstentzündlich ist, wenn sie mit Sauerstoff oder Dampf in Berührung kommt) wobei wieder große Mengen Hitze generiert werden:

·   Reaktion mit Luft:                        12 Millionen Joule / Kilogramm

·   Reaktion mit Wasserdampf:    5,8 Millionen Joule / Kilogramm

wodurch wieder die Oxidation beschleunigt wird usw. Diese autokatalytische Reaktion (die sich sozusagen selbst befeuert) findet bei hohen Temperaturen statt und wenn genug Sauerstoff vorhanden ist. Das Resultat ist verheerend: die Hülle aus Zirkonium gerät in Brand , man spricht von einem „zirconium cladding fire“. Die Hitze, die dabei freigesetzt wird, kann größer sein, als die Zerfallswärme, die von frisch ausgelagerten Brennstäben ausgeht.

Während sich also die Brennstäbe weiter aufheizen, steigt der Gasdruck innerhalb der Brennstäbe so lange, bis sich die Hülle aufbläht und schließlich platzt. Bei mehr als  1800 Grad Celsius reagiert das Zirkonium mit dem Brennstoff (Uranoxid) und so verschmelzen beide in einem komplexen Prozess zu  Zirkonium-Uranoxid.

Nach dem Platzen der Hülle werden gasförmige, radioaktive Spaltprodukte freigesetzt und auch Teile des radioaktiven Brennmaterials in Form von Aerosolen. Wenn die Hitze, die vom Brand eines Kernelements ausgeht, nicht abgeleitet werden kann, breitet sich das Feuer auf alle Brennelemente aus.

 

Blick in den Reaktorkern

WARUM SIND DIESE BECKEN BEI STROMAUSFALL GEFÄHRLICHER ALS DER MELTDOWN?

Weil die Brennelemente, die darin gelagert werden, 5-10 mal mehr  Radioaktivität freisetzen, als der Reaktorkern (die Becken enthalten mehrere hundert metrische Tonnen an Brennelementen, was im Schnitt etwa dem Inhalt von  7 Reaktorkernen  entspricht; die Hitze in diesen Becken beträgt mehrere MegaWatt; die („verstrahlte“) Wassermenge in einem Becken ist ca. 1,5 Millionen Liter… das aber ständig mit  Frischwasser versorgt werden muss ..)

Besonders beunruhigend sind die riesigen Mengen von Cäsium 137, die sich in diesen Becken befinden: wir sprechen hier von 20 bis 50 MILLIONEN CURIE ( 1 curie = 37 Milliarden Bequerel / 1 Bequerel bedeutet (im Mittel) ein radioaktiver Zerfall pro Sekunde …)

Zum Vergleich: bei der Katastrophe in Tschernobyl wurden etwa 2,5 Millionen Curie freigesetzt, das sind ca. 40% der Radioaktivität des Reaktorkerns. Bei einem Brand in den SFP können 100% der Radioaktivität freigesetzt werden …

Ende der 1990 Jahre veröffentlichte die NRC (amerikanische Atomenergie-Regulierungsbehörde) eine Studie über die Auswirkungen eines solchen „pool fires“ (bei einem Reaktor):

  • Ein Gebiet von fast 500 km² wäre unbewohnbar ….
  • Zusätzliche Krebserkrankungen (lokal): 30.000
  • Geschätzter finanzieller Schaden: 60 Milliarden Dollar

Geschätzter ökologischer Schaden: unermesslich …

WAS MELDET DIE BETREIBERFIRMA TEPCO ÜBER DIESE BECKEN (Presseaussendung vom 13.März) unter “Others” auf Seite 2

We are currently coordinating with the relevant authorities and departments as to
how to cool down the water in the spent nuclear fuel pool.

Klartext: Sie haben keine Ahnung wie sie  – ohne Strom – verhindern sollen, dass die Wassertemperatur in den Becken weiter steigt und schließlich das ganze Wasser verdampft

Es gibt auch nach menschlichem Ermessen keine Möglichkeit mehr, dies zu verhindern … Ohne Strom, ohne ständige Zirkulation des Kühlwassers ist es nur eine Frage von Tagen, bis das Wasser völlig verdampft ist und dann dauert es nur Stunden, bis sich die Brennelemente selbst entzünden (die ja – im Gegensatz zum Reaktor  keine „Schutzhülle“ haben)

Dann hätten wir Tschernobyl hoch 10 …. Ein veritables  Höllenfeuer ..

Das ist also der Offenbarungseid einer Technologie, die uns seit Jahrzehnten terrorisiert …

Die verheerenden Folgen eines  „Loss of coolant“ Ereignisses für die Becken, in denen die ausgemusterten Brennstäbe lagern, sind den Atomaufsichtsbehörden (soferne diese noch existieren – man setzt ja immer mehr auf „Eigenverantwortung“ und „Selbstkontrolle“ – ganz nach dem neoliberalen Mantra) seit langem bekannt.

Im Internet finden sich sogar ein Wissenstest zum Thema „Sicherheitsrisiken von Kühlbecken (in denen die ausgelagerten Brennstäbe liegen), und zwar von einer Firma, die Monitoring bzw. Visualisierungssysteme dazu anbietet:


Quiz on Spent Fuel Pool Safety/Security

Alle Studien kamen zu dem Ergebnis, dass dieses „event“ zu dem oben beschriebenen, verheerenden Brand führen würde, wenn die Brennelemente nicht mehr gekühlt werden können.

Doch die Kontrollbehörde – ganz im Dienste der Atomwirtschaft – kam zu dem Schluss, dass zwar die Konsequenzen dieses „Ereignisses“ furchtbar wären, aber die Wahrscheinlichkeit dass es eintritt, so gering sei, dass man keine besonderen Schutzmaßnahmen treffen müsse. ..

WAS KANN MAN DEN JAPANERN NUR RATEN?

So schnell wie möglich, das Land zu verlassen – besonders schwangere Frauen und Kinder sollten umgehend den nächsten Flughafen aufsuchen …

WAS SOLLTE MAN MIT LEUTEN WIE RÖTTGEN MACHEN (die aus dem Umweltministerium eine Farce  machen  und allen Ernstes argumentieren – siehe Anne Will – man müsse erst „Erfahrungen“  (Angst, Horror, Meltdown in „high-tech“ Land wie Japan, Kontrollverlust, etc. Folge: Zunahme von Krebserkrankungen, etc.) durchmachen“, um die Risiken (vor denen Umweltschützer und unabhängige Wissenschaftler seit Jahrzehnten warnen!) „neu zu bewerten“)?

Antwort: (nicht druckreif!) – aber zumindest verbal kann man Dampf ablassen: F&CK YO&, Mr. Röttgen! ..und alle anderen, die die „Kernenergie“ schön geredet und verharmlost haben,  sich in den Dienst der Atomlobby stellen, die eigentlich mit Zwangsjacken ausgestattet werden müsste …

(Fortsetzung folgt  …)

 

 

 

 

 

 

RADIATION CREEP: Länger Laufen. Kürzer Leben. Krebs ist Gratis.

Im August 2009 veröffentlichte der BUND eine Studie über die Risiken einer Laufzeitverlängerung bei Atomkraftwerken. Ergebnis: deutlich höheres Störfallrisiko. Dies gelte besonders für:  Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Krümmel, Neckarwestheim, Unterweser, Biblis A und Biblis B. Diese Reaktoren erfüllten nicht die modernen Sicherheitsstandards, auch dann nicht, wenn sie nachgerüstet würden.

WO LASSEN SIE DENKEN? In der Denkfabrik? In der PR-Agentur?

Bei der ganzen vorgefertigten, medialen Auseinandersetzung über die Verlängerung der Laufzeiten, wird ein Punkt völlig ignoriert: Es gibt ja einen triftigen Grund, warum die Laufzeiten der AKWs von Anfang an begrenzt waren: die Materialermüdung  bzw. das Materialversagen.

Bei Anfangsinvestitionen von zweistelligen Milliardenbeträgen für ein einzelnes Kraftwerk, könnte man eigentlich erwarten, dass dieses sündteure  System lange funktionsfähig (ohne Sicherheitsverlust) ist. Doch schon hier zeigt sich, wie schwachsinnig und ineffizient das Konzept der “Kernkraft” eigentlich ist. Verglichen mit der Effizienz, dem genialen Stoffkreislauf und der “Haltbarkeit” biologischer Systeme ist ein Kernreaktor (und das Energieverteilersystem an sich) ein großer Haufen Mist.

Um das verdeutlichen, könnte man folgendes Bild wählen:

Stellen Sie sich vor, sie kaufen ein Auto, dass zwei Millionen Euro kostet, zwei Jahre zur Produktion braucht, enorme Wartungskosten und ein hohes Unfallrisiko hat, aber nur maximal 6 Jahre gefahren werden kann (mit Schutzanzug und Feuerwehr auf Stand-By). Quasi eine tickende Zeitbombe auf Rädern. Danach müsste es als langlebiger, giftiger Sondermüll teuer entsorgt werden. Sie können das Auto aber nicht einfach stehen lassen und die Schlüssel abgeben, sondern müssten Jahre warten, bis ein Mechaniker es wagen kann, das Auto  zu zerlegen, weil jeder Kontakt mit dem Material eine erhebliche Gesundheitsgefahr darstellt.

Wer wäre so blöd, die Produktion dieses Autos zu forcieren? Wer wäre so blöd, dieses Auto zu kaufen?

Und welcher Idiotenverein würde dieses Auto versichern? (Wir offenbar ….)

Durch die radioaktive Strahlung in Verbindung mit anderen Faktoren werden die Komponenten eines AKWs einer hohen  Dauerbelastung ausgesetzt, sodass sich die Materialeigenschaften negativ verändern und damit die Haltbarkeit bzw. die Erfüllung der jeweiligen technischen Anforderungen nicht mehr gewährleistet ist (wir kommen darauf später  noch zurück).

Hier sind zunächst nur einige Beispiele aus dem gut sortierten Problemkasten der Atomindustrie, die dadurch entstehen:

“WANDVERDÜNNUNG” (wall thinning)

Aus nur unzureichend verstandenen Gründen werden die Wände von Rohrleitungen in AKWs mit der Zeit immer dünner. Ja, Sie haben richtig gelesen – das ist kein Witz und keine grüne Propaganda, sondern bitterer Ernst. Man erklärt sich das durch die ” kombinierten Effekte der Fließgeschwindigkeit, ungünstiger Materialien und der Wasserchemie”.

THERMISCHE ERMÜDUNG” (thermal fatigue)

Plötzliche Temperaturänderungen führen zu Problemen, wenn die dadurch ausgelösten Spannungen im Material eine hohe plastische Verformung bewirken, und so Risse entstehen (in Abhängigkeit von physikalischen Größen wie Elastizität, Wärmeleitfähigkeit, Festigkeit, etc.).  Die Fähigkeit eines Materials, sich gegen diese “Ermüdung” zur Wehr zu setzen, nennt man “Temperaturwechselbeständigkeit” (TWB) und diese spielt natürlich auch bei Materialien eine Rolle, die in Kraftwerken eingesetzt werden.

Doch mit der TWB  in AKWs sieht es gar nicht gut aus: Defekte Rohrleitungen”  durch “Wandverdünnung” und “thermische Ermüdung” sind regelmäßige Vorkommen. Es gibt sogar Fälle, in denen die Wände so dünn geworden sind, (was vorher kaum bemerkt wurde) dass das Rohr plötzlich auseinanderbrach. Andere Inspektionsberichte erwähnen Risse und Lecks, die (nur) durch abwechselnd kaltes und heißes Wasser entstanden. Wenn das schon Probleme verursacht, was soll man dann von den “Sicherheitsstandards” halten?

Ein besonders schwerer Fall war z.B. die Entstehung eines Lecks durch thermische Ermüdung   in einem Rohrbogen, der zum Notfallsystem eines Druckwasserreaktors gehörte (das sich natürlich einschalten soll, wenn das Kühlsystem des Reaktors ausfällt!)

Die IAEA  meint dazu unter “Bedeutung für die Sicherheit“:

“Ein Defekt im Rohrleitungssystem eines Anlagenteils sollte (eigentlich) nicht zu einem Schaden am Reaktor oder zur Freisetzung von Spaltprodukten führen, weil es ja ein Redundanzprinzip gibt. Solch ein Defekt stellt jedoch ein viel höheres Risiko dar, als wünschenswert ist. Darüber hinaus kommen manche dieser Pannen auf Systemebene vor, was bedeutet, dass die Integrität des ganzen Systems in Gefahr ist.”

Unter “Was man daraus gelernt hat” heißt es dann u.a.:

“…es gibt mittlerweile neue Bemühungen, um den tatsächlichen Mechanismus der Verdünnung verstehen und um adäquate Inspektionsintervalle festlegen zu können. Es könnten Veränderungen in der Prozesskontrolle und der Überwachung der chemischen Eigenschaften notwendig werden.”

Man kennt zwar die Materialprobleme, die durch die spezielle Umgebung (eben den Atomreaktor) entstehen,  versteht aber nicht wirklich, auf welche Weise sie entstehen. Zwar ist bekannt, dass sich die Materialstruktur (auf Mikro- bzw. Nano-Ebene) verändert, aber das Zusammenspiel der physikalischen und chemischen Kräfte ist so komplex, dass man mit den verwendeten Formeln und Modellen immer nur ein unvollständiges Puzzle   abbilden kann.

THERMISCHES VERKLEBEN (thermal bonding)

Ein Atomkraftwerk kann tausende Ventile haben, die einerseits für die Fließkontrolle und andererseits zur Abtrennung wichtig sind. Defekte an Ventilen werden laufend gemeldet. In vielen Fällen, konnten Sicherheitsventile nicht ihre Funktion erfüllen, weil warmes Wasser, das innerhalb des Ventilkörpers gefangen war, sich erhitzte und dadurch den Druck auf die Ventilteile erhöhte. Dieses technische Versagen wurde in vielen Anlagen im Laufe der letzten Jahre festgestellt.

Äußerst bedenklich ist deshalb, dass in diesen Fällen, die Betriebsvorschriften keinen Funktionstest unter Heißwasser-Bedingungen vorsahen, sodass das Versagen der Ventile erst festgestellt wurde, als eine Inspektion der Aufsichtsbehörde stattfand (die nur alle heiligen Zeiten erscheint).

Besonders kritisch wird es, wenn dieser spezielle Defekt bei allen gleichartigen Ventilen auftritt, denn dann würde ein Dominoeffekt auf  der Systemebene eintreten … das wollen wir uns gar nicht erst vorstellen ..

Defekter Unterbrechungsschalter

Ein Unterbrecher öffnete sich nicht so, wie er sollte, deshalb überhitzte sich das Gehäuse. Der Ausfall des Schutzschalters führte zu einer Explosion eines Luft-Öl-Gemischs.  Durch diesen Vorfall wurde wieder einmal klar, dass mit unerwarteten Interaktionen auf  der Systemebene zu rechnen ist.

Das Versagen eines einzelnen Schutzschalters ist natürlich im Design der Anlage einkalkuliert. Doch die Möglichkeit, dass der Unterbrecher auf diese Weise defekt werden könnte, wurde vorher gar nicht in Betracht gezogen.

Wie lange waren Sie Sicherheitsbeauftragter im AKW?

Fazit des IAEA-Berichts zu diesem Punkt:

“Eine solche Explosion stellt eine Herausforderung für das Brandschutzsystem jedes Kraftwerks dar. Die Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb zeigen, wie wichtig es ist, unerwartete Phänomene zu evaluieren, um die Sicherheitsrisiken für ein Kraftwerk abschätzen zu können.

Das Wort “unerwartet” im Zusammenhang mit “sicheren” Atomkraftwerken, lässt aufhorchen und verdeutlicht, dass hier bei weitem nicht “alles unter Kontrolle” ist.

Damit wir beurteilen können, worum es bei  “Ermüdung” und “Materialversagen” eigentlich geht, machen wir einen kurzen Ausflug in die Materialkunde und konzentrieren uns dabei auf Metalle (die natürlich in AKWs eine große Rolle spielen):

Dank der modernen Metallurgie können heute z.B. Stähle hergestellt werden, die höchsten Ansprüchen gerecht werden. Je nach Einsatzgebiet werden sie so produziert, dass die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften spezifische Anforderungen erfüllen, wie z.B. die Zugfestigkeit, die Streckgrenze, etc. Doch es gibt natürlich Faktoren in der Umgebung, die das Material einem ständigen Stress aussetzen. Dazu gehören z.B. hohe Temperaturen und  wechselnde, mechanische Beanspruchung. Wenn z.B. ein Material bei gleich bleibender Beanspruchung nach 1.000 Betriebsstunden ausgetauscht werden muss, kann es sein, dass bei wechselnder Beanspruchung dies schon viel früher notwendig ist. Man kann also (mehr oder weniger genau) berechnen, nach wie vielen Stress-Zyklen das Material so ermüdet ist, dass es ausgetauscht werden muss.

Dieser “Fatigue Stress” (Dauerbeanspruchung oder Ermüdungsbelastung)  ist insoweit sehr gefährlich, weil das endgültige Materialversagen oft lange nicht erkennbar ist und dann plötzlich, quasi ohne Warnung, auftritt. Zuerst entstehen winzige Risse, die dann ihrerseits als Stressverstärker wirken (wie auch z.B. Schweißnähte, Lötstellen, etc.), bis es schließlich zum Bruch kommt. Eine korrosive Umgebung – wie sie eben in Atomkraftwerken durch die radioaktive Strahlung vorhanden ist – fördert die Entstehung und Ausdehnung dieser Ermüdungsrisse.

Je höher die Temperatur (Nähe zum Schmelzpunkt des jeweiligen Metalls) und je länger die mechanischen Belastungen dauern desto größer ist der so genannte “creep stress” (die Zeitdehnspannung): das Kriechverhalten ändert sich, durch diese Kriechdehnung verringert sich die Lebensdauer und die Wahrscheinlichkeit eines “Störfalls” erhöht sich.

Natürlich können diese beiden Effekte auch in Kombination auftreten, und dann wird es wirklich kompliziert, denn die genauen Mechanismen dieser Synergien versteht man nicht. Tatsache ist aber, dass die Strahlungseffekte die Kristallstruktur der Metalle verändern. Es entstehen so genannte Gitterfehler: es bilden sich Hohlräume, Blasen, “Schwellungen”,  es kommt zu Abscheidungen, etc. und die Mikro- bzw. Nanostruktur des Materials verändert sich so, dass Berechnungen über das Stressverhalten (ohne radioaktive Umgebung) nicht länger verlässliche Aussagen über die effektive Lebensdauer ermöglichen (also wie lange das Material tatsächlich noch seine Funktion erfüllen kann)

Dieser “Radiation Creep” entsteht z.B. durch die Bildung von Transmutationsgasen wie z.B. Helium, die die Brüchigkeit des Materials erhöhen, und damit den Verlust der Zähigkeit bei niedrigen Temperaturen (unter 350 Grad C) bewirken.

Die Veränderungen der mechanischen Eigenschaften und der dimensionalen Stabilität von Reaktorkomponenten, als Folgen der Strahlenbelastung  sind natürlich ein großes Problem für die Sicherheit.

Es besteht eine sehr komplexe Wechselwirkung zwischen diesen Mikrostrukturen und den physikalischen Eigenschaften. Hohe Strahlenbelastung im Reaktorkern führt zu Veränderungen in Stahllegierungen, die sich in extensiver Verhärtung, einer Reduktion der Dehnvermögens und einer erhöhten Anfälligkeit für IASCC (durch radioaktive Strahlung induzierte  Stress-Korrosions-Brüche) bemerkbar machen.

Komponenten aus rostfreiem Stahl können so bei Strahlendosen, die weniger als 10% der erwarteten “Ende-der-Lebenszeit-Dosis” ausmachen, anfällig für Brüche werden, und die Wahrscheinlichkeit des Materialversagens wird  mit zunehmender Betriebsdauer immer größer.

Ein fundiertes und genaues Verständnis der Mechanismen, die diese Veränderungsprozesse der Mikro – und Nanostruktur steuern, fehlt bis heute. Aber man tut weiter so, als hätte man alles im Griff …

Die Strahlung bewirkt auch die so genannte RIS (radiation induced segregation), also die Aussonderung chemischer Elemente in Stahllegierungen, was natürlich die chemische Zusammensetzung an sich (und damit die Belastbarkeit) verändert. Während dieser Effekt für die Hauptelemente wie Eisen, Chrom und Nickel einigermaßen erklärbar ist und es dafür realistische “Modelle” gibt, wird das Verhalten der  sekundären Elemente (die  vermutlich als Zwischengitteratome wirken) kaum verstanden.

Schon wieder müssen wir erkennen, dass hier die Zauberlehrlinge am Werk sind, denn immer wieder trifft man auf die  Formulierung: dieser  komplexe Prozess wird eigentlich nicht verstanden, man müsste noch viel mehr (teure) Grundlagenforschung betreiben, aber trotzdem wird die Atomenergie als “sicher, umweltfreundlich und zukunftsfähig” propagiert. Trotzdem sollen die Laufzeiten verlängert werden, nur damit die Profite der Energiekonzerne nicht abnehmen?

Wer kann für diesen Irrsinn die Verantwortung übernehmen? Es gibt kein Material auf der Erde, dass dauerhaft solchen Belastungen standhält, schon gar nicht über tausende Jahre, die für ein “Endlager” ins Auge gefasst werden müssen. Das “lineare Denken” führt hier in gefährliche Abgründe, denn wenn ein Modell z.B. eine Lebensdauer von 30 Jahren für ein Material errechnet, dann können diese Werte nicht einfach immer weiter extrapoliert werden ….

Die Hybris der Atomlobby und ihrer politischen Lakaien, die aus dem geistigen Gefängnis des Wachstum-& Wettbewerbs-Dogmas nicht ausbrechen können,  ist unerträglich und die Art, wie über diese verhängnisvolle Energiepolitik entschieden wird, ist absolut unvereinbar mit demokratischen Grundsätzen. Die Mehrzahl der Bevölkerung lehnt die Atomenergie als Hochrisikotechnologie ab, wird aber ständig mit Desinformation gefüttert, damit die öffentliche Wahrnehmung des Problems “zugunsten der Unternehmensinteressen” (der Atomlobby, zu der auch der militärischer Einsatz  gehört)  gesteuert wird.

Konkret heißt das, man nutzt die Klimadebatte und die Schwachpunkte der bewusst jahrelang benachteiligten, alternativen Energiekonzepte  (für erneuerbare und dezentral verwaltete Energien), um für die “Renaissance” einer Technologie zu plädieren, die man nur als Showcase für grenzenlose Dummheit und blinde Arroganz der Macht bezeichnen kann.

Von allen Seiten wird der “Konsument” (Staatsbürger gibt es ja nicht mehr) mit der Weisheit beschallt, es gäbe einfach (noch) keine Alternative zur Nutzung der Atomenergie, man müsse die Verlängerung der Laufzeiten also in Kauf nehmen, denn obwohl man grundsätzlich ein Freund der erneuerbaren Energien sei, könnten diese frühestens in …zig Jahren genug Kapazitäten liefern, technisch ausgereift seien, etc.

Dass man schon vor dreißig Jahren über das CO2-Problem und das Ende des fossilen Energie diskutierte und demnach genug Zeit hatte, die erneuerbaren Energien großflächig auszubauen und somit auch weniger von ausländischen Mächten abhängig wäre, die die (auch geostrategisch wichtigen) Rohstoffe kontrollieren (wenn nötig auch durch militärische Gewalt, siehe Afghanistan und Irak), wird tunlichst nicht erwähnt.

Der Gipfel an Idiotie und Volksverdummung  ist wohl der  Begriff der “Übergangslösung” oder “Brückentechnologie“, der sich ja auch als medialer  Talking-Point eingeprägt hat. Jeder Cent, der jetzt noch in das alte System der Energieoligarchie gesteckt wird, fehlt den Zukunftstechnologien und zementiert weiter den unhaltbaren Status Quo.

Das Grundprodukt für die zivile Atomenergie ist das Element Uran. Uran hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Es handelt sich hier also um ein veritables Langzeitproblem (eigentlich für die Ewigkeit, nach menschlichen Dimensionen). In diesem Zusammenhang von einer “Übergangslösung” zu sprechen, ist absoluter Blödsinn und dient nur der Verschleierung der wahren Absichten und unlösbaren Probleme.

Jedes kg neuer radioaktiver Abfall, jede Freisetzung zusätzlicher Spaltprodukte bedeutet mehr Krankheit, mehr Leiden und oft das Todesurteil für  viele Menschen irgendwo auf der Welt.  Die Krebshäufigkeit nimmt weiter zu (siehe dazu alle Beiträge zum Thema Atom), besonders bei Kindern. (Foto: ein Leukämie-Opfer: der kleine Alexei wurde nur sechs Jahre alt)

Übrigens, die oben geschilderten Probleme verschärfen sich noch erheblich, wenn eine neue Generation von Reaktoren eingesetzt wird, die nicht nur auf Grundlast ausgerichtet sind, sondern nach Nutzlast (also der Output nach dem Bedarf geändert wird) betrieben werden.

Dieses so genannte “load following“  bewirkt natürlich einen dramatischen Anstieg der  thermo-mechanischen Stress-Zyklen (durch häufigeres  Hoch- und Runterfahren) und somit spielen die Materialeigenschaften eine noch größere Rolle. Sie müssen noch mehr aushalten … Das ganze soll aber natürlich “kostengünstig”  (Ethisches Handeln ist teuer ….) ablaufen …

Ironie am Rande: Die mathematische Gleichung, die man zur Berechnung der Materialermüdung (im niedrigen Belastungszyklus) bzw. zur Berechnung der “Lebensdauer”  verwendet heißt

COFFIN-MANSON Modell

coffin = engl. Wort für Sarg; Manson war ein irrer Sektenführer, der Morde angeordnet hat …

… Besser kann man den bedrohlichen  Kontext der Atomwirtschaft nicht in kürze wiedergeben ….

Halten wir also fest: wie lange ein Werkstoff bzw. eine Komponente in einem AKW tatsächlich “durchhält”, bevor ein Schaden eintritt, der unter Umständen das ganze System bedroht, und katastrophale Folgen haben kann, beruht letztlich nur auf Schätzungen und mathematischen Modellen, die nur bedingt der Realität entsprechen.

Da trifft es sich gut, dass Menschen kein Sensorium für Strahlenbelastung haben. Bei “niedrigen” Dosen merkt es keiner, wenn wieder einmal etwas “austritt” und selbst wenn (siehe z.B. in Frankreich, wenn radioaktives Kühlwasser unkontrolliert in Flüsse gelangt), heißt es immer: es besteht keine akute Gefahr für die Gesundheit. Das ist ja auch so nicht falsch, die Betonung liegt aber auf dem Wort “akut”. Denn die Gefahr ist natürlich langfristig zu sehen: selbst kleine Mengen über einen längeren Zeitraum stellen eine chronische, schleichende Belastung dar, die unter Umständen viel gefährlicher sein kann, als eine hohe  Dosis, die nur sehr kurz wirkt (z.B. Röntgen). (Siehe dazu meine anderen Beiträge zum Thema Atom)

Von Sicherheit und wissenschaftlicher Beweisführung ist man  bei der Abschätzung der Lebensdauer jedenfalls  weit entfernt, denn die Zusammenhänge sind sehr komplex und ihre Erforschung teuer und langwierig.

Sicher ist jedoch, dass gegen Ende des prognostizierten Lebenszyklus (also für jene Kraftwerke, die bald  abgeschaltet werden müssten) das Risiko eines Versagens (mit verheerenden Folgen) immer größer wird.

Doch der “Markt” hat keine Zeit für solche Überlegungen, er fordert, dass abgeschriebene AKWs nach der Logik des Profits behandelt werden, nicht nach der Logik der Vernunft oder  im  Sinne einer ethischen Verantwortung für Millionen Menschen und andere Lebewesen, die diesen Planet mit uns teilen.

Bei einem “Spezialisten-Workshop” zu diesem Thema wurden folgende Schlüsse gezogen:

  • Es besteht ein Bedarf für mehr  Sicherheitstests, detaillierte Analysen und Kontrollen der Aufsichtsbehörden [die bald auch privatisiert sind?].
  • Die Betriebsbedingungen werden angesichts des hohen  Alters immer schwieriger.
  • das Verhalten des Brennstoffs unter diesen erschwerten Bedingungen kann nicht mehr mit Sicherheit vorhergesagt werden

  • Unerwünschte Effekte sind z.B. exzessive Bildung von Korrosionsprodukten, Verformung von Komponenten und Interferenz der Steuerelemente  (diese Stangen bestehen aus chemischen Elementen, die in der Lage sind, Neutronen aufzunehmen, ohne selbst gespalten zu werden. Sie werden in Kernreaktoren verwendet, um die Kettenreaktion (der Spaltung von Uran) zu  kontrollieren

  • Langfristige Korrekturmaßnahmen sind nicht definiert

Na dann ist ja alles klar, oder?

Fazit von Greenpeace:

“Jeder Kabelbrand, jedes geplatzte Rohr kann aus einem Atomkraftwerk innerhalb von Minuten eine Bombe machen. Je komplexer das System, desto anfälliger ist es für Störungen. Überdies steigt mit zunehmender Betriebsdauer das Unfallrisiko. Das Restrisiko existiert weltweit in jeder einzelnen Atomanlage. Trotz des angeblich so hohen Sicherheitsstandards ist es in allen Ländern, die auf die Atomenergie zur Stromerzeugung setzen, wiederholt zu Störfällen gekommen.”

Mehr Info und interessante Links:

Größter bekannt gewordener Störfall in Deutschland (2002)

Nach dem jüngsten und vermutlich bisher gravierendsten Störfall in der Bundesrepublik bleibt das Atomkraftwerk Brunsbüttel auf unbestimmte Zeit abgeschaltet…

Störfall Nummer 65 im tschechischen AKW Temelin (2004)

Wie erst am Montag bekannt wurde, ist im tschechischen Atomkraftwerk Temelin bereits Sonntag am frühen Morgen ein Leck im Primärkreislauf entdeckt worden.…

Rätselraten um Notstrom-Aggregat (2006)

Nicht einmal der Hersteller AEG weiß, warum die Notstrom-Aggregate im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark versagt haben …

Schwerer Störfall in einem europäischen Atomkraftwerk (2008)

Die EU-Kommission in Brüssel hat am Mittwoch europaweiten Alarm wegen eines Zwischenfalls im AKW Krsko ausgelöst …

Vattenfall nach AKW-Panne in Erklärungsnot (2009)

Nicht der Betreiber alarmierte die Atomaufsicht, sondern die Polizei:

Wohnen Sie vielleicht in der Nähe eines radioaktiven  “Zwischenlagers” ohne es zu wissen?

8,5 x 1019 Bequerel Strahlenbelastung? Eine Zahl mit 19 Nullen – Ist doch ein Klacks, oder?

Denken Sie daran, dass natürlich auch das Material der Behälter “ermüdet” und seine Schutzfunktion nur zeitlich begrenzt erfüllen kann ….

Der AKW-Gefährdungsatlas

THE BIG LIE No.1: Abschalten macht Strom teurer …

THE BIG LIE No. 2: Atomstrom ist billig

P.S. In Ergänzung zu meinem Beitrag über schweren Geburtsdefekte bei Kindern im Irak: EIN MUST-SEE VIDEO … auch das sind die Folgen der Atomwirtschaft (ohne AKWs  gäbe es auch keine Uranwaffen (DU-Waffen)



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Todesanzeige

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unsere liebe Mutter, Schwester, Tochter, Tante und Cousine, „Hope“  (Hoffnung auf bessere Politik) nach langem, schweren Leiden letztes Wochenende von uns gegangen ist.

Hope war seit Jahren eine schwer kranke Frau und lag seit 9. September 2001 längere Zeit im Wachkoma, doch die zahlreichen Angehörigen und Sympathisanten, die im politischen Verein „Sehnsucht nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Weitsicht und politischer Verantwortung“ engagiert sind, ließen nichts unversucht, um  sie wieder ins Leben zurückzurufen.

Doch alle Bemühungen wurden durch harte politische Rückschläge zunichte gemacht.

Seit jenem schicksalsschweren Tag im September 2001 wurde Hope massiv unter Druck gesetzt. Die massive Verblödung der Öffentlichkeit durch absurde Szenarien und Begründungen für diese „Attacke auf unsere Freiheit“, herausgegeben vom „Wahrheitsministerium“ in Washington und willfährig verstärkt durch die blökenden Medienschafe, hatten ihre ohnehin schon angeschlagene Gesundheit schwer geschädigt. Der Blutdruck stieg in gefährliche Höhen, Herzrhythmusstörungen setzten immer häufiger ein. Der Arzt verordnete Tranquilizer und Stimmungsaufheller, doch selbst die medikamentöse Ankurbelung des Serotoninspiegels im Gehirn konnte keine Besserung bewirken.

Die unter dem Deckmantel des „War on Terror“  weltweit durchgesetzten, schweren Eingriffe in die Menschen- und Bürgerrechte, der Anblick von „Big Brother on wheels“ (ehemaliger Innenminister Schäuble) als Verkörperung des vordergründig staatlichen Ringens nach mehr „Sicherheit“ – ganz zu schweigen von Darth Vader Klon Dick Cheney seinem Depputy (?#!) „Dschortsch Dubya“ Bush und „stuff happens“ Donald Rumsfeld -  versetzten Hope in einen Zustand, den die Medizin als „posttraumatisches Stresssyndrom“ bezeichnet.

Dank Glasnost, Perestroika, dem Mauerfall 1989 und dem Ende des kalten Krieges hatte sich Hope damals noch in sehr guter Verfassung befunden. Die Aussichten auf eine neue Sicht der Weltordnung, eine mögliche Form der echten Kooperation zur Lösung globaler Probleme schienen gut: Wer brauchte jetzt noch Atomwaffen? Das „Gleichgewicht des Schreckens“, dass Milliarden verschlang, war es nicht obsolet geworden? Die Sowjetunion war pleite, Gorbatschow hatte der Wiedervereinigung Deutschlands zugestimmt, den eisernen Vorhang über Osteuropa gelüftet und als Gegenleistung wurde ihm vom Westen zugesagt, dass die NATO nicht nach Osten, in „den russischen Hinterhof“ erweitert würde.

Doch die USA hatten nie vor, diese Versprechen zu halten. Im Gegenteil, ihre  geostrategischen Ziele, die ein gewisser Herr Brzesinski in seinem Buch „The Grand Chessboard“ für Eurasien formuliert hatte, wurden Schritt für Schritt umgesetzt. Die „bunten“ PR-Revolutionen in Ländern wie Georgien, der Ukraine, etc. der starke wirtschaftspolitische „Washington Consensus“ Einfluss in Osteuropa waren ein klares Signal, wohin die Reise geht. Unter dem Deckmantel der „Demokratieförderung“ wurden diese Länder vom vermeintlichen „Führer der freien Welt“ in die nächste  ideologische „Falle“  gelockt: der Albtraum der Marktherrschaft …(ein totalitäres Gedankenregime der autistischen Ökonomie, das scheinbar „Freiheit“ als oberstes Prinzip verfolgt, doch wessen Handlungsfreiheit hier verteidigt wird, erkennt man erst zu spät …)

Die irreführende Präsentation der völkerrechtswidrigen Aggression in Afghanistan als legitime Jagd nach dem Oberschurken Bin Laden bzw. später als Kampf gegen die Taliban (die auch gerne mit der phantomartigen „Al Kaeda“ gleichgesetzt werden), die ehemaligen „Freiheitskämpfer“ (so damals Präsident Reagan), versetzten Hope einen weiteren Schlag.  Die Taliban hatten die unglaubliche Frechheit besessen, ihre terroristische „Spezialausbildung“  zur Vertreibung der Russen jetzt gegen die ehemaligen US-Sponsoren zu richten, die ihre Landsleute im „Krieg gegen den Terror“ mit staatlichem Bombenterror beglückten. Die Geister, die ich rief …?

(Die ganze Geschichte ist nachzulesen in dem hervorragenden Buch „Ghost Wars“ von Pulitzerpreisträger Steve Coll), kritische  aktuelle Kommentare gibt es HIER.

Ein weiterer, schwerer Schlag für Hope war  auch die Situation im Nahen Osten:

Einen historischen Überblick  bietet dieses erschütternde VIDEO (Englisch)

"Palästina" das gestohlene Land

Die unglaubliche politische Farce, die uns seit Jahren unter dem Orwellschen Begriff „Friedensprozess“ vorgeführt wird, löste bei Hope schwere Depressionen aus. Obwohl völlig klar ist, wer hier seit mehr als 60 Jahren „monumentales Unrecht“ begangen hat, wird die Debatte in den Medien so dargestellt, als ob Täter und Opfer gleichwertige, legitime und akzeptable Argumente vorzubringen hätten.  Journalismus als eine Form des moralischen Autismus?

Der  legitime, gewalttätige Widerstand der Palästinenser gegen eine brutale Besatzung, gegen Vertreibung und schrittweise Annektierung des  verbliebenen Restes des eigenen Landes, gegen die fanatische Gewalt der  orthodoxen „Siedler“, gegen tägliche Menschenrechtsverletzungen und Demütigungen wurde im Kontext des „War on Terror“ natürlich umgemünzt zu einem Kampf zwischen Gut und Böse: „westliche Zivilisation“ („verkörpert“ durch Israel) gegen den rückständigen, unbelehrbaren Islam („verkörpert“ durch Hamas).

Dass Hamas durch demokratische Wahlen (die einzigen im Nahen Osten!) an die politische Macht kam und sogleich eine Einheitsregierung („unity government“) angestrebt hat , wurde  dem historischen Mülleimer zugeführt, stattdessen hieß es immer „Hamas, die im Juni 2007 im Gazastreifen die Macht an sich riss“. [Was sich hier wirklich abspielte? Siehe dazu meine früheren Beiträge zum Thema Israel - Divide et impera in action - und die hervorragend recherchierte Background-Story THE GAZA BOMBSHELL]

Das eiskalte Kalkül der israelischen Regierung, den Gazastreifen in eine Art Freiluftgefängnis bzw. ein von Israel kontrolliertes Riesen-Ghetto zu verwandeln, hat Hope schwer zu schaffen gemacht. Erste Kreislaufzusammenbrüche waren die Folge.  Die mediale Darstellung dieser Unmenschlichkeit ersten Ranges als „großzügige Geste“ Israels, das „den Gazastreifen zurückgegeben hat“,  hat dann zum ersten Herzinfarkt geführt. Der unkritische Papageienjournalismus, der hierzulande ungestraft praktiziert wird, machte es möglich, dass die israelische PR die Wahrnehmung der Öffentlichkeit weitgehend steuern konnte.  Es kamen immer die gleichen Leute zu Wort, die immer die gleichen „Talking Points“ vorbrachten, so lange, bis man sie für wahr hält.  Propaganda durch Totschweigen, durch Weglassen (der wahren Umstände), durch „information dominance“ der Fiktion ist eben sehr effektiv.

Das IDF-Massaker an 1.400 Menschen vor einem Jahr – exakt geplant – bis zur Amtseinführung Präsident Obamas am 20. Jänner 2009, das unter dem Namen „Operation Gegossenes Blei“ als „Krieg“ (Suggestion eines ebenbürtigen militärischen Gegners) gegen Gaza verkauft wurde, führte dazu, dass Hope in die Intensivstation gebracht werden musste.  Der Einsatz abscheulicher Waffen wie weißer Phosphor, DU und Uranmunition in einem extrem dicht besiedelten Ghetto, das zu 99% aus Zivilisten (davon die Mehrheit jünger als 15) besteht, die gezielte Bombardierung von UN-Lagerräumen, Schulen und anderen Gebäuden, die man nur als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnen kann, zeigte klar, mit welcher Arroganz und Brutalität ein Staat vorgehen kann, der nichts zu befürchten hat, weil er außerhalb des Rechts steht. Weil er Dank des ständig geschürten „Gedenkens“ an den Holocaust (dessen politischen Missbrauch),  als ewiges Opfer auftreten kann und, egal, welche Verbrechen er begeht, immer auf die schützende Hand – oder sollte man nicht sagen Faust? – Washingtons zählen kann.

Die besten Worte zu dieser unheilvollen, politischen Symbiose zweier Schurkenstaaten, die sich als Verkörperung des Guten und Edlen selbst betrügen und parodieren,  während sie morden und Intrigen schmieden, findet man bei Harold Pinter, der in seiner Dankesrede zum Literaturnobelpreis (2005) über das Totschweigen der zahlreichen, skrupellosen politischen Verbrechen der USA (im Rahmen der  imperialen  „Außenpolitik“) sagte:

Es ist nie passiert. Nichts ist jemals passiert. Sogar als es passierte, passierte es nicht. Es spielte keine Rolle. Es interessierte niemand. Die Verbrechen [...] waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig, aber nur sehr wenige Menschen haben wirklich darüber gesprochen.

Das gleiche gilt natürlich für Israel. Das Erscheinen (und  umgehende Versenken) des „Goldstone-Reportes“ vor wenigen Wochen war ein weiteres Signal dafür, dass die Gerechtigkeit auf der Welt keine Chance hat, wenn die Medien von Idioten, Lobbyisten und Lohnschreibern besetzt sind, wenn die Presseagenturen zionistische PR verteilen und niemand sich darüber aufregt (jedenfalls nicht bei uns).

Die so genannten politischen Führer der EU, vor allem Deutschlands, lassen sich seit Jahren von Israel an der Hundeleine führen. Sie wissen schon, eine von denen, die man durch Betätigen eines Hebels, automatisch verkürzen kann … Dieser Hebel ist hier natürlich ein semantischer und heißt „Holocaust“.  Die Gaskammern von Auschwitz wurden nicht von Palästinensern betrieben, auch Herr Hitler kam nicht aus Ramallah und dennoch hat man sich damit abgefunden, dass dieses Volk für die Verbrechen des Dritten Reiches bzw. des britischen Empires büßen muss.

Herr Westerwelle, die Karikatur eines Diplomaten, fuhr also schön brav nach Yad Vashem und machte dort seine Verbeugung, business as usual. Diese Form des „Conditioning“ muss jeder deutsche Politiker durchlaufen, damit sein Auftritt in Israel  immer nur im Kontext der  „ewigen Verantwortung“ Deutschlands für Israel gesehen wird. Westerwelle wiederholte zum 100sten Mal die abgedroschene Phrase, dass „Israel das Recht habe, in sicheren Grenzen zu leben“ aber „ auch die Palästinenser hätten Anspruch auf einen eigenen Staat“.

Dass die Grenzen Israels bis heute nicht endgültig festgelegt wurden, ist an sich ein Witz, dass man seit Jahren das Westjordanland zu einem Puzzle aus voneinander getrennten Bantustans zerlegt hat, das von „araberreinen“ Straßen und Siedlungen durchzogen, und durch den Bau der illegalen Mauer weiteres Land annektiert wurde, braucht ja einen Außenminister nicht weiter zu interessieren. Dass es ohne Gerechtigkeit weder Frieden, noch Sicherheit geben kann, sondern nur brutale Unterdrückung und totale Ausgrenzung, dass der „jüdische Staat“ eine Form systemischer, rassistischer Diskriminierung ist und deshalb mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar,  stört Herrn Westerwelle auch nicht. Die „Freiheitsliebe“ der Liberalen ist eben nur selektiv anzuwenden … [siehe dazu Beiträge unter Stichwort Zionismus)

Dass der angesehen Richter Richard Goldstone, obwohl er selbst Jude ist und dem Zionismus wohlwollend gegenüber steht, von Israel wie ein Scharlatan und übler Betrüger behandelt wird, der aus unerfindlichen Gründen, (ebenso wie der UN insgesamt unterstellt wird,) nur das Ziel verfolge, Israel zu schaden und die Unwahrheit zu verbreiten, war ein weiterer dramatischer Höhepunkt in diesem Theaterstück des Absurden. Zu befürchten ist nur, dass der „Palästinenserstaat“ (der kein lebensfähiges Land mehr zur Verfügung hat) das gleiche Schicksal erleidet, wie jene, die auf „Godot“ warten.

Bald ist es genau ein Jahr her, dass die letzten Bomben auf den Gazastreifen gefallen sind. Die rechtswidrige Blockade Israels geht weiter, die „humanitäre Situation“ ist weiterhin katastrophal, das Leben in Gaza ist nur mehr ein Existieren zwischen zerstörten Häusern,  kontaminierten Feldern, traumatisierten Kindern und einer grenzenlosen Hoffnungslosigkeit. Warum hilft uns niemand? Warum lässt die „Weltgemeinschaft“ zu, dass wir so leiden müssen? Warum haben wir kein Recht, in Frieden und in Würde zu leben? Warum ist unser Leben weniger wert, als das eines Israeli oder Deutschen?   Warum interessieren sich die internationalen Medien nur für uns, wenn es wieder Tote gibt? Warum kann Israel die Blockade (ein kriegerischer Akt nach dem Völkerrecht) ungestraft weiter führen?

Einen kurzen Einblick in das trostlose Leben in Gaza gibt es in diesem

VIDEO

(Mehr von Richard Falk finden Sie hier)

Was kann man darauf antworten?  Wie kann man die Scham bewältigen?

Die Scheinheiligkeit der EU bei der Weiterverfolgung des Goldstone Reportes im Rahmen der UN ist eine Schande für die angebliche „Wertegemeinschaft“. Ebenso die Tatsache, dass Israel als bevorzugter Handelspartner behandelt wird und Deutschland auch noch mit Steuergeldern subventionierte U-Boote liefert.

Hope begann zu halluzinieren. Sie sagte immer wieder, sie befände sich in einem Irrenhaus, in dem das Krankhafte als normal präsentiert werde, und politische Verbrechen als akzeptabel (es käme eben nur darauf an, WER der Verbrecher sei …. Manche "Auserwählten" mordeten doch „für den guten Zweck“, oder nicht?

Man versuchte, ihr klarzumachen, dass die Vernunft es manchmal sehr schwer in der Politik hätte und dass es trotz allem doch Bemühungen gäbe, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen …

Und dann kam die „Bankenkrise“ ….

Dazu ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden, deshalb hier nur ein Hinweis auf ein Video, das in Kürze die wesentlichen Punkte erklärt … (hier handelt es sich nicht um „Fehler“, die jemand gemacht hat, sondern um organisierte Kriminalität:  Unmoralische Handlungen, [modernes „Investmentbanking“ ist mehr oder weniger eine Form des bandenmäßigen Betrugs] die  eben nur deshalb nicht illegal sind, weil man vorher alle Gesetze abgeschafft bzw. verhindert hat, die sie mit strafrechtlichen Konsequenzen belegt hätten …

Das wirtschafts- und monetärpolitische Analphabetentum der Bevölkerung (wozu auch weite Teile der Journalisten zählen) hat sich als stärkste Waffe für die Finanzoligarchie erwiesen: Ignorance is Strength after all!

Als letzter Sargnagel für Hope  erwies sich die mediale und politische  Auseinandersetzung mit dem  „Klimawandel“ (der ja eigentlich nur Symptom für die zugrunde liegende Geisteskrankheit ist, die man „Wirtschaftswissenschaften“ nennt)

[Siehe dazu auch meine vorherigen Beiträge zum Thema Wirtschaft bzw. "Klimawandel" insbesondere die Hinweise zu Herbert Gruhl und Frederic Vester]

Ein sehr aufschlußreiches Interview mit dem von mir zitierten NASA Wissenschaftler James Hansen gibt es

HIER

Hier nur ein kleiner Auszug: (Auf die Frage, warum er nicht nach Kopenhagen gereist sei, antwortete  Herr Dr. Hansen:

Sie verhandelten dort über ein “Cap & Trade” System mit “Offsets” [- meistens fälschlich als "Neutralisierung" übersetzt], was analog zum Kyoto Protokoll ist, das ein Disaster war. Vor Kyoto stiegendie globalen Co2-Emissionen um 1,5% jährlich, danach sind sie um 3% jährlich gestiegen. Dieser Ansatz funktioniert auf keinen Fall.”

[...] so lange fossile Brennstoffe die billigste Form der Energie sind, werden sie irgendwo verbrannt werden. Die Europäer dachten, sie hätten tatsächlich ihre Emissionen nach Kyoto reduziert, aber was wirklich passierte war, dass ihre Produkte einfach woanders [außerhalb der EU] produziert wurden und zwar in Ländern, in denen die fossilen Brennstoffe am billigsten sind [wie China], also sind die Gesamtemissionen in Wahrheit gestiegen.”

Unsere politische Führungsmannschaft kann das Problem nicht lösen, da sie selbst Teil des Problems sind …

Wie Frederic Vester schon vor 30 Jahren richtig erkannte, ist dazu ein “Neuland des Denkens” erforderlich, die Fähigkeit  “systemisch” zu denken, die Welt nicht länger in Schubladen mit Ressorts und Zuständigkeiten zu zerlegen, die sich immer weiter spezialisieren (und immer weniger miteinander kommunizieren können), sondern die unglaubliche Vernetzung aller Prozesse auf diesem Planeten zu erkennen.

Deutschland hat wunderbare visionäre Denker  wie Vester, Gruhl, Erich Fromm, u.a. hevorgebracht, doch was hat es genutzt?

Wenn ich die traurige Gestalt von Herrn Röttgen vor mir sehe, (den laut einer Spiegel Umfrage, mehr als 40% der Befragten gar nicht kennen!), dessen geistiger Horizont sich im Thema “Wirtschaftswachstum” erschöpft, verstehe ich, warum Hope jetzt endgültig das Handtuch geworfen hat ….

Röttgen hat zwar noch immer nicht verstanden, dass dieses “Wachstum” das eigentliche Problem ist, aber er arbeitet bereits an der Quadratur des Kreises: Wachstum ohne steigenden Energieverbrauch! Wachstum ohne steigenden Ressourcenverbrauch! Wachstum ohne Zerstörung der Lebensgrundlagen, usw. Wachstum, Wachstum, Wachstum!

Vielleicht könnte man eine neue Krebsart nach ihm benennen? “Morbus Röttgen” klingt doch beeindruckend, oder? Immerhin verlängert der Mann die Laufzeiten lebensbedrohlicher, maroder Atomkraftwerke [siehe dazu meine letzten Beiträge zum Thema Klimawandel), die übrigens AUCH ZUM KLIMAWANDEL beitragen (s. pdf-Seite 10) und wird sicherlich auch den Schwachsinn von “Clean Coal” befürworten (obwohl die Umweltschäden ja nicht nur bei der Verbrennung, sondern auch beim Abbau der Kohle entstehen).

Das CDU “Führungspersonal” bzw. seine angebliche “Wirtschaftskompetenz” erinnerte Hope immer an die Ingenieure der Titanic, der fast bis zum bitteren Ende behauptet hatten, das Schiff  sei unsinkbar…

So sehen die “Titanics” des dritten Jahrtausends aus, die dann auch noch als “Innovation” und “Arbeitsplatzbeschaffer” gefeiert werden. Umweltverträglichkeitsprüfung? Wer braucht die? War doch nur eine “Umwidmung”?

Gigantischer Energieverbrauch für hirnloses Vergnügen am künstlichen Palmenstrand, die Umweltschäden muss der “Investor” ja nicht bezahlen, da kommt das Land Brandenburg mit Millionen zu Hilfe …

Gegen die organisierte Idiotie kommt man mit Vernunft nicht an …

In diesem Sinne bitten wir, von Kranzspenden Abstand zu nehmen.( Hope liegt auf dem ehemaligen  Hugenottenfriedhof in Berlin-Wedding…)

Da bleibt einem nur noch der bittere Humor:

Seitdem ich die Hoffnung aufgegeben habe, geht es mir viel besser.

Woody Allen




Das Böse des Banalen: Klimaverschwörung und Medien

Es überrascht nicht, dass sich ein Großteil der Presse wieder einmal als „Multiplikator“ für einen bewusst erzeugten Medienskandal hergibt und  davon spricht, dass „die Schlacht zwischen Befürwortern und Gegnern der Ansicht, dass der Mensch für globale Erwärmung verantwortlich ist, neu entfacht“. Das ganze könnte auch unter der Überschrift „Context is everything kommentiert werden.

Es geht hier um den “Skandal”, dass Hacker in einen Server einer englischen Universität eingedrungen sind und e-mails von Klimaforschern veröffentlicht haben, die dann als “Beweis” für Manipulationen dienen sollen. Man will uns also weismachen, es handle sich bei der ganzen Klimadebatte um eine bewußt herbeigeführte Hysterie.

Meistens  sind die wenigen Zeilen über die gehackten Mails im Reportageteil äußerst dürftig, es gibt aber auch Ausnahmen, wie etwa die Süddeutsche, die offenbar „geschnallt“ hat, was hier gespielt wird.

Dass die Wissenschaft nicht sakrosankt ist, und es dort beinharte Konkurrenzkämpfe und menschliche Eitelkeiten gibt, die streng seriöse Forschung gefährden, ist ja nicht neu. Durch die zunehmende Ökonomisierung der Wissenschaft, die mit der Kürzung öffentlicher Haushalte und der neoliberalen Ideologie einhergeht, ist natürlich die Gefahr der Korruption noch größer geworden. „Science for Sale war ja nicht umsonst schon der Titel von Symposia, die sich die Frage stellen, wohin geht die Wissenschaft? Wer bestimmt, was und wozu geforscht wird? (z.B. Wer will, braucht Nanotechnologie in Konsumartikeln und wer weiß über die Risiken Bescheid?)

Im Februar 2007 machte das CRU Schlagzeilen, weil man seinen Wissenschaftlern jeweils 10.000 Pfund angeboten hatte, damit sie den kurz vor der Veröffentlichung stehenden, umfassenden Klimabericht der UN diskreditieren, der die Profiteure der fossilen Energienutzung weiter unter Druck brachte. Nach Berichten des britischen Guardian kam dieses Geld vom AEI, das aber nur als „front group für die Ölkonzerne fungierte, eine PR-Praxis, die die großen Tabakkonzerne schon vor Jahren etabliert haben. Das Geld war als „incentive“ für die Veröffentlichung von Artikeln gedacht war, die das IPCC in Verruf bringen, also seine Glaubwürdigkeit und wissenschaftliche Kompetenz unterminieren sollte.

Generating controversy war auch eines der zentralen Strategien der Tabaklobby, der es gelang, mehr als drei Jahrzehnte lang, die öffentliche Meinung zu manipulieren, indem man mit allen Mitteln eine wissenschaftliche Kontroverse schürte, die es in Wahrheit nie gab: nämlich, die Zweifel an der in wissenschaftlichen Studien festgestellte Schädlichkeit des Rauchens für die menschliche Gesundheit und später auch im Kontext des Passivrauchens. Diese erfolgreiche Strategie inkludierte auch das Abhalten wissenschaftlicher Symposien („Junk science“, die den Namen wirklich verdiente, wie etwa in Wien in den 1980er Jahren), deren Ergebnisse schon von Anfang an feststanden, weil die wissenschaftlichen Leiter auf der Lohnliste von Philip Morris u.a. standen, wie gerichtliche Monsterprozesse in den USA später aufdeckten. Gleichzeitig wurden Kampagnen über „sound science betrieben …

Die „Third Party Technik ist dabei immens wichtig, weil die Lobby selber natürlich keinerlei Glaubwürdigkeit hat, deshalb müssen andere gesellschaftliche Gruppen und scheinbar unabhängige Organisationen, (z.B. Think Tanks) aber vor allem Wissenschaftler in den Medien erscheinen, die die Interessen der Lobby transportieren, die aber medial nie in Erscheinung tritt. Unter dem seriös klingenden Namen eines  „Institutes“ oder einer  „Stiftung“ wird hier der Öffentlichkeit vorgegaukelt, es handle sich um Gruppen, die nur am Fortkommen der Gesellschaft interessiert, und deren „Experten“ nur wissenschaftlichen Prinzipien verpflichtet seien, während sie in Wahrheit ideologisch fragwürdige, wirtschaftliche Dogmen gekoppelt an Profitinteressen repräsentieren (bei uns ist hier wohl an erster Stelle die Bertelsmann-Stiftung zu nennen, die eigentlich der wirkliche Autor von “Hartz IV” und anderen Stigmatisierungen von Armut und Arbeitslosigkeit ist …).

Dr. David Viner, der Leiter des CRU an der Universität von East Anglia, sagte damals:

“Das IPCC Verfahren ist wahrscheinlich die gründlichste und öffentlichste Bewertung, die jemals in einer [wissenschaftlichen] Disziplin unternommen wurde.  Diese Aktion unterminiert das Vertrauen der Öffentlichkeit in die wissenschaftliche Community und die Fähigkeit der Regierungen, soliden wissenschaftlichen Rat anzunehmen.“

Das Ziel dieser PR-Strategie ist einerseits die Polarisierung der Debatte durch die o.a. Methoden, andererseits die Verstärkung von menschlichen Schwächen, die ohnehin schon vorhanden sind. War es nicht Aldous Huxley, der bemerkte:

„Das erstaunlichste am Menschen ist nicht sein Verstand, sondern seine Neigung, Fakten zu ignorieren (oder in Frage zu stellen), deren Akzeptanz eine massive Verhaltensänderung nach sich ziehen müsste. Man müsste sich eingestehen, dass das eigene Verhalten [oder die Wirtschaftspolitik] dumm, kurzsichtig und langfristig destruktiv ist, das ist aber so unangenehm, eine solche Kränkung für das Ego, das man lieber die Fakten torpediert und weiter macht wie bisher .“

Wer profitiert von diesem Verhalten? Dass ausgerechnet jetzt, 2 Wochen vor dem Klimagipfel in Kopenhagen dieser „Skandal“ rund um das CRU ans Licht der Öffentlichkeit kommt, ist ein starkes Indiz dafür, dass hier Akteure am Werk sind, die im Verborgenen bleiben wollen, und dass es nicht um die Bewahrung ethischer Grundsätze in der Wissenschaft geht, sondern um die Verstärkung von Zweifeln (wie bei der Zigarettendebatte), die die drohenden Paradigmenwechsel in der Energie- und Wirtschaftspolitik verhindern (oder zumindest weiter verzögern) sollen.

Dass die großen PR-Firmen in den USA schon seit Jahren mit äußerst perfiden Methoden im Interesse ihrer corporate clients agieren (und die Medien davon wenig mitkriegen) ist schon schlimm genug. Doch man sinkt offenbar moralisch immer tiefer: das letzte ist „astroturfing“ und die mediale Projektion der eigenen Schandtaten (absolut keine moralische Authorität) auf den Gegner (eine Taktik, die z.B. Israel gegenüber der UN zuletzt erfolgreich praktiziert hat) – die wohl auch hier angewandt wurde.

Die Umstände, unter denen diese Korrespondenz gehackt und veröffentlicht wurde, sind wie gesagt, sehr seltsam und es liegt auf der Hand, dass hier ein „Skandal“ erzeugt wurde, der eigentlich keiner ist. Man darf auch nicht vergessen, wie aggressiv und – häufig unter der Gürtellinie – diese Wissenschaftler von der Energielobby attackiert wurden. Wenn die „Karotte“ nicht wirkt (siehe die erwähnte Guardian -Story aus 2007 ), dann muss wohl der PR- „Knüppel“ ran. Dass man in E-mails unter Kollegen einen (vielleicht zu) lockeren Ton anschlägt, dass man Zitate, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, völlig anders darstellen kann, ist auch nicht neu. Ebenso wenig die Tatsache, dass die Veröffentlichung von brisanten wissenschaftlichen Studien in peer-reviewed Journals ein Politikum geworden ist (siehe z.B. die Chapela Studie über die Kontamination von wildem Mais mit  transgener DNA  in Nature, die – einmalig in der Wissenschaftspublizistik –  vom Herausgeber zurückgezogen wurde) – doch darüber schreiben die Medien nichts, außer, wie im vorliegenden Fall, wenn sich die Forschung gegen bestehende Profitinteressen (hier der fossilen Energielobby) richtet.

Darum sollten sich unsere Medien einmal kümmern: Hat Ethik heute in der Wissenschaft noch Platz, wenn sich alles nur mehr ums Geld dreht oder um die Erhaltung des energie- (u. macht-) politischen Status Quo? (siehe Biotech-Research: schnelles Patent, statt solider Grundlagenforschung;  oder die absurde, völlig schwachsinnige Kernfusionsforschung, die in der Presse meistens völlig kritiklos dargestellt wird. Der Journalist als Lohnschreiber, der es sich nicht leisten kann, Dinge als gefährlichen Schwachsinn zu bezeichnen?

Bitte die Graphik anklicken!

Auch wenn sich herausstellt, dass diese E-mails authentisch sind, und einige Wissenschaftler dieses Institutes „faith-based science“ praktiziert haben, ändert das nichts daran, dass wir vor einer ökologischen Katastrophe stehen, die es in diesem Ausmaß nie vorher gab. Dabei geht es natürlich nicht „nur“ um Temperaturveränderungen, Änderung der Niederschlagsverteilung (von Dürren bis Hochwasser), steigende Meeresspiegel, etc. sondern um die andauernde Zerstörung von Ökosystemen, deren Leistungen für unser Überleben unverzichtbar sind. Dass sich die mediale Debatte nur um CO² dreht, zeigt bereits, wie kurzsichtig und unzulässig vereinfacht, das komplexe Thema angegangen wird, denn die Wachstumsideologie ist unhaltbar und bringt uns alle um (siehe Club of Rome Berichte, etc.).

Nur ein Autist, ein nicht lernfähiger Ignorant oder ein bezahlter Lobbyist bzw. „Tintenknecht“ zweifelt heute noch daran, dass die natürlichen Regelkreise, die das Klima beeinflussen und im größeren Kontext auch die Überlebensfähigkeit der Ökosysteme steuern, vom (ziemlich schwachsinnigen) industriellen Produktionskreis der Menschen überfordert werden und in nicht allzu langer Zeit kollabieren werden.

Dazu braucht es keine neuen Statistiken mehr, keine endlosen Debatten über „Hockeystick-„Kurven“ und Methodologie der Klimaforschung, nur offene Augen und Ohren.

Wer 15 Grad im November noch als normal ansieht, wer die Natur genau beobachtet, kapiert auch so, das hier etwas unheimliches im Gange ist, das mit statistisch normalen Schwankungen nicht mehr erklärt werden kann.

Doch die banale Rhetorik der Talking Points in den Medien lässt der Vernunft wenig Chancen: „Klimawandel oder „globale Erwärmungsind verharmlosende Euphemismen, die das Problem völlig irreführend darstellen. Natürlich ist es richtig, dass sich das Klima langfristig immer ändert, dass es immer wärmere und kältere Phasen gab, entscheidend ist jedoch der Zeitraum, in dem diese Änderungen stattfanden. Waren es früher 10.000ende Jahre, sind es heute Jahrzehnte, in diesem Tempo kann sich die Natur nicht an solche Änderungen anpassen. Dass sich ein Leitartikel damit befasst, um wie viel Grad die Durchschnittstemperatur oder um wie viel cm genau der Meeresspiegel steigen wird, zeigt, dass der Blick auf das Wesentliche völlig fehlt. Auch die Aussage, es sei noch „kein Land von steigenden Meeren überspielt worden“ zeigt eine erschreckende Ignoranz, nach dem Motto, wenn es heute, morgen oder nächste Woche nicht passiert, besteht wohl keine Gefahr oder anders gesagt, das klingt nach: „Erst wenn ich selbst gesehen habe, glaube ich es auch“. Muss ich einen Lungenkrebstoten sehen, damit ich an die Gefährlichkeit des Rauchens glaube? Nein, ich muss nur meinen Verstand einschalten (siehe Huxley).

Für uns sind ein halbes Grad, oder ein Grad ein Witz, für fein abgestimmte biologische Systeme aber nicht. In der Meeresbiologie können Veränderungen von nur einem halben Grad schon Störungen der Fortpflanzung bewirken. Dieses microtuning oder die kurzfristige Veränderung eines Mikroklimas an Land ist wahrscheinlich viel relevanter für die Gefährdung der Stabilität von Ökosystemen, als die ständige Beobachtung globaler Durchschnittstemperaturen. Das Problem dreht sich eben nicht nur um Klimawerte, sondern gleicht einem globalen Zerstörungskrieg (als „Wirtschaft“ bekannt, doch eher die Chrematistik, nicht die „Ökonomie“ der Griechen), der von den Wachstumsfanatikern natürlich nicht beachtet wird, im Gegenteil sie sind irgendwo in den 1980er Jahren stecken geblieben, wo man der aufkeimenden Umweltbewegung noch entgegenhielt: Man müsse doch das Geld erst erwirtschaften, mit dem man den „Umweltschutz“ finanzieren könne. Der „Washington Consensus“, als letztes Stadium des Kapitalismus,  bringt uns letztlich alle um, das ist das Problem.

Den besten und umfassendsten Kommentar dazu lieferte der CDU-Dissident Herbert Gruhl in seinem Buch „Ein Planet wird geplündert“, das man allen Journalisten eindringlich als Lektüre empfehlen müsste, bevor sie sich zum Thema „Klimawandel“ oder Umwelt- und Wirtschaftspolitik äußern …

Dass Herr Langenbach (wie viele andere) anscheinend auch das Opfer der „generating controversy“ Strategie geworden ist, überrascht auch nicht wirklich. Warum sonst würde er schreiben: „Entschieden ist es nicht?“ oder noch besser „die Natur hat viele Rückkopplungen“.

Stimmt, doch hier geht es um positive Rückkopplungen: (z.B. nach Abschmelzen des Polareises kommt es zu einer noch stärkeren Erwärmung, weil die dunklen Flächen mehr Wärme absorbieren und das freiwerdende Methan (vorher Permafrost) den Prozess weiter aufschaukelt). Die Puffersysteme, die eine negative Rückkopplung bewirken könnten,  (z.B. Aufnahme von CO2 durch Wälder und andere Senken) werden gleichzeitig zerstört (so schnell, dass Wiederaufforstung (wieder „Nutzwald“ statt natürliches Ökosystem) zu spät kommt und bei Urwäldern gar nicht möglich ist) und auch die Meere sind schon übersäuert.

Auch das Fazit zur Energiepolitik: „Wir haben die großen Alternativen noch nicht und werden sie so rasch auch nicht haben“ klingt nach Banalität und Resignation. Was haben denn die Medien dazu beigetragen, damit dieser dringend nötige Paradigmenwechsel stattfindet?

Die ersten Warnungen über den Wahnsinn des Wachstums stammen doch schon aus den 1970er Jahren! Erich Fromm (Haben und Sein), E.F. Schumacher (Small is Beautiful), die Berichte des Club of Rome oder des Wuppertal-Institutes, das feststellte, wenn alle den „westlichen Lebensstil“, also den Konsumwahn des Wirtschaftswachstums-Kultes (aus den USA) übernehmen (oder die bevölkerungsreichen Länder wie China), bräuchten wir 6 Planeten, um diese Ressourcen bereitzustellen!

Was unter diesem Aspekt vom “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” der deutschen Bundesregierung zu halten ist, ist wohl klar … Merkel, Westerwelle, “off-balance-sheet accountant” Schäuble und zu Guttenberg: das Horrorkabinett der neoliberalen Indoktrination geht unbeirrt seinen Weg der Zerstörung weiter, unterstützt von Journalisten, die nichts kapiert haben ….

Vielleicht sollte man statt dem „Economist“ (Wirtschaftsteil der Zeitungen) und den bescheuerten (weil manipulierten) Börsenkursen mal einen „Ecologist“ einführen, der den Leuten klarmacht, dass die herkömmliche Art der „Wirtschaft“  uns direkt in den Abgrund führt!

Aber das kann man wohl von unseren Journalisten nicht erwarten, stattdessen „business madness as usual” : Wachsdummswahn ohne Ende und das kriminelle “carbon-trading”, das nur der Bereicherung dient …

Quellen:

Scientists Offered Cash to Dispute Climate Study

Hans von Storch Website

Climate sceptics claim leaked e-mails are evidence of collusion

Greenfacts.org

Atomdebatte: Wir sind das Endlager

july21

Gestern gab es im deutsch-französischen Sender ARTE eine sehr interessante Reportage zum Thema  „Albtraum Atommüll“. Es ging aber auch darum, ob man generell den Versprechungen der Atomwirtschaft bzw. deren Befürworter trauen kann.

Nachdem die Akzeptanz der Atomenergie spätestens nach Tschernobyl ihren absoluten Tiefpunkt erreicht hatte, sah es für die Zukunft der  Atomlobby ziemlich düster aus. Doch der drohende „Klimawandel“ und die damit eingeleitete Dauerdebatte über die unverzichtbare Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes, brachte ungeahnte Möglichkeiten, die Wahrnehmung der Menschen zu beeinflussen, sodass das Märchen von der „sauberen Kernenergie“ wieder aufleben konnte (ungeachtet der Tatsache, dass auch durch die Atomwirtschaft CO2 produziert wird, siehe dazu meine beiden ersten Beiträge zum Thema „Atompolitik“ hier auf diesem Blog)

ARTE Themenabende laufen meistens nach dem gleichen Schema ab: zuerst gibt es eine spannende und gut recherchierte Reportage, aber dann folgt eine Debatte, die ziemlich langweilig ist, weil sie nichts Neues bringt. Zwar hat man inzwischen das Format geändert, sodass nunmehr auch Stimmen aus dem Volk zu Wort kommen, und auf dem Podium auch etwas lebhafter diskutiert wird, aber es ist keine effektive Moderation erkennbar, man hat das Gefühl, die Debatte driftet vor sich hin. (Auch der Internetauftritt von ARTE ist einzigartig: Nur deutsche und französische IP-Adressen dürfen die ARTE+7 Videos online ansehen – eine Zensur (des Publikums) ohne Gleichen, die die Grenzenlosigkeit des Internets ad absurdum führt…)

Der einzige Podiumsteilnehmer, der gestern etwas Schwung in den Diskurs brachte, war Herr Bütikofer als stv. Vorsitzender der Grünen Fraktion im Europaparlament . (Dass die Grünen in Deutschland auf Landtagsebene jetzt ihre Prinzipien in “Jamaika” verraten, ist ein weiterer Dolchstoß für eine neue Politik weg von Kohle, Atom und Oligarchen…)

Er griff mehrmals ein, als das scheinheilige Gewäsch der beiden Atommanager (EdF bzw. AREVA) unerträglich wurde. So antwortete man auf den Vorwurf, es werde hier (in der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague) eben nicht „recycelt“ (der Film zeigte, dass tausende Fässer Uran über 8.000 km nach Sibirien transportiert werden und nur 10% wieder zurückkommen; die restlichen Fässer sammeln sich  IM FREIEN an [man sieht sie mit Google Earth, weil es so viele sind!] ohne besonderen Schutzmaßnahmen…), sondern der – immer noch – schwach radioaktive Abfall ins Ausland verschoben, wovon offenbar nicht einmal die französische Umweltministerin informiert war…), es handle sich hier nicht um „Abfall“, sondern „radioaktive Stoffe“. Diese semantischen Raffinessen zeigen bereits, wie seriös diese Diskutanten sind, wenn es darum geht, transparent und wahrheitsgemäß über die Gefahren der Atomwirtschaft zu berichten.

Eine der Autorinnen des Beitrages war ebenfalls im Podium und fragte, warum denn nicht größere Mengen des Urans (aus den ausgemusterten Brennstäben) wieder verwendet werden und man stattdessen Russland diesen „kostbaren“ Rohstoff tonnenweise überlasse… Daraufhin hieß es, man müsse das wie ein „Sparschwein“ sehen, man wolle quasi diese Uranvorräte aufheben für später, wenn es mit dem Uran knapp werde… Auf diesem absurden Niveau ging es weiter, bis dann wieder Herr Bütikofer einwarf, man rede häufig von Kosten, aber kaum über Sicherheitsprobleme  und weiche nur aus, wenn kritische Fragen gestellt würden.

Schließlich antwortete der Manager von EdF, der Transport [über tausende km] sei doch standardisiert und diese „Regeln“ würden doch durch die IAEA vorgegeben und kontrolliert.  Alles paletti, also?

Weit gefehlt. Denn auch das marode „Endlager“ in den Salzstöcken (ASSE II) war von entsprechenden Gremien genehmigt worden und stellt jetzt das Bundesamt für Strahlenschutz vor schier unlösbare Probleme.

Eine grandiose Reportage zum Thema Atommüll und die systematische Täuschung der Öffentlichkeit zeigte der NDR Anfang September:  Christoph Lütgert aus der Panorama Redaktion hat  ein Stück investigativen Journalismus vom Feinsten produziert, auch deshalb, weil er klare Worte findet, die dem Ernst der Sache angemessen sind.  Lütgert besichtigt den „Laugensumpf“ in der Asse und ist entsetzt über das Ausmaß einer jahrzehntelangen Verantwortungslosigkeit, das hier offenbart wird.

(Link zum Video gibt es weiter unten)

Ein ehemaliger Arbeiter der Asse, der nach 9 Jahren an Leukämie erkrankte, bezeichnet die Lügen, die man den Arbeiter erzählt hatte, als „menschenverachtend“, denn man habe die Gefahren von Anfang an verharmlost, auch der Strahlenschutzbeauftragte. Wie immer wurden Ängste damit besänftigt, dass man den Leuten sagte, die radioaktive Strahlung „dort unten“ sei niedriger als die „natürliche“ Strahlung an der Oberfläche (gemeint ist z.B. Granit, Radon oder auch die Strahlung, die man bei längeren Flügen abbekommt – mehr zu den politisch motivierten „Grenzwerten“ später)

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hat mittlerweile angesichts der immer größer werdenden Probleme mit dem illusorischen „Endlager“ resigniert: In einem Interview mit Wolfram König wird Klartext gesprochen:

„Die Herausforderungen für ein Endlager wurden systematisch unterschätzt“ …. „mit einem sicheren Endlager hat das aber auch gar nichts zu tun“… die Anlage kann absaufen und das Grundwasser kontaminieren..“

Doch die Wahrheit ist noch bitterer: hier geht es nicht um „Versagen“ im Sinne eines Irrtums oder einer Fahrlässigkeit, sondern um ein System der Verharmlosung und Verschleierung, das mit demokratischen Grundsätzen unvereinbar ist:

Detlef Möller, ein Historiker, hat nach Durchforsten der Archive eine klare Erkenntnis über die Geschichte der Asse gewonnen:

Schon 1967 gab es ein Positionspapier des zuständigen Oberbergamtes, aus dem klar hervorgeht, dass auf längere Sicht mit einem Eindringen von Wasser gerechnet werden muss: man müsse davon ausgehen, „dass kein Raum der Grube trocken bleibt“. Außerdem wusste man auch schon damals, dass der Gebirgsdruck so stark ist, dass die Kammern, in denen die Fässer gelagert werden sollen, eingedrückt werden, also das ganze einstürzen könne und der Wassereintritt natürlich die korrosive Wirkung des Salzes voll zur Geltung bringt. Die dramatische Folge ist natürlich, dass die radioaktiven Abfälle gelöst werden und damit in absehbarer Zeit das Grundwasser für zigtausende Menschen radioaktiv verseuchen.

Möllers Urteil ist vernichtend und zeigt die moralische Verkommenheit der deutschen Politik, die sich als Diener der Industrie anbiedert, auch wenn sie enorme Gefahren für Gesundheit und Umwelt erzeugt:

„ Mit Sicherheit wurden diese Umstände bewusst verschwiegen. Hier handelt es sich um eine taktisch kalkulierte Inkaufnahme erheblicher Risiken …diese Vorgänge sind geeignet, das Vertrauen in staatliche Organe grundlegend zu erschüttern..“

Hätte man die Atomenergie nicht um jeden Preis forciert: Wie vielen Kindern hätte man die traumatische Diagnose und Behandlung einer Leukämie ersparen können? (Dass die Kinderkrebsraten steigen, ist an sich ein unglaublicher Skandal, aber man hat sich scheinbar damit abgefunden. Wie vielen Menschen andere Krebsarten, monatelanges Leid und in vielen Fällen den Tod?

Stellen sich unsere erbärmlichen Politiker diese Fragen, wenn sie von einer „Übergangslösung sprechen, die die Atomenergie doch sein müsse, bis die erneuerbaren Energien „so weit seien“, einen größeren Beitrag zur Energieversorgung zu leisten. (Bei tausenden Jahren Halbwertszeit ein unglaublicher Schwachsinn, der aber in den Medien so hingenommen wird…) Ganz zu schweigen davon, dass man seit Jahrzehnten die Atom- und Kohleindustrie mit etwa 5 x soviel Subventionen unterstützt, als die dezentralen, erneuerbaren Energien, damit ihre Marktposition so klein wie möglich bleibt.. also eine  „self-fulfilling prophecy“ generiert wird…

Der Panorama-Reporter will wissen, „wie hoch hinauf“ die eklatante Verantwortungslosigkeit und Verlogenheit eigentlich geht und macht damit dem Beruf des Journalisten alle Ehre. Ohne Kontrolle der Macht durch die Medien sind wir verloren…

Der damals zuständige Forschungsminister Matthöfer will nichts von den Gefahren des Salzstocks gewusst haben, die „Experten“ hätten ihn falsch beraten.  Wird ein Minister dafür bezahlt, dass er ahnungslos ist? Insbesondere bei einem Thema, wo es – im wahrsten Sinn des Wortes – um Leben und Tod geht?

Moment Mal, wir haben doch Frau Merkel, eine promovierte Atomphysikerin, die müsste doch wissen, was Sache ist, die Frau gehört doch einer „christlichen“ Werten verpflichteten Partei an, die müsste doch entsprechend verantwortlich handeln?

Doch Herr Lütgert zeigt in wenigen Minuten, dass diese Frau auch eine moralische Autistin ist, wenn es um die Atomindustrie geht. Das „Endlager“ Morsleben,  das noch zu DDR- Zeiten eingerichtet wurde, ist eine weitere ökologische Zeitbombe: auch hier ein Salzbergwerk, auch hier Einsturzgefahr und Kontaminierung mit radioaktiver Lauge; Hier wurden nach der Wende – unter Merkel als Umweltministerin – zigtausende Kubikmeter radioaktiver Müll aus dem Westen eingelagert, bis zum Jahr 1998. „Merkel im O-Ton.“ Ich halte dieses Lager für sicher“ (N.B. hier wird eine Meinung geäußert, Warnungen gab es genug, aber Merkel ignorierte sie) Heute ist klar, dass die Sanierungskosten (soferne die überhaupt möglich ist) auf etwa 2 MILLIARDEN geschätzt werden, was natürlich der Steuerzahler übernehmen darf –nicht die Atomindustrie, die das Problem erschaffen hat.

Wer bei der letzten Wahl das Schreckensduo Merkel-Westerwelle gewählt hat, muss seinen Kindern erklären, wie man ohne Schamgefühl diese „Kernkraft“- Promoter an die Macht bringen kann (bzw. hält) … sie sind wahrhafte merchants of death(ich rede hier vom Normalbetrieb, nicht von den möglichen  „Unfällen“ – mehr zur „unschädlichen“ Strahlendosis später)

Zur Asse ist noch ein wichtiger Punkt anzuführen, der im Panorama-Beitrag nicht erwähnt wird: Zuständig für die Asse (Betreiber) war nicht das BA für Strahlenschutz, sondern das Helmholtz-Zentrum in München, das den absurden (wohl aus der PR-Industrie stammenden) Untertitel „Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt“ trägt und ein Dokument über die Asse  mit dem Titel „Erfolgreiche Einlagerungszeit“ ins Internet stellt. George Orwell wäre angesichts soviel „Doublespeak beeindruckt gewesen, meine Herren!

Was diese „Experten“ seit den 1960er Jahren dort konkret „untersucht“ haben, ist rätselhaft, denn auf der Hompage gibt es unter Präsentationen“ und dann „Ära der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten“ nur  ein 1- seitiges pdf-Dokument (wohl noch aus der Vorläufergesellschaft GSF);  diesen Level an Informationen hat man wohl einem Publikum zugedacht, dessen geistige Kapazität auf Kindergarteniveau stehen geblieben ist. Genau dort will man das „Volk“ ja haben, wenn es um das Verständnis der echten Gefahren der Atomindustrie geht. Diese Industrie hätte nie so einen massiven Einfluss auf die Politik gewinnen können (man denke nur an den EURATOM-Vertrag, der für immer und ewig die EU-Länder drangsaliert), ohne eine systematische Verschleierung ihrer wahren Aktivitäten und Risiken.

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Die "Hintergrundstrahlung" (rot)muss als Alibi für die angebliche Harmlosigkeit herhalten

Doch die Machenschaften der Helmholtz-Bande (beware of PPP!) sind nicht nur intransparent, sondern geradezu kriminell: (Auszüge BAS)

„Bereits 1988 sind diese Lösungen aus dem “Laugensumpf” vor der Kammer 12 auf der 750-m-Sohle abgepumpt und ……in die Kammer 11 auf der 700-m-Sohle transportiert worden. Dort sind die Lösungen aus den Behältern auf die dort geschichteten Gesteinsbrocken … der teilverfüllten Kammer abgelassen worden.

Das geht aus dem Bericht eines Bergmannes aus dem Dezember 2008 hervor, der im Januar dem BfS vorgelegt und ausgewertet wurde. Um welche Mengen es sich dabei gehandelt hat und wo die radioaktiv kontaminierten Laugen verblieben sind, ist nicht bekannt.

….“Das Helmholtz-Zentrum München, das bis Ende 2008 Betreiber der Asse war, hatte ab 2005 ohne die erforderliche Umgangsgenehmigung nach Strahlenschutzverordnung kontaminierte Salzlösungen in andere Teile des Bergwerks transportiert. Diese Lösungen lagen deutlich über den Freigrenzen. Die belastete Salzlauge war aus dem Sumpf vor Kammer 12 auf der 750-Meter-Sohle durch ein Bohrloch in den so genannten Tiefenaufschluss in etwa 975 Meter Tiefe gebracht worden. Dieses Vorgehen wurde am 18.6.2008 gestoppt.“

Warum wurden diese Leute – inklusive Merkel – nie zur Rechenschaft gezogen? Warum hört man nichts von einer Anklage, von einer Ermittlung der Staatsanwaltschaft? In der Asse wurden auch Plutonium-Abfälle gelagert, Plutonium trägt seinen Namen zu Recht, denn es ist eines der gefährlichsten Stoffe, die die Menschheit je produziert hat und selbst winzigste Mengen haben das Potential, Krebs auszulösen.

Wenn man weiter recherchiert, kommt man zum gleichen Schluss wie der Panorama-Reporter: Das Wort „Entsorgung“ oder „Endlagerung“ im Zusammenhang mit radioaktiven Spaltprodukten ist ein Widerspruch in sich, eine Jahrtausendlüge, mit katastrophalen Folgen. (der nächste Horror ist Gorleben….)

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Die Idee, dass man hunderttausende Fässer, die für zig Generationen (nach menschlicher Zeitrechnung für die Ewigkeit) eine massive Bedrohung darstellen, irgendwo vergraben kann, und dann tausende Jahre unter Kontrolle hält, ist so absurd, dass man sich fragen muss, warum Leute wie Westerwelle, Merkel oder Atomlobbyisten nicht für verrückt erklärt werden, wenn sie von der Verlängerung der Laufzeiten von AKWs oder der „Übergangslösung“ sprechen, warum die Medien diesen gemeingefährlichen Schwachsinn auch noch übernehmen…

Wir sind das „Endlager“. Unsere Körper, unsere Zellen, unsere DNA, unsere Kinder.

Denn das Märchen von der „unschädlichen Dosis“, den „Grenzwerten“ und der „natürlichen Hintergrundstrahlung“ ist ein Witz, eine unglaubliche Lüge, die seit Jahrzehnten verbreitet wird, damit die Bevölkerung ruhig bleibt.

Der wirkliche Hammer in der  ARTE-Reportage war nicht der Transport tausender Tonnen Uran nach Russland, sondern die Aussage eines Wissenschaftlers, der auf einem Laptop eine Statistik zeigt, die die ständige Zunahme von Krypton 85 in der Atmosphäre darstellt. Ein erheblicher Teil davon wurde durch die Atombombentests produziert, aber mittlerweile emittierten die Wiederaufbereitungsanlagen MEHR als die 500 Bombenexplosionen zuvor.

Die Betreiber von La Hague behaupten in der Reportage, die radioaktive Strahlung sei zu gering, um die Menschen krank zu machen (das sagen ja alle). Man weigert sich sogar, den Begriff „Kontamination“ zuzulassen, es handle sich um Freisetzungen „ohne Effekte“ (!)

Doch dann erklärt der Wissenschaftler der Journalistin, dass diese Aussage „die Strahlendosis sei zu niedrig, um gesundheitliche Schäden anrichten zu können“ auf EINER VÖLLIG FALSACHEN PRÄMISSE beruht, nämlich dem so genannten Strahlenschutzmodell (ICRP). Dieses entstand auf der Basis der Studien, die nach der atomaren Explosion in Hiroshima durchgeführt wurden.

Aber damals wirkte eine hohe Strahlungsdosis, für sehr kurze Zeit (Milisekunden) VON AUSSEN auf den Körper ein. Das Verhältnis von Dosis zu Wirkung ist jedoch nicht einfach linear (also je kleiner die Strahlung, desto weniger Effekt und unterhalb eines Grenzwertes passiert gar nichts – das ist falsch!)

Die Gefahr von AKWs besteht jedoch in der CHRONISCHEN BESTRAHLUNG VON INNEN, weil die radioaktiven Isotope mit Nahrung und Wasser in den Körper gelangen.  Sehr geringe Strahlendosen und – quellen (wie z.B. Alphastrahlung), die von außen harmlos sind, richten aber innerhalb des Körpers verheerende Schäden an, weil sie ja die Zellen direkt bestrahlen – also mit ionisierender Energie „beschießen“. Wird ein Zellkern einmal getroffen, kann der Schaden wahrscheinlich noch repariert werden, doch kommt es zu wiederholtem „Bombardement“ mit ionisierender Energie (vor allem während der Reparaturphase), können die Schäden nicht mehr beseitigt werden und es kommt zu Doppelstrangbrüchen und Chromosomenschäden. Dies führt entweder zum Zelltod oder zu einer abnormalen Zellteilung, was die Basis für Krebswucherungen ist. (Siehe dazu auch meine beiden vorhergehenden Blogs zum Thema Atompolitik)

Jeder, der den weiteren Ausbau der „Kernenergie“ (verharmlosender Begriff!) voran treibt, oder die Laufzeiten der alten Kraftwerke verlängern will, legt damit weitere Zeitbomben für unsere Zukunft.

Wir verseuchen den ganzen Planeten mit radioaktiven Spaltprodukten, die sich in Nahrung und Wasser, aber letztlich IN UNSEREN (MUTIERTEN) GENEN „verewigen“. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Krebsraten steigen (nicht weil die Menschen älter werden!) , aber besonders die zunehmende Krebsinzidenz bei Kindern ist ein Skandal, der seinesgleichen sucht, weil sich anscheinend alle damit abgefunden haben und statt Prävention dieser schrecklichen Krankheiten (wie Leukämie bei Zweijährigen oder Fällen in Weiss-Russland, wo Babys MIT SCHILDRÜSENKREBS GEBOREN wurden, versucht man die Bevölkerung mit biotechnischen  Heilsversprechen (Gentherapie, Stammzellen, etc.) aufzumuntern…

Jeder Politiker, der diese Wahnsinnstechnologie weiter unterstützt, ist ein Verbrecher gegen die Menschlichkeit, weil damit das Leiden und Sterben von Millionen Menschen vorprogrammiert ist, aber zu verhindern wäre.

Der unbeirrbare Wachstums- und Fortschrittsglaube lässt diese traurigen Gestalten auf dem politischen Parkett jedoch blind werden für den Wahnsinn, den sie propagieren.

John Maynrad Keynes sagte so schön:

„The problem is not lack of new ideas but to get rid of the old ones…“

Dieses FOBs (fossilized old buggers), also gedanklich erstarrten Politiker (auch Westerwelle gehört dazu, das ist nicht unbedingt eine Frage des Alters, sondern der Indoktrination…) können unsere gewaltigen Probleme nicht lösen, weil sie unfähig sind, den großen Paradigmenwechsel vorzunehmen.

Das würde ja bedeuten, dass man zugeben müsste, in den letzten Jahrzehnten einem wirtschaftspolitischen Dogma angehangen zu haben, das uns an den Rand des Abgrunds führt, weil es unsere Lebensgrundlagen zerstört.

Doch woher sollen neue Denker kommen, wenn sogar angesichts der immer wiederkehrenden und sich verschärfenden Krisen, die die neoliberale Religion produziert (siehe zuletzt Billionen im Bank(un)wesen versenkt und Schuldsklaverei für alle Bürger vergrößert…)  genau jene Arschlöcher (Entschuldigung, finde im Moment keinen besser passenden Ausdruck) wieder gewählt werden?  Und dann noch der Schwachsinn potenziert wird durch Leute wie Westerwelle, dessen geniales Programm aus „Steuern senken“ und „Freiheit für alle Leistungsträger“ besteht?

Link zum Panorama-Video:

Desaster Atommüll

Das Krümmelmonster – Teil 2 (Wings of Death)

DAS MÄRCHEN VON DER „SICHEREN“ ATOMKRAFT und DEM “STRAHLENSCHUTZ”

„Deutsche Kernkraftwerke sind sicher“ behaupten die Verfechter der Atomkraft, aber wer tritt den Beweis für diese angebliche Sicherheit an? Was bedeutet Sicherheit überhaupt im Kontext der Atomwirtschaft? Dass es keinen Super-Gau gibt? Dass der Normalbetrieb völlig ungefährlich ist? Dass die „Störfälle“ und meldungspflichtigen „Ereignisse“ harmlos sind? Es geht doch darum, dass wir der Atomtechnik vertrauen sollen bzw. denen, die sie fördern und daran Millionen verdienen.

Ist diese Branche vertrauenswürdig? Gibt es Transparenz und Offenheit über Risiken und Probleme?  (Siehe Krümmel) Wohl kaum, stattdessen werden PR-Firmen engagiert, die durch Desinformation und Manipulation der öffentlichen Debatte eine Akzeptanz der Atomenergie „herstellen“ (Engineering Consent) bzw. 23 Jahre nach Tschnernobyl die CO2-Problematik für eine Berufung auf „Sachzwänge“ („Atomenergie ist unverzichtbar“) missbrauchen. Eine öffentliche Diskussion (über die üblichen „Talking Points“ hinaus, die in 3 Minuten Interviews abgewickelt werden) muss vermieden werden, nur so kann die Bevölkerung weiterhin ruhig gehalten werden.

Aktuelles Beispiel: Der KKW-Betreiber e.ON verweigerte dem Bayerischen Rundfunk ein Interview zum Thema „alte Sicherheitslücken noch immer nicht behoben“ (verstopfte Siebe, bröckelndes Dämmmaterial gefährden Kühlwasserkreislauf) mit der Begründung, diese technischen Finessen seien „der Öffentlichkeit nicht vermittelbar“ und außerdem weigere man sich, mit der Deutschen Umwelthilfe zu debattieren, denn das sei „nicht sinnvoll“ (Klartext: die sind zu doof…)  Die Arroganz dieser Leute ist beeindruckend, doch sie zeigt auch, dass man sich vor informierten Debatten drückt, wo es nur geht, denn hier handelt es sich nicht um ein „Medienschaf“, dem man alles mögliche vormachen kann (siehe auch Gentechnik-Debatte): Der formidable Gegner in diesem Fall ist Dr. Gerd Rosenkranz, ein promovierter Werkstoffwissenschaftler und renommierter Journalist, der vom Spiegel „gegangen“ wurde, weil er zu „freundlich“ über die erneuerbaren Energien berichtet hatte bzw. dem herrschenden Energiekartell und auch der Atomindustrie nicht dienlich sein wollte…)

Wohl kaum eine andere Technologie ist so undemokratisch und wenig transparent (siehe aktuell Krümmel) wie die „friedliche Nutzung der  Kernkraft“ (ein äußerst irreführender und verharmlosender Euphemismus), das ergibt sich ja schon durch die Geburt der Atomindustrie in Form einer Bombe. Das militärische Establishment  war ja der Geburtshelfer dieses Monsters und ist auch im Hintergrund die treibende Kraft für die Akzeptanz und weitere Entfaltung der Atomwirtschaft.  Umweltminister Gabriel sagte kürzlich in einem Interview:

“50 Jahre Atomforum – das bedeutet ein halbes Jahrhundert Lug und Trug. Die Propagandazentrale der Atomkonzerne steht wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind.“

Viele Journalisten beeilten sich, diese scharfen Worte sofort als billige Wahlkampfpolemik zu diskreditieren, wodurch sie sich natürlich vor den Karren der Atomlobby spannen ließen, die dem Umweltminister das „Schüren unbegründeter Ängste“ vorwarfen und beteuerten, dass unsere Kernkraftwerke so sicher seien, dass man ihre Laufzeiten noch weiter verlängern könne. Anstatt die unheilige Allianz zwischen Atomlobby und dummen und / oder korrupten  Politikern zu attackieren, greift man einen Politiker an, der einen der größten Polit-Skandale aller Zeiten anprangert (die SPD an sich bietet ja anderweitig noch genug Stoff für Kritik).

Man muss meistens ins Internet gehen, um kritische Berichte über den Einfluss der Atomlobby auf die Politik lesen zu können. (in diesem Fall nicht so erfolgreich, aber steter Tropfen höhlt den Stein….)

Die Liste der technischen Pannen ist ja bekanntlich lange (siehe zB. Rosenkranz oben), aber solange niemand tot umfällt, kann man das Ganze natürlich als harmlos hinstellen. Pannen in technischen Anlagen wird es immer geben, niemand kann das völlig ausschließen, aber in KKW sind die Risiken enorm und Folgen so verheerend, dass die Kosten – Nutzen Rechnung eindeutig negativ ist. Solange man aber die Folgekosten auf die Gesellschaft (bzw. den Staat) abwälzen kann und die Gefahren verharmlost, wird die Atomlobby weiterhin Gewinne machen und lügen, was das Zeug hält, während wir die Zeche zahlen (finanziell und gesundheitlich).

Das Risiko von „Unfällen“ soll aber hier nicht weiter erörtert werden, das passiert ja andernorts bereits, sondern die völlig ignorierte Gefahr des so genannten NORMALBETRIEBS.

WINGS OF DEATH: Kinder sind die ersten Opfer (auch ungeborene) …

Offenbar ist die Wissenschaftswelt daran, ein Puzzle zusammenzustellen, das immer deutlicher zeigt: Die Atomtechnologie produziert nicht nur Krankheiten wie Krebs und teratogene Schädigungen [Missbildungen bei Neugeborenen], sie verändert nachweislich das Erbgut – mit unvorhersehbaren Folgen […].“

Quelle: IPPNW (Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung)

Wie in der Publikation der IPPNW erwähnt wird, mehren sich seit Jahren wissenschaftliche Studien, die ein signifikant erhöhtes Risiko an Leukämie zu erkranken, für Kinder in der Umgebung von Atomanlagen feststellen. Die zuletzt öffentlich diskutierte Studie (2007), die vom Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegeben wurde, gab zu dem gleichen Ergebnis. Die Zahl der an Leukämie erkrankten Kinder in der Nähe von KKW war mehr als doppelt so hoch als der statistische Durchschnitt (37 Fälle statt 17 erwartete Fälle). Besonders tragisch ist dabei, dass vor allem Kinder unter fünf Jahren betroffen sind.

Die Zunahme der Leukämiehäufigkeit ist unbestritten und wissenschaftlich bewiesen. Aber jedes Mal wird behauptet, der Blutkrebs KÖNNE NICHT von den Kernkraftwerken herrühren, weil die emittierten STRAHLENDOSEN VIEL ZU NIEDRIG seien, es müsse also andere Faktoren geben oder es handle sich um statistische Zufälle.

Wie lange kann man diese Lügen noch verbreiten? Solange sie niemand in Frage stellt. Genau das soll aber um jeden Preis verhindert werden, denn nach logischen Gesichtspunkten müssen wir uns folgendes überlegen:

Wenn die real existierenden vermehrten Leukämiefälle nicht durch die angeblich harmlosen Strahlendosen erklärt werden können, dann muss natürlich das Verhältnis zwischen Dosis und gesundheitlichem Effekt neu überdacht werden:

Die Idee einer „unschädlichen Strahlendosis“ ist keinesfalls wissenschaftlich bewiesen, sondern lediglich eine bequeme Theorie, ohne die die Akzeptanz der Atomenergie unmöglich gewesen wäre. Dass diese schon längst unhaltbar geworden ist, soll aber nicht an die Öffentlichkeit gelangen, denn dann wäre die Atomwirtschaft am Ende.

Dass die Atomindustrie von Anfang an darauf  bedacht war, die Unsicherheiten und Gefahren zu verharmlosen, liegt auf der Hand. Durch die militärischen Interessen wurde dies noch verstärkt. Hier kann nicht vertieft auf die Geschichte des Strahlenschutzmodells eingegangen werden, aber es ist klar, dass dieses Modell nicht Ergebnis einer unabhängigen wissenschaftlichen Forschung war, die den bestmöglichen Schutz der Menschen im Sinne hatte, sondern in erster Linie Folge eine politische Entscheidung, die die Ausweitung der Atomwirtschaft ermöglichen sollte. Damit dies möglich war, musste mit der Wahrheit sehr sparsam umgegangen werden bzw. dafür gesorgt werden, dass in den Entscheidungsgrämien immer die richtigen Leute sitzen….

Einen  Einblick in die dubiose Entwicklung des „Strahlenschutzmodells“ gibt es HIER. Die moralischen Defizite dieser Institutionen können aber durch ein Statement von Karl Morgan, der der erste Präsident der Internationalen Strahlenschutzgesellschaft (IRPA) war, auf den Punkt gebracht werden:

„Als ich diesen Job annahm, war ich sehr stolz, Teil einer Organisation zu sein, deren oberstes Ziel es ist, die Menschen zu schützen. Heutzutage ist es aber anscheinend so, dass unsere erste Pflicht ist, die Nuklearindustrie zu schützen, andernfalls wirst du gefeuert.“

Interview mit der BBC, 31.Juli 1995 (Geiger Sweet, Geiger Sour)

Erleichtert wurde diese Verschleierung und Unterdrückung der Wahrheit durch ein System, in dem etablierte wissenschaftliche Dogmen mit Zähnen und Klauen verteidigt werden und jeder, der sie angreift, wie ein Häretiker verfolgt wird. So werden Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen, in den Journalen nicht veröffentlicht  oder sie werden von vorneherein verhindert, indem man die Non-Konformisten finanziell aushungert. Über die wissenschaftliche Kultur können wir uns hier nicht weiter auslassen,  sondern kommen zum zentralen Thema bzw. dessen Kernpunkte:

1) DAS AKZEPTIERTE STRAHLENSCHUTZMODELL IST NICHT WISSENSCHAFTLICH BEGRÜNDET UND BERUHT AUF FALSCHEN ANNAHMEN.

Es mehren sich seit Jahren Hinweise, dass dieses Modell die Risiken durch ionisierende Strahlung um ein Hundertfaches bis zum Tausendfachen unterschätzt (hohe Leukämieraten der Kinder wären dann gar nicht verwunderlich) bzw. dass es überhaupt keine unschädliche Strahlendosis gibt. Ich versuche hier, stark vereinfacht, zu erklären, warum diese „Grenzwerte“ mit hoher Wahrscheinlichkeit unsinnig, aber jedenfalls willkürlich sind:

Um die Wirkung radioaktiver Strahlung auf lebende Organismen zu untersuchen, werden in erster Linie Modelle verwendet, die der Komplexität eines biologischen Netzwerkes bei weitem nicht gerecht werden. Diese gehen alle auf die Untersuchungen der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki zurück.

Dabei wurden die Betroffenen für wenige Millisekunden einer hohen, externen Strahlendosis ausgesetzt, die messbar ist. Daraus wurden simple Risikomodelle abgeleitet: z.B. wenn bei Strahlendosis 20 hundert von 10.000 Leuten Krebs bekommen, dann sind es bei Strahlendosis 10 fünfzig Leute, bei Dosis 1 fünf Leute, etc. Man nimmt also an, dass das Verhältnis zwischen Dosis und Effekt proportional ist: je geringer die Strahlungsdosis, desto geringer das Risiko, an Krebs zu erkranken.

Das Problem fängt jedoch schon damit an, welche Zeiträume für das Auftreten von Krebserkrankungen gewählt werden. (Leukämie tritt relativ bald auf, während andere Krebserkrankungen oft erst nach 30 Jahren sichtbar werden; das hängt damit zusammen, dass Zellen, die sich besonders häufig teilen, am meisten gefährdet sind: bei Erwachsenen sind das vor allem die Blutzellen, bei Kindern natürlich alle Zellen, da sie ja noch wachsen und wesentlich höhere Teilungsraten haben)

Von Anfang an gab es Ungereimtheiten bei der Feststellung der Krebserkrankungen. So ermittelten die japanischen Behörden eine Zunahme von 400 % für alle Krebserkrankungen außer Leukämie, die amerikanische ABCC Studie (Zeitraum: 1957-1959; 1963 veröffentlicht) fand aber nur eine 30% Steigerung. Dass man Zahlen und Parameter für Statistiken manipulieren kann, um unerwünschte Ergebnisse zu verhindern, ist ja bekannt. Dr. John Gofman, ein Dissident und ehemaliger Berater der Atomic Energy Commission, zeigte in einer Studie 1990, dass die Risikofaktoren, die von der amerikanischen Studie abgeleitet wurden, um das 20-fache zu niedrig waren und – was das Wichtigste ist, dass die Ergebnisse eine supra-lineare Dosis-Effekt Kurve zeigen, nicht eine lineare.

Das bedeutet, dass das Verhältnis zwischen Strahlendosis und gesundheitlichem Effekt nicht proportional ist, mit anderen Worten: bei niedrigerer Strahlenbelastung ist das relative Risiko höher. (Die Kurve steigt zuerst steil an und flacht dann ab)

2) ES WURDE BEI DER GRENZWERTERMITTLUNG KEIN UNTERSCHIED ZWISCHEN AKUTER, EXTERNER STRAHLUNG UND CHRONISCHER, INTERNER STRAHLUNG GEMACHT.

Kommen wir noch mal zurück auf die Studien nach Hiroshima. Um ein erhöhtes Risiko für einen bestimmten Personenkreis zu ermitteln, braucht man eine so genannte „Kontrollgruppe“, also Menschen, die nicht unmittelbar durch die Atomexplosion kontaminiert wurden und vergleicht dann die Krebsfälle der exponierten Gruppe mit der Kontrollgruppe unter Berücksichtigung der Entfernung vom Explosionszentrum. Die Resultate, aus denen dann Risikobewertungen abgeleitet wurden, sind ja  bereits oben erwähnt worden.

Was aber dabei völlig ignoriert wurde, ist die Tatsache, dass auch die Kontrollgruppe durch den Fallout der Bombe kontaminiert war, also die Spaltprodukte der Kernexplosion durch Einatmen, Wasser und Nahrung in den Körper gelangten und dort eine innere, chronische Strahlenbelastung entstanden war. Die Kontrollgruppe war also nicht „unbelastet“ und somit der Risikovergleich irreführend.

Die Krebsraten für 10-14jährige Kinder in Japan hatten sich innerhalb von 5 Jahren nach dem Bombenabwurf verdreifacht. Bis 1963 stiegen sie auf  das Fünffache. Ernest Sternglass bewertete diese Ergebnisse so:

„Jetzt wird klar, warum die Hiroshima Studien keine erhöhte Kindersterblichkeit  (Kinder der Überlebenden) fanden. In ganz Japan waren die Sterblichkeitsraten wegen des Fallouts gestiegen, so dass es kaum einen Unterschied gab zwischen den Überlebenden, die direkt der Explosion ausgesetzt waren und jenen, die durch kontaminierte Nahrung als Folge des Fallouts radioaktiv belastet wurden“ (Sternglass, 1981)

These: Die Risiken einer chronischen, internen Teilchenstrahlung  können nicht von Untersuchungen über externe, akute Strahlung (wie z.B. auch bei Röntgenstrahlen) abgeleitet werden. Warum?

Dazu ein kleiner Exkurs in die Grundlagen der Risikobewertung:

Die Pioniere der Atomforschung waren natürlich in erster Linie Physiker, deshalb sind auch die grundlegenden Modelle rein physikalisch: So wird z.B. die Einheit der absorbierten Strahlendosis, so definiert: 1 Gray ist eine Energie von 1 Joule, die von einem kg Masse absorbiert wird. Hier spricht man also von einem „Energietransfer“. Später erkannte man, dass die unterschiedlichen Strahlungsarten verschiedene biologische Wirkungen haben, was mit ihrer Reichweite, der Ionisierungsdichte und der abgegebenen Energiemenge zusammenhängt.  Mehr dazu HIER und in meinem ersten Beitrag in diesem Blog  (tag: Atompolitik)

Die Bewertung wurde zwar verfeinert (z.B. wurde das Risiko je nach Organ und radioaktivem Isotop unterschiedlich bewertet, so ist z.B. das Zielorgan für radioaktives Jod die Schilddrüse, für Strontium 90 die Knochen und Zähne, etc.), aber die grundsätzliche Konzentration auf Energiemengen, die von einer bestimmten „Organmasse“ absorbiert werden, hat sich nicht geändert. Daher spricht man von einer „Ganzkörperdosis“ oder einer „Organdosis“, wobei das „Phantom“-Modell eines Organs von einer homogenen Masse ausgeht, in der die chemischen Elemente gleichmäßig vermischt sind,  – als „Wasserbeutel“ modelliert -( kein Witz.). Dass auf dieser primitiven Basis ein realistischer „Strahlenschutz“ entstehen kann, glaubt nur ein Idiot….

Hier wird argumentiert, dass man den Effekt der ionisierenden Strahlung auf ZELLULÄRER EBENE als Basis für Risikomodelle nehmen muss, nicht Organdosen. Die Behauptung „die Dosis z.B. der freigesetzten Radionuklide von Krümmel sei zu niedrig“ entlarvt sich dann selbst, denn um Krebs zu erzeugen, muss nur eine einzige Zelle mutieren und dazu reichen winzige „Dosen“ bzw. ein Alphateilchen, dass bei seinem Zerfall das umliegende Gewebe immer wieder mit hoher Ionisierungsenergie „beschießt“, wodurch das Genom instabil wird und dauerhafte Chromosomenschäden (DNA-Doppelstrangbrüche) entstehen.

Ich zitiere zum Schluss Herrn Prof. Rolf Betram (stellvertretend für andere wie z.B. Dr. Chris Busby oder Frau Prof. Schmitz-Feuerhake)

„Solange die multiplen Wirk-Mechanismen ionisierender Strahlung auf organisierte lebende Zellverbände nicht aufgeklärt sind, solange es dafür keine verlässlichen strahlenbiologischen und biophysikalischen Modelle gibt,… so lange die zeitliche und räumliche Dosisverteilung in den stark divergierenden lebenden Gewebebereichen nicht ermittelbar ist, KÖNNEN DIE ZUR ZEIT VERWENDETEN GRENZWERTE KEIN MASS FÜR INDIVIDUELLE GESUNDHEITLICHE BEEINTRÄCHTIGUNGEN SEIN.

FAZIT: Auch der Normalbetrieb eines KKW ist gefährlich und führt zu einer schleichenden Kontaminierung der Umgebung. Die radioaktiven Spaltprodukte gelangen durch Luft, Wasser und Nahrung in den Körper und führen zu einer chronischen Teilchenbestrahlung des betroffenen Gewebes.

“I have become death, the destroyer of worlds”  …

(sollte auf allen KKW stehen)

Der Vergleich mit der “natürlichen Hintergrundstrahlung” ist auch zweifelhaft, denn die Spaltprodukte aus AKWs kommen in der Natur gar nicht vor….

Links:

Die Scheinargumente für Atomkraft (BMU)

The Nuclear Laundry (2)

Gardner Studie

Totgeburten Sellafield

Die WHO und das Gesetz des Schweigens